Die GRUENDERLISTEN der Suez- Kanal- Gesellschaft Lesseps unterbreitete im November 1854 Said-Pacha die Soubscriptorenliste der société d'etudes. Es war dies seine beste Empfehlung da sie durchweg aus bekannten Namen, Gelehrten, Finanzgrössen, bedeutenden Körperschaften-bestand, die bereits je 5.000 frs bezahlt haben. Beleg: Abschrift des Originals i.d. Arsenalbibliothek. Selbstverständlich war der Gründerartikel, des darauffolgenden Firmans vom 30. November 1854 diesen Urgründern angepasst, ob der Artikel nun die Nummer 8, 11 oder 9 trug.- Er verfügte, dass die Namen der Gründer auf den Statuten genannt werden sollten. Beleg: Firman vom 30. November 1854.- Am 6. Dezember 1854 sandte Lesseps diese Liste an Arlès zurück.- Die Namen des Vicekönigs und der Prinzen standen neu am Anfang derselben.- Lesseps und der Vicekönig hatten daher die Liste der ersten, welche die Bedingungen des Gründerartikels erfüllt hatten, anerkannt.- In seinem Briefe nannte Lesseps diese Liste;"mein Gründerlistenprojekt.-" Beleg: 1.) Brief vom 6. Dezember 54 Arsenalbibliothek. 2.) Brochure von Enfantin. Laut seines Rapportes vom 30. April 1855 hatte der Vicekönig an diesem Tage bereits eine Gründerliste von 55 Namen- oder 60, wie Lesseps in seiner Fälschung sagt,- genehmigt.- Der Vicekönig hat gewünscht, dass die Zahl der Gründer 100 nicht übersteigt.- Er überliess es Lesseps weitere Gründer - bis 100 - in Vorschlag zu bringen, behielt sich aber deren Bestätigung vor.- Laut Dekret vom 19.5. 55 musste dieser Bericht Lesseps als Instruktion dienen.- Für jene Gründer, die er selbst ernannt hatte, und die von jeder Bezahlung der 5000 frs. frei sein sollten, bezahlte der Vicekönig mehr als 600.000 frs.- Beleg: 1.) Bericht des Lesseps 2.) Bericht des Experts 3.) Dekret vom 19. Mai 1855 Zu den Gründern, die vom Vicekönig selbst ernannt wurden, gehörten in erster Linie Negrelli und Bruck, die auf der ersten Subskriptorenliste nicht genannt waren.- Beleg: 1.) Brief vom 4. Mai 1855, 2.) Brief vom 18. Juni 1855. Ferner ernannte der Vicekönig sämmtliche 13 Mitglieder der internationalen Kommission zu Gründermitgliedern.- In den officiellen Briefen an sie oder ihre Regierungen wird betont, daß die Zahl der Gründer mit 100 festgesetzt ist.- Beleg: 1.) Bericht des Experts 2.) Brief vom 9. August 1855 3.) Brief a.d. Preußische Regierung 8.55 4.) Bericht d.G.L. Baron Pentz 8.55 Am 5. Jänner 1856 zeigt der richtig übersetzte Artikel 19 des zweiten Firmans, daß eine bereits genehmigte Gründerliste zu bestätigen (confirmer) und deren Vervollständigung zu genehmigen (approuve) ist.- Auf der französischen Uebersetzung der Statuten fehlt die im Gründerartikel 8, 11, oder 9 des ersten Firmans angeordnete Namensnennung der Gründer. Beleg: 1.) Firman vom 5.1.56 2.) Französische Uebersetzung der Statuten. Später befindet sich nirgends mehr eine Spur einer Gründerliste oder Ernennung von Gründern mit Ausnahme der Note an den k.k. Finanzminister vom 1. März 1856 bis zum 22. August 1858.- Während dieser ganzen Zeit war der Kampf um die Konzessionirung durch die Pforte.- Lesseps hielt sich 1858 viele Monate zu diesem Zwecke in Konstantinopel auf.- Mit vollständigem Misserfolg dort, reiste er im August nach Triest zu Revoltella in dessen Papieren ich eine von Lesseps Hand geschriebene Namensliste von Geldgebern fand.- Aus seiner Korrespondenz mit Revoltella geht hervor, dass er mit diesem den Plan zur illegalen Kon stituirung fasste.- Beleg: 1.) Brief vom 18. August 1858 2.) Briefe vom 23.-26. August 1858 3.) Copirbuch Revoltella's 4.) Namensliste. Mit seinem Briefe vom 24. September wollte Lesseps noch Negrelli für diesen Plan umstimmen und teilt ihm mit, dass er und Bruck mit 10 Gründeranteilen auf den Register stehe.- Dieser Brief ist darin unverständlich, weil damals die 100 Anteile noch nicht gespalten waren und Negrelli eine Doppelernennung hatte.- Das Wort "Liste" wird in diesem Brief sorgfältig vermieden.- Ausserdem schreibt Lesseps, dass Negrelli Herrn Dufour als Verwaltungsrath gewinnen solle, und dass sämmtliche Mitglieder der intern. Kommission zu Verwaltungsräten bestimmt sind.- Negrelli hat diesen Brief nie gelesen; er war auf dem Sterbelager.- Am 29. September benachrichtigte Lesseps Revoltella vertraulich von der Absendung dieses Briefes der sofort nach Negrelli's Hinscheiden den Advokaten Skrinzi nach Wien um alle Papiere sandte Belege: 1.) Brief vom 24. September 2.) " " 29. " 3.) Korrespondenz Weiß- Revoltella. Lesseps constituirte am 20. Dezember 1858 seine Gesellschaft.- Der Verwaltungsrath war aus jenen Namen zusammengesetzt, deren Liste Lesseps im August in Triest aufgestellt hatte.- Beleg: Konstituirungsprotokoll. Am 5. Jänner 1859 zeigte Lesseps dem Vice-könig die vollzogene Konstituirung an.- Sein erlogenes gewundenes Schreiben erhielt nie eine Antwort.- Der Vicekönig erkannte diese Gesellschaft nicht an. Beleg: 1.) Akt Thonomel 2.) Bericht des Expert.- Am 12. Februar 1859 kündete Lesseps in der Verwaltungsratssitzung an, dass die 100 Gründeranteile in 1000 gespalten würden. Beleg: Sitzungsprotokoll.- Zugleich kündete er an, dass den Gründern sofort die vorgeschossenen Gelder zurückerstattet werden.- Die Rückerstattung erfolgte sofort.- Beleg: 1.) Sitzungsprotokoll. 2.) Bericht des Expert.- Nach Artikel 70 und 19 der Statuten (der gefälschten) waren die Gründeranteile unteilbar.- Lesseps respektirte nicht einmal seine gefälschten Statuten.- Von der société d’études erhielt Niemand sein Geld zurück. Nur jenen Geldgebern, deren Liste ich in Triest gefunden hatte, die ihm auf kurze Frist das Geld im J. 1858 zur Konstituirung vorgeschossen hatten, wurde bereits ab Februar 1859 Geld zurückerstattet und diese erhielten auch die Gründeranteile.- Beleg: 1.) Bericht des Experts 2.) Statuten.- Dem Vicekönig wurden die rund 600.000 frs, die er für sich und die von ihm ernannten Gründer bezalt hatte, nicht zurückerstattet.- Beleg: Bericht des Experts.- Gründerliste wurde niemals veröffentlicht sondern sorgfältig geheimgehalten.- Die aegyptische Regierung hat keine Abschrift davon.- Beleg: 1.) Gelbe Hefte 2.) Diplomatische Korrespondenz 3.) Bericht des Experts. In der Krimminaluntersuchung setzte ich durch, dass die Liste, welche von der S.G. die "einzige authentische,unddefinitive" genannt worden war, beschlagnahmt und mir zum "ne varietur" Zeichnen und zur Prüfung vorgelegt wurde.- Es stellte sich heraus, dass sie irgend eine alte Abschrift ohne Authenticitätszeichen war.- Das Original - behauptete die S.G. - sei im Jahre 1872 mit dem Palast Rasel-Tén verbrannt.- Von dieser wertlosen Abschrift eine Abschrift der aegyp. Regierung zu geben, hatte sich die S.G. geweigert. Beleg: 1.) Abschrift der Liste 2.) Bericht d. Experts 3.) gelbe Hefte.- 166 Gründer sind darauf verzeichnet, statt 100. Die in Triest von mir gefundene Liste von Geldgebern ist fast vollständig darauf vertreten.- Herr v. Negrelli fehlt ganz.- Statt ihm ist seine Witwe mit 1/2 Anteil verzeichnet.- Bruck fehlt ganz.- Die société d'études fehlt bis auf einen.- Der Vicekönig, die Prinzen, fehlen.- Von der intern. Kommission stehen einige drauf, seinen ganzen Anteil hat keiner bekommen.- Als 100. steht Lentze mit 2/10 Anteil.- Bekommen hat er sie nicht.- Jaurès mit 2/10 Paleocapa 3/10 Montesino 2/10 diese haben ihre Bruchteile erhalten.- Nirgends ist auf dieser Liste die Anerkennung, die Genehmigung des Vicekönigs zu merken. Hätte der Vicekönig diese Liste anerkannt, hätte er damit die ganze apokryphe Gesellschaft anerkannt.- Beleg: 1.) Die Liste mit dem Datum 4.5.61 2.) Der Bericht des Experts 4.) Die 4 gelben Hefte.- Ich hatte bei der Untersuchung verlangt, daß die Umstände genau geprüft werden sollen unter welchen am 18. Mai 1893 diese Liste zum Notar gebracht worden war.- Auf meinen Antrieb hatte damals die ägyp. Regierung - die keine Gründerliste hatte - amtlich von der S.G. eine Abschrift verlangt.- Diese Abschrift wurde unter leeren Ausflüchten verweigert und die Liste beim Notar versteckt.- Der Untersuchungsrichter im Jahre 1901 prüfte nun diese Umstände.- Korrespondenzen darüber wurden bei der S.G. beschlagnahmt.- Unter andern ein Brief ihres Advokaten am Kassationshof, Herrn Devin, ddo.8.Mai 1893.- In diesem Briefe schlug Devin vor, die Liste mit dem Datum "4. Mai 1861" zum Notar zu flüchten, und niemals die Coexistenz der Liste von 1869 zu verrathen.- Beleg: 1.) Bericht des Experts 2.) gelbe Hefte.- Nun wurde nach dieser, der dritten Gründerliste geforscht und es fand sich, dass Lesseps die Anteile nicht an 166, sondern wirklich und wahrhaftig an 180 Gründer verteilt hat.- Beleg: 1.) Bericht des Experts 2.) gelbe Hefte.- Die Liste mit dem Datum 4. Mai 1861 war also keinesfalls die authentische, einzige und definitive.- Ich habe gegen Devin, der seither Verwaltungs rat geworden ist, vor 2 Jahren die Betrugsanzeige erstattet.- Beleg: meine Klage vom 30. Mai 1913.- Im Sommer 1913 fanden in Paris Civilverhandlungen der Herrn Thouvenel und Gf. Walewski gegen die S.G. statt.- Minister Thouvenel steht auf der Liste mit dem angeblichen Datum 4. Mai 1861, mit 5/10 Anteilen verzeichnet und hat nichts bekommen.- Minister Gf. Walewski steht mit 5/10 Anteilen verzeichnet und hat 2/10 bekommen.- Die Söhne der beiden Minister klagten und verlangten gerichtlich Abschrift der Liste mit dem angeblichen Datum 4. Mai 1861. Sie erhielten eine Abschrift. Ich verglich sie mit jener die das gleiche Datum trägt und die ich "ne varietur" gezeichnet hatte. Sie trägt auch das gleiche Datum 4. Mai 1861 hat aber nur 165 Namen und wesentliche Unterschiede im Innern der Namensliste.- Die S.G. hat aus Versehen - ihr alter Beamter war nach meiner Kriminaluntersuchung entlassen worden -- eine andere Fälschung erwischt und dem Gerichte vorgelegt. Beleg: Die beiden verschiedenen Listen vom 4. Mai 1861. Der Ausbruch des Krieges verhinderte bisher das zur Geltungsbringen dieser ganz neuen Tatsachen. Es existieren daher 5 Gründerlisten: 1.) die Liste der ersten Subskriptoren 2.) die am 30. April 1855 vom Vicekönig bereits genehmigte Liste von 55, bezw. 60 Namen, die bisher nicht aufgefunden wurde. 3.) die Liste m.d. Datum 4. Mai 1861 die ich "ne varietur" gezeichnet habe mit 166 Namen 4.) die Liste m.d. Datum 4. Mai 1861 welche im Prozess Thouvenel und Walewski fungiert hat, mit 165 Namen; 5.) die Liste von 1869 mit 180 Namen. Der Artikel 19 des Firman vom 5. Jänner 1856 verfügt, dass nur Jene Gründer werden sollen, die vor der Konstitierung zum Gelingen des Unternehmens beigetragen haben. Lesseps hat nach 10 Jahren nach der Konstituierung auf Namen lauten de Gründeranteile verkauft. Aufklärungen über die Gründerliste. Die allererste Liste, welche die Namen von 73 Subskriptoren, die tatsächlich je 5000 Frcs. eingezahlt haben, enthält, rührt von der Société d'études her.- Diese Liste hat Arles Dufour dem Lesseps nach Aegypten mitgegeben, der sie dem Vizekönig Said Pacha vorgewiesen und von ihm genehmigen ließ.- Diese I. Gründerliste hat Lesseps dem Arles Dufour am 6. Dezember 1854, sehr befriedigt darüber, daß er den Vizekönig bewogen hatte, die Liste zu genehmigen, zurückgeschickt; sie befindet sich noch heute in der Arsenal-Bibliothek in Paris, wo sie von Frau von Negrelli kopiert wurde.- Die II. Gründerliste scheint dadurch entstanden zu sein, daß der Vizekönig von Aegypten eine neue Liste anfertigte, die die Namen der ersten enthielt, sodann mit den Namen Negrelli und Bruck, sowie sämtlichen Mitgliedern der internationalen Kommission (Lenze und anderen) ergänzt wurde und vom Vizekönig mit seinem eigenen Namen versehen worden ist.- Diese II. Liste dürfte von der Familie Lesseps versteckt worden sein; vielleicht befindet sie sich in den Händen des Notars dieser Familie.- Nachdem Lesseps mit dem bis dahin gesammelten Gelde, zu welchem der Vizekönig über frcs. 2,000.000.- beisteuerte, in denen speziell frcs. 600.000.- für die Gründer inbegriffen waren, fertig war, hätte er warten sollen, bis ihm die Konzession erteilt worden ist.- Im Oktober und November 1858 hat er bereits Zirkulare, in denen er sich rechtswidrig schon als Konzessionär bezeichnete, versendet, um Aktionäre zu werben, ein Vorgang, der deshalb inkorrekt ist, weil er vor Erteilung der Konzession hiezu nicht ermächtigt war.- Da nun Lesseps zur Anwerbung der Aktionäre für Druck- und Reklamkosten weiteres Geld benötigte, suchte er neue Gründer, die Beträge in verschiedener Höhe zur Einzahlung brachten und so entstand die III. Gründerliste, ohne daß Lesseps von diesem Vorgang den ursprünglichen Gründern irgend etwas mitgeteilt hätte.- Diese III. Gründerliste mit 166 Namen, in der die ursprünglichen Subskriptoren fehlen, hat das Datum vom 4. Mai 1861; vermutlich entstand sie aber erst im Jahre 1863.- Sie liegt beim Notar der Suezgesellschaft, Mahot de la Querantonnais.- Eine IV. Gründerliste hat Walewski und Thouvenel anläßlich ihres Prozeßes gegen die Suezgesellschaft dem Gerichte vorgelegt.- Diese enthält 165 Namen und datiert ebenfalls vom 4. Mai 1861.- Sie ist im Besitze der Suezgesellschaft.- Deren Kopie ist in unseren Händen.- Mit 32 dieser Gründer bildete Lesseps am 20. Dezember 1858 seinen Verwaltungsrat, bevor noch das Aktienkapital subskriptiert war und bei der Verwaltungsratssitzung vom 12. Februar 1859 stellte er den Antrag, die bisher auf 100 festgesetzten Gründeranteile in 1000 zu spalten. Ursprünglich bestanden also 100 Gründeranteile à 5000 Frcs., zusammen 500.000 Frcs., von nun an 1000 Anteile à 50 Frcs., zusammen ebenfalls 500.000 Frcs.; zu dieser Spaltung war er nicht berechtigt, da auch nach den gefälschten Statuten eine solche Teilung ausgeschlossen war.- Die Spaltung veranlaßte er deshalb, weil er die ganzen Anteile nicht angebracht hätte.- Einer grossen Anzahl dieser Gründer wurden die Gründeranteile zurückbezahlt, sie blieben aber doch noch Gründer; die Anteile lauteten damals noch auf Namen.- Bis zum Jahre 1869 war die Zahl der Gründer auf 180 angewachsen, wobei aber die 100 Subskriptoren fehlten.- Diese V. Liste befindet sich im Besitze der Suezgesellschaft, die sie vor den Richtern sorgfältig verheimlichte.-