Anleitung Positiv- mul Negiitiv-Reloiidie Ilerausgegeben und dureli praktische Hois]>ielc erläutert Carl Zam 1)0lii Maler und Photograph. Mit 9 Lichtdruck-Tafeln. Halle a. S. Druck und Vorlag* von Wilhelm Knapp. : r*" 7 A VI 1 Alin Frey & Cie., Aarau (Schweiz). Fabrik und Lager sämmtlicher Bedarfsartikel für Photographie und verwandte Künste. Spezialität: Fabrikation " "" Chemikalien in absoluter Reinheit. Photograph. Apparate ’ aus eigener Kunsttischlerei & mech. Werkstätten. Vollständige Einrichtung photograph. Ateliers. Ausrüstung wissenschaftlicher Expeditionen. 4-- + | I Knft ros. § Telephon. ^ Kxport. I ^ Frey & Cie., Aarau. Spezialität: Complete Touristen-Apparate von Fr. 75. — bis Fr. 285. —. o li ■ '' MTffiT mniüjiw iT!r ir . Trockenplatten in allen gangbaren Formaten zn Fabrikpreisen. Objective sämmtlicher renommirten Fabriken. Preislisten gratis un g. M Pi g* S* 9 *? 3 O EÜ o' £■ ro *Z *-t ü ■ ET. c- ** g CD tJ ►- * ^ g 3 S' t» ►Tl ?» 3 w p Dl «r*- 3 p ts o o 3 *XJ sen piken. *2 Herausgegeben und durch praktische Beispiele erläutert yon Carl Zamhoni, Maler und Photograph. Mit 9 Lichtdruck-Tafeln. Halle a. S. Druck und Verlag von Wilhelm Knapp. 1888 . Vorrede. JJie Retouche im Allgemeinen bildet einen Hauptbestandteil der Porträt-Photographie, da von deren richtigen Behandlung das Gelingen des Porträts im artistischen Sinne wesentlich abhängig ist. Um die Richtigkeit dieser Behauptung nachzuweisen, werde ich versuchen, den Gegenstand näher zu besprechen. Die Photographie stellt jeden Gegenstand so dar, wie er in Wirklichkeit ist, nur mit der Abweichung, dass sämmt- liche Schattenpartien bedeutend tiefer sind als selbe im Leben erscheinen; durch diese Thatsache scheinen alle Gegenstände, namentlich Porträts, trotzdem, dass die Oontouren genau sein müssen, nicht völlig dem Originale zu entsprechen. Die Folge davon ist, dass sämmtliche Porträts das Original älter und in den meisten Fällen verzerrt wiedergeben und* mitunter eine unrichtige Modulation zeigen; ferner gibt es selten, ja nach meiner Erfahrung niemals Köpfe, die von allen Flecken, als Sommersprossen, Leberflecken, Blutflecken, Blatternarben u. dgl. vollkommen frei wären; die Aufgabe des Retoucheurs ist also, alle diese Fehler zu beheben und dem Porträt das richtige Maass von Licht und Schatten zu geben, um auf diese Art dasselbe dem Originale entsprechender und in Folge dessen ähnlicher zu gestalten. Die Erfahrung zeigt ferner, dass der beste Operateur trotz alles guten Willens nicht im Stande ist, immer ein gleich gutes Resultat zu erzielen; dies lässt sich namentlich bei einem Fachphotographen leicht erklären; derselbe wird in Folge des momentanen Zudranges des Publikums zur Eile getrieben; er hat es ferner mit lebenden Wesen zu thun; die Lichtverhältnisse sind oft verschieden u. dgl., wodurch es sich sehr oft trifft, dass der geübteste Operateur ungleich exponirte Platten hervorbringen IV Vorrede. muss, während doch jeder Photograph bestrebt sein soll, möglichst gute Bilder zu liefern. Dies ist er aber nur dann im Stande, wenn er einen Retoucheur besitzt, der in der Lage ist, alle dieser Fehler, die bei der Aufnahme oft unvermeidlich sind, zu beheben; nach meiner Anschauung durchaus keine leichte Aufgabe, da zu dieser Arbeit Erfahrung und artistisches Yerständniss gehören. Wir wissen, dass heutzutage, namentlich seit Einführung der Trocken platten, jeder Photograph durch die Vereinfachung der Operationen etc. ohne Ausnahme ein gleich gutes Material zur Verfügung hat; dennoch sehen wir einen grossen Unterschied in den Bildern; der Fehler liegt, abgesehen von der Stellung und Beleuchtung, hauptsächlich in der unrichtigen Behandlung der Retouche. Als Maler und mehrjähriger Photograph, welcher seine Aufnahmen zumeist selbst zu retouchiren pflegt, steht mir in diesem Gebiete eine reiche Erfahrung zu Gebote. Indem ich es unternehme, die Ergebnisse derselben meinen jüngeren Fachgenossen, welche die Retouche zu lernen beabsichtigen, möglichst kurz und gemeinverständlich zu erläutern, hoffe ich, denselben und auch vielen Amateuren, welche ihre Aufnahmen gern selbst vollenden wollen, einen kleinen Dienst zu erweisen. Mögen sie daraus recht viel Nutzen ziehen und dem bescheidenen Büchlein mit Wohlwollen entgegenkommen. Fiume, November 1887. Der Verfasser. Inhalt Seite Vorrede.UI I. Die negative Porträt - Retouch e.1 A. Utensilien zur Ausführung der Eetouehe.2 B. Vorgang bei der Negativ-Retouehe im Allgemeinen.2 C. Die Retouehe des Kopfes.4 1. Die Stirne.. . . . 5 2. Das Auge.6 3. Die Wange. 8 4. Die Nase.10 5. Der Mund. . .10 6. Das Kinn . . . .11 7. Der Hals.12 8. Das Ohr. 12 D. Die Retouehe des Busens, der Arme und Hände.12 E. Die Retouehe der Kleider und des Hintergrundes.13 F. Die Retouehe von vergrösserten Negativen und Reproduetionen.14 G. Abdeckungs-Methoden als Hilfsmittel bei Herrichtung fehlerhafter Matrizen . . 15 H. Behandlung von richtig exponirten Matrizen.16 J. Behandlung überexponirter Platten.17 K. Behandlung von zu kurz exponirten Platten.18 L. Behandlung lichter, insbesondere weisser Kleider.19 M. Herrichtung von flauen Matrizen.20 II. Die positive Porträt - Retouehe.22 A. Die Retouehe mit Bleistift.22 B. Die Retouehe mit Farbe.22 III. Die Retouehe von Vergrösserungen.25 A. Utensilien zur Ausführung der Retouehe mit Tusche.26 B. Vorbereitung zur Retouehe.26 C. Allgemeine Regeln. .... 27 D. Vorgang bei Ausführung der Retouehe.28 VI Inhalt. Seite E. Die Betouehe des Kopfes.29 F. Behandlung der Kleider.30 G. Behandlung des Hintergrundes.31 H. Ausführung in Kreide.31 IV. Die negative Betouehe von Landsehafts- Negativen . . 34 A. Vorbereitung der Matrize für die Betouehe.35 B. Vorgang bei der Betouehe.35 C. Abdeckung von Landsehafts-Platten.36 D. Behandlung der Luft und der Wolken ... 37 E. Behandlung der Gewässer.39 F. Behandlung von Moment-Platten.39 V. Die positive Betouehe von Landschaften .... 41 I. Die negative Porträt-Betouche. Die negative Retouche soll zum grössten Theil die positive Retouche entbehrlich machen, in Folge dessen bildet dieselbe den wichtigsten Theil der Porträt-Retouche im Allgemeinen, da nur von deren richtiger Behandlung ein günstiges Resultat des Bildes zu erwarten ist. Berücksichtigt man, da 3 die Matrize gewissermassen die Grundform der zu erzeugenden Abdrucke sein soll, so ist es erklärlich, dass dieselbe möglichst tadellos hergestellt sein muss, um einen guten Erfolg zu erzielen, daher soll jeder Photograph sein grösstes Augenmerk auf die Matrize selbst und deren Retouche richten und keine Zeit und Mühe scheuen, dieselbe auf das korrekteste hersteilen zu lassen. Von einer Matrize werden oft mehrere Dutzend Bilder bestellt; wurde nun dieselbe mangelhaft retouchirt, so muss folgerichtig jeder einzelne positive Abdruck retouchirt werden, eine nicht nur unpraktische, sondern auch speziell zeitraubende, daher total verwerfliche Arbeit. Eine Hauptbedingung einer gediegenen Negativ-Retouche, ist die genaue Kenntniss des Charakters der Matrize, dieselbe ist sicherlich keine leichte Aufgabe, da hierzu eine lange Erfahrung und möchlichst schnelle Uebersicht gehört. Der Negativ-Retoucheur kann aber nur dann etwas Gediegenes leisten, wenn er im Stande ist, auf den ersten Blick zu erkennen, was der Matrize fehlt, wobei ihm stets das Resultat der Copie vorschweben muss; hat er die anhaftenden Fehler erkannt, so ist es seine Aufgabe, dieselben auf das gewissenhafteste zu beheben. Aus dem Gesagten erscheint es daher unbedingt nothwendig, dass derjenige, der sich diesem Fache widmen will, vorausgesetzt, dass er ein guter Zeichner ist, sich vorher die genaue Kenntniss des Charakters der Matrize, sowie des Operationsfaches und der Photographie im Allgemeinen anzueignen suche, da sonst alle Zeit und Mühe vergeblich wäre. 1 2 Die negative Porträt-Retouche. Es giebt im Negativfache im Allgemeinen bei Beurtheilung des Charakters der Matrize drei mögliche Fälle und zwar entweder ist dieselbe richtig, oder mehr oder weniger unter- oder überexponirt. Es wird nun meine Aufgabe sein, diese Fälle eingehend zu besprechen und dem Retoucheur die Mittel zur Behebung vorkommender Fehler an die Hand zu geben. A. Utensilien zur Ausführung der Retouclie. 1. Zur Ausführung der Retouche wird der sogenannte Retouchir-Tisch oder Pult, wie solche im Handel zu bekommen sind, benutzt, letzterer besteht aus einer matten Scheibe, zum Auflegen des Negativs, einem darunter befindlichen drehbaren Spiegel zur Beleuchtung desselben und aus einem aufklappbaren Schirm, um jedes störende Licht von den Augen des Arbeitenden abzuhalten. 1 ) 2. Ein Spiegel, um behufs leichterer Arbeit die Probecopien in verkehrter Stellung sehen zu können. 3. Bleistifte, gegossener Bimsstein, Wischer, Tusche, Carrain, Gummi- Gutti, pulverisirtes Colophonium, Mattolein, Fuxin-Lack und endlich mehrere feine Pinsel in verschiedenen Grössen. B. Vorgang hei der Negativ-Retouclie iin Allgemeinen. Bevor die Retouche vorgenommen wird, bedarf die Matrize einer kleinen Präparation, diese ist in den meisten Fällen nothw T endig, da oft der beste Negativ-Lack das Arbeiten mit Bleistift nicht in jenem Masse gestattet, als es erforderlich ist. Zu dieser Präparation benutzt man das im Handel verkäufliche Mattolein, man nimmt zu diesem Behufe ein Leinwandläppchen. benetzt es mit dem Zeigefinger und reibt jene Stellen, die retouchirt werden sollen, so lange, bis die Schichte eine gleichmässige Fläche bietet, ohne selbe zu feucht zu belassen. Eine zweite den Vorzug vor allen anderen verdienende Methode ist, fein zerstossenes, trockenes und durchgesiebtes Colophonium in sehr geringer Quantität auf die lackirte Platte zu bringen und mit dem Zeigefinger solange abzureiben, bis die Lackschichte vollkommen und gleichmässig matt erscheint. Diese Art der Präparation bietet den Vorthei], dass solche Platten eventuell unter Seidenpapier *) Nähere Beschreibung des Letzteren im Handbuch der Photographie für Amateure und Touristen des Herrn Hauptmann Pizzighelli, Band 1, pag. 305. Die negative Porträt-Retouehe. 3 in der Sonne kopirt werden können, ohne Gefahr zu laufen, dass die Lackschichte von der Sonne aufgezogen werden, wodurch störende Flecken vermieden werden; dann hat diese Methode den Vortheil, dass die matte Schichte keinen Klebestoff besitzt, was eben beim Mattole'in der Fall ist, wodurch bei der Copirung Staubtheile und oft allerlei Schmutz an der Schichte anhaften und so eine langwierige Positiv-Retouche unvermeidlich wird. Für die Retouehe selbst benutzt man Bleistifte feinerer Sorte; selbe sollen weder zu hart noch zu weich sein, Faber Hartmuth No. 3 und 4 oder sibirischer Graphit sind die geeignetsten. Zur Vermeidung des fortwährenden Schnitzeins, benutze man die sogenannten Künstlerstifte, zum Spitzen derselben verwende man gegossenen Bimsstein. In den meisten Fällen wird der Bleistift zur vollständigen Durchführung der Retouehe genügen, nur in selteneren Fällen wird man zu Pinsel und Farbe seine Zuflucht nehmen müssen, letzteres soll man möglichst zu vermeiden trachten, da die Retouehe selbst bei der besten Uebung mit dem Pinsel nicht jene Gleichmässigkeit im Korn zulässt, die man mit dem Bleistifte hervorbringen kann. Die Farbe, die dem Colorit des Negativs am besten entspricht, ist die chinesische Tusche, man kann aber jede Naturfarbe, mit Ausnahme der Deckfarbe, ebenfalls mit Vortheil verwenden. Die beste Methode des Retouchirens ist die Strich-Manier, selbe ermöglicht ein gleichmässiges Korn und man gelangt damit rascher zum erwünschten Ziele. Als allgemeine Regel dient, dass, je kleiner der Kopf, desto feiner die Retouehe sein muss. Die Korn-Retouehe ist jeder anderen vorzuziehen, jedoch nur bei grösseren oder ganz grossen Köpfen anzuwenden, bei kleineren oder bei ganz kleinen, z. B. bei einem Kniebild oder bei ganzer Figur, Visit-Format, würde eine derartige Retouehe dem Bilde ein grobes Aussehen verleihen, was man thunliehst vermeiden soll. Ein regelmässigeres Korn lässt sich erzielen, indem man an den durchsichtigeren Stellen der Matrize, also dort, wo eine Unruhe wahrnehmbar ist, mit feinen kurzen Strichen, die möglichst nach allen Richtungen geführt werden, ausgleicht, wobei es von Vortheil ist, die Matrize häufig zu drehen. Die Führung des Bleistiftes soll eine leichte sein. Die Kraft des Druckes wird durch das Gefühl der eigenen Hand bestimmt. Um sich von der Gleichmässigkeit des Kornes zu überzeugen, muss man durch die matte Scheibe des Retouchirpultes die Matrize von einer gewissen Entfernung beobachten; daraus folgt, dass 1 * 4 Die negative Porträt -Retouche. man mit dem Auge nicht zu nahe an die Matrize treten soll, da dies zur Täuschung führt. Das Ausgleichen einer Matrize kann man sich im übrigen bei einiger Uebung bald aneignen; man beginne links oben, gleicht die Stirne, dann successive die Wangen, Nase, Kinn und zum Schluss den Hals aus. C. Die Retouclie des Kopfes. Jeder Kopf hat seine besondere Charakteristik, welche selbst bei durchgeführter Ketouche nicht im mindesten alterirt werden darf; ein kleiner Fehlgriff ist oft genügend, um die Aehnlichkeit des Porträts total zu vernichten. Es ist daher rathsam, nur jene Stellen des Kopfes zu retouchiren, an denen dies unbedingt nothwendig ist. Das Ueberschütten des Kopfes mit einem Meer von Strichen ist nicht nur zeitraubend, sondern führt gewöhnlich zu den oben angeführten Fehlern, ist daher gänzlich verwerflich. Erfahrungsgemäss wissen wir, dass jeder Mensch mehr oder weniger einen gewissen Grad von Eitelkeit besitzt, besonders kommt diese Eigenschaft bei der Damenwelt in erhöhtem Masse zur Erscheinung; diesem Umstande soll, namentlich mit Rücksicht des geschäftlichen Verkehrs bei einem Fachphotographen Rechnung getragen werden. Um dies zu erreichen ist es insbesondere Aufgabe des Retoucheurs, abgesehen von der Voraussetzung, dass bei der Aufnahme der Operateur die günstigste Seite des Objectes veranschaulichte, das Porträt so günstig als möglich zu retouchiren, ohne dass hierbei im mindesten die Aehnlichkeit verloren gehe. Es müssen daher bei jedem Kopf alle Züge in einem veredelten, gemilderten Zustande vorhanden sein, eine Regel, die sich jeder Retoucheur besonders vor Augen halten soll. Das Verschönern eines Porträts darf aber anderseits auch nicht zu weit getrieben werden, sonst möchte die Photographie in Bezug auf Alter nicht mehr dem Originale entsprechen. Diesen Umstand soll der Retoucheur besonders berücksichtigen, um das Richtige zu treffen; das weder zu viel noch zu wenig, ist keine so leichte Aufgabe, dazu gehört künstlerischer Sinn und namentlich viel Erfahrung. Alle diese angeführten Vorzüge sind noch nicht genügend, damit das Porträt allen Anforderungen der Kunst entspreche; letzteres wird erst dann erreicht, wenn die Photographie eine kunstgerechte Plastik vorweist, das heisst verkörpert einer gemeiselten Marmorbüste ähnlich, mit allen Nuancen der Schattirung vom höchsten Lichte bis zum tiefsten Schatten sich dem Be- Die negative Porträt-Retouehe. 5 schauer darstellt. Diesen Vorzug wird man in den seltensten Fällen bei der unretouchirten Matrize finden, es ist also eine der Hauptaufgaben des Retoucheurs dies zu erzielen, was aber nur dann möglich ist, wenn der Betreffende mit den anatomischen Formen des Kopfes vertraut und dabei ein guter Zeichner ist. Bei Köpfen kommen scharfkantige, eckige Formen selten vor, dieselben müssen eventuell abgerundet werden; da die runde Form bei Köpfen vorherrscht, so folgt daraus, dass die verschiedenen Schatten gewissermassen in einander verlaufen müssen, schroffe Kontraste zwischen Licht und Schatten sind daher ausgeschlossen und würden ein hartes Bild hervorbringen, während umgekehrt, wenn alle Schatten-Nuancen vom höchsten Lichte bis zum tiefsten Schatten, mit Beibehaltung sämmtlicher vorhandener Formen successive sanft ineinander verlaufen, dieselben ein weiches Bild ergeben und dies ist eben, was der Retoucheur mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln anstreben soll. Allgemeine Regeln, wie jeder einzelne Kopf behandelt werden soll, lassen sich eigentlich nicht aufstellen und zwar aus dem oben erwähnten Grunde, weil jeder Kopf einen anderen Charakter besitzt, doch werde ich versuchen all dasjenige zu erläutern, was im Bereiche der Möglichkeit liegt. 1. Die Stirne. Auf die Retouehe selbst übergehend beginne ich mit der Stirne, die Form derselben trägt in den meisten Fällen zur Charakteristik, jedoch nicht unbedingt zur Aehnlichkeit des Porträts bei, kann daher in gewissen Fällen theilweise alterirt werden. Unter den verschiedenartigsten vorkommenden Stirnformationen ist jene am häufigsten wo dieselbe durch einen kreuzförmigen Einfall in vier Theile getheilt wird. Der eine muldenartige Einschnitt beginnt gewöhnlich vier Centimeter oberhalb der Augenbrauen und erstreckt sich in horizontaler Richtung von einer Augenbraue zur anderen; der zweite Einschnitt jedoch theilt in vertikaler Richtung die Stirne in zwei gleiche Theile. Durch diese Formation ergeben sich vier vorspringende Theile, welche die höchsten Lichtpunkte der Stirne bilden und zwar die Stirnbeine rechts und links vor Beginn der Einwölbung und knapp oberhalb der Augenbrauen. Diese Formation kommt am häufigsten bei Männern im reiferen Alter vor (Tafel 1), dieselbe darf bei diesen niemals alterirt werden; anders verhält es sich bei jungen Damen und Kindern 6 Die negative Porträt -Retouehe. wo diese Form auch vorzukommen pflegt, hier müssen diese Einschnitte entfernt werden, d. h. die Stirne soll unter Beibehaltung der sonstigen runden Formen glatt retouchirt werden, damit das Porträt der Dame oder des Kindes nicht ein derbes Aussehen erhalte, welche Betouche übrigens die Aehnlichkeit des Porträts nicht im mindesten alterirt. Stirnfalten jeder Sorte, wie sie bei jungen Männern und Damen und selbst bei Kindern bis zu mittleren Jahren Vorkommen, müssen ebenfalls gänzlich entfernt werden, besonders jene vertikalen Stirnfalten die durch das Zusammenziehen der Stirne entstehen, da erstere dem Porträt ein altes, letztere ein streng düsteres Aussehen verleihen (Tafel 1 u. 2), was man thunlichst vermeiden soll. Bei älteren und ganz alten Personen müssen alle Falten, mit Ausnahme jener, die etwa störend wirken könnten, belassen, jedoch mehr oder weniger nach Bedarf gemildert werden, besonders jene bereits erwähnten vertikalen Falten, die leicht dem Porträt ein zu finsteres Aussehen geben könnten (Tafel 1). Beim Ausgleichen der Stirne muss die grösste Vorsicht beobachtet werden, damit jene zarten Halbschatten und Uebergänge nicht verschwinden, die für die Plastik der Stirne unumgänglich nothwendig sind. Störende Unebenheiten als Auswüchse, Wimmerl, geringere Narben, Flecken, Sommersprossen u. dgl. müssen ebenfalls und zwar in jedem Alter gänzlich entfernt werden. Sollte die Stirne nach dem Charakter der Matrize zu flach erscheinen, was bei zu lang exponirten Matrizen am häufigsten vorzukommen pflegt, so können die höchsten Lichter (sogenannte Spitzlichter) derselben theil- weise verstärkt werden, wodurch eine grössere Weichheit erreicht wird, doch muss dies mit der grössten Vorsicht geschehen, damit nicht etwa eine beulenartige Geschwulst daraus entstehe. Das scharfe Abgrenzen der Stirne nächst den Haaren ist unnatürlich und giebt denselben ein perückenartiges Aussehen. 2. Das Auge. Das Auge trägt unter allen Zügen des Porträts am meisten zur Aehnlichkeit des Originals bei, die Contouren desselben, sowie dessen Form, dürfen unter keiner Bedingung geändert werden. Ich will nur jene Fälle anführen, wo eine Nachhilfe von Seite des Betoucheurs ohne Beeinträchtigung der Aehnlichkeit möglich ist. Wenn das Auge sehr tiefliegend ist und man würde die tiefen Schatten unterhalb der Augenbrauen so belassen, wie selbe die Aufnahme wiedergab, so würde der Blick finster Die negative Porträt - Retouche. 7 erscheinen; in diesem Falle muss dieser Schatten bei genauer Einhaltung der etwa vorhandenen Details soweit durch die Retouche gemildert werden, als es nothwendig ist, um das Auge freier und somit freundlicher hervortreten zu lassen (Taf. 2). In den meisten Fällen wird diese eben angeführte Nachhilfe genügen. Stark Kurzsichtige, die sich ohne Brille photographiren lassen, bekommen, wenn sie einen Gegenstand länger fixiren, gewöhnlich einen sogenannten falschen Blick, dieser lässt sich leicht dadurch repariren, indem man von jener Seite des Augapfels desjenigen Auges, der das Schielen verursachte, soviel abnimmt als nothwendig ist, um den Blick richtig zu stellen; der fehlende Theil des Augapfels muss dann selbstverständlich am positiven Abdruck ergänzt werden. Auf diese Art können nach Wunsch alle jene Personen, die stets schielen, einen korrekten Blick erhalten, ohne dass hierbei die Aehnlichkeit beeinträchtigt wird. Wenn das Auge in Folge der momentanen Beleuchtung eines jeden Lichtpunktes entbehrt, so erscheint dasselbe matt und ausdruckslos, in diesem Falle kann dadurch nachgeholfen werden, dass man an richtiger Stelle einen Lichteffekt aufsetzt, letzterer darf nicht zu grell sein, da sonst der Blick ein streng starrer wird. Wenn das Auge in Folge des starken Blinzelns während der Aufnahme unscharfe Contouren zeigt, so können diese nachgeschärft werden. Die Thränensäcke bilden ebenfalls einen Faktor sowohl bei der Charakteristik als auch bei der Aehnlichkeit des Porträts; dieselben müssen bei Beibehaltung der Form soweit gemildert werden, als nothwendig erscheint, um der Wirklichkeit zu entsprechen. Beliesse man dieselben so wie die Aufnahme sie wiedergiebt, so würde das Porträt einen krankhaften mitunter verzehrten Zug aufweisen (Taf. 3); dies soll im Allgemeinen, insbesondere aber bei jungen Personen vermieden werden, dagegen würde das gänzliche Entfernen der Thränensäcke die Aehnlichkeit beeinträchtigen. Falten, die hauptsächlich in dieser Gegend am häufigsten, besonders bei älteren und ganz alten Personen Vorkommen, müssen ebenfalls soweit' gemildert werden, dass sie nicht störend auf den Gesammt- eindruck des Porträts wirken (Taf. 1). Bei der Damenwelt in mittleren Jahren können solche eventuell vorkommende Runzeln ganz entfernt werden (Taf. 4), dagegen wäre es geradezu unverzeihlich, wenn man einem Greise die Falten entfernen wollte. Das Resultat würde wohl keines weiteren Komentars benöthigen. 8 Die negative Porträt-Retouche. 3. Die Wange. Die Wange ist so verschiedenartiger Natur, dass es schwer ist, für jeden einzelnen Fall die Form zu präzisiren; folgende Formationen sind am häufigsten, und zwar: Wangen mit hervorstehenden Backenknochen, glatt, vollwangig und eingefallen. Im Allgemeinen müssen bei der ßetouche diese Formen in jedem einzelnen Falle genau eingehalten werden, da dieselben speziell nicht nur zur Charakteristik, sondern auch zur Aehnlichkeit wesentlich beitragen. Z. B.: Wie würde sich eine abzehrende Person, oder sehr eingefallene Wangen mit vollem Gesichte ausnehmen? Trotzdem sind in den häufigsten Fällen mehrfache Modifikationen geboten, die ich näher beschreiben will: Bei jeder Wangenformation bildet der Backenknochen das höchste Licht, von da aus verzweigen sich die verschiedenen Schatten (Halbschatten) successive nach allen Richtungen; dies ist eine Regel, die der Retoucheur immer vor Augen haben soll, und die gewissermassen die Grundlage für die Plastik der Wangen bildet. Bei der Retouche von Köpfen mit vollen Wangen ist eine besondere Vorsicht nöthig, dass beim Ausgleichen nicht zu viel abgerundet werde, besonders gilt dies für den Abschluss derselben zwischen Mundwinkel und Kinn, wo durch ein unrichtiges Anbringen des Ausgleichkornes leicht eine Geschwulst entstehen kann; im Uebrigen sollen, namentlich bei jugendlichen Personen alle vorkommenden Unebenheiten entfernt werden; das Eingefallene der Wangen, welches sich von der Mitte des Ohres in schiefer Richtung gegen den Mundwinkel zieht und selbst bei den vollsten Wangen sehr häufig vorkommt, muss soweit gemildert werden, als es nothwendig erscheint, ohne hierbei eine Geschwulst zu verursachen (Taf. 4). Beliesse man diesen Zug so, wie die Aufnahme ihn wiedergiebt, so erhielte das Porträt ein krankhaftes Aussehen, was besonders bei vollen Gesichtern an und für sich ausgeschlossen ist. Den Abschluss der Wange gegen den Nasenflügel und Mundwinkel bildet eine schmale Vertiefung, die sich vom ersteren bis zum letzteren, oft aber als Fortsetzung bis zum Abschluss des Kinnes hinzieht; dieser Zug darf unter gar keiner Bedingung, selbst bei den jugendlichsten Personen gänzlich entfernt werden, da derselbe nicht nur zur Aehnlichkeit, sondern auch zur Plastik der Wange unumgänglich nothwendig ist. Wohl aber muss dieser Zug bei jedem Alter gemildert werden, da derselbe oft als ein harter schwarzer Strich auf dem Die negative Porträt -Retouche. 9 Bilde erscheint, der die Weichheit des Porträts beeinträchtigen würde. Das richtige Mass, wie weit dieser Zug in jedem Alter gemildert werden soll, kann man sich nur durch Erfahrung aneignen. Es ist einleuchtend, dass z. B. bei einer jungen Dame (Taf. 5) dieser Zug, der oft sehr tief auf der Matrize erscheint, und der Betreffenden ein altes Aussehen geben würde, mehr gemildert werden muss, als etwa bei einem Greise (Taf. 6). Wenn dieser Zug eine nach einwärts gebogene Richtung gegen den Mundwinkel (Taf. 4) oder weiter hinein annehmen sollte, so gäbe dies dem Porträt einen weinerlichen Ausdruck, in diesem Falle muss derselbe nach auswärts geschoben werden, ebenso wenn derselbe zu lang bis etwa zum Abschluss der Wange gegen den Hals reichen sollte; im letzteren Falle müsste dieser Zug verkürzt werden, etwa in der Höhe des Mundwinkels. Den Abschluss der Wange gegen den Hals bildet ein nach auswärts verlaufender schmaler Schatten, der vom Ohrläppchen bis über das Kinn reicht, derselbe manifestirt sich oft, besonders bei mageren Wangen, in der Matrize als ein scharfer durchsichtiger Strich, der selbstverständlich die Weichheit des Bildes beeinträchtigen könnte; auch dieser Schatten muss entsprechend gemildert und auf beiden Seiten sanft verlaufend retouchirt, aber keinesfalls entfernt werden, da sonst Hals und Wange eine Fläche bilden würde, was der Natur nicht entsprechen kann. Yorkommende Muttermale oder Warzen, die zur Charakteristik des Kopfes oft nöthig sind, müssen jedoch ebenfalls in einem gemilderten Zustande belassen werden (Taf. 4); wenn letzteres unterlassen würde, so könnten selbe als Flecken oder als Schönheitspflästerchen angesehen werden. Eingefallene Gesichter zeigen oft mehrfache Veränderungen in der Formation der Wangen, die sich hauptsächlich in mehr oder weniger markirten Schatten manifestiren (Taf. 4), dieselben treten am häufigsten bei Männern in erhöhterem Masse hervor, und zeigen mitunter scharf abgegrenzte Linien, die häufig eine eckige Form annehmen; diese oft grossen Contraste zwischen Licht und Schatten können unmöglich zur Weichheit des Bildes beitragen, demnach müssen dieselben unter Beibehaltung sämmt- licher Formen soweit gemildert werden, als es nöthig ist, um die groben Contraste zu beheben, wobei die etwa vorhandenen scharfen Abgrenzungen sanft verlaufend retouchirt werden müssen. Das richtige Mass zu treffen, wie weit in dieser Richtung vorgegangen werden kann, ist Sache der Erfahrung. Erfahrungsgemäss wünscht fast jeder Mensch, der mager ist, 10 Die negative Porträt -Retouche. auf dem Bilde voller zu erscheinen, und umgekehrt, danach kann sich der Retoucheur eventuell richten, doch darf beides nicht die Grenze des Erlaubten überschreiten. Bei Wangen mit vorstehenden Backenknochen kann auf der Lichtseite des Kopfes bei der Negativ-Retouche nicht viel geschehen; dagegen kann auf der Schattenseite desselben soviel des hervorstehenden Theils der Wange, ohne Beeinträchtigung der Aehnlichkeit entfernt werden, als nöthig erscheint, um dem Kopfe eine gefälligere Form, beziehungsweise Contour zu verschaffen. Die Wange muss gegen den Bart sanft verlaufend gemacht werden, um nicht etwa demselben das Aussehen eines falschen Bartes zu geben. Haarbüschel, die ausserhalb der Abgrenzung der Kopfcontouren reichen und oft störend wirken, müssen entfernt werden. Wenn Schnurrbartspitzen nicht sjmetrisch sind, so sollen solche entsprechend zurecht gerichtet werden. 4. Die Hase. Die Form der Nase ist für die Aehnlichkeit des Porträts sehr massgebend, und darf deren Gestaltung nicht im mindesten verändert werden, ausser in jenen Fällen, wo dieselbe durch die Stellung des Kopfes bei der Aufnahme zu breit erscheinen sollte; diesem lässt sich, ohne hierbei die Form zu ändern, dadurch abhelfen, dass man das höchste Licht etwas nach einwärts schiebt. Das höchste Licht bildet die der Lichtseite des Kopfes zugekehrte Seite des Nasenrückens und die Nasenspitze, welche je nach der Form der Nase meistens einen schmalen, nach beiden Seiten verlaufenden Lichteffekt bilden, letzterer ist für die Plastik der Nase unbedingt noth- wendig, und in jenen Fällen, wo derselbe nicht vorhanden ist, muss er an richtiger Stelle unter Rücksichtnahme der Form entsprechend aufgesetzt werden. Bei der Retouche von sehr sommersprossigen oder blatternarbigen Nasen, wo häufig die Gontouren derselben theilweise fehlen, muss selbstverständlich sehr vorsichtig vorgegangen werden, damit nicht etwa die Form verändert werde. 5. Der Mund. Der Mund selbst, sowie dessen Umgebung, bildet bei der Retouche unbedingt die grösste Schwierigkeit, da sich an dieser Stelle vielfache, oft zarte Züge vereinigen, die mitunter entscheidend für die Aehnlichkeit und die Gesammtwirkung des Porträts sein können, überdies ist der Mund bei Die negative Porträt-Retouche. 11 den meisten Menschen vielfachen Fehlern unterworfen, die, wenn selbe auf dem Porträt vorhanden wären, sonst schöne Köpfe verunstalten würden. Es ist also Aufgabe des Eetoucheurs, unter Beibehaltung aller vorhandenen Züge, dieselben soweit zu veredeln und etwaige Fehler zu beheben, dass die Aehnlichkeit keinen Eintrag erleide. Wenn beim Munde die Oberlippe etwas hinauf-, oder die Unterlippe etwas hinabgezogen ist, so muss so viel daran abgenommen werden, als noth wendig ist, um die Symetrie der Lippen herzustellen, dies kann geschehen ohne dabei die Form zu verändern, ebenso lässt sich auf diese Art ein schiefer Mund theilweise, soweit es die Schatten betrifft, im Negativ richten, die weitere Ergänzung muss dann im Positiv erfolgen, doch darf in dieser Bichtung nicht soweit gegangen werden, dass dabei die Aehnlichkeit leide. Das Verkleinern eines grossen Mundes bietet grosse Schwierigkeiten, und soll möglichst vermieden wmrden, da sonst leicht die Mund-Formation des Pfeifens hervorgebracht werden könnte; wenn es aber dennoch nothwendig wäre, so muss dies mit der grössten Vorsicht, und in sehr bescheidenem Masse vorgenommen werden. Das gänzliche Entfernen der Mundwinkel ist absolut unstatthaft, da dieselben das Meiste zur Charakteristik des Mundes und somit auch zur Aehnlichkeit des Porträts beitragen, selbe dürfen nur soweit gemildert werden, als es nothwendig ist, besonders bei jungen Damen, um ihnen nicht ein zu altes Aussehen zu geben (Taf. 4, 5). Stark herab und einwärts gezogene Mundwinkel müssen, soweit es möglich ist, nach auf- und auswärts geschoben werden. Die Schattenpartien, die unter der Nase oft sehr tief in der Matrize zum Ausdruck kommen, müssen entsprechend gemildert werden, besonders gilt dies von der Schattenseite des Kopfes (Taf. 4). 6. Das Kinn. Das Kinn darf bei der Retouche die ursprüngliche Form nicht verändern, doch müssen alle sonstige Unebenheiten, die an dieser Stelle sehr häufig sind, entfernt werden (Taf. 3. 4). Vorkommende senkrechte Einschnitte, sowie Grübchen in der Mitte des Kinnes, müssen entsprechend gemildert werden (Taf. 2), damit selbe nicht zu dunkel auf dem Bilde erscheinen. Der oft tiefe Schatten zwischen der Unterlippe und dem Kinn (Tafel 2) muss ebenfalls gemildert werden, wobei verlaufend, also einen schroffen Contrast vermeidend, vorgegangen werden muss. 12 Die negative Porträt-Retouche. 7. Der Hals. Die Formation des Halses ist nicht massgebend für die Aehnlichkeit des Porträts, und kann in den meisten Fällen, wo selber grosse Unebenheiten zeigt, glatt retouchirt werden (Taf. 3), besonders wenn dies bei jungen Personen, namentlich Damen, Vorkommen sollte; doch ist bei dieser Arbeit die grösste Vorsicht nöthig, damit nicht etwa daraus eine kropfartige Geschwulst entstehe. Dies geschieht sehr leicht, wenn man die Formen zu sehr abrunden und an unrichtiger Stelle die vorhandenen Schatten zu viel mildern wollte. Horizontale Falten, die oft parallel nebeneinander laufen, müssen, besonders bei Damen, gänzlich entfernt werden, da solche unschön sind, und überdies dem Bilde ein derbes Aussehen geben würden. Bei vollbärtigen Männern wird das Betouchiren des Halses in den meisten Fällen nicht Vorkommen, ausser bei der ganzen Profil-Stellung des Kopfes, wobei die Vorsicht nöthig ist, nicht zu scharfe Abgrenzungen zwischen Hals und Bart herzustellen. Bei mageren Personen darf das Eingefallene des Halses nur gemildert, aber nicht ganz entfernt werden, sonst würde es nicht mit der Wange im Einklänge stehen, und überhaupt nicht der Natur entsprechen. Der tiefe Schatten auf der Schattenseite des Halses unterhalb des Kinnes ist für die Plastik des Porträts unumgänglich nothwendig, kann aber ebenfalls verlaufend gemildert werden, falls selber zu tief erscheinen sollte. 8. Das Ohr. Das Ohr muss in Fällen, wo dieses Flecken zeigt, ausgeglichen und unschöne Formen, die zeitweilig Vorkommen, können ebenfalls geregelt werden. Zu grosse Ohren können beim Negativ nicht verkleinert werden. D. Die Retouclie des Busens, der Arme und Hände. Bei dekolletirten Damen ist der Busen unter Beibehaltung sämmtlicher Formen glatt zu retoucbiren. Vorstehende Brustbeine, wie solche selbst beim vollen Busen vorzukommen pflegen, müssen gänzlich entfernt werden; selbe würden der Büste ein unschönes Aussehen geben. Nackte Arme müssen unter Beibehaltung der runden Formen glatt ausgeglichen und vorkommende tiefe Schatten ebenfalls gemildert werden. Die Hände sind bei Beurtheilung der Photographie meistens der grössten Kritik unterworfen, da selbe entweder nicht genug schön oder Die negative Porträt-Retouche. 13 zu gross erscheinen; diesem Umstande soll besonders Rechnung getragen werden, um selbe so schön als möglich zu gestalten. Um dies zu erreichen, ist es namentlich bei Damen noth wendig, alle unschönen Formen, als vorstehende Adern, sonstige Flecken oder Unebenheiten, so wie das Knochige an den Fingergelenken zu entfernen, beziehungsweise zu mildern; bei dieser Arbeit ist jedoch die grösste Vorsicht nöthig, dass nicht etwa die natürlichen Formen verändert, oder gar durch das zu viele Ausfüllen, beziehungsweise Abrunden des Handrückens eine Geschwulst entstehe. Das Verkleinern der Hand kann unter Umständen mit Bezug auf die Schatten theilweise auch im Negativ geschehen, zum grössten Theile fällt aber diese Arbeit der Positiv-Retouche zu. Bei Männern in reiferem Alter sollen die Hände zwar ausgeglichen, aber nicht die Adern gänzlich entfernt werden. E. Die Retouche der Kleider und des Hintergrundes. Die Kleider bedürfen höchst selten einer Nachhilfe und zwar nur in jenen Fällen, wo etwa störende Falten das Bild verunstalten könnten; dies kommt am häufigsten bei Damen vor und zwar zumeist in der Gegend der Büste; diese lassen sich sehr leicht dadurch wegschaffen, indem man die Schatten der unschönen Falten entfernt, ebenso lassen sich zu breite Taillen, jedoch nur bei dunklen Kleidern, schmälern. Vorstehende, meistens durch unschöne Falten entstehende Wülste, die etwa die Oontouren des Kleides verunstalten könnten, müssen ebenfalls entfernt werden. Am Hintergründe müssen alle durchsichtigen Flecken, Streifen, Ritzer, Punkte u. dgl. vorsichtig gedeckt werden, wozu man sich möglichst des Bleistiftes bedient, nur in jenen Fällen, wo es mit diesem nicht möglich ist, was bei grösseren, sehr durchsichtigen Punkten der Fall ist, bediene man sich des Pinsels und der Farbe, hierzu eignet sich am besten chinesische Tusche oder Carmin. Bei einiger Uebung wird man bald in die Lage kommen, die richtige Kraft bei der Deckung der Flecken zu treffen. Das zu nasse Auflegen des Pinsels auf der Schichte erzeugt einen kreisförmigen lichten Punkt mit mehr oder weniger dunklen Rändern. Ganz kleine, durchsichtige Punkte brauchen nicht ausgefüllt zu werden, da solche nicht auf den Positiven erscheinen. Grössere durchsichtige Flächen müssen mit dem Bleistifte mit feinen, dicht nebeneinander laufenden Strichen vor- 14 Die negative Porträt-ßetouche. sichtig wegretouchirt werden, wobei von grossem Yortheile ist, diese Arbeit mehr von der Entfernung auszuführen, da man von da aus besser beurtheilen kann, ob die Fläche gleichmässig ist oder nicht. F. Die Retouehe von vergrösserten Negativen und Keproductionen. ßeproductionen oder Vergrösserungen nach Dia-Positiven unterliegen den gleichen Grundregeln bei der ßetouche wie bei direkten Negativen; anders verhält es sich mit Vergrösserungen nach positiven Abdrücken, besonders wenn selbe sehr mangelhaft sind. Bei der Yergrösserung eines solchen Bildes vergrössern sich alle Unebenheiten, als: Papierfasern, Erhöhungen oder Vertiefungen, endlich die frühere ßetouche mit, dadurch wird ein sehr grobes Korn erzeugt, das sehr unruhige Flächen bietet und oft nicht nur die Contouren theilweise, sondern auch die Formen beeinträchigt, ja sogar verschwinden lässt, es ist somit selbstverständlich, dass bei dieser Arbeit eine erhöhtere Aufmerksamkeit nöthig ist. Das Mittel, korrekt vorzugehen, ist, indem man sich eine ßeproduction in derselben Grösse als das Original ist erzeugen lässt, und dieselbe oder aber das Original selbst als Vorlage benützt. Wenn kein künstlicher Hintergrund angewendet wird, was übrigens dem Porträt zumeist harte Contouren verleiht, so ist derselbe ebenfalls möglichst glatt auszugleichen, oder aber im gleichmässigen Korn zu retouchiren. Wenn eine ßeproduction mit Verständniss ausgeführt wird, kann damit oft ein besseres ßesultat erzielt werden als mit dem Originale selbst, vorausgesetzt, dass alle Bedingungen bei der Erzeugung des Negativs erfüllt werden. Zum Schluss muss ich noch anführen, dass es selbst für den geübtesten ßetoucheur, besonders aber für den Anfänger von grösstem Nutzen ist, wenn er sich bei der ßetouche der sogenannten Doppel-Matrizen, die ja in den meisten Ateliers eingeführt sind, bedient, selbe bieten den Vortheil, dass man stets in der Lage ist, alle durch unrichtige ßetouche gemachten Fehler zu kontroliren und somit etwaige Verbesserungen vorzunehmen, ebenso ist es nothwendig, dass man sich den ersten Abdruck vom Kopisten vorlegen lässt, um das ßesultat zu sehen und darnach selbst nachträglich eventuell Aenderungen vorzunehmen. Die negative Porträt -Retouche. 15 Gr. Abdeckung^- Methoden als Hilfsmittel bei Herrichtung von felilerhaften Matrizen. Das Abdecken von Negativen, auf der hinteren, beziehungsweise Glasseite der Matrize bildet das wichtigste Hilfsmittel bei Herrichtung derselben; ich will nur jene Methoden anführen, welche sich in der Praxis am besten bewährt haben und von den meisten guten Retoucheuren angewendet werden. Beim Abdecken von grösseren oder ganz grossen Flächen, wo es sich darum handelt, eine gleichmässige abgedeckte Fläche zu erreichen, ist die beste Methode die Anwendung von sogenanntem Fuxin- (Carmin)-Lack oder Fuxin-Collodium, ersterer ist wegen der grösseren Haltbarkeit vorzuziehen; zu diesem Behüte wird der im Handel verkäufliche Fuxin in Spiritus aufgelöst, sodann filtrirt und dem gewöhnlichen Negativ-Lack zugesetzt; es ist vom Yortheile, wenn man sich drei Gradationen dieses Lackes vorräthig hält, um, wenn nöthig, eine stärkere oder schwächere Abdeckung der Matrize vornehmen zu können. Dies erreicht man, indem man dem Lack mehr oder weniger Fuxin zusetzt. Die abzudeckende Matrize wird auf der hinteren, beziehungsweise Glasseite mit diesem Lack auf bekannte Weise wie auf der Bild- oder Schichteseite behandelt, wobei die grösste Vorsicht nöthig ist, dass nicht der gefärbte Lack auf dieselbe gelange; letzteres würde unvermeidliche Flecken verursachen. W'enn der Fuxin-Lack vollkommen trocken ist, was man durch ein massiges Erwärmen der Platte über einer Spirituslampe sehr bald erreichen kann, werden alle jene Stellen mit einem spitzen Federmesser rein abgekratzt, die keiner Deckung bedürfen, wobei es nöthig ist, dass man bei dem zu deckenden Gegenstände in der Durchsicht zwar die genauen Contouren, jedoch immer etwas, ungefähr 1 mm innerhalb derselben einhält, um etwaige Lichtscheine über die ganze Figur bei der Kopirung zu vermeiden. Wenn man Fuxin-Collodium anwenden will, so wird analog wie beim Fuxin-Lack vorgegangen, wobei selbstverständlich das Erwärmen der Platte entfällt und eine grössere Vorsicht beim Abkratzen der nicht zu deckenden Stellen nöthig erscheint, dies wegen der grösseren Verletzbarkeit der Collodium-Schichte. Das Abdecken mit Mattlack findet am vortheilhaftesten dann Anwendung, wenn eine Matrize zu wenig Details aufweist, und solche auf der hinteren Seite der Matrize angebracht werden sollen, wo also eine gleichmässige zu deckende Fläche nicht als nöthig 16 Die negative Porträt -Retouche. erscheint; zu diesem Behufe wird das Negativ auf die bekannte Weise analog wie mit Fuxin-Lack behandelt, sodann werden alle jene Stellen, die der Details entbehren, mit Bleistift unter Beibehaltung der, wenn auch schwachen Andeutung derselben retouchirt, und hierdurch gewissermassen künstlich die Lichter verstärkt. Diese Methode ist bei kurz exponirten Matritzen, wo nur lokale Abdeckungen in den meisten Fällen nöthig sind, von grösstem Nutzen. Bei dieser Arbeit ist eine feine Ausführung mit Bleistift nicht nöthig, da dies durch die Dicke des Glases bei der Copirung keinen Einfluss auf den positiven Abdruck ausübt. Eine dritte Methode, die wegen der Einfachheit der Anwendung bei schneller Durchführung der Abdeckung sehr praktisch ist, wird dadurch erzielt, dass man eine Lasurfarbe statt des Lackes dazu benutzt; diese Art der Abdeckung lässt sich nur bei kleineren Flächen an wenden, wozu man sich am besten des Carmin, Berliner-Blau, oder bei energischeren Abdeckungen des Gummi- Gutti bedient. Beim Anlegen selbst kleinerer Flächen muss man trachten eine möglichst gleichmässige Schichte zu erlangen, dies lässt sich dadurch erzielen, dass man die Farbe ziemlich nass (also reich) mit dicken wagerechten Strichen von oben nach unten schichtenweise aufträgt, durch das senkrechte Halten der Platte vereinigen sich die Schichten ineinander und rinnen, durch das eigene Gewicht der Flüssigkeit, nach abwärts und erhält dadurch das Ganze nach dem Trocknen eine vollkommen gleichmässige Fläche; wenn hierbei die Contouren überschritten wurden, lässt sich dies mit einem reinen Pinsel und Wasser sehr leicht entfernen. Bei einiger Uebung lassen sich mit dieser Methode sehr schöne Erfolge erzielen. H. Behandlung ron richtig exponirten Matrizen. Eine richtig exponirte Matrize ist diejenige, von welcher die Contraste zwischen Licht und Schatten in einem richtigen Verhältnisse zu einander stehen; in der Durchsicht gesehen, muss dieselbe alle Details selbst in den tiefsten Schatten, bei einem gewissen Grad von Durchsichtigkeit ohne jede Verschleierung klar aufweisen. Wenn die Kraft des Negativs richtig ist, das heisst wenn selbst in den höchsten Lichtern noch th eil weise eine Durchsichtigkeit vorhanden ist, dann ist für eine solche Matrize keine weitere Nachhilfe durch Abdecken nöthig; — anders verhält es sich, wenn diese Bedingungen nicht erfüllt sind. Wenn ein derartiges Negativ überkräftig oder überverstärkt ist, so muss selbes entweder bis zur richtigen Kraft ab- Die negative Porträt-Retouche. 17 geschwächt, oder wenn dies der Eile halber augenblicklich nicht möglich ist, müssen sämmtliche Schattenpartien des Kopfes, die Haare, der Bart, eventuell selbst dunkle, besonders schwarze Kleider von hinten abgedeckt werden, die Kraft der Deckung hängt selbstverständlich vom Grad der Durchsichtigkeit der Matrize ab; auf diese Art werden die zu grossen Kontraste aufgehoben, die Lichtpartieen der Matrize haben beim Copiren mehr Zeit sich zu entwickeln und man erhält wieder ein richtiges Bild, das allen Anforderungen entspricht. Wenn umgekehrt die Lichtpartieen zu durchsichtig sind, würde man ein flaues, mattes Bild erhalten, das heisst, die Matrize würde zu wenig Kontraste aufweisen; in diesem Falle müsste dieselbe entweder bis zur richtigen Kraft verstärkt werden, oder wenn dies nicht thunlich ist (was im Uebrigen stets eine gewagte Arbeit bei Porträt- Matrizen ist), müssen sämmtliche Lichtpartieen entsprechend der nöthigen richtigen Kraft auf bekannte Weise von hinten abgedeckt werden. Selbst beim geübtesten Operateur kommt es häufig vor, dass er bei richtig exponirten Matrizen nicht immer eine ganz richtige Kraft hervorzubringen vermag; das Zuviel oder Zuwenig muss daher durch den Retoucheur entsprechend geregelt werden, eine Sache, die bei einiger Uebung leicht durchführbar ist. Eine richtig angebrachte Abdeckung kann oft ein mangelhaftes Bild zum schönsten Porträt gestalten. Bei Gruppen, namentlich solchen, die im Atelier aufgenommen wurden, kommen sehr häufig, je nach der Ortsstellung der einzelnen Personen, grosse Ungleichmässigkeiten in der Durchsichtskraft der einzelnen Figuren vor; diesem Fehler lässt sich nur durch eine richtig angebrachte Abdeckung abhelfen. Im Allgemeinen müssen jene Partien, die etwa zu durchsichtig in der Matrize erscheinen, und somit auf dem Positiv-Abdruck zu dunkel kommen würden, durch entsprechende Abdeckung auf das richtige Mass gebracht werden, um dadurch der Harmonie des ganzen Bildes in jeder Richtung gerecht zu werden. J. Behandlung üherexponirtcr Platten. Ueberexponirte Platten kennzeichnen sich dadurch, dass selbe, in der Durchsicht besehen, zu wenig Kontraste aufweisen, das Negativ ist monoton, flau, die Schattenpartien erscheinen verschleiert, die Lichter grau; bei starker Ueberexposition bemerkt man wenig Unterschied zwischen Licht und Schatten, das Resultat des positiven Abdruckes wird somit begreiflicher- 2 18 Die negative Porträt-Eetouehe. Weise ein mattes sein, ohne alle Brillanz und Tiefe, daher grau, und ohne alle Kraft. Wenn eine solche Matrize nur etwas überexponirt ist, und doch die nöthige Kraft besitzt, so bedarf ein solches Negativ selten einer Nachhilfe. Die Abdrücke können oft allen Anforderungen entsprechen und die schönsten Resultate aufweisen. Wenn selbe dagegen in den höchsten Lichtern zu durchsichtig sind, so müssen sämmtliche Liehtpartieen selbstverständlich mit Aufsparung der Schatten, damit selbe die nöthige Tiefe erhalten, je nach Bedarf abgedeckt werden; dadurch werden die Kontraste grösser und die Schatten tiefer, und man erzielt auf diese Art ein richtiges Yerhältniss zwischen Licht und Schatten. Dasselbe gilt von mehr überexponirten Platten, wo erklärlicherweise eine energischere Abdeckung der Lichter nothwendig sein wird. Um solchen Negativen eine erhöhtere Brillanz zu verleihen ist es von Yortheil, dieselben unter Seidenpapier in der Sonne kopiren zu lassen. K. Behandlung yon zu kurz exponirten Platten. Kurz exponirte Platten sind diejenigen, die zu grosse Kontraste zwischen Licht und Schatten vorweisen; in der Durchsicht besehen sind selbe sehr durchsichtig (glasig), die Liehtpartieen haben bei dunklen Kleidern nur theilweise, die Halbschatten nur Spuren von Details, die tiefen Schatten gar keine Details. Die Matrize erscheint in Folge dessen hart und gewdssermassen unreif. Derartige Matrizen sind erfahrungsgemäss am schwierigsten zu behandeln, da deren Charakter je nach Kleidung und Beleuchtung, sowie nach der Durchsichtskraft der Lichter so vielfach abwechselt, dass sich für jeden einzelnen Fall keine bestimmten Regeln aufstellen lassen; immerhin lassen sich etwas zu kurz exponirte Platten leichter behandeln, dagegen stark unterexponirte Platten sind trotz aller anzuwendenden Mittel selten zu retten. Wenn eine etwas unterexponirte Platte in den höchsten Lichtern des Kopfes dieselbe Durchsichtskraft besitzt wie eine richtig exponirte Platte, dann ist deren Behandlung eine verhältnissmässig leichtere, da noch immer, wenn auch theilweise, Details vorhanden sind, deren sich eventuell der Retoucheur als Anhaltspunkte bedienen kann. Um solche Matrizen herzurichten, müssen vorerst die zu schwach markirten Details des Kopfes auf der Schichteseite durch entsprechende Retouche verstärkt, beziehungs- Die negative Porträt-Retouehe. 19 weise Fehlendes künstlich ersetzt werden; es ist selbstverständlich, dass bei dieser Arbeit die grösste Vorsicht beobachtet werden muss, dass nicht etwa durch eine unrichtig angebrachte Retouehe die Formen des Kopfes verunstaltet und dadurch die Aehnlichkeit verloren gehe. Weniger wichtig sind in dieser Richtung die Kleider, doch auch deren Behandlung erfordert Sachkenntniss, da es nicht gleichgültig ist, ob der Faltenwurf steif oder natürlich ist. Die Kleider können analog wie der Kopf auch auf der Schichteseite durch Verstärkung der Details behandelt werden; diese Arbeit ist aber sehr zeitraubend und daher nicht sehr praktisch; vortheilhafter wird es sein, diese Prozedur auf der hinteren Glasseite vorzunehmen. Zu diesem Behufe wird die Glasseite der Matrize auf die bekannte Art mit Mattlack lackirt, sodann werden die Details der Falten, selbstverständlich die Lichter mit groben Bleistiftstrichen, soweit verstärkt als es nöthig ist; durch die Dicke des Glases erscheinen die Details auf dem positiven Abdruck gerade so fein, als wenn sie auf der Schichteseite angebracht worden wären. Um jedoch die zu grossen Kontraste gänzlich aufzuheben, ist es schliesslich nothwendig, dass man alle Schattenpartien, entsprechend der Kraft, soweit auf der hinteren Glasseite abdeckt, als es die Harmonie des Bildes erfordert. Ueberkräftige und zu kurz exponirte Platten sollen in der Regel nicht abgeschwächt werden, da sonst durch diese Procedur sämmtliche, selbst stärker angedeutete Details total verloren gehen; und umgekehrt müssen solche, die in der Durchsichtskraft zu schwach sind, bis zur gehörigen Kraft verstärkt werden; wenn dies zulässig ist, lässt sich die Matrize noch retten, dagegen wenn dies nicht möglich ist, ist die Platte absolut unbrauchbar. L. Behandlung lichter, insbesondere weisser Kleider. Um ein günstiges Resultat des Abdruckes zu erzielen, ist vor Allem nothwendig, dass die Platte eher etwas über- als unterexponirt sei; ferner muss der Operateur beim Hervorrufen der Platte darauf Rücksicht nehmen, dass dieselbe eine grössere Durchsicht der Lichter zeige, als dies bei dunklen Kleidern gewöhnlich der Fall ist; mit anderen Worten: die Matrize muss zum mindesten zwei Gradationen schwächer gehalten werden, so dass alle Details beim weissen Kleide in der Durchsicht besehen, deutlich wahrnehmbar sind. Der Kopf, die nackten Arme, die Hände, sowie die 2 * 20 Die negative Porträt-Ketouche. Büste werden auf die bekannte Weise retouchirt, sodann werden die höchsten Lichtpartieen der Falten des Kleides, sowie vorhandene Spitzen oder Schleier (Taf. 5), entsprechend verstärkt, wozu man sich am vorteilhaftesten des Bleistiftes bedienen kann. Diese Arbeit erfordert sehr viel Geduld und Verständniss; durch die eben erwähnte Procedur wird die Modulation des Kleides weicher, die Schatten treten zurück und das Bild wird effektvoll und brillant; zum Schluss werden alle Fleischtheile, nötigenfalls auch die Haare auf bekannte Weise auf der hinteren Glasseite abgedeckt. Der Zweck dieser Operation ist, die Fleisch - theile des Porträts in der Kopirung solange in der Entwickelung zurückzuhalten, bis die Kleider hinlänglich Zeit haben, sich vollständig in allen Details auszubilden. Die Kraft der Abdeckung muss selbstverständlich in Einklang mit der Gesammtwirkung des Bildes gebracht werden. Ueberkräftige Matrizen mit lichten Kleidern müssen unbedingt abgeschwächt werden, da sich sonst damit nichts ausrichten lässt; das Resultat wäre ein hartes Bild. M. Herrichtung you flauen Matrizen. Kraftlose Porträt-Negative, die sich nicht verstärken lassen, können auf nachstehende Art derartig hergerichtet werden, dass sie die brillantesten Abdrücke wiedergeben. Man macht sich nämlich von der regelrecht retouchirten Matrize ein Diapositiv durch Auflegen der beiden Platten, Schichte auf Schichte; nachdem dieses von den etwa vorhandenen durchsichtigen Flecken oder Punkten befreit wurde, wird vom Diapositiv ein zweites Negativ auf dieselbe Weise hergestellt. Wird nun auf der Glasseite der Original-Matrize die von durchsichtigen Flecken befreite zweite Matrize durch das lothrechte Halten beider in der Durchsicht genau aufgepasst und mit Papierstreifen an den Rändern befestigt, so erhält man eine natürliche Verstärkung in allen Details der Original-Matrize; die Lichter werden dadurch kräftiger; die Schatten treten zurück und man erzielt das gewünschte Resultat. Dieses Verfahren kann man auch bei Landschafts- Matrizen, besonders vorzüglich aber bei Reproduktionen mit grossem Nutzen anwenden; bei letzteren kommt es häufig vor, dass die Reproduktion von einem verblassten oder vergilbten Originale gemacht wurde; in diesen Fällen ist das Resultat stets ein flaues, da zumeist eine Verstärkung wenig Nutzen Die negative Porträt -Retouche. 21 bringt. Hier bietet die zweite Matrize jeden Ersatz hierfür; es ist selbstverständlich, dass bei Keproduktionen das Anfertigen eines Diapositives überflüssig wird, indem zwei ganz gleiche Matrizen sehr leicht dadurch angefertigt werden können, indem man bei beiden Aufnahmen denselben Standpunkt des Apparates beibehält. Die zweite Matrize, die als Deckung dient, bedarf mit Ausnahme der Zuretouchirung der etwa vorhandenen durchsichtigen Flecken oder Punkte keiner weiteren Ausführung. II. Die positive Porträt-Retouche. Die positive Retouche dient im Allgemeinen als Ergänzungsarbeit der Negativ-Retouche und zur gänzlichen Fertigstellung des Bildes. Zwei Methoden finden hierbei Anwendung und zwar die Retouche mit Bleistift und selbe mit Farbe; letztere wird in den meisten Ateliers angewendet und ist vom praktischen Standpunkte betrachtet am empfehlenswerthesten, da der Ton der Farbe dem des Bildes leicht angepasst werden kann und überdies den Vortheil bietet, dass man die lichtesten Flecken oder Punkte auf dem dunkelsten Grunde vollständig decken kann, währenddem mit Bleistift nur jene Fleischtheile, die geringe Kontraste aufweisen, retouchirt werden können. A. Die Retouche mit Bleistift. Bei Anwendung der Bleistift-Retouche muss der Ton der Photographie ziemlich kalt (bläulich) gehalten werden, damit dieser dem Bleistift-Ton entspricht, letzterer ist aber unschön und giebt der Photographie ein graues oft mattes Aussehen. Wird aber die Bleistift-Retouche angewendet, so bediene man sich einer nicht zu harten feinen Bleistiftsorte, am besten Hartmuth oder Faber No. 3. Ein zu starkes Aufdrücken des Bleistiftes bei der Retouche verursacht Risse oder Furchen auf der Bildfläche, soll daher vermieden werden; eine leichte Führung desselben deckt besser und verursacht keine weiteren Anstände. B. Die Retouche mit Farbe. Bei Anwendung der Färb-Retouche muss der Ton der Farbe dem des Bildes genau entsprechen, hierzu eignet sich am vortheilhaftesten eine Mischung von chinesischer Tusche und gebranntem Carmin; letztere Farbe ist sehr empfehlenswerth, da sie selbst nach vielen Jahren den Ton nicht Die positive Porträt-Ketouehe. 23 verändert, somit stets echt ist und dem photographischen Ton vorzüglich angepasst werden kann. Zu dieser Mischung wird eine genügende Quantität von frischem Eiweiss zugegeben, dieses ist dem Gummi arabicum in jeder Eichtung vorzuziehen, da eine alte Lösung von Gummi arabicum sehr viel Säure enthält, welche auf das Bild einen schädlichen Einfluss ausübt. Ueberdies lässt sich mit einer gummihaltigen Farbe nicht gut arbeiten, besonders an ganz dunklen Stellen, wo in Folge des stärkeren Auftrages der Farbe zumeist eine hügelartige Erhöhung auf der Bildfläche zurückbleibt. Mit der Eiweissfarbe lässt sich dagegen viel leichter arbeiten; sie ist der Photographie niemals schädlich, kann in trocknem Zustande unbegrenzt lange gut auf be wahrt werden und bietet den Yortheil, dass bei Anwendung der Heisssatinirmaschine die Eetouche niemals verschoben wird. Alle Sorten von Aquarell-Pinseln feiner Qualität sind für die Positiv-Eetouche geeignet; die Marderpinsel sind jedoch den gewöhnlichen Haarpinseln vorzuziehen, da erstere viel steifer, handsamer und überdies viel dauerhafter sind. Wenn die Negativ-Eetouche korrekt durchgeführt wurde, so wird in den meisten Fällen, namentlich bei kleineren Köpfen, wenig im Positiv zu machen sein; eine Ausnahme machen jene lichte Flecken oder Punkte, die theilweise durch Einkopiren von Staubtheilen oder sonstigen Unreinlichkeiten bei der Kopirung oder aber durch das zu kräftige Aufträgen von Farbe bei der Negativ-Eetouche entstehen. Im Allgemeinen kann nicht genug empfohlen werden, so wenig als möglich auf dem Positiv-Bilde zu retouchiren; lichte Streifen, Flecken oder Punkte sollen derartig gedeckt werden, dass die Eetouche mit der nebenliegenden Fläche vollkommen egal wird. Das etwas zu dunkle Aufträgen von Farbe tritt nach dem Heisssatiniren oder nach der Behandlung mit Cerat als dunkler Fleck hervor; dies kann dadurch vermieden werden, indem man selbst nach durchgeführter Eetouche jene zu dunkle Farbstellen vorsichtig mit der reinen Pinselspitze wieder entfernt. Trotz aller gewissenhaften und korrekten Durchführung der Negativ-Eetouche giebt es doch Fälle, wo selbst bei kleineren Köpfen eine durchgreifendere Positiv-Eetouche nöthig wird, dies kommt zeitweise bei glatten, hauptsächlich aber bei sommersprossigen oder blatternnarbigen Gesichtern vor, wonach die verschiedenen Schattirungen nicht jene Euhe der Fläche aufweisen, die als nöthig erscheint; in diesen Fällen muss das etwa vorhandene Korn ergänzt, die Fläche schön und ruhig ausgeglichen, die Uebergänge der verschiedenen Schatten sanft ineinander 24 Die positive Porträt-Retouche. verlaufend gemacht und endlich schroffe Kontraste aufghoben werden. Ein gleichmässiges Korn lässt sich dadurch erreichen, indem man jene zu retouchirenden Stellen mit feinen kurzen Strichen, die nach möglichst allen Richtungen geführt werden, ausgleicht, wobei eine ziemlich lichte Farbe mit beinahe trockner Pinselspitze benutzt wird; von einer gewissen Entfernung besehen, muss das Korn eine schön gleichmässige ruhige Fläche bieten; es ist demnach rathsam mehr von der Entfernung zu retouchiren. Störende Lichtreflexe, die selbst bei den tadellosesten Aufnahmen vorzukommen pflegen, die sich hauptsächlich durch Vergrösserung des Lichtpunktes im Auge manifestiren, müssen entsprechend verkleinert oder nach Bedarf gedämpft werden. Das Retouchiren der Augen ist im Allgemeinen nicht statthaft, ausser in jenen Fällen, wo selbe nachgeschärft werden sollen; diese Arbeit muss mit der grössten Vorsicht geschehen, da oft durch eine kaum merkbare Ueberschreitung der natürlichen Grenzen des Auges entweder die Aehnlichkeit verloren geht oder aber der Blick ein falscher wird. In Fällen, wo nach Wunsch der schielende Blick geregelt werden soll, kann dies durch Ergänzung des fehlenden Augapfeltheiles geschehen. Das Verkleinern der Hände soll möglichst vermieden werden, da selbst bei der besten Ausführung nach dem Heisssatiniren oder nach der Behandlung mit Cerat die Retouche bemerkbar wird, soll aber dies dennoch geschehen, dann muss die grösste Vorsicht beobachtet werden, dass die natürlichen Formen derselben nicht verunstaltet werden. Kleine Schönheitsfehler die auf den Gesammteindruck des Bildes oft störend wirken, können, ohne der Aehnlichkeit des Porträts Eintrag zu thun, behoben werden; dieselben kommen zumeist bei den Haaren, Bart und Augenbrauen vor. Wenn also an irgend einer Stelle Theile der Augenbrauen, des Bartes oder der Haare fehlen sollten, so können solche entsprechend ergänzt, bezw. ausgefüllt werden; Schnurrbartspitzen sollen symetrisch und endlich unschöne Contouren geregelt werden. Grössere, insbesondere Männer-Köpfe in reiferem Alter sollen nicht fein, sondern mehr im Korn ausgeführt werden; diese Manier giebt dem Porträt mehr Weichheit und künstlerisches Aussehen. III. Die Eetouche you Vergrösserungen. Die Retouehe von Vergrösserungen, besonders in Lebensgrösse, erfordert gediegene Kenntnisse des Zeichnens oder besser gesagt die akademische Ausbildung des Retoucheurs. * Diese Art der Retouehe greift also in das Gebiet der feinen Künste über und lässt sich daher nicht theoretisch erklären. Auch würde ein Eingehen in diesen Gegenstand die Grenze dieses Werkehens überschreiten. Was hier geboten werden soll, wird sich auf die Beschreibung jener technischen Details der Ausführung beschränken müssen, welche, wenn auch in das allgemeine Gebiet des Zeichnens gehörend, sich speziell auf die Ausführung photographischer Bilder beziehen und der Natur derselben entsprechend, gewissen Modifikationen unterliegen und gewisse Kunstgriffe zur Erzielung günstiger Resultate erfordern. Da die Retouehe von vergrösserten Negativen ganz analog jener von kleinen Negativen ist, soll dieselbe hier nicht weiter besprochen werden. Die Retouehe vergrösserter Positive, mögen sie nun durch direkte Ver- grösserung nach kleinen Negativen oder durch Kopiren nach vergrösserten Negativen entstanden sein, unterscheidet sich jedoch wesentlich von jener von kleinen Bildern; während bei dieser es sich hauptsächlich darum handelt, kleine Fehler, welche im Negative nicht verbessert werden konnten, zu entfernen, müssen vergrösserte Bilder einer gründlichen Durcharbeitung unterzogen werden, w T obei mitunter das photographische Bild nur gleichsam als Contourzeichnung für die künstlerische Ausführung dient. Das Papiermaterial, auf welchem Vergrösserungen ausgeführt werden, ist zunächst von matter Oberfläche, da auf dem glänzenden glatten Albuminpapier Retouchen mit Kreide gar nicht, mit Farbe schwer in grösserer Ausdehnung durchgeführt werden können. 26 Die Retouche von Vergrösserungen. Die matten Papiere, wie gewöhnliches Salzpapier, Aroow-root- oder Gelatine -Emulsions -Papier erfordern so ziemlich dieselbe Behandlung; letztere dürfte gegenwärtig und auch für die Folge am häufigsten in Anwendung kommen, da es die rasche Herstellung der Yergrösserung durch Entwickeln nach kurzer Belichtung gestattet. Das Papier ist auch in vorzüglicher, besonders zum Zeichnen und Malen geeigneter Qualität im Handel erhältlich und muss gegenwärtig das von der Eastman-Company gelieferte Emulsions -Papier mit rauher Oberfläche als das beste dieser Art bezeichnet werden. Die Ausführung und Retouche eines vergrösserten Bildes kann nun entweder monochrom mit Kreide oder Tusche, oder polychrom mit Pastell-, Aquarell- oder Oelfarben geschehen. Letztere Arten der Ausführung sind Sache der Maler und kann daher hier auf eine Beschreibung derselben nicht eingegangen werden. A. Utensilien zur Ausführung- der Retouche mit Tusche. Zur Ausführung der Retouche von Vergrösserungen mit Tusche wird eine Staffelei mit dem dazu gehörigen Malerstock und Reissbrett, wie sie die Maler benützen, verwendet. Ferner eine Porzellan-Pallette zum Anreiben der Farben, mehrere grössere Anlegpinsel und mehrere kleinere Pinsel zur Ausführung der Details. Folgende Farben werden in der Regel genügen, um den richtigen Ton des Bildes hervorzubringen, und zwar chinesische Tusche, Neutral- Tinte und gebrannter Carmin. Zum Aufhellen etwa zu dunkler Stellen oder vorhandener dunkler Flecken und zum Aufsetzen von Lichteffekten wird Ossa-sepia, mitunter auch Radir-Gummi verwendet. Zum Befestigen des Bildes auf dem Reissbrette gebrauche man die im Handel verkäuflichen Heftnägel. B. Vorbereitung zur Retouche. Wurde die Yergrösserung auf gewöhnliches mattes Papier, wie Salz oder Arrow-root-Papier gemacht, so bedarf selbes vor dem Aufträgen der Farben keiner weiteren Vorbereitung. Bei Gelatinepapieren jedoch ist eine Vorpräparation des Papieres noth wendig, welche eine Härtung der Gelatine-Schichte bezweckt. Hierzu wird der fertige Druck in eine reine gesättigte Alaunlösung getaucht und dann trocknen gelassen, oder man Die Retouche von Vergrösserungen. 27 trägt diese Lösung mittels eines Schwämmchens auf den trocknen Druck auf. In letzterem Falle ist ein Aufspannen des Druckes, wie dies beim Zeichenpapier üblich ist, nothwendig, um ein Werfen des Papieres zu verhindern; oder man kann nach Croughton 1 ) das Papier auf einen mit Musselin überzogenen Spannrahmen aufziehen. Würde man die Härtung mit Alaun unterlassen, so wäre das Uebermalen schwierig, die Gelatine- Schichte würde die Farben rasch aufsaugen, so dass weder ein Abtonen noch ein Auf hellen des Auftrages möglich wäre. Man liefe überdies Gefahr, die aufgeweichte Gelatineschichte bei wiederholter Bearbeitung zu verletzen. Der gleichen Behandlung werden Platindrucke 2 ) unterzogen, da bei diesen in Folge des Salzsäure-Bades die ursprüngliche Leimung des Papieres gelockert ist und daher unter Umständen die aufgetragenen Farben fliessen. C. Allgemeine Regeln. Mit Rücksicht auf die Grösse des Bildes, namentlich bei lebensgrossen Vergrösserungen, wird man erklärlich finden, dass das Porträt, nur von einer grösseren Entfernung besehen, die richtig künstlerische Gesammtwirkung hervorbringen kann, demnach soll der Retoucheur, eingedenk dieses Grundsatzes, sich nicht zu sehr in kleinliche Details einlassen, sondern vielmehr eine Massenwirkung hervorzubringen trachten. Um dies mit nachhaltigem Erfolge durchzuführen, wird es unbedingt nothwendig sein, dass der Betreffende nicht nur die Arbeit von einer gewissen Entfernung vornimmt, sondern diesbezüglich öfter auf grössere Distanzen, etwa von mindestens 4 Metern, sich begebe, um von dort aus die fortschreitende Ausführung des Bildes zu kontroliren. Das gänzliche Fertigretouchiren einzelner Theile des Porträts ist verwerflich; diese Methode führt gewöhnlich zu Irrthümern. Die Ausführung muss daher successive in allen Theilen gleich- mässig fortschreitend erfolgen; auf diese Art ist der Retoucheur stets in der Lage, alle etwa für die vortheilhafte Wirkung des Porträts schädlichen Fehler zu verbessern, wenn nicht ganz zu entfernen. Damit ein Porträt allen Anforderungen der Kunst entspreche, gilt es als Hauptregel, dass das ganze Schwergewicht auf das Porträt selbst, *) Croughton, Ausgeführte Drucke auf Bromsilbergelatine-Papier, Oktober, Archiv 1887, pag. 289. 2 ) Pizzighelli-Hübl, „Die Platinotypie“. Verlag von W. Knapp in Halle a. S. 28 Die Retouche von Vergrösserungen. welches ja die Hauptsache bildet, gelegt, dagegen alles Nebensächliche mehr flüchtig ausgeführt werde; durch diese Behandlungsweise tritt das eigentliche Porträt aus dem Hintergründe heraus plastisch hervor und kommt zur vollen Geltung. Man wird daher nur das Porträt in allen Details ausführen, während man alle etwa vorhandenen Gegenstände, als Draperien, Möbel und sonstige Dekorationsstücke am Hintergründe nur in schwachen Umrissen, gewissermassen verschwommen zur Geltung bringen wird. Bei einem Porträt spielt der Hintergrund eine grosse Rolle und muss dahei mit ersterem in vollen Einklang gebracht werden; von dessen richtiger Stimmung ist das ganze Resultat der Harmonie des Porträts abhängig. D. Vorgang bei Ausführung der Retouche. Bei Ausführung der Retouche dient gleichsam als Vorlage eine möglichst gute Copie der Originalmatrize. Die Vergrösserung selbst muss unter Vorweisung aller vorhandenen Details eine genügende Kraft besitzen, daher weder zu schwach, noch zu kräftig sein. Eine zu kräftige Copie ist total unbrauchbar; eine zu schwache erschwert die Arbeit zu bedeutend, indem alle fehlende Kraft der Zeichnung erst durch die Retouche hineingebracht werden muss. Nachdem die Vergrösserung entsprechend auf dem Reissbrette befestigt wurde, werden alle jene dunkle Flecken oder Punkte, die meistentheils durch die auf der Matrize befindlichen durchsichtigen Punkte oder Flecken nur auf dem Bilde vergrössert erscheinen, mittels der Ossa-sepia, oder wenn dies nicht genügend wäre, mit Radirgummi durch Abreiben jener Stellen aufgehellt; ebenso können alle jene höchsten Lichtstellen des Kopfes sowie etwa der Kleider die einer Aufhellung bedürfen nach analoger Art behandelt werden. Nach Durchführung dieser Operation werden alle lichte Flecken, Punkte oder sonstige unegale Stellen oder etwa grössere Flächen auf die schon an anderer Stelle beschriebene Weise ausgleichend zuretouchirt, wonach dann zur eigentlichen Retouche geschritten wird. Man beginne vorerst mit der Markirung sämmtlicher Halbschatten, geht dann zur Markirung der Uebergänge der tiefen und der tiefsten Schatten und endlich zur Abtönung des Hintergrundes über. Diese Arbeit soll mehr in grösseren Flächen durch Anlegen der betreffenden Stellen mit anfänglich lichter Farbe erfolgen; nachdem man sich auf diese Weise eine Art Skizze Die Retouche von Vergrösserungen. 29 gebildet hat, kann man dann successive fortschreitend dunklere Töne an- legen, bis die gewünschte Kraft und der richtige Effekt erzielt wird. Schliesslich wird zur Detail-Ausführung übergegangen. Es ist selbstverständlich, dass der Ton der Farbe dem des Bildes entsprechend angepasst werden muss. E. Die Retouche des Kopfes. Eine feine Ausführung der Details des Kopfes, wie solche bei kleinen Porträts üblich ist, ist mit Rücksicht der Grösse des Bildes bei Vergrösse- rungen ausgeschlossen; es wird sonach entweder die Strich- oder die Korn- Manier angewendet, beide Methoden sind, richtig angebracht, gleich gut; die Art der Anwendung ist jener der Stahlstiche oder Holzschnitte ähnlich. Wenn die Original-Matrize, von der die Vergrösserung erzeugt wurde, nicht negativ retouchirt wurde, was zumeist der Fall ist, so werden auf der Vergrösserung alle Schatten tiefer, somit auch alle Züge des Kopfes markirter als in der Wirklichkeit erscheinen. Diesem Uebelstande lässt sieh dadurch abhelfen, dass man durch Abreiben mit Ossa-sepia jene Stellen soweit auf hellt, bis die gewünschte Milderung erzielt ist; sind die Markirungen nicht zu stark sichtbar, so ist jene Prozedur nicht nöthig, da im Verlaufe der Ausführung der Modulation durch Anbringen des Ausgleichskornes an den nebenliegenden Flächen, ohne die eigentlichen Züge zu berühren, die Milderung von selbst vor sich geht. Bei der Detail-Ausführung des vergrösserten Kopfes ist die kleine Copie, die, wie Eingangs erwähnt wurde, als Vorlage dient, in jeder Richtung für die Ausarbeitung massgebend; nach derselben muss die Retouche eingerichtet und alle Nüaneen der dort markirten Züge in einem veredelt gemilderten Zustande naturgetreu wiedergegeben werden. Eine kleine Abweichung von dieser Regel ist oft genügend, um die Aehnlichkeit des Porträts in Frage zu stellen; es ist demnach unbedingt nothwendig, dass der Retoucheur bei dieser Arbeit mit der grössten Genauigkeit und der nöthigen Vorsicht vorgehe. Alle jene Grundsätze, welche eine kunstgerechte Ausführung des Kopfes bedingen und in den vorangehenden Kapiteln vielfach besprochen wurden, finden auch bei Vergrösserungen ihre volle Anwendung, dazu gehören: die Plastik und die damit verbundene Weichheit des Kopfes, ferner Vermeidung von scharfen Contouren und scharfen Abgrenzungen der Haare und des Bartes, gleichmässiges Korn, Aufhebung der zu grossen 30 Die Retouehe von Vergrösserungen. Kontraste u. dgl. Da die Vergrösserung alle Contouren, namentlich die des Mundes, der Nase und der Augen zumeist in Bezug auf Kraft zu schwach wiedergiebt, müssen dieselben sowie auch alle dazu gehörigen Schatten entsprechend durch die ßetouche verstärkt werden. Diese Arbeit ist sehr heikler Natur, da durch die kaum merkliche Ueberschreitung der natürlichen Grenzen derselben die Aehnliehkeit des Porträts sehr beeinträchtigt werden kann. Das scharfe Abgrenzen der Contouren verleiht dem Bilde ein hartes Aussehen und kann somit auch nicht der Natur entsprechen. Eine der schwierigsten Aufgaben des Retoucheurs besteht in der kunstgerechten Ausführung der Haare und des Bartes, die Art und Weise, wie diese naturgetreu dargestellt werden können, lässt sich eigentlich mit Worten nicht leicht erklären, ich will mich daher nur auf allgemeine Regeln beschränken. Bei Ausführung der Haare und des Bartes soll mehr eine Massenwirkung hervorgebracht werden, dies lässt sich bewerkstelligen, indem man in grösseren oder kleineren Flächen durch Anlegen arbeitet; die tiefen Schatten sollen daher nur Andeutungen, die Halbschatten theil- weise und die Lichtpartieen sämmtliche Details aufweisen; letztere sollen aber nicht darin bestehen, das man den betreffenden Raum mit einer unbegrenzten Anzahl einzelner Haare ausfüllt, sondern wie bereits erwähnt, mehr, in kleinere Flächen ausführt, wobei man allerdings hier und da einzelne Haare, jedoch nur in ihrer natürlichen Lage, hervortreten lassen darf. F. Behandlung der Kleider. Die Kleider werden nach Art der Aquarell-Malerei durch Anlegen von grösseren Flächen ausgeführt; folgender Vorgang ist hierbei am empfehlenswerthesten: Die verschiedenen Schattenpartien des Faltenwurfes werden anfänglich mit leichteren Tönen durch Anlegen der betreffenden Stellen markirt, hierauf die Halb- und die tiefen Schatten mit etwas dunkleren und so successive durch immer dunklere Farbe so lange ein Ton über den anderen angelegt, bis die richtige Tonabstufung der verschiedenen Schattenpartien erzielt ist; nach dieser Ausführung werden die dunklen oder schwarzen Kleider mit einem allgemeinen, dem sogenannten Lokalton, angelegt. Sollten durch das Anlegen etwa unegale Stellen entstanden sein, so können dieselben entsprechend ausgeglichen und ebenso einzelne Schattenpartien, die noch einer Kräftigung bedürfen, nachverstärkt werden. Die Retouche von Vergrösserungen. 31 Bei der Ausführung von Spitzen, Stickereien, Schleiern, Blumen und sonstigen Schmuckgegenständen ist ganz analog, wie bei den Kleidern, vorzugehen, nur mit dem Unterschiede, dass hier eine grössere Detail-Ausführung sich als nothwendig heraussteilen wird. Das Aufsetzen von Lichteffecten mit weisser Deckfarbe auf den höchsten Lichtstellen dieser Gegenstände ist nicht nur unschön, sondern verleiht mitunter dem Bilde ein hartes Aussehen, soll daher möglichst vermieden werden; der Lichteffect kann dadurch erzielt werden, dass man sich während der Retouche jene Stellen aufspart; sollten aber dieselben auf der Yergrösserung etwa grau erscheinen, so können sie auf bekannte Art mit Ossa-sepia, Radirgummi, oder eventuell mittelst einer Federmesserspitze nach Wunsch aufgehellt werden. Gr. Behandlung des Hintergrundes. Um das Porträt plastisch hervortreten zu lassen, beobachten die Maler vom Fache bei Abtönung ihrer Hintergründe folgende Methode, die ebenfalls auch bei Vergrösserungen vorzüglich anzuwenden ist, und zwar: Die Lichtseite wird mit dunkleren, dagegen die Schattenseite des Porträts mit lichteren Tönen und zwar so behandelt, dass die lichteste Stelle des Hintergrundes ungefähr in der Höhe der Schattenseite des Kopfes zu liegen komme, von da aus verzweigen sich die Töne, gegen die Ränder verlaufend, dunkler. Durch diese Art der Abtönung hebt sich das Porträt vom Hintergründe ab, und dieser tritt zurück, wodurch der Eingangs erwähnte Effekt erzielt wird. Die Ausarbeitung des Hintergrundes kann entweder glatt, durch das successive übereinander Anlegen der entsprechenden Töne, oder mittels der Strich- oder Korn-Manier nach Art der Stahlstiche oder Holzschnitte erfolgen; letztere Methode ist zwar zeitraubend, verleiht aber dem Bilde ein vorteilhafteres Aussehen. Um dem Porträt eine erhöhtere Brillanz zu verleihen, ist es von Vortheil, nach Beendigung der Retouche sämmtliche tiefen Schattenpartien desselben mit einer schwachen Gummilösung anzulegen. H. Ausführung in Kreide. Die Grundsätze, welche für die Behandlung des Bildes bei der Ausführung in Tusche angedeutet wurden, gelten auch für die Ausführung in Kreide, so dass jener, welcher die Technik des Kreidezeichnens kennt, keine Schwierigkeiten bei der Ausführung haben wird. Immerhin kommen 32 Die Retouche von Vergrösserungen. bei dieser Arbeit einige Kunstgriffe vor, deren Kenntnise für den Retoucheur nur von Nutzen sein können. Croughton publicirte im „Britisch Journal“ eine eingehende Beschreibung dieses Verfahrens mit Rücksicht auf Eastman’s Emulsionspapier mit rauher Oberfläche, welche dann in deutscher Uebersetzung ins Photographische Archiv, Heft 19 und 20, 1887, überging. Für diejenigen, denen genannte Zeitschriften nicht zugänglich sind, will ich hier kurz Croughton’s Methode skizziren. Er verwendet als Materiale: Conte-Kreide (conte crayon sauce No. °1 und 3), gewöhnliche Conte-Kreide und No. °0 und 1 superfein in Holzfassung; ferner Lederwischer, Papierwischer, Radirstifte und Radirgummi, sowie gekrämpelte Baumwolle. Er beginnt die Retouche mit der Bearbeitung des Hintergrundes durch Wischen, wobei bezüglich Verlauf desselben, Aufträgen der Schatten etc., das bei der Retouche mit Tusche gesagte volle Gültigkeit hat. Der Vorgang beim Wischen ist folgender: Man zerstosst eine Stange der Sauce- Conte-Kreide zu feinem Pulver, verreibt weitere 2 Stangen der gewöhnlichen Conte-Kreide No. 1 auf feinem Glaspapier (No. 1) zu Pulver und mischt es gut mit der Sauce-Conte-Kreide. Mittels einem in diese Mischung getauchten Baumwollbausch. den man vorerst auf einem Kartonbogen verreibt, wird der Farbauftrag auf den Grund unter kreisförmiger Bewegung der Hand aufgetragen; es schadet hierbei nichts, wenn man über die Contouren der Figur fährt, da die Unreinlichkeiten leicht mit dem Gummi weggenommen werden können. Hat man auf diese Weise die Abtönung sowie den Auftrag der Schatten oberflächlich vorgenommen, so legt man die Baumwolle bei Seite und bearbeitet den Hintergrund mit den ausgestreckten drei Mittelfingern der rechten Hand weiter. Bei dieser Manipulation muss man die Kreide gleichmässig unter den Fingern fühlen, ist dies nicht der Fall, sondern berührt man statt dessen die Papieroberfläche, so ist zu wenig Conte-Kreide No. 1 in der Mischung. Auf die angegebene Art kann man ausser dem Hintergrund auch die Kleidung, Haare etc. mit einem gleichmässigen Ton versehen und die Schatten kräftigen. Der auf diese Art vorgenommene Auftrag wird meistens zu dunkel sein; man hellt denselben auf, indem man zuerst die überschüssige Kreide Die Retouche von Vergrösserungen. 33 durch Abklopfen entfernt und dann mit einem Bausch reiner Baumwolle über das Bild fährt. Sollte hierdurch die Aufhellung nicht genügen oder ungleichmässige dunkle Stellen sich vorfinden, so streut man etwas Bimsteinpulver auf und verreibt wieder mit den Fingern. Auf diese Art erhält man einen schönen gekörnten Hintergrund; das Korn wird bei leichtem Reiben gross, bei stärkerem Reiben immer kleiner; zu stark darf man, und besonders mit dem Bimsteinpulver nicht reiben, da sonst das Korn weggeschliffen wird. Die weitere Ausarbeitung geschieht auf der Staffelei; mit reiner Baumwolle wird abgetönt, mit Wischer breite Effekte aufgetragen und mit dem Radirstift die Ränder der Figur gereinigt und die Lichter aufgesetzt. Hierauf wird das Porträt selbst in Arbeit genommen. Nach Reinigung des Gesichtes mit dem Gummiwischer werden die Spitzlichter auf Stirn, Backenknochen und Kinn eingesetzt und mit einem kleinen Baumwoll- büschel, den man eventuell in das Bimsteinpulver taucht, abgetönt. Hierauf wird, wenn nöthig, mit einem Papierwischer, welcher in die Kreidemischung getaucht wurde, die Pupillen, die Augenwimpern, die Schatten unter den Augenbrauen, die Augenbrauen selbst, die Nasenlöcher und der Schatten unter dem Kinn markirt und hierbei stets mit Baumwolle abgetönt. Die Schatten der Haare und der Kleider werden mittels eines der schweren Wischer gekräftigt und mit den Fingern oder der Baumwolle abgetönt. Für kräftige Schattirungen wendet man die Conte- Kreide No. 3 an; ein Abtönen mit Baumwolle ist hier nicht angezeigt, da sonst die Wirkung Schaden leidet. Die weitere feine Ausführung geschieht mit den Kreidestiften No. 1 und No. 0 nach der gewöhnlichen Technik des Kreidezeichnens. Die Anwendung von weisser Kreide ist, mit Ausnahme der Lichter auf Juwelen oder ähnlichen Gegenständen, aus denselben Gründen, welche gegen die Anwendung der weissen Farbe bei der Retouche mit Tusche sprechen, zu vermeiden. 3 IV. Die negative Eetouclie von Landschafts-Negativen. Um eine harmonische photographische Landschaft, die allen Anforderungen der Kunst entspricht, herzustellen, wird in den meisten Fällen eine Nachhilfe hei der Matritze sich als nothwendig herausstellen. Ebenso wie hei Porträt-Negativen wechselt auch bei den Landschafts-Matrizen der Charakter derselben in jedem gegebenen Falle, demnach müssen alle jene allgemeinen Regeln, die für die Negativ-Porträt-Retouche Geltung haben, auch hier beobachtet werden. Wenn der Landsehafts-Photograph ein günstiges Resultat der Aufnahme erzielen will, müssen alle jene Faktoren, die dazu nothwendig sind, vollständig stimmen, dazu gehören in der Regel ruhiges sonniges Wetter, richtige Beleuchtung, richtige Einstellung des Apparates, richtige Expositionszeit und endlich eine günstig gewählte Aufstellung. Da man solche Bilder in den meisten Fällen mit den kleineren Blenden aufnimmt, wird die Schärfe eines derartig hergestellten Negativs nichts zu wünschen übrig lassen, so dass eine direkte Nachhilfe auf die Lackschichte der Matrize, mit Ausnahme von ganz kleinen Flecken oder Punkten, die ja bei jeder Platte Vorkommen, nicht nothwendig sein wird. Anders verhält es sich bei Moment-Aufnahmen, diese müssen selbst unter den günstigsten Umständen mit grossen oder höchstens mit mittleren Blenden aufgenommen werden, wodurch sie sehr häufig nicht jene Schärfe, besonders an den Rändern, zeigen, welche für ein gutes Bild durchaus erforderlich ist. Ueberdies kommt es selbst bei den schnellsten Momentverschlüssen vor, dass auf dem Negative Figuren, welche während der Aufnahme in zu rascher Bewegung begriffen waren, mehr oder weniger unbestimmt und verwaschen erscheinen; alle diese Umstände bedingen, dass solche Negative oft eine durchgreifendere Die negative Retouche von Landsehafts-Negativen. 85 Retouche auf der Schichteseite nöthig machen. In Folgendem werde ich versuchen, so weit, es thunlich ist, den Vorgang bei der Retouche von fehlerhaften Matrizen zu skizziren. A. Vorbereitung cler Matrize für die Retouche. Landschafts-Matrizen sind gewöhnlich werthvoller als Porträt-Matrizen, da von ersteren oft tausende von Abdrücken gemacht werden, während dies bei letzteren nur ausnahmsweise der Fall ist. Man muss daher auf die möglichst lange Erhaltung derselben besonders bedacht sein; um letzteres zu erzielen, ist in erster Linie für den Schutz der oft mühsamen Retouche Sorge zu tragen, dies erreicht man am besten, wenn man die Retouche vor dem Lackiren vornimmt, dann lackirt und eventuell noch auf der Lackschichte weitere Ausbesserungen durchführt. Diese Methode bietet den Vortheil, dass die Retouche, sei sie mit Bleistift oder mit Farbe durchgeführt worden, niemals verwischt werden kann, währenddem hei den auf der Lackschichte ausgeführten Retouche besonders durch Feuchtigkeit oder durch das Angreifen mit feuchten Fingern ein Verwischen derselben nur zu leicht stattfindet; die natürliche Folge davon ist ein immerwährendes Nacbretouchiren. Die Gelatine-Schichte ist bekannter- massen sehr widerstandsfähig und gestattet selbst mit Bleistift mitunter eine ganz nachhaltige Retouche, ebenso kann ohne weitere Anstände, wo es nöthig ist, mit Farbe gearbeitet werden, ohne dass die Retouche durch das Lackiren der Platte im mindesten weder verschoben noch alterirt werde. B. Vorgang bei der Retouche. Zur Verhütung von etwa später entstehenden Flecken auf der un- lackirten Platte ist vor allem nothwendig, dass die Hände des Retoucheurs sehr rein gehalten werden; zur grösseren Sicherheit ist es von Vortheil, ein reines Papier als Unterlage zu benutzen. Zur Ausführung der Retouche selbst benutze man das bekannte Negativ-Retouchirpult und beginne mit der Ausführung mit Bleistift, es werden alle jene durchsichtigen Streifen oder Flecken, etwa weniger durchsichtige Punkte, die besonders in der Luft der Landshacft Vorkommen, vorsichtig gedekt, schwach markirte Lichter nach Bedarf verstärkt, kurz alles jenes, was mit Bleistift auszugleichen möglich ist, ausgeführt. Mit Farbe wird hierauf alles dasjenige, welches mit Bleistift nicht genügend gedeckt werden konnte, ausgeglichen; 3 * 36 Die negative Retouche von Landschafts-Negativen. hierzu gehören grössere stark durchsichtige Streifen oder Punkte sowie etwa stark bewegte Personen oder sonstige Gegenstände, die die Landschaft etwa verunstalten könnten. Nach erfolgter ßetouche wird sodann die Matrize auf die bekannte Art lackirt. €. Abdeckung von Landschafts-Platten. Bei Landsehafts-Matrizen können alle jene Abdeckungsmethoden, die ich bereits bei der Porträt-Retouche beschrieben habe, auch mit Vortheil in Anwendung gebracht werden. Bei architektonischen oder Strassen- Aufnahmen, wenn selbe richtig exponirt wurden und die richtige Kraft zeigen, wird in den seltensten Fällen eine Abdeckung nothwendig sein; anders verhält es sich bei Landschafts-Bildern, wo selbst bei richtiger Exposition und Kraft, besonders wo Laub oder Bäume vermischt mit Häusern und Gewässern Vorkommen, oft sehr grosse Kontraste unvermeidlich sind. In derlei Fällen kann entweder durch eine richtig angebrachte Abdeckung oder aber durch eine lokale vor der Lackirung der Matrize vorgenommene Abschwächung 1 ) des zu hart beziehungsweise zu undurchsichtig erscheinenden Gegenstandes abgeholfen werden. Man denke sich beispielsweise eine Landschaft, worin neben einem weissen Hause ein dunkler Fichtenwald, seitwärts ein Bach oder Teich vorkommt; es ist nun klar, dass das Haus und der Teich auf der Matrize sehr hart, beziehungsweise sehr undurchsichtig im Vergleiche zum Fichtenwalde erscheinen werden; wollte man eine derartige Matrize ohne aller Nachhilfe kopiren, so würde man, falls man die Belichtung bis zum deutlichen Erscheinen des Hauses und des Teiches verlängert, statt des Baumschlages nur eine schwarze detaillose Masse erhalten. Um einem derartigen Bilde die Härte zu nehmen, ist es unbedingt nothwendig, dass das ganze Laubwerk entsprechend von der hinteren Glasseite auf die bekannte Art mit Fuxin-Lack oder Farbe abgedeckt werde. Durch diese Prozedur bleiben die Bäume bei der Copi- rung etwas zurück, wodurch das Haus oder der Teich genügend Zeit hat, sich vollständig und in allen Details auszubilden; auf diese Weise erhält man ein richtig gestimmtes harmonisches Bild. (Siehe Taf. 6 u. 7.) Ueber die Methoden hierüber siehe Pizzighelli, „Handbuch der Photographie für Amateure und Touristen“, I. Band, pag, 275. Die negative Retouche von Landschafts-Negativen. 37 Bei Landschafts-Matrizen, welche ganz nahe liegende Vordergründe besitzen, treten diese groben Kontraste in erhöhterem Masse hervor; bei solchen Matrizen, wenn sie auch richtig exponirt wurden, wird die eigentliche Landschaft zwar richtig gestimmt sein, der Vordergrund dagegen sehr durchsichtig ohne alle Details, somit zu kurz exponirt erscheinen; um derartige Matrizen harmonisch zu stimmen, muss folgendermassen vorgegangen werden: Vorerst werden auf der Schichteseite alle etwa wenn auch schwach angedeuteten vorhandenen Details am besten mit Bleistift gewissermassen künstlich eingezeichnet, eventuell verstärkt, ist dies nicht genügend, so kann die hintere Glasseite auf die bekannte Art durch Lackiren mit Mattlack ebenfalls dazu benutzt, und es können die Lichter auch auf dieser Seite nötigenfalls verstärkt werden, schliesslich wird der Vordergrund nach Massgabe der Durchsichtigkeit entweder auf der hinteren Glasseite, oder wenn diese zum Verstärken der Details bereits benutzt wurde, auf eine zweite reine Glasplatte, die auf die bekannte Art an die Matrize befestigt wurde, vollständig abgedeckt; die Kraft der Abdeckung ist vom Grade der ’ Durchsichtigkeit des Vordergrundes abhängig; diese Art der Herrichtung solcher Matrizen ermöglicht, wie bereits beschrieben wurde, eine richtige Stimmung des Bildes. Im Allgemeinen sei als Begel festzuhalten, das alle etwa zu durchsichtig auf der Matrize vorkommende Stellen entsprechend abgedeckt werden. (Taf. 8 und 9.) D. Behandlung der Luft und der Wolken. Sowie beim Porträt der Hintergrund, so spielt die Luft bei einer Landschaft eine Hauptrolle bei Stimmung des Bildes; es ist demnach eine besondere Aufgabe des Landschafters, diesen Zweig mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln zu kultiviren. Landschafts-Matrizen, die bereits Wolken besitzen, erscheinen auf diesen zumeist im Vergleiche zur Landschaft viel zu undurchsichtig, die Folge davon ist, dass letztere in der Copirung entwickelt erscheint, während von den Wolken auf dem Bilde kaum Spuren zu bemerken sind; um solche Kontraste zu beheben und die Wolken mit allen Details zum Ausdruck zu bringen, wird folgendermassen vorgegangen: Vorerst werden die höchsten Lichter der Wolken entweder auf der hinteren Glasseite mit Farbe oder auf der Lackschichte mit Bleistift verstärkt; ist dies geschehen, so wird die ganze Landschaft eventuell mit Auslassung aller etwa zu hart erscheinenden Partien mit Fuxin-Lack abgedeckt. Die 38 Die negative Retouche von Landschafts - Negativen. Kraft der Abdeckung bängt, selbstverständlich vom Grade der Durchsichtigkeit der Wolkenpartien ab; die Verstärkung der höchsten Lichter verleiht demselben eine höhere Brillanz. Auf derartige Weise abgedeckte Wolkenpartien können ohne Beeinträchtigung der Landschaft sich in allen Details entwickeln und tragen viel zur Harmonie und Stimmung des Bildes bei. Das Anbringen von künstlichen Wolken auf eine Landschafts-Matrize ist nach meiner Ansicht eine der schwierigsten Aufgaben, die sich ein Landschafter stellen kann; um die Wolken natürlich darzustellen, ist eine besondere künstlerische Begabung des Retoucheurs unbedingt erforderlich; überdies ist diese Arbeit sehr mühsam und bei richtiger Behandlung sehr zeitraubend; es ist daher sehr rathsam, wenn man sich statt dessen der im Handel vorkommenden natürlichen Wolken-Negativen auf Gelatine-Folien zum nachträglichen Eincopiren bedient; die richtige Wahl derselben wird selbstverständlich vom Geschmacke des betreffenden Landschafters abhängen. Will sich jedoch Jemand dieser mühsamen Arbeit unterziehen, so ist der beste Vorgang folgender: Man benutze als Vorlage ein Negativ, welches Wolken enthält oder eine der bereits erwähnten Gelatine-Folien, um gewissermassen bei der Arbeit planmässig vorzugehen; auf der unlackirten Platte werden nun alle jene Partien, welche dem Schatten der Wolken entsprechen sollen, mittels eines in Weingeist getauchten Leinwandbausches unter mässigem Drucke solange abgerieben, bis die gewünschte Aufhellung erzielt ist, es ist selbstverständlich, dass hiebei mit Vorsicht vorgegangen werden muss; bei richtiger Anwendung dieser Methode können alle Nüancen der Schattiruug hervorgebracht werden; wenn die Schichte vollkommen trocken ist, werden sodann alle etwa vorhandenen Flecken oder Punkte auf die bekannte Weise retouchirt, ist dies geschehen, kann die Matrize lackirt werden. Die vollkommen trockene Lacksehichte wird am besten mit Colofoniumstaub auf bereits beschriebene Art solange mit dem Zeigefinger abgerieben, bis dieselbe vollkommen matt erscheint, nach dieser Präparation kann zur Retouche geschritten werden; es werden nun mittels des Bleistiftes die Contouren der Wolken in schwachen Umrissen angedeutet und sodann die Lichter markirt, man erhält auf diese Weise eine Art Skizze aller Wolkenpartien, nach welcher weiter gearbeitet werden kann. Zur weiteren Ausführung der Wolken benutzt man am besten einen Wischer aus Hirschleder und Graphitstaub, mit diesem werden successive, nach Massgabe der Nüancirungen, die Lichter verstärkt, und schliesslich schärfer Die negative Retouche von Landsehafts-Negativen. 39 vortretende Contouren mit Bleistift naehgearbeitet. bis 1er gewünschte Effekt erzielt ist. Nach dieser Arbeit wird die hintere Glasseite der Matrize mit Mattlack lackirt und die höchsten Lichter der Wolkenpartien mit Bleistift eventuell auch mit Farbe aufgesetzt. Zum Schutze der auf der Schichteseite vorgenommenen Retouche kann man sie mit einer dünnen Lösung von Kautschuk in Benzin übergiessen. Falls man sich der eben angedeuteten mühsamen Arbeit nicht unterziehen will, bleibt besonders bei sehr undurchsichtigem Himmel nichts übrig, als denselben in der Copie etwas anlaufen zu lassen oder nach Art des Combinations -Druckes den Himmel auf der fertigen Copie nach einem zweiten Negativ einzucopiren. E. Behandlung der Gewässer. Flüsse oder Bäche erscheinen auf der Matrize mit längerer Expositionszeit zumeist als glatte Flächen; diese Monotonie verleiht dem Bilde kein vortheilhaftes Aussehen; um sie theilweise zu beheben, wird es vortheilhaft sein, wenn man hier und da, wo es nöthig erscheint, einige Lichter aufsetzt und an den Ufern, wo das Wasser an den Felsen anschlägt, den Schaum hineinzeichnet. Stehende Gewässer, etwa Teiche, bedürfen keiner weiteren Nachhilfe, da durch die Abspiegelung im Wasser ohnehin Effekte genug vorhanden sind. Wasserfälle sollen, wenn sie naturgetreue Effekte wiedergeben sollen, möglichst momentan aufgenommen werden und erfordern daher gewöhnlich zwei Aufnahmen und zwar eine kurze für den Wasserfall und eine längere für dessen Umgebung. Wenn aber nur eine Matrize mit längerer Exposition hergestellt wurde, muss man trachten, den natürlichen Effekt durch die Retouche hervorzubringen; man kann dies entweder dadurch erreichen, dass man an jener Stelle eine lokale Abschwächung vornimmt, oder die ganze Landschaft mit Ausnahme des Wasserfalles, analog wie bei Wolkenpartien, entsprechend von der hinteren Glasseite abdeckt. F. Behandlung von Moment-Platten. Moment-Platten unterliegen im Allgemeinen derselben Behandlungsweise wie die übrigen Landschafts-Matrizen, nur in jenen Fällen, wo die Schärfe derselben nicht jene Genauigkeit vorweist die berechtigt beansprucht wird, muss eine Nachhilfe auf der Matrize durch die Retouche vorgenommen werden; dasselbe gilt, wenn Personen auf dem Bilde bewegt erscheinen 40 Die negative Retouehe von Landsehafts-Negativen. und etwa Doppelkontouren zeigen. Die Unscharfe kommt bei dieser Art von Matrizen zumeist an den Rändern vor; die Contouren aller Personen oder Gegenstände, welche unbestimmt erscheinen, müssen daher nachgeschärft, fehlende Details ergänzt und ebenso vorkommende Doppelkontouren entfernt werden; diese Arbeit erfordert sehr viel Geduld und Sachkenntnis und wird selbstverständlich auf der Schichteseite vorgenommen. Zum Schluss werden alle jene Personen oder Gegenstände, die zu durchsichtig auf der Matrize erscheinen, was zumeist im Vordergründe vorzukommen pflegt, entsprechend auf der hinteren Glasseite abgedeckt, wodurch erst das Bild in die richtige harmonische Stimmung gebracht wird. V. Die positive Landschafts-ßetouche. Die positive Landschafts-Retouche wird sich in der Regel nur auf das Decken der lichten Flecken, Streifen oder Punkte, die hauptsächlich durch das Eincopiren von Staubtheilen oder sonstige Unreinlichkeiten bei der Oopirung, sowie durch das zu kräftige Aufträgen von Farbe bei der Negativ-Retouche entstehen, beschränken. Eine Ausnahme kann in jenen Fällen platzgreifen, wenn bei Moment-Aufnahmen theilweise Nachbesserungen etwa bewegter Figuren sich als nothwendig herausstellten. Zamboni, Die photographische Retouche. Verlag von Wilhelm Knapp in Halle ■it Si Zamb oni, Die photographische hetouche. Verlag von Wilhelm Knapp ln Halle rr Zamboni, Die photographische Retouche. ¥ Verlag von Wilhelm Knapp in Halle .yj ffj'Z&nr • '--v'* '<• ** * •%'iV.*S«jSJt»; Zamboni, Die photographische Eetouche. \ ^ Unretouchirt. Retouchirt. Verlag von Wilhelm Knapp in Halle a. S. ■w ■ *&. j; Vv > H«L> T * liH j “ ■< Tafel V. Zamboni, Die photographische Retouche. I; JLra ■ ■ Unretouchirt. Retouchirt. Verlag von Wilhelm Knapp in Halle a. S. . 1 *.. ->] Zamboni, Die photographische Eetouche. Tafel vn. Verlag von Wilhelm Knapp in Halle :■ . i ■ Zamboni, Die photographische Ketouche. V u If ' if I K »■ I ><,W "} ft ‘ Verlag von Wilhelm Knapp in Halle wnrm Zaml)oni, Die photographische Retouche. vrwwwi . \ il'lra •I» 1 iiii) n.v «fei, 1 wim I - ' i\l 'aiw ,Kf*& *K~* ■'*i- 'vir ' Verlag von Wilhelm Knapp in Hallo * *£• y>-\. rfm,. i jfa is-Jh