Alexandrien 3. Jenner 1856 Ich kann mir noch immer die Ursache Deines Stillschweigens nicht erklären! Wenn Du nur nicht krank bist! Wie oft dachte ich mir bei diesem herrlichen Clima, könnte ich Euch davon schiken! Unser Ferdinand würde dann über Kälte wohl nicht klagen! Wie ich dir schrieb, hatten wir am 6. u. 7. Dezember in Nubien 28°. R. in Schatten. Hier ist die Hitze recht angenehm! Sie wechselt zwischen 16 und 20°. über 0, u die Leute klagen über Kälte! Wir hatten nie einen Regen. In der Wüste hat es 2 mal angefangen, aber in 5 Minuten war wieder der schönste Himmel. In Cairo und in Suez hat es seit Neujahr 1855 nicht ein einziges mal geregnet. Alle Beächtigkeit für die Vegetation foerdert der Nil, u. wo dieser nicht reicht, ist die Wüste! In der Wüste habe ich viele Sachen für Euch gesammelt, u. werde gern die Gräfin Haller, Theodors, Buols, Bigellebens damit aufwarten. Ich bringe mehrere Rosen von Jericho, die ich selbst sammelte, u. welchen man Wunderkraft beimißt. An der Stelle wo Moses den Uebergang über das rothe Meer bewirkte, u nun troken liegt, fand ich eine herrliche Adlerfeder, die ich mir als guten Simbol aneignete. In der terra di Tehsen, von der h. Schrift, fand ich viele schöne Steine, u. sammelte Mannaweißen, und hie u da einige Blumen von der Wüste. Man fand eine Art Herica, welche ich zuerst entdeckte, u welche die Commission gleich Herica Negrelliana taufte. Bei den Ruinen von Magdolum der h. Schrift fand ich mehrere Muscheln, u bei den Ruinen von Pelusium und von Cap Querreh mehrere sehr werthe Ueberreste einer alten, prachtvollen Zeit. Acht colossale Granitsäulen die am Boden liegen, u viele alte Mauern in Schutt bezeichnen die Lage dieser Stadt, welche meist 300/m Einwohner zählte, und nun als öder Schutthaufen da liegt. Das Lagerleben in der Wüste war nicht unangenehm, u am Christabend haben wir in der Oasee in terra di Tehsen ein immenses Feuer aus dürem Holz und Sträußen angezunden, u an Euch in Liebe gedacht. Wir haben nur 3 Beduinenstämme mit ihren Heerden in der Wüste gesehen. Die 4 ersten Tage sahen wie aber nichts als Himmel, und trokene Erde u. Sand. Wunderbar ist das Geblärre der vielen Camele beim Abbrechen des Lagers, u. wenn die Caravane vor oder nach uns kommt, u. sich etwas von uns entfernt, kommt es vor als ob eine Reihe Berge sich bewege. Oft haben wir auch Miragen /Fata morgana/ gesehen, u. es kommt dann vor als ob die Camele in der Luft näherschreiten würden. Wilde Thiere, als Hyenen, Tiger, Schlangen- ja nicht einmal Schakale haben wir gesehen. Hingegen hat uns am Strande bei Pelusium ein herrlicher Wallfisch nebst Familie /einige kleine Wallfischeleins/ einen Besuch auf 30 Schritt vom Ufer gemacht- u. ist mit uns dem Strand nach im Meer marschirt, und oft aufgetaucht, was uns vom Ufer sehr belustiget hat. Aber erhaben ist die Nacht in der Wüste! Dieser dunkelblaue Sternenhimmel, der Mond, der fast senkreicht über den Kopf leuchtet, die feyerliche Stille... Der Mensch ist nirgends näher an Gott als in der Wüste! 4. Jenner Wir haben dem Vicekönig unseren Bericht abgestattet, den er sehr befriedigend fand, u. bald werden die wirklichen Arbeiten beginnen. Somit habe ich für Oesterreichs Wohlfahrt wohl mehr gethan als Mancher, der sich in Ehren u. Gunst lebt! Unsere Abreise auf Morgen 3 Uhr ist beschloßen! Juhe! Ich sehe Euch mit Gotteshilfe bald wieder! 5. Jenner am Bord des Calcutta 8 Uhr Abends auf hoher See. Unter großer Begleitung u Ehrenbezeugungen sind wir heute um 2 Uhr abgefahren. Willersdorf ließ mich und meine Suite /Kubli, Ganz, Josef/ mit der öster. Imbrication am Bord bringen, die übrigen Mitiglieder der Comission führten die viceköniglichen Platen. Alle Notabilitäten kamen noch am Bord Abschied nehmen. So der öst. Gen. Consularpersonals samt Dragoman u. Gawasch. Um 3 Uhr wurde der Anker gelichtet- u. da fing es an zu gießen! Das Meer ist etwas agitirt- aber der Wind ist gut- er bringt uns zu Euch u. somit ist alles gut. Lebe wohl!