Am Bord des Calcutta, im mittelländischen Meere, 6. Jenner 1856 H. 3 König 8 Uhr Morgens Guten Tag liebste Lotti! Wir hatten eine unruhige Nacht. Die See war sehr bewegt. Die meisten Passagiere sind seekrank- u. wir können keine Sitzungen halten. Ich bin allein sehr wohl. Auch Kubli hält sich gut- Ganz u. Giuseppe sind hingegen [incridible]! Die Sonne ist indessen rein aufgegangen, und vielleicht beruhiget sich auch das Meer! Wir eilen Euch entgegen- u dieser Gedanke stärkt mich! 7. Jenner 10 Uhr Nachmittags Angesichts Candias, und des Monte Ida. Diese Nacht war ruhiger, und bei TagesAnbruch sahen wir schon von Ferne den über 7000 Fuß hohen Ida, wo Jupiter von einer Ziege gesäugt wurde. Der hohe Berg ist bis zur Mitte mit Schnee bedekt- was uns die Nähe Europas verkündete. Die Temperatur ist schon auf 14° herabgesunken, u der Tag ist bedeutend kürzer als in Egypten. Ich denke fortan an die Ursache die dich verhindert haben mag mir zu schreiben, u finde keine, daher ich sehr unruhig bin! Ich sehne mich unendlich nach Dir u. den Kindern, u könne kaum den Augenblick erwarten Dich wieder zu sehen, u den Fuß auf festen, heimathlichen Boden zu setzen! 8 Jenner 1856 angesichts Cerigo. Das Meer läßt uns keine Ruhe! u. das Thermometer zeigt 13 Grade. Weit u breit sehen wir kein Schiff, u vor uns ist Alles in Nebel gehüllt! Gestern, ad vocem Ida, habe ich lange an Dich u an die Mutter, und an die Linzer Ida, Emilie, und Coelestin gedacht! Welche Menge Gedanken auf dieser Reise! 9. Jenner Wir sahen Gestern Haute fior di Levante, Cefalonien, Itacka u [Laucato] wo [Saghe] in des Meer sprang, u langten um 10 Uhr Abends im Hafen von Corfu an. Die Sanität ließ uns nicht landen u keine Kohlen fassen, u mußten bis heute 8 Uhr Morgens warten. Da faßten wir dann Kohlen: u um 12 Uhr sagten wir dem unfreundlichen Corfu Ade! Es lag in Nebel gehüllt. Vier englische Kriegsschiffe, darunter 2 Linienschiffe waren kürzlich aus der Levante dort angekommen. Keine Nachrichten aus Europa. 10. Jenner. Heute früh 7 Uhr waren wir Cattaro gegenüber. Das Wetter ist unfreundlich- doch hocherfreut begrüße ich die österreichische Küste. Vor 12 Uhr fuhren wir bei der Insel Lagosta um 4 Uhr bei Lissa vorbei. Das Meer ist sehr bewegt, der Dampfer tanzt- aber gehet rasch vorwärts! Morgen, wenn Gott will! erreichen wie Triest, u werde gleich an B. B. u an H. v. T. telegraphiren- hoffend, daß sie Dir gleich Meldung schiken werden! Ich bin nicht seekrank- aber seemüde! Gottes Segen auf Dich u die Kinder! Triest 11 Jenner 1856 4 Uhr Abends. Theuere! Wir sind soeben hier eingelaufen. Gott sey Lob u Dank! Tausendmal! Morgen u übermorgen schließen wir hier unsere Protocolle, und Montag mit Gotteshilfe reise ich weiter- die Anderen gehen über Venedig nach Genua u. Marseille! Ich habe noch niemand gesehen! u schließe damit ich die Post nicht versäume! [Kuesse] für mich die Kinder grüße Alle- u auf baldiges herzliches Wiedersehen Dein Louis