Meine Reise nach Egypten Motto: "Wenn jemand eine Reise thut, Weiss er was zu erzählen" Im Fasching des Jahres 1847 überraschte mich armen Assistenten der Wien Gloggnitzer Eisenbahn eine Einladung zum Balle,- den meine Tante Seeliger gab.- Ich folgte derselben hatte jedoch wenig Hoffnung mich dort zu unterhalten, und noch weniger dachte ich mir, daß dieser Ball Ursache einer Epoche meines Lebens sein wird.- Ich erneuerte bey diesem Feste die Bekanntschaft eines Herrn, der mein Verwandter ist,- und den ich hier zum zweiten oder dritten mahl im Leben sah.- Carl Jahsmiger, so hieß derselbe, fand an mir Wohlgefallen und trug mir im Laufe des Gespräches an sich bey Herrn Negrelli zu verwenden, daß meine Wenigkeit als Ingenieur bey der Expedition der Société d’ etudes du Canal de Suez angestellt werde, und fragte mich ob ich Lust hatte Theil an der Unternehmung zu haben. Ich schenkte diesen Antrag wenig Bedacht, und es ärgerte mich mit mir solch' einen Spaß machen zu sehen,- da ich Herrn Jahsmiger per renome für einen Streichmacher und Großsprecher hielt.- Der Ball ging zu Ende,- ich ins Bureau, und vergaß auf die Suez Angelegenheit ganz und gar. Es kann ungefähr eine Woche vergangen sein,- als ich müde von einem Gange nach Meidling in die Kanzlei kam und mir meine Kollegen einen Brief übergaben der mich eilends zu Herrn Jahsmiger rief.- Etwas stützig über dieses Vorfahren besagten Herrn Jahsmiger dachte ich mir, daß an der Sache denn doch etwas sein könne und flog auf den Flügeln der Neugierde und Ungeduld in die Stadt zur römischen Kaiserin.- Dort angekommen erklärte mir Jahsmiger daß er bereit sey mich bey Herrn Negrelli aufzuführen und sich bestens für mich zu verwenden, daß ich so glücklich sein kann mit der Expedition welche baldigst abgehen soll mitzureisen.- Ich war versteinert vor Entzücken und ging mit meinem Beschützer zum Herrn Inspektor Negrelli. Selber nahm mich sehr gütig auf und verwies mich auf den nächsten Morgen wo ich ihn meine Zeugniße und Zeichnungen bringen sollte.- Dieser Tag war einer der glücklichsten meines Lebens es war der 17. März 1847.- Am 18. tn erhielt ich bezüglich meiner Anstellung Gewißheit in der angenehmen Anlage von 100 fr Cmze Reisevorschuß, und sah auch meinen ehemaligen Kameraden aus der Technik„ Mayer" vor mir als Reisegefährten.- Es fehlte nur noch ein Herr um die Expedition voll zu machen, und diesen zu fiden war Herr Negrelli und Jahsmiger eifrigstes Bestreben. Ich fuhr nach Hause um diese meine plötzliche Schicksalswechslung meinen Ältern anzukündigen und mich an ihrer Freude zu weiden.- Ich war so glücklich, daß ich im Wagen der mich von Neustadt führte immer mit mir selbst sprach, so zwar, daß der Kutscher sicher glaubte einen Verrückten zu transportiren.- Nun kommen zwei oder drei Tage wo ich alle Hände voll zu thun hatte um einzupacken, zu zahlen &. Endlich am 24. März Nachmittags hohlte mich mein Vater ab, – ich fuhr nach Hause um Abschied zu nehmen, denn der künftige Morgen ward zu unsere Abreisetag festgesetzt. Am 25.ten März 1847. es war ein Frauentag um ½ 10 Uhr fuhr ich begleitet von meinen Ältern und allen meinen Geschwister und von Onkel Gustav nach St. Egiden um mit Herrn Jahsmiger zusammen zu treffen.- Der Zug kam nach einen viertelstundlangen Warten und ich stieg ein.- Ich muß gestehen, daß mir der Abschied Thränen kostete.- Im Wagen fand ich Herrn Jahsmiger welcher mir meinen Reisegefährten Herrn Potyka vorstellte . Wir fuhren nach Gloggnitz nahmen uns einen Wagen über den Semmering und kammen beiläufig um 1. Uhr in Mürzzuschlag an.- In Mürzzuschlag speisten wir gut, waren recht lustig,- und um 4. Uhr ging es dann mit der Eisenbahn nach Gratz , wo wir beim Elefanten einkehrten. 26.ter Von Gratz sah ich nicht viel doch scheint es mir nicht übel das Pflaster ausgenommen.- Um ½ 8. Uhr früh fuhren wir von Gratz weg, und kammen um 2. Uhr in Cilli an.- Hier erwartete uns am Bahnhoffe unser dritter Reisegefährte Mayer . So vereint speisten wir und fuhren dann mit einen Omnibus der alle Station Pferde wechselt über Laibach nach Triest . 27.ten Wir fuhren die ganze Nacht, darum war sie auch nicht die angenehmste indem es sich im Wagen denn doch nicht ganz bequem schläft. Jetzt in der Früh sind wir in Sesana , von welchem Orte angefangen die Gegend sehr öde wird,- denn der Weg zieht sich durch eine mit Kalkfelsen bewachsene Haide. - Gegen 2. Uhr kammen wir am Obschina , von welchen man Triest so göttlich vor sich ausgebreitet sieht. - Ich war sehr gespannt auf den Anblick des Meeres , und ich muß gestehen er überraschte mich. - Es war gerade Windstille und das Meer spiegelglatt ganz besäet mit kleinen Fischerschiffen und Gondeln. - In Triest stiegen wir im Hotel de Meternich ab. - Die Stadt ist sehr schön und hat breite Strassen, - der Corpo, der Platz wo die Börse das Tergesteum der Loyds & sich befindet ist die große Promenade für Triest's Schönheiten , deren es ziemlich viele besitzt.– Das Volk in Triest und überhaupt die männlichen Einwohner widerten mich jedoch an, indem ich diese Krämmer nicht leiden mag.- Da das Theater geschlossen war so konnten wir dasselbe leider nicht besuchen. - Unser Hotel ist eines der schönsten das ich sah und mit welchen sich kein Wiener Gasthof messen kann.- 28.ten Nachdem wir hier unsere Wechsel gezogen hatten und uns unsere Gagen ausbezahlt waren, beschloßen wir eine Lustfahrt nach Muja zu machen. - Muja ist ein Fischerdorf bey Triest, und soll unendlich alt sein, – was auch die Gebäude daselbst ziemlich darthun.- Wir nahmen uns eine Gondel vonMolodiSt.Carlo und gleiteten sanft über die spiegelglatte See.- In Muja angelangt aßen wir Austern und tranken guten Wein.- Gegen Abends fuhren wir wieder zurück, wo wir im Zimmer dann Tarock spielten.- 29.ten Heute schrieb ich einen Brief an meine Ältern, und lernte dann im Kaffehause die Herrn Bruck u. Chraiger kennen.- Letzterer gefiel mir besonders gut, indem er uns einen Vorgeschmack von unserer Reise gab, welches er am besten thun konnte da er selbst ganz Egypten und Syrien bereiste.- 30.te Heute um 4. Uhr soll ich und meine Gefährten den heimathlichen Boden verlassen und zur See gehen.- Mir ist doch so gewiß schwer zu Muthe, allein ich hoffe wir werden alle Gefahren glücklich überstehen, wir sind ja alle noch jung und kräftig, nur Muth!!- Mayer war bey Reyer geladen. Ich, Pottika und Jahsmiger dinirten im Hotel Meternich und tranken zum Abschied Champagner.- Wir schwuren nicht zurückzukehren, wenn wir nicht unsere Aufgabe glänzend gelöst hätten und nährten die schönsten Hoffnungen für die Zukunft.- Um 3. Uhr endlich fuhren wir ans Schiff "Imperatrice" Um ½ 4. Uhr kamm Mayer an.- Wir drückten uns die Hände und vertrauten uns Gott an.- Precise 4. Uhr fuhr das Dampfschiff ab.- Unser Fahrzeug ist eines der schönsten des Oesterreichischen Loyds.- Die See ist ganz ruhig.- Ich und Pottika schlafen in einer Kajüte, er oben und ich unten.- Ich verspüre von der See Krankheit noch nichts.- 31.ste Die Nacht war nicht sehr angenehm, ich schlief erst gegen Morgen ein,- das immerwährende Schütteln ist mir sehr zuwieder aber noch unangenehmer ist das Krachen im Gebälke.- Ich frühstückte und ging aufs Verdeck.- Es war sehr viel Wind, jedoch gegen 12. Uhr ging der Sturm erst recht an.– Es warf das Schiff furchtbar herum, es war mir als wenn wir immer Berg ab, und Bergauf fuhren.- Die Wellen waren wenigstens 6. Klafter hoch.- Es ist herrlich, jedoch furchtbar anzusehen.- Wellen gingen beständig über Bord,- so daß ich, der ich immer am Verdeck war, ganz naß wurde.- Ich mußte mich an den Tauen halten und sah zu.- Der Kapitain ging sehr beunruhigt auf und ab und ich bemerkte wie er Anstalten treffen ließ das Steuerruder welches sehr in Gefahr war zu befestigen.- Nachdem ich ganz durchnäßt und des Anblickes satt war ging ich resignirt in meine Kajütte legte mich aufs Bett und Dank sey es meiner Jugend ich schlief bald ein. 1.ten April. Heute früh haben wir wieder schönes Wetter.- Ich sah dieß immer schon von meinem Kajütenfenster aus.- Wenn ich draußen an der Oberfläche des Meeres heftige Brandungen sah, wußte ich daß es stürmisch war, bemerkte ich diese nicht zog ich mich etwas beruhigter an. Gegen 10. Uhr sahen wir Land es ist dieß die Insel Lissa der Schlüßel zum adriatischen Meere. Abends bewunderten wir den Aufgang des Mondes. 2.te April.- Die Nacht war wieder außerordentlich stürmisch, daher sich unser Kapitain entschließen mußte den Hafen von Ragusa aufzusuchen um nicht etwa einer größern Gefahr ausgesetzt zu sein.- Gegen 11 Uhr kommen wir in den Hafen. Derselbe heißt nicht Hafen von Ragusa sondern Hafen von Gravosa.- Er ist außerordentlich schön, und trefflich vom Winde geschützt. Wir fuhren ans Land, froh wieder auf stabilern Grund zu tretten, durch das Schaukeln des Schiffes ganz verwöhnt,- konnten wir alle kaum gehen. O! wie schön ist die hier schon weit vorgerückte Vegetation.- Alles war grün und blühte.- Ragusa ist von Außen sehr schön anzusehen.- Von Innen ist es schweinisch und hat enge Straßen. Man sieht jedoch hier Gebäude im pizantinischen Style, die mich überraschten. Geistliche gibt es hier in Massa.- Ein bekannter Priester des Mayer führte uns in die Kirche zur Himmelfahrt Maria’s und zeigte uns den Reliqien Schatz derselben.- Er besteht aus Gebeinen mehrerer Heiliger die man prächtig in Gold und Silber faßte.- Unter Andern soll auch ein Tuch, welches man in einen großen massiv silbernen Kasten aufbewahrt, dasselbe sein, welches man als Windel benützte als Christus gebohren wurde. Es ist weiß und aus Palmenfassern gewebt. Von diesen Tuche erzählte uns obbesagter Priester mehrere Wunder, worunter jedoch eines deutlich zeigte wie groß der Aberglauben des Volkes ist und wie sehr die Geistlichen denselben unterstützen, um die Gläubigen in der so angenehmen Dummheit zu erhalten. - Die Geschichte lautet wie folgt. „Man benutzte die göttliche Wunderkraft dieses Tuches, indem man den Gebährenden von Ragusa und der Umgegend zur Zeit ihrer Niederkunft ein Zipfel desselben reichte, wodurch sie eine leichte und schmerzlose Geburt überstanden. Da hatte denn auch einst eine Jüdin die immer mit großen Schmerzen ihre Kinder zur Welt brachte dieses Tuch indem sie sich für eine Christin ausgab, zu erlangen gewußt, und sey jedoch aus Strafe für diesen Frevel unter den gräßlichsten Schmerzen verschieden. - Um nicht ähnlichen Betrügereien ausgesetzt zu sein, beschloßen die heiligen Väter der Kirche das Tuch niemand mehr reichen zu lassen." Man zeigte uns ferner den Schmuck der heiligen Madonna worin sich unter einer Massa von Perlen auch eine befindet, die mir wegen ihrer seltenen Größe auffiel. Sie bildet den Bauch eines goldenen Pferdes. - Ein Franziskaner Mönch führte uns sodann in das Franziskaner Kloster, welcher groß ist, und sich durch sein äußerst schweiniges Refectorium und durch eine Bibliotek von geistlichen Büchern auszeichnet , die meistens aus sehr nett geschriebenen Exemplaren besteht . Gegen 4. Uhr fuhren wir wieder an Bord da wir unmöglich Lust bekommen konnten in dieser guten Stadt etwas zu essen. - Was mich noch überraschte ist die Tracht der gemeinen Dalmatiner - Sie haben viel ähnliches mit den Türken und tragen alle Waffen, meistens einen langen Dolch und eine Pistole. [Aquarellzeichnung] 3.te April. Diese Nacht schlief ich doch einmahl wieder ruhig und angenehm , wenigstens so als es sich in den Kajüten bitten schlafen läßt. Da heute der Sturm draußen noch immer anhält so ist es unmöglich weiter zu kommen. - Um uns daher die Zeit zu kürzen gingen wir wieder ans Land, und zwar in Begleitung des 2ten SchiffsOffiziers Herrn Constantini. - Dieser lustige Patron "Ein Dalmatiner-Bauer" Dalmatien war seit dem Wiener Kongress 1815 ein Kronland der Habsburgermonarchie. Aufgrund der Nähe zu osmanisch beherrschten Gebieten und des kulturellen Austauschs war der Einfluss der Osmanen in vielfältiger Hinsicht (so auch in der Kleidung) deutlich spürbar. Die Komposition des Aquarells erinnert an ein „Guckkastenbild“– eine optisch gerahmte Darstellung mit abgerundeten Konturen, die den Eindruck eines Blicks durch ein Fernglas vermittelt. Die malerisch-zeichnerische Gestaltung spiegelt Junkers akademische Ausbildung am Wiener k. k. Polytechnischen Institut wider, an dem ein traditioneller zeichnerischer Kanon vermittelt wurde. Sowohl Aufbau als auch Farbgestaltung orientieren sich an der Tradition der Wiener Landschaftsmaler jener Zeit. Mann und Esel/Maultier sind zentral positioniert, was ihre Wichtigkeit in der Komposition hervorhebt. Die Darstellung der regionaltypischen Kleidung folgt kolonial geprägten Klischees des ‚orientalischen Bauern‘, etwa durch Fez, Pluderhose, lange Pfeife, und verweist damit auf ein seinerzeit geläufiges Bildschema der „Volkstrachten“ aus dem östlichen Mittelmeerraum und dem Osmanischen Kulturkreis. Der vergleichsweise hoch angesetzte Horizont ist ein charakteristisches Gestaltungselement: Die Lichtführung sowie die feine Abstufung der Blautöne schaffen eine gezielte Tiefenwirkung, welche den Blick der Betrachtenden auf das zentrale Bildmotiv lenkt. der auch etwas deutsch sprach, führte uns ins Kaffehaus welches sich am Hauptplatze befindet und von Offiziere wimmelte.- Unter letztern traff Herr Constantini einen bekannten Lieutnant Baron Lichtenberg, der so gefällig war sich unser anzunehmen und uns die Festung zeigte.- Kaum hatten wir die höchste Citadelle erstiegen so hörte ich zu meinem nicht geringen Erstaunen ein sehr unharmonisches Läuten aller Glocken dem ein Schießen mit Kleingewehren aus allen Dach- fenstern der Stadt folgte.- Der Herr Baron Lichtenberg klärte uns über dieses Ereigniß dahin auf indem er uns sagte, daß so die Auferstehung Christi gefeiert wird.- Nachdem wir uns an dem herrlichen Anblicke des stürmischen Meeres und der Stadt ergötzt hatten,- verließen wir diesen Ort um uns eine türkische Caravanne anzusehen die so eben vor der Mauer der Stadt anhielt um hier ihre Waaren auszutauschen oder zu verkaufen.- Wir gingen also auf den zu diesem Zwecke sich befindlichen Platz der durch ein Parapet von ungefähr 2 Schuh höhe in 2. Theile getheilt ist.- Auf dieser Mauer und hinter derselben saßen die Türken die Beine über kreuz und rauchten ihre Tschibuck's während sie Korn und andere Sachen zum Verkaufe anbothen. Das Geld wurde der Quarantinne halber, mit Schau- feln hinübergegeben und so empfangen, wo es noch mit Wasser bespült wurde.- Eine Unzahl von Bettlern in dem elendesten Zustande begleitete diese Caravanne und sahen mit mittleid erre- genden Blicke zu uns herüber.- Wir kauften Brod, ließen es zertheilen und der Menge austheilen, die mit einem Jagdhund ähnlichen Hunger darüber herfielen.- Man sah hier keine Geistli- chen.- Nachdem wir uns hier entfernt hatten, gingen wir in ein Gasthaus und wollten Bier trinken, – wir wollten, konnten aber nicht.- es war zu schlecht.- Um unsere Erkenntlichkeit gegen Herrn Lichtenbergs Gefälligkeit an den Tag zu legen, ladeten wir ihn zum Speisen ans Schiff, wo wir dann Makau spielten und uns Abends noch damit unterhielten, daß wir Herrn Lichterberg ans Land begleiteten und uns auf einem alten Billard so gut als möglich ergötzten. Der Abschied von Herrn Baron Lichtenberg wurde mir beinahe schwer, da ich ihn einen so geraden und liebenswürdigen Character kennen lernte, wie man sie nur bey Deutsche findet.- Er war ein Rheiländer. 4ter April. Heute Nachts um 12. Uhr fuhren wir aus den friedlichen Hafen und hatten bis gegen Mittag ein ruhiges Wetter.- Nachmittag jedoch legte sich der Siroco und wir fuhren pfeilschnell dahin.- Einen langweiligeren Ostersonntag als den heutigen verlebte ich nicht sobald.- Ich und Jahsmiger lagen am Verdeck und ließen uns von der Sonne bescheinen.- Heute fühlte ich erst das Langweilige einer Seereise, nichts als Himmel und Wasser.- Die Schwankungen des Schiffes waren jedoch so bedeutend, daß es unmöglich war in der Kajüte zu speisen, daher lagen wir alle am Verdeck und ließen so den trefflichen Gerichten Gerechtigkeit widerfahren. Man sagt, daß wir heute Nacht in Corfu ankommen werden. 5ten April. In aller früh weckte mich Mayer und sagte mir, daß wir schon vor Anker im Hafen von Corfu liegen.- Ich ging schnell auf's Verdeck und sah nun Corfu vom Hafen aus.-Die Stadt ist von Außen sehr schön, befestigt, und steht wie die ganze Insel unter dem Commando der Engländer.- Nachdem wir gefrühstickt hatten nahmen wir einen Dragoman und fuhren ans Land.- Das Innere der Stadt ist nichts weniger als schön, das Palais des englischen Gouverneurs ausgenommen sind alle Häuser niedrig und schmal.- Wir nahmen im ersten Hotel dort ein zweites Frühstück a l'anglais ein und gingen vor die Stadt hinaus um die Villas der Vermöglichern Einwohner Corfu's zu besehen.- Es ist ein überraschender Anblick für einen Deutschen, der noch niemals im Süden reißte, so zwischen Limonier und Pomaranzenhainen zu wandern. Wir mußten uns beeilen um alles zu sehen da unser Schiff schon am 12. Uhr abfuhr. Unsere letzte Station wird Sira sein welches auch zugleich der letzte europäische Hafen ist, den wir berühren . Heute Nachmittags versuchten ich und Mayer Seemöven , die uns immer nachzogen , zu schießen traffen jedoch zur großen Belustigung der Übrigen keine einzige . 6ten April . Heute Nachts sagt man mir , werden wir nach Sira kommen . - Das Wetter ist vortrefflich . - So eben kommen wir vor den Städten Naverino und Modon vorbey . - Letztere Stadt sieht sehr gut aus sie ist ganz von Festungswerken eingeschloßen und ragt weit in die Fluth heraus . - Zur Rechten sieht man einen Fels emporsteigen . - Die Fahrt ist heute sehr interessant . Das Dampfschiff " Graf Stürmer " begegnet uns so eben , es kommt von Constantinopel . - Der Kapitain unseres , und jener des anderen Schiffes , läßt halten und sie wechseln ein paar freundliche Worte . - Heute thun wir wieder wirklich gar nichts als essen , - besonders Pomeranzen die wir uns in Corfu en masse kauften . - In Corfu hat sich das gute Einvernehmen in welchen wir immer bisjetzt aushielten in den Personen des Jahsmiger und Mayer etwas gestört . - Letzterer kommt mir sehr arrogant vor . - Sehr gerne habe ich Pottika und Jahsmiger , über letzteren könnte man sich manchmals zu Tode lachen. 7te. April Heute beiläufig um 9. Uhr früh kammen wir in Sira an. - Die Insel gleichen Namens ist kahl und hügelich. - Die Stadt selbst ist auf einem solchen erbaut. - Sie zeichnet sich durch eine Unzahl Windmühlen und dadurch aus, daß alle Häuser gebaut, - das heißt, dächerlos sind. Der kahle Bergabhang, die schneeweiß angestrichenen kleinen Häuser und die vielen Windmühlen, das alles sieht so traurig und fad aus - daß ich nicht um Alles in der Welt hier leben möchte. Wir fuhren auch hier ans Land, - aber wir bereueten es beynahe. - Die Griechen sind das schmutzigste Volk das ich kennen lernte , nicht nur was ihr Äußeres und ihre Häuser betrifft sondern diese Eigenschaften sollen sich auch auf ihren Character beziehen . Wer die jetzigen Griechen ken nen lernt, den stimmt es traurig wie ein Volk, das in jeder Beziehung so groß war, wodurch Tiraney so tief sinken konnte. Sira ist der Ort wo die Passagiere die nicht nach Constantinopel segeln die Schiffe wechseln. Wir, die in diesem Falle waren , mußten unser liebes Schiff Imperatrice und den wackern Kapitain Gelsich verlassen, um auf das bedeutend kleinere Dampfboot „Meternich“ uns zu begeben. - Um ½ 2 Uhr fuhren wir bey ziemlich aufgeregter See aus den Hafen von Sira um uns abermals der trügerischen Welle Preis zu geben. 8te April. Wir hatten wieder stürmisches Wetter, und unser Kapitain glaubt es wird bis Alexandrien anhalten. - Gestern schon gesellte sich ein junger Mann zu uns der Deutsch spricht und sehr unterhaltend ist. Ich erfuhr, daß er Marine Offizier sey und Graf Schmidegg heiße. - Er kam von Athen und hat nach seinen Reden schon die halbe Welt bereiset. - Aus lauter Langweile spielten wir fast den ganzen Tag Preferanze . Wir segeln sehr schnell, da wir günstigen Wind haben und sind jetzt schon vor Candia vorbey, was 2/3 Weges zwischen Sira und Alexandrien liegt. Ich bin schon sehr neugierig auf Morgen, wo wir in der langersähnten Stadt ankommen werden. Ich verspüre, noch nichts von Afrikas Klima denn hier zur See ist es ziemlich kühl. 9ten April. - Das Wetter ist ziemlich gut, die Gegend sehr fad, Himmel und Wasser, letzteres ist hier außerordentlich tief und an manchen Stellen grundlos. - Unser Kapitain sagt uns, gegen 4. Uhr werden wir Afrikas Küste sehen. 4 Uhr. Man sieht einen lichten Flecken, es ist Land, wir kommen immer näher, man sieht den Leuchtthurm von Alexandrien und schon ganz deutlich die ganz flache sandige Küste. - Jetzt sieht man die Häuser sämmtlich ohne Dach wie Ruinen dann hie und da Dattelbäume. - Wir kommen schon nahe zum Hafen . - Ein Wald von Masten ragt uns entgegen. Ich sehe ein kleines Schiff von den Wellen schrecklich herumwerfen und uns entgegen kommen. Es ist dies der Pilote des österreichischen Loyds der die Verpflichtung über sich hat, jedes Dampfboot in den so sehr gefährlichen Hafen von Alexandrien einzuführen. - Der Lotse war ein schöner Mann mit nußbrauner Gesichtsfarbe. Umrungen von Kliepen, Booten und größeren Schiffen kommen wir in den Hafen. - Kaum angelangt, so rauften und balgten sich auch schon die Schiffer, meistentheils Mooren , um unsere Effecten. Nachdem dieselben an Bord waren stiegen wir auch in Gesellschaft des Herrn Schmiedegg aus, und man ruderte uns ans Land. - Daselbst standen schon Kamehle und andere Lastthiere, als Maulthiere, Esel & bereit, die Bagage der Angekommenen in Empfang zu nehmen und dieselben zur Duane zu transportiren. - Die Zollbeamten machten nicht viel Schwierigkeiten , wir bezahlten eine Bagatelle und begaben uns von dem Kamehltreiber , der etwas italienisch verstand geführt auf den Hauptplatz von Alexandrien in das Hotel d'Europe. Da wir deutsche waren so erregten wir dort nicht viel Simpathie, indem selten solche kommen, und noch seltener solche viel verzehren. - Man gab uns jedoch ein Zimmer und sagte uns, daß die Table d'hote in einer Stunde bereit wäre. - Im Zimmer erst erholte ich mich ein wenig von allen diesen Merkwürdigkeiten des Tages, und ich werde jetzt zur Schilderung des Charakters der Stadt selbst schreiten. Alexandrien ist ziemlich groß und besitzt eine Menge meist sehr schmale Strassen. - Der Platz wo unser Hotel erbaut ist gehört unstreitig zu den schönsten der Stadt, und er zeichnet sich noch dadurch aus, daß beinahe sämmtliche Consulatshäuser sich hier befinden. In den Strassen ist ungeheures Gewimmel von Menschen, Kinder, Eseln, Kamehlen, Verkäu — fern & Letztere machen ein Geschrei , das man sein eigenes Wort nicht versteht. - Man begegnet sehr viele Blinden, und da man immer reitet, so muß man ungemein acht geben keinen derselben zu beschädigen. - Die Männer sind schön und gut gekleidet, die gemeine Klasse jedoch nur mit einem Hemde bekleidet, sonst nackt, - die Weiber der besseren Klasse sind sehr elegant und reiten von einem Sklaven begleitet ein Maulthier; die gemeinen hingegen haben ein langes blaues Hemd, einen dito Schleier und meistens ein kleines Kind, welches auf ihre Achsel reitet. [Aquarellzeichnung] - Als wir nun so unsere Bemerkungen vom Fenster machten rufte man uns zur table d'hote . Nach dem Speisen legten wir uns nieder. aber schlafen konnte ich nicht so wurde ich von den Gelsen zerbißen. - 10ten April. - Mayer war heute unwohl, darum gingen bloß Jahsmiger Pottika und ich zum österreichischen Consul Herrn Ritter von Laurin . Das Consulathaus ist sehr angenehm gelegen, und Laurin kam mir vor, wie ein Pflanzer. - Er nahm uns sehr gut auf, äußerte sich, daß er uns sehr jung finde, ließ Kaffe und Pfeifen bringen und unterhielt sich mit uns über eine Stunde. [Aquarellzeichnung] - Von hier gingen wir in unsern Gasthof zurück, wo wir von dem Dragoman Esel für den ganzen Tag a 6. Piaster d. i. 36. kr. Cmze bestellen ließen, um die Merkwürdigkeiten der Stadt zu besehen. - Das interessanteste also zuerst , hieß es folglich den - Bazar : Nach einem halbstündigen Ritte kammen wir vor ein kleines steinernes Gebäude, vor welchem 2 . Männer standen, die Tabak rauchten. - Meine Neugierde kann ich kaum beschreiben aber wie sehr täuschte ich mich ! besagte Männer führten uns nachdem wir ihnen das verlangte Backschis ( Trinkgeld ) gaben in das innere des Hauses. - Es war ein kleiner Hof in welchem mehrere sehr niedrige Thüren angebracht waren. - Als wir eintratten pfiffen die Sklavenhändler und auf dieses Signal erschienen mehrere meist ganz nackte schwarze Mädchen die jedoch alles, nur nicht schön waren. - Sie bestürmten uns um Geschänke und machten uns auf ihre körperliche Reitze selbst aufmerksam. - Ihre Haare kammen mir wie Schafwolle vor, jedoch die Haut und überhaupt ihr ganzer Körper ist äußerst zart. - Nachdem wir sie zur Genüge betrachtet hätten; kehrten wir alle mit dem Gefühl des höchsten Mitleids und Entrüstung über diese Entwürdigung aller Menschenrechte , aus diesen Hause , von welchen ich mir aufrichtig gesagt weit mehr versprach. [Aquarellzeichnung] - Von hier führte uns unser Dragoman zur Pompejus Säule Ihr Anblick überraschte mich . Sie ist außerordentlich hoch und der Säulenschaft aus einem Stück Marmor. Auf diesen Schaft ist ein Corintisches Capitel von denselben Stein gesetzt . [Aquarellzeichnung] - Die Gegend rund um die Säule ist öde und ganz wüste, man "Egyptische Frauen" Junkers Zeichnungen sind keine naturgetreuen Abbildungen, sondern vielmehr eine Kombination von Realität und Imagination. Seine skizzenhaften Darstellungen orientieren sich an den damals üblichen grafischen Vorlagen. Die Frauendarstellung folgt gängigen orientalistischen Klischees, wie sie ab dem 18. Jahrhundert in der bildenden Kunst verbreitet waren – mit einem Fokus auf die Verhüllung als äußeres Merkmal des "Fremden" und des "Geheimnisvollen“. Schemenhaft im Hintergrund treten die Umrisse einer Moschee hervor - erkennbar an der angedeuteten Kuppel und dem Halbmondsymbol. Die architektonischen Elemente weisen auf den islamischen Kulturraum hin und verorten die dargestellten Figuren kulturell und geografisch. Drei Fotografien aus der Sammlung des Archivs des Technischen Museums Wien verdeutlichen, dass der koloniale Blick auf die ‚orientalische Frau' auch in späteren visuellen Medien unverändert blieb und die Wahrnehmung muslimischer Frauen nachhaltig beeinflusste. Siehe Fotografien: BPA-017714 BPA-017975 BPA-018760 "Besuch beim österr. Consul Laurin" Der spärlich möblierte Audienzsaal sowie die stilisierte Darstellung der Einrichtung – bestehend aus Kanapee, Stuhl und Gemälde – spiegeln charakteristische Einrichtungselemente des Biedermeiers wider (vgl. DanhauserMusterbücher aus dem MAK). Die gerade, fast steif sitzenden Ingenieure wirken auf dem Kanapee beinahe, als würden sie „schweben“. "Besuch im- Im 19. Jahrhundert war der Sklavenhandel in Ägypten, insbesondere infolge von Kriegen und Besetzungen (z.B. in Nubien ) weit verbreitet. Viele weibliche Kriegsgefangene wurden Opfer von Versklavung, sexualisierter Gewalt und Zwangsprostitution. Diese Zeichnung verdeutlicht, wie versklavte Afrikanerinnen auf bloße „Handelsware“ reduziert und schonungslos entmenschlicht wurden. Im Zentrum der Bildkomposition steht der ägyptische Zwischenhändler neben einer sitzenden Afrikanerin mit nacktem Oberkörper, die schützend mit dem Arm ihre Brust bedeckt. Die österreichischen Ingenieure betrachten die versklavten Frauen und berühren deren unbedeckte Haut. Die Darstellung verweist auf koloniale und sozialhierarchische Machtstrukturen und offenbart zugleich eine Diskrepanz zwischen Junkers schriftlichen Aufzeichnungen und der Zeichnung. Im Reisetagebuch schildert Junker, dass die Österreicher „über die Entwürdigung der Menschenrechte“ empört sind und Mitgefühl für das entsetzliche Schicksal der versklavten Frauen zeigen. Zudem erwähnt er, dass die Frauen angeblich durch ihre Reize die Aufmerksamkeit der Österreicher suchten – ein Kontrast zur Abbildung, in der die Frauen abgewandt und sich verdeckend dargestellt sind, während die Männer ihre nackte Haut berühren. "Die Pompejus-Säule in Alexandrien" Die „Pompeius-Säule“ in ist eine römische Siegessäule aus rotem Granit. Mit einer Höhe von 26,85 Metern wurde sie in den Jahren 297 oder 298 n. Chr. zu Ehren des Kaisers Diokletian errichtet, nachdem er einen Aufstand in der Stadt niedergeschlagen hatte. Die Darstellung nutzt eine klassische Guckkastenperspektive mit verschobener Raumwirkung. Die Säule steht rechts im Bild und wird durch einen Hügel hervorgehoben. Der Blick von unten verstärkt ihre monumentale Wirkung. Ein Reiter im Vordergrund, vermutlichder Dragoman, hebt den ausgestreckten Arm und zeigt auf die Säule – eine Geste, die in Reisedarstellungen des 18. und 19. Jahrhunderts oft zu finden ist. Dieses Zeigen auf die Sehenswürdigkeit unterstreicht nicht nur die Bedeutung der „Pompeius-Säule“, sondern betont auch den dokumentarischen Charakter der Zeichnung als Reiseandenken. sieht kein grünes Gesträuch ; auch brannte die Sonne hier so ziemlich. - Von der Säule ritten wir in den Garten des Said Bei , eines Sohnes des Vizekönigs Mehemed Ali . - Der Garten liegt auf einer Anhöhe und ist ganz nett: Oben steht ein Palais umgeben von einer französischen Anlage, unten ist er mit Palmen bewachsen . Da wir die Erlaubniß erhielten alles zu besehen , fingen wir gleich unten im Garten damit an , daß wir einen Mosaickboden bewunderten. - Er stellte ein Medusenhaupt vor , und war in einer kleinen Kapelle. Die Zimmer des Palais bothen nichts außergewöhnliches dar, bloß sind die Tepiche auf den Fußböden sehr prachtvoll - Somit hatten wir alle Merkwürdigkeiten besehen, bis auf den Obelisken und den Katacomben, die wir auf morgen verschoben. - Früh des andern Morgens am 11. April ritten wir wieder fort, besahen uns den Obelisken , der sehr hoch und schmall und auf einer Seite voll von Hiroglifen ist, sonst jedoch nichts bemerkenswerthes darbiethet. Interessanter sind die Katakomben mit den Ruinen der Bäder der Kleopatra. - Erstere bilden ein unabsehbares Labyrinth angefühlt mit Schutt und Todtenknochen. Allein wir waren ja nicht bloß nach Egypten gekommen um uns die Merkwürdigkeiten zu besehen , sondern um zu arbeiten. - Ja ! aber wie und wo ? das waren zwei große Fragen. - Wir brauchten dazu die Erlaubniß des Vicekönigs und um diese zu erhalten ging Jaßmiger nach Cairo , wo er resedirte. Wir 3. hingegen thaten durch beinahe 3. Wochen nichts als essen, trinken, reiten und fahren. - Unsere oder eigentlich meine Tagesordnung war folgende: Früh 7. Uhr aufstehen, frühstücken, und ein Pferd miethen, meist in Gesellschaft des Herrn Grafen Schmiedegg ausreiten. Um 1. Uhr wieder essen, dann wegen zu großer Hitze entweder im Zimmer Karten spielen oder schlafen, Abends vor der Table d ' hote zum Harem Bei reiten dann speisen, und schlafen. - Dieser Harem Bei verdient jedoch eine Beschreibung. So nennt man einen Platz am Mahmudie Canal , der so besucht ist, daß er leicht mit dem Prater von Wien vergliechen werden kann. [Aquarellzeichnung] - Ein niederes Häuschen, in welchem sich nur ein Paar Stühle und der Kaffeherd befindet, bildet das Kaffehaus rund um stehen Bäume, und vis a vis ist der Garten des Harems eines Sohnes des Vicekönigs.- Hier versammelt sich die ganze schöne Welt Alexandriens zu Pferd, zu Wagen oder zu Esel.- Man trinkt Kaffeh und raucht Tabak entweder aus Tschibuks oder Nargiles. Auch kann man, weil etwas weiter oben der Landungsplatz des Cairo'er Dampfschiffes ist, die Passagiere aussteigen und fortfahren oder reiten sehen, was ein sehr unterhaltender Anblick ist, da man unter den Engländern die über Cairo aus Indien kommen, die abentheuerlichsten Gestalten trifft. So also unterhielten wir uns und hofften und harrten immerfort auf die Ankunft unseres Secretairs Hr. Jaßmiger. Was mich auch öfters sehr belustigte,- waren die Feierlichkeiten der Araber bey Hochzeiten und Beschneidungen.- Erstere sind sehr lärmend und sehen folgender Maßen aus: Spielleute eröffnen den Zug, nach diesen kommt ein Kreis junger Leute, welche alle mit langen Palmenstöcken bewaffnet sind und beiläufig alle viertel Stunde unter sich eine Art Gefecht veranstallten. Nach dieser kommt ein Kamehl auf welchen sich die Braut befindet, die man jedoch nicht sehen kann, da sie in einer Art Laube von Palmenblättern gänzlich eingeschlossen ist, das Kamehl wird geführt und ist oft prachtvoll geschmückt. Der Braut folgt ein Kamehl, welches die Freundinnen derselben trägt, und welchem dann viele Kamehle mit der Aussteuer der Braut folgen.- Dieser ganze Zug geht durch alle Strassen der Stadt, und wird meist von der hoffnungsvollen Jugend Alexandriens unter großem Geschrei begleitet. Die Beschneidungsfeste sind einfacher. Ein reich geschmücktes Pferd trägt den kleinen Knaben, der der Operation unterzogen werden soll- Derselbe wird auf jeder Seite von Sclaven gehalten. Hinter dem Pferde schreitet ein Kamehl, auf welchem sich die Mutter des Kleinen befindet. Den Zug schließen Musikanten. Nachdem wir so die Stadt und ihre Einwohner ziemlich kannten fing es uns an etwas langweilig zu werden und wir warteten mit Sehnsucht Jahsimiger der von Cairo schon täglich kommen sollte. Endlich kam er, und meldete daß Mehemed Ali "Das Caffé am Mahmudie Canal" Die Komposition wirkt wie eine Momentaufnahme und vermittelt eine vermeintlich authentische Alltagssituation, wie sie in Darstellungen des aus dem 19. Jahrhundert häufig inszeniert wird. Im Vordergrund sitzen zwei Ägypter mit Fez entspannt auf einem Teppich und rauchen Pfeife. Das rechts im Bild dargestellte Ensemble reitender Personen zeigt Europäer zu Pferd und einen Ägypter auf einem Maultier. Diese Komposition reflektiert auf subtile Weise eine koloniale und sozialhierarchische Bildsprache. Im hinteren Bereich der Darstellung sind verschiedene Personen zu sehen, darunter Frauen und Männer, die sowohl westliche als auch arabisch-islamische Kleidung tragen. Dies unterstreicht das internationale Treiben in der Hafenstadt Alexandria und ihrer Umgebung. "Audienz bei Mehemed Ali " Am 27. April 1847 waren die österreichischen Expeditionsteilnehmer gemeinsam mit dem österreichischen Generalkonsul Anton von Laurin und dem k.k. Dolmetsch Herrn Babitsch beim ägyptischen Vizekönig Mehmed Ali in Alexandria zu einer Audienz geladen. Die Darstellung der Audienz erfolgt in Schrägperspektive. Der Blick führt perspektivisch auf den Vizekönig in der Mitte zu, wodurch seine zentrale Rolle betont wird. Es fällt auf, wie durch die differenzierten Sitzpositionen spezifische kulturelle Eigenheiten inszeniert werden: Während der Vizekönig in einer an den erinnernden Pose dargestellt wird, sitzen die Österreicher nebeneinander in einer Reihe mit geradem, aufrechtem Rücken. Durch die Fenster sowie die Sitzmöbel lässt sich eine Raumgestaltung mit westlichem Einfluss erkennen. Es ist möglich, dass europäische Architekten an der Gestaltung des Palastes Mehmed Alis mitwirkten, was auf die kulturelle Einflussnahme sowie auf die westlich geprägte Repräsentationsstrategie des ägyptischen Vizekönigs verweist. uns alle Hülfe und Vorschub zu unsere Arbeiten werde angedeihen lassen, - daher er auch zu diesem Zwecke schon der Befehl ertheilte eine kleine Kriegsbrigg mit Bemannung und Proviant für uns auszurüsten, damit wir dann sobald als möglich unsere Reise in die Bucht von Tineh antrethen mögen. Wir waren alle ausnehmend erfreut über diese Nachricht und unser Vergnügen vermehrte sich noch dadurch, als wir hörten Mehemed Ali komme in kurzer Zeit nach Alexandrien und verlange uns zu sehen. 27. April. Heute früh kam Herr von Laurin in Begleitung des k. k. österreichischen Dolmetsch Herrn Babitsch zu uns, und so vereiniget fuhren wir zur Audienz die Mehmed Ali auf heute uns zusagte. - Meine Spannung war keine kleine diesen so großen Mann , der es vom gemeinen Ruderknechte zum König brachte , kennen zu lernen. Sein Palast ist außer der Stadt am Ufer des Meeres und wir waren kaum dort angelangt, als man uns schon über eine große schöne Trepe führte. - Wie kammen zuerst in einen Vorsall, und von hier aus in den Audienzsaal des Vicekönigs. - Mehmed Ali ist ein sehr schöner alter Mann mit einem langen weißen Barte und stechenden schwarzen Augen. Er saß am Ecke des herumlaufenden rothen damastenen Divans. - Als wir eintrathen nickte er uns wohlgefällig zum Niedersetzen und man brachte uns Jeden schwarzen Kaffeh. Im Saale war außer uns niemand als der wachhabende Offizier und noch ein Türke mit einen großen Fliegenwedel, womit derselbe den Vicekönig stets diese wiedrigen Insekten verscheuchte. [Aquarellzeichnung] - Herr Babitsch als unser Dolmetsch, trug ihn unser Anliegen nochmahls vor, und der willigte in Alles. Nachdem wir uns so eine halbe Stunde beiläufig unterhalten hatten, entfernten wir uns, jeder eine gute Meinung vom Vicekönig mitnehmend . - Unser eifrigstes Geschäft war jetzt mit dem Capitain unserer Brigg zusammen zu kommen und unser Schiff zu besehen. - Wir begaben uns daher ins Arsenal Gebäude wo uns der "Capitain Elias Abdalaha" als unser künftiges Schiffsoberhaupt aufgeführt wurde. Unsere Brigg die „Semend Gehad“ hieß konnten wir noch nicht sehen, da sie erst ganz zur Abfahrt hergerichtet wurde. - Die Abreise selbst wurde von Capitain bis am 1. May 1847. verschoben. Während dieser Zeit hatten wir auch einigemahle das Vergnügen den Pascha spazieren reiten zu sehen. [Aquarellzeichnung] Es ist dieß sehr interresant, da er meistens ein großes Gefolge hat, der gewöhnliche Zug besteht: Aus 2. Vorreitern, diesen folgt der Pascha selbst von 2 Sclaven zu Fuß begleitet, dann kommen wieder zwey Reiter und schließlich schreitet ein Kamehlreiter einher der den Leibstuhl ( ! ), die Pfeife und die Kaffehmaschine bey sich hat . Da wir also schon am 1. May fort sollten so hatten wir viel zu thun mit Einpacken, Einkaufen und Figuranten aufnehmen. - Unser Gefolge war bald zusammengestellt und bestand : 1 . Aus unsern Dragomann " Lorenzo ein sehr netter Italiener, 2. Aus dem arabischen Dragomann "Achmed“ ein bildhübscher Moor , der sehr gutmüthig war und wie ich in der Folge Gelegenheit hatte zu bemerken eine Ehrlichkeit besaß , die selten ist, überhaupt wird man kaum eine Stadt finden, wo so wenig gestohlen wird, wie in Alexandrien , und ereignet sich ein Diebstahl, ist immer ein Europäer der Verbrecher . 3. Aus einem deutschen Schlossergesellen Nahmens "Schrötter" 4. Aus einem Baiern Nahmens „Schmidt“ der ein Bauchredner, oder wie er sich selbst immer nannte ein „Artist“ war, da jedoch die Geschäfte in seinem Genre schlecht gingen both er uns seine Dienste an. - 5. Aus einem Maltheser Nahmens "Giovanni" ein alter Matrose, der widrigste Bursche aus allen. - Unter solchen Geschäften erschien endlich der 1te May. - Um uns bey allen Alexandriner Bekannten gehörig zu verabschieden gaben wir zusammen ein prachtvolles und delikates Frühstick, - und nachdem wir mit Champagner und Bordeax unsere Gesundheit und die unserer neuen Bekannten getrunken hatten, begleiteten uns diese an Bord der Brigantine Semed Gehad. Um 21. Uhr fuhren wir aus dem Hafen von Alexandrien und um 3. Uhr waren wir schon auf der hohen See. - Hier wo man so von der ganzen Welt getrennt ist, hat man so recht Muße "Ein Spazier-Ritt 'Mehemed Ali's'" Die Komposition entspricht dem typischen Bildschema eines Einzugs oder Umzugs. Im Zentrum der Darstellung reitet der Vizekönig Mehmed Ali auf einem edlen Schimmel – ein klassisches Zeichen für Status und Macht, gefolgt von einer Begleitmannschaft auf Kamelen. Die Komposition ist skizzenhaft gehalten und verliert nach außen hin zunehmend an Detail, was den Eindruck einer flüchtigen Momentaufnahme verstärkt. Die Szene spielt sich auf einer belebten Straße ab, die durch kleine Akzente wie den Hund im Vordergrund lebendig wirkt. Solche Details verleihen dem Bild Dynamik und verankern das Umzugs-Sujet im Alltagsgeschehen. alle Gegenstände, die uns umgeben, zu beobachten, und zu beschreiben.- Ich fange daher sogleich mit der Brigg selbst an.- Diese war ein sehr nettes Schiff mit 3. Masten und 18. Kanonen. Die Offiziers Kajüten bewohnten wir, der Kapitain und die Offiziere schliefen in einem minder bequemen Orte, welche gleich an unsere Kajüten anstoß.- Die Mannschaft bestand aus 180. Köpfen und lag in untern Schiffsraum in Hängematten.- Außer dem Kapitain waren noch 3. Lieutnants 2. Schiffskadeten und 1 Doktor am Schiffe.- Der Kapitain Elias Akdalahah ein Tscherkesse von Geburt war der eleganteste Mann, den ich je in türkischer Kleidung sah.- Uibrigens paßte ihn auch alles sehr schön, da er gut gebaut war und ein hübsches Gesicht hatte.- Die Offiziere sind so gemeine Leute, daß gar nicht der Mühe werth ist von ihnen zu sprechen, man kann sich auch einen Begriff machen in welchen Ansehen sie stehen, wenn man bedenkt, daß selbst der 1te Lieutnant nicht mit uns speisen durfte, sondern er und die übrigen Offiziere bey der Tafel uns bedienen mußten, Da ich gerade von der Tafel spreche muß ich sagen, daß wir köstlich verproviantirt waren und daß uns der Vicekönig dieß alles zum Geschenk machte.- Unsere Beschäftigung am Schiff war die Pflöcke nummeriren, Stangen anstreichen; Fahnen nähen,&.&. Da wir vermög unserer Instruktion die Ausmündungen des Nils besehen mußten, um die Versandung beurtheilen zu können, so mußten wir fürs erste nach Rosette.– Der Vicekönig hatte die Gnade uns mit "Fermans", das ist Briefen an alle Gouverneurs zu versehen, worin enthalten war, daß obige uns alles an die Hand geben sollten, was wir benöthigen wurden. 2t May. Gegen 8. Uhr sahen wir Rosette vor uns liegen. Da jedoch hier an der ganzen Küste das Wasser seicht ist so mußten wir mit unserer Brigg weit vor Rosette ankern, und durch einige Pöllerschüße anzeigen, daß wir einen Piloten benöthigen, der uns in den Nil hineinführt. Wir begaben uns daher in eine Barke der Brigg, welche ein Offizier befehligte.- Schon von weiten sah man die Brandung an den vielen Sandbänken, die durch die Ausmündung des Nils entstehen. Wir fuhren immer weiter, sahen keinen Piloten, kammen den Brandungen immer näher, der Wind hob sich auf, kurz wir waren in einer sehr gefährlichen Lage umsomehr da unsere Barke sehr klein und stark besetzt war.- Für Jemand der nicht gewohnt ist auf der See zu fahren ist diß eine ängstliche und unangenehme Geschichte.- Man kann sich denken wie uns allen war, obgleich wir es verheimlichten.- Der Capitain von der Brigg sah jedoch unser Laviren und unsere Gefahr, und im Nu war die große Barke des Schiffes ausgerüstet, er selbst setzte sich hinein und eilte uns schnell zu Hülfe.- Ich war sehr froh ihn kommen zu sehen.- Wir stiegen in dieses neue Boot über und hatten auch das Vergnügen zu bemerken, daß der Pilote schon mit seinem Schiffe näher kommt.- Als er bey uns war, nahm er uns ins Schlepptau und nun ging es durch die Bogasen des Nils zum Quarateinhause.-Unter Nilbogase versteht man die Wasserstraße, welche der Nil bey seiner Ausmündung nicht versandet, und welche nur, da sie sich stets ändert, die Küstenführer und Schiffer dieser Gegend genau kennen.- Es ist sehr gefährlich hier einzufahren, denn kennt man diesen einzigen schiffbaren Weg nicht so scheitert das Schiff und man geht zu Grunde.- Vom Quarataingebäude wo wir uns legitimiren mußten fährt man noch 2. Stunden am Nil bis Rosetta.- Es ist dieß eine herrliche Fahrt, indem die Nilufer fruchtbar und schön sind.- Wie wenig weiß der Europäer die Schönheit seines Landes zu schätzen, indem er gleichgültig vor Quelle und Wiese vorübergeht, hier wo man jedes grüne Blatt nur in der Gegend des Nils suchen muß, ist es natürlich, daß man die Ufer für Paradiese hält. Da die Hitze beinahe unerträglich war, so sehnten wir uns doch einmahl in die Stadt zu kommen umso mehr da wir Hunger hatten, und es schon beinahe 2. Uhr war.- Endlich kammen wir an.- Von der Stadt kann ich nichts sagen, denn es ist ein Haufen ruinenärtiger, garstiger Lehmhütten, aus welchem hie und da ein "Einzug in die Stadt Rosette" Im Mittelpunkt des Bildgeschehens stehen die österreichischen Ingenieure, gekleidet in Weiß, flankiert von jeweils drei ägyptischen Soldaten vor und hinter ihnen. Die dargestellte Reihe schließt mit dem Dragoman Lorenzo ab. Die Umgebung ist nur schematisch angedeutet: Das Haus mit Schilfdach und die Palmen dienen weniger einer realistischen Ortsdarstellung als vielmehr der Verortung der Szene in einem „exotischen“ Land. "Besuch beim in Rosette" Ein Diener ist seitlich im Bild positioniert, während die in weiß gekleideten Europäer und der Pascha den klaren Mittelpunkt der Komposition bilden. Der Pascha ist von Tschibuk rauchenden österreichischen Ingenieuren umgeben. Er sitzt am Teppich in einer an den "Türkensitz" erinnernden Pose dargestellt, einer Sitzhaltung, die in orientalistischen Darstellungen oft verwendet wird. Der sich verneigende Diener am linken Bildrand unterstreicht die hierarchische Rangordnung und lenkt zugleich den Blick auf die Hauptfiguren. Der stehende, ganz in Weiß gekleidete Mann ist vermutlich der „Dragoman“, der als Vermittler die Veständigung mit dem Pascha ermöglicht. Der Raum wird lediglich durch eine angedeutete Ecke abgesteckt. Die Lichtquelle kommt klar von links, was sich deutlich in der Schattenführung zeigt. Diese gezielte Lichtsetzung verleiht der Szene trotz der reduzierten Raumdarstellung eine gewisse Plastizität und Tiefe. kleiner Thurm einer Moschee heraussieht. - Als wir ans Land stiegen wurden wir wie wilde Thiere von den liebenswürdigen Einwohnern begafft, was auch zu den Annehmlichkeiten dieser Reise gehörte ! ? Unser Offizier und die Mannschaft ließen uns aber nicht so , mir nichts , dir nichts fort gehen , nein , wir mußten einen förmlichen Einzug bilden, der so lächerlich war, daß ich mich über Jahsmiger der es wie immer toll trieb, fast zu Tode lachte. - Der Einzug sah so aus: Zuerst 3. Soldaten mit Musketen, dann wier Viere mit ausgehungerte Mägen schließlich wieder 3. Soldaten mit Säbeln, der Offizier und unser Dragoman Lorenzo. [Aquarellzeichnung] - So schritten wir wie Arestanten zum Hotel des Gouverneurs. - Da jedoch dieser gute Mann seine Wohnung renoviren ließ empfing er uns im Heustadel. - Er saß auf einem schönen Tepich und rauchte. - Nachdem er unsere gelesen hatte lud er uns zum Niedersetzen ein, was sehr angenehm war, indem wir mit den Füßen über Quer auf der bloßen Erde uns setzen mußten ! ? [Aquarellzeichnung] Wir ließen ihn durch unsern Dragoman sagen, daß wir heute Nacht in Rosette zu bleiben gedenken und daß er uns daher eine Wohnung und etwas zu essen geben sollte. - Nachdem er alles freundlichst zugesichert hatte gingen wir fort um uns die Gegend zu besehen. - Der überraschte uns mit Eseln, auf welchen wir reitend, leichter die eine viertelstundweite Moschee, die er uns als besonders sehenswerth empfahl erreichen konnten. Die Moschee war sehr klein und theilte sich in 2. Räume. Im ersten Stand allerhand Geschmeide, den 2ten durfte man nur mit bloßen Füßen betretten, da hier ein Katafalk von Mahomed errichtet war. Dieß war alles sehr schön zu sehen aber wir hatten einen furchtbaren Hunger, da es schon bald 4 Uhr war und wir seit 8. Uhr nichts zu uns nahmen. Wir ritten daher wieder in die Stadt, - um in die Wohnung zu kommen, die der Gouverneur uns anweisen wird, und dann um zu essen. - Die Wohnung bestand aus 2. Zimmern. - Im eleganteren waren rund um Divans, sonst jedoch keine Einrichtung. - Kaum hier angelangt führte der Teufel einen französischen Consul daher der uns hier Aufwartung machen wollte, - da er gehört hatte, daß wir mit besonderen Empfehlungen von vice König ausgestattet seien.- Da er ein sehr langweiliger Kerl war, so ließen wir ihn sitzen und bloß Mayer unterhielt sich mit ihm.- Endlich gegen 8. Uhr abends bekammen wir zu essen. Zu diesem Ende wurde ein ganz niederer Tisch aufgestellt und wir mußten eine ganze Masse von Speisen ohne Messer und Gabel verzehren.- Als wir uns setzten und gar keine Werkzeuge, zum Essen sahen, half uns ein Türke sogleich aus der Verlegenheit, indem er seine Ärmel hinaufstreifte, mit der Hand den Schöpsenschlögel zerriß, und so jeden ein Stück auf das Teller legte.- Die Speisen folgten so schnell hintereinander, daß wir alles nur schlucken mußten, da, kaum als ein Gericht aufgetragen war, ein Sklave schon wieder mit dem folgenden bereit stand.- Den Reis und die Mehlspeisen aßen wir auch mit der bloßen Hand, was nicht am appetitlichsten aussah.- Nach dem Speisen, wir hatten bey 15. Gerichte, bekammen wir Kaffeh und schöne Pfeifen.- Während wir so Siesta hielten, wurden Decken gebracht, und die Divans zu Betten hergerichtet.- Im Vorzimmer stellten unsere Soldaten ihre Gewehre in Piramiden und schliefen am bloßen Boden.- 3ter May. Nachdem wir gefrühstückt hatten ließen wir uns beim Gouverneur bedanken und stiegen ins Boot, um beym Quarantainhause mit den dort versammelten Piloten uns wegen der Versandung des Nils zu berathen.- Nach beendeter Arbeit, bewunderten wir noch die Tochter des Quarantain Wächters, welche ein recht hübsches Mädchen war, und stiegen dann wieder ins Boot um aufs Schiff zu gelangen, da wir heute Nacht noch den Weg nach Damiatte einschlagen wollten.- 4ten May. Heute kann man so recht den Vortheil der Dampf- vor den Segelschiffen bemerken. Wir haben nämlich Windstille, und kommen keinen Schuh weit vom Flecke.- Es ist äußerst langweilig die Segel alle schlapp hängen zu sehen.- Dann und wann kommt ein Lüftchen, gleich sind alle Matrosen bereit dasselbe aufzufan— gen, aber es nutzt nichts wir bleiben liegen. Die Hitze wird alle Tage ärger und ich er wartete sehnlichst Damiatte mehr jedoch den Ort unserer Bestimmung Tineh , indem mir dieß unthätige Leben schon unerträglich ist. - 5te May. Unsere Fahrt geht sehr langsam wir haben beständig wenig oder sehr ungünstigen Wind. Wir kommen so eben vor Burlos vorbey, - wo wir jedoch nicht landen da wir in dieser Stadt nichts zu thun haben. - 6. May. Heute endlich um ½ 5. Uhr kammen wir vor Damiatte. - Wir fuhren mit der Imbarkation und einem herbeygekommenen Piloten ans Land und nahmen unsern Bedienten Schmid mit, da er schon einigemahle in dieser Stadt war, und den oesterreichischen Consul kannte. - Nach einer 2 1/2 stundlangen fahrt am Nil , kammen wir in der Stadt an. - Damiatte ist eine echt oriantalische Stadt und viel schöner und großer als Rosette . - An der Einfahrt vom Meere in den Nil sieht man noch 2. Thürme an den Ufern, die von den Zeiten der Kreuzzuge herstammen. Auch ist hier das Quarantainhaus schöner und geräumiger als in letzterer Stadt. Schmid führte uns zum öserreichischen Consul Herrn Cahil. - Derselbe ist ein Christ und Kaufmann in Damiatte seinem Geburtsorte. - Da er schon sehr alt ist, so hat sein Sohn Constantin die Leitung der Geschäfte welcher uns auch empfing. - Er war ein junger, kleiner etwas verlebt aussehender Mann, der sehr gut italienisch und französisch aber nicht ein Wort deutsch sprach. - Nachdem er das Schreiben des österreichischen General Consul Herrn Laurins gelesen hatte, war er außerordentlich zuvorkommend, und ging mit uns in die prachtvollen Reis und Baumwollfelder in Damiatte herum spazieren. - Gegen Abend kammen wir zurück und mußten unendlich lange auf ein Abendmahl warten, was zwar viele Speisen zählte, - aber äußerst schlecht war. - Nachdem selben wieß er uns in ein Zimmer mit Betten an, wo wir uns äußerst ermüdet hinwarfen, und schlafen wollten - ich sage wollten, indem es uns nicht möglich war, vor den Stichen der Gelsen und von den Lärmen und dem Gebelle was die Masse Hunde auf den Strassen macht, uns zu verwahren. - Diese Nacht war daher ganz gewiß die peinlichste in meinem Leben, den die Gelsen hatten es besonders auf mich abgesehen und so lag ich den mit einem Fliegenwedel in der Hand und hörte den Andern schnarchen zu. - In der Früh stand ich auf aber wie sah ich aus ! Zum Erbarmen ! Mein ganzer Körper und mein Gesicht so zerstochen, daß ich eine einzige Geschwulst formirte. - Nach dem Frühstück gingen wir zum Gouverneur einen schönen aber sehr dummen Araber und brachten ihn den Ferman des . Auch begehrten wir , daß er uns eine Barke , Esel, Wasser etc nach Tineh schicken sollte. Wir waren jedoch in keiner kleinen Verlegenheit, als wir erfuhren, daß Tineh, welches wir nach der Karte für ein Dorf hielten, hier Niemanden bekannt war, und keiner wußte wo es nur liegen sollte. - Um den doch etwas Genaues zu erfahren, – schickten wir nach alle alten Küstenfahrer und Piloten der Gegend. - Unter diesen war einer ein gewisser " Mustapha el Raschid Kaptan “ welcher eine Bucht „Gun et Tineh" kannte. - Dieser schien uns ein Engel und wie ließen uns die Lage der Bucht expliciren. Unser 1te Lieutnant vom Schiff, auch ein sehr dummer Mensch that so als ob er es auch wüßte, und verwarf den Antrag obbesagten Mustafa als Piloten mitzunehmen. - Wir gaben uns zufrieden, und ließen ihn zum Schiffe fahren mit den Auftrag uns bis 8ten May abzuhohlen, weil wir indessen noch vieles zu verhandeln hatten und auch die Stadt mehr besehen wollten. - Dazu nahmen wir uns Esel und Pferde und ritten zur Moschee . - Es ist dieß ein halb zerfallenes Gebäude, dessen Gewölbe von Säulen getragen werden. - Unter diesen Säulen sind 3. zu bemerken. Zwei davon stehen sehr nahe beisammen und die Araber haben den Aberglauben , wer sich hier durchdrängen kann komme ins Paradies - Man sieht daher eine Menge Araber, die ausgezogen sich hier durchzwängen, daß sie beinahe ersticken. Gleich darneben steht eine Säule die auffällt, weil sie ganz voll Blut ist. - Diese Säule wird von den Arabern so lange mit der Zunge geleckt, bis ihnen das Blut herausläuft. - Sie glauben sich dadurch von den so häufigen Augenschmerzen zu kuriren. Sonst sah ich hier nichts Merkwürdiges. - Der Bazar das sind die Verkaufsläden der Stadt sind in dem eckelhaftesten Zustande, und die Menge Hunde, die hier herumlaufen machen einen widrigen Eindruck . - Ich sah einen Araber in seinem Laden sitzen und rauchen, während vor ihm ein eckelhafter räudiger Hund gerade krepirte, - des anderen Tages lag der Hund schon todt, noch auf denselben Platze, und ging in Fäulniß über, - der Araber saß in seinem Laden, rauchte und stierte vor sich hin. - Herr Constantin Cahil hatte eine große Reisstampfe welche er uns zeigte, und welche uns auch gefiel. So verging die Zeit und nachdem wir noch eine directe Postverbindung von Alexandrien über Damiatte nach Tineh eingeleitet hatten fuhren wir am 9te May. früh unter den Beglückwünschungen des Herrn Cahil den Nil entlang unserm Schiffe zu, mit dem Wunsche im Herzen heute noch nach Tineh zu fahren. - Unterwegs hatten wir eine große Unterhaltung mit unsern Bedienten Schmid, der etwas betrunken war und dem ersten Lieutnant des Schiffes immer begreiflich machen wollte, daß er 3 . Sprachen, nähmlich deutsch altbairisch und schwäbisch kann. - Am Schiffe angelangt konnten wir denn doch heute noch nicht fort, weil der Capitain den Weg nicht wußte und einen Piloten verlangte - Wir ärgerten uns jetzt erst über die Dummheit des 1te Lieutnants, welcher den bewußten Mustafa Kaptan nicht mitnehmen wollte und jetzt, mit offenem Munde dastand. - Wir mußten also diesen Mann hohlen lassen, welcher erst am 10ten May ankam. - Er übernahm das Commando am Schiff und versprach uns bis morgen nach Tineh zu bringen. - Dieser Mustafa war ein sehr hübscher origineller und kühner Seemann, der den ganzen Tag Tabak rauchte und Kaffeh trank . [Aquarellzeichnung] 11ten May. Heute früh gegen 6. Uhr sahen wir Land und Mustafa behauptete es ist die Bucht von Tineh, oder Gun el Tineh. Gun bedeutet eine Bucht. Da das Wasser ausnehmend seicht ist, so mußten wir mit der Brigantine 10. Seemeilen vom Lande vor Anker gehen, die Segel einreffen und kurz aus hier als zu Hause betrachten.- Es werden nun 2. Imbarkationen vom Schiff herabgelassen und bemannt,- wir mit unsern Habseligkeiten und Mustafa in einem, die Mannschaft von 20 Köpfen mit Zelten und einigen Lebensmitteln im andern Boote.- So ruderten wir wohlgemuth dem Land zu.- Nach einer 2 ½ Stunden langen Fahrt kammen wir an. Schon von weiten sahen wir eine Menge Männer die uns ankommen zusahen.- Wir luden daher unsere Waffen und ließen uns, da die Boote nicht bis ans Ufer stoßen konnten, durch die Matrosen ans Land tragen doch als wir diese Leute näher betrachteten und mit ihnen sprachen stellte sich heraus, daß es keine gefürchtete Beduinen sondern ganz friedliche Fischer aus Damiatte waren. Wenn man auf der Landkarte Tineh aufsucht, so ist es so bezeichnet, wie wenn hier ein bewohnter Ort wäre, dieß ist jedoch nicht der Fall.- Wir waren in der Wüste welche zwischen Syrien und Egypten liegt, und die Bucht wo wir landeten ist Gun el Tineh, wo man den Ausmündungspunkt des Canals von Suez verlegen will.- Das erste was wir also jetzt zu thun hatten war, uns ein wenig zu orientiren. Zu diesem Ende gingen wir von den Fischern begleitet zu einer Ruine, die wir sahen, und welche das Rudera der Stadt Pelusium ist.- Dieselbe ist 1 ½ Stunden Weg von der See landeinwärts entlegen und man sieht von der einst so blühenden Handelsstadt nichts mehr als Schutthaufen und einzelne Mauern einer Kirche oder Tempels.- Wir gingen hinein und erschreckten einen Schackal, der gerade bey der noch ganz frischen Leiche eines Mannes seinen Hunger stillte.- Entsetzt fuhren wir zurück, und als wir den Todten näher betrachteten, so mußte er noch nicht lange hier liegen, und sicherlich verdurstet sein. Nach den Fetzen der Kleidung schien er ein Beduine. Ich muß gestehen, daß solch ein Anblick gerade nicht der angenehmste Empfang war, und ich einen traurigen Vorgeschmack unsers künftigen Lebens hier bekam. Außeror "Der Pilote 'Mustafa el Raschid' Kaptan" Der Ägypter Mustafa erscheint in der Darstellung klischeehaft im "Türkensitz" – ein Sinnbild für den „unbeweglichen Orientalischen“, ruhig sitzend, mit Pfeife, Fez und orientalischer Bekleidung. Das Schiff wird durch Elemente wie Mast und Takelage im Hintergrund sowie ein Seilbündel im Vordergrund angedeutet. dentlich groß sind die Täuschungen in der Wüste : Die Hitze ist sehr groß, der Boden etwas feucht, daher er sehr stark ausdunstet. - Diese Ausdünstung ist so sichtbar, daß man sicher glaubt einen See von Weiten zu erblicken und wir auch unsere Köpfe gewettet hätten, die Ruine Pelusiums sey vom Wasser umgeben. - Als wir zurückkehrten sahen wir schon die Zelte aufgeschlagen einen Feldherd zubereitet und ein tüchtiges Mahl, aus Fischen und Eiern fertig . - Nach dem Speisen gingen wir dem Meeresufer entlang, wo wir eine menge Meerspinnen antrafen, und sie erlegten. - Plötzlich sprang der Mayer mit bloßem Dolche ins Wasser und durchbohrte einen Fisch der sich zu nahe ans Land gewagt hatte. Ich half ihn denselben ans Ufer ziehen und ganz tödten. - Er sah sehr kurios aus, aber ich muß es zu meiner Schande gestehen, daß ich den Nahmen des Fisches, aus der Naturgeschichte nicht weiß. - Wir trugen unsere Fang im Triumphe zu den Zelten, aber wie erstaunten wir, als uns alle Fischer zuriefen der Fisch fallen zu lassen, wenn wir nicht, da er noch nicht ganz todt war, mit seinem Schweife verwundet werden wollten . - Sie erklärten uns dann, daß wenn der Fisch sticht, meistens der Tod oder sehr heftige Convulsionen die Folgen sind. - Da jedoch die Leber sehr Thranreich ist, so wurde sie ausgesotten und verwendet. Nachdem es nun bald Abend wurde, so stellten wir Wachposten aus, luden unsere Pistollen und gingen, ich möchte sagen "bewaffnet" zu Bette. - Wir schliefen ganz ruhig und des andern Morgens suchten wir einen bequemeren Platz zu unsern Zelten, welche wir auch besser befestigten. Nebst den Zelten errichteten wir auch eine Holzhütte, in welcher wir zu arbeiten gedenken, indem die Hitze in den Zelten unerträglich ist. - Unser Lager sah so aus : Die mit Segeltuch überdeckte Holzhütte bildete unsern Arbeits und SpeiseSalon. - Das spitze Zelt im Vordergründe war die Schlafstätte des und Mayer, das längliche meine und des seine.- Das spitze Zelt im Hintergrunde bewohnten unsere fünf Bedienten, das kleine längliche der kommandirende Offizier der Mannschaft, die wie am Lande hatten, und das große lange Zelt gehörte der Mannschaft selbst. Neben dem Zelte des Offiziers war der Feldherd der durch eine Matte vor dem Seewinde geschützt werde. [Aquarellzeichnung] - Schöpfen, Hühner und Ziegen hatten wir von der Brigantine ans Land geschafft, um sie zu verzehren.- 4. Stück Esel und Wasser wurden uns von Damiatte einmahl zugeführt mit der Barke, die hinter dem Lager in einer kleinen Bogase des Meeres stand.- Gewöhnlich nahmen wir Wasser vom Kriegs Schiffe, welches während unseres Aufenthaltes auch einmahl in Damiatte frisches Wasser hohlte.- Da man hier durchaus Nilwasser trinkt, und wir dasselbe auch lange in Fässer hatten so kann man sich vorstellen, wie eckelhaft und widrig es wurde, allein wir entschädigten und dafür an den herrlichen Bordeaux, und an guter Limonade.- Außer diesen Uibelstand und dem schlechten Brote, (wir aßen Schiffszwiback) pflegten wir unsern Leichnam so ziemlich gut.- Da wir schon in Alexandrien gehört hatten, daß die durch die Beduinen unsicher gemacht wird, beschlossen wir schon in Damiatte uns vor diesen Gästen sicher zu stellen.- Wir bathen demnach den dortigen Gouverneur an den Scheick der Beduinen zu schicken und ihn ein Lösegeld für uns anzubiethen.- Man gibt hier allgemein diesen Tribut um von den Beduinen nicht beraubt zu werden. Als wir dann unser Trinkwasser von Damiatte bekammen,- kam auch ein Bote mit, welcher den Beduinen Scheick in Zuatić, einem Beduinendorfe, aufsuchen und uns bringen sollte. Da wir von 12 bis 14. May mit Berathungen, Vorrichtungen etc zu thun hatten so fingen wir erst am 15 May zum arbeiten an und am 1k. May kammen die Beduinen.- Ich und Pottika hatten gerade Arbeit beim Messtische, Jassmiger brachte uns das Frühstück als wir am Meeresufer 6. bis 7. Männer auf uns zukommen sahen. In einem unbewohnten Orte, mußte uns dieß auffallen, und indem wir unsere Pistolen versuchten und den umstehenden Soldaten Maßstäbe in die Hand gaben erwarteten wir die Herannahenden "Lager in der Wüste" Die Darstellung orientiert sich am Prinzip der Guckkastenansicht und erzeugt die Illusion, als stünden die Betrachtenden unmittelbar vor der Szene. Die Perspektive zieht den Blick tief ins Bild hinein: Die Wüste erstreckt sich scheinbar grenzenlos und verschmilzt nahtlos mit dem Himmel. Im Hintergrund zeichnet sich ein Schiffsmast ab, was auf die Nähe eines Gewässers hinweist. "Unterhandlung mit den Im Mittelpunkt der Komposition treten die österreichischen Ingenieure selbstbewusst hervor, ausgestattet mit einem Theodolit, Vermessungsfähnchen und einem Sonnenschutzschirm. Zu ihrer Linken gruppieren sich die bewaffneten Beduinen, während zu ihrer Rechten die ägyptischen Soldaten stehen, die Vermessungsfähnchen in den Händen halten. Das Aquarell offenbart eine gewisse Widersprüchlichkeit zur entsprechenden Textpassage im Reisetagebuch: Während die Illustration die Österreicher souverän im Umgang mit den Beduinen zeigt, schildert Junker in seinen Aufzeichnungen deren Unsicherheit und Zurückhaltung gegenüber den „gefürchteten Beduinen.“ Voran schritt der Scheick mit einem Säbel und langen Gewehr bewaffnet, hinter ihn kammen die andern Beduinen nichts als eine Kaputze und ein Hemd am Leibe jedoch jeder ein solches langes Gewehr am Rücken. Sie näherten sich uns schnell und führten in ihrer Mitte den schon früher erwähnten Boten. Diesem armen Manne ging sein Wasser zu Ende. Die Beduinen hatten auch keines und so führten sie ihn in einer Hitze von 36 bis 38 . Grad R . halb verschmachtend heran ; der Beduinenscheick grüßte uns ehrerbietig und bath vor allem um Wasser für den Armen. - Der böse Zufall wollte gerade, daß wir beym Meßtisch nur gewässerten Wein hatten. - Ich both ihn denselben an, aber der Bothe hätte nicht um eine Welt denselben getrunken, so sehr halten diese rohen Leute ihre Religionsgebräuche. - Gerührt durch diese Standhaftigkeit setzten wir den Mann auf einen Esel und ließen ihn durch einen Soldaten nach den Zelten (1½ Stund Weg) geleiten, wo er dann beinahe ohnmächtig vor Durst ankam, und sich dann erquickte. Der bey uns zurückgebliebene Beduinenscheick war ein alter schöner Mann, seine Begleiter auch nicht übel , nur hatten diese Kerls verwegene Mienen. Durch unsern Dragomann Achmed sprachen wir mit diesen Leuten . [Aquarellzeichnung] - Sie versicherten uns ihrer Ergebenheit und verlangten für unser ungestörtes Hiersein einen monatlichen Tribut von 100 . Piaster d . i 10 fr . Cm Nachdem wir diesen versprochen hatten waren sie ausnehmend freundlich und der Scheick both sich als Geisel an, daß uns auch von keiner andern Horde etwas zustossen sollte welches Anerbiethen wie auch annahmen. - Man hatte uns in Alexandrien und Damiatte sehr viel vorgelogen von der Bösartigkeit der Beduinen, welches jedoch durch ihr Betragen gänzlich widerlegt wurde. - Uiberhaupt muß ich gestehen, daß ich die Araber sehr lieb gewann, denn geht man mit ihnen nur halbwegs menschlich um, so haben sie eine Aufmerksamkeit und Anhänglichkeit, die mich wirklich oft rührte . - So war den jetzt unser Leben so ziemlich angenehm, indem die Hitze noch erträglich, die Arbeit interessant und das Essen gut war. - Abends wenn wir svon der Arbeit zu Hause kammen setzten wir uns um die Zelte herum und rauchten oder wir ritten ein wenig dem Meeresufer entlang, oder wir gingen nach den Ruinen Pelusiums und einer andern sehr nahen Nahmens Faramah wo wir Muscheln, alte Münzen Glas etc fanden, welches wir als Andenken mit uns nahmen.- Auch die Nächte waren bisher ruhig und wir hörten nur die dumpfen Rufe unserer Wachposten, als uns in der Nacht vom 18 May plötzlich ein Gewehrfeuer unserer Posten weckte.- Wir sprangen aus den Zelten und glaubten uns wenigstens belagert von Beduinen, allein es waren ganz andere Gäste, die unsere braven Soldaten so empfingen.- In der stillen sternenhellen Nacht nähmlich, sahen wir in einer Entfernung von 200. Schritte ein Rudel Hiänen die gierig nach unsern Schöpsen, Tauben und Eseln herüberstaarten.- Durch die Gewehrsalve unserer Soldaten erschreckt,- begaben sie sich eilig in die Flucht und beunruhigten uns seit dieser Zeit nur selten mehr, – und wenn wir auch hie und da, besonders früh Morgens welche antraffen, so waren sie es immer, die die Flucht ergriffen, da wir meistens unsere Pistole abfeuerten. Nichts war für uns angenehmer als wenn wir Briefe von unsern Angehörigen aus Europa bekammen, und ich muß sagen, ich ließ immer die Post hoch leben, sobald ich in der zwischen Syrien und Egypten einen Brief mit der Uiberschrift von"Saubersdorf in Österreich“ erhielt._ Wir machten in unserer Arbeit nur selten freie Tage, wechselten jedoch so mitsammen ab, daß jeder alle 3tn Tag einen Ruhetag hatte, den er dann mit Berechnen und zeichnen zubrachte._ Am Pfingstsonntage der bald herankommen sollte, wollten wir doch alle frey sein und wünschten für diesen Tag eine Pflicht mit einer Unterhaltung zu verbinden.- Dazu hatten wir die beste Gelegenheit, indem wir von den Beduinen hörten,- 4 bis 5. Stunden in der Wüste gegen Suez zu sey eine Quelle süßen Wassers.- Da dies etwas sehr Wichtiges für den Canalbau sein konnte so unternahmen wir eine Reise zu Kamel zu dieser Quelle und bestimmten selbe auf den Pfingstsonntag. - Schon Samstags Abends hörten wir von Weiten das Geschrei (eine Art Brüllen) der Kamehle welche die Beduinen brachten und des andern Tages früh um 4. Uhr stiegen wir auf und tratten unsere kleine Reise in Begleitung unsers Offiziers und eines Bedienten nebst den Beduinen an. – Nach einem 4. stündigen Ritte, kammen wir in ein Thal, von Sandbergen umschloßen , in welchem 3 . bis 4 . Palmen standen. [Aquarellzeichnung] - Wir saßen ab, ließen die Kamehle umher streifen und die Beduinen kratzten neben einer Palme ein schuhtiefes Loch aus, in welchen ein trübes Wasser zum Vorschein kam, welches einen nicht unangenehmen Geschmack hatte. - Ich glaubte sicher, daß man hier einen Brunnen erbauen könnte, und wir freuten uns diese für den Canalbau so wichtige Sache erforscht zu haben . - Nachdem wir nun von unsern mühevollen Ritte uns einwenig ausgeruht hatten, so kehrten wir wieder zu unsere Zelten zurück, wo wir auch gegen 6. Uhr müd und matt ankammen. Das Reiten am Kamel wird in der Länge ungemein ermüdend besonders in einer afrikanischen Hitze. - Wir erwarteten schon mit Sehnsucht die Zeit, wo die Meßtisch Arbeiten vollendet sein werden, indem an der Meeresküste nur sumpfiges und morastiges Terrain war, welches dem Ingenieur sehr viele körperliche Strapatzen zuzieht. - Um von einem Punkte zum andern zu kommen, mußten wir immer bis an die Brust ins Moor steigen oder uns durch die Soldaten tragen lassen, was oft sehr komisch aussah . [Aquarellzeichnung] - Ich bewunderte oft die Kraft und Ausdauer dieser Soldaten, die eine elende Kost bekammen, nämlich Tag für Tag gesottene Bohnen, ein wenig Zwiback und an der Sonne gedörte Fische. - Von Zeit zu Zeit besuchte uns auch der Kapitain der Brigg , der sich natürlich furchtbar langweilen mußte, da er durch die ganze Zeit als wir arbeiteten vor Anker lag. - Wenn er kam, so feierten wir seinen Besuch immer mit einem Tractament und weideten uns an dem Zorne und der Galle desjenigen, der gerade am Felde zu thun hatte und daher von der Tafel nichts profitiren konnte.- Man wird sich wundern wenn man sieht wie uns Mehmed Ali in der Wüßte versorgte: alle Assietten und Feinheiten die sich ein Gourman wünschen kannDie Gastfreundschaft des Vizekönigs zeigt, dass für Muhammad Ali der Bau des Suezkanals ein wichtiges Anliegen war. Er erachtete den Kanalbau primär als ägyptisches Infrastrukturprojekt, das er mithilfe von europäischen Technikern realisieren wollte. Das sahen die europäischen Großmächte erwartungsgemäß anders., hatten wir mit uns, und wurden noch obendrein von Damiatte aus mit immer frischen Limoinen, Sardinen etc versorgt.- So kammen der 31te May heran und mit ihm das glorreiche Ende der Meßtischarbeiten, denn ich glaube ein besonderer Schutzgeist wachte über uns und ließ alle unsere Arbeiten mit dem besten Erfolge krönen.- Am ersten Juni wurden die Sondagen des Meeres angefangen, wo wir dann wirklich oft in Lebensgefahr warenJunker beschreibt die Untersuchungen und Probegrabungen am Meeresboden als lebensgefährliche Aufgabe..- Um dem heftigen Seewinde zu entgehen mußten wir täglich um 2. Uhr Nachts schon aufstehen und kammen öfters um 12 Uhr zurück.- Belustigend sind die Menge von Delphinen die immer das Boot umschwärmen und wenn ein Hayfisch in die Bucht kommt 2 bis 3. Klafter hoch in die Luft springen. Man kann sich vorstellen wie großartig das aussieht, wenn man bedenkt, daß ein Delphin 1. Klafter und auch 9. Schuh lang und 3. Schuh dick ist.- Da wir im Ganzen 40. Sonden zu nehmen hatten, und wir alle Tage 2. vollendeten, so waren wir auch am 20. Juni fertig.- Nun kammen Debatten ob wir nach Suez zu Kamehl reisen sollen oder nicht.- Da wir uns in Alexandrien schon so lange aufgehalten hatten so ging es uns mit der Zeit nicht aus, auch war die Hitze furchtbar und daher beschlossen wir nach Damiatte mit der Brigantine zu reisen,- diese von hier aus nach Alexandrien mit unsern Bedienten, ausgenommen den Lorenzo und Achmed zu schicken, wir aber werden am Nil nach Cairo reisen. Der Abend am 20. Juny war der schönste in der Wüste.- Dieses allgemeine Vergnügen und die Lustbarkeit die hier über die endliche Abreise herrschte kann man nur begreifen wenn man durch 40. Tage an einem Orte lebt, wo man von der ganzen civilisirten Welt abgeschnitten ist, kein grünes Blatt sieht und für alle diese Entbehrungen noch eine Hitze ausstehen muß,- die furchtbar war.- Alle Gattungen Inseckten waren schon "Pottika regognosziert das Terrain" Der österreichische Ingenieur Theodor Potyka wird von einem ägyptischen Soldaten auf den Schultern getragen. Vom Soldaten ist lediglich der kraftvolle Körperbau sichtbar, sein Gesicht bleibt verborgen – was die Zeichnung zu einem prototypischen Beispiel kolonialistischer Darstellungen macht. "Ein Ausflug in das Innere der Die Darstellung inszeniert vermeintlich charakteristische Elemente: Kamele, Kakteen und Palmen fungieren als visuelle Symbole der Wüstenlandschaft und schaffen eine verklärte Atmosphäre. Der auf einem Stein sitzende Ägypter mit Pfeife verkörpert das stereotype Bild des „Orientalen“. Rechts sind die österreichischen Ingenieure auf einer weißen Decke platziert – ein Detail, das sowohl Eleganz als auch eine klare Distanz zur lokalen Lebenswelt suggeriert. Durch die Bildkomposition wird der Blick des Betrachters in die Tiefen der Landschaft gelenkt. Die Wüste erstreckt sich scheinbar grenzenlos und geht in der Ferne nahtlos in den Himmel über. Diese Tiefenwirkung vermittelt ein Gefühl von Unendlichkeit und Leere – ein häufiges Motiv, das die Wüste als vermeintlich „leeren“ Raum darstellt. Besonders bemerkenswert ist das Auftreten von Kakteen – Pflanzen, die in der ägyptischen Wüste nicht natürlich vorkommen. Da Kakteen ursprünglich aus Nord-, Mittel- und Südamerika stammen, weist ihre Präsenz auf eine ikonografische Vermischung hin. Möglicherweise ließ sich Junker bei seiner imaginierten Darstellung der Wüste aus Darstellungen der „Neuen Welt“ inspirieren. bey uns ganz heimisch und wir durften wirklich Gott danken, daß er uns alle so gesund erhielt, denn da wir jeder ärztliche Hülfe entbehrten so konnte die kleinste Krankheit gefährlich werden.- Wir sahen ein Beyspiel an unsern armen Diener Schmidt, der wie ein Skelekt aussah.- Um aber unsere braven Soldaten zu belohnen,- beschlossen wir auf Rechnung der Société jeden Mann zwey Fünffrankenstücke auf die Hand zu geben.- Zu diesen Ende ließ der Offizier Hamet seine sämmtlichen Leute in ihre Uniformen vor uns feierlichst defiliren und sie dann in Front vor der Holzhütte aufstellen.- Hier stand ein Tisch auf welchen das Geld lag, und nun bekamm jeder Einzelne sein Backschis.- Es war wirklich rührend diese freudigen Gesichter zu sehen, wenn man bedachte, daß diese Menschen den ganzen Tag durch unsere Sondenarbeit rudern mußten und nun diese, an sich so kleine Belohnung für ein Glück ansehen.- Sie dankten uns einfach aber man sah ihnen an, wie sehr es vom Herzen ging.- Am 21. früh wurden Zelten und Hütte abgebrochen, der Beduinenscheik beschenckt und beurlaubt und wir stiegen gegen 10 Uhr in die Barke, ich muß gestehen mit halb freudigen halb wehmütigen Gefühlen.- Als wir zurück schauten sahen wir die kahle unfreundliche Wüste vor uns liegen, und der Ort wo unsere Zelten standen, war nur durch den Rundflug zweyer Geier zu kennen, es waren dieß noch junge Vögel, die wir von den Beduinen kauften und aufzogen, und die gewiß unsere Abreise betrauerten. Nach zweistündigen kräftigen Rudern kammen wir auf's Schiff und wurden hier von Kapitain und Mannschaft mit einem Freudengeschrey und Händedrucken empfangen.- Uiberhaupt kann ich die Gutherzigkeit und dem Biedersinn des gemeinen Arabers nicht genug preisen.- Ich sage"des gemeinen Arabers“ weil ich diese Eigenschaften bey den höher gestellten nicht so fand, und auch nicht Gelegenheit hatte, dieselben zu erforschen.- Unser guter Kapitain war nicht am besten gelaunt, als er von Jahsmiger hörte, daß er uns nur bis Damiatte führen kann, indem wir von hier, am Nil hinab oder zu Pferde, je nachdem, nach Cairo reisen wollen.- Unsere Reise nach Cairo war gerade nicht unbedingt im Interesse der Societé nothwendig; jedoch konnten wir eine Ausrede machen und wünschten auch etwas mehr von den alten und berühmten Egypten zu sehen.- Da wir stets ungünstigen Wind hatten so kammen wir erst nach einer 2. tägigen Fahnt nach Damiatte, wo wir so beyläufig um 6. Uhr in die Rhede kammen.- Ich muß hier wieder die Einfahrt im Nil erzählen, da sie zu unseren gefährlichsten Abtheuern dieser Reise gehört, und nur durch eine Kaprice des Jahsmiger hervorgerufen wurde: Wir waren alle insgesammt des Wasserfahrens mit seinen Gefahren satt, und wollten daher als wir vor Damiatte kammen auch keine Sekunde verlieren um von der Brigg aus Land zu kommen. Der schon oft erwähnte Mustafa war wieder bey uns und rieth immer heute nicht vom Schiffe zu gehen, da die See hoch ging und ein starker Wind wenn nicht Sturm in Aussicht stehet._ Doch Jahsmiger trieb und drängte uns so lange bis wir beschlossen denn doch aus Land zu fahrenAufgrund von Carl Jaßgnügers Überheblichkeit und Eigensinn - er hört nicht auf den ägyptischen Kapitän - bringen sich die Österreicher in Lebensgefahr.. Das große Boot des Schiffes wurde also ausgerüstet und bemannt wir nahmen einstweiligen Abschied von unsern Kapitain und stiegen in die Barke.- Nach einigen Ruderschlägen hörten wir eine Kanonen Salve,- die der Kapitain zu unsern Abschied anordnete.- Die Brigg in vollen Segeln nahm sich wunderschön aus.- Wir waren noch keine Seemeile vom Schiff als der Wind immer ärger wurde und die Wellen unser Boot furchtbar herumwarfen.- Wir sahen schon die Brandungen an der Nilbogase; Mustafa stellte sich an die Spitze des Schiffes und kommandirte den Steuermann; doch dieser konnte wegen den schrecklichen Wellenschlag das Schiff kaum mehr leiten, und wir saßen daher in Todesangst beisammen, als plötzlich ein Segel riß, unser Boot beinahe umstürzte und eine Welle so über Bord schlug, daß wir insgesammt durch und durch naß waren. Doch unser guter Schutzgeist bewahrte uns auch hier wieder, und wir kammen mit der Angst davon, glücklich durch die Bogase.- Mustafa dieser energische Seemann kamm selbst todtenblaß von seinem Stande zurück, indem er uns mit Vorwürfen über unsern Leichtsinn überhäufte.- Ein Stein fiel mir vom Herzen als wir beim Quarantain Gebäude ankammen, uns in die Barke des Piloten setzten und so ruhig mit prächtigem Winde den Nil hinab gleiteten.- Wir die wir durch 40. Tage keine Menschen und kein grünes frisches Blatt sahen, könnten unsere Augen von den Reis und Baumwollfeldern nicht genug weiden.- Wir kammen ziemlich spät Abends beim Consul Cahil an, der uns jedoch mit seiner gewohnten Gastfreundschaft aufnahm. Wir hatten fest beschlossen von hier nach Cairo zu Pferde zu reisen, und hatten darum auch unsere Betten etc an der Briggantine gelassen. Man kann sich unser Unwillen vorstellen als in ganz Damiatte keine Miethpferde aufgetrieben werden konnten und wir mit großen Suchen und vielen Bitten für immenses Geld eine schmutzige Nilbarke bekammen, mit der wir unsere Reise antretten konnten. [Aquarellzeichnung] - Am 3t Tage nach unserer Ankunft in Damiatte abends nahmen wir noch ein Abschiedsmahl beim Consul ein, empfahlen uns dann herzlich von ihm und stiegen beiläufig um 10. Uhr Nachts in die Barke.- Da die Barke eine Art Hütte an Bord hat, so gingen wir hinein und wollten uns niederlegen.- Aber wie sehr bedauerten wir es, daß unsere Betten mangelten und wir daher gezwungen waren durch die ganze Reise auf der bloßen Holzpritsche zu liegen.- Wir schliefen also immer angezogen und hatten nur unsere Uiberröcke als Kopfpolster.– Diese erste Nacht schlief ich doch sehr gut.- Des andern Morgens war das ein göttliches Erwachen: dieser Duft der Felder, das Singen der Vögel kurz die reitzenden Nilufer werde ich nie vergessen.- Wir kammen vor einer Menge von Plantagen vorbey, und bewunderten die Agricultur dieses Landes, die in Nichts anderem als Wasserschöpfen besteht.- Man sieht daher längst der Nilufern viele Wasserräder die durch Ochsen, Kamehle oder Pferde getrieben werden, und welche sich in BewässerungsCanäle ergießen.- Besonders schön sind die Abende, wenn so die Hitze des Tages mit einer angenehmen Kühle wechselt, der Mond die zerstreuten Lehmhütten und Palmen der Dörfer beleuchtet, so kann man sich keine schönere und angenehmere Reise wünschen.- Wie aber jede Sache ihre Unannehmlichkeit hat, so waren auch wir nicht frey davon.- In unserer Barke gab es eine solche Menge von Ungeziefer als Wanzen, Ratten, Mäuse, Flöhe etc etc. daß wir uns derselben kaum erwehren konnten.- So lag ich eines Abends auf meiner Pritsche, und hörte meinen Freund Pottika immer seufzen.- Ich fragte ihn was ihm den wäre?„Ach Gott war die Antwort, ich kann nicht schlafen, mir läuft alle Augenblicke ein Ratz über das Gesicht.- Wir setzten uns daher manche Nacht auf das Dach unserer Kajüte und rauchten Taback, wo wir uns aber auch bis an den Hals vor den GelsenÖsterreichische Bezeichnung für Stechmücken. bewahren mußten. Eine andere Unannehmlichkeit war der schlechte Wind oder die Windstille die uns oft heimsuchte.- War dieß der Fall,- so mußten unsere Matrosen das Schiff, wie bey uns hier die Schiffspferde ziehen.- Da kein ordentlicher Herd war, so bekammen wir auch nichts Gutes zu essen, und wenn ich trinken wollte, so schöpfte ich nur das Wasser aus den Nil, was denn doch auch gerade nicht am appetitlichsten war, indem immer die Büfeln und die Menschen hier baden.- So kammen wir endlich nach MansuraAl-Mansura, wo wir uns vornahmen die Barke retour zu schicken und mit Pferden weiter zu reisen. In Mansura stiegen wir ans Land, und fielen beinahe vor Hitze um. Wir suchten den Gouverneur auf, fanden ihn aber nicht,- da er in Cairo war,- wir suchten andere Staatsbeamte, die schliefen alle, kurz wir sassen da,- und gingen ins Kaffehaus.- Dank sey es unsern braven Dragoman AchmedAuch in Kairo erweist sich die bedeutende Funktion des Dolmetschers Achmed für die Österreicher., der endlich einen sogenannten ScribaniDie Bezeichnung „Scribani“ leitet sich vom lateinischen Wort „Scriba“ (auf Deutsch: Schreiber) ab. Als Scribani wird wahrscheinlich ein Diplomat bzw. Beamter am Hof des Vizekönigs gemeint sein. daherbrachte, und den wir unser Anliegen wegen Mietpferden vortrugen.- Nach langen dummen Herumplauschen kamm endlich heraus, daß er um keinen Preis welche aufbringen könne, und daß wir daher schon verdammt sind auf der elenden Barke weiter zu fahren.- Um uns etwas zu trösten ließ er uns eine Flachsreinigungsfabrik sehen und begleitete uns dann auf die Barke, nachdem er, da wir wieder Windstille fürchteten, einige Araber gleichsam gezwungen hatte, bey uns Matrosendienste bis Cairo zu nehmen.- Wir fahren also wieder fort unser Mißgeschick verwünschend.- Doch der -Fahrt nach Im Mittelpunkt der Bildkomposition steht eine ein typisches Nilboot mit Kabine. Am Steuer sitzt ein Mann in „orientalischer“ Kleidung, der eine Pfeife raucht. Zwei weitere Menschen sind mit der Arbeit am Schiff beschäftigt. Das als geflickt dargestellte Segel verweist auf die Schlichtheit des Bootes und unterstreicht aus der Perspektive Carl Junkers die empfundene Schäbigkeit der „schmutzigen Nilbarke“. Herr erhörte uns und sandte günstigen Wind. - Nach einer 4. Tage langen fahrt kammen wir vor Schubra , dem Lustschloße des Paschas und dem Barage (einen großen Wehre im Nil ) vorbey nach Cairo . - Da in der Stadt die Thore um 9. Uhr gesperrt werden, so mußten wir diese Nacht (da wir erst um 10. Uhr ankammen) noch zum letzten Mahle auf unsere Pritschen schlafen. Des andern Morgens waren wir schon sehr früh auf den Beinen und nachdem die Duan (Zoll) Beamten uns ein wenig sekirt hatten, setzten wir uns in den bereit stehenden Omnibus des Hotels d'Orient und fuhren ins Gasthaus. - Wir kammen natürlich wie Schweine dort an, daher auch unser erstes Geschäft das Baden war. - Nachdem wir uns so gereiniget hatten, waren wir wie neugeboren, und besichtigten die Stadt. - Cairo ist viel schöner wie Alexandrien , nicht was die Bauart der Häuser, sondern die Gegend betrifft. Da es unmittelbar am Nil liegt, ist die Vegetation auch viel frischer und lebhafter als in letzterer Stadt. - Vor dem Hotel d'Orient sind mehrere Aleen angebracht, wo abends sich die schöne türkische Männerwelt versammelt und einer äußerst mißtönenden arabischen Musik mit großem Behagen zuhört . - Das Hotel selbst ist viel eleganter als das Hotel d’Europe in Alexandrien und überhaupt so confronntabel eingerichtet, als man es sich nur wünschen kann. - Des andern Morgens besichtigten wir die Merkwürdigkeiten in und um Cairo. - Zu letzteren gehören auch die Piramiden von Gizeh , die größten in Egypten. - Wir nahmen uns zu diesem Zwecke Esel und ritten 1 ½ Stunden außer Cairo durch Aleen und Palmenwäldern nach Gizet. - Der Eindruck, welchen die Piramiden hervorbringen ist schwer zu beschreiben. Ich glaube der profanste Mensch wird innig ergriffen von diesem Weltwunder . Diese Riesenbauten geben den Beweis, welch hohe Stufe der Kultur die Bewohner dieses Landes schon im frühesten Alterthume erreicht hatten. - Viele Jahrhunderte sind vergangen spätere Bauwerke sind längst in Trümmer zerfallen, aber auf die Riesenmauerwerke haben Zeit und Wetter wenig Einfluß ausgeübt, - viele Menschengeschlechter haben staunend vor ihnen gestanden, und sind spurlos von der Erde verschwunden, sie aber erheben heute noch ihr stolzes Haupt in die Wolken und mahnen den Beschauer zu ernsten und wehmütigen Betrachtungen. - Nur in einem Lande, in welchem Einer Herr, alle Andern aber Sclaven sind , war es möglich, solche Riesenbauwerke aufzuführen. - Wer möchte jene Zeit, in welcher solche Werke erbaut wurden eine großartige nennen und sie zurückwünschen, - wenn er bedenkt, daß viele Tausende ihr Leben in aufopferten, um für einen Despoten ein Gebäude zu errichten, in welchem dessen Gebeine sicher ruhen können! Bewundern aber müßen wir das Volk, das schon in so früher Zeit in seinem Bau- und Maschienenwesen solche Fortschritte gemacht hatte, um solche Bauwerke aufzuführen. - Bey Gizeh sieht man 3 . Piramiden in geringer Entfernung von einander und in verschiedener Größe. - Ihre Form kann man leicht aus der beigezeichneten Skizze erkennen. [Aquarellzeichnung] Es sind ungeheure viereckige Gebäude, welche theils aus großen Kalksteinblöcken, theils aus gebrannten Steinen verfertiget, und von außen mit Granitblöcken oder mit Marmor belegt sind. - Sie laufen von ihrer Grundfläche nach oben in treppenartigen Abstuffungen spitz zu. - Wir besahen die größte derselben inn und auswendig. - Was das innere derselben betrifft kann ich nicht viel beschreiben. - Auf der Nordseite der Piramide ist ein viereckiges Loch etwa 4 . Schuh im Quadrate. - Von diesen geht eine ziemlich steile Böschung in den innern Raum, der ein viereckiges, ich möchte sagen Zimmer bildet, unter welchen die Grabmähler der Pharaonen sich befinden sollen. - Die Aussicht von den Piramiden herab ist keineswegs so schön, als man glauben möchte, denn nur im Osten weilt das Auge mit Vergnügen auf dem schönen Nilthale, welches sich nach dem mittelländischen Meere hinunterzieht, auf den übrigen Seiten erblickt das Auge gar nichts, als kahle Felsen, oder öde Sandwüsten, über sich aber einen ewig klaren ungetrübten Himmel. - "Die Piramiden bei Gizeh in der Nähe Cairo's" Die Darstellung der großen Pyramiden, die der gebildeten Bevölkerungsschichten in Europa in vermutlich seit der napoleonischen Zeit durch Werke wie„Descriptiondel’Égypte“ bekannt ist, prägt den Charakter des Bildes. Dabei nimmt die Cheops-Pyramide als wichtigste Pyramide die zentrale Position ein. Links vor der Cheops-Pyramide ist der Kopf der großen Sphinx angedeutet. Unterhalb der Pyramide, zentral im Bild, erscheinen die in Weiß gekleideten Mitglieder der österreichischen Expedition als winziges Detail – ein stilistisches Mittel, das die monumentale Größe des Bauwerks eindrucksvoll unterstreicht. Palmen und Kakteen verleihen der Szene einen exotisch wirkenden Charakter. Allerdings sind Kakteen keine Pflanzen, die in der ägyptischen Wüste heimisch sind. Da sie ursprünglich aus Nord-, Mittel- und Südamerika stammen, deutet ihre Präsenz auf eine ikonografische Vermischung hin. Es ist möglich, dass Carl Junker sich bei der Darstellung von Wüstenpflanzen von Illustrationen aus der „Neuen Welt“ inspirieren ließ. In der Nähe der Piramiden erblickt man die Sphinx die eine aus einem einzigen Felsstück gehauene Figur mit einem Jungfrauenkopfe, übrigens wie ein Löwe gelagert.- Sie soll sehr groß sein,- jedoch es ragt bloß der Kopf und ein Stück des Halses über dem Sande hervorDie Große Sphinx von Cairo war die meiste Zeit, so auch während Junkers Reise, bis auf den Kopf von Sand bedeckt. Entgegen Junkers Annahme handelt es sich dabei jedoch nicht um einen "Jungfrauenkopf" (Interpretation eines griechischen Diskurses), sondern um eine (männliche) Pharaonendarstellung mit einem Nemes-Kopftuch..- Im Schatten dieser Sphinx frühstückten wir und ritten dann immer umschwärmt und sekirt von Beduinen gegen Cairo um uns noch den Josephs Brunnen und die Grotte der heiligen Maria zu besehen. Ersterer ist der einzige Brunnen in ganz Egypten und soll von den egyptischen Josef erbaut worden sein. Er ist sehr tief und breit und ganz mit Quadern ausgemauert.- Sonst hat er nichts bemerkenswerthes, nur daß einige verrückte Engländer sich in denselben hinunterlassen, wo sie jedoch nichts anders sahen, als man in einem Brunnen sehen kann.- Das Wasser ist ausgetrocknet.- Die Grotte der heiligen Maria ist ein viereckiges Loch mit einer alten hölzernen Thüre, und es gehört viel Phantasie dazu um in diesem Orte gerührt oder bewegt zu werden.- Es soll dieß die Zufluchtstätte auf der Flucht der Maria mit dem Jesukinde gewesen sein.- Nach dem Speisen besahen wir die Gräber der Chalifen und das Grab Mehemed Alis, welches er sich jetzt schon anfertigen ließ.- Erstere sind imposant anzusehen, weil sie alle kleinen Moscheen gleichen, letzteres ist in demselben Style erbaut und zeigt deutlich, daß selbst große Männer nicht frey von kleinlicher Eitelkeit sind.- Hierauf besuchten wir den österreichischen Vicekonsul der eine sehr schöne und bedeutende MuschelsammlungDie damals gängige Praxis des Sammelns von seltenen Naturalien wie Muscheln (aber auch von altägyptischen Objekten) durch österreichische Diplomaten stellt eine koloniale Praxis dar. hatte.- Da wir mit unseren Arbeiten fertig waren so ist es natürlich, daß wir unsere Abreise festsetzten und dieß so bald als möglich ausführen mußten.- Am 7t. July ging ein Schiff nach Triest von Alexandrien ab, und wir mußten daher trachten noch zu rechter Zeit dort einzutreffen.- Zu diesem Ende beschloß endlich Jahsmiger bey der Nil Dampfschiff Direktion in Cairo ein eigenes Dampfboot für uns zu miethen um auf diesem leicht und bequem nach Alexandrien zu kommen.- Nach einem 3. tägigen Aufenthalte in Cairo bestiegen wir also das schon auf uns harrende Dampfboot und fuhren nun den andern Nilarm nämlich den von Rosette stromaufwärts bis[?tfue] Hier beginnt der Mahmudie Canal auf welchem jedoch die Dampfschiffe vermög seiner Seichte nicht fahren können.- Um jedoch auch schnell vorwärts zu kommen, wird die Barke mit 4 bis 6 Pferden, die immer im Galopp gehen, und stationsweise vorgespannt werden, gezogen.- So kammen wir den des andern Morgens um 8. Uhr beym Harmen Bei in Alexandrien an, wo wir mit dem Omnibus des Hotels d'Orient in die Stadt fuhren.- Hier folgten Aufwartungen und Besuche aufeinandner, und ich beschränkte mich bloß darauf zu sagen, daß uns der Pascha bey unserer Dankvisite sehr gut empfing und uns vielmals belobte.- Auch der GeneralConsul Ritter von Laurin war außerordentlich erfreut uns alle so gesund und mit vollendeter Arbeit wiederzusehen.- Da wir jetzt unter der Alexandriner technischen Welt denn doch ein wenig Aufsehen verursachten, so lernten wir auch einen englischen Ingenieur nahmens John Galoway kennen der uns eines Abends trefflich bewirthete und seine Meinungen hinsichtlich des Canalbaus mit uns austauschte.- Endlich kamm der 7. July heran, mit welchem Tage wir die Sonne in Alexandrien zum letzten Mahle aufgehen sehen.- Unser alter guter Kapitain Abdalaha durch eine prachtvolle goldene Uhr, die wir ihm zum Andenken schenkten, noch freundlicher gemacht, erwartete uns mit einem Boote der Semend Gehad, welches mit lauter Bekannten der Wüste bemannt war, am Quai des Hafens, um uns auf das Dampschiff Meternich zu führen. Wirklich rührend war der Abschied vom Kapitain und seinen Matrosen, und ich werde die freundlichen und treuherzigen Händedrücke der letztern nie vergessen.- An Bord des Schiffes waren schon sehr viele Passagiere und was sehr angenehm war, es befanden sich darunter zwey Damen von überraschender Schönheit.- Precise 9. Uhr fuhren wir ab und gegen 12. Uhr war Afrikas Küste unserem forschenden Auge schon entschwunden.- Jetzt folgte eine Zeit die mir durch die angenehme Aussicht, daß wir mit jedem Radschlag des Dampfschiffes der Heimat näher rücken, ihre Langweiligkeit etwas verlor.- Da wir die Quarantaine am Schiff halten mußten, so konnten wir an keinem Landungsplatz aussteigen.- Nach einer 14.tägigen Fahrt bey dem schönsten und windstillen Wetter kammen wir am 21. July nach Triest. Von hier fuhren wir am 23. July mit der Post nach Cilli, und dann mit der Eisenbahn nach Wien.- Am 25. July Nachmittags beiläufig 6. Uhr lag ich in den Armen meiner hocherfreuten Ältern und Geschwister.-