An Herrn R. Stephenson Esqu. Ingenieur und Parlamentsmitglied in London. Wien den 10. Nov. 1847. Mit Beziehung auf unsere, bei Ihrer Durchreise hier am 24. v. M. gepflogene Besprechung, wonach unsere Abreise nach Egypten auf Ende Dez. l. J. verschoben wurde, und indem ich der gefälligen Anzeige über den Erfolg der Arbeiten bei Ihrer großen neuen Brüke in einigen Tagen entgegen sehe, übersende ich Ihnen die Abschrift einer an H. Talabot ertheilten Antwort über einen neuerlichen Vorschlag, unsere Reise auf Anfang März d. J. zu verschieben. Meinerseits kann ich diesem Vorschlag nicht beistimmen. Ich halte ihn für schädlich für das Unternehmen, und unausführbar für uns- denn in den Monaten März, Ihnenangenommenwerden,so April u. Mai fallen in Europa gewöhnlich die meisten Arbeiten vor- und jeder von uns wird sich in Frühjahr schwerer, als während des Winters von seinem Wirkungskreis entfernen. Meinerseits muß ich mit Bedauern erklären, daß ich entweder während des Winters- oder gar nicht nach Egypten reisen kann. Ich schike eine Abschrift des Briefes auch an H. Enfantin, und in Erwartung einer baldigen Antwort, zeichne ich freundschaftlich L. Negrelli An H. Dufour-Feronce nach Leipzig. nicht zu übersetzen 10. Nov. 1847. Schon lange habe ich keine Nachrichten mehr von Ihnen- und sehe denselben entgegen. Indem ich Ihnen anmit die versprochene Abschrift des Berichtes unserer Ingenieure beischließe, zeige ich Ihnen zugleich an, daß der entlassene Secretair Jasnüger in einem hiesigen Blatte, die Gegenwart, seinen Reisebericht, den ich nachdem er plötzlich mit unverschämten Forderungen hervortrat, als ganz werthlos, nicht mehr annehmen wollte, u nachdem er von den accreditirten Blätter zurükgewiesen wurde, veröfentlichet, und daß er eine, der Unternehmung feindseilige Richtung einschlagen zu wollen scheint. Die Meinung über die Sache, und über Jasnüger Persönlichkeit ist indessen zu aufgeklärt, als daß derselbe schaden könnte. Die Artikel im Journal des Débats waren, einige Unrichtigkeiten, und namentlich der Begriff der Identität von Oesterreich mit Deutschland abgerechnet, ziemlich gut gehalten, und wurden hier gerne gelesen. Die Detailpläne meiner Brigade sind längst nach Paris u. London abgesendet- doch erhielt ich bisher noch keine Antwort. Hingegen war R. Stephenson, und Herr Starbuck am 24. v. M. kurze Zeit hier, und mit ihnen wurde ausgemacht, daß, nachdem Stephenson u Talabot zur festgesetzten Zeit nicht abreisen konnten, die Reise auf Ende Dez. l. J. verschoben werde. Obschon es mir schwer war, meine auf Ende 8ber getroffene GeschäftsEintheilung, woran ich seit unserer Rükkehr aus Paris arbeitete, um zwey Monaten umzuändern, so that ich es doch meinen Collegen zu lieb, in der Meinung, daß eine abermalige Verschiebung nicht mehr zur Sprache kommen sollte. Zu meiner Ueberraschung erhielt ich aber letzthin einen Brief von Talabot vom 28. 8ber worin er mir vorschlägt, unsere Abreise auf den 4. März zu verschieben. Was ich ihm antwortete, ersehen Sie aus dem in Abschrift beiliegend Schreiben, wovon ich auch eine Abschrift an Enfantin, und eine an Stephenson schikte. Ich fordere Sie auf sich an mich anzuschließen, damit dieser abermalige Aufschub aufgegeben werde- denn bei Annahme desselben wäre ich genöthiget, mich von der Sache ganz zurück zu ziehen. An Enfantin habe ich auch die detailirte Rechnung über alles u jede Auslage unserer Brigade bis zum heutigen Tage, gesendet. Sie betragen 11016 f 4.x C.M. Hieran habe ich von Enfantin erhalten.... 9750 fl. 46 Somit ist mir der Betrag von 1265 f 18. x als von mir baar bestritten, zu ersetzen, und erwarte, daß Enfantin mir diesen Betrag hier anweisen werde. Der niederländische Gesandte ist gestern wieder bei mir gewesen, u hat mich neuerdings der Theilnahme u Unterstützung seiner Regierung versichert. Wenn es dabei bleibt, daß wir Ende Dez. oder Anfangs Jänner verreisen, so gedenke ich um den 20. Xber von hier abzureisen, und zwar über Breslau nach Berlin u Hamburg, und von da über Holland zu gehen, um mir einige Hafenbauten wieder zu sehen, und dann um Neujahr herum in Paris einzutreffen. Von hier würde ich nach kurzer Besprechung mit Enfantin nach Nimes zu Talabot u. dann zur Einschiffung nach Marseille reisen. Den Jänner u. Februar könnte in Egypten bleiben- auf Ende März muß ich aber unvermeidlich wieder in Wien seyn- daher kann ich mich unmöglich dazu verstehen, die Abreise bis dahin zu verschieben, was übrigens nur zu unserem persönlichen und zum Nachtheil des Ganzen geschehen könnte. Leben Sie wohl N.