Alexandrien am 26ten April 1847. Societe d'Etudes du Canal de Suez Groupe Allemand Vienne, Herrengasse No. 27 Euer Hochwohlgeboren! Mit Beziehung auf mein letztes Schreiben vom 13. April erlaube ich mir Euer Hochwohlgeboren ergebenst anzuzeigen, daß ich nach der Aufforderung Mehemed Alis am 14. d. Mts. Alexandrien, mit einem Empfehlungsschreiben von H. v. Laurin an den öster: Vice-Consul in Cairo H. Champion versehen, verließ. Am 15. kam ich nach Cairo und suchte noch an demselben Tage den V. Consul auf, traf ihn jedoch nicht zu Hause. Am 16. traf ich ihn und machte in seiner Begleitung meine Aufwartung bei H. Linant Bei. Ich überreichte demselben das Empfehlungsschreiben von Euer Hochwohlgeboren und er empfing mich sehr freundlich. Nachdem er nur sehr wenig über die Angelegenheiten des Canals gesprochen hatte, es waren mehrere Herrn vom Hofstaate des Vize-Königs gegenwärtig, wendete sich das Gespräch auf allgemeine Gegenstände. Es war Lambert Bei und [Ettam] Bei, der President der Bildungsanstalten und der Minister der öffentlichen Arbeiten unter den Anwesenden: Beide unterhielten sich längere Zeit über den Nildammbau, auf den sie den höchsten Werth legen. Linant Bei erklärte sich bereit mich in Begleitung des Vize-Konsuls, der als Dolmetsch dienen sollte, dem Pascha vorzustellen. Am 17ten fuhr ich mit den genannten beiden Herrn nach Schubra dem Aufenthaltsorte des Paschas. Erlauben Euer Hochwohlgeboren, daß ich hier ganz ausführlich werde. Auf dem Wege hatte H. Linant Bei die Gefälligkeit mich zu unterrichten, wie ich mit dem Pascha zu unterhandeln habe, um ihn für mich zu stimmen. Er versicherte, daß es der un umstößlich feste Wille des Paschas sei, den Canal selbst zu bauen, und daß es wohl Niemand wagen dürfe, auch nur mit einem Worte zu erwähnen, daß sich eine Privatgesellschaft gebildet habe, die den Kanal bauen wolle, oder daß derselbe von einer Regierung projectirt wurde. Zwek derartige Vorraussetzung brächte ihn in die unserer Unternehmung mißlichste Stimmung. Ich befolgte die Anweisung H. Linants und steuerte blos auf die mir von E. Hochwohlgeboren gestellte Aufgabe, die Bewilligung des Paschas, die Vorstudien vernehmen zu dürfen, los. Mehemed Ali war in seinem Gartensalon und empfing uns sogleich, als er uns ankommen sah. Nach den ceremoniellen Begrüssungen wieß er mir einen Stuhl ganz in seiner Nähe an, und nachdem ich bemerkt hatte, daß er zuerst angesprochen werden wollte, nahm ich das Wort, gleich auf die Sache ausgehend. Ich sagte, daß gegenwärtig Europa und die ganze Welt darin übereinstimme, wie wichtig der Durchstich der Landenge von Suez sei, daß die commerciellen Verhältnisse aller Staaten durch dieses Werk eine neue, viel günstigere Gestaltung erhalten müßten, daß Handel, Agrikultur und Industrie durch das Inslebentretten des Kanals einen neuen, nicht zu berechnenden Aufschwung nehmen würden. In Berücksichtigung dessen und zur Lösung der Frage, ob ein solcher Canal von Suez bis Thineh ausführbei sei, und welche Schwirigkeiten sich demselben entgegenstellen würden, haben sich mehrere technisch hoch gebildete Männer vereinigt, um diese wissenschaftliche Frage, nach den hiezu nöthigen Forschungen an Ort und Stelle, zu erörtern. E. Hochwohlgeboren haben in Verbindung mit H. Talabot und H. Stefenson die Beantwortung dieser Frage übernommen, und haben mich und meine Begleiter, 3 Ingenieurs, die in Ale xandrien meine Rückkunft dahin erwarten, beauftragt, die bezüglichen Studien in Egypten zu machen, um danach die Entscheidung dieser Frage fällen zu können. Im Vertrauen auf die Gnade Sr. Hoheit, der bisher immer die Wissenschaften so kräftig unterstützt; der alles aufgebothen um das Glück seines Volkes zu begründen, so daß sein Name von ganz Europa mit Ehrfurcht ausgesprochen werde, wage ich die ergebenste Bitte mir die Bewilligung zur Vernahme die Studien über den Canal von Suez zu ertheilen, und mir seinen hohen Schutz während meines Aufenthaltes in Egypten huldrellst angedeihen zu lassen. Nach längerem Stillschweigen erwiederte er, daß wenn Europa von ihm sage, daß er die praktischen Wissenschaften und ihre Förderer ehre, sie immer und überall begünstige, daß das Glück seines Volkes das Ziel seines Lebens sei, so sprechen dafür die vielen Opfer, welche er gebracht, um dieß Ziel zu erreichen, man lasse ihm sein Recht wiederfahren, und es freue ihn die Anerkennung der Welt zu finden. Er habe längst die Wichtigkeit des Canals erkannt und dessen Ausführung gewünscht, doch hätten sich zu viele seinem Lande ersprießliche, nöthige Bauten ergeben, deren Ausführung dringend gewesen wäre, um seine Kräfte zersplittern zu wollen. Jetzt aber wolle er auch den Bau des Kanals unternehmen, die Finanzen seines Landes haben sich gehoben über die zum Baue nöthigen Leute könne er gebiethen. Die Terainverhältnisse der Wüste kann er, und um diese in studiren, brauche man wohl nicht gar so eminente Techniker, diese Aufgabe sei eine leichte. Schwierig, zu seinem Ermessen nach sehr schwerig sei es den Platz zum Baue eines Hafens bei Thineh und die günstigste Canalmündung zu bestimmen, und die Sondirung des Meeresgrundes, hier um die Küste sehr variabel, vorzunehmen, zu untersuchen, wo sich Sandbänke an dem anzulegenden Hafen und an der Mündung des Canals befinden, wie und in welcher Zeit sie sich beiläufig bilden, und in welcher Zeit sie am schnellsten sich ausdehnen in wie weit die Ausströmung des Nils bei Hochwasser darauf einwirkt. Endlich wie der Hafen von Suez so zu gestalten wäre, daß auch die größten Schiffe einlaufen könnten, und auf welche Art dieser Bau am zweckmässigsten vorzunehmen wäre. Ich erklärte ihm, daß die Studien, welche wir machen wollten, diejenigen wären, welche die verläßliche Beantwortung der von ihm weise und richtig gestellten Fragen möglich mache. Hierauf erwiederte er, daß er mir mit größter Freude die Bewilligung zur Vornahme der von mir ihm erklärten Studien ertheile, daß er mich unter solchen Verhältnissen willkommen heiße, und daß er bereit sei, uns in jeder Hinsicht zu unterstützen, daß er selbst Alles biethen wolle, was die Forderung eines Unter nehmens, wie so wichtige Studien, bezwecken könne. Er würde die Weisung geben, daß man mir in jeder Beziehung gewähre, und wünsche mir Glück zum guten Erfolge. Er stellte jedoch die Bedingung, daß wir ihm nach vollendeter Arbeit, eine Copia derselben und eine kleine schriftliche Erklärung übergeben müßten. Hier wagte ich keine Antwort zu geben, denn diese Forderung Alis überstieg die mir von E. Hochwohlgeboren ertheilten Instruktionen bei Weiten. Ein Blick von Linant Bey, an den ich durch dero Instruktionen angewiesen bin, bestimmte mich zu handeln. Ich erwiderte daher, daß es mir eine Ehre sein werde, ihm mit Ihrer Bewilligung, die ich wohl erwarten dürfe, eine Copia unserer Arbeiten vorzulegen. Er erklärte hierauf; daß er unbedingt selbst den Bau des Kanals unternehmen wolle und werde, Europa, besonders aber Oesterreich solle ihm brave Ingenieurs senden, er wolle sie so bezahlen, wie nur immer ein Staat Europas ihre Dienste lohnen könne, aber bauen müßte er selbst. Bevor er den Bau beginnen werde, wünsche er, daß die Großmächte Europas ihm eine [Garangie] biethen, daß keine Macht derselben, von Sonderinteressen ja geleitet, sein Werk an sich ziehen wolle, oder sich ein Mangel zu erstreben suche, sondern daß der Kanal der ganzen Welt eröfnet werde, daß Ziele nach seinen Verhältnissen einen gleichen Antheil an den Vortheilen, die der Canal biethen würde, genießen sollte. Der Nutzen aber der ihm gebühre, den er aus der Unternehmung ziehen wolle, werde gewiß ein nur billiger sein, und sein Werk werde das Gepräge der Cosmopolitik tragen. Ich erlaubte mir hier keine Antwort, und sprach nur meinen Dank wiederholt für die so gnädige Bewilligung meines Ansuchens aus. Er sagte, er hätte sehr unliebsam durch Journals und von andern Seiten erfahren, daß sich in Europa eine definitive Gesellschaftsverbindung gebildet hätte, welche beabsichtige den Canal bauen zu wollen; er könne und wolle dieß nicht glauben, da ein solches Verfahren zeige, man wolle versuchen auf was immer für eine Art sich die Baubewilligung zu erzwingen, und habe in der Vorraussetzung, daß dieß möglich sei, voreilig gehandelt. Hege man diesen Glauben, so kenne man ihn und Egypten zu wenig, denn er besitze die Mittel, welche jeden Zwang, oder die Erschleichung einer Baubewilligung zurückzuweisen im Staat seien. Linant Bei habe ihn zwar versichert, er glaube durchaus nicht an das Bestehen einer solchen Gesellschaft, er selbst aber verlange von mir zu wissen, ob eine derartige Societé sich gebildet habe oder nicht. Ich versicherte S. Hoheit, mit Bestimmtheit, daß eine solche Baugesellschaft nicht bestehe, und daß für dies nicht bestehen, auch noch der Beweis gelten könne, daß man erst jetzt die Studien machen wolle, ob und wie überhaupt ein Canal von Suez nach Thineh zu führen sei. Der Vize-König drückte nun seine vollste Zufriedenheit gegen Linant Bei aus, und nahm lachend mehrere Belobungen die ich mir über den Bau des Nieldammes, die Lieblingsidee M. Alis, auszusprechen erlaubte, an. Ich erwähnte noch, daß die Ausführung eines Werkes, wie der Bau des Kanals von Suez, welches die Pharaonen begannen, dessen ins Leben tretten [unleserlich] im Erkennen von dessen Wichtigkeit beabsichtiget nun in den Händen seiner Hoheit liege und daß ganz Europa die feste Ueberzeugung hege, daß dieses seit Jahrhunderten größte Werk, während seiner Thatenreichen Regierung begonnen und zum Stutzen der Wellt ausgeführt werden würde. Daß die Förderung dieses Werkes ihm den Dank der spätesten Nachwellt sichern, ihn unsterblich machen werde. Hiemit hatte die Audienz ihr Ende und ich wurde sehr gnädig entlassen. Linant, der mit mir nach Cairo zurückfuhr, war so gütig meine Handlungsweise während der Audienz lohnend anzuerkennen und sagte, daß nur so unser Werk gefördet werden könne. Ich habe E. Hochwohlgeboren hier Alles umständlich berichtet, habe ich nicht dero besten Ermessen gemäß gehandelt, so bedaure ich es tief, den mein Wille war der beste, meine Stellung aber schwierig,— habe ich mir der Zufriedenheit erworben, so fühle ich mich reich belohnt!— Ich wage noch die Bemerkung, daß von der französischen und von der englischen Groupe hier directe noch gar nichts angebahnt worden ist, daß jedoch die vom Pasche erreichte Bewilligung zu den Vorstudien, auch für Frankreich und England gelte. Am 18ten machte ich einer Besuch bei Linant, und überreichte ihm die Instruktionen. Hier traf ich H. Lambert Bey, Vorsteher der technischen Schule in Egypten und Direktor des Fabrikwesens. Er ist ein vertrauter Freund Linants und Enfantins und vollkommen in die Angelegenheiten des Suez-Canals eingeweiht, und scheint eine Stütze des Unternehmens zu sein. Enfantins Sohn lebte lange in seinen Hause. Nachdem beide Herrn die Instruktionen aufmerksam gelesen, fanden sie dieselben trefflich, und sprachen den Wunsch aus, daß es uns möglich werde die durch die Instruktionen ge führte -stellte Aufgabe zu lösen. H. Linants Meinung geht dahin, daß wir die Aufnahme bei Damiette beginnen und über Thineh bis auf 2 Meilen östlich von diesem Orte fortsetzen sollen, da es nöthig ist, daß man nicht bloß den Ort genau kenne, wo ein Hafen angelegt werde, und wo der Canal ausmündet, sondern auch den Theil der Küste, an welchem die Schiffe, welche bei sehr ungünstigen Witterungsverhältnissen nicht in den Hafen einlaufen können, laviren, oder vor der Rhede liegen können. Die Ausmündung des Canals bestimmte er an dem Platze, an welchem er in dem von ihm verfaßten Plane bereits bezeichnet ist. Er hat; angegeben, daß wir unser Lager nicht auf dem Schiffe, sondern an der Küste bei Thineh aufschlagen sollen, da wir uns hier vor jeder ungünstigen Witterung, besonders vor der drückenden Hitze am besten schützen können. Das Wasser müssen wir durch ein zu diesem Behufe bestimmtes Schifferboot aus dem See Manzalek holen lassen, da wir in der ganzen Umgebung, in der wir arbeiten werden, kein Wasser finden, das getrunken wer- den kann. Die Gouverneurs von Alexandrien, Mansura und Damiette sind vom Pascha angewiesen, alles herbeizuschaffen, was zur Förderung unserer Arbeit nöthig ist. Bei Beobachtung der Witterungsverhältnisse sollen wir besonders genau vergehen und diese Beobachtungen sowohl zu Land, als zu mehreren Maalen im Meere vornehmen, da zu gleicher Zeit die Witterung auf dem Observatorium in Cairo beobachtet werden wird, um die Differenzen zu eruiren. Uebrigens seien die Instruktionen so verfaßt, daß sie alles enthalten, was er uns nur immer bemerken könne. Der Pascha hat den Befehl gegeben, daß ihm die Instruktionen vorgelegt werden, und Linant Bei wird von denselben|: er hat sie bereits von mir ins französische übersetzt:| eine Vorlage dem Pascha anfertigen lassen. In derselben muß der Punkt No. 7 ausgelassen sein, der beim Pascha Mißtrauen erwecken und aus nachtheilig werden könnte. Der Pascha würde glauben, daß wenn wir unsere Arbeit geheim halten sollen, sich daß auch auf ihn beziehe und ein politischen Grund hiezu abschwebe. Ferner bleibt in diesen Instruktionen auch der Punkt No. 15 aus, der nicht minder, als der frühere Punkt vom Pascha sehr ungünstig genommen würde, wir sollen besonders die Forschungen welche in No. 15, d, anbefohlen sind unterlassen, denn der Pascha ist höchst mißtrauisch und wir haben sehr behutsam zu sein. Alle nöthigen Forschungen, werde Linant und Lambert mir selbst mit der möglichsten Genauigkeit beantworten, jedoch unter dem Siegel der Verschwiegenheit, da sie sich grosser Verantwortung aussetzen. Ich werde näher über diesen Gegenstand gegen [Inkremen] das strengste Stillschweigen beobachten. Lambert Bei bemerkte hier sehr schlau und vielsagend, ich möchte unsere ganze Stellung Egypten gegenüber, als ein Schauspiel betrachten, das mehrere Akte habe, in den Akten wechseln Personen und Kostüms. Jetzt spiele der erste Akt, und dieser dürfe in jeder Beziehung als befriedigend angesehen werden. Die Zukunft bestimme die weiteren Akte, und werde hoffentlich ein schönes Ende bringen. Diese Worte Lamberts wurden in Linants, Karlmanns und meiner Gegenwart gesprochen, aber ich glaube in denselben eine genügende Aufklärung zu finden. Lambert wird nächstens nach Paris reisen, um in Paris Lehrer für die technische Anstalt in Cairo anzuwerben. Er freut sich mit Enfantin zusammen zu treffen. Herr Linant hat mir eine seiner Karten, die er in Egypten verfaßte zur leichteren Orientirung übergeben. Beide Herrn empfehlen sich Euer Hochwohlgeboren bestens und freuen sich sehr mit Ihnen in näherer Berührung zu tretten. Besonders Linant ist sehr liebenswürdig, und sprach mit der größten Hochtung von E. Hochwohlgeboren. Ich bin überzeugt Sie werden in ihm den wärmsten Freund finden, wenn Sie die Reise nach Egypten machen werden. Der Konsul, der mich bei Hikekian Bei, Ingenieur im Dienste seiner Hoheit aufführte, verlangte Briefe für denselben nach Triest und Wien. Ich war so frei, ihm einen Brief an E. Hochwohlgeboren in Wien, und an H. von Bruck in Triest zu übergeben, da Hikekian Bey gegen uns sehr gefällig ist und als Schwager Artim Bei's, Minister der auswärtigen Angelegenheiten in Egypten vielen Einfluß nimmt. Er scheint aber kein Freund Linants und Lamberts zu sein und reist nach Wien um eine Augenkrankheit heilen zu lassen. Am 23. d. M. kamen die Empfehlungsschreiben vom Pascha aus Cairo an Artim Bei in Alexandrien und an die Gouverneurs von Damiette und Mansura. Der Artim Bei stellt uns eine Brigantine zur Disposition, sammt der nöthigen Bemannung. Ich werde nur so schnell als möglich die Ausrüstung des Schiffes vornehmen um mit möglichster Eile an die Arbeit zu gelangen. H. v. Laurin leitet die Ausweisung und er selbst mit Artim Bei geben die Gegenstände an, die wir zur Ausrüstung nöthigen. Ich kaufe nichts an und zahle nichts aus, ohne früher mit H. v. Laurin darüber berathen zu haben, denn da unser [Calrille] bezüglich der Kosten der Expedition von den wirklichen Auslagen so bedeutend varirt, fühle ich die schwere Verantwortung, die ich auch in dieser Beziehung E. Hochwohlgeboren gegenüber übernommen habe, und ich [trachte] so viel als möglich zu beweisen, daß ich Ihr Vertrauen nicht mißbrauche. Ich erlaube mir hier den Kredit zu benennen, um dessen Eröffnung, auf die in meinem Briefe vom 13. d. Mt. angedeutete Weise ich ergebenst bitte. Ich habe bereits durch H. v. Laurin, 2000 f. OMZ auf H. v. Bruck ziehen müssen um nicht in Verlegenheit zu gerathen. Ich benenne hier speziel die noch bevorstehenden Auslagen: die Gagen pro Juni& July...... 2400 fr. Reise von Suez nach Cairo für 4 Pers:.... 480 fr. "" Cairo" Alexandr:""".... 140 fr. "" Alexandr: nach Wien"""... 700 fr. Expedition im Meer und in der Wüste.... 600 fr. 6 Mann zur Arbeit als [unleserlich], Figuranten, und andere Dienstleistungen, dann ein Dragomann, den wir auf Anrathen des Paschas und H. v. Laurins nahmen..... 800 fr. Requisitten, als Betten, Waffen, 4 paar Pistolen und 4 Säbel, Holz |: hier sehr theuer :| Oehlfarbe, stangen ect...... 400 fr. die Gagen vom 20ten July bis 20. August wenn die Arbeit und Retourreise sich auf so lange Zeit erstreckt 1,200 fr. 6,720 fr. OMZ. Bereits eröffneter Kredit war... 3822 fr 46 xr. Hievon Ausgabe....... 3590 f 56 xr. Hievon verbliebenen Rest.... 23 fr. 50 xr. Somit bitte ich um die Eröffnung eines Kredits pr:.. 6,489 fr. OMZ. Ich bitte ergebenst mir anzuzeigen, ob ich, da der Pascha das Schiff ganz unentgeldlich stellen wird, das bei diesen Gelegenheiten hier immer übliche Bakschisch, Belehrung für Offiziere und Mannschaft, nach dem Anrathen des H. v. Laurin geben darf oder Wenn wir ein Schiff, das kaum die dringend nöthige Bequemlichkeit und Sicherheit biethen würde hätten miethen wollen, so wäre der geringste Preis für 6 Wochen 3000 fl gewesen. Ein billigeres Schiff konnte H. v. Laurin und ich nicht eruiren; an Schiffen ist hier der größte Mangel, und die Fracht sehr hoch. Wir sind daher dem Pascha doppelt dankbar für die durch das Schiff gewährte Unterstützung. Die Brigantine ist mit 18 Mann benannt, Laurin glückt daher für dieselbe als angezeigtes Geldgeschenk 3–400 fl. und für den Capitain, Offizier der Marine des Paschas eine goldene [unleserlich] uhr, oder ein schönes Gewehr, oder Säbel bezeichnen zu müssen. Wenn wir das Schiff benützen, ohne den üblichen Bakschisch zu geben, so würde es gewiß Unannehmlichkeiten nach sich ziehen. Ich habe darüber nichts entschieden und bitte Eure Hochwohlgeboren dringend mir auch darüber Verhaltungsbefehle zu geben. Dieselbe ergebenste Frage bezieht sich auch auf die Expedition durch die Wüste. Diese Expedition bis Suez räth Linant Bey sehr an und sagt, daß eine gediegene Relation über diese Strecke um den Hafen von Suez sehr anzurathen sei, da es eine gute Controlle für die weiteren Arbeiten bilde. Auf die Frage Linants, in welcher Zeit wie unsere Arbeiten vollendet glauben erwiderte ich, in längstens 8-10 Wochen. Er sagt dieß sei unmöglich und setzt einen Termin von 4 Monathen. Ich erlaubte mir die Gegenbemerkung, daß ich dafür hafte, längstens in 10 Wochen die bis 15. July alle Arbeit vollkommen genügend gestellt zu haben. Meine Begleiter sind jung, kräftig und voll guten Willen und was andere in 4 Monathen arbeiten, werden und müssen sie in längstens 10 Wochen beendet haben. Wie verschieden von allen früheren Bestimmungen und Relationen zeigt sich doch hier an Ort und Stelle die Sachlage der Angelegenheiten des Suez-Canals. Ich bitte daher Euer Hochwohlgeboren darnach gütigst das Urtheil über uns fällen zu wollen, und nicht zu glauben, daß meine Unthätigkeit oder Unkenntniß die Schuld der vielen Zeitverzögerung trage, daß meine Unwirthschaft die Auslagen der Expedition so sehr erhöhen. Ich leiste, beseelt von dem Gedanken mich des Wohlwollens E. Hochwohlgeboren für jetzt und die Zukunft würdig zu zeigen das möglichste, und noch fühle ich mich nicht früher beruhiget, bis E. Hochwohlgeboren selbst die Güte gehabt haben, mir zu schreiben, ob Sie meine Handlungsweise gut heißen, ob Sie mir Ihre Zufriedenheit schenken. Gestern kam der Pascha von Cairo hier an und hat mit H. v. Laurin über den Canal sehr viel gesprochen. Es hat ihn nicht leicht etwas so hoch interessirt, als diese Angelegenheit, und er beschäftiget sich immer damit. Auf seinen Wunsch wurden heute die Ingenieurs und ich, wiederholt demselben vorgestellt. Er beharrt selbst bei jeder Gelegenheit auch der Idee des Selbstbaues, doch wird die Zeit und die Schwerigkeiten, welche die Vorstudien herausstellen dürften, und noch manche andere Verhältnisse ihn umstimmen. Ich hatte die 3 jungen Herrn ersucht, sich über die Kanalangelegenheiten nicht ins Detail einzulassen, da es schwer ist mit dem Pascha, der so schlau und scharfsinnig ist, zu verkehren, und oft ein Wort eine schädliche Nachwirkung bringt. Er war während der ganzen Audienz sehr gnädig und entließ uns sehr freundlich. H. v. Laurin bemüht sich sehr für unsere Interessen, und wir verdanken ihm viel: Der Pascha giebt uns bis Thineh und auf der Zurückreise freien Tisch, während der Arbeit und in der Wüste haben wir für uns ganz zu sorgen. Morgen seegeln wir ab. Ich verharre mit dem Ausdruck der größten Hochachtung der gehorsamste Diener Jassnüger