Wien den 19 Allerliebste Lotti! Mit Freude vernahme ich aus Deinem Schr. vom 16. d. M. daß es dir u. den Kindern wohl gehet. Mir ist auch beßer - obschon die Einwirkung des veränderlichen Climas nicht die günstigste war. Heute war ich bei Baron Bruck - lange, lange, dann bei Gf. Grünne, Kellner v. Köllenstein Kempen, Kübek, u. Thurn. Dieser war heute nach Tetschen abgereist. [Mechitar, u. Bolza]. Morgen ist große Sitzung im Handelsministerium, wo ich den Vortrag habe. Ein Abgeordneter Brucks wohnt bei. Es ist Baron Schlechta welcher v. Bruck schon gehörig instruirt ist. Heute Abends gehe ich in die Soirèe des Baron Bach [unleserlich]. Heute habe ich eine 2. große Arbeit für Baron Bruck vollendet. Was sagst Du zu den 3 Grundartikeln der A. Allg. I. über Suez? [Drege de Lheys] u. Bruck betreiben die Sache herrlich- u. heute sind wieder gute Hofnungen auf den Frieden. Gott gebe es! - Gestern um 6 Uhr besuchte ich [Hiegenaus] - die [Wallg] ist in tiefer Trauer und rechnet fest darauf, daß wir heraus kommen. Sie erwartet Antwort auf einen Brief von Dir. Heute habe ich bei S. E. Kempen auch [Herr Hock] gesehen u. sobald ich kann werde ich seine Mutter besuchen. Heute habe ich auch große Einkäufe gemacht – nemlich: ein Flanelleibl, 2 lange Zwey Paar Gatien von Parkant, und 12, sage 12 Magnif. Hemden von ächter Leinwand zu 7 fl. M.! die 2 von der Katze die Du kennst, u. 10 fl. M. kosten, sind Lumpenkerle daneben! Was du mir vom F.M. schreibst, ist sehr betrübend! Die Leute sind schonungslos gegen seinen Ruf! Die Sache über Bergamo wurde vonihm im Beiseyn des Baron Bruck, auf Anrathen des F. J. M. H. aus strategischen Rüksichten beschloßen - u dabei festgesetzt, daß eine Verbindung mit Piemont, eben auch aus strategischen Rüksichten, nur über Pavia statt finden solle. Das Marschall bezügliche Schreiben liegen in den Acten bei uns! Nun kam Pachta vorlängst aus Mailand- u ihm soll es gelungen seyn, den Marschal umzustimmen! Die Verbindungsbahn nach Piemont über Novara wird nun zugegeben, und S. Z. M. Baron Heß hat doch die Bedingung festgestellt, daß jene über Pavia vorerst gebaut werden solle! So spielt man mit dem edlen Greis, und so etwas macht mich ganz trau- rig! Ueberhaupt das Intriguenspiel wird heutigentags ins Großartige getrieben! Glücklich diejenigen welche sich davon entfernt halten, und reines Gewissen u. festes Bewußtseyn des Rechtes haben! Uebrigens siegt das Rechte doch immer! Am Montag 10 Uhr, werde ich das Glük haben von Sr. Majestät empfangen zu werden. Baron Bruck hat mit Sr. Majestät über mich schon gesprochen. Dann [sah] ist die kleine Prinzessin aus der Bellaria auf die Bastey spazieren getragen: ihre Pepi trug sie am Arm, u hielt ein Parasol darüber, eine andere Dame ging daneben, [darin] 2 andern Damen, u dann erst ein Hoflaquai Livree. Sie sieht allerliebst aus. Ich dachte mir dabei meine Frau, meine Kinder, u die Pepi, u wünschte der Neugebornen daß ihre Pflege gleich guten Erfolg wie jene unse rer lieben Kinder haben möge! Dann begegnete ich den Richard! Er fiel mir ganz expansio um den Hals - und führte einen sehr schönen Knaben- etwas größer als unser Pepo, an der Hand. Er sagte mir - schau doch meinen Louis an, er lernet so brav! ... der arme verbarg sich halb hinter seinen Vater! Er sah aber wirklich einnehmend u. sehr gut gehalten, aus. Auch Richard war sehr elegant, u bat mich Dich herzlich zu grüßen. Auch August war heute lange bei mir - u lamentirte daß er noch nicht Hauptmann ist - u. bath wieder um Verwendung bei [Janiei]. Jetzt weißt du Alles! Heu laße nur ein Fuder altes kommen. das neue ist noch zu frisch u. macht Durchfall. Lasse es gleich wiigen, u. zahle den Betrag sogleich. Auch Haber kannst Du kaufen so bald die letzten 2 Säke aus sind. Grüße mir Martello und Hlawaty, u. sage Letzterem - er soll um Gotteswillen Alles Böse von dem edlen Greiß abwenden. Küße die Kinder stark, innig, u. herzlich und denke zuweilen an den, dero nur die labt u. sich glücklich schätzt sich zu nennen Dein Tschäppi.