Verona den 28 Janner 1850. Verehrter Freund! Ich bin erst Reconvalesenet- u. konnte daher Ihr Schreiben vom 9. d. M. nicht früher beantworten. Ich danke Ihnen vorerst für die mitgetheilten Nachrichten, namentlich über unseren guten Herrn Sellier- den letzten unserer dortigen Freunde den wir vor der allgemeinen Sinnenverwierungen gesehen haben! In Betroff Ihrer Idee der Auswanderung nach Angabe bin ich d'accord, daß die Sache menschlich u. zugleich profitable sey. nur wäre ich der Meinung, daß die politische Umstaltung jenes Landes, wozu unser um sichtiges Ministerium emsig arbeitet, gänzlich durchgeführt seyn sollte bevor man Leute aus geordneteren Länder in jenem Chaos hinein verpflanzt, wo sich noch niemand auskennt. Rechtspflege wird auch dort eingeführt wie in allen anderen Kronländern- u dann kaum jede Spaculation sich unter dem Schutze liberaler kräftiger potitischer u. rechtlicher Gesetze ohne Bedenken hinein wagen. Ich selbst kann mich nicht betheiligen, weil ich meinen Geschäften fast erliege u. mir keine neuen auferlegen kann. Mit Suez bin ich nicht der Meinung Talabots- denn ich glaube daß der große Unterschied zwischen Ebbe u. Fluth der beiden Meere genügen werde den Canal frey zu halten. Jedenfalls int[unleserlich] mich das[unleserlich] Talabots zu sehen u ersuche Sie darum die[Kiste] der kk. Gesandschaft in Dresden mit der Einladung zu übergeben selbe bei nächster Gelegenheit an seine Exellunz den Herrn Minister von Bruck, und zu meinen Händen zu überschiken. Ich schreibe untereinem davon an den Herrn Minister. Ich schließe weil ich aus Schwäche, von der ich mich nicht erholen kann, nicht weiter komme Adieu Ihr ergebenster Negrelli Seiner Wohlgeboren Dem Herrn[Herrn] A. Dufour-Feronce Mitglied der I. Kammer der sächs. Abgeordn- [nach] Dresden