Leipzig 8 Juni 1847. Beantwortet mit dem Circulare vom 15. Juni Verehrter Herr und Freund! Ihre werthen Zuschriften vom 6. und 24 Mai und 4 d. Mts. sind mir richtig geworden, deren Inhalt ist vom höchsten Interesse und beweist von welcher Wichtigkeit es ist daß wir uns durch unsere Pariser und Englischen Freunde nicht irre machen ließen die Expedition der Assistent-Ingenieurs zu verschieben wie es leider Talabot und Stephenson gethan haben; denn es zeigt sich nun, daß die vorläufigen Arbeiten nicht so schnell zu beschaffen sind, wie man uns in Aussicht stellte, und auch die Franzosen und Engländer werden Mühe haben ihre vorläufigen Arbeiten zu rechter Zeit tüchtig herzustellen, wenn sie erst im August abreisen sollen und die Reise der drei Notabilitäten noch auf den 15 Octobr. festgesetzt bleibt. Ich gestehe daß ich jetzt wieder neue Hoffnung habe die Vollendung des Werkes zu erleben; ob der Bau durch den Pascha selbst vollbracht wird, ob durch unsere Compagnie gilt mir gleich, wenn der Canal nur gebaut wird und allen Völkern der Welt unter gleichen Bedingungen offen stehet. Der Nildamm wird übrigens dem Pascha so viel Geld kosten, daß Egypten schwerlich Geld übrig haben wird um den Canal ebenfalls aus eigenen Mitteln zu bauen und der Pascha wird noch froh sein, wenn ihm späterhin eine Europaeische Gesellschaft die Mittel gewährt daß große Werk zu Stande zu bringen. Die Ehre bleibt seiner Regierung, er mag den Canal bauen oder einer Compagnie concessioniren. England hat keine einzige Eisenbahn für Staatsrechnung gebauet und führt doch den Reigen in dieser großen Erfindung. Ich habe mich innig über die Umsicht und den Eifer Ihres Herrn Jasnüger gefreuet; wenn mir die jungen Leute der Hitze in Tineh nicht erliegen! Wenn Sie unverhofft Geld für Ihre Expedition gebrauchen und nicht Zeit haben bis zum Empfange der Antwort von Paris zu warten, lassen Sie es mich nur wissen oder ziehen gleich den benöthigten Betrag auf mein Haus Dufour Gebrüder & Comp: in Leipzig. Sie können im ersteren Falle auf umgehende Remessen, im zweiten auf gebührende Honorirung Ihrer Tratten rechnen, da ich über den ganzen Betrag welchen die hiesigen Fünf Mitglieder noch einzuschießen haben stets verfügen kann. In Betreff der dem Capitain und dem Schiffsvolk des zu Verfügung gestellten Schiffes zu bewilligenden Gratification wollte ich mir die unmaßgebliche Bemerkung erlauben, daß ich wünsche Sie mögen Herrn Jasnüger Instruction ertheilen diese Gratification nicht nur angemessen sondernäußerstsplendid zu gewähren, ich glaube hierbei muß in doppelter Hinsicht etwasverschwenderisch aufgetreten werden;erstens im Intresse der Unternehmung im Allgemeinen, damit es sich unter der Einwohnerschaft herum spreche, daß mit unserm Vereine gut zu verkehren sei und daß jeder Egyptier gern Hülfe leiste; – zweitens im Intresse unsers Groupe Allemand.- Wenn wir die erforderliche Gratification nach unserm deutschen mäßigen Maaßstabe und unser gewissenhaften Sparsamkeit mit dem unserer Verwaltung anvertrauten Gelde bemeshen wollten, so würde höchst wahrscheinlich die jetzt zu bewilligende Gratification gegen ähnliche Geschenke welche die H. Talabot& Stephenson zu machen haben werden, ungünstig abstechen und das würde ein fatales Licht auf die Deutsche Gruppe werfen, also lassen Sie es hierbei auf mehrere Hunderte sogar Tausende von Gulden Mehrkosten ja nicht ankommen, sondern tretenSielargementauf! Ich bin überzeugt H. v. Laurin wird mir in dieser Beziehung beistimmen. Dies ist das Geheimniß des Rußischen Einflußes aller Arten keine Regierung tritt so auf mit Geschenken etc., daher wird sie gut bedient. Ueberall ist mit Geld viel zu bewirken, im Orient alles!! Ich freue mich doppelt Sie hier zu sehen; weil es mir lieb ist Sie und Ihre Frau Gemahlin zu begrüßen und dann weil ich ersehe, daß Sie hierher kommen auf Veranlassung unserer Regierung wie ich voraussetze zu Untersuchung des Göltzschthales. Sellier werden Sie leider nicht hier finden er ist eben in Carlsbad. Unsere Freunde in Paris haben viel Noth mit ihren Eisenbahnen. Freund Didions Bahn Bordeaux-Cette ist aufgelöst.- Paris-Lyon ist noch in Unterhandlung mit der Regierung- ich hoffe jedoch diese werden noch gut zu Stande kommen. Von Paris nach Brüssel sind 37 deutsche Meilen, so viel ich weiß fährt man nie in weniger Zeit als 12 Stunden; rechnen wir nun 1 Stunde für die Douane ab so bleiben 11 Stunden, folglich nicht 3 1/2 Meile p. Stunde. Wo bleibt die grande Vitesse von welcher die Franzosen so viel fabelten? Ich habe aber auch viele Leute gesehen die 16 Stu(nden) gefahren waren. In Italien ist ein schöner Plan im Werke, nämlich (...) Centrale Toscana(von der Florenz-Livorno Bahn nach Siena) (...) jetzt im Baue begriffen ist, bis nach Rom fortzusetzen unter dem Namen Grande Centrale Italiana. Ein Comité der ersten Leute Toscana's und des Kirchenstaates betreibt diese Sache, man ist auch über die meisten Puncte einig nur will die Compagnie noch die Berechtigung haben sich binnen 3-5 Jahren zu entschließen ob sie die Bahn von Rom bis an die Neapolitanische Grenze fortsetzen will. Was halten Sie von dieser Linie? Mir scheint wenn diese Bahn nicht rentirt dann rentirt keine in der Welt. Seit längern Jahren habe ich wegen dieser Linie correspondirt jetzt scheint es zum Entschluße zu kommen; Sie würden mich sehr verbinden bei einigen Wiener Geldleuten zu horchen: Ob ungeachtet der gegenwärtigen allerdings ungünstigen Verhältnisse eine Betheiligung des Publicums zu erwarten ist. Wenn Sie hierher kommen, sprechen wir weiter über diese Angelegenheit die auch für Sie vielleicht nicht ohne Interesse sein dürfte. Mit aufrichtiger Hochachtung [Anhänglichkeit] bleibt [unleserlich] ergebener A. Dufour-Feronce