Wien den 25 Sept. 1857 Mein verehrtester Herr Director! Es belängte mich schon, daß ich seit Ihrem sehr kurzen hiesigen Aufenthalt im Vorsommer gar keine Nachricht mehr von Ihnen erhielt, daher es mir um so angenehmer war aus Ihrem Schreiben vom 19. d. M. zu vernehmen, daß es nun Ihnen und den Ihrigen gut gehet, und daß der Herbst auch bei Ihnen zu sehr schönen Hofnungen an Obst und Wein berechtiget. Auch bei uns ist der Herbst ganz herrlich; nur seit 8 Tagen etwas zu kühl – denn wir haben zu Mittag in Schatten nur + 10° während im Sommer 29 u. 30°, und letzthin die Wärme noch 22° über 0 betrug. Meine Badreise an der Ostsee hat mir nicht gut bekommen: ich befand mich vor der Reise dahin weit beßer als jetzt. Und doch habe ich mich in Vergleich mit der ersten Zeit nach der Rükkunft, bedeutend erholt- denn die Seebäder hatten mich ganz abgemattet. Zu dem kam die nördliche Lebensweise, die uns ganz zuwider war- und eine Hitze haben wir überstanden, die geeignet war Einen völlig zu erschöpfen. Auch meiner Fran bekam es nicht gut, u. daß eine Dame auf Reisen, namentlich auf Eisenbahnen keine Leichtigkeit darbiethet, haben Sie selbst erfahren. daß die Eisenbahn von Baden, oder Thurgi nach Waldshut endlich gebaut wird, freuet mich, und glaube daß, was ich in meiner kleinen Brochuri über Eisenbahnen im Jahre 1838 vorhergesagt habe, bezüglich der schweizerischen Bahnen zum größten Theil eintreffen wird. Meine Empfehlungen an Ihre l. Familie u. an Herrn Bruder Heinrich, und Ihnen ein freundlicher Händedruk Von Ihrem ergebenen Negrelli