Wien den 16 Mai 1855. Suez Theuerste Lotti! Wir sind schon zum Mittwoch angelangt: meine von Dir angeordnete Ampletten sind gemacht ‒ ich bin ganz reisefertig – und doch kann ich zur Stunde Dir den Tag der Abreise nicht anzeigen. Die Herrn Minister sehen selbst ein, daß es dringend ist daß ich vorläufig wieder hinein kom(m)e ‒ u(nd) doch können sie mich nicht entlassen; es giebt im(m)er noch was zu arbeiten, zu berathen ‒ u(nd) in keinem Ort der Welt gehet es schwerer mit den öffentlichen Geschäften als in Wien ‒ namentlich zu jeziger Zeit, wo alles auch unsere Bestimmung von der Frage"ob Krieg, oder Frieden" abhängt. Briefe, die aus Paris u(nd) London eintreffen, sehen sehr trübe in die Zukunft u(nd) man traut Oesterreich nicht! Die Gerüchte in Betreff des Austrittes Buols sind wieder verstummt. Heute habe ich umsonst auf Nachrichten von Dir gefreut: die letzten sind vom 12. u ich denke mir die Hingenau wird Dich am 13 gehindert haben mir zu schreiben. Indessen hoffe ich daß Ihr alle wohl seyn werdet, und dieses ist die Hauptsache. Ich verliere aber anfangen die Geduld mit dem hiesigen Aufenthalt ganz von Euch entfernt, u sehne mich unendlich nach Euch! Das Unbestimmte Dalesen, ohne daß man dem abhelfen könne, läßt einem keine Ruhe; mit das fortwährende Wohlwollen der Herrn Minister u(nd) ihr Vertrauen hält mich aufrecht! Ich denke aber dabei im(m)er an Euch meine Lieben! u selbst vorige Nacht als ein Kind in dem nächsten Zimmer an mir weidlich weinte – dachte ich mit Liebe u Geduld daran ‒ weil die armen Kinder auf Reisen ganz aus der Ordnung kommen – auch dachte ich mir daß auch unsere Kinder die wir so unendlich lieben, fremden Nachbarn in den Gasthäusern lästig werden könnten. Die Leinwand u das Caffétuch habe ich bei der Braut gekauft: ich hoffe beides wird deinen Beifall haben: das persische Pulver kaufte ich auf der Freyung im Schubladekasten- u. kostet jetz 1 f 20 x per Flasche- folglich 20 x mehr als vorher. Die neuen Hemden trage ich schon u. passen mir sehr gut: sie werden dir gut gefallen! Oscar hat noch nicht geschrieben seit seiner Abreise, was mir nicht gefällt u ihm einen Putzer zuziehen wird. Cagnolis Beschreibung der Fahrt zollt großes Lob dem H v. Bocking, dem Betriebe, der Luogotenenza, und der Municipalità di Conegliano u gedenkt der Bahn u ihrer Erbauer nur nebenher. Vom Erizzo u. de Zorzi keine Spur! Kaka, u Druki drüke allem Gesindel! Mir ist leid, daß dem Erizzo passirt ist sich zu betrinken. (Pfui deibel).- Unsere Reise nach Paris wird stattfinden, sobald Lesseps aus Egipten eintreffen wird. Dall'Acqua wird als Rapporteur wegen der Kunstausstellung gut passen u es wird ihm sehr nützen, daß er einsieht daß auch außer Italien eine Welt giebt. Gestern war der Prater wenig besucht. Ich schlenterte zu Fuß dahin, u bald ge sellte sich Franz Erb zu mir, der mich gar nicht mehr verließ u glücklich schien sich bei mir erst ganz con amore ausreden zu können. Theodor wird heute aus Stein zurück kom(m)en – Morgen speise ich dort. Heute speise ich um 5 Uhr mit Minister Bruck u Prokesch bei der Stadt Frankfurt. Meine Gesundheit ist gottlob recht gut, bis auf kleine Rudera vom Husten die erst im Som(m)er ganz aufhören werden. Sage Ferdinandi daß mich sein Brief sehr gefreut hat. Auch Pepo u Ridi lasse ich grüßen u dik küßen! Dir gebe ich ebenfalls in Gedanken 1000 dike Küße u verbleibe herzlich Dein Louis. NB. Schreibe mir doch umgehend was dir lieber ist: ein Hut, ein Kleid, oder Was? aber gewiß schreibe mir! sonst kön(n)te ich dir was bringen, was nicht paßt oder dir nicht freut etc. u bringen will ich dir was!