Euer Hochwohlgeboren! Da es mir bekannt ist, daß es Dero kostbare Zeit nur gestattet Geschäfts- und dienstliche Verhältnisse mit möglichster Kürze zu erörtern, Besprechungen über Privatinteressen, wenn auch in indirekter Verbindung mit diesen Geschäftsverhältnissen, zeitraubend würden, durch die Schrift jedoch sich klarere Bündigkeit erzielen läßt, so erlaube ich mir in der Ueberzeugung, durch längere Dienstleistung dieses Verzuges werth zu sein, Euer Hochwohlgeboren mit diesen Zeilen zu belästigen. Als Euer Hochwohlgeboren mir zu Anfang Jänner die Führung der deutschen und französischen Correspondenz anzuvertrauen die Güte hatten, ergriff ich freudig die Gelegenheit meine Dienste früheren Geschäftsverbindungen zu entziehen, dieselben Euer Hochwohlgeboren, als Repräsentanten der Societé d'Etudes du Canal de Suez, Groupe Almand zu widmen. Ich glaube durch die Führung der Correspondenz, so wie auf manche andere Weise bewiesen zu haben, daß, wenn ich diene, dieß mit ungetheilter Treue und vollstem Eifer geschieht, daß ich das Vertrauen verdiene, welches in mich und meine Leistungen gesetzt wird. Euer Hochwohlgeboren stellten mir den Antrag, die Expedition nach Egypten zu begleiten, die Correspondenz und Rechnung zu führen und etwa nöthige diplomatische Verhandlungen zu beordnen. Euer Hochwohlgeboren räumten mir das Recht ein, die für die Expedition erforderlichen Gelder mit Treue nach meinem besten Ermessen zu verwenden. Sie bezeichneten für mich keine bestimmten Diaeten oder sonstige Emolumente, sondern stellten es mir frei in dieser Beziehung zu verrechnen, was ich verbrauchen werde. Ich nahm diesen ehrenvollen Antrag in der Ueberzeugung an, daß die Berichte H. Enfantins wahr seien, wir bei unserer Ankunft in Alexandrien nach einer Berathung mit H. v. Laurin und Linant ungesäumt an die Arbeit nach Thineh abgehen könnten, daß der Vizekönig bereits verständiget und gewonnen uns durchaus kein Hindernisse in den Weg legen würde. Wäre dieß der Fall gewesen, so blieb die Expedition immer eine sehr gefährliche, mühevolle und mit schwerem Risiko verbunden, sie trug um bildlich klar zu sprechen, die eigenen [Knochen] für fremdes Interesse zu Markt. Leider waren Enfantins Berichte unwahr— ob er getäuscht wurde, oder selbst täuschte, erlaube ich mir hier nicht zu beurtheilen- doch das bleibt unläugbar, der Pascha war der Societé höchst ungünstig gestimmt, so zwar, daß es mich von Laurins Bericht an Grafen Stürmer zu erwarten stand die Societé würde unverrichtete Sache nach Europa zurückkehren müssen. Hier erlaube ich mir Euer Hochwohlgeboren auf meinen ersten und zweiten Bericht aus Alexandrien aufmerksam zu machen, um Wiederholungen zu ersparen, und ich bürge mit meiner Ehre für die Wahrheit derselben. Sollten Sie den ungerichtet diese Wahrheit bezweifeln, so bitte ich die ämtlichen Berichte des k. k. österr. General-Konsuls an S. d. H. Fürsten Metternich und H. Grf. Stürmer einzusehen, und meine Reisegefährten über die Sachlage, und meine Leistungen zu befragen. Ich darf es frei behaupten, daß es mir gelungen ist, die vielen Hemmnisse zu ebnen, daß es die deutsche Groupe nur mir verdankt, daß der Pascha für die Societé gestimmt wurde, daß er uns so kräftig unterstützte, wodurch Tausende erspart wurden, daß er unsere Groupen besonders bevorzugte, und[?] er seinen Schutz und Unterstützung auch der französischen und englischen Expedition mir von Vorneherein zusagte. v. Laurin und der kaiserlich öster. Dolmetsch Papitsch können und werden die bezüglichen Äußerungen Mehemed Alis gewiß gerne bezeugen, Euer Hochwohlgeboren aber, werden bei Ihrer Anwesenheit in Alexandrien und bei Abschließung eines Vertrages selbst am besten fühlen, wie ich Ihnen und der ganzen Unternehmung vorgearbeitet habe, und ich glaube somit bei Weitem mehr geleistet zu haben, als je von unserer ersten Expedition, selbst im günstigsten Falle erwartet werden konnte. Ich gestehe jetzt offen ich erwartete bei meiner Rückkunft Dank, Anerkennung und— Lohn! Dagegen trafen mich bereits mehrere kränkende Rügen, besonders bezüglich der Geldverrechnung. 1. wegen zu hoher Diäten, 2. wegen Reisevorschuß, 3. wegen Verrechnung des Uebersetzens und Abschreibens. Ich werde nicht ermangeln mich hierüber ehestens zu rechtfertigen und Beweise beizubringen, daß ich gerade meinen Vortheil ganz außer Augen ließ, daß ich aber die Vortheile der Societé auch durch Sparsamkeit zu wahren wußte, und es wäre nach Euer Hochwohlgeboren Vollmacht ja nur an mir gelegen gewesen, durch höhere Diäten, oder andere premiäre Vortheile, auch meine Interessen zu berücksichtigen, was ich nach der in Ihren Händen erliegenden Reihung unterließ. Meine Lebensverhältnisse zwingen mich wohl Andere meine Dienstleistungen anzubiethen, doch betrachte ich dieß nur als Geschäftssache, die ich immer nach Kräften fördere, doch bin ich nie Diener. Im Vertrauen auf die Billigkeit Euer Hochwohlgeboren habe ich bisher den Entgeld für die seit 1. Jaenner der Societé d'Etudes geleisteten Dienste nie berührt, da aber jetzt meine Verhältnisse bald eine Aenderung erleiden dürften, mir Zahlungen bevorstehen, erlaube, ich mir Sie zu bitten diesen Gegenstand zu begleichen. Ich bitte Euer Hochwohlgeboren als Representanten der Societé, mir für die Monathe Jaenner, Februar und Maerz für jeden Monath 100 fr. CM. für pr: Monaths die Monathe April, Mai, Juni und July aber 200fr. CM. als Gage gütigst zusprechen zu wollen und mir unter Einem die [Bedingnisse] bekannt zu geben, unter welchen die geehrte Societé meine Dienste auch weiter in Anspruch zu nehmen wünscht. Glauben Euer Hochwohlgeboren, daß meine weiteren Dienste der Unternehmung von Nutzen sein können, so bin ich gerne bereit dieselben auch ferner gegen verhältnißmäßigen Lohn alle Kräfte zu widmen, auf künftige Bedienstungen und ungewissen Lohn aber kann ich nicht eingehen, denn die Bildung einer Societé d'Execution bringt auch eine Zusammengesetzte Direction und der unbedingten Gnade einer solchen mag ich nimmer vertrauen. Ich bitte Euer Hochwohlgeboren mir recht bald dero Willensmeinung bekannt zu geben, damit ich in den Stand gesetzt bin, wenn die Societé d'Etudes sich mit mir nicht einigen konnte, weiteren mir gestellten günstigen Anträgen zu folgen. Ich verharre, mit besonderer Hochachtung Euer Hochwohlgeboren ergebenster Diener Karl Jassnüger Wien am 30ten July 1847 1. August Wien den 31.Juli 1847. An Herrn Karl Jassnüger hier. IhrSchreiben entnehme Ich ersehe Ihrem Schreiben vom 30. v. M. Gestern, daß Ihre Verhältniße Sie zwingen, Ihre Dienstleistung Anderen anzubiethen, indem Sie nicht geneigt sind dieselbe sindihreDienste auf ungewissen Lohn der Societé d'Etudes des Suezer-Canals zu weisen, zumal Ihnen die Gelegenheit ferner widmen gebotten ist, weiteren Ihnen gestellten günstigen Anträgen zu folgen. Sieverweisenmirabergleichzeitig Doch biethen Sie sich auch mir zur ferneren Dienstleistung an, insofern Ihnen ein verhältnißmäßiger Lohn zugesichert wird! Sie stellen mir gleichzeitig das Verlangen, daß ich Ihnen für die verfloßenen Monate Jänner, Feb. u. März monatlich 100 f. u. *über die von Ihnen bereits bezogenen Beträge für die vier Monate von März bis Ende Juli 200 f. C.M.* als Gage zuerkennen möchte, weil Ihnen bei der bevorstehenden Aenderung Ihrer Verhältniße mehrere Zahlungen bevorstehen. Sie scheinen dabei vergessen zu haben, daß Sie nach der mir von Ihnen gestellten Rechnung, für die Zeit vom * Nebst wurden Ihnen die Reisekosten von Wien nach Egypten, und zurük, so wie die zweymalige Reise von Alexandrien nach Cairo gänzlich vergütet EinSecretair + WeilichSiealsganzunbeschäftiget wußte,glaubteichIhneneinemnicht unwesentlichenDienstzuerweisen. gestattete alsichIhnenderkleine,derExpedition vorangegangeneCorrespondenz und als ich Ihnen gestattete, zu den Vorbereitungen für die Expedition nach Egypten mitzuwirken, undIhnendann nur die Erfüllung eines mir mehrmals geäs geäußerten Wunsches. Alle, die zu dieser Expedition Theil genommen haben, sind, wie Sie, freywillig dazu gekommen. Die Bedingungen, unter welchen ich sie aufmache, waren Ihnen vor der Abreise bekannt. undIhnenhabeichjeneBezahlungzugestanden, welche,wieSiewisseneinem DaßSiemehrbedürfen 1. Jänner bis 20. März..... 300 f. und vom 20. März bis 20. Juli 1210 f. Zusammen 1510 f. C.M. bezogen haben.* IchmußIhnendabeibemerken,das nochichIhren In Betreff Ihrer Stellung zur Societé d'Etudes muß ich Ihnen bemerken, daß nicht ich Ihre Dienste gesucht, sondern Sie mir dieselben mit großer Bereitwilligkeit anerbothen haben.+ IchhabeSiehieraufalsBrigadeSecretär verwendetudieseStellungmitobigenBetrag denMonatenJänner,und honorirt,kannkeinenichtals März Weit entfernt Ihre Verdienste zu verkennen, glaube ich daß die Zugestehung obigen Betrages das beste Zeugniß davon giebt. Denn der Betrag von 1510 fl. C. M. Ein GesandschaftsSekretär bezieht mir 1200 f. C. M. jährlich. fragen NebstdemdieGelegenheitzueinerEhrenehrenvollenReiseaufwirdnichtjedem Theil zuundnichtsoleichtzugestanden als undichkönnteuntenüber+ Obige Ausgabe vor meinen Committenten zu verantworten habe ich übernommen; für größere daebenebensowenigübernehme, Zugeständniße bereichabernicht FallsIhnen könnte ich aber nicht einschreiten, vielmehr muß undzwarinsowenigenIchfindenund ich muß Ihnen ofen gestehen, daß der ganze Inhalt Ihres Schreibens, und namentlich das gestellte Begehren einer Erhöhung Ihrer Gage mich um so mehr befremdet hat, als ich in der Meinung war, daß Sie durch die bezogenen Beträge sich sehr zufrieden ge hätten stellen können. deskommtwaren,ihr Um ein solches Begehren wenigstens einigeresmichdaunsdarundsiemirden massen begründen zu können, hätten Sie doch BerichtüberdieExpedition mir den noch ausständigen Bericht überden nachschuldigsind. DaßichVertrauensiesetzte,beerhatSienichtberechtiget,Forderungen anmichzustellen,welchealleGrenzen ganzenGangderExpedition vorerst übergeben sollen. Eine Erhöhung der Gage hätten Sie dadurch zwar nicht erlangt aber ich hätte, je nach dem Werthe desselben Anlaß nehmen können, für eine Gratification dafür beim Central- Comité einzuschreiten, welche indessen unter keinen Umständen jenenHöhevernichthätte welchegeeignetgewesenwäre durchIhre Ansprüchen Ihnen angesprochene Höhe erreicht haben würde. dahingesagtevorangiebtschonkein siegesetzteVertrauengiebthaRatAnsprüche kernichtihreAnsprücheaufeinesonders hörte.DennSieimStandesindein inUsterdasIhreGeldbedürfnissesie dageverleiteten.DaßSiebedeuSiegesetztenVertrauens beidiesenAnspruchenkanndieSociete dStudesIhrenDienstleistungkeinenGebrauch mehrmachen,wirdichsprecheSiedem Da die Societé d'Etudes nicht inderLage Willens und nicht in der Lage ist, solchen Ansprüchen eines ihren Secretäre zu befried sprechen, ihm und ich den Ihnen anderweitig gestellten günstigen Anträgen nicht entgegen stehen kann, noch will, so spreche ich Sie jeder weiteren Dienstleistung für die Societé d'Etudes von heute an frey, und wünsche Ihnen Glück Ihren neuen Unternehmungen Glük. Negrelli