Wien am 20ten August 1847. Euer Hochwohlgeboren! Ich erlaube mir Euer Hochwohlgeboren ergebenst anzuzeigen, daß die Relation über die von der Groupe Allemand unternommene Expedition nach Egypten vollendet ist. Sie enthält den Bericht über die Reise von Triest bis Alexandrien, über die Stellung der Societe d'Etudes in Egypten dem Pascha gegenüber, bei Ankunft der deutschen Groupe in Alexandrien, über die stattgehabten Audienzen und deren Erfolge, über die Reise von Alexandrien bis Thineh, eine Beschreibung der Häfen von Alexandrien und der ganzen nördlichen Küste Egyptens bis über el [Ariseh], des Nils und seiner Ausmündungen bei Rosette und Damiette und der Bogasen daselbst. Es werden die Gründe der Verschlammung und des Anwachsen des festen Landes gegen das Meer zu bestimmt. Die Terrain-Beschreibung der Gegend von Thineh, die technischen Arbeiten, welche vorgenommen wurden, die Witterungsbeobachtungen, das Auffinden des Süßwassers, die Rückreise, die Aufnahme vom Pascha und dessen Entscheidung für die Suez-Angelegenheit sind ausführlich behandelt. Ueber Bauverhältnisse und den Bezug des Materials, die Arbeitskräfte und etwaigen Resourcen für die Bauunternehmer gebe ich die möglichsten Andeutungen, und füge die statistischen Daten sammt Erläuterungen bei, welche die hohe Wichtigkeit und die anzuhoffende Rentabilität des Suez-Canals erkennen lassen. Eine ausführliche Behandlung des letztern Gegenstandes würde ich nach Dero Wunsch vorbereiten können, und dieselbe wäre bei dem seiner Zeit nothwendig zu verfassenden Prospectus, oder für dero Reise, dem Pascha zur Mittheilung, zu verwenden. Euer Hochwohlgeboren hatten die Güte mir eine Gratification zu versprechen, wenn ich die nach Ihrem Wunsche gearbeitete Relation übergeben würde. Erlauben Euer Hochwohlgeboren, daß ich hier einige Bemerkungen beifüge, welche Ihre besondere Güte dem in seinen Interessen schwer Verletzten gewiß gerne zugestehen werden. Mit Beziehung auf meinen letzten ergebensten Brief, in welchem ich um die Begleichung der Gagen für die Monathe Janner, Febr, Maerz, April, Mai, Juni und July bitte und als Gesammtbetrag 1100 f hiefür bezeichne und worauf mir Euer Hochwohlgeboren in Dero geehrtem Schreiben eine Gegenrechnung stellen, nach der ich nicht die geringste Forderung haben sollte, bleibt mir für die dießfällige Ausgleichung meiner Angelegenheit nur mehr ein Schritt zu thuen- an das Rechts- und bekannte Billigkeitsgefühl Euer Hochwohlgeboren zu appelliren! Die von Euer Hochwohlgeboren als Reisevorschuß bezeichneten 150f CMZ haben Euer Hochwohlgeboren meinen Reisegefährten als Geschenk für ihre Leistungen belassen, wollen es nur mir entziehen und als Lohn für die früheren Arbeiten berechnen, ungeachtet meine Leistungen gewiß nicht geringer waren, als die der 3 Ingenieurs, ja die Aufnahme überhaupt nur in Folge meiner Bemühungen vorgenommen werden konnte. 150fr CMZ für Uebersetzung der vorkommenden französischen [Piecon ort]: sind Auslagen, die ich selbst für die Societé trug, wie ich leicht darzuthuen vermag, und ich habe von diesem Gelde nichts zu meinem Vortheil verwendet. Ich kann diese Summe daher ebenfalls nicht als meinen Lohn berechnen. Eben so wenig kann man Diäten, die überdieß nur so viel betragen haben, als zur Fristung des Lebens nöthig war als Gage oder Lohn für was immer für geleistete Arbeiten annehmen. Euer Hochwohlgeboren haben die Güte in dero Schreiben selbst zuzugeben, daß mir eine Gage gebührt habe, daß ich aber die von Euer Hochwohlgeboren angegebenen Beträge als Gage annehmen soll und bezeichnen meine Anforderung als unbillig. Euer Hochwohlgeboren haben mir vor meiner Abreise nach Egypten weder Diäten noch einen sonstigen Lohn fixirt, wie dieß bei den 3 Ingenieurs der Fall war, sondern haben den Bezug derselben meinem Ermessen überlassen. Hätte ich unbillig sein wollen, so würde ich mir höhere, ja selbst die höchsten Diäten und weiteren Bezüge berechnet haben, ohne daß ich dafür hätte zur Rechenschaft gezogen werden können, ich würde nicht mit der größten Sparsamkeit vorgegangen sein, wodurch es mir gelungen ist, die Expeditions-Kosten geringe gerechnet um 4-5000 f CMZ. zu vermindern; auch dieß vermag ich klar darzuthun, und ich bitte Euer Hochwohlgeboren darüber jeden der 3 Ingenieure, aber in meiner Gegenwart zu befragen. Daß ich der Suez-Canal-Angelegenheit gewiß kräftig genützt habe, und noch hätte nützen können, werden Euer Hochwohlgeboren nicht verkennen, wenn Sie auch den Werth meiner Leistungen in der letzten Unterredung, die ich die Ehre hatte mit Euer Hochwohlgeboren zu pflegen, möglichst zu mindern versuchten. Wenn aber Euer Hochwohlgeboren die Güte haben anzuerkennen, daß ich mehr geleistet habe, als die Pflicht gebethen, so bitte ich doch selbst eine Summe zu bestimmen, wie ich als Lohn oder Gage verdient habe und erhalte. Ich erlaube mir ferner die ergebenste Bitte die Gratification näher zu bezeichnen, die mir Euer Hochwohlgeboren für die Anfertigung der Relation zu bezahlen die Güte haben wollen. Sollten mir aber Euer Hochwohlgeboren eine verhältnißmäßige Gage für die früher bezeichneten Monathe gütigst zukommen lassen, so bin ich gerne bereit jeder Gratification für die Relation zu entsagen. Haben Euer Hochwohlgeboren die Gewogenheit mir Ihre bezügliche geneigte Willensmeinung zukommen zu lassen, mein gerechtes Ansuchen nicht zurückzuweisen, mir nicht die schmerzliche Ueberzeugung zu lassen, daß nur ich, der zum glücklichen Gelingen der Expedition keinen geringeren Theil beitrug, der Einzige sein soll, dessen Leistungen geschmälert, dem jeden Lohn versagt bleiben soll. Ich habe die Ehre mit besonderer Hochachtung zu verharren Euer Hochwohlgeboren ergebenster Diener Karl Jassnüger Wien den 27. Aug. 1847 An [Mr.] Karl Jasnüger [Herr.] Auf Ihre neuerliche Zuschrift vom 20. d. M. beehre ich mich Ihnen zu erwiedern, daß nachdem Sie, zufolge Ihre Schreibens vom 30. v. M. vonjeder seit 1. d. M. von jeder Verbindung mit der Societé d'Etudes du Canal de Suez entfernt worden sind, ich ihr Anerbieten, dieBe Relation über die Reise nach Egypten jetzt zu übergeben, ablehnend verdanke, indem mir Seitens der Ingenieure bereits alle Daten an die Hand geliefert worden sind, welche ich über die Meeresküste bei Tineh von der dahin gehenden Expedition verlangt habe. Ueber Ihre frühere Leistungen, und die Honorirung derselben, beziehe ich mich auf die Ihnen am 1. d. M. schriftlich ertheilte Antwort, und kann Ihnen, ohne meine Pflichten gegenüber meine Commitenten zu verletzen, für dieselben eine weitere Bezahlung nicht gewähren. Wenn Sie sich dadurch verkürzt glauben, bin ich bereit, diese Ihre Leistungen, die alle bei mir vorliegen, durch Herr Schwarzer, der sich zufällig hier befindet, und mit dem Sie vorgeblich in freundschaftlichen Verkehr stehen, oder durch zwey andere, geschäftskundige Ehrenmänner beurtheilen * welche sich auch auf die französischen Uebersetzungen ausdehnen kann, zu lassen. Wenn Ihnen durch diese Beurtheilung* irgend etwas über das bereits bezogene zugesprochen wird, erkläre ich mich bereit, Ihnen dasselbe zu entrichten. BringenSiealsoHerrnv.Schwarzer,oder wennSiemirsonstzweyEhrenmänner dieIhreLeistungenmeisten inodersonstjedeinmeinBureau,wo Alles,wasSieindieserAngelegenheit geleistethaben,vorliegt-ihm,undAlles allerWeltbinichbereit,AllesinIhrerGegenwartzuzeigen,undgenwillich oderden michseinemAussprucheunterziehen. AufandereWeise Mit dieser Erklärung verbleibe ich Ihr ergebenst N.