Bund Zentralblatt des Bundes dsterr. Frauenvereine XIII. Jahrg. Mai 1918 Heft 5 riiiiiiiiiiiiniiiMiiiiiiiiiiiiiiiimimiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiKiiiiiinmiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiii'iD'iiiiiiiiiiiMiiiiimui'i;.;: mii Inhalt: Einladung zur Generalversammlung. Organis Hon. Von Marianne Hainisch, Bunde? -Strebungen. Von M. M. Petition. Die Frau im Felde. Von Marianne Hainisch. Buchbesprechung. Von Eugenie v. Palitschek. Aus den Bundesvereinen. |lllllllllllllllllllllllllllll!llllllllllllllllllllll!lilllllllllllllllllllllll|||||||||||||||||||||||||||||||||||||llllllll||||||||||||||||||J|||||||||||||||||||||||||||ul|||||||||||||||| | Herausgegeben vom Bund österr. Frauenvereine, Wien, 111., | Rochusgasse 7. — Bezugspreis ganzjährig 3 K. Einzelheft | 40 Heller. — Abonnements sind ausschließlich an die | Bundesleitung, Wien, III., Rochusgasse 7, zu richten. | Zahlstelle für das Zeitungsabonnement bei der,Schatz- § meisterin, Frau Emilie Hainisch, Wien, III., Lagergasse 1. —* | Verlag und Anzeigenverwaltung: Wien, II., Norcfbahn- ! straße 14, Telephon 43169. ^ ^iniiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii!ri!iniiiii!iiiiniiiiiiiiiiiiiii!iiiiiiiiiiiiiiiiiiiii!iiiiiiiiiiiKiiii!iiiiiiiiiiii!iiiiiii r i ~ttiiiniiiiiiiiiiiiiiiniittimiiiiiiiiiiniiiiimiiiiiiiiimimiiiiiiniiii)imiiiii»tittinmiiiiiiiimiimmiiniiimiimiiiiim)nntiiiiiiiini tiiminiiiiiiimi)iitmmttiii t niumiiiiiiiiiiinr DASSCHÖNSTEGESCHENK zu Jedem Anlaß passend, ist eine künstlerische photo- graphitcheVergrößerung Preisliste etc. kostenfrei. Von der einfachsten bis zur gediegensten Ausführung. PORTRÄT- ZENTRALE Wien, IX/ 2 , Nußdorferstraße 14. Vertreter werden genommen. 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Postscheckkonto Nr. 83.867. Anzeigenverwaltung: Heinrich Ernst Schwartz, Zeitungsverlag, Wieu,U.,Nordbahnstraße 14. Telephon Nr.43169. Ai.; eigen sind billig und wirksam. Bezugspreis ganzjährig 3 Kronen oder 2 Mark. Einzelhefte 30 Heller. XIII. Jahrg. Mai 1918. Heft 5. t Nachdruck nur unter Quellenangabe geslattet. Einladung zu der vom 28. bis 30. Juni 1918 in Wien stattfindenden X. Generalversammlung des Bundes österreichischer Frauenvereine. Der Bundesvorstand ladet die Vorsitzenden und Mitglieder der Bundesvereine, sowie Männer und Frauen, welche sich für die Arbeit im Dienste des Frauen-, Familien- und Volkswohles interessieren, ein, an der vom 28. bis 30. Juni stattfindenden Generalversammlung teilzunehmen. In den Geschäftssitzungen ist nur je eine Delegierte jedes Bundesvereines, welche mit einer schriftlichen Vollmacht versehen sein muß, stimmberechtigt. Falls eine Delegierte verhindert ist anwesend zu sein, tritt die zweite stimmberechtigte Delegierte an ihre Stelle, damit die Beschlußfähigkeit aufrecht bleibt. Mit Bewilligung der Generalversammlung (§ 5 der Satzungen) können sich jedoch sämtliche Mitglieder der Bundesvereine an den Debatten beteiligen. Tagesordnung: Freitag, den 28. Juni 1918. Abends 6 Uhr. Wahlbesprechung in geschlossener Sitzung. Ausgabe der Stimmzettel. Begrüßung der Delegierten durch die Bundesvorsitzende und gemeinsames Nachtmahl derselben. 2 Hauptversammlung. Samstag, den 29. und Sonntag, den 30. Juni 1918. Vormittags von 10—1 Uhr Nachmittags von 3—6 Uhr im Festsaale der Handels- und Gewerbekammer, I., Stubenring 8. * * * Geschäftsordnung der Generalversammlung. 1. Eröffnung der Versammlung und Begrüßung der Bundesmitglieder durch die Vorsitzende Frau Marianne Hainisch. 2. Verlesung der Präsenzliste und Prüfung der Mandate durch die erste Schriftführerin Frau Karoline v. Niebauer. 3. Bericht über die Bundestätigkeit, erstattet von der zweiten Vorsitzenden-Stell Vertreterin Frau Margarethe Minor. 4. Kassabericht, erstattet von der Schatzmeisterin Frau Emilie Hainisch. 5. Bericht der Revisorin Frau Eleonore Döry. Berichte der Kommissionen. 1. Der Rechtskommission: Referentin: Die Vorsitzende: Frau Ernestine v. Fürth. 2. Die Gewerbekommission: Referentin: Die Vorsitzende: Frau Regine Ul mann. . 3. Die Schulkommission: Referentin: Die Vorsitzende: Frau Bürgerschuldirektor Marie Schwarz. 4. Die Antialkoholkommission: Referentin: Dr. Julie Schall-Kassowitz, 5. Die Z e i t u n g s k o m m i ss i o n : Referentin: Marianne Hainisch. Berichte über die Erledigung der Anträge, welche von der letzten Generalversammlung beschlossen und ad hoc Kommissionen zur Bearbeitung übergeben wurden. Ad hoc Kommissionen : 1. Kommission zurUeberleitung der Frauenarbeit in denFrieden: Referentin: Die Vorsitzende: Frau Marie L. Klausberger. 2. Kommission für Gartenbau und Kleintierzucht: Referentin: Die Vorsitzende: Frau Yella Hertzka. 3. Kommission zur Ausgestaltung der Zeitung: Referentin: Die Vorsitzende: Frau Hertha v. Sprung. 3 Neue Anträge. Anträge des Bundesvorstandes. 1. Auskunftsstelle für die Frauenarbeit in der Gemeinde. Referentin: Frau Helene Granit sch. 2. Ausgestaltung der Gewerbekommission in ein Frauenberufsamt. Referentin: Frau Hertha v. Sprung. Die Bundesvereine werden höflich gebeten bis längstens 10. Juni ihre Delegierten bekannt zu geben. An diese ergeht das Ansuchen, bis zu diesem Termin die Unteikunft und die Mittagmahle zu bestellen. Organisation. Organisation! Das Wort ist in aller Munde, aber die richtige Vorstellung von der Bedeutung dessen, was es umschließt, fehlt in bürgerlichen Frauenkreisen. Die politische Zusammenfassung der sozialdemokratischen Arbeiter und Arbeiterinnen, die nicht übersehen werden kann, wird wohl zur Kenntnis genommen, jedoch ohne daß eine ernstliche Nutzanwendung derselben versucht würde. Es lohnt daher, Zeit und Raum an eine nähere Betrachtung zu wenden. Betrachten wir das Naturreich; was da lebt, jede Pflanze, jedes Tier, der Mensch, ist organisierte Materie. Wer einmal darauf gelenkt wird, die Wunder des Ineinandergreifens, sei es in einer Pflanze oder in einem Tier, zu beobachten, kann nicht mehr davon ablassen und wird in stets neuem Staunen jedes einzelne Gebilde, welches das Ergebnis der Organisierung ist, betrachten. Bedenken wir, daß durch dieselbe die Elemente, welche an sich tot und ohne Funktion sind, zu Individuen werden, welche die höchsten Funktionen erfüllen, so bekommen wir die richtige Wertung derselben. Das gilt von der organisierten Materie im Naturreiche. Aber auch im Gesellschaftsleben wird uns die Bedeutung der Organisierung klar, wenn wir einen Vergleich zwischen den im Naturzustände und in einer organisierten Gesellschaft lebenden Menschen ziehen. Wir sehen hier, daß die eigentliche Menschwerdung, und alles was Kultur ist, auf die Wechselwirkung und Ergänzung zurückzuführen ist, welche im gegliederten Gemeinschaftsleben zur Wirkung kommt. Der Wilde, der einsam in einem Felsspalt oder unter einem Laubdach lebte, sich mit Tierfellen bekleidete und sich von Wurzeln und wildwachsenden Pflanzen nährte, war dem Mangel und steten Gefahren ausgesetzt; erst als durch gegenseitige Hilfe der Ackerbau und die Tierzucht ermöglicht wurden, begann das menschliche Dasein. Die gegenseitige Hilfe war entscheidend, denn sie ermöglichte die Differenzierung, die Ergänzung und dadurch die Fortschritte. Der eine wurde Jäger, der andere Viehzüchter, ein anderer wieder Ackerbauer, ein anderer Baumeister und alsbald brauchte 4 man einen Führer und Richter, der den sich ergebenden Widerstreit der Interessen ausglich. So dürftig diese ersten Ansätze des Gesellschaftslebens waren, so boten sie doch die Grundlagen zur sozialen Entwicklung und Staatenbildung. Natürlich machte sich der Kampf ums Dasein auch da geltend, daher sich schon im frühen Städteleben Innungen und Genossenschaften zur Sicherung der wirtschaftlichen Interessen, sowie geschlossene Parteien zur politischen Behauptung bildeten. Nur die Frauen blieben einsam und ohne Zusammenschluß. Das ergab sich aus ihrer Lebensweise. Während die Männer ihr Brot und ihren Wirkungskreis außerhalb ihres Heimes suchen mußten, war dieses die ausschließliche Arbeitsstätte der Frauen. Und dies ganz besonders zu der Zeit, da der Haushalt zugleich der Produktionsort für viele Gebrauchsgegenstände war. Die Bekleidung war fast ausnahmslos das Produkt der Hausarbeit; vom pflanzen des Flachses angefangen, bis zur Weberei, Färberei und Schneiderei; Wein und Bier wurden im Hause gekeltert und gebraut, das Vieh innerhalb des eigenen Hofes aufgezogen, das Fleisch im Hause geräucherr und verwahrt. Das ergab eine Arbeitsfülle, von der wenige Frauen der Jetztzeit eine Vorstellung haben. Dieser Wirkungskreis und dieseLebensweise enthoben die Frau aber auch der Nahrungssorgen und sie nahm in ihrem Hause die Stelle einer Herrscherin ein. Was sollte da der Frau der Zusammenschluß mit ihren Geschlechtsgenossinnen ? In der Spinnstube und bei mancher häuslichen Beschäftigung fanden ihre geringen geselligen Bedürfnisse Befriedigung; überdies waren die räumlichen Entfernungen uniibersteigliche Hindernisse zu ständigem Verkehr. Die Möglichkeit eines Zusammenschlusses der Frauen ergab sich erst, als diese freizügig wurden, als die Maschine sie ihres Wirkungskreises beraubte, weil die Maschine weit größere Mengen und viel billiger erzeugte, tls die Frauenhand. Fast ohne Uebergang vollzog sich die für die Frauen so bedeutungsvolle Veränderung der Produktionsweise. Die klarsehendsten, entschlos -sten Frauen fanden sich zuerst in die neue Lage und suchten häftigung und Erwerb auf dem Markte. Da geschah das Unerhörte, ;aß man diesen aus dem Hause vertriebenen der Arbeit beraubten Frauen zurief: „Die Frau gehört ins Haus!" Jede Frau, die Erwerb suchte, wurde als ein Eindringling betrachtet, der den Männern unerlaubte Konkurrenz mache. Es fehlt der Raum, um alle Formen der A !f f e und der Abwehr zu verzeichnen. Zum Zwecke dieses kleinen ■ ' T es genügt es, festzustelien, daß der Ruf: „Die Frau geh- laus!" noch immer nicht ganz verstummt ist; und wir zwc : .cht, daß er alsbald wieder laut werden wird, sobald die Not die Flauen in neue Berufe drängt, so unlogisch er auch ist. Das tut nichts, denn er war ja von Anbeginn eine Ausflucht, die die Konkurrenzbedenken verschleiern sollte und das wird er wieder sein. Es unterliegt ja keinem Zweifel, daß die Rückkehr der Krieger ein lebhaftes Arbeitsangebot hervorrufen wird. Wir sehen die Wolken sich über die Frauen zusammenziehen und zweifeln nicht, daß die Not wie ein Elementarereignis über sie hereinbrechen wird. Es ist daher geboten sich beizeiten vorzusehen. Mir scheint es selbstverständlich, daß keine gesunde Frau mit einem Invaliden in Wettbewerb treten darf. Wogegen wir Frauen fordern müssen, daß gesunde Männer keinerlei Vorzug genießen. Im Wettbewerb mit diesen soll allein die höhere Leistung entscheiden, denn es handelt sich ja für den männlichen wie für den weiblichen Arbeitsuchenden, um die zwingende Existenzfrage. Jetzt gilt es für diese Durchführung sich zu rüsten, auf daß all die einzeln kämpfenden Frauen nicht unterliegen. Es gilt fest zueinander zu stehen, um, wo die Einzelne nicht durchdringen kann, alle für die eine einzustehen. Wenn je, so ist es jetzt an der Zeit, daß die Frauen sich zusammenschließen; schon gehören viele Vereinen und Verbänden an, auch viele dem Bunde österreichischer Frauenvereine — denn jedes Mitglied eines Bundesvereines ist Mitglied des Bundes — aber sie geben sich davon nicht Rechenschaft und überlassen es allein den Führenden Mittel und Wege zu suchen, während jede Frau in ihrem Kreise für eine gerechte und unparteiische Entscheidung in allen Erwerbsfragen einstehen müßte. Die Frau, die den Rückhalt in einer mächtigen Organisation hat, ist keine einflußlose Einzelne, sondern die Angehörige einer Gemeinschaft. Und je größer und einflußreicher diese ist, umso wirksamer wird auch das Bemühen der Einzelnen sein. Darum liegt es im Interesse der Frauen zum Ausbau ihrer Organisation nach Kräften beizutragen und Opfer an Mühe, Zeit und Mittel nicht zu scheuen, um sie zu einem achtunggebietenden Faktor im Rechts- und Wirtschaftsleben zu machen. Eine wohl ausgebaute Organisation ist ja nicht die Summe so und so vieler Einzelindividuen, sondern sie ist, durch die differenzierten Kräfte, durch die Arbeitsteilung, die Höchstleistungen ermöglicht, und durch das Zusammenwirken Aller, ein eigenes Gebilde, wie die Gemeinde und der Staat es sind. Auch sie sind nicht die Vervielfältigung der Bürger, sondern menschliche Schöpfungen, welche vermöge ihrer eigenartigen Zusammensetzung auch eigenartige Werte schaffen, bedeutsame Schutz- und Kultureinrichtungen. Die Frauenorganisationen sind verpflichtet die Vorkehrungen zu treffen, welche dem weiblichen Geschlechte dienen können. Was die Organisation an Achtung und Wertschätzung erringt, kommt jeder einzelnen Frau zugute; es gereicht ihr aber auch zum Vorteile, eingereiht zu sein in eine zielbewußte Körperschaft; im Dienste der Gesamtheit wird sie zu einem altruistischen Gliede der Gesellschaft. Weitblickend lernt sie den Zusammenhang der Familieninteressen mit den Staats- und Gemeindeangelegenheiten erkennen und erwirbt, indem sie da und dort ihr Bestes einsetzt, das Bürgerrecht. Marianne Hainisch. 6 Bundesbestrebungen. Unsere Bundesabende. In den Monaten Februar, März und April fanden an unseren Bundesabenden Vorträge statt, die bezeichnend für die Bestrebungen und Ziele des Bundes auf den verschiedenen Gebieten sind. Die Gewerbegesetzgebung in ihren Beziehungen zu den Frauen, wurde von einem Mitgliede der Gewerbekommission, Margarete Gey ling, beleuchtet. Die Mittel und Wege, die wir ergreifen sollen, um die künftige Generation zum Frieden zu erziehen, rückte Helene Rauchberg in helles Licht und Maria L. Klausberger zeigte in weitausblickender Rede von großen Gesichtspunkten aus ein Zukunftsbild der Schwierigkeiten und Hindernisse, die sich im Raume stoßen werden, wenn wir endlich den heißersehnten Frieden haben werden. Im Februar sprach Inspektorin Margarete Geyling über „Die Gewerbegesetze und die Frau“. Die Vortragende gab einen kurzen Ueberblick über die Entwicklung des Handwerkes und schilderte dann die Entstehung des Gewerberechtes in Oesterreich und die heute bestehende Gewerbegesetzgebung. Zahlreiche angeführte Stellen der Gewerbeordnung ließen erkennen, daß dieses Gesetz den Frauen günstig ist und daß auch die Gewerbetreibende in Bezug auf ihre Vertretung in den Fachorganisationen gegenüber dem Deutschen Reich oder der Handelsfrau bei uns in Oesterreich Vorteile besitzt. Pflicht der Frauen muß es sein, diese Rechte voll zur Geltuug zu bringen und durch ihre Teilnahme an den Organisationen die Konkurrenz im Lohnkampfe den Männern gegenüber zu hemmen. Die Kriegszeit hat die Zunahme der Berufsarbeit der Frau enorm beschleunigt und sie im Handwerk und in der Industrie an die Stelle schwerster und verantwortungsvollster Männerarbeit gestellt. Die Teuerung in der Lebenshaltung drängt zu der Annahme, daß verheiratete und ledige Frauen auch weiterhin der Erwerbsarbeit nachgehen müssen. Der Zuwachs an ungelernter Arbeit muß durch die Zulassung der Frauen zur vollen gewerblichen Ausbildung eingeschränkt werden und im Interesse des Bestandes der Familie und der Zukunft des Volkes muß ihre gesundheitsschädigende Verwendung verhütet und ihr die Möglichkeit eingeräumt werden, ihren Pflichten als Hausfrau und Mutter nachzukommen. Wir glauben auf die interessanten Ausführungen die viel wertvolles Material enthalten, nicht weiter eingehen zu sollen, weil die Zeitschrift „Die Gewerbliche Frauenschule“ in der April- und Mai-Nummer eine eingehende Wiedergabe bringt. Der Märzvortrag von Frau Prof. Helene Rauchberg behandelt die „Erziehung zum Frieden.“ Die äußeren Sicherungen des Friedens haben sich als ungenügend erwiesen; sie müssen durch die inneren ergänzt werden, durch die Organisierung der Sittlichkeit in den Seelen. 7 i V/ Sie ist die Aufgabe der Erziehung. Zunächst werden die inneren Erziehungskräfte betrachtet, dann die geistigen Mächte, die von außen her auf die Jugend wirken, endlich die Organisierung der Friedenserziehung. Unter den seelischen Gewalten, die Friedensgesinnung und Friedenswillen schaffen helfen, steht die Ehrfurcht vor dem Menschenleben obenan. Die zweite Bedingung ist der Kampf gegen die Selbstsucht, die dritte seelische Friedensmacht ist das Verständnis für alle, die anders geartet sind als wir. Endlich müssen wir viertens unsere Kinder zum eigenen Denken erziehen, zur intellektuellen Redlichkeit, um sie gegen Massensuggestionen zu stärken und vor unhaltbaren Verallgemeinerungen und ähnlichen Denkfehlern zu bewahren. Auf das heranwachsende Geschlecht wirken von außen her geistige Mächte gewaltig ein. Die wichtigsten dieser Mächte sind Konfessionalismus, Sozialismus, Nationalismus und Patriotismus. Konfessionalismus: die Begriffe Religion und Konfession werden von einanander geschieden und es ergibt sich, daß Religion ein Bundesgenosse bei der Erziehung zum Frieden sein kann; Konfession nur dann, wenn das Element der Liebe überwiegt. Der Sozialismus fördert die Friedenserziehung wegen seiner Arbeit im Dienste der Menschwerdung der Massen und wegen seines Kampfes gegen die Vorrechte der Geburt, also durch seine Ehrfurcht vor der Menschenwürde. Friedenhemmend wirkt seine Aufreizung zum Fanatismus der Klasse, der seelisch genau so gefährlich ist wie jeder andere Fanatismus. Der Nationalismus: Die Auffassung des Nationalismus, für die die Nation ein Glied der Kulturgemeinschaft ist und die nationale Zugehörigkeit zur Aufgabe wird, den nationalen Menschenbesitz zu mehren, zu veredeln und andern zu erschließen, die vermag die Erziehung zum Frieden zu fördern. Auch der Patriotismus wird einer sorgfältigen psychologischen Analyse unterzogen. Es ergibt sich, daß für das Vaterland nur das dauernd gut sein kann, was sittlich gut ist, daß die echte und stillste Vaterlandsliebe darin besteht, daß jeder auf seinem Platz seine Schuldigkeit tut, und daß dieser Patriotismus notwendig für alle Staaten derselbe ist. Haben wir die Notwendigkeit erkannt, die Jugend zum Frieden zu erziehen, so muß diese Erziehung organisiert werden. Am berufensten dazu wäre der Frauenweltbund oder ein Ausschuß der Friedensorganisationen aller kriegführenden und neutralen Staaten, der nach Friedensschluß m der Schweiz zusammentreten sollte. Seine Aufgabe wäre, für die Friedenserziehung einen überstaatlichen Rahmen zu schaffen, den die Friedensorganisationen der einzelnen Staaten mit staatsindividuellem Inhalt zu erfüllen hätten. Er soll durch Schaffung einer ehrlichen Friedenspresse, durch Aufklärung in Wort und Schrift, durch Sammlung und Verbreitung der Kunde aller Taten der Menschlichkeit, am Gegner begangen, zum Roten 8 Kreuz für die Seelen werden, um sie von Haß und Lüge zu erretten. Zum Schluß wird betont, daß Mühe und persönliches Erleben oder Nichterleben eines Erfolges bei dieser Erziehungsarbeit nicht in die Wagschale fallen, aber der endliche Sieg des Vernünftigen gewiß ist. Die gedankenreiche Arbeit wird vom Bund für Jugenderziehung als Flugschrift herausgegeben werden. Den Abschluß unserer diesjährigen Vortragsreihe bildete der Vortrag von Maria L. Klausberger über den „Kampf bei der Ueberleitung in die Friedenswirtschaft“. Die Vortragende, die als Vorsitzende der Bundeskommission für die Ueberleitung der Frauenarbeit in die Friedenswirtschaft sich lange und eingehend mit dieser Materie befaßt, bezeichnete die Maßnahmen, welche zur Verhütung einer schweren Krise auf dem Arbeitsmarkt bei der Entlassung der Frauen aus ihren jetzigen Arbeitsbetrieben und ihrer Eingliederung in die Friedenswirtschaft zu treffen sind. Sie gliederte diese Maßnahmen in drei Gruppen: gesetzliche (Wiedereinführung des Arbeiterschutzes), organisatorische (statistische Erhebungen über den Umfang der Frauenarbeit, Meldezwang für zum Stillstand kommende Betriebe, sozialpolitische Maßnahmen), Arbeitslosenfürsorge in engster Verbindung mit Arbeitsnachweis und ein Mittel der Selbsthilfe durch berufliche Organisation, Fortbildung etc. Es war ein Vorzug des Vortrages, daß die Vortragende den ganzen Fragenkomplex allgemein wirtschaftlicher und wirtschaftspolitischer Natur, dem die Frage der weiblichen Demobilisierung zugehörig ist, in klarer, straffer Linienführungaufzeigte und damit ein großzügiges Gesamtbild gab, das die Zuhörer in diese wichtigen Probleme in interessanter Weise einführte. Frau Klausberger wies auch auf die große Notwendigkeit hin, daß die Frauenorganisationen selbständig mit Vorschlägen zur Ueberleitung herantreten, nachdem bisher weder in der Denkschrift des Generalkommissärs v. Riedl der Frauenfrage in der Uebergangswirt- schaft gedacht sei, noch das Generalkommissariat sich mit der Frage der Frauenarbeit irgendwie befasse. Es liegt jedoch im größten Interesse der Frauen, daß die Lösung dieser Frage ebenso angelegentlich wie die männliche Demobilisierung beraten und vorbereitet werde, um zu verhüten, daß hunderttausende von Frauen plötzlich arbeitslos werden und den heimkehrenden Mann auch noch durch Unterbietung schädigen, was bei der Tendenz der Unternehmer, auch im Frieden weibliche Arbeitskräfte stärker als bisher zu beschäftigen, für den männlichen Arbeiter zu einer Katastrophe führen müßte. Die Frage der Arbeitspflicht der Frauen hat viele Meinungsverschiedenheiten hervorgerufen, aber die verschiedensten Parteien haben sich eigentlich doch nur unterschieden in dem Grad der Abwehr gegen das Gesetz in seiner jetzigen Form. Der Bund österreichischer Frauenvereine glaubte 9 Stellung nehmen zu müssen zu dem Gesetzentwürfe. Er veranstaltete gemeinsam mit dem Stimmrechtskomitee eine Versammlung, in der Frau Bürgerschuldirektor Marie Schwarz den Standpunkt des Bundes und Henriette Herzfelder die Ansichten des Stimmrechtskomitees vertreten haben. Frau Direktor Schwarz führte aus, daß der Bund prinzipiell für die Arbeitspflicht der Frau eintrete, weil er von der Ansicht ausgehe, daß im Augenblick der Gefahr die Frau ebenso wie der Mann bereit sein müsse, dem Staat zu dienen, das Gesetz aber habe so große Mängel, daß es so wie es ist unannehmbar sei. Es fehlt jede Bestimmung über die Befreiung von schwangeren Frauen und jungen Müttern, während die Frauen von 40 50Jahren ausgeschaltet werden, obwohl sie in diesem Alter nicht mehr so belastet mit der Kleinkinderpflege, wie die jüngeren Frauen sind. Die Versicherung vieler Frauen und Mädchen, die früher nicht versichert waren, ist nicht vorgesehen. Alle Vertreterinnen von Unternehmern und Arbeiterinnen müßten in allen Kommissionen gewählt und nicht ernannt werden, auch müßten grundsätzlich Frauen in genügender Anzahl zu den Kommissionen herangezogen werden, um die Interessen der Arbeiterinnen vertreten zu können. Die Vortragende bemerkt, daß die Stellung der Frauen unter militärischen Befehl nicht wünschenswert und auch nicht notwendig mit dem Gedanken der weiblichen Arbeitspflicht verbunden sein muß, daß also die Frauen dieses Gesetz in dieser Form ablehnen müssen, nicht weil sie gegen die Forderung überhaupt sind, sondern weil sie überzeugt sind, daß die Arbeitspflicht in einer anderen Form, die den Frauen mehr Bewegungsfreiheit und den Müttern der künftigen Generation mehr Schutz gewährt, durchgeführt werden kann. Die zweite Referentin, Frau Henriette Herzfelder, nahm vom Standpunkte des Stimmrechtskomitees aus für die Frauen das Recht in Anspruch, gefragt zu werden und mitzureden, wenn Gesetze beraten werden, die sie so nahe angehen, die von so einschneidender Bedeutung für ihr Wohl und Wehe sind wie dieses Gesetz, das ihnen so schwere Pflichten auferlegt, während es ihnen vollständig an einem Organ fehle, um ihre Interessen geeigneten Ortes zu vertreten, die notwendige Führung veranlaßt und ihre Durchführung überwacht; sie verwies auf den in Amerika herrschenden Gebrauch, bei der Beratung solcher Gesetze weibliche Experten zuzuziehen. Sie erwartet, daß die Regierung eine Art Junktim herstellen werde zwischen der Einführung eines solchen Frauenarbeitsgesetzes und der Gewährung des Frauenstimmrechtes, weil es doch nur gerecht sei, wenn man den Frauen die gleichen Pflichten wie den Männern auferlege, ihnen auch die gleichen Rechte zuzubilligen und weil sich die Frauen durch ihre Leistungen während des Krieges, die nicht ohne schwere Schädigung für die Gesundheit der Frauen, ihre Mutterpflichten und der Familie geblieben sind, diese Anerkennung ihrer sozialen Stellung, die sie sich in der Gesellschaft erworben haben, wohl verdient haben. 10 Nachdem Frau Ha in is ch noch den Standpunkt des Bundes festgelegt hatte, wurde die Versammlung geschlossen. Wenn unser Publikum mitunter die Neigung hat, immer der Meinung der Referentin zu sein, die es eben gehört hat, so war es besonders wertvoll und erziehlich in diesem Falle die vielumstrittene Frage von zwei verschiedenen Gesichtspunkten beleuchtet zu sehen, weil damit die Notwendigkeit verbunden war, sich eine eigene Meinung zu bilden. M. M. Petition an das k. k. Amt für Volksernährung. Geleitet von dem Gedanken, daß kein Mittel unversucht bleiben darf, auf daß die Mahlprodukte aus dem Osten allein der Volksernährung zugewendet werden, hat der Bund die folgende Petition an das k. k. Amt für Volksernährung gerichtet: An das k. k. Amt für Volksernährung Euer Exzellenz! Der Friedensschluß mit dem Osten wurde von der Bevölkerung besonders deshalb so freudig begrüßt, weil sie sich davon eine Erleichterung der drückenden wirtschaftlichen Not versprach. Die Nahrungsmittelausfuhr aus dem Osten erscheint als eine Erlös ing, da sie geeignet ist, einem Notstand zu begegnen, der tatsächlich keiner Steigerung mehr fähig ist. Um so gerechtfertigter ist daher die Besorgnis, ob auch alle notwendigen Vorkehrungen getroffen werden, damit die so dringend gebrauchten Nahrungsstoffe ausschließlich der drängendsten Verwendung zugeführt werden. Als 1914 der Weltkrieg ausbrach, war es sofort gewiß, daß die Ernährung der Bevölkerung Oesterreichs mit Mahlprodukten ernstlich gefährdet war. Denn es fiel nicht nur die Einfuhr von Getreide aus dem Zollauslande weg, sondern die Einberufung eines großen Teiles der im Ackerbau tätigen männlichen Bevölkerung zum Kriegsdienst beeinträchtigte wesentlich den Ackerbau. Es erhoben sich damals daher sofort Stimmen, um ein Gebot für die Schonung der Gersten- und Kartoffelernte oder sehr weitgehende Einschränkung der Bier- und Branntweinerzeugung zu erwirken; war es doch sicher, daß die heimischen Gersten- und Roggenmengen, welche im Jahre 1913 zusammen nicht ganz 32 Mill. Meterzentner erreichten, dem Bedarf an Mahlprodukten nicht genügen, zumal, wenn die ungarische Ernte der Heeresversorgung und dem Bedarfe der ungarischen Zivilbevölkerung Vorbehalten würde. Die Erzeugung von Branntwein aus Kartoffeln und auch aus Gerste wurde denn auch mit Verordnung IX am 27. Oktober 1914 (R.-G.-Bl. 279) und vom 29. September 1915 (R.-G.-Bl. 293) verboten. Dagegen zögerte man leider viel zu lange der Verarbeitung von Gerste zu Bier ein Ende zu setzen, wodurch es versäumt wurde, die wegen Unzulänglichkeit an Weizen- und Roggenvorräten unentbehrliche Gerste zur Brotversorgung heranzuziehen. Das war umso verhängnisvoller, als der Gesamtertrag der heimischen Gerstenerzeugung, der 1913 noch 13*/ 2 Millionen Meterzentner betragen hatte, im Jahre 1915 auf 7 l / 2 Millionen sank. (Stat. Hdb. herausg. v. d. stat. Zentralkomm. Jahrg. 1915) und als fast 6 Millionen Meterzentner Gerste notwendig waren, um 21 Millionen Hektoliter Bier zu brauen, also fast die ganze Gerstenernte verbraut werden mußte. Sehr zögernd begann man (Vdg. vom 6. Juni 1915 R.-G.-Bl. 153) die Menge an Braugerste erst auf 75 Prozent des in den Vorjahren verwendeten Ausmasses herabzusetzen und schwankte von da ab mit Erhöhungen und Herabsetzungen bis endlich am 30. Oktober 1917 (R.-G.-B1. 421) die Vermälzung von Gerste auf 6 Prozent herabgesetzt wurde. Leider bestimmte aber eine Verordnung vom 21. Dezember 1917, daß die Produktion 11 von Neujahr an wieder auf 8 Prozent der Friedensmenge zu erhöhen sei. Und diese Verordnung zu einer Zeit, als man dazu übergehen mußte, die allgemeine Mehlration der Bevölkerung auf die Hälfte zu kürzen. Die Bevölkerung hungert, ist unterernährt, die Kräfte der Erwachsenen schwinden, so daß sie an Arbeitsfähigkeit einbüssen und die Kinder werden am Wachstum und Gedeihen gehinderi. 1st es unter solchen Umständen zu verantworten, daß überhaupt ferner die Erzeugung von Genußmitteln gestattet wird ! Wir wissen, daß die Regierung die steuerkräftige Brauindustrie schonen möchte, müssen aber darauf hinweisen, daß sehr viele Unternehmer und Geschäftstreibende leider durch den Krieg in gleich schwere Notlage versetzt sind, daß eine Unterstützung der Brau- und Branntweinindustrien aber gleichbedeutend ist mit der steigenden Verelendung des Volkes. Die abgemagerten Gestalten und bleichen Gesichter sind eine beherzigenswerte Mahnung. Gewiß legt der Mangel an Branntwein und Bier vielen eine empfindliche Entbehrung auf, aber ist sie größer als das Entbehren von Milch, Milchkaffee, Zucker, Butter, Schmalz? Vor allem handelt es sich aber jetzt um Brot. Die aus der Gerste erzeugten Nahrungsmittel, wie Graupen und Gerstenkaffee sind überdies dem Brot fast an die Seite zu stellen; wollen wir der Unterernährung nur etw r as steuern, die viele Krankheiten aller Art bis zum Hungertyphus erzeugt, so muß jedes Nahrungsmittel dem Volke erhalten werden, es kann keinen anderen Gesichtspunkt geben als dem furchtbaren Elend zu steuern. Es erlauben sich daher die in dem Bunde österreichischer Frauenvereine vertretenen Organisationen mit ihren über 100.000 zählenden Mitgliedern an die Hohe Regierung die Bitte zu stellen: „Das k. k. Amt für Volksernähiung wolle rechtzeitig Vorschriften erlassen, welche die zu gewärtigende Einfuhr von Bodenerzeugnissen aus den östlichen an die österreichisch ungarische Monarchie grenzenden Länder vor dec Verarbeitung zu Bier und Branntwein schützen; diese Bodenerzeugnisse. bezw. Mahlprodukte für die Volksernährung in vollem Masse sichern und hiedurch den für die Gesundheit ihrer Familie von schwerer Sorge belasteten Frauen die Gewißheit geben, daß die so sehnlich erwarteten Brotfrüchte auch nicht teilweise zur Erzeugung von Rauschgetränken, sondern voll und ganz der Volksernährung zugute kommen sollen.“ Die Frau im Felde. Man weiß seit langem, daß dieser nicht enden wollende, über fast ganz Europa verbreitete, mörderische Krieg auch die Frauenkräfte in einem noch nie dagewesenen Maße in Anspruch nimmt. Und zwar nicht bloß dadurch, daß die Ernährungsaufgabe durch die schwierige und ungenügende Nahrungsmittelbeschaffung zu einer peinlichen, fast unlösbaren wird, dadurch daß die Frauen die Männerarbeit leisten, sondern auch durch die direkte Beteiligung am Waffenhandwerke. Die Munition wird zum großen Teil von Frauen hergestellt. Man wußte auch, daß Frauen im Felde stehen, aber von dem Umfange der Frauendienstleistungen daselbst hatte man doch nur unbestimmte Vorstellungen. Man wußte Krankenpflegerinnen im Bereich der Wahlstatt und man hörte von Telephonistinnen, die ihre Posten im Kugelregen nicht verlassen hatten, aber immerhin wähnte man nur eine geringe Anzahl den Kämpfenden so nahe. In den letzten Monaten ist an die Stelle so unbestimmter 12 Annahmen der Oeffentlichkeit Einsicht in die Verwendung der Frauenarbeit im Felde geworden. Zwei Veranlassungen führten dazu: einerseits sah sich die Armeeverwaltung durch die sich mehrenden Unzulänglichkeiten und Klagen genötigt, die Frauenarbeit im Felde zu organisieren und andererseits bewirkte die Anregung der katholischen Reichs-Frauenorganisation, daß der Chef der Ersatzreserve Frauen zum Schutz ihrer Geschtechtsgenossinnen heranzog. Es wurden zunächst Vertreterinnen des Bundes österr. Frauenvereine, der Katholischen Frauenorganisation für Niederösterreich, des Vereines „Soziale Hilfe“, des Reichsverbandes der sozialdemokratischen Frauen, des christlichen Frauenbundes, der Reichsorganisation der Hausfrauen Oesterreichs, des Verbandes deutscher Hausfrauen und der Vereinigung der arbeitenden Frauen zu einer grundlegenden Besprechung eingeladen. Bei dieser Gelegenheit wurde die Gründung einer Frauenschutzkommission vereinbart, welcher die Vermittlung zwischen dem Arbeitgeber und den Arbeiterinnen obliegen soll. Der Chef des Ersatzwesens für die gesamte bewaffnete Macht, Exz. Baron Hazai, bestellte gleichzeitig Fraueninspektorinnen, welche im Armeebereiche die Formationen zu bereisen haben, in welchen Frauen beschäftigt sind. Sie haben sowohl deren Leistungen als Bedürfnisse und Begehren zu prüfen und den Vorgesetzten Bericht zu erstatten. Es ist selbstverständlich, daß dadurch die im Felde beschäftigten Frauen in Evidenz gehalten sind. Und nun erwies sich, daß nahezu 50.000 Frauen allein der Isonzoarmee zugeteilt sind. Die Sanierung und der Schutz dieser weiblichen Arbeiterschaft liegen im Interesse der sozialarbeitenden Frauen, aber auch das Interesse der Armee erheischt, daß zufriedene, arbeitstüchtige und sittlich unbeanständete Frauen den Dienst an der Front versehen. Der Umstand, daß sich zunächst abenteuerlustige Elemente für densolben gemeldet hatten und daß die Verwaltung der Ersatzreserve wahllos die sich bietenden Kräfte einstellte, hat zu Mißständen geführt, die nun bereinigt werden sollen. Der Wille dazu ist vorhanden, die Frauenorganisationen sind ihrer Verpflichtung eingedenk und die Leitung der Ersatzreserve scheint die Angelegenheit ernst zu nehmen. Oberstleutnant Juli er, welcher die Seele der Organisierung ist, läßt es an Bemühungen nicht fehlen. Er hat, um die Tätigkeit der Frauenschutzkommission über die theoretische Anteilnahme zu werktätiger Arbeit zu leiten und um andererseits die Oeffentlichkeit über die Lage der an der Front arbeitenden Frauen zu beruhigen, am 18. und 19. Apri) eine Frauenkonferenz veranstaltet, welche den persönlichen Kontakt der Frauenschutzkommission mit den Armee-Frauen-Inspektorinnen zum Zweck hatte. Es sollten die Letzteren über ihre Tätigkeit und Wahrnehmungen berichten, den Ersteren Gelegenheit geboten werden, sich durch Fragen zu unterrichten. Auch sollten beide Gruppen zueinander Vertrauen fassen, auf daß ein reger Wechselverkehr angebahnt würde, um die Zwecke der Schutzaktion zu fördern. * Am ersten Konferenztage fanden denn auch lebhafte Wechselreden statt, während am zweiten der Chef des Ersatzwesens, Exz. Baron Hazai und Oberstleutnant Juli er ihr Programm entwickelten. Der Erstere sprach den Frauen für ihre Haltung im Kriege seine Hochschätzung aus und folgerte daraus, daß die Frauenbewegung vollkommen berechtigt sei, auf Grund derselben ihre Konsequenzen zu ziehen, die der Staat nicht mehr abweisen könne. Oberstleutnant Juli er besprach die getroffenen Einrichtungen. Das Schlußwort war von den Mitgliedern der Frauenschutzkommission Frau Marianne Haini sch zugeteilt worden. Zwei Referate, welche die Inspektorinnen, die Frauen Prislovsky und Körnitz, gehalten hatten, gewährten Einsicht und fanden Beifall. Damit ist die Angelegenheit in die Wege geleitet. Nun aber erübrigt, daß weite Kreise davon Kenntnis erhalten. Es bietet die Dienstleistung im F'elde viele Arbeitsgelegenheiten unter günstigen Bedingungen. Allerdings nur für Kriegsdauer, denn die Armeeverwaltung stellt die Arbeitsbewerberinnen unter dieser ausdrücklichen Bedingung an. Aber es finden viele Kategorien Beschäftigung, ln beschränkter Zahl Inspektorinnen und Assistentinnen für Ambulatorien und Laboratorien; ferner Hughesistinnen, Konzipistinnen, Stenotypistinnen, Stenographinnen, Telephonistinnen, technische Gehilfinnen, Schreiberinnen, Berufskrankenpflegerinnen, Hilfskrankenpflegerinnen, Wirtschaftsleiterinnen, Köchinnen, qualifizierte Profes- sionistinnen, Näherinnen, Verkäuferinnen, Kellnerinnen, Wäscherinnen, Dienstpersonal, landwirtschaftliche Arbeiterinnen, Handlangerinnen. Die überwiegende Mehrzahl der Beschäftigten stellt die nächste Umgebung der Kommanden, immerhin dürfte es viele interessieren, den Umfang des Arbeitsgebietes zu kennen, daher wir nicht ermangelten, es zu berichten. Die Aufnahme der Arbeitskräfte findet in den Exposituren statt; solche befinden sich in Wien, Prag, Leitmeritz, Innsbruck, Mähr.- Ostrau, Przemysl, Graz und Krakau. In Wien melden sich die von den V ereinen empfohlenen Bewerberinnen im Fürsorgeministerium, welches die Gesuche an die Expositur (Abteilung) XIII., Eduard Kleingasse 9, weiterleitet. In der Hof- und Staatsdruckerei, I., Seilerstätte, ist ein Heft zu erhalten, dessen Ankauf wir allen jenen Personen anempfehlen, die sich für die Angelegenheit interessieren, es ist zur Orientierung nötig. Der Titel desselben lautet: „Bestimmungen für die Aufnahme weiblicher Hilfskräfte und deren Verwendung im Bereiche der Armee im Felde.“ „Die Frau im Felde“, das ist eine der Erscheinungen, welche dieser blutige Weltkrieg gezeitigt hat. Niemand wird sie freudig begrüßen, aber diejenigen, welche die größte Kraftentfaltung für nötig halten, werden sich gezwungen sehen, mitzuhelfen. Wir kennen kein höheres Ziel des künftigen Friedensabschlusses, als solche Vereinbarungen, die für die Zukunft den Frieden gewähr- 14 leisten. Nun wo wir uns in einem uns aufgezwungenen Kriege zur Wehr setzen müssen, heißt es alle Kräfte heranziehen um einen wohlverdienten, ehrenvollen, dauernden Frieden zu erringen. Marianne Hainisch. Buchbesprechung. Paula Mueller: Die Verantwortung der Frau für die religiös-sittliche Erneuerung des Volksleben. Verlag von Edwin Runge in Berlin- Lichterfelde, 1918. Mit Angst und Sorge sehen wir der Entwicklung des sozialen Lebens nach dem Kriege entgegen. Wie werden die heimkehrenden Krieger sich in ihre alten, oftmals schlechter gewordenen Arbeitsplätze zurückfinden ? Auch in der Familie wird der Platz in manchen Fällen erst zurückerobert werden müssen; in anderen Fällen wird nichts mehr da sein t was der Zurückeroberung wert wäre oder der Wunsch nach dem alten Zusammenleben wird erloschen sein. Wie viele Ehen werden die Belastungsprobe einer vierjährigeu Trennung aushalten ? Wie manche Bande, die im gleichen Flusse des täglichen Lebens gehalten hätten, werden gerissen sein, da nicht aufrichtige Neigung und opferfreudige Hingabe dereinst die Gründe zu ihrer Knüpfung waren ? Wieviele Frauen auch, durch eigene Arbeit zu materieller Selbständigkeit gelangt, werden sich nicht wieder unter die führende Leitung des Gatten begeben wollen? Und werden nicht gerade die kühnsten Helden, die am waghalsigsten ihr Leben aufs Spiel setzen, auch die sein, die mit einem „morgen können wir’s nicht mehr, darum laßt uns heute leben“, jedes Abenteuer am Schopf packen, das sich ihnen bietet? Im „Mercure de France“ beschäftigt sich ein französischer Arzt, Dr. Huot, mit diesen Fragen in ähnlichem Sinne und wenn er von der Ungeheuern Zunahme der Scheidungen der Ehen Eingerückter berichtet, so haben wir einen geringen Trost darin, daß bei uns — Dank unserer rückständigen Ehegesetzgebung — diese Folge ausbleiben wird ; was aber an ungeregelten Verhältnissen an deren Stelle treten wird, wird um kein Haar wünschenswerter sein. Wir dürfen auch nicht glauben, daß die leicht erregbaren Romanen so viel schlimmer sind als die schwerfälligeren Germanen: das Bild, das in dem uns vorliegenden Büchlein entworfen ist, ist um nichts rosiger. Die auch bei uns wohlbekannte Vorsitzende des Deutsch-Evangelischen Frauenbundes zeichnet mit scharfen Strichen die Entwicklung, die das Volksleben vor dem Kriege genommen hatte. Sie verurteilt die zunehmende Genußsucht und das individualistische „Sich-ausleben-wollen“. Die Begeisterung der ersten Kriegstage brachte manche schlummernden Kräfte zur Auslösung, manch blasierter Lebejüngling fand in der Hingabe für sein Vaterland den Inhalt seines Lebens, den er bisher umsonst gesucht hatte. Viele sind seit jenen Tagen wieder ins alte Geleise zurückgesunken und es sei Sache der Frau, meint Paula Mueller, die damals gesäeten Saatkörner zur Reife zu bringen. Mit dem schönen Wort „nur durch das Verantwortungsgefühl erleben wir innerlich unsere Zeit“ ruft sie alle Frauen auf, den drohenden Gefahren entgegenzuarbeiten. Sie verlangt von der Frau den Mut, ihre strengere Auffassung vom Leben zur Geltung zu bringen und -- ohne pharisäische Ueberhebung — den Schwächeren auf den rechten Weg zu verhelfen. Von den Müttern fordert sie, sich bewußt zu sein, daß sie nicht nur sich und ihren Familien leben dürfen, daß sie der Allgemeinheit gegenüber besondere Frauenpflichten haben, daß sie ihre Kinder für diese Allgemeinheit erziehen und in ihnen die Erkenntnis zu wecken haben, daß auf ihnen wieder die Zukunft der künftigen Geschlechter ruht. Daß sie diese Ziele durch Wiederbelebung des religiösen Lebens zu erreichen hofft, ist bei der bekannten Richtung Paula Muellers selbstverständlich. Wir können ihr auf dieses Gebiet nicht folgen — schon wegen des spezifisch protestantischen Standpunktes, den sie einnimmt; was aber nicht hindern wird, daß auch viele, die auf einem andern Standpunkt stehen, das Büchlein mit Gewinn lesen werden. Eugenie v. Palitschek. 15 Aus den Bundesvereinen. Der deutsche Verein „Frauenfortschritt“ in Prag veröffentlicht soeben seinen 25. Jahresbericht, dem wir folgendes entnehmen. Der Verein lählte im abgelaufenen Jahre 1577 Mitglieder. Die vom Verein, wie in früheren Jahren, veranstaltete Vortrags- reihe erfreute sich eines zahlreichen Besuches und ergab ein Reinerträgnis von K 471192. Die vom Bund österreichischer Frauenvereine an das Abgeordnetenhaus gerichtete Petition um Abänderung des § 30 des Vereinsgesetzes wurde mit der Bitte um deren Unterstützung an deutschböhmische Herrenhausmitglieder und Abgeordnete versandt. Die kostenlose Stellenvermittlung wurde von 763 Arbeitgebern und 864 Stellensuchenden in Anspruch genommen und es wurden 205 Stellen vermittelt. Die unentgeltliche Rechtshilfe wurde in 8 Fällen in Anspruch genommen, ln der Volksbücherei betrug die Zahl der Leser 1018, von denen28.061 Bücher, darunter 1336 belehrenden Inhalts, entlehnt wurden. Die Zahl der Leser der Jugendbücherei ist auf 560 gestiegen. Dem Lehrerinnenheim gelang es trotz alle« Schwierigkeiten der Lebensmittelbeschaffung durchzuhalten und die wachsende Zahl von Pensionärinnen und Passantinnen zu befriedigen. Die Mädchenfortbildungsschule wurde von 58 Schülerinnen besucht und hatte schöne Unterrichtserfolge aufzuweisen. Die Abteilung für Erziehung und Unterricht veranstaltete erfolgreiche Unterrichtskurse in Französisch, Eng- lich,Tschechisch, Malen undhygienisch- ästhetischer Gymnastik. Die Stenographinnen - Abteilung veranstaltete mehrere Anfängerinnen-, Fortbildungsund Uebungskurse. ln der Abteilung arbeitender Frauen hielt Obersanitätsrat Dr. Altschul 16 Vorträge über Körper- und Gesundheitslehre und einen Krankenpflegekurs. In der Abteilung für Frauenbewegung hielt MUDr. Hugo Hecht einen Vortrag über die Gefahren der Geschlechtskrankheiten und leitete mehrere Wechselreden über diesen Gegenstand ein, in denen namentlich die Propaganda für die Einführung des obligatorischen Gesundheitszeugnisses vor der Ehe befürwortet wurde. Die Malerinnen-Abteilung erzielte mit ihrer Ausstellung im Rudolfinum — der ersten selbständigen Frauenausstellung im Ptager Künstlerhaus — einen überraschend schönen Erfolg, wozu auch die Beteiligung der Vereinigung bildender Künstlerinnen Oesterreichs und des Wiener Radierklubs beitrug. Durch den Bilderverkauf wurden über K 11.000 erzielt und 12 Werke wurden für die moderne Galerie angekauft. Die Hälfte des Eintrittsgeldes nebst Geschenken im Betrage von K 65590 wurde der Landeszentrale für Böhmen zur Fürsorge für heimkehrende Krieger gewidmet. Der „Bund für Jugenderziehung“ besteht erst seit einem Jahr und hat in der kurzen Zeit schon viel geleistet. Sein Ziel ist es, die Jugendpflege nach allen Richtungen auszugestalten. Eine eigene Gruppe beschäftigt sich damit, die Eltern der heranwachsenden Kinder zu organisieren um gesunde Reformen auf dem Gebiete der Jugenderziehung durchzusetzen. Nach einem Vortrage über ein wissenschaftliches Thema, das den anwesenden Eltern nahe gebracht wurde, fanden in der Gruppe „Erziehung im Hause“ Beratungen statt, bei denen den fragenden Müttern Auskünfte erteilt wurden. Außerdem fanden im engen Kreise acht Konferenzen überein von den Teilnehmerinnen selbst vorgeschlagenes Thema statt. Diese Gruppe hat auch die erste Beratungsstelle in Erziehungsangelegenheiten begründet, die jeden zweiten und vierten Freitag im Monat — die Sommermonate ausgenommen — Eltern und Erziehern Rat erteilt. An den Beratungen nahmen Aerzte, Pädagogen, Mütter und ein Graphologe teil. Diese Einrichtung ist außerordentlich wertvoll und hat sehr viel Beifall im Publikum gefunden. Großen Zuspruch fanden die sieben Lehrkurse, die der Bund veranstaltet hat, über Kinderpsychologie, sittliche Erziehung, Frauenhygiene, künstlerische Erziehung, Kind u. Musik, hygienischharmonische Körperkultur und endlich Diskussionsabende über Erziehungsfragen. An diesen Kursen nahmen mehr als 300 Frauen und Mädchen teil. Der Verein besitzt eine 16 hübsche Bibliothek, die aus guten Erziehungswerken und belletristischer Literatur besteht und jeden Dienstag von 5—7 Uhr benützt und ausgeliehen werden kann. Der Bund strebt ein Mittelstands-Kinderheim an,das er sobald es die Mittel gestatten, eröffnen will. Es ist für diejenigen Kinder gedacht, deren Mütter beruflich tätig sind und die hier eine Heimstätte, Pflege und Erziehung finden sollen. Die Seele des Bundes ist Frau Lia Lazansky, eine geborene Pädagogin, ln Frau Karoline v. Niebauer hat der Bund im zweiten Jahre seines Bestandes eine den Aufgaben des Bundes vollstes Verständnis entgegenbringende Vorsitzende gewonnen. Es ist überraschend, welch rege Tätigkeit der Bund im Laufe eines Jahres entfaltet hat und wir können dem jungen Unternehmen nur Glück wünschen auf seinem weiteren Wege. Die von Frau Lazansky redigierte Zeitschrift „Die Frau und Mutter“ können wir allen Müttern bestens empfehlen. Die „Zentralstelle für weibliche Berufsberatung“ hat am 2. März 1918 ihren Bericht erstattet, dem wir entnehmen, daß sie sich in zufriedenstellendster Weise entwickelt. Die Anzahl der Parteien hat zugenommen und auch schriftliche Anfragen von auswärts fanden Beantwortung. Die Mehrzahl der Mädchen stand in dem Alter von 14—16 Jahren und waren absolvierte Bürgerschiilerinnen. Die Berufe, denen sie sich zuwendeo, sind Hauswirtschaft, niedere Handelsschulen, Landwirtschaftlicher Gartenbau, Kindergarten und Kinderpflege. Viele Lehrstellen wurden vernf was heute wegen Lösung der K > und Quartierfrage keineswegs leicht war. Viele junge Mädchen können ihrer Fachausbildung nur dann nachgehen, wenn sie nebenbei einen Verdienst oder eine Stelle finden um die Mittel fürihrFortkommen aufzubringen. Um ihnen entgegenzukommen hat sich der Verein auch mit Arbeitsvermittlung beschäftigt. Als Ergebnis der im Parteienverkehr gewonnenen Eindrücke, regt die Vereinsleitung die Schaffung von „Freien Bürgerschulen“ an, Abendkurse, die gegen geringes Entgelt auch Menschen in reiferen Jahren die Möglichkeit bieten würden, den Bildungsstoff der Bürgerschule nachzuholen um ihnen bessere Grundlagen für das berufliche Fortkommen zu schaffen. Uns will der Vorschlag sehr beherzigensweit erscheinen. Sehr dankenswert ist der Beginn der Anlage der Kartothek, die nach Art der fortlaufenden Bibliographie alle neuen, für die weibliche Berufsberatung wichtigen Nachrichten, Aufsätze und Bücher verzeichnen soll. Die Herausgabe eines Merkblattes, das lebhaften Absatz fand und die Veranstaltung einer Tagung für die „Berufsinteressen der Frau“, die einen glänzenden Verlauf nahm, wurden an dieser Stelle schon besprochen. Der Verband hat seinen Wirkungskreis erweitert und seine Aufgaben vertieft. Die Vereinsleitung ist in Verbindung mit der Amtsvorstehung des städtischen Arbeiter-Fürsorgeamtes getreten, welches seiner gewerblichen Abteilung eine Berufsberatung s- und Berufsfürsorgestelle angegliedert hat, mit deren Führung es die „Zentralstelle für weibliche Berufsberatung“ und den „Katholischen Wohltätigkeitsverband“ betraut hat. Im Einvernehmen mit den zuständigen Ministerien w-erden Kurse fürArbeits- nachweisbeamtinnen geschaffen und diese Mädchen auch für vier Wochen auf eine Studienreise nach Berlin -gesandt. Die Vorsitzende, Frau Olly Schwarz, hat den Verband ein tüchtiges Stück vorwärts gebracht. Der Verband hat seinen Sitz von nun I., Salvatorgasse 10. Herausgeber der „Bund österreichischer Frauenvereine“. Für die Schriftleitung verantwortlich: Frau Daisy Minor, III., Hauptstraße 136 Zahlstelle: Wien, 111., Lagergasse 1. Frau Emilie Hainisch. Druck Alfred Raftl, Wien, II., Kursbauergaste l I I Krankenpflegeschule des Wiener k. k. Krankenanstaltenfonds. Vormerkungen zur Aufnahme von Schülerinnen in den am 1. Oktober 1916 beginnenden neuen zweijährigen Kurs mit staatlicher Diplomprüfung werden in der Schulkanzlei, Wien, IX., Spitalgasse 23, entgegengenommen. Spreohstunden an Wochentagen von 12 bis 2 Uhr. Prospekt gratis. Prospekt gratis. I I Die Krankenpflegeschule des Wiener k. k. Krankenanstaltenfonds veranstaltet ab 1. Oktober d. J. einen neuen zweijährigen Kurs mit staatlicher Diplomprüfung. Anmeldungen werden in der Schulkanzlei, Wien, IX., Spitalgasse 23, entgegengenommen. Wir bitten bei Bestellungen stets die Ankündigungen zu berücksichtigen und sich stets auf unser Blatt zu berufen. Kinderwagen- Leihanstalt. Wagen für das regelmäßige Wägen der Säuglinge ohne Einsatz, gegen monatliche Leihgebühr von 2 Kronen. 4 Wagen-Leihanstalt fi Wien, I., Himmelpfortgasse 11, J II. Stiege, III. Stock. I Telephon 8893. Die Geheimmittel des feindlichen Auslandes. Unter dieser Ueberschrift bringt die Zeitschrift .Deutsches Schaffen* (Berlin W. 35), durch welche neuerdings die Interessen der deutschen und österreichisch-ungarischen Industrie gegenüber den Anschlägen feindlichen Auslandes sehr wirkungsvoll vertreten werden, eine längere Abhandlung, aus welcher in sehr lehrreicher Weise zu ersehen ist, welche Riesenbeträge man in Deutschland und Oesterreich-Ungarn für höchst zweifelhafte Heilmittel ausgibt, die uns bisher das feindliche Ausland lieferte. In dem fraglichen Artikel heißt esu.a.: .Schon die große Anzahl von Präparaten, mit denen auf Kundenfang ausgeganeen wurde, legt die Vermutung nahe, daß Deutschland und Oesterreich in die Hu.iderttausende Mark und Kronen den schlauen Engländern für fast gänzlich wertlose Mittel geopfert haben. Solche Mittel waren u. a. Ansy, dreifach konzentriert, gegen Husten, besteht aus Alkohol, Extraktivstoffen (Zucker), Wasser, Kreosot und Menthol. Der Berliner Polizeipräsident und das österreichische Ministerium warnten öffentlich vor den (50 Gr. 2 75 Mk.) Präparaten.* Man braucht in Oesterreich-Ungarn kein Hustenmittel englischen Ursprungs, denn die österreichisch - ungarische Heilmittelindnstrie ist soweit fortgeschritten, daß sie das bietet, was das heilungsuchende Publikum braucht und wir haben die Gewähr, daß wir es nicht mit einem Mittel von zweifelhafter Zusammensetzung und unverschämt hohem Preise zu tun haben. Nehmen wir das bekannteste Hustenmittel .Kaisers’s Brust-Caramellen*. Dieselben sind wegen ihrer vorzüglichen Wirkung nicht nur gegen Husten, Heiserkeit und Kartarrh, sondern auch gegen sonstige Erkrankungen der Atmungsorgane von Aerzten vielfach empfohlen und auch im Publikum bestens bekannt. .Kaiser’s Brust-Caramellen* bekommt man schon zu 20 und 40 Hellern, Dosen 60 Heller in den meisten Apotheken und Drogerien. Budi= unb Kunftbrucfcerei R.Raftl IDien, II., Kurzbauergaffe 1. Telephon 44306. Telephon 44306. Anfertigung oon Druckfachen aller Art in eleganterer Ausführung. Neue Berufsausbildung für Mädchen und Frauen in hygien.-ästhet. Körper- und Ausdruckskultur nach Delsarte-Stebbins a) für Lehrzwecke als Haupt- und Hilfsfach; b) für Kunstausübung; ferner: Elite-, Allgemein- und Hospitantenkurse für Kinder und Erwachsene. Oeffentliehe Vorführungen 1 Näheres Prospekte und Broschüren! Sprechzeit: Dienstag, Donnerstag, Samstag von 5—9 Uhr VII., Mariahilferstraße 8. Erste Schule in Wien für Delsartismus 1911 in Oesterreich eingeführt und ausgestaltet durch Käthe Ulrich. Aerzte bezeichnen als vortreffliches Hustenmittel Kaiser’s Brust-Caramellen mit den 3 Tannen. Millionen gebrauchen sie gegen Husten, Heiserkeit, Kartarrh, schmerzenden Hals, Verschleimung, Keuchhusten, als Vorbeugungsmittei gegenErkältungen.6100 notariell beglaub. Zeugnisse verbürgen den sicheren Erfolg. Appetitanregende feinschmeckende Bonbons. — Zu haben in Apotheken, Drogerien und wo Plakate sichtbar. Nur in Paketen ä 20 und 40 Heller, Dose 60 Heller, aber nie offen.— Lassen Sie sich nichts anderes aufreden. Fr. Kaiser, Bregenz, Vorarlberg. Kaiser^ Brust- päramellen, ^tnit den.äTannen^f ^Kaisers «s-^Brust; tpärameHen den.3Tannenti Lehrkurs für Uebergangswirtschaft Montag, den 3. bis Samstag, den 8. Juni 1918, in Wien, veranstaltet mit Unterstützung Sr. Exzellenz des Herrn Ackerbauministers Ernst Grafen Sylva-Tarouca, von den nachstehenden Vereinen: Bund österreichischer Frauenvereine, Wien; Christlicher Frauenverein, Wien; ' Katholische Reichsfrauenorganisation, Wien; Katholische Frauenorganisalion für Niederösterreich, Wien; Reichsorganisation der Hausfrauen Oesterreichs (Rohö), Wien; Verband deutscher Frauen Oesterreichs, Wien. Preis der Teilnehmerkarte K 10.— ; für preiswerte Unterkunft und Verköstigung in Gemeinschaftsküchen wird vorgesorgt. Die Unterstützung des hohen Ackerbauministeriums ermöglicht es für 100 Teilnehmerinnen folgende Begünstigungen in Aussicht zu stellen : freie Fahrt 111. Klasse, freie Teilnehmerkarte und K 60.— Zuschuß zu den Kosten des Aufenthaltes in Wien. Anfragen sind zu richten an das vorbereitende Komitee des Lehrkurses für die Uebergangswirtschaft, Wien, IV., Mayerhofgasse 5.