Protocollo riservato L'. I. R. CONSIGLIERE MINISTERIALE DIRETTORE SUPERIORE DELLE PUBBLICHE COSTRUZIONI STRADE FERRATE E TELEGRAFI NEL REGNO LOMBARDO-VENETO N. 50 Suez. P R Data 27 Januar 1855 Leipzig Presentato 31 d°. Verona den 3 Feb. 1853. Herr Dufour-Feronce theilt seine Ansichten über Steffensohns Handlungsweise bezüglich der Eisenbahn in Egypten mit, u daß die 5 öster. Stimmen der deutschen Groupe zur Einzahlung von 1000 F. direkte aufgefordert worden sind. An Herrn Herrn Albert Dufour-Feronce Verehrtester H. u. F. nach Leipzig. Ich habe Ihr Schreiben vom 27 v. M. erhalten. Was auch Ihre Ansichten über die Tragweite von Stephenson Benehmen bezüglich der egyptischen Eisenbahn immer seyn mögen, eines bleibt immer fest: er hat gegenüber seiner Collegen und der Societé d'Etudes wenigstens [eiseitig] ghandelt, und die Meinung des Publikums rüksichtlich der Ausführbarkeit des großen Canals, irre geführt. Auch der Ausschuß in Paris hat durch die Sendung des Herrn Lesseps nach Egypten ohne alle Groupen, wenigstens die Deutsche, zu befragen, nicht in der Ordnung gehandelt, und der Ferman an die Person des Herrn de Lesseps erlassen, hat ebenfalls nicht beigetragen, das Vertrauen zu erhöhen. Mich hat es selbst überrascht, als ich erst durch die öffentlichen Blätter Kunde davon bekam, wie es Ihnen aus meinem Schreiben vom 23. Dez. v. J.. schon bekannt ist. Und als mir durch Herrn Arlés erst am 5. Januar die Abschrift des Fermans mit dem beisatze mitgetheilt wurde, daß derselbe für die Societé d'Etudes gemeint ist, habe ich mich beeilt, den öster. Ministerium, und den 5 öster. Stimmen die geeignete Eröffnung darüber zu machen- doch kann ich Ihnen nicht verfehlen, daß alle diese Vorgänge nichts beitragen, hierlands Vertrauen für die Sache zu erweken. Auch Ihre directe Aufforderung an die 5 öst. Stimmen zur Einzahlung von 1000 F. ist nicht den rechten Weg gegangen: sie hätte, nach einem Stillschweigen von 7 vollen Jahren, nur durch meine Hände an sie gelangen sollen. Nachträglich kann ich nur in dieser Hinsicht nichts mehr thun, als zuwarten was geschieht- denn jeder Schritt von mir, nachdem Sie directe eingeschritten sind, könnte Ihrer Stellung u. Ansehen nur Eintrag thun- wie mir durch das directe Einschreiten Eintrag geschehen ist, indem die 5 von mir erworbenen, und representirten öst. Stimmen nicht mehr wissen, wer eigentlich an ihrer Spitze stehet. # # Inzwischen hat auch Herr Arlès- Dufour am 5. Jänner eine directe Eingabe an S. K. Hoheit den Herrn Erzherzog Maximilian gerichtet, ohne sie durch meine Hände gehen zu lassen. Auch dieser Schritt kann ich nicht billigen. Diesen Unzukömmlichkeiten muß vorgebeugt werden, und dieses kann nur durch eine Zusammentretung der Societé d'Etudes geschehen, damit durch ein ernsteres, compactes Auftreten derselben die öffentliche Meinung wieder berichtiget, u. in das rechte Geleis geleitet werde. Inzwischen erhalte ich vom Baron Bruck, der am 22. v. M. in Constantino pel von seiner neuen Bestimmung keine Ahnung noch hatte, über die Suezer Canal-Angelegenheiten # # als Antwort auf meine Mittheilungen darüber, Folgendes: "Von Alexandrien habe ich über den Erfolg der Schritte des Herrn v. Lesseps alle Mittheilungen erhalten, und es verstehet sich von selbst, daß ich diese wichtige Angelegenheit aus allen Kräften bei der Pforte unterstützen werde. Ich habe dis den Ministern schon erklärt, allein, da bisher Said Pascha noch nicht seinen Bericht eingesendet, u. die Genehmigung begehrt, sondern nur eine einfache Anzeige über denselben erstattet hat, so ist es nicht möglich die Sache zu betreiben. Ich schreibe daher mit dem nächsten Boote nach Alexandrien, daß man die nöthigen Vorlagen beschleunige, u. mich davon unterrichten möge. Dann erst werde ich wirken können, u. was von mir abhängt soll gewiß geschehen, u. nichts versäumt werden." Nun, da H. v. Bruck tag täglich zurük erwartet wird, eile ich Morgen nach Triest ihm zu sprechen- u. inzwischen fungirt in Constantinopel mein Schwager, der Legationsrath Weiss v. Starkenfels früher Generalconsul in Genua, und er wird bei der hohen Pforte das vom Baron Bruck schon begonnene Werk gänzlich durchführen, da ich auch von ihm bezügliche Mittheilung erhalten habe. Theilen Sie dieses gleich unseren Collegen in Paris mit, und in Erwartung weiterer Eröfnungen verbleibe ich Ihr ergst. Negrelli Hochgeborener Freiherr! In der Umgebung Said Pascha's befindet sich gegenwärtig der ihm seit Jahren befreundete Herr von Lesseps, früher Bevollmächtigter französischer Minister in Spanien und Vetter der Gemahlin des Kaisers Louis Napoleon. Der Hauptzweck des hierortigen Aufenthaltes Herr v. Lesseps ist die Wiederbelebung und thunlicher Weise die Verwirklichung der schon vor Jahren zur Sprache gebrachten großartigen Idee eines Durchstiches des Isthmus von Suez, zur Herstellung einer vollkommen schiffbaren Verbindung zwischen dem mittelländischen und dem rothen Meere. Hr. von Lesseps, der die Durchführung dieser kolossalen Idee im Wege der Associazion zur vorzüglichsten Aufgabe seiner Wirksamkeit gemacht zu haben scheint, hat mit Benutzung der bekanntlich vor acht Jahren von oesterreichischen, französischen u. englischen Sachverständigen an Ort u. Stelle ausgeführten Vermessungen, u. der späteren bezüglichen Arbeiten, der in aegyptischen Diensten stehenden Ingenieure, über die Ausführbarkeit des Durchstiches, einen förmlichen Plan entworfen u. für das Unter nehmen bereits in Europa, sowohl bei gemeinnützigen Gesellschaften als bei Privaten eine wirksame Theilnahme zugesichert erhalten. Die politische Klippe und der in dieser Beziehung voraussichtliche Widerstand Englands soll dadurch umgangen werden daß das Unternehmen keine nazionale Farbung tragen, sondern von einer, die Theilnahme aller Nazionen umfassenden Privatgesellschaft ausgehen soll. Said Pascha ist für das gedachte Unternehmen bereits gewonnen u. hat in diesem Sinne den Generalconsul's von England, Frankreich u. Oesterreich Eröffnungen gemacht; auch hat er es auf sich genommen die erforderliche Genehmigung der ottomanischen Pforte zu erlangen wobei er vorzugsweise auf die Unterstützung Eurer Exzellenz zu rechnen scheint. Im Anschluße überreiche ich gehorsamst Eur. Ex. die Abschrift einer hierauf bezüglichen Mittheilung, welche H. v. Lesseps unterm 2ten d. M. an mich so wie an die hiesigen Generalconsul's der größeren europäischen Staaten gerichtet hat, welchem Schreiben auch die Abschrift eines dem Vicekönige vorgelegten memoire's über die Verbindung der beiden Meere, so wie die Uebersetzung eines Viceköniglichen Firman's beigeschloßen ist, womit Herr von Lesseps die Ermächtigung zur Constituirung u. Leitung der: "allgemeinen Gesellschaft des Seecanals von Suez" verliehen wird. Herr von Lesseps weist in seinem obenbezogenen Schreiben auf die großen Vortheile hin welche die Eröffnung des in der Frage stehenden Canals für Deutschland und namentlich für Oesterreich vermitteln wird, und rechnet deshalb um so mehr auf eine thätige Theilnahme von Seite Oesterreichs als über Anregung Eurer Excellenz diese Idee schon vor zehn Jahren in Oesterreich den lebhaftesten Anklang gefunden hat. Das vorliegende memoire scheint zunächst nur den Zweck zu haben Said Pascha für das Unternehmen zu gewinnen, indem es weder auf Gründlichkeit, noch auf eine unpartheiische Vorstellung des Gegenstandes Anspruch machen kann. In einem für das große Publikum berechneten Aufsatze würde es wohl [schwerlich] der Sache förderlich sein, wenn die Verdienste der französischen Ingenieure, von denen meines Wissens nur Linant Bey tiefer in die Sache eingegangen ist, so lobpreisend hervorgehoben werden, während die einschlägigen Bemühungen, der von Herrn von Negrelli geleiteten oesterreichischen Commission u. die Arbeiten des Engländers Stephenson ganz in Schatten gestellt werden. Wenn das Unternehmen wirklich zu Stande kommen soll müßten selbstredend die Ansichten u. Urtheile der gewiegtesten Sachverständigen Europa's vernommen u. unpartheiisch erwogen werden, wobei den in der Waßerbaukunst obenanstehenden Ingenieuren Oberitaliens und Holland's füglich der erste Platz gebühren dürfte.- Hinsichtlich der von Said Pascha ertheilten Concession glaube ich vorläufig mich jeder Bemerkung enthalten zu sollen, da diese Concession bis zur erfolgten Genehmigung der ottomanischen Pforte wohl nur als eine provisorische betrachtet werden kann. Herr von Lesseps wird sich in einigen Tagen nach Suez begeben, um das Terrein seiner Wirksamkeit neuerdings in Augenschein zu nehmen. Nach seiner Rückkehr nach Europa gedenkt Herr von Lesseps sich mit der Constituirung der Gesellschaft zu befaßen, zu welcher, laut seiner Verscherung, in Deutschland, England, Frankreich u. Holland bereits die ersten Grundsteine gelegt worden sind. Ich werde nicht unterlaßen über Alles was in dieser wichtigen, die oesterreichische Handelspolitik zunächst berührenden Angelegenheit, zu meiner Kenntniß kommt, Euer Exzellenz ausführliche Berichte zu erstatten. Geruhen etc. C. W. Huber. Kairo, 7t. December 1854.