Corfu 13. Nov. 1855(55) Aufenthalt mit dem Dampfschiff Calcutta von 8 Uhr Abends vom 12. bis 12 Uhr Mitt. vom 13. Nov. 1855 Wegen Collera konnte man nicht landen Montagne d'Albania 13/11 55 Parte sinistra all'entrata del Porto di Navarrino 14. Nov. 1855 14. November 1855 Nach einer 24stündigen stürmischen schweren Fahrt sind wir heute mittags gezwungen worden, im Hafen von Navarino beizulegen, wo auch der Dampfer Imperatrice sich ge borgen hatte . Navarino ! welcher Namen ! welcher Klang ! und doch welche Nullität ! welche Täuschung ! einige elende neue, kleinen Häuschen bilden das elende Dorf, und die neue Festung ist ebenfalls eine Miserabilität – schlecht placirt und schwach gebaut. Rings um diese elende Hütten und so weit das Auge reicht, kein Garten, kein Acker, keine Wiese, kein Baum, als elende spärliche Sträuch Aus steinigen Boden sprießend ! nur das große Beken durch einige Inseln vom Meere geschieden , ist magnifique ! Sonst aber Elend und [ . . . ] kaum 200 Einwohner Navarino! 14. Nov. Cairo 22 Nov. 1855 Convento di Maria e Gesù Kopti – [Grupetta di Maria farla denanzi decintomente] [unleserlich] - come Capodilatte- ha la forma di grappoli d'uva. 22 Nov. Giorno Sacro e di eterna memoria! Viddi la grotta sulla sponda destra del Nile al vecchio Cahira, ove si trovava resta la sacra famiglia! prima della fuga d'Egitto! Vi vene fabbricata sopra un Convento di Kopti – e dovrebbe venir mantenuto con maggior decore. Da Cairo al Barage 2m Da Cairo al mare 21m Im Cairo Wälder, und Alleen von Cactus – 2 Abstämmlinge von Mahomed waren mit ihren grünen Turban Unter Bedienten in der Wüste. Einem, als Münzfälscher wurde früher die Nase abgehauen. 25 Nov. Le Piramidi Gizeh Cheops sul confine fra il deserto libico e la pianura del Nilo, in faccia al Cairo. 2. große 2. kleinere 5. angefangene große Sphinx Edhem Pascha – Min des Aeüßern 26. Nov(ember) Abreise von Cairo um 1 Uhr N(ach) M(ittag) Episode Orangen u(nd) süße Limoni vor der Einschiffung. Um 2 Uhr Anker gelichtet. Blühende Nilufer links u(nd) rechts mit Landhäuser u(nd) Gärten geschmückt. Bei Tamoh am linken Ufer Koptenkloster, wo Moses von der Tochter des Pharaons an das Land gezogen wurde. Ueberall Palmen, u(nd) Mimosen Wälder. Spät Abends in Benefairez- Auch der Vicekönig war dort vor Anker gegangen. 27. Nov(ember) Fortsetzung der Reise mit allem Comfort der— Engländer. Bei Gabel Teir, Koptisches Kloster auf einem Felsen, wo die Mönche – ganz nakt – in den Nil stürzen, um Almosen von den Schiffen zu erbetteln. Die zwei alten Schachteln sind entzükt. Abends 4 Uhr – Ankunft in Minieh, wo an Bord übernach- tet wurde. 11.000 Einwohner. Alles kleine enge Gassen u(nd)[ungedekt] verfallene Moschee. Treiben der Menschen. Galgen der gef(angenen) Beduinen u(nd) reiche Blumenlese daneben. Türkische Hochzeit 2 Tänzerinnen dabei. Lola Montez U(nd) Pepita Tugend u(nd) Zucht bin[...] dagegen! Welche scandaleuse [Menageries]. Alter Satir treibt sie an, u(nd) heult wie ein Esel. 28. Nov(ember) Um 6 Uhr Anker gelichtet. Charakter der Nilufer immer gleich. Die Begräbnisse hoch in den Felsen in Catacomben. Ueppigkeit der Vegetation immer gleich. Viele Vögel. Alles ist colossal! Nakte Männer schöpfen Wasser. Kupferfarbe allgemein. Weiber alle in einer blauen Blouse eingehüllt. Contrast zwischen Nilufer u(nd) Wüste , die hart daneben gränzt. Dendera Dez. 1855 Erstaunliches Wunder der Baukunst! Welche Größe! 30. November 5 Uhr Abends Nil 2. Dez. 1855 Theben Luxor Inneres im Tempel v. Luxor Welcher Unterschied zwischen jetzt u(nd) ehemals! Tempio do Hathor in Dendera Facciata. 1. Dez. 1855. Propylon Luxor 2. Dez. 1855 Obelisco esistente Obelisco trasportato a Parigi 14 Säulen noch vorhanden Nilthor zu Theben 10 Karnak 2. Dez(ember) 1855 + 24° im Schatten! wolkenloser Himmel. Karnak-Theben Das hundertthorige! Deine Ueberreste erfüllen mich mit Erstaunen! So viel biethest du des Großen u(nd) Erhabenen, daß ich nicht weiß, wo ich anfangen soll etwas zu zeichnen! 144 Riesensäulen zählte ich am Tempel des Ammon! Vier Propylonen/ Thore/ wozu 4 große Sphinxen-Alleen geleiten, bezeichnen auch die Grenzen des Heiligthums Villaggio arabo sulla sinistra del Nilo in faccia a Luxor antica Tebe colla catena dalle monte que dal Deserto libico , dietro la quale ci sono li tombe dei Rè . 2 Decembre 1855 . Compra di una [ palla ] di filo di Palma trovata in 800 Pezze in una tomba reale In questa montagna si trovano li tombe dei Re di Tebe . 3. Dez(ember) 1855. Früh 7 Uhr großer Ritt zum Tempel Gourna – dann in die königliche Grüfte in Biban el Molouch. Welche Verschwendung! Welcher Wahn sich so tief in die Eingeweide der Erde begraben zu lassen! Die Unteregypter haben ihre colossalen Grüfte in der Luft mittelst der Pyra- miden gebaut. Die Oberegypter haben ihre Wuth an den Schlucht(en) u(nd) Bergen ausgelassen! Uebrigens sind die Grüfte gut conservirt. Tempio di Ramseyon Magnifiche rovine, colla Statua Colosale di Memnon In Granit aber leider in Trümmern Gewaltsam ruinirt. Sonst auch hier die gleichen Säulen, die gleichen Capitäle die gleichen Basreliefsfiguren u(nd) Hierogliphen. I due colossi sedenti in piena campagna come custodi delle misse. Ultime ruine del gran tempio Medineto el abu abu Hieroglife u(nd) Figuren immer repetirt. Welches Zeitalter! Das Nilwasser ist wahrhaft herrlich! Deserto Arabia Luxor Insel Carnak [ Catena ] [ arabica ] [ Catena ] libica Medinet Abu Colossi Tempio in onore di Ramses [ Gourna ] Via alle tombe [Biban el Melid] 4 , Decembre Città di [ Esne?] sinistra del Nilo Pronao del Tempio della prima domi- nazione Roman . Il tempio è inacessibile perchè ingombra . Capitelli bellissimi tutti differneti . Hier ist auch ein Viceköniglicher Garten mit Haus . Es blühen hier Citro- nen, Orangen , [ . . . ] , Oliven [ . . . ] Edfou Edfou 5 . Decembre Tempio di Athor . Pracht Propillon. Colossale Basreliefs, aber immer das Gleiche! 5 . Dez ( ember ) 28 ° Wärme wegen Nähe des Aequators. Bei [Selselek] – kommen die Berge der Libischen u(nd) arabischen Wüste bis auf 390 m zusammen. Hier sind große Sandsteinbrüche der Alten. Hier die Barrage. Ombos – herrlicher Tempel vom rechten Nilufer – 6 . Dez(ember) Besichtigung der Insel Elephantine . Wildes Volk . Nach dem Dejeuner Ritt zur großen Ca [ . . . ] Prachtanblick d(er) zerrissnen Natur . 24 Schwim(m)er . Insel Pylos 7 Dez(ember) Prachtvoll! Die Ruinen noch werth daß ein Großer diese Insel in der früheren Pracht wieder herstelle. Namen vieler reisender Fürsten u(nd) anderer Nome delle persone che fecero con me il viaggio dal Cairo fino ad Assuan nell’alto Egitto dal 26 Nov(embre) all' 11 Dicembre 1855. M(onsieur) Ferdinand de Lesseps M. Barthélemy de St . Hilaire M. Conrad , Hollande M. Mac Lean – England M. Renaud Frankreich M. Lieussou d(ett)o. M. Linant Bey M. et M(a)d(am)e La Fosse M. et Mad(ame) Lévrier Mr. Jobès Mr. Jaquesson Mr. Charles de Lesseps Mr. Charles Linant Mr. Dr. Ganz Mr. W . Kubli Musoliman Effendi Mr. Paul Reynier Herrlich Land! Herrlicher Him(m)el! Herrlicher Fluß! Großartige Natur! Asuan 7. Dec. 1855. sul momento della partenza. Siont al ritorno del felice Assuan 10(Dicem)bre 1855 12(bis) 14 Dez(ember) in Cairo 15 Dez(ember) 1[2] Uhr n(ach) m(ittags) nach Suez in 5 Wägen abgefahren, u(nd) in Station 8 übernachtet. 16. Um 8 Uhr aufgebrochen, u(nd) um 3 Uhr N(ach) M(ittag) in Suez angekommen. Stadt von 5.000 Einwohner. Nicht ein Baum Nicht eine Blume Nicht ein Strohhalm Nicht ein Tropfen Wasser u(nd) hart am Meer. Recognoscisirung der Umgegend mit der Commission. Eindruk Zwischen Cairo u(nd) Suez nur die Wüste. Unzählige- Skelette bezeichnen den Weg. Bis Stat(ion) 8 ist die Straße macadamisirt. Bis Station 1 Rayon mit einer Allee begrenzt. 17. Dez(ember) Suez Untersuchung des Meerbusens mit einem Dampfer. Imbarcation u(nd) Sonden, Meiner Meinung schon ge- bildet. Der Natur des Canals muß gefolgt werden ‒ dann haben wir die Elemente für uns und h(inten)[die] Winde. Offenbar reichte einst das rothe Meer weiter gegen das mittelländische Meer, und wurde ganz ofenbar durch den Sturz eines großen Wildbaches aus den großen Schluchten des Attaka dessen Schuttkegel sich ofenbar bis zum Meere erstreckt. Andacht der Türken u(nd) Araber. Suez trauriger, düsterer Ort! Suez 17. Dez. 1855. Gebel el Attaka 1200! h. Rothes Meer 1855 12 Sorgente di Mose nel deserto a 6 ore da Suez- parte di Asia Es giebt im ganzen 12 Quellen die aus dem Boden artesisch entspringen. Einige Suezer Kaufleute haben das Wasser benützt u(nd) haben einige Gärten angelegt, die in der Wüste vortrefflich gedeihen, u(nd) einen mahlerischen Anblick gewähren. Beduinen lagern herum u(nd) besorgen die Gärten. In einem Zim(m)er des Consularagent(en) Costa das Bild des Kaiserpaares. Moses-Quellen entspringen ungefähr 3 Stunden östlich von Suez entfernt, an der asiatischen Seite des rothen Meeres ungefähr 1000° vom Strande entfernt in einem, gegen das Meer zu ofenem Kessel, der arabischen Wüste Asiens. Sie sind ohngefähr 30' über den Wasserspiegel des rothen Meeres erha- ben und entspringen 12 an der Zahl artesisch aus dem Boden. Man gelangt dahin zu Pferd, Esel oder Kameel – oder auch zu Wasser, doch ist das Landen wegen seichten Wassers sehr beschwerlich. Uns ward ein Weg durch die Wüste gebahnt, u(nd) fuhren mit leichten Wägen, 4 spännig, u(nd) mit Relais dahin. Der von höheren Sandhügeln umgebene Kessel mag 1000° breit u(nd) 1000° lang seyn und Spu- ren von Vegetation darin deuten auf die Anwesenheit süsser Quellen an. Einige Kaufleute aus Suez haben vor ungefähr 15 Jahren einige Gartenanlagen dahin errrichtet, ohngefähr in einer Fläche von 3 Juchart[Joch] in Form eines Lange[c]kes, worin nun die schönsten Dattelbäume, Soutanen, Gazien, Akazien u(nd) Rosen vortrefflich gedeihen. Auch Gemüse wachsen da vortrefflich u(nd) uns wurde unter anderen aus dem Garten des öster(reichischen) Consularagenten H(errn) Kosta, der den ausgedehntensten hat, servirt. Auch sind in den Gärten einige Landhäuser auf türkische Art erbaut, wo die wohlhabenden Suezer einige Zeit des Jahres zubringen. An den Gärten herum haben sich Beduinenfamilien an- gesiedelt, welche die Berieselung der Gärten besorgen u(nd) die Caravanen mit süßen Wasser versehen. Suez bezieht einen großen Theil Des Wasserbedarfes durch Kameele aus diesen Quellen. Das Schönste da- von sind die aus einem Riesenstock entspringenden 4 Riesen-Dattelbäume, in deren Schatten Moses geruht haben soll. Die an diesem jedenfalls uralten Stok entspringende Quelle soll die von Moses zuerst entde[c]kte seyn, u(nd) stehet selbst bei den Türken u(nd) Arabern in großer Verehrung. Im Kosta'schen Hause fand ich das Bild unseres Kaisers, die Kaiserin am Arm, als einziger Schmuk prangen was mich sehr erfreute. In der Wüste I Station 4 Stunden von Suez. Anfangs des Bitterseebekens. Endlich sind alle Amateurs et Amatrices, 7 Köpfe hoch abgesegelt! Die Gegend bis zur Sect(ion) 4 sehr günstig. Offenbar das Beken des rothen Meeres! Leben im Lager. 22 Zelten Lärm der Araber. Gebrülle der Camele. Schafe, Ochsen, Hühner. Ein herrenloser Hund in Suez reiht sich dem Lager ein u(nd) folgt uns wädelnd. Vor der Abreise Briefe von der Frau u(nd) Kinder die mich freuten. Hier viele Rosen v(on) Jericho. Station II in der Wüste 10 Stunden von Suez 22(Dezem)ber 1855. Um 5 Uhr reveille. 6 Uhr Caffè und Zelten abgebrochen. 7 Uhr weiter gereist, und Linie untersucht durch den Seegrund des Bittersees. Wer wagt die Identität der Seegrundes mit dem rothen Meere zu leugnen. 11 Uhr Rast u(nd) Dejeuner unter Gottes freyen Himmel, auf Meeresgrund sitzen. 3 Uhr – jenseits des Bittersees am asiatischen Ufer das Lager aufgeschlagen. Ein galantes Cameel vor der Abreise. 170 Cameele, in 2 Reihen alle mit durchgehenden Stricke zusammen gebunden. a. Kirche b. Salle a manger c. Wohnzelte d. bediensten e. lava[...] f.[...] III. Station- Scheik el Nedek Schek Anedek Lager am Gestade des Thimsa- Sees.- Montag 23.(Dezem)ber 1855. Minder günstig ist die Lage zwischen dem Bitterseebeken u(nd) des jenen Thimsah- doch leicht ausführbar ist der Durchstich, der in den tiefsten Stellen 18 M(eter) tief werden würde. Den Canal würde ich hier durchgehend mit Mauern aus egypt(ischen) Baksteinen vertheidigen vom Sand. Inspektion des Thimsaseebekens. Vegetation hier passable u(nd) würde besser seyn wenn d(ieses) J(ahr) die Nilexpansion nicht bis hierher reichte. 24.(Dez)ember Aufbruch am[nm] Besichtigung des Brunnens u(nd) des Wassers im See. Abends wurde das Lager in der[Oad...] aufgeschlagen, in der Nähe von Ramses, terra di[Jessene] Abends große Christabendfeuer mit Tamaris – oder Mannaholz. Beschreibung der Wüste von Cairo nach Suez. Macadam. 16 Stationen, darunter 3 mit Gasthaus. Camelgerippe. 3 einzige Bäume –Tamaris kommen vor. Düsteres Aussehen von Suez, obschon ganz IV 25. Dez(ember) Christtag. Terra di Jessen Besichtigung der[Oadec] bis Heroopolis Ramses Statue der Sesostris darselbst in Granit. Menge herrlicher Edelsteine wie der Mantel eines Königs über das ganze Land ausgebreitet. Nach dem Frühstük Sitzung der Commission bis 6 Uhr und von 8 bis 10 Uhr. 26.(Dezem)ber Am Tagesanbruch fort durch die [Oaedee] zurük— den Timsahsee rechts liegen lassen. Mühsamer Weg durch die Seetiefe im beweglichen Sand. Frühstük auf der Anhöhe – Dann fort bis Abu Eruk – Lager aufgeschlagen. Abends 9 Uhr etwas Regen und Wind – Angst wegen der Fortsetzung der Reise. Sandstürme. Vegetation v(on) Tammaris kann künstlich vermehrt Westwind ist noch in der Bewegung von Sanddünen thätig – Estseite schon still u(nd) mehr gelegt u(nd) überwachsen. Abends 4 Uhr das Lager in Bir Abu Eruk aufgeschlagen. 27.(Dezem)ber Aufgest(anden) 5 Uhr Aufgebrochen 7 Uhr Mühsame Reise längs der großen Dünen des Lac Menzaleh. Um 4 Uhr das Lager sehr müde bei den Ruinen von Tel el Her/Magdolum aufgeschlagen. Grüße Euch Gott Ihr meine Lieben in Europa! 20 Palmen in der Wüste! 28 Dezember Aufgest(anden) 5 Uhr Abgereist 7 Uhr. Um 8 Uhr Ansicht von Pelusium u(nd) vom mitell Meer! 2 Deserti! Nur 4 Bed(uinen) Fam(ilien) in der Wüste begegnet. u(nd) auch hier die Weiber maskirt! Große Camelweiden. Eine Palme wächst allein in einer großen Ebene u(nd) schneide mir 1 Zweig ab für Theodor u(nd) Blätter für Herrn Buol etc. wie Lotti schrieb. Um 9 Uhr Ankunft auf der stillen Höhe von Pelusium mitten in einer öden Ebene von Erde. Die Anhöhe ist an 1000°(Meter) lang u(nd) 500°(Meter) breit. Man findet noch die Trümmer von 2 Stadtthoren, ein Thor- Werk u(nd) an 2 Stellen 4 zusam(men) 8 herrl(iche) Granitsäulen am Boden liegen. Auch sieht man oft die Trümmern der Stadtmauer u(nd) findet eine Menge Bruchstücke von Utensilien, Glaß, Mosaiken. Um 12 Uhr Ankunft bei Cap el [Guerreh] all'estremità est des Golfes von Tineh-, u(nd) Lager aufgeschlagen am Meeresstrand. Am 29. früh nach Cap el Gerreh Ein Haifisch gesellte uns auf 20°(Meter) Entfernung vom Strande. Er tauchte erst auf u(nd) unter, u(nd) hatte Kleine hinter sich. In Cap el Gerreh liegen die Ruinen einer größeren Stadt vor. Ich fand ein wohlerhalt(enes) Bruchstück weiß(en) Marmors mit einem herrlichen Basrelief u(nd) 2 Münzen, St. Hilaire die Basis eines Leuchters in Bronze u(nd) Conrad mehrere Münzen. Strabo beschreibt die Stadt wie sie vor 2500 Jahren war. Nun liegen die Trümmer vom Meere angegriffen vor! Hinter dem Cap eine große Lagune die bis weit in die öde Wüste eingreift. Das Meer ist ebenfalls ganz öde! In 2 Tage nicht ein einziges Schiff! Nachm(ittags) den Strand bis Tinneh begangen u(nd) noch die Säulen meiner Ingenieure gefunden! Um 5 Uhr zurük ins Lager, voll Conchilien wovon der Strand mit Millionen überdekt ist. Weiber das Kin tätovirt. Tragen Ringe an der Nase u(nd) Ohren, u(nd) Braçelette sogar hie u(nd) da an den Füßen. Gebete der Araber u(nd) Türken. Lager auf der Ebene von Pelusium bei Cap el Gerreh. vom Meeresstrand 28. 29. Dez(ember) 1855 Am 30. Dez(ember) hat man das Lager mehr ostwärts in den Dünen der Wüste wegen Feuchtigkeit verlegt. Um 12 Uhr hat man in der Ferne die Fregatte gesehen die uns hohlen sollte. Da sie auf 8.000 Meter Entfernung das Lager nicht sah, fuhr sie zurük. V. Lesseps u(nd) ich eilten ans Ufer u(nd) durch Laufen u(nd) Zeichen erregten wir die Aufmerksamkeit. Eine Imbarcation wurde entsendet. Sie kam zu uns. Große Bewegung im Lager. Alles freute sich die Wüste endlich verlassen zu können. Abends landeten 4 Chalupen u(nd) brachten unsere Effecten an Bord. La [Peresse] und Armand kamen an Land. Die Sonden fielen sehr vortheilhaft aus. Die Zweifel über die Ausführbar- keit des Canals sind nun ganz beseitiget! 31ten(Dezem)ber 1855. Um 5 Uhr wurde Reveille geschlagen. Schnell wurde der Rest der Bagage auf Cameele geladen u(nd) zum Landungsplatz gefördert. Wir brachen theils zu Fuß, theils zu Came(e)l theils zu Esel bei Tagesanbruch auf, und waren um 7 Uhr schon in die Chaluppen eingeschifft. Um 8 ½ Uhr stiegen wir an Bord der Dampffregatte Nil. Herrliches Schiff mit [Pesans], wovon 80 pfünder am Hintertheil bewafnet. Um 10 Uhr wurden die Anker gelichtet und von hoher See sandten wir die letzten Grüße dem Linant Bei, der mit der Caravane durch die Wüste nach Cairo aufbrach. Der Golf v(on) Pelusium bietet einen herrlichen Ankergrunde und die Sondagen haben dargethan, daß zwischen Tineh u(nd) Fort Gamilleh auf 2500 bis 3000 Meter Entfernung neue Ufer, 9 Meter Tiefe in(n)erhalb der Windlinie zwischen Cap el Gerreh u(nd) der Nilmündung, vor Damiete vorhanden ist! Welcher Vortheil! Dahinter der Lac Menzaleh nur von wilden zur Zeit der Römer aus Alexandrien verwiesenen Fischer bewohnt u(nd) relegirt. Sie leben ganz abgesondert u(nd) abgeschlossen u(nd) nähren sich nur von Fischen u(nd) Fischeiern! Sie sterben in kurzer Zeit wenn sie Fleisch essen. Sie wollen keine Recruten stellen u(nd) wer dazu gezwungen wird, stirbt nach kurzer Zeit, höchstens in 6 Monaten! Die See ist ziemlich ruhig! Cypern ist uns gegenüber. Wir fahren auf ½ Stunde Entfernung vom Strande u(nd) nähern uns der Spitze von Damiatte, der lieben Heimath entgegen! Und somit schließe ich dieses für mich verhängnißvolle Jahr, Gott dankend für alle Wohlthaten, alle Unbilden ver- gessend, u(nd) mit vollen Vertrauen auf die göttliche Gnade, welche das Recht und die Wahrheit nicht im Stiche lassen wird. Ich hoffe zu Gott, daß mein Kaiser mir wird Gerechtigkeit widerfahren lassen – denn nur Gutes habe ich für und Vaterland gemacht! Und somit schließe ich dieses Jahr mich u(nd) die Meinen Gott empfehlend! Mein Segen werde ihnen in der Ferne! Ein schöner, heiterer Himmel im mildesten Clima wölbt sich über mich, und er- füllt die Seele mit süßer Hoffnung auf die theuere Heimath! Wenn der Suezer Canal zur Wirklichkeit wird, was ich kaum mehr bezweifle, glaube ich derselben mehr als mancher Andere für alle ewigen Zeiten genützt zu haben. Frau, Kinder, Geschwister, Verwandte, Freunde, Gottes Segen über Euch. Amen. Am 1ten Jenner 1856 in Alexandrien. Man konnte es kaum glauben daß nach einer so stürmischen Nacht, ein so schöner Tag folgen würde! Möge in dem Sturm der gestrigen Nacht Alles Böse was mich im vorigen Jahre verfolgte, versenkt werden! Schon um 6 Uhr Morgens erschallten die Neujahrs Wünsche in die Räume der Fregatte, u(nd) die meinen flogen mit über das Meer hin! Um 7 Uhr sah man Cap Abukir von der Sonne rosig beleuchtet, um 8 Uhr fuhren wir nahe vorbei, um 9 Uhr hatten wir Ramles erreicht u(nd) um 10 Uhr legte die Fregatte im Hafen Alexandria majestätisch bei. Wir wurden durch 17 Canonenschüße von der Fregatte u(nd) vom Fort begrüßt u(nd) die Gala Imbarcation des Vicekönigs kam uns ans Land zu bringen. Ein Imbarcation der öst(erreichischen) Fregatte Venus, Capit(än) Ob(er)stl(eu)t(enan)t v(on) Willersdorf kam uns auch salutiren, u(nd) alle Schiffe im Hafen, darunter viele Oesterreicher flaggten festlich. Am Ufer waren die Wag(en) bereit uns in das für uns bestallte Hotel de l'Europe zu führen. Es that wohl, nach dem Desert – ein europeisch eingerichtetes Zim(m)er wieder zu betreten! Große Waschung, u(nd) Toilette. Dann gleich Willersdorf u(nd) Schäfer empfangen. Aus Europa nichts Neues. Aus Constantinopel einen Brief von Victor u(nd) einen von Lisi erhalten. Sie klagen beide über Lottis Stillschweigen. Auch der Min(ister) v(on) Toggenburg schrieb mir vom 17. u(nd) empfahl mir einen Nassauer zu einer Anstellung, u(nd) schrieb aber einige Zeilen über den Canal v(on) Suez eigenhändig und beifällig. Alles ist hier voll Jubel über das Ergebniß un- serer Reise! Und somit begann dieses Jahr unter herrlichen Auspicien – Gott gebe eine gute Fortsetzung! Morgen erwarte ich zuversichtlich Nachrichten vom Hause u(nd) Heimath, wo- nach ich mich unendlich sehne! 2. Jenner Große Auffahrt beim Vicekönig. Er trägt mir seine Fregatte zum Kauf für Oesterreich sehr liebenswürdig an. Er war sehr heiter u(nd) froh wegen des Canals. Er erzählte den Fall von Cars, u(nd) daß Omer Pacha en disgrace ist. Er hält den Fall der Türken für unvermeidlich. Bezüglich des Canals beging die Pforte einen großen Fehler. Sie wollte, daß nach 99 Jahren der Canal an die Türkei zurükfalle: Said Pascha hielt das fest u(nd) sagte: er glaubte daß auch Egypten zur Türkei ge- höre u(nd) wenn der Canal von Egypten zurükfalle, so falle es eben der Türkei zu. Das Wetter war herrlich, die Wärme 16 Grade. Um 12 Uhr langte der Dampfer Calcutta aus Triest ein – u(nd) brachte eine kleine Briese!!! Ist es möglich! Ist etwa ein Unglük geschehen? Warum schreibt die Lotti nicht! Ich hielt es für unmöglich daß sie, daß meine Kinder, daß meine Leute mir nicht schreiben u(nd) nicht denken wie theuer dem Entfernten die Nachrichten aus der theuern Heimath sind. Nach dem Dejeuner Sitzung bis 6 Uhr u(nd) Bericht an Vicekönig er- stattet. Eine neue Intrigue Englands wird parirt, u(nd) mit Glük. Beim Diner wurden v(on) Willersdorf u(nd) v(on) Schaefer zugezogen. 3. Jenner. Lange Sitzung der Commission zu den Schlußberathungen. Um 2 Uhr Besichtigung der Prachtfregatte des Vicekönigs – und 21 Canonenschüße als wir sie verließen. An Lloyd, und Erzh(erzog) Ferd(inand) Max(imilian) sprechen. 800 Pf(er)de Kraft, ganz von Eisen mit hölzener Brüstung, und hat 110.000 Pf(un)d St(erling) 1852 gekostet. Dann Besichtigung der öster(reichischen) Segelfregatte Venus – die uns auch beim Abschied mit einer Artillerie Salve begrüßt. Dann wieder Sitzung u(nd) um 5 Uhr Prom(enade) in das Arabische Quartier. Wie wenig bedürfen diese Leute zum Leben? Einladungen zu einem Ball bei Pastri zu Ehren der Commission, werden ausgetheilt auf Samstag. Doch hoffe ich daß wir am Sonntag abreisen werden. Könnte ich das herrliche Clima mitnehmen! Seit mehr als einem Jahre kein Tropfen Regen! ungar(ische) Bürste lang [Haus] Theuerung in allen Sachen, u(nd) große Geldcirculation. Viele Abentheurer aus Europa. Freytag 4. Jenner. Abermal schön u(nd) schön u(nd) mild! Die vielen herrenlose[n] Hunde auf dem Platze sind während der Nacht mit ihrem Gebelle sehr lästig! Wegen der Eisenbahn von Cairo nach Suez hat die Commission heute eine Sitzung gehabt, u(nd) ein Gutachten an Vicekönig abgegeben. Einige Einkäufe besorgt. Buntes Wesen im. Besichtigung der Veränderung des Canals Mahamudieh, dann der Wohnung der Araber. Schöne[...] u(nd) angenehme Erinnerung an die Heimath durch ein Rothkropf. Unangenehmer Eindruk der Conversation mit G. C. Huber – der aller Welt abgeneigt ist, und keinem Menschen ein gutes Haar läßt! Samstag 5. Jenner Wetter noch im(m)er schön u(nd) milde. Vorbereitungen zur Abreise. Letze Berathung über das Barrage. Um 2 ½ Uhr, gottlob! eingeschif[f]t. Obristl(ieu)t(enant) v(on) Willersdorf sehr zuvorkom(m)end u(nd) durch die Imbarcation an Bord gebracht. Das Consulatpersonal, Willers- dorf u(nd) alle Oesterreicher kom(m)en an Bord Abschied nehmen. Im Moment des Ankerlichtens kommt unerwartet ein Regenguß zum Abschiede! Und somit Adé schönes, historisches, allzeit misteriöses Land! Ich segle entzükt der Heimath zu – dein mildes Winter Clima werde ich allein vermissen! 6. Jenner H(eilig) 3 König. Die See sehr stürmisch – alle Seekrank – ich nicht – gottlob! doch sehr besorgt – denn die Wellen schlagen über das furchtbar tanzende Ungeheuer! Alle Gedanken drängen sich zusammen – ein ewiger Ab- schied ist nahe! – Doch Gottes Wille geschehe! 7. Januar 9. Uhr Morgens 1856 See ruhiger. Himmel überzogen. Candia in Angesicht! Monte Ida mit Schnee überdeckt u . halb in Wolken gehüllt. Ida schneebedeckt ! 7200 ! hoch. 16 ° Wärme Kleine Felsen im Meer 7/1 56 10 Uhr Morgens Isola Gozzo Candia gegenüber. Punta di Zante 8. Januar 1856 - [ . . . ] mare burrascoso olivetti Mare agitato 13 ° Wärme Zante Stadt . Herrlich Land ! Zante fior di Levante. Alles grün! Cefalonia 8 Januar 1856 ore 12 meridia 12 ° di caldo Olivetti vento favorevole mare agitato Isola ora quasi deserta o poco abitata [coperta] sola di cespugli Ove ora un Ulisse ? Quel Rè doveva essere un di ! Non ci voleva che un Omero per elevare a tanta dignità un semplice mortale. Itaca , in faccia a Cefalonia . 8 Januar 1855 Ore 1 pom ( eriggio ) St. Maura 8 Gen(naio) 1856 ore 2 pom(eriggio) mare grosso – caldo 17° Leucate Sprung der Sap[p]ho. Ankunft in Corfu Abends 10 Uhr 8 Jenner 1856. 2 englische Linienschiffe u(nd) 2 Corvetten im Hafen. Man erlaubt uns weder zu landen noch Kohlen zu fassen! Man legte sich vor Anker, u(nd) jeder suchte er- müdet sein Lager! Die Gegend in Nebel umhüllt! Gott gebe Morgen eine gute Fahrt, damit ich bald,, u(nd) meine Lieben sehen u(nd) umarmen könne! Abreise v(on) Corfu 9. Jenner 1856 ore 12 meridiane – nach 14 Stunden Aufenthalt ohne ans Lande gehen zu können, wegen Quarantaine. Schreiben von Feldmarschal G(ra)f Radetzki. Dichter Nebel umhüllte die Gegend, doch sah man die Rothröke auf der Insel nahe am Ankerplatz exerciren. Um 1 Uhr war man aus dem Canal von Corfu nahe am Leuchtthurm vorbei wieder in die Hohe See – und links hört dann die Insel Corfu auf. 10. Jenner 1856 11 ½°+ 0 Ore 7 di mattina – arrivati di faccia ale bocche di Cattaro. Viva l’Austria! Ein angenehmes Gefühl erfaßt mich beim Anblick heimathlichen Bodens! Die Nacht war mittelmäßig – ich schlief bis 6 Uhr. Lagosta 1 Uhr Mittags – Lagosta – 1 Insel in Dalmatien. Es fängt zu regnen an. Lissa 4 Uhr Nachmittags etwas ruhiger. Um 5 Uhr wird das Meer bewegter. Um 6 Uhr großes Schwanken. 11. Jenner 8 Uhr Morgens vor Pola. Bis 12 Uhr Nachts war es sehr stürmisch – dann trat bonazza ein, und man kon(n)te etwas schlafen. Um 2 Uhr dem Dampfer Bombay begegnet. Jetzt, 8 Uhr Morgens, ist es noch sehr finster! 8 ½ Uhr. Es regnet und gegen Italiens Küste zeigt sich ein herrlicher, doppelter Regenbogen in vollem Halbkreis. – Sia segno di pace! Ore 2 pom(eriggio) bei Regenwetter in eingelaufen. Gott sey gelobt u(nd) gedankt! Um 3 Uhr sind wir endlich ans Land gestiegen, nachdem die Sanität, die Polizei, u(nd) die Maut ihre Schuldigkeit gethan hatten. Für Alle die auf dieser schönen Reise genoßenen Wohlthaten u(nd) Schutz danke ich meinem Gott! Er wolle mir nun auch die Meinen wohl und gesund antreffen lassen! Triest hat mir nie so wohl gefallen, obschon in Nebel gehüllt u(nd) naß, und kothig! Nach einer Reise durch die Wüste u(nd) Meer lernt man erst die bebaute Erde schätzen! F(ranz) Jos(eph) und! 12. Jenner 1856. Noch immer keine Nachrichten von meiner Frau – vom Baron Bruck erfahre ich daß ein dringendes Schreiben an mich nach Alexandrien vom 10. d(es) M(onats) abgegangen ist. Heute ist S(eine) K(aiserliche) Hoheit der Erz(herzog) aus Stroi[Istra?] u(nd) Pola zurükgekehrt, u(nd) freundlichempfangen worden. Wir hatten Sitzung bis 1 Uhr, dann gingen wir zum Arsenal des Lloyd, dann zu Revoltella zum Diner. Er hat die Commission sehr gastfreundlich behandelt, u(nd) die Leute waren entzükt. Dann Teatro grande: Trovatore, und im Falle Alla Porta Schlechtigkeit wegen einer B. N. u(nd) sogleich an die Polizei angezeigt. 13 ten Jenner 1856 Eine heftige unerwartete Bora hat die Abreise der anderen Commissäre nach Venedig verhindert – daher bleiben sie alle hier. Mac Clean ist um 3 Uhr über Wien abger(eist), was mir leid that, da er Malemano nicht sehen kann. Visite bei D. Mertens, Pascotini Lloyd, Camera di Commmercio u(nd) Podestà – dann um 12 ½ Uhr schöne Audienz bei S(eine)r K(aiserlichen) Hoheit dem Erz(herzog) Ferd(inand) Max(imilian). Er sieht vortrefflich aus u(nd) das Baret kleidet ihn sehr gut. Er hat ein angenehmes à Plombe; u(nd) gleich las er mir einen Brief des Vice-Königs vor, worin er sehr schmeichelhaft über mich schrieb. S(eine) K(aiserliche) H(oheit) hat S(eine)r Majestät davon Ken(n)tniß gegeben. Er war herzlich, herablassend theilnehmend, gesprächig, u(nd) sprach sehr gut, u(nd) ist für den Suezer Canal ungemein eingenommen. Gerne wird er das Protectorat annehmen, und den 1. Spatenstich machen. Nun treibt es mich gewaltig nach Wien! Was werde ich dort finden? Was die Frau, was die Kinder machen? Gazie und Gummibaum an den Quellen Moises 18. 12(18)55 Bei Vollendung der Eisenbahn von Treviso nach Casarsa. Ich bin für meine Anstrengungen hinreichend belohnt, weil das Werk geglükt ist. Keinen anderen Dank kann und darf der Meister für sein Werk beanspruchen, als das Bewußtseyn der Menschheit nützlich geworden zu seyn.