zu erstarken, und jene Früchte zu tragen, welche der Sturm selten oder nie gedeihen läßt. Du kannst nicht glauben, mit welcher Theilnahme ich die Bewegungen der letzten Zeit folge, u. welche Angst mich erfaßt wenn ich denke, daß der bald ausbrechende, oder jetzt schon ausgebrochene Bruderkampf der Schweiz nie u. nimmermehr zur Ehre, und zu irgendetwas Guten gereichen kann! Während Ihr gehornischt vom Fuße bis zum Kopf Euch zum Kampfe, bereite ich mich friedlich zur Reise nach Egypten vor. In der Hofnung, Euer Krieg könne unmöglich in die Länge dauern, daß Du, u. Adolf unversehrt daraus hervorgehet, was der Himmel geben wolle, stelle ich Dir die Frage ganz ernstlich, ob du die Reise nach Egypten mit machen willst. Sie soll die gar nichts kosten, da du als mein rechter Arm reisen soll. Nur Besoldung kann ich dir keine Anbiethen, da wir unsere Leistungen auf den Altar Europas opfern, u. nur im Falle man zur Ausführung schreitet, wird uns Europa wahrscheinlich erkennen. Für die Reise sind die nöthigen Fonds bereits vorhanden. Ich denke gegen Ende Dez. vorhin über Breslau, jetzt der kürzeste Weg nach Paris und Marseille abzureisen in Paris würden wir zusammen kommen. Indem wir unser Geschäft gut zu Stande bringen, würde ich dir die Stelle als Architect en Chef de Societé d'Execution de Canal de Suez anbiethen. Antworte mir bald, bündig, u. ohne Rükhalt, und Caroline sage Du, daß ich auf mich wie auf einen Bruder Acht geben will! Meine Caroline, eine Kreuzberger Wible, läßt Euch tausendmal grüßen, – wir sprechen oft von Euch, u. sie fragt immer, ob ich keinen lustigen Brief aus der Schweiz habe! Die Arme bedarf es so sehr – sie hat vor 8 Tagen ihren Vater verlohren, und erwartet bis zu meiner Rückkunft aus Egypten – eine Vermehrung im Kreise meiner kleinen Familie. Meine Buben gedeihen Gottlob, ganz prächtig, und das Madl wächst u. lernt unter der festen Leitung meiner Lotti ganz zusehend! Ich weiß nun nichts mehr und nichts kräftigen zu sagen, als behute u. beschütze Euch Gott! Dein wahrer Freund Negrelli