Mein verehrtester Herr Director! Wien den 13 Jänner 1857 Vom ganzen Herzen erwidere ich die Wünsche zu einem glücklichen Neujahr- und schon am Silvesterabend, den ich im Kreise meiner Lieben zubrachte, tauchte die Erinnerung an den lärmenderen Zürcher Silvester Abend auf- und da wurde auch an Sie und an die Ihrigen in Liebe gedacht. Ich bin jedenfalls dankbar, daß die mir die Veräußerung meiner Actien anriehten: so lange Sie und Herr Ott an der Spitze waren, hatte ich Vertrauen. Seither ist es aber geschwunden, und mein Glaube wird täglich fester, daß mehrere Linien der schw. Eisenbahnen vergriffen, und die Kosten der ins Leben tretenden zu hoch sind, um ein rentables Geschäft daraus machen zu können. Mich freuet es daß St. Hilaire Ihnen 20 Exempare unseres Berichtes, und des Ablasses über die Durchstechung der Landenge von Suez zugeschickt hat. Sie werden daraus ersehen, wie leicht die technische Frage gelößt worden ist. Die oeconomische ist eben so- u. die politische wird folgen müßen. Denn, auch die englische Nation erkennt mit der ganzen Welt den universellen, u den speziel englischen Nutzen der großen Unternehmung, und Palmerston, Clarendon und Stratford de Redcliffe, die einzigen, die sich opponiren, ohne die Gründe dafür zu sagen, werden nicht ewig am Ruder bleiben! Der Süßwasser Canal in die Wüste wird schon in Angriff genommen- u bald werden 6o/m[Fellahs] dabei beschäftiget seyn! In Egypten gehet Alles nach einem großartigen Maßtab. Ich bin froh, daß nun Aussicht vorhanden ist, die Neuenburger Frage auf friedlichen Weg beigelegt zu sehen. Wie scheint daß beim rechten Licht betrachtet, die Ursache zur großen Aufregung fehlte, u daß etwas weniger Trotzt von Seite des Bundesrathes vom Anfang her der Schweiz viel Unruhe u viel Geld erspart u ihre Ehre unverletzt erhalten hätte. Nun freue ich mich, daß die Sprache der Vermittlung beider Orten zugänglicher geworden ist, u daß der Morgen tagende Nationalrath die Hand zum Frieden biethen wird. Durch ein Zusammenstoß, dessen Wiederhall unabsetzbare Gränzen hätte erhalten können hätte Niemand was gewonnen- sondern die ganze Welt, u die Civilisation nicht wenig dabei eingebüßt. Oesterreich hat zur Erhaltung des Friedens rechtlich das Seine gethan. Nun leben Sie wohl, mein bester Herr Director! Gott erhalte Sie u die Ihrigen lange und immer gesund, und bleiben wir im neuen Jahre die alten! Ganz der Ihrige Negrelli Meine letzte Reise in Galizien war sehr beschwerlich. Voriges Jahr hatte ich am 6. Dez. in Egypten+26 Grad u im letzten Dez. in Galizien-20 Grad, was eine Differenz von 46 Grad macht. Und doch lebt man!