Internationale F.VUBADER.WJENi« Rcd&ciion, Admiaialr&tioa und Druckerei befinden sich im Tavillon der „Neuen Freien Presse“ auf dem Äus^telJun^npIixtze. In dein Ankündigung-Bureau dieses Pavillons werden auch Inserate für die „Internationale AiUitelluiigs-ZeUung“ übernommen; ein getrenntes Abonnement auf dieselbe wird jedoch nicht eröünet. Die Ausgabe der ,,Internationalen Ausstellungs-Zeitung“ erfolgt täglich um 2 Uhr Nachmittags sowol im Pavillon selbst, als auch an allen Verkaufsstellen auf dem Ausstellungsplatze. — Die Versendung an die Abonuenten der „Neuen Freien Presse“ findet unentgeltlich und gleichzeitig mit jener des Morgenblattes statt. ■ i - _ i _ " !» ■ . _IllLlLJ— Li eien Mittheilungen der General-Direction. Freitag, 30. Mai 1873. Die Ausstellung wird um 9 Uhr* Vormittags geöffnet und um 6 Uhr Abends geschlossen. Eintrittspreis sin Gulden Oesterreichischer Währung. Conccrt der Weltausstellungs-Capelle, airigirt von Johann Strauss, k. k. Hofballmusik-Director. Chef d’orehestre: Julius Langenbach. Von 4—C Uhr Nachmittags auf dem Mozartplatze, gegenüber dem Palais des VicekBnigs von Egypten, ffiei günstiger Witterung.) PROGRAMM: I. Abtheilung: 1. Ouvertüre zu „Zampa“ von Herold. 2. „Etikette-Polka“ von Joseph Strauss. 8. Vorspiel zu „Lohengrin“ von Richard Wagner. 4. „Schwungräder“, Walzer von Johann Strauss. 5. Gehurtstagsmarsch von Taubert. II. A b t h e i 1 u n g: 6. Ouvertüre, op. 124, von Beethoven. 7. „Königslieder“, Walzer von Johann Straus*. 8. Potpourri aus „Faust“ von Gounod. 9. „Piccicato-Polka“, von Johann Strauss. 10 Finale aus „Maritana“ von Wallace. Am Eingänge des Directionsgebäudes befindet sich ein allgemeines Reclamations- und Auskunftsbureau, in welchem in deutscher, französischer, englischer und italienischer Sprache Auskünfte ertheilt werden. In dem Post- und Telegraphengebäude rechts vom Haupt- eingango in den Ausstellungsrayon sind zwei Lesezimmer eröffnet. In denselben, die auch zum Schreiben von Briefen und Telegrammen benützt werden können, liegen 120 in- und ausländische Zeitungen auf. Entr4c fünf Kreuzer. Die Ausstellungs-Buchhandlung befindet sich gegenüber dem Jury-Pavillon. Allwöchentlich wird ein Verzeichniss der von ihr zum Verkaufe übernommenen Publicationen veröffentlicht. Die Verkaufstisehe der Ausstellungs-Buchhandlung sind im ganzen Ausstellungsrayon vertheilt. Zur unentgeltlichen Benützung durch die Besucher der Ausstellung hat die General-Direction eine Anzahl von Bänken im Ausstellungsrayon aufstellen lassen. Ausserdem sind auf dem Ausstellungsplatzc im Freien wie in den gedeckten Räumen 12,000 Fauteuils und Stühle aufgestcllt. Die Taxe für die Benützung eines Fauteuils beträgt 10, für die eines Stuhles 5 Kreuzer. An allen Eingängen und bei der Rotunde stehen 500 Rollwagen. Taxe für die erste Stunde 1 fl. 50 kr., für jede folgende Stunde 1 fl., für den halben Tag 5 fl., für den ganzen Tag 10 fl. Wochenkarten, sowie Karten für den einmaligen Eintritt in die Weltausstellung 1 zu 1 Gulden für die Wochentage und zu 50 Kreuzer für die Sonn- und Feiertage werden auch bei folgenden Postämtern verkauft : Bei dem Briefaufgabs-Amte und Correspondenz-Bureau des Haupt-Postamtes, bei den Postämtern auf dem Franz Josephs- Quai (Esslinggasse) , in der Ifabsburgergasso, im Herrenbaus (Gebäude der mederösterreichischen Stände, Herrongasse), in der Landskrongasse, Maximilianstrasse , auf der Seilerstättc, in der Taborstrasse, Praterstrasse, auf der Landstrasse, unter den Weissgärbern, auf der Wieden, in Margarethen, in Mariahilf, am Neubau (Zieglergasse) und Neubau (Siebensterngasso), in der Josephstadt, am Alsergrund, in Döbling, in der Favoritenstrasse, in Hernals, Hietzing, Meidling, Seclishaus, Simmering, Währing, am Franz-Josephs-Bahnhof, Nordbahnhof, Nordwesthahnhof, Staatsbahnhof, Südbahnhof, Westbahnhof. Morgen werden sämmtllche bisherige unentgeltliche Eintrittskarten für die Weltausstellung ausser Giltigkeit gesetzt. Karten in neuer Form werden im Central-Bureau der Kartenausgabe, 42 Praterstrasse, von 9—4 Uhr ausgefolgt. Die Offieierskarten zu 30 Kreuzer worden für die Herren Officiere der k. und k. Armee und der königlich ungarischen Landwehr bei dem Platzcommando (Alservorstadt, Alserstrasse 2, Alser- kaserne), für die Herren Officiere der österreichischen Landwehr bei dem Commando de3 Landwehr-Bataillons Wien Nr. 1 (Mariahilf, Hirschengasso 18) ausgegeben. Fuhrwerk wird nur iu den Stunden von 5 bis 8 Uhr Morgens in den Ausstellungsrayon zugelassen. Die General-Direction sieht sich veranlasst, jene Herren Aussteller, welche trotz wiederholt an sio ergangener Einladungen die Installation ihrer Objecte noch immer nicht vollendet und zum Theile ihre angemeldeten Ausstellungsgegenstände noch nicht ein- gebracht haben, aufmerksam zu machen, dass von Samstag den 31. Mai an kein Ausstellungs-Object mehr zur Aufstellung zugelassen wird. Der Anmeldungstermin für die internationale Pferde-Ausstel- lung ist bis Ende Juni verlängert worden. Die internationale Jury wird den Bestimmungen des Pro- granunes gemäss am 15. Juni Abends zusammentreten und Montag den IG. ihre Arbeiten beginnen. Das Scrutinium der Wahlen für die österreichische Jury hat vorgestern begonnen, demnach werden auch keine Wahllisten mehr angenommen. Die intemationale Ausstellung von Rindern, Schafen, Schweinen, Ziegen, Eseln und Maulthieren (in der Krie-An nächst dem Rondeau) wird dem Programme gemäss morgen Samstag den 81. Mai, eröffnet und am 9. Juni geschlossen. Für die Zufahrt eignet sich besonders die über die Sophienbrücke führende und beim Rondeau ausmündende Tramwaylinie. Die internationale Thieransstellnng wird täglich um 9 Uhr Morgens geöffnet werden. Nach 7 Uhr Abends wird der Eintritt nicht gestattet. Der Eintrittspreis ist für jeden der zehn Ausstellungstage 50 Kreuzer, jedoch ist die Thierausstellnnif von dem Veltaus- stellungsrayon räumlich getrennt, so dass Jeder, der von der einen Ausstellung in die andere gelangen will, den bezüglichen Eintrittspreis zu entrichten hat. Ausgenommen nievon sind nur die Besitzer der Saison-, Commissions-, Ehren- und Journalistenkarten. Industrie-Ausstellungen und Preise. Wien, 29. Mai. Industrie-Ausstellungen in ihrer bisherigen Art zeigen höchstens, was ein bestimmter Industrieller oder was eine bestimmte Industrie eines ganzen Landes in technischer Beziehung leisten kann, nicht aber, was sie bisher geleistet bat, noch weniger, was sie in ökonomischer Beziehung zu leisten vermag. Nur in seltenen Fällen sind den ausgestellten Waaren die Verkaufspreise angehängt, schon weil die Ausstellungen meistens nicht Verkaufsbazare sein sollen, sondern nur Sehaubazare. Selbst aber wenn die Aussteller die ausgestellten Producte mit Verkaufspreisen versehen und auch etwa verkaufen dürfen unter der Bedingung, dass der Käufer die Waare bis zum Ende der Ausstellung an ihrem Aussteilungsplatze belassen muss, wäre damit gar nichts gewonnen; wii wüssten damit immer nur, zu welchem Preise der Aussteller diese bestimmte ausgestellte Species in dem spe- ciellen Falle verkaufen will oder, wenn später der Name des Käufers gleichfalls daran vermerkt worden ist, zu welchem Preise er die bestimmte Waare auf der Ausstellung wirklich verkauft hat. Dieser angeboteue oder dieser wirklich ins Leben getretene Kaufpreis gibt uns noch nicht im geringsten einen Anhalt für die ökonomische Leistungsfähigkeit der Aussteller. Zum Behuf der Ausstellungen werden die Producte mit einer viel grösseren Sorgfalt gemacht, als diejenigen, welche man im gewöhnlichen Leben aut den Markt bringt, man will ja eben Reclame machen im Grossen, wie man mit den Schaufenstern Reclame im Kleinen macht, für welche Schaufenster die Muster- waaren auch auserlesene Producte sind. Solche ausgestellte Stücke wird der Producent selten nach ihrem wahren Arbeitswerth verkaufen können, er verlangt es auch nicht, denn die Productionskosten solcher SchauFEUILLETON. Der Pavillon der Frauenarbeit. Wien, 29. Mai. Nordöstlich von der Rotunde, zwischen dem Ost- Transept der Industriehalle und dem Maschinenraum, in Verbindung mit der additioncillen Ausstellung der Geschichte der Gewerbe und Erfindungen, steht der Pavillon der Frauenarbeit, vorläufig ein verschlossenes Haus, an dessen Pforte wir uns als „gut Freund“ legi- timiren mussten , ehe sio sich bereitwillig aufthat, uns Einlass in den Raum zu gewähren, in welchem gegenwärtig noch gehämmert und gezimmert wird, um der Frauenarbeit auf der Weltausstellung eine würdige Stäric zu bereiten. — Im Innern des Pavillons ist Alles noch im Werden begriffen; zwischen Kisten und Kästen, an denen man noch klopft und pocht, bewegen sich, wie gute Geister des Hauses, die Damen des Executiv- Comitds, „regen ohne Ende die fleissigen Hände“, bemüht, unter dem Dache, das sich gegen die Unbill dos Wettere nicht einmal schützend erwies, die zarten Gebilde und Gewebe von Frauenbund ordnend zu gruppiren, die bunten Stickereien mit Geschmack in die etwas schwerfälligen Eichensehränko zu verthcilcn, die zu den zarten, luftigen Dingen nickt immer harmonisch passen. Frauenarbeit! Aschenbrödel unter den stolzen Schwestern aus dem Reiche der Industrie, man hat dir den schwerfälligsten Holzschuh angethan, welcher dir nicht passt; man hat dir eine Decke über dein liebliches Haupt gezogen, die dich kaum schützt und doch fast erdrückt! — doch nein — wir sind ja froh darüber, dass man dich überhaupt mitgenommen zu dem prächtigen Feste, auf welchem deine begünstigten Schwestern den stolzen Reigen führen; wir sind dankbar dafür, dass man dir überhaupt ein Plätzchen gegönnt und dich nicht wie sonst zu Hause gelassen, am nissigen Herde, während die Schwestern alle Prunkgewänder angethan und sich geschmückt hatten zum glänzenden Fest! Nun, so bist du denn auf dem Festplatze erschienen, Frauenarbeit, du missachtetes Ding, urwüchsig und ungeschminkt, aber lebensfriscli und kräftig, und wir freuen uns des frischen Reizes, der dich umgibt, und um den mancher entwickeltere Sprosse deines Stammes dich beneiden könnte! Wer dich lieht, wie Jene, die dich herangezogen, der wird erkennen, dass du durchaus nicht zu verachten bist, dass eine bedeutende Zukunft dir blüht, wenn du entwickelt, gepflegt und herangebildet würdest wie die anderen, denen man Schulen und Heimstätten baut, die man schützt, pflegt und fördert. Es war keine kleine, mühelose Aufgabe, der Frauenarbeit auf der Weltausstellung eine Stätte zu gründen und die Ausstellung dadurch um eine höchst interessante Abthoilung zu bereichern. Mit festem Willen, unermüdlichem Fleisse und be- wunderungswerther Thatkraft wurde, ankämpfend gegen die mannichfaclisten Hindernisse, die Ausstellung von Frauenarbeit ins Leben gerufen, und es mussten sich Fachgelehrte an die Spitze des Unternehmens stellen, um die Durchführung desselben überhaupt zu ermöglichen. Ein gewähltes Damen-Comite besorgte unter dieser Führung in thütigem Zusammenwirken die Detail-Arbeiten und ist zum Theil auch jetzt noch damit beschäftigt, wo es gilt, in dem der Frauenarbeit gewidmeten Raume die vielen aus allen Gegenden unseres Vaterlandes stammenden Proben von Frauenthätigkeit übersichtlich und mit Geschmack zu ordnen und den Gesammt-Eindruck des Ganzen zu einem freundlichen und wohlthuenden zu machen, was trotz der Ungunst der äusseren Verhältnisse wol sicherlich gelingen wird. Es ist schwer, in Kürze anzudeuten, welch mannich- faltige Zweige der Frauen-Industrie diese Ausstellung in sich vereinigt; da sind Schul-Arbeiten aus allen Theilen des Reiches, I-Iaus-Industrie aus den entlegensten Provinzen, Frauenarbeit in jeder Art und jeden Genres. Kunststickerei und Spitzen-Iudustrie, Maschin- und Handnäherei, Blumenfabrication und Porcelan- Malerei, Mosaik-Arbeit und Holzschnitzerei, Photographie und Seidenzucht, Fächermalerei und Kunsttischler-Arbeit, Strohflechterei und Phantasie-Arbeit, Weissstickerei und Nadel-Arbeit jeder Form und jeder Gestalt! Und doch ist das Ganze übersichtlich in drei Gruppen getheilt, von denen die erste die Abtheilung derSchul- Arb eiten, Arbeitsproben aus den verschiedenstenLehr- anstalten Wiens und der Provinzen, sowie die Darstellung des Lehrganges einzelner weiblicher Industrieschulen in sich vereinigt. Wer Zeit und Mühe nicht scheut, diese Abtheilung zu studiren, wird ihr lehrreiche Aufschlüsse über manche unserer Unterrichts-Anstalten speciell, sowie den Ueberblick über die Leistungen unserer Arbeitsschulen im Allgemeinen verdanken. Für den flüchtigen Beschauer hat diese Abtheilung allerdings nicht viel Anziehendes. Wir wollen für heute auch daran vorübergehen und nur in Kürze versichern, dass sie des Interessanten und Lehrreichen sehr viel enthält, wie auch des Alltäglichen die Fülle. Zur Beruhigung einzelner Pessimisten sei hier erwähnt: Alle Sorten von Strümpfen finden in der Ausstellung von Frauenarbeit ihre Vertretung, nur nicht der gefürchtete — Blaustrumpf! Ein buntes, wechselvoiles Bild verspricht die zweite Abtheilung, die Ausstellung der nationalen Haus-Industrie, zu bieten. Darin erscheinen die originellsten Dinge, durchgehend,s Werke von Frauenbund, aus den entlegensten Reichsprovinzen, stets den charakteristischen Stempel ihrer Herkunft tragend. Gestickte Gewänder, wie sie die bäuerliche Bevölkerung einzelner Gebirgsländer, nicht für den Markt, sondern, Jntcrnationaie Ausstellungs-Zeitung. — Beilage der „Neuen Freien Presse“. 1873 wirthschaftliche , statistische Kenntnisse, so lange die Beamten, wie in Oesterreich und Preusseu, fast rein juristisch geschult werden. Hätten wir überall in Deutschland schon in Wirklichkeit statt auf dem Papier, und oft auch nicht einmal da, gut durchgebildete Fubriks-Inspectoren, so könnten dieselben sehr wohl auch dazu verwendet werden, eine solche Preisstatistik zu machen, namentlich für ludustric-Productc. Auf diese Weise könnte inan vielleicht alhnälig für Indu- stric-Producto, welche der Mode wenig unterworfen sind, deren Fabrication sich daher ziemlich weit rückwärts verfolgen lässt, namentlich also für Theilfabricate oder, wie man sie gewöhnlich nennt, für Halbfahncate, wie Roh- Eisen, Schmiede-Eisen verschiedener Stärken, Garne verschiedener Nummern u. s. w., eine genügende Statistik Zusammentragen. So könnte die Lust der Fabrikanten, sich bekannt zu machen, in richtige Bahnen geleitet, direct ihnen selbst, dem Publicum und der Wissenschaft, dadurch aber indirect auch wieder den beiden ersteren grosse Dienste leisten. Hier könnten wir Material für eine Geschichte der Preise sammeln, wie sie das Programm der Wiener Weltausstellung in einer additioneilen Ausstellung wünscht, ohne aber näherden Modus der Ausführung anzugeben. Gerade für Industrie-Producte ist der Statistiker fast aller brauchbaren Angaben bar, da die Manufacte auf den grossen Börsen nicht gehandelt und folglich nicht notirt werden; der ganze grosse, viele Hunderte von Waaren enthaltende Waaren-Preiscourant der Hamburger Börse enthält fast gar keine Manufacte. Die wenigen, welche derselbe früher enthiolt, sind mehr oder weniger weggofallen, sobald die betreffende Qualität aus dem Haudel kam, ohne durch ähnliche ersetzt zu werden. Aus den Ein- und Ausfuhr-Declarationen, sowie sie selbst in den besten, z. B. den Tabellen des bamburg'ischen Handels publicirt werden, kann der Privat-Statistiker auch wenig schöpfen, weil die so ermittelten Preise das zusammengesetzte Product aus verändertem Preise der gleichen Qualität, aus veränderter Qualität bei gleichem Preise und aus veränderter Qualität bei verändertem Preise sein können. Auch hiezu müsste der Statistiker zu den Original-Declarationen zurücksteigen, was selbst, wenn es ihm gestattet wäre, die Kräfte des Einzelnen überstiege. Eine wahrhaft brauchbare Preisstatistik mehrerer Jahrhunderte, welche zur Beurtheilung aller wirthschaft- lichen, und namentlich auch der socialen Verhältnisse so höchst nöthig wäre, kann der Privat-Statistiker nicht beschaffen, nur viribus unitis ist hier grosser Erfolg zu hoffen. Wie viele unserer Beamten aber, welche in einflussreichen Stellungen, in denen sie helfen könnten, sich befinden, haben denn Verständniss für diese Fragen ? Und wo das Verständniss dafür fehlt, woher soll denselben Lust zur Beihilfe kommen? Und wenn die Imst erwachen sollte, der Wirthschaftsstatistik zu helfen, woher die geschulten Arbeitskräfte nehmen, nachdem gewissermassen systematisch volkswirtschaftliche und statistische Unkenntniss der Verwaltungsbeamten herangebildet worden ist? Doch lassen wir diese traurigen Betrachtungen, welche an dieser Stelle doch ebenso unerhört wie an anderen Orten verhallen. Schliessen wir dieselben lieber mit einem freundlicheren Bilde, nämlich mit einem Beispiele, wie man aus deu Geschäftsbüchern die Preise von Iudustrie-Producten einen langen Zeitraum zurück verfolgen kann. In dem Antrag zu dem jetzt gerade 25 Jahre alten, von Abgeordneten des Handelsstandes in Frankfurt am Main aufgesiellten „Entwurf zu einem Zolltarif für das vereinte Deutschland“ finden sich aus Original-Facturen ermittelt die Preise von 15 Geweben gleicher Art, welche höchstens durch die Vervollkommnung der Maschinen und durch sonstige technische Hilfsmittel wesentlich verbessert worden sind, aus den Jahren 1818, 1834, 1848. Da tritt dem Kundigen eine Fülle der Belehrung aus Zahlen entgegen, welche den Rückgang der Preise bei allen Geweben in Percenten anzeigen; mau denke sich derartige Ermittlungen systematisch für mehr Waaren, für mehr Zeitpunkte, für mehr Orte durch geführt, so gibt das ein Bild der durch die fortgeschrittene Technik herbei- gefiihrten Verbilligung, wie man es für Geschichte der Technik wie für die gesammte Oulturg’cschichto sich nicht schöner wünschen kann. Dr. E. Laspoyres. Die Chinarinden von Java. Zu dem reichen Schatze vegetabilischer Erzeugnisse, welchen die niederländisch-ostindisclien Colonien ebenso anziehend als übersichtlich ausgestellt haben, tragen mehrere schöne Muster von Chinarinden nicht unwesentlich bei, als Documente der gelungenen und bereits Flüchte tragenden Uebersiedlung und Cultur von Gewächsen, deren Heimat die Cordilleren- kette des fernen Südamerika ist. Nur hier, vom 10. Grad nördlicher bis zum 19. Grad südlicher Breite, kommen jene Bäume ursprünglich wild vor, welche die als Fiebermittel unschätzbaren Chinarinden liefern, die Chinabäume oder Cinchonen. Einige kurze Andeutungen über die Geschichte dieser Bäume überhaupt und ihrer Cultur auf Java dürften g-oeignet sein, das Interesse an den äusserlich unscheinbaren Rinden zu erhöhen. — Seit der Entdeckung der ersten Cinchona-Art durch den berühmten französischen Astronomen La Condamiue im Jahro 1737 hat die fortschreitende Erforschung der von den Chinabäumen bewohnten Gegenden die Zahl ihrer bekannten Arten auf etliche fünfzig gebracht. Viel älter als ihre botanische Keimtniss ist jene der fieberheilenden Eigenschaft ihrer Rinden. Sie datirt, wenn wir von allen sagenhaften oder zweifelhaften Nachrichten absehen und blos den Zeitpunkt ihrer ersten Einführung in Europa ins Auge fassen, etwa von der Mitte des 17. Jahrhunderts. Die Sicherheit der Wirkung als Fiebermittel machte die Chinarinden bald zu einem wichtigen, vielbegehrtcn Handelsartikel, und in Folge dessen nahm die Gewinnung derselben in den Chinadistricten einen immer mehr anwachsenden Umfang an. Derselbe steigerte sich besonders rapid, als nach der Entdeckung des Chinins im Jahre 1820 dieses als der wichtigste Träger der fieberver- treibenden Wirkung der Chinarinde erkannt ward und fortan statt dieser seihst fast ausschliesslich in dei Heilkunde zur Anwendung kam. Um den grossen, mit den Fortschritten der Civilisation sich noch erhöhenden Verbrauch dieser als Heilmittel geradezu unersetzlichen Pflanzenbase zu decken, musste den rasch entstehenden zahlreichen Chininfabriken ein ungeheures Materiale zugeführt werden. Dieses lenkte zu einer ebenso habgierigen als planlosen und höchst barbarischen Ausbeutung der Chinabäume in ihren Heimatsstätten, welche schonungslos niedergehauen und abgerindet wurden und erweckte endlich umsomehr die Sorge, es könnte bald der Zeitpunkt kommen, wo der leidenden Menschheit eines der kostbarsten Heilmittel gerauht sein würde, als bei den fortdauernden politischen Wirren jener Länder an eine methodische Cultur der Bäume und eine schonende Gewinnung ihrer Rinde kaum zu denken war. Die Idee einer Verpflanzung und Cultur der Chinabiiume in anderen klimatisch entsprechenden Ländern lag daher nahe und dieselbe wurde nach vielseitigen Anregungen schliesslich von mehreren europäischen Regierungen der Verwirklichung entgegengeführt. Den Niederiändern gebührt hier der Ruhm der Priorität. Schon seit dem Jahre 1829 hatten verschiedene niederländische Forscher ihrer Regierung die Lösung der Chinafrage ans Herz gelegt, indem sie auf Java als ein für die Acclimaiisation der Chinabäume geeignetes Gebiet hinwiesen. Aber erst nachdem 1850 die Franzosen einen allerdings nicht glücklichen Versuch ge- 2 ätücke rechnet er zu den General-Unkosten seines Geschäftes als Roclaiue. wie andere Keclamen in Circularen, in Zeitungs-Annoncen. Ja, die Schaustücke auf den Ausstellungen wird der Fabrikant sogar bereit sein, auffallend billig zu verkaufen, wenn er hofft, durch den billigen Preis Reclame zu machen. Wollte nach Verkauf dieses Stückes ein anderer Kauflustiger bei demselben dio gleiche Waaro um den gleichen Preis kaufen, so würde derselbe beim Produccnten, wie man un gewöhnlichen Leben sagt, ,,schön ankommen“. Eine weitere Möglichkeit wäre, dass die Verkäufer ihre ökonomische Leistungsfähigkeit dadurch docu- mentiren wollen, dass sie auf den Ausstellungen durch den Waaren beigefügte Annoncen sieb bereit erklären, die gleichen Waaren zu gleichen Preisen auch fernerhin zu liefern. Ein aufrichtiger, gewissenhafter und vorsichtiger Industrieller könnte diese Zusicherung, wenn er sie ernst meint, natürlich nur für eine kurze, leidlich zu übersehende Zeit und für dio- bisher gemachten Producte, deren Gestehungskosten er nachträglich berechnen kann, machen; für künftig zu verfertigende aber nicht, da er nicht wissen kann, in welchem Masse seine Productionskosten sich ändern werden. Ein minder gewissenhafter Aussteller wird als Reclame auch für die Folgezeit zu dem bezeichneteu Preise zu liefern versprechen, kann er sich doch, sobald diese Offerte für ihn nicht mehr vortheilhaft sind, dadurch retten, dass er Bestellungen zu dem versprochenen Preise nicht annimmt. Also auch solche Preisangaben für künftig zu liefernde Producte taugen ebensowenig, die Leistungsfähigkeit der Aussteller in wirtschaftlicher Beziehung zu beweisen, wie Preisangaben für die gegenwärtig zur Ausstellung gelieferten Producte; es bleibt also nur übrig der Nachweis der in vergangener Zeit für dieselbe Waare geforderten und erhaltenen Preise. Wer glaubwürdig nachweisen kann, zu welchen Preisen und in welchen Quantitäten er bestimmte Waaren 'während eines längeren Zeitraumes geliefert hat, und, ohne in seinem Geschäft zurückzukommen, hat liefern können, für den wird die Vermutung sprechen, dass er, falls die Productionsumstände nicht wesentlich zu seinen Ungunsten sich ändern, auch fernerhin zu diesen Preisen wird liefern können und liefern wollen. Es kommt also darauf an, dass der Aussteller glaubwürdig nachweist, zu welchen Preisen er gewisse Waaren bisher geliefert hat. Leider darf man hier seinen privaten Angaben, selbst wenn er dieselben als für Excerpte aus den Geschäftsbüchern ausgibt, nicht unbedingt trauen ; wer steht dafür, dass die Preisangaben, welche er behufs Reclame macht, mit seinen Büchern wirklich stimmen, oder selbst wenn die angegebenen Preise mit den wirklichen Preisen übereinstimmen, dass die dafür gelieferten Waaren wirklich von der Qualität waren, die er angibt, und die er in seinen Ausstellungsgegenständen vorlegt. Um solche Nachweise glaubwürdig zu machen, müsste der Industrielle dieselben einer öffentlichen Prüfung durch den Staat unterwerfen, dessen Beamte in dieRechnungsbücher, in die Original-Facturen etc. Einsicht nehmen dürften, und so weites möglich ist, durch Befragung der Käufer zu prüfen berechtigt wären. Verstünden die hiemit beauftragten Beamten ihre Aufgabe, so könnten dieselben höchstens, wenn die Verkäufer mit allen Käufern zur Täuschung der Beamten sich verabredeten, betrogen werden. Ein solches systematisch durchgeführtes Lügengewebe, an dem Käufer und Verkäufer gewirkt haben, muss wegen Schadhaftigkeit der Kette oder des Einschlags reissen. Hieran würde also die Durchführung einer solchen Controle der gelieferten Preisnachweise kaum scheitern, wol aber wären die jetzigen Verwaltungsbeamten nicht tauglich zu solchen Ueberwachungen, es fehlt nichts weniger als Alles dazu, kaufmännische, technische, für eigenen Gebrauch, für Braut- und Festtage schafft, originelle Costüme, phantastische Brautkronen, seltsam gestaltete Mützen, ellenlange Strümpfe, die in reiche Falten gelegt werden müssen, um getragen worden zu können, buntgestickte Schürzen, goldseliimmernde Mieder, franzenbesetzte Leibchen .... Die Verschiedenheit österreichischer National-Charaktere und der di- vergirenden Trachten seiner Völkerschaften, von der Elbe bis zur Adria, findet an den Arbeiten der weiblichen Landbevölkerung ein Spiegelbild im Kleinen. Bemerkenswerth ist, dass in vielen dieser Industrie- Erzeugnisse, zumal in den Stickereien, sich ein gesunder Zug auBdrückt, der auf gute Traditionen, auf unbewusstes Nachbilden alter stylvoller Muster hinweist, oder auf glückliches Anlehnen an orientalischen Geschmack. Die dritte — reichhaltigste — Abtheilung umfasst die Frauenarbeit in ihren mannichfaltigsten Arten, wie sie von unserer Damenwelt theils zum Erwerb, theils zum Vergnügen, zur Ausschmückung der Wohnräume, der Geräthe, zum Schmuck der Toilette-Gegenstände etc. angefertigt wird. Es würde zu weit führen, wollten wir über diese Abtheilung, in welcher jede Dame des Interessanten gar Vieles finden wird, heute schon des Näheren berichten. Eines nur wollen wir unseren Leserinnen verrathen, nämlich dass die Vorliebe unserer Damenwelt für echte Spitzen sich in schönster Weise dadurch kundgab, dass wir derselben eine reiche Collection werthvoller echter Spitzen verdanken, die, den antiken oft täuschend nachgebildet, als Handarbeit von Dilettantinnen nur umsomehr unsere Anerkennung verdienen und der Ausstellung von Frauenarbeit zur schönsten Zierde gereichen. Einen ferneren hochinteressanten und werthvollen Beitrag erhält diese Abtheilung durch die graphische Darstellung der „Frauenarbeit in der Gross-Industrie“, welche wir der Energie und dem unermüdeten Sammel- fleiss der Herren Dr. M i g e r k a und Dr. H o 1 d h a u s I verdanken. Mit Erstaunen und Verwunderung sehen wir fast in allen Zweigen der Gross-Industrie die Frauenhand thütig, wo wir deren Mitwirkung kaum geahnt, geschweige denn gewürdigt hatten. An der Production des Rohstofles, an der Verarbeitung der Pflanzenfaser bei Gespinnst und Gewebe betheiligt sich die Erauen- hand, es gibt kaum Einen Industriezweig, in den sie nicht eingreift, an dem sie sich nicht, wenn auch zumeist bei untergeordneter Leistung, bethätigt. Es ist das Verdienst der graphischen Darstellung der Frauenarbeit im Dienste der Grossindustrie, uns diese Tliatsache klar zur Anschauung zu bringen, aber auch ein alter Erfahrungssatz spiegelt sich in dieser Darstellung: dass die Lohn- und Erwerbsverhältnisse der in der Gross-Industrie beschäftigten Frauen nur in dem Grade der höher entwickelten geistigen Fähigkeiten der Arbeiterin sich entwickeln, die Arbeit nur iu dem Masse besser entlohnt wird, als deren Leistung grössere Intelligenz und Vorbildung von Seite der Arbeiterin erheischt. Wir gehen kaum fehl, wenn wir behaupten, dass die Erwerbsfälligkeit der einzelnen Arbeiterinnen so ziemlich dem Grade der geistigen Regsamkeit entspricht, der sich in ihren mit photographischer Treue uns wiedergegebenen Gesichtszügen ausdrückt. ' Es wäre fürwahr eine würdige Aufgabe für einen Natio- nal-Oekonomen, die Lohnverhältnisse der hei verschiedenen Industriezweigen beschäftigten Frauen, vom gedankenlos, ohne Vorbildung arbeitenden „Mädchen von der Spule“ angefangen, bis zur erfinderischen Kunst- Industriellen oder der ihre Ideen venverthenden Direc- trice eines Modesalons vergleichend zu studiren. Einen grossen Reichthum an intelligenten und erwerbsfähigen weiblichen Arbeitskräften Besitzt Frankreich, mit seinen seit Decennien in allen Theilen des Reiches bestehenden Industrie- und Zeichenschulen für Mädchen. Daher stammt zum grossen Theile seine TIeherlegenheit auf jenen Gebieten der Industrie, auf denen Frauenarbeit dominirt, wie z. B. auf dem Gebiete der Mode. Die französische Modistin aber ist auch stolz auf ihre „Ideen“ und denkt nicht klein von ihrer „Kunst“. Lächelnd erinnern wir uns der Pariser Modistin, die am Boulevard des Italiens einer Wienerin, welche den Preis eines ihrer Erzeugnisse theuer zu finden wagte, weil nicht eben kostbares Material dazu verwendet war, in dem ihr geläufigen Französisch die pompöse Antwort gab: „Glauben Sie, dass Dumas seine Romane billiger verkauft hätte, wenn er wohlfeileres Papier dazu genommen?“ — Doch kehren wir wieder zurück in unsem Pavillon, fassen wir das Gesammtbild der Frauenarbeit in Oesterreich ins Auge und wir werden zu dem Resultate gelangen: Was die Ausstellung von Frauenarbeit auch an Schattenseiten enthüllt, einen grossen und wichtigen Zweck wird sie erreichen: sie wird Achtung vor der Frauenarbeit und die Ueber- zeugung in weite Kreise tragen, dass ein grosser Schatz an Arbeitskraft und Erwerbsfälligkeit in dpn Händen der Frauen Oesterreichs ruht! — Ruht, sagen wir; denn was Einzelne zum Schmucke der Ausstellung Rühmliches geschaffen, was befähigte Frauen auch für die Ausstellung Schönes geleistet, das bekundet nur das freie Vorschreiten einzelner begabter Naturen, die es vermögen, einherzutreten „auf der eigenen Spur“, deren Kunstfertigkeit an ihrer Person haftet und mit ihr — erstirbt. — Die grossen Massen aber haben nicht Theil daran, sie müssen erst herangezogen werden zum Cultus veredelter Arbeit, iu denen ist die Kraft noch — latent, gebunden durch Unwissenheit und Vorurtheile, eine würdige Aufgabe für Pädagogen und Volkswirthe, von unberechenbarer Tragweite für Mensehenwohlfahrt und Staatsentwicklung, tiefeingreifend in alle unsere socialen Verhältnisse müsste es sein, all die gebundene Kraft freizumachen, durch die Zauberformel: Bildung und Unter* rieht! — Emilie Bach. 1091 Weltausstellung 1873 . Die Frauenarbeit. I. Einleitendes. An der nordöstlichen Seite des Ausstellungsterrains, zwischen dem Pavillon der Staatsbahn und dem Expositionsgebäude des Ackerbaumimsteriums, steht eine jener hölzernen Bauten, wie sie der große, weite Platz unter den grünen Bäumen des Praters derzeit in bedeutender Zahl auszuweisen hat. Ein paar Säulen tragen ein Vordach, das gleichsam ein Vestibül bildet, und in diesen! hängen zwei Bilder. Das eine derselben stellt einen Mann dar, der über Schriften und Skizzen hin- blickend, die er mit der Linken wie liebevoll schützend festhält, einem anderen Manne, in Lederschurz und Handwerkertracht, die Rechte entgegenstreckt; dieser hat sie erfaßt und schaut mit verständnißvollem Blicke auf die Schriftzüge und Zeichnungen herab, die Gedankenarbeit des vor ihm Sitzenden, der ihm forschend ins Auge sieht. Gedanke und Durchführung, Theorie und Praxis schauen uns in sprechender Verkörperung aus dem Bilde entgegen. An der Nebenwand ist durch eine Copie von Ludwig Richters schaffender Hausfrau die Arbeit des Weibes in ihrem reizenden Gewände häuslicher Idylle dargestellt, die Mutter im Kreise ihrer Kinder, am Spinnrocken, im Erkerstübchen, mit dem Hinblicke auf die kleinen, geschäftigen Mädchen, die Bienenschaar im Weiberröckchen. Wenn wir an diesen Bildern vorüber in das Innere des Hauses treten, so schauen uns ganz wunderbare Dinge von allen Ecken und Enden entgegen: optische Instrumente, Brückenmodelle, eiserne Thürschlösser, chemische Präparate, Webestühle, Frauen- und Männerhüte, solche, wie man sie zu Methusalems Zeiten getragen, und solche, wie wir sie in den Schaufenstern unserer Stadt alltäglich zu sehen bekommen, Männerröcke und Frauengewänder in Gold- und Silberstoff, Prunk- und bürgerliche Alltagstrachten, wie sie unsere Urahnen getragen, längst vergessene Fußbekleidungen, Trompeten, Cithern und sonstige Musikinstrumente von absonderlicher Gestalt, athemlose Spinelle, vor denen wir in stummer Rührung stehen bleiben, weil uns die Etiketten sagen, daß das eine dünnbeinige Ding dem Liederheros Schubert, das andere dem olympischen Donnerer Beethoven, das dritte Mozart oder einem ähnlichen, tönende Wunder schaffenden Menschen einst angehörte; und noch hundert andere Dinge schauen uns von allen Seiten in bunter Mischung entgegen. Wir sind in einen Raum getreten, welcher die Illustration zu der Geschichte der neuesten Erfindungen in greifbarer Form bietet; rings herum an den Wänden hängen die Portraits der Männer, welche diese Geschichte ins Leben riefen; Gelehrte, Techniker, Erfinder in Gedanken und That, Menschen, welche die großartigsten, weltbewegendsten Revolutionen vollbringen halfen und die unabweislichste Herrschergewalt in Kraft und Uebung setzten, die der Macht des Geistes über die Materie. Pros. Exner gebührt das Verdienst, uns die Thaten dieser Männer, die ursprüngliche Verkörperung ihrer Gedanken bis zum vervollkommnetsten Standpunkt der Neuzeit klar und greifbar vor das Auge gestellt zu haben. Während nun der Besucher durch die Reihen von Kästen und Tischen schreitet, in und auf denen Längst- verblichenes und Niegesehenes neben Liebgewonnenem, Alltäglichem beisammen liegt und ihn der Ernst jahrelanger Mühe und Mannesarbeit, die hier allem Entstehen und Werden zu Grunde liegen, erfaßt, begegnet feinem Auge Plötzlich ein anderes, heiteres Bild, das ihm durch zwei hohe Bogenthüren aus dem anstoßenden Raume entgegenschaut. Es hat sich nämlich hier, wie es allenthalben im Leben geschieht, dicht hinter den Werken des Mannes das flüchtige, aus Millionen Fäden gefügte Gewebe festgenestelt, das überall Raum sucht und Raum findet, das scheinbar aus nichts entsteht und doch über dre ganze Welt sich breitet, das bunte, artenreiche Ding, das nur Frauenarbeit nennen. Es lag in dem ersten Plane dieser Collectivausstellung, die ganze Thätigkeit der Frauen Oesterreichs, von der Schule bis zum Gipfelpunkte menschlicher Leistungsfähigkeit, bis zu den Werken der Kunst und Literatur zur Exposition zu bringen. Aus mancherlei Gründen, vor Allem um der räumlichen Verhältnisse willen, die bedeutende Beschränkung auferlegten, sind die beiden letztgenannten Zweige der Ausstellung nicht ausgeführt worden und wir sehen nun hier nur die eigentliche Frauenarbeit exponirt. Sie beginnt ordnungsgemäß mit der Schule, und zwar mit der Volksschule, in welcher das kleine, sechsjährige Mädchen seine erste Geduldprobe an dem ersten gestrickten Bündchen ablegen lernt; dann sind da die städtischen Töchterschulen, die Lehrerinnen-Bildungsanstalten, die Klosterschulen, die Vereinsschulen, die Privatinstitute, die Taubstummen institute, die Waisenhäuser und endlich die traurigsten Arbeitsstätten und Schulen, die weiblichen Strafanstalten. Dann folgen die Arbeiten von Dilettantinnen, die Früchte und das Resultat der Schulen, geschmückt und ergänzt durch den Einfluß des Zeit' geistes, der Mode und der gereiften weiblichen Phon tasie, die auf das in der Kindheit Erworbene Neues, Ersonnenes und Erfundenes aufbaut. Wir sehen da neben Arbeiten, welche die Mußezeit im Palaste end stehen ließ, solche, die Noth und Mangel dem sin nenden Kopse und den schaffenden Händen abgerungen haben, ganz vortreffliche Leistungen, die uns mit Achtung und Bewunderung für weiblichen Fleiß und weibliche Erfindungsgabe erfüllen Angereiht an die geradezu glänzenden Objecte, welche diese Ausstellung begreift, präsentirt sich vor dem Auge des Beschauers eine Erscheinung, wie sie nur die traditionelle Dichtkunst im Volke zu ersinnen vermag, die nationale weibliche Hausindustrie, die Arbeiten der Frauen im Dorfe, wie sie für den Bedarf des Hauses geschaffen und seit Jahrhunderten angefertigt werden. Wie eine Wunderblume aus dem Mährchen sieht uns diese Sammlung aus dem hohen Eichenschranke, der sie faßt, entgegen. Absonderliche Weibermützen, Brautkränze voll Gold und voll Blumen, die nie erblühen und nie verwelken, schwere, gewebte Linnenstoffe, mit blitzendem Flitter bedeckte Gewänder, Teppiche von orientalischer Farbenmischung, Stickereien, die wie aus einem anderen Welttheile und aus längstverklungener Zeit hereinblicken, liegen da vor uns hingebreitet. Wie der rauschende, frische Quell des Lebens und der Erfindung und plötzlich wieder wie ein dürftiges, sterbendes Blümchen, das der Geist der Neuzeit in unaufhaltsamem Weiterschreiten zu zertreten droht, sehen uns diese Dinge an, die Frauenhände in der Einsamkeit des Gebirgsdorfes, an der Küste des Meeres und in den armseligen, schornsteinlosen Hütten im Nordosten Oesterreichs geschaffen haben. Während wir, noch halb in die Poesie der Ideen versunken, die diese Darstellung in uns weckt, uns langsam von ihr wenden, sieht uns wie die verkörperte Klugheit, aus Pultschränken eine ganz andere, in merkwürdige Exposition entgegen der Frauentyätigkeit auf Großindustrie Oesterreichs. mit einem Male, kleinen, niederen ihrer Art ganz : die Darstellung dem Gebiete der In Bildern, thei s einverwebt, wie viel Mühe, wie viel Sinnen und Dichten liegt all' den Arbeiten zu Grunde, die da vereint, ein glänzendes, farbenprächtiges Gesammt- bild, uns von allen Wänden entgegenschauen. An- derthalbtausend Arbeiten sind aus allen Provinzen Oesterreichs in den kleinen Pavillon im Prater eingelaufen; die Schulen aus fast allen größeren Städten, die kleinen Dörfer im tiefsten Süden und im fernsten Norden unseres großen Landes, die ungekannten Arbeitsstätten unserer Frauen, sie alle haben ihr Schärf- lein beigetragen, um die Ausstellung zu beschicken, um das Bild zu einem vollendeten zu machen. Aglaia v. Enderes. IkuiUettur. Jsabella Roffi, Gräfin Gabardi-Brorchi. Photographien, theils guten Handzeichnungen, sind die Arbeiterinnen in den Fabriken, den Ateliers, den Werkstätten an dem Platze ihrer Thätigkeit, an den Maschinen, den Webstühlen und mit ihrem Handwerkszeuge ausgerüstet abgebildet und den Bildern die Arbeitsgegenstände in allen jenen Stadien beigegeben, in welchen sie bei der Fabrication durch weibliche Hände gehen. Es ist durch diese Exposition, welche den Herren Sectionsrath Dr. Migerka und Han- delskammersccretär Dr. Hold Haus ihre Durchführung verdankt, das Gebiet der Fraucnthätigkeit in jedem besonderen industriellen Zweige mit einem einzigen Blicke zu übersehen und ruht ein ganz wunderbarer Schatz von Belehrung in der kleinen, absonderlichen Bildergalerie, die sich da vor unserem Auge an einander reiht. Die Gesammtausstellung der Frauenarbeit aber hat durch diese Darstellung einen vervollständigten Abschluß gefunden; sie ermöglicht uns, in die Arbeitsstätten zu blicken, wo die Frau ungesehen und ungenannt mitarbeitet an den vielbe- bewunderten Jndustriewerken, die nach ihrer Vollendung uns tagtäglich draußen auf dem Weltmärkte begegnen. Wenn wir unsere Augen an der Wollspinnerei, der Tuchsabrication, an dem Meerschaum- und Metall- Poliren, der Nadelfabrication, dem Porzellanmalen und dergleichen mehr sattgesehen, kehren wir zu den Spitzen, Blumen und farbigen Seidengeweben zurück, die den großen Saal erfüllen. „Die Arbeit von eintausend Stunden", sagt eine kleine Inschrift, die über einem weißgestickten, kleinen Battisttuche von der Verfertigen» angebracht wurde. Wie viel Mal tausend Stunden sind mit Freud und Leid in all' die Spitzen, Tücher, Kissen und Gewänder von Frauenhand hin- Diese geschätzte Dichterin ist eine Florentinerin und zeichnete sich schon in früher Jugend durch eine ungewöhnliche Begabung aus. Nicht nur daß Jsabella die Musen hold waren, sondern sie selbst mit ihrer hohen, majestätischen Gestalt und den sanften, edlen, ernsten, regelmäßigen Zügen erschien wie eine Muse. Sie liebte ihre Eltern, denen sie ihre 1841 unter dem Titel „?i '086 cki Isadella Rossi, k'iovenliiia" gesammelten Schriften in innigster Verehrung zueignete und die beide gleichfalls dichterisches Talent besaßen ; sie liebte das Vaterland wie eine Römerin des Alterthums mit einer großartigen, beinahe männlichen Energy. In ihren „durch bürgerliche Tugenden ausgezeichneten toscanischen Frauen" suchte sie ihre Mitschwestern durch große Beispiele aus der Vergangenheit zu edlen Thaten zu entflammen. Mit Schwung und Kraft und dabei in gedrängter Kürze des Ausdrucks erzählt sie von Lucrezia Mazzanti, der Florentinerin, die vorzog im Arno ihr Grab zu suchen, anstatt sich dem feindlichen Hauptmanne Recanati zu ergeben; und von Madonna Ghitta, die bei der Belagerung von Florenz Alles, was sie besaß, ein Paar goldene Ohrringe und ihren einzigen siebzehnjährigen Sohn, dem Vaterlande widmete; und von den kühnen Vertheidigerinnen von Siena; und von jener Cinzica dei Sismondi von Pisa, die eine italienische Jeanne d'Arc genannt zu werden verdient; ferner von der nicht minder kriegerischen Jppolita Degl' Azzi von Arezzo. Aber auch die weicheren Gefühle und Empfindungen versteht Jsabella Roffi zu schildern; ihre geschichtliche Erzählung von jener florentinischen Mutter, die ihr dreijähriges Kind aus den Klauen des Löwen befreit, indem sie ihn durch ihr Jammergeschrei rührt, steht so deutlich und klar vor den Augen des Lesers, daß er eine antike Mosaik zu erblicken glaubt, auf welcher der ergreifende Vorgang abgebildet ist. Die Perle unter jener Reihe von Erzählungen ist aber „die bolognesische Mutter", die jedes edle Herz rühren muß. Sie zeigt eine Frau mit aufopfernder Tugend auf jenem Gebiete, in dem die Frauen überhaupt nicht leicht übertroffen werden können: dem der großmüthigsten, liebevollsten Vergebung. Die „bolognesische Mutter" ist eine Heldin der menschenfreundlichsten, selbstvergessendsten Liebe und dadurch groß. Sie sitzt in ihrem majestätischen, ernsten Palast und erwartet mit zärtlicher Ungeduld in später Abendstunde ihren einzigen Sohn. Er kommt nicht. Anstatt seiner kommt ein fremder junger Mann und fleht sie an, ihm ein Asyl zu gewähren, da er das Unglück gehabt habe, in einem Streit einen Anderen umzubringen. Er ist bleich, seine Kleider sind mit Blut befleckt. Madonna hat Mitleid mit ihm und verbirgt ihn vor den Nachforschungen der Behörden. „Madonna", sagt ihr der Anführer der Truppen, „der Mann, den wir suchen, ist hier und Sie würden ihn uns nicht verbergen, wenn Sie wüßten, daß er der Mörder Ihres Sohnes ist." Sie erbleicht und stützt sich mühsam an dem Altar, unter dem sie den Fremden verborgen, aber trotz der herzzerreißenden Verzweiflung der Mutter siegt doch die Güte in ihrem erschütterten Innern und das Geheimniß kommt nicht über ihre Lippen. Die Truppen ziehen sich zurück. Der junge Mann fällt ihr voll Reue, Bewunderung und Dankbarkeit zu Füßen und will den Saum ihres Gewandes küssen. „Berührt mich nicht", ruft sie voll Abscheu, „das Blut, das ich den Adern meines Sohnes mittheilte, befleckt Eure Hände." — „Oh Signora, haben Sie Mitleid mit mir", erwiederte er, „übergeben Sie mich den Gerichten, aber ersparen Sie mir die Marter, die Ihre Worte mir ALLGEMEINE ILLUSTRIRTE WELTAUSSTELLUNGS-ZEITUNG. und persischen Pavillons und einer türkischen Küche benützt werden. Alles Baulichkeiten, welche durch ihre bunte Bemalung und durch ihre grotesken Formen das Interesse des Publicums in nicht geringem Masse in Anspruch nehmen werden. Yortrag über die Weltausstellung. Vor einem zahlreichen Auditorium hielt Herr Sections-Itatli Migerka letzten Sonntag im österr. Museum für Kunst und Industrie einen Vortrag über die Weltausstellung, dessen interessanter Inhalt es uns zur Pflicht macht, ihn auch unsern Lesern so weit als möglich zugänglich zu machen. Bemerkt sei noch, dass das Excerpt, das wir folgen lassen, sich auf stenographische Aufzeichnungen stützt. Bevor der Redner daran geht, über die Weltausstellung selbst zu sprechen, hält er es für ge-* boten, in gedrängter Weise Einiges vorauszuschicken über die Bedeutung des Ausstellungswesens im Allgemeinen. „Es dürfte Ihnen bekanntsein,” fährt er sodann fort, „dass der eigentliche Beginn des Ausstellungswesens in das Ende des vorigen Jahrhunderts zu verlegen ist. Das damalige französischeDirectorium hat zum ersten Male die Idee ausgesprochen, dass die Industriellen ihre hervorragendsten Erzeugnisse auf dem Marsfelde zu dem Zwecke ausstellen sollten, damit sie und ihre Leistungen in weiten Kreisen bekannt würden, damit sie sich ferner mit dem consumirenden Publicum in engere Beziehungen setzen, und namentlich die Regierung in unmittelbare Kenntniss ihrer Leistungsfähigkeit bringen könnten. Dieser erste Appell an die Industriellen hatte Erfolg, indem sich die für unsere Zeit freilich nur lächerlich gering erscheinende Zahl von 114 Ausstellern betheiligte. Dennoch war das schon ein Erfolg. Denn wir sehen von da ab auf dem Continente eine Ausstellung der andern folgen, und gewiegte volkswirtschaftliche Schriftsteller haben die Ausstellungen an sich als wesentliche Förderungsmittel der Industrie und des Cultur-Lebens bezeichnet. Allein alle diese Ausstellungen, deren wir auch in Oesterreich zwei hatten, hatten doch einen mehr oder minder beschränktenUmfang, indem sie hauptsächlich nur eine Stadt, eine Provinz oder ein Land zu vertreten hatten. Erstder nicht bloss um England, sondern um die ganze Menschheit verdiente Prinz Albert war es, der zuerst die Idee dahin erweiterte, dass nichtbloss einzelne Länder, sondern die ganze Menschheit herangezogen werden soll, damit durch die Ausstellungen nicht nur die Leistungsfähigkeit der Industrie, sondern auch des Verkehrswesens u. s. w„ kurz des ganzen wirth- schaftlichen Schaffens klar dargelegt werde. Im Jahre 1851 war die erste Weltausstellung in London; sie wurde von nahezu 20.000 Ausstellern beschickt. Sie fand Nachahmung in Paris, New-York, und jetzt sind wir in Wien daran, eine Weltausstellung zu eröffnen. Schon das allein, dass innerhalb eines Zeitraumes von nicht ganz 8 Jahrzehnten die Ausstellungen einander rasch folgten und solch gewaltige Ausdehnung erreichten, spricht dafür, dass das ganze Ausstellungs-Wesen eine gesunde Idee in sich scliliesst. Und in der Tliat ist dem so, der Beweis dafür ist nicht schwer. Es werden zunächst die Industriellen durch die Vorstellung, dass Beschauer von allen Punkten der Erde ihre Erzeugnisse einer strengen Prüfung unterziehen werden, zu ausserordentlichen Anstrengungen angefeuert. Aber auch der Verhehr gewinnt dadurch einen grossen Aufschwung. Man könnte hier vielleicht den Ein Wurf machen, dass wir heute, wo das Eisenbahn- und Telegraphen-Wesen eine sohoheEntwickelung erreicht, wo der Handel durch Versendung von Mustern, durch Bereisung der verschiedenen Absatzgebiete durch Agenten eine so grosse Ausdehnung gewonnnen hat, einer solchen Ausstellung nicht bedürften. Allein dem steht entgegen, dass es nur durch Ausstellungen möglich wird, die hervorragendsten Leistungen in einer so bequemen Weise Millionen unmittelbar zur Anschauung zu bringen. Ich kann es Ihnen zwar nicht ziffermässig nachweisen, allein es ist dennoch gewiss, dass das Absatzgebiet der betreffenden Länder durch die Ausstellung gestiegen ist, und auch wir können erwarten, dass Oesterreich, welches als Productions Gebiet heute bereits genug gekannt und ein Glied des internationalen Verkehrs geworden ist, auch im Oriente mehr bekannt werden wird. Auch um die Stärken und Schwächen einesLan- des in verschiedenen Industrie-Zweigen kennen zu lernen, sind Ausstellungen nützlich. Nach der ersten Ausstellung in London entstand eine förmliche Revolution auf dein industriellen Gebiete durch die ganz bedeutenden Leistungen der französischen Industrie. Ueberzeugt, dass auch die Form ihren hohen Werth habe, begannen nun die Engländer ihr Zeichnungswesen zu reformiren. Anknüpfend an diese Ausstellung gründete Prinz Albert das Kensington-Museum in London, nach dessen Vor- ' bild das österr. Museum in Wien gegründet wurde. In gleicher Weise gab die Pariser Ausstellung im J. 1867 England Veranlassung, sein ganzes Unterrichtswesen einer strengen Prüfung zu unterziehen und umzugestalten. Man begreift, dass, wenn die Industriellen irgend wie ihre Bedeutung zur Geltung bringen wollen, sie sich vorher rüsten, dass sie mit tüchtigen Zeichnern in Verbindung treten, die wirksamsten Kräfte für sich zu gewinnen suchen müssen. Die Ausstellungen bieten daher eine vortreffliche Gelegenheit auch manchem kleineren Manne, der auf dem grossen Markte sich nicht hätte liervor- thun können, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Kurz, was vom Ausstelluugswesen im Grossen gilt, dass es ein Förderungsmittel der Industrie und Gütererzeugung ist, das lässt sich im verstärkten Masse von den Weltausstellungen sagen. Doch ist damit ihre Wirksamkeit noch nicht erschöpft. Sie sind auch ein ganz bedeutendes Cul t ur-Mittel. Und namentlich von der Weltausstellung in Wien, die sich von den bisherigen durch ihren ungleich reichhaltigeren Inhalt unterscheiden wird, glaube ich sagen zu dürfen, dass sie gerade dieses Moment, die Beförderung der allgemeinen Bildung, für sich in besonderem Masse in Anspruch nehmen kann.” (Schluss folgt.) Weltausstellung und Frauen- Emancipation. Von Leopoldine Neuber. Sehr erfreulich ist die Thatsache, dass den Frauenarbeiten ein eigener Pavillon auf der Weltausstellung eingeräumt werden wird. Wir begrüssen darin einen bedeutenden Schritt nach vorwärts in der Emancipations- Frage. Diese leidige Emancipation! Man hat kaum den Muth, das arme, todtgehetzte Wort niederzuschreiben. Und doch recrutiren sich die Buchstaben dabei aus demselben Alphabet wie:„anmassende Gleichberechtigung,” „Herren der Schöpfung,” „verfehlte Bestimmung des Weibes” und wie sie noch alle heissen, diese Bannerträger einer Vergangenheit, die schon den Blättern der Weltgeschichte angehört und in unsere Gegenwart nur mehr mit ihren Vorurtheilen hereinragt. Wir sehen also, das Wort ist unschuldig an so manchen gestrengen Runzeln einer vorsündfluthlichen männlichen Denkerstirne, der Gebrauch allein macht es erst zu unserem Schrecken oder zu unserer Freude. Für diesmal verspreche ich feierlichst, so unparteiisch, als nur immer Frauen möglich, und so kurz und klar als nur Frauenart davon zu sprechen. Schon in einem früheren Artikel haben wir das Los der armen Handarbeiterin besprochen und dabei den frommen Wunsch gehegt, dass das gegenwärtig so mächtige Gestirn: die Weltausstellungs-Sonne auch diese dunklen, traurigen Existenzen mit einem erwärmenden Lichtstrahl erhellen möchte. Ein Wunsch, der jedenfalls vielfältiges Echo finden wird und manches müde Auge hoffnungsvoller blicken lässt. Aber nicht nur der armen, halbblinden Stickerin oder der gehetzten Dienerin der zehnten allmächtigen Muse, „der heiligen Mode”, soll geholfen werden. Die ganze Frauenfrage wird eine erhöhte Bedeutung gewinnen und eine festere praktische Grundlage erhalten. Ja, die Weltausstellungs-Sonne soll und wird auch da erwärmend und befruchtend einwirken und den jungen Saaten, die lange genug schon im Winterschnee der Unthätigkeit, unter dem Froste der engherzigen Vorurtheile liegen, zum fröhlichen Wachsthum verhelfen. Wir Frauen haben bereits angefangen, die deutsche Uebersetzung von „Emancipation” zu verstehen, wir wissen, es heisst: „lernen und arbeiten”. Der Frauen-Erwerbs- verein mit seinem segensreichen Wirken beweist durch die Schnelligkeit seiner Vergrösserung und Ausdehnung, wie zeitgemäss es ist, die lange vernachlässigten Frauenkräfte zu beachten und zu verwerthen. Dass Verwerthung und Werth noch im grellen Missverhältniss zusammen stehen, ist bis jetzt leider eine unleugenbare Thatsache, und der concentrirte Weltmarkt wird auch da seinen universellen Einfluss nicht verfehlen. Denn mit was rechtfertigen wir uns, dass wir die Kräfte und Zeit einer Frau kaum mit dem halben Theil der Summe entlohnen, die wir ganz und voll dem Manne zugestehen müssen? Nehmen denn die Mühen und Sorgen des Lebens eine gefälligere Form an, wenn sie einer Frau sich nahen? Und sind ihre körperlichen Lebensbedingungen nicht dieselben wie bei dem Manne? Es hängt uns eben noch mancher Barbarismus an, wir sind in vielen Dingen mittelalterlicher, als wir uns je gestehen mögen, und uns fehlt im Grossen und Ganzen der Gemeinsinn. Aber darin liegt eben Macht und Fortschritt. Schauen wir vergleichungsweise in die kleine deutsche Schweiz hinein. Da schwirrt und schwärmt es nirgends von Emancipations- Fragen und ihrem unerquicklichen Gefolge, von unverdautem, weil unverstandenem Phrasen-Geklingel. Das Mädchen besucht die ausgezeichnete Volksschule bis zu ihrem 15. auch 16. Jahre und entscheidet dann ruhig ohne den geringstenEmancipations-Gedanken über ihren künftigen Beruf. Die Lust „Buch-