Internationale F.VUBADER.WJENi« Rcd&ciion, Admiaialr&tioa und Druckerei befinden sich im Tavillon der „Neuen Freien Presse“ auf dem Äus^telJun^npIixtze. In dein Ankündigung-Bureau dieses Pavillons werden auch Inserate für die „Internationale AiUitelluiigs-ZeUung“ übernommen; ein getrenntes Abonnement auf dieselbe wird jedoch nicht eröünet. Die Ausgabe der ,,Internationalen Ausstellungs-Zeitung“ erfolgt täglich um 2 Uhr Nachmittags sowol im Pavillon selbst, als auch an allen Verkaufsstellen auf dem Ausstellungsplatze. — Die Versendung an die Abonuenten der „Neuen Freien Presse“ findet unentgeltlich und gleichzeitig mit jener des Morgenblattes statt. ■ i - _ i _ " !» ■ . _IllLlLJ— Li eien Mittheilungen der General-Direction. Freitag, 30. Mai 1873. Die Ausstellung wird um 9 Uhr* Vormittags geöffnet und um 6 Uhr Abends geschlossen. Eintrittspreis sin Gulden Oesterreichischer Währung. Conccrt der Weltausstellungs-Capelle, airigirt von Johann Strauss, k. k. Hofballmusik-Director. Chef d’orehestre: Julius Langenbach. Von 4—C Uhr Nachmittags auf dem Mozartplatze, gegenüber dem Palais des VicekBnigs von Egypten, ffiei günstiger Witterung.) PROGRAMM: I. Abtheilung: 1. Ouvertüre zu „Zampa“ von Herold. 2. „Etikette-Polka“ von Joseph Strauss. 8. Vorspiel zu „Lohengrin“ von Richard Wagner. 4. „Schwungräder“, Walzer von Johann Strauss. 5. Gehurtstagsmarsch von Taubert. II. A b t h e i 1 u n g: 6. Ouvertüre, op. 124, von Beethoven. 7. „Königslieder“, Walzer von Johann Straus*. 8. Potpourri aus „Faust“ von Gounod. 9. „Piccicato-Polka“, von Johann Strauss. 10 Finale aus „Maritana“ von Wallace. Am Eingänge des Directionsgebäudes befindet sich ein allgemeines Reclamations- und Auskunftsbureau, in welchem in deutscher, französischer, englischer und italienischer Sprache Auskünfte ertheilt werden. In dem Post- und Telegraphengebäude rechts vom Haupt- eingango in den Ausstellungsrayon sind zwei Lesezimmer eröffnet. In denselben, die auch zum Schreiben von Briefen und Telegrammen benützt werden können, liegen 120 in- und ausländische Zeitungen auf. Entr4c fünf Kreuzer. Die Ausstellungs-Buchhandlung befindet sich gegenüber dem Jury-Pavillon. Allwöchentlich wird ein Verzeichniss der von ihr zum Verkaufe übernommenen Publicationen veröffentlicht. Die Verkaufstisehe der Ausstellungs-Buchhandlung sind im ganzen Ausstellungsrayon vertheilt. Zur unentgeltlichen Benützung durch die Besucher der Ausstellung hat die General-Direction eine Anzahl von Bänken im Ausstellungsrayon aufstellen lassen. Ausserdem sind auf dem Ausstellungsplatzc im Freien wie in den gedeckten Räumen 12,000 Fauteuils und Stühle aufgestcllt. Die Taxe für die Benützung eines Fauteuils beträgt 10, für die eines Stuhles 5 Kreuzer. An allen Eingängen und bei der Rotunde stehen 500 Rollwagen. Taxe für die erste Stunde 1 fl. 50 kr., für jede folgende Stunde 1 fl., für den halben Tag 5 fl., für den ganzen Tag 10 fl. Wochenkarten, sowie Karten für den einmaligen Eintritt in die Weltausstellung 1 zu 1 Gulden für die Wochentage und zu 50 Kreuzer für die Sonn- und Feiertage werden auch bei folgenden Postämtern verkauft : Bei dem Briefaufgabs-Amte und Correspondenz-Bureau des Haupt-Postamtes, bei den Postämtern auf dem Franz Josephs- Quai (Esslinggasse) , in der Ifabsburgergasso, im Herrenbaus (Gebäude der mederösterreichischen Stände, Herrongasse), in der Landskrongasse, Maximilianstrasse , auf der Seilerstättc, in der Taborstrasse, Praterstrasse, auf der Landstrasse, unter den Weissgärbern, auf der Wieden, in Margarethen, in Mariahilf, am Neubau (Zieglergasse) und Neubau (Siebensterngasso), in der Josephstadt, am Alsergrund, in Döbling, in der Favoritenstrasse, in Hernals, Hietzing, Meidling, Seclishaus, Simmering, Währing, am Franz-Josephs-Bahnhof, Nordbahnhof, Nordwesthahnhof, Staatsbahnhof, Südbahnhof, Westbahnhof. Morgen werden sämmtllche bisherige unentgeltliche Eintrittskarten für die Weltausstellung ausser Giltigkeit gesetzt. Karten in neuer Form werden im Central-Bureau der Kartenausgabe, 42 Praterstrasse, von 9—4 Uhr ausgefolgt. Die Offieierskarten zu 30 Kreuzer worden für die Herren Officiere der k. und k. Armee und der königlich ungarischen Landwehr bei dem Platzcommando (Alservorstadt, Alserstrasse 2, Alser- kaserne), für die Herren Officiere der österreichischen Landwehr bei dem Commando de3 Landwehr-Bataillons Wien Nr. 1 (Mariahilf, Hirschengasso 18) ausgegeben. Fuhrwerk wird nur iu den Stunden von 5 bis 8 Uhr Morgens in den Ausstellungsrayon zugelassen. Die General-Direction sieht sich veranlasst, jene Herren Aussteller, welche trotz wiederholt an sio ergangener Einladungen die Installation ihrer Objecte noch immer nicht vollendet und zum Theile ihre angemeldeten Ausstellungsgegenstände noch nicht ein- gebracht haben, aufmerksam zu machen, dass von Samstag den 31. Mai an kein Ausstellungs-Object mehr zur Aufstellung zugelassen wird. Der Anmeldungstermin für die internationale Pferde-Ausstel- lung ist bis Ende Juni verlängert worden. Die internationale Jury wird den Bestimmungen des Pro- granunes gemäss am 15. Juni Abends zusammentreten und Montag den IG. ihre Arbeiten beginnen. Das Scrutinium der Wahlen für die österreichische Jury hat vorgestern begonnen, demnach werden auch keine Wahllisten mehr angenommen. Die intemationale Ausstellung von Rindern, Schafen, Schweinen, Ziegen, Eseln und Maulthieren (in der Krie-An nächst dem Rondeau) wird dem Programme gemäss morgen Samstag den 81. Mai, eröffnet und am 9. Juni geschlossen. Für die Zufahrt eignet sich besonders die über die Sophienbrücke führende und beim Rondeau ausmündende Tramwaylinie. Die internationale Thieransstellnng wird täglich um 9 Uhr Morgens geöffnet werden. Nach 7 Uhr Abends wird der Eintritt nicht gestattet. Der Eintrittspreis ist für jeden der zehn Ausstellungstage 50 Kreuzer, jedoch ist die Thierausstellnnif von dem Veltaus- stellungsrayon räumlich getrennt, so dass Jeder, der von der einen Ausstellung in die andere gelangen will, den bezüglichen Eintrittspreis zu entrichten hat. Ausgenommen nievon sind nur die Besitzer der Saison-, Commissions-, Ehren- und Journalistenkarten. Industrie-Ausstellungen und Preise. Wien, 29. Mai. Industrie-Ausstellungen in ihrer bisherigen Art zeigen höchstens, was ein bestimmter Industrieller oder was eine bestimmte Industrie eines ganzen Landes in technischer Beziehung leisten kann, nicht aber, was sie bisher geleistet bat, noch weniger, was sie in ökonomischer Beziehung zu leisten vermag. Nur in seltenen Fällen sind den ausgestellten Waaren die Verkaufspreise angehängt, schon weil die Ausstellungen meistens nicht Verkaufsbazare sein sollen, sondern nur Sehaubazare. Selbst aber wenn die Aussteller die ausgestellten Producte mit Verkaufspreisen versehen und auch etwa verkaufen dürfen unter der Bedingung, dass der Käufer die Waare bis zum Ende der Ausstellung an ihrem Aussteilungsplatze belassen muss, wäre damit gar nichts gewonnen; wii wüssten damit immer nur, zu welchem Preise der Aussteller diese bestimmte ausgestellte Species in dem spe- ciellen Falle verkaufen will oder, wenn später der Name des Käufers gleichfalls daran vermerkt worden ist, zu welchem Preise er die bestimmte Waare auf der Ausstellung wirklich verkauft hat. Dieser angeboteue oder dieser wirklich ins Leben getretene Kaufpreis gibt uns noch nicht im geringsten einen Anhalt für die ökonomische Leistungsfähigkeit der Aussteller. Zum Behuf der Ausstellungen werden die Producte mit einer viel grösseren Sorgfalt gemacht, als diejenigen, welche man im gewöhnlichen Leben aut den Markt bringt, man will ja eben Reclame machen im Grossen, wie man mit den Schaufenstern Reclame im Kleinen macht, für welche Schaufenster die Muster- waaren auch auserlesene Producte sind. Solche ausgestellte Stücke wird der Producent selten nach ihrem wahren Arbeitswerth verkaufen können, er verlangt es auch nicht, denn die Productionskosten solcher SchauFEUILLETON. Der Pavillon der Frauenarbeit. Wien, 29. Mai. Nordöstlich von der Rotunde, zwischen dem Ost- Transept der Industriehalle und dem Maschinenraum, in Verbindung mit der additioncillen Ausstellung der Geschichte der Gewerbe und Erfindungen, steht der Pavillon der Frauenarbeit, vorläufig ein verschlossenes Haus, an dessen Pforte wir uns als „gut Freund“ legi- timiren mussten , ehe sio sich bereitwillig aufthat, uns Einlass in den Raum zu gewähren, in welchem gegenwärtig noch gehämmert und gezimmert wird, um der Frauenarbeit auf der Weltausstellung eine würdige Stäric zu bereiten. — Im Innern des Pavillons ist Alles noch im Werden begriffen; zwischen Kisten und Kästen, an denen man noch klopft und pocht, bewegen sich, wie gute Geister des Hauses, die Damen des Executiv- Comitds, „regen ohne Ende die fleissigen Hände“, bemüht, unter dem Dache, das sich gegen die Unbill dos Wettere nicht einmal schützend erwies, die zarten Gebilde und Gewebe von Frauenbund ordnend zu gruppiren, die bunten Stickereien mit Geschmack in die etwas schwerfälligen Eichensehränko zu verthcilcn, die zu den zarten, luftigen Dingen nickt immer harmonisch passen. Frauenarbeit! Aschenbrödel unter den stolzen Schwestern aus dem Reiche der Industrie, man hat dir den schwerfälligsten Holzschuh angethan, welcher dir nicht passt; man hat dir eine Decke über dein liebliches Haupt gezogen, die dich kaum schützt und doch fast erdrückt! — doch nein — wir sind ja froh darüber, dass man dich überhaupt mitgenommen zu dem prächtigen Feste, auf welchem deine begünstigten Schwestern den stolzen Reigen führen; wir sind dankbar dafür, dass man dir überhaupt ein Plätzchen gegönnt und dich nicht wie sonst zu Hause gelassen, am nissigen Herde, während die Schwestern alle Prunkgewänder angethan und sich geschmückt hatten zum glänzenden Fest! Nun, so bist du denn auf dem Festplatze erschienen, Frauenarbeit, du missachtetes Ding, urwüchsig und ungeschminkt, aber lebensfriscli und kräftig, und wir freuen uns des frischen Reizes, der dich umgibt, und um den mancher entwickeltere Sprosse deines Stammes dich beneiden könnte! Wer dich lieht, wie Jene, die dich herangezogen, der wird erkennen, dass du durchaus nicht zu verachten bist, dass eine bedeutende Zukunft dir blüht, wenn du entwickelt, gepflegt und herangebildet würdest wie die anderen, denen man Schulen und Heimstätten baut, die man schützt, pflegt und fördert. Es war keine kleine, mühelose Aufgabe, der Frauenarbeit auf der Weltausstellung eine Stätte zu gründen und die Ausstellung dadurch um eine höchst interessante Abthoilung zu bereichern. Mit festem Willen, unermüdlichem Fleisse und be- wunderungswerther Thatkraft wurde, ankämpfend gegen die mannichfaclisten Hindernisse, die Ausstellung von Frauenarbeit ins Leben gerufen, und es mussten sich Fachgelehrte an die Spitze des Unternehmens stellen, um die Durchführung desselben überhaupt zu ermöglichen. Ein gewähltes Damen-Comite besorgte unter dieser Führung in thütigem Zusammenwirken die Detail-Arbeiten und ist zum Theil auch jetzt noch damit beschäftigt, wo es gilt, in dem der Frauenarbeit gewidmeten Raume die vielen aus allen Gegenden unseres Vaterlandes stammenden Proben von Frauenthätigkeit übersichtlich und mit Geschmack zu ordnen und den Gesammt-Eindruck des Ganzen zu einem freundlichen und wohlthuenden zu machen, was trotz der Ungunst der äusseren Verhältnisse wol sicherlich gelingen wird. Es ist schwer, in Kürze anzudeuten, welch mannich- faltige Zweige der Frauen-Industrie diese Ausstellung in sich vereinigt; da sind Schul-Arbeiten aus allen Theilen des Reiches, I-Iaus-Industrie aus den entlegensten Provinzen, Frauenarbeit in jeder Art und jeden Genres. Kunststickerei und Spitzen-Iudustrie, Maschin- und Handnäherei, Blumenfabrication und Porcelan- Malerei, Mosaik-Arbeit und Holzschnitzerei, Photographie und Seidenzucht, Fächermalerei und Kunsttischler-Arbeit, Strohflechterei und Phantasie-Arbeit, Weissstickerei und Nadel-Arbeit jeder Form und jeder Gestalt! Und doch ist das Ganze übersichtlich in drei Gruppen getheilt, von denen die erste die Abtheilung derSchul- Arb eiten, Arbeitsproben aus den verschiedenstenLehr- anstalten Wiens und der Provinzen, sowie die Darstellung des Lehrganges einzelner weiblicher Industrieschulen in sich vereinigt. Wer Zeit und Mühe nicht scheut, diese Abtheilung zu studiren, wird ihr lehrreiche Aufschlüsse über manche unserer Unterrichts-Anstalten speciell, sowie den Ueberblick über die Leistungen unserer Arbeitsschulen im Allgemeinen verdanken. Für den flüchtigen Beschauer hat diese Abtheilung allerdings nicht viel Anziehendes. Wir wollen für heute auch daran vorübergehen und nur in Kürze versichern, dass sie des Interessanten und Lehrreichen sehr viel enthält, wie auch des Alltäglichen die Fülle. Zur Beruhigung einzelner Pessimisten sei hier erwähnt: Alle Sorten von Strümpfen finden in der Ausstellung von Frauenarbeit ihre Vertretung, nur nicht der gefürchtete — Blaustrumpf! Ein buntes, wechselvoiles Bild verspricht die zweite Abtheilung, die Ausstellung der nationalen Haus-Industrie, zu bieten. Darin erscheinen die originellsten Dinge, durchgehend,s Werke von Frauenbund, aus den entlegensten Reichsprovinzen, stets den charakteristischen Stempel ihrer Herkunft tragend. Gestickte Gewänder, wie sie die bäuerliche Bevölkerung einzelner Gebirgsländer, nicht für den Markt, sondern, Jntcrnationaie Ausstellungs-Zeitung. — Beilage der „Neuen Freien Presse“. 1873 wirthschaftliche , statistische Kenntnisse, so lange die Beamten, wie in Oesterreich und Preusseu, fast rein juristisch geschult werden. Hätten wir überall in Deutschland schon in Wirklichkeit statt auf dem Papier, und oft auch nicht einmal da, gut durchgebildete Fubriks-Inspectoren, so könnten dieselben sehr wohl auch dazu verwendet werden, eine solche Preisstatistik zu machen, namentlich für ludustric-Productc. Auf diese Weise könnte inan vielleicht alhnälig für Indu- stric-Producto, welche der Mode wenig unterworfen sind, deren Fabrication sich daher ziemlich weit rückwärts verfolgen lässt, namentlich also für Theilfabricate oder, wie man sie gewöhnlich nennt, für Halbfahncate, wie Roh- Eisen, Schmiede-Eisen verschiedener Stärken, Garne verschiedener Nummern u. s. w., eine genügende Statistik Zusammentragen. So könnte die Lust der Fabrikanten, sich bekannt zu machen, in richtige Bahnen geleitet, direct ihnen selbst, dem Publicum und der Wissenschaft, dadurch aber indirect auch wieder den beiden ersteren grosse Dienste leisten. Hier könnten wir Material für eine Geschichte der Preise sammeln, wie sie das Programm der Wiener Weltausstellung in einer additioneilen Ausstellung wünscht, ohne aber näherden Modus der Ausführung anzugeben. Gerade für Industrie-Producte ist der Statistiker fast aller brauchbaren Angaben bar, da die Manufacte auf den grossen Börsen nicht gehandelt und folglich nicht notirt werden; der ganze grosse, viele Hunderte von Waaren enthaltende Waaren-Preiscourant der Hamburger Börse enthält fast gar keine Manufacte. Die wenigen, welche derselbe früher enthiolt, sind mehr oder weniger weggofallen, sobald die betreffende Qualität aus dem Haudel kam, ohne durch ähnliche ersetzt zu werden. Aus den Ein- und Ausfuhr-Declarationen, sowie sie selbst in den besten, z. B. den Tabellen des bamburg'ischen Handels publicirt werden, kann der Privat-Statistiker auch wenig schöpfen, weil die so ermittelten Preise das zusammengesetzte Product aus verändertem Preise der gleichen Qualität, aus veränderter Qualität bei gleichem Preise und aus veränderter Qualität bei verändertem Preise sein können. Auch hiezu müsste der Statistiker zu den Original-Declarationen zurücksteigen, was selbst, wenn es ihm gestattet wäre, die Kräfte des Einzelnen überstiege. Eine wahrhaft brauchbare Preisstatistik mehrerer Jahrhunderte, welche zur Beurtheilung aller wirthschaft- lichen, und namentlich auch der socialen Verhältnisse so höchst nöthig wäre, kann der Privat-Statistiker nicht beschaffen, nur viribus unitis ist hier grosser Erfolg zu hoffen. Wie viele unserer Beamten aber, welche in einflussreichen Stellungen, in denen sie helfen könnten, sich befinden, haben denn Verständniss für diese Fragen ? Und wo das Verständniss dafür fehlt, woher soll denselben Lust zur Beihilfe kommen? Und wenn die Imst erwachen sollte, der Wirthschaftsstatistik zu helfen, woher die geschulten Arbeitskräfte nehmen, nachdem gewissermassen systematisch volkswirtschaftliche und statistische Unkenntniss der Verwaltungsbeamten herangebildet worden ist? Doch lassen wir diese traurigen Betrachtungen, welche an dieser Stelle doch ebenso unerhört wie an anderen Orten verhallen. Schliessen wir dieselben lieber mit einem freundlicheren Bilde, nämlich mit einem Beispiele, wie man aus deu Geschäftsbüchern die Preise von Iudustrie-Producten einen langen Zeitraum zurück verfolgen kann. In dem Antrag zu dem jetzt gerade 25 Jahre alten, von Abgeordneten des Handelsstandes in Frankfurt am Main aufgesiellten „Entwurf zu einem Zolltarif für das vereinte Deutschland“ finden sich aus Original-Facturen ermittelt die Preise von 15 Geweben gleicher Art, welche höchstens durch die Vervollkommnung der Maschinen und durch sonstige technische Hilfsmittel wesentlich verbessert worden sind, aus den Jahren 1818, 1834, 1848. Da tritt dem Kundigen eine Fülle der Belehrung aus Zahlen entgegen, welche den Rückgang der Preise bei allen Geweben in Percenten anzeigen; mau denke sich derartige Ermittlungen systematisch für mehr Waaren, für mehr Zeitpunkte, für mehr Orte durch geführt, so gibt das ein Bild der durch die fortgeschrittene Technik herbei- gefiihrten Verbilligung, wie man es für Geschichte der Technik wie für die gesammte Oulturg’cschichto sich nicht schöner wünschen kann. Dr. E. Laspoyres. Die Chinarinden von Java. Zu dem reichen Schatze vegetabilischer Erzeugnisse, welchen die niederländisch-ostindisclien Colonien ebenso anziehend als übersichtlich ausgestellt haben, tragen mehrere schöne Muster von Chinarinden nicht unwesentlich bei, als Documente der gelungenen und bereits Flüchte tragenden Uebersiedlung und Cultur von Gewächsen, deren Heimat die Cordilleren- kette des fernen Südamerika ist. Nur hier, vom 10. Grad nördlicher bis zum 19. Grad südlicher Breite, kommen jene Bäume ursprünglich wild vor, welche die als Fiebermittel unschätzbaren Chinarinden liefern, die Chinabäume oder Cinchonen. Einige kurze Andeutungen über die Geschichte dieser Bäume überhaupt und ihrer Cultur auf Java dürften g-oeignet sein, das Interesse an den äusserlich unscheinbaren Rinden zu erhöhen. — Seit der Entdeckung der ersten Cinchona-Art durch den berühmten französischen Astronomen La Condamiue im Jahro 1737 hat die fortschreitende Erforschung der von den Chinabäumen bewohnten Gegenden die Zahl ihrer bekannten Arten auf etliche fünfzig gebracht. Viel älter als ihre botanische Keimtniss ist jene der fieberheilenden Eigenschaft ihrer Rinden. Sie datirt, wenn wir von allen sagenhaften oder zweifelhaften Nachrichten absehen und blos den Zeitpunkt ihrer ersten Einführung in Europa ins Auge fassen, etwa von der Mitte des 17. Jahrhunderts. Die Sicherheit der Wirkung als Fiebermittel machte die Chinarinden bald zu einem wichtigen, vielbegehrtcn Handelsartikel, und in Folge dessen nahm die Gewinnung derselben in den Chinadistricten einen immer mehr anwachsenden Umfang an. Derselbe steigerte sich besonders rapid, als nach der Entdeckung des Chinins im Jahre 1820 dieses als der wichtigste Träger der fieberver- treibenden Wirkung der Chinarinde erkannt ward und fortan statt dieser seihst fast ausschliesslich in dei Heilkunde zur Anwendung kam. Um den grossen, mit den Fortschritten der Civilisation sich noch erhöhenden Verbrauch dieser als Heilmittel geradezu unersetzlichen Pflanzenbase zu decken, musste den rasch entstehenden zahlreichen Chininfabriken ein ungeheures Materiale zugeführt werden. Dieses lenkte zu einer ebenso habgierigen als planlosen und höchst barbarischen Ausbeutung der Chinabäume in ihren Heimatsstätten, welche schonungslos niedergehauen und abgerindet wurden und erweckte endlich umsomehr die Sorge, es könnte bald der Zeitpunkt kommen, wo der leidenden Menschheit eines der kostbarsten Heilmittel gerauht sein würde, als bei den fortdauernden politischen Wirren jener Länder an eine methodische Cultur der Bäume und eine schonende Gewinnung ihrer Rinde kaum zu denken war. Die Idee einer Verpflanzung und Cultur der Chinabiiume in anderen klimatisch entsprechenden Ländern lag daher nahe und dieselbe wurde nach vielseitigen Anregungen schliesslich von mehreren europäischen Regierungen der Verwirklichung entgegengeführt. Den Niederiändern gebührt hier der Ruhm der Priorität. Schon seit dem Jahre 1829 hatten verschiedene niederländische Forscher ihrer Regierung die Lösung der Chinafrage ans Herz gelegt, indem sie auf Java als ein für die Acclimaiisation der Chinabäume geeignetes Gebiet hinwiesen. Aber erst nachdem 1850 die Franzosen einen allerdings nicht glücklichen Versuch ge- 2 ätücke rechnet er zu den General-Unkosten seines Geschäftes als Roclaiue. wie andere Keclamen in Circularen, in Zeitungs-Annoncen. Ja, die Schaustücke auf den Ausstellungen wird der Fabrikant sogar bereit sein, auffallend billig zu verkaufen, wenn er hofft, durch den billigen Preis Reclame zu machen. Wollte nach Verkauf dieses Stückes ein anderer Kauflustiger bei demselben dio gleiche Waaro um den gleichen Preis kaufen, so würde derselbe beim Produccnten, wie man un gewöhnlichen Leben sagt, ,,schön ankommen“. Eine weitere Möglichkeit wäre, dass die Verkäufer ihre ökonomische Leistungsfähigkeit dadurch docu- mentiren wollen, dass sie auf den Ausstellungen durch den Waaren beigefügte Annoncen sieb bereit erklären, die gleichen Waaren zu gleichen Preisen auch fernerhin zu liefern. Ein aufrichtiger, gewissenhafter und vorsichtiger Industrieller könnte diese Zusicherung, wenn er sie ernst meint, natürlich nur für eine kurze, leidlich zu übersehende Zeit und für dio- bisher gemachten Producte, deren Gestehungskosten er nachträglich berechnen kann, machen; für künftig zu verfertigende aber nicht, da er nicht wissen kann, in welchem Masse seine Productionskosten sich ändern werden. Ein minder gewissenhafter Aussteller wird als Reclame auch für die Folgezeit zu dem bezeichneteu Preise zu liefern versprechen, kann er sich doch, sobald diese Offerte für ihn nicht mehr vortheilhaft sind, dadurch retten, dass er Bestellungen zu dem versprochenen Preise nicht annimmt. Also auch solche Preisangaben für künftig zu liefernde Producte taugen ebensowenig, die Leistungsfähigkeit der Aussteller in wirtschaftlicher Beziehung zu beweisen, wie Preisangaben für die gegenwärtig zur Ausstellung gelieferten Producte; es bleibt also nur übrig der Nachweis der in vergangener Zeit für dieselbe Waare geforderten und erhaltenen Preise. Wer glaubwürdig nachweisen kann, zu welchen Preisen und in welchen Quantitäten er bestimmte Waaren 'während eines längeren Zeitraumes geliefert hat, und, ohne in seinem Geschäft zurückzukommen, hat liefern können, für den wird die Vermutung sprechen, dass er, falls die Productionsumstände nicht wesentlich zu seinen Ungunsten sich ändern, auch fernerhin zu diesen Preisen wird liefern können und liefern wollen. Es kommt also darauf an, dass der Aussteller glaubwürdig nachweist, zu welchen Preisen er gewisse Waaren bisher geliefert hat. Leider darf man hier seinen privaten Angaben, selbst wenn er dieselben als für Excerpte aus den Geschäftsbüchern ausgibt, nicht unbedingt trauen ; wer steht dafür, dass die Preisangaben, welche er behufs Reclame macht, mit seinen Büchern wirklich stimmen, oder selbst wenn die angegebenen Preise mit den wirklichen Preisen übereinstimmen, dass die dafür gelieferten Waaren wirklich von der Qualität waren, die er angibt, und die er in seinen Ausstellungsgegenständen vorlegt. Um solche Nachweise glaubwürdig zu machen, müsste der Industrielle dieselben einer öffentlichen Prüfung durch den Staat unterwerfen, dessen Beamte in dieRechnungsbücher, in die Original-Facturen etc. Einsicht nehmen dürften, und so weites möglich ist, durch Befragung der Käufer zu prüfen berechtigt wären. Verstünden die hiemit beauftragten Beamten ihre Aufgabe, so könnten dieselben höchstens, wenn die Verkäufer mit allen Käufern zur Täuschung der Beamten sich verabredeten, betrogen werden. Ein solches systematisch durchgeführtes Lügengewebe, an dem Käufer und Verkäufer gewirkt haben, muss wegen Schadhaftigkeit der Kette oder des Einschlags reissen. Hieran würde also die Durchführung einer solchen Controle der gelieferten Preisnachweise kaum scheitern, wol aber wären die jetzigen Verwaltungsbeamten nicht tauglich zu solchen Ueberwachungen, es fehlt nichts weniger als Alles dazu, kaufmännische, technische, für eigenen Gebrauch, für Braut- und Festtage schafft, originelle Costüme, phantastische Brautkronen, seltsam gestaltete Mützen, ellenlange Strümpfe, die in reiche Falten gelegt werden müssen, um getragen worden zu können, buntgestickte Schürzen, goldseliimmernde Mieder, franzenbesetzte Leibchen .... Die Verschiedenheit österreichischer National-Charaktere und der di- vergirenden Trachten seiner Völkerschaften, von der Elbe bis zur Adria, findet an den Arbeiten der weiblichen Landbevölkerung ein Spiegelbild im Kleinen. Bemerkenswerth ist, dass in vielen dieser Industrie- Erzeugnisse, zumal in den Stickereien, sich ein gesunder Zug auBdrückt, der auf gute Traditionen, auf unbewusstes Nachbilden alter stylvoller Muster hinweist, oder auf glückliches Anlehnen an orientalischen Geschmack. Die dritte — reichhaltigste — Abtheilung umfasst die Frauenarbeit in ihren mannichfaltigsten Arten, wie sie von unserer Damenwelt theils zum Erwerb, theils zum Vergnügen, zur Ausschmückung der Wohnräume, der Geräthe, zum Schmuck der Toilette-Gegenstände etc. angefertigt wird. Es würde zu weit führen, wollten wir über diese Abtheilung, in welcher jede Dame des Interessanten gar Vieles finden wird, heute schon des Näheren berichten. Eines nur wollen wir unseren Leserinnen verrathen, nämlich dass die Vorliebe unserer Damenwelt für echte Spitzen sich in schönster Weise dadurch kundgab, dass wir derselben eine reiche Collection werthvoller echter Spitzen verdanken, die, den antiken oft täuschend nachgebildet, als Handarbeit von Dilettantinnen nur umsomehr unsere Anerkennung verdienen und der Ausstellung von Frauenarbeit zur schönsten Zierde gereichen. Einen ferneren hochinteressanten und werthvollen Beitrag erhält diese Abtheilung durch die graphische Darstellung der „Frauenarbeit in der Gross-Industrie“, welche wir der Energie und dem unermüdeten Sammel- fleiss der Herren Dr. M i g e r k a und Dr. H o 1 d h a u s I verdanken. Mit Erstaunen und Verwunderung sehen wir fast in allen Zweigen der Gross-Industrie die Frauenhand thütig, wo wir deren Mitwirkung kaum geahnt, geschweige denn gewürdigt hatten. An der Production des Rohstofles, an der Verarbeitung der Pflanzenfaser bei Gespinnst und Gewebe betheiligt sich die Erauen- hand, es gibt kaum Einen Industriezweig, in den sie nicht eingreift, an dem sie sich nicht, wenn auch zumeist bei untergeordneter Leistung, bethätigt. Es ist das Verdienst der graphischen Darstellung der Frauenarbeit im Dienste der Grossindustrie, uns diese Tliatsache klar zur Anschauung zu bringen, aber auch ein alter Erfahrungssatz spiegelt sich in dieser Darstellung: dass die Lohn- und Erwerbsverhältnisse der in der Gross-Industrie beschäftigten Frauen nur in dem Grade der höher entwickelten geistigen Fähigkeiten der Arbeiterin sich entwickeln, die Arbeit nur iu dem Masse besser entlohnt wird, als deren Leistung grössere Intelligenz und Vorbildung von Seite der Arbeiterin erheischt. Wir gehen kaum fehl, wenn wir behaupten, dass die Erwerbsfälligkeit der einzelnen Arbeiterinnen so ziemlich dem Grade der geistigen Regsamkeit entspricht, der sich in ihren mit photographischer Treue uns wiedergegebenen Gesichtszügen ausdrückt. ' Es wäre fürwahr eine würdige Aufgabe für einen Natio- nal-Oekonomen, die Lohnverhältnisse der hei verschiedenen Industriezweigen beschäftigten Frauen, vom gedankenlos, ohne Vorbildung arbeitenden „Mädchen von der Spule“ angefangen, bis zur erfinderischen Kunst- Industriellen oder der ihre Ideen venverthenden Direc- trice eines Modesalons vergleichend zu studiren. Einen grossen Reichthum an intelligenten und erwerbsfähigen weiblichen Arbeitskräften Besitzt Frankreich, mit seinen seit Decennien in allen Theilen des Reiches bestehenden Industrie- und Zeichenschulen für Mädchen. Daher stammt zum grossen Theile seine TIeherlegenheit auf jenen Gebieten der Industrie, auf denen Frauenarbeit dominirt, wie z. B. auf dem Gebiete der Mode. Die französische Modistin aber ist auch stolz auf ihre „Ideen“ und denkt nicht klein von ihrer „Kunst“. Lächelnd erinnern wir uns der Pariser Modistin, die am Boulevard des Italiens einer Wienerin, welche den Preis eines ihrer Erzeugnisse theuer zu finden wagte, weil nicht eben kostbares Material dazu verwendet war, in dem ihr geläufigen Französisch die pompöse Antwort gab: „Glauben Sie, dass Dumas seine Romane billiger verkauft hätte, wenn er wohlfeileres Papier dazu genommen?“ — Doch kehren wir wieder zurück in unsem Pavillon, fassen wir das Gesammtbild der Frauenarbeit in Oesterreich ins Auge und wir werden zu dem Resultate gelangen: Was die Ausstellung von Frauenarbeit auch an Schattenseiten enthüllt, einen grossen und wichtigen Zweck wird sie erreichen: sie wird Achtung vor der Frauenarbeit und die Ueber- zeugung in weite Kreise tragen, dass ein grosser Schatz an Arbeitskraft und Erwerbsfälligkeit in dpn Händen der Frauen Oesterreichs ruht! — Ruht, sagen wir; denn was Einzelne zum Schmucke der Ausstellung Rühmliches geschaffen, was befähigte Frauen auch für die Ausstellung Schönes geleistet, das bekundet nur das freie Vorschreiten einzelner begabter Naturen, die es vermögen, einherzutreten „auf der eigenen Spur“, deren Kunstfertigkeit an ihrer Person haftet und mit ihr — erstirbt. — Die grossen Massen aber haben nicht Theil daran, sie müssen erst herangezogen werden zum Cultus veredelter Arbeit, iu denen ist die Kraft noch — latent, gebunden durch Unwissenheit und Vorurtheile, eine würdige Aufgabe für Pädagogen und Volkswirthe, von unberechenbarer Tragweite für Mensehenwohlfahrt und Staatsentwicklung, tiefeingreifend in alle unsere socialen Verhältnisse müsste es sein, all die gebundene Kraft freizumachen, durch die Zauberformel: Bildung und Unter* rieht! — Emilie Bach.