126 ALLGEMEINE ILLUSTRIRTE WELTAUSSTELLUNGS-ZEITUNG. nebst einer schriftlichen Darstellung der in dieser Beziehung gemachten Erfahrungen. 6. Das Modell eines Kohlenmeilers nebst Beschreibung der im Ternowaner Forste gebräuchlichen Verkohlungs - Methode und Kohlenproben. 7. Sechs Holzabsclmittte, die nachtheiligen Einflüsse der Waldweide und der durch die Hirten verursachten Beschädigungen darstellend, nebst einer schriftlichen Erläuterung. 8. Zwei Kästen mit forstschädlichen Käfern und Beschreibung über den Einfluss auf den Holzwuchs. 9. Ein Buchenstamm, erwachsen an einem dem Anpralle der Bora ausgesetzten Orte, mit den Aesten, zum Belege des Einflusses dieses Windes auf den Holzwuchs. ■ 10. A^icr Stück auf geschontem Karstboden erzogene Schwarz- kiefern, als Beweis der Möglichkeit, bei gehöriger Umsicht auf $ diesem Boden kräftige Stämme zu erziehen. 11. Zwei hundert Stück buchene Fassdauben aus dem Ternowaner Forste. 12. Eine Partie in den Saatschulen im Panowic-Forste bei Görz und im Corneria-Forste bei Montana ohne Anwendung künstlicher Düngmittel erzogener Schwarzkiefer-Pflanzen, zwei- und dreijährig. Beigegeben werden diesem: EineUebersichtskarte sämmtlicher Staatsforste im Küstenlande. Eine Wegnetz-Karte des Ternowaner Forstes. Eine schriftliche Darstellung der forstlichen A^erhältnisse und Bewirthschaftung nebst Ertragstafeln für die Haupt-Holzarten des Ternowaner Forstes und graphischer Darstellung des Zuwachsganges in den verschiedenen Standorts-Classen”. AVir vervollständigen diese Mittheilung dadurch, dass auch vorzüglich schöne und seltene Eichenschiff - Bauhölzer, welche vom istrianer Karste bezogen worden sind, in diese Collectiv-Aus- stellung aufgenommen wurden. Obwohl diese nicht aus den Staatsforsten stammen, so hat das Ackerbau-Ministerium , in dessen Ressort die Karst- Bewaldungsarbeiten gehören, dadurch den augenscheinlichen Beweis liefern wollen, was der Karst, wenn er gehörig geschont würde, zu erzeugen im Stande ist. Es wird auch das Modell eines Schiffes ausgestellt, um die Verwendung der verschiedenen Krummhölzer anschaulich zu machen, und eben so eine Sammlung von Karst-Steinen, um im Kleinen eine Idee des Zustandes des Karstes zu geben, so wie eine aus solchen Steinen gebildete Grotte, welche Adelsberger Stalaktyten enthält, was insoferne nicht ohne Interesse ist, als auf dem Karste mehrfach ähnliche Tropfstein-Grotten, wenn auch nicht so ausgedehnt wie die Adelsberger Vorkommen. Weiter werden aus den für die Karst- Bewaldung bestimmten Central-Saatschulen Pflanzen aller dort erzogenen Baumarten zur Ansicht gebracht. Es sind dies nur Andeutungen über' das, was im Werke ist, und lässt sich daraus schliessen, dass diese Collectiv-Ausstellung, zu welcher jedenfalls die oberösterreichischen, niederösterreichischen, steierischen, kärntner und krainer Staatsforste auch beigetragen haben werden, eine reichhaltige zu werden verspricht. ENGLISCHER AUSSTELLUNGSSCHRANK FÜR GEFÄSSE. Fabriks-Arbeit der Frauen. Ueber das in der Ueberschrift bezeichnete Thema hielt Herr Prof. Exn er jüngst im Museum eine Vorlesung, die wir in Folgendem ihrem Hauptinhalte nach unseren Lesern zugänglich machen: Der Mensch ist eine Maschine. Sein ganzer Organismus zeigt dies. Alle Maschinen zerfallen aber in zwei Gruppen, in Arbeits-Maschinen (Kraft-Maschinen) und in Werkzeug-Maschinen. Die menschliche Maschine ist entweder Kraft- Maschine allein oder Kraft- und Werkzeug-Maschine zugleich. Jedoch spielt der Mensch als Maschine meist eine klägliche Kölle. Vorzüglich gilt dies von seiner Verwendung als Kraft-Maschine. Zu dieser ist in erster Linie der Mann zu wählen, da er kräftiger (um 30 bis 40 Procent) organisirt ist als das Weib. Der Mensch braucht zur Erhaltung als Maschine täglich 2-5 Kilo Nahrung, er verbraucht von dieser ihm zugeführten Nahrung 78 Procent für sich und 22 Procent kommen zur Aeusserung, eine Dampf-Maschine gibt aber nur 5 Procent von der ihr zugeführten Wärme zur Kraftäusserung ab und 95 Procent werden anderswie vergeudet. Danach wäre freilich die menschliche Maschine etwa fünfmal so gut gekaut, allein da ihre Nahrung 25mal so viel kostet, als die Speisung einer Dampf. Maschine, so stellt sie sich immer noch 5mal theurer. Dazu gesellen sich dann noch andere Umstände. Die Reparaturen der menschlichen Maschine, bei Krankheiten z. B., sind viel kostspieliger und zeitraubender, der Mann kann höchstens täglich H Stunden arbeiten, eine Maschine rastet alle 5 bis 6 Wochen u. s. w. Die Verwendung des Menschen als Motor ist also Verwerflich, insbesondere aber widerspricht die Benützung der Frauenarbeit als Kraftquelle den Bestrebungen der Jetztzeit. Zu den Werkzeug - Maschinen gehören drei Stücke: 1. Ein Werkzeug, d. i. ein mit einer oder mehreren Schneiden, Spitzen von gewisser Form und Schärfung versehener Kör per, 2. eine bestimmte, dem Werkzeuge innewohnende oder verliehene Kraft, 3. die Bewegung. Alle diese drei Merkmale sind tun menschlichen Körper sofort zu erkennen. Ursprünglich waren Thier und Mensch die einzigen Werkzeugs-Maschinen. Später verbesserte der Mensch die Leistungsfähigkeit der ihm gegebenen Organe, indem er zufällig gefundene Gegenstände von passender Form zu Hilfe nahm, noch später formte er selbst diese Gegenstände, er bildet^ Werkzeuge. Für die complicirten Bewegungen der Hand fand er keine Werkzeuge. Jahrtausende sind verflossen, bis der Mensch darauf verfiel , die AVerkzeuge durch Maschinen in Bewegung setzen zu lassen. Bei dem Ersätze des Menschen durch die Maschinen folgte man zwei grossen Principien : 1. Galt es, Stetigkeit der Arbeit zu erzielen; 2. die complicir- teren Bewegungen der Hand oder der angebornen Werkzeugs-Organe durch einfache, aufeinander folgende oder gleichzeitige Bewegungen zu zerlegen. AVo diese beiden Principien auf gelungene Weise durchgeführt worden sind, hat die moderne AA r erkzeugs- Maschine einen Vorzug vor ihrem Vorbilde, dem Menschen. Für viele Thätigkeiten gibt es noch keine Maschinen, so z. B. für das Kauen, ebenso für die edelste Seite menschlicher Thätigkeit, die bildende Kunst. AVeichen Einfluss hat nun die körperliche Beschaffenheit von Mann und Frau in Bezug auf ihre Verwendung als AA 7 erkzeugs-Maschine? Da der Mann stärker ist, so ist das AA r eib ausgeschlossen von Arbeiten, die eine ganz besondere Kraftanstrengung erfordern (Feldbau, Bergbau). Die Bewegungsfähigkeit der Hand ist dagegen bei Mann und Frau gleich gross, die Grösse der Hand und der dadurch gebotene Spielraum ist dagegen beim Manne bedeutender und der Einfluss dieser Differenz isteinganz enormer im Vergleich zu dem was das Publicum diesem Einfluss zuschreibt. Ich will dies an einem Beispiel klar machen. Ein französischer Gelehrter in einer Artillerie- Schule hatdurchVersuclieconstatirt, dassbeimMeis- sel dann das Minimum der Kraft erfordert werde wenn die beiden Schnittflächen in einem AVinkel von 51° zu einander geneigt wären und wenn der Neigungswinkel von Meissei und Arbeitsfläche 3<> betrage. Als man den Neigungswinkel hur auf 5<> f und den Schliffwinkel auf 57° erhöhte (eine Aen- derung, die so unbedeutend ist, dass man sie im ■''-•di ALLGEMEINE ILLUSTRIRTE WELTAUSSTELLUNGS-ZEITUNG. 127 Leben gar nicht beachtet), so war der Kraftaufwand statt um 160 Frcs. Kohle pr. Tag 240 Frcs., also 50°/ 0 (im Jahre circa um 10.000 Frcs. Kohle mehr). Die Differenz zwischen der Gestalt der Finger hei Mann und Frau ist aber weit grösser als die in dem Beispiele erwähnte. Es ist daher zur Verrichtung derselben Arbeit seitens der Frau eine ungleich grössere (mehr als 50 Proc.) Kraftanstrengung notliwendig. Dies übersieht man ganz und ebenso, dass die Frau aus einer viel geringeren Quelle ihre Kraft schöpft als der Mann. Die Folgerung daraus ist nun die, dass der Berufskreis der Frau in Beziehung auf die Verwendung als Werkzeugs-Maschine einen viel geringeren Umfang hat als die Wirksamkeit des Mannes. — Durch welche .Mittel sind wir nun in der Lage, die ungünstigen Verhältnisse der Frau zum Manne zu ändern ? Der erste für die Frau günstige Umstand liegt in den Fortschritten des Maschinen-Wesens, durch welche immei mehr die schweren Arbeiten den Maschinen überwiesen werden (Dampfpflüge etc. Ein viel mächtigeres Agens liegt aber in einem Umstande, den wir in der Hand haben. Wir können die natürlichen Verhältnisse des weiblichen Körpers nicht ändern, aber die Befähigung des Weibes zu gewissen Arbeiten. Die Befähigung des Weibes, als Werkzeug-Maschine zu dienen, ist, ich muss es aussprechen, vermöge seiner geringeren Fachbildung weit geringer als die des Mannes. Daraus folgt, dass jede Bestrebung, in dieser Richtung verbessernd zu wirken, als eine zeitgemässe, als wahrhaft edle und grosse angesehen werden muss. Redner gibt nun mehrere Beispiele solcher Bestrebungen. Er führt Freuenerwerbs-Vereine in verschiedenen Städten an, temporäre und permanente Ausstellungen. Auf derWieuer Weltausstellung dürften diese Bestrebungen trotz der kurzen Vorbereitung-zeit besondere Zierden unseres vaterländischen Unternehmens ins Leben rufen. Denn die Ausdauer, Hingebung und Begeisterung edler Damenkreise dafür beweist, das wir in Oesterreich in dieser Angelegenheit die besten Hoffnungen hegen dürfen. Diese Bestrebungen sind Waffen, welche dem weiblicheii Arbeiterstande ein besseres Los zu erkämpfen geeignet sind. Eine der wichtigsten Fragen jeder Errungenschaft auf diesem Gebiete muss die Preissteigerung der Löhne der Frauenarbeit bilden. Das grosse Angebot der Frauenarbeit bei dem kleinen Kreise, in dem dieses Angebot stattfindet, hat den Preis sehr niedrig gehalten, ENGLISCHER KIOSK MIT LEBENDEN BLUMEN. «Pili «Ä’iR! iiiliulisS^ffifl iliillMÄ : i ji'jmiii SW fl ill lijl'# ebenso war die lange Zögerung mit der Einführung des Stücklohnes schädlich. Vor Allem sind es nun die I 1 ortschritte der Technik, welche die bereits eingetretene Steigerung des Preises bei Verwendung der Frauenarbeit begünstigen. Die Werkzeug- Maschine im engsten Sinne des Wortes s oll und mu ss an di eSte Ile der Han d treten in all eil jenen Zw eigen d er Arbeit, die man so bezeichnend mechanische Ar beit ne n nt. Ich fordere angesi chts der Erfahrungen de r maschinellen Th ä tigkeit, dass alle Ver- richtungenmit der Hand der Hand genommen und der Werkzeug - Maschine überliefertwerden. Nur d ie Ku n s t -1 n du s tri e erhalte sich unter der Pflege der Frauenhand im Heiligthum des Hauses. Jede an- derelndustrie flüchte sic haus demselben, bevor sie elend ab stirbt; si e gehört in die Fabrik, wo sie getragen wird durch den maschinellen Motor und die A r b e i t s t h e i- lung. Jeder Kampf mit der Mascliin en- Arbeit ist von vornelierein ein ungleicher und völlig verlorener. Wie segensreich der Einfluss der Einführung der Fabriks-Arbeit auf das Los der Arbeiterinen gewesen, zeigt sich gerade in den Lohnverhältnissen. Während vor Einführung der Maschinen-Arbeit der Lohn des Mannes durchschnittlich das Doppelte von dem des Weibes betrug, ist der Unterschied in den Spinnereien z. B. nur mehr 1/3, in den Webereien gleich Null. Bekannt ist, wie sehr das Los der Näherinen sich seit der Einführung der Näh- Maschinen verbessert hat. (Folgen nähere Erläuterungen über Erfindung und Geschichte der Näh- Maschinen). Ich weise hierhin auf ein Werk der Amerikanerin Virginia Penny. Frau Penny beschreibt gegen 600 technische Erwerbszweige, in denen die Frau als Werkzeug-Maschine berechtigt ist. Sie betrat hier eine sehr praktische Bahn, wenn sie die Candidatinen aufmerksam macht auf die verschiedenen Richtungen, wenn sie die Lernzeit angibt und den Verdienst bezeichnet. Sie bekämpft mit Recht die Ueber-Production an Lehrerinen und Erzieherinen, welche die Preise so sehr drückt und in gar keinem Verhältniss steht zu dem natürlichen Berufe der Frau. Frau Penny warnt auch vor jedem Berufskreise, der mit dem Haushalte im Zusammenhang steht und weist nach, dass es Berufskreise gibt, die weit ausser dem Hause liegen, aber die Frau selbstständiger, achtenswerther und liebenswürdiger machen. Zum Beweise, wie sehr man irrt, wenn man der Ausbreitung der Maschinen-Arbeit Widerstand entgegensetzt, ein paar Daten: Eine Handnäherin 128 ALLGEMEINE ILLUSTRIRTE WELTAUSSTELLUNGS-ZEITUNG. macht in der Minute 25—30 Stiche, die Maschine macht deren 800—1000, sie macht also 29 Handarbeiterinen überflüssig. Allein dieser Ausfall wird hinlänglich gedeckt durch die vermehrte Nachfrage. Es wird nicht lange mehr dauern, so wird selbst die jetzige Nähmaschine, da sie durch den Fuss in Bewegung gesetzt wird, nur mehr im Haushalte verwendet werden und in Etablissements durch Dampf oder elektrische Kraft in Bewegung gesetzt werden, wie es jetzt schon z. B. in Maison Condillon in Paris der Fall ist. Und wenn jetzt, wo wir im Anfänge des Fortschrittes stehen, eine Maschin-Näherin 30 — 100 Procent mehr verdient, so wird sie dann noch um mehr als um 100 Procent verdienen. Es evübrigt noch ein flüchtiger Blick auf alle Zweige menschlicher Gewerbethätigkeit, welche bereits den Frauen überantwortet sind. Redner gibt nun mit Zugrundelegung der Gruppeneintlieilung der Wiener Weltausstellung diese einzelnen Zweige an. Eines ist noch hervorzuheben. Die Wahl derjenigen Haus, - Industrien der Frau, welche auf Handarbeit beruhen, ist überaus prekär. Es erfordert mehr als eine gewisse landläufige Kenntniss der industriellen Verhältnisse und eine gewisse oberflächliche Befreundung mit den volkswirtschaftlichen Umständen, um Zusagen, welche Handarbeit die Frau als Haus-Industrie betreiben soll. Es werden in manchen Staaten Hunderte und Tausende darauf ausgegeben, um gewisse Haus-Industrien wie künstliche Treibhauspflanzen zu pflegen und zu fördern. Aber das ist unrichtig, und der Weg, auf welchen eine Arbeiterin, diesichnicht amortisirt, geführtwerden soll, soll von den Lenkern das Staates mit viel grösserer Sorgfalt ausgewählt werden. Nachdem nun mehr als eine Stunde der Druck auf uns gelastet hat, der Druck des Gedankens, dass der Mensch gezwungen, verpflichtet und berufen sei, mechanische Arbeit zu treiben, wollen wir diesen Gedanken verlassen und heimkehren in den Familienkreis oder zu den Stätten der Kunst, wo die reinsten Freuden, die schönsten Genüsse unser warten. Der Mensch ist nicht bloss Werkzeug-Maschine ! lieber die Industrie des Cantons St. G-allen und dessen Betheiligung auf der bevorstehenden Wiener Weltausstellung. Von Q. Delabar *). Es ist in diesen Blättern wiederholt von den Vorbereitungen die Rede gewesen, die in der Schweiz auf die bevorstehende Wiener Weltausstellung gemacht werden. Der Canton St. Gallen, der bekanntlich mit zu den industriellsten Can- tonen der Schweiz gehört, ist zu unserem Befremden bei diesen Berichten fast wie unberührt geblieben, und doch wird er bei der diesjährigen Ausstellung in Wien, wie alle Aussicht vorhanden ist, eine hervorragende Stelle einnehmen. Es dürfte daher am Platze sein, vorläufig Einiges über dessen Industrie, sowie über dessen Betheiligung an dieser Weltausstellung mitzutheilen. Wir werden uns hiebei auf die letzte statistische Aufnahme vom Jahre 1865 beziehen und die inzwischen eingetretenen Aenderungen, soweit sie bekannt sind, mitberücksichtigen. Der Canton St. Gallen beschäftigt sich vorzugsweise mit der B aumwoll en - In dus trie. — Nach der erwähnten Gewerbe-Statistik zählte man in dieser Haupt-Industrie, die Ausrüstungs- Gewerbe nicht miteingerechnet, nicht weniger denn 440 „Geschäfte”, d. h. grössere Fabriken und kleinere Etablissements ineinander gerechnet, mit 485 Angestellten, 215 Ferggern (Factoren) und *) ln Nummer 21 des I. Bandes der „Weltausstellungs- Zeitung” ist der Name des Verfassers des betreffenden Aufsatzes • irrigerweise mit J. Delabar bezeichnet, was hier berichtigt werden mag. 32.404 Arbeitern oder über 35.000 beschäftigten Personen, d. i. nahezu 19 Procent der Cantons- Bevölkerung. Dazu kommen aber noch mehr denn 6000' ausser dem Canton wohnende Personen, welche als Fergger, Weber oder Sticker für im Canton etablirte Geschäfte arbeiteten, so dass die zu jener Zeit in der Baumwollen-Industrie beschäftigten Personen im Ganzen über 41.000 betrugen. Bei dieser Industrie sind aber wieder drei besondere Zweige hervorzuheben: Die Spinnerei, Weberei und Stickerei. Die Baumw o llen-Spinnerei zählte 28 Geschäfte, darunter 20 eigentliche Spinnereien mit 105 Angestellten, 607 männlichen, 846 weiblichen Arbeitern und 417 Kindern unter 16 Jahren, zusammen 1870 Arbeiter, verwendete zum Betriebe 105 I Pferdekraft, (932 per Wasser und 122 per Dampf) und setzte 173.536 Spindeln in Bewegung. Zwanzig Jahre früher, also anno 1845, zählte man erst 129.168 Spindeln und zwei Jahre später, zur Zeit der letzten Pariser Weltausstellung im Jahre 1867, 218.246. Um diese Zeit nahm der Canton St. Gallen unter den Baumwolle spinnenden Cantonen der Schweiz den dritten Rang ein. Vor ihm kamen nurZüricli mit 607.082 Spindeln und Aargau mit 265.805 Spindeln, und zunächst nach ihm kamen Glanis mit 200.000, Zug mit 111.272, Schwyz mit 50.000, Thurgau mit 42.800 und Graubiindten mit -31.600; der grosse Canton Bern zählte dagegen nur 30.000, Solothurn 22.768, Basel 10.000, Schaffhausen 6120 und Luzern 6016; die ganze Schweiz zählte somit im Ganzen, da die übrigen neun Cantone keine Baumwollen-Spinnereien besitzen, 1,602.109 Spindeln. Die cantonalen Baumwollen-Spinnereien produciren Garne von Nr. 12 bis 170 und finden ihren Absatz grösstentheils im Canton selbst, zum Th eil aber auch im Ausland, besonders im Eisass. Die Baumwoll en-Web erei theilt sich in die Han dweb erei und die mechanische Weberei. Die Handweberei beschäftigte anno 1865 noch die grösste Zahl der Hände, nämlich mit Inbegriff der Jacquard-Webereien in 161 Geschäften 172 Angestellte, 86 Fergger und 22.899 Arbeiter (8168 männliche, 7724 weibliche und 7007 Kinder. In der Handweberei, die wieder, wie die mechanische Weberei, in die Weisswaren- und Buntwaren-Weberei zerfällt, ist es die letztere, welche den grössten Umfang besitzt, indem sie allein 13.786 Weber und auch die grösste Zahl von ausser dem Canton befindlichen Arbeitern beschäftigt. Die Zählung der Hand-Webstiihle fand erst im Jahre 1868, also ein Jahr nach der Pariser Weltausstellung statt und betrug 12.515, nämlich 2417 in der Weisswaren-Weberei, 9691 in der Buntweberei und 407 in der Jacquard-Weberei. In diesem Industriezweig nahm zur Zeit der letzten Ausstellung von 1867 der Canton St. Gallen den ersten Rang ein. Nach ihm kamen zunächst Aargau mit 10.770, Appenzell A. Rh. mit 7000, Thurgau mit 3000 und Zürich mit 2800, zusammen die ganze Schweiz mit 36.085 Hand-Webstühlen. Seitdem ist die Handweberei und namentlich die Weisswaren- Weberei noch mehr zurückgegangen, die Mascliinen- Weberei dagegen noch mehr in Aufnahme gekommen. Darin dürfte der Canton auch jetzt noch den ersten Rang behaupten, wenigstens in den leichteren Artikeln. Die Stickerei wurde lange Zeit hindurch im Canton St. Gallen wie im Canton Appenzell nur von der Hand bestritten. Im Jahre 1845 bestand erst ein einziges Etablissement für Maschinen- Stickerei, das der Herren B. Rittmeyer & Comp, in St. Gallen und Brüggen. Seitdem hat sich die Maschinen-Stickerei ausserordentlich ausgedehnt und sich bei uns weitaus zum bedeutendsten Industrie-Zweig emporgeschwungen. Bei der statistischen Aufnahme im Jahre 1865 zählte man bereits in der Maschinen-Stickerei 66 Geschäfte mit 2210 Arbeitern und 417.930 Nadeln, während ---—t die Handstickerei damals freilich noch 47 Geschäfte mit 48 Angestellten und im Ganzen 4915 Arbeitern — ohne die im benachbarten Canton Appenzell und im Ausland für hiesige Häuser Beschäftigten — zählte zur Zeit -der letzten Pariser Ausstellung 1867, stellte sich die in der Maschinen- Stickerei beschäftigte Arbeiterzahl auf 2340 und die in der Handstickerei auf 5150, darunter allein 3761 Stickerinen, also zusammen auf 7490 oder rund auf 7500. Ebenso viel Personen mögen sich damals auch mit der Stickerei im Canton App en . zell, besonders in Appenzell-Innerrhoden, beschäftigt haben. Im Canton St. Gallen gab es damals 1402 Stick-Maschinen im Betriebe, in Ausserrhoden etwa 800 und in Innerrhoden, dem classischen Länd- chen der Feinstickereien, waren zu jener Zeit noch keine Stick-Maschinen vorhanden. In den letzten fünf Jahren hat sich die Maschinen-Stickerei bei uns in noch viel kolossalerem Massstabe ausgedehnt. Denn nach der vom kaufmännischen Directorium jüngst veranstalteten neuen statistischen Aufnahme beschäftigt jetzt die Maschinen-Stickerei im Canton St. Gallen 4484 Maschinen, 10.696 Arbeiter und Arbeiterinen in Stickerei, Fädlerei und Nachstickerei, und überdies in Appenzell A. Rh. 1011 Maschinen, 2383 Arbeiter, in Appenzell I. Rh 131 Maschinen und 366 Arbeiter, und im Canton Thurgau 758 Maschinen mit 1712 Arbeitern, im Ganzen also in den drei genannten Cantonen 6384 Maschinen mit 15.256 Arbeitern Wenn man hiezu die in den übrigen Cantonen und in den überrheinischen (deutschen und österreichischen) Gemeinden vorkommenden Stick-Maschinen, sowie auch alle in den letzten Jahren in Betrieb gesetzten Kettenstich-Maschinen zählt, so dürfte aber die Gesammtzahl der in Maschinen-Stickerei in unserer Gegend in Thätigkeit gesetzten Stick-Maschinen gegen 10.000 und die darin beschäftigten Arbeiter gegen 30.000 betragen. Was die übrigen Industrie-Zweige unseres Cantons betrifft, so sind sie gegen die vorigen nur untergeordneter Art. Die früher so bedeutende Lei mvand-Web er ei ist durch die Baumwollen- Industrie beinahe gänzlich verdrängt worden. Auch die mechanische Flachsspinnerei in Sitterthal (eine Stunde von St. Gallen), die einzige grössere Fabrik dieser Art in der Schweiz, die sich bei der letzten Pariser Ausstellung noch mit hübschen Leinengarnen betheiligt hatte, ist inzwischen ebenfalls eingegangen, indem dieselbe in eine mechanische Stickerei umgewandelt worden ist. Die Handweberei zählte bei der letzten Aufnahme 856 Web- stiihle. Ebenso ist auch die Wolle - und Halbwolle-Fabrikation bei uns nur unbedeutend und das Wenige, das auf etwa 30 Webstühlen fabricirt wird (z. B. im Bezirk Wardenberg und Rheinthal), dient bloss für den eigenen Bedarf. (Schluss folgt.) Bestimmungen für die Herausgabe des Special-Kataloges. Nr. 79 des Special-Programmes der General-Direction. I. Der Special-Katalog wird die Aussteller der im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder , sowie die von ihnen exponirten Gegenstände verzeichnen, mit Ausnahme der in Classe 22 „Darstellung der Wirksamkeit für Museen” Classe 23 „kirchliche Kunst”, Classe 24 „Exposition des amateurs”, Classe 25 „bildende Kunst der Gegenwart” ausgestellten Gegenstände, für welche Classen ein besonderer Katalog erscheinen wird. II. Der Special-Katalog erscheint in deutscher Sprache mit lateinischen Lettern. III. In dem Special-Kataloge werden ausser der Firma und den ausgestellten Gegenständen auch solche Daten aufgenommen, welche dem Aussteller wichtig erscheinen und auf seine Erzeug-