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Schuhwaaren - Schmuckfedern, künstliche Blumen und Haararbeiten - Tapezirarbeiten und Decoration : (Gruppe V, Section 9) - (Gruppe V, Section 10) - (Gruppe V, Section 11) ; Bericht / von S. Goldschmidt - Carl Th. Richter - Anton Fix
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Schuhwaaren.

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pod Wir können nicht auf die Leiftungen Einzelner eingehen, da béi den Aus. ftellungen anderer Länder, die nicht fo reichhaltig vertreten fein konnten, der vergleichende Mafsftab fehlen würde. det sist us, a bongo

Es kann aber als feftgeftellt gelten, dafs, wo Preis und Leiftung verglichen wird, die öfterreichifche Schuhwaaren- Induftrie mit jeder anderen in die Schranken treten kann.to

Bevor wir die öfterreichifche Ausftellung verlaffen, haben wir noch zu be merken, dafs befonders in den grofsen Etabliffements bereits die verfchieden. artigften Hilfsmafchinen angewendet werden. Wir kommen auf diefe, foweit fie auf der Ausftellung vertreten waren, noch zurück.

Wir kommen nun noch zu dem gröfsten Etabliffement für Schuherzeugung in Oefterreich, welches eigentlich durch feine exclufive Stellung fich der Befprechung in diefem Berichte entzieht, eine exclufive Stellung, die fich fchon in der exceptio­nellen Ausstellung in der Hauptgallerie kennzeichnete. Es ift diefs die Ausstellung der Confectionsanftalten der Gefellfchaft für Heeresausrüftung von Skene und Con­forten. Mit dem Monopol der Erzeugung des Bedarfes an Schuhwerk für die ganze Armee betraut, eine Erzeugung von fo riefigem Umfange, dafs von dem Nutzerträg niffe derfelben früher ganze Bezirke, befonders in Böhmen lebten, und heute noch jahrelang an der Entziehung des gewohnten Erwerbes zu leiden haben werden, hat diefes riefige Etabliffement, das bei der Errichtung von der Regierung durch Con­ceffionen aller Art unterſtützt wurde, eine Ausftellung von Schuhwerk veranstaltet, die als muftergiltig anzufehen war und bei der nur zu wünſchen gewefen, dafs nur annähernd gutes Material unferer Armee auch im Kriege zu Gebote ftehen würde. Zum Schluffe fügen wir eine Notiz bei zur Vergleichung der Zuftände der guten alten Zeit mit der jetzigen, aus den Satzungen der Wiener Schuh­macher vom Jahre 1443, nach denen kein Meifter mehr als drei Gefellen und einen Lehrjungen halten durfte, während jetzt in der erften Schuhwaaren- Actiengefell­fchaft in Wien 2200 Arbeiter befchäftigt find.

Ungarns Schuhinduftrie in ihrer feparaten Ausftellung fchliefst fich, mit Ausnahme des zu nationalen Coftumen gehörigen, an die öfterreichifche nur mit dem Unterfchiede an, dafs hier mehr das Kleingewerbe vorherrfchend ift, da die Induftrie in Ungarn und den dazu gehörigen Ländern noch keine grofsen Fabriken diefes Genres aufzuweifen hat. Wir finden hier vom nationalen Stiefel bis zu der Opanke eine Reihe Fufsbekleidungen, wovon manche lebhaft an den Calceus der Römer erinnert. Befonders die Nachkommen der alten Illyrier haben ihre Fufsbekleidungen noch nicht fehr verändert.

Wir kommen nun zu Deutfchland, wo befonders Süddeutſchland ftark vertreten war. Es find hier die grofsen Schuhfabriken bekannt, die hauptfächlich für den Export arbeiten und zumeift hier wie auf früheren Ausftellungen erfchienen find, um fich ihren Kunden mit dem Beften und Neueften, was fie zu leiften im Stande find, zu präfentiren und ihren alten Ruf zu erhalten. Von einer blühenden Lederinduftrie, die fich den erften der Welt an die Seite ftellen kann, unterſtützt, find fie gefährliche, aber würdige Rivalen des jungen öfterreichifchen Schuh­exportes.

Befonders zahlreich war die Schuh- und Filzfchuh- Erzeugung von Pirmafenz vertreten. Der Ruf von Pirmafenz, als des Hauptfitzes der deutfchen Maffen­fabrication von billigen Schuhwaaren, datirt fchon vom Anfange diefes Jahr­hunderts. Der ausgedehnte Handel mit denfelben begann im Jahre 1809 oder 1810. Der Gründer diefer grofsen Induftrie war ein Schuhmacher Namens Jofs, der später nach Strafsburg überfiedelte. Derfelbe hatte einige Paar Schuhe vorräthig, die er in feiner durch die Kriege heruntergekommenen Vaterftadt nicht verkaufen konnte. Da verfiel er auf die Idee, feine Frau damit in die preufsifche Rhein­provinz haufiren zu fchicken. Der Erfolg war ein fo günftiger, dafs er bald Nachahmer fand, und fo wurde diefer Handel immer lebhafter betrieben. Im Anfange der Zwanziger Jahre gab es in Pirmafenz fchon eine Menge Schuh­