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Die Motoren : (Gruppe XIII, Section 1) ; Bericht / von J. F. Radinger, Prof. der k.k. techn. Hochschule in Wien
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Die Dampfmafchinen.

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In den Kreuzköpfen herrfcht manche Abweichung, welche theils von der Einführung des Schmiedeifens als Conftructionsmaterial diefes Elementes ftammt. Bei letzteren war die Aufgabe zu erfüllen, die obere und untere Führung, welche der gebohrte Colonnenbalken fo zwanglos bietet, zu benützen, und die Führungs­platten centrifch, d. i. genau in der Verticalen des Kreuzkopfzapfens anzubringen. Um nun nicht die theueren hohlen Schmiedeisen- Kreuzköpfe verwenden zu müffen, welche bei Locomotiven fchon lange vorkommen, wird der Kreuzkopf ähnlich einem gefchloffenen Schubftangenkopfe geformt, wo fich dann die Füh­rungsplatten oder deren Tragfchrauben genau im Mittel ftützen können, während der Zapfen im Innern ſpielt. Es ift dann nämlich das innere Ende der Schub­ftange kurz gegabelt und hält den quer durchgefteckten Zapfen feft; die Bewe­gung greift auf den Schalen ftatt, welche in dem fchubftangenkopf- förmigen Kreuzkopfe eingelegt find, und entweder durch eine vordere Druckfchraube geftellt werden, deren Kopf durch die Gabelung der Schubftange zugängig bleibt, oder welche durch einen Flanfchendeckel angezogen werden.

Derartig ift das fchlechte, überdiefs noch öfter vorkommende Detail der zwei nachftellbaren Innen- Enden der gegabelten Schubftange glücklich erfetzt. Letztere Form erfchien noch an einer grofsen englifchen und faft allen franzöfi­fchen Mafchinen.

Der fogenannte Corlifs- Kreuzkopf, d. i. jener gufseiferne Gabelkopi, an deffen Wurzel die Führungen fich rückwärts und excentrifch zum auftretenden Verticaldruck ftützen, kam ziemlich häufig vor und verdankt wahrfcheinlich feinem Namen die unverdiente Verbreitung.

Die Führungsfchienen find in bekannter Weife entweder an's Mafchinen­gerüfte angegoffen, oder durch Schrauben befeftigt. Die ausgebohrte Form fchützt den Kurbelzapfen vor Klemmungen, indem fie dem Geftänge eine Ver­drehung geftattet, wenn folche in Folge von anderweitigen Unregelmäfsigkeiten angeftrebt wird. Nichtsdeftoweniger war öfter diefe Verdrehung eigens verwehrt und einmal fogar die ganze Führung als ebene Fläche eingehobelt.

Die dachförmigen Führungen der originalen Corlifsform geben meift zu geringe Auflageflächen und in Folge deffen grofse Geradführungsdrücke, und rafche Anützungen, welche die dabei ftattfindende Nothwendigkeit ftellbarer Gleitflächen weiter verbreiteten, als es früher der Fall war.

Die Führungsfchienen der kleineren Maſchinen find bei den franzöfifchen Conftructionen faft ausnahmslos fchwer in Gufs gehalten, und oftmals mit dem Cylinderdeckel aus einem Stück; die Mafchinen der übrigen Länder haben aber fchmiedeiferne Lineale.

Die Geradführungsflächen bei blos unterer Auflage find an einigen Mafchinen in neuer Weife ohne Seitenfchienen trotz ihrer Schwalbenfchwanz­Form eingebracht.

An einer Mafchine waren Kolbenftange, Kreuzkopf und Führungsfchuh aus einem Stück gefchmiedet.

Die Schubftangen haben, abgefehen von zwei oder drei Ausnahmen, durchwegs runden Schaft. Deffen flache Form, die fchön fein follenden acht­eckigen Uebergänge an den Köpfen, Mittelbänder als Verzierung und ähnliche, entweder unnöthige oder unwürdige Beigaben find der durchwegs runden Her­ftellung faft gänzlich gewichen. Die gefchloffenen Köpfe finden weitere Ver­breitung als früher, was wieder ein Schritt mehr ift, der höhere Gefchwindig­keit erlaubt. Die Bügelköpfe find entweder künftlich gefchloffen oder fonft forg­fältiger gehalten. Eine Firma legte den Bügel zwifchen Längsnafen des Schub­ftangenkopfes, eine andere fchob ihn mit cylinderifcher Innenführung auf, was dort das Zapfenklemmen unmöglich macht, trotzdem eine breite untere Geradführung der Verdrehung des übrigen Geftänges vorbeugt.

Der fogenannte Marine- Schubftangenkopf, d. i. jener, deffen Aufsenfchalen durch einen überlegten Deckel und zwei Schrauben gehalten werden, tritt in den