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Die Motoren : (Gruppe XIII, Section 1) ; Bericht / von J. F. Radinger, Prof. der k.k. techn. Hochschule in Wien
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John J. Derham in Blackburn.

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So ift denn das Angeftrebte gelöft, aber mit dem bedeutenden Aufwande des eben befchriebenen Apparates, deffen 17 ineinandergreifende Zahnräder und mindeftens eben foviele oder noch mehr Lager einen unerhörten Aufwand an Herftellungs- und Ueberwachungsarbeit verurfachen.

Die zum Grundfchieber fenkrechte Bewegung des Deckfchiebers hätte ohne Weiters erfolgen können, wenn nur der letztere fo breit gehalten worden wäre, dafs nie ein feitliches Oeffnen erfolgen kann.

Um aber mit je einer kleinen weniger dampfbelafteten Platte auszureichen, ift dem Deckfchieber das Mitgehen mit dem Grundfchieber geftattet, was zwifchen zwei Anfchlagnafen gefchieht. Die Dreiecksftarge geht aber ftarr und gegen­über der Stopfbüchfe mit einer Blindbüchfe in der Hinterwand geführt durch den Schieberkaften. Mitten innen trägt fie einen Gleitbalken, welcher eine aufge­fchraubte Langfchleife des Deckfchiebers fafst, und ihn mit diefer verrückt wo immer er fteht, wobei der Angriff aber wohl meift excentrisch ftattfindet.

Wie nicht anders zu erwarten, wurden einigemale während der Ausftellung Reparaturen in diefem complicirten Mechanismus nothwendig.

Die Reading Iron Works.

Die Ausstellungsmafchine diefes Eifenwerkes war eine 25- pferdekräftig genannte liegende Condenfationsmafchine, welche fo recht den meift verbreiteten Typus der heutigen Dampfmotoren in faft durchwegs vollendeter Detailconftruc­tion aufwies.

Eine einfache, oben völlig ebene und feitlich geradlinig begrenzte Grundplatte, trug auf ihrer ganz gehobelten Fläche die einzelnen Theile der Mafchine gefchraubt.

Der Dampfcylinder hatte 432 Millimeter Durchmeffer und feine Kolben 0.761 Meter Hub. Er arbeitete mit vier Atmoſphären Ueberdruck und machte 70 Doppelhube in der Minute, was einer Kolbengefchwindigkeit von 178 Meter per Secunde entspricht.

Der Cylinder hatte ein gefondertes Dampfhemd, welches durch ein eige­nes Rohr mit anderem Dampf, als welcher zur Arbeit kam, geheizt wurde und war noch überdiefs mit Holz verfchalt. Die Steuerung gefchah durch eine ganz gewöhnlichen Meyer Steuerung mit hinterem Drehrade, der Schieberkaften war angegoffen und die Ein- und Ausftrömrohre mündeten auf deffen obere Fläche. Die Pratzen beiderfeits des Cylinders waren faft fo lang als er felbft und nur um fo viel kürzer, als es zum vollſtändigen Fertigdrehen der Kreisflanfchen nothwendig war. Sie fchloffen mit je vier gleich vertheilten Schrauben an das Bett und mufsten ohne Einlagkeile oder Nafen durch die Reibung allein halten, welche die Schraubenfpannung weckte.

Die Kolbenstange fetzte fich im Kolben conifch ab. Sie ging beiderfeits durch je eine normale Stopfbüchfe in den aufgefchraubten Cylinderdeckeln und während fie vorne bei 51 Millimeter Durchmeffer den Arbeitsdruck ins Geftänge übertrug, hing an ihrer rückwärtigen dünneren Seite die doppelt wirkende Luft­pumpe direct. Letztere hatte bei gleichem Hub mit dem Dampfkolben einen Durchmeffer von 140 Millimeter, was 1/ 9.5 des Dampfcylinders- Volumen entſpricht, und lag in den rechteckigen Condenfatorkaften eingegoffen, welcher wieder mit gleichlangen Seitenpratzen und je fünf Bolzen auf dem durchlaufenden Bette gefchraubt ftand. Seine Entfernung vom Cylinder war fo grofs, dafs das Aus ziehen des Dampfkolbens bequem möglich war, und dafs irgend ein Stangen­theil wohl in die Stopfbüchfen aber nicht in die gegenüber liegenden Räume trat.

Der Dampfdruck wurde durch ein Schieberventil geregelt, welches in einem am Cylinderrücken aufgefchraubten Gufskörper lag. In diefen mündete

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