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J. F. Radinger
drücke ausgefetzt und können nicht erneuert werden, wenn nicht die Mafchine völlig demontirt wird, fo dafs das Vacuum leicht gefährdet erfcheint.
Die Grundplatte war auf der dem Schwungrade entgegengesetzten Seite für die Regulatorfäule ausgebaut, durch deren Sockel die Hauptwelle hindurchführte und die Regulatorfpindel mit gleichen Kegelrädern antrieb. Diefer felbft war mit gekreuzten Stangen, ähnlich der Farcot Form, conftruirt und griff droffelnd auf einen dem Haufe patentirten Einftrömfchieber im Dampfrohr.
Die Dampfkolben waren hohl gegoffen und mit einfachen Selbft- Spannringen gedichtet; fie fafsen auf ihren ftark conifchen verfenkt eingefchliffenen Kolbenftangen- Bunden und hielten auf diefen durch obere verficherte Muttern.
Die Kolbenftangen erweiterten fich unten zu den angefchmiedeten Kreuz köpfen, deren ausgebüchfte Augen von den kurz( auf 16 der Gefammtlänge) gegabelten Schubftangen umfafst waren, aber aufser den auszuwechſelnden Büchfen keine Nachftellvorrichtung enthielten
Die Führungen fanden zwifchen den entſprechend geformten Ständerwangen auf Schienen ftatt, welche mit Kupferbolzen und feitlichen Stockfchrauben ( mit Schraubenzieher- Köpfen) gehalten und beiderfeits mit übergefchraubten Decklinealen verfehen waren.
Die gufseifernen Führungsplatten hielten verfchnitten an ankerförmig an. gefchmiedeten centrifchen Lappen der Kreuzköpfe und waren mit eingegoffenen Oeltöpfen verfehen.
Die runden Schubftangen endeten bei den Kurbeln mit Flanfchenköpfen, in welche die achteckigen Schalen zu 5 verfenkt eingepafst waren, und welche ein Dekel mit je zwei Durchftekfchrauben fchlofs.
Die Kurbelwelle lag, wie oben erwähnt, in drei auf die Grundplatte an gegoffenen fchmalen und einfachen Lagern, deren Deckel fämmtlich verfchnitten und( wohl unnöthig) übergreifend waren. Die hohlgegoffene Grundplatte felbft hielt durch vier ziemlich naheftehende Schrauben am Fundament.
Der Luftpumpen Antrieb fand vom Kreuzkopfe des Niederdruck Cylinders durch ein zu beiden Seiten der betreffenden Ständerwange fchwingendes GufsHebelpaar ftatt, deren gemeinfchaftliche Achfe im äufsern Drittel der Hebellänge lag und in einem aufsen an den Ständer gegoffenen Langlager ihre Stützung fand. Die kurzen Enden des Hebelpaares lagen wieder durch eine Traverſe in Verbindung, an welcher in Mitte der Luftpumpen- und beiderfeits die bronzenen Kolben zweier Speifepumpen( fämmtlich mit Bronzemuttern) hingen.
Ausserhalb des Excenters für den Niederdruck- Cylinder endete die KurbelWelle mit einem angefchmiedeten Flanfch zur Kupplung mit der Schwungradwelle, welche mit einem ähnlichen angefchmiedeten Flanfch verfehen und mit erfterem verfchraubt war. Diefe letztere Welle trug innerhalb des vierten Lagers das Rad von 2.30 Meter Durchmeffer und aufserhalb desfelben eine aufgefetzte Kurbel für das niederhängende Geftänge einer Kaltwaffer- Pumpe.
Die Formgebung all diefer einzelnen Beftandtheile war eine ruhige und geklärte und drückte genau aus, was für Kräften die Betreffenden zu widerftehen hatten und wie fie es thun. Die Ausführung war eine überfchwänglich reiche und felbft der Mafchine abträglich, indem fie ihr den Charakter eines Spielwerkes oder höchftens den eines Modelles, aber nicht den gefund kräftigen einer arbeitsftarken Mafchine verlieh. Jedenfalls übertrug fich der unbewusste Gedanke. dafs fo( hellglänzend) das Material während andauernder Arbeit nicht erhalten werden kann, wenn auch mit Unrecht aber doch auch auf deffen Güte, und man fühlte fich leicht geneigt, das Ganze mehr für ein Schauftück dichten Guffes. fchönfarbiger Bronze und gefchicktefter Metallarbeit anzufehen, als für eine Mufterconftruction einer modernen Dampfmafchine, was es doch eigentlich fein follte, wenn auch ( nach dem Eingangs Erwähnten) nicht war.