Dokument 
Die Motoren : (Gruppe XIII, Section 1) ; Bericht / von J. F. Radinger, Prof. der k.k. techn. Hochschule in Wien
Entstehung
Seite
68
Einzelbild herunterladen

68

J. F. Radinger.

Ferner ftellte diefe Firma eine grofse liegende Mafchine für Grubenventi­lation aus, deren Dampfkolben auf die Kurbel der verticalen Flügelachfe mit einem gewöhnlichen nur um 90 Grad verdrehten Geftänge einwirkte. Deffen Gewicht wurde einestheils von breiten Borten der Geradführungsblöcke und anderntheils vom Bund des Kurbelzapfens ohne jede Nachftellvorrichtung getragen.

In Zeichnung war endlich noch die Wafferhaltungsmafchine des Engerth­Schachtes in Kladno veranfchaulicht, welche von diefem Haufe gebaut wurde. Die Mafchine ift mit der bekannten geiftreich en Erfindung Bockholtz's in Wien, dem Kraftgenerator( mit Gewichten wirkend) ausgeftattet, welcher die Hub­gefchwindigkeit und mit dem den Effect einer folchen Mafchine ganz wefentlich fteigert, ohne beim Hubwechfel Stöfse zu verurfachen, und das Geftänge von Uebergewicht entlaftet.

Compagnie de Fives Lille.

Parent Schaken Houel& Caillet( Compagnie de Fives Lille) fandten eine für den Antrieb der franzöfifchen Abtheilungstransmiffion mitbenützte Dampf­mafchine ganz alten Modelles.

Es war eine liegende nicht condenfirende Mafchine von 350 Millimeter Bohrung und o 70 Meter Hub, welche mit 40 Umdrehungen per Minute( 0.93 Meter Kolbengefchwindigkeit per Secunde) arbeitete. Das 60 Millimeter weite Dampfrohr bot 83, das 100 Millimeter weite Ausftrömrohr 1/12 der freien Kolbenfläche, was völlig richtige Weiten bei diefer kleinen Kolbengefchwindigkeit find, und die Einftrömconftante auf 1/30 ftellt.

Der

Am Cylinder fafs feitlich ein aufgefchraubter Schieberkaften, welcher oben wieder ein aufgefchraubtes Gehäufe für den Anlafsfchieber trug, oberhalb welchem die vom Watt'fchen Regulator beeinflusste Droffelklappe kam. Cylinder war übrigens ohne jeden Schutz gegen Abkühlung hergestellt und belaffen. Die Dampfvertheilung gefchah mit einer Meyer- Steuerung, deren innere Theile ich jedoch nicht gefehen habe.

Der Bettrahmen war vorne leierförmig ausgebaucht und nahm eine weit gekröpfte Welle auf, deren Mitte den Kurbelzapfen gab. Aufsen fteckten zwei Schwungräder von je 2'4 Meter Durchmeffer fliegend auf den Wellenenden, und übertrugen mit zwei einfachen Riemen( à 160 Millimeter breit) den Effect nach oben.

Die Kurbellager waren fchief gefchnitten und an die Grundplatten gegoffen. Die Lager felbft zeigten jene lange bekannte und in Frankreich oft( u. A. auch von Cail) benützte Selbft- Schmiervorrichtung, welche in einer Verdickung der Achfe im Lager befteht, wobei der Zapfen im Oele watet.

Diefe Vorrichtung ift hier völlig werthlos, denn die auf zwei Lager ver­theilten Drücke werden an und für fich nur halb fo grofs, als bei einer Kurbel­mafchine fein und betrugen hier thatfächlich nur 80 Atmoſphären, und dann laufen fo langfam gehende Zapfen wie diefe ohnediefs nicht leicht warm. Die fpecififche Reibungsarbeit war auch nur 0 12 Kilogramm- Meter.

Der Kurbelzapfen- Theil der Welle war 120 dick und 130 Millimeter lang, was gleichfalls einen mässigen Druck( 30 Atmoſphären) und mäfsige Reibungs­arbeit( o 36 Kilogramm- Meter per Secunde und Quadratcentimeter) von Schale und Zapfen brachte.

Die Führung der 54 Millimeter dicken Kolbenstangen gefchah zwifchen zwei Linealen, welche eintheils an die Stopfbüchfe und anderntheils an eine Bett- Traverfe gefchraubt waren. Der Kreuzkopf war nicht ftellbar, dafür lagen Blechftreifen- Einlagen unter den Linealen. Die Führung felbft( 140 bei 250 Milli­meter) war verhältnifsmäfsig klein und brachte den Druck von 27 Atmoſphären zwifchen die gleitenden Flächen.