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J. F. Radinger.
Jeder der beiden Ausrückriegel ftützt fich nämlich mit der Hinterfeite auf je ein Gleitftück, welches von der flachen Stange eines zweiten, innerhalb des erften liegenden Exenters mitgenommen wird und auf diefer der Quere nach verfchiebbar ift. Vorn auf der Riegelfeite find diefe Gleitftücke von Verticalen begrenzt, welche der Stangenachfe parallel liegen. und daher den Riegel trotz des Hin- und Herganges nicht vorfchieben werden, fo lange fie felbft keinen Anftofs erfahren.
Diefe Gleitftücke tragen aber auf der Rückfeite verticale Keilflächen und diefe gehen vor den bereits oben erwähnten ftellbaren Keilen der Regulatorftangen einher. Erfolgt nun zwifchen den Keilflächen das Antreffen( unter der fortwährenden Längsbewegung der Ausrück- Excenterftange), fo wird das quer nach vorn verfchiebbare Gleitftück ausweichen und deffen Vorderfeite mufs den Ausrückriegel vordrücken, welcher fich auf fie ftützt, und fo die Hakenmitnehmung des Einftrömfchiebers löfen.
Nun fitzt aber jenes Excenter, deffen Stange die Auslös- Gleitftücke trägt, unter 180 Grad gegen die Mafchinenkurbel und bewegt feine Stange daher während des ganzen Hubes im gleichen, dem Kolbenlauf entgegengefetzten Sinne.
Das Einholen der Regulatorkeile und mit dem die Auslöfung kann daher bei jeder Kolbenftellung und für jeden Füllungsgrad erfolgen, was bekanntlich bei den einfachen Corlifs- Steuerungen nicht angeht, indem dort das eine EröffnungsExcenter bereits bei circa 40 Percent des Kolbenlaufes die Bewegungsrichtung feines ganzen Geftänges ändert, und keinen Theil desfelben mehr einem Anfchlag nähern kann, den es nicht bereits während des Hinganges paffirt hätte.
Erwähnt mag noch werden, dafs diefes zweite, hier zugegebene AusrückExcenter und feine Stange bedeutend fchwächer als das Hauptexcenter gehalten ift, indem es keine Kraft zu übertragen hat. Es fteckt auch nicht auf der Welle fix gekeilt, fondern mit einer Klemmfchraube im Kreisfchlitz an jener Riemenfcheibe, welche zwifchen ihm und dem Hauptexcenter fitzt und den Regulator antreibt. Der Kreisfchlitz erlaubt eine Aenderung der Excenterftellung, wodurch ( wenn der Voreilwinkel, welcher oben mit 90 Grad angegeben ift, verkleinert wird) die mögliche Füllungsgrenze befchränkt und der weitere Vortheil erreicht wird, dafs die Gleitftückwege in der Nähe der Normalfüllungslagen energifcher werden.
Zur Begründung der Nothwendigkeit einer folchen, alle Füllungsgrade zulaffenden Conftruction führt F. Wannieck an, dafs bei manchen Fabricationszweigen, wie es z. B. in der Tuchmacherei der Fall ift, derartig vorübergehende günftige Gefchäftsconjuncturen eintreten, bei welcher eine gefteigerte Betriebskraft benöthigt wird und wobei die Brennmaterialfrage gegen die Möglichkeit, mit derfelben Mafchine fortarbeiten zu können, gänzlich zurücktritt. Wenn dann noch Geld, Raum oder Zeit fehlt, eine zweite Mafchine aufzuftellen, fo mag, falls die Transmiffion ftark genug und Refervekeffel vorhanden find, folch eine forcirbare Mafchine allerdings dankbar geíchätzt werden.
Das Schliefsen der ausgelöften Einftrömfchieber gefchieht durch lange, mehrblätterige Flachfedern( Länge annähernd gleich der Cylinderlänge), welche unter dem Fussboden des Mafchinenhaufes liegen. Diefe find mittelft Hängftützen an die zwifchen Cylinder und Fundament- Mauerwerk gelegte Gufsplatte gespannt und ergreifen an ihrem freien Ende je eine Verticalftange, die zu den Winkelhebeln der Einftrömfchieber führt. Durch den Zug der Corlifs- Scheibe wird jede nach aufwärts gebogen und federt nieder, wenn die Ausrückung erfolgt. Die Verticalftange geht dabei mit aufgefteckten Kolben durch einen Luftpuffer, der die Schlufsbewegung rechtzeitig bremft.
Die Ausftrömfchieber dichteten nicht auf der Auslafsöffnung des Schiebergehäufes, fondern auf der Spalte vom Cylinder her, wodurch entgegen allen übrigen