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Die Motoren : (Gruppe XIII, Section 1) ; Bericht / von J. F. Radinger, Prof. der k.k. techn. Hochschule in Wien
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Mafchinenbau- Actien gefellſchaft( vormal Danek& Comp. in Prag.)

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Zahnrad gekeilt, welches in das circa doppelt fo grofse eigentliche Hauptrad ein griff und die Walzwelle trieb.

Die Dampfvertheilung gefchah für jeden Cylinder mit 3 Excentern, deren je zwei eine Stephenfon'fche Couliffe und mit dem Gleitbacken die Grundfchieber bewegten, während die dritten Excenter, des gleichen Vor- und Rückwärtsganges halber unter 180 Grad gegen ihre Kurbeln fteckend, Meyer'fche Expanfionsplatten am Rücken der erfteren führten.

Die Couliffe, welche derart nur dem Zwecke der Umfteuerung dient, wird bei folch grofsen Mafchinen nicht mehr durch die Hand verftellt, deren Kraft für die gleichzeitig nöthige Umftellung der belafteten Schieber nicht mehr ausreicht, fondern durch den Druck, den frifcher Dampf auf den Kolben eines eigens dafür beigegebenen Steuercylinders übt. Diefer Steuercylinder lag in der Mitte zwifchen den beiden Cylindern und fein ganz kleiner Schieber empfing die Bewegung durch einen Hebel vom Wärterftande aus. Damit die jedesmal mit einem einzigen Ilub gethane Arbeit feines Kolbens, das Heben oder Senken der Couliffe, nicht za plötzlich gefchieht, geht die rückwärts verlängerte Kolbenftange mit aufge­keiltem Kolben in einen mit Oel gefüllten Cylinder, deffen Widerftand eine fonft ruckweife auftretende Bewegung bremft. Vorn greift aber die Arbeitsfeite der Ililfs- Kolbenstange an dem Verticalarm einer Querwelle, welche unter der Flur gelagert ift und zu den Couliffen reichende Horizontalarme trägt, auf welche fich die Hängftangen derfelben ftützen, während zwei Gegengewichtsarme die todten Gewichte balanciren.

Wichtig ift es dabei, die Steuerung fo einzurichten, dafs das Gleitftück der Couliffe auch in andern Punkten als den beiden äufserften angehalten werden kann. Um diefs zu ermöglichen, ift bei diefer Mafchine der kleine Umfteuercylinder mit zwei Schiebern ausgeftattet, von welchen der untere von der Hand des Mafchiniften bethätigt wird, wogegen der obere( an dem Vertical­arm der Steuerwelle hängend und mit demfelben reducirten Hubes gehend) immer beim entsprechenden Weg des Steuer- Dampfkolbens die Dampfein­ftrömung abfperrt. Dafs hiebei der Dampf expandiren wird und keine genaue Einftellung erfolgt, ift felbftverſtändlich, kann jedoch ganz exact gemacht werden, wenn man den Apparat ftatt mit dem Dampfraum der Keffel mit dem Wafferraum derfelben verbindet.

Beim Stand des Mafchiniften, Mitte hinten zwifchen den beiden Cylindern, befindet fich noch ein grofses Griffrad für das Dampfabfperr- Doppel­fitzventil der unterirdifchen Dampfzuleitung, und fymmetrifch zum Schieberhebel des Steuercylinders ein Hebel zur Bewegung der Condenfations- Wafferhähne an den vier Cylinderenden und der Dampfleitung.

Die Dimenfionen der Mafchine find koloffal.

Die Dampfcylinder haben 1100 Millimeter Durchmeffer und die Kolben 13 Meter Hub. Das Haupt Dampfrohr mifst 400, jedes Einzelrohr 300 und jeder Dampfweg 90 bei 800 Millimeter. Es entspricht diefs einem Querfchnittsver hältnifs der Zuleitung von 13 des Cylinderquerfchnittes, was wohl an und für fich grofs ift, aber doch 56 Meter Dampfgefchwindigkeit verlangt und nicht den vollen Keffeldruck hinter den Kolben zu leiten im Stande ist, wenn die Mafchine mit 100 Touren per Minute geht.

Normal foll mit 80 bis 100 Umdrehungen gearbeitet werden, wobei die Kolbengefchwindigkeit 3.5 bis 4 3 Meter per Secunde beträgt.

Bei diefen grofsen Einftrömöffnungen find die Canäle getheilt und auck die Platten der Meyer'fchen Expanfionsfchieber doppelt; die Schieberkaften find aufgefchraubt.

Der Cylinder und feine Deckel, fowie der Schieberkaften find mit Blech umkleidet und mit jederfeits 7 Stockfchrauben zwifchen den 4 Rippen der ftarken Pratzen auf je eine untenliegende Grundplatte gefchraubt.

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