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Die Motoren : (Gruppe XIII, Section 1) ; Bericht / von J. F. Radinger, Prof. der k.k. techn. Hochschule in Wien
Entstehung
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Die Halblocomobilen- Mafchinen.

Die Halblocomobilen find kleinere mit ihren Keffeln zufammengebaute Dampfmafchinen, welche für gewöhnlich wie ftationäre Maſchinen andauernd an ihrem Platze zu verbleiben haben und mit keinem Fahrgeftelle verbunden find, aber doch ihrer geringen Gröfse halber den Charakter der leichten Ortsänderung tragen.

Sie bilden den eigentlichen berechtigten Motor für die Kleininduftrie, da fie den verlangten Effect weitaus ficherer, geräufchlofer und mit bedeutend geringeren Geldopfern für Betrieb und Anlage bieten als irgend ein Surrogat.

Während fich beiſpielsweife der Kohlenverbrauch einer felbft minder guten Halblocomobile auf höchftens vier Kilogramm per Stunde und effectiver Pferde­kraft ftellt und eine Geldauslage von fl. o'05 bis fl. o'08 verlangt, beträgt bei gleicher Arbeit und Zeit die Ausgabe bei Otto Langen'fchen Gasmaſchinen fl. o'12 ( 10 Cubikmeter Gas), für eine Lenoir'fche Mafchine mindeſtens fl. o 24 und ift felbft in den noch nicht fo völlig erprobten Heifs Luftmafchinen etc. höher als in der verlässlich wirkenden Dampfmaschine der Halblocomobile.

Wohl paffen diefe Conftruction en mehr für vorübergehenden als andauernden Zweck, indem das Reinigen der Keffel fchwerer und das Ausftrahlen der Wärme leichter ift als bei gemauerten Anlagen.

Der Raumerfparnifs halber ift der Keffel meift ftehend, und mit innerer Feuerung verfehen. Bei den englifchen Mafchinen fitzen dann Cylinder und Kurbel­lager direct an dem Keffel, welcher als Grundplatte dient, während die fran­zöfifchen Conftructeure glauben, einer fchweren Gufsplatte nicht leicht entbehren

zu können.

Die Gewichte der Halblocomobile find gewöhlich etwas höher als jene der gleichftarken Locomobile, aber die Preiſe find geringer, weil die Räder etc. fehlen und auch die Keffel einfachere Formen als dort erhalten.

Der geringeren Stabilität halber, welche die verticale Aufftellung bietet, find kleinere Kolbengefchwindigkeiten verwendet, als in den Stabil oder den eigentlichen Locemobilconftructionen. In der Mehrzahl der Halblocomobilen beträgt der Kolbenweg per Secunde Io bis 13 Meter und erhebt fich nie über letzteren Werth, während er häufig darunter finkt.

Mit während des Ganges variabler Expanfion waren nur einzelne diefer Motoren ausgeftattet, die Mehrzahl arbeitet mit einem einzelnen Schieber und einem Droffelregulator.

W. N. Nicholfon& Sohn in Newark hatten vier kleine Mafchinen in auffteigender Gröfse ausgeftellt, welche fämmtlich nach gleichem Principe und folgendermafsen gebaut waren:

Auf der für Mafchine und ftehenden Querröhren Keffel gemeinfamen hohlen und als Wafferbehälter dienenden Grundplatte fteht vom Keffel völlig unabhängig der centrifch zwifchen zwei hohen Ständern eingegoffene Cylinder. Die Ständer gehen oben in die Lager der gekröpften Kurbelwelle über, auf welcher aufsen das Schwungrad fitzt. Die Deckel der beiden Kurbellager bilden aber ein einziges Gufsftück, deffen Verbindungsfteg fich fo weit nach aufwärts wölbt, dafs die Kurbel darunter paffiren kann. Zwifchen den Ständern find gufs­eiferne Winkelfchienen zur Führung des an die Kolbenftange gefchmiedeten Kreuzkopfes eingefchraubt. Die Schubftange hat unten ein Auge ohne Schalen

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