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J. F. Radinger.
angewendet find, zeichnen fich diefe Motoren durch den Umftand vortheilhaft aus, dafs bei ihnen das Güte verhältnifs fteigt, wenn die Waffermenge finkt.
Bei den Girard- Turbinen tritt gerade das Gegentheil ein; der Nutzeffect bleibt bei abnehmender Waffermenge conftant oder finkt felbft im geringen Mafse, während doch die befte Arbeit des Motors dort dringender benöthigt wird, wo der Waffermangel beginnt.
Die vortheilhaftere Arbeitsweife feiner Motoren erreichte Zuppinger durch folgende Rückficht: Bei dem noch immerhin dicken Wafferftrahl, welcher an einer Turbinenfchaufel hinfliefst, können nicht alle Wafferfäden richtig geführt werden und die Führung wird defto beffer fein, je dünner der Strahl ift. Bei zu dünnem Strahle mufs aber die Reibung der unterften Wafferfchichte an der Schaufelfläche, deren verzögernder Einflufs in Folge der Cohäfion des Waffers im ganzen Strahle bemerkbar ift, bereits derart mächtig fein, dafs die rafch finkende Gefchwindigkeit den Vortheil der richtigen Führung wieder aufhebt. Es mufs daher eine vortheilhaftefte Strahldicke geben, welche dick genug ift, um unter der Reibung wenig zu leiden, aber dünn genug, um noch richtig geführt zu fein.
Diefe vortheilhaftefte Strahldicke fand Zuppinger durch mannigfaltige Verfuche mit drei Millimeter, und diefe wendet er als Maximaldicke bei gefunkener Waffermenge an.
Nun arbeiten die Zuppinger- Tangentialräder fortwährend mit gleicher Einlaufslänge am Radumfange, aber mit veränderlicher Strahldicke, indem die Regulirung durch Zungen gefchieht, welche fich nicht verfchieben, fondern nur um einen Fixpunkt in der Zuleitung drehbar fich dem Rade nähern, nach deffen Halbmeffer fie felber ausgebohrt find und welches fie daher auch ganz fchliefsen
können.
Die Zungen drehen fich dabei um ihre rückwärtige Endkante, welche abgerundet ift und fich in eine Ausfparung des Zulaufmantels ftemmt. Vorn an der Eintrittsfeite des Waffers findet die Bewegung der Zunge durch ein kleines, an eine verticale Stellwelle gefchmiedetes Excenter ftatt, welches in einen Schlitz am Zungenrücken taucht. Sämmtliche Stellwellen( gewöhnlich zwei auf jeder Seite, alfo vier im Ganzen) find durch eine Räder- Stellzunge mit einem einzigen Griffrade verbunden.
Diefe( patentirten) Regulirzungen verringern alfo nur die Strahldicke, wenn fie vorgeneigt werden, und belaffen die Länge des Einlaufbogens am Actionsrade. Sie führen auch in Folge ihrer gleichfam tangentialen Stellung das Waffer in gleichmäfsig abnehmender Stärke von den vorderen gegen die hinteren EinlafsOeffnungen und ihre Zahl kann daher gering fein.
Für die volle Waffermenge ift nun die Zunge ganz zurückgeneigt und der Strahl tritt nach einer mir vorliegenden Zeichnung mit 12 Millimeter Dicke gegen das Rad. Für abnehmende Waffermenge wird aber der Strahl durch die fich vorneigende Zunge dünner gehalten, wodurch die Ausbeute feiner Arbeit fteigt.
Nach Zuppinger's Angaben foll ein Rad diefer Conftruction bei 285 Liter Waffer per Secunde 70 Percent, und bei 95 Liter( ein Drittel der früheren Menge) 75 Percent Nutzeffect leiften. Bei einer Girard- Turbine dürfte ziemlich das Umgekehrte eintreten.
Die Umfangsgefchwindigkeit der Zuppinger- Räder beträgt normal o'55 der dem Gefälle zukommenden Gefchwindigkeit.
Weiters ift von diefen Turbinen zu erwähnen, dafs die Schaufeln entweder fämmtlich gegoffen find oder, wenn Blechfchaufeln verwendet find, doch einzelne ( ungefähr jede 18.) im Guffe durchgehen. Die Erhöhung der Zellen gegen den inneren Austritt ift mäfsig und erhebt fich nur bis zum 11/ fachen der Eintrittshöhe.
Die Lagerung der Turbine findet auf einer grofsen hohlen Grundplatte ftatt, durch welche das Druckwaffer kommt. Diefes ftrömt im Fallrohr mit circa I Meter Gefchwindigkeit, und während fich die eine Hälfte des Waffers bereits