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J. F. Radinger.
Die Arbeit der Mafchine beruht nun mit auf der Wirkung des Verdrängers. Diefer fchafft nämlich abwechfe'nd den gröfsten Theil der im Innern der Mafchine enthaltenen Luft zu dem glühenden Heizboden oder den kühlenden Wänden entlang in den kalten Vorderraum, wodurch die mittlere Temperatur und hiedurch die Spannung der eingefchloffenen Luftmenge fteigt und finkt.
Dabei benöthigt der Verdränger felbft faft keine andere Arbeit als die geringen Reibungswiderstände verzehren, denn der Druck auf feiner Vorderseite gleicht ftets jenem auf der Hinterfeite. Aber der Treibkolben, welcher feinen Weg nach aufsen mit dem Steigen des Druckes im Innern beginnt, und umgekehrt leer nach einwärts geht, wenn durch den Verdrängen die Luft in den kalten Raum geförde t wird, erfährt die Preffungsdifferenzen als treibendes Princip.
Soviel über das Wefen der Mafch ne. Aus den Verfuchsergebniffen mag angeführt werden, dafs laut Indicator- Diagrammen der Maximaldruck im Innern nie über o 7 Atmoſphären kam, während der mittlere Druck höchftens o 4 Atmo fphären betrug. Diefs erklärt dann in Verbindung mit der nur einfeitigen Arbeitsweife den geringen Gefammteffect folcher Motoren; die Verfuchsmafchine gab bei 349 Millimeter Cylinderdurchmeffer und 100 Umdrehungen per Minute( 0.8 Meter Kolbengefchwindigkeit per Secunde) an der Bremfe kaum I Pferdekraft, wozu fie 4'6 Kilogramm Steinkohlen( anfcheinend minderer Qualität) per Stunde verbraucht.
Die früheren Mafchinen wurden dadurch regulirt, dafs die Regulatormanchette ein Ventil am Rücken des Arbeitscylinders hob, wodurch ein Theil der gespannten Luft entweichen konnte. Bei den Mafchinen der Ausftellung jedoch drückte der fteigende Regulatoreinen Bremsklotz an den Umfang des gedrehten Schwungrades und erhielt dadurch den Gleichgang wohl auf die denkbar verfchwenderifchefte Art.
Alle Maſchinen arbeiteten aber ruhig und machten den Eindruck einer foliden und in ihrer Art fertigen Conftruction. Eine Ipferdige Mafchine beansprucht ( ohne den nöthigen Umgangsraum) 3.25 Meter Länge, o 93 Meter Breite, wiegt 1650 Kilogramm und koftet 720 Thaler ohne Mauerung, aber inclufive Regulator, Kühlwaffer- Pumpe und Verpackung loco Deffau.
Der Kohlenfäure- Motor von L. Sey both in Wien.
Die Mafchine von Sey both unterfcheidet fich im Principe durch Nichts von einer gewöhnlichen Dampfmafchine, als dafs ftatt des gefpannten Wafferdampfes gefpannte Kohlenfäure auf den Kolben drückt. Seyboth erzeugt nämlich in gefchloffenen eifernen mit Blei gefütterten Keffeln Kohlenfäure von 4 Atmofphären Druck, indem er den natürlich vorkommenden Spath- Eifenftein mit verdünnter Schwefelsäure mifcht und durch ein Rührwerk in der Ausftellung von einem Manne betrieben) rührt. Die Keffel müffen des Wechfels und der Reinigung halber doppelt vorhanden fein.
Die erzeugte Kohlenfäure paffirt dann ein Wafchgefäfs, in welchem fie einfach durch Waffer auffteigend die mitgeriffene Schwefelfäure verliert und kommt durch ein Anlafsventil in die Mafchine, welche fie betreibt.
Anfangs verwendete Seybota eine felbftgebaute Mafchine, deren Details nur unwefentliche Abweichungen von einer Normal conftruction zeigten. Es waren zwei offene mit den Böden zufammenftofsende Cylinder verwendet, deren Kolben durch einen die Cylinder umfaffenden Rahmen gekuppelt waren, was angeblich gefchah, um die Stopfbüchfen- Reibungen zu umgehen etc.) Später wurde aber eine Dampfmafchine der gewöhnlichen Conftruction der Simmeringer Mafchinen- und Waggonbau Fabriks Actiengeſellſchaft mit der Kohlenfäure betrieben.
Die von der Mafchine kommende Kohlenfäure befitzt nach dem Betrieb derfelben noch den Werth von frifch erzeugter Kohlenfäure und kann für