Chirurgifche Inftrumente.
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So wird nun bis zum Durchfchneiden des Kopfes aus den Schamtheilen fortgefahren. Mögen die Geburtshelfer vom Fach über den Werth der Traction continuélle ein Urtheil fprechen.
Kephalotribe fanden wir auch reichlich vertreten und kamen die von Braun, Dubois, Depaul, Valétte de Lyon u. A. m. zur Ausftellung, ferner der Kranioklaste von Simpfon( England), der Transforateur von Hubert de Louva n( Frankreich), der Braun'fche Haken und der Embryotome und der Couteau embryotome von Ja quemier( Frankreich).
Von Forceps scie fanden wir zwei Exemplare, den einfachen von van Huvel und den doppelten von Collin.
Das Inftrument von van Huvel ftellt einen gefenfterten Forceps dar. An der Innenfläche des einen Fenfterbalkens jedes Zangenarmes läuft eine Hohlrinne, welche eine Kettenfäge nebft einem Conductor aufnimmt. Bei gefchloffenen Armen geht die Kettenfäge an einem Conductor längs der Rinne des Fenfterbalkens eines Zangenarmes hinauf, tritt dann aus der Rinne heraus, fetzt quer über den Innenraum des Forceps zum anderen Zangenarme hinüber und läuft hier angelangt, im zweiten Conductor längs der Hohlrinne des Fenfterbalkens diefes zweiten Zangenarmes wieder herab. An den Aufsenenden hat die Kettenfäge je einen kleinen Querbalken als Handhabe. Bei der Anwendung geht die Wirkung der Kettenfäge von unten nach oben, das heifst, vom Schloffe zur Abrundung der Zangenbranchen, und ift ihre Bewegung eine doppelte, einmal quer von einer Branche zur anderen, wodurch fie fägend auf den gefafsten Kindeskopf wirkt, und zweitens vertical von unten nach oben, was durch die Conductoren mittelft Schraube erreicht wird. Hiedurch vermag die Säge den Kindesfchädel vom Scheitel bis zur Bafis nach und nach entzwei zu trennen. Beim Forceps à double scie von Collin einem Meifterwerke inftrumentaler Technik ift der Mechanismus dem fo eben befchriebenen im Ganzen wohl ähnlich, nur find hier beide Fenfterbalken jeder Zangenbranche gehöhlt, und zwei Kettenfägen bewegen fich darin zu gleicher Zeit, und treffen am Ende der Hohlrinnen zufammen. Mit diefem Inftrumente fägt man demnach vom Kindesfchädel ein dreieckiges Stück heraus, deffen Bafis dem Scheitel, deffen Spitze dem Schädelgrunde entſpricht.
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Vom rein inftrumentalen Standpunkte wäre noch zu erwähnen, dafs van Huvel feine Kettenfäge an der Hinterfeite des Schloffes austreten läfst, während Collin beide Sägen an der Vorderfeite der Griffe hat, ein Umftand, welcher das Sägen etwas erleichtern dürfte.
Endlich hat Mathieu die Idee der Van Huvel'fchen forceps fcie mit einem Kephalotribe vereinigt. Die Zangenbranchen find fchmal, nicht gefenftert und ftark gehöhlt, die Ränder fcharf. Die Kettenfäge bewegt fich in der Mitte der Aushöhlung, und die Handhaben des Forceps find unten wie alle Kephalotribe mit einer Schraubftock- Winde verfehen. Mit dieſem Inftrumente kann man den Schädel des Kindes entzweifägen und die Hälften gleich zerdrücken und auseinanderdrängen.
Varia.
Transfufion des Blutes. Zur Transfufion defibrinirten Blutes ift aufser verfchiedenen Glasfpritzen von Martin u. A. der durch Luftdruck wirkende Apparat von Belina zu erwähnen. Er befteht aus einem 150 Gramm haltenden Glascylinder von etwa 5 Centimeter Durchmeffer, welcher unten zu einer kielfederdicken offenen Spitze ausgezogen ift, und feitlich knapp unter der Verfchlufsplatte ein rechtwinkelig abftehendes, kurzes Rohr trägt, welches durch einen Kautschukftoppel verfchliefsbar ift.
In diefen Cylinder wird das defibrinirte Blut eingefüllt. Die Cylinderfpitze kommt mit einem Kautfchuckfchlauche in Verbindung, welcher die zur Einführung in die Vene beftimmte Cannüle trägt. Das Blut wird aus dem Cylinder dadurch
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