Dokument 
Chirurgische Instrumente : (Gruppe XIV, Section 4) ; Bericht / von Mosetig von Moorhof ; Hans Adler, L. Schrötter ; Moriz Benedikt
Entstehung
Seite
23
Einzelbild herunterladen

Chirurgifche Inftrumente.

23

Verfchiebung eingehen, da die Darmbein- Teller und die Trochanteren diefs nicht geftatten.

Die erforderliche Stellung der Pelotte wird bei Rasmuffen und Salt durch eine ftarke Stellfchraube mit Feder, bei Spillmann durch andere mecha­nifche Vorrichtungen erzielt, die fich ohne Beigabe einer Zeichnung nicht gemein verftändlich befchreiben laffen.

Weiters müffen wir, was Verbände und orthopädifche Apparate betrifft. noch folgende Neuerungen und Modificationen erwähnen:

Der Extenfionsapparat von Taylor( Amerika) für Entzündungen im Hüft­gelenke, welcher bei continuirlich fortdauernder Wirkung dem Kranken das Ver­laffen des Bettes geftattet. Er befteht aus einem feften Beckenringe mit gepol­ftertem Schenkelgurte. Vom metallenen Beckenringe geht entſprechend der Aufsenfeite der Extremität eine lange, gehöhlte Stahlfpange bis etwa zur Mitte des Unterfchenkels. In der Höhlung diefer bewegt fich ein ftarker Metallftab, der unten rechtwinkelig gebogen endet. Durch eine Schraube kann man beliebig den Metallftab in der Scheide der oberen Spange verfchieben. Bei der Anwendung wird an der kranken Extremität zuerft mit Heftplafter- Streifen nach Crosby' icher Art der Zug angebracht, deffen Auslaufbänder am gebogenen Endtheile der unteren Spange befeftigt werden. Pafst der Beckenring genau und unverrückbar, fo braucht man blofs die untere Metallfpange in divergirender Richtung von der oberen zu fchrauben, um eine beliebig ftarke conftante Extenfion auszuüben.

Streckapparate für Kniegelenks- Contracturen waren in vielfachen Varietäten vertreten. Da die älteren Apparate mit Lagerbret, welche den Kranken zur conftanten Bettruhe in der Rückenlage verdammen, kaum mehr in Gebrauch kommen, beftehen die neueren Apparate aus einem Oberfchenkel und einem Unterfchenkel- Stücke und wird die Streckkraft an der Verbindung beider ange­bracht. Die Verfchiedenheiten beruhen nun in den Varianten, wie diefe vermittelt wird. Wir haben deren drei notirt, und zwar: a) die Streckung wird durch die Hände des Operateurs bewerkstelligt und der Apparat hat nur den Zweck, die gewonnene Befferung zu erhalten; b) die Streckung erfolgt durch Schraubendruck, der feitlich oder rückwärts eingreift; c) die Streckung erfolgt durch elaſtiſchen Zug. Zu diefem Zwecke haben beide oberen und unteren Seitenfchienen, einige Centimeter von ihrer gegenfeitigen Verbindung, zwei lothrecht nach aufwärts ftrebende Metallbälkchen von etwa 6 Centimeter Höhe. Die Enden der Bälkchen, die bei der Anlegung des Apparates in der palhognomonifchen Stellung der Extre­mität entſprechend dem Beugungswinkel divergiren, werden durch dünne, mehr­reihige Kautfchukröhrchen verbunden, die angespannt, nach und nach die Con­vergenz der Bälkchen und fonach die Streckung vermitteln.

Zu weit würde es führen, wollten wir alle Apparate für Klumpfufs, Spitz­fufs etc. befchreiben, die von Collin, Nyrop, Rasmuffen, Windler, Walter, Schlecht u. A. m. ausgeftellt wurden.

An Miedern für Wirbelfäule- Krankheiten konnten wir folgende verfchie­dene Typen unterfcheiden.

Stützmieder. Gefchloffene, Becken und Thorax umfaffende Mieder mit eingelegten oder aufsen aufliegenden Stahlfchienen, mit ringförmiger Beckenftütze und Achfelgürtel.

Offene Mieder mit ringförmiger oder gebrochener Beckenftütze und Achfelkrücken.

Gefchloffene, der Rückenform genau abmodellirte Miederküraffe aus geprefs­tem, fiebartig durchlöchertem Leder( Collin und Mathieu), die nach Gyps­abdrücken geformt werden. Aehnliche Küraffe in entſprechender Form werden auch zur Imobilifirung erkrankter Gelenke an den Extremitäten verwendet, ferner auch bei Caries vertebrarum colli cravattenartig zum Tragen des Kopfes.

Streckmieder. Gefchloffene Mieder mit ganzer Beckenftütze, Achfel­gürtel und einfachen oder doppelten, glatten oder pelottirten Gurtenzügen, welche