Dokument 
Chirurgische Instrumente : (Gruppe XIV, Section 4) ; Bericht / von Mosetig von Moorhof ; Hans Adler, L. Schrötter ; Moriz Benedikt
Entstehung
Seite
34
Einzelbild herunterladen

34

Dr. L. Schrötter.

Von Beleuchtungsapparaten ift aufser einem kleinen portativen Linfen- Apparate von Raoul Mathieu und einem anderen von Colin Nichts zu erwähnen; und auch diefe haben vor ähnlichen anderer Autoren keinerlei wefentliche Vortheile. Neu war ein Inftrument von Colin, um mit Gewalt den Mund eines Patienten zu öffnen, bei welchem eine, in eine feine Kante auslaufende, fchiefe Ebene aus Stahl mittelft Hebelwirkung zwifchen die Zähne hineingetrieben wird. Das Inftrument geftattet grofse Kraftentfaltung, ift aber wegen des verwendeten Materiales fehr unangenehm.

Mathieu brachte einen gedeckten Aetzmittel- Träger von Fauvel, bei dem durch eine losgelaffene Feder das Aetzmittel plötzlich an die betreffende Stelle angedrückt wird, worin eben kein erheblicher Vortheil erblickt werden kann.

Einiges Auffehen erregte der bei Mathieu ausgeftellte Pinfel von Dr. Krishaber in Paris, deffen Dimenfionen in ganz erftaunlicher Weife über alles Nothwendige hinausgehen.

Von elektrifchen Inftrumenten ift nur bei Mathieu der fchon bekannte Réophor von Fauvel zu finden. In Galvanokauftik bieten die Franzofen nichts Neues. Colin ftellte zwei guillotine artig wirkende Polypotome aus, die beide fehr finnreich conftruirt find, aber mit allen ähnlichen Inftrumenten die Complicirt­heit und fchwere Einführbarkeit theilen, ohne weitere Vortheile zu bieten.

Unter den Zerftäubungs- Apparaten verdient der von Mathieu conftruirte Erwähnung, der fich durch Erzielung einer gröberen, feineren und feinften Zerftäubung auszeichnet.

Das Rhinofkop von Dr. Baxt und das von Colin, beide in der Ausftel­lung von Robert& Colin, welche den Zweck haben, den Spiegel und die Vorrich­tung zum Heben des weichen Gaumens und der Uvula in einer Hand zu vereinigen, find beide finnreich erdacht, leiden aber an den Fehlern ähnlicher, fchon von Czermak und Störk angegebener, und feither nicht weiter in Gebrauch kommender

Inftrumente.

Sehr nett ift eine kleine, gegliederte Pincette von Colin, um aus der Cannüle nach gemach ter Tracheotomie Croupmembranen etc. zu entfernen.

Ebenfo ift ein von demfelben Inftrumentenmacher angegebenes Dilatatorium mit drei Branchen, um nach Entfernung der Cannüle die Wundöffnung offen zu erhalten, recht zweckmäfsig.

Anhangsweife feien noch zwei Inftrumente für den Oefophagus erwähnt: das Eine von Mathieu nach Art jener Scheeren, wie fie die Kinder zum Auf­ftellen der Soldaten verwenden, verlängerbar gebaut, dient zur Entfernung fremder Körper aus dem Oefophagus. Da das Inftrument bedeutend verlängert werden kann und relativ wenig Breite befitzt, erfcheint es fehr praktifch. Das zweite Inftrument von Colin, dem Uréthrotome caché nachgebaut, geftattet durch fehr finnreiche Vorrichtung genau abzulefen, wie weit die anfänglich verdeckten Meffer in die Oefophagus- Strictur eingefchnitten haben und gewährt daher, wenn überhaupt ein folches Inftrument anwenden will, einige Sicherheit.

man

In Italien fanden fich nur in der Ausftellung von Baldinelli aus Mai­land einige Neuigkeiten: Ein Beleuchtungs- Apparat von Dr. Labus in Mailand, bei dem mittelft eines grofsen, am Stative befeftigten Reflectors in zweckmäfsiger, aber gleich complicirter Weife, wie bei allen ähnlichen Apparaten, Licht in die Mundhöhle geworfen wird. Ein Beleuchtungs- Apparat von Dr. Chriftoforis, wo eine an einer Stirnbinde befindliche planconvexe Linfe den Zweck hat, einfaches Tageslicht( jedenfalls nicht in ausreichender Weife) in den Mund zu werfen; endlich ein kleines Tafchen- Laryngoskop von Baldinelli. Inftrumentenmacher Lollini aus Bologna ftellte in einer grofsen Sammlung chirurgifcher Inftrumente ein ungemein elegant gearbeitetes Etui nach Bruns aus.

In Dänemark fand fich nur bei Profeffor Nyrop ein kleines, fehr correct gearbeitetes Etui mit einigen Inftrumenten nach Bruns und Wintrich.