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Russland : Bericht / von Wilhelm von Lindheim
Entstehung
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Rufsland.

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Süden dagegen haben fich zwar die Terrains, welche von Seite der Grofsgrund. befitzer cultivirt wurden, feit Abfchaffung der Leibeigenfchaft reducirt; es wird aber diefe Reduction durch die gröfseren Terrains vollſtändig compenfirt, welche nun von Seite der Bauern bebaut werden, die fowohl als Käufer, wie als Pächter des Grofsgrundbefitzes auftreten.

In den Terrains der fchwarzen Erde kann man nicht nur eine Zunahme der Production, fondern auch eine Zunahme der gefammten, dem Ackerbau gewid meten Fläche conftatiren.

In Bezug auf diefe Zunahme, refpective Abnahme, ift die nachfolgende Tabelle zufammengeftellt worden, welche in intereffanter Weife die von Tengoborsky 1850 veröffentlichten und die durch den ftatiftifchen Atlas 1860 angeführten Ziffern zur Vergleichung bringt.

Nach M. Tengo- Nach dem fta- Schätzung der borsky tiftifchen Atlas. Commiffion der In Taufenden, Defsjätinen

Enquête

Verminderung:

1. Nord- und Central- Gouvernements( 2) 2. Gouvernements von Weifs- Rufsland und Litthauen( 3)

( Verminderung 19 1/2 0/0)

Zunahme:

I. Baltifche Provinzen

2. Central Gouvernements( 4)

3. Gouvernements an den Ufern der

Wolga und jenfeits derfelben( 5)

4. Gouvernements des Südens

5. Gouvernements des Südweftens( 8) ( Zunahme 30 1/2 0/0)

Totale

21,840.867

21.657

20,568.460

10,714.109 32,554.976

II. OIO

32.667

6,719.421 27,287.881

1,140.427

27,488.000

1.753 29.295

1,781.360 33.786.751

7,391.000 s 7.209

12,513.013

6,531.283

7,217.185

49,767.895

82,322.871

9.795 8.082 56.134 61,870.719 88.801 90,158.600

6,287.315

8,502.280

Der Bericht gibt namentlich an, dafs der Grad der Fruchtbarkeit des Bodens im Norden ein fehr geringer ift, und dafs dafelbft nur die niedrig gelegenen, an Wafferläufe grenzenden Terrains, die gleichzeitig den Herbftüberfchwem­mungen ausgefetzt find, Getreide erzeugen; aber auch hievon ift die Qualität nur eine mittelmäfsige, und ergibt der Ertrag bei aller Sorgfalt, welche darauf ver­wendet werden mufs, höchftens 6 bis 7 Korn.

Der Durchfchnitt der Erträgniffe ift hier nur 2 bis 3 Korn.

Immerhin ift bei den Grofsgrundbefitzern aber auch hier der Ertrag höher, als bei den Bauern.

Eine Ausnahme davon machen nur jene jungfräulichen Terrains, welche durch die Afche der abgebrannten Wälder gedüngt werden, wodurch die Erträgniffe der bäuerlichen Terrains fo grofs werden, wie die der Grofsgrundbefitzer.

In der weitläufigen centralen Region, wie in der des Südens und Süd­weftens zeigen fich fehr erhebliche Differenzen in den Erträgniffen an verfchie­denen Cerealien, und man fieht je nach der Bearbeitung der aneinander grenzen­den Felder vollſtändig verfchiedenen Ertrag.

Leider haben die fchlechten Ernten in den Jahren 1868, 1869 und 1871 auf die eigentlichen Grundbefitzer wie auf die Bauern einen fehr ungünftigen Ein­flufs ausgeübt, und es find die Fälle allzu häufig vorgekommen, wo nicht nur das Korn für die Ernährung mangelte, fondern auch die Ausfaat abgängig war.

Die Durchfchnittserträgniffe der letzten zehn Jahre find nach dem Rapport der Commiffion die folgenden gewefen: