Kufsland.
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So kommt es denn, dafs längs der Strafsen, welche vom grofsen Viehtrieb nach den Hauptftädten gewohnheitsmäfsig benützt werden, die Viehzucht ganz unmöglich ift, weil das Contagium aus den Steppen permanent in diefe Gegenden getragen wird, und alle Mafsnahmen, welche dagegen getroffen wurden, haben bis jetzt wenig oder gar kein Refultat gehabt, wobei wir allerdings anführen müffen, dafs vielleicht diefe Mafsnahmen noch lange nicht intenfiv genug und mit jener Energie getroffen wurden, welche eine entfchiedene Bekämpfung der Seuche im ganzen Reiche auf einmal nothwendig macht.
Rechnet man hiezu noch die Lethargie der bäuerlichen Bevölkerung in diefer Beziehung und die geringen Anftrengungen von Seite der Transportanftalten, fo findet man die Erklärung für diefe traurige Thatfache.
Als einen Lichtpunkt kann man indeffen anführen, dafs es doch einzelne Gegenden gibt, in denen die Viehzucht Fortfchritte macht, wie in den drei baltifchen Provinzen, wo man bereits jetzt zu der gerechtfertigten Anficht gekommen ift, dafs die Viehzucht zu den ertragreichften Momenten der Landwirthschaft gehört, für welche Thatfache übrigens die fteigenden Ausfuhrziffern in den balti fchen Provinzen fprechen.
Auch in den Provinzen des Nordoftens läfst fich ein gewiffer Fortfchritt conftatiren, und ift es namentlich erfreulich, dafs derfelbe von der bäuerlichen Bevölkerung ausgeht, die gleichzeitig auch bereits der Wiefencultur grofse Sorgfalt zuwendet.
Endlich ift im nördlichen Theil auch die Käfebereitung mehr eingeführt und dadurch ein guter Einfluss auf die Viehzucht geübt worden, fo dafs trotz ungünftiger Umstände eine Erhöhung der Anzahl des exportirten Viehes nachzuweifen ift. Die nachfolgenden Zahlen geben ein Bild der Exportation in den letzten 20 Jahren.
1852 bis 1856 1861
91.000 Köpfe,
18.000 Köpfe Jahresdurchfchnitt
99
1857” 1862 1866
115 000
99
170.000
23.000 38.000
97
99
59
99
99
1867"
1871
467.000
29
93.000
77
97
Die Fleifchausfuhr hat die nachftehende Fluctuation durchgemacht:
1852 bis 1856
1857" 1861
1862 1866
77
1867 1871
99
121.000 Pud. 386.000"
184.000 270.000
" 9
"
Der Export von Talg hat fich ftark vermindert:
1852 bis 1856
1857" 1861 1862" 1866 1867 1871
99
II, 600.000 Pud. 16, 162.000
"
12, 702.000 99 9,337.000
99
In der letzten fünfjährigen Periode ift die Abnahme conftant, und im Jahre 1871 ift die Exportation auf 932.000 Pud gefallen, wodurch die niedrigfte Ziffer der letzten 20 Jahre erreicht worden ift.
Diefer Umftand mag wohl davon herrühren, dafs die Anzahl des für die Talgbereitung gefchlachteten Viehes fehr abgenommen hat und dabei in den letzten zehn Jahren die Preife des Viehes eine fteigende Tendenz verfolgen.
Die Viehpreife haben fich verdoppelt und fogar in einigen Gegenden einen noch höheren Stand erreicht, wozu natürlich auch die Preife des vertheuerten Futters beigetragen haben.
Auf den grofsen Unterfchied zwifchen Frühjahrs- und Herbftpreifen haben wir fchon früher hingewiefen.
Es wurde bereits oben erwähnt, dafs die Anzahl der Pferde von 1851 bis 1871 eine Verminderuug erfahren hat. Dagegen läfst fich in der letzten zehnjährigen Periode eine Vermehrung von über eine halbe Million nachweifen.