Dokument 
Russland : Bericht / von Wilhelm von Lindheim
Entstehung
Seite
209
Einzelbild herunterladen

Rufsland.

209

new, wirklicher Staatsrath Nikolaus Ermakow, wirklicher Staatsrath Peter Demidow, wirklicher Staatsrath Sergius Stfchepkin, wirklicher Staatsrath Peter Iffejew, Staatsrath Alexis von Behr, Staatsrath Jofeph Popow, Staats­rath Nikolaus Solfky.

Generalcommiffär der ruffifchen Abtheilung in Wien: Wirklicher Staats­rath Carl von Bielfky.

Secretär: Herr Carl Baeckmann.

Präfident des im Domänenminifterium inftituirten Special comités: Geheim­rath Georg von Peterfon.

Präfident der Specialcommiffion des Kriegsminifteriums: Geheimrath Modeftus Kittary.

Präfidenten der Hilfscomités: Moskau, wirklicher Staatsrath Victor Butow fki; Riga, Landrath von Hagemeifter; Helsingfors, Director von Bremer; Warfchau, Stadtpräfident a. D. Kafimir Woyda; Kiew, Geheimrath Peter Selezky; Odeffa, Fürft Bafilius Dabija; Tiflis, Generalmajor Michael Aftafiew; Orenburg, Generalmajor Leon Ballufek; Irkutfk, Generallieutenant Sinelnikow.

Rufsland hat fich in Wien nicht nur durch die gröfsere Zahl feiner Aus­fteller gegen alle früheren Weltausftellungen hervorgethan; auch das ganze Arrangement war ein weit glücklicheres, einheitlicheres und legte gleich dem ein­zelnen Objecte ein beredtes Zeugnifs ab von den mächtigen Fortfchritten, welche die letzten Jahre in Rufsland auf allen Gebieten menfchlicher Thätigkeit gezei­tigt. Ein überrafchendes, originelles Formtalent, das den morgen- und abend­ländifchen Gefchmack in fich zu vereinigen fcheint, verleiht der gewerblichen Induftrie manchen Vorzug, der vielleicht einftens, wenn die Schranke gefallen, die das ruffifche Reich heute von den Nachbarländern fcheidet, bei der Concurrenz auf dem Weltmarkte von ausfchlaggebender Bedeutung fein wird. Und diefe Schranke wird fallen, mufs fallen! Freilich nicht heute oder morgen, wo die Induftrie des Reiches doch noch nicht genugfam gekräftigt ift, um den ruffifchen Staatsmännern das Experiment einer neuerlichen radicalen Emancipation von Prohibitivfyftem rathfam erfcheinen zu laffen. Die trüben Erfahrungen, welche man in Rufsland mit der Freihandelspolitik gemacht, ftehen eben noch in zu gutem Andenken. Hatte doch bereits Kaifer Alexander I., der feinen Unterricht in der Nationalökonomie von einem eifrigen Verfechter der Allmacht des Handels erhalten hatte, bei Beginn feiner Regierung befchloffen, die ihm zu Theil gewor­denen Lehren praktiſch durchzuführen, und das Ergebnifs hievon zeigte fich bald darin, dafs englifche Waaren maffenhaft einftrömten, das ruffifche Geld dagegen aus dem Lande flofs, dafs ferner das Geld entwerthet, die Regierung gelähmt und die Manufacturen zu Grunde gerichtet wurden, worauf das angenommene Syftem vielleicht in zu rigorofer Weife wieder abgeändert wurde. Eines fchickt fich eben nicht für Alle, und was für Länder, wie Oefterreich, Frankreich, England, Deutfch­land, eine Verfündigung an der ökonomifchen Wohlfahrt der Menfchheit wäre, wird heute für Rufsland zu einer Nothwendigkeit, vor welcher fich vorläufig auch der eifrigfte Freihändler beugen dürfte. Wir erinnern an das treffende Bild eines neueren Nationalökonomen, der ein Gemeinwefen, deffen induftrielle Entwicklung erft noch durchzuführen ift und das trotzdem fchon die Freihandelsdoctrin adoptirt, mit jenem Schiffe aus Taufend und eine Nacht vergleicht, welches die Strömung fo nahe an einen Magnetfelfen treibt, dafs alles Eifenwerk angezogen wird und das Schiff in Trümmer fällt. Die Manufacturen eines Landes find hier für die fociale Mafchine dasfelbe, was das Eifenwerk für das Schiff ift. Die ftillfchweigende Anerkennung diefer vorläufigen Nothwendigkeit fchliefst indeffen in keiner Weife die Billigung jener zahlreichen überflüffigen Zollmanipulationen ein, welche den Grenzverkehr ebenfo empfindlich hemmen, wie, was fpeciell Oefterreich betrifft, die merkwür­dige Tarifpolitik einiger heimifcher Eifenbahnen. Diefs find die beiden Punkte, an denen ein handelspolitifcher Archimedes zu allfeitigem Nutz und Frommen 14*