OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. APPARATE UND ANLAGEN VON WASSERLEITUNGE N. ( Gruppe XVIII, Section 1.) BERICHT VON C. FRISCHAUF, BUCH KE MUSEUM Oberingenieur für die Wafferleitungen der Weltausstellung Technologisches Gewerbe- asem WIEN WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI 1874. WA 87/9 TX Band 9. APPARATE UND ANLAGEN VON WASSERLEITUNGEN. ( Gruppe XVIII, Section 1.) Bericht von C. FRISCHAUF, Oberingenieur für die Wafferleitungen der Weltausstellung. Die Berichterftattung über die in das Gebiet der Wafferleitungen gehö renden Ausstellungsobjecte findet einige Schwierigkeit in dem Umftande, dafs das zur Verfügung geftandene Material in vielerlei Gruppen zerftreut war; fo waren zum Beiſpiele die Röhren theilweife in Gruppe I( Berg- und Hüttenwefen), theilweife in Gruppe XIII( Mafchinenwefen) claffificirt. Aufserdem waren noch die Gruppen VII( Metallinduftrie), XIV( Wiffenfchaftliche Inftrumente) und XVIII ( Bau- und Ingenieurwefen) mit Wafferleitungs- Gegenständen verfchiedener Art betheiligt. Wir haben es vorgezogen, im Verlaufe des Berichtes uns ausfchliefslich an das zu halten, was thatfächlich ausgeftellt war, und hiebei nicht allzuweite Grenzen gezogen. So hielten wir auch dafür, dafs Water- clofets, Toiletten und ähnliche andere Einrichtungen nicht mehr in den Bereich der Wafferleitung gehören und haben ihnen daher nur eine geringe Beachtung gefchenkt; was übrigens um fo erklär licher ift, als wohl in den äufseren Formen diefer Apparate, ihrer zweckmäfsigen Geftaltung u. f. w. in den letzten Jahren mancherlei und auch Gutes gefchaffen worden ift, in den Syftemen aber nichts dem Ingenieure Neues fich auffinden liefs. Zugleich haben wir bei der Befprechung des vorliegenden Gegenftandes nicht nur die wiffenfchaftliche, fondern auch zugleich die praktiſche Richtung ins Auge gefafst und die einzelnen Objecte in der Weife behandelt und befchrieben, dafs auch der praktiſche Gefchäftsmann fich daraus Vortheile entnehmen kann. Bei der Abtheilung„ Wafferleitungs- Anlagen" haben wir mit befonderer Umftändlichkeit der Parifer Wafferleitung gedacht, da diefelbe ihrer grofsartigen Anlage wegen eines der lehrreichften Kapitel abgeben dürfte, und uns dabei ftets auf die jüngften Daten, welche uns der Director der Parifer Wafferleitung, Herr E. Belgrand gütigft zur Verfügung ftellte, bezogen. Die Direction der Hamburger Stadt Wafferkunft hat uns auf unfere Anfrage bereitwilligft eine Fülle von Zeichnungen und Befchreibungen zur Verfügung gestellt, und die königl. würtI* 2 C. Frifchauf. tembergifche Alb- Wafferleitung war an und für fich fchon fo deutlich und umfaffend dargestellt, dafs es keiner weiteren Nachfrage bedurfte, um darüber ein allgemeines Gutachten abzugeben. Der Wiener Hochquellen Leitung haben wir keine Erwähnung gethan, da fie einestheils in der Ausftellung nicht vertreten war, und andererfeits ohnehin zugleich mit diefem Hefte ein erfchöpfender Bericht darüber erfcheint, der einer weiteren Ergänzung unfererfeits keineswegs bedarf. Wir haben nach diefer Einfchränkung unfer Material fo geordnet, dafs wir es am Beften in folgenden Abfchnitten zu behandeln glauben: Röhren, Installationsartikel der Wafferleitungen, Waffermeffer, Wafferleitungs- Anlagen. Röhren. Nicht allzu reichlich war die Expofition an Wafferleitungsröhren und nur wenige Firmen waren es, die als Hauptobject ihrer Ausftellung eine Collection von Röhren nebft der dazu gehörigen Ueberficht über Fabrication, Dimenfionen, Preife etc. zur Anfchauung brachten, während manche Ausfteller mehr als nebenfächliche Gegenftände unter ihrer Expofition, oft nur einige Stücke fehen liefsen, mehr vielleicht, um anzudeuten, dafs fie fich überhaupt mit der Herftellung von Röhren befchäftigen, als um die Qualität und Art ihres Fabricates zu zeigen. Wieder andere bedeutende Firmen aus verfchiedenen Ländern( namentlich England) haben gegenüber ihren anderen Fabricationszweigen die Röhren ganz unberücksichtigt gelaffen nnd fo ihre nicht unbedeutende Röhrenerzeugung der Ausftellungskritik ganz entzogen. In Bezug auf die Herftellungsweife der gufseifernen Röhren ift der fenkrechte Gufs jetzt faft allgemein angewendet und wird bei Muffenröhren zum grössten Theile der Gufs mit der Muffe nach unten vorgezogen. Für die Ausmafse der Röhren ift natürlich eine allgemein giltige Formel nicht herzustellen und allein die Erfahrung und Praxis mafsgebend. Auch eine von dem Director der Hannover'fchen Eifengiefs erei, Herrn Carl Weftendorp, veröffentlichte Methode zur Beftimmung der Wandftärken gufseiferner Röhren kann fich naturgemäss nicht von den unficheren conftanten Factoren emancipiren, welche vor Allem in der Qualität des Eifens begründet find. Doch bietet die von ihm aufgeftellte Tabelle für Gufseifen von normaler Befchaffenheit fehr brauchbare Verhältniffe und hat vor Allem den grofsen Vortheil, dafs die Baulänge der Röhren in Betracht gezogen ift. Alle fonftigen Formeln nehmen die Baulänge der Stücke als beliebig an, oder berücksichtigen fie vielmehr gar nicht, was ficherlich eine bedeutende Fehlerquelle bildet. Die Vorfchläge des Herrn Directors Weftendorp über eine Normalmuffe find fehr gut und finnreich. In diefer Muffe wird das fchlichte Rohrende in einen am Grunde der Muffe fitzenden, conifchen Ring hineingefteckt. Diefer conifche Ring verengt fich beinahe bis zur äufseren Weite des Rohrendes. Durch Hineinfchieben des Rohrendes centrirt fich das zu dichtende Rohr von felbft und braucht nicht mit Holzkeilen abgeftützt zu werden, wie das des nöthigen Spielraumes halber bei Rohrenden gefchehen muſs, die einen Endbund haben. Der vordere Anfatz des conifchen Ringes, auf dem das Rohrende faft glatt auffitzt, verhindert ferner ein Durchftemmen des Dichtungsftrickes über das Rohrende hinaus, was bei Rohrenden mit Bund häufig gefchieht. Der Bund bei Gufsröhren ift fchon aus dem Grunde häufig von illuforifchem Werthe, als fehr oft Röhren abgefchlagen und in die Muffe gedichtet werden, wefshalb ficherlich der Kranz innerhalb der Muffe gegen das Eindringen des Apparate und Anlagen von W afferleitungen. 3 Dichtungshanfes in die Leitung einen befferen Schutz gewährt. Ein grofser Vor theil der Muffe Weftendorp's ift auch die, durch den eingegoffenen Kranz entſtehende Verftärkung des Anfatzes und die kräftige Conftruction des Theiles, wo die Bleidichtung liegt. Starke Muffen find überhaupt das wichtigſte Moment für Vermei dung von Rohrbrüchen und der kräftigen Conftruction ihrer Muffen haben die Röhren der Soc. de Marquise ficherlich vorzugsweife ihre unübertreffliche Widerftandsfähigkeit und Dauer zu danken. Die letztangeführten Muffen zeichnen fich durch eine Wandftärke aus, die die Rohrdicke etwa dreimal übertrifft, haben eine fchön gleichförmig abnehmende Uebergangsdicke an Anfatz und fehr kräftige Endringe. Auch die von Herrn Director Weftendorp empfohlene Normalflanfche fcheint fehr vortheilhaft zu fein, und find dabei fämmtliche Ausmafse durch einfache Formeln auf den äufseren Rohrdurchmeffer beftimmt, während die Schraubenzahl auf Grundlage einer vom weftphälifchen Bezirksverein gegebenen Beftimmungsmethode und unter Beiziehung der Bedingung, dafs immer eine durch Vier theilbare Zahl genommen werde, berechnet wird. Mit gufseifernen Wafferleitungsröhren haben fich im Ganzen zehn Firmen bei der Ausftellung betheiligt, und zwar: Aus Oefterreich: k. k. priv. Staatseifenbahn- Gefellfchaft. ( Hüttenwerk Refitza und Anina), Prager Eifeninduftrie Gefellfchaft, Erzherzog Albrechts Hüttenwerk- Tefchen. Aus Deutfchland: Hannover'fche Eifengiefserei in Hannover. Friedrich, Wilhelmshütte, Actien gefellfchaft in Mühlheim an der Ruhr. Königlich preufsifches Eifenwerk Gleiwitz, Gebrüder Böking, Malbergerhütte bei Saarbrücken. Aus der Schweiz: Gefellfchaft der L. v. Roll'fchen Eifenwerke Solothurn. Aus Frankreich: Soc. anonyme des hauts fourneaux de Marquife. Soc. anonyme de la Vienne. Haldy, Röchling& Comp., Pont à Mouffon. Das Hüttenwerk Refitza der k. k. priv. Staatseifenbahn- Gefellſchaft hatte vor dem Pavillon der letzteren eine Anzahl fehr fchön gegoffener Rohre ausgeftellt. Diefelben waren 26 bis 948 Millimeter weit, 1896 bis 2844 Millimeter lang, hatten Wandftärken von 6 bis 37 Millimeter und Gewichte von 14 bis 2665 Kilo. Die Röhren wurden ftehend und mit der Muffe nach unten gegoffen, das der Muffe entgegengefetzte Ende wurde mit keinem Verftärkungsringe verfehen, einestheils, um nicht fehlerhaften Gufs und ungleiche Wandftärken zu verdecken, anderentheils, um das Herausziehen der Dichtungen aus den Muffen bei Temperaturwechfel zu vermeiden. Dagegen werden die Röhren von gröfseren Dimenfionen im Innern der Muffe, um das Centriren derfelben beim Dichten zu erleichtern, ähnlich wie die oben befprochenen, mit einem Wulft verfehen. Alle von diefem Etabliffement ausgeftellten Röhren wurden ohne Aufgufs gegoffen. Die Giefserei in Refit za kann per Jahr circa 500 Tons Wafferleitungsröhren von diverfen Durchmeffern anfertigen. Die von dem Eifenwerke Anina ausgeftellten zwei Stücke Muffenröhren von je 3790 Millimeter Baulänge, 79 Millimeter innern Durchmeffers und 8 Millimeter Wandftärke find aus dem Cupolofen gegoffen, und zwar liegend, mit einem Sandkern. Das Anina'fche Roheifen eignet fich ebenfalls in Folge feiner grofsen Feftigkeit und Dünnflüffigkeit vorzüglich zur Anfertigung von Wafferleitungsröhren und kann diefes Etabliffement mit den beftehenden Einrichtungen jährlich 1000 Tons diverfer Röhren, nach Wahl liegend oder ftehend, giefsen. 4 C. Frifchauf. Eine bedeutende Collection vorzüglicher Röhren wurde von der Prager Eifeninduftrie Gefellfchaft beigeftellt Es waren Muffen- und Flanfchenröhren von allen Gröfsen bis zu 3 Fufs Weite. Diefes im Röhrenfache fehr bedeutende Etabliffement hat für die Wiener Hochquellenleitung einen grofsen Theil der Röhren geliefert, und die ausgeftellten Mufter find gröfstentheils nach den Normalien diefer Wafferleitung conftruirt und auch mit mehreren Verſtärkungsringen verfehen. Ein Knieftück von 3 Fufs Weite für das Refervoir der Hochquellenleitung fiel durch feinen tadellofen Gufs auf. Das Werk hat eine ziemlich hohe Production, die fich bei der Lieferung für die Wiener Wafferleitung bis auf 10,000 Centner per Monat, refpective 120,000 Centner pro Jahr fteigerte. Von Erzherzog Albrechts Hüttenverwaltung Tefchen waren zwar nicht viele, doch fchön gegoffene Wafferleitungsröhren unter einer höchft reichhaltigen Expofition diverfer Artikel zu finden. Die Hannover'fche Eifengiefserei in Hannover hatte fünf Exemplare von Röhren zwifchen 400 und 650 Millimeter Weite ausgeftellt, welche mit der Muffe nach oben, nach den weiter oben angeführten von Director Weftendorp veröffentlichten Verhältniffen gegoffen find. Die Röhren der Friedrich Wilhelmshütte in Mühlheim an der Ruhr find fenkrecht aus dem Cupolofen in trockene Formen gegoffen und für die Güte der Erzeugniffe fpricht der Umftand, dafs gegen 50 Städte und Eifenbahnverwaltungen von diefer Hütte ihre Wafferleitungs- und Durchlafsrohre bezogen haben. Die königlich preufsifche Eifengiefserei bei Gleiwitz hat Röhren von 35 bis 750 Millimeter Weite bei 3 Meter Länge ausgeftellt, deren kräftige Muffen befonders zu loben find. Auch fehlt den Röhren der Bund am Ende. Ein 2 Meter hohes, ungemein ftarkes Stehftück von circa 2 Fufs Durchmeffer, kräftiger Flanfchen- und Rippenconftruction war innen emaillirt. Die Schweiz war im Röhrenfache durch die Gefellfchaft der L. v. Roll'fchen Eifenwerke in Solothurn vertreten, welch' letztere eine Anzahl hübfch gegoffener Röhren von 50 bis 500 Millimeter Durchmeffer zur Anfchauung brachte. Die Wandftärken find bei diefen nach der empirifchen Formel 6 4+ C+ 0.000 7 n d beftimmt, wobei n die Anzahl der Atmoſphären, auf welche geprüft werden foll und C eine Conftante für die Unficherheit des Guffes bezeichnet. In einer nach diefer Formel aufgeftellten Tabelle, zeigten fich die Wandftärken für einen conftanten Druck von 6 bis 8 Atmoſphären und einen Probedruck von 20 Atmofphären zwifchen 5.6 Millimeter und 15 4 Millimeter anwachfend. Die Röhren der L. v Roll'fchen Eifenwerke wurden mit fehr gutem Erfolge bei den Wafferleitungen zu Frankfurt, Zürich, Bern und Winterthur angewendet. Frankreich nahm unter der Expofition von Röhren entfchieden den erften Platz ein. Die Erzeugniffe der Société anonyme des hauts fourneaux, fonderies et ateliers de conftruction de Marquife find fo bekannt dafs es faft unnöthig erfcheint, diefelben noch befonders hervorzuheben. Seit 1. Februar 1872 gingen von dort nach Deutfchland und Oefterreich allein 17.917,900 Kilo Röhren. Alle Röhren werden aufrecht, mit der Muffe nach unten gegoffen und die Formen mittelft einer von dem Director der Werke, Ingenieur Duvailly conftruirten Formmafchine hergeſtellt. In den fünf Giefsereien für Röhrenfabrication werden täglich 80- bis 135,000 Kilo Röhren von circa 3000 Meter Nutzlänge oder 1000 Stück Röhren in 31 verfchiedenen Durchmeffern gegoffen, was eine Jahresproduction von 32.600,000 Kilo ergibt. Von der von Marquife bezogenen bedeutenden Lieferung von Röhren für die Wafferleitung auf dem Weltausftellungplatze ift weder bei der Probe, noch beim Transport, noch auch beim Verlegen ein einziges Stück Apparate und Anlagen von Wafferleitungen. 5 unbrauchbar geworden, was gewifs für eine feltene Güte des Materials und der Arbeit zeugt. Auch die Röhren von Haldy, Röchling& Comp. in Pont- à- Mouffon erfreuen fich des beften Rufes und find bei mehr als 50 Gas- und Wafferleitungen in Verwendung. Auch bei der Wafferleitung auf dem Ausftellungsplatze waren diefe Röhren in Verwendung und haben fich vortrefflich bewährt. Intereffant dürfte die Zufammenftellung fein, welche die Refultate der Röhrenproben bei der Wafferleitung in der Ausftellung nachweift. Es wurden hiezu Röhren von den Fabriken Haldy, Röchling& Comp. zu Pont- à- Mouffon, Laidlow in Glasgow, Société anonyme de Marquife und Fürft Salm in Blansko geliefert. Name des Werkes Fehlerhaft gefunden Haldy Röchling& Comp. in Pont- à- Mouffon. Laidlow& Sons in Glasgow 2550 8000 2800 2530 an Ort und Stelle 13 geprüft 14 32 4 1.9 18 2 2 I'5 Société anonyme de Marquife 700 634 Fürft Salm in Blansko - 0.00 730 500 I I 0.27 Schliesslich fei noch eine fehr reichhaltige und fchöne Collection von Röhren der Société métallurgique de Montmorillon et de Fumal, Vienne, erwähnt, welche nicht nur Röhren für Hochdruck, fondern auch fehr gut gegoffene dünnwandige Röhren für Cloakenleitungen etc. enthielt. Die Röhren find vertical aus dem Hochofen gegoffen und für einen Druck von 20 Atmoſphären berechnet. Die Oefen diefes Werkes, welche fich in Fumal befinden, produciren ungefähr 80,000 Kilo per Tag, wovon ein Viertel auf Röhren verwendet wird. Die Röhren find nach den Normalien der Parifer Stadt- Wafferleitung conftruirt. Von Röhrenverbindungen haben wir einiges Neue in der belgifchen Abtheilung gefehen. Augufte Houquet in Ixelles bei Brüffel zeigte ein Syftem von Flanfchenverbindungen mittelft Keiles Er läfst zu diefem Zwecke zwei diametral gegenüberliegende Klammern, die mit dem einen Flanfch vergoffen find, über den anderen Flanfch greifen und zieht die Dichtung durch Keile an. Ein Diefe Anordnung dürfte fich für geringen Druck gut eignen und hat den Vortheil, dafs die Röhren leicht und fchnell ausgewechfelt werden können. anderes Syftem von Verbindung der Röhren ohne Muffe und Flanfche zeigt Galaffe Ketin in Molenbeck- Saint- Jean bei Brüffel und das gleiche B. René Salcher ebendafelbft. - Die Verbindung gefchieht dadurch, dafs ein innen cylindrifcher und nach aufsen von der Mitte nach beiden Seiten conifch zufammenlaufender Bleiring an der Stofsftelle über die Rohrenden durch zwei fchmiedeeiferne Ringe feftgekeilt wird. Bleiröhren waren in der Ausftellung nicht fehr stark vertreten. G. Winiwarter in Gumpoldskirchen hatte in Gruppe VII eine Collection der Erzeug 6 C. Frifchauf. niffe feiner Bleifabrik und auch einige Mufter von Zinnröhren, ferner hatten Heffe& Söhne in Heddernheim bei Frankfurt eine reichhaltige Sammlung fchöner Bleiröhren exponirt. Die Bleiberger Bergwerks Union war fehr reichlich vertreten und hatte unter Anderm ein Bleirohr von 196 Klafter Länge und bei 5 Linien Weite, in einem Gewichte von 641 Centner ausgeftellt. Die Producte der Bleiberger Gruben( circa 30,000 Centner pro Jahr) werden zum Theile in den Werkstätten zu Villach verarbeitet, welche an Blechen, Röhren, Folien und Kugeln ungefähr 6300 Centner für 123,000 fl. jährlich liefern. Intereffant waren auch die Bleiröhren mit Zinneinlagen, Haynes Patent, welche in der englifchen Abtheilung der Maſchinenhalle ausgeftellt waren. Die Röhren find mit der Zinneinlage gezogen und zeigen neben einer grofsen Feftigkeit eine vorzügliche Adhäfion der beiden Metalle, welche nahezu untrennbar von einander find. Inftallationsartikel. In Hinficht auf Inftallationsartikel der Wafferleitungen hat die Weltaus ftellung vieles Neue und Intereffante gebracht und wir ziehen es daher vor, die einzelnen Hauptgegenftände der Ueberficht wegen gefondert zu behandeln. Schieber. Die Wiener Hochquellen- Leitung hat durch den Bedarf an grofsen Röhren und Schiebern verfchiedenen Firmen die Veranlaffung zur Ausftellung derartiger Objecte in den gröfsten Dimenfionen gegeben. So hatte die fürftlich Liechtenftein'fche Fabrik Mufter der für die Hochquellen- Leitung gelieferten Schieber in Gröfsen von 3 bis 36 Zoll ausgeftellt. Der gröfste Schieber von 36 Zoll war fowohl als Gufsftück, als auch in der Conftruction und Arbeit vorzüglich Eine kräftige Rippenconftruction von innen und aufsen gibt dem elliptifchen Gehäufe eine Feftigkeit für 15 Atmoſphären Probedruck. In dem Gehäufe find die metallenen Dichtungsflächen mit Bleivergufs und etwas geneigt eingefetzt. Die beweglichen Gleitftücke laufen beiderfeits in lofen Führungen und hängen mit der Spindel durch eine Art lockeren Charnieres zufammen, welches ihnen einen Spielraum von einigen Linien geftattet, damit durch den Wafferdruck die Spindel nicht verbogen werde. Der Wafferdruck wirkt direct auf die abfchliefsende Wand und prefst die Dichtungsflächen aufeinander. Die meffingene Spindel ift innerhalb und trägt aufsen ein Speichenrad, woran fechs Mann drehen können. Die beiden Seiten find durch ein Rohr mit kleinerem Schieber verbunden, um die Entlaftung herbeizuführen und aufserdem befindet fich aufsen noch mit der Spindel in Verbindung ein Zeiger, der den Grad der Oeffnung anzeigt. Die 24- bis 36zölligen Schieber liegen horizontal, weil die Höhe derfelben zu beträchtlich ift und die Rohre zu tief unter das Strafsenniveau kämen; auch ift die Handhabung in liegender Stellung viel bequemer. Bei den bis jetzt gemachten Proben haben diefe Schieber fich als vortrefflich bewährt. Auch die Gefell fchaft Neptun, vormals Elsner& Stumpf, hat Schieber der Wiener Wafferleitung ausgeftellt. Diefelben unterfcheiden fich in Form der Kaften von den vorherbefchriebenen dadurch, dafs fie fehr flach elliptifch gebaut find, was in der früher feftge. fetzten kleineren Baulänge feinen Grund hat. Bei den Proben zeigte fich die flache Form als nicht feft genug, und defshalb zeigen die Gehäufe der Liechtenftein'fchen Schieber eine fehr bauchige Form. Der Schieber von Elsner& Stumpf zeigt fich in der Conftruction als ein facher Keilfchieber und ift in der Hauptfache die Anordnung die nämliche, wie die oben befchriebene. Apparate und Anlagen von Wafferleitungen. 7 Die Zahl der ausgeftellten keilförmigen Schieber war eine hohe und viele Firmen hatten grofse Sortimente von allen Dimenfionen ausgeftellt. Die von Camozzi& Schlöfser in Frankfurt am Main ausgeftellten Schieber haben eine eiferne Spindel, deren Mutter aufserhalb des Gehäuſes liegt; doch ift diefe Conftruction nur bei den gröfseren Stücken verwendet. Die Mainzer Gasapparat und Gufswerk- Gefellfchaft hatte einen Schieber ausgeftellt, deren Gehäufe ungemein flach gebaut find. Hübfche Keilfchieber ferner zeigten die L. v. Roll'fchen Eifenwerke in Solothurn und Gebrüder Sulzer in Winterthur, auf die wir nicht eingehen können. Etwas ganz Vorzügliches auf diefem Felde find die Peet'fchen Ventile, und da fie ihrer Conftruction nach Schieber find, fo feien fie hier befprochen. Als wahre Univerfalventile eignen fich diefelben für jeden Zweck, können in allen Gröfsen ausgeführt werden und find ftets zuverläffig und leicht handlich. An diefen Ventilen wird der Verfchlufs durch eine fchieberartige Vorrichtung bewerkstelligt, indem zwei Gleitbacken an den beiden Dichtungsflächen entlang gefchoben und erft wenn die Verfchlufsöffnung gedeckt ift, auf diefelben durch einen Keil angeprefst werden. Dadurch ift jede Abnützung vermieden und auch der Kraftaufwand beim Oeffnen und Schliefsen auf ein Minimum reducirt. Die Flächen find durch den Keil feft aneinander geprefst und beim Aufdrehen genügt eine Viertelumdrehung der Spindel, um den Keil zu löfen, und die Schieber find dann leicht zu heben. Die Ventile find aus Kanonenmetall oder Gufseifen in 320 verfchiedenen Gröfsen und Façons ausgeftellt von den Inhabern des Patentes, Whitley Partners in Leeds. Die inneren Theile find meift unbearbeitet und nur die Dichtungsflächen fleifsig gefchliffen. Da die einzelnen Theile aller Ventile von demfelben Durchmeffer genau diefelben Dimenfionen haben, fo können fie auch leicht ausgewechfelt werden. Johann Summer in Manchefter ift auch Theilhaber an dem Patente für Peet's Ventile, hatte aber keine folchen ausgeftellt, während Schäffer& Budenberg in Buckau als Abnehmer von Whitley Partners eine reichhaltige Ausftellung von Peets- Ventilen zeigten. Hydranten. Mancherlei verfchiedene Anordnungen und Conftruction en waren unter den ausgeftellten Hydranten zu finden. Die Continental- Gefellſchaft Neptun zeigte einen Hydranten mit Entleerung, welcher allen Anforderungen entspricht. Derfelbe ift circa ein Meter hoch, hat oben die Stopfbüchfe und den Anfatz für das Standrohr und unten das Ventil. Für die Entleerung ift ein zweites Ventil angebracht, welches mittelft einer bis zum Standrohr hinaufreichenden Stange gehoben werden kann. Man kann an diefem Hydranten Reparaturen vornehmen, ohne ihn ausgraben zu müffen, da Stopfbüchfe und Gewinde nahe der Oberfläche der Strafse liegen. Die Berlin Anhalt'fche Mafchinenbau- Gefellfchaft in Moabit hat einen Hydranten mit felbftthätiger Entleerung nach Syftem Rechelhäufer ausgeftellt. Bei diefem Hydranten wird der Abfchlufs durch den blofsen Wafferdruck von unten bewerkstelligt. Das Ventil ift mit Lederfcheibe gedichtet und fteht mit der Spindel durch eine kupferne Feder in Verbindung, damit beim Anpreffen nur der Wafferdruck und nicht die Spindel wirkt. Durch eine Hebelvorrichtung wird nach Schlufs des Ventiles das feitlich. angebrachte Ventil geöffnet, welches in einer einfachen Klappe befteht, die überdiefs durch eine kleine Feder noch gegen die Oeffnung geprefst wird. Eine fchöne Anordnung zeigt der von den L. Roll'fchen Eifenwerken in Solothurn ausgeftellte Hydrant. Das Waffer fteht bei diefem auf 135 Meter unter der Strafsenfläche, hin länglich tief, um gegen Froft gefichert zu fein. 8 100 C. Frifchauf. Der Abfchlufs findet durch ein horizontales Lederventil ſtatt. Die Verfchlufsftange des Ventils reicht durch die Steigröhre hindurch bis an die Oberfläche. Die Steigröhre ift fo weit, dafs nach Abfchrauben des oberen Deckels. das Ventil an feiner Stange ausgehoben und reparirt werden kann. Die bewegende Metallfchraube ift oben an der eifernen Ventilftange unmittelbar unter der Stopfbüchfe angebracht. Auch eine felbftthätige Entleerungsvorrichtung hat diefer Hydrant, welche in einer Art von Schieber befteht, der die Ablauföffnung fchliefst, wenn das Ventil geöffnet wird. Ein ähnlicher Hydrant war von Gebrüder Sulzer in Winterthur ausgeftellt. Die Mainzer Gasapparat und Gufswerk- Gefell fchaft hatte unter ihrer reichhaltigen Expofition auch einige hübfche Hydranten nebft Standröhren. Die letzteren, aus Meffingröhren hergeftellt, hatten einen in der Stopfbüchfe drehbaren Kopf mit zwei Schlauchanfätzen. Auch von Gueft& Chrimes in London ift ein Hydrant mit derartigem Standrohr ausgeftellt und nebenbei noch ein grofser Hydrant für Strafsenbewäfferung, der in einer einfachen weiten Steigröhre von Gufseifen befteht, welche ungefähr ein Meter über die Strafsenfläche hervorragt und oben ein Mundstück zum Anfchrauben des Schlauches trägt. Die breite Steigröhre ist mittelft Muffe an ein Knieftück befeftigt, hinter welchem dann ein Schieber eingefchaltet wird. G. Jennings in London hatte eine fehr einfache Conftruction von Hydranten ausgeftellt. Derfelbe benöthigt gar keines Schlüffels, indem das Standrohr im Inneren eine Stange trägt, welche, durch eine oben angebrachte Kurbel niedergefchraubt, das Ventil öffnet. Letzteres fchliefst fich beim Rückfchrauben der Spindel und Abnahme des Standrohres von felbft durch den Wafferdruck. Ganz die gleiche Conftruction zeigte ein von J. Blakeborough in Brighoufe ausgeftellter Hydrant. und Diverfe Wafferleitungs- Gegenstände. Ventile, Hähne andere Montirungsstücke für Wafferleitungen waren in der Ausftellung maffenhaft vertreten. Wir nennen zuerft die Firma Mauch& Brock in Wien, welche eine fehr fchöne Collection von Wafferleitungs, Gas- und Dampfkeffel- Armaturen in der öfterreichifchen Abtheilung der Maſchinenhalle ausgeftellt hatte. Diefelbe ift eine der bekannteften Firmen zur Herftellung von Gas- und WafferleitungsAnlagen, befchäftigt gegen hundert Arbeiter und hat aufser den vielen für die Weltausstellung ausgeführten Gas- und Wafferleitungen faft ausfchliefslich die gröfsten, in Wien und Umgegend vorgekommenen ähnlichen Arbeiten hergestellt, wie z. B. die Wafferleitung zur Bewäfferung des Kahlenberges bei Wien, in einer Länge von 15.000 Fufs und einer Leiftungsfähigkeit von 10.000 Eimer per Tag bei 320 Fufs Druck. Diefe Firma ftellte auch Filtrirapparate nach dem derzeit Epoche machenden Syfteme J. A. Bérenger her und war ein folcher Apparat ausgeftellt. Eine grofse Auswahl eleganter und praktifcher Hähne, Ventile, Bade- und DoucheEinrichtungen, Feuerwechfel, Pumpen zeugte für die Thätigkeit der Firma. Schäffer& Budenberg in Buckau hatten neben den Peet'fchen Ventilen, welche fchon oben näher ins Auge gefafst wurden, eine grofse Anzahl von Ventilen gewöhnlicher Conftruction, die aber zumeift für Dampfleitungen fich eignen, ausgeftellt. Ein fehr empfindliches Waffermanometer von 3 Fufs Durchmeffer war mit der hinter der Maſchinenhalle liegenden Niederdruck- Wafferleitung in Verbindung und zeigte die geringften Druckfchwankungen mit überrafchender Schärfe. Solche Manometer werden in drei verfchiedenen Gröfsen von der Firma ausgeführt. Apparate und Anlagen von Wafferleitungen. - 9 Die Mainzer Gasapparat und Guswerk Gefellfchaft hatte im deutfchen Induftrie- Annex fehr hübfche Ventile, Niederfchraub- und Drehhähne in Rothgufs und Meffing ausgeftellt. Auch befanden fich darunter fehr praktiſche Schieberventile mit beweglichen Backen, ähnlich den Peet'fchen bis zu einem Centimeter Weite. Die Berliner Actien gefellfchaft für Centralheizung, Waffer& Gartenanlagen in Berlin zeigte eine Auswahl von Gufseifenund Metallventilen in verfchiedenartigen Modellen mit Flanfchen und Holländern, Niederfchraubhähne, Regulirhähne, welche durch eine Schraube ohne Ende geftellt werden, Spritzbraufen für Bewäfferung und Anderes. E. Fifcher in Berlin hatte fehr fchön gearbeitete Hähne, fowie Spritzbraufen mit Niederfchraubhähnen ausgeftellt. Man könnte fagen, die reichhaltigfte Expofition in der ganzen Mafchinenhalle war die von Whitley Partners in Leeds. Alle möglichen intereffanten Erfindungen und Verbefferungen waren dafelbft zu finden und darunter auch manches für Wafferleitungs- Zwecke. Die Peet'fchen Ventile, deren Patent Eigenthum der Firma ift, haben wir fchon oben hervorgehoben; an diefer Stelle erwähnen wir eines fehr finnreichen Apparates, welcher das Gefrieren des Waffers in den Hausleitungen und fomit das Springen der Röhren verhindert. Common's patentirter automatifcher Apparat befteht im Wefentlichen aus einer aus ganz dünnem Kupferblech gearbeiteten Büchfe, welche mit Waffer gefüllt an der Aufsenfeite des Haufes angebracht wird, und fo zuallererft der Kälte ausgefetzt ift. Gefriert hierin das Waffer, fo wird durch den Druck der fich ausdehnenden Büchfe ein Ventil geöffnet, welches die ganze Leitung ausfliefsen läfst. Sobald das Waffer unter Druck, das heifst, in Bewegung kommt, ſchliefst fich fofort felbftthätig das Ventil und die Function geht wie früher. Alfo nur, wenn in Folge Stillftandes der Leitung die Gefahr des Gefrierens vorhanden ist, entleert fich das Rohr, während diefs bei Bewegung des Waffers nicht ftattfindet Diefer Apparat wird in drei verfchiedenen Modificationen angefertigt Einmal für folche Häufer, welche nach dem Syfteme conftanter Leitung mit Waffer verfehen werden( wo beim Gebrauch von Cifternen, welche zur Verhütung von Wafferverluft conftruirt find, keine Röhren, welche ftehendes Waffer enthalten, vorkommen, ausgenommen das Leitungsrohr), dann auch in zwei anderen Arten für Leitungen mit directem Drucke, wobei derfelbe einfach an dem unterften Theile der Zuleitung angebracht wird. Ein zweiter, höchft intereffanter, von Whitley Partners ausgeftellter Apparat ift Upward's patentirter Rohr- und Gewinde Schneidapparat, eine Einrichtung zur Herftellung der Verbindungen von Zweigleitungen mit unter Druck befindlichen Hauptleitungen. Der Apparat beſteht in einem Geftelle, welches vermittelft Kette an jede Röhre von 2 Zoll bis 12 Zoll Durchmeffer befeftigt werden kann, und aus einer Kammer, welche ebenfalls leicht wafferdicht auf jedes Rohr zu befeftigen ift. Der Bohrer geht durch eine Stopfbüchfe und trägt zugleich den Gewindebohrer an feinem Schafte, fo dafs Loch und Gewinde durch denfelben Bohrer gefchnitten werden können. Ift das Gewinde gebohrt, fo kann man den Bohrer entfernen, nachdem vorher durch einen kleinen Schieber die untere Hälfte der Ventilkammer abgefperrt ift. Auf ähnliche Weife wird fodann der Hahn eingebracht und den Apparat ohne den geringften Wafferverluft angefchraubt, worauf man abnehmen kann. Diefer Apparat fcheint fehr vorzüglich zu fein, denn er fichert eine gute, dichte Verbindung wegen der vollkommenen Bohrung des Loches, arbeitet fehr rafch und bedarf nur eines einzigen Mannes und, was die Hauptfache ift, das läftige Abfperren und Entleeren der Hauptleitung ift gänzlich vermieden, fowie jeder Wafferverluft unmöglich. 10 C. Frifchauf. John Warner& Sons in London hatten eine höchft reichhaltige Ausftellung von Pumpen, Wafferfpritzen u. f. w. und auch eine eigene Art von Ventilen, deren Wefen jedoch nichts Neues ift. Den Verfchlufs bildet hiebei eine Klappe mit Charnier, welche einen Zahnquadranten trägt und fo durch eine Schraube ohne Ende bewegt wird. Ein anderes Ventil zeigten Gueft& Chrimes. Dasfelbe ift ganz ähnlich den gewöhnlichen Tellerventilen mit Kegelfitz; nur unterfcheidet es fich dadurch, dafs das Ventil felbft mit der Ventilfpindel in gar keiner Verbindung ift. Wird die Spindel in die Höhe gefchraubt, fo hebt der Wafferdruck felbft die Klappe und macht den Durchgang frei; wird niedergefchraubt, fo drückt die Spindel mit ihrem abgerundeten Ende das Ventil herunter in feinen Sitz. G. Fery& Auguftin in Vitry le Français hatten Hähne ausgeftellt, welche mit einem Gummifchlauch gefüttert find. Wird die Spindel nieder gefchraubt, fo prefst fie den Gummifchlauch zufammen und die Leitung ift abgefchloffen. Sehr reichhaltig war eine Ausstellung verfchiedenartiger Wafferleitungs Gegenftände von Cazaubon in Paris, welche fehr fchöne Arbeiten aufwies, doch war dabei nichts nennenswerth Neues zu bemerken. Noch viele andere Firmen, die wir bisher nicht angeführt haben, haben fich an der Ausstellung von Wafferfittings betheiligt, ohne wefentlich Neues zu zeigen, wenngleich im Allgemeinen in Bezug auf Praxis und folide Arbeit durchwegs der erfreulichfte Fortfchritt zu bemerken war. Water Clofets, Toiletten und Bade Einrichtungen find auf der Ausftellung durchaus nicht in fpärlicher Weife vertreten gewefen, und wenngleich nicht direct in das Wafferleitungsfach einfchlagend, können wir fie nicht völlig übergehen. Welches das befte Water- Clofet ift, hat auch die jüngfte Ausstellung nicht entfchieden, und es bleibt fomit auf diefem Felde dem Erfindungsgeifte noch Arbeit genug vorbehalten, etwas zu conftruiren, was in allen Fällen tauglich ift. Man kann fagen, dafs faft jeder Ausfteller von Water- Clofets fein befonderes Syftem hatte, deren keines aber allen Anforderungen entſprechen dürfte. Der Wafferverfchlufs ift in den meiften Fällen tadellos hergeftellt, und zeichnet fich vor Allem die Wiener Firma M ayer's Nachfolger Jofef Klemm durch äufserft finnreiche Verwendung des Wafferverfchluffes auf die mannigfaltigften Gegenftände aus. Namentlich der Geruchsverfchlufs für Küchenausgüffe, fowie für Höfe ift höchft brauchbar. G. Jennings in London hatte die fämmtlichen Clofets für den Ausftellungsplatz geliefert, und diefelben haben ihren Zweck vorzüglich erfüllt. Dennoch ift es fehr zweifelhaft, ob diefelben für den Gebrauch in Wohnhäufern fich allgemein eignen dürften, denn fie verbrauchen eine fehr grosse Quantität Waffer. Zu bemerken ift hiebei, dafs in G. Jennings Clofets der Abfchlufs durch ein Kegelfitzventil hergeftellt ist, welches einen, bei weitem zuverläffigeren Verfchlufs bietet, als die fonft allgemein verwendeten Klappen oder Schalen, welche direct die untere Oeffnung der Schüffel verfchliefsen. Mannigfache Neuerungen und Verbefferungen waren bei Jof. Klemm zu bemerken, welche Fabrik als eine der älteften diefes Faches in Oefterreich bereits gegen 200.000 Clofets für verfchiedene Länder geliefert hat. Die Fabricate zeigen durchwegs fehr folide Conftruction, fowie praktische und gefchmackvolle Anordnung. Die Clofets find theils mit flachen, theils mit fchüffelförmigen, theils auch mit Schubklappen conftruirt, je nach Erfordernifs. Entfchieden neu war ein Clofet mit Doppelklappen, deren untere fich öffnet, wenn die obere fich fchliefst. Auch die fogenannten Mannfchaftsaborte find fehr gut. Diefelben find in den Boden bis auf 8 Zoll verfenkt, öffnen fich bei der Benützung von felbft und fchliefsen wieder felbftthätig. Apparate und Anlagen von Wafferleitungen. 11 Aehnliche Clofets zeigten E. Goffinon& Barbas, welche fich auch befonders durch höchft elegante Toiletten, Wafchtifche und Bade Einrichtungen. hervorthaten. Erwähnenswerth ift noch die Bade- Einrichtung von Jofef Klemm, wo vermittelft eines einzigen Hahnes alle gewünſchten Modificationen zwifchen warm und kalt herzuftellen find. Waffermeffer. Nach vielen Verfuchen und mannigfachen Erfahrungen mufs die Conftruction eines in jeder Beziehung brauchbaren Waffermeffers als ein bis jetzt nicht gelöftes Problem bezeichnet werden. Man müfste hiebei etwa von den Gefichtspunkten ausgehen, welche die Commiffion der Hamburger Wafferleitung in ihrem Protokoll über die Concurrenz von Waffermeffern als mafsgebend für die Conftruction folcher Apparate aufgeftellt hat und welche in Kurzem folgende find: - 1. Bei 20 Millimeter Durchmeffer der Zu- und Ableitung und nicht über 3 Meter Länge derfelben bei 30 Meter conftanten Druckes im Hauptrohre, von welchem die 20 Millimeter Leitung abzweigt, fei ein Maximalquantum von 4 Cubikmeter Durchflufs. 2. Die Gröfse des kleinften noch richtig angezeigten Durchflufsquantums fei o'I Cubikmeter per Stunde. 3. Aichtoleranz fei 10% zu Gunften des Confumenten( das heifst der Waffermeffer mufs von allen Durchflufs quantitäten von o'I Cubikmeter bis 4 Cubikmeter per Stunde und bei jedem Drucke von 50 Meter bis nahezu o'o Meter Höhe zwifchen 90 und 100% anzeigen. 4. Sollte der Druckverluft bei einem mittleren Durchflufs quantum von 2 Cubikmeter nicht über 2 Meter betragen. 5. Müfste der Apparat möglichft unabhängig von der gröfseren oder geringeren Unreinheit des Waffers bleiben und 6. follte der Preis nicht erheblich höher als 10 Thaler fein. Von diefem Gefichtspunkte aus betrachtet, ift der Waffermeffer von Siemens& Halske in Berlin entfchieden der befte und befriedigt aufser der unter 2 angeführten Bedingung alle oben geftellten Anforderungen hinreichend. Der Siemens'fche Waffermeffer exiftirt in zweierlci Syftemen. Die ältere Conftruction befteht im Wefentlichen aus einem Reactionsrade, die neue, verbefferte dagegen aus einem Flügelrade, das, durch das hinzuftrömende Waffer gedreht, die Menge desfelben mittelft Zählerwerk in preufsifchen oder englifchen Cubikfufsen oder in Cubikmetern bis auf 2% genau angibt. Das Reactions-, eventuell Flügelrad ift derartig conftruirt, dafs die Richtigkeit der Angaben des Meffers von der Gefchwindigkeit und dem Drucke, unter welchem fich das Waffer in der Röhrenleitung bewegt, nicht beeinträchtigt wird. In England allein waren Anfangs diefes Jahres circa 100.000 Stück bei circa 80 Wafferzuführungs- Anftalten in Benützung. Ausserdem find die Siemensfchen Waffermeffer faft in allen mit Wafferleitungen verfehenen Städten des Inund Auslandes eingeführt; fo in Berlin 5500 Stück( meift von 25 Millimeter Rohrweite), in Breslau 1200 Stück u. f. w. Die Direction der Berliner Wafferwerke äufserte fich über den befprochenen Apparat in folgender Weife: I. nehme derfelbe wenig Raum ein und könne daher leicht vor Froft gefchützt werden; 2. werde die Wafferlieferung durch eine eintretende Fehlerhaftigkeit des Meffers nicht unterbrochen, ein Vortheil, welcher bei einer fo grofsen Anzahl von im Betriebe befindlichen Meffern nicht gering zu fchätzen fei, und 3. fei der Preis diefer Apparate im Vergleiche zum Preife anderer Meffer von gleicher Leiftungsfähigkeit geringer. 12 C. Frifchauf. Ein anderer Waffermeffer, der auch auf dem Principe der Reaction begründet ift, war von Bonnefond ausgeftellt und dürfte an Genauigkeit dem Siemensfchen, namentlich der älteren Conftruction wenig nachgeben. Derfelbe ift ähnlich wie der letztere gebaut. Das Waffer tritt von unten ein und geht durch ein Steigrohr, in welchem fich eine archimedifche Schraube von zwei vollſtändigen Gängen befindet. Die letztere fetzt dem Waffer fehr wenig Widerftand entgegen und ift auch von der Unreinheit desfelben im geringften Mafse abhängig. Der Zähler befteht aus einem Schaltwerk, welches durch ein mit Stellfchraube regulirbares Reibungsrad mit Scheibe genau eingeftellt werden kann. Diefe Apparate werden für gewöhnlich in 6 Nummern zwifchen 12 und 100 Millimeter Rohrweite angefertigt, können aber auch in höheren Dimenfionen hergeftellt werden. Die Waffermeffer zerfallen eigentlich ihrem Principe nach in zwei Hauptgruppen, nämlich in folche, welche unter Druck arbeiten, das heifst in welche das Waffer unter Hochdruck ein- und ohne eine merkliche Einbufse an Druck wieder austritt, und in folche, welche nicht unter Druck arbeiten können, das heifst, bei denen das Waffer beinahe ohne Kraft eintritt, durch feine eigene Schwere den Apparat in Bewegung fetzt und ihn kraftlos wieder verläfst. Von Waffermeffern, die unter Druck arbeiten, haben wir hauptfächlich noch drei zu erwähnen, die ihrer Conftruction nach von den oben befchriebenen wefentlich abweichen. Es find diefs Waffermeffer nach dem Principe der Capacität. Vorerft der Meffer von Paul Stumpf in Mainz nach Troft's Patent. Der Apparat befteht in der Hauptfache aus einem oberen Theile, der Ventilkammer, und einem unteren Theile, der Mefskammer. Im letzteren befindet fich ein eiferner, mit Meffing gefütterter Cylinder, in welchem das Waffer gemeffen wird, indem ein mit Lederdichtung verfehener Kolben mit auf- und niedergehender Bewegung das einftrömende Waffer von dem ausftrömenden trennt und mittelft feiner meffingenen Kolbenstange, die mit der oberen Ventilkammer durch eine Stopfbüchfe communiçirt, das Steuerungsventil bewegt und das Zählwerk treibt. Die Waffermeffer abforbiren ebenfalls wenig Druck und werden in fechs Gröfsen von/ Zoll bis 3 Zoll Röhrenweite angefertigt. Eine Modification diefes Apparates ift zum Gebrauche für das Speifen der Dampfkeffel, und hat diefelbe ein gegen den Keffel fich öffnendes Klappenventil im Ausflufsrohre. Ein anderer Kolben- Waffermeffer war von John M. Summer& Comp. in Manchefter ausgeftellt. Derfelbe befteht aus einem verticalen Cylinder mit fehr hohem Kolben. Letzterer ift mit einem maffiven vulcanifirten Gummiringe umgeben, der zwifchen dem Kolben und Cylinder auf- und abrollt und fo die Dichtung herftellt. Der Kolben trägt oberhalb der Stopfbüchfe eine Zahnftange, welche die Bewegung auf den Zählapparat überträgt und zu gleicher Zeit die Steuerung bewerkstelligt. Der niedrigfte Druck, unter welchem der Apparat arbeiten kann, ift 30 bis 45 Centimeter. Der dritte Kolben- Waffermeffer, welcher noch zu erwähnen bleibt, war in der fpanifchen Abtheilung von Clofolles in Barcelona ausgeftellt. Derfelbe hat zwei in derfelben Achse liegende, gleich grofse Cylinder, deren jeder einen Kolben enthält, welch' letztere an einer gemeinfamen Kolbenstange befeftigt find. Hiebei ift wohl die Stopfbüchfe vermieden, doch find dafür zwei Kolben zu bewegen. Die Steuerung gefchieht hiebei, ähnlich den Dampfmaschinen, durch einen einfachen Mufchelfchieber, welcher das Waffer abwechfelnd hinter den einen, dann hinter den anderen Kolben treten läfst und von der Kolbenftange direct bewegt wird. Von Waffermeffern, welche ohne Druck arbeiten, haben wir zweierlei zu erwähnen. Der Waffermeffer nach Gabrielli's Syftem war von Gueft& Chrimes ausgeftellt und befteht im Wefentlichen aus einem Trommelrade mit vier eigen Apparate und Anlagen von Wafferleitungen. 13 thümlich geformten Kammern, welche das Waffer anfüllt und dadurch das Rad dreht. Der Meffer ift in Verbindung mit einem Refervoir, welches durch zwei Schwimmvorrichtungen ftets gefüllt erhalten wird. Ein anderer, in Portugal ausgeftellter Waffermeffer zeigte eine höchft originelle Form. Derfelbe ift von Antonio Pintos- Bastos in Liffabon. Er befteht in der Hauptfache aus einem Schiffchen mit zwei getrennten Kammern. Das Waffer tritt ein und füllt die eine der Kammern, worauf das Schiffchen um eine in feirer Mitte angebrachte Achfe umkippt, feinen Inhalt in das Refervoir entleert und die andere Kammer zum Füllen darbietet. Wafferleitungs- Anlagen. Es waren auf der Ausstellung drei Wafferleitungs- Anlagen mehr oder weniger vollständig vertreten, und zwar die Hamburger Stadt- Wafferkunft, die Parifer Wafferleitung der Dhuis und Vanne und die königlich württembergifche Alb. Wafferleitung. Die letztere hat in einem ziemlich umfangreichen Hefte und in mehreren Plänen etc. ein höchft dankenswerthes Material für den Fachmann fowohl, als für den Laien geboten, während die beiden anderen nur durch einige Pläne und Modelle ohne nähere Erklärung vertreten waren. Die Hamburger Stadt Wafferkunft zu Hamburg ift ein der Stadt Hamburg gehörendes und von derfelben betriebenes Wafferwerk. Diefes Werk liegt 14 Meile oberhalb Hamburgs am Elbeftrome bei Rothenburgsort. Das Waffer wird dafelbft an zwei Punkten der Elbe entnommen, mittelft unterirdifcher gemauerter Canäle in die vorhandenen vier Ablagerungsbaffins geleitet und in gleicher Weife den unter Mafchinen- und Keffelgebäuden fich erftreckenden Waffergewölben und Pumpbrunnen zugeführt. Vier CornwallPumpmafchinen zwei, jede bis zu 70 Pferdekraft, eine bis zu 140 und eine bis zu 220 Pferdekraft und eine Schwungrad- Mafchine nach Wulff'fchem Princip bis zu 350 Pferdekraft-treiben das Waffer in das Steigrohr und die Leitun gen zur Stadt. In dem nebenftehenden Thurme, welcher in der Mitte den 73 Meter hohen, gemeinfchaftlichen Schornftein für die gefammten DampfkeffelAnlagen enthält, befinden fich die beiden Standrohre, welche auf zwei verfchiedenen Höhen mit einander in Verbindung ftehen und in denen das Waffer nach Erfordernifs für die Tagesverforgung bis zu 40 Meter und für einige Stunden der Nacht bis auf 60 Meter aufgepumpt wird. Es geht nicht alles Waffer mehr durch den Thurm, fondern nur noch etwa die Hälfte. Vier Haupt- Speifeleitungen, zwei von 20 Zoll, eine von 24 Zoll und eine von 36 Zoll englifch Durchmeffer führen das Waffer in verfchiedenen Richtungen der Stadt zu. Diefelben entnehmen ihr Waffer aus einem unweit des Thurmes liegenden gemeinfchaftlichen Sammelrohr, welches 4 bis 6 englifche Fufs im Durchmeffer hält und theils aus Schmiedeifen, theils aus Gufseifen befteht. In diefes Rohr münden fämmtliche von den Mafchinen kommenden Leitungen. Ein Netz von Hauptleitungen und Zweigleitungen in der Gefammtlänge von mehr als 30 geographifchen Meilen vertheilt das Waffer in der Stadt, den Vorftädten und dem umliegenden Landgebiet, wofelbft die Verforgung in verfchie denen Richtungen bereits in Entfernungen von über eine geographifche Meile von den Anlagen auf Rothenburgsort fich ausdehnt. Drei auf verfchiedenen Punkten errichtete Hochrefervoire, nämlich eines auf der Elbehöhe, eines beim Berliner Thor und eines auf der Sternfchanze, ftehen mit dem Röhrennetze durch Hauptleitungen in Verbindung. Sie liegen 30 Meter über Null des neuen Hamburger Pegels und find erftere beide jedes von 2350 Cubikmeter und letzteres von 9400 Cubikmeter Rauminhalt. 14 C. Frifchauf. Die Hochrefervoire dienen dazu, etwaige Störungen in der regelmäfsigen Mafchinenarbeit, fowie die Schwankungen im täglichen Wafferverbrauche auszu gleichen, indem diefelben während der Stunden des geringeren Wafferverbrauches. am Abend und in der Nacht von dem durch die Mafchinen gelieferten, nur zum Theile confumirten Waffer in fich aufzunehmen und von ihren Vorräthen zu den Tagesftunden, wo der Confum die Zuführung durch die Matchinen zeitweilig überfteigt, wieder für die Verforgung abgeben. Das Refervoir am Berliner Thor befteht aus einem gufseifernen überdachten Behälter, auf einem 12 Meter hohen Unterbau ruhend. Die beiden anderen Hochrefervoire liegen im Erdreiche vertieft; fie find in Mauerwerk hergeftellt, überwölbt und durch eine übergebreitete 14 Meter ftarke Schicht Erde gegen die wechfelnden Temperatureinflüffe gefchützt. Auf die Leitungen der Stadt- Wafferkunft vertheilt, befinden fich in Entfernungen von 40 Meter in Stadt und Vorftadt, bis zu 150 Meter auf dem Landgebiete an 2500 Hydranten, welche, einerfeits von den Mafchinen, andererfeits durch die Hochrefervoire gefpeift, ein fehr wirkfames Mittel zur Feuerlöfchung find. Die Stadt- Wafferkunft verforgt die Häufer bis unter das Dach und beläuft fich die gefammte Wafferverforgung in den Zeiten des ftärksten Verbrauches im Sommer bereits auf 60.000 Cubikmeter täglich. Der Lieferungspreis des Waffers beträgt 24 Silbergrofchen per annum für jedes bewohnbare Zimmer, Badezimmer, Water- Clofet und jede Küche; für die Wohnungen der unbemittelten bis zu 60 Thaler Jahresmiethe defsgleichen 12 Silbergrofchen und für Wohnungen zwifchen 60 und 80 Thaler Miethe, 18 Silbergrofchen. Das zu anderen als häuslichen Zwecken, für Fabriken, Gefchäftsbetriebe etc. gelieferte Waffer wird mit I Silbergrofchen für jeden Cubikmeter berechnet und find für die Controle von folchem Wafferconfum Waffermeffer in Anwendung. Die Stadt- Wafferkunft wurde in den Jahren 1845 bis 1849 erbaut und im Jahre 1849 in Betrieb genommen. In den Jahren 1851 und 1853 kaufte und übernahm die Anftalt zwei ältere Privat Wafferwerke, deren Pumpftationen dann eingingen. Die bereits vorhandenen Röhrennetze diefer älteren Wafferwerke wurden benützt und in möglichft geeigneter Weife mit den neueren Leitungen verbunden. Es find 15 Dampfkeffel vorhanden und 5 Dampfmafchinen, laut obiger Angabe zufammen bis zu 850 Pferdekraft. Die Alb Waffer verforgung des Königreiches Württemberg. Diefe Wafferverforgung war für die Ausstellung mittelft Karten und Reliefs dargestellt. Ausserdem war noch eine Broschüre aufgelegt, welche eine genaue hiftorifche und technifche Befchreibung des Entftehens und Baues der ganzen Anlage enthielt. Wir können uns natürlich nur darauf befchränken, das Wefentlichfte hervorzuheben und verweifen im Uebrigen auf das erwähnteHeft, welches vom Profeffor Oskar Fraas in Stuttgart als Denkfchrift für die Weltausftellung verfafst ift. Das in Ausführung begriffene Project einer rationellen und allgemeinen Wafferverforgung eines über mehr als zwanzig Quadratmeilen fich ausdehnenden. wafferlofen Landftriches, der fogenannten Rauhen Alb, umfafst zunächft 70 württembergifche Ortfchaften mit gegen 30.000 Bewohnern. Unter Berücksichtigung ihrer geographifchen Lage fowohl, als entſprechend den vorhandenen WafferTriebkräften der verfchiedenen Albthäler find die betheiligten Ortfchaften in acht von einander unabhängige Gruppen eingetheilt worden, von denen nunmehr zwei Sectionen fchon vollſtändig fertig find. Eine davon befindet fich fchon feit 2 Jahren in regelmäfsigem Betriebe und in der ungeftörten Benützung der dortigen Bevölkerung. Die Bevölkerung der Alb hatte anfangs dem Projecte der Alb- Wafferverforgung mit begreiflichem Starrfinn alle möglichen Hinderniffe in den Weg gelegt, obgleich fie bisher Apparate und Anlagen von Wafferleitungen. 15 gezwungen war, entweder mit fchmutzigem und faulem Regenwaffer fürlieb zu nehmen, oder das Waffer mehrere Stunden weit vom Thale mittelft Fäffern zu holen. Die Gemeinde Juftingen drückte zuerft auf die Mittheilung des Projectes hin unter Vorausfetzung eines entſprechenden Staatsbeitrages den ernftlichen Wunfch der Ausführung des Wafferwerkes aus, während noch alle übrigen Gemeinden in paffivem und activem Widerftande verharrten. So begann man denn auch mit diefer Gemeinde und den beiden benachbarten Ingftetten und Haufen die erfte Probe zu machen, und im Jahre 1870 am II. Mai wurde der erfte Spatenftich gethan, worauf fchon am 18. Februar 1871( bei 17 Grad Kälte) unter wahrem Feftjubel der Bevölkerung das herrlichfte Waffer aus einer Anzahl von Brunnenröhren fich ergofs. Im Thale der Schmiech erhebt fich über einem in Fels gehauenen Canal das gemauerte Mafchinenhaus, in welchem ein oberfchlächtiges eifernes Zellenrad von 5.8 Meter Durchmeffer und 25 Meter Breite einen Nutzeffect von 70 Percent der vorhandenen Wafferrohkraft entwickelt, der 22 bis 25 Pferdekräften gleichkommt. Hinter dem Mafchinenhaus ift in dem natürlichen Terrain ein rechteckiger, maffiv gemauerter Behälter von circa 12 Meter Länge und 3 Meter Breite angelegt, in welchen vom Zuflufscanal das Waffer eintritt und erft nach Paffirung des hier vorgefehenen eigenthümlich conftruirten Vorfilter- Werkes den beiden doppelt wirkenden Pumpen zugeführt wird. Von diefen wird es durch eine 3280 Meter lange Druckröhrenleitung von Gufseifen nach der Alb und auf den Juftinger ,, Sandburren" gehoben. Die ganze Förderhöhe beträgt nahezu 200 Meter, fomit der Druck auf die Pumpwerke im Mittel 22 Atmoſphären. Das Hauptrefervoir auf dem Sandburren ift ein rechteckiger 21 Meter langer und 13.5 Meter breiter, maffiv gemauerter Behälter mit Tonnengewölben überfpannt und mit Cement inwendig verputzt. Es besteht aus zwei Kammern von je 12.570 Cubikfufs nützlichen Inhalts. Von aufsen ift das Refervoir mit einer Erdfchichte von 15 Zoll bedeckt. Die Sohle des Refervoirs liegt circa II Meter über der Erdfläche bei den höchftgelegenen Häufern, fo dafs bei ftets gefülltem Refervoir noch ein Nutzgefülle von circa 14 Meter für die höchften, 20 bis 25 Meter für die tieferen Gegenden der Ortfchaften fich ergibt. Die Zuleitung des Waffers nach Juftingen und Ingftetten gefchieht in 8, bis 3zölligen Röhren, welche 18 öffentliche Brunnen, 19 Hydranten und gegen 40 Gebäude ſpeifen. Die Gemeinde Haufen hat ein befonderes Refervoir von 10.000 Cubikfufs Inhalt, das durch einen 4600 Meter langen Röhrenftrang von 5 und 3½ Zoll mit dem Hauptrefervoir in Juftingen verbunden ift, und unter felbftthätigem Ver fchluffe regelmäfsig von dort aus gefpeift wird. Der tägliche Verbrauch ift 5000 Cubikfufs im Maximum. Die Gefammtkoften der ganzen Anlage haben nicht mehr als 78.450 fl. betragen. Die Wafferleitung der Stadt Paris möge in diefem Hefte eine eingehendere Befprechung finder, da fie fowohl ihrer Anlage, als ihrer Ausdehnung halber von hohem Intereffe ift. Vertreten war diefe Wafferleitung auf der Ausftellung durch eine vollkommene Gefammtübersicht der Anlage im Allgemeinen, fowie durch genauere Pläne, Anfichten und fleifsig gearbeitete Modelle im Befonderen Die Länge der Strafsen in Paris beträgt 865.863 Meter. Diejenige der Wafferleitungen ift beträchtlich gröfser aus dem Grunde, weil die Leitungen für den Privatgebrauch vollkommen von denen für den öffentlichen Gebrauch getrennt find, wefshalb die Wafferleitung beinahe die doppelte Gefammtlänge hat, wie die Strafsen, nämlich( nach der neueften Meffung vom 1. Jänner 1874) 1.431.000 Meter 2 16 C. Frifchauf. ohne Anrechnung der Parke und der freien Plätze. Die Leitungen beftehen zum gröfsten Theile aus gufseifernen Röhren, welche eine Gefammtlänge von 1,359.650 Meter einnehmen; doch find auch Betonleitungen, fchmiedeeiferne und bleierne Röhren verwendet. Rückfichtlich der Durchmeffer der Röhren vertheilen fich die Längen folgendermafsen: Hauptleitung von 130 Meter 1.350 Meter, 5.400 I IO 27 99 99 I'OO 16 99 دو 0.92 9. 1.350 2.300 0.80 II.200 99 97 0.60 99 21 99 35.000 : 27 " 0.50 " 65.000 99 " 7 0.40 ** 39.500 29 0:30 bis 0.35 99 " 80.900 99 99 019, 0.25 27 125.000 Kleinere Leitung von 0 108 bis o 162 Meter 367.000 Meter. 11 27 21 11 99 91 ΟΙΟ 0.081 0054 bis o 06 93 22 19 1,060.000 Meter. 171.600 Meter, 473.000 217.000 198.400 י י Länge der Bleileitungen in einem Durchmeffer von 0.027 bis 0.041 Meter Zufammen 4.000 دو • . 1,431.000 Meter. Das Wafferquantum, welches die Leitungen während 24 Stunden liefern, beträgt: Flufswaffer aus dem Canal des Ourcq und der Seine aus artefifchen Brunnen. aus Quellen. 316.000 Cubikmeter, 6.000 33.000 355.000 Cubikmeter. 22 Der Ourcq- Canal, welcher das gröfste Wafferquantum zu liefern hat, wird in den trockensten Monaten noch aus der Marne durch befondere Wafferhebemafchinen gefpeift. Um eine Waffermenge von 88.000 Cubikmeter aus der Seine zu heben, müffen zwölf Dampfmaschinen zufammen arbeiten, welche fich an verfchiedenen Stellen befinden. Wenn die Ableitungen der Dhuis und Vanne vollendet fein werden, wird fich die Leiftungsfähigkeit der Leitungen bis auf 462.000 Cubikmeter per 24 Stunden fteigern laffen, doch ift bis jetzt ein folcher Verbrauch niemals benöthigt gewefen. Die Durchfchnittsziffern des Verbrauches in den einzelnen Monaten waren. im Laufe des Jahres 1873 folgende: Jänner. Februar März April Mai 211.500 Cubikmeter, 222.500 11 228.500 240.000 243.500 11 Juni. Juli. • 17 255.500 11 272.000 Apparate und Anlagen von Wafferleitungen. po August.. • B September October. November December 259.000 Cubikmeter, Hys 249.000 11 239.000k 31 $ 230.500b 228.000 the 17 Die Leitung ift natürlich ftets für ein Maximal- Verbrauchsquantum vorbereitet und der Verbrauch wird von den Confumenten felbft geregelt. Die Waffervertheilung wird auf den Strafsen verfehen durch 59 monumentale Brunnen, 224 Strafsenbrunnen, 33 Pumpbrunnen, 26 Verkaufsbrunnen von filtrirtem Waffer, 456 kleinere Brunnen, 4.500 unterirdifche Mündungen, 240 Mündungen für die Sprengwagen, 2.900 Mündungen für directe Befprengung, 80 Feuerwechfel, 681 Piffoirs. Ferner geht die Leitung zu 155 Stationsbureaux, 152 Staatsgebäuden, 14 Departementsgebäuden, 83 Gebäuden für öffentliche Hilfeleiftung, 49 religiöfen Bauten, 247 Schulen, 167 Municipalgebäuden, biolad N 3 grofsen Parkanlagen( Champs Elysées, Boulogner Holz und Wald von Vincennes), 50 Squares und endlich 38.000 Privatabonnenten.* Das Quellwaffer ift ausfchliefslich für den Privatgebrauch beſtimmt; doch können die Abonnenten auch von dem anderen Waffer beziehen, welches in den Strafsen circulirt. Das Quellwaffer kann überall bis zu den oberften Stockwerken geleitet werden. Das Waffer wird in II grofsen Refervoirs gefammelt, welche einen Inhalt von 230.000 bis 250.000 Cubikmeter haben. Von dem gröfsten diefer Refervoirs, demjenigen zu Ménilmontant, waren eingehende und deutliche Pläne auf der Ausflellung. Ein Refervoir auf dem Montrouge, welches das Waffer der Vanne aufnehmen foll, ift noch im Bau begriffen und wird einen Faffungsraum von 305.000 Cubikmeter erhalten. Das Refervoir von Ménilmontant ift zweiftöckig; die beiden unteren Räume, mit einem Inhalte von 28.700 Cubikmeter, nehmen das Waffer der Marne auf, welches von St. Maur aus dahin gepumpt wird, bei einer Druckhöhe von 100 Meter. Die beiden oberen Baffins mit einem Inhalte von 100.000 Cubikmeter nehmen das Waffer der Dhuis und der Quelle von St. Maur auf. Die beiden Stockwerke find durch o 37 Meter ftarke Kreuzgewölbe von Cement Mauerwerk getrennt. Die oberen Baffins haben noch eine leichte Decke von o'07 Meter ftarkem Kreuzgewölbe bei 6 Meter Spannweite und diefe Gewölbe find mit einer 0 40 Meter ftarken Rafenfchichte überdeckt. Die nützliche Oberfläche des ReferDiefe Zahl erfcheint gering im Vergleiche mit der Abonnentenzahl in London, welche über 500.000 beträgt. Es kommt diefs daher, dafs die Häufer in Paris fehr grofs find und dafür ihre Anzahl nur 70.000 beträgt. 2* 18 C. Frifchauf. voirs beträgt 2 Hektare. Dasfelbe hat 4,030.000 Francs gekoftet mit Einſchluſs des Bodens( 380.000 Francs). Drei Wafferwerke zu St. Maur, Trilbardou und Isles- les- Meldeufes heben das Waffer aus der Marne hinauf. Auf der Ausftellung waren die beiden erfteren durch hübfche Modelle und Zeichnungen veranfchau licht. Das Wafferwerk in St. Maur hat 4 Girard- Turbinen von je 120 Pferdekraft, 3 Fourneyron- Turbinen von je 100 Pferdekraft und 2 Dampfmafchinen von je 150 Pferdekraft, alfo zufammen 1080 Pferdekraft. Die Wafferkraft wird theils aus der Maine, theils aus dem Gefälle des Canals von St. Maur genommen. Die Marne bildet eine Schleife von 13.000 Meter Länge und kommt ihrem eigenen Ufer wieder bis auf 1000 Meter nahe. An der engften Stelle durchfchneidet der Canal von St. Maur die Halbinfel in einem kurzen Tunnel. Um die Schifffahrt nicht zu beeinträchtigen, hat die Stadt einen befonderen Tunnel gebohrt, welcher das Waffer zum Werke leitet, eine Arbeit, welche in den Jahren 1864 und 1865 vollendet ward. Das gewonnene Gefälle ift im Mittel 400 Meter. Zwei Girard- Turbinen heben aus der von Herrn Belgrand entdeckten Quelle von St. Maur in 24 Stunden 12.000 Cubikmeter bei einer Schöpfhöhe von 28 Meter auf 108 Meter in das Refervoir der Dhuis. Die beiden anderen Girard- und 2 Fourneyron- Turbinen fchöpfen 28.000 Cubikmeter Waffer 34 Meter hoch aus der Marne und heben es auf 100 Meter in die unteren Räume des Refervoirs von Ménilmontant. Eine Turbine endlich hebt 12 bis 17.000 Cubikmeter Waffer 34 Meter hoch und bringt es auf 72 Meter in den See von Gravelle, welcher das Refervoir für den Wald von Vincennes bildet. Wenn alle Mafchinen im Gange find, werden täglich 52- bis 55.000 Cubikmeter gehoben. Die beiden Dampfmaschinen find aufgeftellt, um in den wafferärmften Monaten, wo die Marne noch zur Bewäfferung der Gegend benützt wird, die Wafferkraft zu unterſtützen. Seit 1857 hatte der nördlich von der Central- Hochebene gelegene Theil Frankreichs an einer beiſpiellofen Trockenheit zu leiden, fo dafs während der heifsen Jahreszeit fowohl die Canalfchifffahrt ftill ftehen mufste, als auch der Wafferbezug für Paris, welcher gefetzlich auf 105.000 Cubikmeter täglich geftattet war, nicht erreicht werden konnte. Diefe Lage war unerträglich, wefshalb der Staat geftattete, ein Quantum von 500 Liter per Secunde bei der Mühle von Trilbardou und ein gleiches am Wehr Isles- les- Meldeufes für Paris zu entnehmen. Das Werk bei Trilbardou ift feit April und das bei Isles- les- Meldeuses feit Juli 1868 im Betriebe und beide arbeiten nur während der trockenen Sommermonate, wenn der Canal von Ourcq geringe Nahrung gibt. Das Hauptrad von Trilbardou ift nach Sagebien conftruirt und war im Modelle auf der Ausftellung. Es hat 1104 Meter Durchmeffer und 7.96 Meter Kranzbreite. Das Gefälle variirt zwifchen 0:40 und 1 20 Meter. Es macht 1½ Touren per Minute und kann 500 bis 1100 Liter per Secunde und Meter Kranz verbrauchen. Es hebt das Waffer ungefähr 15 Meter hoch und kann ein Quantum von 28.000 Meter täglich fördern. Der Nutzeffect ift 70 Percent und der Motor ift ohne Zweifel der befte, welchen die Stadt befitzt. Die übrigen Wafferhebewerke find von geringerem Intereffe, da fie lauter Dampfmafchinen und Pumpen von allgemein angewandter Conftruction haben. Die folgende Tabelle gibt eine Ueberficht über die im Jahre 1873 mit diefen Mafchinen erzielten Refultate, wobei bemerkt fei, dafs die Werke von Auteuil und Fontaines- du- But blos proviforifch find. Name des Werkes Pferdekraft nach der gehobenen Waffermenge gerechnet nominell geleiftet 1873 Ausgaben Koften pro C. Met. Gehobene gehobenen Waffers Waffer- in die Refermenge Cubikmeter voirs per Meter gehoben Franc S Stunde und PferdeKohlenverbrauch per kraft in Kilo Total 1873 per Pferdekraft Kohle Total Franc S 450. 25dal Apparate und Anlagen von Wafferleitungen. 39.73 47.55 47.271 60.082 180 161 33 163.445 240 228 08 400.292 • 640 28 801 88 556.95 1.240 37 24 19 62.437 1.694 28 56.17 80.053 837.27 50 36 29.61 46.044 673.93 Total. Mittel. 13.97 39.271 1.182.67 4'34 22.879 2.433.90 604'97 921.774 1.189.92 2'02 1.263.64 2:44 1.013 12 150 1.755 08 3 38 2.581 01 4'67 1.425 32 2:59 1.554 98 1.84 2.810.31 3:09 984.702 5.277.79 6.16 228.381 1,299.301 1,654.055 0.036 5,820 047 10,780.891 1,080.487 1,667.457 1,434.728 0.036 0.028 0.037 0,000.503 0,000.543 0 000.428 0,000.742 0.058 0,001,091 0.048 0,000.603 0.032 0,000.658 0.040 0,001.183 0.100 0,002.232 124.950.049 944'43 1.523.71 00.369 1. Dampfpumpen. Port à l'Anglais( 2 Dampfmafchinen) Maifons Alfort( 2 Dampfmafchinen) Aufterlitz( 2 Dampfmafchinen) Chaillot( 2 Dampfmaschinen) Auteuil( proviforifch) Place de l'Ourcq( 1 Dampfmaschine) St. Ouen( 2 Dampfmaschinen) Ménilmontant( 2 Dampfmafchinen) Fontaine- du- But( proviforifch) 585 368.59 91.043 246.97 100 35.05 10.672 304'47 14,046.761 00.065 0,000.104 6,774.086 00.016 0,000.129 . Total. IOO 35.10 29.226* 438.74 130.941 832-43 5,478.119 00.053 0,000.352 26,298.966 Mittel 298.44 00.050. 2. Waffermotoren. St. Maur( 7 Turbinen) Isles- les- Meldeufes( 2 Tangenträder). Trilbardou( Sagebien, I Seitenrad) * Unglücksfall durch unvorfichtige Behandlung der Pumpen. 19 20 C. Frifchauf. Waffer vertheilung. Der öffentliche und der Privatdienft werden fich niemals vollkommen trennen laffen, felbft wenn die Doppelleitung in allen Strafsen durchgeführt ift, denn die Abonnenten haben das Recht, fich nach ihrem Belieben das Waffer aus der einen oder anderen Leitung zu entnehmen. So circulirt feit heuer das Waffer der Vanne, welches für Privatgebrauch beftimmt ift, in den niederen und mittleren Stadttheilen und für den öffentlichen Gebrauch daneben das Waffer des Ourcq. Die Abonnenten können, wenn es ihnen beliebt, von dem Ourcqwaffer, welches nur 60 Francs per Cubikmeter koftet, nehmen, im Gegenfatze zu dem der Vanne, welches, wie das Seine waffer, 120 Francs koftet. Da fomit der Privat, wie der öffentliche Confum aus dea nämlichen Leitungen genommen wird, ift es unmöglich, genau ftets das Quantum zu beftimmen, welches von jedem der beiden grofsen Netze des öffentlichen und des Privatdienftes verbraucht wird. Im Allgemeinen mag die folgende Ueberficht vom 1. Jänner 1873 über diefen intereffanten Punkt Auffchlufs geben. Paris hat 70.000 Häufer und die Abnehmer von Waffer vertheilten fich zur angeführten Zeit fo: AbonnentenBefchaffenheit des Waffers zahl Summe der Cubikmeter per Tag nach den Liften Jährliche Einnahme in Francs Ourcqwaffer Seine und anderes Waffer 15.706 36.822 2,042.456.20 22.183 37.848 3,871.992.65 Summe. 37.889 74 670 5.914.448.87 geftellt. Die Liquidation im Jahre 1873 hat fich auf 6,358.398 Francs 41 Centimes Der tägliche Confum beläuft sich auf mehr als 74.670 Cubikmeter, befonders im Sommer, wo das Ourcqwaffer und ein Theil des anderen freigegeben ift und enorme Maffen verfchwendet werden, wird diefe Zahl bedeutend überfchritten. Auch waren während der Belagerung von Paris der Canal des Ourcq und der Aquaeduct der Dhuis aufser Betrieb. Das übrige disponible Waffer wurd für die Bedürfniffe der Einwohner gleichviel ob Abonnenten oder nicht refervirt, fowie auch für die öffentlichen Gebäude und Hofpitale. Der Verbrauch zeigte folgende Ziffern:" Ende September. October November December . Jänner ° 116.000 Cubikmeter," 132.000 29 122 000 " 9 III.000 88.000 99 Die Preife für den Wafferbezug find folgendermassen regulirt: Apparate und Anlagen von Wafferleitungen. Tägliches Lieferungsquantum Jährlicher Preis Ourcq- Waffer Seine und 21 anderes Waffer Franc S I bis 150 Liter 150 bis 500 Liter. I bis 5 Cubikmeter 5 bis 10 Cubikmeter • 10 bis 20 Cubikmeter 100 bis 200 Cubikmeter 60 106811 5° IOO I 20 IOO 80 . 40 60 Diefer letzte Preis verringert fich bei je 50 Cubikmeter noch um je 2 Francs und für 700 Cubikmeter beträgt er 40 Francs per Cubikmeter tägliche Lieferung.* Von da an tritt keine Preisermäfsigung mehr ein, da hier der Preis für Ein Cubikmeter nur II Centimes beträgt, zwei Centimes mehr als die Koften der Stadt. Aquaeducte für Quellwaffer. Die ftetige Verfchlechterung des Seinewaffers durch die Abfälle der Induftrie und Wohnhäufer hat Veranlaffung gegeben, ein hinreichendes Quantum Quellwaffer abzuleiten, um allen Bedürfniffen der Einwohner zu entſprechen. Das Unternehmen war fchwierig, denn das Becken der Seine zwifchen dem Meere und dem Fufse der Côte- d'or- Kette ift eine öde Hochebene, deren Höhe wenig über die höchften Punkte der Stadt, Belleville und Montmartre, reicht. Die Quellen des ganzen Beckens wurden unterfucht und es wurden nach langen Studien folgende Thatfachen conftatirt: Paris liegt in einer linfenförmigen Gypsfchichte, welche alle gröfseren Quellen zwifchen den Grenzen der Normandie, der Champagne und der Beauce. beeinflufst. Man mufste daher jenfeits diefer Grenzen hinreichend Quellwaffer für den Privatgebrauch der Stadt Paris finden, welche zugleich hoch genug lägen, um die höchften Punkte der Stadt zu speifen und ebenfowenig wie das Seinewaffer mit erdigen Salzen beladen wären. Man fand in der Champagne hiefür geeignete Quellen. Die Ausführung wurde in zwei Theile getheilt; das Quantum, welches die hoch gelegenen Stadttheile am rechten Flufsufer benöthigen, ungefähr 40.000 Cubikmeter per Tag, kommt aus den Quellen eines Zufluffes der Marne, des Surmelin. Die Stadt befitzt die wichtigften Quellen diefes Fluffes, namentlich die Dhuis, wovon der Aquaeduct feinen Namen hat. Das Waffer der Dhuis circulirt feit 1867 in Paris, doch war in Bezug auf die ganze Quellenleitung nichts auf der Ausftellung vertreten. Die Länge des Aquaeductes fetzt fich folgendermafsen zufammen: Gewölbter Canal oberirdifch 100.822 Meter, " 9 Thalübergänge. unterirdifch 12.928 17.130" 99 Gefammtlänge. 130.880 Meter. e Die Höhendifferenz der Thalleitungen beträgt o 77 Meter per Kilometer, das Gefälle des gemauerten Canales o 10 per Kilometer, der Aquaeduct hat * Da für den Hausgebrauch nur Quellwaffer abgegeben wird und dafür der Tagesconfum meiftens 1 bis 5 Cubikmeter beträgt, fo ftellt fich der Eimer Waffer pro Jahr auf fl. Für gröfsere Abnehmer von Seinew affer verringert fich diefer Preis bis auf I fl. In Wien koftet der Eimer Hochquellenwaffer a) für den Hausgebrauch I fl., b) für Induftrielle 2 fl. Zu diefen Preifen kommen noch die für das Jahr 1874 mit 20 kr. normirten Betriebsfpefen. 22 C. Frifchauf. 176 Meter Höhe und 140 Meter gröfste Breite. Die Thalübergänge haben ein Meter weite gufseiferne Röhren. Die Quelle der Dhuis ift in einer Höhe von 128 Meter und das Refervoir von Ménilmontant 180 Meter hoch gelegen, daher ein Gefälle von 20 Meter. Für die Stadttheile in mittlerer und tiefer Lage wurden die Quellen des Vannethales abgeleitet und der Aquaeduct wird täglich 90- bis 100.000 Cubikmeter Waffer liefern, wenn er vollendet ift, während er jetzt circa 40.000 Cubikmeter in die Stadt führt. Die hiezu abgeleiteten Quellen geben im Mittel 100 000 Cubikmeter per Tag und es wird noch eine befondere Quelle als Referve für die Zeit des niederen Wafferftandes abgeleitet, welche den Namen Poche- épie führt. Die Quellen haben ein wunderbar klares Waffer und find faft ftets ungetrübt; eine davon, die von St. Philibert, hat während 14 Jahren, feit fie im Befitze der Stadt ift, niemals eine Trübung gezeigt. zid Die Herren Mangon und Wurtz, Mitglieder des Inftitutes von Frankreich haben das Waffer chemifch unterfucht und feftgeftellt, dafs es 17 bis 20 Centigramm kohlenfaueren Kalk im Liter enthält, was ein äufserft vortheihaftes Verhältnifs ift, da das Waffer noch etwas Kalk an die Leitung abfetzt und fo die gufseifernen und bleiernen Röhren nicht angreifen kann. Nach Dumas und anderen franzöfifchen Chemikern ift für die Zuträglichkeit des Waffers eine Dofis von 15 bis 20 Centigramm auf ein Liter Waffer unerlässlich. Die Quellen des Aquaeductes der Vanne find in zwei Gruppen getheilt; in die hochgelegenen und die niedriggelegenen Quellen. Das Waffer von einer der erfteren wird noch durch Turbinen und Centrifugalpumpen um einige Meter gehoben. Die hohen Quellen liefern nie weniger als 35.000 Cubikmeter täglich, manchmal aber fogar 100.000, die niedrigen Quellen liefern felten unter 40.000 Cubikmeter. Drei Wafferwerke, von der Vanne getrieben, heben das Waffer diefer Quellen oder werden vielmehr erft vom nächsten Jahre an diefe Arbeit verrichten, da fie noch nicht vollendet find. Die Länge des Aquaeductes ift folgendermassen zufammengefetzt: Gewölbter Canal in Durchftichen. " auf Pfeilern unterirdifch " 29 Röhrenleitung • Gefammtlänge. • 93.000 Meter, 16.600 41.900 21.500 79 So 173.000 Meter. Dabei find noch inbegriffen 16.223 Meter für die Verbindung und Faffung der Quellen, und zwar 9605 Meter offene und 6618 gefchloffene Canäle und aufser dem ein kreisförmiger Sammelcanal von 20.386 Meter Länge und 170 bis 180 Meter Durchmeffer. Der Hauptaquaeduct, welcher fich daran fchliefst, ift ebenfalls kreisförmig bei 2 bis 2.10 Meter Durchmeffer. Die Thalleitungen beftehen aus zwei gufseifernen Röhrenfträngen von I'10 Meter Weite. Die gefammte Höhendifferenz diefer Leitung beträgt 31 17 Meter von den Quellen bis zum Montrouge; das Gefälle des Sammelcanals beträgt o'20 Meter per Kilometer, das des gemauerten grofsen Aquaeductes o 10 bis 0 12 Meter und die IIöhendifferenz der Heberleitungen o 60 Meter per Kilometer, Der Sammelaquaeduct fetzt fich folgendermafsen zufammen: siet Einfacher Einfchnitt 25 Tunnels. • Uebergänge und gewölbte Brücken. Röhrenleitung durch die Vanne 12.240 Meter, 5.746 99 1.000 1.400 Gefammtlänge. . 20.386 Meter. Apparate und Anlagen von Wafferleitungen. 23 ag Die unterirdifchen Partien find theils durch Kreide, theils durch lofes Erdreich gebohrt und haben grofse Schwierigkeiten geboten, da man auf grofse Quellen ftiefs, welche abgeleitet werden mufsten. Die Röhrenleitung durch das Thal der Vanne geht über ein 1000 Meter breites Torfmoor; die Röhren liegen auf einem Pfahlgerüfte über dem Torf und find mit einem Schuttdamm überdeckt. Der Hauptaquaeduct beginnt auf den Abhängen des rechten Vanne- Ufers und geht von da gleichmäfsig bis zum Thale der Yonne, dem er bis zu dem Röhrenübergange, der es durchfchneidet, entlang läuft. Seine Länge bis dahin zerfällt in: Einſchnitte.. 10 Tunnels.. Brücken und Pfeilerübergänge Thalleitungen. Gefammtlänge . 14.974 Meter, I.375" 9 I.575" ን 1.036 " . 18.960 Meter. Der Siphon über die Yonne ift der gröfste von allen. Seine Länge beträgt 3737 Meter und die Pfeilerhöhe 40 Meter. Ueber die Yonne geht er in der Höhe des höchften Wafferftandes auf einer Brücke von 1493 Meter Länge. Die Brücke hat 45 Oeffnungen von 6 Meter, 21 von 7 Meter, 80 von 8 Meter, 10 von 12 Meter, 2 von 22 60 Meter, 3 von 30 Meter und eine von 40 Meter Spannweite und ift aus Betonmauerwerk. Der Durchftich, welcher die Röhren enthält, ift in lehmigem und quarzigem Alluvium gegraben. Der Siphon auf dem rechten Ufer geht durch weifse Kreide. Von diefem Siphon an macht der Aquaeduct einen Weg durch mehrere befonders lange Tunnels, und zwar: Offener Einſchnitt 15 Tunnels. Heberleitung Gefammtlänge • e 8.814 Meter, 9.345 99 1.871 99 21.518 Meter. Die Einfchnitte gehen gröfstentheils durch lehmige Schichten. Für den Bau des Aquaeductes ift das kreidige Erdreich am günftigften. Man hat darin mehr als 16 Kilometer Tunnels ohne irgendwelche Holzconftruction bohren können. Von den Arcaden von Fresnes an geht nun die Quellenleitung in tertiärem, eocenem Erdreich, und zwar: Einfchnitt Tunnels old sh • • 7.336 Meter, 5.658 . Brücken und Pfeilerübergänge. Siphon von Moret.... now ludowego Gefammtlänge ° " 9 443 99 2.357 15.794 Meter. Diefe Strecke geht auch theilweife durch fehr harten Süfswaffer Kalkftein, deffen Brechung grofse Koften( 32 Francs per Cubikmeter) verurfachte. Der Siphon von Moret geht auf beiden Seiten des Loingthales in folchem Kalkstein. Er geht in der Hochwafferhöhe über eine Brücke von 53 Bogen und 584 Meter Länge und das niedrigere Ende des Siphons geht über die Bourbonnais- Eifenbahn auf einer 30 Meter langen eifernen Brücke. Nun geht die Trace der Leitung im Walde von Fontainebleau durch fandiges Erdreich und bietet folgende Zufammenfetzung: Einfacher Einfchnitt. Tunnels... Fenftertunnels وو 16.162 Meter, II.477 1.618 99 6.183 99 3.225 99 Strafsen 27 99 Gefammtlänge e 38.692 Meter. Brücken und Pfeilerübergänge Siphons durch Thäler وو • 24 C. Frifchauf. Von da durchfchneidet die Leitung das Plateau von Hurepoix in lehmigem Boden in einer Länge von 18.019 Meter. Das Plateau ift ganz eben und fo niedrig, dafs der Aquaeduct auf einer Länge von 11.612 Meter erhöht über dem Boden laufen mufs, theils auf niedrigen, theils auf gewölbten Subftructionen. Das Thal der Efonne, welches das Land von Hurepoix durchſchneidet, ift durch einen Siphon überfetzt. Wie alle Thäler des Seinebeckens ift das Efonnethal fehr fchlammig. Auf einer Länge von circa 400 Meter mufste daher die doppelte Röhrenleitung des Siphons auf Piloten von einer Länge bis zu 15 Meter gelagert werden. Zwifchen der Efonne und der Orge, bei Courcouronne, geht die Leitung durch einen Sandhügel in einen Tunnel. Diefe Strecke der Leitung ift zwar keine der fchwierigften, hat aber wegen der zahlreichen Kunftbauten viele Koften verurfacht. Durch das Thal der Orge geht wieder ein Siphon von 1972 Meter verftreckter Länge und die Leitung bis zur Stadt Paris geht von da an noch 17.196 Meter weit, und zwar: Tunnels Offener Einfchnitt Arcaden und Subftructionen Siphons Gefammtlänge.. 6.104 Meter, 8.215 2.602 • 275 99 24 17.196 Meter. Zwifchen dem Siphon der Orge und der Bièvre geht die Leitung zuerſt durch die unteren Schichten des miocenen Bodens in den Tunnels der Champagne, geht dann über Lehm und darauf durch einen Tunnel in grüner Lette auf einer Länge von 2.800 Meter. Das Thal der Bièvre wird auf 77 Bogen von 990 Meter Länge überfchritten, welche höher liegen als die Brücke Marie de Medicis. Die letztere erhebt fich 38 Meter hoch über die Thalfohle. Im Allgemeinen wurde für die Mauerarbeiten das zunächft liegende Material verwendet. Die Mauerarbeiten der gedeckten Strecken wurden bis zur Grenze des kreidigen Bodens in Kreidekiefel mit Cementmörtel ausgeführt. Von da an bis zum Loing verwendete man Betonmauerwerk( Syftem Coignet) mit Flufsfand; von Loing bis zu den Arcaden von Chevannes hatte man nur feinen Sandftein und von der Efonne bis Paris hatte man hauptfächlich groben Sandftein. Auch die 1493 Meter der Yonnebrücke find aus diefem vortrefflichen Bruchfteine conftruirt und der Preis desfelben war fo gering, dafs diefe Brücke nur 650.000 Francs koftete. Die Arbeiten des 990 Meter langen Aquaeductes von Arcueil kofteten nicht mehr als 932.000 Francs. Mit dem Material, welches in denfelben Gegenden für die öffentlichen Bauten gewöhnlich verwendet wird, wären die Koften auf das Doppelte gekommen. 12 aloitt Wenn der Aquaeduct der Vanne im Jahre 1875 vollendet fein wird, wird die Stadt Paris aufser dem oben detaillirten Quantum von 355.000 Cubikmeter noch über 90.000, alfo zufammen täglich 445.000 Cubikmeter Waffer haben, und nach Vollendung des Aquaeductes der Dhuis noch 20.000 Cubikmeter mehr, alfo im Ganzen 465.000 Cubikmeter. Rechnet man für allenfallfige Irrthümer in der Annahme 45.000 Cubikmeter ab, fo bleiben immerhin 420.000 Cubikmeter. Die Bevölkerung von Paris beträgt nach der letzten Zählung vom 31. December 1872 1,851.792 Seelen und es trifft fomit auf den Kopf per Tag 420.000 227 Liter, 2810 1,851.792 godinalia? eine mehr als hinreichende Menge, welche kaum verbraucht werden wird. Wenn man annimmt, dafs das Waffer, welches für den Hausgebrauch wirklich verwendet wird( nach Erfahrung) ungefähr die Hälfte des ganzen Apparate und Anlagen von Wafferleitungen, 25 Verbrauches bildet, fo zeigt fich, dafs nach Vollendung der Quellenleitung das Quantum für den Privatgebrauch täglich per Kopf 114 Liter betragen wird. Die Wafferleitung auf dem Ausftellungsplatze. Es war bei der Anlage der Weltausftellung vorauszusehen, dafs diefelbe einer regelmässig abgegebenen ungemein, grofsen Waffermenge bedürfen würde, und nach allgemein gehaltenen Voranfchlägen zeigte fich die erforderliche Quantität fo bedeutend, dafs man es für unthunlich erachten mufste, diefelbe durch ein einziges grofses Wafferwerk zu befchaffen, da fich namentlich auch das Erfordernifs herausftellte, für die einzelnen Zwecke das Waffer unter verfchiedenen Drucken geliefert zu erhalten. Ein folches Centralwafferwerk hätte auch die Herftellung einer bedeutenden Saugcanal- Anlage erheifcht, was der bedeutenden Koftfpieligkeit und des proviforifchen Zweckes halber nicht gerechtfertigt gewefen wäre. Man bequemte fich defshalb der Nothwendigkeit in der Weife an, dafs man drei verfchiedene Wafferwerke anlegte, welche ihre Sonderzwecke unabhängig von einander zu erfüllen haben. Für die Befchaffung des Waffers ftellte fich als das Einfachfte die Herftellung grofser gemauerter Brunnen heraus, aus welchen dann das Waffer durch das Pumpwerk entnommen werden kann. Man ging bei der Feftftellung der Druckverhältniffe in der Weife vor, dafs man für die hinter der Mafchinenhalle liegenden Keffelhäufer einen möglichft geringen Druck von höchftens einer Atmoſphäre beftimmte, und für diefen Zweck ein eigenes Wafferwerk am Oftende der Mafchinenhalle errichtete. dods Dasfelbe hatte ausfchliefslich für den Betrieb der Maſchinenhalle zu forgen und lieferte daher das Waffer für die Speifung der dazu nöthigen Dampfkeffel und der Condenſatoren der Dampfmafchinen. Ausserdem gingen von diefer Leitung noch einige Abzweigungen zu Hydranten und anderen fecundären Verbrauchsftationen ab. Das Refervoir diefer Anlage wurde, dem niedrigen Druckerforderniffe entſprechend, nicht höher als fechs Meter über dem Fufsboden der Mafchinen halle angelegt. bo siledasaidals Tab Um den vielfachen Bedürfniffen nach Waffer von hohem Druck Rechnung zu tragen, ward am Weftende der Maſchinenhalle ein Wafferwerk errichtet, welches vor Allem den Zweck hatte, den Ausftellungsplatz mit Waffer gegen Feuersgefahr, und zum Befpritzen der Wege in und aufserhalb der Gebäude zu verfehen. Die Leitung fpeifte fomit fämmtliche Hydranten und Feuerwechfel der zweiten, dritten und vierten Zone des Ausftellungsplatzes und lieferte aufserdem das Waffer für die zahlreichen, dafelbft befindlichen Reftaurationen, Aborte, Fontainen und anderen Brunnen, Waffermotoren u. A. m. dyes de Um den nöthigen Druck herzuftellen, wurde ein Wafferthurm von circa zweiunddreissig Meter Höhe errichtet, deffen Refervoir von dem Pumpwerke gefpeift wurde. Aquat Für die im Parke vor dem Induftriepalafte fpielenden, zwei grofsen und fechs kleineren Fontainen wurde ebenfalls ein eigenes Wafferwerk für nöthig erachtet, welches die genannten Fontainen und aufserdem noch eine Anzahl von Hydranten, fowie verfchiedene Reftaurationen, Aborte etc. fpeifte. Die Annahmen für die Verhältniffe diefer drei Anlagen, welche der Conftruction als Bafis dienen follten, konnten zur Zeit des Entwurfes nur ganz allgemein in Baufch und Bogen gemacht werden, und man mufste neben den bekann ten Bedürfniffen wenigftens ebenfoviele als fpäter erforderlich annehmen, wefshalb man es nur durch Einstellung bedeutender Referven ermöglichte, der Maffe von fpäter eingetretenen Erforderniffen zu genügen.bus suges Touis as Behufs Feftfetzung der Waffermenge für die Niederdruck- Anlage wurde für die zum Betriebe der Mafchinenhalle nöthigen Dampfkeffel und Dampfmaschinen ein Paufchalquantum von 6000 Kubikfufs oder circa 200 Kubikmeter per Stunde angenommen und die Mafse der Pumpen und des Refervoirs hienach beftimmt. mis si aleb lied 26 C. Frifchauf. Für die Hochdruck- Anlage, welche fehr wenige Anhaltspunkte für einen einigermassen zutreffenden Voranfchlag bot, nahm man ebenfalls ein Quantum von 6000 Kubikfufs an, doch wurden die Anordnungen in der Weife getroffen, dafs die Leitung mindeſtens das Doppelte, alfo 12000 Kubikfufs pro Stunde zu liefern im Stande fei, ein Quantum, welches fich fpäter als durchaus nicht zu hoch gegriffen herausftellte. ラ Für die Parterreanlage war das zuvorkommende Anerbieten der Herren Gebrüder Decker& Comp. in Cannft att mafsgebend, welche fich bereit erklärten, zwei grofse amerikaniſche Dampfpumpen, welche zugleich Ausftellungsgegenftand waren, zum Betriebe der Parterreanlage beizuftellen. Das Niederdruck Wafferwerk befteht aus einem Maſchinenhaufe, welches die Dampfkeffel und die Pumpen enthält, und einem niedrigen Wafferthurme mit dem Refervoir. Die beiden Dampfpumpen find vom Ingenieur Prunier aus Lyon conftruirt und haben eine Leiftungsfähigkeit von etwa 400 Kubikmeter per Stunde. Ihrer Conftruction nach find die Pumpen nach dem Principe der Norton- Brunnen gebaut und faugen das Waffer nicht aus gemauerten Schächten, fondern aus eifernen Tuben, welche bis auf eine Tiefe von fechs Meter unter dem örtlichen Nullpunkt der Donau verfenkt wurden. In diefe Tuben find die Pumpen einge fetzt, welche vertical und conaxial mit dem Dampfcylinder liegen. Jede Pumpe hat zwei Kolben, welche kegelförmig find und fich gegeneinander bewegen. Da durch wird das Waffer zu gleicher Zeit gefaugt und gehoben. Das von den Pumpen gehobene Waffer fteigt in das auf einem gemauerten Unterbaue von fechs Meter Höhe fitzende Refervoir. Dasfelbe hat 76 Meter Durchmeffer und 5.07 Meter mittlere Höhe, fonach einen Faffungsraum von circa 230 Kubikmeter. Von diefem Refervoir geht eine Leitung von zwölfzölligen Eifenröhren hinter der Mafchinenhalle entlang, welche fich bis auf drei Zoll verjüngt, und von der die einzelnen Abzweigungen in die verfchiedenen Keffelhäufer und zu den Dampfmafchinen in der Mafchinenhalle gehen. Ausserdem gehen noch Zweigleitungen zu fieben Hydranten und verfchiedene kleinere zu Brunnen, Aborten etc. Das Hochdruck- Wafferwerk befteht aus einem gemauerten Brunnen, einem Mafchinenhaufe mit den zwei gekuppelten, doppelwirkenden Dampfpumpen nebft deren Keffeln und einem eifernen Wafferthurme mit dem Refervoir. Der Brunnen hat einen Durchmeffer von 18 Fufs und reicht 15 Fufs unter den örtlichen Nullpunkt der Donau. Das Maſchinenhaus ift zweitheilig, und enthält in einer Hälfte die Dampfkeffel nebft dem dazu gehörigen Kohlenraum und in der anderen die Dampfpumpen. Die letzteren find horizontal angeordnet nach Corlifs Syftem gebaut und liefern im Maximum 18.000 Kubikfufs per Stunde. 99 Die ganze Betriebseinrichtung, als Dampfkeffel, Pumpen, Wafferthurm und Refervoir wurde von der Erften Brünner Mafchinenfabriks- Gefellſchaft" hergeftellt. Der Wafferthurm fteht auf einem 3.5 Meter hohen, gemauerten Unterbau und befteht aus einem Gerüfte von acht gufseifernen Säulen, welche durch horizontale uud diagonale U- förmige Walzftücke untereinander verfteift find. Die Säulen felbft beftehen aus ftarken Gufsröhren mit Flanfchen, welche durch je vier Schrauben verbunden find. Deren find der ganzen Höhe nach fechs aneinander gefchraubt, an welche bei jedem Abfatze die Verfteifungstheile ebenfalls durch Schrauben befeftigt find. In der Mitte ift ein durch Radial ftangen gehalte nes Rohr, durch welches das Waffer auffteigt, und aufserdem führt innerhalb des Gerüftes eine Treppe zu dem oben befindlichen Refervoir. Letzteres ift fechs Meter hoch und hat 7.6 Meter Weite, demnach einen Faffungsraum von circa daius mus pi 275 Kubikmeter. Mit feiner Unterkante liegt das Refervoir circa 40 Meter hoch über den Erdboden. Von diefem Wafferthurme geht nun das Rohrnetz aus, welches fich über den gröfsten Theil des Platzes vertheilt, und zwar fo, dafs je ein Hauptftrang Apparate und Anlagen von Wafferleitungen. 27 vor der Maſchinenhalle, vor und hinter dem Induſtriepalafte läuft und fich bis zum Heuftadelwaffer" erftreckt. " Es find mit diefer Leitung 180 Hydranten und 100 Feuerwechfel in Verbindung, von denen die erfteren im Freien, die letzteren in den Gebäuden angebracht find. Die Standröhren der Hydranten, wie die Feuerhähne, find alle mit dem Normalgewinde der Wiener Feuerwehr verfehen, fo dafs bei ausbrechendem Feuer ein jeder Schlauch fogleich benützt werden kann. Die Hochdruck- Wafferleitung wurde auch vielfach zum Betriebe von Waffer. motoren verwendet, und namentlich war es die Wafferkraftmafchine zum Betriebe der Druckerei der„ Neuen Freien Preffe", welche allgemeines Intereffe erregte. Die Parterreanlage hatte ihr Wafferwerk hinter dem Jury pavillon und beftand letzteres aus einem zwölf Fufs weiten, gemauerten Brunnen und dem Maſchinenhaufe, welches die Dampfkeffel und die von Herren Gebrüder Decker & Comp. in Cannftatt gebauten amerikanifchen Dampfpumpen enthielt. Die Leiftungsfähigkeit der letzteren betrug im Maximum 18.000 Cubikfufs per Stunde. Die Mafchinen pumpten das Waffer aus dem Brunnen durch den Windkeffel direct in die Leitung, ohne es vorher an ein Refervoir abzugeben, und verfahen die in dem Parke vor der Rotunde befindlichen acht Fontainen mit Waffer von einem mittleren Drucke von zwei bis drei Atmoſphären. Das Rohrnetz der Parterreanlage ift mit dem der Hochdruck- Anlage durch einen Strang in Verbindung, fo dafs beide fich gegenfeitig als Referve dienen können, und nun, wo das Decker'fche Wafferwerk aufser Betrieb ift, wird auch die gefammte Parterreanlage vom Hochdruck Werke aus gefpeift. Die gefammten Anlagen haben fich während der Dauer der Ausftellung vortrefflich bewährt, und vorausfichtlich wird ein grofser Theil derfelben, fpeciell die ganze Hochdruck- Anlage zum Zwecke der Bewäfferung der Anlagen erhalten bleiben. Die Entwürfe zu den drei Wafferwerks- Anlagen wurden von dem Ingenieur bureau der General direction, deffen Vorftand Herr Profeffor Ritter von Grimburg war, von dem Oberingenieur für die Wafferleitungen, C. Frifchauf, gemacht, welch Letzterer auch den Bau und Betrieb leitete. Die Dampfpumpen wurden unter der Leitung des Oberingenieurs für die Betriebseinrichtungen, Herrn G. Hauber, aufgeftellt. aidma STELLUN BERICHT BAU