OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. HEERESWESEN. ( Gruppe XVI.) HEERESBEKLEIDUNGS- UND AUSRÜSTUNGSWESEN ( Gruppe XVI, Section 1, a) Bericht von CARL MAYER, k. k. Hauptmann des Montursdepot Nr. 4. UND BUCHERE DAS HEERES- VERPFLEGSWESEN ( Gruppe XVI, Section 1, b) Bericht von ALEXANDER POPPOVIĆ, k. k. Militär- Unter- Intendant. s ws DUSTRIE Technologisches Gewerbe- Ruseum WIEN WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF. UND STAATSDRUCKEREI. 1873. VIR 8 VORWORT. 8 Nach dem Programm der officiellen Berichterstattung über die Wiener Weltausftellung 1873 foll der officielle Bericht noch ,, während der Feier des internationalen Feftes abgefafst und aufgelegt werden". Diefe Beftimmung zu erfüllen, übergibt die gefertigte Redaction des officiellen Berichtes in der vorliegenden Form die einzelnen Sectionsberichte der Oeffentlichkeit und glaubt damit den Befuchern der Weltausftellung das Studium derfelben wefentlich zu erleichtern. Nur eine Bemerkung fei an diefer Stelle geftattet. Der vorliegende, wie jeder andere während der Weltausftellungs- Feier publicirte Bericht wird einen Theil des officiellen Berichtes bilden, welcher nach dem Schluffe der Weltausftellung als ein Ganzes erfcheinen und die wiffenfchaftlichen Refultate der Ausstellung für die Dauer erhalten foll. Diefs mag dem Lefer die ftiliftifche Form, in welcher bereits die Vergangenheit der Ausftellung angenommen ift, erklären. PROFESSOR DR. CARL TH. RICHTER, Chefredacteur des officiellen Berichtes. T HEERESBEKLEIDUNGSUND AUSRÜSTUNGSWESEN. ( Gruppe XVI, Section 1, a.) Bericht von CARL MAYER, k. k. Hauptmann des Monturdepot Nr. 4. Befremden mufs es, dafs unter allen Gebieten der Induftrie und des Handels, im Allgemeinen fo glänzend vertreten auf der Wiener Weltausftellung, dem unbeftreitbar einen nicht zu unterfchätzenden Factor der Nationalinduftrie bildenden Heeres- Bekleidungs- und Ausrüftungswefen ein fo geringes, die Abgabe eines vergleichenden Urtheiles befchränkendes Intereffe entgegengebracht wurde. Zur Begründung der Wichtigkeit des Gegenftandes vom induftriellen und commerciellen Gefichtspunkte wollen wir hier approximativ den jährlichen Bedarf an Materialien für das öfterreichifch- ungarifche Heer mit Ausfchlufs der einen eigenen Befchaffungsftatus bildenden Landwehr und Honveds, deren durchfchnittliches Erfordernifs einem Sechstel von dem des ftehenden Heeres gleichkommt, anführen. Die öfterreichiſch- ungarifche Armee bedarf: 740 000 Ellen Tuch, Leibelftoff, Bloufenftoff, 196.000 79 167.000 2,024.000 " " 9 Leinwand, 3. 355.000 481.000 " Calicot, Zwilch, 260.000 Strohfack- Leinwand, " 5.290 Centner Oberleder, 1.830 4.300 510 21 Terzenleder, Pfundleder, 79 5° Blankleder, juchtenartiges Oberleder 12.000 Stück rauhe Kalbfelle, 8.600 gefchwärzte Kalbfelle, 2 Carl Mayer. 2.500 Stück weifse Lammfelle, I.400 28.000 12.000 " " 99 6.000 " gefchwärzte Lammfelle, Feldflafchen mit Blechüberzug, Kochgefchirre und Cavallerie- Sättel; aufserdem eine bedeutende Ziffer von Kopfbedeckungen, Pofamentir- und Seilwerk- Sorten, Pionnier- Ausrüftungsgegenstände, ärztliche und Spitalserforderniffe u. f. w. Zu diefem Bedarfe kommt noch jener der Fuhrwefen- Material- Depots, zur Befchaffung der Ausrüftung des ganzen Armee- Trainwefens erforderlichen grofsen Quantitäten von Materialien, vorwiegend verfchiedene Ledergattungen, fowie jener der Zeugsartillerie hinzu. Das jährliche ordentliche Budget für Bekleidung, Ausrüftung und Betten forten varirt zwifchen 8 und 82 Millionen Gulden. Aus dem oben Angeführten läfst fich auf den Bedarf und deffen Geldwerth in aufsergewöhnlichen Verhältniffen, und aus den Bedürfniffen des von militärifcher Prunkfucht im Bekleidungswefen abfehenden Oefterreich auf das Erfordernifs anderer Staaten fchliefsen. Im Parifer Weltausftellungs- Berichte vom Jahre 1867 finden wir in diefer Richtung nichts als einen, den Uebergang von den fchwerfälligen, den gegenwärtigen Zeitverhältniffen nicht mehr entſprechenden, beftandenen Monturs commiffionen auf den gegenwärtigen Befchaffungsmodus anregenden Artikel, woraus fich fchliefsen läfst, dafs auch in Paris dem Heerwefen in diefer Beziehung nicht Rechnung getragen war, was aber bei der ungleich grofsartigeren Anlage der Wiener Weltausftellung billig vorausgefetzt werden konnte. Schon in Würdigung der fo oft bewahrheiteten Thatfache, dafs die Kriegsverwaltung, wenn gleich unter normalen Verhältniffen den Steuerzahlenden Rechnung tragend, die Armee- Erforderniffe der einheimifchen Induftrie entnimmt, was fich jedoch auf manche induftriearme Staaten felbft unter diefen Verhältniffen nur theilweife anwenden läfst; diefe volkswirthfchaftliche Rückficht aber bei dem Herannahen aufsergewöhnlicher Verhältniffe ihren Abfchlufs findet und der induftriereichfte Staat oft gezwungen ift, zur fchnelleren Befchaffung feiner Bedürfniffe fremde Quellen aufzufuchen, follte die Erfpriefslichkeit einleuchten, durch Vergegenwärtigung der grofsartigen Verhältniffe eine Beurtheilung und Vergleichung zu ermöglichen, hiedurch die vortheilhafteften Bezugsquellen der exceptionellen, im gewöhnlichen Verkehr im Grofsen und Ganzen nicht gangbaren Militär- Bekleidungs- und Ausrüftungsmateriale fchon im Frieden kennen zu lernen und Producenten mit Confumenten in Berührung zu bringen. Es ift dem Berichterstatter diefes Theiles nicht ein lückenhaftes, fondern ein überhaupt nur kargbebautes Feld für feine Beobachtungen auf der Wiener Weltausftellung geboten worden und die relativ einiges Intereffe bietenden Bemerkungen laffen fich in Folgendem zufammenfaffen: Herr Eduard Sachs, königlich preufsifcher Hoflieferant, ftellte auf unantaftbarer Höhe fünfzehn Figuren verfchiedener Waffengattungen des preufsifchen Heeres in einer Uniform ohne Rüftung aus. Den Sockel diefer Gruppe bildeten verfchiedene verglaste Fächer, welche Officiers- Equipirungsgegenstände enthielten. Demnach war kaum eine Beurtheilung der Farben zuläffig; eine Beurtheilung des für die Armee in Verwendung kommenden Materiales aber war ganz unmöglich. Das ruffifche Heer war repräfentirt durch fechs bekleidete, doch nicht ausgerüftete Figuren jener Regimenter, welche die Namen Seiner k. k. apoftolifchen Majeftät und der Herren Erzherzoge tragen. Ueberdiefs ftellte Herr A. K. Reim aus Petersburg, Fabrikant von Militär Equipirungsgegenftänden und wafferdichten( impermeablen) Geweben, noch einige Ausrüftungsftücke zur Schau, über deren wefentlichfte wir weiter unten einige Heeresbekleidungs- und Ausrüftungswefen. 3 Bemerkungen folgen laffen, ohne jedoch die Bürgfchaft übernehmen zu wollen, dafs diefe Sorten mit der in der kaiferlich ruffifchen Armee im Allgemeinen in Anwendung kommenden, fowohl bezüglich des Materiales als auch der Confection authentifch feien. Das Tuchmateriale der kaiferlich ruffifchen Armeeausftellung war im Allgemeinen von guter Qualität und gefälligem Ausfehen. Der naturgraue Hallinamantel für die gefammte Armee läfst gewifs nur eine kurzbemeffene Tragzeit vorausfetzen und mag die Zweckmäfsigkeit der Anwendung diefes fchweren Materiales nur durch klimatifche Verhältniffe gerechtfertigt erfcheinen. Die Leibeswäfche ift aus halbgebleichter grober Leinwand von fonft guter Qualität erzeugt. Sämmtliche Truppen haben hohe, bis an das Knie reichende und auch für Fufstruppen über das Beinkleid zu tragen eingerichtete, mit der Narbenfeite nach Aufsen gekehrte, nach vier Gröfsengattungen erzeugte Stiefel, von vorzüglich gutem Juchtenleder, wie es eben nur Rufsland, als ihm vorherrfchend eigenthümliches Fabricat, für feine Armee in Anwendung bringen kann, während die Einführung einer gleichen Fufsbekleidung für andere Armeen, in Anbetracht des Koftenpunktes, in die Rubrik der nicht leicht zu erfüllenden Wünſche gereiht werden mufs. Die Stiefel des ruffifchen mit denen des preufsifchen Heeres vergleichend, müffen wir den erfteren, abgefehen von dem befferen Materiale, vor letzteren auch bezüglich der Confection den Vorzug geben, da der Vorfufs derfelben eingewalkt und quer angeftofsen ift, während Preufsen fich der Zungen bedient, welche felbft bei der beftmöglichften Arbeit durch das Biegen diefes Theiles bei jedem Schritte, theils trennen, theils ausreifsen und fchwierige, nie nett zu erzielende Flickereien, beim Vorfchuhen, aber die Vergröfserung der Zunge, oder wohl gar das Abfchneiden des Zungenausfchnittes an der Röhre und Anwendung des eingewalkten Vorfchuhes bedingen. Ueberdiefs wird der Mehraufwand an Material für Zungenftiefel durch den Vortheil ihrer fchnelleren Confection bei Weitem nicht aufgewogen. Während Oefterreich nach kurzer Erprobung des Infanterie tornifters aus wafferdichtem Flachsgarn- Stoffe auf den alten, praktifchen, dauerhaften, den Abtheilungscommandanten auch bezüglich der inneren Oekonomie wertheften Kalbfell- Tornifter zurückgegriffen hat, fehen wir diefen aus der kaiferlich ruffifchen Ausrüftung verfchwunden und durch einen, von Herrn Reim ausgeftellten, den unfern freilich an Qualität weit übertreffenden, doch an Steifheit an einen hölzernen Kaften ftreifenden, aus fchwarz gefärbtem impermeablen Stoffe erzeugten Tornifter erfetzt. Der Brotfack ift aus gleichem Stoffe. Wie lange diefe Sorten und namentlich der fo viel gebogene und leicht fich zerknitternde Brotfack impermeabel bleiben, wäre erft durch den Gebrauch zu erproben. Ein ferner von A. K. Reim nebft ausführlicher, lobpreifender Befchreibung ausgeftellter Infanterietornifter, welcher alle Vortheile( feiner vielen unpraktifchen Nachtheile nicht zu gedenken) einer vom Kopfe bis zu den Knieen reichenden Liegerftätte im Felde bietet, gehört in die Reihe der extravaganten Projecte, wie wir deren auch fchon viele gefehen haben, und ift einer Discuffion umfoweniger werth, als derfelbe, bei einer Abtheilung in Erprobung genommen, nach dem Eingeftändniffe des Vertreters diefer Firma, bereits als unpraktiſch erkannt wurde. Zierlich ift das ruffifche Kochgefchirr von Kupfer pro Mann, die Be feftigung desfelben auf der Rückwand des Tornifterdeckels aber eine zu complicirte. Ueber die Zweckmäfsigkeit des Kochgefchirres pro Mann, respective über deffen Vorzüge vor jenem pro zwei Mann, enthalten wir uns der Beurtheilung. 4 Carl Mayer. Die Infanterie- Patronta fche unterfcheidet fich von der öfterreichischen Cavallerie- Patrontafche alten Syftems, abgefehen von ihrer Tragart, dadurch, dafs der Deckel an beiden Seiten mit eingeftochenem Schutzleder verfehen ift. Sie iſt zu feicht und entbehrt den wefentlichen, der öfterreichifchen Infanterie- Patrontafche eigenen Vortheil, dafs fich diefe bei geöffnetem Deckel fächerartig von felbft fchliefst und das Verlieren der Patronen verhindert. Schwedens Ausftellung beftand aus zwei Figuren, und zwar aus einem Infanteriften und einem Artilleriften; ferner aus einem Reitzeuge. Das Charakteriftifche der übrigens aus ftarkem Materiale erzeugten Monturen befteht in der fchwarzblauen Farbe, dem bloufenartigen Schnitte des Hintertheiles am Infanterie- Waffenrocke, mit in den Seitennähten desfelben verfenkten Schofstafchen, welches Kleidungsftück, als zwifchen Waffenrock und Bloufe liegend, nicht unpraktiſch ift; einer jedes militärifchen Abzeichens entbehrenden Pantalon von derfelben Farbe; den öfterreichifchen ähnlichen Schnürfchuhen, lichtblaue, csakoförmige Tuchkäppi mit geradem Schirme, blankem Metallfchilde und kurzem Rofsbufche. Der Artillerift trägt den enganliegenden, atillaartig fchwarzbefchnürten Waffenrock mit drei Reihen Compaffeln, fowohl im Sitze als auch an den Beinen mit Leder befetzte Pantalons und diefe nicht aufnehmende, mithin zwecklos hohe Stiefel. Der fchwarzberiemte Infanterietornifter aus rauhem Kalbfelle ift übermässig grofs, fo dafs der gerollte, über den Deckel gelegte und an den Seitenwänden befeftigte Mantel den Mann an Breite überragt und die Fühlung nur am Packe gefucht werden kann. Das Reitzeug ift viel zu complicirt und dürfte fchon des Koftenpunktes wegen keine Nachahmung finden. Die fchwere Stange mit langen Ober- und Unterbäumen läfst auf das Zurückſtehen der fchwedifchen Reiterei in der Abrichtung fchliefsen hinter dem in diefer Beziehung von anderen Armeen und, wir dürfen es wohl fagen, namentlich der öfterreichifchen, erreichten hohen Standpunkte. Der fo viel koftbares Materiale abforbirende Sattel entbehrt die, nebft einer guten Zäumung erforderliche Grundbedingnifs für eine gute Reiterei, die Tiefe des Sitzes. Der Prunk- Appendix in Geftalt einer Echabraque, hier aus dunkelblauem Tuche mit fchwarz gefärbter Leinwand gefüttert, gilt für die Cavallerie der nach dem Praktiſchen ftrebenden öfterreichifchen Armee als überwundener Standpunkt und wird ihrer hier nur defshalb Erwähnung gethan, weil hin und wieder noch einzelne Stimmen für die Wiederaufnahme diefes Deckmantels einer unordentlichen Packung, beziehungsweife der Bebürdung des Pferdes mit werthlofem Plunder, plaidiren. Soll die Echabraque den ihr aller Wahrfcheinlichkeit nach urfprünglich zugedachten Zweck erfüllen, fo mufs fie wafferdicht fein. Eine wafferdichte Echabraque aber macht die gegenwärtig angewendete koftfpielige Bekleidung des Sattels, fowie die theueren ledernen Packtornifter überflüffig, und es müfste nothwendig, wenigftens annäherungsweife auf das alte Reit- und Packzeug zurückgegriffen werden. Der öfterreichifche Sattel fowohl, als auch die Packtornifter find von folcher Befchaffenheit, dafs fie einer Schutzdecke gegen Näffe nicht benöthigen. Der übrigens damit zur Sprache gebrachte Uebelftand des Nafswerdens eines Theiles der Pferdedecke ift denn doch nicht ftichhältig, da diefe naffen Theile, wenn die Decke nach dem Abfatteln zum Schutze des Pferdes verwendet wird, diefes nicht zu berühren brauchen und fie, wenn nicht ſchneller, fo doch ebenfo fchnell trocknet, als eine bei abgefeffenem Reiter gründlich nafs Heeresbekleidungs- und Ausrüftungswefen. 5 gewordene Sattelhaut, falls nicht etwa der Mann noch früher durch den Genufs eines der Gefundheit fchädlichen und eben nicht behaglichen, nur langfam verdampfenden Sitzbades berufen war, das Trocknen wenigftens theilweife zu befördern. Nach langem, vergeblichem Suchen in den Abtheilungen anderer Staaten gelangte man nach dem in diefer Beziehung reichlich vertretenen Rumänien; doch ift felbft durch die getreulichfte Wiedergabe ebenfo wie das Umgehen einer Befchreibung diefer Ausftellung als Anwendung auf die Syfteme anderer Armeen nichts zu profitiren und nichts zu verlieren. Es erübrigt fonach noch die öfterreichifche Ausftellung der Gefellfchaft für Heeresausrüftung des Herrn Alfred Skene und Conforten. Diefe läfst fowohl in ihrer Vollständigkeit, dem einen leichten Ueberblick gewährenden Arrangement, der Muftermäfsigkeit fämmtlicher ausgeftellter Materialien und netten gediegenen Confection der fertigen Sorten nichts zu wünſchen übrig und dient der Firma als Zeugnifs ihrer Solidität. Die Lieferanten der kaiferlich königlichen Landwehr haben fich nicht bewogen gefunden, die Ausftellung zu befchicken, während jene der königlich ungarifchen Honveds mit einer fehr viel Raum einnehmenden, recht gut modellirten Reclame ziemlich demonftrativ auftraten. Das Materiale war im Allgemeinen von annehmbarer Befchaffenheit. Eigenthümlich, doch nicht national ift die Tragart des Säbels der Honvedcavallerie. Diefer ift bis an feinem unteren Tragring durch eine, vor der linken Kniepaufche der Sattelfitz Decke eingeftochene, breite Lederfchleife geführt und überdiefs durch einen am oberen Tragriemen angebrachten eifernen Haken am Packe des Pferdes befeftigt. Obgleich auch die Vorrichtung befteht, dafs der Reiter beim Verlaffen des Pferdes den Säbel in den Leibriemen einhaken kann, fo gibt es denn doch Momente, wo derfelbe von feinem unzertrennlichen Gefährten in den entfcheidenften Augenblicken feines Lebens" unwillkürlich, felbft unwiederbringlich getrennt werden und auf diefe Weife zugleich feine handgerechtefte Wehr verlieren kann. Doch wie dem unpraktifcheften Dinge faft immer eine praktiſche Seite abgenommen werden kann, fo wäre es hier allenfalls die der ungehinderten Bewegung beim ,, Abfitzen und zu Fufs Formiren". Nach der Betrachtung der, wie bereits erwähnt, fehr geringen Ausstellungsgegenftände fei eine kurze Betrachtung über die verfchiedenen Syfteme der militärifchen Bekleidung geftattet. Die Syfteme der Kopfbedeckungen werden durch Gewöhnung, Vorurtheile, wohl auch durch militärifche Prunkfucht, weniger durch Zweckmäfsigkeit, klimatifche Verhältniffe und praktifchen Sinn geregelt. Für Fufstruppen ift die leichtefte, doch gegen Sonnenftrahlen und Unwetter den meiften Schutz gewährende FeldKopfbedeckung die befte, während jene für Cavallerie, bei möglichfter Anftrebung der obigen Eigenfchaften, gegen den Hieb Schutz gewähren muſs. Nach unferem Erachten hat die öfterreichifche Feldkappe als Kopfbedeckung für Fufstruppen im Felde den Vorzug vor allen uns bekannten anderen. In ihrer Anwendung für Militärmonturen müffen wir im Allgemeinen eine dunkle, die Qualität des Materiales nicht fchädigende, gegen Sonnenftrahlen und Näffe widerftandsfähige Farbe allen hellen Schattirungen vorziehen, da fie die Maffen nicht fchon in grofser Entfernung kenntlich macht, nicht fo leicht fchmutzt und, wenn verunreinigt, fich leichter reinigen läfst. Bezüglich der Stärke des Materiales, worunter wir jedoch nicht deffen Dauerhaftigkeit verftanden wiffen wollen, welche unter allen Himmelsftrichen gleichmässig angeftrebt werden mufs, fowie des Schnittes der Bekleidungsstücke, 6 Carl Mayer. follten Rückficht für Klima, für freie bequeme Bewegung der Gliedmafsen und möglichftes Wohlbehagen des Mannes bei verfchiedener Witterung dem Schönheitsfinne unter allen Umftänden vorangehen. Da uns aufser der bereits befprochenen Leibwäfche der kaiferlich ruffifchen Armee eine andere zur Beurtheilung nicht zu Gebote ftand, fo haben wir nur der feit Kurzem in der öfterreichifchen Armee in Anwendung gekommenen Wäfche von unappretirtem Calicot zu erwähnen, welche nicht blofs in fanitärer Rückficht, fondern auch bezüglich der Güte und Dauerhaftigkeit des Materiales vor der ihr vorangegangenen Leinenwäfche von mittelmäfsigem, überdiefs oft fchon in der Appretur angegriffenem Materiale den Vorzug verdient. Auf die vitale Frage der verfchiedenen Fufsbekleidungs- Syfteme übergehend, wollen wir die Brauchbarkeit in heifser trockener Jahreszeit der Binfengeflecht- Sandalen Spaniens nicht anzweifeln, den Vortheil des leichteren Anziehens des durchnäfsten Schnürfchuhes vor dem der Stiefel nicht in Abrede ftellen, pflichten jedoch der in den verfchiedenen Armeen fich bahnbrechenden Annahme des Stiefels auch für Fufstruppen bei. Oefterreichs Kriegsverwaltung fteht im Begriffe, den praktifchen Weg des gemifchten Syftems von Schuhen und über das Beinkleid zum Tragen eingerichteten Stiefeln für Fufstruppen zu betreten. Nach unferem Dafürhalten follten die für fchlechtes Wetter beftimmten Stiefel der Fufstruppen ausfchliefslich mit Pfundfohlen erzeugt werden. Wir erachten es als undankbares, keine Früchte tragendes Thema, die verfchiedenen Syfteme der zwar nicht in der Weltausftellung, doch theilweife im Archive des kaiferlich königlichen Montur depots Nr. 4 in Wien vorliegenden Mannesrüftungen des Näheren zu beleuchten und die relativ geringen Vorzüge des einen vor dem anderen herzorzuheben, da die den verfchiedenen Armeen eigenthümliche Art der Bewaffnung, die Verfchiedenheit der Pionnier- Werkzeuge und fonftigen Feldgeräthe fchon an und für fich eine Verfchiedenheit der Rüftung und ihrer Tragart bedingen. Das anzuftrebende Ziel bleibt doch immer bei allen Syftemen die möglichft geringe Belaftung und bequemfte Tragart bei freiem Gebrauche der Glieder, verbunden mit der Sorgfalt für des Mannes Erhaltung und thunlichftes Wohlbefinden. Die praktifche Pferderüftung der öfterreichifchen Cavallerie, eine eigene nicht fremden Armeen entlehnte Schöpfung, befteht aus einer leichten Zäumung aus gefchwärztem Blankleder ohne Nafenriemen und Stirnkreuz. Durch die leichte Stange mit mässiger Zungenfreiheit, nur bezüglich der Maulbreite nach zwei Gröfsengattungen erzeugt, wurden die zahllofen ihr vorangegangenen Syfteme über Bord geworfen, über deren Anwendung für ehemalige Durchgeher, Nichtandiehandgeher, Bohrer und Sterngucker, Kopffchleuderer, Zungenblöcker u. f. w. fich der Abtheilungscommandant oft ernft den Kopf zerbrochen und auf die vermeintlich richtige Auswahl eines diefer Marter- Werkzeuge für das unbändige Thier fich etwas zu Gute halten durfte. Es wurde zugleich die veraltete irrige Annahme niedergeriffen, wornach die Mutter Natur fich in der Laune gefallen habe, ausfchliefslich in der Bildung des Pferdemaules ein latentes Spiel zu treiben, fowie längft der Beweis geliefert wurde, dafs das nur für den gebildeten Reiter Geltung haben follende Axiom die Hand ift die Stange" auch für den gemeinen Reiter feine Anwendung findet, wenn eine gediegene Dreffur vorangegangen. 99 Der öfterreichifche hölzerne Sattel der Cavallerie, feit neuerer Zeit mit Zwiefeln aus fchmiedbarem Gufseifen, welche jedoch nicht als Norm angenommen find, ift in der Form und den Dimenfionen des Sitzes für die ganze Waffe gleich gehalten, bezüglich einer mehr horizontalen oder fchrägeren Lage der Seitenblätter und Höhe der Kammer aber gemäfs den Abweichungen der Form des Pferderückens, nach vier Claffen erzeugt, wodurch bei richtiger Auswahl das Nachhelfen mittelft der Holzrafpel entfällt. Heeresbekleidungs- und Ausrüftungswefen. 7 Durch die geräumige Stellung der Zwiefeln, die gerundete Seitenform des Sitzleders, die mäfsige Polfterung zu beiden Seiten des Mitteltheiles der SattelSitzdecke, deren aus dem Kerne eines im Glanz geftofsenen Terzenleders von vorzüglicher Qualität gefchnittenen Tafchen und ihren Kniepaufchen, fteht diefer Sattel, abgefehen von einem leicht zu erzielenden gleichmäfsigen Sitze, an Bequemlichkeit dem englifchen Pritfchfattel wenig nach. Als Unterlage dient eine im Quadrat 56 Zoll meffende, vierfach zufammenzulegende weifse Wolldecke und, um den Sattel in feiner ihm angewiefenen Lage zu erhalten, je ein an den Seitenblättern befeftigtes, doch zum Herabnehmen eingerichtetes, 1 Zoll ftarkes Filzblatt. Die Ober- und Untergurte, das Vorderzeug, die Steigbügel- und Packriemen der Kochgefchirr- Tragriemen und der Stallhalfter- Anhängriemen find gleich dem Zaum aus fchwarzem Blankleder erzeugt und die Eifentheile der ganzen Pferderüftung verzinnt, wodurch die Reinigung eine einfache, wenig Zeit in Anfpruch nehmende ift. So verfchiedenartig die Bekleidung und Ausrüftung der Heere, fo mannigfach ift die Art der Befchaffung ihrer Bedürfniffe. Während z. B. Preufsen nur die Einlieferung von Tuchmaterialien, der Cüraffe und Kochgefchirre an die Bemontirungsdepots unter directer Beauffichtigung der Kriegsverwaltung für opportun hält und alles Uebrige den Truppen paufchalirt; Rufsland, England und Italien ihre Bedürfniffe theils durch Erzeugung in eigenen Werkſtätten, theils durch die Privatinduftrie decken: hat die öfterreichifche Kriegsverwaltung ihr Gefammterfordernifs an Bemontirungs- und Ausrüftungsgegenständen in die Hände einer, über bedeutende Capitalien und diefen entſprechende Arbeitskräfte verfügende Gefellſchaft gelegt. Die von diefer Gefellſchaft erlegte Caution befteht in einer grofsen, den Werth von 3 Millionen Gulden repräfentirenden Anzahl fertiger Sorten, welche bei den Montur- Verwaltungsanftalten deponirt find und der Heeresverwaltung als Kriegsreferve- Vorrath zur Verfügung stehen. Ihre mit Mafchinen neuefter Conftruction ausgeftatteten Tuch-, Wollftoffund Calicotfabriken find im Stande, ungleich mehr Material zu erzeugen, als der normale Jahresbedarf erheifcht, fowie deren gut eingerichtete, mechanifche Werkstätte zu Wien ihrer Aufgabe nicht nur ftets rechtzeitig entfprochen hat, fondern oft in die Lage verfetzt war, einen grofsen Theil ihres Perfonales wegen Mangels an Arbeit zeitlich zu entlaffen. Durch die von fachkundigen Militärorganen ausgeübte Controle der zur Verarbeitung gelangenden Rohmateriale, fowie der Infpicirung der Fabriken und unausgefetzten Ueberwachung der Confectionsanftalten wird die endgiltige Uebernahme der fertigen Sorten wefentlich erleichtert und befchleunigt, und ift zugleich der Kriegsverwaltung hiedurch eine genügende Garantie gegen Uebervortheilung geboten. Schliefslich erwähnen wir der öfterreichifchen Armee- Organiſation, infoweit diefe die fchnellere Bekleidung und Ausrüftung berührt. Die Truppen find, mit Ausnahme der aus allen Theilen der Monarchie fich recrutirenden Artillerie und der Specialwaffen, fowie jener Regimenter, welche die Garnifonen gröfserer Städte und Plätze bilden, grundfätzlich in ihren Ergänzungsbezirken mit den die Augmentationsvorräthe aufbewahrenden Refervecommanden und Depotkörpern entweder unmittelbar vereint, oder in ihrer Nähe untergebracht, wodurch die Aufftellung der Augmentationen binnen wenigen Tagen bewerkstelligt fein kann. Die Augmentationsvorräthe der Artillerie, der Specialwaffen und des Trainwefens erliegen bei deren Stammkörpern, fowie jene der Heeresanftalten bei diefen felbft aufbewahrt werden. Zum Schluffe fei die Anmerkung geftattet, dafs eine nächfte Weltausstellung die vorliegende Frage nicht unterfchätzen möge. Das gefammte Heereswefen bildet einen bedeutenden Factor für die ganze wirthfchaftliche Production. DAS HEERES- VERPFLEGSWESEN. ( Gruppe XVI, Section 1, b.) Bericht von ALEXANDER POPPOVIĆ. k. k. Militär- Unter- Intendant. EINLEITUNG. Die Wiener Weltausftellung hat für das grofse und wichtige Gebiet des Heeres- Verpflegswefens nur einzelne Gegenftände und Behelfe gebracht. Das ganze grofse Gebiet war nirgends zur Ausftellung gekommen und Niemand konnte in den grofsen Räumen der Ausftellung ein Bild von dem finden, was für das Wohl und die Gefundheit von jenen Taufenden gefchaffen ift, die für das Vaterland ihr Blut opfern. Es fei geftattet, in diefen einleitenden Bemerkungen wenigftens eine Skizze von dem Syftem der öfterreichifchen Heeresverpflegung zu geben, um dem Lefer, der ferne der Sache fteht, die grofse Bedeutung der Frage näher zu bringen. Das Syftem, nach welchem die Naturalienverpflegung der k. k. Truppen der öfterreichiſch- ungarifchen Monarchie beforgt wird, ift in der Hauptanlage die eigene Regie; alle nebenlaufenden Verpflegsarten find entweder Conceffionen und Abhilfen, welche aus ökonomifchen oder localen Rückfichten eintreten, wie die Begebung der Truppenverpflegung in Pacht, oder aber Kriegs- Mafsregeln, wie die directen Requifitionen. Die eigene Regie mufs im grofsen Ganzen als Regel aufrecht erhalten werden, weil fie die ficherfte Gewähr für die Ernährung von Mann und Pferd im Kriege bietet. Diefes Syftem ift jenes Mittel, das der Heeresorganifation und Kriegsführung den unentbehrlichen, in das Gefüge desfelben paffenden Verpflegungsapparat, beftehend aus Perfonen und Einrichtungen, von langer Hand her derart übt, kriegstüchtig organifirt und disciplinirt, dafs bei eintretendem Kriege der Uebergang aus dem Friedens- in den Felddienft mit der möglichft geringen Störung fofort durchführbar fei. Auf diefer, in der möglichften Kürze fkizzirten Bafis im Vereine mit den ökonomifchen Intereffen, find auf verfchiedenen, theils ftrategifchen, theils Handelspunkten Militär- Verpflegsmagazine errichtet, welche im Frieden für die Truppenverpflegung zu forgen haben, im Kriege aber zum grofsen Theile Bafispunkte für den Nachfchub zur Verpflegung der Armee im Felde bilden. Das Heeres- Verpflegswefen. 9 Die Militär- Verpflegsmagazine find demnach Anftalten zur Ausbildung des Beamten- und Handwerker- Perfonals, zur Befchaffung, Verwahrung, Verarbeitung, Verabreichung und Verrechnung des Geldes, der Naturalien, Victualien, Getränke, Materialien und Geräthfchaften, zur Verwahrung und Activirung der Feldbäckereien, Schlächtereien, der Colonnen und Feld- Verpflegsmagazine, endlich führen die Verpflegsmagazine zum gröfsten Theile noch nebenbei die Verwaltung der MilitärBettenmagazine. Das Vorausgefchickte foll den Ausgangspunkt bilden, nach welchem die darauf Bezug habenden wenigen Objecte der Wiener Weltausftellung rückfichtlich der Verwendbarkeit im Frieden und im Kriege zur Befprechung gelangen follen. Der Berichterstatter mufs fich dabei befchränken, die fein Fach berührenden Objecte nur im Allgemeinen zu befprechen, da demfelben nicht möglich gewefen, die Gegenftände zu erproben. Geräthe und Maſchinen. Der Kornfpeicher( le grenier conservateur) des Herrn M. Pavy ift fenkrecht und rund aus Doppelziegeln( brique à conjonction) gebaut und kann je nach Bedarf gröfser und kleiner aufgeführt werden. Der in Thurmform gebaute Speicher ift mit einem leichten Dache ein gedeckt. Zu der Herdfohle führt eine Thür. In der Manneshöhe beiläufig ift der Thurm mit einem trichterförmigen Boden abgefchloffen. Die Füllung des Speichers gefchieht von oben mittelft eines Aufzuges, die Einrichtung für das Auslaufen des Getreides ift an dem Trichter unten angebracht Der Raum unter dem Trichter gehört für die Manipulation des Einfackens etc An der Seite des Thurmes ift eine Scala angebracht, welche den Inhalt der Menge anzeigt. Die Vortheile find die, dafs der Thurm bei felbftverftändlich zur Hand befindlichen Dippelziegeln-fehr fchnell aufgeführt werden kann und feuerficher ift, dafs das Getreide darin fich gut confervirt, nicht erwärmt und vor WippelAnfrafs gefchützt wird. Für Oekonomen oder auch Gefchäftsleute, welche Magazine regelmäfsig für Getreide- Aufbewahrung bedürfen, mögen diefe Speicher vortheilhaft fein, für die Militärverwaltung find jedoch jene Magazine vortheilhafter, in welche je nach dem wechfelnden Umfange des Gefchäftes aufser ausgefchüttetem Getreide auch Mehl und andere bereits in Säcken und Fäffern befindliche Naturalien hinterlegt werden können. Mahlmühlen. Das k. k. Kriegsminifterium fchafft grundfätzlich Körner an, was zum Zwecke der Unterhaltung gröfserer Brotmaterial- Vorräthe für längere Zeit und wegen Gewinnung von Dauermehl, wozu die Verficherung gehört, dafs nur vollkommen gefunde, trockene und gereinigte Frucht zum Mahlen verwendet wird, vollkommen gerechtfertigt, gleichfalls aber auch von ökonomifcher Seite begründet erfcheint, da bisher die Geftehungskoften des auf diefem Wege gewonnenen Mehles in der Regel unter dem Marktpreife ftanden. Mit dem Einkauf der Frucht ift aber die Abficht nicht durchgeführt, denn die Vermahlung der Körner gefchieht aufser Haus bei Mahlmüllern. Wer in diefes Fach einigen Einblick gewonnen hat, wird gerne zugeben, dafs die Controle der Vermahlung, welche mitunter weit entfernt vom Magazine oder mitten in Flüffen betrieben wird, fehr fchwer durchführbar ift, dafs daher der Zweck, ein entſprechend gutes Mehl aus der gekauften Frucht zu gewinnen, bei der Lohnmahlerei vereitelt werden kann. Es kann nicht in Abrede geftellt werden, dafs aus einem niederen Getreide ein verhältnifsmäfsig gutes, durch fleifsige Arbeit ein befferes und entgegengesetzt aus einem Getreide befferer Qualität bei Unredlichkeit oder auch fchleuderhafter 10 Alexander Poppović. und gejagter Arbeit ein nicht verhältnifsmäfsig gutes Mehl abgeliefert werden kann; es hängt diefs nicht nur von der Gewiffenhaftigkeit und Redlichkeit des Lohnmüllers, welcher in diefer Eigenfchaft die Steigerung feines Gewinnes nicht in der Production einer befferen Qualität, fondern in der Ergiebigkeit der Productionsmenge fuchen kann, fondern auch von der Einrichtung feiner Mühle, von der Verläfslichkeit feines Perfonals und fo weiter ab. Es darf diefs nicht etwa als eine der öfterreichifchen Militärverwaltung adhärirende Engherzigkeit angefehen werden, denn auch in anderen Staaten und namentlich in England wird das für Zwieback erforderliche Mehl auf eigenen Mühlen erzeugt, um gegen alle Uebelſtände(!) gefichert zu fein. Der Gewinn eines befferen Mehles ift aber eine Grundbedingung für eine beffere Brotqualität, welche die Militäradminiftration fchon überhaupt. anftrebt, insbefondere aber in Wahrnehmung des fich allenthalben verfeinerten Gefchmakes und der hieraus refultirenden höheren Anforderungen zu befchleunigen gedrängt wird. Allein nicht nur in Hinblick auf die Friedens-, fondern auch auf die Verpflegung im Kriege mufs die Vermahlung in Anfchlag gebracht werden. Die Kriegsverhältniffe find fo unvorhergefehen, dafs nicht nur das Wahrfcheinliche, fondern auch das Mögliche( Denkbare) ins Auge gefasst werden mufs; es könnte fonach der Kriegs- Schauplatz( die Armee) von der Bafirung, das ift von den Hilfsquellen des eigenen Landes, welches die materiellen Bedingungen der Exiftenz und Schlagfertigkeit der Armee enthalten foll, fo weit entfernt fein, dafs die Ernährung aus dem feindlichen Lande- was ja auch grundfätzlich zu gefchehen hat oder aus intermediären auf der Operationslinie gelegenen Punkten beffer, oder mindeſtens aushilfsweife beftritten werden würde. Aus Erfahrung ift bekannt, dafs felbft die an Getreide fehr reichen Länder für die unmittelbare Verpflegung der Armee oft wenig Nutzen bringen; dagegen wäre die Ausnützung des Getreidereichthums dann möglich, wenn die Mittel zur Vermahlung- Mühlen zu Gebote ftünden. - Dafs aber auf diefe in vielen Fällen in occupirten Ländern nicht gerechnet werden kann, könnte leicht erläutert werden. Es können fonach eigene Mühlen auch für die operirende Armee nothwendig fein. In analoger Weife erfcheint die Einrichtung der Feftungen mit Mühlen, welche leicht in Cafematten untergebracht werden können, zweckmäfsig, weil es leicht vorkommen kann, dafs der Feftung wohl noch rechtzeitig Getreide, aber kein fertiges Mehl zur Approvifionirung zugeführt werden kann, ohne dafs die Vermahlung aufserhalb des Feftungsrayons durchführbar fei. Wenn auch die gute und geficherte Verpflegung des Heeres unter allen Umftänden in erfter Linie ftehen mufs, fo dürfen mit diefem auch die ökonomifchen Intereffen nicht collidiren. Von diefen mehrfachen Standpunkten find die ausgeftellten Mühlen der Beachtung unterzogen worden. Dafs die Arbeitsleiftung, fonach auch die Lohnmahlerei fich anfteigend vertheuert, ift notorifch und dafs eine Mühle, zweckmäfsig conftruirt und rationell befchäftigt, auf der Bafis eines geficherten, regelmässigen Abfatzes der Mahlproducte fich ausbezahlt, dürfte nicht zu bezweifeln fein, könnte übrigens durch Beifchaffung und Betrieb einer eingängigen, keine grofse Anlagekoften erfordernden Mühle erprobt werden. In überrafchender Weife fchienen alle Ausfteller von einer ähnlichen Idee geleitet worden zu fein, denn alle ausgeftellten Mühlen befafsen die übereinftimmenden Vorzüge, dafs fie einfach conftruirt, daher leicht, ohne Kunft, auch nur mit gewöhnlicher Fachkunde behandelt zu werden brauchen, dafs fie ein eigenes Mahlhaus nicht erfordern, überall in gedeckten Räumen ohne grofse Fundamentirungen aufgeftellt, zerlegt, transportirt, mit beliebigen Motoren Dampfmaschine - - Das Heeres- Verpflegswefen. 11 oder Locomobile eventuell auch mit Göpel angetrieben und um mäfsigen Preis angekauft werden können. Diefe Uebereinftimmung in den Principien dürfte als eine Erkenntnifs des vielfältigften Bedürfniffes und als ein Hinweis gedeutet werden können, wo der Vortheil des Fabrikanten mit dem des Confumenten zufammenfällt, und vielleicht auch der Militärverwaltung zur Anregung dienen, die Anfchaffung folcher Mühlen in Combination zu ziehen, wobei mit Rückficht auf die eventuelle Benützung im Felde mit Göpelantrieb fich die eingängigen, jedoch fo conftruirten Mühlen empfehlen würden, welche blofs durch Verkuppelung oder Verlängerung der Antriebswelle verbunden für gewöhnlichen Gebrauch durch einen Dampfmotor getrieben werden können. Da in diefem Berichte fo viel wie möglich zu vermeiden gefucht wird, Firmen zu citiren oder anzuempfehlen, fo wird nur noch erwähnt, dafs die ausgeftellten Mühlen ein- und zweigängig, mit und ohne Sortirkaften( Mahlkaften mit Beutel- oder Cylindervorrichtung), auf eifernen, hölzernen Geftellen und auf dem Wagen zum Antrieb mit 4, beziehungsweife 8 bis 10 Pferdekraft und zumeift beftechend fchön conftruirt waren. Zumeift waren es franzöfiche Steine, mit welchen fie verfehen waren, oder zu verfehen wären, und zwar mit Durchmeffern von 36 bis 48 Zoll. In Verbindung mit den Mühlen muss noch der folgenden Geräthfchaften gedacht werden. Ob die Mühle mit Dampf( Dampfmafchine oder Locomobile), mit Wafferkraft oder Göpel( mit Pferden) angetrieben werden folle, hängt von den localen Verhältniffen, von der Höhe der erforderlichen Kraft und vom Calcul der Ausnützung, ob nämlich die Mühle eine beftändige oder nur eine zeitweilige Befchäftigung findet, ab. Der Antrieb der Mühle mit Dampf empfiehlt fich wegen feiner conftanten und höheren Kraft, zufolge deffen ein befferes Product und eine gröfsere Ergiebigkeit erzielt werden kann. Mit faft gleichem Vortheile kann die Wafferkraft, natürlich dort wo fie geboten ift, angewendet werden. Für den Betrieb mit Göpel wären nur die eingängigen Mühlen verwendbar und würde fich diefer Motor nur mit Rückficht auf die Einrichtung für die Verwendung bei der Armee( jedoch nicht unbedingt) und für folche Garnifonsorte empfehlen, wo die Mühle keine ununterbrochene Befchäftigung findet, demnach die Pferde zur Zufuhr des Getreides, zur Ueberführung von Holz, Stroh und dergl. Locodienft mit Vortheil verwendet werden könnten; und fchliefslich hat der Betrieb mit Göpel noch einigen Vortheil darin, dafs die Kenntnifs der Dampfmafchine oder Locomobil- Behandlung überflüffig wird und das Mahlwerk mit mehr Beruhigung dem Verpflegs- Handwerkerperfonale anvertraut werden kann. In jenen Fällen, wo eine Dampfmafchine Befchäftigung findet, wird fich übrigens die Befoldung eines geprüften Heizers, wenn er auch aus dem Civile aufgenommen werden müfste, müfste, aller Wahrfcheinlichkeit nach auch lohnen. Verhältnifsmässig hatten die Fabriken in der öfterreichiſch ungarifchen Monarchie die meiſten Göpelvorrichtungen mit einfachen und doppelten Ueberfetzungen für ein bis fechs Pferde ausgeftellt. Erwähnt mufs noch werden der patentirte Schraubengöpel, mit Eifen oder Holz zu fundamentiren, welcher vermöge feiner fehr einfachen und compendiöfen Conftruction und leichter Transportabilität bei fonft entſprechenden Eigenfchaften fich empfiehlt. Das Locomobil, welches wie oben gedacht wurde, zum Antrieb der Mühle verwendet werden kann, wäre beffer als der Göpel, wo es die localen Verhältniffe geftatten, da es auch bei Aufzügen, beim Waffer- Pumpwerk, zum Antrieb grofser Getreide- Putzmafchinen u. dergl. mehr in den Magazinen verwendbar. 12 Alexander Poppović. Frucht- Schälmafchine. Zu den wirkfamften Getreide Reinigungsmafchinen gehören die Frucht- Schälmafchinen. Das Princip diefer Mafchinen beruht auf der Centrifugalkraft, in Folge` welcher fich die Körner unter fich an der Wandung des Cylinders oder je nach Conftruction auch noch an einer im Cylinder rotirenden Einrichtung abreiben. Diefe Mafchine ift für das Verpflegswefen von Bedeutung, aber der MilitärVerwaltung nicht unbekannt, und es würde fich im Falle des Bedarfes nur darum handeln, die Vorzüglichkeit der einen und der anderen Mafchine, wie fie ohne befonders Neues zu bieten auf der Ausftellung zu fehen waren, zu erproben. Backöfen. Seit geraumer Zeit ift bei dem Bückergewerbe das Bedürfnifs nach dem Befitze eines Backofens fühlbar geworden, welcher die Beheizung mit Brennholz, das von Jahr zu Jahr im Preife fteigt, entbehrlich macht, mehr Reinlichkeit, als diefs mit der Beheizung im Innern des Ofenraumes möglich ift, geftattet, dann Erleichterung der Arbeit und Steigerung der Ergiebigkeit gewährt. Die bisherigen Reconftructionen der alten Oefen haben, namentlich in Bezug auf die Verwendung der foffilen Kohle ftatt Holz, eine theilweife Abhilfe geboten, und find folche in den Militärbäckereien zumeift auch adoptirt worden. Jene Oefen aber, welche befonders ins Auge gefafst wurden, die mit continuirlicher Heitzung aufserhalb des Ofenraumes, haben fich in ihren bisherigen Conftructionen bei uns noch nicht bewährt, weil fie bei einigen Vortheilen nicht zugleich die Vorzüge befitzen, ein vollkommen gutes Gebäck zu liefern. Diefer Umftand dürfte feine Illuftration darin gefunden haben, dafs die Wiener Bäckergenoffenfchaft für die Erfindung eines zweckmäfsigen Ofens einen Preis ausgefchrieben hat, und dafs der Hof- Bäckermeifter Roman Uhl, welcher felbft umfaffende Studien über die Herftellung eines zweckmäfsigeren Ofens machte, und um die bekannte vorzügliche Qualität der Erzeugniffe des Wiener Bäckereigewerbes auf dem Ausftellungsplatze würdig zu repräfentiren, fich eines altartigen Ofens bedient hat. Den Anforderungen, welche von der Militär Verpflegsadminiftration geftellt werden, reihen fich natürlich jene des Privaten an; es werden möglichft einfache, dabei folide Conftruction, mässige Herftellungskoften( Aufbau und Inftandhaltung), leichte Behandlung des Ofens mit erleichterter Arbeit, Erfparnifs an Beheizungs- und Backungskoften und grofse Ergiebigkeit bei tadellofer Qualität des Erzeugniffes angeftrebt. Kunftöfen, welche diefe Vorzüge befitzen, werden daher gerne adoptirt, dennoch dürfte die Militäradminiftration kaum die altartigen Oefen mit innerer Heizung ganz auflaffen, fondern noch einzelne, in gröfseren Garnifonen zur Inftruction über die Behandlung der den altartigen homogenen Feldöfen behalten, weil die hiezu erforderliche handwerksmäfsige Fertigkeit in der Ausheizung, im Broteinfchiefsen und Ausbacken mit Stangen, von den Handwerkern aus der Civilbäckerei, bei welchen die Oefen in der Regel viel kleiner, das Gebäck nach Material und Maffe ein anderes ift, nicht mitgebracht wird. In wie weit nun die ausgeftellten Oefen, beziehungsweife Modelle, den vorerwähnt geftellten Anforderungen entſprechen, kann ohne vorhergegangene Erprobung nicht angegeben werden. Diefelben find: Der Backofen des Herrn Carl Hail finger. Er ift aus Eifenconftruction( Backmulde aus Eifenblech), wird continuirlich von rückwärts mit befferer Steinkohle geheizt, die Herdfohle ift circa 12 Schuh lang und nahe ebenfo breit, für die Regelung der Schwelle ift eine eigene Vorrichtung getroffen, das Einfchliefsen und Ausbacken gefchieht in der bisher üblichen Weife und das Gebäck ift fchön. Zeichnungen oder nähere Erklärungen waren nicht beigegeben, daher darüber mehr nicht berichtet werden kann. Uebrigens hat das k. k. Reichs- Kriegsminifterium Backproben auf diefem Ofen bereits eingeleitet, die Refultate werden mafsgebend werden. Das Heeres- Verpflegswefen. 13 Nebenbei wird verzeichnet, dafs in der Bäckerei des genannten Ausftellers eine Teig Theilungsmafchine in Thätigkeit ift, welche Stücke in gleiche Theile für die Weifsbäckerei theilt und das Auswägen erfpart. Diefe Mafchine ift nur für ganz trockenė Teige und nur für Theilung in kleine Stücke, etwa bei der Fabrication des Zwiebackes in 14pfündigen Flecken, nicht aber für die gelinderen Teige aus Roggenmehl für Brot geeignet. Uebrigens hängt es von einer Erprobung ab, bei welcher auch wahrzunehmen wäre, ob diefe Mafchine auch genau theilt und nicht der Willkür der Arbeiter einen Spielraum überläfst. Das Modell des Röhrenbackofens mit HochdruckWafferheizung der Herren W. A. F. Wieghorft& Sohn. Diefer Ofen zog die Aufmerkfamkeit wegen feiner befonderen Conftruction auf fich, aufserdem durch den Umftand, dais nach erhaltener Mittheilung davon fchon über 300 Oefen theils bereits aufgeftellt ftehen, theils projectirt find. Aufser Deutfchland, wo fie namentlich in den Militärbäckereien eingeführt wurden, fanden diefe Oefen in Rufsland, Belgien, Italien, England, Dänemark, Schweiz, auch in Oefterreich( Teplitz, Zbirow und Eger) bereits Eingang. Der Ofen hat die gewöhnliche Form. In dem inneren Raume find dreifsig untere und dreifsig obere, zum Theil mit Waffer gefüllte, an beiden Enden gut gefchweifste Röhren eingezogen, welche frei vom Herd, beziehungsweife vom Gewölbe, abftehen. Zwifchen den beiden Röhrenfchichten liegt eine bewegliche Backplatte, welche auf der innen angebrachten und auf der Stirnfeite in den BackküchenRaum verlängerten Eifenbahn hinein und herausgefchoben werden kann. Die Beheizung gefchieht von rückwärts. Die Vortheile, die diefer Ofen bietet, find, dafs Staub, Afche und Rauch in den Backraum nicht dringen, dafs der Teig aus freier Hand auf die Backplatte aufgelegt werden kann, dadurch aber der Flächenraum ohne Anfchufs, der Laibe beffer ausgenützt und der Aufwand für das Leuchtfeuer beim Mundloch, für Ofenfchieber, Krücken und Stangen erfpart wird, dafs durch die continuirliche He zung die Backungen ohne grofse Intervallen auf einander folgen können, daher eine fehr hohe Ergiebigkeit( 18 bis 20 Backungen in 24 Stunden an Brot im Teige zu 58 Loth Wiener Gewicht) erzielt werden kann, dafs fchliefslich jedes Brennmateriale zur Beheizung benützbar ift. Ein folcher Ofen kommt, ausgenommen die etwa nöthige Fundamentirung und der Schornftein( gewöhnlicher Küchenfchornftein), auf 1500 Thaler, nach Umftänden vielleicht auf weniger zu ftehen. Nähere Details und Zeichnung hat fich der Ausfteller vorbehalten. Das Modell eines Backofens von Herrn Carl Egle Dürnholz. Diefes zeigt einen Ofen aus Ziegeln, gebaut zur Beheizung vom Mundloche im Backraume. Derfelbe mag feine Vorzüge haben, es dürfte jedoch die Militärverwaltung darauf nicht reflectiren, weil die Oefen mit der Beheizung von Aufsen erwünſchter find, und weil anderfeits der ausgeftellte Ofen auch für die Verwendung im Felde ob feiner mit Zügen unter der Herdfohle complicirter und nicht begreiflicher Bauart und wegen der Menge an erforderlichem Baumaterial nicht praktiſch erfcheint. Das Modell des Herrn Enrico Manzoni aus Rom zeigte einen aus feuerfeftem Material gebauten zweietagigen Ofen. Die Beheizung ift continuirlich, gefchieht in der Mitte der Langfeite unter der Sohle der erften Etage, und kann ebenfo gut mit Holz als mit Kohle gefchehen. Aus der Heizkammer rückwärts führen nach der linken und rechten Hälfte des Ofens Füchfe( Canäle), durch welche die Feuergafe in die ganz um den Ofen circulirenden Züge geleitet werden und in einem Rauchfange ausmünden. 2 14 Alexander Poppović. Die Circulation der Hitze, beziehungsweife Verftärkung und Dämpfung, wird mit zwei Klappen von aufsen leicht handlich geregelt. Statt der gewöhnlichen Herde find in der unteren und oberen Etage an der Wand Geleife angebracht, auf welchen die mit Brot belegten, mit kleinen Rädern verfehenen Hurden aus Eifendraht Gewebe( 3 bis 4) in den Ofen hineingerollt werden. Ift der Ofen mit Brot belegt, fo werden die herabgelaffenen eifernen Thüren gefchloffen. Wenn das Brot gebacken ift, werden die Hurden mit dem Brote, jedoch von der entgegengefetzten Seite, welche der anderen ganz gleich conftruirt ift. herausgerollt und das Brot abgeräumt; darauf kann der Ofen wieder mit frischem Teige befchickt werden. Der Ofen ift mit einem Pyrometer und einem eingemauerten Keffel zum Wärmen des nöthigen Waffers verfehen. Ohne praktifchen Verfuch kann füglich ein Urtheil nicht leicht geäufsert werden, es hat jedoch die Militärverwaltung mit etagirten Oefen keine günftigen Refultate erzielt, daher von vorneher wohl ein Vertrauen dem vorbefchriebenen Von diefen Oefen foll einer in Modelle nicht entgegengebracht werden kann. Florenz und einer in Malta im Gebrauche fein. Der Heifswaffer- Feld- Backofen des Herrn Joh. Haag in Augsburg. Der Ofen ift zweitheilig feft an dem Wagengeftelle angemacht. Die Beheizung gefchieht nach dem Principe wie beim Wieghorft'fchen Ofen durch 38 Röhren, welche zum Theile mit Waffer gefüllt find und mit einem Ende in den Feuerraum, welcher in der Mitte des Wagens fich befindet, hineinragen. Derfelbe foll nach der Befchreibung in einer Stunde 48 Brotlaibe à 4 Pfund backen. Zur näheren Beurtheilung der Zweckmäfsigkeit diefes Ofens müfsten Backproben vorgenommen werden; foll aber die Intention beftehen, die Bereitung des Brotes auch während der Bewegung zu bewirken, fo dürfte die Conftruction als verfehlt angefehen werden, weil die Teigbereitung an Bedingungen geknüpft ift, die nur während des Stillftandes erfüllbar find. Da ferner zu jedem folchen Ofen noch ein Wagen für die Fortbringung der Bäckereigeräthfchaften nothwendig ift, fo würden diefe Art Oefen den Train vergröfsern, und für die in der öfterreichifchen Armee eingeführten Feld- Backöfen zu 4 Stück fammt allem Bäckereigeräthe und Zelten doch nur zwei Wagen er forderlich find. Darrapparat. Bei der Fabrication der Nahrungsmittel- Conferven werden für trockene Conferven Darröfen, wie diefs beim Militär- Verpflegsmagazine in Wien der Fall ift, benöthigt. Aus diefem Anlasse wird der„ Neuverbefferte, continuirlich arbeitende, mechanifche Darrapparat für Malz, Getreide, Hopfen, Obft etc. Syftem: Jofef Gečmen, New- York", in den gegenwärtigen Bericht aufgenommen mit dem Beifügen, dafs, und namentlich bezüglich der Darrhorden, eine Adaptirung des Apparates für die fpeciellen Zwecke noth wendig wäre. Die Vortheile, welche dem Apparate beigelegt werden, find folgende: Der Apparat arbeitet ganz rationell, infoferne er das Darrgut ganz allmälig einer fteigenden Temperatur zuführt. Der Flächenraum, welchen derfelbe einnimmt, beträgt nur circa 115 der früher üblichen Darren, oder 1/10 des Flächenraumes, welchen Doppeldarren beanfpruchen. Das Wenden wird von dem Apparate vollſtändig und in einer kräftigen Weife bewirkt, fo dafs die Entftehung eines verfchiedenfarbigen Productes gar nicht vorkommen kann. Das Heeres Verpflegswefen Der Apparat vermeidet jeden Verluft. Die Erfparnifs koftfpieliger Arbeitskräfte. 15 Aufserordentliche Leiftungsfähigkeit und grofse Brennmaterial- Erfparnifs. Vermeidung jeder Feuersgefahr. Aufserordentliche Dauerhaftigkeit der Darrhorden. Einfache Conftruction und ein allen genannten Vortheilen entsprechender billiger Preis. Von Kochküchen war vorhanden: Das Modell einer CentralKochküche von den Herren Holdorff& Brückner. " Ueberall dort, wo eine gemeinfcftaftliche Zubereitung der regelmässigen Mahlzeiten für eine gröfsere Anzahl von Perfonen erforderlich ift, namentlich alfo in öffentlichen Anftalten aller Art, in Spitälern, Strafanſtalten, Gefängniffen, in Kafernen, Volksküchen, ferner in Hotels und unter gewiffen Umftänden auch für Privat- Haushaltungen bietet die Anlage von Dampf Kochküchen die gröfstmöglichften Vortheile und Annehmlichkeiten; dazu kommt der Umftand, dafs in den weitaus meiften Fällen derartige Gebäude bereits mit irgend einer Dampfkeffel- Anlage für die übrigen Bedürfniffe des Haufes verfehen find, wodurch die Anlagekoften der Kochküche bedeutend reducirt werden und die Benützung des Dampfes zu jeder Zeit ohne vorheriges Anheizen, ohne befondere Bedienung der Keffelanlage durch einfaches Oeffnen eines Dampfventils ermöglicht ift. Kommt es alfo auf ſchnelle Herſtellung und Zubereitung an, fo kann kein anderes Kochfyftem mit den Dampfküchen concurriren; der in Verwendung ftehende Dampf ift im Stande, innerhalb weniger Minuten die gewünſchte Temperatur zu erzielen, diefelbe beliebig lange auf der Höhe zu erhalten und nach beendigtem Kochproceffe läfst er die Speifen ſchnell auf die Temperatur finken, welche für den Gebrauch geeignet ift, durch die mehr oder weniger geöffnete Stellung des Dampfventiles vollkommen regulirbar. Alle Verzögerungen zum Anheizen des Feuers fallen fort, die Feuerungsftelle liegt aufserhalb des Kochraumes, dadurch wird jedweder läftige Rauch, Staub und Afche vermieden und bietet der im Raum vorhandene Dampf ein vorzügliches Mittel, die Kochräume ohne grofse Koften zu ventiliren, vollkommen frei von allen Dünften zu erhalten. Die gröfsten Quantitäten von Speifen können mit derfelben Gefchwindigkeit wie die kleineren zubereitet werden durch Anwendung gröfserer Kochkeffel und demgemäfs Vergröfserung der wirkfamen Heizfläche; für jedes Quantum Speife tritt genau nur fo viel Heizfläche in Verwendung, als gerade nöthig ift, während die fonft üblichen Herdanlagen für den Gebrauch eines einzelnen Gefäfses nicht eingerichtet find und daher die für eine gröfsere Anzahl von Gefäfsen berechnete Heizfläche unter allen Umftänden mitbeheizt werden mufs. Diefen Nachtheil vermeiden felbft die in den Herden neuerer Conftruction vorgefehenen Regulirungsund Abftellungsvorrichtungen nicht vollkommen. Befonders zu beachten ift, dafs jedes einzelne Kochgefäfs vollkommen unabhängig von allen anderen bedient werden kann; es ift fomit ermöglicht, einzelne Gefäfse in fortwährendem Kochen zu erhalten, während andere in der unmittelbaren Nähe im Zuftande einer continuirlichen Anwärmung beharren können. Ebenfo bringt diefe Ifolirung der einzelnen Gefäfse eine fehr bequeme Manipulation an denfelben mit fich. Schliefslich ift, weil keine directe Heizung vorhanden, jede Feuersgefahr ausgefchloffen, die Apparate werden durch die Berührung mit dem Dampf in keiner Weife merkbar angegriffen, während durch die Berührung mit dem directen Feuer Kochkeffel fowohl wie Feuerherd einer rafchen Abnützung unterliegen. Die Einrichtung von Dampf- Kochküchen gefchieht am beften in folgender Weife: Von dem vorhandenen Dampfentwickler( Keffel der Mafchine) führt ein Haupt- Dampfrohr nach dem Küchenraume hinter den an den Wänden und in der 2* 16 Alexander Poppović. Nähe der Fenfter untergebrachten Kochkeffeln. Von diefem Hauptrohr führt ein mit einem Dampfwechfel verfehenes Abzweigrohr nach jedem ifolirt ftehenden Kochkeffel. Diefe Kochapparate beftehen aus zwei halbkugelförmigen in einander gefetzten Kupferkeffeln, von denen der Innere gut verzinnt ift. Zwifchen beiden Keffeln befindet fich ein Zwifchenraum zur Circulation des Dampfes. Am tiefften Punkte des äufseren Keffels befindet fich das Ablafsrohr für das Condenfationswaffer. Die Abführung des Condenfationwaffers gefchieht mittelft fogenannter automatiſcher Condenſationstöpfe, welche für mehrere kleinere Apparate gemeinfchaftlich angeordnet werden können. Man verbindet eine weitere Ausnützung des Dampfes durch Anlage von fogenannten Tellerwärmern, welche in Form von Schränken und mit Dampffchlangen verfehen find. Die Erfparniffe an Zeit, Feuermaterial, Betriebs- und Bedienungskoften find fo bedeutend, dafs bei jeder Dampf- Kochanlage von nur einigermafsen Umfang die Anlagekoften im Zeitraume weniger Jahre vollkommen amortifirt werden, es kann daher deren Anwendung mit Rücksicht auf die vielen Vortheile und Annehmlichkeiten, denen gegenüber gar kein Nachtheil entſteht, nicht genug empfohlen werden." Der Berichterftatter hat diefer Befchreibung nichts zuzufügen, als dafs diefe Küche auch nach dem Modelle fich empfiehlt, und dafs fich die Ausfteller zur Anfertigung von Ueberfichten, Koften- und Rentabilitätsberechnungen erbieten. Mehr als die ftabilen Garnifonsküchen, welche hauptfächlich vom ökonomifchen Standpunkte in Berücksichtigung gezogen werden, verdienen die Feldküchen Aufmerksamkeit. Wer dem Soldaten im Felde mit Theilnahme gefolgt ift, mufs die Wahrnehmung gemacht haben, dafs beim Bezuge des Bivouacs nach einem mehrere Meilen zurückgelegten Marfche oder nach einem überftandenem Gefechte das Bedürfnifs fich mehr im Anftreben nach Ruhe und Schlaf als nach Nahrung äufsert. Bei folcher körperlicher Dispofition ift das Faffen des Fleifches und Gemüfes, das Herbeiholen des nicht immer in der Nähe befindlichen Waffers und Holzes und endlich das mehrere Stunden erheifchende Kochen des zähen Fleiſches und der harten Bohnen eine wahre Qual. Bei folcher Wahrnehmung liegt wohl die Idee fehr nahe, die Truppen mit transportablen Feldküchen zu verfehen, in welchen die Speifen während des Marfches bereitet und gleich bei Bezug des Feldlagers ausgetheilt werden können. Eine folche menfchenfreundliche Idee liegt in der nach Syftem Locati exponirten Feldküche für Truppen für 2.500 Mann ausgedrückt. Die Einrichtung der auf einem grofsen und weitgeleifigen Wagen mit 12 grofsen Kupferkeffeln( 6 von jeder Seite) und einem Durchgang in der Mitte aufgeftellten Küche fcheint, fo wie die Vorrichtung für die Beheizung, fehr praktiſch zu fein. Eine nähere Auseinanderfetzung bezüglich der Conftruction und Behandlung konnte nicht erlangt werden, wefshalb auch der bei blofser Befichtigung fich regende Zweifel über die grofe Ausgiebigkeit der Küche aufrecht erhalten werden mufs. Nach gewöhnlicher Schätzung des Faffungsinhaltes der Keffel dürften wohl nicht 2.500 Mann, fondern beiläufig ein Dritttheil auf einmal abgefpeift werden können, es wären fonach beiläufig per je ein Bataillon eine folche Küche und für den Stand einer Infanterie- Truppendivifion beiläufig fünfzehn folche Küchen nöthig. Es ift wohl fchade, dafs diefe Küchen für die in vorderfter Reihe ftehenden Truppen durchaus keine Verwendung finden können, weil hiemit, entgegen dem nnausgefetzten Beftreben des k. k. öfterreichifchen Generalftabes auf Verminderung, eine grofse Trainvermehrung zugelaffen werden müfste. Das Heeres- Verpflegswefen. 17 Doch was nicht für die ganze Armee, das könnte vielleicht theilweife, das ift, bei den mobilen Feldfpitälern und bei dem grofsen Train zuläffig fein. Die Feldfpitäler ftehen immer fchon in einer folchen Entfernung vom Kampfplatze, dafs eine theilweife Vermehrung des Troffes für die Bewegung der Armee ein bedeutendes Erfchwernifs nicht bilden dürfte. Anbelangend die Verwendung der transportablen Küchen bei dem grofsen Train dürften als Beweggründe angeführt werden können, dafs diefer Train immer einige Meilen hinter der Gefechtslinie fteht, daher die Bewegung der Armee nicht fo fehr wie die Proviantcolonne und der Bagagetrain behindern würde, dafs die Vermehrung der Wagen durch die eingefchobenen Küchen keine fo grofse wäre, dafs hiedurch die Colonne( wenn nämlich gedachter Train in die Marfchcolonne eingetheilt wird) wefentlich verlängert werden würde; dafs fchliefslich der Trainfoldat in der Bewegung, vom Aufbruch bis zum neuen Bezug des Parks in der Regel noch mehr Stunden auf dem Marfche zubringt, als die Truppe, und dafs derfelbe, aufser für eigene Perfon, auch noch für die Pflege der Pferde und Inftandhaltung des Gefährtes und Gefchirres vollauf befchäftigt ift, und zum Kochen mindeſtens ebenfo wenig wie der Mann in der vorderen Linie disponirt fein kann. Eine fahrbare Küche war auch vom Herrn Mackean Herrn Mackean& Comp. ausgeftellt. Diefe ift ganz anders conftruirt. Das Abkochen foll während des Fahrens in zwei zwifchen den Vorderund Hinterrädern angebrachten grofsen Keffeln durch Dampf gefchehen. Die beiden Keffel dürften höchftens für 400 Mann Speife auf einmal liefern können. Für alle Fälle bedarf diefe Küche, fowohl in Bezug auf das Wagengeftell als auf die Heizvorrichtung einer Vervollſtändigung, beziehungsweife Ver befferung. Im Uebrigen fprechen gegen diefe Küche diefelben Umftände wie bei der vorbefprochenen. Quetfchmafchine. Vor einiger Zeit brachte ein militärifches Fachblatt eine Befchreibung, wornach aus Weizen oder Roggen ohne vorhergegangene Vermahlung Brot erzeugt werden kann, auch irgendwo fchon erzeugt worden fein foll, indem nämlich der Kern in einer Bottich geweicht, fodann zu Brei gequetfcht, mit Beimengung von Ferment zu Teig gemacht und fchliefslich gebacken wird. Die im Kleinen angeftellten Verfuche haben auch conftatirt, dafs in diefer Weife ein noch genufsbares Brot erzeugt werden kann, die gemachten Proben liefsen aber fchon defshalb noch viel zu wünſchen übrig, weil eine entsprechende Quetfchmafchine fehlte und das Brot vollkommen einem Erzeugniffe aus Schrott gleich fah. In Verbindung damit wird auf die Quetfchmaſchinen, welche in der Ausftellung zur Chocoladefabrication, beziehungsweife zum Quetfchen des Cacao, verwendet wurden, aufmerkſam gemacht, da diefe Mafchine derart zu adaptiren fein dürfte, dafs fie möglicher Weife gleich Cacao auch das geweichte Korn zum vollftändigen Brei zu quetfchen fähig fein könnte, womit ein Schritt weiter zu Gunsten der Erzeugung des Brotes ohne Vermahlung des Korns gemacht werden würde. Magazinsgeräthe. Getreide Putzmafchinen. Dadurch, dafs die Militärverwaltung keine befonderen Qualitäten für die Lieferungen fich bedingt, fondern nach dem kaufmännifchen Ufus gefunde marktgängige Waare und nur in mittlerer Güte beifchafft, find die Verpflegsmagazine häufig in die Lage gefetzt, die Brotfrucht vor der Abgabe in die Mühle und den Hafer vor der Ausgabe an die Truppen putzen( reutern) zu müffen. 18 Alexander Poppović. Wegen gleichmässigem Vorgange bei der Beftimmung des Reinheitsgrades ift für die Verpflegsmagazine eine Normalreuter( die Kinzel'fche) vorgefchrieben, die Reuterung felbft kann aber auch mit anderen Mafchinen, welche die nöthige Wirkfamkeit befitzen, vollzogen werden. An folchen Mafchinen bot die Ausftellung die reichlichfte Auswahl. In der Regel waren fie nach gleichem Principe mit dem Ventilator, mit Goffe und Auslauffieben, welche gegen die Horizontale neigen und mit einem Windregulator conftruirt, fie waren mit Garnituren verfchiedener Siebe für diverfe Fruchtgattungen und Qualitäten verfehen und bewirkten, dafs Spreu und Staub entfernt, beziehungsweife der grobe und fchwerere Unrath nach einer und das kleine Samenwerk und die Nachfrucht nach einer anderen Seite aus dem Getreide ausgefchieden wird. Der Antrieb war auf Kurbel und Zahnräder mit einer Kurbelrad- Periferie, dafs 34 bis 40 Umdrehungen in einer Minute erforderlich find, eingerichtet; es gab aber auch eine folche Mafchine, die Stille" benannt, welche ohne Zahnräder conftruirt und mit fehr geringer Kraft betrieben werden kann.( Dürfte als HaferReinigungsmühle fehr zweckmäfsig fein.) Diefe einfache Gattung der Mafchinen genügt vollkommen zur Reinigung des Hafers und auch der Brotfrüchte, welche keinen ftarken Zufatz von Rade, Wicke u. dergl. Nebenfamen mitführen, dagegen ift zur vollſtändigen Reinigung des Getreides von eben benannten Nebenfamen und der kleinen unreifen u. f. w. für die gute Mehlqualität nachtheiligen Körner eine Putzmafchine mit Sortirapparat angezeigt; und auch von diefer Gattung war eine reichliche Auswahl vorhanden. Nebft den Mafchinen, welche das Getreide gleichzeitig putzen und fortiren, gab es noch Auslefemafchinen mit Zellen und verftellbaren Sieben, welche in ihrer Art Vorzügliches leiften können, dann Getreide- Reinigungsmafchinen, welche das Handfieb vollſtändig erfetzen und auch in dem Parifer Militär- Verpflegsmagazin in Verwendung fein follen. Obgleich die Wirkfamkeit der Mafchine erft in der Thätigkeit beurtheilt werden kann, fo liefs doch die Conftruction fo viel Ausficht( Beurtheilung) zu, dafs wenigftens der Entfchlufs gefasst werden könnte, die Mafchine in Erprobung zu nehmen. Im Ganzen dürften fich für die Verpflegsmagazine folche Mafchinen empfehlen, welche mit geringer Kraft betrieben werden können, einfach conftruirt find, nicht leicht zerbrechlichen Mechanismus haben und viel leiften. Bei Betrieb der Vermahlung auf Mühlen, welche keine wirkfamen Putzapparate haben, wären allerdings die Sortirmafchinen fehr zweckmäfsig und könnten mit demfelben Motor, der die Mühle antreibt, bedient werden. Heupreffen. Die Militärverwaltung kommt in die Lage, namentlich für die Verpflegung im Kriege Heu verfenden und, da diefes fehr voluminös ift und übermäfsig viel Transportmittel erheifcht, preffen zu laffen. An Heupreffen waren in der Ausftellung nur zwei ausgeftellt, welche beide gleich gut fein dürften, aber ohne Verfuch nicht genau beurtheilt werden können. Das Anftreben, das Heu auf ein möglichft geringes Volumen ohne unverhältnifsmässigen hohen Aufwand, daher mit wenig Arbeitern und grofser Ergiebigkeit in geprefste Ballen zu bringen, die Mafchinen nach den Heugegenden leicht transportiren zu können, dafs der Mechanismus endlich möglichft einfach und nicht zerbrechlich fei; diefe Summe der Anforderungen dürfte auch bei den exponirten Preffen namentlich defshalb noch nicht erreicht fein, weil die Verminderung des Volumens noch immer etwas zu wünſchen übrig läfst. - Bei der Wichtigkeit aber, welche diefe Mafchine in den Einrichtungen der Verpflegsmagazine einnimmt, wäre die Erprobung der ausgeftellten Mafchinen es n, e Das Heeres- Verpflegswefen. 19 wohl der Mühe werth gewefen, weil es bei folch' gelegenheitlichem Contact mit dem Fabrikanten annehmbar fcheint, dafs Momente erfcheinen, welche zu einer Vervollkommnung führen können. e 1- t- t, e S- S r 1 t Verpflegsmittel. Getreide und Hülfenfrüchte. Die Unterfuchung der in unzählbarer Menge ausgeftellten Gattungen und Sorten von Früchten aus allen Ländern hätte eine mühfame Arbeit und viel Zeit erfordert, ohne dafs dadurch für die Militärverwaltung etwas Pofitives gewonnen worden wäre. Summarifch kann bemerkt werden, dafs alle Ausfteller mit vielleicht wenigen Ausnahmen das Vorzüglichfte in fo ausgefuchten Muftern und in einer folchen Reinheit und frei von allem Nebenfamen geboten haben, dafs der Gedanke unwillkürlich kam, es haben diefe Früchte alle englifchen Putzmühlen und franzöfifchen Cribles paffirt. Die ausgeftellten Mufter waren wohl vom Ausfaatfamen und von Mufterwirthfchaften, für die Militärverwaltung aber, welche das Getreide vom Platze nach kaufmännifcher Ufance befchafft, wäre die Kenntnifs der in der Regel gangbaren Handelswaare von gröfserem Nutzen gewefen. Mit dem in Verbindung wäre häufig die nähere Bezeichnung der Provenienz nach der geographifchen Lage und Bodenart, das durchſchnittliche Gewicht per Metzen, die Schüttung per Joch nach der Mittelernte und die phyfikalifchen Einflüffe im Provenienzjahre, fchliefslich wo möglich neben der Brotfrucht auch das daraus erzeugte Mehl von Intereffe gewefen. Als Anhang hiezu mufs aber doch der graphifchen Darftellung der wochentlichen, Monats- und Jahres- Durchfchnittspreife des Getreides in den Jahren 1819 bis 1872, welche die Handels- und Gewerbekammer in Peft- Ofen ausgeftellt hat, als eines fehr intereffanten und inftructiven Werkes erwähnt werden. - Diefelbe bot zu entnehmen die gröfste Summe jener Monate, in welchen die Preife nach der Ernte und im Frühjahre alfo zur Zeit, wo das Militärärar feinen Bedarf ficherzuftellen pflegt-am niederften zu ftehen pflegten, dann entgegengefetzt die gröfste Summe der Monate im Jahre, in welchen die Preife am höchften ftanden, daher für die Befchaffung der Militärbedürfniffe nicht günftig waren. Das gedachte graphifche Bild führte ferner zu Reflexionen und Schlufsfaffungen, wie die Preife zur Ernteftatiftik und zum Export, welcher in Ungarn erft feit 1860/61 einen gröfseren Auffchwung genommen haben dürfte, daher vor und nach diefer Zeit, dann wie zu Mifsjahren, z. B. 1863 und zur reichen Ernte, z. B. 1867 beziehungsweife wie zum eigenen Bedarf und Export fich verhalten haben. Weiters kann neben diefen Wahrnehmungen aus der obigen Darftellung gelefen werden, welchen Einfluss und in welchem Umfange die inneren und äusseren politifchen, refpective Kriegsverhältniffe und welchen Einfluss das Agio unferer Valuta auf die Preisgeftaltung gehabt haben. Die in ähnlicher aber fummarifcher Weife von der Wiener Frucht- und Mehlbörfe für die Periode von 1823 bis 1872 gezeichneten Schwankungen der Getreidepreife, fowie die im Pavillon Fürft Schwarzenberg's ausgeftellte Gefchichte der Preife vom Jahre 1450 bis 1872 dürften auch fehr intereffante Momente für die Militäradminiftration geboten haben. Mehl. Die Militärverwaltung kauft aus dem Handel in der Regel nur das für die Erzeugung des Zwiebacks erforderliche feinere Weizenmehl, während fie, wie vorne erwähnt, das für das Militärbrot erforderliche Roggen- und theilweife mindere Weizenmehl felbft erzeugt. Die Vorzüge der Mühlinduftrie, namentlich in Ungarn, find notoriſch und der Umftand, dafs die Peft- Ofner Mühlen allein durchſchnittlich über 4,700.000 Zoll 20 Alexander Poppović. centner Mehl jährlich erzeugen, bietet die Beruhigung, dafs im Falle eines plötz lichen gröfseren Bedarfes ein Aufliegen an feinem Weizenmehl nicht eintreten kann. Zwieback. Der Zwieback ift einer der wichtigften Artikel für die Verpflegung im Kriege, da er in den häufigften Fällen das frifche Brot, welches mit grofsen Schwierigkeiten in gutem Zuftande und in ausreichender Menge beigefchafft werden kann, zu erfetzen hat. Die Verpflegung mit Zwieback macht eine geringere Anzahl der Feldöfen und des Arbeitsperfonales nöthig, erfordert gegenüber dem Brote um 44 Percent weniger Transportmittel, verringert daher den Train im hohen Maſse, dann ist der Zwieback leichter gegen Verderben zu bewahren und belaftet den Mann um 22 Loth weniger als eine Brotportion. Diefe grofsen Vortheile gebieten es, dafs der Zwieback, obgleich hart und trocken, daher vom Soldaten nicht gerne genoffen, unausweichlich als Verpflegsartikel beibehalten werden mufs; anderfeits weifen die Mängel gerade hin, dafs eine Verbefferung diefes Artikels zur Befeitigung derfelben unverrückt anzuftreben fei. Das k. k. Kriegsminifterium liefs fchon im Jahre 1866 den Zwieback aus feinerem, das ift Weizen- Semmelmehl erzeugen, welcher fchmackhaft, dauerhaft ift, auch gerade nicht ungerne genoffen wurde, derfelbe ift jedoch ftark gebacken, fehr hart und bricht leicht, welch letzterer in Bezug auf die beffere Haltbarkeit nachtheilige Umftand der Gröfse und Dünne der Flecke zugefchrieben werden mufs. Die in der Ausftellung befehenen Zwieback- Gattungen waren, mit Ausnahme der vom Herrn G. B. Tiani in Trieft, welche viereckig ift, rund, und gleichen darin, fowie, dafs fie nur von einer Seite geftupft( durchlöchert) und ohne Salzbeigabe erzeugt find, unferem Militär- Zwiebacke. Alle waren aus feinem, zumeift weifserem Mehle, nicht zu ftark ausgebacken, fondern mehr gedörrt und in viel kleineren Flecken( Kuchen) geformt als unfer Zwieback. Der niederländifche und der Schiffs- Zwieback des Herrn G. B. Tiani, welch' letzterer durch fein befonders gutes Ausfehen fehr beftach, dann der fpanifche Schiffs- Zwieback fcheinen ganz ohne Ferment erzeugt zu fein. Die beiden erfteren lieffen fich leichter als der letztbenannte zerbrechen, find nicht fehr hart zum Kauen, fchmecken gut, aber etwas nach rohem Teige. Im Waffer quillt nur der fpanifche etwas auf, der niederländifche und der Tianifche bleiben teigartig. Der Zwieback des Herrn Andronico Giuſeppe da Nizzen di Sicilia nähert fich in der Qualität unferem Erzeugniffe. Derfelbe ift jedoch ftark und ungleich porös, hat nicht das charakteriſtiſch glafige Ausfehen und dürfte nicht lange haltbar fein, fchmeckt übrigens gut und quillt auch im Waffer etwas auf. Vorzügliche Qualitäten find die des Herrn Koffančich aus Trieft und des Herrn Troia Alfio di Siracusa. Beide Sorten waren vortrefflich, mit Ferment und fleifsig gearbeitet, haben eine fchöne, wenn auch verfchiedene, die erfte eine fchön poröfe, die letztere eine dichtere Textur, eine vollkommen gefchloffene Fläche, fie find fchmackhaft beim Kauen, nicht zu hart, quillen in der Flüffigkeit fchnell und ftark auf, verfprachen fchliesslich lange Haltbarkeit, daher fie in jeder Beziehung einer befonderen Beachtung und Nachahmung werth find. Der Zwieback des Herrn Troia Alfio fiel noch durch feine gelbweifse, fehr fchöne Farbe und durch füfslichen Gefchmack auf, was zur Vermuthung führte, dafs dem Weizenmehle Maismehl beigemengt fein könnte. Diefe Wahrnehmung legt die Frage auf, ob nicht zur Erzielung einer befferen Zwieback- Qualität überhaupt ein Theil Maismehl, das in OefterreichUngarn auch billiger als das Weizenmehl fein dürfte, beigemengt werden folle. Das Heeres- Verpflegswefen. 21 Ein Verfuch würde erweifen, ob bei der Annahme, dafs, weil die Bindung und das Verhältnifs von Kleber, Stärkemehl und Dextrin bei dem Maismehle ein anderes als bei dem Weizenmehle, und die Löfung und Verbindung der verfchiedenen Mehltheile während der Fermentation und der Hitze- Einwirkung eine ungleiche fein müffe, auch die Textur des Teiges eine lockere, das Erzeugnifs minder zähe und mehr mürbe werden, der Gefchmack und das gute Ausfehen gewinnen würden. Da ein folcher Verfuch mit keinem unnützen Aufwande verbunden fein kann, fo dürfte derfelbe bei der Wichtigkeit der Abficht vorzunehmen fein. Zu den vorzüglichen Schiffszwieback- Gattungen gehörten annoch der Zwieback von Gimmino& Landolfi di Caftellamare u. zw. ein Mufter von hartem Weizen ohne Ferment und ein zweites von gemifchtem Weizen( di grani misti) mit Ferment. Beide waren in runden Flecken vollkommen gefchloffen und von glatter Rinde, die dazu verwendete Stupfmafchine mufs vorzüglich fein. Die Flecken find rund à 8 Loth, das dazu verwendete Materiale ift von befonderer Güte, der Zwieback ift fchmackhaft, fchwillt im Waffer gut auf, und dürfte jener aus Hartweizen den Vorzug verdienen. Confervirte Nahrungsmittel. Bei der gegenwärtigen Kriegsführung mit grofsen Armeekörpern auf verhältnifsmäfsig kleinen Räumen und der ſchnellen Bewegung der Truppen mit in kurzen Zwifchenräumen auf einander folgenden Actionen ift die Verpflegung im Felde wefentlich erfchwert worden. Grofse Truppenmaffen finden auf eingenommenen engen Räumen felten die erforderlichen Nahrungsmittel und felbft bei einem günftigen Falle macht es oft die häufige und fchnelle Ortsveränderung nicht möglich, die in den Wirthfchaften zerftreut liegenden Vorräthe zu fammeln und der Truppe zuzuführen, ja oft auch unthunlich, die beihabenden Artikel abzukochen. Die fchnelle Bewegung der Armee hat die weitere Folge, dafs der Verpflegungstrain oft nur mit den riefigften Anftrengungen, zuweilen auch gar nicht nachfolgen, demnach den Truppen die Bedürfniffe nicht zur rechten Zeit beiftellen kann. Diefe für die Verpflegung mifslichen Umftände und die nähere Erkenntnifs, dafs der Soldat nur dann im Felde vor Hungerleiden gefichert wird, wenn derfelbe bei fich oder in feiner nächften Nähe( beim Gefechtstrain) ein Nahrungsmittel befitzt, das entweder ohne aller Zubereitung kalt oder höchftens binnen einigen Minuten aufgewärmt genoffen werden kann, führten dahin, in den Conferven Abhilfe zu fuchen, die, wenn auch bisher noch nicht vollſtändig. fo doch in einem fchätzenswerthen Grade gefunden wurde. Die Fleiſch-, Gemüſe- und anderen Conferven find, mit Ausnahme der Emporien für die Marine, zumeift nur in den Delicateffen- Handlungen abgefetzt worden. Eine grofse Ausnahme bildet der englifche Handel, bei welchem die namentlich in den britifchen Kolonien in grofsen Maffen erzeugten Conferven von Rind- und Schöpfenfleifch ein wichtiger Importartikel geworden find, welche vermöge ihrer Preiswürdigkeit und Güte nicht nur für die See, fondern auch in der Bevölkerung zunehmenden Abfatz finden und dadurch zu regelmäfsigen, mit reichen Lagern dotirte Handelsartikel geworden find. Die letzten Kriege haben auch in anderen Ländern Anftofs zur gröfseren und fabriksmäfsigen Erzeugung an confervirten Nahrungsmitteln gegeben, allein, es konnte, insbefondere in unferer Monarchie, eine regelmäfsige Fabrication im grofsen Umfange wegen Mangel an Nachfrage für gewöhnlichen Gebrauch zum Auffchwunge nicht gelangen. Die Anforderungen, welche an die Conferven geftellt werden, find geringes Volumen, widerftandsfähige Verpackung, lange Haltbarkeit, fchnelles Abkochen beffer Genufsfähigkeit im kalten Zuftande ohne alle Zubereitung angenehmer 22 Alexander Poppović. Gefchmack, genügende und gefunde Nahrhaftigkeit, fchliefslich verläfsliche Aufbringbarkeit in grofsen Mengen und in kurzer Zeit im Falle des Bedarfes. Das k. k. Reichs- Kriegsminifterium hat nach ausgebreiteten Erhebungen und Proben manche Artikel gefunden, welche als Koftfurrogat für die NormalVerpflegung mit gutem Erfolg verwendet werden können, fo verfchiedene Fleiſche und Gemüſe, dann präparirte Leguminofen, Conferven. Die in diefem Zweige der Nahrungsmittel gemachten Erfahrungen haben jedoch zur Wahrnehmung geführt, dafs der häufig wiederholte Genufs folcher Surrogate widerfteht und daher nur mit Abwechslung unter folchen Artikeln und mit der regelmässigen Menagekoft zweckmäfsig und vornehmlich nur dann zu verwenden ift, wenn ein regelmäfsiges Abkochen nicht ftattfinden kann. Nun bot die Ausftellung eine reiche Auswahl. England und die britifchen Kolonien boten diverfe Fleifchconferven von Rind- und Schöpfenfleifch in gepöckeltem und luftgefelchtem Zuftande, dann gekocht und roh in Büchfen, ferner Fleiſch mit Gemüfe oder Suppe und Fleiſchextracte, harte oder getrocknete Erbfenfuppe( condenfirte Erbfen) u. f. w. Spanien und Frankreich hatte Fleiſch- und Gemüfeconferven in Büchfen; die Schweiz condenfirte Milch und die fogenannte Quilletfpeife( zufammengefetzt aus Fleiſch, Gemüfe und mehligen Stoffen); Dänemark präfervirte Butter in Büchfen, Pökelfleifch in Fäffern und Selchfleifch in Blafen; Italien verfchiedene NahrungsmittelConferven, Teigwaaren und Salami; Deutſchland Fleiſch- und Gemüfeconferven, Fleifch- Suppenmehl, präparirte Mehle aus Hülfenfrüchten, geprefstes trockenes Gemüfe aller Gattungen u. f. w. Oefterreich und Ungarn Fleifch, und Fleifch mit Gemüfe in Büchfen, Selchfleifch- Fabricate, Salami, Efsfpeck und MehlfpeisFabricate; Rufsland Bouillon und Gemüfeconferven, Amerika Speck, Schinken u. f.f. Bei der Ueberficht diefer Objecte wurden fo viele und verfchiedene Artikel geboten, als dafs eine Ordnung, was davon für die Feldfpitäler und Ambulanzen, was für die operirende Armee und was mehr nur für Feftungen am zweckmäfsigften ift, getroffen werden könnte. Es würde zu weit führen, wenn die einzelnen Artikel bezüglich ihrer Anwendbarkeit fpeciell befprochen werden wollten, es wird nur beiſpielsweife jener Vortheile gedacht, welche das Mehl aus Hülfenfrüchten gegenüber den lange Zeit für die Zubereitung erfordernden Körnern gewährt. Demjenigen, der die Vorftellung von den maffenhaften Erforderniffen hat, welche die Armee im Felde braucht, bietet diefe mannigfaltige und reiche Auswahl nur dann einige Beruhigung, wenn er auch die Gewifsheit hat, im Momente des Bedarfes die erforderliche Menge zur Stelle zu haben. Die hauptfächlich ins Auge gefafsten Conferven aus Fleiſch, dann Fleiſch mit Gemüſe und das Mehl aus Hülfenfrüchten werden als gewöhnlich gangbares Nahrungsmittel entweder defshalb nicht gefucht, weil fie koftfpieliger find, oder weil die Bevölkerung daran noch nicht gewohnt ift, wefshalb hievon wenig erzeugt, auch gröfsere Vorräthe auf dem Lager nicht gehalten werden. Die Einrichtung einer fabriksmäfsigen grofsen Erzeugung befteht demnach bei uns nicht, und diefe erft im Bedarfsmomente ins Leben zu rufen, dürfte wohl zu fpät fein. Gebrannte Kinder fürchten das Feuer und der Berichterstatter hat in diefer Richtung unerfreuliche Erfahrung gemacht. Da es aber nicht angeht, fich auf eine Verpflegungsbafis zu verlaffen, deren Saugewurzeln bis in die entfernteften Länder reichen, fo dürften Mafsnahmen nöthig erfcheinen, welche im eigenen Lande die für die Kriegsführung der Armee beinahe unentbehrlich gewordenen Conferven an Nahrungsmitteln in gröfserem Mafse fichern: diefe Mafsnahmen dürften darin gefunden werden, dafs gewiffe, für die Armeeverpflegung gewählte Conferven auch im Frieden zeitweife als Koftportionen verabfolgt werden, wodurch es möglich wäre, einen gröfseren Vorrath zu unterhalten, beziehungsweife umzufetzen, welcher für die erfte Dotirung der operirenden Armee genügen würde, anderfeits aber Induftrielle in die Lage zu Das Heeres- Verpflegswefen. 23 r 1 1 verfetzen, gröfsere Fabriken zu diefem Zwecke errichten und betreiben zu können. Getränke. In Erinnerung, wie hoch der Soldat im Felde den Trunk eines guten Weines fchätzt, fei auch davon Erwähnung gemacht. Für die Lieferung der Weine für die Armee eignen fich überhaupt die ftark alkoholgehaltigen und die rothen Weine, weil fie den wechfelnden Witterungseinflüffen beffer refiftiren, der rothe auch defshalb, weil er, wenn er auch warm ift, gut mundet. Die überreiche Expofition an verfchiedenften Weinen konnte als Garantie angefehen werden, dafs bei eventuellem Bedarfe eine Verlegenheit um Bezugsquellen und um gute Qualitäten nicht eintreten kann. Die Verabreichung des Weines an die Armee bedingt jedoch fehr grofse Transporte; es bedarf ja nur ein Corps von 50.000 Mann mit der einfachen Gebühr von I Seidel täglich 300 Eimer oder 25 Wagen und bei der Verdopplung der Gebühr, die während der Action häufig gefchieht, das Doppelte. Der Vorrath, den die Proviant- und Verpflegscolonne zufammen auf fechs Tage zu führen hätten, würde daher im Train 150 Wagen machen. Aufser diefem tritt nach der Befchaffenheit des Kriegs- Schauplatzes noch häufig der Umftand ein, dafs die grofse Menge von Wein für eine ganze Armee nicht aufgebracht, beziehungsweife nicht nachgefchoben werden kann; defshalb ift für die Etappenverpflegung der Branntwein, welcher weniger voluminös ift, zur Abwechslung normirt. Leider tritt da der Fall ein, dafs fich mehr Schnaps- als Weintage ergeben und da dem, wo es fich um die Verpflegung einer grofsen Armee handelt, nicht leicht abgeholfen werden wird, der bisher für die Armeeverpflegung verwendete durch Verdünnung eines 36gradigen Spiritus auf 18 Grade gewonnene Branntwein aber nach mehrmaligem Genufse widerfteht, fo erübrigt nur die eine Rich tung, welche einzufchlagen wäre, das ift die Darreichung eines befferen Branntweines, welches Anfinnen nicht als unbillig anzufehen fein dürfte, da auch die Ration eines befferen Branntweines nicht höher als die Weinration zu ftehen kommen dürfte. Zu den gedachten befferen Spirituofen, welche in der Ausftellung auch vertreten waren, gehören die genuinen Branntweine, als: Slivovitz, Pflaumengeift, Weichfelgeift, Kirfchengeift, ungarifcher Cognac und insbefondere Rum. Da die meiften der vorangeführten Spirituofen, namentlich der Rum, viel hochgradiger find, als der bisher gebührliche Branntwein, fo kann auch eine geringere Ration und unverdünnt bemeffen werden, was zur Folge hat, dafs ein geringeres Volumen mitgeführt und dadurch der Train verringert werden kann. Einrichtungen. Drahtmatratzen. Nach Vorfchrift für das Militär- Bettenwefen haben. bei einem in Oefterreich vom Militärärar beigeftellten Bette die Officiere, dann die Militär- Spitäler auf zehn Percent und die Marodehäufer auf vier Percent Matratzen Anfpruch. Diefe Matratzen find mit Rofshaaren gefüllt und werden, wie üblich, über den Strohfack gefchichtet. Die zunehmende Verbreitung der Betteinfätze elaftifcher Drahtmatratzen aus mit Kupfer galvaniſch überzogenem Stahldrahte, welche die Strohfäcke überflüffig und den Gebrauch wohlfeilerer Matratzen oder Unterlagen zuläffig machen, dürfte bald auch in der Bettenbelags- Vorfchrift eine Reform zur Folge haben. Abgefehen von den unvergleichlichen Vorzügen, welche die Drahtmatratze gegenüber dem Strohfacke für den Liegenden bietet, geftaltet fich die Anfchaf fung der Drahtmatratzen in einigen Fällen auch bedeutend weniger koftfpielig 24 Alexander Poppović. als die Benützung der Strohfäcke, namentlich in den weftlichen Ländern der Monarchie, wo in Folge der Abforbirung grofser Flächen für den ZuckerrübenAnbau und Verwendung des Häckerlings zum Futter das Stroh weniger zu Markte gelangt und immer höher im Preife fteigt. Zu einer approximativen Rentabilitätsberechnung für die Verwendung der Drahtmatratzen im Militär- Bettenbelege liegen die Factoren zur Hand. In dem öfterreichifchen Heeresvoranfchlage pro 1872 find für 10.600 Krankenbetten 44.732 fl. für Bettenftroh präliminirt, daher für die mit Matratzen verfehenen zehn Percent( 1060 Betten) 4473 fl. entfallen und nach einem in der Ausftellung neben dem Ausftellungsobject gezeigten Preiscourant koftet eine elaftifche Drahtmatratze mit Garantie für zehn Jahre 18 fl. Angenommen, aber nicht zugegeben, dafs der Betteinfatz nicht weiter als die garantirten zehn Jahre dient, fo ftellt fich die Rentabilitäts- Berechnung, wie folgt, heraus: Das Bettenftroh koftet für 1060 Betten auf zehn Jahre. 44.730 fl. Die Geftehungskoften eines Strohfackes betragen I fl. 90 kr. und die jährliche Abnützung wird normalmässig mit 38 Percent gerechnet, daher für 1060.10 Jahren 10.600 Strohfäcke. I fl. 90 kr.= - 20.140 fl.; die 38 Percent Dagegen: für 1060 Drahtmatratzen à 18 fl.. an Capitalsanlage 6 Percent 7653” " Summa 52.383 fl. 19.080 fl. II44" Summa 20.224 fl. Sonach bietet die Benützung der Drahtmatratzen bei 1060 Krankenbetten in zehn Jahren einen Vortheil von oder per Bett und pro Jahr 3 fl. 3 kr. 32.159 fl. Ein ähnlicher Vortheil, wenn auch nicht fo hoch, wird bei den Officiersbetten und den Betten in den Marodehäufern fich herausftellen müffen. Die weiteren Vortheile bei Benützung der Drahtmatratzen find die Erfparnifs des Wafchens und die Ausbefferung der Strohfäcke, dann dafs fie leicht vom Staub und Ungeziefer geputzt werden können, dafs die koftfpieligen dicken Rofshaarmatratzen aufgelaffen und durch billigere, eventuell mit gekrämpelter Schaf wolle oder auch Seegras gefüllte erfetzt werden können. Da die Militärverwaltung folche Matratzen bereits in Erprobung genommen hat, fo dürfte fie fich bei den evidenten Vortheilen auch bald entfchliefsen, diefelben definitiv einzuführen, wenn vom ärztlichen Standpunkte keine Einwendung dagegen erhoben wird. Dampf- Wafchanftalten. Die Militär- Bettwäfche wird gewöhnlich aufser den Bettenmagazinen gewafchen, wobei abgefehen, ob gut oder fchlecht, theuer oder billig, Factoren im Koftenpunkte enthalten find, welche zu Gunften der eigenen Regie fprechen; fie find das Erfparnifs des Fuhrlohnes in die und aus der Wäfche und des bürgerlichen Gewinnes. Nebft diefen Factoren mufs auch der Ueberwachung gedacht werden, welche bei entfernten Wäfchereien vom Amte nicht leicht durchführbar ift. Um von folchen Verhältniffen ein Beiſpiel zu geben, wird bemerkt, dafs die Wiener Militär- Bettwäfche in Schwechat gewafchen und die Wollforten in Pottendorf gewalkt werden. Das Heeres- Verpflegswefen. 25 In allen Stationen mit grofsen Garnifonen und namentlich in Wien, wo die Wäfche von 24.000 Betten gewafchen werden foll, dürfte wohl eine eigene Wafchanftalt fehr vortheilhaft fein. Bezüglich der Station Wien mufs auch in Erwägung genommen werden, dafs das jetzt als Militär- Bettenmagazin dienende Etabliffement wahrfcheinlich bald der Ausführung der Stadterweiterung wird weichen, dafs daher hiefür ein anderes Object wird acquirirt werden müffen. Es liegt daher wohl nahe, dafs, wenn ein Etabliffement für ein Bettenmagazin entweder neu aufgeführt oder adaptirt werden mufs, zu trachten fei, diefes an den Flufs zu legen und mit demfelben gleichzeitig eine Wäfcherei, eventuell auch eine Walke durch eine Waffereinrichtung zu verbinden. Für die Einrichtung einer Wäfcherei lag ein Modell einer Dampf- Wafchanftalt von den Herren Holdorff& Brückner vor. 99 Einer noch gröfseren Ausdehnung und einer weit allgemeineren Anwendbarkeit, als die Central- Kochküchen, fagten die Fabrikanten, erfreuen fich die Dampf Wafchanftalten. In allen Fällen, wo die Anwendung der erfteren zweck mäfsig erfcheint, wird aus ähnlichen Gründen auch die Behandlung der Wäfche rationell centralifirt werden können; während nun aber in den meiften, felbft in den kleinften Haushaltungen die Speifen in der eigenen Wohnung zubereitet werden müffen, ift die Beforgung der Wäfche aufserhalb des Haufes nicht nur möglich, fondern fogar eine enorme Erleichterung für die Hausfrauen. Namentlich für gröfsere Städte bietet fich alfo hinreichend Gelegenheit zur Errichtung öffentlicher Wafchanftalten, deren grofse Bedeutung für die Mehrzahl der Bewohner nicht unterfchätzt werden darf. Die bisher übliche Erledigung der Wäfche aufser dem Haufe durch Wafch frauen bringt keineswegs die Sicherheit einer rationellen und fachgemässen Behandlung mit fich, felbft im Haufe kann man derfelben in den wenigften Fällen die nöthige Sorgfalt widmen, ganz abgefehen von den vielen Unbequemlichkeiten, die durch das Wafchen im Haufe durch die unvermeidliche Feuchtigkeit, durch die Schwierigkeiten des Trocknens etc. hervorgerufen werden. Nur durch unausgefetzte Uebung ift es möglich, ein Perfonal zu erhalten, welches die einzelnen Manipulationen dem jedesmaligen Zuftand der Wäfche anpafst, vor allen Dingen auf eine lange Erhaltung der Wäfche Rückficht nimmt und die Reinigung weniger durch fcharfe, ätzende Kalien, fondern vielmehr durch richtige Behandlung zu erzielen fucht. 100 Pfund reine Wäfche wiegen nach dem Gebrauche circa 105 bis IIO Pfund, das Mehrgewicht befteht faft ohne Ausnahme aus harzigen Subftanzen, welche namentlich bei dem üblichen feften Zufammenballen der Wäfche leicht ranzig werden und im Stadium der Zerfetzung die Fafern angreifen. Die Entfernung diefer Unreinigkeiten erfordert je nach ihrer Stärke oder ihrem Alter eine mehr oder weniger energifche Behandlung, die aber in den meiften Fällen anftatt durch richtiges Wafchen, leider durch fcharfe Zuthaten erzielt wird. Hier thut eine gründliche Syftemifirung daher dringend noth, man mufs gleichmässige Maſchinenarbeit an Stelle der individuell veränderlichen Handarbeit einführen und erlangt dadurch vor vor allen Dingen den grofsen Vortheil der fchnellften Erledigung, ohne die Wäfche ftark anzugreifen. Wenige Tage nach der Einrichtung kann man die gefammte Wäfche fertig gereinigt aus der Anftalt zurückbekommen, die dafür auflaufenden Koften werden bedeutend geringer fein, als im kleineren Betrieb und trotzdem läfst fich eventuell für Privatunternehmungen noch ein bedeutender Gewinn erzielen. In Kafernen, Spitälern und ähnlichen öffentlichen Anftalten, wo der Unter nehmer meiftens zugleich Confument ift, kann das ganze Anlage capital innerhall, weniger Jahre vollständig amortifirt werden. Die Einrichtung der Wafchanftalten und die Manipulation in denfelben fchliefst fich im Allgemeinen dem gewöhnlichen Verfahren des Wafchens an; die rationellfte Eintheilung ift folgende: 26 Alexander Poppović. Das Heeres- Verpflegswefen. Die Wäfche wird zunächft nach dem Grade ihrer Unreinigkeit fortirt und fo zum Einweichen vorbereitet. In Spitälern und ähnlichen Anftalten wird die von anfteckenden Krankheiten oder durch Ungeziefer verunreinigte Wäfche vorher desinficirt; dies gefchieht meift auf trockenem Wege, indem man diefelbe im Innern eines mit Dampfröhren ausgelegten Kaftens der Einwirkung der Hitze ausfetzt. Bei 60 bis 70° Reaumur Hitze fterben alle Infuforien ab und wird die Wäfche darnach wie die andere in die Einweichbottiche vertheilt, mit der kalten Lauge übergoffen und deren Einwirkung eine Zeit lang ausgefetzt, bis die Wäfche vollkommen durchdrungen und die eiweifshaltigen Stoffe aufgelöft find. Die Lauge wird vorher in den fogenannten Laugenbottichen durch Auflöfung von alkalifchen Salzen( Pottafche, Soda) in kaltem Waffer bereitet. Von den Einweichbottichen gelangt die Wäfche in die fogenannten Bükbottiche, in welchen die Lauge durch Dampf erwärmt und die Wäfche deren Einwirkung abermals eine Zeit lang ausgefetzt wird. Die harz- und fettartigen Subftanzen werden dabei verfeift, fo dafs fie im Waffer löslich werden. Sollte die Wäfche bereits derartig fchmutzig fein, dafs die Verfeifung in den Bükbottichen nicht ausreichend ift, fo gelangt fie aus den Bükbottichen zur weiteren energifchen Behandlung in die Kochkeffel und wird dort gründlich in Lauge ausgekocht. Das eigentliche Durchwafchen muſs in den fogenannten Wafchgefäfsen nach dem Verfeifen mittelft Handarbeit vorgenommen werden, wonach die Wäfche in das Spülgefäfs gebracht und im reinen Waffer ausgefchwenkt wird. Befonders verunreinigte Wäfche wird mittelft Wafchmafchinen, anftatt mit der Hand durchgewafchen. Nach dem Ausfchwenken wird die Wäfche leicht mit der Hand ausgerungen und zum Entwäffern in die Centrifuge, refpective in den Prefscylinder gebracht. Das fchliefsliche Trocknen kann entweder an der Luft, auf dem Trockenboden oder in den fogenannten Schnell- Trockenkammern erreicht werden. Die letzte Manipulation, das Bügeln, gefchieht genau wie in jeder Haushaltung mitelft Handarbeit, wofür zweckmäfsig ein abgefonderter Raum in der Nähe der Trockenkammer refervirt bleibt." Zur unentgeltlichen Anfertigung von Projecten, Koftenanfchlägen und Rentabilitätsberechnungen find die Ausfteller erbötig. Schlufsbemerkung. Man kann aus diefer Darftellung leicht erfehen, wie intereflant es gewefen wäre, wenn die Ausftellung ähnlich wie im Sanitätspavillon eine zufammenhängende überfichtliche Darstellung des Verpflegswefens gebracht hätte. Wir hegen die Hoffnung, dafs eine nächfte Ausftellung aus der Vergangenheit lernen wird, wie am beften das Ausgeftellte für die Betrachtung nutzbar gemacht wird. nd k- es mit Lie en ne f- k- en m in ar n n Le it n - Er P n n