OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. UNTER REDACTION VON DR. CARL TH. RICHTER, K. K. O. Ö. PROFESSOR IN PRAG. DAMPFKESSEL. ( Gruppe XIII, Section 1.) BERICHT VON J. F. R A DINGER, a o. Profeffor der k. k. technifchen Hochschule in Wien. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF. UND STAATSDRUCKEREI. 1874.. MASCHINENWESEN. ( Gruppe XIII.) DIE DAMPFKESSEL. ( Gruppe XIII, Section 1.) Bericht von J. F. RA DINGER, 6. o. Profeffor der k. k. technifchen Hochschule in Wien. ALLGEMEINES. In der Ausstellung waren faft alle der beftehenden und eine Anzahl neuer Syfteme jener Apparate vertreten, in welchen Waffer unter hohem Drucke zu fieden und zu verdampfen hat. Die gröfseren derfelben lagen meift im Feuer und ihr Dampf ftrömte zu den Motoren der Mafchinenhalle und fchaffte Leben in die Maffen, oder trieb die Pumpwerke für das Nutzwaffer und den fpringenden Strahl. Diefe arbeitenden Keffel waren, mit Ausnahme der letzteren, in einzelnen Keffelhäufern an der hinteren Langfeite der Mafchinenhalle nach Ländern zufammengefafst, und ihre Mehrzahl diente alfo fowohl der eigenen Ausftellung, als dem öffentlichen Zwecke Die kleineren transportablen Keffel ftanden meift kalt bei ihren Motoren in der Mafchinenhalle oder der landwirthschaftlichen Ausftellung und nur einige Locomobile betrieben entlegenere Transmiffionen. Die Keffelhäufer waren fämmtlich halb in den Boden verfenkt und unten mit maffiv gemauerten Wänden verfehen, welche oben das hochgelegene Dach init einer allfeitig offenen, einfach gefchmackvollen Holzconftruction trugen. So war ein bequemer Einblick von aufsen geftattet, während feitliche Stiegen nach abwärts und an den Keffeln vorbei führten. Vorne, nächft dem Schienenftrange, lagen gleichfalls verfenkt die Kohlenkammern, und hinter den Keffelhäufern ftanden die 30 Meter hohen eifernen Kamine. Unterirdifche Dampfleitungen zur Mafchinenhalle hin ergaben fich nun von felbft, und deren gewünſchte zwangslofe Möglichkeit war nebft den Verhältniffen des abfallenden natürlichen Terrains, welches noch immer die Wafferentleerung zuliefs, mit der Beweggrund für diefe glückliche Anlage der Keffelhäufer. 1* 2 J. F. Radinger. Was die Syfteme der Keffel betrifft, fo finden wir manche derfelben neu, und diefe ftreben nach der doppelten Richtung: Vergröfserung der Heizfläche und Erhöhung des Druckes. Um Beides zu gewinnen, kommen die Röhrenfyfteme mehr und mehr zur Geltung. Manche diefer neuen Syfteme find mifsglückt, indem fich der Roft in ihnen nicht im gleichen Mafse als die Heizfläche vergröfsern liefs oder der benöthigte Zug- Querfchnitt ergab; einzelne geben zu naffen Dampf, tragen den Wärmedehnungen keine Rechnung oder find in den Detaillöfungen noch nicht wünschenswerth klar; aber wieder andere ftehen auf der Höhe heutiger Erkenntnifs und alle Beurtheilung fpricht für ihren bleibenden Beftand. Sogenannte Verdampfverfuche wurden( mit Grund) nicht vorgenommen, obgleich die Gelegenheit dazu aufzufordern fchien. Es iſt aber bekannt, dafs viele Keffelfyfteme näfferen Dampf geben als andere, und da bis heute kein anderes Mittel bekannt ift, die„ Dampfmenge" zu beftimmen, als durch Meffung des in den Keffel gebrachten Waffers, fo würde ein fpeiender Keffel beffer ſcheinen, als ein befferer ift. Meiner Anficht nach wäre nur durch Aichung des erzeugten Dampfes ein Schlufs auf feinen Erzeuger möglich. Würde nämlich eine und diefelbe Dampfmafchine, ohne demontirt zu werden, von Keffel zu Keffel gebracht und von diefem betrieben, fo müfste fich unter Einhaltung gleicher Verhältniffe durch die Bremfung bei gleichem Drucke und Füllung ein völlig zutreffender Schlufs auf die Güte der Keffel ergeben. Die verfchiedene Tourenzahl bei gleicher Kohlenmenge wäre das directe Mafs und wäre umfo leichter zu erhalten, wenn fchon vor der Ausftellung auf annähernd gleiche Gröfse der Concurrenzkeffel hingewirkt würde, welche überdiefs hier von felbft auftrat. Ich habe mich bei dem nachfolgenden Studium der Keffel bemüht, einen Anhalt für die Beurtheilung nach diefer Richtung hin zu gewinnen, und ftelle, bis Befferes vorliegt, jene Dampfmenge als Mafs hin, welche bei gleich angenommener Heizung dem Quadratmeter der Wafferfpiegel- Fläche im Keffel per Stunde entfteigt. Diefe Dampfmenge, welche bei einer Verdampfung von 20 Kilogramm per Quadratmeter Heizfläche im einfachen Cylinderkeffel 40 Kilogramm beträgt, fteigt bei einzelnen neueren Syftemen bis 6- und 800 und wächft in einem Falle über 4000 und einem anderen über 16.000 Kilogramm hinaus. Dort, wo der Dampf, mit der Gefchwindigkeit wie die Luft durch die Roftfpalten, durch die oberfte Wafferfchichte bricht, wo er gleichfam im Schaume geboren wird, geht natürlich ein Schlufs von dem zugebrachten auf das verdampfte Waffer nicht an. Diefes Näfferwerden des Dampfes bei concentrirterer Heizfläche ift mit der Grund, welcher grofse ftehende Keffel nicht aufkommen läfst. Bei fteigenden Dimenfionen wächft nämlich die Wafferfpiegel- Fläche eines Verticalkeffels mit dem Quadrate, die Heizfläche aber mit dem Cubus der Vergröfserung, während bei liegender Conftruction das Wachfen beider in gleichem quadratifchen Verhältniffe erfolgt und in diefer Hinficht ihre Güte gleichbleibt. Von diefem Standpunkte aus erkennt man, dafs jede der neueren Keffelformen näfferen Dampf liefert als die alten Syfteme. Eine weitere Rückficht ift den Blechdicken gewidmet, und um einen Ver gleich zu erhalten, zwängte ich fämmtliche in die Formel = x. Dp+ 3 Millimeter, wobei D den jedesmal bekannten Keffeldurchmeffer in Meter und p die Spannung in Atmoſphären- Ueberdruck bedeutet, für welche jeder Keffel beftimmt und wobei jedesmal angeführt ift, ob die Verniethung einfach oder doppelt war. Dampfkeffel. 3 Da ergibt fich die merkwürdige Thatfache, dafs Oefterreich die relativ fchwächften Bleche verwendet, dann kommt England mit wohl etwas dünneren. aber ftets in den Langnäthen doppelt genietheten Blechen. Dann Deutſchland, deffen Tafeln trotz doppelter Niethung dicker als die öfterreichischen find, und endlich Frankreich mit den dickften Platten. Eigentlich follte der amerikanifche Keffel weit zu oberft ftehen, denn er befafs bei einfacher Niethung nur circa halb fo dicke Bleche, als die europäifchen nach dem Vergleiche find. Im grofsen weiten Durchfchnitte gibt aber die Formel= 11 D p+ 3 Millimeter die Wandftärke der europäifchen Keffel mit innerem Drucke, welche fich fowohl aus dem Ganzen aller ausgeftellten, als auch aus den Keffeln jedes einzelnen Landes für fich annähernd ermitteln läfst. Die normale Dampffpannung fcheint in England 4 bis 4%, im übrigen Europa 5 bis 6 Atmoſphären Ueberdruck zu fein. Zehn Atmoſphären werden auch für Stabilkeffel einzuführen gefucht, obgleich ich glaube( und anderenorts begründete), dafs 8 Atmoſphären die verwendbarfte Spannung für den Mafchinenbetrieb find. Stahlblech kam auf der Ausftellung nur an zwei englifchen Stabilkeffeln vor. Einer war ganz daraus gefertigt, während der andere nur einige Feuerplatten diefes Materiales befafs. Stahlblech fcheint trotz feiner höheren Feftigkeit bis heute noch weniger in Verwendung zu kommen, als man vorauszufetzen begann, weil abgefehen vom höheren Gefammtpreife des Keffels gleicher Fläche bei dünneren Wandungen die vorkommenden ungleichen Härten fowohl der Anfertigung als dem Beftande drohen. - - Ein bedeutender Schritt nach vorwärts wäre durch die Herftellung ganz gewalzter Blechtrommeln( ähnlich den Tyres ohne Schweifsung) gethan, welche höhere Sicherheit und befferen Effect bei zwei Dritteln des Gewichtes genietheter Bleche gewähren würden. Diefe können aber die Hüttenmänner noch nicht liefern, und fo müffen fich die Keffelfchmiede noch fort mit guten und mit doppelten Verniethungen helfen, oder das Schweifsen der Fugen verfuchen, wie es bei den einzelnen Keffeln zu finden ift. Im Allgemeinen läfst fich dagegen ein bedeutender Fortfchritt in der Herftellung und der Behandlung des Materiales conftatiren. Die Gröfse der Blechtafeln( weniger deren gute Befchaffenheit) fteigt, und das Winkeleifen wird durch die aufgebogenen Ränder verdrängt. Deren mannigfaltige Formen, das häufige Niethen mit Mafchinen, das genaue Einpaffen der Röhren etc. im Einzelnen, fowie die neuen Keffelfyfteme im Grofsen, laffen erfehen, wie fehr die Natur des Eiſens mit fteigender Erkenntnifs erfafst und darnach behandelt wird. Die Heiz- und Sicherheitsarmatur ift faft auf der ganzen Erde diefelbe. Amerika fetzte nur ein Sicherheitsventil auf feinen grofsen Keffel, alle andere Welt deren zwei. In England find fchmelzbare Pfropfen oder Alarmfchwimmer( und Entfchäumer) beliebt, und ein franzöfifcher Keffel war mit Automaten überbürdet, während man fich in Deutfchland und Oefterreich mit Recht auf die Treue der Wärter allein verlässt. So weit es durch Nachrichten zu erhalten war, folgen überall die Gewichte der Keffel und ihr Preis. Es wäre nun möglich das Gewicht per Quadratmeter Heizfläche und den Koftenbetrag diefer Einheit hinzuftellen, und einen Schlufs auf das billigfte Syftem zu ziehen. Ich unterliefs diefs aber aus Gründen, die zu nahe liegend und zu zahlreich find, als dafs ich fie hier aufzählen darf. 4 J. F. Radinger. Nur in der Tabelle, welche am Schluffe der Stabilkeffel folgt, habe ich die Gewichte per Quadratmeter Heizfläche eingeftellt; diefs hat aber dennoch wenig Werth, weil Dampfdruck und verfchieden beliebte Sicherheit die Blechftärke beeinfluffen und die Gewichte gleich grofser Keffel gleichen Syftemes weit auseinander treiben. Jene Weite, welche die Verbindungsftutzen untengeheizter Doppelfyfteme erhalten, um den Kreislauf der( erwünfcht) entſtehenden Dampf- und Wafferftröme im Keffelinnern zuzulaffen, fchwankt bis heute noch in weiten Grenzen. In der Ausftellung waren drei folcher Syfteme vertreten, und die Grenzverhältniffe des Verbindungsdurchschnittes zur untenliegenden Heizfläche betrugen 1: 100 und 1: 280. Letzteres war ganz entfchieden zu klein, wie es der unruhigere, geftaute Gang des Keffels verrieth. Erfteres Verhältnifs war aber am franzöfifchen Keffel zu finden, welcher, aus dem Lande der Bouilleurs kommend, deffen erprobte relative Dimenfionen trug. an den Die Dampfnachtrocknung und theilweife Ueberhitzung war deutfchen und öfterreichifchen Keffeln häufig zu finden, fehlte aber gänzlich( wohl nur zufällig) in den weftlichen Keffelhäufern; dort trat theilweife felbft das Fehlen der oberen Befchüttung, des einfachften Schutzes gegen die Abkühlung, als normal auf. Die Heizflächen- Gröfse, Roft- und Zugquerfchnitte und ähnliche mafsgebende Abmeffungen und deren gegenfeitige Verhältniffe find bei dem Grofskeffel überall hervorgehoben und in die Tabelle am Schluffe zufammengetragen. Bei den Kleinkeffeln, welche überhaupt weniger eingehend behandelt werden, entfällt diefs zumeift. Da aber deren Mehrzahl lang bekannten und erprobten Syftemen angehört, ihre Wichtigkeit gegenüber den Grofskeffeln zurückfteht und auch die irdifchen Grenzen: Zeit( zum Studium) und Raum( zum Berichte), dem Berichterstatter fühlbar wurden, fo mufste es wohl fo gefchehen. Locomotiv- und Schiffskeffel werden, als anderen Kreifen zugewiefen, hier nicht befprochen. Die mitfolgenden Zeichnungen find mit wenig Ausnahmen( Dingler-& MeynKeffel) fämmtlich im gleichen Mafsftabe von 1: 100 gehalten, welcher, obgleich mit durch das Format gegeben, doch für das Erkennen der Conftruction ausreichen dürfte, und beftimmt der bequemfte für das Abnehmen von Dimenfionen ift. Mit Rückficht darauf und aus Deutlichkeitsgründen find keine Coten eingefchrieben, deren wichtigfte fich überdiefs im Texte finden. Die Zeichnungen wurden nach den Plänen angefertigt, welche ich entweder durch die Güte der ausftellenden Fabriken, dem Entgegenkommen der Generaldirection oder durch eigene Aufnahmen( auch bei den theils von mir vor genommenen amtlichen Erprobungen diefer Keffel) erhielt. Pilkin- Keffel. 5 Die Stabilkeffel Der amerikaniſche Keffel. Der Röhrenkeffel von Pilkin Brothers& Comp., Hartford, Conn. U. S. A. Ein Röhrenkeffel einfachfter Art verforgte die Motoren der amerikaniſchen Abtheilung mit dem nöthigen Dampfe. Er arbeitete mit fünf Atmoſphären Maximaldruck, beftand aus vier Trommeln durchwegs einfach genietheter Eifenbleche von 8 Millimeter Dicke und hatte 18 Meter Durchmeffer bei 7.25 Meter Aufsenlänge. Die Rohrwände waren aufgebogen, die hinteren in normaler Weife eingefetzt, die vorderen aber um 50 Centimeter nach einwärts gerückt, wodurch die vorftehenden Bleche des Cylinderkeffels luftdichte Seitenwände einer kreisförmigen Rauchbüchfe bildeten. Unmittelbar hinter der Vorderwand befanden fich zwei fymmetriſche Seitenpratzen, welche zufammen das halbe Keffelgewicht zu tragen hatten, indem fie nahe dem Stirn- Mauerwerke ruhten. Unter der Hinterwand war derfelbe ein zweites Mal mittelft eines breiten Gufsträgers geftützt. Durch diefe Lagerung wird der wefentliche Vortheil erreicht, dafs das Tragen des Gewichtes nur an Orten ſtattfindet, welche durch die Böden( Rohrwände) mächtigft verfteift find, und dadurch das Einbiegen der dünnen Bleche umgangen wird, welches unzweifelhaft eintritt, wenn die Lagerung( oder Aufhängung mittelft Pratzen) an dünner Blechftelle gefchieht. In diefem letzteren Falle werden die Bleche örtlich überangeftrengt, und die wechfelnden Biegungen rufen leicht jene Corrosionen hervor, welche dort noch öfter zu finden wären, wenn nicht eine gehäufte Stützung den Druck vertheilen und eine übermäfsige Blechftärke denfelben aufnehmen würde. Hier aber, wo eine minimale Blechdicke zur Verwendung kam, erfchien diefe Lagerung an den beiden fteifen Enden als eine glückliche Löfung. Sie ift ficher, weil fie ins Dreieck geordnet den Keffel vor jedem Kippen wahrt und weil felbft eine ungleiche Senkung des Mauerwerkes und ungleiche Streckung in Folge der Wärmeunterfchiede die unterftellte Lagerung nicht ftört. Doch fcheint fie bei diefer Länge kühn. Rechnet man aber den Keffel wie einen an den Enden frei aufliegenden Brückenträger, fo ergibt fich bei 7 Meter Weite, 18 Durchmeffer, 8 Millimeter Blechdicke und 8000 Kilogramm Gewicht ( die Rohre find nicht mitzutragen) als maximale Spannung durch das Eigengewicht o7 Kilogramm per Quadratmillimeter. Dabei wirkte nicht nur die Ringniethung, fondern auch der innere Dampfdruck als Verfteifung, und wenn man bedenkt, dafs die Beanfpruchung des Bleches gegen das Aufreifsen doppelt fo grofs als jene gegen das Abreifsen ift, fo kann zu letzterer immerhin jene geringe Spannung durch das Eigengewicht gefahrlos hinzukommen. Die Heizung gefchah vorne unter dem Keffel, und die Gafe fanden hinter der Feuerbrücke einen ungewöhnlich weiten Querfchnitt, wie es aus der Skizze zu erfehen ift. Den Rückweg fanden fie durch 49 fchmiedeeiferne Feuerrohre von je 105 Millimeter, deren oberfte Reihe im Horizontal durchmeffer des Keffels lag, und gelangten dann in jene durch die verlängerten Keffelbleche gebildete Rauchkammer. Die Bleche derfelben waren oben ausgefchnitten und der Fuchs zog quer von diefem Ausfchnitte horizontal und gerade zum nahen Kamine, 6 J. F. Radinger. 12 Weil der Keffel ringsum frei und inmitten feines Haufes ftand, fo mufste der Canal den Gang mit einer Brücke überfetzen und der Kamin kam feitlich vorne und ohne Rückficht auf irgend eine Symmetrie an das Gebäude. Erfte res war durch eine leichte Ziegelarchitektur gedeckt und letzteres ftörte nicht. Aber da fich die Gafe auf ihrem Wege vom Rofte zurEffe nirgends nach abwärts zu fenken hatten und nur einen kurzen, ganz geraden Fuchs zu paffiren brauchten, fo war der Zug möglichst wenig geftört, was hier um fo forgfältiger zu beachten war, als derfelbe in den Rohren ohnediefs einen bedeutenden Widerftand fand. Der Gefammtquerfchnitt der Rohre( o 42 Quadratmeter) war nämlich klein, der Roftfläche, und der Conftructeur, der den Schornftein 0.79 Meter weit( der Roftfläche) anlegte und auch den Fuchs fo weit hielt, wufste wohl, was er that. ddoss Die Rohre lagen nur bis zum horizontalen Durchmeffer und waren vom Waffer 30 Centimeter hoch überdeckt. Damit war ein gröfserer Wafferraum, als fonft bei Röhrenkeffeln üblich, erreicht und trockenerer Dampf als dort erzeugt, wo die Heizgafe nur wenig unter dem Wafferfpiegel hinziehen. Je fünf aufgeniethete Winkeleifen verfteiften dann die oberen frei gebliebenen Hälften der beiden ebenen Rohrwände. Den Keffel überfpannte ein concentrifches Gewölbe in einem Abftande von 10 Centimeter, welcher wohl nur ftagnirende Luft enthalten foll. Doch da diefer Luftmantel hinten offen an den Zug und fein Gewölbe vorne an den Fuchs ftöfst, fo fcheint es nicht unmöglich, dafs dort durch Zufall oder Abficht eine Verbindung entſteht, welche im Bedarfsfalle einer Forcirung den engen Rohren hilft. Oben lag noch ein Dampffammler, der nur mit einem einzigen Stutzen nach abwärts verbunden war, um der freien Dehnung kein Hindernifs zu bieten, wie es bei einem Stutzenpaare der Fall wäre. - Dafs der Dampf durch denfelben, ungefähr ober dem Schwerpunkt" der Dampfentwicklung entnommen, möglichft trocken zu dem oben fitzenden Abzugrohre gelangte, dafs hinten am tiefften Punkte des Keffels ein Speife- und vorne ein Abfchaumrohr an demfelben faís, dafs das Mauerwerk doppelt mit Luftfpalte aufgeführt war und oben eine gepflafterte Schüttung den Keffel deckte, dafs fchliefsende Putzthüren im Mauerwerke und ein Mann- und ein Auswafchloch am Keffel etc. vorhanden waren, braucht nicht betont zu werden. Elegant und Mauerwerk fpai end erfchien die Verwendung der grofsen Gufsplatte an der Stirnwand. Sie enthielt nur einen halbkreisförmigen Ausfchnitt vor den Rohren, welchen ein Falldeckel fchlofs, und die Heiz- und Aichthüren, wovon letztere gleich als eines der Regifter dienten. Aufserdem war aber noch eine Drehklappe bei der Mündung der Rauchkammer in den Fuchs und noch ein Regifter im Rauchcanale( 60.5 Centimeter im Quadrate) vorhanden, um ein nächtliches Abkühlen möglichst hintanzuhalten. Sowohl der Kranz für den aufzufchraubenden Dampffammler- Stutzen als der für das Mannloch waren aus Gufseifen und aufgeniethet. Der MannlochDeckel war von aufsen aufzufchrauben, wie diefs für gute Keffel jetzt vorgezogen wird, wenn der Verfchlufs auch theuerer als mit dem alten Vorlegdeckel kommt. Centimeter 100 Pilkin- Keffel. 7 ☐ 3 4 5 Meter. Mafsftab 1: 100 der Natur. Der Keffel trug nur ein Sicherheitsventil gewöhnlicher Conftruction, und zwar auf der Spitze des einzigen auf den Dampffammler gefchraubten Kreuz rohres, an deffen einer Querfeite das Dampfventil von 90 Millimeter Durchmeffer kam, während die Gegenfeite blind gefchloffen war. Die fchmiedeeifernen Verbindungsrohre für das lange Wafferftand Glas und drei Probirventile waren in die vordere Rohrwand ganz einfach fchwach conifch ( eine rinnend, die anderen dicht) eingefchraubt, durchreichten die Rauchkammer und Stirnplatte und trugen vor derfelben die ftarken Anfatzftücke, deren Verfchluſs durchwegs mit Ventilfpindeln und Griffrädchen gefchah. Ein grofses Manometer, gegitterte Heizthüren mit Drehfchieber und eine gefonderte Speife( Stofs-) Pumpe vervollſtändigten die Armatur. Die Heizfläche betrug 120 Quadratmeter( davon 100 Quadratmeter Rohre) und der etwas geneigte Roft, welcher aus 15 Meter langen, 25 Millimeter dicken Stäben mit 15 Millimeter Spaltenweite beftand, hatte 3 Quadratmeter Fläche, was 140 der Heizfläche entſpricht. Der Zug mit o 42 Quadratmeter in den Rohren, 1/8 der Roftfläche erweiterte fich im Schornfteine auf derfelben. Das Mifsverhältnifs fpricht klar aus diefen Zahlen. Was der Keffel an Wärme aufnehmen könnte, kann der kleine Roft nicht liefern. Was aber felbft diefer liefern könnte, laffen die( engen) Rohre nicht hindurch. So mochte denn der Keffel für mittlere Beanfpruchung eben hingehen und dann felbft ökonomisch arbeiten, aber in feinen Formen ebenmäfsig und einer gleichmäfsigen Steigerung der Leiftung feiner Organe fähig war er nicht. Nun wurde aber der Keffel von der Fabrik aus als ein folcher von 60 Quadrat meter Heizfläche bezeichnet und einem folchen bezüglich der Dampflieferung gleichgeftellt. Diefe Heizfläche, welche fich ergibt, wenn man nur o 37 des Rohrumfanges als heizend annimmt, ſteht allerdings mit der Roftgröfse( dann I: 20) im Einklange, aber das Keffelgewicht bleibt auf feiner alten Höhe, der eines 8 J. F. Radinger. Apparates doppelter Gröfse. Selbft als Vorwärmer laffen fich die übrigen Blechflächen nicht bezeichnen, denn fie umfehliefsen ja das Waffer der hohen Temperatur. Und da ferner die langen Rohre, abgefehen von ihrem geringen GefammtQuerfchnitte, noch durch ihre Länge einen bedeutenden Reibungswiderftand wachrufen, welcher durch höhere Betriebswärme des Schornfteines zu überwinden ift, fo kann ich den Keffel nichts weniger als in feinen Heizverhältniffen geglückt bezeichnen. Die Blechdicke von 8 Millimeter fcheint der Form nach in d= 0.6 Dp+ 3 zu paffen und war circa halb fo grofs als bei uns üblich. Die Feftigkeit in der Niethung gewährt dabei eine 3 bis 4fache Sicherheit gegen das Aufreifsen. Wird er nun mit einer Dampflieferung von circa 1200 Kilogramm per Stunde herangezogen, wie es einer Heizfläche von 60 Quadratmeter entspricht, fo gibt er faft fo trockenen Dampf als irgend ein Keffel der weiten Syfteme. Sein Wafferfpiegel mifst nämlich 12 Quadratmeter, daher dem einzelnen desfelben 100 Kilogramm Dampf per Stunde entſteigen. Bei dem alten Syftem( Sieden- und Rauchrohrkeffeln) kommen aber 70 bis 90 Kilogramm Dampf durch eine gleichgrofse Wafferfläche in gleicher Zeit und die Differenz gegen den nun betrachteten ift nicht grofs. Würde er aber feiner Heizfläche gemäfs ausgenützt( durch Unterwind möglich), fo müfste eine doppelt fo grofse fpecififche Dampfmenge durch die Wafferfläche„ ,, filtriren" und doppelt fo ftarkes Sprühen gäbe einen näfferen Dampf. Die englifchen Keffel. Im englifchen Keffelhaufe befanden fich in Thätigkeit: 2 Keffel von W.& J. Galloway in Mancheſter, وو Daniel Adamfon in Mancheſter, 2 " " I Cater& Walker in London, 9° I 27 " " " 9 Howard in Bedford, und aufserhalb desfelben ftand: M. Nicolin Glasgow und drei Economifers. Die erfteren entſprachen den langbekannten weiten Keffelformen, welche die Heizflächen mit behäbiger Dimenfion und bewährter, höchftens verbefferter Herftellungstechnik erreichen. Die letzteren fuchen im engen Raume und mit neuen Verbindungsdetails die Leiftung der alten und noch eine Reihe von Vortheilen mehr zu gewinnen, welcher die erfteren entbehren. Nirgends ftanden fich die Extreme fo fchroff gegenüber als hier, wo der Dampf aus 7 Fufs weiten und aus 9 Zoll weiten Röhren erftand; wo er mit 4 oder( ohne Zwifchenglied) mit 10 Atmoſphären erzeugt wurde, und dem Gebrauche einer, bei uns wenigftens, vergangenen oder dem einer kommenden Zeit zu dienen beftimmt erfchien. Dabei wurde der erftere in hoch expandirende Woolfmafchinen geleitet und der letztere vor einem fimplen Cylinder gedroffelt. Hier fanden wir Keffel ohne alle Blechbordnung, wo jede Kante durch Winkeleifen- Einlagen hergeftellt wurde, und andere, wo das Feuer keine Niethung, fondern nur gefchweifste Bleche traf. - Wenn fo aber auch das zu beharrliche Fefthalten an lang Gebrauchtem oder das vielleicht Zuweitgehen in der Richtung der Zukunft mehr die confer vative oder die wagende Empirie als die vorwärtsfchreitende und wägende Erkenntnifs der englifchen Keffelausfteller zeigte und nirgends fo extreme Syfteme neben einander flanden als hier fo waren doch alle geeinigt und gemeinfam ausgezeichnet durch jene Findigkeit der Detail conftructionen und Solidität der Ausführung, welche ein Grund des Auffchwunges und eine Folge der Concurrenz der englifchen Arbeit war und ift. - Keiner der englifchen Keffel befafs einen Dampfdom, worüber ich mich bei der erften fich bietenden Gelegenheit in diefem Berichte weiter ausfprechen Galloway- Keffel. 9 will. Die Speifung gefchah bei allen mit direct wirkenden( Stofs-) Dampfpumpen, und die übrige Armatur unterfchied fich nur wenig von der bei uns üblichen Form. Die Monometer von Schäfer- Budenberg, Manchefter" mit englifcher Scala( 15 Pfund= 1 Atmoſphäre), fanden fich nicht nur hier, fondern auch auf der Mehrzahl der englifchen Locomobile, welche Verbreitung wohl am beften für deren Güte fpricht. Auf die Reinhaltung durch periodifches Abblafen wird mehr gefehen als bei uns, und die betreffenden Vorkehrungen find bequem zur Hand. Die Verhältniffe der Roft- zu der Heizfläche gleichen im Allgemeinen den unfrigen; weil aber im Allgemeinen die Kohle beffer, fo ift die Vergröfserung der Heizfläche durch Vorwärmer( Economifers) dort mehr am Platze. Von allen ausgeftellten englifchen Keffeln war kein einziger, deffen Längsnäthe einfach geniethet waren. Alle trugen dort entweder doppelte Niethung oder waren gefchweifst. Die Galloway- Keffel. W.& J. Galloway& Sons in Manchefter ftellten zwei Keffel ihres bekannten Syftems auf und verkündeten, dafs beinahe 3500 derfelben in England im Betriebe feien. Die Form diefer Keffel ift zu bekannt, als dafs eine Zeichnung noth wäre, deren eine übrigens bereits im öfterreichifchen officiellen Berichte über die Parifer Weltausftellung 1867 IV, 18, enthalten ift, nachdem dort drei folcher Keffel ausgeftellt waren und feit jener Zeit nur unwefentliche Aenderungen hinzukamen. Die Aufsenkeffel waren 7.3 Meter lang bei 2'13 Meter Durchmeffer und beftanden aus verhältnifsmäfsig kleinen Platten( 8 Trommeln à 3 Bleche) 9 bis II Millimeter dicker Eifenbleche, welche in den Längsreihen doppelte Niethung hielt. Die zwei vorderen Feuerrohre von o'86 Meter Durchmeffer und 2 13 Meter Länge beftanden aus gefchweifsten Trommeln, waren an den Stöfsen mit Ringen verbunden und verftärkt und enthielten die Rofte von je 3mal 0.61 Meter Länge. Unmittelbar hinter den Feuerbrücken gingen diefe beiden Kreisrohre mittelft einer Rohrwand in ein einziges elliptifches Feuerrohr über, welches 172 Meter Horizontal- und o'91 Meter Verticalachfe befafs. Diefes beftand in jeder Trommel aus 4 Blechen im Umfange mit einfacher Niethung und enthielt 24 Galloway- Röhren nebft 6 Seitentafchen. Die letzteren ftehen wie Halbfäulen voll auf Fug in der Krümmung, erhöhen die Feftigkeit und verhüten wirkfam das Hinziehen eines gefchloffenen Feuerftromes längs der Wand. Im Gegentheile zwingen fie diefen zu einem Schlangenwege zwifchen den Röhren hindurch und fördern fo jenes Anprallen der Heizgafe an den Blechflächen, welches die Wärmeabgabe fo fehr erleichtert. Die Rohre find nicht geniethet, fondern gefchweifst und( conifch) gewalzt; die Seitentafchen aus je einer Blechtafel getrieben und nach der elliptifchen Durchdringungslinie eingeniethet. Sämmtliche Kantenbildungen erfchienen mit Winkelringen hergeftellt und die beiden ebenen Keffelböden forgfältigft und doppelt verfteift, was faft auf böfe Erfahrungen fchliefsen macht. Aufser 3 Eckblechen an jedem Boden, die je mit langem Doppelwinkel gehalten waren, zogen nämlich noch zwei ganz durchgehende Ankerfchrauben von 55 Millimeter Durchmeffer von Boden zu Boden und fafsten jeden mit hohen 240 Millimeter grofsen Gufsfcheiben. Derartig erfcheint aber dem Innenrohre jede Längsänderung durch Hinausdrücken einer federnden Stirnplatte verwehrt, und er mufs fich in fich felber helfen. Dazu follen jene förmigen Rundbänder dienen, welche vorne in den Kreisrohren die Niethungen vermitteln. Dafs fich aber diefe Bänder wirklich federnd verhalten, kommt mir wenig wahrfcheinlich vor, felbft wenn es ein Theil 10 J. F. Radinger. ftück im freien Zuftande thut, weil gefchloffen und eingeniethet ihr Verhalten ein ganz anderes wird, als es dort war, und ein Federn nur eintreten kann, wenn fich die Rundfafern in gröfsere Kreife begeben würden, alfo bedeutend ftreckten. Solch' ein Compenfationsftück mit derartig geringer Bauchung würde man im dünnwandigften Kupferrohre als ungenügend erklären, und hier erfcheint es im ftarken Keffelblech mit niethverfteiftem Rand. Es dürfte dem Rohre alfo nichts Anderes übrig bleiben, als fich durchzufchlagen und an den Eckverbindungen zu zerren, und hier oder in ihrem eigenen Bleche jene Stellen zu fchaffen, an welchen fich die Bewegung ftaut und welche in um fe gröfserem Verhältniffe auftritt, als der Aufsenkeffel oben mit einem vollen Viertelumfang frei der Abkühlung ausgefetzt daliegt. Die Führung der Feuergafe war die bei folchen Keffeln normale; fie ziehen von den Roften durch die Rohre, dann feitwärts nach vorne und fallen dort in jenen letzten gemeinfamen Zug, welcher fie längs des Keffelbauches zum rückwärts ftehenden Kamin leitet. In England fucht man die bei uns üblichen Dampfdome zu vermeiden, weil man mit theilweifem Rechte in der Schwächung des weit ausgehauenen Keffelbleches eine der Explofion surfachen gefunden zu haben glaubt. Die Galloway- Keffel der Parifer Ausftellung zeigten nun einen cylindrifchen Dampffammler längs über dem Keffel, welcher mit zwei ziemlich weit auseinander gelegenen Stutzen den Dampf aufnahm und das Rohr zu deffen Fortleitung trug. Diefs fchien fich jedoch aus naheliegenden Gründen nicht bewährt zu haben, und nun fanden wir das Dampfventil( von 170 Millimeter) fcheinbar direct auf den Dampfraum gefetzt. Thatfächlich mündete es jedoch innen nicht frei, fondern an ein horizontales, oben gefchlitztes Rohr, welches fich über circa ein Viertel der Keffellänge erftreckend eine gleichförmige Entnahme des Dampfes und fomit das Nicht- Entftehen jener Wafferhofen ficherte, welche fich fonft unter niedrig fitzenden Abftrömungen bilden und naffen Dampf, ja Waffer ftatt Dampf liefern könnten. Die Sicherheitsventile von 100 Millimeter waren an einem gemeinfamen Paarftutzen ganz knapp hinter dem Vorderboden angebracht, was mir mit Rückficht auf die grofse Feuerfläche des Keffels von faft 70 Quadratmeter höchst unzweckmäfsig fcheint. Den Drehpunkt fand jeder Belaftungshebel in je einer Stahlſchneide, welche in einen Ausfchnitt der Gehäufeflanfche eingelegt war. Am Keffel oben befand fich ferner noch eine Alarmpfeife für das Tiefwaffer und ein Mannloch- Stutzen mit aufzufchraubendem, aufgefchliffenem Deckel, während ein zweiter mit Vorlegdeckel vorne zwifchen den Feuerrohren unten war. Der Sitz des letzteren war foweit in das rohrförmige Auffatzftück zurückgerückt, dafs die Bügel innerhalb desfelben Platz fanden, und eine Blechplatte, die ebene Vorderflucht herftellen konnte, was Schönheits- und Reinlichkeitsrückfichten entſprach. Zwei Wafferftand- Gläser, die bronzenen Speife- und Schaumventile, welche fymmetriſch an der Stirnwand fafsen und eingegoffene Infchriften hatten, welche dem Heizer ihre Handhabung lehrten, und die zierlichen mit Drehfchieber verfehenen Heizthüren gaben jedem Keffel ein elegantes und folides Aeufsere. Er lag vorne um 5 Centimeter tiefer als rückwärts, um das Waffer völlig durch das Ausblasrohr entleeren zu können, welches fich mit einem gufseifernen Knierohre dem tiefften Punkte anfchlofs. Die Feuerfläche betrug 69 5 Quadratmeter, die Rofte hatten 3.1 Quadratmeter oder circa 1/22 der Keffelfläche, die Züge o 53 Quadratmeter, das ift etwas weniger als 16 des Roftes zum Querfchnitt, was völlig ausreichende Verhältniffe zu nennen find. Der Adamfon- Keffel. 11 Bei Verdampfproben mufs diefer Keffel nicht nur eines Syftems überhaupt, fondern befonders der in das Feuerrohr eingefetzten Galloway- Rohre halber gute Refultate geben. Ich will weniger die 10 8fache Verdampfung hervorheben, welche nach vertrauenswerthen Verfuchen mit( natürlich befter) Welfhkohle erzielt wurde, und bei der man nicht weifs, wie viel auf das mitgeriffene Waffer fällt, als anführen, dafs man dabei o 86 Kilogramm( 19 Pfund englifch) per Stunde und indicirte Pferdekraft bei einer circa 50pferdekräftigen Mafchine benöthigte. Mit einer Condenfationsmafchine, welche in gutem Stande arbeitet, follen folche Keffel bei 3 bis 4 Atmoſphären genügenden Dampf für 250 indicirte Pferdekräfte liefern, was o 28 Quadratmeter Heizfläche per Pferd entſpräche. Die Ausftellungskeffel waren für vier Atmoſphären Maximalfpannung erklärt und ihre Blechdicke fcheint nach der Formel 6094 Dp+ 3 beftimmt worden zu fein, wobei nicht vergeffen werden darf, dafs fie an den entfcheidenden Stellen doppelt verniethet waren. Die Adamfon- Keffel. Die zwei Dampfkeffel von Daniel Adam fon& Comp. in Hyde Junction bei Manchefter hatten diefelben Aufsendimenfionen als die vorherigen, nämlich 7:30 Meter Länge und 2.13 Meter Durchmeffer. Die zwei Feuerrohre gingen faft der ganzen Länge nach cylindrifch durch, und nur die vorletzte Innentrommel war conifch und verkleinerte den Durchmeffer von 837 auf 762 Millimeter. Einer der beiden Keffel beftand aus Eifen-, der andere aus Stahlblech; der Aufsenkörper eines jeden war aus acht cylindrifchen Trommeln mit je zwei Tafeln im Umfange angefertigt; beim Eifenkeffel waren die Längsreihen der 13 Millimeter ftarken Bleche doppelt, die Rundftöfse einfach geniethet, während der Stahlkeffel an feinen 10 Millimeter dicken Platten durchwegs doppelte Verniethung trug. Die Innenrohre beftanden gleichfalls aus je acht Trommeln, deren Enden durchwegs flanfchenartig aufgebogen und immer mit einem Zwifchenringe verniethet waren, um das Verftemmen möglich zu machen. Die Langnäthe derfelben waren gefchweifst, mit Ausnahme der zwei erften unmittelbar den Feuerherd umfchliefsenden Ringe, welche aus Stahlblech gefertigt und an den Längsfugen ( unterhalb des Roftes) doppelt geniethet erfchienen. Die rückwärtigen Trommeln enthielten dann noch je eine bis zwei conifche( Galloway-) Röhren eingefchweifst, deren in jedem Feuerrohre acht in gekreuzter Lage vorkamen. Eine lag zur Anficht im Keffelhaufe, deren Schweifsftellen kaum zu finden waren; nach Schlufs der Ausftellung fand ich aber am gebrauchten Keffel an der conifchen Trommel hinten beim Flanfch eine Schweifsftelle, mehrere Centimeter lang fehr deutlich fichtbar. Die beiden Böden waren je aus einem Stück, und der hintere mit eingebogenen abgedrehten Rändern in den Aufsenkeffel geniethet, während die aufgebogenen Flanfchenenden der Feuerrohre an die auf der Drehbank herausgeftochenen Oeffnungen ftiefsen. 000000 Die Böden waren mit je fünf oberen und zwei unteren Eckverfteifungen verfehen, welche fich abwechfelnd an die erfte und zweite Aufsentrommel fchloffen, und hatten aufserdem noch einen Kreiswinkel zwifchen Rohrmündungen und Aufsenrand aufgeniethet. Wo die Rohre mündeten, waren aber auch deren aufgebogene Flanfchen, oder vielmehr deren Kreiskanten mit einem einfchmiegenden Winkelringe umgeben, welcher mit an den Boden und das Rohr geniethet, jene durch die Rohrfpannung auf Biegung beanfpruchten Kanten und 12 Flächen fteif hielt, und fo der Corrofion vorbeugen follte, die fonft an ähnlichen Stellen zu erwarten fteht. Aber auch das Dichthalten wird erleichtert, wo unbiegfame Stöfse aufeinander treffen. Die anderen FeuerrohrFlanfchen erfchienen aber mit grofsen Halbmeffern gekrümmt, und ihre bedeutende Anzahl mag wohl jene Verlängerung geftatten, welche folche Rohre verlangen; überdiefs werden mit diefer Verbindungsart auch fämmtliche J. F. Radinger. Niethköpfe und Materialhäufungen der Wirkung des erften Feuers entzogen, wie diefs fchon lange bekannt, wenn auch der Koftfpieligkeit halber nicht fehr verbreitet ift. Die fämmtlichen Niethlöcher wurden angeblich mit den eigens zu diefem Zwecke conftruirten Bohrmaschinen nach dem Biegen der Platten gebohrt, wodurch die Bolzen die nicht verzogenen, fondern genau runden Löcher aufs Befte ausfüllen können, wie man aus einer durchſchnittenen Niethung erfah, welche im Keffelhaufe auflag. Nur waren dort Kupferniethen ftatt der eifernen eingeſetzt, um, durch die Farbendifferenz geleitet, defto beffer zu erkennen, was Niethe war und was Blech. An bemerkenswerthen Armaturftücken waren diefe Keffel mit je einem Dampfventile verfehen, welches ganz fo wie bei den Galloway- Keffeln mit dem gefchlitzten Sammelrohre ins Innere reichte; dann mit zwei getrennten, direct belafteten Sicherheitsventilen, nach jener bekannten Zeichnung des Mancheſter Keffelvereines, wo das Ventil am oberen Ende eines ziemlich hohen Rohres fitzt, und welches von einem Bügel niedergedrückt wird, an dem die( 9) Belaftungsfcheiben, das Rohr umgebend, hängen. Diefe Belaftungsweife hat aber, abgefehen von der Unbequemlichkeit des Abnehmens und des leicht möglichen Excentrifchwirkens der Ringfcheiben den Hauptnachtheil, dafs das Probelüften defto fchwerer wird, je weiter der Dampfdruck von feiner Grenze entfernt ift. Unter dem rückwärtigen Ventile befand fich noch im Innern des Keffels ein Hebel, an deffen langem Arm ein balancirter Schwimmer hing und deffen Uebergewicht die Ventilplatte mittelft einer Druckftange heben follte, falls das Zutieffinken des Wafferftandes denfelben trocken legte. Auch diefs ift eine wahrfcheinlich oft verfagende Complication. Ferner trug jedes Feuerrohr ein Meffing- Rohrftück oben auf der zweiten Trommel, auf welches ein Meffinghütchen mit fchmelzbarem Deckpfropfen gefchraubt war, um das Feuer fchon bei einem Tiefwaffer zu löfchen, welches immerhin noch einige Centi, meter ober den Rohren fteht. Die Schaum- und die Speifewechfel mündeten hier gerade fo wie bei den Galloway- Keffeln vorne, fymmetriích zu beiden Seiten, an der Stirnplatte oben in der Mittel- Wafferhöhe, und jeder war im Innern mittelft eines horizontalen Rohres fortgefetzt. Das Speiferohr hatte der Keffelachfe zugekehrte Schlitze und follte beim Speifen den Wafferfchaum, der die Oberfläche deckt, zur entgegengefetzten Langfeite des Keffeis ftofsen, hinfegen. Dort lag aber das Entfchaumrohr. Der Adamfon- Keffel. 13 Centimeter 100 I 3 4 5 Meter. ড Mafsftab 1: 100 der Natur. welches den beiftehenden Querfchnitt hatte und go Centimeter lang war. Deffen obere Rinne mündete mittelft drei enger Löcher an das untere 55 Millimeter weite Rohr, und diefes an das aufsenftehende Schaumventil, auf welchem die Infchrift den Wärter aufforderte, täglich zwei Mal je zwei Zoll des Keffelwaffers auszublafen. Ein unterer Ablafs- oder Schlammwechfel, der fich mit einem Trichter Gufsknie an den Keffel fchlofs, erlaubte dann noch die Wegfchaffung der fchwereren Niederfchläge durch theilweifes Abblafen oder das gänzliche Entleeren. Diefe Keffel waren ganz gleich mit dem Galloway- Keffel mit je einem oberen und unteren Mannloche verfehen, deren oberes rund und mit circa 20 Schrauben aufgefchraubt war, während das untere foweit nach einwärts gedrückt erfchien, dafs eine Schutzplatte vor die Bügel kommen konnte, wodurch der Keffel eine ebene Stirnanficht bot. Die Feuerung der Keffel fand vorne innen, auf den je 185 Meter langen Roften ftatt, und die Gafe fielen dann in den unteren Canal, deffen Länge fie nach vorne gemeinfam durchzogen, nachdem durch eine kurze( 50 Centimeter lange) Zunge ihr Nebeneinandftrömen eingeleitet war. Vorne mufsten fie fich wieder trennen, um in den zwei Seitenzügen nach rückwärts und zur Effe zu gelangen. Jeder diefer beiden Seitenzüge hatte feine gefonderte Drehklappe zur Regelung feines Zuges, welche mit Kegelrädern, Welle und Kurbel von vorne ftellbar war. Ich kann mir keinen anderen Grund diefer abweichenden Einmauerung denken, als dafs vielleicht dem Entfchäumen durch Concentrirung des Feuers auf einer Keffelfeite Vorfchub geleiftet werden follte. Diefe Vermuthung wird durch die Querfchnitts- Verhältniffe der Züge unterſtützt, welche im gemein famen unteren Canal o 60 Quadratmeter, in jedem Seiten canale aber o 40 und bei den Drehklappen o 55 Quadratmeter Fläche befassen. Die Heizfläche berechnet fich auf circa 65 Quadratmeter, die Roftfläche auf 2.9 Quadratmeter und 1/22 der Heizfläche, während der Zug ½ der Roftfläche einnahm, was völlig richtige und reichliche Verhältniffe find. Sie waren für 4% Atmoſphären höchften Druck beftimmt, und die doppeli genietheten Eifenbleche fcheinen nach der Form= 1. Dp+ 3 Millimeter bemeffen zu fein. 14 J. F. Radinger. Der Eifenkeffel wog 10.500, der Stahlkeffel 10.000 Kilogramm; fie waren zu Ende der Ausftellung um 625 und 670 Pfund Sterling, unverzollt und loco Ausftellung, fammt aller Armatur, complet verkäuflich. Cater& Walker. Ein bemerkenswerther und in mancher Beziehung von den bisherigen Syftemen abweichender Keffel war Cater's Patentkeffel von Cater& Walker zu Southwark bei London. Der cylindrifche Aufsenkeffel von 4.26 Meter Länge und 2.13 Meter Durchmeffer wurde unten vorne von einem 2 Meter langen, 1.22 Meter breiten Rofte geheizt. Die Gafe ftrömten am halben Keffelumfange, aber nicht ganz nach hinten, denn 74 Centimeter vom Hinterboden entfernt ſchnitt quer in den Keffel eine unten und feitlich offene, 84 Centimeter hohe, 55 Centimeter breite Umkehrkammer, deren obere Vorderwand 42 eiferne Rohre von 95 Millimeter Weite aufnahm, während die Rückwand noch 19 Centimeter breit vom Waffer gekühlt blieb. Die Rohre zogen nun mit fchwacher Steigung nach aufwärts vornehin and mündeten in eine zweite( 55 Centimeter tiefe) Kammer, welche vorne in den Keffel eingefchoben erfchien. Diefe hatte mit dem Aufsenkeffel im Abftande von 16 Centimeter concentrifche Seitenwände, während ihre Höhe von I Meter durch ebene Blechflächen begrenzt wurde. Eine zweite Gruppe von 62 engeren Rohren( à 75 Millimeter Weite) zog nun aus der oberen Hälfte diefer Kammer wieder mit fchwacher Steigung nach rückwärts und endete an dem Keffelboden, von wo ein Blechfchlot zur Effe ging. Die vordere Kammer enthielt drei ftehende, die rückwärtige ein liegendes Rohr von je 130 und von 150 Millimeter Durchmeffer eingeniethet, welche fowohl die flachen Wände mächtig verfteiften, als auch dem Waffer eine gefunde Circulation erlaubten. Die Keffelböden waren auch, und zwar durch je vier obere Eckwinkel verfteift; der vordere hatte noch zwei untere Eckwinkel, der rückwärtige aber Stehbolzen, welche ihn mit der hinteren Umkehrkammer- Wand verbanden. Jeder Keffelboden war aus einem Stücke und aufgebogen; der Hinterboden aber fo weit ausgehauen, als es die anftofsenden Rohre verlangten, welche durch ein eigens aufgeniethetes Blech mündeten, wie es die Vorficht einer Reparatur verlangt. Der Aufsenkeffel beftand aus fünf conifchen Trommeln 16 Millimeter dicken Blechen, deren Langftöfse doppelt geniethet waren, was d= 15 D p+ 3 entfprechen würde. In dem Profpecte, welcher für die Ausftellung gedruckt und dort vertheilt wurde, erfchien ein Dampfdom auf den Keffel gefetzt; in Wirklichkeit erhielt er aber einen Dampffammler von 2.6 Meter Länge und 12 Meter Durchmeffer, welchen der einzige, 40 Centimeter weite Verbindungsftutzen balancirend trug. Es fcheint alfo, dafs der Dom erft im letzten Augenblicke durch den Sammler verdrängt wurde, wie es der fchon früher begründeten, neueren englifchen Richtung entſpricht, welche die Dome verwirft. Oben am Sammler fafs das Dampfventil. Um aber die Bildung eines Wafferkegels unter dem Stutzen zu vermeiden, wurde es nicht in deffen verticale Flucht, fondern nach hinten gefetzt, und um den Sammler doch wieder centrifch zu belaften, bog es fich mit einem angegoffenen Knierohre über die Mitte, fo dafs die Griffrad- Spindel horizontal zu liegen kam. Diefer Keffel ftellte ein Syftem dar, welches für den Transport ganz prächtig geeignet ift, indem das Mauerwerk aus einem einfachen Bett für die ° ° ° ° Cater& Walker. wwwwww H Centimeter 100 2 3 5 Meter. Mafsftab 1: 100 der Natur. 15 Lagerung des Keffelkörpers befteht, von jeder Stichflamme verfchont bleibt, und keine weitere Anforderung an dasfelbe herantritt. Die vordere Kammer hat zwei Auffchlagthüren, um die Rohre durchfahren zu können, und eine Putzthür hinten, welche die Umkehrkammer zugänglich macht. Armirt war der Keffel in gewöhnlicher Art. Er befafs zwei WafferftandGläfer vorne, ein Manometer oben( letzteres war zu Anfang der Ausftellung fo angebracht, dafs es der Heizer von unten nicht fehen konnte) und zwei Sicherheitsventile am Paarftutzen vorne mit Hebelbelaftung. Eines der letzteren war in einem gefchloffenen Gehäufe untergebracht, welches in der Nähe der Ventilplatte gegittert erfchien. Der Keffel trug drei Auffätze, einen für die Ventile, einen für den Dampffammler und einen für das Mannloch; alle drei waren mit aufgebogenem Rand gefchmiedet und aufgeniethet. Der Mannloch- Deckel konnte, je nachdem es dem Heizer gefallen mochte, als aufgefchraubt oder vorgelegt behandelt werden, indem die aufgefchraubte Blechplatte einen elliptifchen Mannloch Deckel aus verfteiſtem Blech mittelft zweier Bügel hielt. Vorne unten am Keffelboden war noch ein zweites Mannloch mit Vorlegdeckel angebracht, durch welches man in den Raum unter den Rohren gelangte. Der Betriebsdruck follte im Maximum nicht mehr als vier Atmosphären betragen, die Heizfläche ftellte fich auf circa 105 Quadratmeter, die Roftgröfse auf 2.4 Quadratmeter, 44 der erften: die unteren Rohre gaben o 30, die oberen 0.27 Quadratmeter Querfchnitt, was 8 und der Roftfläche gleichkommt. Man fieht daraus, dafs der Roft gegenüber den Rohrquerfchnitten fchon ungewöhnlich grofs, gegenüber der Heizfläche aber zu klein erfcheint. Diefes Mifsverhältnifs wird auch durch den Umftand noch weiter klar gemacht, dafs der Keffel laut Angabe für 50 Pferde Dampf liefert oder normal 50 Cubikfufs englifch 2 બાળ વા 16 J. F. Radinger. 14 Cubikmeter Waffer per Stunde verdampft. Daher entfallen per Quadratmeter Heizfläche nur 13 Kilo( per Pferd 21 Quadratmeter Heizfläche), was ungefähr die Hälfte deffen ift, was man von anderen guten Keffeln erhält, deren Querfchnitte aber nicht fo unglücklich klein ausfallen wie hier. Ein zeitweiliges Forciren wird bei diefem Keffel unmöglich fein, wo fchon für den normalen Betrieb ein ftark ziehender Kamin nöthig ift, um die Gafe durch die droffelnden Rohre und über die fcharfen Biegungen zu führen. Die als vorfichtig bekannten Reading Iron Works nahmen ihn empfehlend in ihren Katalog. In der Londoner Ansftellung 1862 waren drei folche Keffel, der Wiener zeigte die Fabriksnummer 340. Letzterer wog 12.500 Kilo und war zu Ende der Ausftellung um 650 Pfund Sterling feil. وو Der Howard- Keffel. J.& F. Howard in Bedford hatten im englifchen Keffelhaufe einen ihrer Sicherheitskeffel" eingebaut, welche für hohen Druck( 10 Atmofphären) beftimmt find. An diefen Keffeln kommt abfolut keine Nietung vor, und fie beftanden aus zwanzig einzelnen gefchweifsten und gezogenen, wenig anfteigenden Rohren aus 8 Millimeter dickem Eifenbleche von je 230 Millimeter Durchmeffer und 3.65 Meter Länge. Jedes Rohr war nur am rückwärtigen Ende gehalten, nach vorne aber frei, fo dafs feiner ungehinderten Ausdehnung nichts entgegenwirkte. Diefes rückwärtige Halten zum Zwecke der Verbindung des Innenraumes eines jeden Rohres mit den übrigen gefchah durch die Verfchraubung von je fünf übereinander liegenden Rohren an vier nebeneinander ftehende Verticalrohre, welche oben durch je ein engeres Knie in einen querliegenden Dampffammler mündeten. Letzterer war von Gufseifen, hatte 18 Meter Länge, 350 Millimeter Durchmeffer, 21 Millimeter dicke Wände und trug drei Angüffe für je ein Dampf- und zwei Sicherheitsventile. Vor der unterften Rohrreihe lief quer das Speifewaffer- Rohr hin, welches mit jedem der dortigen Rohre verfchraubt war, und Field'fche Einlagen in fämmtlichen Rohren erleichterten die Waffercirculation während des Betriebes. Das Feuer brannte vorne unter den Rohren und feine Gafe durchbrachen deren Zwifchenräume, um zum Fuchs zu gelangen, der fich oben rückwärts anfchlofs. Dabei war ihr Weg nicht der gerade, fondern fie wurden durch eingelegte Gufsplatten gezwungen, zuerft an den beiden Unterreihen nach rückwärts, dann an der nächften Reihe nach vorne, und dann wieder zurück zu ftrömen, und ihr Weg glich fo einem S. Der niederfte Wafferftand füllte eben die drei unteren Zeilen von Rohren, während auch der höchfte nicht in die oberfte Reihe trat. Daher waren immer eine oder zwei Rohrzeilen von Waffer entblöfst, und indem fie der letzte Zug der Gafe beftrich, konnte der darin enthaltene( ftagnirende?) Dampf getrocknet, refpective überhitzt werden. Zum Zwecke des Verfchluffes und der Reinigung trug jedes Rohr vorne an feinem freien Ende ein kurzes Schaltrohr, worauf eine mit Gewinden eingezogene Schmiedeflanfche kam, gegen welche eine aufgefchliffene Gufsplatte mit vier Eckfchrauben geprefst wurde. Diefe Schlufsplatten lagen aber von der Einwirkung des Feuers durch einzelne Gufstafeln getrennt, die vorne zwifchen den Rohren eingelegt wurden und eine Wand bildeten. Ueberdiefs waren dort noch Halfen aus Flacheifen verwendet, welche die Rohre ftützten und ihnen einen gleichbleibenden mittleren Abftand von 360 Millimeter ficherten. Die Verbindung hinten mit den Stehrohren gefchah je durch ein kurzes, 5 Centimeter freiliegendes Zwifchenrohr, welches an beiden Enden ein Schraubengewinde trug, mit dem es einerfeits in die Länge des Horizontalrohres, anderfeits aber in die Wand des fchmiedeifernen Stehrohres griff. Diefes letztere war Der Howardkeffel. 冠 冠 OOO Centimete 100 7 3 4 5 Meter 17 Mafsftab 1: 100 der Natur. nämlich vorne und hinten abgeflacht, und fein Querfchnitt mafs 26 Centimeter zwifchen und 20 Centimeter längs den Flachfeiten. Es war 178 Meter hoch, 11 Millimeter in den Wänden ftark, und durch eingefchweifste ebene Böden oben und unten gefchloffen. Das viertelkreisförmige Verbindungsrohr mit dem Dampffammler fetzte fich oben mit einem Gewinde und Gegenmutter in die Decke des Stehrohres und mit einem Holländer an den Sammler. Die Heizrohre waren aber an beiden Enden durch eingefchweifste Ringe verftärkt und erft in diefe griffen die Gewinde der Verbindungsftücke. Die Einmauerung wurde oben durch Gufsplatten gefchloffen, welche auf verrippten Querträgern ruhten und ein dünnes Pflafter deckte das Ganze. Auch die Vorderwand beftand aus einzelnen wegnehmbaren Gufsplatten, welche eine leichte Caffettirung fchmückte. Das Abwärtsfallen der Gafe durch einen verticalen Fuchs am hinteren Ende der Mauerung mufste aus örtlichen Rückfichten eingeleitet werden. Was die Arbeit betrifft, fc waren die Rohre wunderbar hergeftellt, und alle Verbindungen dauernd dicht. Ich nahm vor der Aufftellung eine hydraulifche Probe mit 17 Atmoſphären Ueberdruck vor, und befah den Keffel wieder, als er nach fechsmonatlichem Betriebe aus feinem Mauerwerk geriffen war. Mit einer einzigen kleinen Ausnahme in einer Verfchraubung war aber nirgends eine Spur von Lecken oder eines Schadens im Bleche zu finden, fo dafs ihn bezüglich des Feft- und Dichthaltens kein Vorwurf treffen kann. Anders ift es aber bezüglich feiner Arbeitsweife. Der Waffer- und der Dampfraum find im Vergleiche zu anderen, bei diefem Keffel klein. Ein Schwanken des Druckes und der Wafferhöhe wird alfo bei ungleichförmigem Betriebe rafcher, ja cft ungeahnt plötzlich einfallen, und es bedarf eines befonders aufmerkſamen Heizers und wohl functionirender Apparate, um beide in ungefährlichen Grenzen zu halten. Der Keffel darf nicht überangeftrengt werden, was auch manchmal zu können wünſchenswerth fcheint. Denn nachdem fchon bei normalem Betriebe dadurch, dafs der aus vier, vielleicht auch aus fünf Röhren( 10 bis 12'5 Quadrat2* 18 J. F. Radinger. meter Heizfläche) kommende Dampf aus dem kleinen Waffer- ,, Spiegel" des Stehrohres von circa o'05 Quadratmeter entfteigt( 4000 bis 5000 Kilogramm per Stunde und Quadratmeter Wafferfläche), wird er ftark nafs in den Sammler gelangen, und der Condenfirtopf wird in feiner Leitung eine wichtigere Rolle fpielen und befchäftigter fein als fonft. Bei einem Forciren aber müfste fich das Uebel verfchlimmern und den beabfichtigten Betrieb fchäumend wehren. Wo aber ein ruhiger gleichmässiger Bedarf mit reichlich bemeffenem derartigen Keffel gedeckt wird, mufs der Vortheil, den die Zulaffung höherer Spannung gewährt, felbftverſtändlich zur Geltung kommen. Die Sicherheit gegen directes Aufreifsen der Rohre ift Dank ihres kleinen Durchmeffers bedeutend höher als bei den älteren Syftemen, und war bei dem ausgeftellten Keffel bei 10 Atmoſphären Druck circa 30fach, während fich felbft die alten Keffelgefetze mit 8- facher Sicherheit begnügten. Die Herren Howard's gaben an, dafs die Rohre einen Druck von 100 Atmoſphären ohne den geringften Schaden zu nehmen, aushalten, was mit Obigem ftimmt. Freilich darf aber auch keine Verfchraubung oder andere Verbindung aus was immer für Gründen nachgeben, und ein Ausfchleudern des Rohres zulaffen, was bei ähnlichen explodirten Keffeln vorkam, wenn der Name Sicherheitskeffel beftehen foll. Es erfcheint daher als eine wefentliche Verbefferung, und ich bemerkte es an einem erft nach der Ausftellung eingeführten Keffel, wenn jedes Rohr von einer Ankerfchraube durchzogen wird, deren Kopf an der Hinterwand des Stehrohres dichtet, deren Mutter aber auf einen Bügel drückt, welcher innen ganz dicht hinter der vorderen Abfchlufskappe fitzt. Allerdings wird die Reinigung dadurch erfchwert, aber die Sicherheit wefentlich erhöht. Diefe Keffel find leicht zu transportiren und aufzuftellen. Die Auswechslung eines allenfalls befchädigten Rohres durch einfaches Ausfchrauben( nach Auflage eines erhitzten Ringes auf das zu löfende Gewinde) und Eindrehen eines neuen gefchieht mit einem eigenen paffenden Schlüffel, welcher ftatt des abgenommenen Deckels an die Flanfchen gefchraubt wird leicht und fchnell, und duldet. keinen Vergleich mit Zeit und Arbeit, den das Auswechfeln einer Feuerplatte bei den Normalkeffeln koftet. Der Raum, den fie einnehmen, ift gering, und das Reinhalten nicht fchwer. Allerdings will fich der Keffelftein gerade auf den Feuerblechen mehr als anderwärts anfetzen, weil fämmtliches Waffer beim Speifen dort eintritt; aber da man weifs, wo er zu finden, und durch Ausblafen oder Putzen beftimmt zu entfernen ift, fo entfällt diefer Mifsftand zum Theile. Früher wurden fie( fiehe Parifer Ausftellung 1867) mit ftehenden Heizröhren ftatt der jetzt verwendeten liegenden gebaut. Die Rückficht auf die leichtere Reinigung brachte das nun vorgeführte Syftem, in welchem auch den Dampfblafen ihr Anfteigen und dem Keffelfteine das Niederfallen in der gewünſchten Richtung vorgezeichnet erfcheint, aber dennoch jedes Rohr zugänglicher wurde. Auch die Verbindungsart der Stehrohre mit dem feitlich gelegten Sammler durch ein gebogenes Rohr entftammt der neueren Zeit; früher lag derfelbe direct quer über jenen, und ein kurzer Hals kuppelte die beiden. Aber die ungleichen Ausdehnungen verlangten das nachgiebige Glied. Für Hüttenzwecke erfcheinen fie mit vergrössertem Sammler entworfen, und wo fie in der Ueberhitze liegen follen, verwehrt eine feuerfefte Decke den Heizgafen ihr Spiel an den oberen Rohrzeilen. Die Heizfläche des ausgeftellt gewefenen Howard- Keffels( Fabriksnummer 1612) war 42 Quadratmeter, die Roftfläche mafs 17 Quadratmeter oder nahe 1/25 Der Sinclair- Keffel. 19 der erften. Der Zug mit o 4 Quadratmeter befafs etwas weniger als 14 der Roftfläche. Er wog 6000 Kilogramm und koftet circa 3400 fl. Der Sinclair- Keffel. John Mr. Nicol in Glasgow brachte einen uneingemauerten Keffel, im Freien liegend zur Anficht, deffen Gefammtanordnung fich von der Howard'fchen dadurch unterfcheidet, dafs die geneigten Heizrohre fowohl vorne als hinten in Stehrohre münden, wodurch ein Waffer- Kreislauf entstehen foll. Dann find noch vier geniethete cylindrifche Keffel mit dem dampferzeugenden Syfteme verbunden, deren zwei untere die Wafferhöhe( im halben Durchmeffer) leichter erhalten follen, während die beiden oberen als Dampffammler dienen. Der Verfchlufs jener Oeffnungen in den Stehrohren, welche das innere Reinigen der Heizrohre geftatten, war durch eingefchliffene kegelförmige Pfropfen bewerkstelligt, welche durch Innenbügel und Aufsenfchraube gehalten wurden. Ob fich die conifche Einpaffung der Heiz- in die Stehrohre bewährt und die ftarren Rohrgitter auch im Betriebe dicht bleiben, konnte am kalten, neuen Keffel nicht beurtheilt werden. Die Economifers. Die Kohlenfparer oder Economifers find Druckvorwärmer, welche, im abziehenden Rauche liegend, deffen letzte verfügbare Wärme durch das Speifewaffer ausnützen. Deren Conftruction und Wirkungsweife ift wohl zu bekannt, als dafs eine Befchreibung hier am Platze wäre, und ich will nur anführen, dafs jedes einzelne der gufseifernen Rohre, deren fo viele angewendet werden, als der betreffende Keffel Pferdekräfte" hat, eine Oberfläche von I Quadratmeter, eine Höhe von 3 Metern, einen Durchmeffer von II Centimetern und eine Wandftärke von 10 Millimetern befitzt. Sie follen die Temperatur des Speifewaffers um mindeſtens 60 Grad Celfius erhöhen und find befonders dort angezeigt und thatfächlich in häufiger Verwendung, wo eine Steigerung der Dampfproduction durch Forciren der Keffel erwünſcht wird. Ift nun der Zug ausreichend, dafs auf den beftehenden Roften unverhältnifsmäfsig mehr Wärme erzeugt werde, als die Heizfläche aufnehmen kann, fo mufs deren Vergröfserung durch was immer für einen Vorwärmapparat, welcher dann in den abziehenden Gafen liegt, von günftigem Einfluffe auf den Heizeffect werden. Ob gerade die dickwandigen, doch nur halbflächig geheizten, innen fchwer zu reinigenden, nicht von jeder Fabrik reparirbaren Economifers die paffendften Apparate find, oder ob nicht durch eine andere Vergröfserung der Heizfläche ( Zugabe eines Vorwärmers) oder gar durch Aufftellung neuer Keffel und Rückführung der alten überangeftrengten in den Normalzuftand der beabsichtigte Zweck im Gefammten ökonomifcher zu erreichen ift habe ich noch nicht ftudirt. Jedenfalls ift es aber gewifs, dafs ein gefund dimenfionirter und normal zur Arbeit herangezogener Keffel keinen Economifer braucht oder felbft verträgt, weil bei einem folchen die Gafe nur mit jener Temperatur abgehen, welche fie eben zu ihrem Auffteigen im Schornfteine benöthigen, und daher keine Wärme mehr abgeben können. Wie richtig diefes ift, dafs der Economifer nur bei forcirten Keffeln wohl angewendet wird, geht daraus hervor, dafs derfelbe den Zug laut Zeugniffen verbeffern foll. Diefer ift bekanntlich ein Maximum für circa 250 bis 300 Grad im Schornfteine, und finkt mit fteigender( und fallender) Temperatur. Folglich müfste 20 J. F. Radinger. vor Einbau des Apparates eine höhere als diefe Wärme abgezogen fein, wo dann allerdings der Economifer als Kohlenfparer wirkt. Die Detaillöfungen diefer Apparate find höchft vollendet. Der Green'fche Economifer ift der weiteftverbreitete. Seine Rohre find oben und unten mit conifchen Enden in die Gufsmuffen der Hauptrohre eingerieben und mit fechsfachem Normaldrucke mit hydraulifchen Preffen eingedrückt. In der Flucht der Rohre oben find eingefchliffene Deckel angebracht, und eine eigene Bohrmaschine beforgt das zeitweilig nothwendig werdende Ausbohren von gleichzeitig acht Rohren von Keffelftein. Die Rufsfchaber, welche durch eine Transmiffion aufsen das Rohr auf und niederfahren, find zweitheilig und das einwärts hängende Eigengewicht drückt ihre verftählten Schneiden gegen das Rohr. In Paris 1867 waren fie noch eintheilig. Die Transmiffion felbft erfchien einfacher als die frühere. Ein anderer war Twibill's Economifer, ähnlich dem Green'fchen Apparat, er hatte aber fchraubenförmige Schneiden ftatt in der Ebene liegende. Seine Rohre waren oben mit Flanfchen verfehen und verfchraubt, ftatt des conifch eingerie. benen Verfchluffes von Green. Bell's Economifer fcheint mehr ein Giefserei- Kunftftück als ein Dauerapparat. Es find weite gegoffene Schraubenrohre, das heifst Kohre von circa 10 Centimeter Durchmeffer, welche nicht gerade find, fondern nach einer Schraubenlinie mit 8 bis 10 Windungen gebogen erfcheinen und an welchen fich der Kratzer, den eine centrale Umfteuerwelle mitnimmt, von felber führt. Solch ein Schrauben. rohr ift natürlich nicht in Einem, fondern in Stücken von je einer Halbwindung mit beiderfeits engeren Anfätzen vorgegoffen, welch letztere dann durch übergoffenes Eifen verfchweifst find. Eine innere Reinigung ift dabei nicht möglich, wohl aber die Verbindung mit den aufgegoffenen Muffen unlösbar dicht. Die franzöfifchen Keffel. Frankreich hielt fich von der Mafchinenausstellung ziemlich fern. Seine gröfsten Firmen( Cail& Derosne, Farcot& Söhne, Gouin& Comp., Flaud, de Coster u. A.) waren gar nicht vertreten, und fo kann felbftverftändlich aus dem Wenigen, was man fand, kein Schlufs über die Gefammtanfchauungen diefes regen Landes auf diefem Felde neu gezogen werden. Im Allgemeinen ift es bekannt, dafs dort faft ausfchliefslich Bouilleur- und Röhrenkeffel verwendet werden; dafs man mit den Spannungen höher geht, als es in England für Stabilkeffel normal ift. ohne aber an die Extreme zu langen, und dafs die( fonft aber tüchtigen) franzöfifchen Conftructionen in der Regel nicht den allereinfachften Weg nehmen, fondern es lieben, ftets etwas Neues zu zeigen, was fich insbefondere an den minder wefentlichen Details entfaltet und immer geift. reich, aber häufig als gefucht erfcheint. Obgleich auch in Frankreich kein Zwang mehr befteht, welcher die Blechdicken regelt, fo fcheint man an dem vergangenen Gefetze noch heute freiwillig feftzuhalten, während man überall anders deffen Fall als Erleichterung anfah und benützt. Die Ausführung ift faft ausnahmslos tadellos, wie es z. B. die häufige Verwendung von völlig dichthaltenden Dampfhähnen( ftatt der Ventile) felbft bis zu den gröfsten Durchmeffern( 10 Centimeter und mehr) kennzeichnet. An Bronze wird weniger gefpart als bei uns, und auf blanke Flächen mehr gefehen als irgend anderswo. Unterstützt wird die Keffelfabrication durch die Nähe und Einrichtungen der grofsartigen Eifenwerke in Frankreich felbft und dem nahen Belgien. St. Etienne z. B. ftellte hier Keffelbleche aus, welche die gröfsten bis heute erreichten Dimenfionen haben dürften: Eine Kreisplatte Der Parent Schaken- Keffel. 21 2'6 Meter Durchm., 16 Mm. dick 960 Kg. fchwer 99 Blechtafel 16 Meter lang 1'6 breit 16 " 99 29 3200 99 ,, " 9 99 8.5 99 24 16 99 99 " 99 2500 99 97 " An franzöfifchen Keffeln waren ausgeftellt: I Keffel von Parent Schaken( Compagnie von Fives Lille), I " 99 I 99 99 I " Claparede& Grenier in Lyon, Belleville in St. Denis, -Modell der Société Centrale de Conftruction des Machines, -Zeichnung von Albaret& Comp. in Liancourt. Der Parent Schaken Keffel. All - Der Keffel von Parent Schaken, Houet& Caillet( Compagnie de Fives Lille) ftellte einen Zufammenbau des Sieder- und Röhrenfyftemes vor. Der Hauptkeffel von 148 Meter Durchmeffer und 5.62 Meter Länge war mittelft je zweier kurzer, angenietheter Verbindungsftutzen mit zwei untenliegenden Siedern( Bouilleurs von je o 70 Meter Durchmeffer und gleicher Länge wie oben) verfehen, unter welchen vorne das Feuer brannte. Der ganze Heizumfang des Oberkeffels, fowie die beiden Sieder lagen insgefammt der Strahlung und dem erften Zuge des Feuers ausgefetzt, deffen Gafe nach rückwärts zogen. Dort ftiegen fie völlig zum Oberkeffel empor, durch deffen Länge 110 Rohre von je 68 Millimeter Durchmeffer nach vorne in eine Rauchkammer und zur Effe führten. Diefe Rauchkammer ward dadurch gebildet, dafs die vordere Rohrwand um circa o 5 Meter mehr nach einwärts ftand als das eigentliche Keffelende. Die nun vorftehenden Mantelplatten trugen vorne eine Putzthüre, hatten aber rechts und links fenfterförmige Oeffnungen, welche an zwei Canäle mündeten, die etwas rückwärts und dann zu beiden Seiten des Roftes fenkrecht niederführend fich in dem quer unter dem Afchfall durchlaufenden Rauchcanale vereinigten. So ftand der Keffel wohl von allen Seiten frei, aber die 4 Meter tief fenkrecht abfallenden Canäle übten einen Einfluís höchft nachtheiliger Art auf den Zug. Nicht nur, dafs ihre Richtung allein in folcher Länge verwerflich erfcheint, fo waren die Langfeiten derfelben nur aus 20 Centimeter dickem Mauerwerke aufgeführt. Solches trennte nun innen die Gafe von der Gluth auf dem Roft, und das dadurch herrührende Nachheizen mufste fie eher zu einem neuerlichen Auffteigen, einem Rückftau, als zu einem vier Meter tiefen Niederfallen geneigt machen. Aufsen kühlte fie aber die Luft durch eine gleich dünne Wand. Ich kann mir daher den Wirbelzug lebhaft vorftellen, der, die Querfchnitte auf die Hälfte verengend, dort auftrat, und die Gafe mufsten um fo zögernder dem Kamine folgen, als die Mauerung noch fünfmal ihre Richtung zwifchen den Rohren und dem Fuchfe brach. Dazu kam noch ein Mifsftand, an dem faft alle Röhrenkeffel leiden, deren Feuerung kein Blasrohr anfacht. Es ift diefs der kleine Gefammtquerfchnitt, den die Rohre im Verhältnifs zum Rofte unterzubringen erlauben, und welcher fich hier auf 1 des letzteren ftellte. Wäre diefes Verhältnifs günftiger gewefen und hätte ein feitlich oder hochliegender Canal( wie beim amerikanifchen Keffel) den Rauch feiner Kammer entführt, fo könnte diefe Anlage gewifs nicht fchon von Ferne durch den am meiften qualmenden Schornftein gekennzeichnet gewefen fein, wie es in der That der Fall war. Sonft zeigte aber diefer Keffel manche gute Conftruction. Schon der Umftand, dafs viele und dünnwandige Feuerflächen ober dem Rofte lagen, fteigerte 22 die Ausbeute des Verbrennproceffes Die Verbindungs- Stutzen zwifchen Oberkeffel und Sieder boten den erregten Dampf- und Wafferftrömen mit einem Durchmeffer von o 35 Meter eine Fläche von je o 096 Quadratmeter dar; weil nun die Heizfläche eines Sieders circa 9.6 Quadratmeter war, fo ftellte fich das mafsgebende Verhältnifsvon Durchflufs zur Feuerfläche auf 1: 100, was felbft für forcirten Betrieb ausreicht und keine Dampf- und Wafferftauungen bringt. Sie waren je aus einem einzigen an beiden Enden aufgebogenen Blechrohrehergestellt J. F. Radinger. 8 und der Mangel jeder Verfchraubung machte die Möglichkeit des Leckens entfallen. Er war ungewöhnlich forgfältig geftützt, und ruhte oben auf dem Mauerwerk und acht Pratzen( in Entfernungen von 14 Meter paarweife in der Mitte jeder Blechtrommel angeniethet), unten aber auf der die Heizthüre enthaltenden hochkantigen und ftark verrippten Stirnplatte und vier T- Trägern. Ober dem Roft hingen die Sieder an den Stutzen. Der Dom war im unteren Drittel feiner Höhe durch eine Verfchraubung getheilt und trug oben in der Gufsdecke die Flanfchenkniee für Dampf- und Sicherheitsventile. Die Gröfse der letzteren mit je 142 Millimeter Durchmeffer fcheint einer gefährlichen Anfchauung ihren Urfprung zu danken. Noch ftand ein Schwimmer mit magnetiſchem Wafferftand- Zeiger in Verwendung, und die übrige Ausrüftung trug eine gewiffe fichere Vollkommenheit und Formvollendung zur Schau. Der Keffel hatte mit fünf Atmoſphären Ueberdruck zu arbeiten und beftand oben aus fünf conifchen Trommeln, 15 Millimeter dickem Eifenbleche, was 16 Dp+ 3 Millimeter, faft die alte franzöfifche gefetzliche Stärke gibt, obgleich doppelte Längsniethung vorkam. Jede hatte zwei Platten im Umkreife, deren Längsftöfse fich genau im Horizontal durchmeffer trafen und doppelt geniethet waren; fie waren nicht verfetzt, fondern lagen fämmtlich in einer Flucht. Die Rundnäthe trugen einfache Niethung. Die Rohrwände waren aufgebogen und 20 Millimeter dick; ober den Rohren waren je vier Reihen Niethen zu fehen, welche wahrfcheinlich Verfteif winkel trugen. Die einfach genietheten Sieder hatten 10 Millimeter Wandftärke nach 62 Dp+ 3, alfo mehr als die frühere gefetzliche Beftimmung verlangte, und befafsen hinten im Feuerzug geprefste Böden, während die vorderen, welche das Mauerwerk durchragten, aus Gufseifen beftanden und die Mannlöcher enthielten. - Centimeter 100 Der Parent Schaken- Keffel. JU 00 3 4 5 Meter. 23 Mafsftab 1: 100 der Natur. Die Heizfläche ftellte fich auf 140 Quadratmeter. Der Roft war 2 2 Meter lang und 1.25 Meter breit, feine Fläche 2.75 Quadratmeter oder 51 der Heizfläche. Die Züge anfangs 1, in den Rohren 17, dann in den niederfallenden Canälen 14.3 und endlich im Fuchfe 1.8 der Roftfläche. Der Schornftein hatte oben 15.5 der felben, indem fein Durchmeffer 80 Centimeter mafs. Man erfieht aus diefen Verhältnifszahlen, welche Mifsftände mit den Röhrenkeffeln noch verbunden find. Der Roft ift zu klein für die Heizfläche, der Röhrenquerfchnitt zu klein für den Roft. Daher kann auch diefer Keffel nicht liefern, was feinem Aeufsern entſpricht; für kleinen Bedarf ift feine Fläche zu grofs, für grofsen Bedarf fein Roft zu klein. Er wog 12.500 Kilogramm und fchliefslich wurden 16.900 Francs für ihn begehrt. Claparede& Grenier in Lyon. Ein grofser Röhrenkeffel diefer Firma foll noch beim Ballon captif geftanden haben. Er beftand, wie ich authentifch vernahm, aus einem 2'1 weiten Aufsen- und einem 0.95 Meter weiten Innenrohre, deren Bleche 17 6 und 16 5 Millimeter ftark und einfach verniethet waren. 112 Gegenrohre, à 70 Millimeter weit und 2.2 Meter lang, führten das Innenfeuer nach vorwärts, wo fich der Schornftein erhob. Seine Heizfläche betrug 50 Quadratmeter und feine Dampffpannung follte 6 Atmoſphären betragen. 24 J. F. Radinger. Ich erfuhr aber von diefem entlegenen und ftets kalt gebliebenen Keffel erft lange nach Schlufs der Ausftellung und habe ihn nie gefehen. Der Belleville- Keffel. J. Belleville's& Comp. ,, unexplodirbare" Dampfkeffel find wohl fchon länger und hauptfächlich feit der Parifer Ausftellung her bekannt, und nachdem fie in deren officiellem öfterreichifchen Berichte in hervorragenderer Weife behandelt erfcheinen, fo würde hier wenig mehr zu fagen erübrigen. Doch waren einige Aenderungen in der Anordnung und den Einzelnheiten gegen dort zu bemerken, und die Mehrzahl jener artigen Daraufgaben durch neuere erfetzt, welche bei franzöfifchen Conftructionen fo üblich find. " So unterfcheidet fich das Modell 1872" von den früheren durch die aus. fchliefsliche Verwendung von geraden Röhren, während in Paris noch aus doppelter Länge abgebogene vorkamen. Die Zufammenftellung der Rohre zu einzelnen von unten nach oben ziehen< den Spiralen, welche nur an den beiden Enden durch Speife- und Dampfrohr mit den Nachbarrohren in Verbindung treten, und die Dimenfionen erfuhren keine wefentliche Aenderung. Ihre Kupplungsftücke, U- Kappen, aus hämmerbarem Gufse, in welche die Rohre mit Gegenmutter- Ring eingefchraubt find, und welche die Reinigungsöffnungen in der Rohrachfe mit ihren aufgefchliffenen, durch einen Innenbügel gehaltenen Vorlegdeckel enthalten, blieben fich gleich. Dafür war aber die Ausrüftung völlig geändert. In Paris folgte bei diefen Keffeln ein Dampftrockner, ein Dampfüberhitzer und ein Dampffammler übereinander; hier mündeten die einzelnen Heizfchlangen wohl auch in ein Querrohr, aber der Dampf zog, demfelben durch ein einfaches Gabelrohr entnommen, direct feiner Verwendung zu. Jene Keffel, welche kalt in der Mafchinenhalle ftanden, waren noch mit einem durch Centrifugalkraft wirkenden automatifchen Wafferfcheider verfehen. ( Der Keffeldampf wird tangirend in ein rundes Gehäufe geleitet, aus deffen Mitte fein Rohr weiter führt, während das an die Wand gefchleuderte Waffer durch den offenen Condenfationswechfel fliefst.) In Paris ward die Speifung durch jenen automatifchen Speife- Apparat von. Houget& Tefton in Verviers beforgt, welcher mit 4 Schwimmern, 6 Hebeln, ▸ Ventilen und einer Anzahl Ausrückungs-, Führungs-, Häng- und anderer Stangen, Klinken, Hähne etc. arbeiten und zugleich Waffermeffer fein foll. Diefer Apparat erfchien auch diefsmal vom obigen Haufe in der Mafchinenhalle ausgeftellt, aber die Belleville- Keffel wurden auf eine„ einfachere" Art automatiſch gefpeift. Seitlich des Keffels ftand nämlich ein weiter Gufscylinder und mit deffen Waffer- und Dampfraum in Communication. Er enthielt einen aufsen durch Gewichte balancirten Schwimmer, welcher die fortwährend gehende Speife. pumpe entweder mit dem Keffel oder dem Ablauf in Verbindung fetzte oder auch eine Alarmpfeife öffnete, falls die Pumpe nicht nachkommt oder verfagt., Ferner war hier der Keffel mit einer automatifchen Vorrichtung zur felbft. thätigen Stellung des Rauchzug- Schiebers verfehen; der Dampf- Wafferdruck wirkte nämlich mit einem Kolben auf eine unterftellte Spiralfedei, und die von Hand eingedrehte Kolbenftange griff das kurze Ende eines hochliegenden, 2'4 Meter meffenden Hebels an, deffen langes Ende das Regifter fenkte, wenn der Dampfdruck ftieg, aber bei deffen Fallen hob. Dafs diefe Apparate alle unveriäffig find, und den einfachen Mann, der als Heizer bei folchen Keffeln fteht, entweder einfchläfern, wenn ſie wirken, oder verwirren, wenn sie es nicht thun, beftreitet wohl Niemand. Centimeter 100 CH Der Bellevillekeffel. 5 Meter. 25 Mafsftab 1: 100 der Natur. Dafs aber das Nichtwirken öfters eintritt, ift nicht nur logifch vorauszufetzen, wenn man bedenkt, dafs die wenigften Heizer ihre einfachen Probirwechfel in Ordnung zu halten belieben, fondern ich fand es auch durch directe Erkundigung beftätigt. Uebrigens ift die Pumpe fo klein, dafs fie faft fortwährend fpeifen mufs, und wenn das Waffer einmal wärmer als gewöhnlich ift, fo kommt fie nicht mehr recht nach. Allerdings fetzen die Herren Belleville voraus, dafs dank ihren Zugaben die Keffelwartung ausfchliefslich im Autwerfen von Kohle zu beftehen braucht, indem fich alles Andere vom Speifen bis zum Dampfdruck und Zugreguliren von felber thut. Der arbeitende Keffel beftand aus 90 Rohren, welche in 5 Doppelreihen nebeneinander lagen, fo dafs je 18 Rohre eine Schlange bildeten. Diefe wurde unten gefpeift und ihr Dampf entwich aus der oberen Mündung. Dabei war nur die untere Hälfte des Ganzen mit Waffer erfüllt, und der Schaum, der fich durch die ausfcheidenden Dämpfe formte, konnte in der oberen Hälfte weiters in Dampf umwandelt werden, der aber dennoch nafs entwich. Ich beobachtete wiederholt ein Auf- und Niederwogen um 20 Centimetimeter höher im Glas, gar nicht zu wundern ift, wenn man die Verhältniffe näher befieht. Nimmt man nämlich nur die untere Hälfte der Rohre als waffergefüllt an, und fetzt die mäísige Dampfbildung von 20 Kilogramm per Stunde und Quadratmeter Heizfläche voraus, was bei dem grofsen Roft diefes Keffels felbft auf das Dreifache gefteigert werden könnte, fo folgt, dafs die Heizfläche eines einzelnen Rohrfyftemes( circa 6.6 Quadratmeter), 132 Kilogramm oder bei 10 Atmoſphären Druck 26 Cubikmeter Dampf ftündlich entfendet. Diefe müffen durch den RohrQuerfchnitt von o 00785 Quadratmeter paffiren, fo dafs der Dampf mit faft I Meter Gefchwindigkeit per Secunde dem Waffer entfteigt, oder genauer genommen, dafs 3300 Cubikmeter oder 16.800 Kilogramm Dampf per Stunde aus dem einzelnen Quadratmeter ,, Wafferfpiegel" entkommen. nt Mois Bei einem einfachen Cylinderkeffel von I Meter Durchmeffer und 2 Meter Heizumfang tauchten bei gleicher Heizung nur 40 Kilogramım Dampf ftündlich aus dem Quadratmeter des Wafferfpiegels oder der 420. Theil Dafs alfo beim Belleville Keffel mehrere Rohrreihen mit Schaum gefüllt find, welcher der Nachheizung dringendft bedarf, um in halbwegs trockenen Dampf verwandelt zu werden, ift klar 26 J. F. Radinger. Die Rohre waren 165 Meter ohne, 180 Meter mit den Anfatzftücken lang. befassen 100 Millimeter Durchmeffer und 6 Millimeter Wand. Die Sicherheit gegen das Zerreifsen ist nun allerdings hoch und bei 10 Atmofphären Ueberdruck noch immer circa fünfzigfach. Auch die Löfung einer Verbindung bleibt ziemlich ungefährlich, indem das betroffene, zweifeitig gehaltene, aufsen umfchraubte Rohr nicht leicht fortgefchleudert werden kann. In Frankreich follen folche Keffel allerorts und ohne Conceffion gegen einfache Anzeige aufgeftellt werden können. Aufser diefer Sicherheit gewährt das Syftem noch den Vortheil der geringen Raumbeanspruchung, einer rafchen Dampferzeugung, leichter Reinigung und leichten Gewichtes und Transportes. Die Auswechslung eines fchadhaft gewordenen Rohres ift nicht fo leicht wie beim Howard- Keffel, wo jedes unabhängig und frei liegt. Der Umftand, dafs folche Keffel nicht forcirt werden dürfen, und der Einflufs, welchen der geringe Wafferinhalt des Keffels auf die Conftanz des Druckes und die Regelmässigkeit der Speifung bei ftark wechfelndem Dampfverbrauche hervorbringen, wurde bereits gewürdigt, und der Umftand, dafs es ein ParallelftromApparat ift und das frifche Speifewaffer die heifseften Bleche trifft, oben aber theilweife wieder fortgeriffen wird, wiegt fo ziemlich den der dünnen Wandungen auf. Es fcheint mir aber das Sicherfte aller Syfteme und bei gutem Waffer, conftantem kleinen Betriebe, Raummangel etc. trefflich geeignet. Die hohe Spannung, welche es zuläfst, macht es umfomehr bemerkenswerth, und der Wegfall aller Automaten würde die Sicherheit noch weiter erhöhen. Die Verbindungen halten vollkommen dicht, wie ich mich durch eine Probe mit 20 Atmoſphären beim neuen und durch Befichtigung des gebrauchten Keffels überzeugte, als er wieder aus der Ausftellung gefchafft wurde. Diefer Keffel hatte 50 Quadratmeter Wand- und 19 Quadratmeter( 126) Roftfläche. Nimmt man aber felbft 2/3 der Rohre als waffergefüllt und die anderen als trocken an, fo wird die Heizfläche 33 Quadratmeter und das Roftverhältnifs 1/16 bis 117. Der Zug hatte o 24 Quadratmeter,% der Roftfläche, wahrfcheinlich der leichteren automatifchen Hebung halber fo übermäfsig klein. Der Schornftein hatte bei o 79 Meter Durchmeffer 14 der Roftfläche. Société Centrale de Conftruction de Machines. Diefe ftellte im landwirthschaftlichen Zubaue das Modell eines Keffels in 1 der natürlichen Gröfse aus, welcher aus einem Unterkeffel mit ausziehbarem centrifchen Flammrohre und einem Oberkeffel beftand, in welchen das Waffer bis zum horizontalen Durchmeffer reichte. Der ringförmige Wafferraum unten zwifchen Flammrohr und Aufsenkeffel war von 35 Stück circa 100 Millimeter weiten Rohren durchzogen, und die Gafe follten, fich am Rofte im Flammrohre entwickelnd, zuerft nach hinten, dann durch die Rohre zurück, längs des Unterkeffelbauches wieder nach rückwärts und endlich an deffen Decke und dem Oberkeffel in den feitlich ftehenden Schornftein gezogen werden. Ich habe keine Mafse diefes Modells, wohl aber den Grund zur Vermuthung genommen, dafs es bezüglich der Rohr- Querfchnitte dasfelbe Bewandtnifs wie bei den meiften der vorbefprochenen Röhrenkeffel hat. Der Keffel von John Cockerill. 27 Als Detail mufs aber erwähnt werden, dafs die zwei Verbindungsftutzen vom Ober- zum Unterkeffel ganz ungewöhnlich weit erfchienen und den halben Keffel- Durchmeffer im Lichten befafsen, was in Anbetracht der bedeutenden Heizfläche, welche ihren Dampf und die begleitenden Wafferftröme durch fie nach oben fendet, ganz am Platze erfchien. Die übrige Ausrüftung mit Dom, magnetifchen Schwimmern und Alarmpfeife, Sicherheitsventilen an einem einzigen Paarftutzen etc. war fo, wie man es an franzöfifchen Keffeln zu fehen gewohnt ift. Albaret& Comp. in Liancourt ftellten die Zeichnung eines obengeheizten Doppelkeffels aus, deffen Unterrohr hinten wie gewöhnlich mit einem weiten Stutzen nach aufwärts verbunden war. Vorne jedoch hinter der Feuerbrücke verband die beiden Keffel noch ein zweiter, aber enger Stutzen, durch deffen Mitte das Speiferohr in den Unterkeffel trat. Dort war es in der Richtung gegen den grofsen Stutzen zu gekrümmt und die Austrittsgefchwindigkeit feines Waffers foll nun den Kreislauf einleiten und eine Gegenftrömung fördern, deren Mangel fonft Doppelkeffeln öfter vorgeworfen wird. Die belgifchen Keffel. Belgien war nur durch zwei Firmen auf diefem Gebiete vertreten: Pietry Chaudoir in Lüttich, Gefellſchaft John Cockerill in Seraing. Der Ausftellungskeffel der erfteren Firma entzieht fich aber faft gänzlich einer Befprechung, indem er nichts weiter als die Haut eines grofsen FieldKeffels ohne Röhren und ohne Armatur war, der mehr als Niethungs- denn als Keffelmufter nebft einigen aufgebogenen Böden in der Mafchinenhalle lag. Bemerkenswerth erfchien dabei nur die Detaillöfung des Zufammenftofses der Langnäthe des Aufsenkeffels mit der Decke oben. Dort war nämlich das Blech des Cylindermantels auf drei oder vier Niethfernen gefchweifst und ausgebohrt, fo dafs die geprefste Deckplatte mit ihrem Rande beffer fchlofs, als es mit dem normalen ausgefchmiedeten Blechkeile möglich ift. Aehnlich war der Zufammen. ftofs unten und an den Innenflächen bewirkt. Ich kenne Flammenrohr- Keffel diefer Firma, welche fchon vor Jahren angefertigt wurden, deren grofse Stirnplatten aus zwei Tafeln beftanden, welche gleichfalls durch fonft normale Niethung, aber gefchweifste Enden hergeftellt waren und ftets ohne jede bemerkbare Veränderung arbeiten. Dadurch fcheint diefe Löfung erprobt und der Bemerkung werth. Ueberdiefs brachte diefe Firma auch noch einen Locomobilkeffel zur Anficht, von welchem fpäter die Sprache fein wird. Der Keffel von John Cockerill. Der Keffel, welchen diefe berühmte Mafchinenbau- Gefellfchaft zur Ausftellung brachte, hatte hauptfächlich den Dampf für deren leergehende Gebläfemafchine zu liefern, und das Vorübergehende diefes Zweckes erklärt das verwendete Syftem. Es war ein freiliegender Röhrenkeffel mit innerer Feuerung. Die Verbrennung gefchah auf einem 19 Meter langen Rofte in einem cylin drifchen Feuerrohre von 2.7 Meter Länge und 1 Meter Durchmeffer. Diefer endete mit einer Rohrwand, von welcher 62 Feuerrohre, 25. Meter lang, 90 Millimeter ftark, in eine Blech- Rauchkammer zogen, auf welcher unmittelbar der 10 Meter hohe eiferne Schlot von o 65 Meter Durchmeffer ftand. 28 J. F. Radinger. Centimeter 100 3 5 Meter. Mafsftab 1: 100 der Natur. Ein Aufsenkeffel umfchlofs nun die Innenheizung und den Waffer- und Dampfraum. Seine Länge war 5'23, fein Durchmeffer 185 Meter und fein Dienft nur der einer Gefängnifswand, welche wohl die Hälfte des ganzen Keffelgewichtes ( und Preifes) bedingte, aber zur Heizung nichts beitrug. Dafs übrigens deffen bedeutende Abkühlfläche durch keine weitere Hülle gefchützt wurde, ift auf Rechnung der kurzen Verwendungsdauer zu fetzen. Er war für 4 Atmoſphären probirt und die Platten feines Aufsenmantels ganz logifch in den Längsftöfsen doppelt geniethet, während die Rundnäthe einfach blieben; fie fowohl als auch das Feuerrohr vorne ftiefsen an die beiden ebenen, aber verfteiften Böden mittelft Winkeleifen- Ringen, deren hinterer innen, deren vorderer aufsen fafs. Oben befand fich ein Dampfdom von o 9 Meter Höhe und Durchmeffer, auf deffen gewölbte Blechdecke ein Dreirohr Stutzen das Dampfventil mittelft Flanfch und die beiden Sicherheitsventile direct trug. Die Drehbolzen der hinten gefpalteten Belaftungshebel ruhten in angegoffenen Augen und die Hebel felbft erfchienen befremdlich fchwer gefchmiedet; fie griffen mit Hängdaumen unter die Borden, wodurch das Lüften begrenzt wurde. Ein Mannloch vorne über den Feuerplatten, eine gelochte Feuerthür mit gleichfalls gelochter Schutzplatte und die üblichen Armirungsgegenstände vervollftändigten das Ganze, wobei höchftens noch eines Afchencanals zu erwähnen kommt, der fich zwifchen Feuerbrücke und Rohrwand quer in einer Breite von 0.6 Meter unter dem Keffel hinzog, und das Ausziehen des Rufses geftattete, welcher bei einem Reinigen der Rohre von hinten aus durchgeftofsen wurde. Ein eingenietheter Ring fchlofs dort die Wände und eine Blechthüre den falfchen Zug während der übrigen Zeit. Der Keffel hatte an feuerbewährter Fläche circa 48 Quadratmeter und der Roft 25 derfelben. Der Röhrenquerfchnitt war und der der Effe/ der Roftfläche, was vollkommen richtige Verhältniffe zu nennen find. Der Sulzer- Keffel. 29 Der Schweizer Keffel. Gebrüder Sulzer in Winterthur. Gebrüder Sulzer in Winterthur ftellten einen Dampfkeffel aus, welcher ihre und die anderen Schweizer Mafchinen zu betreiben hatte. Es war ein Keffel mit zwei inneren Flammrohren, 6.15 Meter lang, bei. 1.92 Meter Durchmeffer des Aufsenmantels und je 0.72 Meter der Innenrohre. Er ruhte auf drei breitbafigen Füfsen, fo dafs das Umfchliefsungs- Mauerwerk nichts von feiner Laft erfuhr. Letzteres war durchwegs doppelwandig aufgeführt und eine vorfpringende Ziegelfchaar fchlofs, auf längshin laufenden Gufsplatten liegend, fich 10 Centimeter höher als die Rohre an den Keffel aufsen an. Das Mauerwerk reichte aber noch weiter nach aufwärts und trug oben I Meter weit auseinander querliegende Gufs- T- Träger, zwifchen welchen eine Decke gewölbt war. Zwifchen der Decke und dem Obertheile des Keffels entftand fo ein Canal, und in diefem hingen zwei Druck- Vorwärmerrohre von je 0.50 Meter Durchmeffer und 8.50 Meter Länge mit eingenietheten Ankern an zwei Trägern der Decke. An die Druckvorwärmer fchlofs fich hinten das gegabelte, 15 Centimeter weite Speiferohr, welches mit fechs oder fieben fchlangenförmigen Windungen im letzten Rauchzuge lag und fo auch noch einen Waffervorwärmer bildete. Die Flammrohre beftanden aus je fünf genietheten und aufgeflanfchten Trommeln, deren letztere zwei eingeniethete Galloway- Conuffe enthielten. Nachdem nun die Flammen, vom Rofte vorne kommend, die Rohre durchzogen hatten, ftrömten fie an der ganzen Heizfläche des Aufsenkeffels zurück und dann im Obercanal längs feines Dampfraumes und den Druckvorwärmern wieder nach hinten hin, um endlich an der Speifefchlange niederfallend zum Fuchfe zu gelangen. W 1 So war die Dampftrocknung und Speifewaffer- Vorwärmung auf verhältnifsmäfsig einfache Art erzielt. Das Letztere gefchah auf einer Fläche von nahezu gleicher Gröfse als die Heizfläche felbft. Der Keffel hatte mit 5 Atmofphären Ueberdruck zu arbeiten, feine Bleche ( aus dem Creuzot) waren 14 Millimeter an dem doppelt( längs) genietheten Aufsenkeffel, 13 und 10 Millimeter an den Flammrohren und Vorwärmern ftark. Für den doppelt genietheten Aufsenkeffel fcheint die Formel= 12 Dp+ 3 Millimeter mafsgebend gewefen zu fein, während die Flammrohre nach der bekannten Fainbairn Formel beftimmt fein dürften. Von den 20 Millimeter dicken Böden waren der hintere aufgebogene mit vier, der vordere mit drei Eckverfteifungen verfehen. Letzterer war ganz eben und mit einem Aufsenwinkel- Ringe und Zwifchenbleche an den Cylinderkeffel geniethet. Die Flammrohre ftanden vorne vor die Stirnplatte hinaus und gleichfalls durch Aufsen Winkeleifen mit ihr in Verbindung, während rückwärts je der aufgebogene Flanfch innen an den Boden ftiefs. Um die drei erften Blechplatten in jedem Rohre herum bogen fich oben im Abftande von circa fünf Centimetern concentrifche Dünnbleche, um die Feuerplatten vor einem rapiden Keffelftein- Niederfchlage zu fchirmen. Sie waren durch je ein Flacheifen- Band mit Schraubenkluppe an den Flammrohren gehalten und viele Löcher an ihrer höchften Stelle liefsen die Dampfblafen entweichen, welche fich unter ihnen bildeten., 30 J. F. Radinger. Genau in der halben Keifellänge ftand der Dom mit einer Gufsdecke, welche das Mannloch und die Ventilfätze trug. Ein zweites Einſteigloch mit unverfteiftem Rand befand fich vorne zwifchen den Feuern in der ebenen Wand. Die Heizung gefchah mit einem Mehl'fchen Rofte von 12 Meter Länge, deffen Stäbe in vier Reihen lagen, à 300 Millimeter lang und 5 Millimeter dick waren und deren Enden, kammartig ineinander greifend, Spalten von gleicher Weite entſtehen liefsen, deren grofser Gefammtquerfchnitt( faft 2 der Roftfläche betragend) erlaubt, das kleinfte und fchlechtefte Material zu verbrennen. Eine einfeitige Verfchneidung wahrte das Hinabgleiten der Stäbe von der fcharfen Auflagkante. Die Heizthüren mit Spaltfchieberung und gelochter Schutzplatte wurden durch je eine federnde Schlufsfalle gehalten. Sie befanden fich in einer grofsen eifernen Stirnplatte, die mit dem Vorderboden des Keffels eine ftagnirende Luftfchichte einfchlofs, welche nur von den eingenietheten vier Wafferftand- Röhren und den heraustretenden Blechen der Innenkeffel durchbrochen wurde. Das Vorwärm- Speiferohr war aus einzelnen geraden gufseifernen Röhren zufammengefetzt, deren jedes zwei angegoffene Kniee nach entgegengefetzter Seite für die Flanfchenverfchraubung enthielt. In der Rohrflucht zeigte jedes Knie einen Angufs mit einem Reinigungs- Schraubenpfropfen und in das Mauerwerk waren Thüren eingebaut welche den Zutritt zu denfelben erlaubten. C an beiden Die obenliegenden Vorwärmer waren Enden durch Gufsvorköpfe mit Mannlöchern gefchloffen. Hinten fetzte fich je ein Aft des Druck- Speiferohres an fie, aber vorne verband fie wieder ein zwifchengefchraubtes T- Rohr. Aus diefem zog das Waffer durch ein am Oberpflafter hinlaufendes Rohr zum Speifekopf hinter dem Dome und fiel in den Keffel mittelft eines Rohres, welches in der Tiefwafferlinie zwifchen den vier Galloway. Stutzen( aber nicht gerade auf die Blechniethung) mündete. Der Sorge, dafs der hochliegende Vorwärmer fein Waffer durch das Speiferohr in den Keffel finken läfst und diefen erfäuft, war durch die Einfchaltung des normalen felbftwirkenden Speifeventiles gänzlich vorgebeugt, denn die geringe Druckhöhe der Wafferfäule kann das dampfbelaftete Ventil nicht heben. Sollte aber dennoch bei forcirtem Betrieb einmal eine höhere Spannung in jenem Vorwärmer entſtehen, fo müfste dann aber gerade das fteigende Waffer it. ilauptkeffel dem Heizer ein Signal fein, dafs er nicht weiter gehen darf. Centimeter 100 Der Sulzerkeffel. 31 テーテ 3 5 Meter Mafsftab 1: 100 der Natur. Dafs die End- Deckträger mit Schliefsen zur Aufnahme des Gewölbfchubes hineingebunden waren und letzteres ein Pflafterwerk trug, ift felbftverſtändlich. Der Keffel hatte ein Manometer, zwei Sicherheitsventile( à 90 Millimeter Durchmeffer) mit Auffteckgewichten und zwei Wafferftand- Gläfer, deren jedes unabhängig an dem Keffel fafs, aber im Unterfchiede zu den englifchen und franzöfifchen Keffeln keine weitere automatiſche Armatur. Für die Möglichkeit der Reinhaltung und Unterfuchung ift überall geforgt, aber felbftthätig zu wirken hat lobenswerther Weife nichts als des Wärters Verftand. Der wenig geneigte Keffel hatte vorne unten das Ablafsrohr und aufser den Afchthüren noch ein Regifter rückwärts, welches von vorne mit dem Balanzgewicht ftellbar war. Die Heizfläche des Keffels beträgt 40 Quadratmeter, die Fläche der beiden Rofte zufammen 17 oder 123 der erften. Jeder Roft hatte o 86 Quadratmeter, während der freie Querfchnitt jedes Flammrohres in der Verengung beim Galloway- Stutzen o 25 Quadratmeter oder 1/ 3.5 des Roftes blieb. Die beiden Züge längs des Aufsenkeffels und im Obercanal waren weit und befafsen über 2 der Roftfläche, und der Fuchs( 0.75 tief und o 60 breit) bot den Gafen 4, der o 79 Meter weite Schornftein 135 der Roftfläche als Querfchnitt. Die Vorwärmerfläche erhebt fich bei diefem Keffel auf 38 Quadratmeter, das ift faft fo viel als die Heizfläche felbft beträgt; fie ift fo reichlich wie die der englifchen Economifer bemeffen, welche I Quadratmeter per ,, Pferd" nehmen. Der Keffel wog einfchliefslich der oberen Vorwärmer, aber ohne die gufseifernen Schlangen 10.150 Kilogramm; das Gewicht der letzteren allein betrug circa 2400 bis 2500 Kilogramm. Er follte um 18.900 Francs ohne diefe Gufsrohre verkauft werden. 3 32 J. F. Radinger. Die deutfchen Keffel. Aus Deutſchland kamen Keffel der verfchiedenften Conftruction. Die Mehrzahl gehörte neu zu verfuchenden Syftemen an, und diefe wichen weit von einander ab. Im Allgemeinen waren um circa 10 Percent relativ ftärkere Bleche verwendet als in England und genaue Verbindungen durch Mafchinenarbeit gewonnen wie dort. Die doppelte Niethung an den Langftöfsen fcheint fich auch hier mit Recht überall einzubürgern, wo fie der Einwirkung des erften Feuers entrückbar bleibt und das Schweifsen der Bleche an Stelle der Niethung wird auch hier verfucht, wenn auch das grofse Publicum diefe unerprobte Technik oder mehr noch das Unmögliche einer Reparatur durch die alten Keffelfchmiede fcheut. Die geprefsten Blechböden haben fich rafchen Eingang verfchafft und werden aus den betreffenden Fabriken auch von uns in Oefterreich bezogen. Die Firma Schulz, Knaudt& Comp. z. B. brachte eine Stufenfammlung derfelben, deren gröfster 2.35 Meter Durchmeffer in aufgebogenem Zuftande befafs( während eine ebene Kreisplatte von circa 2.55 Meter Durchmeffer daneben lag). Diefe gepressten Böden bieten, abgefehen von ihrer genauen Kreisform, den Vortheil, dafs die ftarke Kantenrundung gefund und ohne Unebenheiten durch Hammerfchläge und dafs der aufftehende Blechrand, in welchen die Verniethung kommt, durchſchnittlich um 1 Millimeter dicker ift als das normale Blech. Auch das Werk Styrum brachte eine 15 Millimeter dicke KeffelbodenPlatte von 2:55 Meter Durchmeffer( 625 Kilo) und aufserdem eine 13 Millimeter ftarke Platte von 3.77 Meter bei 2.30 Meter 1050 Kilo fchwer, und viele andere bedeutende Walzwerke liefern der Keffelfabrication das benöthigte Material, wenn auch nicht von vorzüglichfter, fo doch genügender Güte. Die fchmiedeeifernen Rohre für Keffelzwecke und für Leitungen werden gleichfalls im Lande angefertigt, und fo unterſtützt eine Fabrication die andere und hält fie minder abhängig von auswärtiger Conjunctur. Die Spannungen in den Keffeln erfchienen mit faft allen Zwifchengliedern zwifchen 4 und 10 Atmoſphären, letztere wurde für einen fie voll ausnützenden Motor erzeugt. Die Armatur zeigte keinen anderen auffallenden Unterfchied gegen die der Keffel anderer Länder, als dafs die Sicherheitsventile noch meift in gefchloffenen Sitzen verborgen lagen, wie es das frühere preufsifche Regulativ verlangte, und dafs die Niederhaltung complicirter ift als anderwärts. Ein Entfchäumen kam nirgends vor, aber für das Abblafen des Schiammes oder deffen Fefthaltung in eigenen Taffen war überall geforgt. Ein richtiges Vorwärmen des noch kalten Speifewaffers durch den abziehenden Rauch trat mehrfach in directer Verbindung mit der eigentlichen Keffelanlage auf und macht die eigens aufzubauenden„ Economifers" entfallen, welche wohl gleiche Wirkung, aber höhere Anfprüche an Anlagekoften und Platz mit fich bringen. Der Dampftrocknung ift faft überall Rechnung getragen, indem die von der Heizfläche kommenden Gafe in der Regel den Dampfraum beftreichen, bevor Die deutfchen Keffel. 33 fie zu dem Waffervorwärmer oder in die Effe gelangen. Diefs wird durch das neue deutfche Regulativ geftattet oder es wird vielmehr faft darauf hingewiefen, indem es ausdrücklich eine wafferbefpülte Keffelfläche von mindeftens zwanzig Mal der Roftfläche verlangt. Folge deffen werden, nachdem diefs erfüllt, die den Dampfraum umfchliefsenden Keffeltheile der Wärmewirkung preisgegeben und fo zur Arbeit herangezogen, während diefelben Theile in den englifchen Keffelhäufern unbedeckt an der Luft liegen und Wärme ausftrahlen. Ausgeftellt waren: 2 Keffel von der Carlshütte bei Rendsburg( Meyn's Keffel). " 99 I " " 99 " 2 " " I 27 * ን " ን " Pauckfch& Freund in Landshut a. W. Jean Affolter in Chemnitz. Dingler in Zweibrücken, fämmtlich im Betriebe. Bergmann in Hattingen an der Ruhr. W. Fitzner in Laurahütte, und F. Schmidt in Halle, welch' letztere kalt und ohne Mauerwerk vor dem Keffelhaufe oder im landwirthschaftlichen Hofe lagen. Sämmtliche Keffel waren Röhrenkeffel und fo vollkommen fie alle in der übrigen Conftruction und der gefammten Ausführung waren, fcheint es mir doch, dafs alle an dem Gattungsübel der Röhrenkeffel, den beengten Rohrquerfchnitten, litten. Der Meyn'fche Keffel. Die Gefellfchaft der Holler'fchen Carlshütte bei Rendsburg fandte zwei ihrer J. C. C. Meyn'fchen Patent- Hochdruck- Dampfkeffel. Diefs find verticale innengeheizte Apparate, welche durch ein doppeltes Röhrenfyftem eine ungewöhnlich grofse Feuerfläche bergen. Jeder beftand aus einem ftehenden cylindrifchen Aufsenkeffel von 2.32 Meter Höhe und 1825 Meter Durchmeffer, welcher oben einen Dampfdom von 1067 Meter Weite trug. Eine fchwach conifche Feuerbüchfe enthielt unten der Roft, welcher nach aufsen verlängert war und als Vorfeuerung fchlofs. Die Feuerbüchfe hatte unten 75 und oben, wo fie in eine Erweiterung, in die Rohrkammer mündete, 61 Centimeter Durchmeffer. Letztere war o 74 Meter hoch und ihre Wand ftand um circa 8 Centimeter von der des Aufsenmantels ab. Sie war oben mit einer kreisrunden Decke gefchloffen, über welche das Waffer ftand und von welcher zweierlei Rohre ausgingen. Die einen erhoben fich nahe des Randes diefer Decke, durchfetzten den Wafferraum und mündeten an dem oberen horizontalen Keffelboden rund um den Dom. Die anderen fenkten fich von der Decke zum ringförmigen Boden der inneren Rohrkammer nieder und waren waffergefüllt. Die erften, die Feuerrohre 64 an der Zahl, hatten 63 Millimeter Durchmeffer o 78 Meter Länge und ftanden in einer einzigen zickzackförmigen Kreislinie. Die letzteren, die Wafferrohre, waren keilförmigen Querschnittes und ihrer 70 ftanden derart eng in der Rundung, dafs nur eine Spalte zwifchen ihnen blieb, welche 9 Millimeter innen und II Millimeter aufsen mafs. Das Feuer aus der Feuerbüchfe kommend, mufste nun durch diefe 70 Spalten zwifchen dem Keilrohre hindurch, wobei es fein zertheilt an deren Wafferwänden vorbeiftrich; darauf verliefs es durch die runden Rohre den eigentlichen Keffel und trat in einen Mantel, welcher den Dom umgab. Diefer Mantel ging oben in den direct aufgefetzten eifernen Schornftein über und die Feuergafe konnten auf ihrem Wege dahin noch den Dampf trocknen, 3* 34 J. F. Radinger. welchen der Dom enthielt. Aufserdem war aber das kupferne Dampfrohi in einer dreimaligen Windung um den Dom gelegt und fchlofs erft aufserhalb des Mantels mit dem Ventil, fo dafs auch noch der abziehende Dampf der letzten Wärmewirkung ausgefetzt wurde. bar Diefs ift ziemlich wichtig, indem hier wie bei allen Stehkeffeln die WafferSpiegelfläche, aus welcher die Dampfblafen entſteigen, klein im Verhältnifs zur Heizfläche wird und das mechanifche Mitreifsen von Waffer bedeutender auftritt als dort. Hier, wo die Heizfläche 35 Quadratmeter, die Waffer- Spiegelfläche 2:42 Quadratmeter beträgt, müffen circa per Stunde und Quadratmeter Wafferfläche 300 Kilogramm Dampf austreten, während bei einem einfachen Cylinderkeffel bei gleicher Heizung nur 50 Kilogramm die Wafferfläche durchbrechen. ( Bei einem Verfuche wurden bis 46.8 Kilogramm Dampf per Quadratmeter Heizfläche oder 660 Kilogramm per Quadratmeter Waffer- Spiegelfläche erzwungen, wobei natürlich ein Vergleich mit der verbrannten Kohlenmenge unzuläffig wird.) Durch diefe gefammte Anordnung ward aber nun eine bedeutende Heizund Trockenfläche auf einer kleinen Bafis gewonnen, eine lebhafe Waffercirculation ermöglicht und genügend trockener Dampf erzeugt. Das Innere des Keffels ift leicht zugänglich und die Rohre, welche ftets nur in einer Reihe ftehen, können bequem vom Keffelfteine befreit werden, während fich unten ein weiter Raum dem Schlamme zur Ablagerung bietet. Was die Ausführung der Keffelfchmied- Arbeit betrifft, fo zeigten diefe Keffel vielleicht das Vollendetfte, was die Ausftellung in diefer Hinficht bot. Die Feuerbüchfe war gefchweifst und die Kanten, welche theilweife wegen des Ueberganges in die Vorfeuerung ftark gewundenen Linien folgten, durchwegs aufgebogen. Die Niethungen der 10 und 12 Millimeter dicken Bleche, welche an allen nicht dem Feuer ausgefetzten Stellen doppelt und in der Regel mit hydraulifchem Drucke hergeftellt waren, zeichneten fich durch befonders grofse, breitfaffende Köpfe aus, deren richtiger Faferflufs( aus einigen durchfchnittenen und geätzten Stücken erfichtlich) die Bedenken entkräfteten, welche man vom Stande der Handarbeit gegen folche Formen hegt. Uebrigens bemerkte man um jeden Niethkopf noch einen breiten Rand als Spur des Stempels und in durchſchnittenen Näthen unterfchied man keinen Uebergang von einem Blech ins andere, fondern fie erfchienen wie aus einem Stücke gewalzt. Die keilförmigen Wafferrohre von 5 Millimeter Wandftärke erfchienen im Querfchnitte nach Bögen von 19 und von 22½ Millimeter Aufsenhalbmeffer an den fchmalen Enden begrenzt und hatten 150 Millimeter Höhe zwifchen deren Scheiteln. Die Seitenwände waren nicht flach, fondern gewellt und boten den Anblick, als ob fie durch ein weitgeftelltes Zahnräder- Paar( von 30 Millimeter Theilung) hindurchgegangen wären, wenn auch ihre Herftellung mittelft hydraulifchen Verticaldruckes erfolgte. Ihr Einpaffen in die Rohrwände foll mittelft dreier Keile durch hydraulische Preffung gefchehen, und angeblich foll nie eine Reparatur dort nöthig werden, indem ein Durchbrennen diefer Rohre nicht eintreten kann, deren federnde Bewegungen durch die Druck- und Wärme- Einwirkungen das baldige Abfpringen des Keffelfteines bewirkt. Die rundlaufenden Niethungen am Aufsenkeffel und Dom waren mit breiten Bändern vermittelt; wohl nur zu dem Zwecke, um dem ganzen Aufbau mehr Stabilität zu fichern. Ferner ift ein reichliches Eck- und Bodenverfteifungs- Syftem eingebracht, deren Anker und Bleche faft des Guten zu viel fein dürften. Die Reinigung ging leicht von Statten. Auf der fchwach gewölbten Decke der Innenkammer ftanden eine centrifche und acht eng gefchloffene fegmentförmige Schaumtaffen mit kurzen Füssen und in die mittiere gefchah die Speifung Centimeter: Der Meyn'fche Keffel. O о IOO 50 I 2 Meter Mafsftab 1:45 der Natur. 35 36 J. F. Radinger. Unten in dem breiten, ringförmigen Raume um die Feuerbüchfe herum ftanden. ähnliche Schlammtaffen und durch deren Aushebung war die Sache leicht. Ueberdiefs wurde das Speifewaffer vor feiner Verwendung in einem grofsen Eifenkaften über die Ränder von zwanzig Taffen fallend dem abziehenden Dampfe der Betriebsmafchine ausgefetzt, wodurch ein grofser Theil des Keffelfteines ausgefchieden und von einem Coaks filter zurückgehalten wurde, bevor es die Speifepumpe anfog. Die Keilrohr- Flanken wurden aufsen mittelft eines Dampfftrahles vom Rufse befreit; zu diefem Zwecke ging ein 20 bis 30 Millimeter weites Eifenrohr vom Sicherheitsventil- Stutzen nieder und mittelft eines kurzen Kautfchukrohres in ein Meter langes, holzgriffarmirtes, wenig gekrümmtes Mundftück von 5 Millimeter Weite über. Durch Putzthüren konnte man zu den Rohren und deren Abblafen war durch den fegenden Dampfftrahl in wenig Minuten gethan. Diefes Abblafen war aber ziemlich nothwendig, wie aus Folgendem erhellt: Die Heizfläche, berechnet fo weit das Feuer wafferbenetzte Flächen trifft, betrug 35 Quadratmeter. Der Roft, welcher, nebenbei gefagt, wegen feiner Länge von circa 19 Meter nicht leicht mehr zu bedienen war, befafs 14 Quadratmeter oder 25 der Heizfläche. Der Schornftein( 0.62 Meter Durchmeffer) hat 1/6 der Roftfläche, und bisher find die Verhältniffe untadelhaft richtig. Die Spalten zwifchen den Stehrohren find aufsen wohl II, innen jedoch fchwach 9 Millimeter breit, und da diefe Rohre o 74 Meter hoch find, fo ift die Durchgangsfläche nicht mehr als o 46 Quadratmeter, was ohne Rückficht auf die entfallende Contraction das fcheinbar Ausreichende von 1/3 der Roftfläche beträgt. Würde fich jedoch nur ein Rufspelz von 2 Millimeter Dicke anfetzen, fo kommt diefes Verhältnifs auf faft die Hälfte herunter und diefs genügt den heifsen Gafen nicht, wefshalb eben ein Abblafen in um fo kürzeren Paufen nöthiger wird, je mehr die Kohle rufst.. Zwifchen diefen Keilrohren rufst fie aber leicht. Denn die dünnen Feuerbänder werden an jenen dargebotenen breiten Wafferwangen derart rafch gekühlt, dafs aufser denfelben keine Verbrenntemperatur mehr herrfcht, wie man fich leicht überzeugen konnte, wenn man bei wenigft geöffneter Putzthür ins Innere fah; denn die Flammen durchzüngelten felbft bei vollftem Betriebe gar nicht oder kaum die Spalten der Wafferrohre, fondern fchienen dazwifchen zu erfterben, wie immer auch der Gang des Feuers war. Wo aber eine flammende Verbrennung durch vorzeitige Kühlung geftört wird, zerfallen die Kohlen- Wafferftoffe wieder und ,, rufsen", wie es hier auch der Fall war. Die oberen runden Rohre befafsen o 2 Quadratmeter, 1½ der Roftfläche, was als klein und nur bei fehr gutem Zuge ausreichend bezeichnet werden mufs. Warum die Keffel ausdrücklich„ Hochdruck"-Keffel benannt wurden, ift mir nicht ganz klar, denn fie wurden( von mir) auf die erklärte Normalfpannung von 4 Atmoſphären geprüft und auch die Bleche, welche in= 12 Dp+ 3 paffen, geftatten nicht viel anderen Druck. Sie enthielten je ein fehr langes gufseifernes Waffer- Standrohr, an welches fich erft die übrige Armirung fchlofs, wobei ein Speifewaffer Rufer mitzählt. Die Sicherheitsventile fafsen im gefchloffenen Gehäufe, wie es dem norddeutfchen Regulativ entſprach. Die Mauerung der Vorfeuerung war ganz in gufseifernen Platten gefafst und der Keffel mit Holz und Blech umhüllt. Solche Keffel werden vorzügliche Dienfte leiften, wo es fich darum handelt, auf kleiner Bodenfläche eine reichliche Dampfentwicklung zu erzwingen und wo gutes Waffer und aufmerkſame Wärter zu Dienften ftehen. Reparaturen werden bei diefem von einer Seite" Kunftkeffel" benannten Apparate mit ungeübten Die Röhrenkeffel von Pauckfch& Freund. 37 Arbeitern fchwer fallen, und feine Anlagekoften kommen principiell hoch, nachdem fo viel ungeheiztes Aufsenblech mitwägt und werthet. In Krupp's Werken follen 25 folcher Keffel im Betriebe und weitere 24 im Baue dafür begriffen fein. Die Ausftellungskeffel trugen die Fabriksnummern 274 und 275 und wogen circa je 6500 ohne, 11.250 Kilogramm mit den Armirungsgegenständen. Die Röhrenkeffel von Pauckfch& Freund. Die Dampfkeffel von Pauckfch& Freund in Landsberg an der Warthe find einfache, aber in mancher Hinficht wefentlich verbefferte Röhrenkeffel. Ausgeftellt und im Betriebe waren deren zwei von je 1.88 Meter Durchmeffer und 5:02 Meter Länge, welche je 92 eiferne 76 Millimeter im Lichten weite Siederohre durchzogen. Die Heizflächen berechnen fich daraus rund auf 121 Quadratmeter; fie konnten bis 6 Atmoſphären Ueberdruck gefpannt werden und beftanden je aus vier Trommeln 12 Millimeter dicker, an den Langftöfsen doppelt genietheter Borfigbleche, welche Stärke in o8 Dp+ 3 zu paffen fcheint. Die Böden waren aufgebogen und mittelft acht wohlvertheilter Ankerfchrauben durch die ganze Länge des Keffels hindurch verbunden. Die Rohre zogen nicht in einer gefchloffenen, fondern in zwei zu beiden Seiten gleichmässig geordneten Gruppen von Boden zu Boden und liefsen ihrer ( und der Keffel-) Länge noch einen Zwifchengang von circa 30 Centimeter Breite frei. Diefer Raum erweiterte fich aber abwärts noch auf die Breite des unteren Feuerzuges, fo dafs die ganzen Feuerplatten völlig blofs und der Befichtigung und Reinigung zugänglich blieben. Die Heizung gefchah nämlich von einem Rofte aus, welcher vorne unter dem Keffel lag und feine Gafe zueift unter diefem hin, durch die Rohre ftirnwärts und dann zu beiden Seiten des Keffels zurück- und zum Schornftein fandte. Das Mauerwerk, welches jeden Keffel umgab, hatte in der Stirnwand zwei Oeffnungen, die die Flucht der beiden Rohrgruppen umrahmten und war mit einer grofsen gufseifernen Stirnplatte armirt, welche Thüren vor jenen Oeffnungen befafs. Durch diefe Thüren konnten die Rohre mehrere Male( bis fechs Mal) des Tages durchbürftet und von jener Flugafchen- und Rufsfchichte befreit werden, welche fonft den Zug und die Wärmeleitung hemmt. Zwei kleinere Thüren in jener Stirnplatte erlaubten das Reinigen der Seitenzüge. Ferner lief im Mauerwerk unter dem Keffel und noch unter dem erften Feuerzug ein Gang, gleichfam als Verlängerung des Afchfalles hin, welcher wohl von letzterer abgefchloffen, aber doch durch ein Einſteigloch befahrbar blieb. Im Gewölbe diefes Canales war rückwärts ein Schlitz, durch welchen der Schmutz einfiel, welcher beim Durchftofsen der Rohre nach hinten kam, und durch den auch ein Mann in die Feuerzüge und zur zweiten Rohrwand gelangen konnte. War fo für die Reinigung und Befichtigung der Züge und Bleche des Keffels von Aufsen mit einer feltenen Vollkommenheit geforgt, fo war diefs bezüglich der Innenfeiten nicht minder der Fall. Auf der letzten Trommel hinten fafs oben ein niederes Mannloch direct am Keffel; vorne unten aber ftiefs an die Rohrwand ein Vorkopf, welcher durch die Stirnmauer und die Gufsplatte reichte und einen aufgefchraubten Deckel trug. Durch beide Oeffnungen war der Keffel zugängig, richtig ventilirt und Dank des„ Rohrganges" bot fich die Reinigung der Feuerplatten und der meiften Rohrflächen leicht. Nun foll aber in Folge zweier weiterer Eigenthümlichkeiten der Anordnung ein felteneres Reinigen genügen. Denn nachdem fich im Gang" zwifchen 27 38 J. F. Radinger. den Rohrfyftemen eine gröfsere Waffermaffe befindet, welche nur von unten, aber nicht von einem Rohrbündel in ihrem Innern geheizt wird, fo foll deren relative Ruhe den ausfallenden Keffelftein feffeln und die Rohre rein halten. Ferner foll der Vorkopf als Schlammfänger wirken und da er abfolut ftagnirendes Waffer enthält, die feften Ablagerungen aufnehmen, welche fonft dem Waffer- Kreislaufe folgend, in diefem fo lange in Schwebe bleiben, bis die Erkaltung ihr Niederfinken auf die Rohre etc. erlaubt. Dafs diefer Vorkopf wirklich mit Maffen dicken Schlammes gefüllt wird, überzeugte ich mich felbft. Den Schlamm aber wegzuholen, der fich ober den Bodenblechen fammelt und niederfchlagen will, dient ein Schlammrohr mit Ventilfchlufs, welches durch den Verfchlufsdeckel des Vorkopfes reicht, ober der Feuerplatte mündet und durch welches ein oder mehr Mal des Tages ein Ausblafen( in den Afchfall) platzgreift. Bei den neueren Keffeln ift das Verfchlufsventil gleich in den Deckel eingegoffen, womit das Demontirer diefes wohl angebrachten Apparates beim jedesmaligen Befahren weniger Arbeit verlangt. Die Befeftigung der Heizrohre in ihre Wände gefchieht bei diefen Keffeln durch einfaches Eindrücken der durch aufgefchweifste Ringe verdickten und nach gleichfteigendem LUH Conus geformten Enden der Rohre in die forgfältig ausgeriebenen Bohrungen der Rohrwände. Diefes gleichzeitige Eindrücken gefchieht mittelft Schraubenzug. Frei über das Ende des hinteren dünneren Conus kommt nämlich eine gelochte Kappe. deren Rand fich auf die Rohrwand ftützt, während eine Schraube durch fie und das Rohr hindurch bis an deffen vorderes dickeres Ende reicht, wo fie das Rohr mit einer( der centrifchen Führung halber verfchnittenen) Kreisplatte anfafst. Nun hat man durch das Anziehen der Muttern an den Gewind- Enden der Stange den Druck in feiner Gewalt, unter welchem das Einpaffen erfolgt. Auf gleiche Art, nur mit verwechfelten Kappen werden auch die Róhre wieder ausgezogen und gegen neue ausgewechfelt, falls eines fchadhaft werden follte. Nachdem aber alle Kegel- Enden der Rohre nach denfelben Schablonen gedreht und gerieben und beide Rohrwände zugänglich find, fo ift die Auswechslung von Rohren unvergleichlich einfacher als bei irgend einem anderen Syfteme. Der Gefahr, dafs die Rohre der Länge nach hinausgeblafen werden, ift. durch das Gleichhalten der inneren Sitzkreife möglichft vorgebeugt. Von dem Dichthalten der Verbindung überzeugte mich eine von mir vorgenommene Probe mit 10 Atmoſphären Ueberdruck vor Beginn und genaue Befichtigung während und nach Schlufs der Ausftellung; dafs bei der Auswechslung der Rohre die gefchliffenen Conusflächen der Wände leiden, wurde verneint. Jeder der zwei Keffel befafs noch einen Dom mit unverfteifter Blechdecke, welcher nichts als das Dampfventil trug. Von diefem aus verband fie ein 100 Die Röhrenkeffel von! Pauckfchs& Freund. I Centimeter 100 0 I 4 5 Meter. 391 Mafsftab 1: 100 der Natur. Millimeter weites Kupferrohr mit einem gemeinfamen cylindrifchen, o 650 Meter weiten und mehr als 4 Meter langen Dampffammler, welcher, halb ins Keffelpflafter verfenkt, oben quer lag und dort abermals Ventile trug, wo die Dampfzuleitungen mündeten. In feiner Mitte ftand aber das Hauptventil, und durch deffen Rohr zog der Dampf zu den Mafchinen der Halle Die Obertheile der Keffel, die Bleche ober dem Dampfraume lagen anfangs blofs. Später jedoch wurde einer der Keffel und deffen Rohre mit der Maffe von Schlichtegroll in Erlangen überkleidet, welche fich dem Befühlen der Hand nach gut bewährte, während der andere unverkleidet blieb. Die Ausrüftung der Keffel ftimmte nicht ganz mit jenen Anfchauungen, welche erfahrene öfterreichifche Ingenieure über diefe Theile hegen. So wurde das Wafferftand- Rohr, wie es übrigens auch noch beim amerikanifchen und Caterkeffel, aber bei fonft keinem der Ausftellung der Fall war, ftatt von einem Vorkopf durch zwei, hier 70 Centimeter lange Rohre gehalten, welche fich leichter verlegen, als es bei erfterer Praxis gefchehen kann; ein Schwimmer fchien umfoweniger am Platze, als zu deffen anderen Mifsftänden hier noch die Reibung einer fechs Atmofphären dichtenden Stopfbüchfe hinzukam. Die Sicherheitsventile fafsen in gefchloffenen Gehäufen, wie es weder bei uns, noch in England oder Frankreich geübt wird, aber allerdings für Preufsen durch das Regulativ vorgefchrieben war. Ueberdiefs trug fie trotz der Gröfse des Keffels von 120 Quadratmeter Feuerfläche ein einziger Paarftutzen direct am Dampfraume, was darum beliebt worden fcheint, um den allenfalls abblafenden Dampf aus dem Gehäufe mit einem einzigen Kupferrohre übers Dach zu führen, während ein anderes Rohr das Condenfationswaffer in den Afchfall leitete. Diefe Keffel erfreuen fich in Nord- Deutfchland und Rufsland einer weiten Verbreitung. Am 31. Mai 1873 ftanden bereits deren 800 in Verwendung, und die 40 J. F. Radinger. unzweifelhaften Vortheile und die Sicherheit, welche eine derartige Conftruction durch die leichte Zugänglichkeit und Reinigung bieten, veranlafsten mich zu diefem längeren Verweilen. Dafs übrigens diefe Keffel wie alle, in welchen das Feuer an einer concentrirten Heizfläche feicht unter der relativ kleineren Wafferfpiegel- Fläche hinzieht, viel mechanifch fortgeriffenes Waffer mit dem Dampfe entfenden, ift eine felbftverständliche Sache und wird hier durch die Verwendung von Dom und Sammler, wenn auch verbeffert, fo doch conftatirt. Die Heizfläche betrug 121 Quadratmeter, der Roft hatte 2'48 Quadratmeter oder 149 der Heizfläche. Der Gefammtquerfchnitt der Rohre entſprach circa 1/6 der Roftfläche, der Züge vor dem Regiſter 1 und der des Einzelfuchfes 12.5 derfelben. Die Züge ftanden daher in gutem Verhältniffe zum Roft; diefer war aber felbft wieder zu klein gegenüber der Feuerfläche, wie es das beliebte Auskunftsmittel bei Röhrenkeffeln ift, wo doch auch auf der ganzen Roftfläche der Brand erhalten werden foll. Was dann am Rofte verbrennt, wird natürlich von der übergrofsen Heizfläche faft völlig ausgenützt und eine höhere Wafferverdampfung hier mit 50facher als mit einem anderen Keffel gewonnen werden, der nur eine 20fach fo grofse Fläche als der Roft zu bieten hat. Ginge man aber von gleichen Heizflächen aus( ftatt vom Rofte), fo müfste das Entgegengefetzte eintreten und eine reducirte Dampflieferung die Erwartungen täufchen, die man an den Keffel feiner Gröfse nach knüpft. Bei der Nachrechnung eines Verfuches, welcher auf Veranlaffung der Herren Pauckfch& Freund unternommen wurde,* ftellt fich heraus, dafs bei ftark forcirter Feuerung( 104 Kilogramm Kohle per I Quadratmeter Roft und Stunde) * Der Verfuch wurde mit einem neuen Cornwall- und einem vierjährigen PauckfchFreund- Keffel gleichzeitig mit gleichen Kohlen von fichtlich fachverständigen Ingenieuren eine Brochure bekanntvorgenommen und von den Herren Pauckfch& Freund durch gegeben. Ich rechne daraus: Der Cornwallkeffel hatte Der Röhrenkeffel Roftfläche Heizfläche • Verhältnifs. • Verdampfung per Quadratmeter Heizfläche und Stunde. Gefammtverdampfung per Stunde. Wafferfpiegel- Fläche. Entfteigender Dampf per 1 Quadratmeter Wafferfpiegel und Stunde Bemerkung. Verbrannte Kohle per Quadratmeter Roft Gefammt- Kohlenverbrennung pr. Stunde Gefammt- Wafferverdampfung pr. Stunde Verhältnifs Bemerkung.. Waffer Kohle 25 Quadratmeter 78 " I: 32 2'5 Quadratmeter 133 I: 51 " "" " 20 Kilogramm 1580 19 Quadratmeter 83 Kilogramm kann ziemlich trockenen Dampf geben 104 Kilogramm 260 " 1580 "" 6.08 "" 17 Kilogramm 2120 " 10 Quadratmeter 212 Kilogramm Jedenfalls näfferer Dampf als links 104 Kilogramm 260 2120 8.15 " "" " Jedenfalls günftiger als links Der Keffel von Jean Affolter. 41 nur 17 Kilogramm Dampf per I Quadratmeter Heizfläche und Stunde entstanden. Im Vergleiche zu den Nichtröhren- Syftemen mufs alfo die Heizfläche circa doppelt fo grofs vorgefehen, und bedacht werden, dafs das Reinhalten der Rohre viel Mühe verurfacht. Dagegen fteht es feft, dafs fie dann die Vortheile einer guten Ausbeute der Kohlen Heizkraft als Folge ihrer grofsen dünnwandigen Feuerfläche bieten, wenig Raum einnehmen und leichter zugängig find als andere Röhrenkeffel. Mit Armatur wogen, fie einzeln 13.000, ohne diefelbe 7800 Kilogramm und kofteten 4200, refpective 3500 Thaler. Der Keffel von Jean Affolter. 0000 10000 0.00 0000 00 0000 10 0 0 0 0 0 00 00 00 Centimeter 100 I 3 5 Meter. Mafsftab 1: 100 der Natur. Der Röhrenkeffel von Jean Affolter in Chemnitz zeigte im Allgemeinen eine grofse Aehnlichkeit mit dem eben befprochenen von Pauckfch& Freund. Das Feuer brannte auf einem Roft unter dem Keffel von 4.25 Meter Länge und 160 Meter Durchmeffer, welcher aus drei conifchen Trommeln durchwegs einfach genietheter Bleche von 12 Millimeter Stärke beftand; zog durch 50 eiferne 75 Millimeter weite Rohre nach vorne hin, und kehrte durch zwei Seitenzüge wieder nach rückwärts, um in den Fuchs abzufallen. mel o Die Spannung war mit 5 Atmoſphären begrenzt, was beiläufig in eine For11 Dp+ 3 ftimmt. Die Anordnung der Rohre in zwei fymmetriſche Gruppen, wobei ein Gang in der Mitte für die Reinhaltung von Feuerplatten und Rohren ausgefpart erfchien, die Verwendung eines hier elliptifchen Vorkopfes mit Mannloch, als Schlamm. fänger und Einfteigtunnel, das zweite Mannloch am Keffel oben, die grofse Gufs. Stirnplatte mit den Rohrthüren etc. waren aber ganz fo wie dort. Abweichungen zeigte nur die Montirung. So lag ober dem Keffel auf zwei Drittel längshin ein 60 Centimeter weiter Dampffammler( mit Stirn- Mannloch), der 42 J. F. Radinger. durch zwei 44 Centimeter weite Stutzen den Keffeldampf aufnahm und zu den Ventilen leitete, welche er auf feinem Rücken trug. Diefe Stutzen hatten keine Schraubung, fondern beftanden je aus einem einzigen an beiden Enden aufgeflanfchten und angenietheten Rohre. Diefs erfcheint hier zum halbwegs dauernden Dichthalten auch unumgäng. lich nöthig, wo ungleiche Dehnungen und Biegungen in Unterkeffel und Dampffammler auftreten und zwei fernftehende kurze, nicht federnde Stutzen in die Anordnung genommen wurden. Ein einziger Stutzen, welcher den Sammler balancirend trägt, wäre von diefem Standpunkte vorzuziehen gewefen, eine gleichmäfsigere, vielleicht trockenere Dampfentnahme erfolgte aber fo. Ferner war ein zweiter elliptifcher Vorkopf oben an die Stirnwand des Keffels geniethet, deffen kleine Achfe in der Linie der mittleren Wafferhöhe lag, und welcher an feinem eingenietheten Blechboden zwei Wafferftandgläfer mit Ventilverfchlüffen( aber Ausblashähnen) trug. Das Speiferohr zog von oben unmittelbar vor der hinteren Rohrwand zum Keffelboden, wo es feine Mündung nach vorwärts bog. Eine geringe Längsftrömung des Waffers ift wohl möglich, obgleich dem Auffteigen ober den Feuerplatten vorne ein Gleiches bei Beginn der concentrirteren Heizfläche durch die Rohre hinten begegnen will. Der Roft war zweitheilig, durch eine Mittelwand getrennt. Der Regifterzug mit Drahtfeil war feitlich gelegt und durch ein kleines Windwerk mit Trommel, Sperrrad und Griffrad in hübfcher, aber gefährlicher Weife beforgt; beim Auslöfen der Klinke konnte nämlich die eine freigebliebene Hand des Heizers die unbalancirte Laft der Regifterplatte nicht halten, daher faft immer zwei Mann zum Regifterziehen gehen mufsten. = Der Keffel hatte 60 Quadratmeter Heizfläche, 2 Quadratmeter Roftfläche = 30 der erften. Die Summe der Rohr- Querſchnitte gab 19, die Seitenzüge zufammen 14 und der Fuchs 16 der Roftfläche, was durchwegs Verhältniffe find, welche diefer Bericht fchon mehrfach befprach. Er war zu Ende der Ausstellung um 4400 fl. verkäuflich. Der Dingler- Hochdruck keffel. Die Dingler'fche Mafchinenfabrik in Zweibrücken brachte zum Betriebe ihrer Mafchine einen der bemerkenswertheften Keffel der ganzen Ausftellung, welcher jener neueren Einficht Rechnung trug, die höher gefpannten Dampf( hier 10 Atmoſphären) für den Mafchinenbetrieb verlangt. Er beftand aus einem Unter- und einem Oberkeffel von zufammen 25 Quadratmeter nebft einem ausfchaltbaren Röhrenvorwärmer von 6 Quadratmeter wafferberührter Heiz- Oberfläche, welche nach folgendem, völlig rationellem Plane ( Director Erhardt's) angeordnet waren. Der Unterkeffel war ein Röhrenkeffel mit innerer Feuerung. Feuerbüchfe fammt Röhren waren ausziehbar. Unter- und Oberkeffel ftanden durch weite Blechftutzen mit einander in Verbindung. Alle Keffeltheile mit Ausnahme der vorderen Stirnwände waren geheizt, indem die Gafe nach dem Paffiren der eigentlichen Heizflächen den ganzen Dampfraum des Oberkeffels umfpülten und fo den Dampf vollkommen trocknen, vielleicht auch theilweife überhitzen konnten. Auf ihrem letzten Wege zum Kamine beftrichen die Gafe den Speifewaffer Röhren- Vorwärmer, welcher ihnen dann vermöge feiner niedrigeren Temperatur noch den letzten Reft ausnützbarer Wärme entzog. Das Feuer ging alfo vom Roft durch die Rohre, kehrte an den unteren drei Vierteln der Aufsenfläche zurück, ftieg zum Oberkeffel empor, deffen untere Der Dingler- Hochdruckkeffel. 43 Hälfte es( fammt dem Rücken des Unterkeffels) beftrich, zog an dem Dampfraume des Oberkeffels nochmals nach vorne, um endlich durch den Vorwärmer RöhrenCanal zum Schornftein zu gelangen. Dabei ward der Zug nirgends nach abwärts geführt, denn auch die letzte Verbindung zwifchen Keffel und Schlott fand durch ein horizontales Eifenrohr ftatt. Der weitere logiſche Gedankengang, nach welchem fich auch anderfeits die Dimenfionen diefes Keffels gaben und auseinander entwickelten, war folgender: Mehr als 15 Millimeter dicke Bleche find für geheizte Keffelwandungen nicht mehr zuläffig, weil fich folche bei der Herstellung und dem Betriebe unficher verhalten. Der Unterkeffel vorliegender Conftruction und für 1o Atmoſphären Druck konnte defshalb nur einen Durchmeffer von höchftens 100 Meter bekommen ( was 12 Dp+ 3 entfpricht). Diefer Durchmeffer bedingte den Durchmeffer der Feuerbüchfe von o'70 Meter im Lichten, da man doch 15 Centimeter Abftand für das zweifeitig geheizte ftrömende Waffer und die enthaltenen Dampfblafen etc. zwifchen den beiden Wandungen laffen musste. In der Stirnwand diefer Feuerbüchfe liefsen fich nicht mehr als 31 Feuerröhren von 3 Zoll engliſch Durchmeffer( 76 Millimeter äufserem, 70 Millimeter innerem, 38 Quadrat centimeter lichtem Querfchnitte) unterbringen. Die Gefammtöffnung diefer Rohre bildete den Zug- Querfchnitt 31 X 38.48= 1192 Quadratcentimeter.* Diefer Zug- Querfchnitt befchränkt die zuläffige Roft- Oberfläche auf 9 X 1192 10.728 Quadratcentimeter oder rund I Quadratmeter, wobei fchon ein ungewöhnlich gut ziehender Kamin vorausgefetzt werden mufs.** Der Roft durfte alfo bei o 7 Meter Breite nicht mehr als 14 Meter Länge erhalten. Wollte man den Roft länger, alfo die Roffläche gröfser nehmen, fo wäre bei dem geringen Röhren- Querfchnitte ohne künftlichen Zug keine richtige Verbrennung mehr zu erzielen gewefen. Ein Roft aber von den obigen Dimenfionen fchien fehr überfichtlich und gut zu bedienen, während er doch fchon eine recht intenfive und vollſtändige Verbrennung erhoffen liefs. Da bei der Steinkohlen- Feuerung eine Vergrösserung der Heizfläche über das 25fache der Roftgröfse hinaus erfahrungsgemäfs nur mehr wenig Einzeln- aber gar keine ökonomifchen Vortheile mehr im Ganzen bietet, fo wurde die unter Waffer ftehende Heizfläche diefes Keffels auf 25 Quadratmeter begrenzt und darnach alle übrigen Dimenfionen beftimmt.. So erhielt denn der Unterkeffel eine Länge von 3.48 Meter, von welchen 125 Meter( nutzbar) auf die Röhren entfielen. Der Oberkeffel follte aus etwas dünnerem Blech angefertigt werden und bekam o 86 Meter Durchmeffer bei 3.62 Meter Länge; er wurde, wie bereits erwähnt, mittelft zwei Verbindungsftutzen, * Chevalier& Grenier in Lyon, welche ähnliche Keffel bauen, helfen fich dennoch bedeutend dadurch, dafs fie die gleichfalls 70 Centimeter weiten Feuerbüchfen hinten kurz wulftförmig auf 82 Centimeter Durchmeffer austreiben, wodurch 34 Rohre à 82 Millimeter lichter Weite untergebracht werden können, und ein Röhren- Querfchnitt von rund 1800 Quadratcentimeter ftatt wie an Dingler's gleicher Feuerbüchfe von rund 1200 Quadratcentimeter gewonnen wird. Solche Keffel von Chevalier ftehen noch gegenwärtig in ziemlicher Anzahl auf den Baggerfchiffen der Donauregulirungs Unternehmung bei Wien, und das Detail hält tadellos. Dabei ift die Feuerbüchfe excentrifch im Aufsenkeffel( von I'I Meter Durchmeffer) und bei Dingler's Keffel verwendet, bliebe für die Wafferftrömung noch immer ein Ring von 9 Centimeter, mehr als nöthig, frei. Das Verhältnifs der Rohr- Querschnitte zum Rofte käme aber dann von auf 1; und wäre jedenfalls günftiger für den Brand. ** Die Verbrennung wurde dabei doch fchon fehr befchränkt, und zwar mit 45 bis 50 Kilogramm Kohle per 1 Quadratmeter Roffläche und Stunde angenommen. 44 und zwar von je o 48 Meter Weite( bei 04 Meter Fenſter im Blech) mit erfterem gekuppelt. Er war zu 25 mit Waffer gefüllt und 3/5 desfelben bildeten den Dampfraum. Die Gafe kamen, nachdem fie auch diefen in ihrem ftetigen Wege nach aufwärts umzogen hatten, zum Druckvorwärmer, der aus fechs Schmiederohren von je 90 Millimeter äufseren Durchmeffers und 3.6 Meter effectiver Länge beftehen konnte und fo eine Vorwärmfläche von circa 6 Quadratmeter bot. Alle Keffeldimenfionen entwickelten fich derart aus der einzigen Annahme, dafs die Blechftärke des Hauptkeffels 15 Millimeter nicht überfchreiten und doch für 10 Atmoſphären Ueberdruck genügende Sicher heit bieten follte. J. F. Radinger. Vorliegender Keffel repräs fentirte alfo zugleich die gröfste Heiz- und Roftfläche, welche fich ( ohne das Chevalier- Detail) in einem Keffel diefes Syftemes unterbringen läfst. Grössere Heizflächen müssten durch Nebeneinanderreihen mehrerer Keffel, deren jeder für fich betriebsfähig fein könnte, erzeugt werden. Alle Garnituren, beftehend aus Dampf-, Speife- und Ausblasventilen, dann je zwei Wafferftand- Gläfern, Sicherventilen und Manometern, waren in übersichtlicher Weife aufserhalb der Einmauerung an der Keffelftirne angebracht. Die Einmauerung felber war fehr einfach und hatte nichts des Keffelgewichtes zu tragen, welcher auf zwei breitbafigen Gufskäften ficher ruhte. Am hinteren Ende des Mauerwerkes waren gro'se Thüren, durch welche der Keffel in allen Theilen äufserlich befichtigt, gereinigt und in Stand gehalten werden konnte. Der obere Keffel enthielt gegenüber einer Thüre im Mauerwerk ein Mann: loch, der innere Unterkeffel war ausziehbar und in Folge deffen das ganze Syftem gut zu reinigen. Uebrigens erfchien ein Kreislauf des Waffers durch die beiden Stutzen ermöglicht, und da der hintere Verbindungsftutzen gerade in die halbe Länge der Rohre traf, fo ftand zu erwarten, dafs der Zug des durchftrömenden Waffers die Ablagerung von Schlamm zwifchen denfelben verwehrt. Unmittelbar hinter dem vorderen Stutzen lag aber im Oberkeffel ein Trog, deffen Platz für die Aufnahme des Schlammes fich glücklich gewählt erwies, weil dort das Waffer, wo es den gröfsten Querfchnitt fand und nur mehr wenig geheizt wurde, mit der kleinften Gefchwindigkeit zog. Vorne an dem Unterkeffel befand fich auch noch ein Schlammfack, gleichfalls an einem Punkte, den nur gefchwächte Wafferftrömung ftreifte, und da aus beiden Schlammfängern je ein Ausblaferohr mündete, fo konnte durch tägliches Oeffnen der beiden zugehörigen Ventile dem Anfetzen von Keffelftein wirkfam vorgebeugt werden. Der Dingler- Hochdruckkeffel. 45 wwwwww Centimeter 100 0 3 5 Meter. Mafsftab 1:45 der Natur, Thatfächlich wurde auch der Keffel während der Ausftellungszeit( meines Wiffens) kein einziges Mal geöffnet. Endlich mufste darauf Bedacht genommen werden, dafs fich die im letzten Zuge liegenden Speiferohre verlegen und ihr Reinigen nothwendig machen dürften. Sie wurden daher ausfchaltbar und nur wie eine Schleife in die Leitung gebracht und ihr Ausnehmen hätte keine Betriebsftörung geweckt. Die Verbindungsftutzen befafsen an ihrer engften Stelle je o 4 Meter Durchmeffer, durch welche eine Heizfläche von 22 Quadratmeter ihre Dampf- und Wafferftröme hindurchfandte. Das Flächenverhältnifs ergibt fich mit 1: 180 als etwas knapp, aber für mäfsigen Betrieb ausreichend. Der Keffel erhielt keinen Dom, fondern ein oben gefchlitztes Rohr zog längs der Decke des Oberkeffels auf deffen halber Länge hin und entnahm nahe der wärmenden Wand den getrockneten Dampf. 46 J. F. Radinger. Bei Hochwaffer fuchte ein Schwimmer das Speifeventil mit einem ftark überfetzten Hebel zu fchliefsen, und weckte mit dem einen Widerftand, der die Speifung reduciren oder gänzlich unterbrechen konnte. In der Feuerbüchfe lag keine Niethe und kein doppeltes Blech, welche ein paffendes und verfteifendes Aufbiegen der Hitze entrückte; die anderen Böden waren ausgetrieben, die Stutzen aus einem Stücke und beiderfeits angeniethet, und das Mannloch durch einen Ring verftärkt. Die Verfchraubung des ausziehbaren Innenkeffels vorne, welche möglicherweife fchweifsen konnte, barg eine aufgelegte Gufsplatte, die gleich die( gegitterte) Heizthüre und den einen Roftträger enthielt. Das Ausziehen wäre durch fünf oder fechs Lüftfchrauben im vorderen Rande und zwei Schlitteneifen hinten erleichtert gewefen. Zwei Ankerfchrauben im horizontalen Durchmeffer, gleichfam der neutralen Achfe liegend, verbanden noch die Rohrwände und fichern die richtige Entfernung, wenn felbft fämmtliche Rohre zum Auswechfeln kämen. So lag der Keffel, vollendet nach heutiger Art, im deutfchen Keffelhaufe. Ein Blechrohr von 0.5 Meter Quadratfeite enthielt die Droffelklappe und führte vom letzten Zuge zum eifernen Schlote, der unten 60, oben 40 Centimeter Weite befafs. Der Roft hatte alfo 25 der Heizfläche, und es boten feinen Gafen die Rohre 19, die Züge zum Keffel und zum Schornfteine 4 und diefe felbft unten 1/ 3.5 und oben 1/8 der Roftfläche dar. Ich brauche nicht zu wiederholen, dafs ich trotz der ausgezeichneten übrigen Conftruction diefes Keffels den Rohrquerfchnitt von der Roftfläche nicht gutheifsen kann. Der Zug war kein völlig energifcher, und bei geöffneter Feuerthür verrieth eine ftarke, rückfchlagende Hitze den gedroffelten Gang. Diefs wird auch noch durch Mittheilung der Fabrik beftärkt, dafs an Quadratmeter Roft im Mittel 45 bis 50 Kilogramm Kohle per Stunde verbrennen, während bei gutem Zuge das Doppelte und mehr erreichbar und das 1% fache normal ift. Er foll damit und wird 270 bis 300 Kilogramm Dampf erzeugen, wovon alfo per Quadratmeter Heizfläche und Stunde II bis 12 Kilogramm entfallen, was im gleichen Verhältniffe wie oben zurückfteht. An ein Forciren des Keffels, was doch auch manchmal wünschenswerth oder nothwendig werden kann, ift dabei ohne Unterwind gar nicht zu denken.* Aus dem Ganzen ift nun zu entnehmen, dafs diefes fonft gute und logifche Syftem mit dem Ausftellungskeffel faft in feinem gröfstmöglichen, in einem übergrofsen Exemplare vertreten war, und dafs es für 10 Atmoſphären Druck und geniethete Bleche nur bis ungefähr/ diefer Gröfse als normal verwendbar erfcheint, wenn das Chevalier'fche Detail nicht herangezogen wird und hilft. Was die Ausführung betrifft, fo war diefelbe tadellos und das Verhalten des Keffels während der ganzen Ausftellungszeit derartig vollkommen, dafs feine Mafchine nie zu ftehen brauchte. Als er aus dem Mauerwerke kam und verladen wurde, zeigte er fich ohne irgend welche fchweifsende Stellen, deren Auftreten gerade bei innen geheizten Syftemen am früheften zu erwarten fteht. Das Gewicht diefes Keffels ftellte fich ohne Armatur auf 4421 Kilogramm; der Röhren- Vorwärmer hatte 353 und die ganze übrige Heiz- und Sicherheits* Zur Begründung diefer Anficht habe ich ferner noch beizufügen, dafs bei guten Locomobilen das Verhältnifs zwifchen Rohr- und Roftquerfchnitt zwifchen 1/5 bis höchftens 1½ fchwankt. Die Clayton'fchen Spferdigen( 15 Quadratmeter Heizfläche) z. B. haben 750 Quadratzoll Roft und 30 Rohre à 23% Zoll licht; dic 20pferdigen( 31 Quadratmeter Heizfläche) 1550 Quadratzoll Roft and 49 Rohre à 23 Zoll. Die Verhältniffe ftellen fich daraus auf 1: 5'6 und auf 1: 7'1, und der Zug wird durch das Blasrohr angefacht. Der Bergmann- Keffel. 47 armatur fammt Roft erhöhte das Gewicht auf 7014 Kilogramm, welche der complete Keffel wog. Loco Fabrik koftet letzterer 2400 Thaler. Er ward( fammt der Mafchine, mit welcher er ein Ganzes bildete) mit dem Ehrendiplome ausgezeichnet. Der Bergmann Keffel. He Centimeter 100 ° 3 5 Meter. 1 Mafsftab 1: 100 der Natur. Die Dampfkeffel Fabrik Julius Bergmann in Hattingen an der Ruhr fandte zwei Exemplare einer Patentconftruction ftehender Dampfkeffel, welche aufserhalb des deutfchen Keffelhaufes in unmontirtem Zuftande aufgeftellt waren. Jeder beftand aus einem weiten Ober- und einem engeren Unterkeffel, deren Uebergang ein abgefteifter Ringboden vermittelte. Von diefem Ringboden hingen lange Field- Rohre nieder, welche mit aufgefchweifstem Conus in den ausgeriebenen Löchern von innen eingefteckt dichteten. Die Heizung foll mit einer Vorfeuerung gefchehen, welche angeblich ebenfo gut ober den Rohren angebracht werden kann, als fie es gewöhnlich unten beim 4 48 J. F. Radinger. Keffelfufse ift, und die Flamme in einfacher Spirale um den rohrumgebenen Keffel und zur Effe ziehen. Einfteigftutzen und Wafferftand- Vorkopf vervollständigen diefen Apparat. Bei dem einen Keffel, deffen Zeichnung mir vorliegt, beträgt die Heizfläche 100 Quadratmeter, die Roftfläche 4'3 Quadratmeter oder 1/23 der erfteren. Unten beträgt der Zug 14.3, beim Regifter 1-5, im Schornftein der Roftfläche. Diefe richtigen Verhältniffe laffen eine forcirte Feuerung zu, welcher aber der Mifsftand anhaftet, in einem Vorraum untergebracht werden zu müffen, wo fich ftets ein Theil der Wärme auf's Niederfchmelzen der Gewölbfteine verlegt und nach Aufsen verftrahlt. Diefer Keffel mufs alle Vortheile, aber vermöge feiner Gröfse concentrirt auch alle Nachtheile an fich tragen, welche die Fieldröhre bringt. Dafs er wenig Raum beansprucht und rafch zu heizen ift, aber auch rafch den Stand des Waffers und des Druckes fchwankt, ift eben fo bekannt, als dafs fich die Rohre, deren Länge hier über 3 Meter wächft, wegen des Verlegens nur für ununterbrochene oder ganz feltene Heizung eignen. Der Keffel wird bei halbwegs normalem Betriebe leicht naffen Dampf geben. Verdampft derfelbe mäfsig, wie es in Bochum conftatirt wurde, 215 Kilogramm per Stunde und Quadratmeter Heizfläche, fo werden bei 100 Quadratmeter 2150 Kilogramm Dampf gebildet, welche der Wafferfpiegel- Fläche von 1-88 Meter Durchmeffer oder 2'77 Quadratmeter per Stunde entfteigen müffen, was über 770 Kilogramm per einzelnen Quadratmeter( gegenüber von 43 Kilogramm beim Cylinder- und 212 beim Pauck'fch- Freundkeffel) beträgt. Schliefslich will ich noch erwähnen, dafs die Firma KohlenausbeuteRefultate bekannt gibt, welche theils auf Grund von 2/ 3- bis Iftündigen Heizungen gewonnen und wobei. wie ich nachrechne, nur die geringe Menge von 8.5 bis 104 Kilogramm Dampf per Quadratmeter Heizfläche und Stunde entwickelt wurden. Bei folch kurzer Beobachtungsdauer kommt der Einflufs des Mauerwerkes leicht zur übrigen Heizung hinzu. Der Vortheil diefes Syftems foll in der Vermeidung der inneren Feuerbüchfe und dem Gehalte eines gröfseren Wafferraumes liegen, als es bei dem alten Fieldkeffel der Fall war. Der Keffel von W. Fitzner. W. Fitzner in Laurahütte O. S. brachte einen Cornwallkeffel gewöhnlicher Conftruction, aber mufterhafter Arbeit. Er lag unarmirt bei der öftlichen Landwirthschafts- Halle und zeichnete fich durch die Verwendung der möglichft grofsen Blechtafeln aus. Er war für 4% Atmoſphären Druck beftimmt und feine Länge von 8:55 Meter bei faft 2 Meter( 197) Durchmeffer aus vier Trommeln zufammengefetzt, deren jede aus vier, 15 Millimeter dicken, einfach genietheten Blechen beftand. Die Wandftärke aufsen folgt alfo der Formel d= 136 D p+ 3 Millimeter. Die grofsen Böden waren aus je einem Stücke gearbeitet, mit aufgebogenen Rändern eingezogen und mit zwei durchgehenden Zugfchrauben mit ftarken Unterlagplatten verankert. Die zwei Feuerröhren( à o 70 Meter weit) zeichneten fich dadurch aus, dafs jeder Schufs nur aus einer einzigen Tafel beftand und die( 6) Schüffe unter fich durchwegs mittelft Umbörtelung und eines zwifchengelegten Flacheifen- Ringes verbunden waren. Hiedurch erhalten die Röhren eine grosse Steifigkeit und bieten einen faft abfoluten Schutz gegen das Zufammengedrücktwerden, indem im Falle des Glühendwerdens erfahrungsmässig immer nur das Blechfeld zwifchen den Ringen fich wirft, und die fortfchreitende Deformation Ruhepunkte findet, welche das Aufreifsen länger hintanhalten. Der Keffel von F. Schmidt in Halle. 49 Weil erner jeder Schufs nur aus einer einzigen Tafel beftand, fo konnten die Niethfugen unten hingelegt werden, wo fie die Afche bald bedeckt, fo dafs in den Röhren nirgends eine Nieth- oder eine doppelte Blechftärke ins Feuer kommt. Der Keffel hatte wohl ein Mannloch oben mit verfteiftem und eines unten in der Stirnplatte zwifchen den Rohren mit unverfleiftem Rande, aber noch keinen Dom oder fonftige Armirung. Der Keffel von F. Schmidt in Halle. Ein einfacher Flammrohr- Keffel von 125 Meter Aufsen- und o'55 Meter Rohrdurchmeffer bei 3.65 Meter Länge lag neben dem eben erwähnten im Hofe der landwirthschaftlichen Abtheilung. Er beftand aufsen aus drei Trommeln, welche doppelt geniethete Längs- und einfache Rundftöfse hatten und wurde hauptfächlich dadurch bemerkenswerth, dafs feine Innenfchüffe gleichfalls je aus einer einzigen Tafel beftanden, deren einfache Längsniethungen jedoch abwechfelnd rechts und bei der nächften Trommel links im horizontalen Durchmeffer lagen. Ein Boden war aufgebogen, der andere mit einem gedrehten Winkeleifen eingefetzt, beide durch zwei Dreieck- Tafeln in den Ecken verfteift. Den Dom fchlofs oben eine Blechdecke, und ein durch einen Ring verftärktes Mannloch befand fich gefondert am Keffel. Er wog 1750 Kilogramm und koftete 420 Thaler. Die öfterreichifchen Keffel. Mit hoher Befriedigung konnten wir der Ausftellung neuerdings entnehmen, dafs die Arbeit unferes Reiches nicht nur hinter keiner fremdländifchen zurück fteht, fondern im Gegentheile vielfach das Gepräge der Vollendung und der Muftergiltigkeit trägt. Diefes ift unter Anderem auch bei den Keffeln der Fall. Originale, zielbewufste und zutreffende Conftruction einigt fich mit gediegener Ausführung, und unfer gutartiges Eifen hilft für die Fernhaltung der auswärtigen Concurrenz mit, welche fich thatfächlich( mit Ausnahme der Kleinkeffel und Locomobile) hier keiner Erfolge erfreut. Wohl ftellen fich die Centnerpreife fremdländifcher Keffel, einfchliefslich Fracht und Zoll, oftmals billiger als das inländifche Fabricat, aber der Beſteller gewinnt dennoch Nichts, weil das nothwendige dickere Blech den geringeren Preis überwiegt oder bei gleicher Stärke nur geringere Dauer in fich trägt. Bei keinem Apparate foll aber weniger an den Mehrkoften für das beſte Material gefpart werden, als bei den Dampfkeffeln, und kein Eifen der Erde ift beffer dafür geeignet( wenn auch die fchwedifchen Sorten Low- moor etc. ihm gleichen) als unfer fteierifches Blech. Daraus beſtehen nun unfere Keffel; mit Ausnahme der Feuerplatten arbeiten folche an einzelnen Orten bereits über 30 Jahre im conftanten Betriebe mit hohem Drucke. Faft nie kam bei uns eine Explofion in Folge des Bruches einer gefund fcheinenden Platte vor; Beulen bilden fich in Folge der Stichflammen, und Feuerrohre werden hier fo gut eingedrückt als anderwärts, aber nie rifs das Blech und veranlafste ein Unglück, fondern es dehnte fich, zog fich und hielt. - Ich habe felbft durch hundert Verfuche erhoben, dafs fich diefes Eifen unter einer Ueberlaft eher auf die Hälfte des urfprünglichen Querfchnittes ftreckt, * Ich kenne Keffel, welche zum Deftilliren von Erdwachs dicnen, deren 1'5 Meterböden, mit 4000 Kilogramm belaftet, feit fechs Jahren jeden zweiten Tag zur Rothgluth erhitzt und nach jedem Auskühlen mit Hammer und Meifsel von der dicken Coaksfchichte gereinigt werden deren Neuberger Blech, obgleich geworfen und gefaltet, aber heute noch fchliefst. - 4* B 50 J. F. Radinger ehe es reifst. Zu alldem kommt noch eine langgeübte amtliche Controle, welche z. B. in England völlig unbekannt ift, und als ein Hauptumftand der, dafs die Wartung der Keffel nur von geprüften Heizern beforgt werden darf. Wo aber derart alle Verhältniffe fich glücklich treffen, klare Conftruction und forgfältige Ausführung über das befte Material verfügen und eine verſtändige und überwachte Wartung die Keffel betreut- darf es nicht Wunder nehmen, dafs ein Minimum von Explofionen auftritt. In keinem Lande der Erde explodirt ein geringerer Percentfatz der Dampfkeffel als in Oefterreich. Wir haben rund 16.000 Dampfkeffel innerhalb unferer Grenzen( darunter circa 4000 Locomotive und 4000 Locomobile), aber im zehnjährigen Mittel explodirten nur 1½ per Jahr, das ift noch nicht Einer von Zehntaufend. Die normale Dampffpannung beträgt 5 bis 6 Atmoſphären; die Bleche wurden feit der Auflaffung des alten Gefetzes, welches die Dicken mit rund d= 18 Dp+ 3 vorfchrieb, auf circa 2/3 herabgefetzt und ift meift um 10 Percent fchwächer als die der deutfchen Keffel und gleich dick mit den englifchen Blechen, obwohl dort doppelte Verniethungen gang und gäbe find. Doppelte Niethungen find für Stationärkeffel erft wenig in Verwendung, find aber felbftverständlich nicht unverfucht und kamen auch in der Ausstellung vor. Der Dampfdom überherrfcht noch, wenn auch fchon der beffere cylindrifche Sammler, welcher durch einen einzigen Stutzen mit dem Keffel in Verbindung fteht, aufzutreten beginnt und gleichfalls in der Ausftellung war. Für geprefste Keffelböden und fchmiedeeiferne Rohre beftehen im Inlande keine Fabriken, fondern erftere werden aus dem Rheinlande, letztere meift von England bezogen. Aber die Blechtafeln bleiben, was ihre Gröfse betrifft, hinter den ausländifchen nicht mehr zurück, feit auch unfere Walzwerke die 3- MeterWalzen befitzen. Spaltungen find in unferen Platten feltener als anderswo. Mit Mafchinen wird noch nirgends geniethet. Unfere im Allgemeinen jüngeren Kohlen veranlafsten eine Reihe abweichender Roftconftructionen, auf welche aber diefer Bericht, als zu weit führend, nicht erfchöpfend eingehen kann. Von öfterreichifchen Keffelfabriken ftanden in der Ausstellung: 2 Keffel von der Erften Brünner Mafchinenfabriks- Actiengefell. 221 " " " 7 " 99 79 99 fchaft, G. Sigl in Wien, Tedesco in Prag- Schlan, Baechle& Comp. in Wien, der Grazer Waggon, Mafchinenbau- und StahlwerksGefellfchaft. Diefe waren alle eingemauert und im Betriebe. Ferner waren vorhanden: 1 Keffel von der Prager Mafchinenbau Actiengefellfchaft, I Keffelzeichnung von Tedesco in Prag- Schlan, Keffeleinmauerungs- Zeichnungen von Franz Mörth in Wien. Mehrere unferer gröfsten Keffelfchmieden befchickten die Ausftellung nicht, was in der Gefchäftsüberbürdung der damaligen Zeit eine theilweife Erklärung findet. Der Depuis- Keffel. Von der Erften Brünner Mafchinenfabriks- Actiengeſellſchaft wurden zwei Dampfkeffel zum Betriebe der Hochdruck- Wafferleitung der Ausftellung gebracht, deren Syftem von A. Lutz in Mähren eingeführt wurde und bereits ziemlich verbreitet erfcheint. Centimeter 100 Der Depuiskeffel. 51 3 5 Meter. Mafsftab 1: 100 der Natur. Sie beftanden aus je einem liegenden einfachen Cylinderkeffel, I'I Meter Durchmeffer, 6.3 Meter lang, der an feiner hinteren Seite ftatt mit einem kreisrunden Blechboden gefchloffen zu fein, an einen 174 Meter weiten verticalen Keffel geniethet war und mit deffen Inneren in offener Verbindung ftand. Deffen ganze Höhe( 2:37 Meter) war von 80 Rohren durchzogen, welche, von Boden zu Boden reichend, den heifsen Gafen einen Weg durch den Wafferund Dampfraum diefes ftehenden Keffels boten. Das Feuer brannte nämlich in ganz normaler Weife vorne unter dem Langkeffel, und nachdem es diefen und die Aufs enfeite des Stehkeffels umfpült, hatte es zum Unterboden des Stehkeffels abzufallen, um durch die eingezogenen Rohre nach aufwärts und durch einen horizontalen Canal in die Effe zu gelangen. Die 80 Rohre, à 73 Millimeter im Lichten weit, ftanden in vier getrennten Gruppen, fo dafs fie mitten des Stehkeffels einen freien Kreuzgang liefsen, von wo aus ihre Reinigung erleichtert vor fich gehen konnte. Ueberdiefs legt fich an ftehenden Rohren der Keffelftein nicht fo leicht als auf liegenden Flächen an, und ein Mifsftand aus diefer Quelle fcheint umfoweniger auftauchen zu können, als die Feuerplatten, auf welchen das ftärkfte Ausfcheiden ftattfindet und unmittelbare Gefahr für den Beftand erwächft, dem gänzlich hohlen, leicht zu befahrenden Horizontalkeffel angehörten, während die Rohre nur geringeren Temperaturen ausgefetzt find. Die Verticalanordnung erlaubt es ferner auch der Flugafche nicht fo leicht fich anzulegen, wodurch fowohl der Zug als die Wirkung des Feuers unbeeinträchtigt bleibt. Das Speifewaffer trat durch ein auch zum Abblafen benütztes Rohr im centrifchen Tragfufse des Stehkeffels ein, während der Dampf demfelben oben entnommen wurde. Weil die Heizrohre auch den Dampfraum durchzogen, fo wurde der Dampf getrocknet. Einem Ueberhitzen ward durch die nahe Wafferfläche vorgebeugt. 52 J. F. Radinger. Die Stützung und ungezwungene Ausdehnung wurde jedem diefer Keffel durch die Aufhängung an einen( einzigen) Gufsbogen vorne gewährt, deffen Sprengung vielleicht fo gewählt wurde, dafs dem Vorrücken des Horizontalkeffels. und der rückwärtigen Hebung defselben mit dem Stehkeffel gleichzeitig Recht gefchah. Die Heizfläche berechnet fich auf 55 Quadratmeter, die Roftfläche macht 2'2 Quadratmeter oder 1/25 der erfteren. Der Schornftein hatte I Meter Durch meffer oder weil ftets nur einer der beiden Keffel geheizt wurde 12.8 des Roftes zur Fläche. Die Rohre boten einen Querfchnitt von 1.6 des Roftes, der Zug 1 desfelben, was ganz gute Verhältniffe find, wenn auch ein allenfalls beabfichtigtes bedeutendes Forciren( der Rohre wegen) nicht zutreffen könnte. Um Letzteres zu ermöglichen, fah ich andernorts vorfichtige Ingenieure eine Anzahl verticaler Canäle in jenem Mauerwerke ausfparen, welches den Stehkeffel umgibt. Diefe Canäle liefen oben aus dem Mauerkranze bei der Feuerlinie des Stehkeffels parallel zu deffen Innenrohren nach aufwärts und mündeten beim beginnenden Fuchs. Sie waren je mit einem Ziegel bedeckt, der für den Bedarf weggeftofsen wird. Ein vom Afchfall aus befahrbarer Gang erlaubte noch das Zukommen zum unteren Rohrboden, und ein abhebbarer( mehrtheiliger) Gufsdeckel oben geftattete das Reinigen der Rohre oder die Freilegung der ganzen Rohrdecke. Der kleine Durchmeffer des Horizontalkeffels läfst eine geringe Eifenftärke zu, und da folche gleichfalls an den Rohren auftritt, in welchem auch keine Flugafche in Folge der verticalen Stellung lagern kann, fo erfcheint die möglichft vollständige Ausnützung der Wärme hier beffer als bei irgend einem anderen Syfteme erreichbar. Das ganze Syftem ruht auf drei Punkten. Die Blechverbindung des Steh- mit dem Horizontalkeffel gefchah durch folide Niethung. Innerhalb derfelben war das Blech des Stehkeffels nicht gänzlich, fondern nur in zwei Kreisfenftern ausgenommen, welche wohl weite Querschnitte für die Waffer- und Dampfbewegung boten, aber doch die Feftigkeit der Conftruction weniger unterbrachen als ein voller Ausfchnitt. Ein Mannloch mit verfteiftem Rande oben am Horizontalkeffel, ein Vorkopf für die Wafferftand- und Dampfdruck- Zeiger und eine. verhältnifsmässig kleine Thürplatte von gefälliger Form vollendeten das Ganze. So fprechen alle Bedingungen für eine gute Betriebsfähigkeit diefes Syftemes, welches die Vortheile des einfachen mit jenem des Röhrenkeffels vereinigt, wenig Raum bei grofser Heizfläche beanfprucht, befte Ausnützung der Wärme wegen feinen dünnen Wandungen, lange Dauer wegen deren ungezwungener Drehung verfpricht, leicht zu repariren, zu reinigen und, weil viel Waffer enthaltend, leicht zu warten ift, trockenen Dampf liefert, aber auch forcirt werden kann, wenn der Bedarf es erheifcht. Die Dicke der Bleche des Horizontalkeffels betrug vorne 10 Millimeter. Rückwärts, wo fie, fich an den Stehkeffel ftützend, auf Biegung beanfprucht wurden, erhöhte fie fich auf 11 Millimeter. Der Stehkeffel felbft hatte 13.5 Millimeter Wand. Der untere Rohrboden war 19 Millimeter dick, nachdem ihn mehr als das halbe Keffel- und Waffergewicht einzudrücken ftrebt. Der Dampfdruck betrug 5% Atmoſphären und die Blechdicken paffen genau in die Form d= 11 D p X 3 Millimeter. Jeder wog 6765 Kilogramm und koftete ohne Ausrüftung 4400 fl., mit der completen Heiz- und Sicherheitsarmatur aber 5000 fl. G. Sigl's Dampfkeffel. 53 Die Keffel von G. Sigl in Wien. Im eigenen Keffelhaufe und zum Betriebe unferer Motoren in der Mafchinenhalle lagen drei gleiche Keffel von G. Sigl in Wien, welche nach dem Typus der in Oefterreich als beft anerkannten und hauptfächlich verbreiteten Dampferzeuger gebaut waren und alle jene Vervollkommungen trugen, welche die Erfahrung der letzten Jahre verlangt. Jeder Keffel beftand aus einem faft horizontalen Hauptkeffel und zwei untenliegenden Vorwärmer oder Siederkeffe! n. Das Waffer trat am rückwärtigen Ende des einen Sieders durch das Speifeventil ein und durchftrömte langfam deffen Länge. Vorne kehrte es durch ein eingeniethetes, oben tangirendes Zwifchenrohr in den zweiten benachbarten Sieder, in welchem es nach rückwärts zog, um dort durch einen weiten Stutzen aufwärts und in den Hauptkeffel zu gelangen, wo feine Verdampfung erfolgte. Das Feuer brannte vorne unter dem Hauptkeffei und feine Gafe frichen in der entgegengefetzten Richtung des Wafferzuges, fo dafs fie im Mafse ihrer fortfchreitenden Abkühlung an Keffelwandungen kamen, welche Waffe: von geringerer Temperatur umfchloffen, was die volle Ausnützung der Wärme verfpricht. Die drei Keffelrohre lagen nicht völlig horizontal, fondern fo geneigt, dafs das Waffer ftetig bergan zog, wodurch ein Haftenbleiben von Luft und Dampfblafen an den Siederdecken, das Anfetzen des Schlammes auf den Feuerplatten und( Folge eines zweiten unteren Verbindungsrohres der beiden Unterkeffei) das Zurückbleiben von Waffer bei der Entleerung der Keffel entfiel. Die obere Verbindung der zwei Sieder durch ein zwifchengeniethetes, oben tangirendes, weites Blechrohr ift ein noch wenig angewandter Vorgang, während man gewöhnlich U- förmige Stirnrohre dort benützt. Diefe werden aber in Folge der ungleichen Ausdehnungen häufig undicht oder brechen, falls fie aus Gufseifen find, ganz ab und verlegen fich leicht, da fie dann unter dem Rofte und deffen ftrahlender Hitze preisgegeben liegen. Der Oberkeffel von 145 Meter Durchmeffer und 10 92 Meter Länge beftand aus 13 Millimeter- und jeder Unterkeffel von 0.8 Meter Durchmeffer und 9.9 Meter Länge aus 8 Millimeter dicken fteierifchen Eifenblechen, welche durchaus einfach genietet waren. Sie hatten 5 Atmoſphären Normaldruck zu beftehen und fcheinen nach der Formel 13 Dp+ 3 und 6-12 Dp+ 3, je nachdem fie im erften Feuer oder deffen abziehenden Producten liegen, gerechnet zu fein. Der Oberkeffel lag hinten um 24 Centimeter tiefer als vorne, und die Sieder hatten je den gleichen Fall in der oben erwähnten Richtung, was 2'2 bis 24 Percent der Länge entfpricht. Die Mannlöcher von normaler Conftruction mit je zwei Bügeln befanden fich eines oben in der halben Keffellänge in einem aufgenietheten Sitz und je eines an der Stirne der Sieder. Der Hauptkeffel war oben ungefähr im Schwerpunkte der Dampfentwicklung mit einem grofsen Blechdom mit abgefteifter Blechdecke verfehen, welcher das Dampf und ein Sicherheitsventil trug, während das andere weiter hinten ftand. Der Ausfchnitt im Blech unter dem Dome war bedeutend kleiner als der Durchmeffer des Domes felbft und befafs nur Mannlochs- Gröfse. Dadurch wird die Feftigkeit des Keffels wenig geftört, während bei grofsen Ausschnitten fchon oft Riffe von hier ihren Ausgang nahmen. An der Stirnfeite, wo der Standplatz des Wärters ift, reichte ein Vorkopf durch das Mauerwerk und trug ohne die Vermittlung unverlässlicher Verbindungs. rohre die normale Armatur. 54 JJ. F. Radinger. G. Sigl's Dampfkeffel Längenfchnitt. away til br CE donis zeed Querfchnitt. 2 Centimeter 100 Meter. olod eno Mafsftab 100 der Natur. SA 55 Has AdA 56 J. F. Radinger. Diefes Keffelfyftem ift in England und Frankreich faft gar nicht verwendet, jedoch in Deutſchland und Oefterreich eines der beliebteften und häufigft gewähl ten. Dic Vortheile, welche es bietet, beſtehen hauptfächlich in hoher Sicherheit und leichter Reinigung; es liefert trockenen Dampf( per 1, Quadratmeter Wafferfläche entfteigen circa 80 Kilogramm Dampf per Stunde gegen 300 bei den horizontalen Röhrenkeffeln) und hält in Folge des grofsen Inhaltes Druck und Wafferhöhe mühelos conftant. Die Bleche liegen allfeitig für die Unterfuchung frei, und eine Reparatur fällt nirgend leichter als hier. Die verfchiedenen Temperaturen können einem Syfteme keinen Schaden bringen, wo fowohl der Hauptkeffel als der letzte Sieder nur durch je einen einzigen Stutzen nahe an ihren Enden feftgehalten werden, und fomit Nichts die Ausdehnung unter Wärme und Druck hemmt. Solche Keffel werden im zerlegten Zuftande transportirt und der Vorwurf, den man ihnen mit dem möglichen Undichtwerden der Verbindungsverfchraubung machte, entfällt. feit die Dichtung zwifchen den gedrehten Flächen der angenietheten Flanfchen bewirkt oder noch beffer ganz umgangen wird, indem man die Stutzen aus Einem herftellt und deren aufgebogene Ränder am Orte der bleibenden Aufstellung verniethet. Die Nachtheile, welche feine Gegner betonen, find: gröfseres und tief gehendes Volumen der Anlage, theueres Mauerwerk, längeres Anheizen und leichter eintretende Corrofion der Siedertafeln. Letzterer Mifsftand, deffen häufiges Vorkommen nicht blofs den Blechen zugefchrieben werden darf, hat doppelten Grund. Liegen die Sieder zu wenig oder gar falfch geneigt( was befonders bei Ein- Siederkeffel wegen des hinteren Ablaufes öfter beliebt wird), fo geber. die Luftblafen Veranlaffung zum Durchbrennen etc. der Platten. Zweitens ift es aber im Syfteme liegend, dafs das eingeführte Waffer nicht wie anderswo durch eine Circulation erfafst und im ganzen Keffelraume vertheilt wird, fondern als compacte Maffe hinten bleibt und nur langfam vorrückt. Enthält es nun für die Bleche fchädliche Beftandtheile, fo concentrirt fich deren Wirkung auf kurzer Länge, und der Keffel leidet örtlich, aber rapid. Dem erften Fehler beugt nun die Senkung des Keffels, dem zweiten die Verwendung reinen Speifewaffers vor, und Beides wird hier verlangt. Von der Einmauerung der Ausftellungskeffel mufs noch bemerkt werden, dafs der Feuercanal bis circa 12 Centimeter über den horizontalen Durchmeffer des Hauptkeffels reichte. Dort fchlofs er mit mehreren Ziegelfchaaren dicht an die zu begrenzende Wand. Oben wölbte fich jedoch eine freigespannte Tonne in Abftand von 8 Centimeter über dem Keffel, und der fchmale Raum, der dadurch entftand, blieb hinten durch eine verengte, aber offene Stelle mit dem Feuerzuge in Verbindung und hielt fo rings um den Dampfraum( und den Dom) ruhende, aber doch heizende Luft. Zwifchen je zwei Keffeln blieb ein Spalt im Mauerwerke ausgefpart. Die Blechftöfse waren derart vertheilt und die Feuerbrücke fo gerundet, dafs die Stichflamme keine Niethung traf. Die Keffel waren weitaus geräumig, dafs ihr Befahren und Putzen bequeni vor fich gehen konnte, wie es alle jene Keffel erheifchen, welche ftarke Niederfchläge aus dem verdampften Waffer erwarten laffen, und diefs beifpielsweife am Rande der Alpen der Fall ift, wo oft ein Keffelftein an die Wandungen wächft, der mit dem Meifselhammer Splitter für Splitter weggefchlagen werden mufs, denn er ift hart wie ein Fels. Jeder Keffel bot ungefähr 60 Quadratmeter Heizfläche dar. Die Zeh'fchen Schüttelrofte, deren Bewegung eine Transmiffion von den innengehenden Speifepumpen aus beſorgte, hatten je 177 Quadratmeter, was 1/3 entfprach. Die Züge waren ganz befonders weit und befaffen um die Keffel 1/ 1.8, beim Regifter 1.7 und wenn man die Effe( Durchmeffer 12 Meter) für zwei gleichzeitig betriebene Keffel hält, dort der Roftfläche. Jeder wog 11.000 Kilogramm ohne Armatur und koftete 4840 fl.( 44 fl. per 100 Kilogramm). Röhrenkeffel von Tedesco& Comp. Röhrenkeffel von Tedesco& Comp. 57 Die Mafchinenfabrik von Tedesco& Comp. in Prag- Schlan( heute Bolzano, Tedesco& Comp.) lieferte zwei Keffel, deren Dampf die Decker'fchen Pumpen für den Fontainenbetrieb verfah. Es waren cylindrifche kurze Keffel von 174 Meter Durchmeffer und 3.16 Meter Länge, welche je 83 Rohre von 79 Millimeter äufserer, 73 Millimeter innerer Weite zwifchen ihren ebenen Böden durchzogen. Oben hielt jeder Keffel mittelft eines einzigen 55 Centimeter weiten Stutzens noch einen Dampffammler von 0.87 Meter Durchmeffer und 4'42 Meter Länge. Diefer wurde nicht balancirt, fondern aufser dem Stutzen vorne noch von einem Blech- Doppel- T hinten getragen, das unverniethet zwifchen Sammler und Keffel lag und fo der freien Ausdehnung kein Hindernifs bot. Die Feuerung gefchah unter dem Hauptkeffel auf Bolzano- Roften, und die Gafe ftrömten längs dem ganzen Heizumfange der Unterkeffel nach hinten, umfetzten die Rückwand, um durch die Rohre in eine Rauchkammer zu kommen, von wo fie durch einen Canal( in welchem frei der Dampfsammler lag) in den hochliegenden Fuchs und zum Schornfteine gelangten. Die Keffel waren je an der Stirnfeite mit einem Vorkopfe für die Wafferftänder und rückwärts mit einem( 2 Meter langen) elliptifchen Hinterftutzen verfehen, welch' letzterer die Speife- und Ablafsrohre aufnahm und als Schlammfack und Einfteigcanal diente, indem deffen abzufchraubender Deckel das Zukommen in den Raum unter den Rohren geftattete. Diefe füllten nämlich den Keffel nicht ganz, denn ihre unterfte Horizontalreihe( 13 Rohre enthaltend) ftand circa 50 Centimeter über der Keffelfohle, und fo war das Reinigen der Feuerplatten von angefetztem und niedergefallenem Keffelfteine leicht. Ferner war auch der Sammler durch die Stirnwand hindurchgeführt und feine gufseiferne Abfchlufsplatte nahm aufser den Sicherheitsventilen noch ein Mannloch auf. Durch diefes und den Dampfflutzen hindurch wurde der Hauptkeffel ober den Rohren befahrbar, und deren Zwifchenräume konnten von oben um fo beffer gereinigt werden, als die Rohre vertical übereinander gereiht ftanden. Der Dampf entftrömte ganz rückwärts dem Sammler, in deffen weiter Länge er das mechanifch mitgeriffene Waffer gröfstentheils verlor, und deffen geheizte Wände ihm noch Wärme zur weiteren Trocknung( vielleicht Ueberhitzung) zuführten. Die Rauchkammer war durch eine gutfchliefsende Doppelthüre derart zugänglich, dafs man jedes Rohr durchfahren oder herausziehen konnte, wie es Reinigung oder Reparatur verlangt. Unter dem Feuercanale war noch ein Fahrcanal angelegt, deffen für gewöhnlich verlegte Einfteigöffnung das Herausholen des Rufses und der Flugasche erlaubte, die beim Durchftofsen der Rohre hinten einfiel, aber auch die dortige Rohrwand freigab. Um den Hauptkeffel erfchien das Mauerwerk doppelt ausgeführt und konnte den Dehnungen zwanglos folgen, welche die Temperatursunterfchiede mit fich brachten. Das Gleiche war auch den Keffeln möglich, deren Obertheile je ein weiter Bogen überfpannte, der fie warm, aber entlaftet hielt. Aehnlich den amerikanifchen waren auch diefe Keffel nur an drei Punkter. mit zwei Vorderpratzen und einem hinteren Doppel- T- Fufs getragen. Diefe Lagerung wurde bereits dort gewürdigt, und es erübrigt hier höchftens noch zu bemerken, dafs diefer hintere Gufsträger allfeitig ummauert war, was zur Schonung des anliegenden Bleches wefentlich beiträgt. Bei jedem Keffel war die höchfte Sorge darauf verwendet, dafs die Stichflamme, welche ober der Feuerbrücke zu erwarten ftand, die Bleche ftreifte und nicht ftöfst und nicht eben eine Niethung traf. 1071 58 J. F. Radinger. Letzter Umftand führte hier zu der Detailconftruction der Zufammenfetzung der des Keffels nach zwei Halbcylindern, welche in den horizontalen Längsnähten verbunden waren. Der obere Halbcylinder beftand aus drei, der untere aus zwei Platten, und letztere trugen an ihren nach innen gebogenen Flanfchen mit zwifchengelegtem Stemmblech die Verniethung. Derart kam nun allerdings kein gehäuftes Material ins Feuer. Aber bei nicht fehr reinem Waffer ift ein mächtiger Keffelftein- Wulft hinter jenen Kanten zu befürchten, die kein Kreislauf fpült. Diefs macht dann felbftverſtändlich den erft erreichten Vortheil rafch verfchwinden, wie man es an einigen Keffeln in Oberfchlefien erfuhr, an welcher diefes Detail zuerft erfchien. ++++++ +++++++ 144 ++++ +++ 48414 Die Feuerung gefchah auf Bolzano- Roften( Ausführungsnummern 513 und 514). Es find diefs wenig( 12 Grad gegen den Horizont) geneigte Treppenrcfte, deren Spalten von Afche und Schlackentheilen durch eine zeitweilige Schüttelung von Hand aus freigehalten werden, welche jeden zweiten Roftftab um circa 20 Millimeter zwifchen feinen ruhenden Nachbarn hebt. Die frifche Kohle wird durch einen Kipptrog auf den Roft gebracht, und theils durch das plötzliche Aufkollern, theils durch die Schüttelung und endlich die Schürftange fo auf der ganzen Roftfläche vertheilt, wie diefs bei einem gewöhnlichen Planroft gefchieht. Es kommt dabei das neue Material ftets auf eine brennende Schichte und entzündet fich fofort, nur ift der Nachtheil umgangen, eine Heizthüre zu haben, welche für das Aufwerfen und Schüren zeitweife offen ftehen mufs. Die Roftftabs- Enden find ftufenförmig gefchnitten, wodurch gröfsere Kohlenftücke von dem Hinabrollen bis auf das Schlackengitter bewahrt werden follen, womit der Unterroft hier endet. Schaulöcher zu beiden Seiten geftatten die Ueberficht, und eine Blechplatte unterhalb des erften Abfatzes fängt die Kleinkohlen auf, welche dort allenfalls durchfallen. Diefe werden auf den unteren Rofttheil gefchoben und verbrannt. Bei den Ausftellungsroften lag der Obertheil wie in einer Vorfeuerung unter der überwölbenden Stirnmauer der Keffelanlage und die erften qualmenden Verbrennproducte konnten fich an der feuerfeften Decke( welche die Einniethung des Rohrbodens forgfam untergriff) allenfalls noch entzünden. Der Unterroft, auf dem es gewiffer rauchfrei brennt, lag aber frei unter dem Keffel und fandte auch die ftrahlende Wärme zum Blech. Aus dem Gefagten geht hervor, dafs ein Forciren des Feuers hier wohl angeht, wo die frifche Kohle auf die brennende kommt, während fie bei anderen fchiefen und Treppenroften nur durch die zurückzüngelnde Flamme in Brand gerathen kann. Dagegen werden die Stäbe hier auch leicht verbrennen, wenn der Roft nicht rein gehalten bleibt. Der Roft geftattet, wie ich mich felbft verfchiedenen Ortes überzeugte, die Verwendung des ſchlechteften Brennmaterials, indem eine hohe Temperatur auf ihm herrfcht. Die vollſtändige Verbrennung, welche dadurch entsteht, fichert die volle Ausnützung der Heizkraft und mit dem einen höheren ökonomifchen Effect Röhrenkeffel von Tedesco& Comp. 59 Centimeter 100 2 3 Meter. Mafsftab 1: 100 der Natur. als fonft. Glaubwürdigen Verfuchen ift zu entnehmen, dafs bei Forcirung bis über 130 Kilogramm Kohle per Stunde und Quadratmeter verbrannt wurden, was wohl bei keinem anderen Treppenroft geht. Und insbefondere für böhmifche Kohle ift er ausprobirt und fcheint fich mit Vortheil eingebürgert zu haben, während er mit rheinifcher Kohle nicht fo gute Refultate gab.: Auch in der Ausftellung wurde er ausnahmsweife und über fpecielles Anfuchen der Fabrik mit fchlechter Duxkohle, Klarkohle betrieben und arbeitete trefflich, obgleich ihn vielleicht der mindeft intelligente Heizer des Platzes bediente. Die Keffel der Ausstellung hatten jeder 65 Quadratmeter Heizfläche; die Rofte à 24 Quadratmeter oder 127 der zu heizenden Fläche. Die Rohre waren eng wie gewöhnlich und befafsen/ der Roftfläche als freien Querfchnitt. Die Züge und der Fuchs befafsen/ und die Effe, wenn, was ftets der Fall, nur ein Keffe! betrieben war, 13.1 der Roftfläche. Der Normaldruck diefer Keffel betrug 5 Atmoſphären und die Blechftärke II Millimeter unten am Hauptkeffel und 7 Millimeter am Sammler, was die Formel 0.9 D p+ 3 Millimeter gibt. Die hinreichend verfteiften Rohrftirn- Wände hatten 14 Millimeter Stärke. * Eine intereffante Abhandlung darüber von einem höheren und allgemeinen Standpunkte erfchien in der Zeitfchrift des öfterreichiſchen Ingenieur- und Architekten- Vereines 1872 von Profeffor Guftav Schmidt. 60 J. F. Radinger. Sie wogen je exclufive Armatur 5840 Kilogramm, wovon 1260 auf den Sammler entfielen, und kofteten am 1. Mai 1873 mit der Gefammtarmirung, aber ohne Roft 4150 fl. Der Roft von 24 Quadratmeter wog circa 1350 Kilogramm und koftete 400 fl.( 30 fl. per 100 Kilo), Beides loco Bahnhof Brandeisl. Geputzt wurde jeder Keffel zweimal während der ganzen Ausftellung, aber nach 4 bis 5 Tagen und längftens jede Woche wegen des fchlechten Waffers gänzlich abgeblafen, was wegen des möglichen Betriebswechfels leicht gefchehen konrte. Tedesco's Dreirohr Keffel. Diefelbe Fabrik, welche die eben befchriebenen Röhrenkeffel brachte, zeigte auch in ihrem Keffelhaufe die Zeichnung eines Dreirohr- Keffels und theilte mir übe fchriftliche Anfrage mit, dafs fie bereits 7 Stück diefes Syftemes theils ausgeführt hat und theils eben anfertigt. Alle drei Rohre find gleichen Durchmeffers( 80 Centimeter); die beiden oberen liegen im erften Feuer und find mit dem unteren, das als Gegenftrom Vorwärmer dient, hinten durch je einen Stutzen verbunden. Ein gemeinfamer Dampffammler liegt oben querüber, und mancher beachtenswerthe Vortheil fcheint mir fo erreicht. Diefes Syftem geftattet felbft für höhere Spannungen noch dünne Bleche, bringt den Ausdehnungen kein Hindernifs und trägt die Möglichkeit fabriksmässiger Erzeugung. Solche Keffel werden gewöhnlich mit 50 Quadrat. meter Heizfläche ausgeführt. Der Fink'fche Keffel. Von der Mafchinenfabrik und Keffelfchmiede Baechle& Comp. in Wien ftand ein Röhrenkeffel zum Betriebe der Niederdruck- Wafferleitung beigeftellt, der fich von einem gewöhnlichen Locomotivkeffel aufser den Dimenfionen nur durch die Form feiner Feuerkaften- Decke unterfchied. Diefe beftand nach dem Patente Pius Fink aus dem Bauch eines gewöhnlichen Cylinderkeffels. Die Feuerung gefchah alfo in einer Feuerkifte, deren Doppelwandungen mit Waffer gefüllt und der ftrahlenden Wärme preisgegeben waren, und deren Decke aus einer längscylindrifchen, gegen das Feuer niederhängenden Platte beftand. Die allfeitig aufgebogenen Ränder fügten fich an die Verticalwände des Heizraumes und ihre Niethung lag dem Feuer entrückt. Der Dampf, welcher auf die cylindrifche Schale drückte, fuchte deren Form zu ändern und ihre Krümmung auf kleineren Radius zu bringen. Dem dadurch angeftrebten Kürzerwerden der Sehne widerfetzten fich aber nun zwei quer eingelegte ftarke C- Façon- Eifen, und indem diefe das Zufammenbringen der Längsränder verwehrten, dienten fie zur Erhaltung der urfprünglichen Form. So wurde hier die Deckbarren- und jede andere Conftruction umgangen, welche fonft diefen Keffeltheil fowohl dem Gewichte nach, als für die Reinigung fchwer erfcheinen läfst. Merkwürdiger Weife legt fich kein Keffelftein in diefe trogartig vertiefte Decke, indem die niedere Wafferfchicht ober ihr keine bedeutenden Depots beim Centimeter 100 Ier Fink'fche Keffel. 61 3 5 Meter Mat's ftab 1: 100 der Natur. Erkalten zu vergeben hat, und die elaftifche Formänderung nach Aufhören von Druck und Wärme jenen Stein zum Abfpringen bringt, der fich während des Betriebes niederfchlug. Die heftigen Wafferwallungen beim nächften Heizen werfen dann Alles aus, was dort lagert, und das Blech bleibt frei. Ich überzeugte mich von diefer Reinheit der Decken- Innenfeite fowohl am Ausftellungsplatze, als auch in einer Werkstätte bei Wien, wo drei folcher Keffel arbeiten. Die Gefammtlänge des Keffels mafs 5.48 Meter, von welchen 2.08 auf den Heizmantel, 2.70 auf den Cylinder und o 70 auf die Rauchkammer entfielen. Die Breite des Heizmantels war 1'28 und feine Höhe 19 Meter. Der Durchmeffer des Cylinderkeffels betrug 1'2 Meter, und er war von 102 Röhren, von je 60 Millimeter lichter Weite und 2.55 Meter Länge durchzogen. Die Feuerkiften- Wände( 132 Meter hoch) waren geneigt und umfchloffen einen( Roft-) Raun von 187 Meter Länge bei 108 Meter Breite am unteren Schlufsringe. Den Dom von circa o 70 Meter Durchmeffer und 1 Meter Höhe fchlofs oben ein Gufsboden, welcher ein gewöhnliches Einfteigloch und die Dampf- und Sicherheitsventile trug. Die Maximalfpannung konnte 6 Atmoſphären erreichen, und war von den Blechen von II[= 1'o Dp+ 3] bis 13 Millimeter( 22 in den Rohrwänden) mit genügender Sicherheit ertragen. í Der Keffel war felbftverſtändlich mit allen übrigen modernen Detailconftructionen ausgeftattet. Eine aus einem einzigen Bleche gefchmiedete Krebswand mit befonders grofs gerundeten Uebergängen und eine Anzahl verlängerter Stehbolz- Schrauben verband den Heizmantel mit dem Aufsencylinder. Dennoch foll fich die RauchRohrwand um 2 Millimeter bei normalem und bereits um 6 Millimeter bei anderthalbfachem Drucke elaftifch heben. Die Verbindung des Dampfraumes mit dem Dome gefchah durch einen kleineren Ausfchnitt, und diefen verftärkte noch ein innerhalb des Domes aufgenietheter Ring. Das Putzloch in der Stirnwand, durch welches der Trog zu überfehen war, trug einen nach einwärts gebogenen Rand und verfteifte fich dadurch direct. Die eingezogene Feuerthüre, die möglichft hoch hinaufreichenden Stehbolzen, die Spannftangen durch die Keffellänge hindurch, die Eckabbindungen der Krebswand etc. etc. waren bewährte und bekannte Details. 62 J. F. Radinger. Die Heizfläche betrug 56 Quadratmeter, der Roft 187 Quadratmeter. Das Verhältnifs ftellte fich daher auf den Gefammtwerth von 1:30. Die 102 Rohre von 60 Millimeter lichter Weite boten 15 der Roftfläche, was ein ausreichendes Verhältnifs zu nennen ift. Den einzigen Vorwurf mufs diefer wie die anderen innen geheizten Stationär keffel tragen, dafs hiebei ein höchft beträchtlicher Percentfatz, wohl mehr als die Hälfte, des Gefammt- Keffelgewichtes nur zum Abfchlufs oder zur VerfteifungsConftruction dient und alfo dem Hauptzwecke des Keffels entfremdet bleibt, ja durch Wärmeftrahlung noch fchädlich wird. Bei halbwegs unreinem Waffer und normal dauerndem Betriebe hält folch' ein Keffel nur kurze Zeit, und kaum nach Jahresfrift können Rohr- oder Feuerbox- Auswechslungen nöthig werden, weil fich die Wände mit Keffelftein verwachfen. Die Wartung wird durch das Rohrputzen und die gröfsere Sorge um Druck und Wafferftand fchwieriger und der Dampf leicht näffer als bei einer anderen Form. Daher wird fowohl die Anlage als der Betrieb gerade nicht am billigften, und wo nicht die Nothwendigkeit das kleinfte Volumen des Dampferzeugers gebieterifch verlangt( wie bei der Locomotive etc.), fcheint folch' ein Syftem wohl nicht als Ideal. Die geiftreiche Erlöfung der Feuerbox Decke von ihren Barren und Hängfchrauben wird, wenn fie die Erfahrung gutheifst und insbesondere nicht etwa die Rohrwand leidet, wohl noch manche Anwendung finden. Die Speifung gefchah mit einem jener Friedmann'fchen Injectoren, welche bekanntlich die einfachften find und nie verfagen. fertigt Der Ausftellungskeffel wog circa 7000 Kilogramm und würde, neu ange4900 fl.( 70 fl. per 100 Kilogramm) 430, alfo complet 5330 fl. koften. Der gebrauchte Keffel wurde aber von der Fabrik mit 3550 fl. inclufive aller Armatur bewerthet. dazu die ganze Armatur Der Fairbairn Keffel. Die Grazer Waggon, Mafchinenbau- und Stahlwerks- Gefellfchaft fandte einen DreirohrKeffel, Syftem Fairbairn, zur Ausftellung und liefs ihn für den Betrieb der NiederdruckWafferleitung arbeiten. Er beftand aus einem innen geheizten 0.63 Meter weiten Feuerrohr, welches völlig central in einem Aufsenkeffel von 118 Meter Durchmeffer und 6.8 Meter Länge lag, und einem o 95 Meter weiten Oberkeffel, der fich mit zwei Stutzen an letzteren fchlofs. Das Waffer füllte den unteren Ring- Querfchnitt und ftand oben bis zum horizontalen Durchmeffer. Das Feuer ging nach feinem Austritte aus dem Flammrohre längs des ganzen Aufsenumfanges des Unterkeffels nach vorne und dann am Oberkeffel zurück zum Schornfteine. Der Unterkeffel hatte einen leichten Fall ( 8 Centimeter) nach vorne, um die erwartete Circulation zu erleichtern, dem Anfetzen eines Dampfpelzes oben beim Anheizen vorzubeugen und das Ausblafen und völlige Entleeren des Keffels zu erleichtern. Das Flammrohr mufste zum Ausziehen fein, weil der Raum rings um dasDie lösbaren Verfchraubungsftellen felbe kein Putzen anderwegs geftattete. H Centimeter 100 Der Fairbairn- Keffel. 63 5 Meter. Mafsftab 1: 100 der Natur waren( ebenfo die der Stutzen) zur angeftrebten aufserften Solidität nicht an Winkel, fondern an maffiven( 80 Millimeter-) Quadrateifen- Ringen vorgenommen, welche vorerft aufgeniethet, einen völlig unbiegfamen Flanfch bildeten. Diefer war gedreht und an ihn der Blechrand der Auszugtheile durch nahegefetzte ( 20 Millimeter-) Schrauben und mit mit einer zwifchengelegten Kupferfcheibe gedichtet. Flanfch und Schrauben des hinteren Endes fchützte noch ein eingebauter Ring aus feuerfeftem Thone vor dem Anpralle des Feuers. Das Flammrohr beftand aus fechs Trommeln, deren Rundftöfse abwechfelnd durch ein umlegtes Band oder einen Ring verbunden waren. Letztere follten nun federnd die relativen Längsänderungen ausgleichen, welche fich zwifchen dem erftgeheizten Innenrohre und dem kühleren Aussenrohre 0 00 0 0 0 0 5 64 J. F. Radinger. erwarteten und gleichzeitig einen Mitfchutz gegen eine radiale Formänderung des von aufsen geprefsten Rohres gewähren. Die erfte Bedingung fordert einen dünnen, die zweite einen ftarken Querfchnitt des Ringes, und die rechte Mitte trifft, wenn überhaupt beftehend, nur die Erfahrung für den fpeciellen Fall. Nachdem aber die Sicherheit unbedingt vorangeht, fo ift die Wahl eines zu ftarken Querfchnittes für einen Verfuchskeffel naheliegend und machte fich auch hier bemerkbar. Das Flammrohr war nämlich ausnehmend ftark, aber federte zu wenig, in Folge deffen es an den Verfchraubungen zerrte und ein Schweifsen Platz greifen liefs. Diefes bemerkte man aber nur in den oberen Theilen, wie es fich auch ganz logifch durch die gröfsere Erwärmung der oberen Hälfte erklärt, welche von der ftrahlenden Hitze ober dem Rofte und den hinftrömenden Flammen getroffen wurde, während unten eine geringere Wärme und vorne felbft eine Kühlung durch die zum Rofte kommende Luft eintrat. Als aber nach Schlufs der Ausftellung der Keffel zerlegt im Hofe war, konnte man durch den vorderen Stutzen ins Innere des Unterkeffels und auf den Ring fehen. Der Keffelftein war von demfelben nicht abgefprungen, fondern bedeckte ihn ebenfo ungeftört wie die anderen Tafeln, wodurch das Nichtfedern des Ringes wohl am deutlichften kundlag. Die Verbindungsftutzen befafsen je 40 Centimeter lichten Durchmeffer oder eine Querfchnittsfläche von 0 125 Quadratmeter, welche die Dampf- und Wafferftröme vom Unter- zum Oberkeffel leiten mufste. Die untere Heizfläche berechnet fich auf 35 Quadratmeter und das Verhältnifs der Stutzenweite zu diefer betrug daher 1: 280, was fich durch ftarkes Schwanken im Glafe als einen Grenzwerth anzeigte. Die Ausführung der Keffelfchmied- Arbeit war, wie ich mich fchliesslich an dem vom Mauerwerke entblöfsten Keffel felbft überzeugte, eine felten mufterhafte. Nirgends waren die Biegungen reiner, die Kanten fchärfer, die Niethungen ungezwungener als hier. Mit letzteren war noch mancher Luxus getrieben, und beiſpielsweife die Niethenköpfe der Stutzenflanfchen und der gufseifernen Domdecke verfenkt. Die Ausrüftung des Keffels war die normale. Ein centrifcher Vorkopf oben trug zwei Wafferftands- Gläfer und ein Manometer; Dampf- und Sicherheitsventile fafsen auf einem Dome mit Gufsdecke, deffen Platz nicht eben ganz glücklich gerade über den Vorderftutzen kam. Ein gefondertes Mannloch mit aufgeniethetem Gufskranze, ein vorne unten mündendes Knierohr für Speifung und Ablaffen etc. dienten der Wartung und Reinigung. Zu letzterem Zwecke wurde das Flammrohr. während der Ausftellungszeit( meines Wiffens) nicht herausgezogen. Im Mauerwerke geftattete ein für gewöhnlich vermauerter Zugang das nöthige Nachfehen und allfällige Reparaturen an der Hinterwand und die Reinigung der Züge und des ganzen Unterkeffels von Flugafche und Rufs. Die Heizfläche ftellte fich auf circa 44 Quadratmeter, die Roftfläche auf 15 Quadratmeter, das ift faft 10 der erften. Der Endzug hatte o 4 Quadratmeter oder 18 des Roftes. Der Keffel war für 6 Atmoſphären Betriebsdruck beftimmt, und aus 9 Millimeter dicken Blechen oben und folchen von II Millimeter unten hergestellt, was einer Formel von= II D p+ 3 zu entfprechen fcheint. Diefer Dampfkeffel fammt Feuerungsanlage und Armatur wurde der Generaldirection von Seite der Mafchinenfabrik für die Dauer der Ausftellung ganz unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Nun beabsichtigt die Fabrik an diefem Verfuchskeffel weitere Studien vorzunehmen; z. B. ob fich nicht die Verfchraubung des Flammrohres mit dem Unterkeffel durch fefte Niethung erfetzen liefse und die Abfchreckung des Keffelfteines, wie es in ftehenden Feuerrohr- Keffeln genügt, nicht auch hier ausreicht. Hauptfächlich zielt die Fabrik mit diefem Keffel zu einem Syfteme zu gelangen, welches bei ftufenweife wechſelndem Dampfverbrauche( z. B. Beffemer- Anlagen) pafst. Kux' neueftes Dampfkeffel- Syftem. 65 Uebrigens ift der eben befprochene Ausftellungskeffel wohl einer der gröfsten feines Syftemes, weil weder eine Verlängerung des Roftes, noch eine bedeutende Verbreiterung desfelben durch Vergröfserung des von aufsen gepressten Rohres wohl angeht, und das Verhältnifs der Heiz- zur Roflfläche bereits auf der äufserften Grenze der Wirkung fteht. Kux' neueftes Dampfkeffel- Syftem. Unter diefem Namen ftellte die Prager Maſchinenbau- Actiengeſellſchaft einen Keffel aus, welcher, kalt und nur in halber Einmauerung befindlich, beffer als irgend ein anderer der Befichtigung preisgegeben lag. Es war ein Cylinderkeffel mit zwei inneren Feuern, deffen Heizfläche noch ein Syftem ftehender Röhren und ein untenliegender Vorwärmer vergröfserte. Die Feuergafe zogen von den Roften zuerft durch die Flammrohre, und trafen bei ihrem Austritte auf einen Bund verticaler waffergefüllter Rohre, welche fie durchbrachen und mit zwei hinten anfchliefsenden gemauerten Zügen umfetzten. Hierauf ftrichen fie längs des Heizumfanges des Hauptkeffels wieder nach vorne, fielen in den Vorwärmercanal und kamen endlich am Boden des Rohrfackes hin zum Fuchfe. Der Hauptkeffel hatte 8:22 Meter Länge und 192 Meter, die zwei Flammrohre je o 8 Meter Durchmeffer. Die 132 Stehrohre waren je 90 Millimeter aufsen weit und verbanden die zwei im Abftande von 1'21 Meter einander zugekehrten Kreisböden zweier kurzer Cylinder von je 19 Meter Durchmeffer. In den unteren derfelben mündete der o 8 Meter weite Vorwärmer mit einem centrifchen, in den oberen der Hauptkeffel mit einem in der Wafferhöhe liegenden Stutzen. Ein dritter Stutzen verband noch Vorwärmer und Hauptkeffel vorne unter der Stirn. Die Rohre, welche ftets waffergefüllt bleiben, follen nun ein entfchiedenes Auffteigen des Waffers und fomit einen Kreislauf im ganzen Syfteme einleiten; diefes wird allerdings durch die drei Stutzen ermöglicht, wenn auch das Niederftrömen im fchmalen Spalte zwifchen den erftgeheizten Flammrohren erfchwert ift. Am Hauptkeffel befand fich ferner ein Dom, und ich denke, es dürfte noch ein Verbindungsrohr zwifchen diefem und der Rohrkappe eingefchaltet werden, falls der Betrieb beginnt, um ftarken Wafferfchwankungen zuvor zu kommen. Der Keffel beftand durchwegs aus cylindrifchen Trommeln, deren Bleche in den Längsftöfsen doppelt geniethet waren. Der Boden des Hauptkeffels war vorne flach mit Aufsen- Winkelring angeniethet und fechs Eckverfteifungen oben, zwei unten ausgeftattet. Der Boden hinten war mit aufgebogenem Rande eingeniethet und ihn hielt keine weitere Verficherung als die eigene Conftruction feft, welche noch der Verbindungsftutzen unterftützte. Von den Flammrohren erfchien nur die erfte und zweite Rundnath mit aufgebogenen Rändern. Bei der Ausgangsftelle der Flammrohre vorne an der Stirnplatte war das Blech nach einwärts geflanfcht, was den Vortheil des leichten Fertigmethens wahrt, aber bei fchlechtem Feuerzuge auch leichter zu Grunde geht. Die Stutzen dürften fchwer dicht zu halten fein, denn bei ihrer Kürze federn fie nicht, und wenn fich der Hauptkeffel durch die Wärme dehnt, biegt er fie oder die Rohrenden auf. Dagegen findet die Einpaffung der Rohre an Stellen ftatt, welche dem Feueranpralle entrückt find, und ein Rinnen ift umfoweniger zu erwarten, als fich kein Keffelftein an ihren Enden lagern kann. Im Innern ift derfelbe wenig zu fürchten, denn nicht nur, dafs er fich nicht fo leicht an verticale Wände legt, fo erlaubt das beiderfeits offene Rohr auch leicht, ihn wieder zu entfernen. 5* 66 J. F. Radinger. 000 000000 000 000 000 000 00 000000 OOOOOO 0 00 000 000 000 000 000 Centimeter 100 I 2 3 5 Mcter. Mafsftab 1: 100 der Natur. Ein Auswechfeln der Rohre wäre aber noch immer möglich, weil die Höhe des Obercylinders, wenn auch nicht gröfser als die Rohrlänge, aber doch hinreichend fcheint, um ihr Einfchieben zu geftatten, wenn fie mit ausgetriebenem Oberende einzurollen find. Das untere Ende würde dann vom Untercylinder aus gedichtet. Diefer letztere dient auch für die Ablagerung des Schlammes, indem er, nur wenig gewärmt, eine grofse und theilweiſe ftagnirende Waffermaffe hält. Noch wäre zu erwähnen, dafs je eine Reihe der ftehenden Wafferrohre an der Flucht der beiden Flammrohre ausgelaffen wurde, wodurch eine Zeile von 17 Centimeter lichter Breite entſteht, welche wohl kein Begehen geftattet, aber doch die äufsere Reinigung erleichtert. Weil diefs hier wie bei allen Röhrenkeffeln bei afchender Kohle auch während des Betriebes vorgenommen werden mufs, war eine Thüre in der gemauerten Rückwand vorhanden. Die Heizfläche diefes Keffels berechnet fich nach mässigen Annahmen auf circa 130 Quadratmeter. Länger als 2 Meter können wohl die Rofte nicht leicht gemacht werden, und fo ftellt fich deren Fläche auf 3 2 Quadratmeter, 4 der Heizfläche. Man erfieht daraus, dafs der Vorwärmer fchon ziemlich überflüffig feine 13 Quadratmeter Fläche den abziehenden Gafen darbietet und daher mehr der erwarteten Wafferftrömung als dem Heizeffecte dienend eingefchaltet liegt. Kux' neueftes Dampfkeffel- Syftem. 67 Ohne ihn würde aber die freie Ausdehnung der Einzeltheile zwanglos möglich, und ob nicht durch deffen Weglaffung, wobei für die Wafferftrömung auf andere Art leicht geforgt werden könnte, die übrigen Vortheile des Syftemes ungetrübter zur Geltung kämen, müfste wohl die Erfahrung lehren. Durch ausgeftellte Zeichnungen war die Verbindung des Keffels mit der Rohrkappe ftatt mittelft Stutzens auch durch directe Verfchneidung der beiden Cylinder dargestellt, was mich auf das Mitfühlen der Sorge um die Stutzendichtung und der einfeitigen Dampfentnahme fchliefsen läfst. Auch war die Anwendung des Syftemes auf aufsengeheizte Ein- oder ZweifiederKeffel gleichfalls vorgeführt, wovon aber nichts wefentlich Neues mehr zu berichten kommt. Intereffant ift die von dem Director diefer Fabrik Herrn Dautzenberg gewöhnlich benützte Formel zur Beftimmung der Roftgröfse ftationärer Keffel. Diefe lautet für Quadratmeter umwandelt: I I R= - F+ F 30 150 und gibt für kleine Keffel gröfsere relative Roftgröfsen als bei grofsen Conftruc. tionen. Für F16 oder F= 100 Quadratmeter werden die Rofte 0.86 oder 3.96 Quadratmeter, das ift 18 oder 25 der Feuerfläche. Die Tabelle. In folgender Tabelle ftelle ich nun die wefentlichen Conftructionsverhältniffe der bisher befprochenen Stabilkeffel zufammen. Die Erkenntnifs, welche ich diefen Zahlenwerthen entnahm, befindet fich am Eingange diefes Berichtes ausgefprochen, und hier möge noch die Bemerkung geftattet fein, dafs die eingefetzten Keffelgewichte ftets die Refultate von Wägungen und nicht von Berechnungen find. Wo ich diefe oder andere Werthe nicht beftimmt wufste, folgt ein Strich ſtatt der blos vermutheten Zahl. Die Roft, Zugs- und Schornftein Querfchnitte erfcheinen nicht direct, fondern nur in der mafsgebenden relativen Gröfse eingefetzt. Die Durchmeffer der Schornfteine find meift fchon im Texte angegeben und auf Seite 103 nochmals zufammengeftellt. In der Tabelle kommen nur die thatfächlich ausgeftellten Dampfkeffel vor. Jene, welche in Zeichnungen oder Modellen eingefandt waren, gaben in der Regel zu wenig Anhaltspunkte für den umfaffenden Vergleich. 68 J. F. Radinger. Dampfdruck Aus fteller Land der Keffel P Atmofphären LängsNiethung Die ftabilen Dampfkeffel dicke x Dp+ 3 Formel der Blech= X Durchmeffer D Meter Heizfläche Quadratmeter Roftfläche Heizfläche Röhrenquerfchnitt Roft Die ftabilen Dampfkeffel der Weltausftellung. der Weltausftellung. Zugquerfchnitt Roft Schornftein Roft Gewicht des Keffels ohne Armirung Quadratmeter Gewicht per Heizfläche gend perStunde Dampf entſteiu. 1 Q.- Meter Wafferſpiegel Kilogramm Anmerkung der Keffel Syftem Amerika Pilkin 5 einfach 0.6 1.8 120 140 1/8 1/8 1/6 200 Wird nur mit 100 Kilo benützt. Röhrenkeffel Galloway 4 doppelt Adamfon 412 ΙΟ O'94 2'13 2'13 70 22 16 1/ 4.8 - 90 65 122 1/5 1/ 4.8 10.500 " England Cater- Walker 4 I'5 2.13 105 144 19 1/4 1/5 12.500 161 128 Schornftein gemeinfam. 84 233 Wird nur mit 155 benützt. " Howard. IO gefchw. 2.2 0.23 42 125 1/4 - 8.750 - 4.500 Gewicht mit Armatur. Dampftrocknung. Gallowaykeffel Feuerrohrkeffel Röhrenkeffel Howard- Keffel Parent- Schaken Frankreich Claparede Belleville 50 doppelt 6 . IO einfach gefchw. 1.6 148 140 11 7 I'16 2.10 50 3.0 ΟΙΟ 50 16 1/4 5.5 12 500 89 337 - 1/8 1/4 16.800 Mit Dampftrocknung. Röhrenkeffel mit Sieder. Röhrenkeffel Bellevillekeffel • Belgien Cockerill 4 doppelt I'I 1-85 48 1/25/5 1/6 IOO Röhrenkeffel Schweiz Gebrüder Sulzer 5 doppelt I'2 I- 92 40 23 1/ 3-5 1/4 1/ 3.5 10.150 68 und Armatur. Carlshütte 4 doppelt I'2 1.82 35 125 1/7 1. 1/6 Pauckfch- Freund. 6 0.8 1.88 121 49 1/6 1/ 2-5 1/4 6.550 7.800 187 289 64 256 4 " Deutfchland Jean Affolter einfach I'I 1 60 60 130 19 1/ 3.6 1/4 Gewicht fammt Vorwärmer Dampftrocknung. Wird höher benützt. Dampftrocknung. 4 Wird nur mit der Hälfte benützt. Schornftein gemeinfam. Feuerrohrkeffel Meyn's Keffel Röhrenkeffel 6.100 ΙΟΙ 176 99 5 Dingler. IO I'2 I OO 25 125 1/9 1/4 3-5/ 8 13.58 4.421 177 160 5 5 Wird nur mit 96 benützt. Dampftrocknung. " 12 1/4 I'2 188 100 1/23 1/3 - 772 6 Wird höher benützt. 99 Field- Keffel - Bergmann 5 " " einfach G. Sigl 145 1'3 60/ 12 1/ 3-1 II.000 183 76 Siederkeffel - Brünner Mafchinenfab. 55 512 I'I 1-74 55 25 66 1,3 1/ 2.8 6.765 123 118 Dupuis- Keffel " OefterTedesco reich Baechle. 5 " 0.9 1.74 65 27/7 1/3 1/ 3-1 5.840 90 236 Mit Dampftrocknung. Röhrenkeffel 6 " " I'O I'20 56 06-5 1/ 14-3 1/3 t 1/ 4-3 7.000 1).000 - Grazer Mafchinenfab. 6 I'I " Prager A. G. 5 doppelt 1.18 0.84 190 44 0 - 128 16 1/ 3.5 16.700 1301 125 190 136 138 Schornftein gemeinfam. Gewicht fammt Armatur. Fink's Keffel Fairbairnkeffe Kux- Keffel 27 69 70 J. F. Radinger. Franz Mörth's neues Keffelfyftem. Ingenieur Mörth in Wien bemüht fich bereits feit Jahren, einige Verbefferungen an der Heizungsart der Keffel einzuführen. Sein Syftem befteht aus drei übereinander gelagerten Cylinderrohren, deren oberftes, längs welchem aufsenhin der letzte Feuerzug ftreicht, als Dampffammler und Ueberhitzer dient. Die Normal- Wafferhöhe füllt drei Viertel des mittleren( Haupt-) Cylinders, unter welchem vorne das Feuer brennt. Der Unterkeffel, welcher als Speifewaffer- Vorwärmer wirken foll und hier fälfchlich Economifer benannt wird, liegt aber im felben erften Feuerzuge, der, hinter der Feuerbrücke beginnend, ihn und den Hauptcylinder gemeinfam umwölbt. Der Dampfraum des letzteren, welcher durch einen vorderen Stutzen mit dem Dampfüberhitzer in Verbindung fteht, ift aber von ftagnirender hochheifser Luft umgeben, indem die die Feuerlinie begrenzenden vorfpringenden Ziegel der Mauerung fich nur bis zwei Drittel der Keffellänge erftrecken und den Reft als langen Schlitz offen laffen, durch den die heifsen Gafe zwifchen Wölbung und Keffeldecke eintreten können. Das Verhältnifs der Roft- zur wafferbefpülten Fläche ftellt fich bei einem Keffel, deffen Zeichnung mir vorliegt, auf weniger als 1:16, wobei felbftverſtändlich eine bedeutende Wärmemenge zur Ueberhitzung im Oberkeffel verfügbar bleibt. Wo nun der Dampf in weit entlegene Räume vom Keffel weggeführt werden foll, wird fich der Einfluss der vorangegangenen Ueberhitzung durch eine geringere Menge oder felbft den Mangel an Condenfationswaffer vortheilhaft bemerkbar machen. Der Siebert- Keffel. Schliefslich will ich noch eines Keffels erwähnen, welcher wohl nicht in der Ausstellung war, deffen Conftruction jedoch der allerneueften Zeit angehörig und, mehrfach in Schlefien ausgeführt, manches Beachtenswerthe bietet. Siebert in Friedland fchiebt an den Oberkeffel zwei untere Bouilleurs ganz nahe an und kuppelt diefe an erfteren mit zwifchengefchraubten maffiven 40 MillimeterQuadrateifen- Kränzen, welche felbftverſtändlich an die Trommelkrümmungen paffen, je ein Stemmblech zwifchenhalten und im Innern eine freie Verbindung von unten nach aufwärts bieten. Nun liegt der Bauch des Hauptkeffels und beide Bouilleurs( unter denen das Feuer brennt) im erften Zuge. Ueber den Roft kommt alfo die grofse und dünne Blechfläche des entwickelten Umfanges, nimmt die ftrahlende Wärme auf, und nachdem Keffelbauch und Bouilleurs im felben erften Zuge liegen, bleibt ihre Längsdehnung gleich, wodurch die Verbindung gewinnt. Solcher Verbindungen längselliptifcher Form mit den zwifchengefchraubten Eifenkränzen find bei einem Keffel von II 6 Meter Länge und 19 Meter Durchmeffer fünf für jeden Bouilleur( von à o 87 Meter Durchmeffer) angebracht, welche eine ungeftaute Wafferftrömung zulaffen. Durch den Oberkeffeil zieht noch ein Rohr von o 87 Meter Durchmeffer und durch diefes der Rauch nach vorne, um aufsen am ganzen Seiten- und OberUmfange des Hauptkeffels zurück und zur Effe zu gelangen. Die Heizfläche beträgt ohne die des letzten Zuges 24 Mal die Roftgröfse, und der freie Querfchnitt der Züge unter der Annahme eines 3 bis 4 Centimeter dicken Afchenpelzes an den Umfängen überall mindeſtens 15 des Roftes. * Für Maſchinenbetrieb im Allgemeinen hat fich die Verwendung des überhitzten Dampfes keinen weiteren Eingang verfchafft. Der Uebelftand der verbrennenden Liederungen entfiel wohl, feit die Seifenftein- Asbeftringe in die Stopfbüchfen kamen; aber Vortheile bezüglich des Kohlenaufwandes wurden trotz ausgedehnter, forgfältiger Verfuche nicht oder nur in fo geringem Mafse erhalten, dafs der dabei befchleunigt auftretende Ruin der Bleche und Mafchinentheile nicht bezahlt erfcheint. Insbefondere in Amerika wurde, wie ich von direct betheiligten Ingenieuren erfuhr, viel in diefer Richtung verfucht, jedoch itets brach fich die Erkenntnifs Bahn, dafs für die Stabilmafchinen wohl getrockneter, aber kein überhitzter Dampf zum Betriebe taugt. Der Siebert- Keffel. 71 Der Dampf wird einem Dome entnommen, unter welchen: aber das Keffelblech gar nicht ausgehauen, fondern nur mit 35 Millimeter weiten Löchern ( Gefammtquerfchnitt gleich dreifachem Dampfrohre) verfehen ift. Dadurch wird der Zweck des Domes erfüllt, aber der Nachtheil der Keffelfchwächung umgangen. Auch die Dichtung der Verbindungsrohre für die Wafferftänder, deren Sitzftelle am Keffelboden hier im Feuer liegt, ift neu und rationell. Jedes Rohr. erhält nämlich einen dünnen aufgefchweifsten Schlufsring, welcher, conifch abgedreht, von aufsen in das ausgeriebene Loch des Bodens gedrückt wird, worauf ein von innen eingefchlagener kurzer Rohrconus die Sitzftelle auftreibt und hält. Andere Staaten. Von anderen Staaten waren keine Grofskeffel für ftabilen Betrieb gefendet. Als Schauftück lag ein eingedrücktes Flammrohr in der Rotunde, welches aus Eifen der Weftan Fors& Fagerfta Works, Schweden, erzeugt war und trotz feines Glühens bei Waffermangel und mehrfeitigen Eingedrücktfeins um circa 15 Centimeter keine Rifsfpur zeigte. Diefes Rohr von o 65 Meter Weite und circa 18 Meter Gefammtlänge beftand aber aus zwei Trommeln, welche durch aufgebogene Flanfchen verniethet und verfteift waren; der fo gebildete Ring in der Mitte hielt felbftverftändlich das ohnediefs nur kurze Rohr, unterband die Einfendungen und verwehrte einen fonft möglichen Bruch. Diefes Werk ftellte auch eine Reihe von Feftigkeitsproben aus, welche mit deffen Material von Kirkaldy in London vorgenommen wurden. Hier find die Proben mit( wie für Verniethungen beftimmten) gelochten Blechen erwähnenswerth, bei welchen erfichtlich ift, dafs die Operation des Stanzens oder Bohrens felbft( und wahrfcheinlich die nicht völlig gleich vertheilte Laft) die Feftigkeit zwifchen den Löchern mehr verringert als es der Querfchnittsabnahme allein entspricht. Derjenige Zug, welcher die Flächeneinheit des thatfächlich zwifchen den Löchern zurückbleibenden Materiales bereits abreifst, ift nämlich durchfchnittlich bei geftanzten um 34 und bei gebohrten Löchern um 23 Percent kleiner als in der gleichen Fläche desfelben Bleches, aber im gefunden Theile. Im erften Falle fchwankten die Verlufte zwifchen 30 bis 50, im zweiten Falle von 21 bis 27 Percent, und ftets war das gebohrte Loch das weniger fchwächende. W. Crichton& Comp. in Abó, Finland, legten ein dem oberen ähnlich eingedrücktes Flammrohr in der ruffifchen Abtheilung der Mafchinenhalle nieder, in welchem fich eine Beule auf 2 Meter Länge in einer einzigen 10 Millimeter dicken Tafel erftreckend ohne Bruch des Bleches fand. Solche Schauftücke laffen fich nicht nur mit fchwedifchem, fondern auch mit fteierifchem Eifen gewinnen und find bei uns nichts Seltenes. Aus Italien hing nur die Zeichnung einer Keffelanlage in der Maschinenhalle, deffen Conftructeur fo klug war, fich nicht zu nennen. Es waren aufsengeheizte Röhrenkeffel, und die erfte Rundnath fiel unglücklicher Weife gerade über die Feuerbrücke und bot fich der Stichflamme mit verkehrtem Stofse. Mehrere der Meffingrohre follten Bronzemuttern aufgefchraubt erhalten, um die Rohrwände zu halten. Alle Aufbiegungen waren heillos lang, und das oben querlaufende gufseiferne Dampfrohr hatte drei Compenfations- Stopfbüchfen erhalten, weil es mit je einem fteifen Gufsknie an die drei Dome kam. Dann waren noch Dampfventile gezeichnet, deren Spindelfchrauben Gewinde allein dichten follten, und überhaupt noch manch' andere idyllifche Gedanken verrathen. 72 J. F. Radinger. Die Halb- Locomobilkeffel. Die Keffel, welche wegen ihres geringen Gewichtes und der fehlenden Einmauerung leicht transportirt werden können und darum auch Halb Locomobiikeffel genannt werden, haben faft alle innere Feuerung. Der Aufsenmantel, der in Folge feines gröfseren Durchmeffers aus den dickften am Keffel vorkommenden Blechen befteht und daher einen bedeutenden Theil des Gefammtgewichtes und der Gefammtkoften des Keffels bedingt, trägt hier nie zum Zwecke der Anlage, zur Dampfbildung bei, fondern er dient ftets nur als Abfchlufswand. Auf den einzelnen Quadratmeter wirkfamer Heizfläche wird hier alfo principiell mehr Keffelgewicht entfallen als dort und wog bei den Keffeln der Ausftellung thatfächlich 200 bis 250 Kilogramm gegen ungefähr 180 der Grofskeffel, deren Wände faft ganz im Feuer liegen. Dann koftet auch die Gewichtseinheit mehr, weil die kleinere Arbeit, die Verwendung der Röhren etc. den Einheitspreis fteigern, und es fällt die Keffelfchmied- Arbeit für gleiche Leiftung hier theuerer aus als dort. Abgefehen von diefen Umftänden begrenzt noch ein anderer Einfluss die Verwendung diefer meift ftehenden Syfteme. Bei fteigenden Dimenfionen wächft nämlich bei den liegenden Keffeln, wie es die ftationären Grofskeffel meiſt find, Wafferfpiegel und Heizfläche in gleichem quadratifchen Verhältniffe, und die dem Quadratmeter Wafferfläche in gleichen Zeiten entſpringenden Dampfmengen bleiben bei jedem diefer Syfteme conftant, wie grofs immer die Einzeldimenfionen auch find. Anders bei den ftehenden Keffeln. Mit Vergröfserung der Dimenfionen wächft die Wafferfpiegel- Fläche im quadratifchen, die Heizfläche jedoch( wegen der mitzunehmenden Höhe) im cubifchen Mafse, und hier mufs defto mehr Dampf in gleicher Zeit aus der Flächeneinheit des Wafferfpiegels treten, je gröfser die Ausführung wird. Diefe Menge ſteht aber im directen Verhältniffe mit dem Feuchtigkeitsgrade des gelieferten Dampfes, und man kann im Allgemeinen fagen: ftehende Keffel geben näfferen Dampf als liegende und werden in diefer Hinsicht defto fchlechter, je gröfser fie find. Da ferner noch die Ausbeute der Heizwärme in den kürzeren Zügen minder vortheilhaft, dagegen der Verluft durch Ausftrahlung empfindlicher wird, so kann fich der ökonomifche Gefammteffect nur zum Nachtheile der Kleinkeffel äufsern. Nun ift endlich die Reinigung im Innern vom Keffelfteine und aufsen von Flugafche fehr erfchwert, und eine Reparatur an vielen Stellen, ohne vorher den ganzen Keffel aufser Rand und Band zu bringen, unmöglich. In einigen ausgeftellten Keffeln wurde diefer Mifsftand theils auf bekannten, theils auf neuen Wegen zu mildern verfucht. Alle diefe Syfteme mit herausziehbaren Innenflächen leiden aber an anderen Uebeln, welche ihrer Verbreitung entgegenwirken. Der Field- Keffel kommt nur mehr vereinzelt, meift bei Dampf- Feuerfpritzen, wofür er der feltenen Verwendung und fchnellen Anheizbarkeit halber prächtig pafst, vor, während das Querröhrenfyftem fich( mit Recht) immer mehr einbürgert. Neuere Syfteme kamen durch die Ausftellung mehrere vor, deren manche manchen Vortheil bergen. Aber auch der Unverftand macht fich hier, wie überhaupt auf dem Gebiete der Kleinmechanismen, defto leichter breit, als geringe Mittel dazu genügen. Der Dampfdruck ift wie bei den Grofskeffeln in den verfchiedenen Ländern verfchieden und beträgt faft regelmäfsig 4 Atmoſphären in England, 5 bis 6 in Deutfchland und Oefterreich und 6 bis 8 Atmoſphären in franzöfifchen Conftructionen. Die Keffel der Dampfkrahne und ähnlich periodifch arbeitender Motoren zeigen meift die ungewöhnlich grofsen Roftflächen von 1 bis 10 der Die Halb- Locomobilkeffel. 73 Heizfläche. Das normale Verhältnifs ift 1: 20 bis 1: 30, während es bei einzelnen bis 1:50 finkt. Letzteres ift nur eine Verfchwendung an Blech, wie es auch die von einzelnen Ausftellern veröffentlichten Verfuchsergebniffe erkennen laffen, wo bei forcirtefter Feuerung( über 100 Kilogramm Kohle per Quadratmeter Roft und Stunde verbrannt) nur circa 15 Kilogramm Dampf per Stunde von einzelnen Quadratmetern Heizfläche gewonnen werden und dennoch über 3 Kilogramm Kohle per Pferd verbraucht wurden. An Ausrüftungsgegenständen kam hierbei nichts bemerkenswerth Neues vor. Amerika. Syls by Manufactur Island Works gaben der Feuerfpritze„ Mockba" einen ftehenden Field- Keffel mit oberem centrifchen Schornfteine. Die Rohre im gröfsten Kreife hingen faft den Roft berührend gerade nieder; die der inneren Kreife wurden immer kürzer und bogen fich mehr und mehr der Mitte zu, fo dafs das Feuer ihre Zwifchenräume durchbrechen mufs, wenn es zum Schornfteine zieht. England. Appleby Brother's in London gaben ihren Dampfkrahnen ſtehende Keffel, deren einer aufsen II Meter Durchmeffer und 187 Meter Höhe mafs und innen eine runde Feuerbüchfe von o'91 Meter Weite bei 1'17 Meter Höhe hatte. Letztere war noch von zwei Querrohren( à 20 Centimeter) durchzogen. Seine Heizfläche ftellte fich auf 4'3 Quadratmeter, der Roft auf 1, derfelben, und das Blech hatte mit 10 Millimeter Stärke einem Dampfdrucke von 4 Atmoſphären zu widerftehen. Von den zwei Sicherheitsventilen war eines mit Federwage, das andere mit directer Belaftung( über 40 Kilogramm) niedergehalten. Der Rauchabzug gefchah durch ein centrifches Rohr, welches Feuerbüchs- und Keffeldecke verband und abfteifte; oberhalb letzterer ging er in einen Schornftein mit fchwach conifcher Erweiterung nach oben über. Die Keffel waren auf ihrem eifernen Speifewaffer- Behälter befeftigt. C Die Reading Iron Works brachten die Zeichnungen eines neuen Keffelfyftemes. Ihr Nozzle-( Schnauzen-) Keffel war ein Querrohrkeffel, deffen innere runde Feuerbüchfe oben in eine viereckige Röh renkammer überging, in der fich mehrere Reihen waffergefüllter enger Horizontal. röhren rechtwinklig kreuzten. Vor den Mündungen jeder Röhrenzeile lag je ein gemeinfamer Trog, deffen nach auf oder abwärts gekehrte offene Seite die Richtung der Wafferftrömung regelte. Hier müffen die Heizgafe durch das gehäufte Rohrnetz dringen und werden in Folge des ftetigen Anprallens gut benützt, fo lange der Keffel frei von Flug. afche bleibt. Zum inneren Reinigen der Rohre mufs der Obertheil des Aufsenmantels weggehoben werden, was wegen der Verbindung mit dem hindurch gehenden 74 J. F. Radinger. Schornftein eine doppelte Verfchraubung und deren Mifsftände mit fich bringt. Ein folcher Keffel von 6.5 Quadratmeter Ileizfläche wiegt fammt Fundamentplatte und Roftftäben 1250 Kilogramm oder circa 200 Kilogramm per Quadratmeter und koftet 94 Pfund Sterling. Robey& Comp. ftehender Field- Keffel. W. N. Nicholfon& Son ftellten eine Reihe von Kleinmafchinen. aus, deren ftehende Keffel von 2 bis 6 Pferdekraft 15 bis 2.3 Meter hoch, o 76 bis 10 Meter weit waren und innen je eine Feuerbüchfe mit durchwegs zwei conifchen Querrohren enthielten. Heflop& Wilfon in Newcaftle o. T. gaben ihrer Dampf Mörtelmafchine einen ftehenden Keffel, der aufsen 21 Meter Höhe und o 9 Meter Durchmeffer und deffen Feuerbüchfe 15 Meter Höhe bei o 75 Weite befafs. Diefe enthielt zwei 19 Centimeter ftarke Querrohre. Der Schornftein von 25 Centimeter ftieg centrifch von der Feuerbüchsdecke auf. Die Heizfläche berechnet fich auf 45 Quadratmeter, die Roftfläche faft 1/10 davon, die Dampffpannung betrug 4 Atmoſphären Maximum und die Bleche waren 10 Millimeter dick. Er hatte nur ein Sicherheitsventil. Niederlande. Backer& Rueb in Breda verwenden für ihre Kleinmafchinen ſtehende Querröhrenkeffel, welche fich dadurch vor allen anderen auszeichnen, dafs alle Innentheile conifch find. Die Feuerbüchfe wird nach oben enger( von 0.65 auf 0.57) und der Schornftein, welcher von ihrer Decke ausgeht, erweitert fich von 0'19 auf 0.22 gegen oben. Die Querrohre erfcheinen nicht wie gewöhnlich von innen in die Büchfe gefchoben, fondern find quer durch diefelbe gefteckt und an Winkelringen geniethet, welche die Büchfe auf der Wafferfeite trägt. Auch diefe( drei) Querrohre find conifch und haben je 0.16 gegen 0.25 Meter Weite. Die ganze Höhe des Keffels betrug 2:15 und die der Büchfe 165 Meter. Dem Boden- Feuerthür- Ringe zu war das Blech eingezogen. Centim. 100 2 Meter. Mafsftab 1: 100 der Natur. Sein Aufsendurchmeffer mafs o 8 Meter, die Dampffpannung 4 Atmoſphären und die Bleche waren 8 Millimeter aufsen und 9 Millimeter an dem Innenkeffel ftark. Merkwürdigerweife hatte ein kleinerer Keffel desfelben Syftemes mit nur einem Querrohre und einer Heizfläche von nur 4'1 Quadratmeter doch gröfsere Aufsendimenfionen( 2.3 Meter Höhe und o 9 Meter Durchmeffer). Auch der Roft war gröfser als bei erfterem und betrug hier o 73 Meter Durchmeffer gegen 0.65 dort. Es läfst fich diefs durch die Beftimmung für anderes Brennmaterial erklären, befremdet aber dennoch. Frankreich. Claparede& Comp. in Sct. Denis gaben ihrem Dampfkrahne einen ftehenden Röhrenkeffel, deffen Höhe 2.66 Meter bei einem Durchmeffer von o'90 Meter betrug. Er erhielt eine o 76 Meter weite Feuerbüchfe, von deren Decke 37 Rohre ( à 61 Millimeter weit) durch Waffer- und Dampfraum hindurch zur Keffeldecke zogen. Die wafferbedeckte Heizfläche ftellte fich hieraus auf circa II Quadrat Die Halb- Locomobilkeffel. 75 meter und das Verhältnifs der Roftgröfse zu ihr wie 1: 25. Der Rohrquerfchnitt betrug 45 des Roftes. Er war für 8 Atmoſphären Druck beftimmt und fein Aufsenblech II Millimeter ftark. Unten hatte er keinen Ring, fondern die ausgetriebene Feuerbüchfe fchlofs mit einer einzigen Niethung an den Mantel. Bon& Luftremant( Paris) verfahen ihren Krahn mit Dampf von 7 Atmoſphären Ueberdruck mittelft eines ftehenden, I Meter weiten und 18 Meter hohen Keffels, deffen Feuerbüchfe( o.8 Meter Durchmeffer bei 12 Meter Höhe) zwei Querrohre von 36 Centimeter Weite kreuzten. Der Schornftein ging cen trifch von der Feuerbüchs zur Keffeldecke. Die Heizfläche betrug 4'7 Quadratmeter, die Roftfläche 1/10 derfelben, die Blechftärke 12 Millimeter. Hermann Lachapelle's in Paris Querröhrenkeffel werden ftark nach Oefterreich importirt und waren in all' ihren Gröfsen von 1 bis 15 Pferdeftärken ausgeftellt. Sie haben alle mit 6% Atmoſphären Ueberdruck zu arbeiten und beftehen aus einem Aufsenmantel, deffen ganze Fläche mit einer einzigen im Langftofse doppelt genietheten Blechtafel hergeſtellt wird. Im Innern fteht eine ähnliche Feuerbüchfe, welche unten beim Rofte erft conifch auf kleinerem Durchmeffer eingezogen und dann nach aufsen geflanfcht erfcheint. Zwei oder drei( 1 bis 6) weite Querrohre kreuzen diefe Feuerbüchfe und wirken auf den Betrieb und den Beftand günftigft ein, indem fie die Heizfläche vergröfsern, einen WafferKreislauf erleichtern und den ganzen, fonft gefährlich geprefsten Innenkeffel mächtigft verfteifen. Durch Putzlöcher find fie wie der untere Schlammraum leicht zu überfehen und zu reinigen; letzterer verwächft, Dank feiner Erweiterung, nicht fo leicht, und die Neigung entzieht überdiefs das Blech der Feuereinwirkung dort faft gänzlich, wo fonft Unten das erfte Abbrennen auftritt. fchliefst ein ringförmiger Blechboden, welcher etwas tiefer liegt als der Roft, der vom Gufsfockel des Keffels direct getragen wird. Centim. 100 I 2 Meter. Mafsftab 1: 100 der Natur. Der Schornftein geht fchief durch Feuerbüchs- und Keffeldecke, was wohl eine nicht ganz vortheilhafte Stellung ift, indem fie fchiefe Drücke weckt und den Verbindungs- Winkelring an der Decke ftärker beansprucht; doch wird diefe Stellung aus anderen Gründen( um der mittequer gelegten Mafchinenwelle auszuweichen) nöthig. Diefe Keffel danken ihre weite Verbreitung aufser dem richtigen Syfteme und der meift ganz tadellofen Ausführung hauptfächlich ihren gefunden Verhältniffen. Die Roftgröfse beträgt 17 bis 14 der Heizfläche, und der Schorn ftein- Querfchnitt 3 bei den kleinften, bis 1 der Roftfläche bei den gröfsten Keffeln, was mit Rückficht auf die relative Roftgröfse des ganz kurzen Zuges und des Umftandes, dafs der Keffel keine Röhrenwiderftände bietet, ausreichend genannt werden mufs. Ein derartiger Keffel von 8 Pferdekraft hat 20 Meter Aufsenhöhe und 125 Meter Durchmeffer. Seine Feuerbüchfe von 15 Meter Höhe und 11 Meter Durchmeffer enthält drei je o 3 Meter weite Querrohre. Die Bleche find 9 bis 76 J. F. Radinger. II Millimeter dick, die Heizfläche ift 8.5 Quadratmeter, das Gewicht ungefähr 2000 Kilogramm und der Preis loco Paris 1850 Francs ohne, oder 2550 Francs mit voller Ausrüftung. Der Quadratmeter Heizfläche bedingt daher 235 Kilogramm Keffelgewicht. Ein einziger Vorwurf trifft die Lachapelle'fchen Fabricate, und das ift der ihrer Kleinheit. Heizflächen von 1'15 Quadratmeter für eine einpferdige und von 1.06 Quadratmeter per Pferd für eine achtpferdige Mafchine zu beftimmen, wie es hier erfcheint, ift doch des Wenigen zu viel. Und dabei ift die ganze Innenfläche als Heizfläche angenommen, während das obere Drittel des Rohrumfanges aufser Rechnung bleiben follte. Der grofse Roft erlaubt wohl( auf Koften der Oekonomie), jene Dampfmenge zu erzwingen, welche die vollbetriebene Mafchine verlangt, jedoch wird bei folchen Keffeln die nominelle mit der maximalen Leiftung zufammenfallen. Maulde, Geibel& Wibart haben für die Dampflieferung zu ihren Kleinmotoren von I bis 12 Pferdeftärken ftehende Keffel, welche im Innern eine Centim. 100 I 2 Meter. Feuerbüchfe enthalten; ftatt der Decke derfelben ift aber ein tief niederreichender cylindrifcher Hängefack mittelft eines oben zwifchengenietheten maffiven Ringes eingebaut. Letzterer kann durch ein Putzloch gereinigt werden, indem ein Stutzen zwifchen Hängefackund Feuerbüchs- Wand einfeitig eingeniethet ift, deffen Flucht ein Vorlegdeckel an der Aufsenwand des Keffels fchliefst. Oben unmittelbar unterm Deckringe entführt ein zwifchen Feuerbüchfe und Aufsenblech geniethetes Rohr den Rauch zum feitlichen Kamine. Diefe Zwifchenniethungen müffen den Keffel gefährden, weil fie die freie Ausdehnung der verfchiedenen warm.n. Theile excentrifch hemmen. Pro fteigender Pferdekraft erfcheinen abnehmend nur 13 bis II Quadratmeter Heizfläche. geboten Die Roftgröfsen fchwanken unregelmässig zwifchen 13 bis 18 der Heizflächen, und der Effenquerschnitt finkt wieder ziemlich gleichförmig von 1 bis 113 des Roftes. Letzteres ift bei der Mehrzahl 10 und wohl nur mit Rückficht auf deffen Gröfse gegenüber der Heizfläche, mit Rückficht der Zugsanfachung durch das Blasrohr und dem gänzlichen Mangel von zu überwindenden Rohrwiderftänden möglich. Diefe Keffel haben alle mit fechs Atmoſphären Maximaldruck zu arbeiten und find durchwegs einfach geniethet. Mafsftab 1: 100 der Natur. Ein derartiger Keffel von bekannt 8 Pferdeftärken befafs 2.8 Meter Höhe und 10 Meter Durchmeffer, aufsen 1'9 Meter Höhe bei o 78 Meter Durchmeffer innen, und enthielt einen o 65 Meter weiten Hängfack von 176 Meter Höhe innen. Die Bleche waren 13 Millimeter dick und fein Gewicht bei 9.5 Quadratmeter Heizfläche circa 2000 Kilogramm, das ift über 210 Kilogramm per Quadratmeter Heizfläche. Buffaud frères verwendeten zu ihren kleinen Motoren von I bis 15 Pferden ftehende Field- Keffel mit oben central auffteigendem Kamine. Die Preislifte der Herren Buffaud hält diefs als das vorzüglichfte aller bestehenden Syfteme und„ garantirt" fpeciell feinen Keffeln die Unexplodirbarkeit durch einen Die Halb- Locomobilkeffel. 77 ,, net vervollkommneten, automatifch regulirten Speifewaffer- Apparat", welcher( ein Schwimmer) das ,, Desideratum" aller möglichen guten Eigenfchaften fein foll. Die Höhen- Niethfuge des Aufsenkeffels lag hinter dem Mafchinenftänder verfteckt. Die Société Centrale de Conftruction brachte liegende Keffel mit rückkehrender Flamme. Der Aufsenmantel war hinten mit dem eingenietheten C Centim 100 0 2 Mafsftab 1: 100 der Natur. 3 Meter. Kreisboden auf gewöhnliche Weife gefchloffen, hielt aber vorne die Stirnplatte mit den verfchraubten Flanfchen zweier Winkelringe feft, wovon einer an feinem Vorderende und der andere an die aufgebogene Stirnwand geniethet war. Letztere hielt nun ein kreisförmiges Flammrohr, welches vorne den Roft aufnahm, nach hinten enger wurde und endlich an die gröfsere Vorderwand einer in den Wafferraum des Keffels verfenkten Umkehrkammer mündete. Diefe war gröfseren Durchmeffers als das Flammrohr, und von dem freigebliebenen Theile feiner Vorderwand liefen eine Anzahl Feuerröhren längs des Flammrohres wieder zurück zur Keffelftirn. Dort war noch eine Rauchkammer vorgebaut, deren gefälligerer Form mit fenkrechten Wänden zuliebe das Flammrohr unnützer Weife vorfpringen mufste. Oben auf diefer Rauchkammer fafs der Schlot, während entsprechende Thüren vorne das Reinigen der Rohre geftatteten. Die hintere Rohrwand ift bei diefer Conftruction nicht direct zugänglich, weil die Dimenfion der Umkehrkammer kein Befahren erlaubt. Daher mufste auch die Vorderwand der Umkehrkammer mit angenietheten Winkeleifen- Flanfchen zum Abfchrauben eingerichtet werden, und diefs Alles macht den Keffel complicirt, unverlässlich und fchwer. Vorausfichtlich wird fich die excentrifch belaftete Innen- Rohrwand fehr fchlecht halten, und da man ohne eine zeitraubende Zerlegung des Keffels zu ihr nicht kommt und nicht einmal ein Rinnen wahrnimmt oder deuten kann, fo fcheint der Vortheil der ausziehbaren Heizflächen, welche allerdings das Reinigen von Keffelftein an und für fich fehr erleichtern, doch zu theuer erkauft. Zwei folche Keffel, welche bei den Wafferpumpen für die Straub'fche Anlage arbeiteten, wirkten mit fieben Atmoſphären. Einer davon mufste einmal wegen Rinnen aufser Betrieb kommen. Chevalier& Grenier brachten mehrere liegende Keffel mit rückkehrender Flamme. Den weiten Aussenkeffel umgab vorne ein aufsen umnietheter Winkelring, an dem eine ebene Stirnplatte gefchraubt war. Von diefer zog ein Flammrohr nach rückwärts, welches an den hinteren ebenen Boden des Aufsenkeffels mit dem Flanfche eines dort eingenietheten Winkeleifens abermals mittelft Verfchraubung fchlofs. Das Blech des hinteren Kreisbodens war nach dem Durchmeffer des Winkelringes ausgenommen und die Oeffnung für gewöhnlich mit einem Deckel verlegt. Nun walen hinten in die Decke des Flammrohres kurze Bogenknie gefchraubt, welche in die geraden, nach vorne zur Stirnwand ziehenden Feuerröhren übergingen, wo fie in eine Rauchkammer mündeten. Diefe umgab gabelförmig und nach oben mehr und mehr ausfpringend die Heizthüre und endete 78 78 Centim. 100 10000 Mafsftab 1: 100 der Natur. J. F. Radinger. 3 Meter. fchliefslich in den von ihr getragenen Schlot. Ober den Rohrmündungen verfteifte eine angeniethete horizontale Winkelfchiene die obere Stirn. Diefe Aufftellung bietet den Vortheil, dafs felbft während des Letriebes alle Stellen überwachbar bleiben, an welchen Schäden auftreten können; ift aber dafür mit dem Nachtheile behaftet, dafs das Auswechfeln eines inneren Bogenknie- Stückes ohne weitgehende Zerlegungen und Ausnehmen von vielleicht vollkommen guten, aber deckenden Rohren nicht möglich ift. Das Syftem der Keffel mit ausnehmbaren Innentheilen ift zu bekannt, als dafs hier der Platz weiterer Auslaffungen darüber wäre; doch will ich erwähnen, dafs die Rufsablagerung in den Knieftücken fchneller merkbar werden wird als bei geraden Rohren, und auch das Durchftofsen derfelben fchwieriger ift als fonft. Belgien. Hier wäre nur der Field- Keffel zu erwähnen, der von Petry Chaudoir in Lüttich kam. Diefer lag aber ohne Rohre und ohne jede Armirung, blos als ein Mufter von Keffelfchmied Arbeit da und wurde als folche fchon vorne gewürdigt. Italien. Guppa& Comp. in Neapel hatten einen liegenden Keffel mit innerer Feuerung und 19 Stück 80 Millimeter weiten Rückkehr- Rohren. Diefes Keffelinnere war nicht ausziehbar, und der Aufsenmantel beftand aus zwei Halbcylindern, Die oberen deren oberer zwei, der untere drei Bleche der Länge nach enthielt. Tafeln hatten eine innere Bandverniethung, während die unteren Bleche einander übergriffen. Unter der Kurbel war das Blech nach einwärts getrieben, wodurch wohl die Mafchinenachfe tiefer gelagert werden kann als bei voller Rundung, was aber trotzdem auf der ganzen Ausftellung kein zweites Mal vorkam, weil fo das Blech immer bricht. Schweiz. B. Morell in Bern hing die Zeichnung eines ftehenden Röhrenkeffels an einen Pfeiler der Mafchinenhalle. Derfelbe ift mit einer Vorfeuerung gedacht, deren Roftbedienung und Einwölbung Manches zu wünfchen übrig laffen würde. Die erfte Flamme prallt nun gegen eine Boden- Rohrwand; der Conftructeur überfah, dafs diefe Platte die natürliche Ablagerungsftelle fowohl für den ausgefchiedenen als den abgefprungenen Keffelftein abgibt, und da fie an und für fich dick fein muís, kaum eine Heizungsweife erfonnen werden könnte, welche fchneller als diefe zum Rinnen und einem Bruche führt. Durch die 28 Rohre aufgeftiegen, follen die Gafe zwifchen dem Aufsenkeffel und einem Gufsmantel nach abwärts zum Fuchfe fallen, aber noch füher zwei tiefftehende Vorwärmrohre beftreichen, von welchen der Erfinder annimmt, dafs deren 50 Die Halb- Locomobilkeffel. Centim. 100 I 2 Meter Mafsftab 1: 100 der Natur. 79 fchiefes Kupplungsrohr eine Wafferftrömung im ganzen Syfteme einleitet. Da aber die Heizung mit dem erften Feuer zu oberft liegt, fo fcheint die Vorftellung der Wirkung eines oder zweier unten im kalten Rauche hängenden Wafferfäcke wohl fanguinifch. Der Dampf- Sammelraum war ringförmig um den Keffel gelegt, welche Anordnung nicht nur dem beabfich tigten Zwecke wenig dienen dürfte, fondern auch ein ganz verwerfliches Einniethen eines Theiles der Keffelbleche in andere bedingt. Selbft eine gefunde Detailconftruction fcheint mir faft unmöglich. Ueberdiefs ift das Zukommen zu den unteren Rohrdichtungen ohne Wegheben des ziemlich grofs gedachten Keffels gar nicht möglich, und da diefer mit einer Mafchine von angeblich 10 Pferden auf einer gemeinſamen Grundplatte fteht, auch nicht leicht. Der Ausfendurchmeffer war mit 106 Meter und die Keffelhöhe mit 153 Meter befchrieben. Das mittlere Rohr foll 220 und jedes der 28 Seitenrohre 95 Millimeter erhalten. Die Heizfläche ftellte fich mit dem auf 20 Quadratmeter und der Roft foll o 8 Quadratmeter, 125 betragen. Deutfchland. Joh. Haag in Augsburg wendet für feine kleinen oscillirenden Dampfmafchinen jene ftehenden Röhrenkeffel an, welche keine gefonderte obere Rauchkammer befitzen, fondern die Rohre durch den Dampfraum hindurch zur kreisförmigen Keffeldecke führen. Die Feuerbüchfe eines ausgeftellten zwei- bis dreipferdigen Keffels hatte o 6 Meter Durchmeffer und enthielt innen einen quadratifchen Roft von 0'4 Meter Seitenlänge. Die übrig bleibenden feitlichen Flächen waren durch ein Mauerwerk verlegt. Die Decke diefer Feuerbüchfe, welche mit einer centralen Ankerfchraube mit der oberen Rohrwand verbunden war, nahm aber 84 Rohre à 35 Millimeter lichter Weite auf, deren Querfchnitt zufammen 1/2 der Roftfläche betrugen. Sie boten bis zur Mittelwaffer- Höhe und inclufive des Feuerbüchs- Umfanges eine Heizfläche von 5.6 Quadratmeter oder 35mal die Roftfläche. Der Schornftein befafs 1/3 der letzten, was insgefammt gute Verhältniffe find. Oben gingen die Rohre noch o 4 Meter lang durch den Dampfraum. Ein grofses Mannloch( mit unverfteiftem Rande) am Aufsenmantel, deffen Platz in die halbe Höhe der wafferbenetzten Rohrpartie fiel, erlaubte fo weit als thunlich die innere Reinigung. Kleyer& Beck in Darmftadt wendeten einen liegenden Keffel mit( 10) rückkehrenden engen Heizröhren zum Betriebe ihrer vierpferdigen Halblocomobile an. Die in den Wafferraum verfenkte Umkehrkammer, in deren Vorderwand das weite Flammrohr mündet, ift durch fefte Niethung gefchloffen und läfst daher ein Auswechfeln der Rohre nicht wohl zu. Der Vorderboden ift ftark ausgetrieben, was die Anbringung des Schornfteines erleichtert. 6 SO J. F. Radinger. R. Wolf in Buckau bei Magdeburg verwendet einfache, auf Gufsfüfsen liegende, geradflammige Röhrenkeffel mit innerer Heizung in einem kreisrunden Feuerrohre. Diefes enthält den Roft und ift rückwärts mit einer Rohrwand gefchloffen, von deren oberem Theile eine Anzahl Siederöhren zur Rauch- Rohrwand läuft. Dort fchliefst fich eine gefonderte Rauchkammer an, welche oben den Schornfl ein trägt. Der Aufsenmantel, welcher das Feuer und die Röhren umfchliefst, ift beiderfeits mit angenietheten ebenen Abfchlufsböden durch aufsen umlegte Winkelringe verbunden. Diefe Böden find aber derart gefenftert, dafs vorne eine zweite aufgefchraubte Stirnplatte mit der angenietheten Feuerbüchfe, den Röhren und der Rohrhinterwand herausgezogen werden kann, wenn letztere von ihrer Verfchraubung an der Innenfeite des Hauptbodens gelöst wurde. Das Rohrfyftem wird auf diefe Art für die Reinigung zugängig, welche von geeigneten Inftrumenten unterſtützt fammt dem Wiederzufammenbringen des Keffels circa drei Tage beansprucht. Die Verbindungsflächen werden mit Gummiringen gedichtet, welche fich ausgezeichnet bewährt haben follen. Die Firma baut folche Keffel von 2 bis 25 Pferdekraft( je 15 Quadratmeter). Die Rofte find verhältnifsmäfsig klein und befitzen mit Ausnahme der erften drei Nummern( hier 1/25 bis 1/30) 130 bis 1/40 der Heizfläche. Die Rohrquerfchnitte und die Effe von annähernd gleicher Fläche erfcheinen aber gefund bemeffen und weifen circa 16 des Roftes. Ein derartiger ausgeftellter Keffel( für 16 bis 19 Pferdekraft) hatte eine Aufsenlänge ohne Rauchkammer von 3.4 Meter und einen Durchmeffer von 1'25. Die liegende o 8 Meter weite Feuerbüchfe war 15 Meter lang, wovon 0.85 Meter auf den ftark geneigten Roft entfiel. Er befafs 60 Stück 50 Millimeter( aufsen 57 Millimeter) weite Siederohre von je 19 Meter Länge und einen Schornftein von circa o 35 Meter Durchmeffer. Seine Heizfläche war 24 Quadratmeter, das Gewicht ohne alle Armatur circa 3500 Kilo und die Dampffpannung 6 Atmoſphären. Der Preis ftellte fich auf 1250 Thaler ohne und auf 1840 Thaler mit completer Ausrüftung, aber ohne Schornftein und Saugrohre für den Injector loco Fabrik Buckau. Von zwei in den Verhältniffen wenig anderen Keffeln diefer Firma wurden mir die Ergebniffe mehrftündiger Bremfung eingefendet, welche der Charakteriſtik halber ausgerechnet und in folgende Form gebracht angeführt werden mögen: Heizfläche 12'3 8.2 Quadratmeter Roftfläche 1.49 145 " 9 Heizfläche Gebremfte Pferde. 9.77 5.85 Pferde Verdampftes Waffer per Quadratmeter Heizfläche und Stunde 15.5 17 9 Kilogramm Verbrannte Kohle per Quadratmeter Roft und Stunde IOO • 115 2.75 3.0 " " Verbrauchte Kohle per Pferdekraft und Stunde. Man entnimmt daraus, dafs die Feuerung fehr forcirt werden und die Vergröfserung der Heizfläche über das normale Mafs hinaus nur wenig nützen konnte. Die fächfifche Dampffchiff- und Mafchinenbau Anftalt in Dresden gibt ihren Kleinmotoren einen ftehenden Dampfkeffel, welcher ganz an die Conftruction Hermann Lachapelle's in Paris erinnert und fich nur darin unterfcheidet, dafs ftatt der weiten Querrohre je eine Gruppe von fechs engen Meffingröhren( 55 Millimeter licht) angewendet ift. Bei dem ausgeftellt gewefenen Keffel kreuzten fich drei folcher Gruppen in der Feuerbüchfe, vor deren jeder eine Putzöffnung im Aufsenmantel war. Diefer war in der Längsnath einfach geniethet. Die Heizflächen der einzelnen nominellen Pferdekraft waren die fchwächft bemeffenen der Ausftellung und betrugen 1'17, o'92 und 0.71 Quadratmeter bei den drei-, fünf- und achtpferdigen Motoren. Die Halb- Locomobilkeffel. 81 Köbner& Kanty in Breslau hatten an zwei Orten der Ausstellung ftehende Field- Keffel arbeiten. Der Aufsenmantel beftand der Höhe nach aus zwei Trommeln mit Bandverniethung in der halben Höhe. Innen wird die Feuerbüchfe durch eine Wand getheilt, über welche die Gafe zum unteren Fuchfe abfallen. Einer diefer Keffel betrieb die Pumpe des hydraulifchen Rotundenaufzuges, hatte 21 Quadratmeter Heizfläche und war auf 5 Atmofphären Ueberdruck probirt. Бия Die Actiengefellfchaft ,, Neptun" in Berlin ftellte in der landwirthfchaftlichen Abtheilung eine Halblocomobile aus, deren liegender Aufsenmantel einen ausziehbaren Innenkeffel enthielt. Seitlich war ein Vorwärmer angebracht, welcher den Abdampf ausnützen foll. Die Wafferftands- Zeiger waren durch ein langes Gufsrohr- Paar mit dem Keffel verbunden. กา + Centim. 10 O 2 0000 Mafsftab 1: 100 der Natur. 3 Meter Die Carlshütte bei Rendsburg hatte vor dem deutfchen Keffelhaufe noch einen Stehkeffel liegen, welcher in der Feuerbüchfe zwei gefchweifste Querrohre und von der Decke auffteigend 31 Siederöhren enthielt, welche rund um einen grofsen Dampfdom in einen Mantel mündeten, welcher den Rauch zum obenftehenden Schornfteine führte. Zur Verfteifung des ziemlich hohen Baues waren die Aufsenbleche an den Rundftöfsen mit umgelegten Bändern verniethet; die Feuerbüchs Decke war gewölbt und noch mit drei Zugftangen an den Dom gehängt. Die Heizfläche betrug 16, der Roft o'5 Quadratmeter, 1/32 derfelben. Der Schornftein und die Röhren boten/ und 1 der Roftfläche. Diefe guten Verhältniffe werden durch den Umftand getrübt, dafs das Zukommen zu den unteren Rohrenden nach Vollendung des Keffels nicht mehr möglich ift. Die Reinigung von Keffelftein gefchieht aber bequem durch ein Einfteigloch im Dome und die grofsen Putzlöcher vor den Querröhren. Rufsland. W. Baronowfky in Sct. Petersburg ftellte einen Field- Keffel aus, der mehrere wohl überdachte Eigenthümlichkeiten enthielt. Die Feuerbuchfe war conifch nach oben verengt und zwifchen ihr und dem Aufsenkeffel ftand ein dünner Blechmantel eingefchoben, welcher die auffteigende von der niederfinkenden Wafferpartie trennte. Durch den oben breiter werdenden Wafferring war der 6* 82 J. F. Radinger. gefteigerten Dampfmenge gegen oben zu Raum geboten und gleichzeitig follten die Dampfblafen von dem Heizbleche abgezogen und deffen ganze Ausdehnung der Wafferfpülung freigegeben werden. Die Field- Rohre waren gekrümmt, aber ihre Circulationsrohre gerade; die unteren Schlufsböden diefer Heizrohre lagen oberhalb einer Gufsfchale und dem Feuer entrückt, was in mehrerer Hinficht gutgeheifsen werden mufs. Von dem fonft normalen Blasrohre zweigte ein Mundftück nach abwärts, und der austretende Dampfftrahl follte feitlich angefaugte frifche Luft durch das im Schornfteine hängende Rohr nach abwärts fördern, welches die RauchprallGufsfchale trägt. Oberhalb derfelben austretend follte fie letzte kühlen und als vertheilter heifser Luftftrom in den Rauch kommend diefen verzehren. - Solche Keffel follen fchon mehrere ausgeführt fein und die Erwartungen erfüllt haben, welche eben befprochen find. In der Ausstellung ftand aber diefer Keffel kalt in der Mafchinenhalle. Lilpop Rau& Comp. in Warfchau. Speifewaffers durch den Abdampf. Field- Keffel mit Vorwärmung des Oefterreich. Die erfte Brünner Mafchinenfabriks- Actiengefellfchaft ftellte u. A. einen guten ftehenden Keffel nach dem Syfteme ihres Directors Ruckenfteiner für eine fechspferdige Mafchine aus. Er beftand aus einem 165 Meter hohen, und 122 Meter weiten Aufsenkeffel, welcher im Innern eine excentrifche Feuerbüchfe von 0-85 Meter Durchmeffer enthielt. Eine nicht ganz bis zur Decke reichende Chamottewand theilte diefe in zwei ungleiche Hälften, und während in der vorderen ( gröfseren) der Roft lag, diente die rückwärtige als Zug, durch welchen das Feuer niederftürzte. Seine Gafe kamen unten durch den ausgelegten Gufsfockel in 22 Heizrohre( à 70 Millimeter licht), welche in dem fichelförmigen Raume zwifchen Aussenmantel. und Box vom Unterboden zur Keffeldecke zogen. Oben wurde der Rauch durch eine Kammer zufammengefafst, auf welcher die Effe ftand. Centim. 100 COO 000 2 3 Meter. Das Waffer foll circa 0.3 Meter hoch über die Feuerdecke kommen und die Rohrtheile, welche den Dampfraum durchbrechen, bilden dann eine Ueberhitzfläche von 2.8 Quadratmeter. Da aber der Roft 0 42 Quadratmeter und die vom Waffer bedeckte Heizfläche 8.4 Quadratmeter, das Verhältnifs alfo 1: 20 beträgt, fo bringt diefe Führung wohl die Erzeugung eines trockenen Dampfes, aber keine Gefahr. Die Rohrquerfchnitte halten in Summe 1/5 der Roftfläche, und der wohl verfchalte Keffel zeigt alfo völlig richtige Verhältniffe; da fich die Feuerbüchfe frei ftrecken kann und auch der Rohrfchub hier, wo ihn nicht das erfte Feuer weckt, nur klein Mafsftab 1: 100 der Natur Die Halb- Locomobilkeffel. 83 fein wird, fo mufs diefes Syftem fich wohl bewähren, wenn reines Waffer zur Verfügung steht. Bei folchen Keffeln gröfserer Art hängen noch Fieldrohre von der Feuerdecke nieder; dann wird aber der von der Mafchine abgehende Dampf in den Schornftein geleitet, was bei dem oben befchriebenen kleineren nicht nöthig ift. Die Fürft Liechtenftein'fche Mafchinenfabrik und Eifengiefserei in Adamsthal ftellte direct über eine( 16- pferdige) Mafchine einen Dampferzeuger, welcher mit 6 Atmoſphären zu arbeiten hatte, und vollkommen die Anordnung des gewöhnlichen Locomotivkeffels mit oben rundem Heizmantel zeigte. fur of Den Anftofs des cylindrifchen Keffeltheiles fowohl an die Krebsplatte als die Rauchrohr- Wand vermittelte je ein umnietheter Winkelring, deffen in der Verticalebene ftehende Niethköpfe verfenkt erfcheinen. Der unmittelbar hinter dem Schornftein ftehende Dom war ganz aus Gufseifen und auf den Keffel gefchraubt. Diefer letztere enthielt 55 Röhren, jede 2.32 Meter lang und 60 Millimeter im Lichten weit; die oberfte Reihe lag im horizontalen Durchmeffer, was die verftändige Mäfsigkeit des Conftructeurs bekundet. Die Heizfläche war nämlich 28.5 Quadratmeter und der Roft 105 Quadratmeter. Das Verhältnifs beider 1/27 und weder diefes noch das QuerfchnittsVerhältnifs der Rohre zum Roft von 1/68 verlangte( bei Blasrohr- Anfachung) eine Rohrzugabe mehr; fie war auch vermieden obwohl fich der Platz dafür bot. Dafür konnte der Wafferftand tiefer gehalten bleiben und der gewonnene Raum liefert trockeneren Dampf. Die Speifung konnte aufser mit einem Injector noch mit einer Pumpe von der Mafchine aus gefchehen, deren Hub mit Schraubenfpindel verftellbar war und ein fortwährendes Speifen erlaubte. T. Fifcher's inexplofibler Dampferzeuger". Ich zögere faft, diefen Keffel zu erwähnen. Sechs Röhren à 18.5 Centimeter weit und 80 Centimeter hoch, waren unter fich und mit einem fiebenten mittleren Rohre zufammen Centim. 100 Maistab 1: 100 der Natur. 3 Meter gegoffen und bildeten ein einziges Stück. Oben und unten war eine Kreisplatte angegoffen, an welche die Rohre mündeten. Ueber die Deckplatte war ein gufseiferner Sturz von 61 Centimeter Weite mit Flanfchen gefchraubt, der als Dampfdom wirkte. Unter die Bodenplatte war ein 16 Millimeter dicker Blechboden gefchraubt, der in jenen Kreifen, welche die Mündungen der äufseren Rohre umfchreiben, je 7 Fieldröhren von 55 Centimeter Länge niederhängen liefs. Das Mittelrohr war aber durch ein Blechrohr tief nach abwärts verlängert, welches weiter unten in ein Gufsknie überging und die Speife- und Ablafswechfel trug. Nun ftand der ganze Apparat mit feinem theilweife doppelwandigem Boden über einer ge 84 BJ. F. Radinger. mauerten Feuerung mit vorgelegtem Rofte, und die Gafe beftrichen auf ihrem Wege zum rückwärts ftehenden Kamine die Field- Rohre, das mittlere Blechrohr und die Bodenplatte. Das Mauerwerk diefer Feuerung war noch rings mit Gufsplatten armirt oder vielmehr in einem gufseifernen Kaften eingefetzt. Das Waffer ftand hoch über dem Boden und reichte ungefähr bis zur halben Höhe des grofsen Gufsftückes, deren einzelne Rohre mit einander durch unten ausgefparte Fenfter in Verbindung ftanden. Eine Hängfchraube trug noch den Blechboden und hielt ihn am Mittelrohre. Diefer Keffel, deffen Field- Röhren 3.6 Quadratmeter Heizfläche boten, follte mit 3 Atmoſphären arbeiten, und die Befchreibung fagt, dafs daher das Feuer kein intenfives fei. Der Roft hatte 1/18 der Heizfläche und der Schlot 1/34 des Roftes zum Querfchnitte. Die Befchreibung fagt ferner, dafs diefer Keffel billig fei, unexplodirbar wäre und einem längft gefühlten Bedürfniffe abhelfen folle. Wie er zu reinigen ift und wie fich deffen Verfchraubungen oder der doppelwandige Rohrboden hält, konnte fie aber nicht fagen, indem das erfte Exemplar diefes Keffels erft für die Ausftellung angefertigt wurde.* Franz Szabo& Comp. in Peft ftellten einen, Patent zerlegbaren Röhrenkeffel" in die Mafchinenhalle. Derfelbe war nicht zu öffnen; nie fand ich Jemand, der darüber Auskunft hätte geben können, und trotz zweimaliger brieflicher Anfrage bekam ich keinen Befcheid. * Diefer Keffel hat eigentlich eine gewiffe Aehnlichkeit mit den Keffeln der englifchen und amerikaniſchen Dampf- Feuerfpritzen. Merryweather& Sons z. B. gaben einer ihrer ausgeftellten Mafchinen einen einfachen niederen Cylinderkeffel( felbftverſtändlich in normaler Blechconftruction), welcher o'60 Meter hoch war und o'66 Meter Durchmeffer befafs. Der 19 Centimeter im Lichten weite Schlot ging centrifch durch die Kreisböden, und während der obere vier grofse Putzlöcher mit Blech- Vorlagdeckeln trug, hingen von dem unteren( 16 Millimeter dicken) Boden 162 Field- Rohre von je 28 Millimeter Aufsendurchmeffer nieder. Das Feuer brannte nun auf einem o 60 Meter tiefer liegenden Rofte, welcher 0.7 Meter Durchmeffer befafs und von einem Blechmantel umfchloffen und getragen war, welcher ganz einfach und ohne eine Wafferwand zu halten, als fchwach erweiterte Fortfetzung des Obercylinders erfchien. Diefer Mantel nahm eine( bei anderen Spritzen zwei) Feuerthüre auf, und den Roft umgab noch ein ftarker Gufsring, welcher die Gluth zufammenhielt. Die Rohre hingen aber in fünf concentrifchen Kreifen von dem Unterboden nieder. Jene der zwei äufserften Reihen bogen fich nach auswärts und fchloffen fich, faft den Ring berührend, ganz unten beim Rofte Rohr an Rohr. Die der inneren Kreife aber hingen nach einwärts gebogen und deren elf fchlossen fich gleichfalls zu einem dichten Kranze; die mittleren blieben gerade oder nur wenig gekrümmt in dem fo gebildeten Heizraume. ( Hier mag noch einfchaltend erwähnt werden, dafs nach einem Patent W. Knauft's in Wien eine Drahtfpirale in den ringförmigen Raum, zwifchen Innen- und Aufsen- Field- Rohr, eingefchoben werden kann, welche ein längeres Verweilen des Waffers an der Heizwand bewirkt.) Noch wäre zu erwähnen, dafs der Rauchprall( die eingehangene Gufsplatte, welche das directe Auffteigen des Feuers verhindert) hohl und vom Auspuffohre getragen war, welches feitlich in den Schornftein niederführend und in fie mündend feinen Dampf durch ihr mittleres Mundftück entfandte. Diefs gefchah alfo tief unter der gewöhnlichen Blasrohr- Höhe, und der Schornftein war länger als es von Aufsen fchien. Die mittlere Rohrlänge betrug o'5 Meter und die Heizfläche 70 Quadratmeter. Der Roft ftellt fich auf 1/18 derfelben und der Schornftein auf 13 des Roftes, was hier wohl noch angeht, wo die directen Pumpen ohne Schwungrad( ohne Expanfion) arbeiten und hoch gefpannter Dampf ins Blasrohr kommt. Diefe Keffel find für ihren Zweck ganz vorzüglich geeignet. Sie find leicht im Gewichte, und die feltene Benützung erlaubt und die fchnelle Anheizbarkeit fördert das Field'fche Rohr; mir find Verfuche bekannt, wo binnen neun Minuten Dampf von acht Atmoſphären Druck aus dem früher kalten Waffer entftieg. Ein Syftem aber, welches für die Feuerfpritzen zwekentfprechend ift und überdiefs in normaler folider Blechconftruction ausgeführt erfcheint, pafst für den halb fixen Keffe! fo wenig als die guſseiferne Wand. Die Locomobilkeffel. 85 Die Locomobilkeffel. " Die Verbreitung, welche die direct und unlösbar auf ihren Keffel gefetzte und mit ihm auf Rädern transportable Dampfmafchine, die Locomobile", in der kurzen Zeit fand, welche feit ihrem erften Auftreten verflofs, ift mit eine Folge der glücklichen Form ihres Keffels. In der Mehrzahl der Fälle weicht diefer nur in den Verhältniffen, nicht aber in der Anordnung von dem Locomotivkeffel ab, und er entlehnte felbft die meiſten Detailentwicklungen von dem älteren Bruder. In der Heizfläche und dem Dampfdrucke bleibt er wohl wefentlich gegen jenen zurück, wie es den geringeren Effecten, für die er dient, und dem geringen Gewichte entspricht, welches einen Transport auf gewöhnlicher Strafse noch anftandslos erlaubt. Aber die Solidität, die Gefchloffenheit des Baues, der tiefe Schwerpunkt, das kleine Volumen bei grofser Heizfläche, die Möglichkeit, fowohl Roft als Rohre in genügender Weife zu bemeffen und das Zukommen zu jeder Verbindungsstelle fcheinen der heutigen Form den Beftand zu verbürgen. Wohl weichen die franzöfifchen fchon mehr als blos im Detail von den englifchen Grundformen ab; aber erftere fcheinen im Niedergange begriffen und die letzteren dürften bald die allein herrfchenden fein. Diefe Abweichung befteht in der Verwendung runder Feuerbüchfen mit rundem Mantel vor dem cylindrifchen Röhrenkeffel ftatt des fonft üblichen und auch in Deutfchland und bei uns angenommenen flachwandigen Heizraumes. Von Amerika kam kein einziger Locomobilkeffel zur Ausstellung. Defto grofsartiger ſtand aber eben England da, deffen erfte Firmen in diefem Fache fämmtlich vertreten waren und fchon durch die Zahl allein zeigten, dafs hauptfächlich fie diefen Bedarf des Weltmarktes decken. Die englifchen Heizflächen, Rofte und fonftigen Querfchnitte geftatten in der Regel eine Steigerung der Arbeitsleiftung weit über die nominelle Kraft. Die franzöfifchen Verhältniffe geftatten diefs feltener oder gar nicht, und der Käufer mufs fich mit der Garantie derjenigen Leiftung begnügen, für welche er die Locomobile kauft. Die Dampffpannungen find bei gleichen Blechdicken in englifchen niedriger als in den franzöfifchen Keffeln, und betragen felten mehr als 4 Atmoſphären, während letztere faft den doppelten Druck benützen. Deutfchland ftellte hier fo gut wie gar nicht und Oefterreich nur in höchft befcheidenem Mafse aus, wie diefs jenen Umftänden entſpricht, die ich bei den öfterreichifchen Locomobilen berühren will. Die englifche Locomobile. Die Keffel der englifchen Locomobile haben alle eine und diefelbe Anordnung und Form. Die viereckige Feuerkifte mit ebener Decke in einem Heizmantel, der feitlich eine circa 7 Centimeter dicke Wafferwand hält und oben halbkreisförmig gerundet ift. Stehbolzen verfteifen die Seitenwände und Ueberleg. barren die Feuerdecke. Eine Firma brachte ganz gefchweifste Feuerkiften. Der Cylinderkeffel geht entweder in den Obertheil des Heizmantels direct über, oder falls diefer( wegen der Roftgröfse) breiter ift als der Keffeldurchmeffer, fchliefst er fich, meift mit einem Winkeleifen- Ringe, an die Hinterwand, den„ Krebs". Die Niethung gefchieht meift mit Dampf- oder mit hydraulifchen Mafchinen, und die Verbindungsftellen find noch bei doppeltem Drucke abfolut dicht. dia 86 J. F. Radinger. Stets find eiferne Rohre und meift in Verticalreihen voll auf Fug geordnet angewendet, welche in der Feuerbüchfe meift( nicht immer) mit Stahlringen ver fehen find. Stets find die Cylinderkeffel mit Holz und Blech verfchalt, der Heizmantel ift es manchmal, die Stirnwand nie. Alle arbeiten mit dem niedrigen Drucke von 3% bis 4 Atmoſphären. Stets find die Sicherheitsventile vertheilt( eines vorne mit Feder-, das andere hinten mit Gewichtsbelaftung) am Keffel. Die Dampfentnahme wird mit einem Regulatorhebel und einem innen am Dampfcylinder- Gufsftücke fitzenden Schieber geregelt, ohne dafs ein Rohr nach Aufsen tritt. Die Speifung gefchieht meift durch eine Pumpe mit drei Ventilen. Vorwärmung des Waffers ift überall angewendet. Preisheizungen wurden hier während der Ausftellung fo wenig als an den ftationären Keffeln vorgenommen. In England finden regelmäfsige Preisheizungen diefer Maſchinen ſtatt, wobei fich die Thatfache ergibt, dafs einzelne Firmen mit unglaublich kleinen Kohlenmengen( 1 Kilogramm per Stunde und gebremftes Pferd) auslangen, während andere mit faft gleichen Keffeln das Fünf und Sechsfache brauchen. Wenn dabei nun auch felbftverftändlich die Mafchine und die Steuerung, Waffervorwärmung etc. ins Spiel kommen, fo ift doch der Hauptgrund in zwei Behandlungsweifen des Keffels zu fuchen, welche den Gewinnern bekannt und den Uebrigen( fo fcheint es) noch heute fremd find. Für's Erfte darf die Locomobile. nur kaum mit ihrem nominellen Effecte arbeiten, während die Anderen ihren Ruhm in der doppelten Leiftung fuchen. Diefs Letztere wäre nun auch den ökonomifchen Modellen möglich, indem fie folch' grofse Rofte und folch' weiten Rohrquerfchnitt haben, dafs die andernorts gewünſchte und benöthigte Forcirung gleich gut anginge. Wo aber die Dampferzeugung und daher die Feuerung mäfsigft gehalten wird, wie es dem kleinften Effecte entſpricht, wo. pro Pferdekraft faft zwei Quadratmeter Heizfläche entfallen, finkt felbftverftändlich der relative Verbrauch an Kohle. Zweitens wären aber die Rohrquerfchnitte für die fchwächere Heizung zu weit, und diefe werden nun durch eingefchobene Ringe gerade fo verengt, dafs eben noch das Blasrohr ein Luftminimum der Verbrennung erzieht. Diefs wird nun wochenlang vor dem Wetttage( felbftverftändlich mit weichem Waffer im reinen Keffel) bei der unter der Bremfe arbeitenden Concurrenzmafchine ausprobirt und die lichten Ringdurchmeffer mit MillimeterDifferenzen gewechfelt. Manchmal müffen diefe Ringe vorne, manchmal hinten fitzen, um den beften Effect zu geben, d. h. die Gafe gerade fo zu ftauen, dafs fie die gröfste Wärme differenz erfahren, aber dennoch den Zug für die ftrengbenöthigte Dampflieferung geben. Nun ift aber die directe Heizfläche der Feuerbüchfe für die fchwache Heizung grofs, und die Verbrennproducte treten fchon kühler in die dünnwandigen Rohre. Dafs aufser diefem verftändigen Vorgange, den ich darum fo ausführlich erwähnte, weil er auch für ftationäre Keffel völlig pafst, noch andere ,, Witze" geübt werden, zu Ende des Verfuches weniger Waffer im Keffel ift als zu Beginn ( was fich mit dem Wafferftands- Glafe verbergen läfst) und ähnliche Praxis im Kampfeseifer erwachfen könnte, darf man nicht vorausfetzen, nachdem diefe Verfuche unter der Obhut ausgezeichneter Ingenieure vor fich gehen. Die englifchen Ausfteller vereinten fich aber zu dem beftimmten gemeinfamen Vorgehen: hier bei der Wiener Weltausftellung keine Heizproben vorzunehmen. Diefer bedauerliche Entfchlufs wurde mit der gröfsten Strenge aufrecht erhalten, und als einzelne Fabrikschefs ihre Locomobile zu vereinzelten( nicht Die Locomobilkeffe!. 87 Concurrenz-) Probeheizungen aus der Reihe ihrer Ausftellungsgegenstände in den Hof führen wollten, verwehrte diefs ihre Commiffion mit der vollen Autorität. Die Betreffenden liefsen dann andere Locomobile von England kommen, und mit folchen wurden auch jene( Strohheizungs-) Refultate erhalten, die fich gehörigen Ortes in diefem Berichte finden. Clayton& Shuttleworth in Lincoln. Die Locomobile diefer Firma find die verbreitetften der Welt. Ueber 13.000 Stück gingen aus ihren Lincolner Werkstätten hervor, und von den 4000 Locomobilen in Oefterreich ftammt die gute Hälfte von ihr. Den hierländifchen Verhältniffen entsprechend find die Feuerboxen gegen die übrigen englifchen Modelle ungewöhnlich erweitert, um eine gröfsere Heizund Roftfläche mit fich zu bringen. Die Conftruction ift die ganz normale. Der cylindrifche Keffel fchliefst fich mit einem Winkeleifen- Ringe an die gegen die Seitenwände des Heizmantels zu aufgebogene Krebsplatte und mit einem zweiten Winkelringe an die gröfsere Rauchrohr- Wand. Auch diefe ift im Aufsenkreife aufgebogen und trägt die Mantelfläche der Rauchkammer. Alle Niethungen find mit Maſchinen hergeftellt und halten felbft beim doppelten Betriebsdrucke ohne eine einzige Ausnahme abfolut dicht, wie ich mich oft überzeugte. Die Rohre find am Feuerende eingezogen( d. i. kleiner im Durchmeffer) und am Rauchende ausgetrieben, was das Herausziehen der keffeifteinbedeckten Flächen erleichtert und die Rohrwand fchont. Vorne drückt fie ein conifcher Stahlring ein, während fie rückwärts ziemlich weit vorftehen und einfach eingerollt bleiben. Die Feuerbox- Decke ift mit Deckbarren, die Seiten mit einem normalen Stehbolzen- Plane abgefteift und von der Stirn des Heizmantels ziehen je nach der Gröfse 2 bis 4 Ankerfchrauben durch den ganzen Keffei zur Rauchrohr Wand. Der Schornftein- Fufs und die Bügel und Deckel des verfteiften Mannloches find aus Schmiedeeifen, und letzterer nimmt gleich die Füllfchraube auf. In der Feuerdecke fteckt ein fchmelzbarer Pfropfen, was bei der oft unglaublich befcheidenen Intelligenz mancher Locomobilwartung nothwendiger ift als irgend anderswo. Die Sicherheitsventil- Hebel find aus Eifen, aber mit bronzegefütterten Augen angefertigt, und die Manometer von Schäfer- Budenberg„ Manchefter". Putzlöcher in der Boden- und in der halben Höhe des Heizmantels und in der Rauchrohr- Wand und ein Abfchlammhahn dienen nebft dem Mannloche zur möglichften Reinhaltung der Bleche von den Niederfchlägen. Der Maximal- Arbeitsdruck beträgt wie bei der Mehrzahl englifcher Keffel 4 Atmofphären. Die Heizfläche der achtpferdigen Locomobilen diefer Firma beträgt circa 14 Quadratmeter oder 175 Quadratmeter per nominelles Pferd. Der Roft o'52 Quadratmeter, 27 der Heizfläche, indem er den Querfchnitt der Feuerkifte von 0.8 Meter Breite und o 66 Meter Länge fchliefst. Im Cylinderkeffel von 0.83 Meter Durchmeffer befinden fich 30 Stück 65 Millimeter im Lichten weite eiferne Rohre( à 19 Meter lang), deren Gefammmit- Querfchnittsfläche genau o'r Quadratmeter oder 1/2 der Roftgröfse beträgt. Die Effe ift o 29 Meter weit und befitzt 1 des Roftes. Die vorderen Rohrringe haben im Lichten 50 Millimeter, was wohl einem Querschnitte von 1/8 Roftfläche gleichkäme. Jedoch kommt diefe Verengung auf den kleinen Querfchnitt nur örtlich( 6 Centimeter lang) vor und wirkt ähnlich der Feuerbrücke eines Stabilkeffels. Roftes, Mafsgebend bleibt allein die beträchtliche Rohrweite von faft% des 88 J. F. Radinger. In Verbindung mit der grofsen fpecififchen Heizfläche laffen fich daher folche Keffel leicht forciren, und da noch ein Blasrohr das Feuer anfacht, liefern fie genügend Dampf, felbft für doppelt fo grofsen Effect als ihre nominelle Stärke reicht. Diefs kann thatfächlich hier wie bei jedem anderen gefunden Organismus ohne befondere, unmittelbar gefahrdrohende Ueberanftrengung durch kurze Zeit hindurch gefchehen, während felbftverftändlich die Oekonomie am meiften gewinnt, wenn der Keffel mäfsig beanfprucht bleibt. Ranfomes, Sims& Head in Ipswich. Das hervorragendfte Ausstellungsobject diefer Firma war ein Locomobile für Strohheizung. Der Keffel felbft hatte eine innere Feuerkifte, o 92 Meter lang und o 79 Meter breit, welche einen ( Verbrenn)-Querfchnitt von o'72 Quadratmeter bot. Den Cylinderkeffel von o 83 Meter Durchmeffer und 1:82 Meter Länge durchzogen 48 Rohre von 56 Millimeter lichter Weite, woraus fich die Feuerfläche auf 18 Quadratmeter, der Roft auf 25 derfelben und der Röhrenquerfchnitt auf% des Roftes ftellt. Der Stroh Heizapparat felbft, eine gemeinfame Erfindung von Schemioth und Head, befteht aus einem leichten Bretertifche, an deffen Ende fich ein StachelWalzenpaar befindet. Eine der Walzen wird durch einen Riementrieb von der Schwungrad Welle her direct bewegt und die andere durch ein Kraufelrad mit genommen. Der Heizer bringt nun das Stroh auf die Tifchfläche, breitet es aus und fchiebt es den Walzen zu, welche die Partie erfaffend ihm Zeit zum Zutragen neuen Strohes gönnen. Ein an der Stirnfeite der Locomobile zwifchen Feuerkifte und Heizmantel eingenietheter flacher Rechtecks- Kranz bietet nun eine Heizöffnung, vor welche der Apparat gefchoben wird und durch die das breite, aus den Walzen kommende Strohband in den Feuerraum tritt. Die Verbrennung gefchieht nun fofort und hauptfächlich innerhalb jener Zeit, während noch die einzelnen Halme. von den Walzen niederhängen. Einige wenige( vier) tieferliegende Längs- Roftftäbe verhüten das Ausfallen unverbrannter Theile und geftatten ein lofes Vorftauen des Strohes in der Feuerbüchfe bei gefteigertem Betriebe. Zeitweilig wird der weite Zwifchenraum diefer Stäbe je mit dem aufftehen. den Zahne eines Rechens durchfahren, der fich unter diefem Rofte hin- und herfchieben läfst und die Kiefelafche entfernt, die fonft den Luftzug hemmt. Ferner befindet fich ober den Speifewalzen eine fchmale Fallklappe, durch welche die Feuerbleche öfter abgekehrt werden, das Anzünden erfolgt und auch fonft der Gang der Heizung überwachbar bleibt. Die Locomobilkeffel. 89 Die Rohre müffen öfter energifch durchfahren werden, und um die zähglafige Flugafche hinauszubringen, fehlen die Rohrringe an der Feuerfeite. Das Anheizen kann mit Holz etc. oder auch gleich mit Stroh gefchehen. So lange aber die Mafchine nicht geht, mufs ein Arbeiter die Zufuhrwalzen mittelft einer kleinen Kurbel drehen, welche nach abgeworfenen Riemen anzuftecken ift. Zu diefem Drehen gehört nur eine unmerkbare Kraft, aber eine Stunde und mehr Zeit, wenn der Keffel kalt war. Unter dem Rofte ift ein vorne offener Afchfall, vor dem ein gelochtes Wafferrohr quer läuft. Die Speifepumpe kann nun von Zeit zu Zeit einen zertheilten Wafferftrahl über die allfalls glühenden Abfälle ausbreiten und die Gefahr für das umliegende frifche Stroh dämpfen. Der Schornftein trägt oben ein kupfernes Funkengitter mit Deckblech; dadurch werden die mitgeriffenen kleinen Theile gekühlt und die anprallenden gröfseren fallen in die Rauchkammer zurück. Ich nahm nun über Einladung Mr. II e ad's am 16 Auguft 1873 eine Probe diefer Heizungsart am Locomobil 2688 mit gleichzeitiger Waffermeffung und Mafchinenbremfung vor. Die Ergebniffe diefes Verfuches find folgende Gewogene Strohmenge: ( Garben 77 Kilogramm) lofes Stroh 100'5 = 1775 Kilogramm. 99 Damit verdampfte Gefammt- Waffermenge während der 45 Minuten langen Verfuchsdauer: 365 Kilogramm, reducirt auf o Grad.. 330 330 Kilogramm. I Kilogramm Stroh verdampft daher 186 Kilogramm Waffer von o Grad. Die Verdampffähigkeit mittelguter Kohlen zu 6.5 angenommen, verhält fich bei gleichem Gewichte der Heizwerth des Strohes zu jenem der Kohle wie I: 3.5. Gebremft wurden an den Schwungring der fogenannt zehnpferdigen Locomobile bei conftant gehaltenem Druck von 70 Pfund englifch und conftanter Tourenzahl von 140 per Minute 18 6 Pferdeftärken. Fer Stunde und Pferd genügt daher eine Menge von 12'6 Kilogramm Stroh. In Rufsland follen bereits viele diefer Apparate in Thätigkeit fein und man rechnet für das Drefchen 8 bis 9 zu verbrennender für je 100 gedrofchene Garben. Eine einfache Rechnung gibt nun unter Zugründelage der örtlichen Preife das Mafs der Zuläffigkeit diefer Heizung. Im Allgemeinen wird bei einem Preife guter Kohlen gleich vier Mal dem des Strohes die Verbrennung des letzteren beftimmt vortheilhafter als der Verkauf fein, wenn eine Feuerung benöthigt wird. In den Fällen, wo wieder Holz oder Kohlen gebrannt werden follen, läfst fich der Apparat vom Keffel entfernen, eine Thüre vor den Schlitz fetzen und nachdem auf die Roftträger in der reuerbüchfe normale Stäbe gelegt worden find, die Heizung auf gewöhnliche Art vollbringen. Von den anderen Locomobilen( Keffeln) diefer Firma ift noch zu erwähnen, dafs jene für Expanfionsmafchinen mit zwei Pumpen verfehen werden, deren eine das kalte Waffer in ein Refervoir im Rauchkaften hebt, wo es faft bis 100 Grad Celfius vorgewärmt, von der anderen Pumpe angeíaugt und in den Keffel gedrückt wird. Durch diefes Vorwärmen des Speifewaffers wird eine bedeutende Brennmaterial- Erfparnifs erwirkt. R. Garett& Sons, in Suffolk. Ein wefentlich neues Ausftellungsobject diefer Firma bildete gleichfalls eine Locomobile für Strohheizung. 90 J. F. Radinger. + Der Keffel felbft beftand aus einer Feuerkifte von o 70 Meter Breite und o 60 Meter Länge, von deren Rückwand 28 Stück, je 60 Millimeter weiter Rohre zur Rauchbüchfe zogen. DieHeizfläche des achtpferdig genannten Keffels beftimmt fich daraus auf 125 Quadratmeter ( 155 per Pferd), die Roftgröfse auf 1/20 der Heizfläche und die Rohrquerfchnitte auf 12 des Roftes. Die Rohre find ohne Stutzen in die Feuerkifte gedrückt, was Bedingung für das Reinigen bei Strohheizung ift und von diefer Firma zuerft angewendet wurde. Der Apparat für die Strohheizung ift der denkbar einfachfte und befteht aus einem grofsen gufseifernen Trichter, welcher unter der gewöhnlichen Feuerthüre an der Keffelftirn fitzt und in den Heizraum mündet. Die Feuerung gefchieht nun durch das regelmäfsige Einführen gröfserer lockerer Strohballen durch den Trichter mit Hilfe einer eifernen Gabel. Ein einfacher Main, der damit eine von fonfther gewohnte Verrichtung übt, genügt dazu vollkommen, und da kein Mechanismus vorkommt, entfällt die Gefahr eines Unftandes von felbft. Der Strohballen in der Feuerbüchfe brennt nun frei in der Luft, da fein Ende, gleichzeitig einen falfchen Luftzug wehrend noch hinten im Trichter fteckt. Wie er niederbrennt, lichtet fich der Schlund und gibt dem Heizer das Zeichen zu frifchem Nachfüllen. Die niederbrennenden Halme werden dann von drei oder vier Stäben am Boden der Feuerkifte aufgehalten in den tiefliegenden Afclraum zu fallen. Die ober dem Feuerloche befindliche Heizthüre geftattet ein zeitweiliges Abkehren der Innenwände von der ſpinnwebartig glafigen Schlacke, welche die Strohverbrennung kennzeichnet. Durch diefe Heizthüre kann aber auch mit Kohle geheizt werden, nachdem auf die Roftträger in der Büchfe gewöhnliche Stäbe gelegt worden find. Ich nahm über Einladung des Generalagenten der Firma, Heirn Paul Kotzo, am 6. October 1873 eine Heizprobe mit gleichzeitiger Waffermeffung und Bremfung einer folchen Locomobile vor. o Grad Die Ergebniffe diefes 5812 Minuten dauernden Verfuches waren folgende: 163 Kilogramm. Gewogene Strohmenge. Damit verdampfte Gefammt- Waffermenge 380 Kilogramm reducirt auf 321 Kilogramm. I Kilogramm Stroh verdampft daher 197 Kilogramm Waffer von o Grad. Die Verdampffähigkeit mittel guter Kohle zu 65 angenommen, verhält fich bei gleichem Gewichte der Heizwerth des Strohes zu jenem der Kohle wie 1: 3.3. Gebremft wurden von diefer fogenannt achtpferdigen Mafchine an der Eafton'fchen Bremsfcheibe, unter Zufchlag von 12 Pferd als Reibungsarbeit des Apparates, 16 Pferdeftärken, wobei der Dampf während der Verfuchszeit von 72 auf 60 Pfund englifch und die Tourenzahl von 140 auf 120 per Minute fank. Pro Stunde und Pferd genügt daher eine Menge von 10 44 Kilogramm Stroh. Noch ift zu erwähnen, dafs der Fülltrichter einen auffchlagbaren Deckel hat, welcher den Feuerraum in den Ruhepaufen fchliefst, und dafs der Schornftein ein Funkennetz, aber ohne Blechdecke trägt. Dafs letztere nöthig wäre, bezeugton einige Brandlöcher in meinen Kleidern. In Ungarn follen bereits viele folcher ftrohgeheizter Locomobilen zur Zufriedenheit ihrer Benützer in Arbeit ftehen. Der Brief eines Gutsbesitzers gibt Die Locomobilkeffel. 91 nach deffen eigenen Proben noch günftigere Refultate an als ich felber fand, was vielleicht durch die Vergleichung mit fchlechteren Kohlen herrühren mag. Eine weitere Eigenthümlichkeit der Garett'fchen Keffel ift ein Strahl- Vorwärmer, nämlich ein concentrifches Zuſammenführen des in den Speifewaffer- Kübel zurückgehenden Wafferftrahles beim Leergang der Pumpe mit einem Theile des Abdampfes. Durch die Erwärmung des Speifewaffers( bis zu 60 Grad) wird auf diefe Art eine merkbare Brennmaterial- Erfparnifs gewonnen. ibid John Fowler& Comp. in Leeds haben für ihre Strafsenlocomobile Keffel faft normaler Conftruction. Bei einem( Nr. 2001) mafs die Heizbüchfe o 60 Meter in der Breite, o 79 Meter in der Länge und durch den Cylindertheil von o'74 Meter Durchmeffer gingen 22 Rohre, jedes 66 Millimeter weit und 17 Meter lang. Die Heizfläche war daher II Quadratmeter, wovon 3 auf den Roft entfiel der Rohrquerfchnitt hatte 1/64 der Roftfläche. Er arbeitete mit circa 7 Atmoſphären als höchften Druck und feinen Cylindertheil bildeten 8 Millimeter dicke Bleche.cont Aveling& Porter in Rochefter. Zum Betrieb der Strafsenwalzen und der Dampfkrahne wendet diefe Firma Locomobilkeffel an, welche fich in manchen Punkten von der Normalconftruction entfernen. Unähnlich dem Locomotivkeffel mufs diefer hier als organifches Glied im Zugmechanismus dienen und den Rahmen dort erfetzen. Zu diefem Zwecke find die Seitenbleche des äufseren Heizmantels befonders ftark( 14 Millimeter) und ftehen über den Keffel hinaus nach auf- und nach rückwärts vor. Oben tragen diefe Bleche viereckige Einfchnitte für die eingenietheten Kurbelachs- Lager und rückwärts nehmen Bohrungen die Vorgelegwellen auf. Zwifchen geniethet und als Traverfen dienend befinden fich die Stirnwand und die Oberdecke des Heizmantels. Letztere verwächft mit dem Cylinderkeffel und reicht bis in die halbe Rohrlänge, wo eine äufsere Bandverniethung die zweite vordere Blechtrommel, welche den Dampfcylinder und( vor der Rauchbüchfen- Thüre) die verticale Steuerwelle trägt, mit dem vollen Blechquerfchnitt ftumpf anftofsend hält. Die Rauchrohr- Wand erfcheint daher tief in diefe Vordertrommel verfenkt, und der Cylinderkeffel hat viel kürzere Rohre als ein äufserer Anblick vermuthen läfst. Der ausgeftellte Keffel eines 8 Tons Rollers( Locomobil Nr. 900) hatte eine Feuerbüchfe von o 50 Meter Breite, o 66 Meter Länge und o 80 Meter Höhe; er enthielt 24 Rohre von je 46 Millimeter lichter Weite und II Meter Länge. Die Heizfläche gibt fich daraus mit 5.8 Quadratmeter, der Roft mit o 33 Quadratmeter oder 17 bis 18 der erften. Die Rohrquerfchnitte von o'04 Quadratmeter betragen des Roftes. Die Bleche des Cylindertheiles waren 8 Millimeter ftark und die DampfSpannung betrug 612 Atmoſphären. Ein anderer gleicher Keffel[ Nr. 959] hat mit 8 Atmofphären zu arbeiten. lis had Die Feuerbüchs- Bleche waren unten ausgebogen und mit einem Winkel. eifen Kranze an den Aufsenmantel geniethet. Durch die vorgelagerten Zahnräder- Wellen und die hochgelagerte Plattform, welche über der Hinterachfe liegt, erfcheint die Keffelftirn ftark gedeckt und es erübrigt der Platz für die Armirung um fo fchwerer, als auch die vorragenden Seitenbleche den Raum verfchmälern und hinten ein Kohlenbehälter liegt. R. Hornsby& Sons in Grantham. Hier zeichnen fich die Locomobilkeffel durch den überhöhten Heizmantel aus, deffen Bleche den Dampfcylinder um. fchliefsen Eine Locomobile diefer Firma( Nr. 2359) betrieb mit 4 Atmosphären Druck die Reparaturs- Werkstätte der Ausftellung. Ihre Feuerkifte war o'66 Meter breit, 92 J. F. Radinger. 0 40 Meter lang und 26 Rohre von je 50 Millimeter Weite zogen 18 Meter entlang Die Heizfläche rechnet fich hieraus 9 Quadratmeter, wovon die Roftgröfse 1/34 beträgt. Der Rohr- Querfchnitt bot 15.3 des Roftes. Auffallend waren die faft 2 Meter langen S- förmig gebogenen Belaftungs hebel der Sicherheitsventile, deren Gehäufe in brandrother Farbe prangten. Die Reading Iron Works ftellte Locomobile aus, welche der Niethungen in der Feuerbox gänzlich entbehrten, indem dort die aufgebogenen Lowmoorbleche an ihren Stöfsen durchwegs gefchweifst waren. Der cylindrifche Rauchkammer- Mantel war doppelt und der Zwifchen raum diente als Vorwärmer des Speifewaffers. Dort foll es auf 100 Grad Celfius erwärmt werden, und die Firma behauptet, dafs ein bei einem Preisheizen errungener Erfolg( 108 Kilogramm Kohle per Stunde und gebremften Pferd) hauptfächlich von diefer Vorwärmung abhängt. Stephen Lewin in Poole Dorfet. Diefe Locomobile fiel durch die fcandalöfe Rohheit ihrer Ausführung auf. Robey& Comp. in Lincoln. Die„ Patent"-Locomobilkeffel diefer Firma haben die Seitenwände der Feuerkifte unter Roft und Afchfall verlängert und die Wafferwand reicht noch horizontal unter demfelben hindurch. In diefem tiefftliegenden grofsen, keiner Heizung mehr ausgefetzten Raume fammeln fich Schlamm und Steinfplitter, werden durch den Ablafshahn leichter ausgeblafen und derart fcheinen die Heizbleche bei fchlechtem Waffer, wofür diefes Detail beftimmt ift. beffer gefchont als fonft. Die Heizthür- Oeffnung war ganz durch das ausgetriebene Vorderblech der Feuerkifte gewonnen und der Afchfall mündete mit einem Winkelringe. Die Boden. wände waren flach und lelbftverftändlich mit Stehbolzen verfehen. Die Speifewaffer- Vorwärmung durch directenAbdampf eines der Sicherheitsventile unter Kappe mit Vorhängefchlofs und die übrige Ausrüftung ftimmten ganz in die Mehrzahl der übrigen Locomobile. Rufton Proctor& Comp., Lincoln. Die Locomobile diefer Firma zeigten die gewohnten guten Verhältniffe englifcher Keffel. Eine reichliche Heizfläche ( 20 bis 18 Quadratmeter per Pferdekraft), Roftfläche 1/30 der Heizung und RohrQuerfchnitt 1 des Roftes find auch hier normal. Ein zehnpferdiger Keffel( Nr. 2937) hatte eine 0.87 Meter breite, o 68 Meter lange Feuerbüchfe und 32 Rohre, deren jedes 72 Millimeter weit und 2:13 Meter lang war. Die Heizfläche berechnet fich daraus zu 18 Quadratmeter und die Verhältniffe finden fich oben angeführt. Diefe Keffel haben nur 3% Atmoſphären als Maximaldruck beftimmt, welchem die 8 Millimeter dicken Bleche des 0.84 Meter weiten Cylinders reichlich widerftehen. Der vordere Sicherheitsventil- Hebel ift aus Bronze, während die directe Belaftung eines zweiten Sicherheitsventiles im Keffelinnern hängt. J.D. Garett, Buckau bei Magdeburg. Diefe Locomobilen zeichneten fich, was den Keffel betrifft, dadurch aus, dafs weder beim unteren Abfchluffe des Heizmantels, noch bei der Feuerthüre ein eingenietheter Kranz- oder eine Winkeleifen- Verwendung vorkam, fondern die Blechränder je bis zur halben Entfernung einander zugetrieben und direct verniethet waren. Eine Krebsplatte mit Kreisflanfch gegen den Cylinderkeffel und aufgebogenen Borden gegen die Kifte zu zeugte gleichfalls von gefchickter Keffelfchmiedung, indem die kleineren Dimenfionen ftärkere relative Faferftauungen und Streckungen verlangen. Zwei Eck- Zugftangen gingen vom Cylindertheile zur Stirnplatte und entiafteten die gebogenen Kanten der Krebswand. Die Locomobilkeffel. 93 Der Keffel Nr. 531 in der Ausftellung hatte o 83 und o 65 Meter zur Breite und Länge der Feuerkifte und befafs 30 Rohre je 2:13 Meter zwifchen den Rohrwänden lang und 64 Millimeter im Lichten weit. Die Heizfläche beftimmt fich daraus mit 15 2 Quadratmeter, die Roftgrösse 128 und die Rohrquerfchnitte betragen 5 davon. Er hatte mit 4 Atmofphären Ueberdruck zu arbeiten und die Bleche des 0.84 Meter weiten Cylinderk effels waren 9 Millimeter dick. Garett. Andere Locomobile waren noch ausgeftellt von Marfhall Sons& Comp. in Gainsborough. E. R.& F. Turner in Ipswich hat einen ähnlichen Strahlvorwärmer wie Woods& Comp. in Stowmarket. Kockum's Mek. Werkftad in Malmö. Die Speifepumpe hatte nur ein Druckventil, aber einen Windkeffel aus Meffing, und das Speiferohr formte im Rauchkaften eine Schleife. Die franzöfifchen Locomobile. Die Locomobilkeffel franzöfifcher Conftruction haben meift eine Feuerbüchfe, welche im Grundriffe zwei Drittel eines Kreifes bildet, der durch die ebene Rohrwand befchnitten ift. Der Heizmantel ift dann ein reiner Vertical cylinder von beträchtlicher Höhe, an den fich der runde Horizontalkeffel in ftark gefchwungener Durchdringungslinie mit Hilfe eines Winkeleifen- Bandes fchliefst. Die ebene Rohrwand mufs unten mächtig ausgebogen werden, um fich zum eingenietheten Boden Schlufsringe zwifchen Heizmantel und Feuerbüchfe zu finden, und der Kreisroft untergreift diefe überhängende Blechwand. Der Cylinderkeffel ift meift fehr klein im Durchmeffer und fo tief gerückt, dafs er viel höher als die englifchen Keffel und felbft gänzlich mit Feuerröhren gefüllt erfcheint. Der überhöhte Heizmantel dient dann als Dom, deffen Kreisdecke mit der Feuerdecke durch eine centrifche Hängfchraube gekuppelt ift. Eine Reihe kleinerer artiger Detailconftructionen fügen fich dann noch an. Wohl bauen auch einige franzöfifche Firmen die Locomobilkeffel mit viereckigen Feuerkiften, wie ich es z. B. von Flaud und von Vincent beftimmt weifs. Diefe traten aber in der Ausftellung nicht auf, und da auch Andere fehlten, welche runde Feuerbüchfen machen( Claparede, Caftor etc.), fo kann immerhin die vorgeführte Form als die heute charakteriftifch franzöfifche gelten. Alle arbeiten mit höherem Drucke als in England beliebt ift, und gewöhnlich erfcheinen 6 bis 7 Atmoſphären gewählt. Faft durchwegs ift ein Drehhahn im freiliegen len Dampfrohre zur Regulirung des Ganges verwendet, und ftets fitzen die Sicherheitsventile direct neben einander auf einem gemeinfamen Paarftutzen. nasbail odos Bede& Comp. in Verviers. Der Keffel der Strafsenlocomobile diefer Firma pafste völlig in den eben befchriebenen Typus. Die Feuerbüchfe( der Roft unten) hatte 0.68 Meter, der Aufsenmantel o 84 Meter Durchmeffer. Die Rohrwand fchnitt derart in die Feuerbüchfe, dafs fie gegenüber der Heizthüre nur o'53 Meter als gröfste Tiefe befafs.druh mosted slidea Die Feuerdecke lag o 9 Meter über dem Rofte und lag in gleicher Höhe mit der oberften Erzeugenden des die Röhren umfchliefsenden Langkeffels. Diefer hatte o 60 Meter Durchmeffer und war von 51 Röhren( à 45 Millimeter licht) gänzlich und völlig fymmetrifch erfüllt. Die Rauch- Rohrwand lag 162 Meter weit von derjenigen der Feuerbüchfe entfernt, war kreisrund, eben und mit einem Winkelringe angefetzt. 94 J. F. Radinger. Der Heizmantel hatte eine Höhe von über 2 Meter, diente in feinem oberen Theile als Dampfdom und enthielt dort ein grofses Einfteig- Mannloch ohne irgend eine Randverfteifung im Bleche. Am Langkeffel unmittelbar hinter dem Schornfteine befand fich noch eine kleine( o 26 Meter weite) Dampfhaube aufgeniethet, welche, um die Wafferfchwankungen zu brechen, nur durch die fiebartige Oeffnung einzelner gebohrter Löcher im Cylinderbleche mit dem Raume unten in Verbindung ftand, während oben ein Rohr zum grofsen Dampfraume führte. Diefs ift bei derartigen Locomobilen nöthig. indem fonft, befonders bei Fahrten bergauf der Wafferftand unruhig würde und die Rohre verbrennen könnten. Der innen o 2 Meter weite Schornftein war doppelwandig, und eine dop pelte Rauchkammer- Thüre fchlofs möglichft dicht. Die Heizfläche berechnet fich aus den eingangs gegebenen Abmeffungen auf 14 Quadratmeter, die Roftfläche auf 40 derfelben, die Rohre hatten einen Gefammtquerfchnitt von 15 und der Schlot kaum 11 der Roftgröfse. Diefer Keffel hatte mit 8 Atmoſphären zu arbeiten, und die Bleche der Feuerkifte mufsten, weil nicht gefchloffen, rund und ohne Stehbolzen ausgeführt, befonders dick genommen werden. Sie beftand aus 16 Millimeter, die Feuerbüchswie die Dampfraum- Decke( und die Rohrwände) aus 18 Millimeter ftarken belgi. fchen Eifenblechen. Albaret& Comp. in Liancourt Rantigny haben ganz diefelben Keffel wie die eben befchriebenen, nur war der Horizontalkeffel nicht voll bis oben mit Röhren gefüllt, dafür aber verhältnifsmäfsig länger. Sie arbeiten mit 6% Atmofphären und befitzen feitlich ein kleines Speiferefervoir, in deffen Waffer das darüber hinführende Auspuff- Dampfrohr wie eine Schleife eintaucht. An einer folchen fechspferdigen Locomobile garantirt die Firma einen Verbrauch von weniger als 2 Kilo Kohle per Stunde und gebremften Pferd. Del Ferdinand in Vierzon hatte diefelbe Art der Locomobile mit kreiscylindrifcher Feuerkifte. Die Ausftellungslocomobile unterfchied fich in nichts Erwähnenswerthem von den früheren als durch die Art der Speifewaffer- Vorwärmung, welche in einem vom Cylinder bis zur Effe reichenden Gufsrohre beftand, in deffen Längsachfe das kupferne Auspuff- Dampfrohr lag. In dem ringförmigen Zwifchenraume zog das Druckwaffer. Hermann Lachapelle in Paris. Die Locomobile diefes Haufes bildete einen Uebergang der franzöfifchen zur englifchen Form. Die runde Feuerbüchfe ( mit der abflachenden Rohrwand) ftand in einem äufseren Heizmantel, welcher ebene Stirn- und Seitenwände hatte, deffen Rückwand aber einem ftehenden Kreiscylinder angehörte. Letzterer verfchnitt fich mit dem Langkeffel, deffen obere Hälfte bis zur Stirnwand vorreichte und dort einen kleinen Gufsdom trug; fo blieb vom ganzen Stehcylinder nicht mehr übrig, als die kleinen charakteriftifchen Rudimente. Am Boden waren die Bleche fowohl der Feuerbüchfe als des Aufsenmantels nach auswärts geflanfcht und an eine ebene Fufsplatte geniethet; auch die Heizöffnung beftand aus einer getriebenen Platte, und überhaupt kam am ganzen Keffel kein Winkeleifen vor. Pferd. Diefe Locomobile befitzen durchwegs 13 Quadratmeter Heizfläche per Die Rofte find durchwegs 133 der Heizfläche, die Rohrquerfchnitte 1 bis 14, die Schornfteine 4 bis% des Roftes. Sie haben mit 612 Atmoſphären Ueberdruck zu arbeiten, geben aber garan tirt fchon bei 6 Atmoſphären und der Normalgefchwindigkeit den nominellen Effect. Der achtpferdige Keffel befitzt einen Roftdurchmeffer von o 65 Meter und hat 25 Rohre von 70 Millimeter Aufsen- oder 65 Millimeter Innenweite. Diefc Die Jocomobilkeffel. 95 find 173 Meter lang und die Gefammt- Heizfläche ftellt fich auf 10.7 Quadratmeter. Der Schornftein hat o 3 Meter Durchmeffer. Er foll 320 Kilogr. Waffer( 30 per 1 Quadratmeter) in der Stunde verdampfen, was bei den obigen, einer forcirten Feuerung angepafsten Verhältniffen wohl möglich ist. Die Ausführung aller Theile des Keffels und feiner Armirung war mufterhaft. J. Belleville in St. Denis gibt feinen Locomobilen den hier fchon früher befchriebenen und auch fonft bekannten Röhrenkeffel. Andere franzöfifche Locomobile hatten Keffel mit den rückkehrenden Rohren der gleichen Anordnungen, wie fie bereits bei den Halb- Locomobilen befchrieben erfcheinen. Daher entfällt hier deren Befprechung. Die öfterreichifchen Locomobile. Von den circa 4000 Locomobilen, welche gegenwärtig in Oefterreich arbeiten, find wohl 85 Percent englifches Fabricat und die im Inlande gebauten folgten dem eingeführten Mufter. Diefes findet fich in Zweckmässigkeit der Conftruction und Solidität der Ausführung auch im heimifchen Producte; aber das fremdländifche billige Material und die Vortheile der durch den errungenen Markt erwachfenen Maffenproduction ermöglichen keine Concurrenz trotz Fracht und Zoll. Dazu kommt noch der Umftand, dafs die Engländer über ein dichtes Netz von ausgezeichneten Agenten verfügen, und Dank ihres billigen Capitals grofse Lager fertiger Mafchinen halten können, wie es der fuchende Käufer liebt. Der Kauf befchränkt fich dabei faft nur auf wenige Wochen des Jahres( der Erntezeit) und ein bedeutender Vorrath fcheint Bedingung für diefes Gefchäft. Sie können längere Zahlungsfriften bewilligen, ohne dadurch oder den gehaltenen Vorrath folche Zinsverlufte zu tragen, wie es unferen Verhältniffen entſpräche, und endlich ift die complet zufammengeftellte auf ihren eigenen Rädern fahrbare Locomobile an und für fich leichter verfendbar als irgend eine andere Laft. Der Druck der auswärtigen Concurrenz ift fo ftark, dafs felbft von den inländifchen Fabrikanten manche die Keffelkörper ihrer Locomobile fremdwärts erzeugen laffen, und hier nur die felbftgebaute Dampfmafchine darauffetzend, die Vollendung beforgen. So legte Petry Chaudoir in Lüttich einen Locomobilkeffel in die Maſchinenhalle der Ausftellung und fchrieb darauf, dafs bereits 150 folcher Keffel von ihm nach Oefterreich kamen und weitere 24 dafür in Beftellung find. Der Arbeitsdruck beträgt bei den hier gebauten Locomobilen 5 bis 6 Atmosphären gegen 4 Atmoſphären in den englifchen. Ausgeftellt waren nur wenige öfterreichifche Locomobile, und diefer Bericht mag fich mit der Vorführung der einfchlägigen Keffel von G. Sigl in Wien befcheiden, aus deffen Fabrik noch weitaus die Mehrzahl aller inländifchen Locomobile hervorging. G. Sigl in Wien bringt Locomobile von 8 und 12 Pferdekraft. Die Keffel der erften haben 13.8, die der zweiten 20 7 Quadratmeter Heizfläche und Roftgröfsen von 0'49 und o 75 Quadratmeter, was je 1/28 der erfteren beträgt. Die ( 26 und 34) Rohre find je 70 Millimeter im Lichten weit und bieten den Gafen eine Gefammt- Querfchnittsfläche von 1/5 bis 1 der Roftgröfse. Per Pferdekraft 96 J. F. Radinger. entfallen daher bei beiden je 17 Quadratmeter Heizfläche und die reichlichen Roft- und Rohrquerfchnitte fichern ein verlässliches Arbeiten. Heizmantel und Cylinderkeffel gehen ohne Krebswand direct in einander über. Die Rauchrohr- Wand ift aufgebogen und in den verlängerten Cylinderkeffel eingeniethet, um welchen herum( mit einem eingelegten Zwifchenringe) die Rauch.büchfe fchliefst. Der untere Schlufskranz und die Feuerthür- Oeffnung find mit eingelegten maffiven Quadrateifen verniethet und überhaupt kommt kein Winkel. eifen am Keffel vor. Bei den achtpferdigen( zwölfpferdigen) ift die Feuerbüchfe o 66( 0.79) Meter lang und o 71( 0.95) Meter breit. Der Cylinderkeffel befitzt 182( 2.1) Meter Länge, 0.87( 0.9) Meter Durchmeffer und hat mit 8 Millimeter dicken Blechen dem inneren Drucke von 5 Atmoſphären zu widerftehen. Die Sicherheitsventile find am Keffel vertheilt, und wohlangebrachte Putzlöcher nebft einem grofsen Mannloche( mit verfteiftem Rande und fchmiedeeifernem Deckel und Bügeln) bei den Deckbarren geftatten das möglichfte Reinigen. Zum Schutze gegen das Funkenwerfen liegt in der Rauchbüchfe ober den Rohren ein Drahtgitter, welches den Vortheil der leichteren Reinigung bietet, wenn es auch leichter verbrennt, indem es nicht wie eine oben fitzende Schornfteinkappe von der Luft gekühlt bleibt. Andere öfterreichifche Locomobilkeffel waren noch ausgeftellt von der Fürft Liechtenſtein'fchen Fabrik in Adamsthal, Bernhard Eichmann in Prag und, wenn ich mich recht erinnere, der Mafchinenfabrik der k. k. Staatsbahn in Refchitza. Von diefen Firmen erhielt ich aber( im Gegenfatze zu englifchen und franzöfifchen Ausftellern) abfolut gar keine Mittheilungen über diefen Gegenftand, und auch zum Selbftftudium wie dort fehlte mir in Mitanbetracht der geringeren Wichtigkeit die Zeit. Die Heiz- und Sicherheitsausrüftung der Keffel. 97 Die Heiz- und Sicherheits- Ausrüftung der Keffel. Die eigentliche Ausrüftung für Bedienung und Sicherheit der Keffel, foweit in der Ausftellung Neues und Bemerkenswerthes davon vorkam, zu befprechen, übernahm ein anderer Berichterstatter. Mir erübrigen alfo nur noch die zwifchenftehenden Vorkehrungen gegen die Keffelftein- Ablagerung, die Heizapparate und die Schornfteine. Die Vorkehrungen gegen die Keffelftein- Ablagerung. Mittel, welche mit der nöthigen praktifchen Einfachheit jede Ablagerung von Stein an den Keffelwänden verwehren, gibt es nicht. Alle drei Methoden aber, welche diefes Uebel bekämpfen, nämlich Reinigung des Waffers vor der Verwendung, Keffelftein- Gegenmaffen und Schlamm( und Schaum-) Fänger, waren in der Ausstellung vertreten. Letztere crfcheinen bereits bei den einzelnen Keffeln erwähnt, bei welchen fie zur Anwendung kamen. Die Reinigung des Waffers vor feiner Verwendung war an den Meyn'fchen Keffeln der Carlshütte und bei den Sigl'fchen Keffeln( Patent Berenger) vorgeführt. Die Carlshütte begnügte fich, doppelt kohlenfaueren Kalk und Magnefia, welche die meiften Niederfchläge verurfachen, dadurch wegzufchaffen, dafs fie das Speifewaffer in einem( des Wechfels halber) zweier grofser Blechkäften in zertheilter Maffe verweilen läfst, welche der Abdampf der Mafchine durchzieht. Das Waffer fällt nämlich oben in den Kaften und im Zickzackwege über zwanzig eingefchobene Taffen, wobei es hoch erwärmt wird und die halbgebundene Kohlenfäure gröfstentheils verliert. Dann fallen aber die einfach kohlenfaueren Salze als unlöslich aus, und verbleiben auf den Taffen oder auf dem Coaksfilter, welches den Boden deckt. Das Mittel wirkt, wie ich mich verfchiedenen Orts überzeugte, beftimmt, aber doch nur theilweife, indem fämmtliche Kohlenfäure nur durch anhaltendes. Kochen ausgetrieben werden kann. Auch waren bei dem Meyn'fchen Keffel dennoch Schlammtaffen eingeftellt wie es bei deren Befchreibung oben erwähnt wurde; in diefen Taffen fanden fich ftets ganz beträchtliche Mengen von Niederfchlag. Der Berenger'fche Vorgang zum Weichmachen des Waffers, welcher in einem eigenen Zubau bei Sigl's Ausftellungskeffeln gepflogen wurde, ift gründlicher, aber etwas complicirter. Eine eigene kleine Dampfpumpe drückt nämlich klares Kalkwaffer( welches durch Abrühren von gelöfchtem Weifskalk mit dem hundertfachen Waffergewichte und Abfetzenlaffen erzeugt wird) rechtwinklig in das Zulaufrohr des Speifewaffers, worin fich beide mifchen und fämmtlicher doppelt kohlenfauerer Kalk in den unlöslichen einfach faueren verwandelt wird. Die fofort getrübte Flüffigkeit paffirt einen Windkeffel, worin fich die Vermengung und flockenförmige Ausfcheidung vollendet, und kommt nun durch ein Filter gereinigt in das Weichwaffer- Refervoir. Das Filter befteht aus Coaks und Holz- Hobelfpänen, welche zwifchen zwei Weidengeflechten in einem niederen Blechkeffel eingebracht find. Sein Widerftand, fowie das Auffteigen zum Refervoir mufs durch einen entsprechenden Ueberdruck des zulaufenden Waffers überwunden werden. Ob die Pumpe gerade die rechte Menge Kalkwaffers beibringt, kann durch zeitweilige( zweiftündige) Proben nachgefehen werden, welche einfach durch Ein7 x 98 J. F. Radinger. tauchen eines Streifens Curcumæpapieres und Zufchütten von frifchem Kalkwaffer in ein Glas voll gereinigten Waffers befteht. Wird erfteres geröthet, fo kommt zu viel, macht letzteres eine Trübung, fo kommt zu wenig Kalkwaffer zu, und der Gang der Pumpe wird darnach geregelt. Bei dem eben verwendeten Speifewaffer brauchte man circa 1/10 desfelben an Kalkwaffer und ein Filter von I Meter Durchmeffer und o.8 Meter Höhe läfst per Stunde etwas mehr als 3 Cubikmeter durch. Es hält ungefähr 14 Tage, bis es verlegt ift, wenn es nicht etwa ein plötzlicher Wafferdruck bis zur Undurchläffigkeit comprimirt. Stets find wenigftens zwei Filter für das Wechfeln noth. Nach dem Kalkzufatze könnte noch durch eine zweite Pumpe Soda oder Chlorbarium zugefpritzt werden, um auch den Gyps zu fällen. Diefs Ganze ift natürlich die rationellfte Art und entfernt beftimmt die fchädlichen Salze. Ob aber die Anlage- und( allerdings geringen) Erhaltungskoften, Raum etc. nicht ein Capital verlangen, mit deffen Intereffen man das Keffelputzen weitaus decken kann, und ob mögliche Störungen nicht dennoch verleidend auftreten iſt eine Specialfrage, die nicht allgemein zu entfcheiden kommt. - Bei den Ausstellungskeffeln wurde nur c'er kohlenfauere Kalk angefchafft, daher doch des Gypfes halber das Keffelputzen( aber feltener als fonft) nöthig wurde. Der Keffelstein- Apparat von Fr. Wohnlich. In Mitte eines Dampfdomes ſteht ein unten gefchloffenes Rohr aus Weifsblech, welches von der Kopfplatte des Domes bis zum Keffelboden reicht. Oben tritt das Speiferohr central hinein und mündet nahe dem unteren Ende des weiten Rohres, in welchem das Waffer auffteigt und an deffen Oberrande es überfällt. Aufsen trägt diefes Rohr eine aufgelöthete Spiralrinne, und das Waffer foll in diefer niederkreifend feine kohlenfaueren Salze ausfcheiden und zurücklaffen, indem es bereits ins Kochen kommend die halbgebundene Kohlenfäure verliert. Der Gyps foll dann durch Kochfalz und Catechu unfchädlich gemacht werden, welche zu gleichen Gewichtstheilen in einem gegebenen Verhältniffe zum Wafferinhalte des Keffels( ohne Analyfe?) einzubringen find. Von Zeit zu Zeit hat der Apparat gereinigt zu werden. Er ift wahrfcheinlich nur für kleine Keffel verwendbar, denn bei den riefigen Maffen, welche ein grofser Keffel gibt, würde er fich bald ganz begraben. Keffelftein Gegenmaffen allgemeiner Wirkfamkeit kann es felbftverftändlich nicht geben, nachdem die Mineralgehalte der Wäffer weit von einander weichen. Der Chemiker findet wohl die paffenden Zufätze und ihre Verhältniffe zu jedem Speifewaffer, welche deffen Rückstände entweder löfen oder pulve rig machen, jedoch in der Hand des Laien find alle diefe Mittel nur eine gefährliche Arznei. Oefter wird dann ein folches, für ein beftimmtes Waffer bewährtes, aber bei anderer Zufammenfetzung den Keffel unnöthig befchwerendes, wenn nicht gar fchädigendes Mittel von einem Unternehmer aufgefafst, mit billigen organifchen Subftanzen verunreinigt, um das„ Geheimnifs" zu bedecken, und dann Jedem verkauft, der es( über-) zahlt. In die Ausftellung kam nur: Die Keffelftein- Maffe von Carl König in Wien. Es ift immer erfreulich, wenn Jemand durch feine Erfindung nicht felbit enttäufcht wird, und Herr König ift fortwährend überzeugt, dafs feine Maffe zu„, 40 bis 65 Percent Erfparung an Brennmaterial und zur Verhütung jeder Exploſion bei Dampfkeffeln dient". Diefe Maffe befteht nur aus vegetabilifchen Stoffen, und wie es ein Handelschemiker in Hamburg dem Herrn König beftätigte, enthält fie Nichts, was dem Keffel oder den Ventilen fchädlich wäre. In der Ausftellung wurde fie einmal verfucht und hat fich auch dem Keffelfteine gegenüber ähnlich verhalten. Von den zahlreichen Atteften( hiefiger Firmen), welche während der Ausftellung darüber vertheilt wurden, war Keines unter zwanzig Jahre alt. Die Heiz- und Sicherheitsausrüftung der Keffel. Die Heizapparate. 99 Weitaus die meiſten Heizungen der Keffel gefchehen auf dem ebenen normalen Rofte, deffen Einfachheit nichts und deffen Wirkungsweife bei entſprechen. der Conftruction und Wartung nur wenig zu wünfchen übrig läfst. Gute( manchmal auch nur complicirte) Roftconftructionen oder folche, welche ihre Befchickung nur auf rationellere Art zulaffen als es der gröbfte Unverftand will, werden von ihren Erfindern meift ,, rauchverzehrende" genannt. Derartige waren auch mehrere in der Ausftellung zu finden, und wenn auch wo immer fie im Gange waren das Epitheta getrübt erfchien, fo foll doch nicht beftritten werden, dafs fie unter gewiffen Verhältniffen der Empfehlung werth fein können. In der Ausstellung waren mehrere folcher Rofte im Betriebe, aber vergleichende Verfuche wurden nicht vorgenommen, obgleich es bei einer guten Zahl von Keffeln, welche je in zwei congruenten Exemplaren vorlagen, um fo leichter möglich gewefen wäre, als auch der Dampfverbrauch( z. B. für den Pumpenbetrieb} conftant zu erhalten war. Andere folcher Heizapparate lagen kalt und liefsen einen Schlufs auf ihre Wirkung noch fchwieriger zu. Jene nachträglichen Einleitungen frifcher oder erwärmter Luft in den Verbrennraum oder die Züge, welche manchmal verfucht wurden und die fich gleichfalls, Rauchverbrennungen" benennen, kamen auf der Ausftellung gar nicht vor. Die Planroft e. Um der Kleinkohle bei dünnen Spalten und langen( ftarken) Stäben dennoch genügende Luft zuzuführen, ift die Verwendung der Querfpalten mit feitlich angegoffenen Kämmen ein bewährtes Mittel. Hier werden öfter zwei bis drei Stäbe zufammengegoffen, welche entweder fämmtlich oder deren nur einer( dann der mittlere) die aufliegende Laft der Kohle trägt. Um die Roftftäbc kühl zu halten, find fie manchmal mit Afchenrinnen, Querfchnitten oben oder mit Fenfterungen in der Mittelhöhe verfehen. Erfteres war beim amerikanifchen Keffel der Fall, deffen ganz maffive einfache Roftbarren 15 Meter lang und oben 25 Millimeter dick waren. Ueber den Nafen erhielten fie 40 Millimeter Breite, fo dafs die einzelnen Spalten 25 Millimeter Luft boten und nur für grobe Kohle pafsten. Die Querfpalten etc. waren bei den englifchen und deutfchen Roften häufig verwendet, deren Stäbe meift o 6 bis o 8 Meter lang waren und Breitfpalten von 10 Millimeter Luft frei liefsen. In Oefterreich find fie gleichfalls häufig verbreitet, wo fie nach dem Patentträger„ Zoder" benannt werden. Die Roftftäbe von Brüder Nobak& Fritze in Prag( ausgeftellt in der landwirthfchaftlichen Abtheilung) beruhen auf gleichem Principe, nur ftehen die Seitenkämme nicht fenkrecht, fondern beiderfeits unter circa 60 Grad vom tragenden Längsftabe weg. Aehnlich dem erften find auch fie für die geringfte Kleinkohle brauchbar und follen noch den Vortheil haben, dafs die Schürftange leichter die Schlacken abfchneidet, aber dennoch die Zähne des Roftes beffer fchont. Für Kleinkohle ift ferner die Verwendung ganz einfacher dünner Stäbe, welche dann nur kurz fein können, in ziemlicher Verbreitung. Sie bieten bis 5 Millimeter weite Spalten, aber weil die Roftfläche viele folcher Stäbe verlangt, kommt fie leichter in Unftand, als wenn fie aus weniger, aber zufammengegoffenen ftärkeren Stäben mit Querfugen befteht. Die dünnen, einfachen Stabe waren unter Anderem beim Dingler- und beim Sulzer- Keffel zu finden, wo fie( beim letzteren) diefer Bericht befchreibt. Schiefe Rofte werden für Dampfkeffel- Feuerungen wenig mehr verwendet und waren in der Ausftellung nur unter öfterreichiſchen Keffein zu finden. Jener im öfterreichifchen Keffelhaufe bei G. Sigl war der Zeh'fche Schüttelroft, deffen Längsftäbe nach einem kleineren Winkel, als derBöfchung des Kleinmateriales entſpricht, geneigt liegen. Durch eine von der Speifepumpe getriebene Transmiffion oder von der Hand des Wärters werden fie nun zeitweilig leife um ihre 100 J. F. Radinger. Längsachfe ofcillirend gefchüttelt, wodurch die Afche durchfällt und die Kohle nach abwärts gleitet. Oben ift aber ein Fülltrichter mit Stellfchieber, durch welchen das Material fich erfetzt. Die Schlacke fammelt fich endlich unten auf einem Kipprofte. Dabei kommt kein Oeffnen einer Heizthüre vor, aber fchliefsbare kleine Schaulöcher geftatten den Verfolg des Feuers. Der Bolzano- Roft, der ähnlich wirkt, erfcheint fchon oben bei den Bolzano- Tedesco- Keffeln befchrieben, nachdem er diefer Firma eigenthümlich ift. Von neueren Heizapparaten waren nur noch drei ausgeftellt: F. A. Grüner's Dampfkeffel- Feuerung( Oederau in Sachfen) befteht aus einem fchwach muldenförmigen Rofte mit querliegenden Roftftäben, welcher durch einen feitlichen Fülltrichter und Füllftollen befchickt wird. In dem langen Füllftollen foll die Kohle vorgewärmt werden und keine kalte Luft in den Keffel kommen, wenn jene vorgeftofsen wird. Aufser diefer feitlichen Füllöffnung befindet fich aber noch eine Thüre in der Stirnwand zum Schlackenputzen. Diefe kann nicht geöffnet werden, ohne den Rauchfchieber bis auf eine ganz fchmale Oeffnung( 2 Centimeter) zu fchliefsen, indem der Thürkegel eine Rolle trägt, um welche die Regifterkette gefchlungen ift. Diefe Rolle wird nicht direct, fondern durch eine feintheilige leicht lösliche Klauenkuppelung mitgenommen, wodurch die Verftellbarkeit des Schiebers von Hand aus gewahrt bleibt. Das Kohlenerfparnifs foll dabei laut Profpect ,, bis 30 Percent mindeftens" betragen. Dillwyn Smith'fcher felbftthätiger Feuerungsapparat. Im deutfchen Keffelhaufe war von den Patenterwerbern Pieper& Heine in Dresden ein völlig neuer Feuerungsapparat aufgeftellt, mit welchem eine hohe Erfparnifs, aber nicht durch befonders höhere Ausbeute des Heizmateriales, fondern durch die Verwendung desfelben in deffen billigfter Form der Staubkohle erzielt werden foll. Der Apparat befteht aus einem flachen gufseifernen Kaften, welcher ober der mit Spaltfchieber verfehenen Heizthüre an den Feuerraum mündet. In diefem Kaften drehen fich rafch zwei Kreisplatten, deren je vier angegoffen niedrige, radiale Flügelrippen den Kohlenftaub ins Feuer fchleudern, welches fich aus den niederfallenden gröfseren Theilchen vom Rofte aus entwickelt. Die Verbrennung des Staubes gefchieht alfo in jener heifsen Luft, die für die liegende Schicht überflüffig durch die Roftfpalten kommt, und foll Folge deffen ziemlich vollſtändig und rauchfrei vor fich gehen. An anderen Beftandtheilen enthält der Apparat noch einen feitwärts ftehenden Fülltrichter, aus dem der Kohlengries in ein weites, horizontales Gufsrohr finkt, in welchem fich eine Fortbewegungsfchraube langfam dreht. Das Rohr mündet oberhalb zwifchen den beiden Schleuderplatten und diefe ftreuen den Staub über die Gluth. Die zugeführte Kohlenmenge läfst fich auf doppelte Art reguliren; erftens ift die Weite der Einfallsfpalte mit einem Schieber verftellbar, und zweitens erfolgt der Antrieb der Speifefchnecke mittelft Schraubenrad und einem Riemen- Conuspaare von einer verticalen Haupt- Antriebswelle aus. An dem Fufse der letzteren fitzt nämlich die eine Schleuderplatte, während die andere durch einen gekreuzten Riementrieb oben mitgenommen wird. In ihrer halben Höhe trägt aber die Welle einen nach aufwärts zulaufenden Riemenconus, von welchem der Riemen zu jenem abwärts fpitzen Conus führt, der auf der Verticalwelle des Wurmrades fitzt. Diefer greift in das Zahnrad der Zubringungsfchnecke ein, deren Tourenzahl oder Leiftung fich nun durch Verfchiebung des Riemens an dem Conus in weiten Grenzen ändern läfst. Die Schleuderteller hatten ungefähr je 350 Millimeter Durchmeffer und 30 Rippenhöhe. Ihre Achfen waren circa 380 Millimeter von einander entfernt Das Gufsrohr, in welchem die( gufseiferne) Schnecke ging, hatte 200 Millimeter Die Heiz- und Sicherheits- Ausrüftung der Keffel. 101 lichte Weite, und war mit zwei Putz- oder Schaulöchern verfehen. Zum Betriebe foll Pferdekraft ausreichen, was ganz glaubwürdig erfcheint. Diefer Apparat verbrennt nun thatfächlich Staubkohle nach Profeffor Weifs's verlässlichem Zeugniffe. Die Verdampffähigkeit derfelben ftellt fich etwas geringer heraus, als jene der Stückkohle, weil, abgefehen von der geringeren Reinheit, wahrfcheinlich einige Percente des Keffelftaubes unverbrannt durch die Effe gingen. Da fich aber der Preis loco Grube zwifchen beiden Sorten ungefähr wie 2: I verhält, fo ift dort ein ganz bedeutendes Erfparnifs gewifs. In weiteren Entfernungen vermindert fich der Vortheil, weil die gleichbleibende Centnerfracht den Preisunterfchied mehr und mehr verwifcht; aber dennoch bleibt er pofitiv, wenn keine anderen Nachtheile vorkommen, was ich bei dem leer und kalt ftehenden Ausftellungsapparate nicht beurtheilen konnte. In England follen deren einige fechzig in Thätigkeit fein. Alex. Friedmann's Heizung der Schiffskeffel. Nachdem der Erfinder felbft den Bericht über das Marinewefen geliefert hat und darin diefe vorgefchlagene und in Zeichnung ausgeftellte Feuerung ausführlich behandelt( auch die Schiffskeffel überhaupt diefer vorliegenden Arbeit entfallen), fo wäre hier keine Erwähnung derfelben noth. Weil aber diefe Feuerung auch für ftabile Keffel ihre Zukunft haben kann und dafür fofort anwendbar fcheint, wenn fie fich nur erft bei dem eben in Ausführung begriffenen Verfuche bewährt, fo gebührt ihr auch hier der Platz. Alex. Friedmann fchlägt vor, einen Schachtofen, ungefähr wie einen grofsen Cupolofen, ohne jedweden Feuerroft, aber mit einer verfchliefsbaren Gichtöffnung und Gasauffang- Vorrichtung verfehen aufzuftellen, und mittelft eines Ventilators oder fonftigen Gebläfes und mittelft Zufchläge behufs Verwandlung der Afchentheile in flüffige Schlacke zu betreiben. Die Füllung foll mittelft eines Kipptroges( Tabernakel) von der Gicht aus erfolgen, fo dafs der Abfchlufs des inneren Brennraumes von diefer Seite ein ftetiger bleibt. Die Gebläfeluft foll aus einem äufseren concentrifchen Mantel, der als Windrefervoir und Luftvorwärmer dient, durch Düfen in den Ofen ftrömen und die unterfte Kohlenfchichte zu Kohlenfäure verbrennen. Die dabei auftretende hohe Temperatur wird die Schlacken niederfchmelzen, welche zeitweilig durch eine Form abzuziehen find. Die entstandene heifse Kohlenfäure aber fteigt durch die nächfthöheren rothglühenden Schichten der Kohle des Ofens. In Berührung mit diefen reducirt fie fich zu Kohlenoxydgas, welches nun nebft den Producten der trockenen Deftillation in den oberften Theilen und ziemlich abgekühlt zum Gasfang kommt, von wo fie die Gasleitung unter den( die) Keffel führt. Dort wird fie nun fo verbrannt, wie es bei Feuerungen mit Gichtgafen erprobter Weife gefchieht. Durch einen derartigen Gasofen würde das Heizen leicht, und der Vortheil der neuen Methode müfste ihr defto fchneller Bahn brechen, je mehr Feuerftellen nebeneinander ftehen und je mühfamer die Bedienung der Rofte fei es wegen der Gröfse oder der Kohlenbefchaffenheit gegenwärtig ift. Ich erkundigte mich bei einem unferer erften Chemiker, welcher mir das Thatfächliche der eintretenden Reduction der Kohlenfäure zu Kohlenoxydgas beftätigte, wenn erftere vor den Düfen entſtehend durch die oberen glühenden Kohlenfchichten bricht. Vom Standpunkte der Ausführbarkeit kann alfo diefes Project kein Vorwurf treffen. Und follten die Verfuche, welche eben im Beginnen find, das factifche Auftreten der anderweitigen Vortheile darlegen, welche man von diefer neuen Heizmethode zu erwarten Recht hat, fo könnte eine durchgreifende Verbefferung der Heizanlagen und nicht nur auf den Schiffen allein erwachfen. Hauptfächlich wäre es dann die Luft, deren zuzuführende Mengen mit genauer Hand zu regeln 102 J. F. Radinger. S ftünde und eine volle Ausbeute des Heizeffectes der Kohle geben müfste, wie es bei keinem Rofte der Fall ift. Aber auch der Nachtheil des oftmaligen Heizthür- Oeffnens und die Mühe des Kohlenaufwerfens und Schürens würde gänzlich entfallen. Ferner wäre hier noch zu erwähnen: Wohnlich's Verfahren, die Abfälle der Coaks- und Steinkohlen- Feuerungen zu fcheiden und wieder zum Feuern zu benützen; es beſteht aus einem Wafchen und Sieben der Abfälle mit höchft einfachen Apparaten( Bottich und Siebe), wobei fich bei gewiffen Brennmaterialien und Heizungen ein nicht zu verachtender Gewinn zu ergeben fcheint. Sonft aber fchien anderes Brennmaterial als directe Kohle der Thatfache im Widerspruch, aber der Ausftellung nach kaum zu exiftiren. Von Heizungen mit Ueberhitzen oder( Hochofen etc.) Gafen fiel mir nichts Erinnernswerthes auf. Die Heizung mit Stroh ift eine gelöfte Frage und die dafür verwendeten ( neuen) Apparate find bei den Locomobilkeffeln, an welchen fie vorkamen, bereits befchrieben. Aber die Verbrennung von Sägefpänen, Lohe und ähnlichen Abfällen, worin in den letzten Jahren wefentliche Fortfchritte gemacht wurden, zeigte kein einziges Object. Schliefslich ift noch anzuführen: Petroleumheizung von F. Janke in Brünn. Der naheliegende Gedanke, Petroleum als Heizmittel einzuführen, fcheiterte bis heute am Koftenpunkte. Nach der chemifchen Zufammenfetzung berechnet fich deffen Heizkraft auf circa 11.000 Wärme- Einheiten, und daraus, fowie aus dem nachfolgenden Verfuche des Ingenieurs Janke ergibt fich der Heizwerth desfelben als ungefähr doppelt fo grofs als jener der Steinkohlen. Wären alfo die Preife im annähernd gleichen Verhältniffe, fo könnten Vortheile anderer Art wohl für deffen Anwendung fprechen. Heute ift aber diefes Preisverhältnifs mindeſtens 16: 1, das heifst dem Feuerungswerthe nach achtmal zu theuer, und fo verwehrt fich diefes Heizmaterial fchon aus diefem Grund allein. Anders würde fich bereits die Sache geftalten, wenn ftatt des raffinirten Productes die rohen oder jene„ Schweröle" genommen würden, welche bei der Deftillation des Rohpetroleums und des Ozokerits zurückbleiben. Diefe find der chemifchen Zufammenfetzung, alfo dem Heizwerthe nach dem theureren Producte gleich, werden aber nur der Erzeugung von Schmieren, von Leuchtgas und ähnlichen vereinzelten Verwendungen zugeführt, und ihr Preis ift nur ungefähr halb fo hoch oder noch weniger als der des überall gefuchten Leuchtöles. Auch wäre deffen höhere Entzündungstemperatur( 200 Grad Celfius) der Grofsverwendung günftiger, indem unter Anderem auch die Gefahr mit dem Steigen jener finkt. Die Ausftellung zeigte aber keinen Verfuch einer neuen derartigen Verwendung des letzteren zur Heizung, welche überdiefs noch immerhin( bei uns) drei bis viermal theuerer käme als mit Kohlen. F. Janke fuchte aber durch Zeichnungen zu verfinnlichen, wie er fich die Verwerthung des raffinirten Petroleums zu Heizzwecken denkt. Unter dem betreffen. den Röhrenkeffel foll einfach eine gröfsere Zahl von gewöhnlichen, grofsen Petroleumlampen mit Rundflammen brennen. Da deren Gläfer nie fpringen und keine Lampe raucht, fo wäre die Wartung leicht und ein Schornftein unnöthig. Für die Kleininduftrie follte die Keffelfeuerung gleichzeitig das Arbeitslocal heizen und beleuchten. Herr Janke theilte Verfuche mit, welche er an einem älteren Keffel von 0.5 Meter Durchmeffer und 1 Meter Länge mit 10 Stück Petroleum RundbrennerLampen( Dochtdurchmeffer 40 Millimeter) angeftellt hatte, wobei der Waffer Die Heiz- und Sicherheits- Ausrüftung der Keffel. 103 inhalt von 425 Kilogramm in 100 Minuten von 15 auf 100 Grad Celfius erwärmt wurde. Nach 30 weiteren Minuten zeigte das regelmäfsig anfteigende Manometer circa 12 Atmoſphären und nun wurde eine Stunde lang der fich bildende Dampf bei I Atmosphäre Druck im Keffel abgelaffen. Darauf wurde der ganze übrige Dampf freigegeben, und nun ergab fich das( nicht näher klargeftellte) Refultat, dafs das Petroleum fein vierzehnfaches Gewicht an Waffer verdampfte. Die Schornfteine. Die für die Verbrennung nöthige Luftmenge wurde den geheizten Grofskeffeln der Ausftellung ausfchliefslich durch den natürlichen Luftzug hoher Kamine befchafft. Auch unter den übrigen Ausftellungsgegenständen war mit felbftverſtändlicher Ausnahme der Verwendung des Blasrohres bei Locomobil- und Locomotivkeffeln kein anderes Luft- Förderungsmittel für die Keffelfeuerung vorgeführt, und fo erfcheint denn diefes als das allein herrfchende. Die Schornfteine der Ausftellung hatten mit geringen Ausnahmen je 30 Meter Höhe und einen Querfchnitt, welcher 1/3 bis 14 der zu verforgenden Roftfläche entſprach. Alle waren mit Rückficht ihrer Verwerthbarkeit nach der halbjährigen Benützung in Eifenblech ausgeführt, und entbehrten oben frei mündend aller Funkennetze, Zugsklappen, Regendächer, Blitzableiter und ähnlicher Beigaben zweifelhaften Werthes. Faft fämmtliche Schornfteine wurden von der Mafchinenfabrik Bolzano, Tedesco& Comp. in Prag- Schlan geliefert, und diefe hatten durchwegs 30 Meter Höhe Schaft und einen in Cement gemauerten Unterbau, deffen Höhe ober dem Grund zwifchen I und 32 Meter fchwankte. Der Schaft beftand ftets aus 32 conifchen einfachen Trommeln, deren unterfte vier in 6 Millimeter, die mittleren vier zehn in 5 Millimeter und der oberfte Reft in 4 Millimeter dickem Bleche ausgeführt waren. Unten war jeder Schornftein mit einem Winkelringe an die Kreisflanfche eines Gufskranzes gefchraubt, welcher mit der quadratifchen Grundplatte durch ein cylindrifches, rippenverfteiftes Zwiſchenftück zufammengegoffen war. Jede Grundplatte hielten vier nach abwärts divergirende Fundamentfchrauben nieder, die tief im Mauerwerke ihre Gegenplatten untergriffen. Im oberen Drittel der Höhe fetzten fich drei Sturmketten mit Spannkloben an, welche meift an Pilotenköpfen mit Durchfteckfchrauben hingen. Oben endete jeder Schaft fchmucklos cylindrifch und nur mit einem umnietheten Flacheifenringe armirt, der eine kleine Kettenrolle trug. An grofsen Kaminen wurden durch die Generaldirection eilf Stück in vier Gröfsen aufgeftellt, und zwar: 4 Stück à o 79 Meter Durchmeffer, 30 Meter Höhe je für die Keffelhäufer Amerika, 4" 2 m " " I OO P " 9 I'20 " I" " 1.26 " 29 Frankreich, Belgien und die Schweiz; 30 Meter Höhe bei den Keffelhäufern England, und Oefterreich( I für Cater- Walker- und für Howard- Keffel zufammen, je I für Niederdruck-, Hochdruck und Fontainen- Wafferleitung, alfo: I für Fink- und Fairbairn- Keffel zufammen, I für 2 Dupuis- und 1 für 2 Tedesco- Keffel); 30 Meter Höhe für die Keffelhäufer Deutſchland und Oefterreich( 1 für Affolter- und 2 Paukfch. Freund- Keffel zufammen, I für die 3 Keffel von Sigl); 30 Meter Höhe für das Keffelhaus England( für die 2 Galloway- und die 2 Adamfon- Keffel zufammen). 8 104 J. F. Radinger. Die Heiz- und Sicherheitsausrüftung der Keffel. Die Gewichte und Preife diefer Schornfteine ftellten fich folgendermafsen: Gewicht in Kilogrammen. Durchmeffer in Metern 0.79 I OO I'20 1.26 Gegenplatten, Ankerfchrauben und Muttern Fundamentplatten Schaft fammt oberem Ringe und Rollen. Schrauben, Sturmketten und Kloben • • Gefammtgewicht. · - 251 630 • 520 532 740 753 3308 4065 4635 4824 172 1 72 225 233 4000 5020 5600 6440 Zu den Schornfteinen von 0.79 und 120 Meter wurden die Fundirungstheile anderwärts bezogen. Die Totalpreife betrugen 44 fl. bis 40 fl. per 100 Kilogramm, fallend nach der fteigenden Gröfse. Daraus ergibt fich das Eifengewicht des Schornfteines von I Meter Durchmeffer mit 167 Kilogramm( bei 1 26 Meter mit 215 Kilogramm) per Meter Schaftlänge und der Preis 68 fl. 81 kr., was ungefähr auch ein fteinerner Schlot koftet. Bei diefen Preifen war die Aufftellung( exclufive Fracht) mit inbegriffen, jedoch wurden die Ausgaben für Taglöhner, Gerüftung, Winden etc. von der Generaldirection getragen. Die Kamine wurden in drei Theilen gefandt, an Ort und Stelle verniethet und in einem Stücke aufgeftellt. Ausserdem beforgten einige Ausfteller ihre Kamine felbft. Die Einmauerung fämmtlicher Keffel wurde vom Bauunternehmer Ingenieur Seliger in Wien nach den Originalplänen der ausftellenden Firmen in einer Weife vorgenommen, welche felbft ein vorzüglicher Ausftellungsgegenftand war. Er proponirte, die Schornfteine nach feinem Patente doppelwandig in 15 Centimeter dickem Ziegel- Mauerwerke mit einer Luftfpalte zwifchen aufzuführen. Diefes wurde aber durch die Zeit verwehrt. Die Kohlen für die Heizung der ausgeftellten Keffel wurden von der General direction unentgeltlich beigeftellt; ihr felbft lieferte fie eine grofse Kohlenfirma zu den Geftehungskoften.