'MVk-Sidl Uk so Die Aarfumerie derr ^Irerrerr ^Deilcrrts^elsrtNA im Jahre 1873. Fachbmchk von Aosef BanKmami) k. k. Hof-Parfumeriewaaren-Fabrikant. (Z»rämiirt mit der sikvernen Medaille des „Miederöflerreichischen Hewerve-Fereines.") Wien, 1876. ' Druck von A. Keiß L Ph. Lob. — Verlag von Josef Bankmann. Die Mrlmnerie L»ei7 ^Drerrerr ^DeHcrus^ellurrA im Jahre 1873. Fachbmchr von Folrf BanKmanN) k. k. Hof-Parfumeriewaaren-Fabrikant. (^rämiirt mit der lilöernen Medaille des „HNederökerreichikchen Hewcröe-Wereines.") liL VL RLL'r 18 LL Wien, 1876. Druck von A. Keiß L Ph. LLb. — Verlag von Josef Bankmann. .L7^l nyi,L. mr . nnl-.mLuE 1ld'ii-.ö s- » ^>» »»« t>»rr. ^venige der auf der Weltausstellung zur Concurrenz erschienenen Industriezweige bieten gleich viele Schwierigkeiten für eine eingehende vergleichende Berichterstattung wie die Parfumerie. Einer unserer hervorragendsten Gelehrten, Professor Dr. Heinrich Hlasiwetz, hat erklärt, daß es fast unmöglich sei, einen vollständig zutreffenden Vergleich zwischen der auf die Riechstoffe basirten Industrie der verschiedenen Länder zu ziehen, wenn dieser Vergleich nur auf diejenigen Erzeugnisse beschränkt bleiben muß, welche zur Weltausstellung gebracht wurden. Hiezu genügt die Besichtigung einer Anzahl hübsch ausgestellter Objecte ebensowenig, als einige auf Treu und Glauben hinzunehmende Angaben über Import und Export. Für ein sicheres Urtheil müßte man die Arbeit in der Werkstätte, in der Fabrik aufsuchen. Dennoch ist das, was der Fachmann aus den auf der Ausstellung befindlichen Proben ersehen und lernen konnte, wichtig genug, um zu einer kritischen Beleuchtung nicht sowohl der einzelnen Objecte selbst als der Gesammtheit der Produktion in den verschiedenen Ländern anzuregen, und namentlich sind die aus dem Gesammt- bilde resultirenden Schlußfolgerungen und Lehren für das klimatisch so günstig situirte Oesterreich-Ungarn von so weittragender Bedeutung, daß es nicht nur als lohnende Aufgabe, sondern vielmehr als Pflicht erscheint, den heimischen Unternehmungsgeist auf die bedeutenden Ressourcen aufmerksam zu machen, welche der vaterländisch« Boden der Production eines großen Theiles der in der Parfumerie-Fabrication verwendeten Riechstoffe bieten könnte. Erfahrungsgemäß entwickelt sich die Parfumerie-Fabrication von Jahr zu Jahr in Bezug auf das Quantum ihrer Erzeugnisse, weil sich die Consumtion stets steigert. Vor Eröffnung der Schienenwege stand die Erzeugung von Riechstoffen im südlichen Frankreich aus einem so niedrigen Niveau, wie jene in der Türkei noch heute; sie hat sich seit- 4 dem verhundertfacht und kann trotz der hohen Preise, die für ihre Präparate bezahlt werden müssen, heute kaum allen Aufträgen genügen. Und doch hat auch diese Fabrication sich alle für sie verwerthbaren Fortschritte der Technik zunutze gemacht, und so wie ihre fertigen Erzeugnisse heute nicht mehr auf Karren nach Paris geschleppt werden, sondern auf den Schieneufträngen nach ganz Europa ihre Verbreitung finden, so leistet auch bei deren Herstellung die Maschine jene Arbeit, welche Tausende von Menschenhänden sonst nur mühselig schaffen konnten. Auch in Oesterreich hat die Parfumerie in den letzten Decen- nien einen erfreulichen Aufschwung genommen, und trotz der bisherigen vollständigen Abhängigkeit vom Auslande — was die Riechstoffe anbelangt — hat sich die österreichische Production von Wohlgerüchen und wohlriechenden Präparaten doch so sehr gekräftigt und entwickelt, daß mehrere Toilette-Artikel, sowohl Riechwässer als feine Seifen, nicht nur nach unserem natürlichen Absatzgebiete, dem Osten, sondern auch nach dem Westen Europa s, Frankreich und England, ja selbst — trotz der hohen Eingangszölle — erfolgreich, insbesondere von Wiener Firmen, in die Vereinigten Staaten Nordamerikas exportirt werden. Bei diesem günstigen Stande österreichischer Fabrication von Parfumeriewaaren würden rationelle Bestrebungen, dieselbe in Bezug auf einen Theil der Riechstoffe vom Auslande unabhängig zu machen, gewiß reiche Früchte tragen, und es unterliegt keinem Zweifel, daß wir auf dem heimischen Boden selbst einige Specialitäten zu schaffen vermöchten, mit welchen wir jede Concurrenz auf dem Weltmärkte erfolgreich aufnehmen könnten. Ein Beleg hiefür ist das seinerzeit so sehr gesuchte und besonders in England ungemein beliebte, aus ungarischem Rosmarin erzeugte Lau äs illou- §ris, welches von Piesse jedem Prediger und Redner als besonders erfrischend und die Gedächtnißnerven erregend anempfohlen wird, das aber leider in den Expositionen der österreichischen Parfumerie- Waaren-Fabrikanten vollständig fehlte. Ueberdies hängt die Parfum-Industrie mit vielen anderen Industriezweigen so innig zusammen, daß ein weiterer Aufschwung der ersteren auch anderen Branchen reichliche Arbeit schaffen würde. Da das Product ein täglicher Consumtionsartikel ist, welcher mit 5 Geschmack, ja oft mit reicher Eleganz ausgestattet werden muß verbrauchen die Parfumeriewaaren-Fabriken dem Uneingeweihten ganz unglaublich erscheinende Massen von Cartonnagen, Luxuspapieren, feinen Stoffen, Flacons, Thon- und Porzellangefäßen Metallkapseln u. dgl. Diese Erwägung ist es hauptsächlich, welche dem Verfasser den Gedanken nahe legte, die vorliegende Arbeit dem für die Entwicklung der heimischen Industrie so verdienten Niederösterreichischen Gewerbe-Vereine zu unterbreiten. Auf einem Boden, auf welchem jede gesunde Idee fruchtbringend fortwirkt, in einem Kreise von Männern, deren verschiedenartige Special-Jnteressen sich zu dem gemeinsamen hohen Ziel vereinigen, Oesterreichs Industrie überhaupt zu heben und zu Pflegen, werden die bleibenden Ergebnisse einer Weltausstellung gewiß nicht in der Aufzählung, Classisication und Würdigung der einzelnen Erzeugnisse einer Industrie-Branche gesucht, sondern in der allgemeinen Erkenntniß, welche die Exposition der Erzeugnisse aller Nationen gefördert hat, und in dem Nutzen, welcher aus dieser Erkenntniß für das Vaterland zu ziehen ist. In diesem Sinne ist denn auch die vorliegende Abhandlung bestrebt, das in der Ausstellung räumlich Auseinandergehaltcne aneinander zu reihen, mit dem Zwecke: 1. den Stand der österreichischen Parfumeriewaaren-Fabrication in deren einzelnen Unterabtheilungen im Verhältniß zur ausländischen zu beleuchten; 2. di« neuen und mustergiltigcn Artikel aller Waarenkategorien hervorzuheben, und 3. das der österreichischen Industrie zur Nachbildung, Verbesserung und Erweiterung besonders Empfehlenswerthe zu präcisiren. An Rohstoffen für die eigentliche Parfumerie bot die Ausstellung nur wenig gänzlich Neues. Wie bekannt, geben die vegetabilischen Riechstoffe, welche flüssig als ätherische Oele, oder fest als Camphore, oder endlich in der Form von Pomaden in den Handel kommen, die vorzüglichsten Grundlagen für die Parfumerie. Die allerbedeutendste Productions-Region solcher Rohstoffe für das Parfumeur-Gewerbe finden wir in Südfrankreich, insbesondere im Departement äos Hp68 nraritimos. Hier sowohl wie in Algerien und in Italien werden 6 die feinsten Riechstoffe auf kaltem Wege gewonnen, und zwar durch die diesen Ländern eigenthümliche Methode der Absorption (Lu- llsnraZs). Diese Methode liefert unübertroffen feine Parfums sowohl in Form fetter Oele als in der Gestalt von Pomaden, und verdient auch bei uns eingebürgert und sorgfältigst gepflegt zu werden. Bisher wurde die Absorption oder Enfleurage nur von wenigen österreichischen Häusern, und obschon mit gutem Erfolge V. von Franz Prohaska in Prag mit Reseda), doch nur in kleinem Maßstabe betrieben. Mit Bedauern vermißten wir im Jndustriepalast die bedeutendsten französischen Producenten, wie Hermann Pascat, Pilar, Mero, Boiveau und L'Hermine aus Cannes, Grasse und Nizza. Dennoch war dasjenige, was von verhältnißmäßig sehr wenigen Firmen gezeigt wurde, vollständig genügend, um den ersten Rang dieses Landes nicht nur in Bezug auf die Parfumerie überhaupt, sondern insbesondere in der Hervorbringung von Grundelementen für dieselbe zu documentiren. Die Firmen Antoine Chiris, Lautier 61s, Bertrand Roure tiis in Grasse, Ronfils 1'rsr68 L Co. in Carpentras, Jean Baptist Rigaud L Co. in Paris brachten die, allen Fachmännern wohlbekannten unübertrefflichen Riechstoffe in Blüthen pomaden, fetten und ätherischen Oelen. Alle Verhältnisse wirken zusammen, um die Erzeugung vegetabilischer Riechstoffe im südlichen Frankreich über jede Concurrenz erhaben zu erhalten: die günstige geographische Lage mit dem herrlichsten Klima, langjährige, sorgfältige Pflege der Blumenzucht, mit der Möglichkeit, aus den verschiedenen Bodenstufen von den Alpenaus- läufern bis zum Meeresstrande neben vielen in reicher Fülle wildwachsenden aromatischen Pflanzen eine große Zahl der werthvollsten duftigen Gewächse auf gedrängtem Raume zu cultiviren, die ungewöhnliche Arbeitsamkeit der Landesbewohner mit dem industriö- sen Geiste des Kapitals und der Wissenschaftlichkeit in der Benützung der Naturproducte. So waren denn auch die Resultate dieser hochentwickelten Industrie, welche wir auf unserer Weltausstellung sahen, zwar nicht neu, aber von größter Vollkommenheit. Die Pomaden und fetten Blüthenöle, welche der Parfumerie die 7 feinsten und unentbehrlichsten Riechstoffe zuführen, werden durch die Methode der Absorption, d. h. im Wege der Aufsaugung des in den Blüthen enthaltenen Riechstoffes durch Fett oder Oel auf kaltem Wege gewonnen. Veilchen, Jasmin, Tuberose, Cassia, Akazie (.4eaeia I'arnosialla), Heliotrope, Jonquille und Reseda enthalten so subtile Gerüche und in verhältnißmäßig so geringen Quantitäten, daß für dieselben die für die Gewinnung von Riechstoffen anderer Pflanzen gebräuchlichen Operationen der Maceration, Pressung und Destillation nicht anzuwenden sind, ohne die Feinheit und charakteristische Eigenthümlichkeit des Parfums zu gefährden. Rosen- und Qrangenblüthen werden zwar auch destillirt, geben jedoch als ätherische Oele oder als auf warmem Wege (mittelst Maceration) erzeugte Pomaden nicht so zart duftende Wohlgerüche, wie solche von den Parfumeurs für die feinsten Extraits oder Essenzen zuvörderst gesucht sind. Auf kaltem Wege werden die Pomaden hergestellt, indem man 60 Centim. breite und 1 Meter lange, in 8 Centim. hohe Holzrahmen eingeschlossene Glastafeln (6llÜ88i8) mit einer circa 8 Millim. hohen Schichte von höchst gereinigtem Fett gleichmäßig bedeckt und die Blüthen, deren Duft fixirt werden soll, in das Fett einsetzt. Zu den Pomaden, aus welchen die „Extraits" gezogen werden sollen, wird Schweinefett, zu jenen, welche in der Kosmetik als eorp8 äurs Verwendung finden, Rinderfett genommen. Die Okapis werden nun dergestalt aus einander gestellt, daß der Raum, in welchem sich die Blüthen befinden, durch die Rahmen nach allen Seiten abgeschlossen ist. Durch die dem Fette innewohnende Kraft, die Gerüche zu adhäriren, in sich aufzunehmen, geht der Riechstoff aus den Pflanzen binnen einer für jede derselben bestimmten Zeit (12 bis 72 Stunden) vollständig in das Fett über. Nach dieser Frist werden die nun geruchlos gewordenen Blüthen entfernt und so lange durch neue ersetzt, bis das Fett den gewünschten Geruchsgehalt gewonnen hat. Dieser Gehalt wird für den Handel mit den Nummern 6, 12 und 24 bestimmt; die mittlere dieser Nummern wird selten begehrt. In der Gehaltsbezeichnung nun bot uns die Exposition etwas nicht unerhebliches Neues. Das Haus Bertrand Roure tils aus Grasse hatte Pomaden mit der Nummer 240 dargestellt und be- 8 zeichnete uns als den hauptsächlichsten Zweck dieser Neuerung den Import nach jenen Ländern, in welchen, wie z. B. in Rußland und den Vereinigten Staaten Nordamerikas, hohe Eingangszölle auf parfumirte Fette bestehen. Ob diese Neuerung auch den gewünschten Erfolg haben werde, müssen wir insolange bezweifeln, als die Erfahrung uns nicht eines Bessern belehrt. Gewiß werden sich nur wenige Parfumeure zu dem, dem zehnfach erhöhten Geruchsgehalte entsprechenden hohen Preise verstehen, bis sie nicht die Ueberzeugung gewonnen haben, daß sie damit auch einen verhält- nißmäßig verstärkten Nutzeffect erzielen können. Eine weitere bedeutende Neuerung, wie uns dünkt, und gleichfalls für den Export nach ferneren Gegenden berechnet, führte uns Antoine Chiris (Graste) in seinen parfumirten Paraffinblöcken vor. Gleich dem Fette mittelst Absorption auf einen bestimmten Riechstoffgehalt gebracht, werden diese Paraffinblöcke bei ihrer Verwendung durch den Parfumeur geschabt und in Alkohol digerirt, wonach das entruchte Paraffin neue Verwendung finden kann. Wir halten diese Benützung des Paraffins zur Fixirung des Riechstoffes besonders für die Zwecke längerer Aufbewahrung und des Transportes nach entlegenen südlichen Gegenden als von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit. Eine hohe Meinung mußte der Beschauer der französischen Colonial-Expositionen von dem Geschicke gewinnen, mit welchem die alte Riechstoff-Industrie des Mutterlandes besonders nach Algerien übertragen wurde. Durch die Firmen: Chiris, Mercurin, Delorme, Barthelomy, Archambault, Jules Salles, Galante und die Oom- xuAuis trauysE waren ganz ausgezeichnete ätherische Oele von Geranium, Rosen, Orangen, Limette, Eucalyptus, Lavendel, Neroli, u. m. A. gezeigt. Bemerkenswerth waren auch die Ricinusöle, welche bei der Toiletteseifen-Fabrication eine immer ausgedehntere Verwendung finden. Die Loeisttz inäustriollo et artistiguo äo Llouaeo (Mad. Marie Blanc) zeigte uns eine reiche Collectiv» von ätherischen Oelen und riechenden Wässern, welche sich würdig an die französische Nachbar-Industrie anreihen und zum Theile derselben entstammen. Insbesondere machten sich Eucalyptus-Präparate bemerkbar, 9 welche in neuester Zeit sowohl in der Parfumerie als auch in der Pharmacie und in der Liqueurfabrication sehr ausgedehnte Verwendung finden. Die Erfolge, welche der Reisende und Naturforscher Ramel mit der Verpflanzung des Eucalyptus, eines zur Familie der Myr- lhengewächse gehörigen australischen Baumes, nach Europa erzielte, sollten auch österreichischen Reisenden zur Nacheiferung dienen. Seit dem Berichte, welchen Ramel 1866 über die Resultate der auf seine Veranlassung in Algerien geschehenen Acclimatisations- versuche mit einigen Eucalyptusarten und der mit denselben vorgenommenen medicinischen Experimente an die Pariser medicinische Akademie erstattete, gewinnt die Pflege des Eucalyptusbaumes., namentlich des bi. ^lobulus, in Südfrankreich und Italien immer größere Ausdehnung, und wurde die Parfumerie durch das aus demselben gewonnene ätherische Oel mit einem werthvollen Riechstoffe namentlich zur Toiletteseifen-Fabrication bereichert. Die italienische Production von ätherischen Oelen ist auf wenige Arten beschränkt; diese jedoch, und zwar Citronen-, Orangenschalen- und Bergamotte-Oele, werden auf Si eilten und in Calabrien im großartigsten Maßstabe und von fast allen Producenten in gleicher Vollkommenheit dargestellt, wie dies die zahlreichen auf der Ausstellung gewesenen Muster erwiesen. Die Gewinnung dieser Oele geschieht entweder wie in Südfrankreich durch Pressen der Schalen, oder auf eine ganz eigenthümliche Weise von Tausenden der Landesbewohner, welche die erzielten größeren oder kleineren Quantitäten den Händlern — die zumeist auch selbst Fabrikanten in größerem oder geringeren Maßstab sind — in den Centralplätzen zuführen. Es werden nämlich die Früchte gegen die innere, mit kleinen Zähnchen besetzte Wand eines Trichters aus Blech so lange zart gerieben, bis alle das ätherische Oel enthaltenden Zellen der Schale geplatzt sind. Das durch den Trichter abfließende ätherische Oel, namentlich jenes der Bergamotte, muß durch luftdichten Verschluß vor Verharzung und Entfärbung sorgfältig geschützt werden. In diesen Oelen nun bewährte auch das, was uns die italienische Abtheilung auf der Weltausstellung vorwies, den wohlverdienten Ruf und die absolute Unentbehrlichkeit dieser italienischen Riechstoffe in der Parfumerie. 10 Neues fanden wir diesen, zumeist aus Reggio (Calabrienl und Messina eingesendeten Mustern nicht zugesellt, und auch die von anderen Plätzen stammenden ätherischen Oele, wie z. B. Pfeffermünze, in sehr guter Qualität von Antonio Vivaldi in Padua, bewiesen uns, daß der Reichthum der italienischen Flora keineswegs ausgenützt wird. Dasselbe gilt von dem klimatisch, Hydra- und geographisch so außerordentlich begünstigten Spanien. Die übrigens auf unserer Exposition keineswegs nach ihrer vollen Bedeutung reprä- sentirte Riechftoff-Production dieses Landes bot uns nur einiges Bemerkenswerthe in Salbei-Oel von Dia; Timenes, Citronen- schalen-Oel von Praty y Terra in Barcelona und Mandel-Oel von Fortiz Gabanes. Die bekannte Firma Westerhagen in Manila, welche schon vor 12 Jahren die Parfumerie mit dem seither in die Fa- brication vollständig eingeführten und sehr beliebt gewordenen Plang-Mang-Oele, dem Destillate der auf Manila cultivirteu Orchidee Dnona oäoratissiina, bereicherte, wollte auch auf unserer Weltausstellung wieder mit einer überraschenden Novität debutiren. Es war dies das sogenannte Champacca-Oel, gewonnen aus den Blüthen von Lliellslia, Olluinpueea. Ein Zufall verhinderte das Erscheinen dieses ebenso feinen als charakteristischen neuen ätherischen Oeles, und erst zu Ende der Ausstellung hatten wir Gelegenheit, später nachgekommene Proben zu erwerben. Obschon wir durch diese unsere, aus einer früheren kleinen Probe geschöpfte Ansicht über die für die Par- sumerie höchst werthvollen Eigenschaften dieses ausgezeichnet duftigen ätherischen Oeles nur bekräftigt fanden, mußten wir doch dessen überaus hohen Preis von 4200 Francs per Kilo ungerechtfertigt finden. Sobald sich diese Ziffer herabmindern wird, dürfte sich der neue Riechstoff ebenso ausgedehnte Verwendung erringen, wie das Mang-Mang, namentlich zur Erzeugung feiner Extraits, da wirklich gute Neuheiten in diesem Artikel vom Pu- blicum stets gerne gekauft werden. Von Manila sahen wir überdies sehr schönes Verbena-Oel von C. Ronch, sowie ein durch Herrn Ritter v. Overbeck in der chinesischen Abtheilung ausgestelltes färb- und fast ge- 11 ruchloses, von dem Einsender Dr. Gustav Gruppe als „besonders zum Versetzen theurer ätherischer Oele geeignet" bezeichnetes, aus einer Citrus-Art destillirtes Oel. Konsumenten werden die Warnung, die in dieser Bezeichnung liegt, zu beachten haben. In ätherischen Rosenölen (Oioum rosao, türkisch ^.ttar) behauptete die Türkei auch auf unserer Ausstellung den höchsten Rang. Was die ausgedehnten Rosenplantagen von Brussa und Adrianopel sowohl in Bezug auf die Menge als die Unübertreff- lichkeit des ebenso wcrthvollen als beliebten und in der Parfu- merie vielseitig verwendbaren Rosengeruches liefern, ist bekannt und wurde durch die zur Ausstellung gebrachten schönen Muster, besonders auch von Himsen L Sons in Constantinopel, nur bestätigt. Lehrreich wäre es gewesen, diesen Mustern auch Verfälschungen des Rosenöles, wie solche im Oriente nur zu häufig vorkommen, an die Seite zu stellen. Fachmänner wissen, daß sie sich bei eventuellen Einkäufen hauptsächlich vor einer Vermischung des reinen Rosenöles mit dem ungleich weniger werthvollen ätherischen Oele einer Geraniumarl, welches unter dem Namen Palmarosa-Oel (OIsnm palmarosaoj in den Handel kommt, zu hüten haben. Dieser Fälschung wird gewöhnlich auch Wallrath oder Paraffin beigemengt, um die eis- artigen Krystalle (Stearopten) des bis zu einer Wärme von -s-150 C. krystallinischen, reinen Rosenöles zu erhalten, beziehungsweise nachzuahmen. Sehr schöne und vorzüglich reine Oele, aus Kycaulik und Adrianopcl stammend, wurden von uns in der türkischen Abtheilung untersucht und unübertroffen befunden. Dieselben wurden um den Preis von 220 fl. per Wiener Pfund von Wiener und auswärtigen Fabrikanten erworben. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die so lohnende Erzeugung von Rosenöl sich mit dem Ausbau des türkischen Eisenbahnnetzes noch bedeutend erweitern werde. Die Nachfrage wird jedoch mit der Production sicherlich gleichen Schritt halten. Es würde demnach ein neuerlicher Versuch der Herstellung von Rosenöl im Großen in den südlichsten Landstrichen Oesterreich-Ungarns mit der Aussicht auf guten Erfolg anzurathen sein. Gleich vorzügliche Qualität wie bei Adrianopel würde zwar schwerlich erzielt werden; allein selbst 12 minder feine Oelc, welche hauptsächlich aus einigen Rosenarten fz. B. der auch im südlichen England gut gedeihenden Moschus-Rose skosu inooolrakus. welche in der Türkei das feinste Oel gibt) am Südabhange der slavonischen Gebirge und an einigen gegen Nordostwinde geschützten Punkten Dalmatiens gewonnen werden könnten, dürften noch reichlichen Absatz finden. Uebrigens wäre, wenn auch der Versuch der Erzeugung von Rosenöl fehlschlüge, doch die Darstellung von Nosenwässern sehr lohnend, und die Erreichung dieses Zieles, z. B. auf Lacroma, kann wohl keinem Zweifel unterliegen. Der Preis des türkischen Rosenöles variirt seit 10 Jahren zwischen 220 und 340 Gulden Silber per Pfund. Die letzten Jahre, besonders 1873, ergaben nicht nur ein quantitativ sehr reiches, sondern auch in der Qualität ganz vorzügliches Ergebniß. Von Rußland hatten wir eine seiner Ausdehnung nach Südosten nur wenig entsprechende Darstellung vegetabilischer Riechstoffe, und zwar blos in Pfeffermünz- und Anisöl von B. Moeller aus Ostrogorsk im Gouvernement Woronesch, ferner Branitzki in Kiew gesunden. Der Parfumeur sowohl wie der Liqueurfabrikant werden trotz dieser schwachen Repräsentation sich nicht enthalten können, die gehaltvollen russischen Anisöle stets im Auge zu behalten und sich ihrer zu bedienen. Die hochentwickelte englische Parfumerie besitzt nur drei in größerer Masse erzeugte ätherische Pflanzen-Oele, welche dem Jnselboden selbst entstammen: das Lavendel-, Pfeffermünz- und das Rosmarin-Oel; doch diese sind unübertrefflich, und namentlich das erstere bewies auch in den von Piesse L Lubin zur Ausstellung gebrachten Proben, was rationelle, dem Klima und Boden angepaßte Cultur hervorzubringen vermag und wie ergiebig die Pflege von Specialitäten ist. So mustergiltig wie die Lavendel- Pflanzungen zu Mitcham und Hitchin in den Grafschaften Sur- rey und Herfordshire sind, so übertreffen auch die daselbst gewonnenen ätherischen Oele an Gehalt und Feinheit alle übrigen und erzielen bis viermal höhere Preise als die französischen. Uebrigens gewinnen die Engländer werthvolle Schätze an Riechstoffen aus ihren indischen und australischen Besitzungen, namentlich zur Toiletteseisen-Fabrication. 13 Die niederländische Handels-Socictät brachte sehr schönes ostindisches Cinnamone- und Bartgras-Oel. Bemerkenswerthes an Rohproducten für die Parfumerie fanden wir auch in den Abtheilungen von China und Japan; so die vom k. k. österr.-ung. Bice-Consul C. Milisch zu Macao in eine Sammlung von süd chinesischen Droguen eingereihten Cassia-, Sternanis- und Pfeffer- münz-Oele ec. Die von dem Missionär Faber aus der Provinz Kwan-tung eingesendeten Holzarten (Sandel-, Cypressen-, Tschin- Kang- und Aa-Holz) mit reichem Gerüche scheinen uns der Beachtung und eingehender Versuche von Fabrikanten ätherischer Oele werth. Die üppige süd-japanische Inselflora müßte ganz Bedeutendes in Riechstoffen liefern. Auf der Ausstellung waren zwar nur Orangenschalen-Oele aus Tokio und Toyoka und )Isiitlia arvonsw vorhanden, dennoch dürften Importeure von Riechstoffen, welche unsere neuen ostasiatischen Handelsverbindungen ausnützen wollten, dort ein ergiebiges Feld finden. Zu unserem großen Bedauern waren alle ostasiatischen Products sehr schlecht etiquettirt, so daß es nur mühevoller Untersuchung durch Geruch und Geschmack gelingen konnte, die verschiedenen Specialitäten zu präcisiren. In der egHP tischen Abtheilung hatte Gastinel Bey ätherische Oele aus Pfeffermünze, Geranium, Citronenschalcn, dann den durch Ausziehen mittelst Aether gewonnenen Riechstoff der ^eaeia ^arnssiana exponirt. Tunis stellte aus: Jasmin- und Weihrauch-Oel, parfumir- tes Malvenwasser, Orangeblüthen-, Jasmin-, Rosen- und Mille- fleur-Wasser in sehr gehaltvollen Mustern. Marokko lieferte sehr schöne Jriswurzeln in überraschend großen Stücken. Auch eine deutsche Firma, Schimmel L Co. in Leipzig, brachte in ihrer außerordentlich reichhaltigen Collection von Fabri- caten eine höchst beachtenswerthe Novität: das Jris-Oel, ein Destillat aus der Raäix llroos lloront, früher in Deutschland nicht dargestellt. Dieses deutsche Erzeugniß übertraf ein gleiches, in der französischen Abtheilung (von Mossy L Bastara) auch als Novität exponirtes Präparat nicht unbedeutend. Da es bisher trotz vielfacher Bemühung nicht gelungen war, den so sehr geschätzten 14 Veilchengeruch in concentrirter Form darzustellen, so zwar, daß sich das Präparat in Alkohol, Fetten oder Poudre verwenden ließ, so dürfte das Jris-Oel bald in allen Parfum-Laboratorien Eingang finden, umsomehr als es sehr ausgiebig ist und sich zum Verstärken des von den Damen stets gerne gekauften Veilchen-Extraits besonders eignet. Zu ausgedehnterer Verwendung, z. B. zur Fa- brication von Toiletteseifen, ist der bisherige Preis von 800 Thaler per Kilo viel zu hoch. Interessant für uns war in den Schaukästen der Firnia Schimmel L Co. die Gegenüberstellung von ätherischen Baldrian-Oelen aus holländischen und Tiroler Pflanzen; das aus den letzteren gewonnene Oel wurde uns von dem verdienten Erzeuger als weitaus aromatischer und wirksamer bezeichnet, ein Fingerzeig, der bei uns nicht unbenützt bleiben sollte. Zwar schon bekannt und in die Parfumerie eingeführt, doch früher nie auf einer Ausstellung gezeigt war das ebenfalls von Schimmel L Co. expo- nirte Linaloö-Oel, ein Destillat aus dem aus Mexiko importirten Holze des sogenannten Linaloö-Baumes. Das Gleiche ist der Fall mit dem von Leipziger Häusern producirten Culilabani-Ocl, gewonnen aus einer von den Molukken nach Deutschland eingeführten Baumrinde. Namentlich das erste dieser Oele verdient die eingehendste Beachtung der Parfumeure. Zu Extraits und Bouquets vorzüglich geeignet, hat es besonders für die Toiletteseifen-Fabrica- tion ungemein schätzenswerthe Eigenschaften, da der Geruch desselben nicht nur sehr constant ist, sondern dessen Feinheit sich bei abgelagerten Seifen immer mehr entwickelt. Würdige Rivalen hatte das Haus Schimmel an den gleichfalls in Leipzig etablirten Firmen: Sachse L Co. und Heine L Co., deren Expositionen an Reichhaltigkeit und Vorzüglichkeit der Fabri- cate hervorragend waren, und zwar besonders in Kalmus-, Kümmel-, Anis-, Baldrian-, Hopfen-, Majoran-, Pfeffer- und Krausemünze- Oelen, aus thüringischen, holländischen und russischen Rohmaterialien. Eine weitere bedeutende Firma Leipzigs hatte sich an der Ausstellung nicht betheiligt und fehlte, um ein Gesammtbild der schönen und reich ergiebigen Industrie zu liefern, welche deutscher Gewerbefleiß und deutsche Intelligenz auf dem für diese Branche ver- hältnißmäßig sterilen Boden Leipzigs geschaffen haben und die uns ein beherzigenswcrthes Vorbild liefert. 15 Auch andere deutsche Orte streben dem Beispiele Leipzigs nach, und von Dresden, Berlin, Hamburg u. s. w. sahen wir höchst anerkennenswerthe Leistungen in ätherischen Oelen, zumeist aus importirten Rohmaterialien. Deutsche Häuser sind übrigens bestrebt, dem Mangel in der Urproduktion von Riechstoffen oadurch abzuhelfen, daß sie in überseeischen Ländern festen Fuß fassen und so die Industrie der Heimat auf sicherer Basis fortentwickeln können. Die günstigen Resultate dieses Strebens traten namentlich in Demjenigen sprechend hervor, was die Leipziger Firma Schimmel L Co. durch die Leistungen ihrer Zweigniederlassung Fritzsche Schimmel L Co. in New-Aork beurkundete. Die sehr schönen und aromatischen Pfeffer-, Krausemünz-, Sassafras-, Wintergreen- und Chenopodium-Oele rivalisirten erfolgreich mit den Erzeugnissen der alten amerikanischen Häuser in diesen unbestrittenen Specialitäten Amerika's, welche wir in den Schaukästen der weltbekannten Firma H. G. und L. B. Hotchkiß in New-Aork und Anderer in der Section des Sternenbanners bewundern konnten. Süd-Amerika bot uns zu unserer nicht geringen Enttäuschung fast gar nichts Werthvolles. Erwähnenswerth scheint uns nur das brasilianische Sassaparilla- Oel, dann die Eucalyptus- und Cascarilla-Oele aus Venezuela. Wenn man die österreichische Parfumerie im Verhältniß zu jener anderer Culturländer nur nach dem Stande der Produc- tion von Rohstoffen für dieselbe beurtheilen wollte, würde man sich eines schweren Irrthumes schuldig machen. An österreichischen Oelen fanden wir in den vaterländischen Räumen nur sehr wenig Varietäten und nichts ganz besonders Werthvolles, indem die bei uns erzeugten ätherischen Oele wohl bei der Erzeugung von Toiletteseifen, nicht aber zur eigentlichen Parfumerie verwendet werden können. Dennoch haben sich die ätherischen Oele Mährens und Böhmens: Wachholder, Kümmel, Anis, Fenchel, Kalmus und Koriander, als unübertroffene Specialitäten einen nicht unansehnlichen Absatz im Ausland errungen, der sich von Jahr zu Jahr steigert. In gedachten Sorten waren besonders gut repräsentirt: Brüder Müller in Brünn, Schmidt in Myslitz, Kurzhals in Tet- l6 schen a. d. Elbe, Nußbaum L Co. in Wien in ausgezeichnet schön krystallisirtem Sternanis-Oel. Sollten die gesegneten Fluren Oesterreich-Ungarns von den grünen Alpentriften bis zu dem morastigen Tieflande der unteren Theiß und den Küsten der Adria keine anderen Vegetabilien zu ätherischen Oelen liefern, als die wenigen Küchengcwürze, welche dem fetten Boden der Hanna entstammen? Gerade die hohe Stufe aber, auf welcher wir die österreichische Parfumeriewaaren- Fabrication trotz dieser Kargheit einheimischer Rohstoffe fanden, beweist ihre Lebensfähigkeit und ist eine Gewähr für deren weitere Entwicklung, ja für einen vielleicht ungeahnten Aufschwung, wenn sie von der heimischen Bodenpro- dnction ausgiebiger und kräftiger unterstützt würde! An trockenen Riechstoffen, Blüthen, Blättern, Früchten, Rinden, Hölzern und Wurzeln, sowie an Harzen brachte uns die Ausstellung nichts bisher den Parfumeurs völlig Unbekanntes, doch war für Fabrikanten ätherischer Oele höchst Bcmerkenswerthes und zu neuen Versuchen Anregendes in den Ausstellungen überseeischer Länder vorhanden. Ueberans interessant und lehrreich war in dieser Richtung die schöne Exposition der Niederländischen Handels- Societät, welche, zusammengehalten mit den im Pavillon des Welthandels ausgestellten Sammlungen, ein fast vollständiges Register aller trockenen Riechstoffe lieferte. In den ostasiatischen und orientalischen Landes-Abtheilungen war die Mühe des schon durch die räumliche Auseinandcrhaltung des Gleichartigen erschwerten Studiums durch schlechte, sich oft auf eine Nummer beschränkende Etiquettirung noch erhöht. Von auf der Exposition vorhanden gewesenen Rohstoffen aus dem Thierreiche, insoferne selbe von der Parfumerie in den Kreis der Verwendung gezogen werden können, fanden wir hauptsächlich in den orientalischen und überseeischen Ländern das geeignete und benützbare Material, als: Moschus, Zibeth, Bibergeil und Ambra. Von ersterer für den Parfumeur so überaus wichtigen Drogue waren die theils ganz, theils mäßig mit dem kostbaren Stoffe gefüllten Beutel aus Ostindien und China, Thibet und Sibirien gesandt. Dieses letztere Land zeigte ein sehr schönes Exemplar eines 17 ausgestopften Moschusthieres. Von Zibeth fanden sich kleinere Muster in der Sammlung der afrikanischen Naturprodukte vom Senegal, von der Guinea-Küste und dem Habesch. Bibergeil war außer in der Sammlung von Canada noch insbesondere im Pavillon des Fürsten Schwarzenberg (vor welchem sich zwei lebendige Biber herumtummelten, die später castrirl wurden) und in der additionellen Abtheilung zur Schau gestellt. Ambra-Muster fanden wir in den schönen Droguen-Collectionen im Pavillon des Welthandels. Die eine derselben, nebst vielen anderen Droguen auch eine bis auf wenige Specialitäten vollständige Serie von Mustern aller der in der Parfumerie verwendeten Rohstoffe in ätherischen Oelen, trockenen Pflanzen, Rinden, Wurzeln, Harzen und Balsamen, sowie auch aller thierischen Riech- Substanzen enthaltend, wurde von der großbritannischen Commission unserem „Athenäum" gespendet, und wir erlauben uns, diesem Institute oder seinen Rechtsnachfolgern die sorgsame Pflege dieser Collectiv» und deren Erweiterung und Vervollständigung wärmstens zu empfehlen. Die zweite, gleichfalls höchst werthvolle Collection war unter der Firma der Triester Handelskammer ausgestellt und wurde von dem Zusammenstellet und Eigenthümer, Herrn Luigi Stecher in Trieft, der Lehrmittelsammlung des Handelsministeriums in liberaler Weise zugewendet. Dieselbe enthält sachlich und real gleich kostbare Gegenstände und bildet ein überaus nützliches Mittel für den Anschauungsunterricht. Die reichhaltige, von der Wiener Firma Franz Wilhelm L Comp. exponirte Droguen-Collection verdiente alles Lob, und wir würden es bedauern, wenn dieselbe nicht gleichfalls als ein Ganzes erhalten bliebe. Unter jenen chemischen Verbindungen, welche die Forschung der Neuzeit für die Zwecke der Industrie als besonders werthvoll erscheinen läßt, ragen hauptsächlich die aus dem Stein- kohlentheer gewonnenen prachtvollen Farbstoffe hervor, und es hat sich noch vor einem Decennium wohl Niemand träumen lassen, daß, gleichwie die dicke, zähe, schmutzig-braunschwarze Farbe des Theers die brillantesten Nuancen von Roth, Blau und Grün verbirgt, der fürchterliche Gestank des gedachten Materiales zur Imitation von Früchtenduft verwendet und umgewandelt werden könnte. 2 18 In ähnlicher Art, wie die glänzenden und leuchtenden Anilinfarben, welche auch in der Toiletteseifen-Fabrication sehr glückliche Anwendung finden, aus einem Rückstände der Leuchtgas-Fabrication entwickelt werden können, vermag der Parfumcur aus demselben Materiale das Nitrobenzol — phantastisch auch Lsssuos äs Zlirstan getauft — mit dem würzigen Geruch der bitteren Mandeln, aus faulendem Käse und stinkendem Fuselöl den Duft der Ananas, der Birnen, Erd- und Himbeeren und anderer Früchte hervorzuzaubern. Selbst die schweflige Säure, die beim Brennen eines Zündhölzchens unsere Geruchsnerven im höchsten Grade afficirt, gibt in Verbindung mit Weingeist Substanzen von angenehmem ätherischem Geruch, und der Phosphor, welcher die Ausdünstung eines Päckchens Zündhölzer so höchst unangenehm macht, liefert durch geeignete Behandlung und bei Vereinigung mit einem anderen, ebenso stinkenden Stoffe eine Flüssigkeit von dem lieblichsten Hyacinthengeruche. Alle diese Riechstoffe finden aber in der modernen Parfumerie ebenso reichliche Anwendung wie das Aetz-Ammoniak (Salmiakgeist), die Essigsäure, die Buttersäure und die verschiedenen, mittelst und aus beiden letztgenannten Präparaten bereiteten sogenannten Frucht äth er- Sorten. In denselben glänzte auf unserer Ausstellung besonders England und ihm zunächst Deutschland. Nur die Analyse, welche auf der Ausstellung vorzunehmen uns keine Gelegenheit geboten war, hätte entscheiden können, welche der Fruchtäther auch wirklich das Destillationsproduct von Früchten waren, wie dies von den meisten behauptet wurde. In der österreichischen Abtheilung fanden wir in Fruchtäthern nur in der sachlich sehr schönen Exposition von Julius Kurzhals in Tetschen a. d. Elbe Bemerkenswerthes. „Lxtraits" oder „lLsprito", nach den französischen, überall eingebürgerten Benennungen, sind einfache Weingeistlösungen von einfachen Riechstoffen. Die Deutschen bezeichnen dieselben als „Essenzen" oder „Extracte", englisch „Lssoness". Diese verschiedenen Bezeichnungen bringen bei den Käufern im Publicum manche irrige Anschauung hervor, umsomehr, als die Franzosen die ätherischen Oele selbst mit dem Namen „Lsssnes« belegen. Solche einfache Riechstofflösungen in Weingeist, überall gleich bereitet, können sich nur durch größere oder geringere Sättigung 19 des Weingeistes mit dem Riechstoffe unterscheiden. Neues brachte uns die Ausstellung in dieser Richtung nicht, denn wenn auch hie und da neue Namen erschienen, so waren es doch nur Producte schon bekannter Geruchs-Elemente. Das Geschick, die Kunst des Parsumeurs kommt ganz eigentlich in den von ihm componirten und mittelst verschiedener Riechstoffe erzeugten Bouquets zum rechten Ausdruck. Die Recepte zu solchen Bouquets sind sehr zahlreich, müssen aber immer neuen Platz machen, da Mode und Geschmack ewig wechseln und nur selten ein Recept sich so lange andauernder Beliebtheit erfreut, wie z. B. „Lssdouguot« und welche wir in der englischen Abtheilung sowohl als in kontinentalen Nachbildungen in vorzüglicher Güle fanden. Der Parfumeur muß bei diesen Zusammensetzungen von gereifter Erfahrung und einem äußerst feinen Riechorgane geleitet sein, immer aber die größte Sorgfalt aufwenden. Denn wie der Geruch einer chemischen Verbindung, eines Körpers überhaupt die Folge seiner Zusammensetzung aus den Atomen ist, so ist die Güte eines Bouquets von der Mischung der Atome abhängig. Sowie die Atome der constituirenden Elemente einer chemischen Verbindung geruchlos, die Verbindungen derselben aber riechend sein können, so vermögen auch an und für sich minder effektvolle Gerüche zu einem Bouquet von angenehmstem Reize verbunden zu werden, während andererseits die werthvollsten Riechstoffe durch unharmonische Zusammenstellung vollständig neu- tralisirt oder widerwärtig gemacht werden können. In einer eingehenden Beurtheilung der zahlreichen von den verschiedenen Ländern ausgestellt gewesenen Bouquets könnte doch nur die nicht maßgebende subjective Geruchsempfindung des Verfassers zum Ausdruck kommen. Daran kann wohl nicht gezweifelt werden, daß die großen, tonangebenden französischen und englischen Weltfirmen auch in ihren neuesten zur Ausstellung gebrachten Bouquet-Gemengen, auf langjährige Erfahrung gestützt, dem Geschmack ihrer Kunden vollständig Rechnung trugen; doch kann der Verfasser als Resultat seiner sorgfältigen Prüfung der größten Zahl aller exponirt gewesenen neuen Bouquets die Ansicht aussprechen, daß nur wenige der neuen Recepte den österreichischen Parfumeuren begehrenswerth erscheinen dürften. Nach subjectiver Anschauung 3 * 20 dürfte die Palme der neuen Bouqnets auf der Ausstellung Kompositionen der Wiener Firma „Treu, Nuglisch L Eo." gebühren, welche in den dem Publicum zur Verfügung gestellten Flacons überraschend feine, zarte und doch charakteristische Proben ihrer „LxtraitL ci'0ä6nr8« lieferte, die nicht nur ähnlichen westeuropäischen Fabrikaten keineswegs nachstanden, sondern z. B. das von Atkinson als Novität gebrachte „Lxiiibition Vouciuot" weit übertrafen. Riechende Wässer, Lösungen von ätherischen Oelgemengen in Alcohol, werden von den Damen aller Kulturländer mit Vorliebe entweder direct als Parfums, oder zur Aromatisirung des Waschwassers und der Bäder, ja selbst als Heilmittel bei Nervenverstimmungen mit Vorliebe verwendet. Bei leichter Mi- graine, besonders solcher, die durch übermäßige Erhitzung zugezogen worden, üben dieselben oft eine überraschende, calmirende Wirkung. Viele Frauen, hauptsächlich in England und Frankreich, nehmen solche Wässer, wie das Kölnische und bllour ä'OranAö, auch gerne aus Zucker getropft zur Bekämpfung von.Magen-Indispositionen ein. In Europa nimmt das Kölnische Wasser, gestützt auf seinen alten Ruf, trotz zahlloser Concurrenz noch immer den ersten Rang ein. Die sechs auf der Ausstellung repräsentirten Farina aus Köln (woselbst es über 40 solches Wasser erzeugende Farina geben soll), vereinigen mit dem gleichen Namen wohl auch das gleiche oder sehr ähnliche Recept; es ist übrigens bekannt, daß es die Firma „am Jülichs-Platze 4" ist, welcher das ursprüngliche Recept direct vom ersten Farina vererbt wurde. Den größten Absatz hat sich jedoch das schon seit 1709 bestehende Haus „gegenüber dem Jülichsplatze," auch in unserer Rotunde des Ersteren freundnachbarlicher Concurrent, erworben. Die Parfumeure aller Länder imitiren das so sehr beliebte Kölnerwasser, zu welchem ganz ausgezeichnete Vorschriften allüberall bekannt sind, und daher ließe sich erst durch Einsichtnahme in die Recepte das Bessere vom Minderen scheiden, niemals aber ein „kölnisches Wasser", woher es auch stamme, als „unecht" bezeichnen. Ebenso ließe sich über Werth oder Unwerth der zahlreichen auf unserer Ausstellung gewesenen riechenden Wässer überhaupt nur nach eingehender analytischer Prüfung ein zutreffendes Urtheil 21 fällen. Das ^gua äi Loisiim von Pietro Bortolotti (königl. italienische Hof-Parfumerie in Bologna), welches sich in Italien mit Recht großer Beliebtheit erfreut und auf unserer Ausstellung in bekannter Güte gezeigt wurde, verdient auch bei uns eingebürgert zu werden. In Amerika hat das Lloriäa ^Vator dieselbe allgemeine Verbreitung wie das Kölnische Wasser in Europa. Ein Hamburger Haus, das jedoch nicht exponirt hatte, erzeugt ausschließlich solches Llorilla ^Vator zum Import nach Süd-Amerika. Dieses Riechwasser war auch bei Rimmel, sowie alle anderen gangbaren Wässer bei englischen, französischen und deutschen Firmen in ausgezeichneter Güte zu finden. Eine Wiener Firma exponirte gleichfalls Lloriäa ^Vatsr, und man wird nicht fehlgehen, wenn man die riechenden Wässer überhaupt, welche von österreichischen Firmen ausgestellt waren, sowohl Kölnerwasser, wie Lau äs Lavauüs, Lau äo Violotts, ViuaiAi'68 clo toilotto von Treu, Nuglisch L Comp., Ealderara L Bankmann, Taussig, Diedek in Wien, Prohaska in Prag, dann Leyer und Kielhauser in Graz, den ausländischen Vorbildern vollkommen gleichwerthig hält. Sowie die Erzeugung von pharmaceutischen Präparaten in größerem Maßstabe aus den Laboratorien der Apotheker allmälig an die fabriksmüßige Herstellung durch industrielle Kräfte übergeht oder schon übergegangen ist, so ist auch die Kosmetik durch die fabriksmäßige Parfumerie der Pharmacie schon lange vollständig entwunden worden, und alle kosmetischen Artikel in unseren Apotheken entstammen somit der eigentlichen Industrie. Hieraus folgt, daß der Parfumeur einer gewissen Summe von pharmaceutischen Kenntnissen nicht entrathen kann, oder sich doch gewissenhaft an die Vorschriften und Recepte halten müsse, welche die Wissenschaft für alle jene Artikel aufstellt, die zur Pflege von Haut, Haaren, Zähnen u. s. w. bestimmt sind. Wir dürfen daher von den zahlreichen sogenannten Schönheitsmitteln, von denen die meisten schon genügen, wenn es constatirt ist, daß sie dem Organismus absolut keinen Schaden bringen können, nur diejenigen hervorheben, welche auf rationeller hygienischer und physiologischer Grundlage stehen. Die alten vorzüglichen Mittel zur Pflege der Haut, die e die von Törin zu hohen Preisen bezahlt. Auch in den übrigen Länder- Abtheilungen, so unter Anderm in Oesterreich auch bei Dr. C. Chiodi, fanden wir sehr schön und rein gearbeitete Schminken, für Tages- wie künstliches Licht berechnet. T o i l e t t e s e i f e n, welche allein wir als in das Parfu- meriegewerbe eingreifend behandeln können, wurden von nahezu 200 Ausstellern gezeigt. Abgesehen von wenigen Fabrikanten, welche einzelne Specialitäten besonders Pflegen, steht die Fabrication solcher Seifen, welche nur ungerechterweise als Luxusseifen bezeichnet werden, in allen Kulturländern auf nahezu gleich hoher Stufe. Die südlichen Länder, Spanien, Portugal, Italien, brachten die schönen Olivenseifen in oft sehr lieblichen Gerüchen. Ximenes, L. Ruedas y Pedrossa in Toledo und A. Tirado in Madrid hatten schöne und preiswürdige Toiletteseifen exponirt; 24 leider vermißten wir bedeutende, uns von der Pariser Ausstellung her bekannte spanische Firmen. Von portugiesischen Firmen zeichneten sich in diesem Artikel Joas Marcellino Merquita und da Angra de Herasmo aus. Italienische Toiletteseifen waren durch I. Mayer in Genua, F. Oneto ebenda, in schöner, nach englischer Art gesottener Qualität, L. Cantononno in Novara, D. Gravino in Taranto, E. Genevois L Söhne in Neapel und N. Bolzani in Parma (Cocos- und Fettseifen) besonders gut repräsentirt. In der englischen Abtheilung brillirten die bekannten weltberühmten Firmen von Atkinson und Rimmel durch ihre beim englischen „iiixll »-!«-'> - ?»v«v Ä^k.