OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3 UNTER REDACTION VON DR. CARL TH. RICHTER, K. K. o. ö. PROFESSOR IN PRAG. BIER, MALZ, SOWIE MASCHINEN UND APPARATE FÜR BRAUEREIEN UND MÄLZEREIEN. ( Gruppe IV, Section 3.) Bericht von GUSTAV NOBACK, Brauerei- Ingenieur und Affocié der Brauerei- Mafchinen- Fabrik Brüder Noback& Fritze in Prag. ANDERE GEGOHRENE FLÜSSIGKEITEN. ( Gruppe IV, Section 3.) Bericht von DR. EDUARD SCHMID T. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI 1874. BIER, MALZ SOWIE MASCHINEN UND APPARATE FÜR BRAUEREIEN UND MÄLZEREIEN. ( Gruppe IV, Section 3.) Bericht von GUSTAV NOBACK, Brauerei- Ingenieur und Affocié der Brauerei- Mafchinen- Fabrik Brüder Noback& Fritze in Prag. Es gibt wenig Induftriezweige, welche während der letzten Decennien fo bedeutende Fortfchritte gemacht haben, wie gerade die Bierbrauerei. Hand in Hand mit diefem Fortfchritte vollzog fich ein Auffchwung, der vor Allem darauf hinwirkte, dafs aus dem früher empirifch betriebenen Bierbrauerei- Handwerke eine mächtige und bedeutungsvolle Induftrie geworden ift. Die Brau- Induſtrie verdient einestheils durch die grofsen Werthe, welche diefelbe in volkswirthfchaftlicher Beziehung der Circulation zuführt, anderntheils durch die Steuererträgniffe, welche fie dem Staate indirekt einzuheben ermöglicht, eine weit gröfsere Beachtung, als derfelben bisher gefchenkt wurde. Ich habe bereits in meinem Berichte über Bier etc. auf der Parifer Weltausftellung 1867 die Gelegenheit ergriffen, durch ſtatiſtiſche Daten ein möglichft getreues Bild über diefen Gegenftand zu entwerfen, und werde nicht unterlaffen auch in den nachfolgenden Blättern an der Seite von Zahlen Alles das zu berühren, was an Beachtenswerthem die Wiener Weltausftellung brachte. Die grofse Zunahme des Bierconfums in jenen Ländern, wo die Bierbrauerei als eingebürgertes Gewerbe fchon feit Jahrhunderten betrieben wurde, fowie die Einführung diefes Erwerbszweiges in folche Länder, wo diefem erft ein Boden gefchaffen werden mufste, wie in Italien, Rufsland, Süd- Amerika etc. etc. übten eine höchft günftige Wirkung auf die gefammte Landwirthschaft und auf die vielen der Bierbrauerei dienenden Gewerbs- und Handelszweige. Die anfehnliche Zahl von 14 fpecialiftifchen Fachzeitfchriften für die Bierbrauerei nehmen einen wefentlichen Antheil an der fchnellen Verbreitung von bedeutungsvollen wiffenfchaftlichen, theoretifchen und praktifchen Wahrneh mungen auf dem Gebiete der Mälzerei, des Sudproceffes und der Gährung, fowie der Erfahrung in Verbefferungen der baulichen Anlage und Mafchineneinrichtung von Bierbrauereien. Von diefen Fachzeitfchriften erfcheinen jetzt 8 in deutfcher Sprache, 3 in englifcher, 2 in franzöfifcher und 1 in böhmifcher. I* 2 Guftav Noback. Nachdem bereits feit geraumer Zeit bei einzelnen landwirthfchaftlichen Anftalten und Akademien, Specialcurfe für Bierbrauer eingeführt waren, find feit einigen Jahren felbftftändige Brauerfchulen errichtet worden, von welchen allein in Deutfchland und Oefterreich der Zahl nach acht beftehen. Wenn man bedenkt, dafs kein zweiter Induftriezweig exiftirt, bei welchem fowohl während der Erzeugung des Productes, wie auch beim Verfandt desfelben fo viele Factoren wie Temperatur, Witterungs- und klimatifche Verhältniffe gewichtigen Einflufs nehmen, als bei der Bierbrauerei, fo wird man mit Befriedigung conftatiren können, in welch' günftigem Verhältniffe es durch den neuerlichen Fortfchritt bei dem Baue und der Einrichtung von Bierbrauereien, fowie im Betriebe derfelben gelungen ift, fich möglichft zu emancipiren. Der hier angedeutete Umftand bewirkt es, dafs die Ausftellung von Bier mit viel mehr Schwierigkeiten und Unannehmlichkeiten verknüpft ift, als diefs bei allen übrigen Ausftellungsobjecten der Fall ift. Hiedurch wird der Erfolg oft in Frage geftellt. In diefen Verhältnifsen ift es wohl auch hauptfächlich zu fuchen, dafs die Betheiligung der hervorragendften Bierländer bei der Ausftellung eine nicht fehr grofse gewefen ift; fo vermiffen wir die gröfsten und älteften Brauereifirmen von Bayern, Norddeutſchland und England, während wieder eigenthümlicher Weife ferne Länder, wie Schweden und Norwegen, fowie Italien und die britifche Colonie Neu- Seeland beachtenswerth vertreten waren. Die Anzahl der Bierbrauereien, welche fich bei der Ausftellung betheiligten, geftaltet fich folgendermafsen; aus: Oefterreich- Ungarn 61 Deutſchland 26 Frankreich Schweiz Schweden und Norwegen 9 Belgien Grofsbritannien und Colonien. 8 Brafilien Italien Rufsland 5 Dänemark 3 Rumänien. . 3 322 2 I I. Bevor auf eine Befprechung der einzelnen Länder übergegangen wird, mufs noch der erften internationalen Brauerverfammlung gedacht werden, welche während der Wiener Weltausftellung vom 16. bis 21. Juni abgehalten wurde. Diefe führte Brauereibefitzer, Braumeifter und Brauerei- Intereffenten aus allen Theilen Europas und Amerikas in der erheblichen Zahl von 740 Theilnehmern zufammen.* Bei Gelegenheit diefer erften internationalen Brauerverfammlung wurden eine Anzahl, theils das wiffenfchaftliche, theils das praktiſche Gebiet der Bier brauerei berührende Vorträge gehalten, in welchen einige der wichtigſten fachlichen Fragen befprochen, wurden. Die, in die bedeutendften und grofsartigften Bierbrauereien der Umgebung Wiens unternommenen Excurfionen, fowie mehrere gefellige Zufammenkünfte der Fachgenoffen, trugen wefentlich zu einem regen perfönlichen Verkehre und damit verbundenen Austaufch der Erfahrungen und Meinungen bei. Die bei der Ausftellung vertretenen Bierbrauereien haben fich in verfchiedener Form betheiligt; ein Theil und zwar fpeciell zwei grofsartige Unternehmungen hatten feparate Pavillons angelegt und eingerichtet; andere waren repräfentirt in den Reftaurationsanlagen und der gröfste Theil war in der öftlichen und weftlichen Agriculturhalle zu finden. Der Zahl nach die meiften Brauereien hatten das für die Jury zur Beurtheilung beftimmte Bier in einen Eiskeller nächft dem Praterſtern gefandt, welcher * Bei diefer Gelegenheit erfchien auch das Werk: ,, Die Bierproduction in OefterreichUngarn, im deutfchen Reich, in Grofsbritannien und Irland, Belgien, Frankreich, den Niederlanden, Schweden und Norwegen, Rufsland und Nordamerika von Guftav Noback. Prag. Quai 16. Bier, Malz etc. 3 mit gröfster Bereitwilligkeit von Herrn Faber zur Verfügung geftellt wurde. Eine geringe Anzahl von ausgeftellten Bieren wurde in der Ausftellung felbft, und zwar in den beiden Agriculturhallen, von der Jury probirt. Diefe waren meift Flafchenbiere, welche entweder durch Pafteurifiren, grofses Alter, oder durch hohe Gradhältigkeit mit fehr ftarkem Hopfengehalt und trotz eines monatelangen Verweilens in den heifsen Ausstellungsräumen zu einer Beurtheilung fich eigneten. Oefterreich Ungarn. - Bei dem grofsen Ruf, deffen fich die öfterreichischen Biere und zwar fpeciell die Wiener fowie die böhmifchen erfreuen, war vorauszufehen, dafs gerade die Wiener Weltausftellung Gelegenheit bieten wurde für Ausbreitung desfelben zu einem wahren Weltruf. Die in Oefterreich- Ungarn gangbaren Biergattungen laffen fich ihrem Charakter nach, das ift, nach Farbe, Stärke, Hopfengehalt, Mouffée, Vollmundigkeit und Gefchmack claffificiren in: Wiener, Böhmifche und folche, welche mit kleinen Abweichungen in ihren Eigenfchaften zwifchen diefen beiden Gattungen ftehen. In Rückficht auf diefe Charaktere mufs hier bemerkt werden, dafs in Böhmen, Mähren und Schlefien mit geringer Ausnahme faft alle Brauereien ein Bier ähnlich dem böhmifchen erzeugen. Dasfelbe hat einehelle und lichte Farbe, ift aus 10- bis 121/ 2- percentigem Würzen gebraut, reich an Hopfen fowie Mouffée, und befitzt einen andauernd haftenden Schaum. Das Pilsner Bier aus dem bürgerlichen Brauhaufe ift als paffender Repräfentant der böhmifchen Biere hinzuftellen und alle ftreb famen Brauer trachten, ein diefem berühmten Biere gleiches herzuftellen. In den übrigen Kronländern von Oefterreich- Ungarn wird meiftens ein Product mit dem Charakter des Wiener Bieres gebraut, nämlich ein ftärkeres Bier aus II- bis 14- percentigen Würzen in höherer Farbe( von dunklem Goldgelb angefangen), vollmundig mit mehr füfslichem Gefchmacke, weniger hopfenreich als das böhmifche Bier. Auf dem Weltausftellungs- Platze war Gelegenheit geboten, durch die verfchiedenen Reftaurationen praktifche Studien über die Wiener und die böhmifchen ( fpeciell die Pilsner) Biere zu machen. Während bei der Parifer Weltausstellung die Dreher'fche Bierbrauerei Gelegenheit gab, in dem feparat errichteten Reftauratiospavillon dem Publicum feine Producte vorzuführen, war es bei der diefsjährigen Wiener Weltausftellung die Liefinger Actien- Bierbrauerei( ehemals Löwenthal& Faber), welche in einer ausgedehnten Reftaurationsanlage von Beginn der Ausftellung angefangen unter grofsem Zufpruch des Publicums ihr Bier ausfchenkte. In gleicher Weife wie die Liefinger Bierbrauerei haben auch das bürgerliche Brauhaus in Pilfen und die Actien Bierbrauerei in Pilfen vom Beginne der Ausftellung in ihren umfangreichen, eigens erbauten Reftaurationsanlagen ihre Producte dem Publicum dargeboten. Dasfelbe that die erfte Kärntner Actien- Bierbrauerei in Silberegg. Erft mehrere Monate nach Ablauf der Ausftellungseröffnung wurden Bierreftaurationen, in denen die Producte der St. Marxer Bierbrauerei von A. J Mautner & Sohn und der Dreher'fchen Etabliffements dargeboten wurden, errichtet. Im Monate Auguft eröffnete die fürftlich Kinsky'fche Bierbrauerei zu Chotzen an verfchiedenen Punkten Reſtaurationen und noch später acquirirte die Leitmeritzer Actien- Bierbrauerei Elbfchloss einen Pavillon zu gleichen Zwecken. A. Dreher hat einen feparaten Pavillon ausführen laffen, welcher lediglich den Zweck hatte, den Befuchern ein genaues Bild vorzuführen über die Entwicklung und den gegenwärtigen Stand der in feinem Befitz befindlichen Brauereien. Zu diefem Zwecke war das Innere des gefchmackvoll ausgeführten, mit den Enblemen der Bierbrauerei gezierten Pavillons mit den Bildern der vier Dreher'fchen 4 Guftav Noback. Brauereien in Schwechat, Steinbruch, Micholup und Trieft gefchmückt. Eine Reihe ftatiftifcher Zufammenftellungen über die in den erwähnten Etabliffements. zur Verwendung gelangten Rohmaterialien, der daraus erzeugten Biermengen und für diefe entrichteten Steuerbeträge geben ein überfichtliches Bild der wahrhaft riefigen Ausdehnung der Dreher'fchen Bierbrauereien. Zur Vervollſtändigung des Gefammteindrucks waren Proben der theilweife vom Aussteller producirten Rohmaterialien, wie: Gerfte, Hopfen, Kohle etc. mit Transportgefäfsen und adjuftirten Bierflaschen für Export-, Lager- und Märzenbier zu Gruppen vereinigt im Dreher'fchen Pavillon aufgeftellt. Die Dreher'fche Bierbrauerei zu Kleinfchwechat bei Wien, welche im Jahre 1836 von dem 1863 verftorbenen Befitzer Anton Dreher mit einer Production von 26.560 Eimer übernommen wurde, erfuhr einen fo erheblichen Auffchwung, dafs fie unter dem Befitze des jetzt lebenden Herrn Anton Dreher, welcher im Jahre 1870 das Erbe feines Vaters antrat und mit grofser Thatkraft fowie Fachkenntnifs perfönlich dem grofsartigen Unternehmen vorfteht, eine jährliche Bierproduction von 716.160 Eimer während der Betriebs campagne vom 1. October 1871 bis 1. October 1872 erreichte. Seit einer Reihe von Jahren ift der als Fachmann weit bekannte Herr A. Deiglmayr Centraldirector der Dreher'fchen Bierbrauereien. Die Gefammtproduction von Bier in den Dreher'fchen Bierbrauereien und die entrichtete Steuer geftalten fich in der Campagne 1871 bis 1872 folgendermafsen: Brauerei Schwechat. Steinbruch Micholup Trieft Steuer Eimer fl. kr. 716.160 264.440 1.377-748 430.373 64.440 51.205 68.526 225.240 4644 48 43 96 47 Summa. 1,096.245 2,101.889 33 Ueber die Ausdehnung der Dreherfchen Brauereien ift Näheres der nachftehenden Tabelle zu entnehmen. Brauerei Produc- Malz- Kühltion 1871 tennen- fchiffbis 1872 Fläche Fläche in in in Eimern Klftr. Gährkeller LagerkellerKlftr. Anzahl Faf Fafsungsder Gährsungsraum in bottiche Eimern raum in Eimern In Verwendung ftehende Arbeiterzahl Schwechat. Steinbruch. Micholup Trieft 716.160 6.000 264.440 3.000 16234 64.440 35° 48 51.205 557 1639 74 000 520.000 733 55° 30.640 17 1.000 261 90 4.000 30.000 48 60 152 Bier, Malz etc. 5 In ähnlicher Weife wie Dreher brachte das Etabliffement der Firma A. J. Mautner& Sohn gleichfalls durch die Errichtung eines eigenen Pavillons ein umfaffendes Bild über die verfchiedenen, jedoch verwandten und gemeinfam von diefem Ausfteller betriebenen Induftriezweige der Bierbrauerei und Mälzerei fowie Prefshefen- und Spiritusfabrication. Die in collectiver Form im Innern des Mautne r'fchen Pavillons vorgeführten Ausftellungsgegenstände find: ftatiftifche Tabellen über die feit dem Beftande des Unternehmens( 1840). erzeugten Mengen von Bier, Spiritus und Prefshefe, fowie die hiefür erfolgten Steuerzahlungen; Tableaux über die in Verwendung ftehenden Motoren, Hilfsmaſchinen, Apparate und Arbeitskräfte, fowie Rohmaterialienverbrauch. Hieran fchliefst fich eine Anzahl von Modellen, der in den Mautner'fchen Etabliffe. ments angewandten Kühlapparate für Bierwürze, Lagerkeller mit Obereis, fowie Maifch- Deftillirapparate. Die Mautner'fche Bierbrauerei, welche nur einen Theil der unter der Firma A. J. Mautner& Sohn beftehenden Etabliffements ausmacht, ift der Bierproduction nach die zweitgröfste der Umgebung von Wien und producirte im Jahre 1871 bis 1872: 503.000 Eimer Bier. Aufser diefer erheblichen Bierproduction wurden noch in der Mautner'fchen Prefshefen- und Spiritusfabrik erzeugt: 31.700 Centner Prefshefe und 7,175.532 EimerPercente Spiritus nach Tralles. In treffendfter Weife zeigt die nachftebende Tabelle, wie rapid die Production von Bier, Spiritus und Prefshefe in den Mautner'fchen Etabliffements feit dem Jahre 1840 ftieg und welcher wahrhaft koloffaler ProductionsUmfang im Jahre 1872 erreicht wurde. Bier niederösterr. Jahr Eimer Spiritus Eimer- Percente nach Tralles Prefshefe Zollcentner 1840 36.000 1846 54.026 627.400 724 1852 81.040 1,311.800 3.806 1858 133.530 3,795.450 9.274 1864 22 1.200 3,807.790 13.279 1870 478.000 6,540.827 25.292 1871 1872 5 18.000 7,006.207 27.048 31.700 503.000 7,175.532 Die Collectivausftellung im Pavillon von A. J. Mautner& Sohn vereinigt alle Ausftellungsobjecte der nachftehenden Unternehmen diefer Firma: Brauhaus und Prefshefen- Fabrik St. Marx bei Wien; Malzfabrik zu Göding in Mähren; Mälzerei, Prefshefen- und Spiritusfabrik in Simmering bei Wien; Mälzerei in Floridsdorf bei Wien. Die Liefinger Actien- Bierbrauerei war aufser im eigenen ReftaurationsPavillon auch noch in der öftlichen Agriculturhalle durch das in diefer Abtheilung finnreichfte und hübfchefte Ausstellungsobject vertreten. Diefs war nämlich eine künftlerisch ausgeführte, durchdachte Gruppe, welche, trophäenartig arrangirt, mit einem lebensgrofsen Gambrinus geziert, die Bierbraukunft repräfentirte. Aquarellbilder der Liefinger Brauerei, fowie mit Etiquetten und Kapfeln adjuftirte Flafchen von Liefinger Lager-, Märzen- und Exportbier, ferner Hopfenranken und Gerftenähren gaben dem Ganzen einen entſprechenden Charakter. Die anerkannte Qualität des Liefinger Bieres hat demfelben ein dauerndes Abfatzgebiet in Italien, im Orient, in Indien und in Südamerika verfchafft. Diefe Brauerei, welche im Jahre 1839 gegründet wurde, erzeugte im Jahre 1870 508.200 Eimer Bier. In der öftlichen Agriculturhalle fanden wir alle jene öfterreichiſchen Brauer, welche fich bei der Ausftellung betheiligten, infoferne vertreten, als diefelben die verfchiedenften Gruppen und Trophäen, Schränke und Pyramiden von Bierfäfschen, und Flafchen theils gefchmückt mit Hopfen und Gerfte, theils verziert durch die Enbleme der Bierbrauerei vorführten. Die Mannigfaltigkeit, fowie der 6 Guftav Noback. Luxus, mit welchem diefe Expofitionen ausgeführt waren, konnten nicht verfehlen, einen angenehmen und freundlichen Eindruck auf den Befucher diefer Abtheilung zu machen. Der um das Brauereiwefen verdiente Herr J. Götz, Brauereibefitzer zu Okocim in Galizien, brachte, um den Fortfchritt im Brauwefen darzuftellen, aufser Vorlagen verfchiedener Brauereien, einige intereffante Zeichnungen von Brauereien kleinerer Form und primitivfter Einrichtungsweife, fowie feines eigenen Etabliffements mit gröfserem Betriebsumfange und Maſchineneinrichtung, ferner mehrere fehr alte Werke über Bierbrauereien. Alle Brauereien, welche in diefer Weife fich betheiligten, fandten aufserdem noch ihr Product theils in Gebinden, theils in Flafchen nach den Depotkellern, in welchen die Beurtheilung der Bierqualität von Seiten der Bierjury vorgenommen wurde, während nur ein Theil von Brauern lediglich Sendungen nach den Jurykellern machte, ohne auf dem Weltausftellungs- Platze felbft repräfentirt zu fein. Diefsbezüglich wird auf die nebenftehende Tabelle der Bierausfteller von Oefterreich- Ungarn verwiefen. Die Vorzüglichkeit der öfterreichifchen Biere hat nicht blofs eine erhebliche Steigerung des Bierconfums im Lande felbft herbeigeführt, fie bewirkte auch eine refpectable Zunahme des Bierexportes nach dem Auslande. Die Bierbrauereien Oefterreich- Ungarns find in Bezug auf Beifchaffung der Rohmaterialien in einer günftigen Lage, denn Gerfte in beften Qualitäten wird in genügenden Mengen producirt und Hopfen der feinften Qualität cultivirt. Diefe zwei Factoren, verbunden mit dem in faft allen bedeutenderen und angefeheneren Brauereien eingeführten rationellen Betrieb, haben einen erheblichen Antheil an dem Aufblühen der öfterreichifchen Bierinduftrie. Nicht minder einflussreich war die Zuneigung ofterreichifcher Brauer zu der Einführung des rationellen Fortfchrittes bei der Anlage und Einrichtung der Bierbrauereien. Die in Oefterreich- Ungarn eingeführte Bierfteuer wird nach dem Volumen des gebrauten Bieres( refpective der gehopften Würze auf den Kühlfchiffen) und nach der Stärke, das ift nach dem percentualen Extractgehalt erhoben. Der Steuerfatz beträgt nach dem Gefetze vom 25. April 1869 per niederösterreichifchen Eimer( à 42% Mafs) einfchliefslich des früher feparat berechneten aufserordentlichen Zufchlages per einen Sacharometer- Grad 10 Neukreuzer, fo dafs zum Beiſpiele für 1 Eimer 10 Percent gehopfter Würze I Gulden oder für 1 Eimer 15 Percent gehopfter Würze I Gulden 50 Kreuzer Steuer gezahlt werden etc.* Die durch den öfterreichifchen Bier- Befteuerungsmodus bedungene Einführung des Sacharometers hat infoferne eine Bedeutung für den Brauereibetrieb, als durch die nothwendige Anwendung diefes höchft wichtigen Inftrumentes felbft in der kleinften Land- Bierbrauerei der einfache Brauburfche gezwungen ift, mit diefem Inftrumente umzugehen und auf diefe Weife deffen Handhabung kennen lernt. Was für die Schifffahrt der Compafs ift, das ift für die Brauerei der Sacharometer. Wie bei allen Ländern, in denen feit einer langen Reihe von Jahren die Bierbrauerei eingeführt ift, fo verhält es fich auch in Oefterreich- Ungarn. Die Anzahl der betriebenen Brauereien nimmt mit jedem Jahre ab, während gleichzeitig die Bierproduction zunimmt. Diefer Umftand ift darin begründet, dafs die kleinen Bierbrauereien einer Concurrenz der gröfseren, fabriksmäfsig betriebenen weichen müffen, welche letztere mehr und mehr die Bierfabrication in ihren Etabliffements concentriren. Ein Blick auf das Verhältnifs der Bierbrauereien, deren Production, fowie Steuererträgnifs im Jahre 1872, dürfte von Intereffe fein.( Die Jahrgänge beziehen fich auf die Zeit vom 1. September bis letzten Auguft, in diefem Falle alfo vom 1. September 1871 bis 31. Auguft 1872.) * Für nachftehende gefchloffene Städte wird noch ein feparater Zufchlagsbetrag berechnet: für Wien 1 Gulden 8/10 Neukreuzer von jedem erzeugten niederöfterreichifchen Eimer; dagegen für Prag, Brünn, Linz, Graz, Laibach, Lemberg und Krakau von jedem SacharometerGrade 410 Neukreuzer. Bier, Malz etc. 7 Kronland Niederöfterreich " "" Aussteller A. Dreher A. J. Mautner& Sohn Actienbrauerei 32 " "" " Jg.& Jac. Kuffner دو 23 A. Prinzel's Erben W. Burian C. v. Cammel Standort der Brauerei Klein- Schwechat St. Marx Liefing Brunn Hütteldorf Ottakring Döbling Melk Klofterneuburg Grufsbach Vertreten am Ausstellungsplatze Pavillon Dreher Pavillon Mautner öftliche Agriculturhalle und eigene Reftauration öftliche Agriculturhalle " دو د, دو دو دو öftliche Agriculturhalle " Oberösterreich Böhmen " " Gebrüder Hatfchek Leopold Braun Bürgerliches Brauhaus Actienbrauerei 29 Linz Pucheim دو دو دو Pilfen Pilfenetz Krumau Peterhof öftliche Agriculturhalle und eigene Reftauration öftliche Agriculturhalle und eigene Reftauration öftliche Agriculturhalle und diverfer Ausfchank in der Mafchinenhalle im fürftlich Schwarzenbergfchen Pavillon " 99 Fürft Schwarzenberg Wittingau 27 " " " 7 99 32 97 99 33 " دو د, دو Graf Thun Bürgerliches Brauhaus Dr. W. v. Rufs Bürgerliches Brauhaus 27 31 Graf Salm دو Karl v. Unger 33 Fürft Kinsky " " Brüder Tfchinkel J. Schary Prinz Schaumburg- Lippe Korb v. Weidenheim Hamburger, Singer& Co. Winterberg Chinonitz Bodenbach Saaz Schönpriefen Leitmeritz Hainspach Klein- Rohofec Chotzen Tfchifchkovitz Prag Böhmifch Skalitz Bezdiekaw Liboczan bei Saaz Olmütz Napajedl Rzeczkovitz "" "" 27 J. v. Münzberg Mähren Graf Stockau 29 M. Wiener Sal. Braun دو دو Graf Harrach F. Müller " J. Lamberg "" M. Zifferer " Schlefien Erzherzog Albrecht Tefchen " Graf Larifch Bürgerliche Brauerei Jarofchau Janovitz Fufsdorf Ungarifch- Oftrau Vierzighuben Karwin Troppau دو دو Jurykeller Jurykeller öftliche Agriculturhalle öftliche Agriculturhalle öftliche Agriculturhalle feit Auguft diverfe Reftaur. Tfchinkel's Collectivausft. öftliche Agriculturhalle "" " د, دو دو öftliche Agriculturhalle Kofthalle öftliche Agriculturhalle öftliche Agriculturhalle und eigene Collectivausftellung öftliche Agriculturhalle Em. Neumann R. Springer "" Galizien دو Joh. Götz Erzherzog Albrecht Radwanitz Olbersdorf " د, Okocim öftliche Agriculturhalle Wieprz ad Seybufch öftliche Agriculturhalle und Krakau Kraficzin Brody Graz eigene Collectivausftellung öftliche Agriculturhalle " 21 öftliche Agriculturhalle Trzetrzewinski& Comp. Tenczyneck " F. John " 3 Fürft Sapieha Bukowina A. Mayer Steiermark F. Schreiner Gebrüder Reininghaus Steinfeld 39 39 Judenburger- Braugef. Farrach Kober Göfs 33 Kärnten Actienbrauerei Silberegg Gebrüder Kosler Krain Tirol Vorarlberg Ungarn Trieft Maffei Baldeffare Jos. Spieler A. Dreher " 99 دو د, " 2 97 39 Leopoldsruhe bei Laibach Rovereto Hohenems Peft Trieft eigener Reftaurationspavill. öftliche Agriculturhalle Pavillon Dreher دو 80 Kronländer Niederösterreich Oberöfterreich Salzburg Guftav Noback. Anzahl der Bierbrauereien Bierproduction in Eimern 4,736.653 Steuerbetrag in Gulden ö. W. 6,084.556 1,567.226 443-997 Böhmen Mähren Schlefien Galizien Bukowina. Steiermark Kärnten Krain Küftenland Tirol und Vorarlberg Ungarn Siebenbürgen Kroatien und Slavonien. Serbifch- banater Militärgrenze Kroatifch- flavon. Militärgrenze Zufammen I12 269 1,382.567 67 389.532 956 7,815.816 7,995.317 249 1,848.434 1,993.650 65 245 453.122 861.273 506.884 1,005.984 15 72.773 76 943.288 83.616 1,247.381 137 185.759 221.369 ΙΟ 88.440 119.295 3 2.780 14.670 133 263.329 296.243 252 1,136.306 1,337.658 23 47.290 54.409 8 45.692 51.523 16 32.918 37.557 2636 20,305.952 23,061.365 Aus folgender Tabelle, welche umfaffende Daten über die Jahre 1844 bis 1872 enthält, ift erfichtlich, dafs die Anzahl der Brauereien während der angegebenen Periode fich von 3019 auf 2636 oder um 383 verminderte, das ift um 116 Percent, während in der gleichen Zeit die Biererzeugung von 8,328.307 auf 20,305.952 oder um 11,977.645 Eimer ftieg, das ift um 143.8 Percent. Die Zunahme der Biererzeugung geftaltete fich nicht in allen Kronländern in gleichem Verhältniffe; die bedeutendfte Steigerung ift bei Niederöfterreich, Böhmen, Mähren und Schlefien zu bemerken; bei den meiften Kronländern war die Bierproduction theils fehr gering geftiegen oder Schwankungen unterworfen, theils auf gleicher Höhe geblieben. Diefe Tabelle enthält auch die Bierfteuer- Einnahme während der vorerwähnten Jahrgänge und zwar bei der Biererzeugung auf dem flachen Lande, fowie in den gefchloffenen Städten. Es mufs hier erwähnt werden, daſs ſpeciell für Niederösterreich bei der Einfuhr in gefchloffene Städte( Wien) noch eine Verzehrungsfteuer erhoben wurde. Diefe betrug im Jahre 1872 1,290.721 Gulden öfterreichifcher Währung. Bringen wir die gefammte Bierproduction aller Kronländer von OefterreichUngarn( 1872), nämlich 20,305.952 Eimer= 1,221,199.953 28 Liter, in einen Vergleich zu der Einwohnerzahl von 35,644.858, fo entfällt auf den Kopf der Bevölkerung ein Quantum von 23 Mafs oder 34'5 Liter producirten Bieres. Nachdem in gedrängter Kürze die allgemeinen Daten der Bierproduction Oefterreich- Ungarns erläutert wurden, gelangen wir zur Befprechung der einzelnen Kronländer. Bier, Malz etc. Anzahl der Brauereien Bierproduction in niederösterreichifchen Eimern Steuerbetrag in Gulden Oefterr. Währ. Kronland 1844 1857 1861 1866 1872 1844 1857 1861 1866 1872 1844 1857 1861 1866 1872 381 Salzburg Böhmen Mähren 415 Schlefien 94 82 Niederösterreich 162 125 133 126 II2 1,606.929 2,991.580 2,190.217 2,982.896 4,736.653 Oberösterreich 219 280 290 269 889.983 747.857 1,002.228 1,382.567 74 76 76 67 259.316 280.440 319.951 389.532 1051 1047 1036 1026 956 3,356.565 4,489.334 4,280.634 5,134.774 7,815.816 309 295 267 249 1,106.731 969.173 1,282.371 1,848.434 86 65 - 2,094.106 2,936.635 3,886.977 6,084.556 - 996.228 622.988 846.632 1,194.379 1,567.226 - 923.722 211.827 182.580 291.495 453.122 - Galizien 293 310 296 245 520.831 609.292 615.438 861.273 374 765.878 Bukowina 21 19 17 15 Steiermark 142 138 134 118 76 352.802 Kärnten 338 227 209 199 137 Krain 31 30 28 20 ΙΟ 149.989 43.637 36.409 42.083 28.321 470.768 450.380 497.477 943.288 184.314 170.565 143.016 185.759 76.216 48.362 33.469 88.440 72.773 181.521 317.111 371.610 443 997 3,142.534 4,787.151 5,780.874 7.995.317 774.692 1,077-594 1,415.215 1,993.650 148.279 204.842 334.679 506.884 364.582 581.093 601.070 1,005.984 25.468 37.852 25.629 83.616 329.538 608.281 641.790 1,247.381 183.606 164.372 221.369 - 129.038 53.351 60.344 40.307 119.295 Küftenland ohne Trieft 9 13 333 5 3 3 4.860 7.709 4.443 2.305 2.780 3.009 5.310 5.704 14.670 Tirol und Vorarlberg 116 141 147 142 133 127.749 270.076 Ungarn Siebenbürgen Kroat. u. Slavon. Serbifch- banater Militärgrenze Kroatifch flav. Militärgrenze Zuſammen exclufive Ungarn, Kroatien, Slavonien etc. 413 330 275 252 94 94 93 93 27 27 28 23 20 16 14 8 32 221 19 16 Siebenbürgen, exclufive Ungarn, Kro554.157 64.051 72.703 282.008 288.085 263.329 640.949 803.022 86.309 1,136.306 299.817 300.781 331.452 691,691 679.450 813.392 296.243 1,337.658 42.532 70.795 83.681 atien, Lombardei etc. 71.226 61.211 39.995 47.290 41.258 59.634 40.264 54.409 52.946 29.039 32.764 45.692 73-387 32.303 32.868 51.523 39.000 16.934 13.534 32.918 - 3019 3389 3242, 3095| 2636 8.328.307 12,296.474 11,078.870 13,597.450 20,305.952 146.047 15.067 17,032.700 12,804.481 15,739.603 23,061.365 12.340 37.557 9 10 Guftav Noback. Niederösterreich, Oberösterreich und Salzburg. Von diefen drei Kronländern fteht Niederöfterreich fpeciell mit den Bierbrauereien von Wien und Umgebung hoch oben. Der gewaltige Auffchwung, den wir bei den Wiener Brauereien bemerken und der damit zufammenhängende grofse Bierverbrauch fällt erft in die Reihe der letzten Jahrzehnte. Die fechs ihrer Production nach bedeutendften Bierbrauereien von Wien und Umgebung find folgende: Standort Klein- Schwechat St. Marx Liefing Brunn. Hütteldorf Ottakring Bierproduction 1872 in Eimern 718.950 503.200 483.800 331.200 312.218 286.260 Den Haupteinfluss auf das riefenhafte Wachfen der Bierbrauereien Niederöfterreichs hat ohne Zweifel die Refidenz Wien geübt. Der Weltruf, den fich die Wiener Biere errungen haben, veranlafste nicht blos einen Verfandt derfelben nach einzelnen Kronländern, fondern führte auch einen Export über die Grenzen nach allen Theilen des Auslandes herbei. Oberösterreichs Bierinduftrie hatte nicht eine fo günftige Zunahme der Bierproduction aufzuweifen. Vom Jahre 1844 bis 1868 war diefelbe dort fehr fchwankend und fiel fogar im Jahre 1868 nicht unerheblich. Diefs mag wohl darin feinen Grund haben, dafs die Bierbrauereien in der Umgebung Wiens mit ihrem Producte, als ftarke Concurrenten auftretend, eine Erhöhung der oberöfterreichifchen Biererzeugung nicht aufkommen liefsen. Aufserdem tritt in Oberöfterreich als Concurrent gegen den Bierverbrauch, der Obftmoft auf, indem in jenen Jahren, wo das Obft gedeiht, alfo viel und billiger Moft zu haben ift, der Rückgang des Bierconfums merklich wird. Am flachen Lande find diefe Verhältniffe befonders vorwiegend. Alle jene Bierbrauereien, welche in der Periode von 1860 bis 1872 mehr als 20.000 Eimer Bier erzeugten, find aus der umftehenden Tabelle erfichtlich. Standort Bierproduction 1872 in Eimern Zipf Linz Eggenberg Luftenau Enns 100.900 75.840 42.040 38.760 20.820 Salzburg bietet in feinen Bräuereiverhältniffen ähnliche Erfcheinungen dar, wie Oberöfterreich; die Verhältniffe der Bierproduction waren dort fehr fchwankend. Die Anzahl der beftehenden Bierbrauereien blieb fich von 1860 bis 1867 gleich und begann von diefer Zeit an fich zu vermindern. Unter den im Jahre 1872 beftandenen Bierbrauereien waren nur zwei, welche über 20.000 Eimer Bier producirten. Diefe find die in Kaltenhaufen, 94.500 Eimer und jene in Riedenburg mit 26.800 Eimern. Böhmen. Die Bierbereitung ift ein in Böhmen fchon feit dem XIV. Jahrhundert ausgeübtes Gewerbe. Schon vor mehreren Jahrhunderten wurden ähnlich wie in Baiern, fo auch in Böhmen an mehreren Orten Biere gebraut, die durch ihren eigenen Wohlgefchmack fich eines weit über das Land felbft hinausreichenden Rufes erfreuten. Es wurden damals fowohl Weizen- wie GerftenmalzBiere gebraut. Böhmens Bierinduftrie ift fehr begünftigt durch die im Lande in Bier, Malz etc. 11 genügender Menge vorhandene ausgezeichnete Braugerfte, fowie durch den berühmten Saazer Hopfen; ferner ift Böhmen frei von jenen einflussreichen Concurrenzen des Bierconfums, nämlich von der Production eines billigen Weines und Obftmoftes. Die Biererzeugung in Böhmen ift um 4,461.013 Eimer, alfo 132.09 Percent, während der letzten 29 Jahre geftiegen, nämlich von 3,356.565 Eimer auf 7,817.578 Eimer. Die Zahl der Bierbrauereien fiel von 1051 auf 956, das ist 9 Percent. Die nachstehende Tabelle gibt eine intereffante Ueberficht der Bierbrauereien im Jahre 1871. Kreis Brauereien nach ihrer Befitzeskategorie Brauereien überhaupt Private Art der BetriebsBeEinnützung richtung Handbetrieb Budweis 52 27 Bunzlau 49 42 I Chrudim 38 Czaslau Eger. Jicin 27 72 58 94 41 57 34 Königgrätz 44 24 Leitmeritz 64 38 Pilfen.. 91 60 Pifek. 77 Prag 132 00 сл Saaz 56 Tabor. 93 25532 7814480 4985 37 2 20 I - J I 2 9 I I 8 798 23380 to 92430 12 31 3 T 21 I - 13 33. 31 36 - 2 II 27 I 2 5 22 21 51 4 5c 28 66 I I 6 7 4 16 54 89 38 75 I 1003 7936 II IO 13 IO 4 Hauptftadt Prag 44 41 543 2396403 323 3+ 223 33330 12 29 I 794 3542 2 49 44 34 70 92 40 31 I 43 19 45 13 51 36 55 3 88 24 36 96 7 125 31 25 53 I 76 4 25 41 68 7513 83 51 I 92 41 Landesfumme 947 664 3 II 97 93 45 34 331 616 51 896 Mehr als zwei Drittel der in Böhmen im Jahre 1872 beftandenen Brauereien find im Privatbefitz, während die übrigen theils Actienunternehmungen, Gefellſchaften, Stadtgemeinden, Klöftern, Fonden und Stiftungen angehören Nahezu zwei Drittel der beftehenden Brauereien wurden nicht von den Befitzern betrieben( waren nämlich verpachtet). Die in Böhmen producirten und auch vom confumirenden Publicum am meiften bevorzugten Biere find fehr licht in der Farbe, reich an Kohlenfäure und leicht. Es läfst fich der Charakter der in Böhmen beliebteften Biere am beften bezeichnen, wenn auf das Pilsner Bier des bürgerlichen Brauhaufes hingewiefen wird; dasfelbe ift fehr licht in der Farbe, hell im Ausfehen, hopfenreich, ftark mouffirend und weinartig im Gefchmack; es ift weniger ftark als die Wiener, baierifchen oder englifchen Biere und hat defshalb einen erfrifchenden und belebenden Einfluss auf den Organismus.* Bei diefer Gelegenheit mufs eines intereffanten Umftandes gedacht werden. Seit mehreren Jahren ift die Bemerkung zu machen, dafs in den meiften Bier * Meiner Erfahrung nach werden die dem Pilsner ähnlichften Biere in Chriftiania erzeugt und von dort aus ihres Renommées wegen in anfehnlichen Mengen exportirt, befonders nach Brafilien. Die Vortrefflichkeit des Bieres aus der Pilfner bürgerlichen Brauerei ift der tüchtigen Leitung des Oberbräuers Blöchel zu verdanken. 12 Gufiav Noback. producirenden Ländern Europas vom Brauen dunkler Biere auf die Bereitung lichterer ftufenweife übergegangen wird. Zur Unterſtützung der gemachten Bemerkung, dafs in Böhmen hauptfächlich fchwächere Biere aus 10-, II- und 12gradigen Würzen bereitet und confumirt werden, wird auf die nebenftehenden Daten hingewiefen.( Tabelle Seite 13) Die dort angeführten Zahlen machen es am fchlagendften erfichtlich, dafs 10grädige Biere( refpective Würzen) in weit gröfserem Mafsftabe in böhmifchen Brauereien erzeugt werden, als andere Qualitäten. Es find unter 5,772.941 Eimer 3,461.264 Eimer aus 1ogradigen Würzen bereitet worden, was dem bedeutenden Satz von 60 Percent gleichkommt. Das Verhältnifs, mit welchem die II- und 12gradigen Biere an der Erzeugung participiren, ift folgendes: von II Grad wurden 1,268.073 Eimer, 12 27 99 " 364.018 gebraut. Auffallend erfcheint es, dafs die Gefammtmenge von Bieren 13-, 14, 15und 16gradiger Würze in ganz Böhmen nur 119.955 Eimer betrug; gerade diefe Bierqualitäten find es, welche z. B. in den Wiener und Pefter Brauereien im umgekehrten Verhältniffe, nämlich hauptfächlich gebraut werden. Diejenigen Brauereien, welche mehr als 70.000 Eimer Bier brauten( 1872) find folgende: Bierproduction 1872 in Eimern. Standort Pilfen( Bürgerfchaft). ( Actiengeſellſchaft) " Turn Poftelberg Wittingau " 241.856 150.240 88.660 75.1 20 73.820 70.000 Bodenbach Die bedeutendfte Steigerung der Biererzeugung weift das bürgerliche Brauhaus zu Pilfen auf. Dasfelbe wurde im Jahre 1842 gegründet, und hat fich durch die feit jener Zeit fich ftets gleichbleibende Qualität feines Productes einen Weltruf erworben. Die hervorragenden Eigenfchaften des Pilsner Bieres aus dem bürgerlichen Brauhauife, wie: Kohlenfäure- Reichthum, Reinheit und Feinheit des Gefchmackes und fehr lichte Farbe des Ausfehens, haben die Veranlaffung gegeben, dafs eine grofse Zahl der Bierbrauereien Oefterreichs fowie des Auslandes fich neuerer Zeit beftrebt, ein ähnliches Product zu erzeugen. Mähren und Schlefien. Der Bierbrauerei- Betrieb hat auch in diefen beiden Ländern einen grofsen Fortfchritt aufzuweifen. Es ift mit Befriedigung zu conftatiren, dafs während der letzten Jahre dafelbft durch die Zunahme des Bierconfums bei der ländlichen, fowie bei der Arbeiterbevölkerung der Genufs von Branntwein theilweife eingedämpft wurde. Mähren hat in einer Richtung den günftigften Boden für die Bierinduftrie, da nämlich die vortrefflichfte Braugerfte in dem fruchtbaren Landftriche( genannt die„ Hanna"), der fich um Olmütz, Profsnitz und Kremfier ausdehnt, in bedeutenden Quantitäten producirt wird. Im Rayon diefes Diftrictes wurden zur Verarbeitung der Gerfte für Braumalz während der letzten Jahre mehrere grofse Malzfabriken in Profsnitz, Olmütz, Kremfier, Kojetein etc. angelegt, welche hauptfächlich für den Export nach dem Auslande arbeiten. Die vier bedeutendften Brauereien Mährens find nach dem Ausweife der Bierproduction im Jahre 1872 folgende: Olmütz mit 65.248 öfterreichifchen Eimern, Tiefchetitz" 47.520 " " Napajedl 29 43.100 " 9 99 Nennovitz " 42.860 " " Bier, Malz etc. Kreis Im Jahre Anzahl der im Betriebe geftandenen Brauereien Statiftifcher Nachweis der Biererzeugung in Böhmen. für die Jahre 1868 und 1869. Menge des erzeugten Bieres und zwar zu 9 Grad 10 Grad 11 Grad 12 Grad 13 Grad 14 Grad 15 Grad 16 Grad Anzahl in Eimern ZufamBeiläufiger Werth diefer Entfallende Bierquanti Verzehrungstäten fteuer men fl. kr. fl. kr. Prag Budweis. Czaslau Chrudim. 133 7.800 420.072 283.645 36.186 II.088 46 56.400 222.865 4.490 21.320 77 29.886 227.025 68.793 4.318 473 IIO 19 130 840 748.901 305 934 3,669.614 90 804.947 19 1,376.703 215.304 39 330.625 1,587.000 345.361 48 39 99 103.343 118.195 2.671 80 224.388 1,009.746 Eger. 241.957 36 109 175.227 208.183 39.850 16.805 2.175 I2 442.252 2,122.809 60 Jitfchin 448.407 76 Jungbunzlau Königgrätz 1868 43 30.704 151.221 53.596 3.908 52 96 245.841 167.304 5.305 90 126 80 239.599 1,078.195 50 249.895 20 270 270 419.212 1,886.454 447-799 36 44 4.122 157.201 94.588 24.916 1.790 3 24 282.644 Leitmeritz 1,271.898 303.935 80 70 II.172 487.853 208.448 6.262 38.180 1.156 1.775 1.860 756.706 Pilfen. 3,253.835 80 810.236 50 95 94.342 260.560 134.948 63.256 553.106 Pifek 81 137.334 Saaz 145.861 4.180 62 4.915 317.438 80 492 1.000 17.720 288.385 Tabor. 102 23.353 151.941 50.418 1.884 Hauptftadt Prag. 45 160 11.008 53.640 103.134 Summa 998 575.620 3,100.412 1,362.587 308.685 772 35.324 90.098 29 116 92.640 420.594 3,429.257 20 584.843 30 1,297.732 50 289.595 54 2,102.970 443.388 24 228.484 941.354 8 238.618 98 17.080 40 1,721.643 Prag 94 565 19 989 1.900 313.026 5,553.856 26,749.213 58 5,913.375 20 392.084 10 133 16.836 508.97: 250.974 18.808 II. IOO 60 Budweis 53 39.168 806.749 3,953.070 10 843.370 17 Czaslau 73 14.672 236.162 244.359 27.253 67.442 19 052 357 180 330.369 1,486.660 50 365.588 19 4.530 862 40 Chrudim. 40 1.800 107.561 119.315 2.439 500 80 Eger Jitfchin 107 167.358 142.140 36.911 17.928 I 946 003 50 58 333.816 231.695 1,554.316 80 333.202 90 1,042.627 50 245-793 6 466.286 2,238.172 80 462.575 90 43 II.900 182 184 52.276 8.288 Jungbunilau Königgrätz. Leitmeritz Pilfen. Pifek 1869 50 3.310 291.817 110.789 3.510 45 3.888 199.465 78.087 26.926 68 18.420 510.813 173.415 12.215 308 24.870 I 20 380 94 99.832 265.481 145.150 93.894 2.240 1.130 80 I 450 78 150.093 142.974 2.444 Saaz 59 4.124 338.628 87.156 1.420 13.360 254.648 1,145.916 409.426 1,842.417 308.794 1,389.573 742.693 607.677 296.931 262.630 24 424.308 84 324.042 28 Tabor. IOI 26.470 142.785 60.645 3.074 Hauptftadt Prag 44 1.760 47.924 56.216 138.574 40 328 23.382 3.963 140 446.411 3,193.579 90 3,767.597 40 1,336.189 50 2,232.055 775 989 60 636.884 28 286.081 9 462.471 21 16 233.318 961.370 16 239.237 20 40.512 5.640 120 314.128 1,727.704 272.811 25 Summa 988 559.631 3,461 264 1,268.073 364.018 66.576 44.471 7.080 1.828 5,772.941 27,871.449 66 6,005.986 21 13 14 Guftav Noback. Neben der Zunahme der Biererzeugung im k. k. Schlefien ift auch noch befonders des bedeutenden Bierverfandtes nach dem benachbarten Galizien und Preufsifch- Schlefien zu gedenken. Die drei Brauereien, welche ihrer Production nach obenan ftehen, find folgende:( 1872) Tefchen mit 72.640 Eimer, Karwin" 57.411" 9 Troppau 56.805 " 29 Galizien und Bukowina. Die Bierbrauereien haben in diefen Ländern keineswegs einen folchen Auffchwung der Production erreicht, wie man diefes im Vergleich zu anderen Ländern erwarten follte. Es find wohl einzelne rationell geleitete Bierbrauereien in ihrer Production erheblich geftiegen, indem fie die in mittlerweile eingegangenen kleinen Landbrauereien erzeugten Biermengen abforbirten; von einem Aufblühen der Bierinduftrie im Allgemeinen ift jedoch nichts zu bemerken. Ein Umftand, welcher in diefer Richtung hemmend in den Weg tritt, iſt das noch in Ausübung befindliche Propinationsrecht. Als Charakteriſtik für den Kleinbetrieb in Galizien führen wir noch an, dafs in den Jahren 1871 und 1872, 125 Brauereien beftanden, welche Oberzeugbier bereiteten. Die bedeutendften Bierbrauereien brauten im Jahre 1872 folgende Biermengen: Okocim Wieprz ad Saibufch Lemberg( K. Kifelka) 65.600 Eimer, 61.080" 33.175 27 Steiermark, Kärnten, Krain, Küftenland, Tirol und Vorarl berg. Von diefen Kronländern Oefterreich- Ungarns tritt Steiermark bezüglich der Bierproduction hervor. Im Zufammenhange mit dem Aufblühen der Induftrie Steiermarks, befonders der Eifeninduftrie, fteht auch die Steigerung der Bierproduction; diefelbe hat während der letzten Jahre einen bedeutenden Auffchwung erreicht. Graz und Umgebung befitzen die ihrer Production nach bedeutendften Bierbrauereien Steiermarks. Jene vier, welche ihrer Erzeugung nach obenan ftehen, waren im Jahre 1872 folgende: Graz( F. Schreiner) Steinfeld Wagram Graz( J. Japl). " 193.600 Eimer 178.000 167.800 37.180" 99 Die erhebliche Zunahme der Bierproduction ift hauptfächlich mit dadurch hervorgerufen, dafs vom Grazer Gebiete aus der Bierexport nach dem benachbarten Ungarn, ferner nach Krain, Iftrien, dem Küftenlande und Trieft und von da nach dem Oriente in refpectabler Weife betrieben wird. Die von uns fchon oft gemachte Bemerkung über das Eingehen kleiner Bierbrauereien und die bedeutende Productionsfteigerung gut fituirter und rationell geleiteter Bierbrauereien bezieht fich auch auf diefe Ländergruppe. So find gröfsere Actienbrauereien in letzterer Zeit ins Leben gerufen worden zu Silberegg in Kärnten und Judenburg( Farrach) in Steiermark. Beide Brauereien find zeitgemäfs angelegt und eingerichtet und werden bei der intelligenten Leitung gewifs ein umfangreiches und ausgiebiges Abfatzgebiet finden. In Krain werden die meiſten Brauereien in fehr mässigem Umfange betrieben. Eine rühmliche Ausnahme hievon macht das im grofsen Mafsftabe fabriksmäfsig betriebene Etabliffement der Herren Gebrüder Kosler in Laibach, deren Product Bier, Malz etc. 15 fich aufser in Krain auch ein bedeutendes Abfatzgebiet in Trieft, dem Küftenlande, Italien und dem Oriente verfchafft hat. Diefe erft feit einigen Jahren beftehende Brauerei erzeugte im Jahre 1872 45.440 Eimer Bier. In den übrigen Ländern ift keine Steigerung der Bierproduction zu bemerken. Diefs dürfte feinen Grund hauptfächlich darin haben, dafs dort ein guter billiger Wein producirt wird, zu deffen Genufs fich die Bevölkerung mehr hinneigt, auch find die klimatifchen Verhältniffe dafelbft der Bierbereitung nicht günftig. Ungarn, Siebenbürgen, Kroatien, Slavonien und die Militärgrenze. Die Maffenproduction guten und billigen Weines in Ungarn und Siebenbürgen hat einen unverkennbaren Einfluss auf die Bierinduftrie geübt, denn in beiden Ländern hat die Bierproduction einen nur unerheblichen Auffchwung und zwar nur während der letzten Jahre aufzuweifen. Auch in diefen Ländern find es die grofsen rationell eingerichteten Bierbrauereien, welchen die Mehrproduc tion zukommt. Die Umgebung von Peft ift der Hauptfitz der im grofsartigen Mafsftabe arbeitenden Brauereien, welche allein über die Hälfte des in Gefammt- Ungarn und Siebenbürgen, erzeugten Bieres produciren. Es find diefs nachftehende Etabliffements mit ihrer Biererzeugung vom Jahre 1872: Peft( A. Dreher) mit " ( Actiengeſellſchaft) mit. 273.400 Eimer . 243.900 Kroatien, Slavonien, ferner die Militärgrenze( und zwar die SerbifchBanater, fowie die Kroatifch- Slavonifche) weifen ein mäfsiges Steigen des erzeugten und zur Verfteuerung gelangten Bieres nach. Die in diefem Ländergebiete beftehenden Brauereien werden nur im kleinen Umfange betrieben. Eine Ausnahme hievon macht die Bierbrauerei in Pancfowa, welche im Jahre 1872 33.860 Eimer Bier producirte. Nachdem die Bierproductions-Verhältniffe der öfterreichifch- ungarifchen Monarchie angeführt und in gedrängter Kürze befprochen wurden, wollen wir die Aufmerkſamkeit noch auf die Verhältniffe der Bier- Ein- und Ausfuhr lenken. Es ift aus folgender Zufammenftellung erfichtlich, dafs die Bierausfuhr die Biereinfuhr um ein fehr Bedeutendes überragt. Die Biereinfuhr betrug im Jahre 1872: 9.359 Zollcentner. Die Ausfuhr weift eine bedeutende Steigerung nach, und zwar betrug diefelbe 1859: 37.587 Zollcentner und erhob fich im Jahre 1872 auf 440.766 Zollcentner. Aus diefer auf das nahezu Zehnfache geftiegenen Menge des exportirten Bieres läfst fich wohl am beften die zunehmende Beliebtheit öfterreichiſcher Biere im Auslande erkennen. Ausfuhr und Einfuhr von Bier in Zollcentner.* Einfuhr 1859 14.238 1865 1866 1868 10.060 6.293 1867 5.889 7.596 8.808 1869 1871 1872 8.007 9.359 Ausfuhr 1859 1865 1866 1867 1868 1869 1871 1872 37.587 183.203 174.355 290.010 388.433 403.550 488.526 440.766 * I öfterreichifcher Eimer Bier à 42' Mafs ift mit einem Sporcogewicht von 120 Pfund Wiener Gewicht 134'4 Zollpfund angenommen. 2 16 Guftav Noback. Bier in Centnern Sporco* a) in Flafchen und Krügen ohne Rückvergütung der Steuer Schätzungswerth in Gulden Gein fammtGulden menge öfterr. Währung Süddeutſchland Bierausfuhr in Oefterreich. Ungarn Werth im Jahre 1871. Vertheilt fich nach oder über Türkei Sachfen Preussen Zufammen nach Deutſchland Russland Moldau und Walachei Sonſtige Grenzen Schweiz Fremde italie. nifche Staaten 15 2.782 41.730 195 222 152 569 15 1.414 363 87 317 17 b) in Fäffern gegen Rückvergütung der Steuer 5 474.511 2,372.555 100.224 86467 13.453 200144 1.086 17.886 41.376 77.296 132.151 4.572 ohne Rückvergütung der Steuer.. II.I02 55.510 644 2.961 529 4.134 793 457 186 846 13 246 4.427 * 1 öfterreichifcher Eimer Bier à 42%, Wiener Mafs hat ein Sporcogewicht von 120 Pfund gleich 134'4 Zollpfund. Trieft Fiume und anVenedig dere Häfen Menge der Einfuhr aus oder über Biereinfuhr nach Oefterreich- Ungarn im Jahre 1871. Bezeichnung EinfuhrZollBier zoll der ertrag Menge fl. kr. a) in Flafchen und Krü2 Zufammen aus Deutſchland Ctr. Netto 20 5 362 7.240 1.810 63 81 206 35° I II Bier, Malz etc. b) in Fäffern Ctr. Sporco 6 I 50 7.645 45.870 10.194 5.250 943 1.318 7.511 I 3 34 66 46 gen. * Für Bier, welches die auf den Grenzflüffen verkehrenden Schiffsleute zu ihrem Gebrauche mit fich führen, ift kein Eingangszoll, wohl aber die gefetzliche Verzehrungssteuer von 84 Neukreuzer für den Zollcentner fporco und überdiefs ein 20- percentiger Zufchlag zu diefer Steuer zu bezahlen. ** Darunter 2543 Centner zolfrei als Schiffs bier und 18 Centner Zoll- und Verzehrungssteuerfrei. 17 18 Guftav Noback. Ueber die Richtung, nach welcher die Bierausfuhr und von welcher die Biereinfuhr erfolgte, führen Näheres umftehende Zufammenftellungen an.( Seite 17 und 18.) Ein Gefammtbild der Bierinduftrie- Verhältniffe von Oefterreich- Ungarn bezüglich der Gröfse fowie des Umfanges fämmtlicher im Betriebe geftandener Brauereien, der in denfelben angewandten Gährungsmethoden( Ober- und Untergährung), ferner über die erzeugten Biermengen und die hiefür eingegangene Verzehrungssteuer wird durch das nebenftehende Tableau* in ausführlicher Weife gegeben. Das deutfche Reich. Preufsen. Der in Preufsen fowie überhaupt in ganz Norddeutſchland eingeführte Befteuerungsmodus bei Brauereien, nämlich: Malzfteuer nach Gewicht, und zwar per I Zollcentner 20 Silbergrofchen, gibt genügende Anhaltspunkte, um mit ziemlicher Genauigkeit die dafelbft producirten Biermengen aus den in officiellen Daten angegebenen Malzfteuer- Einnahmen beftimmen zu können. Bisher war es Gepflogenheit, bei officiellen Daten über Bierproduction Norddeutſchlands anzunehmen, dafs aus einem Zollcentner Malz 150 Berliner Quart Bier durchfchnittlich bereitet werden. Diefe Annahme, feit mehreren Jahrzehnten gebräuchlich, ift als ganz veraltet zu bezeichnen. Der beim Brauereibetrieb felbft in den kleinften Landbrauereien fich Bahn brechende Fortfchritt hat es fchon längft dahin gebracht, dafs durchſchnittlich ein gröfseres Quantum Bier aus I Zollcentner Malz bereitet wird. Ohne für den gefammten Durchfchnitt der Malzverwendung in den Brauereien Norddeutſchlands zu hoch zu greifen, kann angenommen werden, dafs I Zollcentner Malz 175 preufsifche Quart oder 200 4 Liter Bier ergibt. Wie in allen Ländern, fo begegnen wir auch in fämmtlichen Provinzen Preussens einer fteten Zunahme der Bierproduction. Das Erträgnifs der Braumalz- Steuer in Preufsen ergab im Jahre 1870: 2.568.053 Thaler und erhob fich nach drei Jahren, das ift im Jahre 1872 auf 3,234.166 Thaler, ift demnach gewachfen um 666.113 Thaler oder um 55% Percent. Die nachftehende Tabelle bringt über die Braumalz- Steuer einzelner Provinzen Preufsens während der Jahre 1870, 1871 und 1872 nähere Daten: Erträgnifs der Braumalz- Steuer in Preufsen. Provinzen Oft- Preufsen. Weft- Preufsen Brandenburg Pommern 1870 1871 Thaler 1872 170.507 92.596 187.539 213.421 102.619 по.165 480.692 567.600 690.768 74-775 84.414 96.841 Pofen Schlefien Sachfen. Schleswig- Holftein Hannover 59.407 64.603 70.496 328.120 366.032 401.268 317.120 412.693 442.716 77.899 79.924 95.089 122.882 138.892 150.828 Weftphalen 200.724 217.763 231.763 Heffen- Naffau. 203.591 235.702 260.034 Rhein- Provinz 396.899 424.860 470.777 Zum Thüringer Verein gehörende Landestheile 42.841 48.618 Zufammen 2,568.053 2,931.259 3,234.166 * Diefe Zufammenftellung fowie die weiter vorne gebrachten Daten find den Ergebniffen dei Verzehrungsfteuer entnommen. Bier, Malz etc. 19 Da, wie vorhin bemerkt, 20 Silbergrofchen Steuer für jeden Zollcentner verbrauten Malzes gezahlt werden, fo erhält man die Quantitäten des verbrauten Malzes, indem man die betreffenden Poften der Malzfteuer- Einnahmen obiger Tabelle um die Hälfte erhöht. Die folgende Zufammenftellung ergibt das in fämmtlichen Provinzen Preufsens verarbeitete Braumalz in den Jahren 1870, 1871 und 1872. Oft- Preufsen. Weft- Preufsen Provinzen 1870 255.760% 1871 281.30812 1872 320.13112 138.894 153.928 165.24712 Brandenburg 721.038 851.400 1,036.152 Pommern. 112.1621/ 2 126.621 145.26112 Pofen 89.1101/ 2 96.90412 105.744 Schlefien Sachfen Schleswig- Holftein Hannover. 492.180 549.048 601.902 475.680 619.0391/ 2 664.074 116.84812 119.886 142.6331 184.323 208.338 226.242 Weftphalen 301.086 326.64412 347.64412 Heffen- Naffau 305.38612 353.553 Rhein- Provinz 595.3482 637.290 390.051 706.16512 Zum Thüringer Verein gehörende Landestheile 64.26112 Zufammen 3,852.0791 72.927 4.396.8881 4,851.249 In einer fehr erheblichen Weife fteigerte fich die Zunahme des während der letzten drei Jahre verbrauten Malzes in Brandenburg, nämlich von 721.038 Zollcentner auf 1,036.152 Zollcentner, alfo um 315.144 Zollcentner oder um 44 Percent. Diefe Thatfache wird hauptfächlich herbeigeführt durch die fehr bedeutende Zunahme der Bierproduction in Berlin( unter Brandenburg mit einbezogen). Es geftaltete fich im Jahre 1871 in Berlin der Eingang an Malzfteuer, die daraus folgende Menge des verbrauten Malzes, fowie die erzeugte Bierquantität nachftehend: 1871 Berlin Malzfteuer in Thalern Menge des ver- brauten Malzes in Zollcentnern 364.503 546.7541 Bierproduction in Quart 95,682.03712 in Litern 109,569.601-8 Nach diefer Zuſammenftellung entfällt auf den Kopf der Bevölkerung in Berlin circa 137 Liter producirten Bieres. Die von der Steuerbehörde veröffentlichten genaueren Nachrichten über die Berliner Brauereien im Jahre 1871 ergeben folgende Verhältniffe: Es waren im Jahre 1871 überhaupt 49 Brauereien im Betriebe, welche zufammen 364.403 Thaler Braumalz- Steuer gegen 296.565 Thaler in 1870 gezahlt haben, mithin um 67.938 Thaler mehr. Zur Bierbereitung wurden von 22 baierifchen Bierbrauereien 361.577 Centner Gerftenmalz( 1870, 274.325 Centner) verwendet, von 14 Weissbier- Brauereien 145.768 Centner Weizenmalz( 1870, 129.983 Centner), von 7 Braun- und Bitterbier- Brauereien 34.567 Centner Gerftenmalz ( 1870, 34.403 Centner), von 6 Kunftbier- Brauereien 5515 Centner( 1870, 3332 Centner). Der gefammte Malzverbrauch aller Brauereien betrug hiernach 547.427 Centner gegen 442.043 Centner im Jahre 1870. Diefe Ziffern laffen erkennen, dafs, während der Mehrverbrauch an Malz in den Weifs-, Braun, Bitter- und Kunftbrauereien verhältnifsmäfsig in nur geringem Maſse geftiegen ift, der Betriebs 20 Guftav Noback. umfang in den baierifchen Brauereien denjenigen des Vorjahres um faft ein Dritttheil überftiegen hat. Der Abfatz der Berliner Brauereien nach aufserhalb ift nicht von Bedeutung, da der locale Confum fo ftark ift, dafs die Brauereien denfelben kaum haben decken können. Ueberdiefs wird auch der auswärtige Abfatz durch die verhältnifsmässig hohen Transportkoften erfchwert. Die Einfuhr von Bier von aufserhalb ift nicht unbedeutend gewefen; Berlin bezog im vorigen Jahre aus dem Regierungsbezirke Potsdam circa 102.797 Tonnen, aus dem Regierungsbezirke Frankfurt 3.332 Tonnen, aus dem Königreiche Sachfen 12.984 Tonnen, aus Baiern 2.248 Tonnen, zu denen noch 398 Tonnen Porter und Ale aus England, Hamburg etc. hinzutreten. Der gefammte Bierimport ftellt fich fonach auf 121.669 Tonnen gegen 102.217 Tonnen in 1870; ift alfo nicht unerheblich geftiegen. Die Weifsbier- Brauerei hat letzterer Zeit zugenommen; die Verwendung von Braumalz hiezu, die im Jahre 1865 bereits 142.823 Centner betrug, war nach und nach bis zum Jahre 1868 auf 113.867 Centner zurückgegangen. Seitdem hat fich aber der Betriebsumfang der Weifsbier- Brauereien erheblich vergröfsert, und find von demfelben 1869 131.425 Centner, 1870 155.310 Centner, 1871 161.084 Centner Malz verfteuert worden. Die Productionszunahme von 1868 bis 1871 beträgt alfo 415 Percent. Dagegen ift für Braun-, Bitter- und Kunftbiere( meift obergährig) eine erhebliche Abnahme der Verwendung von Braumalz zu conftatiren; diefelbe betrug 1865 noch 47.300 Centner, ging 1868 auf 31.594 Centner, 1869 auf 34.069 Centner, 1870 auf 19.674 Centner zurück und hat im letzten Jahre 1871 nur noch 18.702 Centner umfafst, fo dafs alfo zwifchen 1868 und 1871 eine Abnahme der Production um 40 8 Percent hervorgetreten ift. Die Anzahl der jetzt in Berlin beftehenden Actien- Bierbrauereien ift eine überaus grofse und wuchs diefelbe hauptfächlich dadurch in den letzten drei Jahren fo rapid, weil viele in Privathänden befindliche Bierbrauereien in Actienunternehmungen umgewandelt wurden. Aus nachftehender Zufammenftellung erfieht man, dafs die dreizehn in Berlin beftehenden Actien- Bierbrauereien im Jahre 1872 347-598 Centner Malz verarbeiteten, ein Actiencapital von 9,240.000 Thaler und Hypotheken im Betrage von 3,539.550 Thaler in fich vereinigten. Divid. Brauerei Thaler Malzverbr. Actiencapital Hypotheken Centner Thaler 1872 Malzverbr. in Percenten des Anlage- CapiPercent tals berechnet 1) Tivoli 2) Union 69.960 47.289 1,500.000 1,000.000 3) Böhmifche • 36.152 600.000 4) Königftadt 5) Bock 6) Moabit. • 29.280 800.000 22.110 • • • 700.000 597.800 336.000 194.000 416.000 300.000 98 3:33 634 3.54 ΙΟ 4'55 81/6 2'4I 8 2'21 21.262 550.000 150.000 7) Societät 20.142 550.000 248.750 8) Friedrichshain 20.100 9) Schultheis 19.260 10) Patzenhofer. 17 204 500.000 500.000 350.000 250.000 192.000 9988 812 3.04 6 2.52 6 2.68 6 2.78 100.000 IO 3.82 II) Schöneberg. 12) Adler 17.145 540.000 200.000 3 2.32 16.778 650.000 300.000 3 I- 77 13) Berg. 10.916 1,000.000 255.000 - 0.87 Summa 347.598 9.240.000 3.539.550 Ende 1872 find noch weitere vier Actien- Bierbrauereien zu regiſtriren, und zwar eine ganz neu angelegte und drei Privat- Weifsbier- Brauereien, umgewandelt in Weifsbier- Actienbrauereien. Bier, Malz etc. 21 obaDie Anzahl der in Preufsen betriebenen Brauereien ift aus nachftehender Zufammenftellung für das Jahr 1871 erfichtlich. 1871 Gewerbliche Brauereien Davon waren im Betriebe Nichtgewerbliche Brauereien Preufsen, und zwar: Oft- Preufsen 367 326 68 Weft- Preufsen 118 IIO Brandenburg 562 537 14 ( darunter Berlin) ( 49) ( 49) (-) Pommern 199 187 84 Pofen.. 216 184 Schlefien 1161 1085 2 Sachfen. Schleswig- Holftein Hannover 815 749 49 379 368 392 469 431 427 Weftphalen Heffen- Naffau Rheinland. Thüringifche Gebiete 1126 1016 1544 720 668 6 2071 1828 135 123 Zufammen 8326 109 7598 6 2727 Zur Ergänzung diefer Ueberficht ift noch zu bemerken, dafs auch eine fteuerfreie Bereitung von Bier in Kochkeffeln etc. ftattgefunden hat; es find zu diefem Behufe von den Bierfteuerbehörden 27.983 Erlaubnifsfcheine im Jahre 1871 ertheilt worden, auf Grund deren die fteuerfreie Haustrunk- Bereitung für 136.997 Perfonen ftattgefunden hat. Der Hauptfache nach kommen hiebei in Betracht: Oft- Preufsen mit 23.645 Perfonen, Pommern mit 12.924 Perfonen, Provinz Sachfen mit 3.481 Perfonen, Schleswig- Holftein mit 48.482 Perfonen, Hannover mit 6.406 Perfonen, Weftphalen mit 2.260 Perfonen, Mecklenburg mit 36.217 Perfonen. In allen übrigen, vorſtehend nicht befonders genannten Gebieten Nord- Deutſchlands ift die fteuerfreie Bierbereitung ohne Erheblichkeit gewefen. Die amtlichen Nachrichten über den Betrieb der Brauereien in Preussen gewähren ein treffendes Bild von dem Zuftande des Grofs- und Klein- Brauereigewerbes. Während erfteres in fortwährendem Zunehmen begriffen, ift letzteres immer mehr zurückgegangen. Der Zuftand der kleineren Brauereien in den Städten, noch mehr aber derjenigen auf dem Lande, welche nur für den localen Bedarf betrieben werden, ift veraltet und mangelhaft. Abgefehen von den geringen Betriebsmitteln, über welche die Befitzer meiſtens nur zu verfügen haben, fehit denfelben auch das Intereffe, durch Verbefferungen ihre Brauereien zu heben, da fie mit den gröfseren, intelligent betriebenen Anftalten doch nicht concurriren können. Die kleineren Brauereien gehen daher langfam ein. Was dagegen die gröfseren Etabliffements betrifft, fo werden keine Capitalien gefcheut, diefelben auf das grofsartigfte einzurichten, mit den beften Geräthen und techniſchen Vorrichtungen zu verfehen, mit grofsen zweckmäfsigen Lagerkellereien in Verbindung zu fetzen und die Production fortwährend zu fteigern. In Anbetracht der gröfseren Rentabilität diefer rationell eingerichteten Brauereien ift deren Zahl in ftetem Steigen gewefen. Nach den veröffentlichten ftatiftifchen Erhebungen betrug die Zahl der in Preufsen( exclufive jedoch der beim Thüringifchen Zoll- und Handelsvereine einrechnenden Gebietstheile) im Betriebe befindlichen Brauereien nach Mafsgabe ihres Betriebsumfanges: Malzverarbeitung über 2000 Centner 1000 bis 2000 وو 99 99 499 349 1871 1870 1869 363 333 307 414 100 bis 1000 3484 3618 3614 99 " و" von 100 Centner und darunter 3143 3332 3521 22 Guftav Noback. Stellt man die für 1871 und 1869 vorſtehend angegebenen Zahlen einander gegenüber, fo zeigt fich bei denjenigen Brauereien, welche über 2000 Centner Braufchrot verarbeiteten, eine Zunahme der Zahl um 56 oder 18 2 Percent, ebenfo bei den Brauereien, welche zwifchen 1000 und 2000 Centner Braumalz verfteuerten, um 85 oder 18-2 Percent. Anders und günftiger ftellte fich dagegen das Verhältnifs bei den kleinen Gewerbsanftalten. Die Zahl derjenigen, welche 100 bis 1000 Centner verbrauchten, hat um 130 oder 3.6 Percent, derjenigen, welche 100 Centner und weniger einbrauten, um 378 oder 10 7 Percent abgenommen. Die Gefammtzahl der im Betriebe befindlichen gewerblichen Brauereien, welche 1869 noch 7856 betrug, ift in 1870 auf 7722, in 1871 fogar auf 7489 zurückgegangen, hat fich alfo im Verlaufe von 3 Jahren um 367 oder 4'7 Percent vermindert. Dafs hiebei lediglich das Eingehen der kleineren Betriebsanftalten in Betracht kommt, zeigen die vorftehenden Ziffern. Haben wir vorftehend die Brauereien nach ihrem Betriebsumfange für den ganzen Staat berücksichtigt, fo dürfte es jedenfalls von Intereffe fein, auch zu fehen, wie fich das Verhältnifs der Grofsbrauereien zu den kleinen Betriebsanftalten in den einzelnen Provinzen ftellt. Die nachfolgende Ueberficht enthält Näheres hierüber. In den verfchiedenen Provinzen Preufsens wurde befonders vor einer Reihe von Decennien die Bierbrauerei als ein kleines Nebengewerbe der Landwirthfchaft betrieben. Mit der Zunahme des Bierconfums und der Anlage gröfserer ausgedehnterer Bierbrauereien, welche rationell angelegt und mit vortheilhaften Brauerei- Arbeitsmafchinen ausgerüftet wurden, ift die gefammte Bierbrauerei aus der Reihe der kleinen Gewerbe ausgetreten und zu einer felbftſtändigen, bedeutungsvollen Induftrie herangewachfen. Im Jahre 1831 beftanden in Preufsen noch 16.027 Bierbrauereien. Diefe verminderten fich bis zum Jahre 1865 auf 7426, alfo um nicht weniger als um 8601, das ift um 116 Percent. Am auffallendften war diefe Verminderung auf dem Lande, denn hier fiel die Anzahl von 9002 auf 3652 Brauereien, dagegen in den Städten von 6047 auf 3774 Brauereien. Zahl der Brauereien, welche an Braumalz verfteuerten: über 2000 Ctr. über 1000-2000 Ct. über 100-1000 Ctr. 100 Ctr. u. weniger 1871 1870 1869 1871 1870 1869 1871 1870 1869 1871 1870 1869 23332 52 Oft- Preufsen 17 17 13 44 37 Weft- Preufsen 24 22 19 15 Brandenburg 69 65 66 5r 20 16 13 17 21 IO 9 9 14 13 84 68 Pommern Pofen Schlefien Sachfen SchleswigHolftein Hannover 45 44 48 45 484 96 6 34 27 15 44 92 195 203 217 70 84 56 63 67 II 14 9 48 296 276 268 147 149 161 20 79 79 83 71 77 80 IO 107 116 109 53 55 62 67 534 572 571 422 415 439 59 441 455 471 196 214 199 39 40 64 55 14 II 24 26 IO 23 28 95 22 18 15 25 223 Weftphalen 25 20 36 31 Heffen- Naffau 34 31 33 34 29 Rheinprovinz 40 32 27 97 82 Zufammen 363 333 307 499 439 151 144 148 194 211 220 159 152 152 226 242 268, 383 369 347 572 619 710 25 266 275 268 334 329 242 82 844 914 913 847 893 939 414 3484 3618 3614 3143 3332 3521| 3| 3332 Mit der Zunahme der Bierproduction in Preufsen find in letzterer Zeit Malzfurrogate beim Brauereibetriebe eingeführt worden. Nach officiellen Daten, welche auf Grund des Eingeftändniffes der Brauer durch die Behörde gefammelt Provinzen 1871 1872 in Quart in Litern in Quart in Litern in Quart in Litern 1870 Bier, Malz etc. Oftpreufsen Westpreussen 44,758.08712 24,306.450 51,254.404 2 27,834-357.6 Brandenburg. 126,181.650 144,496.015.2 Pommern 19,628.43712 Pofen 15.594-33712 Schlefien 86.131.500 22,477.365 17,857.744 2 98,632.872 Sachfen. 83,244.000 95,326.272 Schleswig- Holstein. 20,448.487% 2 23,416.439 4 Hannover 32,256.525 36,938.329 2 Weftphalen 52,690.050 60,337.634'4 Heffen- Naffau. 53.442.637 61,199.454.6 Rhein- Provinz 104,185.987% 119,307.839 4 49,228.98712 26,937.48712 30,847.271 4 148,995.000 22,158.675 16,958.28712 96,083.400 108.331.9121 20,980.050 36,459.150 57,162.787% 61,871.775 III, 525.750 56,374.223 4 56,023.0122 64,164.352-6 170,620.560 28,918.31212 32,115.599 181,326.600 207,644.860.8 25,374.848.4 19,419.661.8 IIO, 029.219.2 25,420.76212 29,110.404.6 18,505.200 21,191.097.6 124.055.515.8 24,025.154 4 41,750.935 2 65,459.557.8 70,852.021 2 127.712.916 105.332.850 116,212.950 24,960.8621/ 2 120,621.160.8 133,080.429.6 28,583.753 4 39,592.350 45,338.896.8 60,837.787% 69,667.957.8 68,258.925 78,166.220.4 123,578.96212 141,515.566.2 Zum Thüringer Verein. gehörende Landestheile II, 245.762 r2,878.004-6 Total 674,113.912771,956.731-8 12,762.225 769.455.487% 14,614.570.8 881,136.455 4 848,968.575 972,190.299.6 23 24 Guftav Noback. wurden, wuchfen die in Preufsen während des Jahres 1869 verwendeten BraumalzSurrogate bis zu folgenden nicht unerheblichen Mengen: 77.381 Centner Zucker und Syrup( wovon etwa 98 Percent aus Kartoffelftärke), 8.326 493 " Reis und Stärke. Die Ausgiebigkeit diefer Surrogate beim Bierbrauen ift eine folche, dafs ein Aequivalent von 234.000 Centner Malzfchrot erreicht wurde und hiedurch den Brauereien ein Steuererfparnifs von circa 150.000 bis 160.000 Thaler erwachfen ift. Diefe Verhältniffe veranlafsten die Regierung, ein neues Reichs- Biergefetz mit Surrogatfteuer einzuführen. Dasfelbe ift am I. Jänner 1873 in Wirksamkeit getreten und fchreibt folgende Sätze vor: I. von Getreide( Malzfchrot) wie bisher 2. Reis( gemahlen oder ungemahlen) 3. Stärke, Stärkemehl( mit Einfchlufs des Kartoffelmehles) und des Stärkegummi( Dextrin) • 4. von Zucker aller Art( Stärke-, Trauben, u. f. w. Zucker), fowie von Zuckerauflöfungen 5. von Syrup aller Art* - Thaler 20 Silbergrofchen per Centner - 20 " 27 99 " I" I 20 I IO 27 , " 17 Eine ausführliche Gefammtüberficht der Bierproduction in Preufsen und deffen Provinzen während der Jahren 1870, 1871 und 1872 gibt die vorftehende Tabelle. Bei einer Bevölkerung von 24,693.066 Einwohnern Preufsens entfällt im Jahre 1872 bei der Bierproduction von 848,968.575 Quart oder 972,190.299.6 Liter per jeden Einwohner ein Bierquantum von 34% Quart oder 39% Liter. Sachfen. Im Königreiche Sachfen wird die Bierbrauerei in anfehnlicher Weife betrieben, insbefondere zeichnet fich Dresden durch die erhebliche Zahl der dafelbft beftehenden grofsen Actien- Bierbrauereien aus. Es beftanden im Jahre 1871, 757 Bierbrauereien in ganz Sachfen, von welchen 699 im Betriebe waren. Das Steuererträgnifs( per I Centner Braumalz 20 Silbergrofchen), das verarbeitete Braumalz- Quantum, fowie das bereitete Bier haben eine erhebliche Steigerung aufzuweifen. In einer 12jährigen Periode von 1860 bis 1872 ftieg das Braumalz- Steuererträgnifs von 329.901 Thaler auf 514.065 Thaler, vermehrte fich alfo um 184.164 Thaler oder 56 Percent.( Siehe nachftehende Tabelle.) In Dresden und deffen unmittelbarer Nähe beftehen feit einer Reihe von Jahren vier Actien- Bierbrauereien, und zwar: Waldfchlöfschen, Feldfchlöfschen, Felfenkeller und Reifewitz, welche bei einer rationellen und intelligenten, technifchen und commerziellen Leitung einen fehr flotten Betrieb erzielten und eine fehr reichliche Verzinfung für die Actionäre abwarfen. In mehreren Jahren erreichte die Verzinfung der einzelnen Brauereien nicht weniger als 24-28 Percent. In allerletzter Zeit wurden noch zwei beftehende Privatbrauereien in Actienbrauereien umgewandelt und eine neue angelegt. Dresdens Bierbrauereien treiben einen refpectablen Bierexport nach allen Theilen Deutfchlands, fowie auch über deutfche Häfen nach überfeeifchen Ländern. Bezüglich der Biereinfuhr nach Sachfen ift zu bemerken, dafs insgefammt während * Diefes Gefetz gilt für das innerhalb der Zolllinie liegende Gebiet des deutfchen Reiches mit Ausfchlufs der Königreiche Baiern und Württemberg, des Grofsherzogthums Baden, Elfafs- Lothringens, des grofsherzoglich fächfifchen Vordergerichtes Oftheim und des herzoglich coburg- gothaifchen Amtes Königsberg. Malz SteuerJahr Erträgnifs in Thaler Bier, Malz etc. Verfteuertes Malz in Centner Bierproduction in Quart in Liter 1860 329.901 494.85112 86,599.01212 1861 333.001 499.50112 87,412.76212 99,168.240.6 100,100.100.6 1862 354.417 531.62512 93,034.46212 106,537.750 2 1863 376.270 564.405 98,770.875 113,106.762 1864 396.701 595.0511 104,134.01212 119,248.320.6 1865 448.083 672.12412 117,621.78712 134,693.749.8 1866 463-594 695.391 121,693.425 139.356.356 4 1867 439.133 658.6991 115,272.41212 132,003.379.8 1868 443-525 665.28712 116,425,31212 133,323.615 1869 472.736 709.104 124,093.200 142,104.441.6 1870 466.837 700.25512 122,544.71212 140,331.202'2 1871 514.065 771.09712 134,942.06212 154.527.939 25 des Jahres 1872, 79.354 Centner Bier importirt wurden, und entfallen hievon 78.569 Centner auf Bier von Oefterreich, 698 Centner von Hamburg und der Reft auf Oftfee- Häfen. Der Biereingang vertheilt fich auf folgende HauptZollämter: Pirna Schandau Zittau Marienberg 27.875 Centner 12.370 9.874 7.181 99 وو 99 Leipzig Eifenftock. Dresden Annaberg 6.926 Centner 5.890 5.887 99 3.030 " 99 Das gefammte im Königreiche Sachfen während des Jahres 1871 von 699 im Betrieb befindlichen Bierbrauereien verarbeitete Malzquantum von 771.097% Zollcentner läfst einen genaueren Schlufs auf die erzeugte Biermenge ziehen. Die aus diefem Malzquantum erzeugte Biermenge beträgt 134,942.0621/ 2 Quart oder 154,527.939 Liter. Bei der Einwohnerzahl in Sachfen( 2,556.244) entfällt eine Menge von 601 Liter producirten Biers per Kopf der Bevölkerung. Lauenburg, Lübeck, Heffen( Provinz Ober- Heffen), Mecklenburg, Sachfen- Weimar, Oldenburg, Braunfchweig, SachfenMeiningen, Sachfen- Altenburg, Sachfen- Coburg- Gotha, Anhalt, Schwarzburg Rudolftadt, Schwarzburg- Sondershaufen, Reufs ä. L. und Reufs j. L. In den genannten Herzogthümern und Landestheilen Norddeutfchlands hat die Bierbrauerei eine Steigerung erfahren, während gleichzeitig die Anzahl der Bierbrauereien fich verminderte. Es ift diefs eine Thatfache, welcher wir bei vielen Ländern begegnen und welche darin ihren Grund hat, dafs die in kleinem Mafsftabe betriebenen Brauhäufer durch gröfsere, rationell angelegte und kaufmännifch geleitete Bierbrauereien, welche den Bierabfatz mehr an fich zu feffeln in der Lage find, verdrängt werden. Die Anzahl der Bierbrauereien, welche 1871 in genannten Ländern beftanden, zeigt nachftehende Tabelle. Aufser in den gewerblichen Brauereien des in der Tabelle verzeichneten norddeutfchen Gebietes wurde noch auf Grund der von den Steuerbehörden ertheilten Erlaubnifsfcheine Bier in Kochkeffeln etc. fteuerfrei bereitet. Im Jahre 26 Guftav Noback. 1871 wurden fpeciell für 33.217 Perfonen in Mecklenburg folche Erlaubnifsfcheine zur fteuerfreien Haustrunkbereitung ertheilt. 1871 Gewerbliche Davon waren Nichtgewerbl. Brauereien im Betriebe Brauereien Lauenburg 25 23 Lübeck 29 29 3 Heffen( Provinz Ober- Heffen) 335 200 ΙΟ Mecklenburg 173 168 437 Sachfen Weimar 262 231 134 Oldenburg 177 163 9 Braunschweig 106 93 Sachfen- Meiningen 5 326 • 309 73 Sachfen- Altenburg Anhalt 120 107 50 Sachfen- Coburg- Gotha Schwarzburg- Rudolftadt Schwarzburg- Sondershaufen Reufs ä. L. Reufs j. L. 228 201 88 87 2 2 148 128 173 72 62 12 56 42 7 94 78 Die nachftehende und die auf Seite 27 folgende Tabelle geben näher an, mit welchem Theil jedes der angeführten Länder an Malz- Steuereinnahmen participirt. 1870 1871 1872 Länder Thaler Thaler Thaler Lauenburg 2.453 2.729 12.952 Lübeck 9.190 10.213 0.471 Heffen( Provinz Ober- Heffen) 35.054 35.266 198.952 Mecklenburg 46.854 47.121 49.574 Sachfen- Weimar 56.082 62.584 65.325 Oldenburg 16.866 17.790 15.286 Braunschweig 45.428 46.694 52.390 Sachfen Meiningen 47.727 49.327 57.985 Sachfen- Altenburg 35.256 38.249 40.349 Sachfen- Coburg- Gotha 57.274 60.742 64.830 Anhalt Schwarzburg- Rudolftadt Schwarzburg- Sondershaufen Reufs ä. L. 30.565 31.451 33.259 19.763 21.717 24.693 13.577 14.995 16.787 7.328 7.333 7.987 Reufs j. L. 24.305 26.459 28.814 Eine auffallende Steigerung ift beim Eingang der Steuerbeträge im Jahre 1871 und 1872 bei Heffen zu bemerken. Diefe hat lediglich darin ihren Grund, dafs bis zum Jahre 1872 nur die Provinz Ober- Heffen allein der Steuergemeinfchaft angehörte, während die Daten im Jahre 1872 fich auf das Grofsherzogthum Heffen beziehen. Bier, Malz etc. 1870 1871 1872 Länder Centner Centner Centner Lauenburg 3.67912 4.09312 4.428 Lübeck 13.785 15.3192 15.70612 Heffen( Provinz Ober- Heffen) 52.581 52.899 298.428 Mecklenburg 70.281 70.68112 74.361 Sachfen- Weimar 84.123 93.876 97.987% Oldenburg 25.299 26.685 22.929 Sachfen- Coburg- Gotha Braunfchweig Sachfen- Meiningen Sachfen- Altenburg Anhalt Schwarzburg- Rudolftadt Schwarzburg- Sondershaufen 68.142 70.041 78.585 71.59012 73.99012 86.977 52.884 57.373% 60.523% 85.911 91.113 97.245 45.84712 47.17612 49.8881/ 2 29.64412 32.5752 37.039 20.3651 22.492 25.180 Reufs ä. L. Reufs j. L. • 10.992 36.4571 10.99912 II.985 39.68812 43.221 27 Unter Berücksichtigung des Satzes, dafs aus einem Zollcentner Malz 175 Quart oder 200 4 Liter Bier gebraut werden, geftaltet fich die Bierproduction der einzelnen Länder in den Jahren 1870, 1871 und 1872 folgendermassen: Länder 1870 1871 1872 Liter Liter Liter Lauenburg Lübeck 737-371-8 2,762.514 820.337.4 3,070.027.8 887.371 2 3,147.582-6 Heffen( Provinz Ober- Heffen) 10,537.232 4 10,600.959.6 59,804.971 2 Mecklenburg 4,084.312 4 14,164.572.6 14,901.944 4 Sachfen- Weimar 16,858.249 2 18,812.750 4 19,636.695 Oldenburg Braunfchweig 5,069.919.6 5.347.674 4,694.971.6 13,655.656.8 14,036.216 4 15,748.434 Sachfen- Meiningen Sachfen- Altenburg Sachfen- Coburg- Gotha Anhalt Schwarzburg- Rudolftadt Schwarzburg- Sondershaufen Reufs ä. L. 14,346.736 2 14,827.696 2 17,430.291 10,597.953 6 II, 497.649 4 12,128.909.4 17,216.564 4 18,259.045 2 19,487.898 9,187.839 15,454.170.6 9,997.055 4 5,940.757.8 6,528.130.2 7,422.715.8 4,081.246.2 4,508.396.8 5,046.172.2 Reufs j. L. 2,202 796.8 7,306.083 2,204.299.8 7.953-575 4 2,401.894 2 8,661.488.4 Werden die Bevölkerungszahlen mit eben angegebenen producirten Biermengen verglichen, fo erhalten wir in nachftehender Tabelle die näheren Zahlenverhältnisse der auf einen Kopf der Bevölkerung entfallenden Mengen producirten Bieres. 28 Länder Guftav Noback. 1872 Kommt auf Bevölkerung einen Kopf Bier in Liter Lübeck 52.158 60 Heffen( Provinz Ober- Heffen) 852.843 70 Mecklenburg 654.879 221/2 Sachsen- Weimar 286.183 68 Oldenburg 314.788 15 Braunfchweig 311.715 501/2 Sachfen- Meiningen 187.844 Sachfen Altenburg 142.122 93 85 Sachfen- Coburg- Gotha 174.339 II2 Anhalt 203.354 49 Schwarzburg- Rudolftadt 75.523 98 Schwarzburg- Sondershaufen 77.191 75 Reufs ä. L.. Reufs j. L. 89.032 27 45.094 192 Mecklenburg und Oldenburg ftehen mit 2212 und 15 Liter per Kopf der Bevölkerung am niedrigften. Luxemburg. Die von der Luxemburger Handelskammer herausgegebenen ftatiftifchen Daten erweifen zur Genüge, dafs die Brauerei bezüglich der in einheimifchen Unternehmen producirten Biere in Zunahme begriffen ift. Die Luxemburger Bierbrauereien verbrauchten vom Jahre 1868 bis 1870 nachftehende Malzmengen und bereiteten daraus die nebenftehenden Quantitäten Bier.* Bierproduction Jahr Malz in Kilogramm in Tonnen in Litern 1868 1,127.450 33.900 3,864.600 1869 1,414.500 42.500 4,845.000 1870 1,557.45° 46.800 5.335.200 Nach den Verkehrsüberfichten des Zollvereines wurden an Bier in den Jahren 1869 und 1870 folgende Mengen aus Luxemburg exportirt: * Da Luxemburg zur Zeit zum Gebiete des deutfchen Zollvereines gehört, wird es an diefer Stelle befprochen. Jahr Bier, Malz etc. Export nach Belgien Frankreich in Centner in Centner 1869 4586 Zufammen in Centner 1184 577° 29 1870 2081 I2I 2202 Es entfallen nach diefen Daten auf jeden Kopf der Luxemburger Bevölke rung 261 Liter producirten Bieres. Baiern. Auf dem Continente ift Baiern dasjenige Land, welches in Bezug auf die erzeugten Biermengen in den Vordergrund geftellt zu werden verdient. Die in den Bierbrauereien Baierns fchon feit langer Zeit eingeführte Methode der Untergährung, durch deren Anwendung man auch bei Verbreitung weniger ftarker Würzen ein erfrifchendes, wohlfchmeckendes und gefundes Bier erlangt, hat der baierifchen Gährmethode einen weitgreifenden Ruf verfchafft, fo dafs heute mit Ausnahme der Porter- und Ale- Brauereien faft alle übrigen Etabliffements von Ausdehnung und Bedeutung mit der von Baiern herftammenden Untergährung arbeiten. Die Hauptplätze eines ausgedehnten und umfangreichen Brauereibetriebes in Baiern find hier vor Allem München, Nürnberg und Augsburg, dann Erlangen, Kulmbach etc. Die in Baiern eingeführte Malzfteuer wird vom Volumen( Schäffel) des zur Schrotmühle gelangenden Malzes erhoben.** Die Anzahl der in Baiern beftehenden Bierbrauereien, nämlich im Jahre 1872, 5217, ift als eine fehr grofse zu bezeichnen; diefes Verhältnifs ift hauptfächlich darin begründet, dafs aufser den grofsen Bierbrauereien von München, Nürnberg etc. auch noch eine fehr erbebliche Zahl ganz kleiner Bierbrauereien auf dem flachen Lande beftehen und nur als landwirthschaftliche Nebengewerbe im befcheidenen Mafsftabe betrieben werden. Ueber die Zahl der Brauereien in Baiern, fowie deren Gefammtproduction während der Jahre 1859 bis 1872 gibt die nachftehende Tabelle nähere Daten. Zahl der Brauereien Werth der Production Jahr 1859/60 5.123 1860/61 5.122 1861/62 5.417 Bierproduction 10,343.415 Eimer 7,934.157 10,672.578 52,316.516 Gulden. وو 99 1862/63 5.424 II.878.698 99 53,510.172 54,973.104 60,945-723 99 99 1863/64 5.518 12,494.133 30 66,779.412 1864/65 5.548 1865/66 5.871 1866/67 5.145 12,935.230 13,667.744 12,137.462 " 65,881.027 รา 75.042.533 29 71,691.744 1867/68 5.091 II, 800.805 99 69,949.000 1868/69 5.105 12,632.595 99 84,044.214 99 1869/70 5.137 11,803.549 99 68,245.459 1871 5.177 1872 5.217 13,457-326 15,788.601 - 93 99 29 erhoben. ( 10,103.805 Hektoliter). ** Seit 31. Mai 1872 wird in Baiern per 1 Hektoliter die Malzfteuer mit 2 fl. 20 kr. 30 Guftav Noback. Bei der Beurtheilung der während der Jahre 1859 bis 1872 in Baiern producirten Biermengen tritt ein ganz eigenthümliches Verhältnifs in den Vordergrund; es ift wohl im Vergleich zur Bevölkerung die Bierproduction in Baiern eine fehr bedeutende zu nennen, eine erhebliche Steigerung ift jedoch bei diefer Bierproduction in dem Mafse, wie in den meiften anderen Bier producirenden Ländern, nicht zu bemerken. Das gröfste Bierquantum, nämlich 13,667.744 Eimer, wurde im Jahre 1865 und 1866 gebraut. Diefelben Schwankungen, welche während der eben verzeichneten Jahre bei der Bierproduction fich bemerkbar machen, find auch bei der Anzahl der im Betriebe geftandenen Brauereien wiederzufinden. Die in Baiern producirten Biergattungen find: Schankbier, Lagerbier, Luxusbier und Weifsbier; die Menge, welche von jeder diefer Biergattungen in den Jahren 1859 bis 1872 erzeugt wurde, fowie das verbrauchte Malzquantum ift aus nachftehender Tabelle erfichtlich. Jahr Anzahl der betriebenen Brauereien Malzverbrauch in baier. Schäffeln Production verfchiedener Biergattungen in baierifchen Eimern Schankbier Lagerbier Luxusbier Weifsbier Summa 81.444 440.789 10,343.415 76.679 478.323 7,934.157 82.788 482.323 10,672.578 108.952 487.200 11,878.698 1859/60 5.123 1,539.577 4.467.269 5,053.913 1860/61 5.122 1,376.296 3,194.556 4,184.599 1861/62 5.417 1,622.907 4,963.519 5,143.948 1862/63 5.424 1,803.517 5.455 097 5,827.449 1863/64 5.518 1,897-734 5,619.932 6,143.325 271.498 459.378 12,494.133 1864/65 5.548 1,986.915 5,789.768 6,337-395 272.960 535.107 12,935.230 1865/66 5.871 2,082.910 6,024.806 7,152.233 100.622 390.083 13,667.744 1866/67 5.145 1,822.311 5,460.559 6,185.191 125.470 366.242 12,137.462 1867/68 5.091 1,758.190 5,277-374 5.985.036 120.032 418.343 11.800.805 136.418 352.032 12,632.595 114.493 324.226 11,803.549 194.127 373.760 13,457.326 1868/69 5.105 1,827.302 5,696.285 6,447.860 1869/70 5.137 1,749.386 5.398.450 5,966.380 1871 5.177 1,934.448 6,263.987 6,625.452 In welcher Weife im Jahre 1872 die verfchiedenen Regierungsbezirke Baierns fich an der Biererzeugung betheiligten, zeigt nachftehende Tabelle. Unter den im Jahre 1872 betriebenen 5217 Bierbrauereien befanden fich 379 Communebrauereien. Die angeführte Zufammenftellung bezieht fich auf Baiern's fieben Regierungsbezirke diesfeits des Rheins; die Rheinpfalz, welche als Malzauffchlag per Jahr 100.000 fl. Averfum zahlt, ift nicht mit inbegriffen. In den Malzauffchlags- Betrag von 9,617.126 fl. 12 kr. find jene Sätze mit inbegriffen, welche von 220 Branntwein- Brennereien, 72 Germfiedereien, 32 Hefenfabriken, 152 Effigfabriken und 121 Malzfabriken entrichtet wurden. Wie bereits erwähnt, befinden fich die berühmteften Bierbrauereien Baierns und gleichfalls des deutfchen Reiches in München, und ſteht dort die grofsartige Brauerei von Gabriel Sedlmayer( Spatenbräu) an umfangreichem und ausgedehntem Betrieb obenan. Biererzeugung derfelben nach Hektoliter Bruttoertrag des Malz verbrauch und zwar: Malzauffchlages diefer Brauereien nach Hektoliter Schenkbier Lagerbier Luxusbier Weifsbier Gulden Kreuzer Anzahl der im Betriebe ftehenden Bierbrauereien und zwar: Selbftftändige mit Angabe der Zahl der hierunter begriffenen Actienbrauereien Communebrauereien RegierungsBezirk Malz, Bier etc. Oberbaiern 537 1,267.459 1,663.676 1,169.603 196.073 22.687 2,957.404 20 Niederbaiern. 549 5 582.110 458.413 654.766 4.000 Oberpfalz. 475 87 436.643 519.873 482.872 478 3.600 1.178 1,358.256 1,018.833 40 40 Oberfranken. 830 II3 476.213 518.653 .426.775 484 666 I, III.223 40 Mittelfranken 843 16 710.178 670.130 730.219 138.800 33.496 1,657.092 Unterfranken. 578 158 300.960 365.577 304.782 13.313 702.160 Schwaben 1.026 - 674.992 690.728 845.165 3.174 184.624 1,574.981 20 Summa 4.838 379 4,448.555 4,887.950 4,614.182 356.322 246.251 IO.379.951 40 3 31 32 Guftav Noback. Der Malzverbrauch von fechs der gröfsten Bierbrauereien Münchens geftaltete fich in den fünf letzten Jahren bis 1872 folgendermassen: Malzverbrauch in baierifchen Schäffeln während der Brauereien von Sudjahre 1871/72 1870/71 1869/70 1868/69 1867/68 Gabr. Sedlmayr 68.715 Ludw. Brey, z. Löwen* 40.963 52.677 43.094 54.038 51.244 41.405 43.903 50.920 35.689 Jos. Sedlmayr * 26.736 22.742 24.574 26.960 25.716 M. Pfchorr, zum Hackerbräu 19.846 18.639 15.067 15.020 12.499 G. Pfchorr, zum Pfchorrbräu 19.420 16.300 14.132 13.657 13.513 Geb. Schmederer, zum Zachelbräu 12.610 II.302 13.066 II.202 12.933 In München beftehen aufser den eben angeführten fechs gröfsten Bierbrauereien noch weitere zwölf, zufammen achtzehn, von denen fünfzehn in Privatbefitz find, zwei( die königliche Braunbier- Brauerei und die königliche WeissbierBrauerei) vom Staate betrieben werden und eine( Franziscanerbrauerei am Lehel) im Befitze des Klofters ift. Das gefammte Quantum Malz, welches die eben erwähnten Bierbrauereien Münchens im Sudjahre 1871 bis 1872 verbrauten, betrug 221.657 Schäffel 4 Metzen I Viertel gleich 492.572 73 Hektoliter. In den letzten neun Jahren, endend mit 1872, verhielt fich die Menge des in den Brauereien Münchens verarbeiteten Malzes folgendermafsen: Jahr Verbrautes Malz Schäffel Metzen Viertel 1863/64 228.844 1864/65 237.526 1865/66 249.156 1866/67 199.720 2 1/2 1867/68 182.296 I I 1868/69 197.235 4 1869/70 202.766 I 31/2 1870/71 200.306 3 312 1871/72 221.657 4 I Der Gefammt- Bierexport aus Baiern betrug circa 400.000 Eimer; hieran participiren allein die Münchner Bierbrauereien für die Ausfuhr ins Inland und ins Ausland mit circa 270.000 Eimer. Die oben angegebenen fechs gröfseren Bierbrauereien Münchens haben nachftehende Biermengen exportirt: * Jetzt Actien- Bierbrauerei. 1871 Malz, Bier etc. Bierexport Eimer Mafs Löwenbräu( ehemals Brey) Gabr. Sedlmayr 75.669 12 72.811 Jos. Sedlmayr. 38 46.186 M. Pfchorr. 51 31.857 Geb. Schmederer 2852 14.511 G. Pfchorr 4 11.892 53 33 In Nürnberg wird, wenn auch nicht in fo ausgedehntem Mafse wie in München, fo doch in einem ganz anfehnlichen Umfange die Bierbrauerei betrieben. Der Malzverbrauch in Nürnberg's 22 Bierbrauereien erfuhr eine anfehnliche Steigerung. Diefelbe betrug von 1864 bis 1872 23.874 Schäffel; in den einzelnen Jahren geftaltete fich das Verhältnifs wie folgt: Jahr 1864 1865 1866 1867 Schäffel Malz 59.001 66.099 64.318 59.077 Jahr 1868 1869 1870 1871 Schäffel Malz 65.474 68.045 68.963 81.600 Die vier bedeutendften Bierbrauereien Nürnbergs find: die Henninger'fche, die von Tucher'fche, die Lederer'fche und die Reiffche; es verarbeiteten diefelben vom 1. Juli 1871 bis 1. Juli 1872 nachftehende Malzquantitäten: Bierbrauereien Henninger Heinrich. Freiher v. Tucher Lederer Gebrüder Reif Johann Georg Malzquantum in Hektolitern. 40.516 32.302 14.639 13.870 Was die Bierausfuhr nach dem Auslande betrifft, fo nimmt Nürnberg eine hervorragende Stelle ein'; diefe geftaltete fich im Jahre 1871 von Seite der bedeutendften Brauereien wie folgt: Bierbrauereien Henninger Heinrich Freiher v. Tucher Reif Johann Georg Ins Inland Eimer 70.383 1/60 41.08433/ 60 22.18148/ 60 Ins Ausland Eimer. 8.28834/ 60 4.05445/ 60 3.10634/ 60 In Augsburg wird die Bierbrauerei in einer verhältnifsmäfsig fehr grofsen Anzahl von Etabliffements betrieben; es beftehen dort 72 Brauereien, welche während der letzten fechs Jahre folgende Malzmenge confumirten. Jahr 1866/67 1867/68 1868/69 Schäffel Malz 75.505 68.495 66.050 Jahr 1869/70 1870/71 1871/72 Schäffel Malz. 72.573 69.014 74.744 Die drei grofsen Städte Baierns: München, Nürnberg und Augsburg befafsen in der Betriebsperiode 1871/72 nachftehende Anzahl von Brauereien, welche folgende Malzmengen confumirten: Städte München Nürnberg Augsburg Anzahl der Brauereien 18 22 72 Malzverbrauch in Schäffeln 221.657 81.600 74.744 3* 34 Guftav Noback, Diefe drei Städte confumirten demnach 378.001 Schäffel Malz, was von dem in ganz Baiern confumirten Malzquantum nicht weniger als 19 Percent ausmacht. Indem noch darauf aufmerfam gemacht werden mufs, dafs Baiern erheblich mehr Hopfen producirt, als die Brauereien felbft confumiren und bei gutem Ausfall der Gerftenpreife ein verhältnifsmäfsig nicht hoher Gerften- Import zur Deckung des Bedarfes von Braugerfte erforderlich ift, wird auf die Beftimmung der Bierproduction per Kopf der Bevölkerung übergegangen. Die Bevölkerung Baierns in fieben Regierungsbezirken mit Ausfchlufs der Pfalz( jenfeits des Rheins), welche bei den vorftehenden Malzverbrauchs Ueberfichten nicht mit einbezogen worden ift, beträgt 4,198.355 Einwohner; die Bierproduction war im Jahre 1872 10,103.805 Hektoliter, fo dafs auf jeden Einwohner ein Quantum von 240.6 Liter producirten Bieres entfallen. Württemberg. In Bezug auf Bierproduction fteht Württemberg feinem Nachbarlande Baiern würdig zur Seite, die officiellen Liften über Bierbrauerei weifen eine rapide Steigerung auf. Die in Württemberg eingeführte Steuer wird für Malz erhoben und beträgt per 1 Simri(= 23 Zollpfund) Malz 24 Kreuzer*. Aus dem verfteuerten Malzquantum läfst fich durch Schätzung die erzeugte Biermenge mit ziemlicher Genauigkeit beftimmen. Die Zahl der im Jahre 1871/72 in Württemberg in Betrieb gewefenen. Brauereien ift 2510; diefelben verarbeiteten circa 6,077.159 Simri Malz. In welch rapidem Verhältniffe die Bierbrauerei Württembergs geftiegen ift, zeigt die nachftehende Tabelle am deutlichften: Etats- Jahr vom 1. Juli Steuer- Summe fl. Verfteuertes Malz- Quantum in Simri 2,004.203 1,760.931 Verfteuertes MalzQuantum in Pfund en 46,096.669 1852/53 1853/54 1854/55 801,681 43 704.372.15 709.114 31 40,501.413 1,731.120 39,815.760 1855/56 802.124 23 2,005.311 46,122.153 1856/57 1,216.981.9 3,042.452 69.976.396 1857/58 993.518.37 2,408.795 55.402.285 1858/59 1,080.516 14 2,701.290 62,129.670 1859/60 1,228.945-8 3,072.336 70,663.728 1860/61 959.350.22 2,398.376 65.172.648 1861/62 1,316.596.17 3,291.491 75.704.293 1862/63 1,443.814.36 3,609.536 83,019.328 1863/64 1,553.862.11 3,884.656 89.347.088 1864/65 1,621.102: 36 4,052.756 93,213.388 1865/66 2,022.364 42 5,055.912 116,285.976 1866/67 1,925.948.31 4,814.871 IIO, 742.033 1267/68 1,584.205 9 3,960.513 91,091.799 1868/69 1,843.454* 39 4,189.670 96.362.410 1869/70 2,210.479 25 5.023.817 115,547.791 1870/71 2,036,306.39 4,627.970 106,443.310 1871/72 2,917.035.52 6,077.158 139.774.734 * Vom 1. Jänner 1872 an bezahlt 1 Centner ungeschrotenen, trockenen, wie eingefprengten Malzes, einfchliefslich eines Steuerzuschlages von 20 Percent, 2 fl. 5 kr. Malzfteuer, wobei jedoch vom Brutto- Centner ohne Unterfchied der Art der Verpackung 2 Pfund Tara bei der Steuerberechnung abgehen ein Steuerfatz, der gleichbedeutend ift mit 24 Kreuzer per Simri und 20 Percent Zufchlag.( 1 Simri 22'15 Liter oder 23 Zollpfund Malz, 8 Simri= 1 Württemberger Schäffel). - = Malz, Bier etc. 35 Aus vorſtehenden Daten ift zu erfehen, dafs die verbrauten Malzmengen vom Jahre 1852 bis 1872 eine Steigerung von 4,072.955 Simri oder von 203 Percent erfahren haben. Es ift diefe fehr bedeutende Steigerung des Bierbrauereibetriebes in Württemberg um fo mehr hervorzuheben, als dort dem Bierconfum eine anfehnliche Concurrenz erwächft durch den preiswürdigen Wein- und Obftmoft. Während die Biereinfuhr nach Württemberg vom Jahre 1861/62 bis 1871/72 Schwankungen aufweift, hat die Bierausfuhr während derfelben Zeit eine anfehnliche Steigerung erfahren. Die eingehobenen Beträge für Uebergangsfteuer und die rückgezahlten Steuervergütungen geben hiefür genaue Anhaltspunkte. Einfuhr Ausfuhr Jahr Uebertrags- Steuern auf eingeführtes Bier Rückgezahlte Steuer- Vergütungen fl. kr fl. kr. 1861/62 14.956 9 25.819 1862/63 18.551 42 26.751 48 1863,64 16.349 IO 27.501 1864/65 16.795 II 32.833 1865/66 25.824 3 23.568 1866/67 21.642 52 36.906 1867/68 15.192 55 33-707 1868/69 12.406 19 42.758 1869/70 14.728 17 46.411 1870/71 12.538 39 47.506 1871/72 21.306 43 64.611 59 58 324658285 13 9 17 51 Nach diefen Daten ftieg die Bierausfuhr in den bezeichneten II Jahren um 150 Percent. Die Bierproduction in Württemberg läfst fich auf Grund des verfteuerten Malzquantums näher beftimmen. Mit Rückficht auf die Annahme, dafs für die Bereitung von 200 Liter Bier I Zollcentner Malz durchſchnittlich verwendet wird, geftaltet fich die Biererzeugung in Württemberg folgendermassen: Malz- Quantum in Zollcentnern 460.966.69 405.014 13 398.157 60 Jahr 1852/53 1853/54 1854/55 1855/56 461.221 53 1856/57 699.763 96 1857/58 554.022 85 1858/59 621.296.70 1859/60 706.637 28 1860/61 651.626.48 1861/62 757.042 93 1862/63 830.193.28 1863/64 893.470.88 1864/65 932.133.88 Bierproduction in Hektolitern 923.777.25 811.648 32 797.907.83 924.287.95 1,402.326.98 1,110.261 79 1,265.078.59 1,416.101 11 1,305.859 47 1,517.124 3 1,663.707.33 1,790.515.64 1,867.996.30 36 Guftav Noback. 1,162.859.76 1,107.420 33 910 917 99 963.624.10 Jahr 1865/66 Malz- Quantum in Zollcentnern Bierproduction in Hektolitern 1866/67 3,330.370.96 2,219.270 34 1867/68 1868/69 1869/70 1870/71 1871/72 1,825.479.65 1,931.102'70 2,315.577.73 2,133.123.93 2,801.085.67 1,155.477.91 1,064.433 10 1,397.747 34 Wir fehen aus diefer Zufammenftellung diefelbe Steigerung der Bierproduction, wie beim Malzverbrauch, nämlich mehr als 200 Percent. Bei der Einwohnerzahl Württembergs von 1,818.484 und bei der Production von 2,805.085 67 Hektoliter entfallen per Einwohner 154 Liter producirten Bieres. - Im Grofsherzogthum Baden befteht als Beftreuerungsmodus für den Brauereibetrieb die Braukeffel- Steuer. Von 1000 badifchen Mafs( 1 Fuder) gleich 1500 Liter Keffelaiche( Waffer) werden II fl. 40 kr. Steuer erhoben. Auf Grund diefes Steuerfatzes geftaltet fich die entrichtete Steuer- Accife für fertiges Bier nach den badifchen Verhältniffen derart, dafs für jede 1000 Mafs 1500 Liter fertiges Bier ein Steuerbetrag von circa 18 fl. 13 kr. entfällt. Nach amtlicher Erhebung hat im Grofsherzogthum Baden die Bier- Accife im Jahre 1872 fl. 1,292.344 30 kr. betragen und würde diefer Betrag nach obiger Annahme eine producirte Biermenge von circa 932.455 70 Hektoliter repräfentiren. Die nachstehende Tabelle zeigt die anfehnliche Steigerung der Bierfteuereinnahme, fowie der damit in directem Zufammenhange ftehenden Bierproduction des Grofsherzogthums Baden während der Jahre 1862 bis 1872: Steuererträgnifs Jahr Bierproduction in Hektoliter fl. kr. 1862 480.721 1863 496.904 71 43 395-937.83 408 852.61 1864 543.064 49 446.833.73 1865 616.720 54 507.437.96 1866 661.048 42 543.910-87 1867 570.622 30 469.508.19 1868 739.346 608.333.89 1869 822.687 36 676.907.36 1870 893.448 - 1871 1872 30 70 990.391 1,292,344 735.129 01 814.893.80 932.455 70 Wie aus diefer Zuſammenftellung erfichtlich ift, ftieg die Bierproduction in Baden vom Jahre 1862 bis 1872 um 536.517 97 Hektoliter das ift um 136 Percent. Wird diefe Bierproduction mit der Einwohnerzahl Badens( 1,461.428) verglichen, fo entfallen auf den Kopf der Bevölkerung nach den letzten Daten 63 Liter producirten Bieres. Elfafs Lothringen. Die Bierbrauerei ift in Elfafs- Lothringen mit einer Braukeffel Raumfteuer belegt. Es find zwei Steuerfätze eingeführt, und zwar für jeden Hektoliter Braukeffel- Raum bei der Bereitung von ftarkem Bier ein Malz, Bier etc. 37 Steuerfatz von 2 Francs 40 Centimes und für fchwaches( dünnes) Bier 60 Centimes. Der Hauptfitz der Elfäffer Bierbrauerei ift in Strafsburg und deffen Umgebung. Die dort beftehenden in grofsartigem Mafsftabe betriebenen Bierbrauereien haben ihr Haupt- Abfatzgebiet nach Frankreich. Die neueſten Daten geben an, dafs in Elfafs- Lothringen 812.454 Hektoliter Bier erzeugt wurden. Die Bevölkerung hiefelbft beträgt circa 1,638.546 Einwohner; es entfallen demnach per Kopf circa 48 Liter producirten Bieres. Wie andeutungsweife fchon früher bemerkt wurde, find nur einige der bedeutendften Bierbrauereien aus dem deutfchen Reiche auf der Ausftellung vertreten gewefen. Befonders hervorgehoben zu werden verdienen die nachftehenden deutfchen Bierausfteller. Die Staats- Bierbrauerei der landwirthfchaftlichen Akademie zu Weihenftephan* bei Freifing nächft München führte Flafchenbier, und zwar Export-, fowie Lagerbier vor, welches als das ältefte auf der Ausftellung vertretene zu bezeichnen fein dürfte. Dasfelbe ift im November 1871 gebraut, am 6. Mai 1872 in Flafchen gefüllt und wurde bei der Prüfung von der Jury Ende Juni als ganz ausgezeichnet anerkannt. Diefes Flafchenbier, welches während fechs Monate der Ausftellungsdauer in den heifsen Räumen der deutfchen Agriculturhalle geftanden hatte, war beim Schluffe der Ausftellung alfo in einem Alter von zwei Jahren- an Ausfehen klar und rein, im Gefchmacke vortrefflich. Das Weihenftephaner Flafchenbier war pafteurifirt, ein Umftand, welcher jedenfalls fehr wefentlich zur grofsen Haltbarkeit beigetragen hat. Das Pafteurifiren, welches von Seiten fämmtlicher Brauer die gröfste Beachtung verdient, ift fo viel bekannt zuerft in gröfserem Mafsftabe und zwar bereits feit mehreren Jahren in diefer Brauerei Deutſchlands mit beften Erfolgen eingeführt worden. - -- Die Georg Pfchorr'fche Bierbrauerei zu München ftellte gleichfalls Flafchenbiere aus, die fich durch Stärke, Alter und Reinheit des Gefchmackes befonders auszeichneten. Diefer Ausfteller exportirt fein Flafchenbier in anfehnlichen Mengen nach den meiften überfeeifchen Plätzen. Die Overbeck'fche Brauerei zu Dortmund brachte Exportbier und führte mehrere Flafchen vor, welche zweimal die Linie paffirt haben, was durch verfchiedene von deutfchen Confulaten herrührende Beglaubigungsfchreiben documentirt wurde. Die Qualität diefes Productes war tadellos. Die Rheinifche Bierbrauerei in Mainz, fowie jene von Juftus Hildebrand in Pfungstadt brachten Producte vor die Jury, welche ihrem Charakter nach dem Wiener Biere gleichftanden und als vortrefflich anerkannt wurden. Beide Etabliffements exportirten anfehnliche Mengen ihrer Producte nach Frankreich, Belgien etc. Die Bierausfteller des deutfchen Reiches find nachftehender Tabelle zu entnehmen. * Profeffor Dr. Lintner, Leiter der Weihenstephaner Braufchule, welcher beim Fortfchritte im Brauwefen in hervorragender Weife betheiligt ift, verdient an diefer Stelle wegen feiner höchft anerkennungswerthen Leiftungen ganz befonders hervorgehoben zu werden. 38 Guftav Noback. Deutfches Reich. Land Aus fteller Standort Land Aus fteller Preufsen Actienbrauerei„ Moabit" Berlin Sachfen- Altenburg Kühnemann H.( Dr. G. Berliner WeifsbierbrauereiKühnemann) Kahla " Actiengefellfchaft " Brandenburg Grünthal Standort 16 " " Sachfen SchleswigHolftein 99 Heffen- Darmftadt " 7 " Th. Krepper( Alb. Krepper) Burg bei Magdeb. Louis Müller Overbeck Peter( Wilhelm Overbeck, geh. Commerzienrath, Robert& Dr. Overbeck) Actienbrauerei Rofs& Comp. Hinfelmann D. H. Hildebrand Juftus( Juftus & Wilhelm Hildebrand, Juftus Ulrich) Rhein'fche Bierbrauerei Jung's Bierbrauerei( Cafpar Jung) Dr. Schneider's Brauakademie Ribnik Worms 11 Schütz, Amtsrath Boftelmann H. H.( Claus O. und Joh. Heinr. Boftelmann) Baiern Hamburg Landwirthfchaftl. Akademie Weihenstephan Dortmund Feldfchlöfschen Dresden " Teufelsbrücke bei Kl. Flotteck Neumünfter 99 Narr'fche Bierbrauerei( Profeffor Dr. Paul& Adolf Narr) Bierbrauerei zum Pfchorr ( Georg Pfchorr) München Zirndorf bei Nürnberg 99 Weiz Heinrich Speyer 12 Herlting Simon Culmbach Pfungstadt Mainz " 2 Batfchis Philipp Nürnberg Württemberg Fuchs Chrift.( Chr. Fuchs Grofs Steinheims & A. Wenz) Stuttgart " Straub Theodor Ehingen Bier, Malz etc. Grofsbritannien und Irland. 39 Die Betheiligung englifcher Brauer war eine verhältnifsmäfsig fehr geringe zu nennen, befonders wenn man die in England in wahrhaft grofsartigem Mafsftabe betriebene Bierinduftrie berücksichtigt. So fehlen beifpielsweife die gröfsten Bierbrauereien der Welt gänzlich; nämlich jene von London fowie die von Burton- on- Trent. Die Bierbrauereien von W. Younger& Comp in Edinburgh, fowie die Anglo Bavarian Brauereigefellſchaft zu Shepton- Mallet in Somersetſhire brachten Indian Pale Ale, fowie Strong. und Export- Ale in Flafchen wie in Fäffern. Die englifchen Biergattungen fchwankten in ihrer Farbe zwifchen dem Pilfner und Wiener Biere, waren aus circa 16 bis 18 Percent Würzen bereitet und hatten einen eigenthümlich fpecififch englifchen Hopfengefchmack. Diefer ftark hervortretende Geruch und Gefchmack von Hopfen wird den meiften englifchen Bieren dadurch gegeben, dafs im Verfandtfafs dem Biere eine entſprechende Menge trockenen Hopfens zugegeben wird. Diefs foll nach Meinung englifcher Brauer confervirend wirken. Die renommirte Brauerei von W. Younger& Comp. ftellte aufser oben erwähntem Ale auch Porter und zwar Strout aus, welches eben wieder den fpecififch englifchen Hopfengefchmack hat und feiner Qualität nach ausgezeichnet zu nennen ift. Nicht ohne Intereffe war es, in der Ausftellung englifcher Colonien Bierausfteller vorzufinden. Es war diefs in der Neu- Seeländifchen Abtheilung. Es ftellten M. Ehenfield aus Auckland, Maurice Jo el aus Dunedin und Whitfon& Sons aus Dunedin ihre Producte aus. Alle drei Ausfteller brachten Ale theils in Flafchen, theils in Fäffern, welches in Farbe und Gefchmack mit englifchem Ale wohl Aehnlichkeit hatte, jedoch durch den Transport und das Paffiren der Linie etwas in der Qualität gelitten zu haben ſchien. Nachftehende ftatifche Daten mögen als einige Erläuterung folgen, um die Grofsartigkeit fowie Ausdehnung der englifchen Bierinduftrie zu charakterifiren. In keinem Lande der Erde wird feit einer langen Reihe von Jahren die Bierbrauerei in fo grofsartigem* und ausgedehntem Mafsftabe betrieben, wie in England; erft im letzten Decennium find die grofsen Bierbrauereien von Wien und München den bedeutendften Etabliffements diefer Art von England nahegekommen. Bei dem umfangreichen Brauereibetrieb Englands mufs einer Eigenthümlichkeit gedacht werden, welche in keinem anderen Bier producirenden Lande vorgefunden wird. Es ift diefs die ausfchliefsliche Anwendung von Obergährung für die Bereitung der englifchen Biere( Porter und Ale). Alle übrigen Länder haben für den Braubetrieb die von Baiern herftammende Untergährung eingeführt. Vom Anfange diefes Jahrhundertes bis 1829 wurden in England nachftehende Mengen Bier producirt. Vom ftarken Bier Vom fchwachen Bier Zufammen Jahr I n B r re a 1 S 1801 4.735.574 1,691.955 5,427.529 1811 5.902.903 1,729.312 7,632.215 1825 6,501.000 1,480 260 7,981.260 1827 6,542.062 1.539.720 8,081.782 1829 6,559.210 1,630.516 8,189.726 * Die Bierbrauerei der Herren Trumann, Henbury& Comp. braut täglich 3000 barrels und jährlich circa 550.000 barrels, per Tag 7020 Wiener Eimer, per Jahr 1,287.000 Wiener Eimer ( fiehe Brewers- Journal Band VI, Seite 149). 40 Guftav Noback. Auch in Grofsbritannien und Irland finden wir, wie nachftehende Tabellen nachweifen, eine fehr bedeutende Zunahme des confumirten Bieres und der für deffen Erzeugung verwendeten Malzquantitäten. Confumirtes Bier in Barrels Jahr end end England Schottland Irland Zufammen mit 31. März 1871 22,750.650 99 5. Januar 1851. 99 5. Januar 1826 989.138 14,057.514 487.672 8,209.088 353.519 1,597.023 25.336.811 580 589 15.125.775 Confumirtes Malz in Bushels. Jahr end end England Schottland Irland Zufammen mit 31. März 1871 47.090.482 6,514.496 4.331.256 57.936.234 99 5. Januar 1851 5. Januar 1826 34.423.490 4.639.159 1,682.103 40,744.752 29.572.74 3,925.847 2.706.862| 36,205.450 Es ftieg laut vorſtehender Tabellen die Bierconfumtion im vereinigten Königreiche vom Jahre 1851 bis 1871 um 10,211.036 Barrels, demnach alfo um 67% Percent. Die Confumtion von Malz fteigerte fich während derfelben Periode um 17,191.482 Bushels, welches Quantum 42 Percent repräfentirt. Da der Percentfatz zwifchen der Steigerung des Bierconfums mit dem Malzconfum nicht einmal nahezu Schritt gehalten hat, fondern der letztere in geringerem Mafse ftieg, fo mufs die Vermuthung ausgefprochen werden, dafs entweder durch Einführung rationeller Braumethoden Malzerfparniffe erzielt wurden, oder dafs während des eben angebenen Zeitabſchnittes gröfsere Mengen von etwas weniger ftarkem Biere bereitet worden find.( Surrogatverwendung hatte gleichfalls Einflufs). Während der letzten Jahrzehnte hat in Grofsbritannien und Irland die Verwendung von Zucker( hauptfächlich für Porterbereitung) eine erhebliche Zunahme aufzuweifen.( Siehe Tabelle.) Auf Schottland, wo meiftens nur Ale bereitet wird, entfällt nur ein fehr geringfügiger Theil des Zuckerverbrauches. Steuerbetrag für verbrauchtes Malz Zuckerverbrauch in Centnern Jahr endend mit Jahr endend mit 31. März 1857 77 1858 5,690.950 5,326.023 31. December 1856 19.822 1857 19.720 1859 5,412.777 1858 33.945 " 1860 6,648.881 27 1859 34.521 1861 6,208.813 1860 92.415 29 1862 5,866.302 1861 78.710 " 27 1863 5.389.908 1862 84.376 " " ** SFER:## 1864 6,092.736 1863 80.292 1865 6,394.553 1864 38.333 79 1866 6,421.260 1865 55.292 29 1867 6,816.385 1866 145.437 27 1868 6,302.419 1867 381.930 1869 6,527.708 1868 351.742 1870 6,483.612 1869 342.678 99 1871 6,978.371 1870 270.873 29 Malz, Bier etc. 41 Aufser der anfehnlichen Malzfteuer, welche im vereinigten Königreiche erhoben wird( fiehe vorftehende Tabelle über den Steuerbetrag für Verbrauch des Malzes vom Jahre 1857 bis 1871), werden noch anfehnliche hohe Taxen von den Brauern und von den Mälzern erhoben. Eine intereffante Ueberficht für die 15 Jahre von 1857 bis 1871 gibt die nachftehende Tabelle über das verfteuerte Malz, das fteuerfrei bereitete Malz, das exportirte Malz, fowie über das für den heimifchen Verbrauch verbliebene Malz. Jahr endend mit Verfteuertes Malz Steuerfreies Malz Exportirtes Malz Im Lande verbrauchtes Malz 31. December I n Bushels 1856 37,980.041 4.912.147 1,313.064 41,579.124 1857 40,298.513 5,668.948 1,421.992 44.545-469 1858 41,605.665 5,049.321 1,549.213 45,105.773 1859 44,219.300 5,288.428 1,761.439 47.746.289 1860 38,952.513 4.598.636 1,797.099 41,754.050 1861 44,141.422 3,793.192 1,284.514 46,650.100 1862 41.118.172 4,069.883 1,499.447 43,688.608 1863 46.269.842 4,679.819 1,876.856 49,072.815 1864 48.544.125 4.837.742 1,584.889 51,796-978 1865 48,946.497 4,716.608 1,916.976 51,746.129 1866 52,281.223 4: 348.100 2,184.449 54.444.874 1867 47.891.818 4,221.700 1.672 801 50,440.717 1868 49,703.931 4,633.895 1,668.737 52,669.089 1869 49.400.262 4,967.665 1.799.588 52,568.339 1870 53,175.482 5,510.896 1,910.764 56,775.614 Seit dem Jahre 1870 bis inclufive 1872( endend mit 31. December) ftieg wiederum die Gefammtmenge des bereiteten Malzes fehr erheblich, nämlich um 4.703.988 Bushels, während der Export von Malz in derfelben Zeitperiode gefallen ist, und zwar um 128.967 Bushels. Es ift überhaupt die Bemerkung zu machen, dafs der Malzexport von Grofsbritannien und Irland feit dem Jahre 1859 keine erhebliche Steigerung erfuhr, ja fogar in manchen Jahrgängen während diefer Zeit fiel. Diefs hat feinen Grund darin, dafs eben England nicht genug Braugerfte im eigenen Lande producirt und in Folge deffen gezwungen ift, gröfsere Mengen von Gerfte zu importiren.( Der Gerftenimport 1863 betrug 18,421.352 Bushels.) Umftehende Tabelle weift höchst wichtige Daten nach über die Bewegung beim Malzverbrauch in Grofsbritannien und Irland; ebenfo über den Zuckerverbrauch. Die nachftehende Zufammenftellung gibt ein Bild über die Ausbreitung der Brauerei in den verfchiedenen Theilen von Grofsbritannien und Irland. 42 Guftav Noback. Tabelle der verfteuerten Malz- und Zuckermengen, des exportirten Malzes, fowie des einheimifchen Malzconfumes in den Jahren( endend 31. December) 1870, 1871 und 1872. England und Wales. Malz Malz für Brennereien und Export fteuerfrei Total Bush.. In Brauereien verwendeter Zucker etc... Schottland. Malz verfteuert. Malz für Brennereien und Export fteuerfrei Total Bush.. In Brauereien verwendeter Zucker etc.. Irland. Gefammtmenge des verfteuerten und fteuerfreien Malzes in Bushels Exportirtes Malz in Bushels Verblieb für einheimifchen Verbrauch Malz in Bushels 1870 1871 1872 1870 1871 1872 1870 1871 1872 432.580 47,339.742 45,123.969 51,558.658 479.866 447-311 456.461 47,819.608 45,571.280 52,015.119 307.205 245.121 241.673 1,143.023 412.386 350.499 936.658 1,054.336 115.604 1,691.207 72.210 1.421.254 42.151 1,446.086 45,764.139 43.774.925 50 153.823 364.262 375.101 46,128.401 44,150.026 50,568.133 245.121 241.673 307.205 414.310 2,660.202 2.728.574 3,864.122 3,571.520 6,524.324 6,300.094 4.273 20.706 2,957 615 175.803 67.020 212.579 4,176.694 4-544 7,134.309 3.814 196.509 279.599 40.502 230.760) 656 271.918 2.463.693 2,448.975 2.686.353 3,864.122 3.571.520 4,176.038 6,327.815 6,020.495 6.862.391 4.544 3.814 4.273 Malz verfteuert Malz für Brennereien und Export fteuerfrei Total Bush.. In Brauereien verwendeter Zucker etc.. Vereinigtes Königreich Summa. Malz verfteuert Malz für Brennereien und Export fteuerfrei Total Bush. In Brauereien verwendeter Zucker etc.. 3,175.538 2,871.554 2,791.809 1,166.908 1,165.170 1,449.129 4,342,446 4,036.724 4,240.938| 21.479 25.266 - 23.048 46.328 62.893 3,152.490 23.048 46.328 62.893 25.348 2,825.226 2.728.916 1,166.908 1,165.170 1,449.129 4,319.398 3,990.396 4,178.045 21.479 25.266 25,348 53,175.482 50,724.097 57,308.082 5,510.896 5,184.001 6,082.284 58,686.378 55,908.098 63,390.366 453.286 1,341.874 115.604 1,910.764 479.406 391.001) 1,195.565 1,347.989) 72.210 42.807 1,747.181 1,781.797 270.873 271.483 336.367 51,380.322 49,049.126 55,569.092 395.292 5,111 791 6,039.477 56.775.614 54,160.917 61,608.569 270.873 271.483 336.367 England Brauern Schankwirthfchaften Verkaufs- und Ausschanksberechtigung Verkaufsberechtigungen ohne Ausschank Schankwirthfchaften Verkaufs- und Ausschanksherechtigungen Verkaufsberechtigungen ohne Ausschank Anzahl von Malz, Bier etc. Personen mit BierverkaufsLicenzen 43 Anzahl jener welche eigenes Bier brauen Pers. mit BierverkaufsBushels Malz verbraucht von vorstehend Personen mit Bierverkaufs- Licenzen ficenzen Brauern Schenkwirthfchaften mit Verkaufsund Ausschanksberechtigungen mit Verkaufsberechtigungen ohne Ausschank Aylesbury. Banger. Barnftaple. Bath Bolton 40 1.106 14 1.095 667 77 59 Birmingham 3 487 47 764 13 863 1.333 492 Brighton 63 Briftol Cambrigde Canterbury Cardiff Carlisle 25 03516 50 1.767 2.044 880 715 639 983 61 950 680 56 1.258 339 54 43 1.743 1.113 157 7143465H 71 170 40 13 137 391 I 36 75 411 93 14 46 36 48 64 15 40 1.414 218 12 Carmathen 5 1.182 1Ο 4668044521 838 1.185 7.87 994 8 I2 199 196 6 65 69 13 927 408 95 19 I2 I 809 3 Chefter 60 1.205 638 Colchefter. " Coventry 87 48 904 541 83 983 386 Derby. 23 1.408 634 34 Exeter 16 776 153 19 Gloucefter Halifax Hereford Hull Ipfwich Kingfton Lancafter Leeds. Leiceſter 70 23 514 67 1.121 16 1.072 62503 726 46 767 705 62 82 1.035 1.407 681 262 73049277 37 259 70 149 85 40 822 246 954 304 329 56472231 016351252600 amo 56 49 337.253 56.404 13.883 668 - 36.586 21.666 17.553 76.112 12 5.570 2.600 480.671 270.258 89.464 51.977 7.737 474-305 477.375 242 555.605 244.196 259.465 1.312 I2 455.765 9.098 12.422 29.131 419.472 124.761 14.189 14.881 296.980 164.482 25.362 8.003 566.747 4.972 4.527 42 292.816 223.219 41.95J 121 159.122 58.465 11.486 67.575 TT I 12.377 77.695 134 15.087 I 358 353 62.560 14.439 1.876 30 06 420.932 69.802 26.410 6.012 6 199.530 207.694 40.349 527 4 204.756 235.030 83.640 456 335 181 16 +6 4 199.055 101.690 2.258 3.743 410.248 100.591 58.955 6.273 177 280 161 499 III +2 4 785.484 123.668 42 094 3.384 73.345 77-748 8.763 992 421 977 87 326 27 993 661 35 18 611 597 25 938 424 49 Lichfield 41 1.032 837 59 Lincoln 80 917 478 40 Liverpool Lynn 80 2.026 591 08 32 1.168 459 38 Maidſtone. 64 1.692 1.399 90 823H 42 51499 0 00 00 0 95 13 65 34 I2 9 12 642 I I 397 537 94 426 703 242 340 53 8 I 43 18 20 30 Manchefter IO2 Newcastle. 1.375 3.523 667 72 1.698 181 161 272 68 Northampton 28 944 668 99 43 337 Norwich.. 24 1.374 429 30 Nottingham 18 668 396 Oxford 48 Plymouth 33 83 964 512 1.077 Portomouth 33936 28 12 38 617 95 168 534 34 263 16 32 I 250 I.142 64 74 123H∞ 327 38 88 Reading 63 1.070 914 65 19 15 63200+0 1373 34276 26318024527868 in 2 265.646 28.692 1.588 456 139.690 36.691 3.458 858 883.632 4.602 22.157 8.363 161.035 214.920 133.412 1.562 I2 541.878 326.304 217.384 1.013 8 88.657 167.823 48.385 1.075 680 506 14 4.032.305 200.918 107.857 5.379 8 204.511 154.203 19.716 5.434 I 967.348 24.218 380 160 204.378 675.478 21.889 6.981 429 11.816 29.960 4.665 3 1.638.358 129.028 64.137 1.401 421.643 66.083 22 125 3 597.491 333.428 455.746 74.522 1.128 38.375 12.896 3.571 348 2 II 129.924 359.847 260.771 115.674 3.891 64.353 8.219 2.395 3 134.370 74.696 4.362 6.284 14 6 525.885 639.6c9 59.998 61.466 4.538 61.678 36.464 2.075 Ripon. 37 Salisbury 24 74 Sheffield Shrewsbury. Southampton 68 1.116 Stafford. 27 Stamford I.130 464 50 1.565 1.334 602 5 909 1.168 61 I.201 677 120 189 42 82 253 14 311 70 19 129 ΙΟΙ IO 263 720 Stourbridge. I I Sunderland Swanfea. Tannton 1.290 74 2.246 24 1.387 45 731 973 892 75 461 551 57 Truro 20 588 212 . Ware Warrington 68 1.126 870 57 1.683 1.610 152727 06848025376 45 78 IO 536 238 .5 56 70 5° 28 461 320 392593 151.816 74.220 151.388 944.189 36.182 474.036 3.121 211 186.404 17.661 17.505 3.192 150.172 46.305 2.015 39.930 979 73° 30.877 2.134 74 446 97 13 28 1.247 890 19 81 7 3 276.092 213.377 78.167 401.338 88 839 42.996 1.179 130.011 428.692 30.976 2.729 206.620 2.415 24.112 4.234 740 158 160 166.785 100.321 18.335 299 47 19 58 391 Welshpool. IO 685 160 Weymouth 32 508 258 45 Worcester 12 793 462 65 255 437 94 HOONAA 43 45 24 90 4173H 265.190 30.482 6.521 848 I 75.137 65.284 9.853 170 562.183 785.193 24.174 16.266 5.689 170.393 23.893 1.944 99 I 48.223 76.757 11.645 199 I2 IO 745 326 York 47 1.515 3371 41 237 51 26 3 287.401 30.563 39.482 76.326 288.010 95.657 2.643 2,664 46.600 3.157 34.606 489 14 60 Total Country 2.417 63.784 40.667 2.892| 20.079 9.228| 438| 24,674.765| 7.017.422 2,668.999| 268.137 London 95 6.119 3.821 188 9 6,264.758 12.970 292.777 35.537 Total England 2.512 69.903 44.488| 3.080| 20.09319.288 447| 33.939.52317,030.392| 2,961.776| 303.675| 44 Guftav Noback. Schank Schottland Brauer wirthfchaften Schankwirthe, Mafs in bushels welche felbft Bier brauen confumirt von confumirt von den brauenden SchankBrauern wirthen Aberdeen. Campeltown 931 23 61.335 151 Dumfries 5 494 6 12.943 22.434 Dundee 4 1.309 31 14.915 82.099 Edinburgh 29 1.162 1,010.499 Elgin 444 12 19.253 Forft William 27 Glasgow 9 2.160 342.964 Greenock 9 1.862 I 76.906 1.858 Haddington 10 799 II 65.164 34.187 Inverneſs 35° 9.460 Linlithgow 3 1.313 3 28.978 2.537 Oban 68 Orkiney 48 2 517 Perth 516 19 512 38.360 Poolewe Shetland Skye Styrling Stornoway 28 32 I 23 44 - 7 743 8 178.335 29.309 29 Thurlo 51 Wick I 83 238 Total Scotland 79 12.644 123 1,731454 301.372 Irland Athlone Bandon. Belfaft Carlow. Coleraine Cork Dublin Dundalk Galway Limerick Londonderry. Sligo Waterford. Wexford 788865T534348+ 956 I.204 1.486 1.156 1.013 I.293 II 1.012 1.583 749 1.613 19.813 49.062 57.802 366.865 14.759 405.096 2,019.154 190.617 13.253 13.448 1.034 19.453 993 16.376 1.338 185.781 4 675 I 31.761 1.516 Total Ireland 80 16.105 I 3,403.240 1.516 Malz, Bier etc. 45 Britifche Colonien. Von den britifchen Colonien wird in Auftralien, und zwar in Victoria, die Bierbrauerei nach englifcher Methode in einer berückfichtigungswerthen Weife betrieben. In Grofsbritannien und Irland beftanden vom 1. October 1869 bis 30. September 1870 laut vorftehender Tabelle im Ganzen 2671 Brauereien; der gefammte Malzconfum diefer, fowie der weiteren brauberechtigten Perfonen wird durch nachstehende Tabelle veranfchaulicht. 1870 Brauberechtigte Perfonen Malzverbrauch Anzahl in Bushels Brauer 2.671 39,074.217 Schankwirthschaften 98.652 7,333.280 Perfonen mit Verkaufs- und Ausfchanksberechtigung 44.488 2,961.776 Perfonen mit Verkaufs-, jedoch ohne Ausfchanksberechtigung 3.080 303.674 Total 148.891 49,672.947 Die in England erzeugten Biere, Porter und Ale, gehören zu den ftärksten Biergattungen, die überhaupt gebraut werden. Diefe werden aus Würzen von 15 bis 24 Percent Gehalt bereitet und unter dem Namen:" Doppelt Porter," ,, Extra- Porter,"" Stout," ferner ,, Oftindien- Ale,"" Bitter- Ale,"" Mildes Ale" in Verkehr gebracht. Ein geringer Theil des gebrauten Bieres wird aus Würzen von circa 12 Percent Extract bereitet und unter dem Namen von„ leichtem" oder Tifchbier confumirt. Während die verfchiedenen Ale- Gattungen in ihrer Farbe und im Ausfehen lichtgelb bis goldfarbig, fowie klar und rein find, fo find die Porter- Biere von einer fo ganz dunkelbraunen Farbe, dafs von einem Durchfcheinen gar keine Rede fein kann. Nach älteren officiellen Daten wird für Grofsbritannien und Irland angenommen, dafs aus I Quarter( 8 Bushels) Malz 314 Barrels Bier gebraut werden. Die neueften officiellen Daten geben an, dafs im Durchfchnitt 2 Bushels Malz ( oder 50 Pfund Zucker) benöthigt werden, um I Barrel Bier zu bereiten. Die grofse Stärke, die bedeutende Hopfenzugabe, fowie das lange Ablagern von Porter und Ale führen eine günftige Haltbarkeit diefer Biergattungen beim längeren Seetransport nach fernen überfeeifchen Plätzen herbei. Der Bierexport aus Grofsbritannien und Irland betrug im Jahre 1871 die ganz anfehnliche Menge von 483.120 Barrels im Werthe von 1.853.733 Pfund Sterling.( Siehe nächfte Tabelle.) Nach Ländern Quantität in barrels Werth in Pfund Sterling Rufsland 4.253 16.131 Deutſchland 5.168 18.613 Belgien. 3.714 13.432 Frankreich 10.152 34.149 China Japan 4.209 21.472 2.421 12.454 Vereinigte Staaten: öftliche Häfen 29.446 147.010 weftliche Häfen 6.956 34.185 99 99 Fremde Colonien Weft- Indiens. 16.080 82.503 Peru 11.965 63.998 Chili 7.107 35.223 46 Guftav Noback. Nach Ländern Quantität in barrels Werth in Pfund Sterling Brafilien 13.267 71.903 Uruguay 2.388 12.447 Argentinifche Conföderation 5.342 26.846 Canarifchen Infeln 8.531 25.327 Gibraltar II.432 38.198 Malta 6.742 22.152 Britifche Befitzungen in Süd- Afrika Britifch Indien: Bombay 15.669 64.777 59.264 165.929 Madras 24.354 69.050 " " Bengal 66.365 214.574 " Straits- Colonien 3.287 13.133 Ceylon Hong- Kong Auftralien Britifch- Nord- America 8.589 30.199 7.417 28.717 80.511 324.021 II.941 50.542 Britifch Weft- Indien, Island und Britiſch Guiana 28.013 106.243 Uebrige Länder 28.537 IIO.505 Summe 483.120 1,853.733 Im Jahre 1866 beftanden in Victoria 86 Bierbrauereien, welche 8,926.286 Gallons Bier brauten. Diefes Verhältnifs fteigerte fich derartig, dafs im Jahre 1871 bis 1872 126 Brauereien ein Quantum von 13,061.145 Gallons Bier erzeugten. Bei der Einwohnerzahl von 30,838.210 des vereinigten Königreiches entfällt bei der confumirten Menge von 25,336.811 Barrells Bier per Kopf 26 Gallons - 118 Liter. Werden die einzelnen Theile, nämlich England, Schottland und Irland mit einander verglichen, fo ergibt fich ein Bierconfum per Kopf der Bevölkerung: In England In Schottland In Irland. 33 Gallons= 149 Liter 9.82 9.25 11 = " 44.61 42 99 " 9 = Belgien. In der weftlichen Agriculturhalle, und zwar in einem Hofeinbaue ftellten zwei Brauer, und zwar J. B. Charlier in Gand und Robiliard Flafchenbiere aus. Erfterer brachte zwei Gattungen ,, bière lupulineufe" und ,, Uytzet des Flandres", letzterer fechs verfchiedene Biergattungen in Flafchen; es waren beide Biergattungen ziemlich klar, hatten jedoch alle den ganz eigenthümlichen milchfäuerlichen Beigefchmack, welcher fämmtlichen belgifchen Bieren in Folge Anwendung von viel Rohfrucht beim Maifchen, fowie durch die übliche Selbftgährung eigen ift. Die Bierbrauerei ift ein von Altersher in Belgien eingebürgertes Gewerbe. Die Zahl der dortigen Brauereien hat, bei gleichzeitiger Steigerung der Biererzeugung, abgenommen. Es verringerte fich die Anzahl der Bierbrauereien während einer vierzehnjährigen Periode, nämlich vom Jahre 1852 bis 1865, um 273. Die Bierproduction fteigerte fich während derfelben Zeitperiode in mäfsigem Verhältniffe; es wurden im Jahre 1852 3,192.232 54 Hektoliter Maifchraum verfteuert, im Jahre 1865 3,638.722 17 Hektoliter, alfo im letzten Jahre um 446.489 63 Hektoliter mehr. Die nachftehende Tabelle gewährt genauen Einblick in die Anzahl der Bierbrauereien und den verfteuerten Maifchraum: Provinzen Anzahl der Brauereien 1852 Verfteuerter Raum der Braugefäfse Hektoliter Lit. Anzahl der Brauereien 1856 Verfteuerter Raum der Braugefäfse Hektoliter Lit. Anzahl der Brauereien 1860 Verfteuerter Raum der Braugefäfse Hektoliter Lit. Anzahl der Brauereien 1865 Verfteuerter Raum der Braugefäfse Hektoliter Lit. Anzahl der Brauereien 1871 Verfteuerter Raum der Braugefäfse Hektoliter Lit. Antwerpen 289 Brabant Weftfland. 495 Hennegau Oftflandern 477 506 641.690 507.140 333.667 93 275 479 901.071 95 441 350.513 76 485 76 453 Lüttich Limburg Luxemburg 216 58 Namur 217 43 514 149 158.777 99 118 109.968 05 168 41.757 39 54 147.644 28 184 325.349 75 272 880.834 53 451 376.175 92 474 524.268 69 433 693.398 80 560 99 119.951 39 97.411 86 172 126 39.074 59 53 321.223 02 257 359.094 28 982.488 58 427 1,053,384 372.080 60 457 524.392 98 426 747.877 46 547 128.861 41 III 99.361 13 47.302 66 360.793 69 98 1,042.086 37 425.079 99 155 563.698 38 764.076 65 152.562 106.148 36 435.652 69 603.147 25 634.758 59 50 - 120.797 83 91.123 91 54 147.013 75 185 157.412 20 179 51.317 54 163.412 45.265 22 49 - 128.557 60 Totale 2.886 3,192.232 54 2.692 3,203.479 78 2.726 3,381.000 04 2,613 3,638.772 17 3,462.183 15 47 Malz, Bier etc. 48 Guftav Noback. Nach den in Belgien beftehenden Gefetzen wird beim Bierbrauen eine Steuer vom Raume der Maifchgefäfse erhoben. In früherer Zeit betrug diefer Maifchraum- Steuerfatz per I Hektoliter I Francs 48 Centimes und wurde durch das Gefetz vom 18. Juli 1860 auf 4 Francs per 1 Hektoliter erhöht. Bezüglich der Angaben über die Bierproduction in Belgien wird bemerkt, dafs bei den offiziellen ftatiftifchen Arbeiten* ftets angenommen wird, dafs eine doppelte Quantität von Bier erzeugt werde, als Hektoliter Maifchraum verfteuert wurden. Auf Grund diefer officiellen Daten foll in Belgien ein Quantum von circa 7,000.000 Hektoliter Bier producirt werden.** Der Import fremden Bieres nach Belgien ift geftiegen, während der Export des heimifchen Bieres gefallen ift. Import von Bier in Belgien. in Gefäfsen( Hektoliter) in Flafchen Im Jahre 1851 512 6.144 1852 584 7.014 93 21 1853 669 7.560 1854 75° 8.997 1855 902 10.821 : : 1856 1.945 17.945 : 1857 1.812 21.738 " " F 1858 2.311 27.735 : " 1859 4.180 50.157 1860 6.442 77.302 Export von Bier in Belgien. in Gefäfsen( Hektoliter) in Flafchen Im Jahre 1851 732 49.050 1852 1.586 1853 1.483 23.027 59.663 " 1854 2.729 4.710 " 29 1855 2.747 3.480 27 1856 2.858 1.230 : : " 1857 3.629 5.114 " 1858 2.177 5.376 27 " 1859 1.291 4.960 1860 I.222 " 7 " 5.149 Der Import von Bier nach Belgien in den Jahren 1869, 1870 und 1871 geftaltete fich wie folgt: Gefammtimport im Jahre 1869 38.372 Hektoliter 27 77 27 1870 36.179 1871 39.129 25.600 Hektoliter 1870 26.347 1871 32.741 ** " " Import vom Zollvereine im Jahre 1869 دو 27 Bei der oben angegebenen Bierproduction von circa 7,000.000 Hektoliter kommen in Belgien mit 4,829.320 Einwohnern auf einen Kopf der Bevölkerung 145 Liter. * Expofé de la fituation du royaume publié par le miniftre de l'intérieur. ** Diefe officielle Annahme fcheint etwas zu hoch gegriffen zu fein. Malz, Bier etc. 49 Die übrigen Staaten Europas. י Frankreich. In der franzöfifchen Agriculturhalle waren drei Ausfteller von Bier vorhanden von diefen ift als beachtenswerth die Bierbrauerei der„ Société des cave du roy à Sèvres bei Paris" hervorzuheben. Diefelbe hatte einen gefchmackvoll arrangirten Schrank mit Flafchenbier ausgeftellt. Das Bier hatte fich klar erhalten, war in der Farbe den hellften Wiener Bieren gleich und dem Gefchmacke nach zu urtheilen, aus vierzehnpercentiger Würze bereitet. Frankreich hat während der letzten Jahre im Bereiche der Bierbrauerei Fortfchritte gemacht und ist nur fehr zu bedauern, dafs bedeutendere Unternehmungen, wie jene der Herren Tourtel in Tantonville, des Herrn Velten in Marfeille und andere mehr an der Ausftellung fich nicht betheiligten. Sehr bedeutende Mengen der beften und billigften Weingattungen, welche in Frankreich auf den ausgedehnteften Gebieten cultivirt und producirt werden, haben den Bierverbrauch nicht in der Ausdehnung und in dem Mafse aufkommen laffen, wie man bei der ftarken und wohlhabenden Bevölkerung diefes Landes hätte erwarten können. Die Bierproduction ftieg nach und nach, obgleich das Biertrinken bei dem vorhandenen Ueberflufse an gutem und billigem Weine als ein immerhin koftfpieligeres Genufsmittel betrachtet werden mufs. Nachftehende Zufammenftellung belehrt über die Steigerung der Production von Bier vom Jahre 1851 bis 1860: Hektoliter Bezahlte Abgaben Francs Im Jahre 1851 wurden verfteuert 4.449.000 für 9,633.000 " 1852 " 27 1853 9. " " 1854 29 " " 1855 "" 4.523.000 5.047.000 4.959.000 5,871.000 29 99 ,. 99 9,834.000 10,847.000 10,647.000 12,995.000 " " 1856 6,449.000 " 97 15,054.000 1857 1858 97 " " " " 1859 1860 " 7,088.000 9,807.000 6.700.000 99 16,511.000 وو " 15,909.000 15,678.000 " " 29 6,571.000 99 15,241.000 In Frankreich werden hauptfächlich zwei Bierqualitäten erzeugt, nämlich ftarkes oder Lagerbier und fchwaches oder Schankbier. Es richtet fich auch hiernach die Höhe der Malzfteuer, welche nach dem Rauminhalt des Braukeffels berechnet wird Die Erzeugung von ftarkem Bier beträgt das 34 bis 2½ fache des Dünnbieres. Es geftaltete fich die Biererzeugung im Jahre 1867 folgendermassen: Starkes Bier Schwaches Bier • " 5.284.845 Hektoliter 2,242.832 " Zufammen 7,527.677 Hektoliter. In Rückficht auf die Territorialverminderung Frankreichs, welche naturgemäfs auch die Ziffern der erzeugten Biermengen herabminderte, kann jetzt in Frankreich die Menge des gebrauten Bieres mit circa 7,000.000 Hektoliter angenommen werden. Der Bierverbrauch in Paris hat fich ganz anfehnlich gefteigert; derfelbe betrug im Jahre 1854 166.490 Hektoliter; von diefem letzten Quantum war weniger als die Hälfte in Paris gebraut, während der Reft theils aus franzöfifchen, theils aus fremdländifchen Brauereien eingeführt wurde. Der Bierimport nach Frankreich ftieg vom Jahre 1853 mit 7000 Hektoliter bis 1864 auf 43.144 Hektoliter. Der Export franzöfifcher Biere betrug im Jahre 1865 30.730 Hektoliter. 4* 50 Guftav Noback. Da Strafsburg und Umgebung von früher her ein grofses Bierabfatzgebiet in Paris hatte, fo dürfte in den letzten Jahren der Import von diefem Platze aus nach Frankreich fehr bedeutend geftiegen fein. Die gröfsten Bierbrauereien Frankreichs befinden fich in der Umgebung von Paris, Tantonville, Marfeille und Lyon. Nach der Einwohnerzahl Frankreichs von 36,103.000 entfällt bei der Bierproduction von circa 7,000.000 Hektoliter eine Menge von 19½ Liter Bier auf einen Einwohner. Schweiz. Zwei Bierbrauereien, und zwar Max Fifcher& Comp. zu Reichenbach bei Bern, fowie Louis Roffian in Faido( Canton Teffin) fandten Flafchenbiere, welche guter Qualität waren und im Ausfehen zwifchen dem Wiener und Pilsner Biere ftanden. Italien. Obgleich das milde Klima von Italien einer Einführung der Bierbrauerei mehrfache Hinderniffe in den Weg legt, fo bricht fich doch mit Hilfe des techniſchen Fortfchrittes diefer Induftriezweig mehr und mehr auch in diefem Lande Bahn. Es brachten fünf Bierbrauereien Italiens ihre Producte zur Ausftellung, und zwar Camillus Bonzani in Bologna. Neffoli& Pezzi in Ravenna, Michael Siniscalco in Salerno, Filipp Metzger& Comp. in Afti und Johann Ritter in Chiavenna und Sondrio. Sämmtliche Biere waren in Flafchen, von denen die aus Bologna und Afti wohl ziemlich licht in der Farbe und rein von Gefchmack waren, in ihrem Extractgehalt fehr hoch ftanden und an englifches Ale erinnerten. - Ganz licht- ähnlich dem böhmifchen Biere in der Farbe und auch leichter waren die Gattungen von Chiavenna, Ravenna und Salerno. Dänemark. Die Brauereibefitzer J. C. Jacobfen& Comp. in Carlsberg bei Kopenhagen fandten eine Collection von Flafchenbieren zur Ausftellung, welche eine ganz befondere Beachtung verdiente. Diefe Biere waren- foviel nämlich bekannt die einzigen auf der Ausftellung vertretenen, bei deren Bereitung zum Kochen der Maifche wie auch der Hopfenwürze indirecter Dampf angewendet wurde. Um die Haltbarkeit diefes Bieres zu conftatiren, brachte der Ausfteller eine gröfsere Anzahl von Flafchen, welche zweimal den Aequator paffirt hatten. Eine Partie der Flafchenbiere war nämlich wie durch Beglaubigungsfchreiben documentirt wurde nach Rio- Janeiro gefandt und von dort wieder retour, während die zweite Partie die Reife nach China und retour durchmachte. Die Qualität beider hart auf die Probe geftellten Bierfendungen war tadellos. Das Bier hatte wohl ein beim gröfseren Alter unvermeidliches Geläger, welches jedoch ziemlich feft als Satz am Flafchenboden haftete. Die Farbe war dem Wiener Biere gleich, der Gefchmack rein und gut. - Während in früherer Zeit in ganz Dänemark nur leichtes, obergähriges Bier, welches ganz jung confumirt wurde, erzeugt worden ift, wurde feit dem Jahre 1845 durch Jacobfen die Bereitung von untergährigem Lagerbier eingeführt. Die ganze Erzeugung von Lagerbier in Dänemark beläuft sich jetzt auf ein Quantum von circa 140.000 Hektoliter. Die Hälfte hievon entfällt auf die Jacobfenfche Bierbrauerei in Kopenhagen. Die Bierproductions- Quantitäten von Dänemark laffen fich nur annäherungsweife beftimmen, da Dänemark eines von jenen wenigen europäifchen Ländern ift, welche bei der Bierproduction keinerlei Steuern erheben. Schweden und Norwegen. Die Bierbrauerei von Schweden und Norwegen war durch neun Ausfteller vertreten, welche alle lediglich Flafchenbier ausftellten. Sowohl die Hamburger wie die Nürnberger Actiengeſellſchafts- Brauerei In Städten Standort Malz, Bier etc. 51 zu Stockholm brachte Flafchenbier, welches feiner Qualität nach mit dem baierifchen BierAehnlichkeit hatte, nur etwas ftärker vergohren zu fein fchien als folches. Die Brauereibefitzer Tulldahl, Landskrona und A. B. Wallis, Dybock Ifta d hatten unter den Namen„ Pale Ale" und" baierifches Bier" ihr Product in Flafchen vorgeführt. Während die Producte der eben angeführten fchwedifchen Bierausfteller ihrem Ausfehen, ihrem Gefchmacke und überhaupt der Qualität nach dem baierifchen Bier nahe ſtehen, fo ift durch die norwegifchen Bierausfteller der Beweis geliefert, dafs in diefem Lande die Bereitung von ganz lichtem, ftark vergohrenem, dem Pilsner fehr ähnlichem Biere üblich ift. Um über Schweden Anhaltspunkte der Bierproduction zu erlangen, mufs der Weg der Schätzung betreten werden, weil dort, wie in nur wenigen Ländern Europa's, eine Bierfteuer bisher noch nicht befteht. Das gefammte in Schweden producirte Bierquantum wird von unterrichteter officieller Seite per Jahr mit circa 20,000.000 Kannen einfachen Bieres und circa 500.000 Kannen Porter und Ale angegeben. Da eine fchwediſche Kanne gleich 2.617 Liter ift, fo beträgt alfo die jährliche Biererzeugung in Schweden circa 523.000 Hektoliter. Ueber die Anzahl der in Schweden in den Jahren 1866 bis 1870 in den Städten fowie auf dem Lande betriebenen Bierbrauereien, ferner über die in denfelben befchäftigte Arbeiterzahl enthält nachftehende Tabelle Näheres: 1866 1867 1868 1869 1870 Brauereien Arbeiter Brauereien Arbeiter Brauereien Arbeiter 242 1 181 242 1.178 230 1.114 218 1.119 229 1.028 Brauereien Auf dem Lande 37 108 III 37 28 91 28 93 24 89 Zufammen Brauerei für Porter 279 1.289 279 1.289 258 1.205 246 1.212 253 1.117 I - - Stockholm hat 18 Brauereien mit einer jährlichen Production von circa. 10 Millionen Liter. Aus diefer Zufammenftellung ift erfichtlich, dafs in den Jahren 1866 bis 1870 die Anzahl der im Betriebe gewefenen Bierbrauereien von 279 auf 253 oder um 26 gefallen ift, während gleichzeitig die Bierproduction fich fteigerte. Aufser dem im Lande felbft producirten Biere wird, wie umftehende Tabelle zeigt, Porter, Ale und Bier importirt und auch exportirt. Einfuhr: Ausfuhr: Bier Porter 1861 29.245 Bier 22.368 I 129 1862 26.600 37.542 794 1863 37.224 37.583 2.885 1864 29.755 20.890 5.256 1865 39.375 32.044 403 1866 29.721 42.340 24 1867. 32.772 28.884 240 1868 22.663 30.109 813 1869 18.210 45.392 934 1870 19.126 23.971 43.898 Arbeiter Brauereien Arbeiter 52 Guftav Noback. Schweden liefert eine gute, für Brauereizwecke vollkommen geeignete Gerfte, welche in ziemlich ausgedehntem Mafse für Mälzereien und Brauereien hauptfächlich nach England exportirt und theilweife auch nach Norwegen gefandt wird. Ausfuhr und Einfuhr von Gerfte und Malz in den Jahren 1861 bis 1870 in Zollcentnern: Ausfuhr: Einfuhr: 1861 560.727 47.220 1862 580.179 83.060 1863 357.639 29.538 1864 433.256 93.112 1865 642.785 38.982 1866 572.638 36.277 1867 297.230 180.709 1868 302.785 323.475 1869 499.386 129.824 1870 893.454 42.158 Von den fünf Bierausftellern Norwegens fallen vier auf Chriftiania. Die Frydenlund's Brauerei zu Chriftiania fowie die von O. N. Forfeth& Comp., ferner E. C. Duborgh und die Chriftiania- Brauerei führten Exportbier und Export Ale vor. Dasfelbe that die Dahl'fche Bierbrauerei zu Drontheim. Diefe norwegifchen Biere zeichneten fich durch lichte Farbe, grofsen Glanz, Klarheit, ftarkes Mouffée und reinen Gefchmack aus. Sie gehören ihrem Charakter nach zu 13- bis 16percentigen, verhältnifsmäfsig ftark vergohrenen Bieren. Im Jahre 1870 waren in Norwegen 34 Bierbrauereien im Betriebe, in welchen 700 Arbeiter befchäftigt wurden. Diefe erzeugten circa 25,000.000 Liter Bier. Während in Schweden die Bierbrauerei( mit Ausnahme einiger grofsen Etabliffements in Stockholm) in einer gröfseren Anzahl Betriebsftätten mäfsigen Umfanges betrieben wird, findet man in Norwegen und zwar fpeciell in Chriftiania, gröfsere BrauereiEtabliffements, welche ihr Product unter Anderm auch nach Brafilien exportiren. Zur Unterstützung der eben ausgefprochenen Anficht wird auf die Zahl der in Schweden fowie Norwegen beftehenden Brauereien und der in denfelben befchäftigten Arbeiter hingewiefen. In Schweden kommen durchſchnittlich auf je eine Bierbrauerei 4 bis 5 Arbeiter, während in Norwegen fich das Verhältnifs auf 20 bis 21 Arbeiter fteigert. Die Bierproduction geftaltet fich in Rückficht auf die Einwohnerzahl per Kopf der Bevölkerung folgendermassen: Land Schweden Norwegen Einwohnerzahl 4.158.757 1.701.478 Bierproduction in Enthält per Kopf Litern in Litern 52.340.c00 25,000.000 1212 14% 2 Niederlande. Obgleich die Bierbrauerei der Niederlande auf der Ausftellung nicht vertreten war, unterlaffe ich nicht, einige beachtenswerthe Daten über die Bierbrauerei dafelbft zu bringen. Wie überall, fo ift auch der Bierverbrauch in Holland geftiegen und zwar fowohl durch Erhöhung der Bierproduction im Lande, wie auch durch erhebliche Zunahme der Einfuhr fremden Bieres. Die auf verfchiedene Provinzen Hollands vertheilte Anzahl von Bierbrauereien( im Ganzen 560), fowie der Rauminhalt der Maifchbottiche in denfelben, welch letzterer nach holländifchen Gefetzen als Mafsftab für die Braufteuer dient, find aus nachftehender Tabelle näher erfichtlich: Provinzen Nordbrabant Gelderland. Südholland. Nordholland Zeeland Utrecht Friesland Oberijffel. Groningen Drenthe Limburg Malz, Bier etc. Anzahl der Brauereien 53 Rauminhalt der Maifchbottiche in Litern 192 395.440 34 93.260 26 139.870 13 140.930 20 63.547 13 64.873 3 3.850 IO 35.849 24 50.271 1.109 I 224 Summe.. 560 468.097 1,457.096 Von den angeführten Brauereien arbeiten 15 nach dem baierifchen Syftem, die übrigen 545 noch nach der alten holländifchen Methode; 39 Brauereien verfteuern fich nach Mafsftab des Malzverbrauches, die übrigen 521 nach dem Maifchraum, welche Befteuerungsmodalitäten für den Brauer facultativ find.( Niederländifcher Staatscourant 10. Auguft 1871, Nr. 186.) Die erwähnten 39 Brauereien haben im Jahre 1872 rund 5,174.000 holländifche Pfund, die 521 Brauereien aber 15,683.200 holländifche Pfund Malz verarbeitet, demnach verbrauten fämmtliche 560 Brauereien ein Malzquantum von 20,857.200 holländifche Pfund. Nach holländifchen Verhältniffen ift anzunehmen, dafs aus je 100 Kilogrammen Malz durchfchnittlich 650 Liter Bier erzeugt werden; es entſpricht demnach das im Jahre 1872 verbrauchte Malzquantum von 20,857.200 holländifchen Pfunden( 1 holländifches Pfund gleich 1 Kilogramm) einem Bierquantum von 1.355.718 Hektoliter. Der Steuerfatz berechnet fich bei Befteuerung nach Malzverbrauch mit 3½ Centime für jedes Kilogramm Malz und bei Befteuerung nach Maifchraum mit I Gulden holländifch Courant für je 1 Hektoliter Maifchraum. Die Verzehrungsfteuer für Bier hat im Jahre 1872 rund 730.000 holländifche Gulden ergeben. Der Hauptconcurrent für die Einfuhr des Bieres als Volksgetränk in Holland ift bisher der Genever gewefen, deffen Genufs, wie zu erwarten ist, mit der Zunahme der Bierbrauerei mehr und mehr zurückgedrängt werden wird. Einer der Berichte der Handelskammer in Amfterdam, deren Urtheil hier gewiſs mafsgebend fein dürfte, äufsert fich über das Aufblühen der Bier- Induftrie Hollands in folgender Weife: Bier - ንን Wenn es fich ziemte, für einen Induftriezweig mehr Vorliebe zu hegen, als für andere, dann dürfte es wohl geftattet fein, fich ganz befonders über die zunehmende Blüthe unferer Brauerei zu freuen. Wenn das Biergutes, kräftiges das Volksgetränk werden und den Genever verdrängen foll, fo wird man das, von einem allgemeinen Standpunkte aus betrachtet, auf welchem wir hier uns befinden, als ein erfreuliches Zeichen anfehen können. Die drei hier beftandenen Brauereien befanden fich im günftigften Zuftande, fahen ihren Abfatz nicht allein in unferen oftindifchen Befitzungen, fondern hauptfächlich im Inlande zunehmen und konnten nicht genug produciren, fo dafs viele Aufträge unausgeführt bleiben mussten." Die Biereinfuhr nach Holland hat fich fehr bedeutend gehoben; diefelbe betrug 1846: 106.200 Liter und erhob fich bis zum Jahre 1870 auf 2,933.000 Liter, ift alfo während 24 Jahren auf das 27% fache geftiegen. Die Bierausfuhr aus Holland( meiftens nach den Colonien Java und Surinam) erweift eine Steigerung. Es geftalteten fich die Bierausfuhr und die Biereinfuhr wie folgt: im Jahre Deutfch. land 54 im Jahre 1868 1869 1870 Guftav Noback. Hollands Ein- und Ausfuhr von Bier Einfuhr in Litern 1,836.000 1,788.000 2,933.000 Hievon wurden aus dem Zollvereine eingeführt: im Jahre 1868.... " 27 1869. 1870. Einfuhr von Belgien England o anderen Ländern Belgien Frankreich Ausfuhr in Litern 1,713.000 1,794.000 2,294.000 1,246.000 Liter 1,366.000 2,933.000 27 Ausfuhr nach Java Surinam i n. L i t CD r 1871 861.000 76.000 314.000 7000 197.000 3000 n 703.000 265.000 107.000 1872 761.000 80.000 332.000 4000 152.000 1000 1,009.000 230.000 63.000 Ueber jene Plätze, durch welche die ftärkfte Einfuhr fowie auch Ausfuhr ftattfand, gibt nachftehende Tabelle Näheres an: Einfuhr Ausfuhr in Litern im Jahre über über über Rotterdam Amfterdam Maaftricht über Reft Arnheim 1871 634.000 60.000 1872 474.000 93.000 44.000 48.000 10.000 5.000 1871 87.000 962.000 63.000 1872 40.000 1,045.000 144.000 Bei einer Bierproduction von 1,355.718 Hektoliter und bei der Einwohnerzahl von 3,652.070 in den Niederlanden entfallen auf den Kopf der Bevölkerung 37 Liter producirten Bieres. Russland. Das ruffifche Reich hat drei Bierausfteller aufzuweifen. Der Brauereibefitzer Jean Durdin aus St. Petersburg hat Fafs- und Flafchenbier ausgeftellt; dasfelbe ift licht und fteht in der Farbe zwifchen dem Wiener und böhmifchen Biere. Die Qualität war gut und zeichnete fich durch reinen Gefchmack aus. Diefes Unternehmen, welches im Jahre 1839 ins Leben trat, fteigerte alljährig feinen Betrieb und gehört heute zu den gröfsten Bierbrauereien von St. Petersburg. Die Moskauer Bierbrauerei von Kornéïeff, Gorfchanoff& Comp., welche fich mit der Erzeugung von Meth, Bier nach baierifchem und öfterreichischem Verfahren, fowie Porter befafst, führte nur ihr letzteres Fabricat in Flafchen vor. Der Porter hatte grofse Aehnlichkeit mit echt englifchem, es war jedoch der charakteriftifche Hopfengefchmack, welcher durch das dry hoping in England herbeigeführt wird, nur wenig vorherrfchend. anderen Ländern Malz, Bier etc. 55 Franz Lutoslawski, Brauereibefitzer in Drozdowo, ftellte Bier in Flafchen ganz eigenthümlicher, den Gläfern für confervirte Früchte ähnlicher Form aus. Das Bier, welches, dem Gefchmacke nach zu urtheilen, aus 14 bis 16 Percent Würzen bereitet ift, hatte in Farbe grofse Aehnlichkeit mit den Wiener Bieren, nur war dasfelbe füfslicher im Gefchmacke. Die wohl im ruffifchen Specialkatalog verzeichnete und renommirte Brauerei von J. Dauder& Comp.( Auguft Kennert) zu Riga war trotz alles Suchens nicht aufzufinden. Der Brauereibetrieb in Rufsland hat feit einigen Jahren fehr anfehnliche Fortfchritte gemacht, und ift es zu bedauern, dafs die grofsartigen Etabliffements, wie die Kalinkin- Brauerei, fowie die Bavaria- Actienbrauerei in St. Petersburg, ferner die Golthaer Actienbrauerei bei Odeffa und die Actienbrauerei in letztgenanntem Orte fich leider nicht betheiligten bei der Weltausstellung. Der im ruffifchen Reiche für Bierbrauerei eingeführte Befteuerungsmodus ift ein folcher, dafs durch die Steuerergebniffe Rückfchlüffe über die erzeugten Biermengen mit vollkommener Genauigkeit nicht gemacht werden können. Der im europäifchen Rufsland eingeführte Bierbefteuerungs- Modus ift der einer Raumfteuer, und zwar werden im Sudhaus der Pfannenraum, fowie der Maifchbottichraum per einen ruffifchen Vedro mit 6 Kopeken verfteuert. Da nun erfahrungsgemäfs nach den in Rufsland obwaltenden BrauereiBetriebsverhältniffen per 1 Vedro fertigen Bieres circa 12 bis 14 Kopeken an oben erwähnter Raumfteuer entfällt, fo laffen fich die erzeugten Biermengen auf Grund der eingegangenen Steuerbeträge annäherungsweife beſtimmen. Das europäiſche Rufsland weift eine ftete Steigerung der Bierproduction auf. Die Hauptplätze, an denen die Bierbrauerei zur Zeit in gröfserem Umfange betrieben wird, find St. Petersburg, Riga, Moskau, Odeffa und Warfchau. In St. Petersburg, dem Sitze fehr bedeutender und umfangreicher Bierbrauereien, wurden während der letzten Reihe von Jahren nachftehende Mengen Bier verfchiedener Qualität producirt: Bierproduction in St. Petersburg. Jahr 1865 1866 1868 1869 1870 1871 Bierproduction in ruffifchen Vedro 1,714.800 2,407.400 2,512.900 2,675.400 2,884.600 2,932.600 Im gefammten übrigen europäiſchen Rufsland wurden, mit Ausfchlufs von St. Petersburg und der dort erzeugten bereits eben angegebenen Biermenge, folgende Quantitäten producirt: Im Jahre 1863/64 99 94 1867/68 27 29 1869/70 99 99 1870 71 5,588.991 Vedro 6,128.416 وو 6,884.520 79 7,122.384 27 In richtiger Erwägung, dafs die Production eines guten und gefunden Bieres das einzige nachhaltige Mittel gegen das in Rufsland ftark verbreitete Branntweintrinken ift, bietet die ruffifche Regierung Vieles auf, um die Erweiterung der beftehenden und die Errichtung neuer Bierbrauereien zu fördern.* Sehr intereffant find die Daten über die Steigerung der Bierproduction und das gleichzeitige Fallen der Spirituserzeugung im gefammten europäiſchen Rufsland. * Von der Brauerei- Mafchinenfabrik Brüder Noback und Fritze in Prag wurden letzterer Jahre grofse Brauereibauten in Riga, Wilna, Dubno, Olwiopol bei Odeffa und in St. Petersburg ausgeführt. 56 Guftav Noback. Jahr 1863/64 1867/68 1869/70 Bierproduction in Vedro Branntwein- Production in Vedro 7,697-745 24,239.000 8.640.000 9,740.000 22,854.419 22,347.202 In Rufsland wird im Vergleiche zu anderen Ländern des Continentes verhältnifsmäfsig viel Porter und Ale confumirt. Der Porter wird theils von England direct importirt und auch im Lande felbft producirt. Die Porterbereitung in Rufsland nahm in beachtenswerther Weife zu. Die beiden nachftehenden Tabellen enthalten hierüber ausführlichere Daten. Porter und Aleproduction in Rufsland. Im Jahre 1860 14.720 Vedro " 1865 32.880 " 1869 77.540 " 1870 98.614 Einfuhr von Porter und Ale von England nach Rufsland. Import in englifchen Barrels Werth in englifchen Pfund Sterling Jahr 1853 1863 1864 1865 1871 4.866 3.359 3.403 3.238 4.253 15.902 12.075 12.914 II.777 16.131 Die in Rufsland beſtehenden Bierbrauereien gröfseren Umfanges bereiten hauptfächlich ftarke Biere aus Würzen von 13 bis 16 Percent. Die in diefen Unternehmungen eingeführte Braumethode fteht in ihren Manipulationen zwifchen der baierifchen und öfterreichifchen. Die Bereitung von lichten, hellen Bieren hat fich in allen bedeutenderen gut geleiteten Etabliffements eingebürgert. Da die Bierproduction Rufsland's 1,195.092 Hektoliter beträgt und fich diefes Quantum auf circa 63,658.934 Einwohner* vertheilt, fo kommt auf jeden Kopf der Bevölkerung 187 Liter producirten Bieres. In Rufsland wird aufser Bier noch in ganz erheblichen Quantitäten Meth gebraut und befaffen fich mit Erzeugung diefes Getränkes nicht blos viele der beftehenden Bierbrauereien, fondern auch eine Anzahl ſpecieller kleiner MethBierbrauereien. Rumänien. Brauereibefitzer Oppler aus Bukareft führte fein Product in Fafs und in Flafchen vor, und zwar Märzen- fowie Lagerbier. Beide Gattungen, in Farbe dunkler wie Wiener Biere, haben bei geringer Hopfengabe einen fehr füfsen Gefchmack. Extractgehalt und die Stärke laffen auf 16- bis 18percentige Würze fchliefsen. Amerika. Vereinigte Staaten.** Schon feit mehreren Jahrhunderten wird in Amerika die Bierbrauerei betrieben. Im Jahre 1620 wurden bereits Brauer von England nach Virginia gefchickt, im Jahre 1637 wurde dort die erfte Bierbrauerei gebaut und zehn Jahre später beftanden in Virginia bereits 6 Bierbrauereien. Im * Die Bierproduction und Einnahme im Königreich Polen find hier nicht inbegriffen. ** Obgleich keine Brauerei der Vereinigten Staaten fich bei der Ausftellung betheiligte, fo halte ich es doch für fachgemäfs, einige Daten über die dortigen Bier- Productionsverhältniffe anzuführen und diefs um fo mehr, da der Auffchwung der Bierbrauerei in diefem Lande ein hochft beachtenswerther ift. Malz, Bier etc. 57 März des Jahres 1663 wurde von einem Herrn Winthrop aus Connecticut der Royal Society in London Bier vorgefetzt, welches aus Mais bereitet war. Es iſt nachgewiefen, dafs amerikaniſche Brauer fchon vor langer Zeit Mais( Indian corn) verbraut haben und vermuthet man, dafs zu diefer Verwendung von Mais mehrere in Amerika eingeborne Indianerftämme Veranlaffung gegeben haben, welche künftliche beraufchende Getränke aus Mais bereiteten. Im Jahre 1677 kam in Amerika ein Verbot heraus, dafs nur lediglich Gerftenmalz zum Bierbrauen verwendet werde und dafs die Anwendung von Zucker und Melaffe gänzlich verboten ift. Die Brauereien nahmen in ganz Amerika zu, und im Jahre 1774 begann man Porter und Ale zu brauen. Im Jahre 1801 wurde von Anderſon in Philadelphia das erfte Patent genommen für Verwendung von Mais zum Bierbrauen. Im Jahre 1810 wurde bereits nach Amerika fremdes Bier importirt und zwar 185.000 Gallons; im felben Jahre wurde eine gleiche Quantität von Bier und Cider exportirt. Es entstanden grofse Bierbrauereien in derfelben Zeit zu Philadelphia, New- York und Baltimore und producirten damals die in den Vereinigten Staaten beftehenden 132 Brauereien 182.692 Barrels Bier. Im Jahre 1815 befchlofs der Congrefs eine Werthabgabe von 6 Percent des in den Vereinigten Staaten gebrauten Bieres. Hierauf entstanden in verfchiedenen Staaten neuerdings viele Bierbrauereien und waren 1860: 1269 Brauereien mit einem Totalcapital von 14,750.000 Dollar im Betriebe und producirten Bier im Werthe von 21,310.933 Dollar. In der letzten Reihe von Jahren ift die Bierbrauerei in den Vereinigten Staaten Amerikas zu einem der bedeutendften und verbreitetften Induftriezweige herangewachfen. Das dort feit April 1864 eingeführte Steuerfyftem, die Markenfteuer( man zahlt per Fafs[ Barrel zu 31 Gallons] 1 Dollar Steuer), macht es möglich, einen genauen Schlufs auf die erzeugten Biermengen machen zu können. Die Mengen der in den Vereinigten Staaten confumirten Malzgetränke betrugen: im Jahre 1865... 1866.. 3,657 111 Fafs( Barrels) 5,115.140" 5,819.345 5,685.663 99 1867.. 1868 99 1869.. 5,866.400 99 " 1870. 6,081.520 " 1871. 7,087.826 19 1872 8,009.969 99 29 Das Betriebscapital der Brauereien in den Vereinigten Staaten( per Fafs 10 Dollar gerechnet) beläuft fich auf 56,856.630 Dollar. Diefelben befchäftigten 7.107 Menfchen, exclufive Küfer, Fuhrleute etc.; zu 3 Bushel per Fafs gerechnet, werden 17,056.899 Bushel Malz confumirt. An Hopfen wurden confumirt( 212 Pfund per Fafs) 13,214.0821 Pfund. Die Regierung bezog als Bierfteuer und Taxen aus diefem Zweige der Induftrie ein Einkommen im Betrage von 6,420.663 Dollar. Demnach ftellt fich das Gefammtcapital, welches in Brauereien direct oder indirect angelegt ift, exclufive von Schmieden, Küfern und dergl., auf 105,052.053 Dollar. Nachftehende Tabelle gibt die erzeugten Biermengen, die erhobene Steuer, fowie Taxen( Specialfteuer) vom Jahre 1863 bis 1872 an. Wie bedeutend die Anzahl der Bierbrauereien in den Vereinigten Staaten geftiegen ift, fieht man aus dem Vergleich zwifchen 1860 und 1872. Während diefer zwölfjährigen Periode ftieg die Zahl der Bierbrauereien von 1269 auf 3041, vermehrte fich alfo um 1772 Etabliffements oder um 139.7 Percent. Die Steigerung der Bierproduction, welche die Vereinigten Staaten aufzuweifen haben, ift eine wirklich riefenhafte zu nennen. Im Jahre 1863 wurden 1,558.083 Barrel und im Jahre 1872: 8,009.969 Barrels Bier gebraut und ver 58 Guftav Noback. fteuert, fo dafs während einer nur neunjährigen Zeitperiode die Bierproduction um 6,451.886 Barrel oder um 414 Percent ftieg. Bierproduction Jahr in Barrels Bierfteuer in Dollars Specialfteuer in Dollars Bierfteuer im Ganzen in Dollars 1863 1,558.083 41 1864 2,223.719 73 1865 3,657.181 06 1866 5,115.140 49 1,558.083.41 2,223.719 73 3,657.181.06 5.115.140 49 70,850.41 66,289.41 1867 5,819.345 46 5,819.345 46 77.747105.412 23 238.155 14 1,628.933.82 2,290.009 41 2,734.928.06 5.270.552.72 6,057.500.63 1868 5.685.663.79 5,685.663.79 270.205.22 5.955.868.92 1869 5,866.400 98 5,866.400.98 233.478.56 6,099.879.54 1870 6,081.520.54 6,081.520 54 237.606.36 6,319.126.90 1871 7,087.8267,087.826712.1747,800.0001872 8,009.9698,009.970.02 248.528.44 8,258.498.46 Die nachftehende Tabelle zeigt die Anzahl der im Jahre 1871 beftandenen Bierbrauereien fowie den Umfang der erzeugten Bierquantitäten in den Vereinigten Staaten Nordamerikas. Alabama Gebraut wurden im Ganzen Barrels 22 Zahl der Brauereien 3 Arizona 8 1.000 Arkanfas Californien 4 192 126 183.363 Colorado 17 3.157 Connecticut 22 55.049 Dacotal 4 604 Delaware 2 3.526 Diftrict Columbia. I2 II.355 Florida 2 Georgia. 4 6.143 Idaho.. 13 1.393 Illinois 199 496.720 Indiana 139 127.963 Jowa Kanfas Kentucky Louiſiana II7 91.074 33 23.805 45 93.927 15 58.207 Maine 4 7.844 Maryland 44 90.593 Maffachuffets. 54 463.018 Michigan 152 129.492 Minneſota IOO 65.276 Miffouri.. Montana Nebrasca. III 305.763 28 4.195 17 15.219 Nevada.. 28 8.178 New Hampſhire New Yerfey New Mexico New York 4 72.815 83 545.661 5 418 410 2,357.214 N. Carolina Ohio. Oregon Pennſylvania. Rhode Island S. Carolina Tenneffee Texas.. Malz, Bier etc. Zahl der Brauereien I 268 24 348 4 2 59 Gebraut wurden im Ganzen Barrels 36 685.469 6.094 886.584 14.930 1.323 5.506 30 II.032 Utah Vermont 8 1.851 6 742 Virginia.. Washington Terr.. West Virginia Wisconsin. 7 7.504 13 3.078 18 14.709 227 225.201 Wyoming IO 564 2.785 7,087.826 Diefelben werden claffificirt, wie folgt: Brauereien, die unter. 500 Barrels produciren 1,151 " " 1.000 2.000 99 27 402 319 י; 99 29 3.000 " , 167 4.000 " 27 " 99 84 " 5.000 " 77 64 10.000 161 " " 77 99 15.000 71 99 99 " " 20.000 27 99 " 99 79 " 25.000 22 " 77 30.000 II " 38 " " 35.000 6 27 59 " 99 40.000 IO 99 27 وو 77 45.000 19 " 50.000 99 052 77 60.000 6 27 " " 99 70.000 99 I " " 80.000 I " 27 " 99 " 90.000 I 29 2 100.000 " 7 " " " Neue Brauereien, d. i. folche, die überhaupt nicht im Betriebe find 171 2.684 Nach der letzten Volkszählung beläuft fich die Bevölkerung der Vereinigten Staaten auf 38.547.229 Einwohner und die Bierproduction von 1872 betrug 8,009.969 Barrels à 31 Gallons*= 248,309.039 Gallons= 11,261.180 Hektoliter; es kommt demnach auf einen Kopf der Bevölkerung in den Vereinigten Staaten von Nord- Amerika** ein Bierquantum von 29 Liter. Ein anfehnlicher Import von Bier und Ale nach den Vereinigten Staaten Amerikas findet, wie aus nachftehender Tabelle erfichtlich ift, von England aus ftatt. * I Gallone gleich 4.543 Liter. I Barrel gleich 2'34 Wiener Eimer à 42 Mafs. ** Die obigen Tabellen find dem ,, Amerikanifchen Bierbrauer" 1 Gallone gleich 3.200 Wiener Mafs. entnommen. von Schwarz 60 Guftav Noback. Jahr Barrels Werth in Pfund Sterling 1853 33.338 124.226 1863 7.644 33.053 1864 9.779 43.411 1871 36.402 181.195 Brafilien. Ferreira& Comp. in Pernambuco ftellten zwei Gattungen von Flafchenbier aus: nämlich helles, lichtes( cerveja bianca) und ein bockbierartiges( national preba); ferner Leidan, gleichfalls in Pernambuco, gewöhnliches. Flafchenbier. Die Biere hatten unverkennbar gelitten und konnte ein Urtheil auf die urfprüngliche Qualität aus diefem Grunde nicht gefällt werden. Um einen genauen Einblick in den Umfang und die Bedeutung der Bierbrauerei in allen hier befprochenen Ländern zu erlangen, wurde die neben. ftehende Tabelle zufammengeftellt( Seite 61). Wir erfehen aus diefer, dafs die Biererzeugung, auf den Kopf der Bevölkerung reducirt, fich in folgender Weife dem Range nach geſtaltet: Bierproduction per Kopf der Bevölkerung in Liter. Staaten Baiern 240% Württemberg 1541 Belgien. 145 Grofsbritannien und Irland JI8 Baden. 63 Sachfen. 6012 Uebrige Länder Norddeutfchlands Elfafs- Lothringen Preufsen 48 Niederlande Oefterreich- Ungarn • Vereinigte Staaten Frankreich Norwegen und Schweden. Rufsland 48 3912 37 341/2 29 1912 1412 121/2 13/4 Anmerkung. Sämmtliche Angaben mit Ausnahme von Rufsland, Schweden und Norwegen beziehen fich auf 1872. In diefer Zufammenftellung erfcheint für Oefterreich- Ungarn die Bierproduction per Kopf der Bevölkerung verhältnifsmässig gering. Diefs hat darin feinen Grund, dafs die verzeichnete Ziffer von 34% Liter per Kopf als eine Durchschnittsziffer anzufehen ift von den viel, fowie auch weniger Bier producirenden Ländern Oefterreich- Ungarns. Die nachftehenden Zuſammenftellungen geben ein klares Bild über die Bierproduction per Kopf der Bevölkerung in fämmtlichen Kronländern OefterreichUngarns, fowie über die Betheiligung derfelben an der Gefammt- Bierproduction. Kronländer Salzburg Niederöfterreich Oberösterreich Böhmen Mähren Schlefien Steiermark Kärnten Tirol und Vorarlberg Liter per Kopf der Bevölkerung 152.76 143 14 Liter per Kopf der Bevölkerung Kronländer Krain. Galizien II 43 9.62 113 07 Bukowina 8.42 92'02 Ungarn mit Siebenbürgen 5.41 60.14 Serbifch- banatifches Gebiet 4'21 52.93 Kroatifch- flavonifches" 1 49.92 Kroatien und Slavonien 3.01 33.08 Küftenland 0-60 18.04 * Mit Ausfchlufs der Pfalz und deren Einwohner. Gefammt überficht. Gröfse der Bierproduction und Verhältnifs per Kopf der Staaten Bevölkerung Bevölkerung Bierproduction in Litern Kommt pr. Kopf in Lit. circa Antheil der Bierfteuer an den Gefammteinnahmen in Percenten Gefammteinnahme Bierfteuer Ertrag Antheil in Percenten Oefterreich- Ungarn NordPreufsen deutfchSachfen. land Uebrige Länder 2,556.244 4,116.551 Baiern Süd35,644.858 1.221,199.953 34% 317,195.040 fl. ö. W. 24,693.066 972,190.299 39% 172,918.937 Thaler 12,648.594 154.527.939 60% 20,206.842 200,298.994 482 4,198.355 1.010,380.500 240% 24,257.694 fl. ö. W. 2,234.166 Thaler 8.28 1.87 " 514.065 4.06 99 669.654 3:26 وو 99 deutfchWürttemberg. 1,818.484 280,508.567 154 99 Baden land 1,461.428 Elfafs- Lothringen 1,638.546 93,245-570 63 81,245.400 48 87,144.606 fl. Süd. W. 10,379.951fl.Südd. W. 22,430.472 IO, 171.411 II 8 2,917.035 1,292.344 79 130 12.6 " 99 Grofsbritannien und Irland 30,838.210 3.568,259.103 118 Belgien 4,829.320 Frankreich. 36,103.000 Niederlande 3.652.070 Schweden und Norwegen 4.158.757 1,701.478 700,000.000 145. 700,000.000 19 135,571.800 37 52,340.000 121/2 25,000.000 142 72,229.000 Pfd. St. 179,292.000 Francs 1.738,467.393 88,526.832 holl. fl. 6,978.371 Pfd. St. 13,848.732 Francs 9.66 7.72 - 49 730.000 holl. fl. 082 Rufsland. 63,658.934 Vereinigte Staaten 38,547.229 I 19,509.200 134 1.126, 118.000 29 359,101.231 Dollars 7,800.000 Dollars 2 17 Anmerkung. Sämmtliche Angaben, mit Ausnahme von Rufsland, Schweden und Norwegen, beziehen fich auf 1872. * Mit Ausfchlufs der Pfalz und deren Einwohner. Malz, Bier etc. 61 62 Kronländer Guftav Noback. An dem Gefammtquantum des erzeugten Bieres participirt in Percenten Böhmen 38.49 Niederösterreich 23.33 Mähren 9.10 Oberösterreich 6.81 Ungarn mit Siebenbürgen 5.60 Steiermark 4.64 Galizien 4.24 Schlefien 2.23 Salzburg I'92 Tirol und Vorarlberg 1.30 Kärnten 0.91 Krain. 0.44 Serbifch banatifches Gebiet. 0.39 Kroatifch- flavonifches " Bukowina 0.36 Kroatien und Slavonien 0.23 Küftenland Ο ΟΙ Wird der Bierfteuerertrag mit den Gefammteinnahmen der angeführten Staaten verglichen und in Percentfatz ausgedrückt, fo ergibt fich eine höchft intereffante Zahlenreihe, aus welcher in fchlagendfter Weife die anfehnliche Betheiligung der Bierfteuer an den Staatseinnahmen erfichtlich ift. Antheil der Bierfteuer an den Gefammteinnahmen in Percenten Staaten Württemberg 13.0 Baden 126 Baiern 11.8* Grofsbritannien und Irland 9.66 Oefterreich- Ungarn. 8.28 Belgien 7.72 Sachfen 4.06 Uebrige Länder Norddeutfchlands. 3.26 Vereinigte Staaten 2.17 Preufsen 1.87 Niederlande 0.82 Rufsland Schweden und Norwegen Elfafs- Lothringen Malz. Oefterreich Ungarn. Eine anfehnliche Zahl der Bierbrauereien, welche auf der Ausftellung vertreten waren und zwar fpeciell jene, die in der öfterreichifchen Agriculturhalle verfchiedenartige Trophäen, die Bierbrauerei verfinnlichend, vorführten, brachten fozufagen als Staffage aufser Gerfte und Hopfen auch Mufter von Malz eigener Erzeugung. Obgleich diefe Proben nicht als Ausftellungsobjecte anzufehen waren, fo find fie doch beachtenswerth für den Fachmann gewefen. Malz als Handelswaare wurde ausgeftellt von mehreren Fabrikanten und zwar aus Oefterreich Ungarn, aus Baiern und aus England. * Mit Ausfchlufs der Pfalz und deren Einwohner. Malz, Bier etc. 63 Von den Malzausftellern Oefterreichs find die meiften aus Mähren, welche die wegen ihrer Qualität weithin berühmte Hanagerfte verarbeiten. Sowohl die Güte diefes Rohproductes, wie die bei der Erzeugung angewandte Sorgfalt führten es herbei, dafs die ausgeftellten Malzproben fich die allgemeine Anerkennung erwarben. Mit der Zunahme der Malzfabrication als felbftftändiger Induftriezweig ift die Erzeugung verfchiedener Malzqualitäten eingeführt worden. Es ftellten in Hinficht hierauf einige Malzfabriken Malz aus, welches durch den verfchiedenen Grad des Abdarrens von einander abwich, und zwar folches für bömifche, refpective Pilfener Biere circa 40 Grad Réaumur abgedarrt, jene für Wiener mit circa 60 Grad Réaumur und die für bairifche mit circa 70 Grad Réaumur. Da die Gerften ernte in Oefterreich- Ungarn ein weit gröfseres Quantum ergibt, als der Bedarf ift, fo beträgt je nach Ausfall des Ernte Ertrages der Export der im Inlande producirten Gerfte zwifchen 2 bis 5 Millionen Centner per Jahr. Diefer Umftand, fowie die Nachfrage nach dem feiner vorzüglichen Qualität wegen bekanntem öfterreichifchen Malze, hat ein Aufblühen diefes rentablen landwirthfchaftlichen Induftriezweiges in mehreren öfterreichifchen Kronländerr herbeigeführt. Durch den grofsen Auffchwung der Bierinduftrie auf dem Continente treten viele Brauer Deutfchlands, Italiens, der Schweiz, Belgiens und Hollands als Käufer öfterreichifchen Malzes auf. Die Verhältniffe, welche den öfterreichifchen Malzfabriken eine bleibende Rentabilität fichern, find einestheils die genügenden Mengen vortrefflichen Rohmaterials, welche für mäfsige Preife im Lande felbft vorhanden find, und anderentheils der Umftand, dafs beim Malzexport in Folge des während der Umwandlung von Gerfte in Malz eine Gewichtsverminderung von durchſchnittlich 20 Percent entſteht, um welch gleichen Satz die fämmtlichen Fracht- und Speditionsfpefen beim Malzverfandt gegenüber dem Gerftenexport geringer ausfallen. Von den auf der Ausftellung vertretenen Malzausftellern OefterreichUngarns find befonders hervorzuheben: Gebrüder Hamburger& Singer in Profsnitz, Hamburger, Singer & Comp. in Olmütz, Hana- Malzfabrik in Kremfier, L. C. Nožička& W. Umgelter in Brünn, M. Kaufmann in Brünn, Gebrüder Kubelka in Klofter Hradifch, F. Morgenstern& Sohn in Brünn, Gebrüder Hatfchek in Linz, M. Bergwein in Leitmeritz, Jofef Fifcher in Bruck an der Leitha. In der fehr intereffanten Collectivausftellung des Herrn Erzherzogs Albrecht fowie in dem mufterhaft und grofsartig arrangirten Pavillon des Fürften Schwarzenberg befanden fich gleichfalls Malzproben, welche zu jenen befter Qualität zu zählen find. Deutfchland. Die in der deutfchen Agriculturhalle ausgeftellten Malzproben trugen in ihrer Qualität den Charakter des bairifchen Malzes an fich. Diefe waren in ihrer Qualität gut und fchienen nach der Farbe und dem Röftgefchmacke zu urtheilen, mit wenigen Ausnahmen bei mindeftens 70 Grad Réaumur abgedarrt zu fein. Dr. C. Schneider aus Worms ftellte eine Collection von Malzproben fowie Mufter von Bierproben aus. England. Zwei englifche Malzausfteller brachten Producte, die ein richtiges Bild der in Englands Brauereien zur Verarbeitung gelangenden Malzqualitäten gaben. Sowohl das weifse Alemalz, wie das braune und fchwarze Portermalz waren tadellofer Qualität. Das für englifchen Porter zur Verwendung gelangende ,, blown malt" ergibt einen intereffanten Vergleich mit den übrigen Malzgattungen, Dasfelbe verräth äufserlich in Farbe und Ausfehen der Malzhülfen nichts Befonderes; umfomehr überraschend ift defshalb die ftark braune Farbe des 5 64 Guftav Noback. inneren Mehlkörpers eines jeden Malzkornes, welche mit einem ftarken Röftgefchmack verbunden ift. Diefe Malzgattung wird derart bereitet, dafs kurz vor dem Abräumen das fertig gedarrte Malz vermittelft einer Giefskanne mit Waffer befprengt wird. Die Malzhülfen ziehen in heifsem Zuſtande fchnell Näffe an fich und theilen diefe dem Mehlkörper mit; hiernach erfolgt eine entsprechende Temperaturerhöhung durch ftarkes Anheizen, worauf dann das intenfive Bräuen und die damit zufammenhängende Röftproductbildung im Malze herbeigeführt wird. Während die Malzausfteller der Zahl nach verhältnifsmäfsig gering waren, fo wurde jedem Fachintereffenten Gelegenheit geboten, ausgebreitete Studien über Gerfte zu machen, denn nahezu jedes Land hatte Gerfte verfchiedener Gattungen ausgeftellt, und fo konnte man die nicht unintereffante Beobachtung machen, dafs jene Länder, in welchen die Bierbrauerei ausgebildet ift und auf hoher Stufe fteht, auch die ihrer Qualität nach befte und fchönfte Gerfte produciren. Es läfst fich hieraus mit Berechtigung conftatiren, dafs die auf hoher Stufe ftehende Bierbrauerei intenfiv rückwirkt auf die Landwirthfchaft bezüglich der Cultur einer ftärkemehlreichen, milden und dünnhülfigen Braugerfte. Zur Illuftration diefer Thatfache braucht nur hingewiefen zu werden auf die vortrefflichen Gerftegattungen mehrerer öfterreichifchen Kronländer fowie einzelner Gegenden Deutfchlands und Englands. Der Verfaffer diefes Berichtes hatte auf der Ausftellung Gelegenheit, eine in ihrer Art wahrfcheinlich einzige grofse Sammlung von intereffanten Gerftenproben aus der ganzen Welt und zwar aus den verfchiedenften Ländern Europas, Amerikas, Afrikas und Auftraliens anzulegen. Mafchinen und Apparate, fowie Gegenftände für die Anlage, Einrichtung und den Betrieb der Bierbrauereien und Mälzereien. Oefterreich- Ungarn. Mit dem grofsen Auffchwung der Bierinduftrie, welcher nicht nur in Oefterreich- Ungarn, fondern in faft allen Ländern Europas fich bemerkbar macht, haben mehrere fpecialiftifche Induftriezweige und Berufsbranchen fich herausgebildet, welche hauptfächlich den Bierbrauereien und Malzfabriken dienen. So finden wir auf der Ausftellung Ingenieure und Techniker, fowie Mafchinenfabriken und Ateliers für Anfertigung phyfikalifcher und chemifcher Inftrumente vertreten, welche ihre Thätigkeit auf das Gebiet des Baues und der Einrichtung von Bierbrauereien und Mälzereien gerichtet haben. In beachtenswerther Weife betheiligten fich auf diefem Gebiete der induftriellen Thätigkeit, aufser einer ziemlichen Anzahl Exponenten von Oefterreich- Ungarn, auch noch folche von Deutſchland und England. Die Ausftellung der Brauerei- Mafchinenfabrik Brüder Noback und Fritze in Prag, welche Letztere fich als Specialität mit der Einrichtung von Brauereien und Malzfabriken befchäftigt, umfafste die wefentlichften Mafchinen und Apparate einer Bierbrauerei. Diefelbe befand fich in der öftlichen Halle und gewährte fowohl durch ein überfichtlich abgefchloffenes Arrangement fowie durch die zeitweife erfolgende Thätigkeit der hauptfächlichften Mafchinen einen genauen Einblick in den Fortfchritt beim Baue von Mafchinen und Apparaten für Malzfabriken und Bierbrauereien. Die Ausftellung diefes Etabliffements umfafste folgende Objecte: Eine 12pferdige horizontale Hochdruckdampfmafchine, eine horizontale. doppelwirkende Wafferpumpe, Kippwagen für Transport von Gerfte und Malz ein grofses Mufterplateau von gewebten und gewalzten Draht- Darrhorden, eine Mafchinen und Apparate für Bierbrauereien. 65 Gerften- Sortir- und Putzmafchine, eine Malz- Entkeimungs- und Putzmafchine, Schneckentransporteur ganz aus Eifen, für Gerfte und Malz, verbefferte Malzquetfchen in zwei Gröfsen, ein completes Patent- Maifchwerk, felbftthätiger Vormaifchapparat, Centrifugalpumpen für Maifche und Würze, transportable Bierpumpen( Bierwerkel) in zweierlei Conftructionen, Theil eines eifernen Kühlfchiffes, Patent- Roftftäbe, Gerftenquellftock- Ventile, fowie Ventile und Schieber eigenthümlicher Conftruction für Braupfannen, fowie Maifch- und Läuterbottiche. Die 12pferdige horizontale Hochdruck- Dampfmafchine, mit während des Ganges ftellbarer Expanfion, fammt Regulator und Keffel- Speife- Pumpe fowie die horizontale doppelwirkende Kaltwafferpumpe zur Förderung gröfserer Waffermengen find fehr folid gebaut und zeichnen fich in ihrer Conftruction dadurch aus, dafs eine leichte Zugänglichkeit zu den verfchiedenen Theilen ermöglicht ift. Die von Brüder Noback& Fritze ausgeftellten Kippwägen für Transport von Gerfte und Malz find ganz aus Eifen verfertigt, beftehen aus einem eifernen Korb, welcher vermittelft fchmiedeeiferner Achfe in feinem Schwerpunkt zwifchen zwei hohen, leichten, eifernen Rädern fo aufgehängt ift, dafs ein Kippen momentan und felbft auf dem befchränkteften Platze leicht möglich ift. Die von Brüder Noback.& Fritze zur Ausführung gelangenden DoppelMalzdarren waren durch eine fehr grofse in detaillirter Weife augseführte Zeichnung vorgeführt. Um die hiebei angewandten Horden im Original erfichtlich zu machen, ftellte die genannte Firma eine Muftertafel von 4 Meter X 2 Meter in einem Rahmen gefpannt aus. Eine gröfsere Anzahl von Belegen über die vortrefflichen Refultate, welche mit den bereits in mehr als 120 Exemplaren ausgeführten Doppelmalzdarren des Syftems Brüder Noback& Fritze erzielt wurden, liegen vor, und ift aus diefen erfichtlich, dafs folgende Vortheile befonders Beachtung verdienen. Geringe Raumerfordernifs, Brennmat erialerfparnifs, Verwendung eines jeden Brennmaterials, fowie Möglichkeit eines fchnellen Abdarrens, leichte Regulirung der Temperatur fowie des Luftzuges und Erzielung eines tadellofen Malzes durch alle diefe Umftände. Die Gerfte n- Sortir- und Putzmafchine zerfällt ihrer Conftruction nach in einen kleinen conifchen Verputz cylinder, welcher die Abfcheidung von Befenreifern, Sack- Bindfäden und ihrer Gröfse nach ähnliche Verunreinigungen, herbeiführt, dann den grofsen Sortircylinder, welcher die Gerfte in drei Sorten fcheidet und den Ventilator, der die Befeitigung von Staub fowie Grannentheilchen bewirkt. Um eine Verbreitung von Staub nächft diefer Sortir, und Putzmafchine zu vermeiden, ift diefelbe mit einem Blechmantel gänzlich gefchloffen. Die Malz- Entkeimungs- und Putzmafchine von Noback& Fritze in Prag befteht aus einem cylindrifchen Keimabreiber und dem grofsen Sortircylinder. Die Trennung der Keime vom Malz gefchieht durch ein nachhaltiges Reiben des frifchen von der Darre kommenden Malzes vermittelft eiferner Stifte. Die Conftruction diefer Mafchine mufs als einfach und in ihren einzelnen Theilen als leicht zugänglich bezeichnet werden. Der Schnecken- Transporteur, welcher in einer Länge von fünf Meter ausgeftellt war, ift ganz aus Eifen, was jedenfalls den Vorzug einer fehr grofsen Dauerhaftigkeit gewährt. Von eifernen Transporteuren nach diefem Syftem führte die genannte Fabrik die fehr erhebliche Länge von 950 Fufs nebft vier DoppelMalzdarren allein in der berühmten bürgerlichen Brauerei zu Pilfen aus. Derfelbe befitzt eine entsprechend grofse Rinne aus Eifenblech, in welcher fich auf gedrehten Wellen mittelft Druckfchrauben befeftigte eiferne Transporteurfchaufeln, nach der Linie einer Schraube arrangirt, bewegen. Zwei von Brüder Noback& Fritze ausgeftellte Malzquetfchen, die grofse für Mafchinenbetrieb, find ganz von Eifen ausgeführt und, um Verftaubung des werthvollen Malzmehles zu verhüten, durch einen Blechmantel ganz gefchloffen. 5* 66 Guftav Noback. Die Menge des zu quetfchenden Malzes, fowie die Feinheit des Schrottes läfst fich durch angebrachte Stellfchrauben fchnell und leicht reguliren. Das von gleicher Firma ausgeftellte Patent- Maifchwerk umfafst einen eifernen Maifch- fowie den eifernen Läuterbottich, welche auf einem combinirten eifernen Säulengeftelle in gleicher Höhe derart fituirt find, dafs vom Maifchbottich die Maifche in die tiefer liegende Maifchpfanne und aus dem Läuterbottich die Würze durch den Grant in die tiefer liegende Würzpfanne von felbft abfliefsen können. Diefe Gruppirung der Bottiche ermöglicht es, dafs während des mehrftündigen Abläuterns( welches fich nicht forciren läfst) durch das felbftftändige Abfliefsen der Würze in die Pfanne der Betrieb einer Würzepumpe gänzlich entfällt. Die zum Betriebe der Maifch- und Treberaufhackmafchine dienenden Transmiffionswellen find unterhalb der Bottiche auf einem eifernen Trägergeftelle gelagert und vermitteln die Bewegung auf genannte Mafchinen durch FrictionsKeilräder. Die Aus- und Einrückung diefer Keilrädchen erfolgt mittelft Handrädchen auf Schraubenfpindeln. Es gewährt diefe Art des Antriebes den Vortheil, dafs weder Riemen noch Zahnradüberfetzungen erforderlich find. Durch eben folche Keilrad- Transmiffion werden auch die erforderlichen Vorgelegswellen der Centrifugal- Maifch- und Würzepumpen von der erwähnten Hauptwelle aus in Bewegung gefetzt. Ein weiterer Hauptvortheil diefer Maifchwerks- Dispofition befteht auch darin, dafs die fonft üblichen, den Bau vertheuernden unterirdifchen TransmiffionsCanäle entbehrlich find, und der Raum unterhalb der Bottiche mit der leicht zugänglichen und überfichtlich gelagerten Transmiffion die Comunication im Sudhaufe frei hält. Der Unterfchied der von Brüder Noback& Fritze ausgeftellten Maifchmafchine gegenüber den gewöhnlichen Conftructionen liegt insbefondere darin, dafs durch die Anwendung der Wechfelräder ein vollkommenes Durchmaifchen und nicht wie bei den meiften Maifchmaſchinen nur eine rotirende Bewegung der gefammten Maifche im Bottich erzielt wird. Auf dem Maifchbottichrand befindet fich ein felbftthätiger Vormaifch- Apparat, beftehend aus einem kupfernen Waffercylinder, in deffen Innerem ein flaches Durchgangsrohr, zick- zack gebogen, eingelöthet ift. Durch diefes letztere fällt das zum Maifchen beftimmte Malzfchrot. Während des Paffirens fpritzt durch feine Oeffnungen kaltes, laues oder warmes Waffer aus dem oben erwähnten Cylinder zum Malzfchrot und ergibt auf diefe Weife, ohne dafs die mindefte Verftäubung von Malzmehl eintritt, eine Vormaifche, welche direet dem Maifchbottich zufliefst. Die von Brüder Noback& Fritze in Prag ausgeftellte, zu dem PatentMaifchwerk gehörende Treberaufhackmafchine ift ihrer Conftruction nach ganz neu und erfüllt ihren Zweck infofern vollkommen, als das Durcharbeiten der Treber nach dem Abläutern der erften Würze mit den fchraubenförmig und zugleich fchaufelartig geformten Aufhackmeffern in einer gründlichen Weife vollführt wird. Auf die durch die Aufhackmafchine vollkommen aufgelockerten und durcheinander gearbeiteten Treber wird aus dem mit der Mafchine verbundenen, felbftthätigen Aufgufsapparat( Anfchwänzmafchine) das heifse Anfchwänzwaffer in Geftalt von feinen Strahlen gleichmäfsig vertheilt. Die am Boden des Läuterbottichs befindlichen kupfernen Läuterböden find, um das Ablaufen der Würze möglichft zu befchleunigen, mit einer fehr grofsen Anzahl gleichmäfsig vertheilter feiner conifcher Löcher verfehen. Unterhalb diefes Bodens wird die klare Würze durch vier Rohre dem Grant zugeführt, von welchem fie in die tiefer liegende Würzepfanne abfliefst. Eiferne Treppen und Perrons vermitteln die Communication zwifchen den Bottichen und den Pfannen, fo dafs bei der grofsen Ueberfichtlichkeit diefes Patentmaifchwerkes die Arbeit im Sudhaufe fich in exactefter Weife nur durch Verwendung einer einzigen Perfon ausführen läfst. Mafchinen und Apparate für Bierbrauereien. 67 Die Centrifugalpumpen, welche zu diefem Maifchwerk gehören und die von Brüder Noback& Fritze bei allen Brauerei- Einrichtungen, wo Mafchinenkraft zur Verfügung steht, für das Pumpen von Maifche und Bierwürze in Verwendung kommen, haben gegenüber anderen Pumpen die befonderen Vortheile: 1) der grofsen Leiftungsfähigkeit, 2) der leichten und fchnell möglichen Reinigung, 3) der geringen Raumerforderniffe, 4) der grofsen Dauerhaftigkeit. Aufser diefen Centrifugalpumpen, welche die genannte Firma in drei verfchiedenen Gröfsen ausftellte, brachte diefelbe noch zwei andere Syfteme von Pumpen für Bierbrauereien in je zwei Exemplaren, nämlich zwei meffingene Kolbenpumpen mit Kugelventilen für Handbetrieb zur Förderung von Maifche, Würze und Waffer. Eine derfelben ift an eine gufseiferne Standfäule befeftigt, auf welcher das Zug- fowie Kolbengeftände montirt ift; die andere Pumpe ift direkt mit dem Steigrohr verbunden. Anderer Gattung find die transportablen Pumpen( Bierwerkel) und haben hauptfächlich den Zweck, das vergohrene Bier aus den Gährbottichen in die Lagerfäffer, Fuhrfäffer etc. fo fchnell und fo leicht als möglich zu fchaffen. Diefe waren in zwei Arten vertreten und zwar folche mit Hebelbewegung, fowie mit Schwungrad und Kurbelbewegung, welch' letztere auch für Mafchinenbetrieb einzurichten find. Beide find doppelt wirkend. Ein Kühlfchiff- Theil von cira fünf Quadratmeter fammt Ventilen von Metall für den Ablauf der gehopften Würze, fowie des Kühlgelegers und des Wafchwaffers aus fünf Millimeter ftarkem Eifenblech verfertigt mit 160 Millimeter hohen aufgebogenen Rädern und mit verfenkten Nieten auf T- Eifen genietet, befitzt gehobelte Stofskanten der einzelnen Bleche, fo dafs die innere Fläche des Kühlfchiffes eine vollkommen flache und ebene ift. Diefes zeichnet fich durch folide und höchft exacte Arbeit aus. Zwei Planrofte von verfchiedener Gröfse mit Patent- Roftftäben waren noch der Ausftellung von Brüder Noback& Fritze beigegeben. Die Form des Roftftabes ift eine eigenthühmliche. Auf einem fchmalen Roftträger find in Reihen floffenartige Prismas angegoffen, durch welche Anordnung die zum Brennmaterial gelangende Luft in viele Ströme zertheilt und auf diefe Weife eine gleichmässige und intenfive Verbrennung, fowie auch eine lange Erhaltung der einzelnen Stäbe herbeigeführt wird. Die Mafchinen- und Metallwaaren- Fabrik von V. Prick in Wien hatte eine Sudhaus Einrichtung mit einer Sudgröfse von 150 Eimer ausgeftellt, beftehend aus einer kupfernen gefchloffenen Pfanne mit Kettenrührer fammt daneben befindlichem ftehenden Röhren- Condenfator mit hochftehendem Maifchbottich und niede rig ftehendem Läuterbottich. Die beiden eifernen Bottiche find mit Doppelböden verfehen, um, falls die Nothwendigkeit herantreten follte, durch Dampfeinftrömung einen Wärmeverluft hintanzuhalten. Die Maifchmafchine befteht aus einem verticalen und liegenden Rührer und wird von unten angetrieben, während die im niedrig ftehenden Läuterbottich befindliche Aufhackmafchine den Antrieb durch conifche Zahnräder von oben erhält. Durch die tiefe Situirung des Läuter-* bottichs gegenüber der Pfanne wird das Pumpen der Würze während des langwierigen Abläuterns nothwendig. Die bei diefem Sudwerke befindlichen Pumpen find meffingene Kolbenpumpen. Eine ftehende Dampfmafchine von circa zehn Pferdekräften ift als Motor beigegeben. Aufserdem befand fich unter der Prick'fchen Ausstellung ein Bier- Kühlapparat, ein gläferner Gährbottich, eine Malzquetfche, Bierwerkel, fowie diverfe kupferne Rohrleitungen, Meffinghähne und ferner kupferne Normal- Hohlmafse nach metrifchem Syftem. Der von V. Prick ausgeftellte Patent- Bierkühlapparat gehört zu der Gattung der Gegenftrom- Röhren- Kühlapparate.* Derfelbe zerfällt feiner Wefenheit nach in drei Theile: 1) Kühlrohrcomplex, 2) Eis und Wafferkaften, 3) Eiswaffer Pumpe. * Der erfte derartige Gegenftrom- Kühlapparat ganz ähnlicher Conftruction war auf der Londoner Ausftellung 1852 von Pontifex ausgeftellt. 68 Guftav Noback. Der Kühlrohrcomplex befteht aus fechs oder mehr Kühlrohrfträngen; jeder folcher, aus Gufseifen angefertigt, befitzt in feinem Innern eine gröfsere Anzahl fchwacher kupferner Röhren, welche derart durch Anbringung von Kapfeln vereinigt find, dafs in letzteren das Eiswaffer fliefst, während in den kupfernen Röhrchen, die von eben erwähnten Eiswaffer umgeben find, das zu kühlende Bier circulirt. Die Einftrömungen fowohl für das Eiswaffer wie für das zu kühlende Bier find an entgegengefetzten Seiten eines jeden Kühlrohrftranges angebracht. Während das Bier, von den höher liegenden Kühlfchiffen kommend, die je nach der Gebräugröfse verfchiedene Anzahl von Kühlrohrfträngen paffirt, wird durch Anwendung einer Centrifugalpumpe das aus dem Eiskaften kommende Eiswaffer gezwungen, mit grofser Gefchwindigkeit unter Gegenftrömung den ganzen Apparat zu durchfliefsen. Die an jedem Kühlrohrftrang angebrachten Verfchlüffe dienen dazu, die fämmtlichen Bierleitungsrohre für gründliche Reinigung gehörig zugänglich zu machen. Die unter der Prick'fchen Ausftellung befindliche Malzquetfche, ganz aus Eifen, befitzt Quetfchwalzen mit gleichem Durchmeffer und ift wie diefs bei allen gröfseren für Mafchinenbetrieb beftimmten Malzquetfchen, erforderlich um Verftaubung zu befeitigen, gefchloffen Ein viereckiger gläferner Bottich, aus circa fünf Linien ftarken Tafeln zufammengeftellt, ruhte in einer gufseifernen Fufsplatte und wurde durch Winkeleifen- Gerippe zufammengehalten. Die Gebrechlichkeit diefes Materiales documentirte fich durch mehrere Riffe und Sprünge, welche fchon bei der Zufammenftellung des gläfernen Bottichs entftanden. Die Bierwerkel find nach Conftruction rotirender Pumpen in Meffing ausgeführt und ruhen auf einem eifernen, mit Rädern verfehenen Geftelle. Gallauner& Stabenow in Prag ftellten unter mehreren, hauptfächlich für Zuckerfabriken beftimmten Ausftellungsobjecten einen Bierkühlapparat aus, deffen Conftruction auf Gegenftrömung bafirt ift. In einem Cylinder von circa 21 Fufs Durchmeffer und 4 Fufs Höhe befindet fich eine fehr grofse Anzahl kupferner Röhren; in diefen fliefst das abzukühlende Bier, während das Eiskühlwaffer durch Gegenftrömung zwifchen diefen Röhrchen und der Wand des ftehenden Cylinders circulirt. Je nach der Gröfse des abzukühlenden Bierquantums können I bis 2 oder 3 folcher cylindrifcher Apparate mit je circa 80 Quadratfufs Kühlfläche aufgeftellt werden. Gebrüder Ringhoffer in Prag fandten zur Ausstellung einen Kaftenkühlapparat; die Rohre desfelben find aus verzinntem Kupfer, flach und im Querschnitt oval und werden paarweife durch Kapfelverfchlüffe an den Stirnfeiten des Kaftens mit einander vereinigt. Kaftenkühlapparate, welche in der Wefenheit dem eben erwähnten fehr ähnlich waren, wurden ferner ausgeftellt von R. Nitfche in Olmütz, Schwinghakel in Laibach, fowie von einigen aufs eröfterreichifchen Fabrikanten. R. Nitfche hatte neben feinem Kühlapparate eine kleine Pichmafchine, bei welcher unmittelbar oberhalb des cylindrifchen Coaksofens die Düfe, durch welche die heifse Luft ausftrömt, fich befindet und auf welche die zu pichenden Gefäfse placirt werden. Der Ventilator fowie deffen Vorgelege befinden fich dicht am Coaksofen. Im Pavillon von A. J. Mauthner& Sohn befanden fich Modelle eines Gegenftromapparates, wie folcher vor einer langen Reihe von Jahren in der Bierbrauerei zu St. Marx von obgenannter Firma eingeführt wurde, ferner das Modell eines Lagerbierkellers mit Obereis, bei welchem auf vortheilhafte Anwendung von Ventilationszügen befonders Rückficht genommen wurde. M. Hatfchek und H. Hollefreund brachten durch zwei in der öftlichen landwirthfchaftlichen Maſchinenhalle vertretene Mafchinenfabriken Zeichnungen eines Brau Apparates ihres Syftemes. Aus diefen Zeichnungen fowie weiteren Mittheilungen über diefen Brau Apparat ift zu entnehmen, dafs bei dem Mafchinen und Apparate für Bierbrauereien. 69 felben hermetisch verfchliefsbare Maifchapparate und Filtrircylinder zur Verwendung gelangen und dafs alles Kochen von Maifche und Hopfenwürze mit Dampf unter Anwendung einer Luftpumpe vorgenommen werden foll. Mehrere Etabliffements aus den verfchiedenen Kronländern Oefterreichs, befonders folche für Fabrication von landwirthschaftlichen Mafchinen und Geräthen führten Putz- und Sortirmafchinen für Gerfte und Malz, fowie Malzquetfchen etc. vor, welche weder in Conftruction noch in Ausführungsweife etwas Befonderes darboten. Der Verfaffer diefes Berichtes( Guftav Nobak in Prag, Quai 16) betheiligte fich bei der Ausstellung durch das Arrangement eines umfaffenden Tableau's von Plänen einer grofsen Anzahl durch ihn in den verfchiedenften Ländern und unter den vielfältigften Vorbedingungen zur Ausführung gebrachter Bierbrauerei- und Malzfabriks- Anlagen. Diefes Plantableau, welches fich in der öftlichen Agriculturhalle befand, hatte dem Fachintereffenten beachtenswerthe Daten geboten. Die aus den in detaillirtem Mafsftabe ausgeführten Plänen( der Zahl nach 42) erfichtlichen Malztennen find durchwegs auf eifernen Säulen, theils auf Gurten, theils auf eifernen Trägern eingewölbt. Die Sohle derfelben liegt circa 2 bis 3 Meter unter der Erde und in zwei Fällen find wegen befchränkten Raumes zwei Tennen übereinander angelegt; überall find in den Umfaffungsmauern zweierlei Gattungen von Ventilationscanälen angebracht, welche in Entfernungen von circa 4 bis 5 Meter fich wiederholen. Die eine Gattung der Züge beginnt im Malztenn engewölbe und ift kaminartig in der Umfaffungsmauer bis über das Mälzereidach geführt, während die zweite etwa o 5 Meter über dem Malztennenpflafter beginnt und gleich über dem Hofraum ausmündet. Durch erftere wird die dunftige, confumirte und warme Luft abgeführt, durch letztere frifche Luft zugeführt. Sämmtliche hier erwähnte Ventilationscanäle werden durch leicht handzuhabende Droffelklappen regulirt oder abgefchloffen. Die Lufterneuerung findet in Folge der anfehnlichen Höhendifferenz zwifchen der Ausmündung des unteren und oberen Ventilationszuges in felbftthätiger gleichmässiger Weife gründlich ftatt. Die Doppelmalzdarren find mit einem ftehenden Heizapparat verfehen, der in feinem oberen Theil, welcher bei ftarkem Heizen viel intenfive Hitze auszuhalten hat, eine eigenthümlich ausgeführte Chamottdecke befitzt. Diefe Darren erhalten in den Fällen, wo ein ganz lichtes, helles Malz wie für die böhmifchen und Wiener Biere bereitet werden foll, den eben berührten Heizapparat, während für die Erzielung von dunklerem Malz aufserdem noch ein fchlangenförmiges Heizrohr in der Sau angebracht wird. Im letzteren Falle nimmt die vom Schlangenheizrohre herrührende und direct wirkende ftrahlende Wärme Einflufs. Die Sudhaus- Anlagen find bei allen Plänen anftofsend und zwar in directer Verbindung mit der Mälzerei fo ausgeführt, dafs fämmtliche Feuerungen: u. z. der Malzdarre, der Pfannen und des Dampfkeffels, in einem gemeinſamen Heizgang vereinigt find. Diefer Umftand vereinfacht die Manipulation mit den Heizmaterialien fowie mit der Afche und läfst eine leichte Ueberwachung in Bezug auf Feuer gefährlichkeit zu. Was nun die Gruppirung der übrigen Brauereibetriebsräume, wie Kühlhaus, Gährkeller, Lagerkeller etc. betrifft, fo herrfchen bei fämmtlichen Plänen zwei verfchiedene Anordnungsweifen vor. Bei den Plänen von verfchiedenen durch den Ausfteller ausgeführten Bierbrauereien unter 15.000 Hektoliter jährlicher Production find direct anfchliefsend an das Mälzerei- und Sudhaus- Gebäude fowohl das Kühlhaus, der darunter liegende Gährkeller wie der Lagerkeller dermafsen ausgeführt, dafs in einem zufammenhängenden Gebäude alle diefe Räume vereinigt find. Bei Anlagen mit gröfserer Bierproduction, wie bei den Actienbrauereien in Pilfen, Prerau, Smichov, Staab, Schlackenwerth u. f. w., finden wir Trennung in zwei Hauptcomplexen vor. Hier find nämlich in einem Gebäudecomplexe Mälzerei, Malzdarre, Sud-, Keffel- und Mafchinenhaus vereinigt, während ein zweiter Gebäudecomplex die übrigen Räume, wie: Kühlhaus, Gährkeller mit Eis, 70 Guftav Noback. Lagerkeller mit Eis, fowie Gefäfsfchupfen und Binderei etc., zufammenfasst. Zwifchen diefen beiden liegt der geräumige Hof, auf welchem in einer leicht controlirbaren Weife die Zufuhr von Gerfte und Brennmaterial, fowie die Abfuhr fertigen Bieres vor fich geht. Sobald die Bierbrauerei- Anlagen einen gewiffen Umfang erreicht haben, ift es rathfam, das Anhäufen der einzelnen Localitäten in einem grofsen Gebäude zu vermeiden. Diefe Trennung und Ifolirung macht im Intereffe aller der Ventilation und des Luftzuges bedürftigen Räume eine freiere Lage möglich und wird in Rücksicht auf die Befeitigung der Feuersgefahr günftige Wirkung äussern. Indem die Mälzerei und Darre mit dem Sudhaufe in einem Complexe ausgeführt werden, find alle die Räume vereinigt, in denen Brauereimanipulationen erfolgen, welche mit höherer Temperatur zu thun haben und welche hauptfächlich auf Mafchinenkraft Anfpruch machen. Jene Brauerei- Betriebsräume, welche für das Kühlen, Gähren und Ablagern des Bieres ein analoges Bedürfnifs, nämlich das der niedrigen Temperatur haben, werden gleichfalls nach den Plänen des Ausftellers in einem Gebäudecomplex vereinigt ausgeführt. Alle Gährkelleranlagen befitzen Eisabtheilungen, welche in einigen Fällen nach dem Syftem des überhöhten Stirneifes, in anderen nach jenem des Obereifes angebracht find. Durch die Anlage folcher Eisgährkeller ift es möglich, den Brauereibetrieb auch auf die warmen Sommermonate auszudehnen und auf folche Weife das in den Etabliffements befindliche Gefammtcapital durch einen continuirlichen Betrieb rationeller auszunützen. Das für den Kühlapparat wie für den Schwimmer erforderliche Eis ift dem in Eismagazinen untergebrachten Eisvorrathe zu entnehmen. Solche EishäuferConftructionen find gleichfalls unter diefer Planausftellung vertreten. Um ein unnützes Schmelzen des Eifes durch den Einflufs der äufseren Temperatur fowie der Erdwärme zu verhindern, find Ifolirungen in der Umfaffungswand und am Boden durch Luftfchichten fowie durch mit Afche gefüllte Zwifchenräume angebracht. Unter den Lagerkeller- Plänen befinden fich gleichfalls zwei Syfteme, nämlich folche mit überhöhten Stirneis- Abtheilungen, fowie mit oberhalb der Lagerkeller angebrachten Obereis- Räumen. Sämmtliche Gähr- und Lagerkeller find mit einer grofsen Anzahl Ventilationszügen verfehen, wie diefe weiter vorn bei den Malztennen befprochen wurden; nur befitzen dieselben in diefem Falle weit gröfsere Dimenfionen, um eine rapidere Wirkung herbeizuführen. Aufser den hier befprochenen Plänen und Zeichnungen für Anlage und Einrichtung von Bierbrauereien befanden fich noch zwei Zeichnungen des Civilingenieurs Carl Völkner in Prag im Pavillon der additionellen Ausstellung I und II. Diefe in detaillirter Weife ausgeführt, ftellten eine Doppelmalzdarre und eine Maifchmafchine, wie folche vom Ausfteller angelegt und eingerichtet werden, dar. Ferner befanden fich noch zwei fkizzenhaft gehaltene Entwürfe von Brauereiprojecten auf der Ausftellung: eines davon unter der überfichtlich geordneten land- und fortwirthschaftlichen Collectivausftellung von Böhmen, das zweite unter Gruppe XVIII im eingedeckten Hof des Hauptgebäudes. Deutſchland. Von der Chemnitzer Mafchinenbau- Gefellſchaft, vormals A. Münnich& Comp., fah man neben einer Sudhaus- Einrichtung die wefentlichften Maschinen und Gegenftände für Bierbrauerei- Einrichtungen vertreten. Diefe Sudhauseinrichtung ift für ein Gebräu von 100 Hektoliter beftimmt und befteht aus eifernem Maifchbottich, eifernem Läuterbottich, einer runden Maifchpfanne mit kupfernem Boden und eifernen Seiten, fowie einer eifernen Mafchinen und Apparate für Bierbrauereien. 71 Würzepfanne. Die beiden letzteren find mit eifernen Hauben und Dunftrohren verfehen. Die Bottiche ftehen auf einem eifernen Gerüft, auf welchem gleichzeitig die Transmiffion für den Antrieb der Maifch- und Treber Aufhackmafchine, fowie die Frictionsvorgelege zu den beiden Centrifugal pumpen für Maifche und gehopfte Würze angebracht find. Im Maifchbottich, auf deffen Rand ein Cylinder Vormaifchapparat angebracht ift, befindet fich die Maifchmafchine mit einem horizontalen und einem verticalen Rührer aus fchraubenförmig verfetzten Meffern beſtehend. Maifch- und Aufhackmafchine werden durch conifche Frictionskupplungen in Gang gefetzt. Der Maifch fowie der Läuterbottich find, um ein felbftthätiges Abfliefsen nach den Pfannen zu ermöglichen, höher als letztere aufgeftellt. Eine liegende 30pferdige Dampfmafchine mit Expanfion und Regulator befindet fich neben dem Sudwerke. Der Frictions aufzug von derfelben Firma befteht aus der Hauptwelle, welche in zwei eiferne Böcke gelagert ift und auf welcher fich die Antriebsriemenfcheibe fowie ein kleines Fricttionskeilrad befindet. Durch den Eingriff eines grofsen Frictionskeilrades, welches fich fammt Gurttrommel auf einer liegenden fchwingenden Welle befindet, wird der Aufzugsfahrftuhl in Bewegung gefetzt. Die Malzfchrotmühle befitzt zwei Quetfchwalzen, welche ungleich grofse Durchmeffer haben. Während die gröfsere direct durch die Riemenfcheibe ange trieben wird, wird die zweite während des Quetfchens von felbft mitgenommen. Ein Bierwerkel ift, wie mehrfach ausgeführt, feiner Conftruction nach eine doppelt wirkende Kolbenpumpe mit Meffingklappen. Unter diefen Ausftellungsobjecten befinden fich ferner noch Malzwägen zum Kippen, ein Stück Transporteur ganz aus Eifen, zwei Läuterbodenplatten aus Eifenblech fowie aus Kupfer, ferner ein Stück eines eifernen Kühlfchiffes. Der von gleicher Firma ausgeftellte Wende- Apparat nach A. v. Schlemmer wird feine befondere Erwähnung finden bei der Befprechung des Modells. A. Neubecker in Offenbach am Main brachte zwei Bierwürze Kühlapparate, wovon einer nach dem Syfteme der Gegenftrömung, der zweite mit Anwendung des Eiskaftens und mit flachen Rohren conftruirt ift; ferner felbftthätig wirkende Vormaifchapparate in verfchiedenen Gröfsen, fowie Läuterböden aus Kupfer mit Schlitzen. Der Bierwürze- Kühlapparat unterfcheidet fich von mehreren anderen ähnlichen derartigen Conftructionen mit Gegenftrömung dadurch, dafs fämmtliche Kühlrohre in einem Rahmen in verticaler Stellung befeftigt find. Diefer Rahmen ift vermittelft Drehzapfen an feinen Enden in Lagerböcke gelegt, fo dafs der ganze Kühlrohrcomplex, welcher je nach Menge des abzukühlenden Bieres mehr oder weniger Kühlrohre befitzt, leicht durch Drehung in horizontale Richtung gebracht werden kann. Zur Entleerung und Reinigung diefes Gegenftrom- Kühlapparates find vom Aussteller felbftthätige Ventile angebracht, welche fich öffnen und die Entleerung des Apparates herbeiführen, fobald derfelbe umgedreht wird. Der Gegenftromkühler ift aus verzinntem Kupfer und Meffing angefertigt, befitzt 18 grofse Kühlrohre und in jedem derfelben befinden fich 16 ovale Bierlaufröhren mit fternförmiger Anordnung. Zum Betriebe diefes Apparates gehört ferner noch ein Eiswafferkaften und eine Eiswafferpumpe mit grofser Leiftungsfähigkeit. Die felbftthätigen Vormaifchapparate des Ausftellers find nach einem der in England fchon feit längerer Zeit gebräuchlichen Cylinder Vormaifchapparate ähnlichen Syftemes ausgeführt und laffen fich durch Löfung einer Verfchraubung und Kuppelung fo öffnen, dafs der mit Malzfchrot und Waffer in Berührung kom mende Apparattheil gereinigt werden kann. L. A. Riedinger in Augsburg. Die von diefem Etabliffement ausgeführten Schrotmühlen mit Mefsapparat find gleichzeitig mit folchen ähnlicher Conftruction feit einer Reihe von Jahren in den Bierbrauereien Baierns eingeführt. Bevor das zum Schroten beftimmte Malz zu den Quetfchwalzen gelangt, mufs es einen Mefsapparat paffiren; diefer ſteht in directer Verbindung mit einem Zählapparat, 72 Guftav Noback. welcher die Menge des paffirten Malzes angibt. Um das Einbringen von nicht gemeffenem Malz zu den Quetfchwalzen oder den Eingriff in das Zählwerk zu verhindern, find alle oberhalb der Schrotwalzen befindlichen Theile vermittelft eines gufseifernen Gehäuſes vollkommen gefchloffen. Diefe Schrotmühlen werden von derfelben Firma auch mit Gewichtsapparat angefertigt. Die Pichmafchine von Schramm& Dill in Hersfeld fowie Steinhaufer in Ehingen weichen in ihrer Conftruction nicht fehr wefentlich von einander ab. Beide befitzen cylindrifche Coaksöfen, auf deren Roft Coaks verbrannt wird. Ein Gebläfe oder Ventilator fchafft Luft durch das Coaksfeuer, welche erhitzt gleichzeitig mit den Verbrennungsgafen durch die mit einem Abführungsrohr verfehene Ofenhaube in das zu pichende Gefäfs geleitet wird. Hiebei liegen bei Steinhaufer's Conftruction die kleinen zu pichenden Fäffer direct über dem Ofen auf einer mit einem Teller verfehenen Düfe, während für gröfsere Gefäfse, wie bei Schramm& Dill die heifse Luft in einem Knierohre in die neben dem Coaksofen auf einem Geftell ruhenden Lagerfäffer geleitet wird. Kleyer& Beck in Darmftadt und König in Speyer waren durch ihre Sortir und Malz- Putzmafchinen ebenfo wie mehrere andere Fabrikanten landwirthfchaftlicher Mafchinen aus Deutſchland vertreten. Die Kühlfchiffe von F. Ergang in Magdeburg, fowie Schmidt aus Halle find von Eifenblech. Die einzelnen Blechtafeln des Erfteren find auf Flacheifen genietet, die des Letzteren auf T- Eifen. Das Eifenwerk Lauchhammer brachte ein Kühlfchiff aus Gufseifen. Dasfelbe beſteht aus gufseifernen Platten, die an den vier Seiten Winkel befitzen, vermittelft welcher durch Anwendung gewöhnlicher Schrauben die einzelnen Platten, welche durch Gummi- Einlagen gedichtet find, zum ganzen Kühlfchiff vereinigt werden. Durch Zunahme des Eisverbrauches in Bierbrauereien haben alle jene Mafchinen, welche die Aufgabe befitzen, Eis fabriksmäfsig in gröfseren Maffen billig herzuftellen, eine gewiffe Wichtigkeit für die Bierinduftrie. In Rückficht hierauf ift auf die Eismafchinen von Vaas& Littmann in Halle, fowie von der Actiengeſellſchaft für Fabrication von Eismafchinen in Nordhaufen hinzuweifen. Beide Maſchinen arbeiten mit Ammoniak nach dem bereits hinlänglich bekannten Carré'fchen Syfteme, welches näher kennen zu lernen die früheren Weltausftellungen bereits Gelegenheit boten. Mit Erfolg find folche Eismaschinen angewendet worden, um direct kalte Luft zu machen, refpective in wärmerer Jahreszeit die Luft fo abzukühlen, dafs fie mit niedriger Temperatur den Gähr- und Lagerkellern zugeführt wird. Der Malzdarr- Wende- Apparat von A. v. Schlemmer in Hochheim bei Mainz, welcher in kleinem Mafsftabe bei einer Malzdarre im Modell ausgeführt ift, arbeitete zeitweife, angetrieben durch die in der landwirthschaftlichen Mafchinenhalle befindliche Transmiffion. Auf beiden Darrhorden wird vermittelft desfelben eine Bewegung in der Malzfchichte durch mechanifche Arbeit hervorgebracht. Der Wender auf der unteren Horde, welcher im Malz von bereits vorgetrocknetem und später ganz trockenem Zuftande arbeitet, unterfcheidet fich in einzelnen Theilen feiner Conftruction von jenem Wender der oberen Darrhorde. Beide befitzen eine Hauptachfe, an deren Enden kleine Zahnräder angebracht find, welche in zwei Zahnftangen, die in zwei parallel liegenden Wänden der Malzdarre eingelaffen find, laufen. Auf der unteren Darrhorde befinden fich an eben erwähnter Welle hafpelartige Flügel aus Flacheifen mit Borften oder Federkieltheilen verfehen, welche in das Malz eingreifen. Der Antrieb diefes Mechanismus, welcher für beide Horden aufserhalb des Darrenraumes liegt, gefchieht mittelft Ketten. Auf der oberen Horde befinden fich an der Welle Meffer oder fpatelartig geformte Arme, welche fchraubenförmig neben einander verfetzt find. Der von Schlemmer'fche Malzdarr- Wende- Apparat hat fich bereits den Weg in den Brauereibetrieb gebahnt. Mafchinen und Apparate für Bierbrauereien. 73 Einige feit mehreren Jahren ins Leben getretene Gefchäfte, ſpeciell für Rohftoffe und Materialien des Brauereibedarfes wie Alfred v. Vacano in Wien und Prösdorf& Koch in Leipzig, ferner verfchiedene andere Firmen brachten Collectionen von diverfen Spunten, Stöpfeln, Glas- Bierflafchen, fowie Vorrichtungen zum Wafchen, Füllen, Stöpfeln und Adjuftiren von Bierflaschen. Holz- und Eifenlack für Bierbrauereien waren vertreten durch die beiden Mannheimer Fabriken von Ino Werner und Carl Steiner. Noch zu erwähnen find die Drahthorden- Mufter von Herrmann in Dresden, fowie die Filterpreffen von Dehne in Halle, welch letztere für Hefe und Geleger anwendbar find. Seitdem die Wiffenfchaft ihre Thätigkeit auch auf das Feld der Bierbrauerei ausgedehnt hat, find eine Anzahl Apparate und Inftrumente erfonnen und angefertigt worden, welche für gährungstechniſche Unterfuchungen von grofser Bedeutung find, und die fich mit beften Erfolgen bereits in die Praxis ein bürgerten. Die königlich landwirthfchaftliche Centralfchule zu Weihenstephan, mit welcher die bekannte Brau- Fachfchule verbunden ift, welche unter fpecieller Leitung des um die Bierbrauerei- Fortfchritte hochverdienten Profeffors Dr. Lintner fteht, ftellte eine Collection folcher zymotechnifcher Apparate und Inftrumente aus. Diefe gelangen im Weihenftephaner Laboratorium zur Verwendung und werden in der mechanifchen Werkstätte der Zeitfchrift des baierifchen Bierbrauers" zu München angefertigt. 77 Folgende Inftrumente und Apparate verdienen ganz befonders hervor gehoben zu werden: Apparat zur Beftimmung des Alkoholgehaltes im Biere auf dem fogenannten directen Weg, das heifst durch Deftillation, beftehend in einer tubulirten gläfernen Retorte, welche in einem kupfernen Oelbade erhitzt wird und einem gläfernen Kühlapparate, der die entwickelten Dämpfe nach der Condenſation zu Weingeift unmittelbar in das vorgelegte 50 Cubikcentimeter faffende Pyknometer führt. Das Erhitzen mittelft des Oelbades erleichtert die Deftillationsoperation auf das Wefentlichfte, fo dafs fie ohne befondere Fertigkeit in folchen Arbeiten in kürzefter Zeit und mit gröfster Sicherheit, fowohl was das Refultat der analytifchen Beftimmung, als die Eventualität des Misslingens betrifft, ausführbar wird. Für die Ausführung der Bieranalyfe dient der Metz'fche Apparat. Derfelbe befteht in einfachfter Form aus einem 500 Cubikcentimeter faffenden markirten Kolben, einem nach ſpecififchem Gewichte getheilten, fehr grofsen Aerometer mit dünnem Scalenrohr, deffen Theilung die fpecififchen Gewichte von etwa o'016 bis 1035 umfafst, und die vierte Decimale noch mit völliger Sicherheit abzulefen geftattet. Weiters gehört zu der Probe ein Meffingkeffelchen für das Einfieden, Entgeiften des Bieres. Dasfelbe enthält an der Seitenwandung rings umher einen Abfatz eingedrückt, bis zu welchem gefüllt es gerade den dritten Theil der darin abzudampfenden 500 Cubikcentimeter fafst. Apparat zur Extractbeftimmung auf directem Wege, durch Gewichtsbeftimmung des trockenen Extractes in Subftanz, beftehend aus kupfernem Oelbade mit Thermoftaten( Wärmeregulator für Gasdifpofition) und Thermometer. Das Oelbad ift mit Haltern zur Aufnahme. vier Trockenröhren( fogenannten Trockenenten) zu gleicher Zeit von verfehen. Colorimeter für Bier zur Beftimmung der Farbentiefe desfelben. Das einfache Inftrument bezeichnet den Grad der Farbe eines Bieres mit derfelben Präcifion wie zum Beiſpiel das Thermometer die Wärme angibt. Dasfelbe beſteht aus einem Glasgefäfse, das ähnlich wie die bekannten Braufepulver Gläfer durch eine verticale Scheidewand in zwei gefonderte Fächer getheilt wird. Das eine diefer Fächer wird mit dem zu prüfenden Biere gefüllt, das andere mit einer Marke verfehene, bei welcher es gerade 100 Cubik centimeter fafst, bis zu derfelben mit Waffer befchickt. Aus der dem Apparat beigegebenen Quetfchbahn 74 Guftav Noback. Bürette läfst man nun vorfichtig fo lange fogenannte Zehntel- Normal- Jodlöfung zu dem Waffer zufliefsen, bis die Farbe der Mifchung möglichft mit derjenigen des Bieres übereinftimmt. Die in folcher Weife auf die hundert Cubikcentimeter Waffer verbrauchten Cubikcentimeter Jodlöfung bezeichnen die Farbentiefe des betreffenden Bieres mit einer grofsen Genauigkeit. Die Vorrichtung hat daher bereits auch an vielen Orten ihren Weg in die Praxis gefunden. Das zum Fixiren der Bürette dienende Stativ charakterifirt fich durch eine befondere Solidität, fördert die Auslöfung und Reinigung der Bürette wefentlich und fetzt diefelbe keiner Gefahr leichten Zerbrechens aus. Viscofimeter für Bier.( Vollmundigkeitsmeffer). Ebenfalls ein höchft einfaches Inftrumentchen, über das bis jetzt noch keine ausführlichere Publication vorliegt und das fich gleichwohl einer befonderen Theilnahme der Praktiker erfreut, wie es denn auch fchon vielfach in Bierbrauereien als Hilfswerkzeug benutzt wird. Dasfelbe ift dafür beftimmt, die Vollmundigkeit des Bieres zu meffen und befteht aus einer befonders conftruirten Pipette mit enger Ausflufsmündung, die auf einem entſprechenden Stativ mit Porcellanfufs befeftigt ift. Das Saugrohr diefer Pipette ragt nach Innen bis nahe auf den Grund des Bauches derfelben. Durch diefe Anordnung ift die beim Austropfen der Pipette faugende Flüffigkeitsfäule während der ganzen Dauer desfelben immer die gleiche; es fliefst demnach am Anfange wie am Ende gleich viel Flüffigkeit in derfelben Zeit aus, was bei einer gewöhnlichen Pipette nicht der Fall ift. Um die Zeit, die für das Austropfen eines beftimmten Volumens aus dem Viscofimeter erfordert wird, anzugeben, bedient man fich der Secundenuhr und ift dem Inftrumente hiefür ein markirtes Kölbchen beigefügt. Man füllt das Viscofimeter mit Bier oder Würze nahezu vollſtändig, bringt es oben mit dem Finger gefchloffen auf fein Stativ über das leere eben genannte Kölbchen und zieht nun den Finger zurück, während man in demfelben Augenblicke den Stand des Secundenzeigers der Uhr beobachtet. Die Pipette tropft nun aus und man notirt fich die Zeit, die von der geprüften Flüffigkeit für ihren Ausflufs, refpective des Volumens im Kölbchen bis zur Marke, in Anfpruch genommen wird. Vergleicht man hienach verfchiedene Biere und Würzen mit einander, fo finden, fehr wefentliche und regelmäfsige Unterfchiede ftatt. Das eine Bier fliefst fchneller aus, das andere langfamer, je nachdem es weniger oder mehr Vollmundigkeit befitzt. Ein vollſtändiger Apparat zur Ermittlung der Extractausbeute aus dem Malze, beftehend aus einem kupfernen Wafferbade mit Thermoftat und Thermometer. Diefes Bad nimmt einen kleinen kupfernen Maifchkeffel für etwa 50 Gramm Malzfchrot auf, welche für die Probe mit 200 Cubikcentimeter Waffer eingemaifcht werden und wobei ein zweites Thermometer als Maifchfcheit dient. Für die Beftimmung der Extractausbeute aus dem Malze, eine Frage, die in neuerer Zeit um fo wichtiger geworden ift, als man bereits vielfach den Preis des Malzes nach der Extractausbeute beftimmt, wie man das Malz nach dem Extractgehalte kauft, find gegenwärtig namentlich die zwei nachfolgenden Methoden in Gebrauch: 1. Nach der Proportionalität zwifchen Waffer und Extract in der Maifchwürze; 2. Extractbeftimmung aus dem Abfchwächungsgrade, welchen die Würze beim Verdünnen mit einer beftimmten Menge Waffer erleidet oder fogenannte Methode aus zwei Filtraten. Apparat zur Zuckerbeftimmung in der Würze und dem Biere. Die Zuckerbeftimmung in dem Biere und namentlich in der Würze wird in neuerer Zeit immer häufiger in den Brauereien angewendet; auch fie ift kein hie und da einmal ausgeführter, rein wiffenfchaftlicher Laboratoriumsverfuch mehr, vielmehr fucht man fchon vielorts an der Hand derfelben fein Sudverfahren u. f. w. zu überwachen und zu leiten. Die Wichtigkeit derfelben für die Praxis leuchtet auch Mafchinen und Apparate für Bierbrauereien. 75 leicht ein, wenn man bedenkt, dafs es ja namentlich der Zuckergehalt der Würze ift, welcher fpäter der Gährung verfällt, und dafs das Verhältnifs zwifchen Zucker und Dextrin in der Würze kein conftantes ift und ganz von dem Sudverfahren abhängt. Der Apparat umfafst: Ventilbürette auf Stativ mit Porcellanfufs und verfehen mit beweglichem Kochring zum Aufftellen der Porcellanfchale. Die Bürette ift fo conftruirt, dafs fie fich beim Drehen um ihre Längsachfe öffnet, wodurch die Handhabung äufserft bequem und ficher wird. Vollpipette zu zehn Cubikcenti meter zum Abmeffen der für die Beftimmung dienenden alkalifchen Kupferlöfung, fogenannten Fehling'fchen Löfung. Apparat zur Dextrinbeftimmung in der Würze und dem Biere. Die Wichtigkeit der Frage nach der Menge im Bier und der Würze enthaltenen Dextrins, hat Theorie und Praxis fchon lange befchäftigt; indefs erft in neuerer Zeit hat fich eine exacte Beftimmungsmethode dafür eingeführt, und von hierab datirt auch erft eine klare Einficht in die bezüglichen Verhältniffe, welche übrigens bereits vielfache Früchte getragen hat und weiters Auffchlüffe von der gröfsten Bedeutung für die praktiſche Brauerei verſpricht. Apparat zur Prüfung des Hopfens. Der Apparat befteht aus einem Glas kolben, durch deffen Stöpfel ein eigenthümlich conftruirtes Trichterrohr eingefügt ift, welches theils die bequeme Zufügung von Salzfäure zu dem wäfferigen Hopfenauszuge( von 10 bis 20 Dolden) neben Zink ermöglicht, theils als Sicherheitsrohr wirkt, wenn die Kalilauge, in welcher man den entbundenen Schwefelwafferft off auffängt, durch das Entbindungsrohr zurückft eigen wollte. Das genannte fchräg abfteigende Entbindungsrohr taucht in einem darüber gefteckten mit vier Kugeln verfehenen Abforptionsapparat, welcher eben mit der Lauge befchickt ift. Diefe Form zwingt das entweichende Wafferftoffgas durch die Flüffigkeit langfam durchzuglucken, wodurch die vollständigfte Abforption des vom Wafferftoff mit entführten Schwefelwafferftoffs bedingt wird. Man kann durch das Arrangement der ganzen Vorrichtung die Gasentbindung leicht fo reguliren, dafs fie gleichförmig und nicht irgendwie ftürmifch oder ungenügend voranfchreitet, und hat die Gewissheit, dafs nicht die geringfte Spur etwaig gebildeten Schwefelwafferftoffs der Abforption enfgehen kann, und ist weiters ein Zurückſteigen der Lauge in das Entbindungsgefäfs unmöglich gemacht. Galvanifches Weckthermometer für Darren etc. Diefe Vorrichtung wird man fich am leichteften vergegenwärtigen, wenn man fich ein Gefäfsbarometer vorftellt mit grofsem, aber hermetiſch gefchloffenem und mit Luft gefülltem Gefäfse, wodurch das Innere des Apparates alfo nicht mit der Athmofphäre communicirt. Dasfelbe enthält aufserdem in feinem Gefäfse einen immer in das Quecksilber eingetauchten Platindraht eingefchmolzen. Ein anderer, gleichfalls eingefchmolzener Platindraht perforirt die obere Kuppe des Barometerrohres und ragt ein Stück weit in die Toricelli'fche Leere über dem oberen Stand des Quecksilberfäule hinein, ohne für gewöhnlich das Queckfilber zu berühren. Wird nun aber die Luft in dem unteren Gefäfse erwärmt, fo dehnt fie fich natürlich aus, und infolge deffen fteigt die Queckfilberfäule im anderen Schenkel in die Höhe. Die Erwärmung läfst fich alfo fo weit treiben, dafs das Queckfilber das untere Ende des oben eingefchmolzenen Drahtes berührt. In demfelben Momente fchliefst fich die elektrifche Leitung, welche an die beiden Platindrähte angefügt ift, und ein eingefchaltetes Läutwerk beginnt feine Thätigkeit. Die Leitung war eben bis dahin durch das Vacuum unterbrochen und wird nun durch das die Platindrähte verbindende Quecksilber hergeftellt. Die königlich baierifche landwirthfchaftliche Centralfchule legte aufser diefer Sammlung neuer zymotechnifcher Apparate und Inftrumente noch mehrere Pläne in gröfserem Mafsftabe einer Mälzerei, fowie eines Brauerei- Sudhaufes und von Gähr und Lagerkellern vor. Diefe, fowie eine höchft vollkommene Sammlung von ausgeftellten Gerftenvarietäten, dienen als Unterrichtsvorlagen in der Weihenftephaner Brauer Fachfchule. 76 Guftav Noback. England. Obgleich in den Bierbrauereien Englands weit früher der Mafchinenbetrieb und mit diefem mehrfache Brauerei- Arbeitsmafchinen eingeführt wurden, als diefs in gleichen Etabliffements des Continentes der Fall war, fo haben die in diefem Lande beftehenden Fabriken von Mafchinen und Apparaten für Bierbrauereien und Mälzereien fich gerade fo wie Englands Bierbrauereien verhältnifsmäfsig fehr gering an der Ausftellung betheiligt. Mafchinen für Putzen und Sortiren von Gerfte waren unter den GetreideReinigungsmafchinen der englifchen Firmen Hornsby& Sons, Ranfoms& Sims, Robey, Penney& Comp., welche als Fabrikanten landwirthfchaftlicher Mafchinen bekannt find, vertreten. Die Kühlapparate von W. Lawrence& Comp. in London find nach dem Bodelot'fchen Princip aus Kupfer angefertigt. Diefelben beftehen aus einer von der Gröfse des abzukühlenden Würzequantums abhängigen Anzahl über einander gelegener und mit einander verbundener kupfernen Rohre. Während innerhalb derfelben das Kühlwaffer einen langen Weg nehmend von unten nach oben auffteigt, fliefst die Würze aus einer oben angebrachten Vertheilungsrinne auf das oberfte Kühlrohr und läuft von diefem über fämmtliche darunter liegende Rohre, diefe fchleierförmig umfchliefsend, abwärts, fo dafs nach Art der Gegenftrömung der Temperatursaustaufch zwifchem dem Kühlwaffer und der abzukühlenden Bierwürze ftattfindet. Ein felbftthätiger Vormaifchapparat derfelben Firma befteht aus einem kleinen, kupfernen, viereckigen Kaften mit einem feitlich unten angebrachten fchnabelförmigen Auslauf. Im Innern desfelben befindet fich ein mit feinen Löchern verfehenes Waffer- Spritzrohr. Durch diefes gelangt während des Paffirens des aus einem Schüttrohr zulaufenden Malzfchrotes in Form vieler feiner Strahlen die erforderliche Menge Waffer, und bildet, eine Verftaubung von Malzmehl verhindernd, eine gleichmäfsige Vormaifche. Der Gegenftrom- Bierkühlapparat von Brotherhood& Hardingham in London war, um die Conftruction zu verdeutlichen, durch einige wenige Zellen vertreten. Eine jede folche Zelle ftellt ein gufseifernes viereckiges Rohr von circa fechs Fufs Länge und circa vierzölligem quadratifchen Querfchnitt vor, welches durch einen feitlichen Stutzen mit der nebenliegenden Rohrzelle verbunden wird, und in deffen Inneren je vier kupferne Rohre, an beiden Enden gut eingedichtet, fich befinden. Während innerhalb diefer Kupferrohre das Bier fliefst, circulirt in dem zwifchen der Wandung letzterer und dem viereckigen Rohre beftehenden Raume das Kühlwaffer. Behufs Reinigung der Kühlrohre ift ein Capfelverfchlufs angebracht, welcher gleichzeitig die Communication von einem Bierrohr ins andere möglich macht. Eine vom Ausfteller beigegebene eigenthümlich conftruirte Dampfpumpe treibt das Kühlwaffer mit entsprechend grofser Gefchwindigkeit durch den Appa rat und bewirkt fo die Gegenftrömung. Schliesslich ist noch die Eisbereitungs- Mafchine von Siebe& Weft in London zu erwähnen, welche nicht, wie die weiter vorn angeführten, mit Ammoniak, fondern mit Aether arbeitet. Da diefe bereits auf früheren Weltausftellungen vertreten war und öfters in Fachjournalen befprochen wurde, unterbleibt eine Befprechung derfelben auf diefer Stelle. Amerika. In der amerikanifchen landwirthschaftlichen Mafchinenhalle befindet fich in Modellform ein Darrapparat von Jofef Gecmen ausgeftellt, auf welchem das Abdarren unter Anwendung von Mafchinen oder Menfchenkraft ftattfindet. Das Mafchinen und Apparate für Bierbrauereien. 77 Darrengehäufe ift in den Grundrifs Dimenfionen erheblich kleiner als bei beftehenden Malzdarren und fchliefst in fich einen ftehenden Luftheizapparat, hierüber fieben übereinander befindliche Reihen muldenartiger Rinnen, die das zu darrende Grünmalz aufnehmen und aus gefchlitzten Hordenblechen angefertigt find. Oberhalb derfelben wird der Darrraum von einem Kuppelgewölbe gefchloffen, von welchem aus die feuchte Luft wie gewöhnlich vermittelft eines Dunftfanges, in deffen Mitte das eiferne Rauchabzugsrohr fich befindet, entweicht. Jede der oben erwähnten fieben übereinander befindlichen Reihen wird aus fechs muldenförmigen, neben einander liegenden Darrrinnen fo gebildet, dafs, um ein totales Umkippen einer jeden einzelnen Rinnenreihe möglich zu machen, entſprechende Zwifchenräume entſtehen. Diefes Kippen erfolgt in fyftematifcher Weife durch einen aufserhalb des Darrraums liegenden und durch Kurbel in Thätigkeit gefetzten Mechanismus derart, dafs nach einander jede tiefer befindliche Rinnenreihe in Folge des Umkippens der darüber befindlichen Rinnen mit Malz gefüllt wird. Auf diefe Weife paffirt das, durch einen Schüttkaften der oberften Reihe zugeführte Grünmalz, durch die von unten kommende warme Luft mehr und mehr der Feuchtigkeit beraubt, nach einander fämmtliche Reihen diefer muldenartiger Darrrinnen, um fchliefslich beim Umkippen der unterften Reihe über eine ſchiefe Ebene aus dem Darrraum in einen Malzrumpf, der auf dem Boden fich befindet, zu fallen. GEGOHRENE FLÜSSIGKEITEN. Bericht von DR. EDUARD SCHMIDT, Civilingenieur, Mitglied der Fury. Allgemeines. Unter der grofsen Gruppe IV befanden fich auf der diefsjährigen Weltausftellung naturgemäfs auch die Producte aus den gegohrenen Flüffigkeiten, welche von nahezu 1200 Ausftellern aus allen Ländern der bewohnten Erde in mitunter vorzüglicher Qualität eingefandt wurden und die gewifs wichtig genug find, um im vorliegenden Bericht einen Platz zu beanfpruchen. - - Die Erzeugung von Alkohol im weiteften Sinne hat in den meiften Ländern eine verfchiedene Grundlage und Bedeutung: andere Rohftoffe andere Zwecke eine verfchiedene Befteuerung; Umftände, welche fämmtlich für die Richtung, in welcher die Erzeugung ftattfindet, von grofser Bedeutung find. Vor Allem ift die Beziehung, in welcher die Branntwein- und Spiritusbrennereien zur Landwirthschaft und fpeciell zur Viehmaftung und Bodenbereicherung fteht, eine äufserft wichtige. Durch die Extraction des Alkohols läfst fie alle durch die Gährung nicht veränderten Nährstoffe der Getreidegattungen, der Kartoffel etc. als Schlempe zurück. Daraus folgt, dafs, wenn durch das gewonnene Product( Alkohol) die aufgelaufenen Koften zurückbezahlt werden, die Rückftände koftenfrei erhaltene Futterftoffe find, deren Production in den Vordergrund tritt, während der Alkohol die Stelle einer Nebenproduction einnimmt. Diefe Thatfache ift wohl die Veranlaffung zu der koloffalen Production in den meiften europäifchen Ländern, welche noch durch die Fortfchritte der mechanifchen und chemifchen Technologie erhöht wird. Einige ftatiftifche Belege werden hierüber die beften Auffchlüffe geben.( Siehe Tabelle Seite 79.) Die Rohftoffe, aus welchen die verfchiedenartigen Sorten von Branntwein und Spiritus erzeugt und ausgeftellt wurden, laffen fich in drei Kategorien eintheilen: 1. In die ftärkmehlhaltigen, wozu alle Getreide Arten, der Mais und die Kartoffel etc. gehören. 2. In die zuckerhaltigen, wozu die Zuckerrüben, die Melaffe, der Rohrzucker- Syrup und die verfchiedenen Kernfrüchte und Beeren gehören. 3. In jene, welche die Gährung bereits durchgemacht und fertig gebildeten Alkohol enthalten, wie Wein, Weingeläge, Bier, Cider. Gegohrene Flüffigkeiten. Statiftik 79 19 über die verft euerte Spirituserzeugung in Belgien, Frankreich, Norddeutſchen Bunde, Oefterreich- Ungarn, England und Italien.* Länder Jahre Activ gewefene Fabriken in den Städten auf dem Lande Summe Verfteuerte Quantitäten Alkohol in Hektoliter à 80 Percent Tralles SteuerEinnahme Belgien Frankreich 10jähriger Durchfchnitt von 1862 bis inclufive 1871 15jähriger Durchschnitt von 1857 bis inclufive 1871 647.200 1,464.700 Norddeutfcher Bund. vom Jahre 1870 I.542 7.348 8.890 2.578.000. Thaler 12,624.000 Oefterreich. vom Jahre 1871 bis 1872 1.492 42.481 43.973 979.582 Gulden ö. W. 7,685.000 Ungarn vom Jahre 1871 bis 1872 989 86.506 87.495 718.674 6,290.910 vom Jahre England. 1871 bis 1872 vom Jahre Italien 1872 459.000 60.000 Branntweine, Spiritus. Die Deftillate aus diefen verfchiedenartigen Stoffen waren auf der Ausstellung in mehr oder weniger concentrirtem Zuſtande als Branntweine( bis 52 Percent Tralles) oder als Spiritus( bis 95 Percent) vorhanden; theils ganz rein, theils mit geringeren oder höheren Mengen von jenen * Diefe letzte Ziffer, obwohl officiellen Urfprungs, ift jedenfalls viel zu nieder gegriffen. 6 80 Dr. Eduard Schmidt. fpecifiich riechenden Oelen imprägnirt, welche man gewöhnlich Fufel nennt, wenn ihr Geruch und Gefchmack widrig, und Aroma, wenn er uns angenehm ift. Wir fanden fie als Cognac, Rum, Arrak, Kornbranntwein und als Rüben-, Melaffen, Kartoffel-, Mais- und Getreide- Spiritus vertreten.- Nur eine Sorte haben wir mit Bedauern vermifst, nämlich den Mineralfpiritus, welcher bekanntlich indirect aus Steinkohlen erzeugt wird und fchon auf der Londoner Ausftellung im Jahre 1862 Auffehen erregte. Man erhält ihn, indem man das ölbildende Gas aus den Steinkohlen auf Schwefelfäure einwirken läfst und die Mifchung mit Waffer verdünnt und deftillirt. Man hat fich diefer intereffanten wiffenfchaftlichen Entdeckung Berthelot's in Belgien und Frankreich bemächtigt und bereits Spiritus von grofser Reinheit ohne Zucker und Gährung erzeugt. Es fcheint jedoch, dafs die Darftellungsweife eine bisher zu koftfpielige ift; follte das Problem praktiſch gelöst werden, fo wird in diefem Induftriezweige ein aufserordentlicher Umfchwung eintreten müffen. Es ift eine bekannte Thatfache, dafs je nach den verwendeten Rohftoffen das erhaltene Product verfchiedene charakteriftifche Eigenfchaften( Fufel oder Aroma) befitzt, welche bei der Deftillation auftreten und zum Theil feinen Handelswerth beftimmen. Diefs ift befonders bei Branntweinen der Fall, welche als Gegenftand des Genuffes Verwendung finden, wo das Angenehme des Geruchs und Gefchmacks von grofsem Einfluffe ift. Es wird z. B. der Cognac aus Wein einen höheren Preis haben, als jener aus Trebern der Rum, Arrak, Slibowitz, das Kirfchwaffer, der Kornbranntwein einen höheren als jener aus Kartoffeln oder Melaffe erzeugter. Bei gleichen Eigenfchaften wird jedoch immer ein ftärkerer Cognac, Rum oder Kornbranntwein etc. einen höheren Werth haben als ein fchwächerer. - - Beim Spiritus aber, welcher in fehr ausgedehnter und mannigfaltiger Weife aus Rüben, Getreide, Kartoffeln gewonnen wird und zum Bereiten von Liqueuren und Effig, zum Verfetzen der Weine,- zu Parfümerien,- zu technifchen Zwecken und pharmaceutifchen Präparaten verwendet wird, kommt fein Gehalt an Alkohol in erfter Linie und dann feine Reinheit in Betracht. Er wird daher in befonderen mit Rectificatoren und Dephlegmatoren verfehenen Apparaten alkoholreicher, von den fremden übelriechenden und gefundheitsfchädlichen Fufelölen und Säuren befreit und heifst dann gereinigter oder rectificirter Sprit. Heutzutage befteht die Aufgabe der Spiritusfabrikanten darin, durch Verwendung von neueren Deftillationsapparaten, wie wir folche in der Ausftellung repräfentirt fanden, fämmtlichen, in den abgegohrenen Maifchen enthaltenen Alkohol fogleich in möglichft concentrirtem Zuftande von und über 90 Percent Tralles mit dem geringften Koftenaufwande zu erhalten; wobei die Fufelöle fo weit entfernt wurden, dafs kaum Spuren davon in folchem Spiritus verbleiben und deffen Abftammung, nämlich die verwendeten Rohftoffe, daraus nicht mehr zu erkennen find. Die befte und einfachfte Methode zur Reinigung des Branntweines unter 55 Percent Tralles befteht in der Anwendung von harzfreier, frifch ausgeglühter Holzkohle mittelft Digeftion und Filtration und nochmaliger Deftillation. Hochgradiger Spiritus wird von der Kohle jedoch nicht entfufelt. Um den Alkoholgehalt in Branntwein oder Spiritus zu ermitteln, bedient man fich eines Alkoholometers, der die Mafs- oder Volumpercente anzeigt. Der in Oefterreich und Deutfchland gefetzlich eingeführte ift das Volumpercent- Alkoholometer nach Tralles, welches bei uns für die Normal- Temperatur von 12 Grad Réaumur und in Deutfchland für 125 Grad Réaumur conftruirt ift. In Frankreich bedient man fich des Centefimal- Alkoholometers nach Gay- Luffac für die Normaltemperatur von 15 Grad Celfius, welches nahezu dem von Tralles entſpricht, oder man gibt den Alkoholgehalt noch nach Graden des Aräometers von Beaumé oder Cartier an. Gegohrene Flüffigkeiten. - 81 In England dient der Proof- fpirit( Probefpiritus) von o'9186 fpecififches Gewicht( bei 60 Grad Fahrenheit= 12 44 Grad Réaumur) zur Berechnung der Steuer für die Gallone Spiritus. Derfelbe ift Over proof, wenn man ihm Waffer zufetzen, oder Under proof, wenn man ihm Waffer entziehen muſs, um ihn auf die Stärke des Probefpiritus zu bringen, welche jener von 565 Percent Tralles entSpricht. Aufser der Beftimmung in erfter Linie des Alkoholgehaltes ift fowohl für den Spirituserzeuger als für den Käufer auch die Ermittlung der Anwefenheit von Fufelölen von Wichtigkeit. Es fehlt bis jetzt ein einfaches chemifches Erkennungsmittel und in der Praxis bedient man fich einfach der Geruchsorgane, welche nicht immer verlässlich find. Zweckmäfsiger ift es, den Spiritus auf der inneren Fläche eines Glafes auszubreiten und das Verdunften desfelben durch Einblafen zu befördern. Das bleibende Phlegma zeigt dann den charakteriftifchen Fufelgeruch, wenn man den richtigen Zeitpunkt erwiſcht. Profeffor Otto hat eine fichere Methode zur fchnellen Ermittlung des Fufelöls gefunden. Er benützt zu diefer Prüfung eine graduirte Glasröhre, giefst in diefe 5 Cubik Centimeter Spiritus und dann 10 Cubik- Centimeter Aether ein und vermifcht und fchüttelt damit 15 CubikCentimeter deftillirtes Waffer, indem er die Röhrenmündung mit dem Daumen fchliefst. Der Aether nimmt die Fufelöle auf, fcheidet fich nach oben ab und wird dann mittelft einer Röhre( Pipette) abgefaugt und in eine Porcellanfchale abgegoffen. Durch Ausbreiten des Aethers über die innere Fläche verdunftet derfelbe rafch und hinterlässt eine wäfferige Flüffigkeit, welche den ganzen Geruch des Fufelöles zeigt. War der Spiritus rein, fo ift der Rückftand geruchlos. Nachdem wir die Wichtigkeit, die Gewinnung und Werthbeftimmung von Branntwein und Spiritus ins Auge fafsten, müffen wir in Bezug auf Qualität hinzu. fügen, dafs Oefterreich ſpeciell in diefen Productionszweigen einen wirklichen Fortfchritt bekundete und im Allgemeinen eine Concurrenz nicht zu fcheuen hat. Liqueure. Diefe Gattungen von Spirituofen waren in einer fo zahlreichen und theilweife neuen, fehr vortheilhaften Weife wie in keiner der früheren Ausftellungen vertreten. Bisher waren uns blofs die franzöfifchen und holländifchen Liqueure. bekannt, denen der Vortritt vor anderen gebührte und die fich eines Weltrufes erfreuten; aber neu und intereffanter waren für uns die Erzeugniffe von Ländern, wie Brafilien, Griechenland und Monaco, wo unter der Gunft der klimatifchen Verhältniffe Pflanzen und Früchte gedeihen, aus deren Säften mit Spiritus Liqueure bereitet werden, welche, mit Waffer vermifcht, zur Erfrischung der abgefpannten Nerven genoffen werden und die an Feinheit des Aromas und Lieblichkeit des Gefchmackes alles bisher Bekannte übertreffen. Dafs unter der grofsen Menge viele fchlechte Erzeugniffe, von ungeniefsbaren Stoffen bereitet, vorkamen, darf nicht Wunder nehmen. Die verfchiedenen Liqueure auf der Weltausftellung laffen fich in drei Claffen theilen: Erftens in die Crêmes, welche am meiften Zucker enthalten und wegen ihrer Dickflüffigkeit auch Huiles genannt werden. Zweitens in die eigentlichen Liqueure, die weniger füfs und etwas alkoholreicher als die Crêmes find, und drittens in die fogenannten Doppel- oder einfachen Schnäpfe oder Aquavite, welche gar nicht und nur fehr wenig mit Zucker verfetzt find. Die Materialien, welche zur Erzeugung diefer verfchiedenen Claffen von Liqueuren verwendet werden follen, find vor Allem völlig fufelfreier Branntwein oder Sprit, Früchte und Pflanzenftoffe oder die daraus gewonnenen Oele, welche zum Aromatifiren derfelben verwendet werden, Zucker zum Verfüfsen und weiches Waffer zum Auflöfen und Verdünnen und jeweilig Farbftoffe zum Färben der Liqueure. 6* 82 Dr. Eduard Schmidt. Die beften und feinften Liqueure werden ftets nur durch Deftillation der aromatifchen Pflanzenftoffe mittelft Waffer, oder verdünnten Spiritus bereitet. Die einfachere Herftellung der Liqueure auf kaltem Wege, mittelft ätherifcher Oele in Sprit gelöft, wird niemals ein fo feines und liebliches Fabricat liefern wie jenes aus Deftillaten, weil die im Handel vorkommenden ätherifchen Oele durch Alter verändert oder gefälfcht find. Ferner werden auch gewiffe Liqueure und Schnäpfe aus Tincturen allein bereitet, welche aus aromatifch bitteren Pflanzenftoffen mittelft verdünnten Spiritus durch Maceration oder Digeftion ausgezogen. werden. Der Spiritus löft neben den aromatifchen Oelen auch die bitteren und färbigen, die fogenannten Extractivftoffe auf, welche als concentrirte Tinctur filtrirt mit der erforderlichen Menge von Sprit, Waffer und Zuckerlöfung vermifcht wird. Sehr häufig benützt man die concentrirten Tincturen als Zufatz bei der Darftellung von Liqueuren aus Deftillaten oder ätherifchen Oelen, um denfelben einen kräftigeren Gefchmack und eine angenehme Bitterkeit zu verleihen. Die Liqueure aus Fruchtfäften, Ratafias genannt, werden durch Zerquetfchen oder Ausdrücken der Früchte, durch Vermifchen der Säfte mit Sprit und Verfetzen mit Zuckerfyrup erhalten. Diefe verfchiedenen Liqueure fpielen, hervorgerufen durch die feit Jahren wachfende Confumtion, eine bedeutende Rolle. Einige darunter haben fich eine nationale Gunft erworben, während andere durch ihre fchädlichen, ja heillofen Wirkungen zum Glücke mehr verfchwinden und deren Genufs verboten werden mufste, wie feiner Zeit der Abfynth in der franzöfifchen Armee Algeriens. Effige. Von Effigen fand fich auf der Ausftellung ebenfalls eine grofse Auswahl, die in Betracht zu ziehen und in drei Claffen einzutheilen find: Erftens die Weineffige, welche blofs in weinreichen Ländern erzeugt werden und die als Speife- Effige vor Allem den Vorzug des reinen Gefchmacks und Aromas haben. Zweitens die Branntwein- oder Spiritus effige, die jetzt wohl die verbreitetften und durch die Schnellfabrication in grofsem Mafsftabe erzeugt werden. Man verwendet dazu Rohfpiritus oder Branntwein, welcher mit Effig und Waffer auf 6 Percent bis 8 Percent Tralles verdünnt und der Einwirkung der warmen Luft bei einer möglichft gleichmäfsigen Temperatur von 26 Grad bis 30 Grad Réaumur in geeigneten Apparaten( welche man Effigbilder nennt) ausgefetzt, zu Effig wird. Bei gutem Betrieb foll man von 200 Quart Spiritus von 50 Percent Tralles 1750 bis 1800 Quart Effig erhalten, von dem eine Unze 30 Gramm kohlenfaures Natron neutralifirt. Man kann bei diefer Fabrication Rohfpiritus ganz gut verwenden, weil die vorhandenen Fufelöle bei der Gährung vollkommen oxydirt und in Säuren und Aetherarten umgewandelt werden, welche den Effig aromatifiren. Drittens Malz-, Getreide- und Bier effige. Die Fabrication aus diefen Subftanzen hat keine Bedeutung mehr mit Ausnahme in England und Nordamerika, wo die hohe Befteuerung des Alkohols die Effigfabrication aus diefem Körper zur Unmöglichkeit macht, und man auf die Verarbeitung von Getreiden mit Malz oder von fauer gewordenem Bier angewiefen ift. Diefe Effige haben einen unangenehmen faden Gefchmack und werden oft, wenn zu Speifen verwendet, künftlich aromatifirt. Ausserdem wird feit einigen Jahren in England, mehr aber in Frankreich, aus Zuckerrüben Effig in grofser Menge erzeugt, der als billiger zu induftriellen Zwecken verwendet wird, dabei aber von ganz angenehmem Gefchmack ift. Die Ausstellung der gegohrenen Flüffigkeiten. Was an den angeführten Spirituofen und Effigen von Ausftellern der einzelnen Länder gefandt wurde, fo waren fie in folgender Anzahl vertreten: H Gegohrene Flüffigkeiten. Amerika Vereinigte Staaten II Belgien 13 Venezuela . Brafilien England IO Holland 25 27 Deutfchland 157 3 Oefterreich 195 Portugal 36 Ungarn. 119 Spanien. 5° Rufsland 39 Britifch Indien 8 Rumänien 27 Frankreich. 60 Frankreich Colonien 108 Griechenland Tunis. 6 I Schweiz 22 Marocco I Italien. 153 Egypten 2 Monaco I Türkei 54 Schweden. 24 China* I Dänemark. 18 Japan** I 531 Zufammen II72 83 Amerika fandte Proben von Sprit aus Mais-, Korn- Branntwein und mit Wachholderbeeren( Gin) verfetzt, dann Whisky. Letzterer als fpecififches NationalGetränk wird in Nordamerika aus Gerftenmalz und Mais bereitet, welches einen eigenthümlich empyreumatifchen Geruch und Gefchmack befitzt. Wie grofsartig die Production und Confumtion von Whisky dort fein mufs, davon liefern uns die Ausfteller Gaff& Comp. von Aurora in Indiana einen Mafsftab. Diefe Firma erzeugte allein feit 1843, alfo feit dreifsig Jahren, III, 672.000 Gallonen= 8,933.760 öfterreichifche Eimer, wofür fie die Summe von III, 500.000 Dollars an Steuern bezahlte. Magenliqueure, darunter der aromatifche Cocktail- Bitter, ift dort fehr beliebt, indem man ihn als Zufatz zu allen möglichen Mifchungen von verfchiedenen mouffirenden und nicht mouffirenden Weinen mit Orangenfäften und zerkleinertem Eis verwendet. Von den elf Ausftellern können wir nur die Firma J. Gibfon Son& Comp. von Philadelphia für ihren Kornbranntwein und Whisky, welche die VerdienftMedaille erhielt, und Charles Lediard von New- York für ihren Cocktail- Bitter hervorheben. Venezuela. Hier finden wir den klimatifchen Verhältniffen entſprechend Branntweine aus dem Safte des Zuckerrohrs, aus Bananen, aus Mais, aus der Kaffeefrucht und Liqueure aus Apfelfinen und aus Honig erzeugt. Von den zehn gelieferten Proben konnte fich unfer Gaumen nur mit entfufeltem Zuckerrohr- Branntwein aus der Plantage Urbina bei Petare befreunden. Brafilien. Wie wir bereits an anderer Stelle bemerkten, haben wir aus diefem Lande eine Auswahl Spirituofen vorgefunden, welche als Genufsmittel zu den feinften und lieblichften gehören, die wir bis jetzt kennen gelernt haben. Die Subftanzen, aus welchen Branntwein und Spiritus erzeugt werden, find hauptfächlich Rohrzucker, Reis, verfchiedene frifche Früchte und Weine. Die daraus gewonnenen Deftillate find gröfstentheils von fehr reinem Gefchmack und geben mit den feinen aromatifchen Pflanzenftoffen und Fruchtfäften des Landes Liqueure, welche nichts zu wünſchen übrig laffen. Die Effige werden aus Wein erzeugt und find als gut zu bezeichnen; übrigens fanden wir auch Effige aus Spiritus von minderer Qualität. Unter den 27 Ausftellern, welche von der Jury ausgezeichnet wurden, heben wir befonders hervor: Einen Deftillirapparat. ** Reisbranntwein, Reiseffig und Alkohol. 84 Dr. Eduard Schmidt. Die Firma Machado& Cuffon zu Rio de Janeiro, welche für ihren Weingeift, ihre feinen Liqueure, Cognacs und Weineffig die Fortfchrittsmedaille erhielt. Die Firma A. P. Fereira& Comp. zu Pernambuco erhielt für ihre diverfen Früchtenliqueure, Genèvre und Weineffig die Fortfchrittsmedaille. Die Firmen J. P. Faro Bagley& Melville aus Rio de Janeiro erlangten für ihre Crêmes- Liqueure aus Fruchtfäften und aus frifchen grünen und reifen Orangenfchalen( Curaçaos) die Verdienftmedaille. - England war fehr fchwach vertreten. Die Firma Dunville& Comp. hatte alten irländifchen Whisky ausgeftellt, wofür ihr von der Jury die Verdienftmedaille zuerkannt wurde. Die Robur Diftillery Company von London hatte einen Robur Liqueur F. Wyndham& Comp. von London einen Eierliqueur,- Goodall& Backhoufe von Leeds ein Bitterbranntwein und Yuille von Glasgow Ratafias und andere Mageneffenzen, ferner Henley& Son von London, Cyder und Effige ausgeftellt-Alles in Allem unglückliche Verfuche auf dem Gebiete des guten Gefchmackes. - Portugal erzeugt vorzüglichen Weingeift aus Wein und aus deffen Rückftänden( Lager- und Treber- Branntweine), welche durch nochmaliges Rectificiren einen feinen Weinfprit liefern, der zum Alkoholifiren ihrer hauptfächlich für den Export beftimmten Weine dient; ferner Spiritus aus Zuckerrohr, Melaffe, aus Früchten, namentlich viel aus Feigen, welche jedoch von untergeordneter Qualität find. Unter den Crêmes und Liqueuren find jene aus Fruchtfäften: Orangen, Ananas, Cedrate die feinften und als neue Art ein Milchliqueur von Herrn Th. G. Robert aus Liffabon zu bezeichnen, welcher fehr mild fchmeckt und, wie man behauptet, viel Abfatz findet. Unter den 24 Ausftellern von Spirituofen können wir die Firmen Bello& Comp. aus Liffabon für ihre Crêmes, E. A. Nasci mento aus Sonta für eine Auswahl Liqueure und Aquavite,-J. A. F. Chaves aus Faro für ihren Feigenfpiritus von 75 Grad Tr. und für Früchtenliqueure, das Mufée des Colonies Portugaifes für Branntweine und A. D. The muda aus Coimbra für feine Liqueure hervorheben. - - Aufser diefen haben zwölf Ausfteller Effige aus rothen und weissen Weinen und diverfen Früchten von mitunter guter Qualität und aromatifchem Geruch gefandt. Spanien. Diefes von der Natur fo begünftigte Land hat durch die politifchen Verhältniffe fo fehr gelitten, dafs auf induftriellem Gebiete grofse Fortfchritte nicht zu verlangen find; dennoch war die Section C der Gruppe IV von 48 Ausftellern befchickt. Aufser gutem Weingeift fanden wir die Branntweine aus Trebern etc. ftark fufelig. Was die Liqueure anbelangt, fo fcheint Spanien einen vorwiegenden Gefchmack für alle möglichen Anisfchnäpfe zu haben, welche meiftens durch Auflöfen des ätherifchen Anisöls in Spiritus und durch Zufatz einer möglichft concentrirten Candiszucker Löfung erzeugt werden. In Flafchen gefüllt, werden einige Aniszweigchen hineingefteckt, an welchen der Zucker herauskryftallifirt und der Inhalt das Anfehen eines kryftallifirten oder gefrornen Liqueurs erhält. Als fein aromatifche Nationalliqueure kann man ihren Chinchon und den grünen und gelben Monferratina bezeichnen. Die Preife find im Verhältniffe fehr billig, von einem bis zwei Pefetas per Flafche. Unferes Wiffens wurden von der Jury nur Medaillen der Firma Pratfy Julian aus Madrid und an Vinda dell Pascual ehijos aus Madrid zuerkannt. Von Effigen war nichts ausgeftellt. Britifch- Indien. Die Subftanzen, aus welchen dort Spirituofen erzeugt werden, find Rohrzucker- Syrup, Reis, Datteln und Feigen. Von den fieben Aus Gegohrene Flüffigkeiten. 85 ftellern können wir nur die Albion Diftillerie bei Calcutta und die Firma Carew& Comp. von Shahjehanpore für ihren vorzüglichen Rum hervorheben. Was ihre landesgebräuchlichen oder nach europäifchen Muftern imitirten Liqueure anbelangt, fo find fie als ganz abfonderlich fchmeckend zu verwerfen. Das Comité von Bengalen hat verfchiedene Speife- Effige, aus Rohrzucker und Dattelfaft, fowie aus anderen Früchten erzeugt, ausgeftellt und damit auf europäiſche Confumenten wohl nicht reflectirt. Seit Frankreich die Verheerungen der Traubenkrankheit empfunden und zuweilen auch fchlechte Getreide- Ernten hatte, mufste es bedacht fein, neue Quellen aufzufchliefsen, um den Entgang an Alkohol aus andern Stoffen feinen Erforderniffen entſprechend zu erfetzen, was ihr bisher nur unvollftändig gelang, da Frankreich noch von Belgien und Deutfchland bedeutende Quantitäten von Spiritus importirt. Dubrunfaut und nach ihm Champonnois waren die Erften, welche das werthvolle Material der Zuckerrüben zur Spiritusfabrication, begünftigt durch mäfsige Steuern, verarbeiteten. Die Rüben liefern einen fehr hohen Ertrag an Alkohol von der Bodenfläche und werthvolle Futterrückftände, fo dafs es vortheilhafter wurde, diefelben auf Spiritus anftatt auf Zucker zu verarbeiten. Gegenwärtig beträgt der in Frankreich erzeugte Spiritus aus Rüben mehr als den vierten Theil( von 84 Percent oder 3/6) der Gefammtproduction aus allen anderen Subftanzen, wie Wein und Weinrückstände, Cider, Melaffen und ftärkemehlhaltige Subftanzen zufammengenommen. Was die Qualität des aus Rüben, fowie aus anderen Subftanzen gewonnenen franzöfifchen Spiritus anbelangt, fo ift diefer in Folge der grofsen Fortfchritte in der Technik der Spiritusfabrication als der vorzüglichfte bekannt. Leider fanden fich auf der Ausftellung nur wenige Proben vor, darunter bei der Collectivausftellung der Landwirthfchafts- Gefellſchaften des Departements Herault und du Gard, welchen von der Jury für ihre Weine, Weingeift, Spiritus und Effige das Ehrendiplom zuerkannt wurde. Nebft dem Spiritus fpielen in Frankreich die Weinbranntweine von Cognac und Armagnac im weftlichen und die ebenfalls aus dem Weingeläge erzeugten Weinfprits( 36) im füdlichen Frankreich eine bedeutende Rolle. Die Erfteren( die Cognacs) werden aus den weifsen Weinen der Departements Charente und Charente inférieure und je nach der Lage und Befchaffenheit des Bodens die fines und petites Champagnes, dann die erften und zweiten Bois genannt, durch Deftillation gewonnen, und auf eine Stärke von 60 bis 65 Percent Tr. gebracht. Die Weinbranntweine, genannt Armagnacs, von 52 Percent Alkohol werden von den drei Departements Landes, Gers und Lot et Garonne, geliefert und ftehen dem Cognac in Güte nach. Die verfteuerten Quantitäten, welche aus einem 15jährigen Durchfchnitte erhoben wur den, entſprechen einer Jahresproduction von 275.000 Hektoliter Cognac und von 130.000 Hektoliter Armagnac, was durchſchnittlich zu 300 Francs per Hektoliter gerechnet einen Werth von 121,500.000 Francs repräfentirt. Die Letzteren, die Weinfprits von 84 Percents Alkohol, auch genannt, werden im Süden Frankreichs im Departement du Gard und Herault, hauptfächlich in und um Montpellier aus Wein- und Weinrückftänden gewonnen, jedoch ift uns die Productionsfähigkeit von dort nicht bekannt, ift aber ebenfalls von Bedeutung. Diefe Deftillate zeichnen fich durch Reinheit des Gefchmackes und feines Bouquet aus, und fanden fich befonders eine Anzahl Firmen, welche vorzügliche Mufter ausftellten und von der Jury prämiirt wurden. Wir nennen als die beften die Firmen d'Auffy von St.- Jean- d'Angély- Bellot H. von Cognac, Dubois Emanuel und Dubois frères von Blanzac, die Société des Diftilleries von Jonzac, Schönberg zu Cognac. Die Primawaare davon geht nach England und Amerika. Das Meifte wird im Lande genoffen. Die franzöfifchen Liqueure erfreuen fich eines Weltrufes und nimmt deren Confumtion fortwährend zu. Paris und Bordeaux erzeugen das Köftlichfte, 86 Dr. Eduard Schmidt. aber auch an anderen Orten werden ganz feine Liqueure fabricirt und ftehen in der Gunft des Publicums; wir verweifen nur auf die Chartreufe und Benedictine. Mit Verdienftmedaillen ausgezeichnet wurden für eine grofse Auswahl feinerer Crêmes und Liqueurs die Firmen M. Brizard& Boger von Bordeaux, Cufenier& Cie. von Paris, P. Dandicolle& Gaudin von Bordeaux, A. Lamart fils von Calais, Legrand von Paris, für feinere Liqueure,„ La Benedictine", Marchand frères von Paris, G. Rochat von Lyon. Nicht unerwähnt dürfen wir die Fabrication des amerikanifchen„ Bitter" laffen, welcher vor einigen Jahren aus den Vereinigten Staaten Amerikas eingeführt, jetzt aber aus Frankreich, als viel feiner, nach dorthin bedeutend exportirt wird. Die Subftanzen, welche dazu verwendet werden find Enzianwurzeln, Wermuthkraut, entmarkte Pomeranzenfchalen und etwas frifche Pomeranzenblüthen, aus welchen eine Tinctur von 40 Percent Alkohol bereitet und mit Zucker verfetzt wird. Schliefslich müffen wir auch des Wermuths gedenken, welcher im füdlichen Frankreich aus Wermuthkraut mit Wein, dem man 5 bis 6 Percent Weinfprit und ungefähr 10 Percent Muscatwein hinzufetzt, bereitet wird. Die jährliche Production von Wermuth foll bei 300.000 Hektoliter betragen, wovon die Hälfte von Bordeaux und Cette exportirt wird. Die Preife der franzöfifchen Weinbranntweine und Liqueure variiren je nach dem Alter und der Feinheit des Bouquets von 3 bis 12 Francs per Flafche. Effige. Frankreich ift in der glücklichen Lage, feine Speife- Effige gröfstentheils aus Wein in vorzüglichfter Qualität nach dem verbefferten Verfahren Pafteur's in der Umgebung von Orleans, Montpellier und Nimes erzeugen zu können und damit trotz der hohen Preife von 30 bis 60 Francs per Hektoliter einen bedeutenden Export zu erzielen. Die franzöfifchen Effige haben neben dem allen Weineffigen eigenthümlichen ätherartigen und erfrifchenden feinen Gefchmack die Eigenfchaft, ftets klar zu verbleiben und nie kahmig zu werden, und foll diefs nach Pafteur's Beobachtungen durch Erwärmen des Weines vor der Effigfabrication, fowie des einmal fertigen Effigs erzielt werden. Die von Laroque aus Bordeaux fowie von den landwirth fchaftlichen Gefellfchaften von Montpellier und Nimes ausgeftellten Effige waren ausgezeichnet fein und wurden von der Jury prämiirt. Algerien und die franzöfifchen Colonien find durch 108 Ausfteller in der Section C der Gruppe IV vertreten. Durch die Entwicklung der Weincultur und Landwirthschaft im Allgemeinen, durch eine reiche Production an Getreide und an zuckerhaltigen Subftanzen hat die Spiritusfabrication in Algerien den geeigneten Boden für ein gewinnbringendes Gewerbe gefunden, wo der Abfatz des Productes durch klimatifche Verhältniffe und durch Urbarmachung einer jungfräulichen Erde bedingt war. Die Coloniften fowie die Armee, bereits im Mutterlande an den Genufs alkoholifcher Getränke gewöhnt, haben in Algerien einen fo mafslofen Mifsbrauch mit betäubenden Liqueuren, namentlich von Abfynth gemacht, dafs fie fich damit mehr als durch das Fieber gefchadet haben und die Regierung veranlafst wurde, diefes Getränk, nämlich den Abfynth, zu verbieten. Durch Schaden klug geworden, verlegte man fich auf die Erzeugung tonifch ftimulirender Aquavite und Liqueure, welche mit Ingredienzen von Quinquina, Enzian, Kalmus, Orangenfchalen, Alkohol und Zucker unter dem Namen ,, afrikanifcher Bitter"( Amer africain) in Philippeville von der Firma Picou in fehr grofsem Mafsftabe fabricirt wird. Zum Entfchalen der nöthigen Orangen bedient man fich einiger Mafchinen, von denen jede im Tage 4 bis 5000 Orangen fchält. Diefe entmarkten Schalen werden mit 60 Percent Sprit digerirt und als Tinctur bis zur Deftillation aufbewahrt. Die Stoffe, aus welchen man in Algerien Branntwein und Spiritus gewinnt, find in erfter Linie Weine und deren Rückftände, die dort fehr billigen Feigen Gegohrene Flüffigkeiten. 87 ( Opuntia ficus indica), die Zuckerhirfe( Sorghum faccharatum), deren reichen Zuckerfaft man durch Preffen und mittelft Maceration gewinnt, ferner Mais und Gerfte. In neuefter Zeit hat Mr. Rivière von Crescia eine Art Mispel( Eryobotria japonica) zur Erzeugung von Kirfchwafferfurrogat mit Vortheil verarbeitet. Diefe Frucht fchliefst in ihrem faftigen Fleifche grofse Kerne ein, welche den bitteren, blaufäurehaltigen Gefchmack und Geruch der Kirfchen haben. Man überläfst die zerquetfchten Mispeln in grofsen Bottichen während 5 bis 6 Monate der Gährung und erhält als Deftillat von 100 Kilos Frucht 21 bis 22 Liter Mispelbranntwein von 22 bis 24 Grad Beaumé. Die in Algerien erzeugten Weinbranntweine, Sprits und Liqueure ſtehen den franzöfifchen im Allgemeinen weit nach; dennoch können wir lobend hervorheben die Firmen L. Bouillonel von Bône im Departement Conftantine für feine Bitterfchnäpfe und feineren Liqueure, L. Fournier& Comp., welche die bedeutendften Spiritus-( 3/6)-Fabrikanten in Algerien find, fowie W. G. Picou von Philippeville der gröfste Liqueurift des Landes ift. Er erzeugt jetzt jährlich bei 1,700.000 Bouteillen Bitterbranntwein( Amer africain) à I Francs 40 Centimes. und 3,000.000 Bouteillen diverfe Liqueure von 2 Francs aufwärts bis 5 Francs. Weineffige erzeugt man in Algerien nach dem Verfahren von Orleans in vorzüglicher Qualität aus weifsen und rothen Weinen, deren Preis je nach der Stärke von 25 bis 50 Centimes per Liter variirt. Bedeutend ift die Firma Courvoifier in Algier. Die Colonien von Martinique, Guadeloupe, Guyana, Réunion, Oceanien und Franzöfifch- Indien erzeugen nur Rum und Tafia aus Rohrzucker- Saft und Syrup von mehr oder minder guter Qualität, und glauben wir den Rumforten von Martinique und Réunion vor den anderer Colonien den Vorzug geben zu können. Die anderen Deftillate aus Sorgho- Reis und Früchten find Spirituofen, denen man fich möglichft ferne halten foll. Monaco hat in Allem, was feinen Gefchmack anbelangt, fich ausgezeichnet, und folgerichtig auch mit feinen neuen Liqueurs„ Gallia", aus aromatifchen Stoffen zufammengefetzt, von welchen man etwas mit Waffer vermifcht als Erfrifchung oder rein nach dem Kaffee nimmt. Schweiz. Die Schweiz erzeugt nicht hinreichend Branntwein oder Spiritus für den eigenen Bedarf und bezieht von Deutſchland, Oefterreich und Frankreich jährlich circa 70- bis 80.000 Hektoliter Sprit; dagegen exportirt fie nicht unbedeutend von ihren nationalen Schnäpfen und Liqueuren, wie Kirfch, Abfynth, Magenbitter aller Art. Ihre Superiorität in diefen drei bezeichneten Sorten ift allgemein anerkannt und follen davon jährlich 40- bis 50.000 Zollcentner hauptfächlich nach Amerika exportirt werden. Von den 22 Ausftellern wurden von der Jury ausgezeichnet die Firmen: Henny& Comp. von Fleurier in( Neuenburg) für ihre Extraits d'Abfynthe mit der Verdienftmedaille, Affolter aus Chur für feine Doppelbitter, die Kirfchwaffer Gefellfchaft aus Zug, Zimmermann aus Zürich für Liqueure und R. Züan aus Chur für Kirfchwaffer und Bitter mit Anerkennungsdiplomen. Italien hatte unter den 153 Ausftellern von Spirituofen der Section C nur acht, welche Branntweine, Rum und rectificirten Spiritus fandten, die zum gröfsten Theil aus Treftern, dann aus Mais, Sorgho und auch aus Cactus opuntia und Morus papyrifera erzeugt wurden. Wir geftehen, dafs wir in diefem Artikel etwas Befferes erwarteten und die Urfache nur in dem neuen Befteuerungsmodus vom Jahre 1870 zu finden fein dürfte, wodurch ein Import, daher eine Concurrenz zur Unmöglichkeit wird. Wir müffen daher das von der Jury abgegebene Urtheil, wonach den Firmen Pozzoli aus Como und Anfelmi& Maraffi aus Neapel Verdienftmedaillen zuerkannt wurden, als ein höchft liberales bezeichnen. 88 Dr. Eduard Schmidt. Die Liqueurfabrication ift jetzt in Italien von Bedeutung und war auf der Ausstellung fehr zahlreich vertreten. Das Vorzüglichere wird mit den einheimifchen Fruchtfäften und aromatifchen Pflanzenftoffen in Piemont und der Lombardie erzeugt. Einen grofsen Handels- und Exportartikel bildet in diefen Provinzen auch der Wermuth, welcher mit dem weifsen Wein von Afti unter Zufatz von einigen Percent Sprit und bitteren. Kräutern bereitet und in Qualität mit dem franzöfifchen Wermuth rivalifirt. Die Jury hat 28 Fabrikanten von Liqueuren und Wermuthweinen die Verdienftmedaille zuerkannt. Speife- Effige werden von vorzüglicher Qualität im Modenefifchen und Lombardifchen aus Wein bereitet und können wir in erfter Linie die Firma Gianfranceschi aus Bardolino, Belluci Tofi aus Modena, Bornia Fratelli aus Trevifo und Giufti aus Modena empfehlen. Schweden und Norwegen. In Schweden war die Branntweinbrennerei bis vor 20 Jahren blofs ein Nebenzweig der Landwirthschaft und erft feit diefer Periode wurden gröfsere mit Dampf betriebene Brennereien, deren es jetzt 5- bis 600 gibt, angelegt. Das Gefetz für dieſe beſtimmt, dafs täglich mindeftens 200 Kannen 523 Liter und nicht mehr als 1200 Kannen Normalftärke ( 50 Percent Volumprocent Alcohol) bei der Temperatur von 15 Grad Celfius erzeugt werden dürfen, und dafs der Betrieb nicht länger als 7 Monate im Jahre ( von Jänner bis April und von October- December inclufive) geftattet wird. Diefe Beftimmungen wurden im Intereffe des kleinen Landbaues getroffen. Die jährliche Branntweinproduction beträgt von 1862 bis 1871 alfo im Durchfchnitt jährlich 14.390.000 Kannen= 376.600 Hektoliter und ftieg im Jahre 1872 auf 407.000 Hektoliter von der Normalftärke von 50 Percent, wofür an Steuer 11,719.494 Rdr. gleich 6, 680.011 fl. öfterreichifcher Währung in Silber bezahlt wurden. Als Rohftoff wurden bis zum Jahre 1868 nur Getreide und Kartoffeln verwendet, während von da ab auch Rennthierflechte in Folge der intereffanten Verfuche des Profeffors Stenberg in Stockholm in ziemlich grofsem Mafsftabe verarbeitet werden. Die Ausbeute von Branntwein variirt je nach der Qualität der Flechten zwifchen 6 und 9 Kannen( 157 bis 23.5 Litres) Normalftärke vom Centner Flechten. Es follen im Durchschnitte jährlich circa 300.000 Kannen Branntwein aus Rennthierflechten erzeugt werden, welches Quantum bei fchlechten Kartoffelernten viel gröfsere Proportionen annehmen wird, da das Land von diefem Rohftoffe unerfchöpfliche Mengen befitzen foll. Aufser dem im Lande erzeugten Branntwein werden noch jährlich circa 25.000 Hektoliter an Cognac, Rum und Arrac eingeführt, welche zum Theil zur Fabrication des berühmten fchwedifchen Punfches verwendet werden, der aus Rum oder Arrac, Waffer, Zucker und etwas aromatifchen Tincturen bereitet und viel nach dem Auslande exportirt wird. Unter den 24 Ausftellern von gegohrenen Flüffigkeiten waren nicht weniger als 18, die ihren Punfch zu 75 kr. bis I fl. per Flafche den Confumenten zu empfehlen wussten. Die Proben von Branntwein und Spiritus find als ganz mittelmäfsig in der Qualität zu bezeichnen. Effige werden nur aus Branntwein erzeugt und find als Speife- Effige für unfere Gaumen nicht wählbar. Dänemark erzeugt hauptfächlich aus Kartoffeln und aus Getreide Branntwein und Spiritus, mitunter von guter Qualität, gröfstentheils aber fufelig. Die einheimifche Production genügt auch in diefem Lande nicht und werden aus Deutſchland Spiritus, aus Frankreich Cognac und von den Colonien Rum und Arrac zur Bereitung eines dem fchwedifchen ähnlichen Punfches eingeführt. Gegohrene Flüffigkeiten. 89 Unter den 19 Ausftellern müffen wir volles Lob der Aalborger Spritfabrik für ihren 96 gradigen Sprit und ihre Aquavite fpenden, was auch von der Jury durch die Fortfchrittsmedaille anerkannt wurde; dann der Firma J. E. Sörenfen ebenfalls für vorzüglich reinen Sprit( welche jedoch aufser Concurs war); ferner hat die Firma J. A. Anthony aus Kopenhagen für feine Liqueure und Punfch auch die Fortfchrittsmedaille erhalten. Die Firmen J. Minni& Söhne aus Kopenhagen für Liqueure und Punfch, P. F. Heering für einen vorzüglichen Kirfchliqueur, C. Lundh für Aquavite und C. A. Been für Kirfchliqueur und Punfch wurden mit der Verdienftmedaille ausgezeichnet. Belgien erzeugt hauptfächlich aus Kartoffeln und Getreide und in neuerer Zeit aus Rüben Branntwein und Spiritus, welcher dem franzöfifchen an Reinheit ziemlich nahe kommt. Ferner werden dort billige Liqueure und WachholderbeerenBranntwein fabricirt, welche jedoch zu wünfchen übrig laffen. Von den 13 Ausftellern können wir nur die Firma De Gens aus Tirlemont für ihren Branntwein, Vandevelde aus Gand für Liqueure und Schoofs für feine Auswahl von Liqueurkörpern( Extraits) hervorheben. Holland ift das Land, wo im Verhältnifs zu feiner Einwohnerzahl am meiften Spirituofen confumirt werden, was durch die klimatifchen Verhältniffe fowol, als wegen des fchlechten Trinkwaffers bedingt wird. Die Holländer waren die Erften in Europa, die fich mit der Zubereitung von Liqueuren befafsten, worin fie es feit langer Zeit zu einer grofsen Vollkommenheit brachten, und wozu ihnen ihre Colonien die beften aromatifchen Stoffe lieferten. Holland hat bei 500 gröfsere Spiritusfabriken und Brennereien, wovon die Hälfte in Schiedam fich ausfchliefslich mit der Erzeugung ihres weltbekannten Schiedamer Genèvre( Wachholderbeeren- Branntwein) befchäftigt. Als Rohproducte werden hauptfächlich Kartoffeln und Getreide, mitunter Krapp, in neuefter Zeit auch Rüben verwendet und daraus vorzügliche Deftillate erzeugt. Die Liqueurfabrication ift eine fehr bedeutende und hat ihren guten alten Ruf trotz der franzöfifchen Concurrenz in diefem Artikel zu bewahren verftanden. Es exportirt von feinen Liqueuren und noch mehr von feinem Genèvre nach allen bewohnten Ländern der Erde. Von 25 Ausftellern wurde eine reiche Auswahl an feinen Liqueuren, Genèvre, Spiritus und auch Arrac und Rum aus ihren Colonien hieher gefandt. Der Vortritt vor Allem gebührt wohl der rühmlichft bekannten, 200 Jahre alten Firma Wynand Focking in Amfterdam, welche für ihre feinen Liqueure auf allen grofsen Ausftellungen mit Auszeichnungen erfter Claffe prämiirt wurde. Hier wurde ihr blofs die V. M. zuerkannt. Grofses Lob verdienen auch die Firmen Catz& Sohn zu Pechel in Friesland A. J. Hoffmann zu Woerden L. Bols Erben zu - Amfterdam, welchen für ihre Liqueure die F. M. und an die Firmen P. Hoppe zu Amfterdam für Spiritus und Genèvre an Laurent für Liqueure und Punfch an M. P. Poller zu Rotterdam für Liqueure, und an Zuylekon, Levert & Comp. zu Amfterdam für Liqueure, für Amyl- Alkohol und methylifirten Alkohol die V. M. von der Jury zuerkannt wu.de. Deutfchland. Seit dem Uebergange von einem ländlichen wirthfchaftlichen Nebengewerbe zur Grofs- Induftrie hat die Branntwein- und Spirituserzeugung im deutfchen Reiche einen fo grofsen Fortfchritt gemacht, dafs es in Quantität und Qualität mit den erften Spiritus erzeugenden Ländern Europas rivalifirt, ja in Bezug auf die Quantität diefelben weit überragt. Im Jahre 1870 beftanden im Norddeutfchen Bunde( alfo Baiern, Württemberg, Baden und Elfafs Lothringen ausgenommen) gröfsere Fabriken 1542- auf dem Lande 7348, im Ganzen alfo 8890. Die kleineren Brennereien haben in den letzten Decennien ftetig abgenommen und find durch umfangreiche Fabriken mit Dampfbetrieb erfetzt worden. Diefel 90 Dr. Eduard Schmidt. ben verarbeiteten im Jahre 1870 rund 6,150.000 öfterreichifche Metzen Getreide und 34.395.000 Metzen Kartoffel, mit einer Steuer von circa 12 Millionen Thaler ohne der koloffalen Mengen von Melaffen zu gedenken, bezüglich deren uns keine genauen Zahlen zur Verfügung ftanden. Der Export von Spiritus hat bei diefer grofsen Production auch bedeutend zugenommen, was aus der Steuerrückvergütung, die im Jahre 1870 über 3,000.000 Thaler betrug, zu erfehen ift. Aufser dem Norddeutfchen Bunde werden im Süden und Weften des Reichs aufser obgenannten Rohftoffen auch die Weinrückstände, dann verfchiedene Früchte, wie Aepfel, Birnen und Kirfchen etc. zur Branntweingewinnung verwendet. Auf die Ausftellung felbft übergehend, fo wurde diefelbe in grofser Auswahl mit Kornbranntwein, rectificirten Spriteffenzen, Liqueuren und Effigen von 157 Ausftellern, worunter zwei grofse Collectivausftellungen, befchickt. Mit Bedauern müffen wir bemerken, dafs die eingefandten Proben nicht dem Rufe entſprachen, deffen fich die fpirituofen Erzeugniffe Deutſchlands zu erfreuen hatten. Wir wollen keinen Tadel ausfprechen, aber ein allgemeines Lob können wir darüber nicht anftimmen. Zu den beften können wir die Bank für Sprit und Productenhandel in Berlin zählen, welche jährlich an 140.000 Hektoliter feine rectificirte Sprits von 95 Percent Tr. und Branntweine erzeugt und von der Jury die F. M. erhielt; dann J. F. Höper junior in Hamburg für rectificirten Sprit von 95 Percent Tralles und andere Spirituofen die V. M., Carl Friedenthal von Breslau für rectificirten Kartoffelfprit von 97 Percent Tr. die F. M. erhielt. Erwähnen müffen wir noch die Firmen A. Burger in Dresden für ihren Kartoffelfprit von 95 und 97 Percent Tr. und W. Stengel in Leipzig für rectificirten Kartoffelfprit von 96 und 97 Percent Tr. Liqueure und Schnäpfe werden in grofsen Quantitäten und zu fehr billigen Preifen erzeugt, welche gröfstentheils im Lande felbft confumirt, zum Theil auch nach Amerika exportirt werden. Unter den vielen Liqueurfabrikanten können wir als von der Jury ausgezeichnet hervorheben die Firmen J. F. Nagel von Hamburg und A. G. Tönnies & Comp. von Magdeburg, welche beide für ihre feinen Liqueure mit der F. M.- Friedrich Lamp von Stuttgart für Getreidekümmel, S. Berfuch von Elbing für Magenliqueure- Louis Ackermann von Berlin für feine Liqueure- Friedrich Lehment von Kiel- Seidel& Comp. von Breslau Saniter& Weber von Rostock- Hehnes Wtw. von Hamburg, J. S. Keiler von Danzig Georg Brofche von Berlin- J. W. Peters von Hamburg- C. A. Kochlman von Frankfurt M. J. Fleifchmann von Afchaffenburg- Lauterbach von Bayreuth Friedrich Seber von Wiesbaden für Liqueure mit der V. M. Dann A. Jülg von Riegelbach- Friedrich Kiefer von Eichftäten- W. King von Lauterbach Landauer& Macholl von Heilbronn und Löwenwirth Aberle von Gutach diefe fünf für Kirfchwaffer mit der V. M. endlich H. W. Drerup von Borghorft für Punfche ebenfalls mit der V. M. - - - - - -- - Die Effige Deutſchlands werden gröfstentheils aus Branntwein erzeugt, und können als Speife- Effig nicht angepriefen werden. Als Malzwein Effig liefert die Firma Jofef Poiger von Straubing das Befte und erhielt die F. M.- Eine ebenfalls gute Qualität Weineffig wird von G. Neumann aus Würzburg, von Neu. fchäfer in Ludwigshafen und vom landwirthfchaftlichen Verein in Baiern erzeugt. Oefterreich hat als vorwiegender Agriculturstaat in Folge einer bequemen Befteuerungsweife und anderer günftigen Umftände eine fehr umfangreiche Branntwein- und Spiritus- Brennerei, welche hauptfächlich als ländliches Nebengewerbe, aber auch in grofsen Fabriken mit Dampfbetrieb florirt. Merkwürdigerweife haben fich hier im Gegenfatz zu Deutſchland die Anzahl der Brennereien im letzten Jahrzehent von 28.000 auf 48.970 vermehrt. Von diefen find blos 1492 gröfsere Etabliffements, welche in Niederösterreich( um Wien) Gegohrene Flüffigkeiten. 91 dann in Mähren, Böhmen, Galizien und Schlefien ihren Standort haben; die übrigen 47.478 befinden fich mehr in den Alpenländern. Die verfteuerten Quantitäten beliefen fich im Jahre 1871-72 auf 1,565.000 Hektoliter, umgerechnet auf 80 Percent Tr., wovon ein Theil nach der Schweiz und über Trieft nach der Levante exportirt wird. Leider ift feit dem Jahre 1870 unfer beftes Abfatzgebiet„ Italien" durch den dort neu eingeführten Steuermodus auf Spirituofen für uns verloren gegangen. - Von Rohfubftanzen werden in Oefterreich circa 70 Percent mehlige Stoffe ( Getreide, Kartoffeln und Mais), dann 25 Percent Rübenmelaffen und 5 Percent Weinrückstände und diverfe Obftforten auf Branntwein verarbeitet. Die Qualität unferer Kornbranntweine, fowie unferer rectificirten Sprits kann als eine hochfeine bezeichnet werden. Geradezu epochemachend waren in diefer Beziehung die ausgeftellten Deftillate Oefterreichs, welche eine Concurrenz mit dem Auslande nicht mehr zu fcheuen haben. Bemerkenswerth ift noch, dafs wir in unferen bedeutenden Getreidebrennereien eine fehr vorzügliche Prefsoder Kunfthefe erzeugen, welche einen wichtigen Handelsartikel ausmacht und in allen Ländern Europas Abfatz findet. Die feinere Liqueurfabrication hat in den letzten Jahren einen erheblichen Fortfchritt in Folge der Verwendung von reinem fufelfreien Spiritus und gewählteren aromatifchen Subftanzen gemacht, und bildet heute fchon einen namhaften Exportartikel nach Ungarn, dann den Donaufürftenthümern, Rufsland etc. In gröfseren Mengen werden feinere Liqueure in Wien, Graz dann in Dalmatien, Böhmen, Mähren und Schlefien erzeugt. Effige werden allenthalben in Oefterreich durch Kleingewerbe mitunter in ganz guter Qualität aus Wein und Obftmoft, in den Fabriken aber vorzüglich aus Branntwein durch die Schnelleffig- Fabrication erzeugt. Oefterreich war in der Section C der Gruppe IV unter allen Ländern am ftärksten vertreten. 195 Ausfteller hatten fich auf dem friedlichen Kampfplatze eingefunden, und einen eclatanten Sieg davongetragen. Der Raum geftattet uns nur, jene Namen hier zu verzeichnen, welche von der Jury mit Medaillen ausgezeichnet wurden. An der Spitze jedoch müffen wir den Erften und Beften unter Allen anführen, der fich aufser Concurs erklärte, nämlich: Se. k. k. Hoheit Erzherzog Albrecht, welcher von feinen Domänen in Schlefien und Galizien hochfeine Roh- und rectificirte Sprits und eine grosse Auswahl vorzüglicher Liqueure einfandte. Die Fortfchrittsmedaillen erhielten die Firmen Riemerfchmidt Anton von Wien für rectificirten Kartoffel- und Melaffen- Spiritus die Collectivausftellung der Spiritusraffinerien und Liqueurfabrikanten von Troppau( Schlefien) für Sprits, Liqueure und Effige Weifsberger Jofef von Kolin in Böhmen für rectificirten Spiritus die Collectivausftellung der Wiener Spirituofenfabrikanten und zwar fämmtliche 26 Ausfteller für feine Liqueure, Aquavite und Effige Luxardo Girolamo von Zara für feinfte Maraschino- Liqueure. - - Die Verdienft- Medaille erhielten die Firmen J. Cafali's Neffe von Wien Eppinger für feine Liqueure- Bauer Cafimir von Wien für feine Liqueure Fünk HeinWolf A. bei Wien für rectificirten Getreide- und Melaffen- Spiritus rich von Graz für vorzügliche Liqueure und Effige Daldello A. von Spalato für feine Maraschino- Liqueure - -Bäck Wilhelm von Grofs- Meferitfch für Liqueure - - - und Spirituofen- Tomafi Alois von Gaya in Mähren für Liqueure und Effige- Mautner Ad. und Ig. und Sohn von Wien für Spiritus und Prefshefe- Springer Max bei Wien für Spiritus und Prefshefe Haack A. von Graz für Liqueure Grofs Jacob von Biala in Galizien für Spirituofen- Baczevski's Wtw. und Söhne von Lemberg für Liqueure und andere Spirituofen Cosmacendi Anton von Zara für vorzügliche Liqueure- Fick von Wien( F. M.) für Liqueure Lord J.& Comp. von Wien für Liqueure und Spirituofen- Fraenkel Adolf -- - 92 Dr. Eduard Schmidt. - & Söhne von Biala für Liqueure und Spirituofen- Fünk Ed. von Graz für Liqueure- Mikolafch Julius von Lemberg für abfoluten Alkohol, Liqueure, künftlichen Rum und Cognac Popper Adolf in Pilfen für rectificirten Spiritus- Nedwied W.& Sohn von Schlan in Böhmen für Liqueure- Fürth Veit& Sohn von Budweis für Liqueure- La Ferme zu Sölnitz in Böhmen für Liqueure- landwirthfchaftlicher Verein von Vorarlberg für Kirfch- und EnzianLiqueure Kliner& Comp. von Brünn für Liqueure Tfchugguel Ludwig von Bozen für Kräuter- und bittere Magen- Liqueure. - - Zu bemerken ift, dafs die Firma Drioli Francesco von Zara, welche vorzügliche Maraschinos ausftellte, fich aufser Concurs erklärte, und dafs in Spiritus und Spirituofen fehr Anerkennungswerthes gezeigt wurde von den beiden Firmen Kufner bei Wien und in Lundenburg, von Fifchel's Söhne in Prag und von der Przemysler Spiritus- Raffinerie. - Für ganz vorzügliche reine Weineffige mit der F. M. prämiirt müffen wir dem Stifte Göttweih zu Furth in Niederöfterreich das höchfte Lob fpenden Ferner haben die Firmen Huber Ulrich von Prag- Gögl Zero von Krems die Collectivausftellung der Znaimer für Effige und eingemachte Gurken- Etzelt Rudolf in Wien Mages Carl in Wien- und Scherer L. W. von Stockerau fowol für Wein- und Sprit- Effige und Effigeffenzen theils Medaillen, theils die vollfte Anerkennung der Jury erhalten. Ungarn. Was wir über Branntweinbrennereien bereits von Oefterreich gefagt, bezieht fich im Allgemeinen auch auf Ungarn; nur wird hier diefelbe als Nebenzweig des Landbaues noch in viel ausgedehnterem Mafsftabe und gröfstentheils in der primitivften Weife betrieben, während der günftige Boden und die klimatifchen Verhältniffe zur Anlage von grofsen Spiritusfabriken mit befferen Zubereitungsmethoden befonders auffordern follten. - Die Gefammtzahl der im Betriebe geftandenen Brennereien in Ungarn und feinen Nebenländern war in der Campagne 1871/72 nicht geringer als 87.495, wovon nur 989 gröfsere Dampf- Spiritusfabriken beftanden, welche zufammen nur circa 1,200 000 Hektoliter 8opercent. Spiritus verfteuerten. In diefen wurden von Rohftoffen Kartoffeln, Mais, diverfe Getreideforten und in neuerer Zeit von Einigen auch Zuckerrüben verarbeitet, und es wird da ohne Rückficht auf Ver luft an Material nur die Production möglichft grofser Mengen Alkohols aus dem der Verfteuerung unterliegenden Maifchraum angeftrebt. Auch hat man in Ungarn in den gröfseren Fabriken das fogenannte„ Neue Verfahren"( nämlich Kochen des Mais oder Getreidefchrots mit verdünnter Schwefelfäure, bis die Zuckerbildung ftattgefunden Neutralifation mit kohlenfaurem Kalk, dann Vergährung und fchliesslich Deftillation) eingeführt, welches geradezu als verwerflich zu bezeichnen ift, weil der Vortheil eines gröfseren Ertrages an Alkohol vom Gährraum durch den Verluft der Schlempe als Viehfutter gewifs nicht aufgewogen wird, und das gewonnene Product felbft( der hochgrädige Sprit) ftets einen herben Gefchmack und widrigen Geruch erhält, und daher billiger abgegeben werden mufs, als der mit Malz erzeugte. - Es ift ferner zu bedauern, dafs Ungarn bei feiner umfangreichen, ja kolof falen Weinproduction nicht eine beffere Verwerthung des Weines( der oft um 2 bis 4 fl. per Eimer zu haben ift) durch Deftillation und eine rationellere Behandlung der Weinrückftände anftrebt, und damit in die Lage käme, dem franzöfifchen Weingeift, refpective dem Cognac, eine vielleicht erfolgreiche Concurrenz zu machen. Dagegen wird in Ungarn, namentlich unter der flavifchen und walachifchen Bevölkerung die Erzeugung von Obft-, befonders Zwetfchkenbranntwein,„ Slivowitz" genannt, fchwunghaft, obwol noch in fehr primitiver Weife betrieben. Der von dem Bauer erzeugte Branntwein hat felten über 10 Percent Alkoholgehalt und wird durch nochmaliges Deftilliren auf 15 bis 20 Percent Stärke gebracht und in eichenen Fäffern abgelagert. Die Cultur der Zwetfchke, befonders in Süd Gegohrene Flüffigkeiten. 93 ungarn, ift unftreitig von landwirthschaftlicher und commercieller Bedeutung und der zum Theil daraus gewonnene Naturbranntwein auch ein im Lande beliebter Genufsartikel; aber in den cultivirten Ländern Europas wird man vergebens damit einen Abfatz fuchen. Unferes Wiffens wurde Slivowitz auf keiner der Weltausftellungen weder vom grofsen Publicum noch von der Jury goutirt. Der Liqueure und der Imitationen von Cognac, Rum etc. fowie der Effigfabricate können wir aufser einzelnen Ausnahmen nur mit Wehmuth gedenken und im Intereffe der Menfchheit wünſchen, dafs ähnliche Gebräue nie zum Vorfchein kommen möchten. Von den 119 Ausftellern find die als von der Jury prämiirten hervorzuheben: Die Generalpachtung der Herrfchaft Gran- Nana, refpective die Firma Al. Schoeller& Comp. zu Leva, für hochfeinen 95percentigen Sprit aus Rüben und 90percentigen aus Mais mit der Fortfchrittsmedaille; die Gfchwind t'fche Actiengefellfchaft zu Peft für hochfeine rectificirte Sprits und grofse Auswahl von Liqueuren mit der Fortfchrittsmedaille. Die Firmen Kraufs Mayer von Peft. für vorzüglichen Getreidefpiritus und Prefshefe, Fifcher Jof. von Prefsburg für Spirituofen, Friedenthal Carl von Peft für Spiritus und Liqueure, Kenyeres Carl von Kronftadt für eine Auswahl von feinen Spirituofen aus frifchen Früchten ( Ratafias), J. Lenk's Söhne von Oedenburg für Liqueure und Effige, Neumann Gebrüder von Arad für Roh- und rectificirten Spiritus, A. Hubek's Witwe von Prefsburg für Franzbranntwein und Liqueure, Stern Ignaz von Peft für Spiritus und Prefshefe, Schlichting' fche Spiritus Fabriks Actiengeſellſchaft von Temesvár für rectificirten Sprit, Temesvarer Spiritus- Brennerei- und RaffinerieActiengefellſchaft für 86 percentigen und 90percentigen Spiritus und Jof. Zwack & Comp. in Budapeft für Liqueure und Slivowitz erhielten fämmtlich die Verdienftmedaille. - Befonders zu bemerken find Herrn Schnabl's Julius von Oravitza diverſe Sorten und Jahrgänge von reinem Gebirgsflivowitz, welcher jedoch als Juror aufser Preisbewerbung ftand. Rufsland. Die Erzeugung von Branntwein und Spiritus mufs in einem nahezu an 80 Millionen Einwohner zählenden Reiche, welche theils durch die klimatifchen Einflüffe, theils aus Hang zu einer übermäfsigen Confumtion alkoholifcher Getränke hinneigen, eine ganz aufserordentliche Ausdehnung haben, worüber wir verlässliche Daten nicht erhalten konnten. - Die Rohftoffe, welche bei den Brennereien verwendet werden, find vorzugsweife Getreide und Kartoffeln nebft geringeren Quantitäten anderer Stoffe, wie Rübenmelaffe, Obftforten, isländifches Moos etc. Der Detailhandel mit. Branntwein ift einer befonderen Befteuerung unterworfen; ausgeführt wird nur fehr wenig aus Podolien und den füdlichen Provinzen nach der Türkei. In Folge der Anlage gröfserer Spiritusfabriken mit verbefferten Apparaten und reineren Deftillaten hat fich auch die Liqueurfabrication entwickelt, welche dem Confum nicht genügt, und werden noch immer grofse Quantitäten vom Auslande importirt. Die Production von Meth ift eine ziemlich bedeutende; jene von Effigen dagegen eine unzureichende, zumeift durch Kleingewerbe betrieben, welche noch viel zu wünſchen übrig läfst. Von 37 Ausftellern, welche ihre Deftillate einfandten, können wir als, bemerkenswerth hervorheben die Firmen: Angel D. von St. Petersburg für rectificirten Alkohol und Liqueure, Apraxin e Victor zuAlexandrowsk für Alkohole, deftillirt von Malz mittelft eines neu erfundenen Brennapparates, Bafchmakoff A.& S.( Firma: Keller& Comp.) für Getreide-, Kartoffel- und Lichenfpiritus, fowie für feine Liqueure, Beckman& Comp. zu St. Petersburg für Kornbranntwein, rectificirten Spiritus und Liqueure, Carali Stephan zu St. Petersburg für 94 Dr. Eduard Schmidt. Sprit und Liqueure, Dechariot A. von Moskau für Bitter- und Süfsliqueure, Froriep Joh. zu Dorpat für Kümmelbranntwein und Spiritus, Korff( Baronin) von St. Petersburg für Branntweine und Liqueure, Kornéieff, Gorfchanoff & Comp. von Moskau für Branntwein und Liqueure, Petroff Bafil von St. Petersburg für rectificirte Sprits und Liqueure, Potocki( Graf Alfred) zu Ouladovka in Podolien für hochfeine Sprits, Stritter Alex. von St. Petersburg für Spiritus und Liqueure. Endlich ift Herr Vinaver Nathan von Warfchau für feinen vorzüglichen Meth lobend zu erwähnen. Griechenland. Wenn man auch über die Fortfchritte der gewerblichen Erzeugniffe Griechenlands, nach ihrer Befchickung der Weltausftellung zu urtheilen, keine hohe Meinung haben kann, fo mufs man ihrer Fabrication von Liqueuren die vollfte Anerkennung zollen; befonders jener, welche aus frifchen Fruchtfäften bereitet werden und unter dem Namen Ratafias bekannt find. Die vorzügliche Befchaffenheit der Früchte, welche unter dem herrlichen Himmel Griechenlands gedeihen, geben den damit bereiteten Liqueuren einen fo feinen aromatifchen Gefchmack und Geruch, dafs wir nur einen Vergleich mit jenen Brafiliens und Monacos machen können. Für Männergaumen fchmecken diefe Ratafias oder andere Liqueure crêmes vielleicht zu füfs, weil wir gewohnt find, Liqueure nur unvermifcht zu geniefsen, aber unter der heifseren Zone nimmt man davon Etwas im Waffer zur Erfrischung der abgefpannten Nerven. Unter den reichlich ausgeftellten Affortiments erwähnen wir als von befonders lieblichem Aroma die Cremês von Melonen, Ananas und Erdbeeren der Firmen M antzarino Kolendis von Kephalonien und G. Solon& Pavlides von Athen, welche beid die Fortfchrittsmedaille für ihre Liqueurecrêmes, Wermuth und aus Wein g onnenen Cognac erhielten. - Ferner Euftach. Kokkinos von Korfu, A. Proconis von Kephalonien und Evangelos Louzis von Kephalonien, welchen ebenfalls für fehr feine Liqueurecrêmes die Verdienftmedaille von der Jury zuerkannt wurde. Es ift zu bemerken, dafs die Section C nur von fieben Ausftellern befekt wurde, und dafs man in Griechenland Branntwein von circa 50 Percent T. les nur aus Wein und aus Trebern in ganz reiner Qualität und billig erzeugt. Zeuge die Firma Apoftolopoulo, welche loco dort mit einem bis vier Francs die Flafche Cognac verkauft. Sehr billig find auch die Liqueure, welche wir von den erftgenannten Firmen mit zwei bis drei Francs per Flafche bezeichnet fanden und welche wir unferen Zuckerbäckern aufs Befte empfehlen können. - Türkei. Von 54 Ausftellern wurden Branntweine- hauptfächlich aus Wein und Trebern, weniger aus anderen Früchten und auch Weineffige eingefandt, welche als Producte des ländlichen Kleingewerbes für den Confum des civilifirten Europas nicht beftimmt fein können und gewifs nur im Lande ihren Abfatz finden. Egypten und Tunis. Aus dem erfteren Lande wurden fowohl Weingeift, Branntwein und Rum, als auch eine Probe von Effig- aus letzterem von Herrn von Morpurgo Branntweine und Effige von untergeordneter Qualität ausgeftellt. In jenen Ländern fehlt eben das Wiffen, um ihre mannigfaltigen Rohftoffe beffer zu verwerthen. Rumänien zieht auf einem günftigen Boden maffenhaft den Pflaumenoder Zwetfchkenbaum, deffen zuckerhaltige Früchte mindeſtens zur Hälfte zur Erzeugung von Branntwein verwendet werden, welcher als nationaler Schnaps. unter dem Namen Rakie im Lande confumirt wird. Es wurde von 27 Ausstellern eine reiche Auswahl diefes eigenthümlich aromatifchen Deftillates geboten, worunter fich einige von befferer Qualität durch forgfältigere Behandlung und Gegohrene Flüffigkeiten. 95 Ablagerung befanden, im Allgemeinen jedoch den gleichartigen Producten Ungarns nachftehen. Einzelne Verirrungen auf dem Gebiete der Liqueur- und Wermuthfabrication find entfchieden verwerflich, ebenfo der aus Getreide und aus Weintrebern hergestellte Spiritus. Japan. Die k. japaniſche Regierung hat uns unter Anderem auch den Beweis geliefert, dafs fie in der Erzeugung von gegohrenen Flüffigkeiten fchon Beachtenswerthes leiftet. Als Rohproduct wird hauptfächlich der billige Reis verwendet, aus welchem wir Branntweine, dann rectificirten Spiritus und Effig ausgeftellt fanden, welche zwar nicht tadellos, aber doch forgfältig bereitet waren. China hat nur einen, nach unferen Anforderungen, höchft primitiven Brennapparat ausgeftellt. Schlufsfolgerungen. Wenn wir den Gefammteindruck fchildern follen, den die Producte der gegohrenen Flüffigkeiten auf der vorjährigen Weltausftellung hervorgebracht haben, fo gelangen wir zur Ueberzeugung, dafs die Spiritusfabrication mehr und mehr den Standpunkt der Grofsinduftrie in Folge der wachfenden Confumtion einzunehmen beftrebt ift, und dafs wir diefem Umfchwunge auch die Fortfchritte zu verdanken haben, welche wir bei vielen der ausgeftellten Deftillate wahrzunehmen Gelegenheit fanden. Heute ift die Erzeugung von nahezu fufelfreiem Wohfpiritus von 90 Percent bis 95 Percent Tralles in den bedeutenderen Etabliffements an der Tagesordnung und von rectificirtem Sprit von 95 bis 98 Percent Tralles als nahe der Grenze des Erreichbaren zu bezeichnen. In diefer Richtung haben wir die erfreuliche Wahrnehmung gemacht, dafs die Ausfteller Oefterreichs fich ganz befonders und am meiften auszeichneten. ords Was die Branntweine von circa 50 Percent Tralles und darunter anbeIsangt, welche wegen ihres fpecififchen Aromas als beliebte Genufsmittel Verwendung finden, fo müffen wir in erfter Linie den franzöfifchen Cognac, dann den m, Arrak, Slivowitz etc. als vorzüglich der Mehrzahl nach, dagegen alle Nachahmungen refpective Fälfchungen als verwerflich bezeichnen. י Als neu und von volkswirthfchaftlicher Bedeutung müffen wir die Verwendung von Rohftoffen bei der Branntwein- und Spirituserzeugung hervorheben, welche die Brotfrüchte und Kartoffeln erfetzen und bisher zum grofsen Theil oder ganz nutzlos verloren gingen. Als befonders intereffant können wir die Deftillate Ivon der Mispel( Eryobotria japonica) und von einer Art Feigen( Opuntia ficus indica) aus Algerien anführen; aus Italien jene von Cactus opuntia, von Morus papyrifera und von Sorgho. Aus Schweden die Rennthierflechte, aus welcher man feit ein paar Jahren fchon circa 800.000 Liter Branntwein bereitet- ein Rohftoff, von welchem Schweden und Norwegen unerfchöpfliche Quantitäten befitzen, und der die bis jetzt verwendeten theueren Kartoffeln zu erfetzen Lerufen ift. Es fcheint uns Pflicht der Regierungen zu fein, folche Verfuche, befonders zu Zeiten der Theuerung von Brotfrüchten und Kartoffeln, durch geringere Befteuerung zu encouragiren und überhaupt die Alkoholgewinnung unabhängig von der Art und Weife der Steuererhebung zu machen, indem man das Product ( Deftillat) allein befteuert. Wo die Steuer vom Gährraum erhoben wird, können manche Rohftoffe, fo z. B. die Zuckerrübe, nicht mit gleichem Vortheil wie Kartoffeln oder gewiffe Getreideforten verarbeitet werden, wenn auch alle anderen 9 Verhältniffe dafür günftig wären. Auf die zahllofen ausgeftellten Liqueure übergehend, fo können wir darunter neue Erfcheinungen verzeichnen, welche in Bezug auf Gefchmack und 96 Dr. Eduard Schmidt. Gegohrene Flüfsigkeiten. Bouquet Nichts zu wünſchen übrig laffen. Wir meinen damit die Crêmes und Liqueure, welche in Brafilien, Griechenland und Monaco aus den feinften aromatifchen und lieblich fchmeckenden Pflanzenftoffen und Fruchtfäften bereitet werden, und den Gaumen der Feinfchmecker eine angenehme und billigere Abwechslung mit den bis jetzt allein dominirenden franzöfifchen und holländifchen Liqueuren bieten werden. In Bezug auf die Liqueure und Schnäpfe anderer Länder konnten wir bei mehreren einen Fortfchritt infofern wahrnehmen, als möglichft reiner Spiritus und beffere Materialien in Verwendung kommen und das richtige Verſtändnifs platzgreift, dafs man nur aus Deftillaten feine Liqueure erzeugen kann. Leider haben wir auch viele Verirrungen zu notiren und wünſchen im Intereffe der Confumenten, dafs fie in der Folge für immer damit verfchont werden. Effige zur Bereitung von Speifen, tadellos wie die franzöfifchen und italienifchen, haben wir nur eine befchränkte Anzahl vorgefunden. Unzweifelhafte Fortfchritte hat Oefterreich in der Bereitung von Speife- Effigen aus Wein gemacht, und können manche auf der Ausstellung mit den beften Erzeugniffen von Orleans in Parallele geftellt werden. Die weitaus gröfste Anzahl von Effigen war aus Branntwein oder Spiritus für induftrielle Zwecke erzeugt, und fanden wir darunter mehr qualitätmässige und billigere Producte, als wir bisher auf den Ausstellungen kennen gelernt haben. Als intereffant müffen wir noch eines Rübeneffigs gedenken, der einen ganz angenehmen Gefchmack und Geruch, daher einen Fortfchritt in diefer Fabrication bekundete. Zum Schluffe müffen wir unferen Bericht dahin refumiren, dafs wir auf der diefsjährigen Weltausftellung eine noch nie geahnte Quantität von gegohrenen Flüffigkeiten vorgefunden und darunter namentlich in der Spiritusfabrication bedeutende Verbefferungen und nachahmungswürdige Neuerungen conftatiren, welche wir den Landwirthen und nicht minder den Regierungen zum weiteren Studium empfehlen. Statiftik der Bierbrauereien für die Erzeugungsperiode 1871 bis 1872 das ift vom 1. September 1871 bis letzten Auguft 1872. Zahl der im Betriebe geftandenen Bierbrauereien, in welchen Gefammtzahl nach dem Steuerfatze per Eimer und Saccharometergrad)| An Verzehrungsfteuer wurde vorgefchrieben I. bei der Erzeugung b) in den gefchloffenen Städten für niederöfterreichifche Eimer Gulden c) über die Zollgrenze niederöfterreichifche Eimer II. bei der Einfuhr d) in die gefchloffenen Städte e) über Abzug der bei der Ausfuhr aus gefchloffenen Städten rückvergüteten Steuer im Ganzen für niederöfterreichiAusfuhr über die Zolllinie gegen Steuer- Rückvergütung Entfallender DifferentialSteuer 5) für niederöfterreichifche Eimer für niederfche Eimer Gulden per Eimer öfterreichifche Eimer Gulden à 42 ( Rubrik a, b, c, d, nach Abzug Mafs Gulden niederöfterreichiReftitutionsBetrag fche Eimer von e) Gulden Poftnummer 4,587.153 1,479.818 443.997 7,537.825 V10 kr. " 670.250 75.840 1,497.403 87.408 305 2.961 I fl. 8/10 kr. 1,280.477 1,290.721 88/10 kr. 102.825 90.692 " د" 408.504 457-492 93 1.762 5,914.610 1,385.528 389.625 7,817.578 7,284.585 1,567.226 443.997 7,995.317 38.632 43.537 359 400 59 7 I 56.044 56.830 1,946.824 " 43.960 46.826 5 453.122 506.884 16 دو 726.698 812.5456) " 134.575 193.439 935 9) 44/10 kr. 8.336 3.700 83.616 د, 43 1,848.439 453.138 853.872 72.816 1,993.650 506.884 1,002.284 3.961 511 4.721 572 83.616 6.511 6.937 910* 061 246.060 " 2 337.320 5 943.293 1,247.381 221.369 " 5 110.709 " 6.970 8.586 I 185.764 88.441 221.369 20 25 ΙΟ 119.295 6.147 46 " 2.826 " 1,586.159 2,628.474 688 6.805 1,401.761 184.398 2,339.105 289.369 6.371 494 1,280.477 1,209.959 70.518 1,290.721 1,219.638 71.083 III.161 124.000 94.392 264.017 20,219.947 14.670 296.243 22,776.517 118.923 2.690 8.606 148.705 3.508 I I 123456789022 I 233.857 10) 273.912 12.839 106.348 17,777.821 11.956 2,442 126 20,119.973 2,656.544 232.815 268.559 1.042 5.353 GefammtPoftnummer zahl der Brauereien in der Betriebsperiode erzeugt wurde der volle Gufs betrug die ganzjährige Steuer betragen hat OberzeugUnterzeugUnterzeugOber- und 25 25 50 75 IOO 150 200 IOO 500 IOOO 2000 3000 4000 5000 7000 unter über unter über bis bis 25 300 IOO 100000 50 75 IOO 150 200 300 500 1000 2000 3000 4000 5000 7000 IOOOO der in der Erzeugungsperiode 1871/1872 im Betriebe geftandenen Bierbrauereien IO II 1234567890123 I 1870/1871 A. Im Reichsrathe vertretene Königreiche und Länder. Niederösterreich Oberöfterreich Salzburg Böhmen. Bier niederöfterreichifche Eimer G u 1 d e n 115 109 265 277 34 32 46 II 60 153 42 67 67 3 52 9 522 321 I 5 6 I 1 959 251 51 899 52 99 37° 198 229 51 7 IO I 248 31 IOO 58 44 Mähren Schlefien Galizien Bukowina Steiermark Kärnten. 46 16 I 66% 62 3 27 21 7 6 4 2 255 125 17 55 77 43 5 35 63 104 58 14 2 81 76 24 43 150 7 69 4) 61 114 20 52 4 2 I II 9 I I 7 I 21 4242H 5 I 4 30 29 I 41 I I 7 80260680 15 16 15 6 II 6 1) 27 48 34 27 22 25 21 BC 31 I12 10 kr. 2) IO 13 5 II 6 7 69 147 93 88 68 IOI 186 153 16 29 34 27 18 26 23 9 7 7 5 29 49 50 36 16 II 17 45 6 17 نةة 35 269 " 9 67 " a) auf dem flachen Lande nach dem Steuerfatze per Eimer und Saccharometergrad 5) 4,066.403 1,306.727 389.532 für niederöfterreichifche Eimer Gulden 956 د" 7,407.312 64 249 1,804.474 " ΙΟ 65 "" 16 245 " I I 3 3 . 3 I 3 I5 " 72.773 I I 4 II II 22 39 25 21 15 I I I 8 53 IO 32 +3 4 4 11 3) 13 76 697.228 " 3 4 2 137 " 3 ΙΟ " Krain. I I I 3 د, Küftenland( ohne Trieft und Umgebung) 3 3 3 2 138 132 I 115 13 31 25 33 19 7 4 II I 133 5 Tirol und Vorarlberg Summe. 2.390 143 2.022 173 574 934 395 318 89 IO 8 Im Vergleiche mit den Ergebniffen der Erzeugungsperiode 1870/1871 per 164 2.000 226 603 984 372 321 88 8 9 95 44 248 198 378 278 207 152 211 282 339 2.337 64 226 271 424 279 206 152 225 271 272 2.390 21 ergibt fich in der Erzeugungsperiode 1871/1872{ weniger mehr • 21 53 53 29 50 23 I 2 4 . 50 3 I 20 . 3.09 I II 07 " 296.243 17,457.007 15,283.730 2,173.877 10,951.714 16,667.578 2,284.136 185.759 81.470 2.780) 263.329 14.670 28 23 23 46 I 14 • 53 B. Ungarn und feine Nebenländer. 14 Ungarn mit Siebenbürgen • 15 Croatien und Slavonien Summe. Im Vergleiche mit den Ergebniffen der Erzeugungsperiode 1870/1871 per. { mehr ergibt fich in der Erzeugungsperiode 1871/1872 weniger 13 252 10 kr. 23 871.036 47.290 13 275 918.326 1,025.149 54.439 1,079.588 10 kr. 265.270 312.509 265.270 312.509 12 277 625.590 716.108 637.340 789.595 I 292.736 363.480 2 372.070 477.086 32 6 9 T 38 62 . . 3 2 I 38 65 45 4 24 58 57 0555 40 29 29 8 5 4 2 ΣΗ 14 2 34 33 IO 50 21 18 88 15 I 14 2 16 57 I 13 I5 I 14 7 .2 12 2 16 00 . 2 I 3 256 58 161 33 121 II2 6 3 4 2 21 20 3 15 8 277 58 191 36 136 120 60 175 42 142 II3 II 4F 3 2 6 4 I 4 st 9 • 7 I 3 2 6 6 2 4 1,136.306 47.290 1,183.596 1,262.930 1,337.658 54.439 1,392.097 1,505.703 23.689 23.689 33.556 28.591 14 15 45 28.591 79.334 113.606 9.867 39.787 11.196 2 2 3 IT 2 20 ° I I 5 4 5 555 538 . T T I I 8 45.672 51.523 45.672 51.523 I 2 I 16 32.918 37 557 32.918 37-557 2 2 I I 24 78.580 89.080 78.590 89.080 I 4 - 27 67.311 66.486 67.311 66.486 2 3 I 11.279 22.594 II.279 22.594 . I 3 3 2 3 84 265 294 420 316 219 167 229 289 353 2.636 18,454.523 20,120.382 91 289 332 479 305 228 165 240 280 285 2.694 15,975.631 17,450.172 1,851.429 2,039.101 2,940.983 3,128.700 6.805 6.371 2 68 2,477.892 2,670.210 494 1,280.477 1,209.959 70.518 1,290.721 1,219.638 71.083 III.161 124.000 94.392 106.348 21,482.133 24,257.694 257.546 19, 108.062 2,374.071 21,692.162 2,565.532 266.371 302.503 308.346 II 9 7 24 38 I I 59 9 58 187.672 187.717 12.839 11.956 8.825 5.843 C. Militärgrenze. 16 Serbifch- banater Gebiet 17 Croatifch- flavonifches Gebiet Summe 9 18 27 16 00 C 8 Im Vergleiche mit den Ergebniffen der Erzeugungsperiode 1870/1871 per mehr 725 24 6 9 6 4268 3368 16 I . . I I I 3 2 I 5 . 8 . I5 ergibt fich in der Erzeugungsperiode 1871/1872 weniger 2 9 9 2 2 5 Hauptfumme. 2.694 201 2.226 209 726 1.060 405 321 Im Vergleiche mit den Ergebniffen der Erzeugungsperiode 1870/1871 per. ergibt fich in der Erzeugungsperiode 1871/1872 weniger 233 2.184 277 753 I.105 386 325 § mehr 42 19 28+ 94 IO IO 90 I2 18 4 655 32 68 27 45 4 2 8 1) Darunter 11 von 10.000 bis 50.000 fl., 7 von 50.000 bis 100.000 fl., 3 von 100.000 bis 200.000 fl., 5 von 200.000 bis 300.000 fl., 3 von 300.000 bis 500.000 fl. und 2 von 500.000 bis 1,000.000 fl. 2) Darunter 4 von 10.000 bis 12.000 fl., 15 von 12.000 bis 16.000 fl. und 16 von 16.000 bis 150.000 fl. 3) Darunter 8 von 10.000 bis 20.000 fl., I zwifchen 20.000 und 40.000 fl., I zwifchen 40.000 und 80.000 fl. und 3 über 100.000 fl. 4) Darunter 22 Steinbier- Erzeuger. 5) Einfchliefslich des aufserordentlichen Zufchlages. Gefetz vom 25. April 1869. 7) Darunter 10.955 fl. für die Bierausfchank in Iftrien und den dazu gehörigen quarnerifchen Infeln. 6) Nebft dem Steuerfatze ift noch ein Zufchlagsbetrag zu berechnen und einzuheben für Wien 1 fl. kr. von jedem erzeugten niederöfterreichiſchen Eimer zu 422 Wiener Mafs; dagegen für Prag, Brünn, Linz, Graz, Laibach, Lemberg und Krakau von jedem Saccharometergrade 410 Neukreuzer einfchliesslich des aufserordentlichen Zufchlages. Gefetz vom 25. April 1869. 8) Aufser Betrieb waren in Niederösterreich 13, in Oberösterreich 26, in Salzburg 1, in Böhmen 78, in Mähren 34, in Schlefien 16, in Galizien 14, in der Bukowina 5, in Steiermark 11, in Kärnten 28, in Krain 6, in Tirol und Vorarlberg ro, in Ungarn und Siebenbürgen 105, in Croatien fammt Slavonien 7, zufammen 354 Brauereien. Der Ertrag fcheint bei den Pachtungen einbezogen. 9) Die diefsfälligen Mengen und Beträge werden mit Ausnahme von Wien nicht befonders nachgewiefen. 10) An Steuer- Reftitution für das über die Zolllinie ausgeführte Bier wurde im Jahre 1872 in den im Reichsrathe vertretenen Königreichen und Ländern 296.104 fl. und in Ungarn mit Siebenbürgen 14.867 fl. gezahlt. Eingegangen find in Niederösterreich 3, in Böhmen 2 und in Schle fien 4. 16 17