OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3 UNTER REDACTION VON DR. CARL TH. RICHTER K. K. O. Ö. PROFESSOR IN PRAG. MATHEMATISCHE UND PHYSIKALISCHE INSTRUMENTE. ( Gruppe XIV, Section 1 und 2.) BERICHT VON BUCHERE MUSEUM FERDINAND LIPPICH, DR. W. TINTER, DITSCHEINER, DR. A. v. WALTENHOFEN, W. SCHÖNBERGER. Technologisches Gewerbe- Rxseam WIEN WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF. UND STAATSDRUCKEREI, 1874. LEKDIA 2 TH BEBICH LE 70221Err/ C2- BEKICH.L LEICIE VII Ban 7 WISSENSCHAFTLICHE INSTRUMENTE. ( Gruppe XIV.) MATHEMATISCHE UND ALLGEMEINE PHYSIKALISCHE INSTRUMENTE. ( Gruppe XIV, Section 1 und 2.) Bericht von FERDINAND LIPPICH, Profeffor an der Univerfität zu Prag. Der Bericht über Gruppe XIV, Section 1, 2, konnte mit Rückficht auf eine Vielfeitigkeit nur durch das vereinte Zufammenwirken mehrerer Berichterftatter die nöthige Vollständigkeit erhalten. Eine ftrenge Scheidung aber der zu befprechenden Objecte in gröfsere, für fich abgefchloffene Gruppen war nicht immer durchführbar, da bei der Einreihung der Inftrumente nicht nur ihr Zweck, fondern auch die zur Erreichung desfelben angewandten Mittel, ja oft die hiftorifche Entwicklung der Apparate in Frage kommt. Es werden daher Wiederholungen nicht zu vermeiden fein und die Titel nur der Hauptfache nach dem Inhalte der Berichte entſprechen können. Trotz der Arbeitstheilung waren für die Berichterstatter noch genug der Schwierigkeiten zu überwinden. Eine wirkliche Prüfung der Inftrumente konnte in den wenigften Fällen vorgenommen werden. Speciellere Daten waren von den Vertretern der Gruppen und von den Ausftellern oft gar nicht oder nur fehr dürftig zu erhalten. Die Juryverhandlungen, die wohl ein fehr reiches Materiale an allen möglichen Aufklärungen hätten bieten können, da die Ausfteller diefen Verhandlungen natürlich ein ganz befonderes Intereffe entgegenbringen, waren leider diefsmal den Berichterftattern unzugänglich. Daher war, es namentlich fchwierig ein Urtheil über den relativen Werth mancher Objecte zu erlangen, da hiezu eine fo genaue Bekanntfchaft mit den fpeciellen Eigenthümlichkeiten und Verhältniffen, unter denen der Ausfteller arbeitet, nöthig gewefen wäre, wie fie nur Angehörigen des betreffenden Landes zu Gebote ftehen können. Die geographifche Eintheilung, die der Weltausftellung in Wien zu Grunde gelegt war, hat unftreitig eine fehr vollſtändige Charakteriſtik der Länder und Staaten ermöglicht und fo eine der Hauptaufgaben der Ausftellung gelöft. Jeder aber, der vergleichende Specialftudien zu machen hatte, wird den grofsartigen Eindrücken, die er diefer Eintheilung verdankte, manche Opfer an Mühe und I* 2 Ferdinand Lippich. Zeit gebracht haben. Für einen Bericht, der es mit Objecten zu thun hat, die oft weder der Zahl noch der Aufftellung nach befonders hervortraten, mufsten die Schwierigkeiten um fo empfindlicher fein, als ihm gerade die Beftimmung zufällt, nach Materien wieder zu ordnen und zu überfchauen, was nach Ländern getrennt fich vorfand. Dazu kam noch, dafs manche Specialkataloge unvollständig, ja unrichtig waren und die Anordnung der Inftrumente dem Bedürfniffe der leichten Ueberfichtlichkeit nicht entfprach. So war in einem Theile der Gruppe XIV von Italien eine fo geniale Unordnung eingetreten, dafs ein Nichtbemerken vielleicht fehr trefflicher Ideen um fo leichter möglich wurde, als fie uns von den Mechanikern diefes Landes meift in einer mehr als anfpruchslofen äufseren Hülle vor Augen geführt wurden. Was die wiffenfchaftlichen Inftrumente anbelangt, fo find fie in mancher Hinficht befonders geeignet, einen Mafsftab für die geiftige Cultur eines Landes, namentlich in ihrer idealeren Richtung, zu bieten. Diefs trat auch fehr deutlich auf der Ausftellung zu Tage. Leider aber war gerade in diefer Gruppe wie vielleicht in keiner anderen, die Betheiligung mancher Länder weniger entſprechend den thatfächlichen Verhältniffen in denfelben. Wie viel mehr hätte nicht England, Belgien, Amerika und felbft Frankreich trotz feiner anerkennenswerthen Betheiligung auf diefem Gebiete vor Augen führen können! Allerdings hat der Transport und die Aufftellung wiffenfchaftlicher Apparate feine befonderen Schwierigkeiten. Auch dürfte die Meinung oft genug fich geltend machen, dafs eine Ausftellung nicht der geeignete Ort fei, um eine vollſtändige Würdigung folcher Erzeugniffe, die überdiefs dem fpeciellen Fachmanne meift fchon bekannt find, zu ermöglichen. Jedoch, fo triftig diefe Gründe für den Einzelnen fein mögen, für die Repräfentation und die Charakteriſtik des Landes war es keineswegs gleichgiltig, wenn es diefen Zweig feiner Thätigkeit unverhältnifsmäfsig wenig illuftrirte. Der folgende Bericht, der fich an die ausgeftellten Objecte allein hält, mag daher weniger als andere im Stande fein, ein treues Bild der thatfächlichen Betheiligung zu geben, welche die einzelnen Länder an dem Fortfchritte in jenem Gebiete nehmen, das er zu befprechen hat. Indem er aber möglichfte Vollständig. keit und Ueberfichtlichkeit anftrebt, dürfte der bemerkte Mangel minder fühlbar werden und dazu fchien es nothwendig, auch von bereits bekannten Inftrumenten mehr als den blofsen Namen hineinzufetzen, namentlich dort, wo es von Bedeutung war, den Zufammenhang zwifchen dem Neuen und dem Alten hervortreten zu laffen. In einigen Fällen wären Figuren zur Erleichterung des Verſtändniffes nicht unzweckmäfsig gewefen. Es dürfte aber nicht minder fchnell zum Ziele führen, wenn man fich nach der gegebenen Befchreibung, die nach Möglichkeit diefem Zwecke entsprechend gehalten ift, felbft eine Figur entwirft. Wir gehen nunmehr zur Detail befprechung über. Rechenmafchinen. Es ift nicht fehr lange her, feit die Rechenmafchinen fich einer fehr ausgebreiteten Anwendung erfreuen. Von den verfchiedenen in Anwendung gebrachten Syftemen( Maurel& Jayet, Staffel etc.) hat das von Thomas aus Colmar den Vorrang behauptet. Es hat fich nicht nur für eine dauerhafte Ausführung und bequeme Handhabung, fondern auch bezüglich mancher Verbefferungen und Erweiterungen in der Anwendnng als fehr geeignet bewährt. Hoart in Paris, rechtlicher Erzeuger diefer berühmt gewordenen Mafchinen von Thomas Duc de Bojano, hatte eine gröfsere Zahl derfelben ausgeftellt, die noch für Producte von 10 bis 20 Ziffern ausreichen. Neu war an der gröfseren Mafchine eine Vorrichtung zum Verfchieben des Ziffernlineals. Man erreicht diefs durch einfaches Rückwärtsdrehen der Kurbel. Doch kann diefes Verfchieben auch in der gewöhnlichen Weife mit der Hand gefchehen. Die mecha Mathematifche und allgemeine phyfikalifche Inftrumente. 3 nifche Ausführung diefer Arithmometer ift eine vortreffliche und die Bewegung, trotz des complicirten Mechanismus, leicht und gleichförmig zu bewirken. Augenfcheinlich nach demfelben Syfteme gebaut find die Rechenmafchinen von Julius Maffeur und Rudolf Dobefch in Wien; die gröfste derfelben reichte bis zu einem Producte von 22 Ziffern. Die Manipulation ift diefelbe wie bei den älteren franzöfifchen Arithmometern. An Dauerhaftigkeit und Präcifion der Ausführung dürften diefe Erzeugniffe den franzöfifchen nicht nachftehen, doch find die Preife der letzteren weit niedriger. Denken wir uns die obere Platte einer Thomas'fchen Mafchine, welche die Ziffernlücken und die Spalten mit den Schiebern zum Einftellen der Zahl, mit welcher eine Operation auszuführen ift, enthält, ftatt eben, durch die Oberfläche eines Cylinders gebildet, fo erhalten wir eine beiläufige Vorftellung der von Peterfon in Chriftiania conftruirten Rechenmafchinen. Der Cylinder felbft ift fchief geftellt, an feiner oberen, zur Achfe fenkrechten Endfläche ift die Kurbel um die Achfe des Cylinders drehbar angebracht. Die Manipulation ift ganz ähnlich der bei den Thomas'fchen Mafchinen, Wegen der centralen Stellung der Kurbel wird die Bewegungsübertragung weit einfacher und die Maſchine ift äufserft compendiös. Da jedoch die Ziffernlücken faft um den ganzen Umfang am oberen Rande des Cylindermantels herumreichen, fo mufs während des Ablefens des Refultates der Cylinder vom Rechner gewendet werden, was unbequem ift und leicht zu Irrungen Veranlaffung geben kann. Aufserdem läfst fich bei der getroffenen Anordnung das Refultat nicht auf einmal überblicken. Ferdinand Biringer und Hebetanz in Ofen haben Additionsmafchinen ausgeftellt. Die ältere Form derfelben fcheint nicht wefentlich verfchieden zu fein von der Mafchine, welche Schilt an der Londoner Weltausftellung im Jahre 1851 eine ehrenvolle Erwähnung einbrachte. Die neuere, jedenfalls viel zweckmäfsigere Einrichtung ift mit einem Uhrwerk verfehen, das den Mechanismus in Gang bringt. Diefes Uhrwerk wird durch Niederdrücken einer von den neun Taften der Claviatur ausgelöft und beforgt das Einftellen des Refultates in den zugehörigen Lücken. Diefes Einftellen gefchieht in äufserft kurzer Zeit, fo dafs das Abtaftiren einer zu addirenden Zifferncolonne faft mit der Gefchwindigkeit eines geübten Klavierfpielers möglich wird. Da die rafche und fichere Handhabung der Mafchine ebenfo eine Sache der Einübung ift wie das gewöhnliche Addiren, fo wird nur die Erfahrung darüber entfcheiden können, ob die Mafchine eine wefentliche Erleichterung und gröfsere Sicherheit zu gewähren im Stande ift. Auch von Petersfon war gleichzeitig mit der früher erwähnten Rechenmafchine eine Additionsmafchine ausgeftellt, bei welcher wie in der älteren Form der Biringer'fchen, der Mechanismus ohne Uhrwerk, blos durch das Niederdrücken der Tafte einer Claviatur, die nöthige Bewegung erhält. Indem wir noch die Rechenfchieber erwähnen, die namentlich in Frankreich gut vertreten waren, machen wir aufmerkfam auf die Einrichtung, welche Audeude in Paris erfonnen hat. Nebft der Ausführung der gewöhnlichen Rechnungsoperationen geftattet fein Rechnungslineal auch die Auflöfung einfacher Intereffenrechnungen. Planimeter. Nicht nur in der Geodäfie, auch in der Mechanik und in anderen Wiffenfchaften, die von graphifchen Darftellungen Gebrauch machen, handelt es fich fehr oft um die Ermittlung des Flächeninhaltes einer ebenen Figur. Das Planimeter hat daher aufgehört, ein fpeciell geodätifches Inftrument zu fein. Durch die Einfachheit feiner Conftruction und Handhabung, wie auch durch feine relative Billigkeit, hat das Amsler'fche Planimeter( Polarplanimeter) fich immer gröfsere Verbreitung und Beliebtheit errungen und diefs umfomehr, als es fein Erfinder trefflich verftanden hat, eine Genauigkeit zu erzielen, die in den meiften Anwendungen vollkommen ausreicht und jener wenig nachfteht, die mit einem forgfältig conftruirten Parallel coordinaten- Planimeter 4 Ferdinand Lippich. erreicht werden kann. Zum Beweife deffen führen wir an, dafs das Amsler'fche Planimeter in Preufsen und Italien officiell beim Katafter eingeführt wurde. Neuhöfer, Starke und Kammerer in Wien, Gebrüder Haff in Pfronten( Baiern), Allemano in Turin hatten Polarplanimeter ausgeftellt. Vor Allen aber mufs genannt werden die Firma des Erfinders AmslerLaffon in Schaffhaufen. Es waren fünf verfchieden conftruirte Planimeter, fowohl für mehrere wie auch nur für eine Mafseinheit eingerichtet, aus Meffing oder Neufilber verfertigt, ausgeftellt. Die Sammlung diefer mit bekannter vorzüglicher Präcifion gearbeiteten und rectificirten Inftrumente mufsten mit Recht die Aufmerkfamkeit der Techniker in hohem Grade erregen. Wir heben hervor ein Planimeter, das mit einer Vorrichtung verfehen war, die eine befonders bequeme Anwendung bei Berechnung der Indicator- Diagrammfläche geftattet, um aus diefer den mittleren Dampfdruck einer Dampfmaschine zu beftimmen. Weil die vom Fahrftift umfahrene Fläche dividirt durch die Entfernung diefes Stiftes vom Gelenkspunkte der beiden Planimeterarme proportional ift der Winkeldrehung des Laufrädchens, fo ift bei diefem Planimeter die Einrichtung getroffen, dafs die genannte Entfernung gleich gemacht werden kann der Länge des Diagrammes. Hiedurch wird die Winkeldrehung des Rädchens proportional der mittleren Höhe des Diagrammes und der Proportionalfactor ift für ein gegebenes Inftrument conftant. Ferner foll erwähnt werden die fehr finnreiche Conftruction eines Planimeters, das gleichzeitig zur Flächenbeftimmung fehr grofser und fehr kleiner Figuren dienen kann. Zu letzterem Zwecke ift an dem Inftrumente ein zweiter Fahrftift angebracht, der wie bei einem Pantograph mit den beiden Armen des Planimeters in Verbindung fteht. Befchreibt diefer Stift S den Umfang der vorgelegten Figur, fo befchreibt der andere Fahrftift S, eine vergröfsérte, der erfteren fehr nahe ähnliche Figur. Der Stift S₁ wird nun mit der Hand gefafst und fo bewegt, dafs S den Umfang der Fläche durchläuft Da eine Coïncidenz mit dem Auge viel genauer beurtheilt werden kann als fie die Hand herzuftellen vermag, fo werden bei diefem Vorgange die Fehler kleiner ausfallen, als wenn man die Fläche direct mit dem Stifte S umfahren würde. Herr Amsler verfertigt in neuefter Zeit Planimeter, bei denen das Laufrädchen nur eine rollende Bewegung ausführt und keine gleitende in der Richtung feiner Drehungsachfe. Von diefen, natürlich etwas complicirten Inftrumenten, konnte jedoch keines bis zum Beginne der Weltausftellung vollendet werden und fie fehlten daher in der Sammlung des Herrn Amsler. Die Parallel coordinaten- Planimeter waren nur durch zwei Exemplare nach dem Syfteme Wetli( Gonella) vertreten. Das eine aus der Handels- und Induftrie anft alt in Liffabon hatte keine wefentlichen Abweichungen von der gebräuchlichen Bauart aufzuweifen; das zweite aus der Werkstätte von Starke und Kammerer zeichnete fich, wie alle diefer Firma zugehörigen Inftrumente durch fchöne und äufserft präcife Ausführung aus. Es zeigte überdiefs eine wefentliche Abänderung, indem die verticale Zählfcheibe weggelaffen war und das Laufrädchen mit der Amsler'fchen Zählvorrichtung verbunden wurde. Hiedurch entfällt die lange, fchwierig auszuführende Zeigerachfe, die Bauart des Inftrumentes wird nicht nur einfacher und von compendiöferer Form, fondern es wird auch der vom Laufrädchen zu überwindende Widerftand kleiner und gleichförmiger als bei der bisherigen Einrichtung. Wird eine Fläche durch parallele Sehnen in lauter gleich breite, fchmale Flächenftreifen getheilt, fo kann man aus der Breite der Streifen und der Gefammtlänge der Sehnen fehr leicht den Flächeninhalt berechnen. Hierauf gründet fich das von Julian Majewfky in Warfchau conftruirte, etwas voluminöfe Planimeter. Durch ein Triebwerk wird ein Lineal fenkrecht gegen feine Länge immer um gleiche Stücke, etwa I Millimeter verfchoben. Ein zweites Triebwerk verfchiebt einen Stift längs des Lineals und ein mit der Kurbel des Triebwerkes verbundenes Zählwerk gibt die Länge des durchlaufenen Weges an. 1. Mathematifche und allgemeine phyfikalifche Inftrumente. 5 Wir haben hier von den Planimetern nur infoferne gefprochen, als diefelben in einem Berichte über mathematifche Inftrumente nicht fehlen dürfen. Da diefelben in dem Berichte über die geodætifchen Inftrumente ebenfalls einer noch eingehenderen Betrachtung unterzogen werden, fo wollen wir uns bezüglich der Planimeter von Adler, Horfky und Pofener, die vom k. k. öfterreichifchen Finanzminifterium ausgeftellt waren, damit begnügen, fie namhaft gemacht zu haben. Es fcheint aber gerechtfertigt, hier noch auf zwei Inftrumente näher einzugehen, weil ihre Conftruction auf dem Principe des Planimeters beruht. Das eine diefer Inftrumente ift der Integrator von Amsler. Schon im Jahre 1856 hat Amsler die Theorie und Befchreibung diefes intereffanten und wichtigen Inftrumentes gleichzeitig mit der feines Planimeters veröffentlicht. In feiner Ausftellung war ein Exemplar desfelben von neuer und etwas veränderter Bauart zu fehen. Diefes Inftrument gibt durch blofses Umfahren der Figur ihren Flächeninhalt, ihr ftatifches und Trägheitsmoment bezüglich einer beliebig in der Ebene gewählten Achfe. Ein Stahllineal ift mit einer Rinne verfehen, in welcher die Laufrollen eines Rahmens fich bewegen und hiedurch den Rahmen zwingen, eine zur Rinne parallele Bewegung auszuführen. Mit dieſen Rahmen in Verbindung und um eine verticale Achfe drehbar ift ein Rad angebracht, welches an einem längeren Arm den Fahrftift trägt. Diefes Rad ift an zwei gegenüberliegenden Stellen gezahnt längs zweier Bogenftücke, die weniger als 180 Grad umfaffen; die beiden Bogenftücke haben aber verfchiedenen Radius. In die Verzahnungen greifen zwei weitere Rädchen ein, die mit dem Rahmen verbunden, um verticale Achfen drehbar, fich diametral gegenüberftehen. Alle drei der genannten Räder haben Laufrollen mit Zählwerk. Der Gebrauch des Inftrumentes ift folgender: Man ftellt die Rinne im Lineal parallel der gewählten Achfe der Figur in einem beftimmten Abftande. Hiezu dienen zwei am Lineale angebrachte Arme, die am Ende mit Marken verfehen, durch Anfchlag fenkrecht zur Rinne geftellt werden können; die Achfe hat durch die beiden Marken der Arme zu gehen. Ift diefes erreicht, fo werden die Arme ohne das Lineal zu verrücken, zurückgefchlagen und der Fahrftift auf einen bezeichneten Punkt im Umfange der Figur geftellt. Nun notirt man die Stellung der Laufrollen; es fei w₁ die Stellung der Rolle am mittleren gröfseren Rade( oder an dem Arme, der den Fahrftift trägt), w, die Stellung der Rolle am Zahnrade, welches näher, und wa die der Rolle am Zahnrade, welches weiter von der Achfe des mittleren Rades abfteht. Man umfährt dann die gegebene Figur rechts herum, bis man auf den Ausgangpunkt zurückkommt und lieft die neuen Stellungen der Laufrollen ab, fie feien jetzt w'1, W'2, w'3. Sodann ift: W1 ( w1- w₁) der Flächeninhalt, o.6( w'2- w₁) das ftatifche Moment, ( w1- W1) 04( w's- w3) das Trägheitsmoment der Figur, als Längeneinheit I Decimeter vorausgesetzt. Das Inftrument gibt, wie man fieht dem Ingenieur gerade jene Daten, die er braucht, um die Tragfähigkeit eines Balkens zu beftimmen; es macht eine meift mühfame Rechnung oder, wenn man nach Cullmann verfahren will, eine nicht fehr fchnell beendigte Conftruction überflüffig. Einer nicht minder wichtigen Anwendung iſt das Inftrument fähig, wenn es fich darum handelt, Maffenbewegungen bei Anlage des Unterbaues einer Bahn zu berechnen. Rechnet man nämlich das Volumen des Auftrages eines Dammkörpers von beftimmter Länge in der gewöhnlichen Weife, fo kommt man zu einem Ausdruck, der fich aus zwei Factoren zufammenfetzen läfst. Der eine ift abhängig von der Böfchung des Dammes und der Neigung der Bahnftrecke, der andere ift das doppelte ftatifche Moment einer Fläche, welche begrenzt ift von * Ueber die mechanifche Beftimmung des Flächeninhaltes, der ftatifchen Momente und der Trägheitsmomente ebener Figuren, insbefondere über ein neues Planimeter. Schaffhaufen, Beck& Sohn. 6 Ferdinand Lippich. der Bahnlinie einerfeits und von der natürlichen Terrainlinie anderfeits( die Durchschnitte der Dammkrone und des natürlichen Terrains mit einer Verticalebene); und zwar ift diefes ftatifche Moment zu nehmen bezüglich jener Linie als Achfe, in welcher fich die verlängerten Seitenflächen des Dammes fchneiden. Diefes liefert aber das Inftrument fehr fchnell. Ueberhaupt, da die ftatifchen und Trägheitsmomente eine fo wichtige Rolle in der angewandten Mechanik fpielen, ihre Berechnung oder Conftruction aber ziemlich zeitraubend ift, fo fpringt die grofse Wichtigkeit eines Mefsinftrumentes in die Augen, das diefe Gröfsen fchnell und mit der gewünſchten Genauigkeit zu liefern vermag. Der Wafferftand- Zeiger, ausgeführt von Dennert& Pape in Altona nach Angabe des Ingenieurs Reitz, beftimmt den mittleren Wafferftand innerhalb einer gegebenen Zeit. Ein Schwimmer ift æquilibrirt an einem verticalen Rade aufgehängt, deffen Drehung eine horizontale Stange mittelft Zahneingriff verfchiebt, proportional der Aenderung des Wafferftandes. An dem einen Ende diefer Stange befindet fich eine Laufrolle mit Amsler'fcher Zählvorrichtung. Die Drehachfe der Rolle fällt zufammen mit der Achfe der Zahnftange. Diefe Rolle ruht auf einer Glasfcheibe, die mittelft Uhrwerk um eine verticale Achfe gleichförmig umgedreht wird. Diefe Achfe und die Achfe der Rolle liegen in einer verticalen Ebene. Ift w die Stellung des Laufrädchens zu Anfang der Zeit t und w' die Stellung nach Ablauf derfelben, C eine für w' W jedes Inftrument individuelle Conftante, fo ift C. der mittlere Wafferftand innerhalb der Zeit t, gerechnet von dem Niveau aus, welches der Anfangs ftellung der Rolle entfpricht. - t Pantographen. Apparate zum Verkleinern oder Vergröfsern von Zeich nungen waren nur in wenigen Exemplaren vorhanden. Schablafs& Sohn in Wien, Kraft in Wien und Hardy in Paris hatten Pantographen gewöhnlicher Bauart ausgeftellt, lezterer einen für Zwecke, die eine bedeutendere Präcifion erfordern. Die Stäbe diefer Pantographen waren Lineale, die ihre breite Seite der Papierfläche zuwenden. Röhren oder vertical geftellte Lineale, wie fie fehr zweckmäfsig von Breithaupt in Kaffel, Ertl& John in Berlin in Anwendung kamen und auch von Gavard in Paris bei feinen vorzüglichen Inftrumenten adoptirt wurden, waren nur in der Collection von Zeichnungen fichtbar, durch welche letztere Firma ihre verfchiedenen Erzeugniffe illuftrirte. Ein fehr fchön gearbeiteter Pantograph zum Graviren( nebft anderen Vorrichtungen zu demfelben Zwecke) war in der Mafchinenhalle von Ferdinand Lotz in Offenbach( Heffen) ausgeftellt. Nicht unerwähnt mag eine von Wirtenfohn in Wien erfonnene Vorrichtung bleiben, die in äufserft einfacher Weife die Aufgabe, von einer Zeichnung eine vergröfserte oder verkleinerte Copie zu entwerfen, löft. Auf der Zeichnungsebene fei im Punkte O eine elaftifche, möglichft gleichförmige Schnur befeftigt. An diefe ift ein Fahrftift F und an einer anderen Stelle z eine cylinderhutförmige Hülfe befeftigt, welche in ihrem Innern den Zeichenftift enthält und während des Zeichnens mit der Flanfche auf der Zeichnungsfläche gleitet. Ift z. B. die Länge des Schnurftückes OF gröfser als die Länge des Stückes Oz und man befchreibt, während die Schnur immer gefpannt bleibt, mit F irgend eine Figur, fo befchreibt z eine diefer ähnliche und ähnlich gelegene verkleinerte Copie diefer Figur, denn das Verhältnifs OF zu OZ bleibt bei jeder Dehnung der Schnur conftant. Die Vorrichtung kann auch zum Vergröfsern benützt werden, indem man OZ gröfser als OF macht und Z mit der Hand fo führt, dafs F die gegebene Figur befchreibt. Letzteres erfordert natürlich einige Uebung. Auf die angegebene Weife läfst fich ohne Koften ein Pantograph minderer Sorte erfetzen und dürfte auch in manchen Fällen die Genauigkeit des Apparates genügen. Mathematifche und allgemeine phyfikalifche Inftrumente. 7 Ellipfo graphen. Inftrumente, um beftimmte Curven mit Genauigkeit mechanifch verzeichnen zu können, find nicht blofs für den praktifchen Zeichner und Conftructeur von Wichtigkeit, fie find es auch für den Rechner, der fich mittelft folcher Inftrumente fchnell und ficher fehr angenäherte Wurzelwerthe gewiffer Gleichungen zu verfchaffen vermag, fobald es nur gelungen ift, die Wurzelwerthe aus den Durchfchnittspunkten einer Curve mit einer zweiten zu beftimmen. Insbefonders wünfchenswerth mufs es erfcheinen, die fämmtlichen Formen der Kegelfchnitte mit jener Genauigkeit befchreiben zu können, die bei der fpeciellften diefer Formen, dem Kreife, erreicht wird. Obgleich in der Ausftellung verfchiedene Apparate diefer Art vorhanden waren, fo waren doch die Conftructionsprincipe, die fie zur Befchreibung der Curven in Anwendung brachten, nur wenige. Jene Erzeugungsweife der Kegelfchnitte, welche denfelben ihren Namen gegeben hat, wurde fchon von E. Stubendorf* der Einrichtung eines Ellipfenzirkels zu Grunde gelegt. In etwas anderer und allgemeinerer Weife gefchieht diefs durch den Ellipfographen von Drzewiecki( Wolhynien, Kreis Kremenezk). Auf einem kleinen elliptifchen Fufse, der mit Stiften zum Einftechen in die Zeichnungsfläche und am Umfange mit vier Marken verfehen ift, deren Verbindungslinien aufeinander fenkrecht ftehen, erhebt fich vertical eine kurze cylindrifche Säule. An ihrem oberen Ende ift mit diefer durch ein Gelenk, deffen Drehachfe der Verbindungslinie zweier der am Fufse befindlichen Marken parallel liegt, ein zweiter cylindrifcher Stab A verbunden; die Achfe diefes Stabes repräfentirt die Achfe des Kegels oder Cylinders, als deren Durchfchnitt mit einer horizontalen Ebene die Kegelfchnittlinien dargeftellt werden follen. Senkrecht zu A kann eine Schiene S verfchoben und durch eine Schraube feftgeklemmt werden. Am Ende diefer Schiene ift eine Hülfe H in einer durch AS gehenden Ebene drehbar angebracht, die mittelft eines Bogens in beliebiger Neigung gegen S und alfo auch gegen A feftgeklemmt werden kann. Das Syftem SH kann um A gedreht werden und es befchreibt alsdann die Achfe der Hülfe eine Kegelfläche. In diefer Hülfe verfchiebt fich ein Stab E, der mittelft eines cardanifchen Gelenkes ein kurzes cylindrifches Stück trägt, das zur Aufnahme des Zeichenftiftes oder einer Reifs. feder dient. Er ift mit dem Fufse durch ein horizontales, mit Hülfen zur Aufnahme des Fufses und diefes Stückes verfehenes Gelenk fo verbunden, dafs die Achfe des Stückes fich dem Fufse beliebig nähern und fich von demfelben entfernen kann, dabei aber immer vertical und der Mittelpunkt des cardanifchen Gelenkes mit dem unteren Fixpunkt der Achfe A in einer Horizontalebene bleibt. Diefer Mittelpunkt befchreibt alfo einen Kegelfchnitt und die Spitze des Zeichenftiftes feine Verticalprojection auf die Zeichnungsfläche. Noch ift Vorforge getroffen, dafs der Stab E in feiner Hülfe blofs gleiten, fich aber in derfelben nicht drehen kann. Hiedurch wird bei gehöriger Stellung der Reifsfeder diefelbe fo geführt, dafs fie mit ihrer Schneide immer in der Tangente zur Kegelfchnittlinie bleibt, was natürlich für ein reines Ausziehen der Curven nothwendig ift und es wird diefer Umftand zugleich benützt, um das Inftrument mit einer einfachen Vorrich. tung zu verfehen, die in jedem Punkte der Curve die Normale anzugeben geftattet. Eine durch ihre Hauptachfen vorgefchriebene Ellipfe wird am ficherften als Cylinderfchnitt verzeichnet. Sie kann aber auch durch ihre conjugirten Achfen gegeben fein, nur erfordert dann die Einftellung des Apparates einige, übrigens einfache, vorhergehende Conftructionen. Ueberhaupt läfst die Genauigkeit der Einftellung Manches zu wünſchen übrig, jedoch könnte fie durch einige Abänderungen in der Bauart des Inftrumentes unfchwer auf den gewünſchten Grad gebracht werden. Für den Schulgebrauch, als blofses Demonftrationsmittel beftimmt, ift der einfache Apparat, den Wirtenfohn conftruirt hat. An einer verticalen * Polytechnifches Centralblatt, 1868, pag. 595. 8 Ferdinand Lippich. Säule ift mittelft Kugelgelenk eine Hülfe drehbar, in der fich ein Stab verfchiebt, an feinem Ende mit dem Zeichenftifte verfehen. Auf einer Zeichnungsfläche, die in beliebiger Entfernung und Neigung feftgeftellt werden kann, wird der Zeichenftift fo bewegt, dafs der Stab fortwährend die innere Kante eines vertical auf geftellten Kreisringes berührt. Es feien zwei zu einander rechtwinklige Gerade A und B gegeben; eine dritte Gerade werde fo bewegt, dafs einer ihrer Punkte a immer auf A, ein anderer ihrer Punkte b auf B bleibt. Alsdann befchreibt bekanntlich irgend ein dritter Punkt c diefer Geraden eine Ellipfe, für welche A und B die Richtungen der Hauptachfen, ca und cb die Längen der Halbachfen find. Auf diefem Conftructionsprincipe bafirt, der ellipfographifche Zirkel von Angelo Segufo in Venedig. Ein gewöhnlicher Zirkel ift mit einem Kreisbogen verfehen, der radial einen dritten, in feiner Länge veränderlichen Schenkel trägt. Die Schenkel des Zirkels können an dem Kreisbogen feftgeklemmt werden. Die in eine Gerade gebrachten Spitzen der drei Schenkeln entſprechen den Punkten a, b, c. Auf Metallplatten find rechtwinklig zu einander zwei Nuten angebracht. Diefe find entweder fcharfkantig, dann dienen diefe Kanten zur Aufnahme der Zirkelfpitzen a, b; oder fie haben einen rechteckigen Querfchnitt. Im letzteren Falle paffen in die Nuten zwei kleine Metallftücke, welche in ihrer Mitte mit kleinen konifchen Vertiefungen verfehen find zur Aufnahme der Zirkelfpitzen a und b. Diefe Metallftücke gleiten bei der Bewegung des Zirkels in ihren Nuten. Diefes Conftructionsprincip ift infoferne für einen Ellipfenzirkel fehr gut gewählt, als ein Einſtellen des Apparates auf die gegebenen Elemente der Ellipfe mit grofser Genauigkeit möglich ift. Die eben befchriebene mechanifche Verwirklichung der geometrifchen Conftruction läfst freilich viel zu wünfchen übrig. Uebrigens wäre der dreifchenklige Zirkel für fich allein ein ganz brauchbares Inftrument und eine erwünſchte Zugabe in Reifszeugen. Ganz ähnlich conftruirt war der Ellipfograph von Sanchez( Carmena, Toledo), nur war ftatt des eben erwähnten Zirkels ein Stangenzirkel verwendet und die Nuten waren in zwei zu einander fenkrechten Armen angebracht, welche von einem Fufse getragen wurden. Das Inftrument war durch feine künftlerifch durchgeführte Holzfchnitz- Arbeit intereffant. Auch der Ellipfograph von Kraft in Wien benützt diefelbe Erzeugungsweife der Ellipfe. Zwei rechtwinklig zu einander geftellte Arme A' und B' find mit vier Füfsen verfehen, die in Spitzen auslaufen und die Richtungen der Linien A und B markiren. Auf den beiden Armen ruht eine Kreisfcheibe, die zwei an A' befeftigte Schienen tangirt, welche parallel zu B und gleich weit davon abftehend angebracht find. Ein auf der Kreisfcheibe in beliebigen Entfernungen von ihrem Mittelpunkte feftzuftellender Bolzen geht durch einen Schlitz im Arme A'. Wird die Scheibe gedreht, fo befchreibt der Mittelpunkt des Bolzens die Linie A' und der Mittelpunkt der Kreisfcheibe die Linie B, da er immer in der Mitte zwifchen den beiden Schienen liegt. Die genannten Mittelpunkte repräfentiren alfo die Punkte a und b. Am unteren Ende des Bolzens ift noch ein Arm mit dem Zeichenftift befeftigt. Da jeder Punkt der mit a und b verbunden gedachten Ebene eine Ellipfe befchreibt, fo erhält man immer eine folche, welche Stellung man auch dem Arme geben mag. Wenn man die beiden mit A und B bezeichneten Geraden nicht rechtwinklig zu einander wählt, fo befchreibt der Punkt c noch immer eine Ellipfe. Die eine der beiden Geraden fteht dann mit der zur anderen conjugirten Achfe in einer fehr einfachen Beziehung. Es feien nämlich, wenn O den Mittelpunkt der Ellipfe bezeichnet, OM und ON zwei conjugirte Halbachfen und OM werde als die Gerade A genommen. Fällt man von N aus eine Senkrechte auf A und wählt auf diefer einen Punkt P fo, dafs NP OM wird, fo ift die Verbindungsgerade OP die Gerade B, und wenn man auf der beweglichen Geraden die Punkte a, b und c fo wählt, dafs cb= OM und ca gleich wird dem fenkrechten Abftande des Mathematifche und allgemeine phyfikalifche Inftrumente. 9 Punktes N von der Geraden A, fo befchreibt c die durch OM und ON gegebene Ellipfe, wenn a auf A oder OM und b auf B bleibt. Diefe Erweiterung der Conftruction verbunden mit einer wohldurchdachten Anordnung des Mechanismus liegt dem von Profeffor Z murko in Lemberg erfonnenen Ellipfographen zu Grunde. Diefer Ellipfograph geftattet beliebig kleine Ellipfen und folche mit beliebig kleinen Excentricitäten zu verzeichnen und zwar, was befonders hervorgehoben zu werden verdient, aus zwei conjugirten Achfen, die bei den meiften Aufgaben und Anwendungen als unmittelbar gegebene Conftructionselemente auftreten. Man hat nur nöthig, die foeben bemerkte höchft einfache Conftruction auszuführen. Eine halbkreisförmige, hölzerne Platte von etwas gröfserer Dicke ift mit zwei Nuten verfehen. Die eine befindet fich in der ebenen verticalen Seitenfläche, die andere in einem verftellbaren Arm, der unter beliebiger Neigung gegen erftere fixirt werden kann. In den Nuten gleiten prismatifche Stücke, welche drehbare verticale Bolzen enthalten. Diefe Bolzen tragen ihrerfeits zwei Hülfen, durch welche ein prismatifcher Stab hindurchgeht, der den Zeichenftift enthält. Die Achfen der Bolzen entfprechen den früher mit a und b bezeichneten Punkten. Zweckmäfsig angebrachte Marken dienen zum Einftellen des Inftrumentes. Man zeichnet zuerft die eine Hälfte der Ellipfe und nachdem den Zeichenftift durch eine man umgelegt hat die andere. Erfetzt man Reifsfeder, fo wird diefe beim Fortbewegen nicht mit der Schärfe in der Bewegungsrichtung bleiben, ein kleiner Uebelftand, der fich übrigens beheben liefse. Herr Z murko hat überdiefs einen Conographen conftruirt, der nebft der Ellipfe auch noch Parabel und Hyperbel zu zeichnen erlaubt und zwar unter der Vorausfetzung, dafs von den beiden erftgenannten Kegelfchnitten die Hauptachfen von der Parabel der Parameter und ihr Scheitel gegeben find. Für die Ellipfe kommt das fchon erwähnte Conftructionsprincip in Anwendung, mit der Befchränkung auf die Hauptachfen als gegebene Richtungen A und B. Für die Hyperbel und Parabel find die folgenden dem Mechanismus zu Grunde gelegt. Wenn ein rechter Winkel, deffen Scheitel S fortwährend auf A bleibt, mit dem einen Schenkel beftändig einen Kreis vom Radius a, deffen Mittelpunkt auf A liegt, tangirt, und man beftimmt auf dem zweiten Schenkel einen Punkt Pfo, dafs die Projection von PS auf A conftant gleich 6 ift, fo wird P einer Hyperbel mit den Halbachfen a und b angehören. Sucht man auf der Verlängerung von PSden bezüglich Szu P fymmetriſch gelegenen Punkt P', fo gehört diefer ebenfalls einer Hyperbel mit denfelben Halbachfen an. Wenn man aber den Scheitel S des rechten Winkels auf einer zu 4 fenkrechten Geraden B fich bewegen läfst, während der eine Schenkel durch einen auf A liegenden Fixpunkt hindurchgeht und man conftruirt auf dem zweiten Schenkel einen Punkt P, der bezüglich S fymmetrifch ift zum Schnittpunkte diefes zweiten Schenkels mit A; fo gehört P einer Parabel an, deren Brennpunkt der Fixpunkt auf A ift. Da fich bei der angewandten mechanifchen Ausführung namentlich der zweite der genannten Hyperbeläfte zum Verzeichnen gut eignet, fo wird es fowohl bei der Hyperbel wie bei der Parabel nothwendig, zu gewiffen Punkten ihre fymmetrifchen bezüglich eines beweglichen Punktes zu beftimmen. Die mechaniſche Vorrichtung, durch welche diefes geleiftet wird und die ein charakteriftifcher Beftandtheil des vollständigen Conographen ift, beſteht im Wefentlichen aus einem gröfseren Zirkel, der in den Mitten feines Schenkel mittelft Gelenken die Enden eines zweiten halbfogrofsen Zirkels aufnimmt. Der Kopf diefes Zirkels und die Endpunkte der Schenkel des erften beftimmen drei in einer Geraden liegende Punkte, von denen die beiden äufseren gleich weit vom mittleren abftehen. Bezüglich der genauen Befchreibung des Conographen verweifen wir auf:„ Beitrag zur Erweiterung der Operationslehre der conftructiven Geometerie von Lorenz Zmurko, Lemberg 1873". 10 - Ferdinand Lippich. - - Der Ellipfograph von Eugenio Geiringer in Trieft beruht auf einer anderen ebenfalls fehr bekannten Conftruction der Ellipfe. Wir befchreiben fogleich die Einrichtung des Inftrumentes. Um zwei in der Zeichnungsebene gelegene Fixpunkte O und O' find zwei Stäbe S und S' drehbar, die in zwei Punkten A und A', wobei OA= OA'= a, durch ein Querftück AA'= 00' mittelft Charniere verbunden find. Die Figur 00' A'A ift demnach in jeder Stellung ein Parallelogramm. In derfelben Weife find S und S¹ noch durch ein zweites Querftück BB' verbunden, wobei alfo wieder OB OB'= b ift. Beim Drehen diefer Stabverbindung befchreiben die Punkte von AA' und BB' Kreife, deren Radien beziehungsweife a und b find. Die von den Mittelpunkten M auf AA' und N auf BB' befchriebenen Kreife find concentrifch und haben ihren Mittelpunkt im Halbirungspunkte C von 00'. Denkt man fich in M fenkrecht zu AA eine Gerade G feft mit AA' verbunden, fo wird diefe die Gerade BB' in einem Punkte fchneiden, der zur Ellipfe mit den Halbachfen a und 6 gehört und deren kleinere Achfe in 00' liegt. In der That erfcheinen G und BB' zu einander fenkrecht gezogen aus zwei Punkten der Kreife mit den Radien a und b, die auf derfelben durch C geführten Geraden liegen, ein bekanntes Verfahren behufs Conftruction der Ellipfe. BB fowohl als auch G find mit Schlitzen verfehene Arme und in beide Schlitze pafst ein quadratifches Stück, in deffen Achfe der Zeichenftift befeftigt ift. Selbft bei vorzüglicher mechanifcher Ausführung und fehr genauer Einftellung dürfte die Bewegung namentlich über die Endpunkte der kleinen Achfe hinüber etwas unficher werden. Bewegt man einen Punkt fo, dafs der Unterfchied feiner Entfernungen von einer feften Geraden G und einem fixen Punkt Funverändert bleibt, fo befchreibt der bewegliche Punkt eine Parabel, deren Brennpukt Fift. Diefe geometrifche Conftruction wird in dem Parabolographen von Seiner kaiferlichen Hoheit dem Prinzen Georg von Oldenburg verwirklicht. Der Mechanismus, durch welchen diefes erreicht wird, befteht der Hauptfache nach in Folgendem. Denken wir uns ein Zahnrädchen, deffen Achfe vertical ſteht und in welches zwei horizontale Zahnftangen S und S' eingreifen. Die eine Zahnftange erhält mittelft eines Schlittens eine zu ihrer Länge fenkrechte Bewegung, fo dafs ein Punkt von S die Gerade G befchreibt, die andere S' ift drehbar um einen Fixpunkt F, der mit dem Mittelpunkte des Rädchens auf einer Parallelen liegt zur Mittellinie der Verzahnung. Da das Rädchen längs S und S' nur rollen kann, fo wird fich dasfelbe bei einer Bewegung des Schlittens um gleiche Stücke auf den Zahnftangen verfchieben und ift die Zahnftange S' richtig angelegt, fo wird, wenn das Rädchen fich von G entfernt, dasfelbe fich auch von Fund zwar um gleich viel entfernen. Die Differenz der Abftände des Rad- Mittelpunktes von G und Fbleibt alfo in der That conftant. Das Inftrument war von Hardy in Paris vorzüglich ausgeführt. Leider geftattet es, nur ein ziemlich kleines Stück der Parabel zu zeichnen. Die hübfche Idee des Abrollens eines Rädchens auf zwei mit demfelben in Berührung bleibenden Tangenten liefse fich übrigens auch zur Conftruction von Ellipfe und Hyperbel aus ihren Brennpunkten verwenden. Wir erwähnen endlich noch der Geradführung von Lipkin( Gouvernement St. Petersburg, Pawlowfk). Aus zwei Mittelpunkten A und B feien zwei Kreife mit den refpectiven Radien a und b befchrieben. Eine Gerade von der Länge 7 werde fo bewegt, dafs der eine ihrer Endpunkte M auf dem Kreife vom Radius a, der andere Endpunkt N auf dem Kreife vom Radius b bleibt. Zieht man den Radius AM, projicirt auf diefen den Punkt N nach N' und fucht auf AM einen Punkt P, der zu M bezüglich N' fymmetriſch liegt, fo gehört P einem Kreife an. Wählt man aber den Radius a gleich dem Abftande AB der Kreismittelpunkte, fo geht der Kreis in eine Gerade über, die fenkrecht fteht auf der Linie AB. Durch Gelenkverbindungen läfst fich die Bewegung von Pleicht den angegebenen Bedingungen gemäfs hervorbringen. Zu dem Zwecke bemerke man, dafs Pangefehen werden kann als der Eckpunkt eines Parallelogrammes von der Mathematifche und allgemeine phyfikalifche Inftrumente. 11 Seitenlänge, von welchem ein Eckpunkt M den Kreis vom Radius a befchreibt, ein anderer Eckpunkt N und der zu ihm bezüglich N fymmetriſche N" aber immer auf dem Kreife vom Radius b bleiben. Es genügt alfo M mit A durch einen Stab von der Länge a, N und N" durch zwei Stäbe von den Längen 6 mit B als fixe Drehungspunkte zu verbinden, in den übrigen Knotenpunkten der Figur die zufammentreffenden Stäbe um Charniere beweglich zu machen. Man fieht, der Lipkin'fche Apparat löft die geftellte Aufgabe in ebenfo einfacher wie präcifer Weife. Theilmafchinen. Wie in früheren Ausftellungen, fo nahmen auch diefsmal die von L. G. Perreaux in Paris ausgeftellten Theilmafchinen einen hervorragenden Platz ein. In der That verdanken diefe wichtigen Inftrumente Herrn Perreaux manche wefentliche Verbefferungen fo wohl bezüglich der automatifchen Regulirung der Länge der Theilftriche, wie auch namentlich bezüglich des von Ramsden an feiner Kreis- Theilmafchine in Anwendung gebrachten Principes behufs Fractionirung der Schraubenbewegung. Die exponirten Mafchinen zeigten in ihrer Bauart und Anordnung keine wefentlichen Abweichungen von der früheren Form. Sie waren vertreten durch eine grofse Theilmafchine, deren Mikrometerfchraube mehr als I Meter Länge hatte und durch zwei kleinere mit Schrauben von nahe 12 und 13 Meter Länge. Ganz Aufserordentliches leiftet die mikrometifche Theilmafchine diefes Künftlers. Die Ganghöhe der etwa 2 Centimeter langen Mikrometerfchraube beträgt nur o'I Millimeter. Am Umfange des Zahnrades, durch welches mittelft Sperrklinke die Bewegung der Kurbel auf die Schraube übertragen wird, find 300 Zähne angebracht. Diefe Mafchine vermag alfo noch 3000 Linien auf die Länge eines Millimeters zu ziehen. Die Theilung gefchieht auf Glas mittelft. eines Diamantenfplitters. Ein Uhrwerk bewegt die Kurbel und beforgt während des Stillftehens der Schraube das Auffetzen des Diamanten, feine Bewegung und das Abheben desfelben mit äufserfter Zartheit. Der Druck des Diamanten gegen die Glasplatte wird durch ein Gewicht regulirt. Schon bei feinen Theilungen an Normal Längenmafsen werden, wie z. B. von Froment und der Société Génevoife automatifch bewegte Theilmafchinen in Anwendung gebracht, um den fchädlichen Einflufs der Körperwärme, der nothwendig eintretenden Ermüdung in Folge der gefpannten Aufmerkfamkeit, zu vermeiden. Umfo mehr begreift man die Nothwendigkeit der automatifchen Bewegung bei diefem kleinen Meifterſtück der Präcifionsmechanik. Dasfelbe ift befchrieben in Dingler's Journal Band CLXXXVI, p. 330. Bei einer kleineren Kreis- Theilmafchine von nahe 15 Centimeter Durchmeffer war die Bewegung des Grabftichels und der Schraube wie an den LängenTheilmafchinen eingerichtet. - Eine kleinere Längen Theilmafchine, im Wefentlichen nach dem von Perreaux adoptirten Syfteme gebaut und von der berühmten Firma Dumoulin Froment in Paris ausgeftellt, hatte eine Mikrometerfchraube von etwas mehr als 2 Meter Länge. An diefer war die zweckmäfsige Einrichtung getroffen, dafs die Platte, welche den zu theilenden Gegenſtand trägt, parallel zur Schraubenachfe verfchoben werden kann. In Deutfchland war von Stollenreuter in München eine gröfsere Theilmafchine von Meter Länge aufgeftellt. Das Einſtellen, entſprechend den Winkeldrehungen von gleichen Intervallen gefchieht auf die gewöhnliche Weife mittelft der Theilung am Kopfe der Schraube. Die Tifchplatte war mit verftellbaren Mikrofkopen verfehen, von denen einem ein Fadenmikrometer beigegeben war, zu dem Zwecke, um gröfsere Längen durch Anftofsen theilen zu können. Die Schrauben- Theilmafchine für Glasmikrometer von Voigt& Hochgerang in Göttingen war durch fchöne und folide Bauart ausgezeichnet. Sie geftattet I Millimeter noch in 400 gleiche Theile mit Sicherheit zu theilen. Das C 12 Ferdinand Lippich. Tifchchen, auf welchem die Glasplatte befeftigt wird, ift um eine verticale Achfe drehbar und die Drehung kann an einer Theilung am Rande des Tifchchens abgelefen werden. Hiedurch wird es möglich, auch mikrometrifche Kreistheilungen mit derfelben Mafchine auszuführen, Kreife zu ziehen etc. Eine Längen- Theilmafchine, beftimmt für rafch auszuführende Theilungen, zeigte die Genfer Gefellfchaft zur Anfertigung phyfikalifcher Inftrumente in Genf. Diefe Mafchine, nach dem Syfteme von L Bourette,* befteht aus einem gezahnten Meterftabe, auf welchem der Schlitten mittelft eines Triebes verfchoben wird. Die Länge der Theilftriche wird automatiſch regulirt und die Einftellung gefchieht durch einen am Schlitten angebrachten Nonius. Die Arbeit war, wie bei allen Erzeugniffen diefer Gefellſchaft, eine vorzügliche. Längenmafse. Unverkennbar war der Einflufs, welchen die Einführung des neuen metrifchen Mafs- und Gewichtsfyftemes in Deutſchland und Oefterreich auf die Erzeugung von Längenmafsen, Längen- Mefsapparaten, Wagen und Gewichten etc. ausgeübt. Nicht nur dafs in diefer Richtung beide Länder durch vorzügliche Handelswaare fich hervorthaten, auch in Präcifionsartikeln leiften fie Hervorragendes und haben in manchen Richtungen die anderen Länder überholt. Speciell die Längenmafse betreffend haben in Oefterreich ausgeftellt: Florenz in Wien, Meterftäbe aus Meffing und Eifen in Decimeter getheilt; Kraft in Wien, Meter in Zollftäbe aus Meffing, Buchsholz und Bein, fowohl zufammenlegbare als auch feinere facettirte Zeichnen- Mafsftäbe, Klafter und Doppelmeter. Ein Normalmeter aus Eifen durchaus in Centimeter, die letzten 10 Centimeter in Millimeter getheilt, ebenfo ein Normal- Doppelmeter. Ein Meter aus Meffing durchaus in Millimeter gerade und transverfal getheilt. Neuhöfer in Wien, Mafsftäbe aus Meffing mit transverfaler Theilung und Proportional- Mafsftäbe; Roft in Wien, Mafsftäbe aus Holz, Elfenbein und Metall, Meter und Doppelmeter. Darunter zeigte ein Meter, durchaus in Millimeter getheilt und ein Doppelmeter aus Eifen, durchaus in Centimeter getheilt, eine ganz vorzügliche Arbeit. Schablafs in Wien, eine Collection verfchiedener Meter- und Zollftäbe aus Meffing, Buchsholz und Bein mit gewöhnlicher und feinerer Theilung. Hervorzuheben ist die Arbeit diefes äufserft gefchickten Mechanikers an einem Meter aus Meffing mit verfilberter Scala, durchaus in Centimeter, der erfte Decimeter in Millimeter getheilt. Der Querfchnitt des Stabes war faft quadratifch und die Genauigkeit wurde zu o'001 Millimeter angegeben. Endlich hat die im In- und Auslande wohlrenommirte Firma Schubert in Wien Glieder- Mafsftäbe von den verfchiedenften Sorten aus Buchsbaum- Holz ausgeftellt. Der Fabriksbetrieb ift ein fehr bedeutender( die Fabrik befchäftigt nicht weniger als 30 Arbeiter) und die Erzeugniffe durchaus fehr folid und preiswürdig. Aus Deutfchland brachten Mafsftäbe aus Holz, Metall und Bein fowie Mefsbänder die Firmen Böhme in Berlin, Bube in Hannover, Finkh, Hartmann in Neuftadt( Sachfen), Herrmans Henry in Ehrenfeld, Kessler in Speier( Baiern), Mahr in Efslingen( Württemberg), Preifinger in Augsburg, Reifacher in Kempten( Baiern), Ullrich in Maikammer( Baiern). Ganz befonders fchöne und präcife Arbeiten lieferten die Ateliers von Bube, Mahr, Ullrich und Böhme, namentlich ift des letzteren Sammlung an feineren Mefsapparaten hervorzuheben. Speciell an Präcifions- Mafsftäben führen wir an von Hildebrand in Berlin ein Haupt- Normalmeter aus Meffing mit Silberfcala, durchaus in Centimeter, der erfte Decimeter noch in Millimeter getheilt; ein Control- Normalmeter aus Aluminiumbronce und ein zweiter aus Meffing, wie der Haupt- Normalmeter getheilt. Es find diefs jene Längenmafse, welche vorfchriftsmäfsig in den deutfchen Aichämtern angewendet werden. Ferner von Bube ein Normalmeter aus Meffing, * Dingler's Journal. Band CLXXXIII. Mathematifche und allgemeine phyfikalifche Inftrumente. 13 durchaus in Centimeter und im erften Decimeter die einzelnen Centimeter abwechfelnd in Millimeter und halbe Millimeter getheilt. Die Arbeit an diefem Mafsftabe fowie an zwei Meterftäben aus Stahl, wovon einer durchaus in MilliEndlich von meter getheilt war, verdient befonders hervorgehoben zu werden. der allbekannten Firma Breithaupt& Sohn in Kaffel ein Normal- Doppelmeter aus Stahl, durchaus in Centimeter, erfter und letzter Decimeter in Millimeter getheilt. Die Genauigkeit der Theilung war zu o'0002 der ganzen Länge angegeben. Dann ein Normalmeter aus Meffing und verfilbert. Auf diefem waren zwei Theilungen aufgetragen; die eine entspricht bei o Grad Celfius einem richtigen Meter, die andere etwas kürzere hat die richtige Länge von einem Meter bei Die Differenz beider Längen einer mittleren Temperatur von 20 Grad Celfius. beträgt o 4 Millimeter, ift aber keineswegs fehr unbedeutend und erfordert bei manchen Arbeiten des Technikers Beachtung. Auch bei diefem Normalmeter waren die erften Decimeter in Millimeter getheilt, und die Genauigkeit der Thei lung wurde zu o'0001 der ganzen Länge angegeben. Zum Schluffe erwähnen wir noch der Mefsbänder von Stahl, welche in anerkannt vorzüglicher Qualität Rafchke in Grofs- Glogau( Schlefien) verfertigt. Die StahlSie find beftimmt die Mefsketten bei Terrainaufnahmen zu erfetzen. bänder werden entweder auf Holzkreuze gewickelt oder in Metallkapfeln nach Art der gewöhnlichen Bandmafse eingefchloffen. Die einzelnen Decimeter der Theilung find durch gebohrte mit Meffing vernietete Löcher markirt, die halben und ganzen Meter durch kleinere refpective gröfsere Meffingplatten kenntlich, die an den 5- und 10- Meterftellen grofse erhabene Zahlen tragen. Diefe Bandmafse find bei den Geometern bereits vielfach in Gebrauch. Der In Frankreich haben wir zu nennen: Dumoulin Froment in Paris; diefer brachte einen Meter à bout aus Stahl, richtig bei o Grad Celfius. Ausdehungscoëfficient o'00001081 war auf dem Etalon eingravirt. Die Endflächen, welche die Länge des Meters zwifchen fich faffen, reichen nur in die halbe Breite des Stabes und durch zwei kurze feine, der Länge des Stabes parallele Striche, an denfelben find die Stellen bezeichnet, die um einen Meter abftehen. anderen Hälfte der Breite fpringt der Stab zu beiden Seiten etwas vor, zum befferen Schutze der Endflächen. In der Ein zweiter Meter à traits aus Stahl war durchaus in Millimeter getheilt und ein Meter à bout aus Platiniridium zeigte die von der Metercommiffion adoptirte neue Form diefes Urmafses. Der Querfchnitt hat beiläufig die Form des griechifchen x. Dafs die Ausführung eine durchaus exacte und elegante ift, verfteht fich bei Erzeugniffen, die aus diefem Atelier ftammen, von felbft. Jacquement Verget in St. Claude ftellte aufser gewöhnlicheren Mafsftäben verfchiedenfter Art und Feinheit einen Mafsvergleicher aus. Auf einem Meffingcylinder, der um eine horizontale Achfe gedreht werden kann, find parallel der Achfe die gebräuchlichften Längenmafse fammt ihren Unterabtheilungen eingravirt. An den beiden Lagern der Drehachfe ift, mit der Schneide möglichft nahe der Mantelfläche des Cylinders geftellt, eine Metallfchiene mit metriſcher Theilung befeftigt. Durch Drehung des Cylinders kann man jedes Längenmafs unter den Meterftab bringen und mit diefem vergleichen. Die Spiegelbilder an den polirten Flächen geftatten ein fehr genaues Ablefen. Barbier in Paris erzeugt fchöne Mafsftäbe aus Holz, gewöhnliche wie auch feinere Zeichen- Mafsftäbe und Bandmafse; defsgleichen Lelièvre in Paris. Ganz befonders müffen aber deffen Zeichen- Mafsftäbe aus Bein hervorgehoben werden, die durch Ausführung und Dimenfionen alle anderen Artikel diefer Gattung übertrafen. Die Société Genevoife befitzt eine Theilmafchine, auf deren Conftruction alle erdenkliche Sorgfalt verwendet wurde. Sie wird automatifch bewegt und während der Theilung können die aus Temperaturänderungen entſpringenden Ungleichförmigkeiten compenfirt werden. Die Fehler der Schraube find genau 14 Ferdinand Lippich. unterfucht und die Genauigkeit auf o'or Millimeter beftimmt worden. Die von diefem Inftitute erzeugten Längenmafse verdienen daher befonderes Vertrauen. Ausgeftellt waren ein Normalmeter aus Meffing und ein Normal Doppelmeter aus Stahl, die erften Decimeter in Millimeter getheilt. Sie waren nach den Vorfchriften der Aichämter in Baden und Deutfchland ausgeführt. Die Feinheit und Gleichmäfsigkeit der Theilftriche läfst kaum etwas zu wünfchen übrig. Indem wir diefen Abfchnitt fchliefsen, wollen wir noch der Zeichnungs- Mafsftäbe von Pillifcher in London und der Werk- Mafsftäbe aus Holz fowie der Mefsbänder von Rabone in Birmingham anerkennend erwähnen. Längen- Mefsapparate. Die fämmtlichen Vorrichtungen zum Meffen von Längen, wie gewöhnliche Zirkel, Stangen und Dickenzirkel, Schublehren etc., welche faft von allen Fabrikanten, die Mafsftäbe aus Metall verfertigen, ausgeftellt waren, wollen wir nicht namentlich anführen, fondern unfere Aufmerkfamkeit auf jene Apparate richten, welche, zum wiffenfchaftlichen Gebrauche beftimmt, einen höheren Grad von Genauigkeit geftatten. In diefer Beziehung nennen wir zuerft Stollenreuter's Comparator. Diefer ift zum Vergleichen von Etalons a bout und fpeciell für jene Form des Urmeters eingerichtet, wie fie in Deutſchland und Oefterreich nach dem Vorfchlage von Steinheil acceptirt wurden. Diefe Urmeter find aus möglichft hartem Glafe in Form von breiten Lamellen hergeftellt. Die Enden der Lamellen find nach einer Kugel abgefchliffen, die ihren Mittelpunkt in der Mitte des Stabes hat. Von diefer Kugelfläche find an den beiden Endflächen nur kleine Stücke übrig gelaffen, indem erftere noch durch Kugelflächen von kleinerem Radius facettirt werden. Der Durchmeffer der erfteren Kugel gibt die Länge des Meters, wenn der Stab die Temperatur o Grad Celfius befitzt. Der Apparat von Stollenreuter ift eine Abänderung des von Steinheil bei feinen Vergleichungen der Urmafse benützten Comparators, welche der Hauptfache nach auf der Poggendorff'fchen Spiegelablefung bafirt. Auf einer maffiven Unterlage ift eine plane Glasplatte, deren Stellung durch Schrauben corrigirt werden kann, vertical befeftigt. Diefer gegenüber in der Entfernung von etwa einem Meter befindet fich eine zweite plane Glasplatte, die durch einen längeren Arm mit einem zu ihr parallelen Spiegel verbunden ift, um eine horizontale Achfe drehbar. Die Drehachfe ift parallel den beiden einander zugekehrten Glasflächen und fteht fenkrecht auf der Längsrichtung des Apparates. Nahezu in der Höhe der Drehachfe ift die eine Glasfchiene horizontal geftellt, auf welche mehrere gläferne cylindrifche Walzen gebracht werden. Einer der zu vergleichenden Etalons wird auf diefelben gelegt und durch eine entsprechende Schlittenvorrichtung die drehbare Glasplatte herangefchoben und mittelft eines verftellbaren Gewichtes an dem fie tragenden Meffingarme fanft gegen die Endflächen des Etalons gedrückt. Die Manipulation ift zwar ähnlich wie beim Steinheil'fchen Comparator, fcheint uns aber weniger einfach und ficher. Eine Blechwanne umgibt den Etalon und die beiden ihn berührenden Glasplatten. Der Apparat kann natürlich auch zur Beftimmung von Ausdehnungscoëfficienten benützt werden. Verticale Abftände, namentlich die Höhendifferenz zweier Quecksilberniveaun oder Höhenänderungen eines Niveaus mit gröfstmöglicher Genauigkeit und unter Vermeidung der durch die Nähe des Beobachters bedingten Fehlerquellen zu meffen, ift eine Aufgabe, die Phyfiker wie Chemiker häufig zu löfen haben. Das zu diefem Zwecke urfprünglich von Dulong und Petit erfonnene, durch Puillet, namentlich aber durch die berühmten Arbeiten von Regnault allgemeiner bekannt gewordene Kathetometer war denn auch in der Ausftellung im Vergleiche zu anderen Präcifionsinftrumenten für Längenmeffungen, * Sitzungsberichte der königl. baierifchen Akademie der Wiffenfchaften zu München. 186 3. I p. 329. Mathematifche und allgemeine phyfikalifche Inftrumente. 15 gut vertreten. So durch die Firma Starke& Kammerer mit einem fchönen Exemplar von über I Meter Länge. Die Scala, direct in Millimeter getheilt, geftattet mittelft Nonius noch eine Ablefung von 150 Millimeter. Diefes Kathetometer war beſtimmt, mehrere von Töpler angegebene Verbefferungen aufzunehmen. Das Wefentliche derfelben befteht in der Anbringung eines nach abwärts gerichteten Collimators am oberen Ende des Inftrumentes. An dem Schlitten befindet fich aufser dem Beobachtungsfernrohr noch ein zweites Berichtigungsfernrohr, vor deffen Objectiv ein Reflexionsprisma fich befindet. Durch dasfelbe wird das Fadenkreuz des Collimators fichtbar. Da Beobachtungs- und Berichtigungsfernrohr an demfelben Träger angebracht find, fo kann man durch diefe Einrichtung das Beabachtungsrohr fchneller und genauer als mittelft der Libelle einftellen. Ein Queckfilberhorizont am unteren Ende der drehbaren Röhre und unter dem Collimator befeftigt, in welchen man auch nach Drehung in feinen Lagern durch das Berichtigungsrohr fehen kann, dient zu einer äufserft genauen Verticalftellung der Drehachfe. Nach der gewöhnlich adoptirten Bauart von Perreaux waren von diefen wie von Dumoulin- Froment Kathetometer ausgeftellt, bei welchen die Ablefung mittelft Nonius bis auf 100 Millimeter gefchehen kann. Ebenfo eingerichtet war das Kathetometer der Société Genèvoife mit Ablefung auf 1/50 Millimeter. Jüngers in Kopenhagen brachte ein fehr fchön gearbeitetes kleineres Inftrument diefer Art, deffen Scala bis 590 Millimeter reichend, noch in halbe Millimeter getheilt war; die Ablefung ging bis 1/100 Millimeter. Das Rohr, welches die verticale Drehachfe umgibt, war kürzer, als die daran befeftigte Schiene mit der Schlittenverfchiebung. Ein grofses Doppel- Kathetometer brachte Adam Gued villo in Moskau. Diefes vorzügliche Inftrument hatte zu beiden Seiten der verticalen, drehbaren Röhre Schienen mit Scala und auf Schlitten bewegliche Beobachtungsfernröhre. Die Nonien geben 1/20 Millimeter, die Mikrometerfchrauben zum Feinftellen der Fernrohre haben eine Ganghöhe von etwa 1/2 Millimeter und einen in 100 Theile getheilten Kopf und geben daher noch 200 Millimeter an. Der fymmetriſche Bau des Inftrumentes verhindert ohne Weiteres einen einfeitigen Druck auf die Drehachfe. An Vorrichtungen zum Meffen kleinerer Längen brachte die Société Genèvoife vier Dickenzirkel gewöhnlicher Form, ebenfo Dumoulin- Froment drei derartige Inftrumente. An dem einen von diefen war der fixe Stahlarm am Ende des die Theilung tragenden Prismas durch eine Mikrometerfchraube verftellbar, der Nonius an der verfchiebbaren Hülfe gab noch 150 Millimeter. An dem zweiten Zirkel war der fixe Contact mit einem feinen Fühlhebel in Verbindung und die Hülfe war durch eine Mikrometerfchraube verfchiebbar. Sorgt man alfo dafür, dafs der Fühlhebel fowohl bei unmittelbarer Berührung der beiden Stahlarme, als auch nach Einfchaltung des zu meffenden Objectes diefelbe Stellung annimmt, fo kann die Dimenfion fehr genau beftimmt werden und man ift zugleich ficher, den Körper nicht zufammengeprefst zu haben; die Ablefung geht bis auf 1/100 Millimeter. An einem dritten Apparate wird die der Dicke des Körpers entſprechende Verfchiebung gemeffen, indem der bewegliche Arm an einer Zahnftange befeftigt ift, die mittelft einer Räderüberfetzung einen Zeiger in Bewegung fetzt. Auch diefes Inftrument, das mit Contactfühlhebel und Schraube zum Feinftellen verfehen war, gibt die Längen bis auf 100 Millimeter. Noch erwähnen wir der Glasmikrometer diefer Firma, bei denen ein Millimeter in 100 und 500 Theile getheilt und mit Bezifferung verfehen war. Der Uhrenfabrikant Lange in Glashütte( Sachfen) conftruirt kleine, fehr compendiöfe Mikrometer zum Meffen der Dicke feiner Drähte, Fäden etc. in Form und Gröfse einer Tafchenuhr. Am äusseren Rande des Gehäufes ift eine Stahlfchneide befeftigt, gegen welche eine zweite Schneide anftöfst, die das Ende eines Hebels bildet. Derfelbe hat feinen Drehpunkt im Innern des Gehäufes und trägt einen gezahnten Bogen, in welchem ein Rädchen mit Zeiger eingreift. Ein zweiter 2 16 Ferdinand Lippich. gleicher Bogen greift in das Rädchen und drückt mittelft einer Spiralfeder den Hebel gegen die fixe Stahlfchneide. Ein todter Gang ift hiedurch befeitigt. Das Intervall zwifchen zwei Theilftrichen am Zifferblatt entspricht einer Dicke von 1/100 Millimeter. Diefes Inftrumentchen mifst eigentlich nicht den Durchmeffer, fondern eine Sehne des kreisförmigen Drahtquerfchnittes und überdiefs ift es nicht gleichgiltig, ob man den Draht näher oder entfernter vom Drehpunkte des Hebels zwifchen die Stahlfchneiden bringt. Starke& Kammerer haben ein Sphärometer ausgeftellt, das fchon im Jahre 1858 nach einer Idee des Profeffor Strampfer ausgeführt wurde und an welchem mehrere fehr wefentliche Verbefferungen angebracht find. Durch die Achfe der durchbohrten Mikrometerfchraube geht eine Stahlnadel, die mit ihrem oberen Ende gegen einen Doppelfühlhebel wirkt, deffen Drehachfen am Kopfe der Schraube ihre Lager haben. Ihr eigenes Gewicht und das des Hebels drücken die Stahlnadel nach abwärts, fo dafs fie um ein Geringes aus dem unteren Ende der Schraube hervortritt. Nach erfolgtem Contact des Nadelendes mit der Unterlage bewirkt ein weiteres Abwärtsdrehen der Schraube fofort die Bewegung des Fühlhebels. Hiedurch wird der Contact vollkommen ficher angezeigt und der Druck, dem der zu meffende Körper ausgefetzt wird, ift nur fehr gering und überdiefs immer derfelbe, fobald die Ablefung immer bei derfelben Stellung des Fühlhebels gefchieht. Die drei Füsse des Sphärometers endigen nicht in Spitzen, fondern in kleine Stahlkugeln. In der That laffen fich wirkliche Spitzen nicht herftellen; je mehr man aber die ideelle Form einer Spitze erreicht, defto mehr Gefahr läuft man, durch das Inftrument die Platte oder Linfe, auf welcher es ruht, zu befchädigen. Läfst man hingegen die Spitzen ftumpfer, fo hat man Berührungsflächen von unregelmässiger und zum Theile nicht beftimmbarer Form. Diefer Umftand kann aber bei Meffung von Linfenkrümmungen einen merklichen Fehler verurfachen. Daher erfcheint das Anbringen der kleinen Kugeln, deren Radien man auf optifchem Wege zu beftimmen vermag, fehr zweckmäfsig. Die Füfse können an den drei Armen der Schraubenmutter verftellt werden und es find überdiefs dem Inftrumente Dreifüfse von verfchiedenen Dimenfionen beigegeben. Dasfelbe hat eine Empfindlichkeit von 1/2000 Millimeter. Ganz in derfelben Weife hat auch Perreaux mit feinem Sphärometer einen Fühlhebel in Verbindung gebracht; er fpielt an einem Gradbogen, der mittelft Charnier vertical geftellt werden kann. Auch an diefem Inftrumente find die Füfse, die aber in Spitzen endigen, verftellbar. Seine Empfindlichkeit beträgt 1/4000 Millimeter und 1/1000 Millimeter läfst fich noch mit Sicherheit meffen. Ueber dasfelbe wurden feinerzeit im Kosmos, Band XXV, p. 264, Mittheilungen veröffentlicht. Der Mefskeil von P. Schönemann in Halle dient zum Meffen kleiner Dicken, Durchmeffer cylindrifcher Körper etc. Denken wir uns zwei congruente, rechtwinkelige Dreiecke, von denen die Hypothenufe etwa fünfmal länger ift als eine der beiden Katheten, mit ihren Hypothenufen an einander gelegt. Das eine Dreieck fei auf der Unterlage befeftigt, das andere längs einer feften Schiene mit der längeren Kathete verfchiebbar. Werden die Hypothenufen von der Berührung aus bis in einen gewiffen Abftand gebracht, fo wird die Verfchiebung der Kathete längs der feften Schiene fünfmal gröfser fein. Keil und Schiene find refpective mit Nonius und Theilung verfehen. Von den beiden ausgeftelten Mefskeilen war der eine aus Metall, der andere aus Glas. Aehnliche Mefsvorrichtungen mit Keilnonius find übrigens fchon von Kleritj( Polytechn. Centralblatt 1869) und Hünich( Berg- und Hüttenmännifche Zeitung, Jahrg. 1867) angegeben worden. Wagen und Gewichte. Wohl kein Zweig der Präcifionsmechanik hatte in der Ausstellung fo reichliche und zugleich fo vorzügliche Leiftungen aufzuweifen als die Fabrication von Wagen und Gewichten. Mathematifche und allgemeine phyfikalifche Inftrumente. 17 bag Wieder waren es Oefterreich und Deutfchland, welche weitaus das Meifte und Befte boten; die berühmteften franzöfifchen, englifchen und belgifchen Firmen waren faft gar nicht vertreten. Im Grofsen und Ganzen find die einzelnen Ausfteller bei ihrer bisherigen Bauart geblieben und find wefentliche Neuerungen nur wenige zu verzeichnen. Balken aus Aluminium, von denen man fich einmal viel verfprochen, waren ganz verfchwunden; defsgleichen der Präcifionsbogen von Gallois felbft in der von Hempel und namentlich von Breithaupt verbefferten Geftalt; die Berzelius' fche Reiterverfchiebung ift durchweg und auch mit vollem Rechte beibehalten. Der Wagebalken maffiv, meift aber durchbrochen, hat die Rauten- oder Dreieckform und ift durchgängig mittelft einer prismatifchen Schneide aufgehängt, die auf harter Unterlage ruht. Auch die Aufhängung der Schalen gefchieht in den meiften Fällen mittelft Schneiden. Auf die Arretirung wird mit gutem Grunde viel Sorgfalt verwendet und fie ift bei feineren Wagen faft durchgängig eine dreifache. Die Bewegung des Mechanismus erfolgt nach Oertling's Vorgange mittelft excentrifcher Scheiben, die Unterſtützung des Balkens und der Gehänge fehr häufig mittelft Spitzen, die regulirt werden können und in kleine conifche Vertiefungen eingreifen, welche am Balken und den Gehängen befeftigt find. Diefe fehr fichere und genaue Arretirungsmethode wurde zuerft von Girgenfohn** in Anwendung gebracht; nur waren bei ihm die Schrauben mit den Contactfpitzen am Balken, was weniger vortheilhaft erfcheint. Von demfelben Künftler rührt noch eine andere Contacteinrichtung her, bei welcher kleine cylindrifche Stifte, die an der Vorder- und Hinterfeite von Balken und Gehängen horizontal befeftigt warer, fich in gabelförmige Lager legten, die, durch Schrauben regulirbar, an den Armen der Arretirungsvorrichtung fich befinden. Auch diefer, vielleicht noch zweckmäfsigere Contact war an einigen Wagen der Ausftellung anzutreffen.bl Von befonderer Wichtigkeit für die Zuverläffigkeit der Angaben einer Wage ift die Aufhängung des Wagebalkens und der Schalen. Wiewohl man es in der Herftellung der Aufhängefchneiden zu einem grofsen Grade der Vollkommenheit gebracht hat, durch welchen vorzugsweife die hohe Empfindlichkeit der jetzigen Wagen bedingt ift; fo wären doch eingehende Verfuche, andere Methoden in Anwendung zu bringen, keineswegs überflüffig und namentlich folche Vorfchläge im Auge zu behalten, welche darauf hinzielen, die von der Reibung, Adhäfion und der nicht vollkommen exacten Schärfe und Geradlinigkeit der Schneiden etc. bedingten Unregelmässigkeiten zu befeitigen. Als ein folcher, fehr beachtenswerther, aber leider, wie es fcheint, in Vergeffenheit gerathener Vorfchlag kann der von G. E. Weber*** gemachte bezeichnet werden: Balken und Schalen an dünnen elaftifchen Stahlbändern aufzuhängen. Diefe Aufhängung, von der Weber nachgewiefen hat, dafs fie einer fehr hohen Empfindlichkeit fähig ift, würde in der That die Conftruction der Wage in vielen Punkten wefentlich vereinfachen.oe si di Wir wollen an diefer Stelle noch einer Neuerung der letzten Jahre erwähnen, die zuerft durch P. Bunge in Hamburg zur Durchführung gelangte; es ift diefs die Conftruction von Wagen mit möglichft kurzem Wagebalken. Die Empfindlichkeit einer Wage ift um fo gröfser, je länger die Wagarme und je kleiner das Gewicht des Wagebalkens ift. Allein das Gewicht des letzteren ift wieder abhängig von der Länge der Arme und weiter bedingt durch die Forderung, dafs die Biegung des Balkens durch die Belaftung gewiffe Grenzen nicht überfchreiten darf. Die Gröfse diefer Biegung hängt unter fonft gleichen Umftänden von der geometrifchen Form des Balkens ab. Wenn man mit Rückficht auf fämmtliche Anforderungen die Form des Balkens fo wählte, dafs fein Gewicht in demfelben * Poggendorff, Annalen, Band CXVI, p. 339.. ** Dingler, polytechnifches Journal, Band LXXII, p. 381. *** De tribus novis librarum conftruendarum methodis. Gottingæ MDCCCXLI, p. 11. 2* 18 Ferdinand Lippich. Verhältniffe zunimmt wie feine Länge, fo wäre bei derartigen Wagen die Empfindlichkeit nicht mehr abhängig von der Länge der Wagarme; und nur wenn man die Form fo wählen könnte, dafs das Gewicht weniger rafch als die Länge wächft, würde die Empfindlichkeit durch Verlängerung der Arme erhöht werden. Aber in Wirklichkeit tritt das Gegentheil ein, das Gewicht des Balkens nimmt rafcher zu als feine Länge und man follte daher die Wagarme möglichft kurz halten. Auf diefen Umftand hat Holtzmann, allerdings nur mit wenigen Worten, fchon vor längerer Zeit hingewiefen in einem trefflichen Auffatze, der enthalten ift im Handwörterbuch der reinen und angewandten Chemie. Band IX, P. 495, Artikel, Wage". Solche Wagen mit kurzen Armen befitzen eine kürzere Schwingungsdauer. Diefs bewirkt, dafs mit Rückficht auf die an den Schneiden thätigen Widerstände die Schwingungen einen regelmäfsigeren Verlauf nehmen und auf die eigentliche Gleichgewichtslage ſchneller und ficherer gefchloffen werden kann. Herr Zech hat diefs an einer Bunge' fchen Wage von I Kilogramm Tragkraft durch forgfältige Verfuche nachgewiefen. Ferner wird mit derartigen Wagen eine Wägung in kürzerer Zeit vollendet werden können, was nicht nur bei Wägungen verdampfender Flüffigkeiten fehr werthvoll ift, fondern auch bei Anwendung der Methode der doppelten Wägung den ftörenden Einfluss ungleichförmig vertheilter Tempe ratursänderungen, die von einer Wägung zur anderen eintreten, vermindert. Da der Balken geringere Maffe befitzt und die Temperatur des Luftraumes ſchneller annimmt, fo wird man auch den Thermometerangaben mehr Vertrauen fchenken. Endlich wird jedem, der fich, mit difficilen Wägungen befafst hat, die ftörende Wirkung der Luftftrömungen unangenehm geworden fein, die entweder durch ungleiche Erwärmung des Luftraumes im Wagekaften oder beim Wägen erwärmter Körper auftreten es ift klar, dafs bei kurzen Wagarmen diefe Störungen geringer ausfallen werden. Kurz, wir halten die befprochene Neuerung für einen Fortfchritt in der Conftruction von Präcifionswagen und müffen demnach auch das Verdienft des Herrn Bunge, diefen Fortfchritt angebahnt zu haben, gehörig hervorheben. Nach diefen allgemeinen Bemerkungen wollen wir auf die einzelnen Objecte näher eingehen und hiebei mit Oefterreich beginnen. Hier begegnen wir zuerft dem weithin bekannten und wohlrenommirten Namen Rue precht in Wien. Die fämmtlichen Ausftellungsobjecte diefes Künftlers waren nicht nur einfach, fondern viele von ihnen 5 bis 6 Mal verkauft. In der That laffen aber auch feine Wagen- und Gewichtseinfätze, was Genauigkeit, Solidität und Eleganz der Arbeit anbelangt, trotz der relativ mässigen Preife, wenig zu wünſchen übrig. Seine Wage, in Form und Bauart aus der Kufchefchen Wage hervorgegangen, ift durch forgfältigfte Ausführung und Anordnung ihrer Theile wohl nahe an die erreichbare Grenze der Leiftungsfähigkeit gebracht worden. Die Balken haben Rautenform und ſpielen wie die Schalengehänge mit Stahlfchneiden auf Steinlager. Die Arretirung, auf deren präcife mechanifche Ausführung ganz befondere Sorgfalt verwendet wird ift bei den feineren Wagen eine dreifache; fie find in ftaubdichte Glaskäften mit Meffingfaffung eingefchloffen und haben eine doppelte Reiterverfchiebung. Ausgeftellt waren: Eine grofse analytifche Wage, bei 2 Kilogramm einfeitiger Belaftung noch auf o 2 Milligramm empfindlich. Drei analytifche Wagen für 250, 200 und 100 Gramm Belaftung noch auf O'I Milligramm empfindlich. Zwei Korn- Probirwagen für o or Milligramm empfindlich, mit nicht durchbrochenen Balken und Schalenaufhängung mittelft Ringen und Haken. Eine Wage für technifche Zwecke, bei 2 Kilogramm einfeitiger Belaftung noch 2 Milligramm angebend; fie hat ihrem Zwecke entfprechend einen verhältnifsmäfsig kurzen Wagebalken. Eine Schlichtwage und eine hydroftatifche Wage für Schulverfuche und bis 2 Kilogramm Belaftung, fehr zweckmäfsig conftruirt. Endlich Gewichtseinfätze von 2 Kilogramm und 1 Kilogramm abwärts aus Meffing und vergoldet, in der gebräuchlichen Weife untergetheilt. Mathematifche und allgemeine phyfikalifche Inftrumente. 19 Rueprecht verfertigt überdiefs noch grofse Wagen für phyfiologifche Zwecke von 75 und 20 Kilogramm Tragkraft, die erftere bis 200 die letztere bis 20 Milligramm empfindlich; jedoch waren fie nicht im Ausftellungspalafte aufgeftellt. Ganz Anerkennenswerthes leiftet die Firma Hauber( vormals Reiter) in Innsbruck. Ihre Wagen, ähnlich wie die Rueprecht'fchen gebaut, haben nur verhältnifsmäfsig längere Balken. Ausgeftellt waren: eine analytifche Wage für 2 Kilogramm Belaftung noch o 25 Milligramm angebend, mit Schalen und Balkenarretirung; eine kleinere Wage für 150 Gramm Belaftung auf o'1 Milligramm empfindlich und die Schalen mit Haken in Ringen aufgehängt; ein Gewichtseinfatz bis I Kilogramm und ein kleinerer bis zu 50 Gramm. Eine reiche und fchöne Sammlung von Tarawagen, Münz-, Gold- und Silberwagen, Tafelwagen nach den verfchiedenften Syftemen von gewöhnlicher bis zur eleganteften Ausftattung hatte die grofsartig eingerichtete Wagen- und Gewichtefabrik von Florenz in Wien gebracht. Die Präcifionswagen für Silber geben bei 100 Pfund Belaftung noch 5 Decigramm an. Auch Buganyi in Wien und Schuk in Peft leiften in diefen Artikeln Nennenswerthes. Wir dürfen Oefterreich nicht verlaffen, ohne auf eine höchft intereffante Mafchine aufmerkfam zu machen, die allerdings nicht in Gruppe XIV, fondern in der Mafchinenhalle aufgeftellt war, die aber als ein Präcifionsinftrument feiner Art bezeichnet werden mufs und ein fchwieriges Problem in fo exacter Weife löft, dafs auf dem betretenen Wege kaum erheblich Befferes zu erreichen fein dürfte. Es ift diefs die Münzplatten- Sortirmafchine von Seyfs& Comp. in Atzgersdorf bei Wien, erfunden von Ludwig Seyfs. Diefe Mafchine, die bereits im k. k. Haupt- Münzamte in Wien feit einiger Zeit zur vollften Zufriedenheit in Verwendung ift, fortirt die Münzplatten in fechs verfchiedene Gruppen: unbrauchbar leicht, bis zur gefetzlichen Grenze zu leicht und normal, normal und bis zur gefetzlichen Grenze zu fchwer, dann zwei Sorten mit fteigendem Uebergewicht und die letzte Sorte enthält alle Platten, die fchwerer find als die fchwerften der fünften Sorte. Die eigentliche Sortirvorrichtung iſt eine empfindliche Wage( Mittel und Seitenfchneiden auf Carneollager fpielend), die auf der einen Seite die conftante Belaftung trägt, auf der anderen. Seite die zu fortirende Platte mittelft einer zweckmäfsig geformten Wagfchale in aufrechter Stellung. Je nach der Sorte der eingelegten Münzplatte foll nun die Wage in einer beſtimmten Neigung und hiedurch die Wagfchale mit der Münzplatte in einer beftimmten Höhe zur Ruhe kommen. Es wird diefs erreicht durch Abheben von Reitergewichten, die auf dem Wagebalken hängen und auf Paaren von Unterlagen, welche an der Vorder- und Rückfeite der Wagebalken aufgeftellt. find, fich auflegen können. Um die Wirkungsweife diefer Reiter beffer erklären zu können, wollen wir annehmen, es feien nur zwei Reiter in gleichen Entfernungen von der Mittelfchneide aufgefetzt und ihre Gewichte, reducirt auf die Endpunkte der Wagarme, feien gleich den Toleranzgewichten, um welche die Platten zu fchwer oder zu leicht als das Normalgewicht fein dürfen. Wir wollen ferner vorausfetzen, der linke Wagarm fei durch das Normalgewicht, der rechte durch die Münzplatte belaftet. Hätte diefelbe ebenfalls das Normalgewicht, fo bliebe der Balken in feiner horizontalen Gleichgewichtslage. Wäre fie aber, und zwar noch innerhalb der zuläffigen Toleranz zu leicht, fo wird der linke Arm der Wage fich nach abwärts drehen und das linke Reitergewicht hiebei an die Unterlage gelangen. Dadurch wird die Wage auf diefer Seite entlaftet und fie muſs fofort wieder die entgegengefetzte Bewegung machen, bis in die Stellung, wo fie das Reitergewicht wieder aufnehmen würde. Diefe Lage, in welcher der Balken den Reiter eben berührt, ift alfo die fchliefsliche Ruhelage desfelben. Ganz ähnlich ift das Spiel der Wage in den complicirteren Fällen unferes Apparates, indem dann je nach Umständen die Wage von mehreren Reitern entlaftet wird Für die unbrauchbar leichten und die Sorten der VI. Gruppe ift die Stellung des Wagebalkens durch fefte Widerlager limitirt. 20 otcominñal od Ferdinand Lippich. Entfprechend den fechs verfchiedenen Höhen, in welchen die Wagfchale mit der Münzplatte zur Ruhe kommen kann, find leitwärts von derfelben fechs flache, nach abwärts geneigte Canäle angebracht. Ift die Wage zur Ruhe gekommen, fo wird zunächft durch den Mechanismus die Wagfchale feitlich feftgeklemmt, die Canäle werden an die Wagfchale herangerückt, die Münzplatte wird ausgelöft und gleitet in den entſprechenden Canal und durch diefen in ein Sammelgefäfs. Sodann treten die Canäle wieder zurück, in die noch feftgeklemmte Wagfchale fällt eine neue Münzplatte, die fich in einem geeigneten Behälter über der Wagfchale bereits befand und in diefem aus einem feitwärts ftehenden Cylinder, in welchem die Platten übereinander gefchlichtet find, durch den Mechanismus vor gefchoben wurde. Nachdem die neue Platte in die Wagfchale gelangt ift, wird die Klemmung aufgehoben, Balken und Schalen werden arretirt und nachdem diefs erfolgt ift, werden erft die Schalen, fodann der Balken wieder freigelaffen und ein neuer Turnus beginnt. Die Mafchine enthält zwölf nebeneinander geftelite Wagen und wird durch die Umdrehung einer Welle mit 10 Pferdekraft in Betrieb erhalten. In der Minute fortirt fie 40 Platten; werden nur drei Sorten verlangt, fo fteigt ihre Leiftung auf wenigftens 100 Stück per Minute. Diefe Mafchine ift, aufser in Wien, bereits in den Münzen von Berlin, München, Dresden, Kremnitz und Cofta- Rica acceptirt. Allerdings ift der Grundgedanke, die Stellung der Wage nach gewiffen Gewichtsabftufungen durch Abheben oder Auffetzen von Gewichten zu limitiren, wobei durch die Bewegung der Wage von diefer felbft das Belaften oder Entlaften ausgeführt wird, nicht neu. Ségnier hat nach diefem Principe vor mehr als 20 Jahren Münzwagen erfonnen, die von Deleuil in Paris ausgeführt wurden. Allein diefe Wage hatte nur die Beftimmung, drei Sorten zu liefern. Eine von Smith nach anderem Principe conftruirte Münzwage, die nach zehn Sorten ordnete, hat fich keinen Eingang verfchaffen können wegen der zu geringen Zuver läffigkeit, mit der fie arbeitete. Die Mafchine von Seyfs repräfentirt daher, was Leiftungsfähigkeit und Anordnung des Mechanismus anbelangt, einen entfchiedenen Fortfchritt auf diefem Gebiete. Indem wir nunmehr die aus Deutfchland erfchienenen Wagen namhaft machen wollen, beginnen wir mit der bereits früher genannten Firma P. Bunge in Hamburg. Diefe hat leider nur eine kleinere Wage für 200 Gramm einfeitiger Belaftung ausgeftellt. Die Länge des Balkens beträgt 13 Centimeter, fein Gewicht nur 12 Gramm. Die Wage gibt bei der Maximalbelaftung und 01 Milligramm Uebergewicht noch einen Scalentheil Ausfchlag. Der Balken hat die Form eines mit der Spitze nach aufwärts gekehrten Dreieckes von beträchtlicher Höhe mit einer Mittelftrebe. Die geneigten Dreiecks- Seiten werden daher nur auf Zug beansprucht und es entfällt die Nothwendigkeit von Seitenftreben. Zum Zwecke der Reiteraufhängung ift eine eigene horizontale Schiene angebracht. Was bei der Bunge'fchen Conftruction immerhin etwas bedenklich erfcheinen kann, ift die Zufammenfetzung des Balkens aus mehreren miteinander verfchraubten Theilen, die überdiefs aus verfchiedenem Materiale beftehen. Es ift. wohl nur durch die Erfahrung eine Entfcheidung über die Zweckmäfsigkeit diefer Einrichtung zu erwarten. Uebrigens erfreuen fich die Bunge'fchen Wagen fchon jetzt einer grofsen Verbreitung und Beliebtheit. Ganz befonders ragte durch feine prächtige Ausftellung Schickert in Dresden hervor; an feinen Wagen ift ein beftimmtes Syftem überall mit wohlverftandener Confequenz durchgeführt. Die Wagebalken haben meift die DreieckForm mit nach abwärts gekehrter Spitze, wodurch die Anbringung zweier oder mehrerer Seitenftreben bedingt wird. Feinere Wagen befitzen Arretirung des Balkens und der Schalengehänge, die Schalen werden durch Pinfel beruhigt. Diefs ift in der That der gewöhnlichen Arretirung der Schalen mit Stützplatten vorzuziehen, da bei letzterer Einrichtung durch feitliches Auffetzen der Gewichte ftärkere Schwingungen der Schalen nach Abziehen der Stützplatten nur ſchwer zu Mathematifche und allgemeine phyfikalifche Inftrumente. 21 vermeiden find. Sehr beachtenswerth ift, dafs Schickert von den feineren Wagen bei gleicher Tragkraft und Empfindlichkeit zwei Sorten conftruirt, langfam und fchnellfchwingende. Von den ausgeftellten Objecten heben wir hervor: Eine grofse Wage, bei 50 Kilogramm einfeitiger Belaftung noch 20 Milligramm angebend, der Balken aus Stahl, die Schneiden auf Stahlplatten fpielend; eine kleinere Wage für 5 Kilogramm Belaftung und noch für 5 Milligramm empfindlich, der Balken aus Meffing, die Schneiden auf Carneollager und eine ebenfo conftruirte bei I Kilogramm Belaftung noch 1 Milligramm anzeigend. An diefen drei Wagen war die fehr zweckmäfsige Einrichtung getroffen, dafs je nach Wunfch die Gehänge der Schalen allein oder mit den Balken zugleich arretirt werden konnten. Zu dem Zwecke find an den Enden der Wagarme in der Richtung feiner Längsachfe cylindrifche Stahlftifte befeftigt. An den Armen der Abhebevorrichtung find hufeifenförmige Rahmen angebracht und die bogenförmigen Theile derfelben enthalten Nuten, in welche fich beim Abheben die Stahlftifte einlegen; aufwärts gerichtete Spitzen an diefen Rahmen ergreifen die Gehänge. Die bogenförmigen Theile mit den Nuten find mittelft Charniere zur Seite zu drehen, wodurch beim Heben der Arretirungsvorrichtung die Stahlftifte am Balken frei bleiben und nur die Gehänge abgenommen werden. Weiter feien erwähnt drei kleinere Wagen für 200, 100 und 50 Gramme Belaftung und beziehungsweife für 01, 0'2 und oor Milligramm empfindlich; endlich Gewichtseinfätze von 5 Kilogramm und 500 Gramm abwärts. G. Weftphal in Celle( Hannover) vergoldet feine Wagebalken, die Stahlfchneiden, Zunge, Gehänge und Schalenbügel. Ausserdem ift feine Schalenarretirung eigenthümlich; die Tragteller in Form von Kreisringen führen nämlich zur welche die Schalen um fchnellen Beruhigung der Schalen Pinfel mit fich, Weniges früher berühren als die Ränder der Teller. Hiedurch find die Vortheile beider gebräuchlichen Schalenarretirungen vereinigt. Zwei Wagen für 100 Gramm Belaftung und für o'I Milligramm empfindlich, davon die eine vergoldet, eine gröfsere Wage für 750 Gramm Belaftung und noch o'r Milligramm angebend und eine vergoldete Wage für 250 Gramm Belaftung und der gleichen Empfindlichkeit, zeigten in allen Theilen eine fehr forgfältige und vorzügliche Bearbeitung. Eine kleine Wage zur Beftimmung der fpecififchen Gewichte von Flüffigkeiten durch Eintauchen und Verfchieben eines am Wagearm aufgehängten ThermometerKörpers, nach dem Principe von A. Gadolin foll noch die vierte Decimale der Dichte richtig beftimmen laffen. Schöne, vergoldete Gewichtseinfätze waren in verfchiedenen Exemplaren vorhanden. Die Vergoldung ift an allen Theilen von unübertrefflicher Reinlichkeit. E. André in Kaffel macht bei feinen Wagen fowohl die Lager als auch die Schneiden aus Achat und erzielt hiedurch nicht nur einen feineren Schliff, fondern vermeidet auf diefe Weife zugleich den fchädlichen Einflufs, welchem Stahlfchneiden durch Dämpfe und feuchte Luft ausgefetzt find. Bei einer fehr feinen Wage, deren Tragkraft nicht mehr als 5 Gramm betragen dürfte, ſpielte die Mittelfchneide auf zwei Achat cylindern, die Schalengehänge auf je zwei Spitzen; die Arretirung war mit Gabelcontact verfehen. An einer gröfseren Wage hatten die Schneidenlager der Gehänge die Form einer förmigen Platte; von dem in die Längsrichtung des Balkens geftellten Anfatzftücke führt ein Bügel, das Ende des Wagebalkens umgehend nach abwärs bis vertical unter die Schneide, wo dann die Schalenketten eingehängt werden. Die Möglichkeit eines Streifens der Gehänge an den Balken ift hiedurch vermieden. Die Arbeiten diefer Firma, die mit Gefchick eingebürgerte Conftructionsarten durch neue zu erfetzen weifs, verdienen alle Anerkennung und Beachtung. Die Wagen von Oertling in Berlin und Staudinger in Giefsen find bekannt. Sie zeigten keine wefentlichen Abänderungen ihrer früheren Bauart. Bornhardt in Braunfchweig gibt feinen Wagen eine Aluminiumsfchiene zur Aufnahme des Reiters bei und macht auch die Zunge aus Aluminium. Die Arre 22 Ferdinand Lippich. tirung iſt nach Girgenfohn mit Spitzen contact eingerichtet. Hugershoff in Leipzig brachte eine Wage zu phyfiologifchen Zwecken für 5 Kilogramm Belaftung noch 5 Milligramm angebend; eine kleinere Wage bei 150 Gramm Belaftung noch für o'i Milligramm empfindlich; eine Löthrohr- Probirwage für 20 Gramm Belaftung noch 20 Milligramm anzeigend. Die trefflichen Leiftungen diefes Mechanikers wie die der Firmen Sauter in Ebingen( Württemberg) und Kern in Onftmettingen( Württemberg) find fchon lange anerkannt genug. Bofch in Jungingen( Hohenzollern) legt die Mittelfchneide der ganzen Länge nach auf ebene Steinlager; feine Wagen zeigen bei der Maximalbelaftung noch ein Milliontel derfelben an. Diefer wie auch Reimann und Müller in Berlin brachten hübfche Handels- und Tarawagen. Letzterer überdiefs eine Bunge'fche Wage für 500 Gramm Belaftung und noch o 2 Milligramm angebend. Die Schönemann'fchen Wagen von Kuhtz in Brandenburg zeigen bei 150 Kilogramm Belaftung noch o 25 Gramm an. Sehr preiswürdig find Lotter's( in Nürnberg) Tafelwagen, fowie die Handelswagen von Chriftian und Wehfritz. Köpping's( in Nürnberg) fehr compendiöfe Federwage reicht bis 9 Kilogramm und dient zum Wägen kleiner Kinder. Das Gegenftück hiezu bildet die von Stollenreuter ausgeftellte Federwage nach Jolly.* Sie beſteht aus einem langen, ſpiralförmig gewundenen dünnen Drahte, an deffen Ende zwei Schälchen hängen; das unterfte taucht unter Waffer und dämpft hiedurch die Bewegung. Die Feder hängt vor einem Spiegelftreifen mit Millimetertheilung, um die Senkungen der Schalen ablefen zu können. Der Apparat ift fehr empfindlich und kann namentlich zu Dichtenbeftim mungen von Mineralien etc. zweckmäfsig verwendet werden. Nicht fehr viel erübrigt von den übrigen Ländern zu berichten. In Frankreich konnte man eine Sammlung von Säulenwagen fehen, die zur Aichung der Gewichte dienen und von Callot in Paris gebaut waren. Eine analytifche Wage von derfelben Firma hatte eine Aluminiumsfchiene zu Aufnahme des Reiters und Balkenarretirung mit Spitzencontact, Hardy in Paris hat feine frühere Bauart der Wagen beibehalten. Schneiden und Haken der Schalenaufhängung find ähnlich wie bei Staudinger und Buff angebracht; allein der Bügel mit der lanzettförmig zugefchärften Aufhängefchneide reicht behufs Anbringung einer Correctionsfchraube foweit nach abwärts, dafs die Haken ftreifen müfsten, würde man den aufwärts gerichteteten Arm nicht fchief ftellen. Dadurch erhält die Wage ein eigenthümliches Ausfehen. In der Armlänge ift eine dritte Schneide angebracht, die beim Wägen kleinerer Maffen zur Aufnahme der Gewichtsftücke dient. Adam Guedvillo in Moskau hat in feinen Wagen Vorzügliches geleiftet. Wenn auch etwas maffiv gehalten, find fie in allen ihren Theilen wohldurchdacht angeordnet und von folider Bauart. Im Wefentlichen ift diefe übereinftimmend mit der von Deleuil adoptirten. Die Arme der Abhebevorrichtung erhalten an ihren Enden eine Führung mittelft verticaler Stahlftifte und find für Spitzencontact eingerichtet. Die Lager der Aufhängefchneiden für die Schalen find fchwalbenfchweifförmig vertieft, was wohl weniger zweckmäfsig erfcheint. Für die drei Wagen, die ausgeftellt waren, fehlten leider die Angaben über ihre Empfindlichkeit. Bruny in Chaux de fonds, Neuenburg, brachte eine fchön gearbeitete Goldund Silberwage; die Société Genèvoife eine fehr compendiöfe Federwage von nur 600 Gramm Gewicht, in einem Etui, 17 Centimeter lang und 7 Centimeter breit. Sie reicht bis 10 Kilogramm mit einer Genauigkeit von wenigftens 5 Gramm und dient für ärztliche Zwecke zum Wägen Neugeborener. In Italien waren Wagen für verfchiedene Zwecke, Tara-, Seide- und Goldwagen, Decimal- und Tafelwagen von Schiavi in Udine, Mercanti in Udine, Opeffi in Turin ausgeftellt, von letzteren auch eine analytifche Wage, die * Sitzungsberichte der königlich baierifchen Akademie der Wiffenfchaften zu München, 1864, I, pag. 262. Mathematifche und allgemeine phyfikalifche Inftrumente. 23 Schneiden auf Steinlager ruhend und dreifacher Arretirung mit Gabelcontact. Abgefehen von der äufseren Ausftattung, fcheint fie mit Gefchick conftruirt zu fein. Im Allgemeinen jedoch haben fich die bedeutenden Fortfchritte, welche in Italien die Präcifionsmechanik gemacht hat, noch nicht in gleichem Grade auf die Fabrication von Wagen erftreckt. Wir erwähnen noch in Spanien Vich's Schnellwage; in den Niederlanden Olland in Utrecht, der eine chemifche Wage zeigte; die Tafelwagen von Hoas in Chriftiania und Berg in Kopenhagen; endlich K aftrup's( Kopenhagen) Centefimal- Zeigerwagen. Berg's Tafelwagen( Syftem Roberval) verdienen wegen ihrer fchönen und guten Arbeit hervorgehoben zu werden. Die Tafeln aus Steinplatten und nahe an einander geftellt liegen in der Gleichgewichtslage genau in einer Ebene; eine Zunge wird überflüffig. Chronographe und Chronofkope. Chronographe, wie die von Siemens, Hipp, Hasler etc., die fpeciell zum Zwecke der Regulirung namentlich aftronomifcher Beobachtungen conftruirt find, werden in einem anderen Berichte befprochen; wir haben es hier nur mit jenen Apparaten zu thun, welche die Zeitdauer gewiffer Phänome zu meffen geftatten, an welchen wir direct den Moment des Beginnes und des Endes nicht mehr oder doch nicht ficher genug zu unterfcheiden vermögen. Die meiſten der neueren Chronographe benützen die mechanifche Wirkung des elektrifchen Stromes zur Erzeugung der Zeitmarken in Verbindung mit einer gleichförmigen oder fchwingenden Bewegung. In letztere Kategorie gehört das einfache und leicht zu handhabende elektrifche Vibrations chronofkop von W. Beetz, welches Edelmann in München ausgeftellt hat. Eine fchwingende Stimmgabel, die, an einem Schlitten befeftigt, mit der Hand rafch verfchoben wird, zeichnet mit der einen Zinke eine Wellenlinie etwa auf Papier, während durch einen mit der Gabel gleichzeitig mitbewegten Stift, ganz nahe an dem fchreibenden Zinkenende, der überspringende Funke einer Leydener Flafche Anfang und Ende der zu meffenden Zeit markirt. Mit diefem Apparate ift es noch leicht 1/1000 Secunde zu meffen. Diefelbe Idee war fchon früher von Liffajons und Schulz an einem complicirteren, aber auch noch wirkfameren Apparate nur Ausführung gekommen. Bei Hardy war der Chronograph von de Brettes** durch ein fchönes Exemplar vertreten. Ein conifches Pendel, cardanifch aufgehängt, ift zugleich Regulator eines durch Gewicht getriebenen Uhrwerkes und gibt einem horizontalen Zeiger eine gleichförmige Umdrehung. Concentrifch mit der verticalen Umdrehungs achfe ift ein Metall cylinder aufgeftellt, der mit Papier überzogen wird und gegen deffen Mantelfläche faft berührend eine mit dem Zeiger verbundene und verftellbare Spitze gerichtet ift. Ein Inductionsftrom wird durch die Pendelftange dem Zeiger zugeleitet und der zum Cylinder überfpringende Funke gibt die Zeitmarke. Damit viele aufeinander folgende Zeitmarken verzeichnet und abgelefen werden können, erhält der Cylinder eine mit der Achfe parallel fortfchreitende Bewegung, fo dafs die Zeitmarken in einer Spirale angeordnet erfcheinen. Bei den grofsen Apparaten ift der Weg des Zeigers in einer Secunde gleich zwei Meter und da noch Zeitmarken unterfchieden werden können, die um/ Millimeter abftehen, fo geftattet der Chronograph noch 1/10000 Secunde zu meffen. Einen Chronograph nach dem Syfteme von Liais brachte E. Defchiens in Paris. Durch verftellbare Windflügel regulirt, dreht ein Uhrwerk eine horizontale, mit Papier überfpannte Scheibe um eine verticale Achfe. Durch dasfelbe Uhrwerk wird eine horizontale Schraube umgedreht und hiedurch ein Schlitten * Kosmos, Band XX, p. 296. ** Comptes rendus, vol. LII, p. 667. 24 Ferdinand Lippich. verfchoben. Diefer Schlitten trägt zwei horizontale Arme, die bis an jenen Durchmeffer der Scheibe reichen, welcher der Schraubenachfe parallel liegt. Am Ende der Arme find zwei Schreibftifte fchief und nahe gegen einander geftellt angebracht, fo dafs fie beim Rotiren der Scheibe eine doppellinige Spirale aufzeichnen. Die Arme werden durch Elektromagnete nach links und rechts gezogen und es gibt der eine Stift die Secunden, der andere die Marken des zu regiftrirenden Zeitmomentes. Durch Stromfchlufs kann das Uhrwerk rafch angehalten werden und ebenfo nimmt es, in Bewegung gefetzt, fehr bald die conftante Grenzgefchwindigkeit an. Diefer Chronograph ift zunächft für aftronomifche Zwecke beftimmt, kann aber auch zur Meffung fehr kleiner Zeiten dienen, wenn die Zeitmarken durch überfpringende Funken erzeugt werden. Von Jaspar in Lüttich war der fchon feit längerer Zeit bekannte Chronograph von Le Boulengé* ausgeftellt. Aus der Fallhöhe während der zu beftimmenden Zeit wird auf diefe gefchloffen. An einer verticalen Säule find zu beiden Seiten und in verfchiedenen Höhen zwei Elektromagnete befeftigt. Jeder hält bei vorhandenem elektrifchen Strome einen cylindrifchen Anker feft, von denen der eine an dem höher liegenden Elektromagnet mit Papier überzogen wird und zur Aufnahme der Zeitmarken dient. Diefe werden durch einen Hebel erzeugt, der mit einer Schneide gegen den fallenden Cylinder fchnellt und diefer Hebel wird ausgelöft durch das Herabfallen des anderen Ankers. Damit die Anker bei Unterbrechung des Stromes fofort abfallen, wird der remanente Magnetismus durch einen Zweigftrom compenfirt. Läfst man zuerft denfelben Strom um beide Elektromagnete gehen und unterbricht ihn, fo erhält man eine Marke, die als Ausgangspunkt dient. Gehen aber durch die Magnetifirungsfpiralen verfchiedene Strome, die zu verfchiedenen Zeiten unterbrochen werden, fo erhält man andere Marken, aus deren Lage die Zeit gefunden werden kann, die zwifchen der Unterbrechung des einen und des anderen Stromes verfloffen ift. Der Apparat hat fich bei Beftimmung der Gefchwindigkeiten von Gefchoffen fehr gut bewährt. Auch das wohlbekannte Chronofkop von Hipp in Neuenburg war durch ein Exemplar vertreten. Der Grundidee nach von Wheatfton herrührend, erhielt es erft durch Hipp jenen Grad von Vollkommenheit, die es zu exacten Meffungen tauglich machte. Diefes Uhrchronofkop gibt noch 1/1000 Secunde an und wird noch heutzutage in vielen Unterfuchungen mit Vortheil angewendet. - Barometer. Das Queckfilber Barometer ift zwar in letzter Zeit bei vielfachen Anwendungen durch die Dofenbarometer verdrängt worden, in feiner wichtigften Bedeutung als wiffenfchaftliches Mefsinftrument bleibt es nach wie vor unberührt und es ift die Grundlage, der auch die Aneroide nicht entbehren können, wenn fie bei gewiffen Operationen mit einiger Zuverläffigkeit dem Queckfilberbarometer fubftituirt werden follen. Queckfilberbarometer als Präcifionsinftrumente find in Oefterreich nur von L. J. Kappeller in Wien ausgeftellt worden. Dafür war aber auch das Gebotene an Reichhaltigkeit und Ausführung bedeutend genug, um Oefterreich in diefer Richtung eine hervorragende Stellung zu fichern. Der Name Kappeller hat fich auch bereits einen fo guten Klang verfchafft, dafs man nur Treffliches erwarten konnte. Wir heben hervor: Ein Normalheber- Barometer in Meffing gefafst, die Röhre nahe an 15 Millimeter weit, mit beweglicher, auf Silber getheilter Scala; die Einftellung gefchieht mittelft Mikroikope. Beim Nichtgebrauch ift das Inftrument in geneigter Stellung fixirt und wird erft vor der Ablefung in verticaler Lage befeftigt. Die Scala, in halbe Millimeter getheilt, geftattet, mit Nonius noch o'o1 Millimeter abzulefen. Reifeheber Barometer in Holzkaften und Fortin'fcher Schneideeinftellung. * Bulletins de l'Académie Royale des sciences de Belgique, vol. XVII. 2, p. 92. Mathematifche und allgemeine phyfikalifche Inftrumente. 25 Normalgefäfs- Barometer, nach Fortin mit 10 Milimeter weiter Glasröhre in Pakfong gefafst, Mikrofkopeinftellung und Vorrichtung zum Verticalftellen. Ebenfolches, jedoch nur das Gefäfs aus Pakfong. Ferner Gefäfsbarometer, bei welchen nur auf das obere Niveau eingeftellt wird. Das Gefäfs ift fehr nahe cylindrifch und die Niveau- Aenderung im Gefäfse wird durch eine einfache Formel in Rechnung gebracht. Die Werthe der Conftanten find auf jedem Inftrumente angegeben. Diefe Barometer werden von der k. k. meteorologifchen Centralanftalt als Stationsbarometer verwendet. Endlich ein grofses Normalgefäfs- Barometer, mit Vorrichtung zum Vertical ftellen. Das ganze Barometer ift in einen Glaskaften eingefchloffen. Die Ein ftellung gefchieht mittelft Mikrofkope und die verfchiebbare Scala, in halbe Millimeter getheilt, geftattet mit Nonius noch o'or Millimeter abzulefen. In Deutfchland hatte Geifsler in Bonn leider feine Barometer nicht ausgeftellt. In Frankreich fahen wir bei Dutrou in Paris ein fchönes Barometer nach Fortin mit Ablefung auf 150 Millimeter, defsgleichen ein Heberbarometer, in der Schweiz von Herrman und Pfifter in Bern ein Stations Gefäfsbarometer nach Fortin und ein Reife- Heberbarometer, ferner ein grofses StationsGefäfsbarometer nach Fortin. Aus Spanien, brachte Arce in Madrid ein NormalGefäfsbarometer, das leider für eine nähere Befichtigung fehr ungünftig aufgeftellt war. Das Glasrohr ftan d zwifchen zwei maffiven prismatifchen Meffingfäulen, die das Gefäfs trugen; an einer diefer Säulen war der Nonius fammt Einftellungsloupe mittelft Trieb verfchiebbar und das Inftrument konnte vertical geftellt werden. In dem Deckel des fonft gefchloffenen Gefäffes war ein Hahn angebracht, vielleicht auch dazu dienend, um durch Abfperren desfelben während der oberen Einftellung von den Aenderungen des Luftdruckes unabhängig zu fein. Die mechanifche Durchführung wie die Ausftattung war an diefem Inftrumente eine meifterhafte. Aehnlich gebaut war ein von Pillifcher in London verfertigtes Gefäfsbarometer in Pakfong montirt. Die beiden prismatifchen Säulen waren mit zwei Scalen für Ablefung nach Millimeter und englifchen Linien verfehen. Vecchi in Parma brachte( wenn wir nicht irren) ein Barometer Fortin; ebenfo Edelberg in Charkow; zum Einftellen auf die Queckfilber- Kuppe waren in den Oeffnungen der verfchiebbaren Hülfe zwei parallele feine Metallfäden ausgefpannt. An einem fchönen Normal- Heberbarometer desfelben Mechanikers ging die Ablefung bis auf 1/50 Millimeter und die Einftellung gefchah mit Mikrofkopen; das Rohr war in Holz montirt und mit Aufhängevorrichtung verfehen. Von der grofsen Zahl der Dofenbarometer intereffen zumeift jene, die eine gröfsere Genauigkeit anftreben und namentlich als Höhenmafs- oder Schiffsund Reifebarometer Verwendung finden follen. Ueber die Eignung der Dofenbarometer zu diefen Zwecken wird gegenwärtig noch viel geftritten. In der Complicirtheit des Mechanismus, durch welchen die äufserft kleinen Bewegungen der luftleeren Kapfel vergröfsert und fichtbar werden, liegt wohl zumeift der Grund, wefshalb die Angaben der Aneroide je nach Umständen und Behandlungsart bald als brauchbar, bald als zu unficher bezeichnet werden. Es war daher ein bememerkenswerthes Beftreben, als Goldfchmid in Zürich daran ging, Aneroide mit möglichft einfachem Mechanismus zu conftruiren. Seine Ausftellung mag daher auch etwas eingehender befprochen werden. Der Grund gedanke, welcher zur Ausführung gekommen ift, befteht der Hauptfache nach darin, die Bewegung der Kapfel gar nicht oder nur wenig zu vergrössern und mikrometrifch mit Hilfe einer Schraube zu meffen; die Einrichtung welche diefes leiftet, ift folgende: Die Aneroidkapfel ift mittelft eines kurzen Stieles in der Mitte der unteren Fläche an der Bodenfläche einer fie umgebenden Dose befeftigt. Durch die Mitte des Deckels diefer Dofe hindurch geht eine Mikrometerfchraube, deren Spitze gegen die obere Fläche der Aneroidkapfel gerichtet ift. Von der Mitte diefer Fläche ausgehend ift radial ein Arm befeftigt, der am Ende eine 26 Ferdinand Lippich. nach Aufwärts gerichtete Schneide trägt, und auf diefe ftützt fich ein Hebel, der über den erwähnten Arm hinweg bis zu einer Spalte im cylindrifchen Mantel der Dofe reicht, wo fein Ende, mit einer Marke auf einem Blättchen verfehen, fichtbar wird. Der Drehpunkt diefes Hebels, fehr nahe an der Schneide gelegen, befindet fich an einem Säulchen, das am Boden der Dofe befeftigt ift. Die Bewegung diefes Hebels, noch zu klein, um direct an einer Scala abgelefen zu werden, wird nun mittelft der Mikrometerfchraube gemeffen. Hiebei kann man aber nicht die Spitze direct mit dem Hebel in Contact bringen, denn der Moment des wirklichen Contactes könnte nicht ficher beurtheilt werden. Goldfchmid bringt daher in fehr finnreicher Weife die fogenannte Fühlhebel- Feder an. Es ift diefes eine feine Stahlfeder, welche an dem Hebel nahe bei feinem Drehungspunkte befeftigt und nach aufwärts gebogen ift. Sie trägt an ihrem Ende ein Blättchen mit einer Marke, die im Spalt des Gehäuſes neben der Marke des Hebels erfcheint. Bringt man beide Marken mit Hilfe der Schraube zur Coincidenz, fo hat auch die Spitze der Schraube gegen den Hebel eine ganz beftimmte Stellung, die immer diefelbe ift, wenn der Luftdruck derfelbe wird. Diefs genügt im Allgemeinen, um das Inftrument mit Hilfe eines Queckfilber- Barometers graduiren und fodann mit demfelben richtige Beobachtungen machen zu können. In Wirklichkeit find übrigens die Aenderungen in der Stellung der Mikrometerfchraube fehr nahe den Luftdruckänderungen proportional. Die Ganghöhe der Mikrometerfchraube ift durchfchnittlich o 25 Millimeter; beiläufig ebenfo grofs ift die Bewegung des Mittel. punktes im oberen Deckel der luftleeren Kapfel, welche einer Aenderung des Luftdruckes um 100 Millimeter Queckfilber- Höhe entſpricht. Die Coincidenz der Marken wird mit Hilfe einer Loupe beobachtet, die an einem Röhrchen fich befindet, das feitlich mit einer Oeffnung verfehen ift, um die Blättchen gehörig beleuchten zu können. Die befchriebene Einrichtung ift die des Aneroides für Topographie; der Kopf der Schraube ift in 100 Theile getheilt, geftattet noch Höhen von 0.5 Meter zu meffen und reicht bis zu einer Höhe von 4000 bis 5000 Meter aus. Die Empfindlichkeit des Inftrumentes bleibt hiebei nahe diefelbe. Mittelft diefes Barometers, eines einfachen Winkel- Mefsinftrumentes und eines Schrittmafses ift man im Stande, Croquis für topographifche Aufnahmen auszuführen. Ebenfo eingerichtet ift das Tafchen- Aneoridbarometer, das noch für die gröfsten Höhen verwendbar ift und diefelbe Empfindlichkeit behält. Die Genauigkeit der Einftellung beträgt o1 bis o 2 Millimeter Quecksilber- Druck. Das Marine- und Obfervations- Aneroidbarometer ift nur für ein kleineres Intervall der Luftdruck- Aenderung eingerichtet und zwar fo, dafs diefes Intervall nicht mehr als eine Umdrehung der Mikrometerfchraube erfordert. Für das Marinebarometer reicht das Intervall von 700 bis 800 Millimeter Queckfilber- Druck; für Standbarometer mufs bei Beſtellung der mittlere Barometerftand oder die Meereshöhe des Beobachtungsortes angegeben werden. Mit Hilfe des Inftrumentes laffen fich noch o'r Millimeter Queckfilber- Druck angeben. Beim Tracirungs- Aneroid ift die Hebelüberfetzung weggelaffen, und das eine Blättchen ift unmittelbar am erften Arm befeftigt, der bis zum Schlitz reicht. Diefes Inftrumentchen geftattet, noch Höhenunterfchiede von I bis 2 Meter zu meffen und reicht von 400 bis 800 Millimeter Quecksilber- Druck. Genau fo ift auch das Tafchenaneroid eingerichtet, das fo klein ift, dafs es ganz bequem in der Tafche getragen werden kann. Es reicht noch für die gröfsten Höhen aus und geftattet eine Ablefung bis auf o 2 Milimeter. Die fämmtlichen von Goldfchmid verfertigten Aneoride werden fehr forgfältig mittelft eines eigens zu diefem Zwecke conftruirten Apparates mit einem Queckfilberbarometer durch Anwendung der Luftpumpe verglichen. Die Werthe der Ablefungen find in einer kleinen Tabelle am Deckel des Aneroides zufammengeftellt Defsgleichen werden die Temperaturcorrectionen durch einen Erwärmungsapparat beftimmt und in einer Tabelle graphifch dargestellt. Mathematifche und allgemeine phyfikalifche Inftrumente. 27 Thermometer, welche in das Innere des Gehäufes gebracht werden können, fowie entſprechend eingerichtete Etuis, die zugleich beim Ablefen das Inftrument vor Erwärmung durch die Hand fchützen, find beigegeben. Allerdings ift durch die Fühlhebel- Feder ein möglicherweife veränderliches Element in den Apparat eingeführt, das, wenn auch alles Ubrige keinen ftetigen Aenderungen unterworfen wäre, eine Variation der Conftanten herbeiführen könnte. Die Erfahrung wird hierüber bald Auffchlufs zu geben im Stande fein. Uebrigens könnte die Fühlhebelfeder ganz befeitigt werden, wenn man die Mikrometerfchraube nach Art der früher befchriebenen Sphärometer einrichten würde, was unferes Erachtens manche Vortheile mit fich brächte. Goldfchmid conftruirt auch portative, felbft regiftrirende Aneroidbarometer. Um die Bewegung des Hebels zu vergröfsern, find hier 10 luftleere Büchfen über einander befeftigt. Der Hebel ift mit einem Stifte ver fehen, der mittelft des Uhrwerkes von Viertel zu Viertel Stunde gegen eine Trommel gefchnellt wird, die, durch das Uhrwerk in Umdrehung um eine verticale Achfe verfetzt, einen Papierftreifen aufwickelt. Da die Trommel nur eine geringe Höhe befitzt, wie fie für gewöhnliche Aenderungen des Luftdruckes ausreicht, fo ift noch eine Vorrichtung angebracht, durch welche das ganze Büchfenfyftem in mefsbarer Weife gehoben und gefenkt werden kann. Hievon ift namentlich auf Reifen Gebrauch zu machen, wenn das Inftrument in Stationen mit verfchiedenen Höhen über der Meeresfläche in Anwendung kommen foll. Das Uhrwerk ist für einen Gang von 50 Stunden berechnet. Von den übrigen Ausftellern, die in diefer Gruppe noch zu nennen find, brachte Gottlieb in Wien gewöhnliche Queckfilber- Barometer und Aneroide eigener Erzeugung, die fich bereits grofser Anerkennung erfreuen; Stettinger und Neuhöfer, beide in Wien, Zimmerbarometer und Aneroide, erfterer noch ein Patentmanometer, letzterer Höhenmefs- Aneroide; Lafer und Hetfchel, ebenfalls beide in Wien, Zimmerbarometer, die durch folide und gefchmackvolle Arbeit hervortraten; Deutfchbein in Hamburg eine reiche Collection von Aneroiden in fehr eleganter Ausftattung; Pillifcher in London und Bréguet, Carre, Lion und Gouichard, fämmtlich in Paris, Aneroide von den verfchiedenften Gröfsen, von vorzüglichfter Arbeit und Ausftattung. Die Tafchenaneroide letzterer Firma find fehr bekannt und verbreitet. Das Bourdon'fche Holofteric fcheint auch in Frankreich durch die Vidi'fchen und Naudet'fchen Aneroide ganz verdrängt zu werden. Ein von Le coz in Briene erfundenes Barometer, welches die LuftdruckAenderungen in vergröfsertem Mafsftabe darftellt, war auf dem Transporte befchädigt worden. Infoweit die vorhandenen Beftandtheile errathen liefsen, fcheint die Einrichtung auf dem Principe des Morland'fchen Wagebarometers zu beruhen. Luftpumpen und Compreffionsapparate. Obgleich die Luftpumpen nichts weniger als zahlreich vertreten waren, fo werden wir doch einige wichtige Inftrumente diefer Art zu verzeichnen haben. Hauck in Wien brachte nebft gewöhnlichen Luftpumpen zum Evacuiren und Comprimiren eingerichtet. den Compreffionsapparat von Natterer zur Erzeugung flüffiger Kohlenfäure in fehr fchöner Ausführung, eine Deleuil'fche Pumpe mit freien Kolben, ganz nach Deleuil's Conftruction und eine Queckfilber- Luftpumpe nach Töpler. In fehr finnreicher Weife find an diefer Pumpe Hähne oder Ventile vermieden; wir wollen das Schema derfelben angeben. Von einem Glasballon führt aus feinem oberften Punkte O ein Glasrohr A nach abwärts, das etwas länger als die Barometerhöhe ift und mit feinem unteren offenen Ende in ein cylindrifches Glasgefäfs unter Quecksilber taucht. Vom unterften Punkte U desfelben Ballons zweigen fich zwei Rohre ab. Das eine Rohr D geht erft vertical nach aufwärts, bis es eine Länge von mehr als die Barometerhöhe erreicht hat, biegt dann wieder nach abwärts und führt fchliefslich 28 Ferdinand Lippich. M zum Recipienten, das zweite Rohr C geht von U aus vertical nach abwärts und fteht mit dem Schlauche in Verbindung, der in das Queckfilber- Gefäfs endigt, welches abwechfelnd gehoben und gefenkt wird. Diefe Senkung mufs foweit erfolgen können, dafs das Queckfilber- Niveau im Gefäfse tiefer als die Barometer höhe unter U zu liegen kommt. Beim Heben des Queckfilber- Refervoirs wird zuerft bei U durch das in C fteigende Queckfilber die Communication zwifchen. dem Recipienten und Ballon abgefperrt und beim weiteren Heben die Luft aus letzteren durch A ausgetrieben. Wird das Refervoir wieder gefenkt, fo entſteht zuerft im Ballon ein luftleerer Raum, in welchen, wenn das Queckfilber- Niveau in B bei U angekommen ift, die Luft aus dem Recipienten tritt. Durch aber maliges Heben wird diefe wieder durch A ausgetrieben u. f. f. Die Länge des Rohres B verhindert ein Ueberfliefsen des Queckfilbers in den Recipienten, wenn derfelbe auch ganz luftleer wäre. Diefe Pumpe läfst fich natürlich ganz aus Glas herftellen. Hauck befeftigt. die einzelnen Röhren mittelft Stahlflanfchen aneinander Steflitfchek in Wien brachte eine zweiftiefelige Ventil- Luftpumpe Hugershoff in Leipzig eine zweiftieflige Hahn- Luftpumpe mit liegenden Cylindern; Greiner& Friedrichs in Stützenbach( Provinz Sachfen) eine Queckfilber- Luftpumpe nach Geifsler Jolly zu phyfiologifchen Zwecken( nach Angaben von Profeffor Ludwig), Stollenreuter eine Jolly'fche Queckfilber Luftpumpe und endlich Geifsler in Bonn ebenfalls feine Pumpe. Diefe war ganz aus Glas hergeſtellt. Die gewöhnlich U- förmigen Röhren zum Trocknen, Reinigen etc der zu füllenden Gafe haben an diefer Pumpe beiläufig die Form Wulf fcher Flafchen, an welchen die beiden Seitenröhren verlängert find. Sie ragen etwas über das horizontale Verbindungsrohr der Recipienten hinaus und find, fowie der mittlere Hals durch eingeriebene Stöpfel verfchliefsbar. Aus der Hand eines Künftlers wie Geifsler, wird man trotz der vielen Stöpfel und Hähne das Inftrument mit vollem Vertrauen verwenden können. Vom Gewerbeinftitute in Liffabon war eine hydro- pneumatifche Pumpe, erfunden von Silva Pinto ausgeftellt; fie gründet fich auf die bekannte faugende Wirkung eines Wafferftrahles. Auf einem Tifche mit portativem Luftpumpen- Teller und Recipienien ift vertical eine hölzerne Wand von etwa I Meter Höhe aufgeftellt. Durch diefe Wand, nahe im unteren Drittel der Höhe, führt das vom Refervoir kommende Zuleitungsrohr hindurch und biegt vertical nach abwärts. Unmittelbar über der Biegung mündet ein Piezometer in das Zuleitungsrohr, an welchem man die Gröfse des hydraulifchen Druckes ablefen kann. Das Zuleitungsrohr führt durch einen Abfperrhahn in einen Conus von 12° Oeffnungswinkel und die Ausftrömungsöffnung diefes Conus hat nur einen Durchmeffer von 3 Millimeter. Er mündet in das weitere ihn umgebende Abflufsrohr, welcher in das Innere eines Ballons leitet, aus welchem der Abflufs fo geregelt wird, dafs das Rohr immer unter Waffer taucht. Zu beiden Seiten der Ausftrömungsöffnung des Conus zweigen aus dem Hauptrohre die Saugröhren ab, die fchliefslich in den Recipienten münden. Sie find jedoch früher an der Wand vertical nach aufwärts geleitet zu einer cylindrifchen Kapfel, die ein Sicherheitsventil enthält, um vorkommenden Falles das Eintreten des Waffers in den Recipienten zu verhüten. Von diefem Ventile führt durch einen zweckmäfsig conftruirten Hahn der Luftweg durch zwei lange, an der Wand befeftigte Trockenröhren und fodann noch einmal durch den Hahn hindurch in ein verticales Rohr bis an den Fufs der Wand, wo dann durch ein Kautfchukrohr die Verbindung mit dem Recipienten erfolgt. Aus den früher genannten Hahn führt noch eine Zweig. leitung zu einem Barometer. Derfelbe Hahn dient auch dazu, um Luft in den Recipienten treten zu laffen. Mit diefer Pumpe foll die Luftverdünnung bis auf 15 Millimeter getrieben werden können; bei welcher Druckhöhe wird nicht angegeben. Jedenfalls ift die Dispofition des Apparates fehr gut und bequem gewählt. Mathematifche und allgemeine phyfikalifche Inftrumente. 99 29 Es erübrigt noch eine Pumpe ausführlicher zu befprechen, die leider nur durch Zeichnungen und Photographien illuftrirt war, nämlich die neue Queck filber- Luftpumpe oder, wie fie der Erfinder nennt, die Barometer Luftpumpe" von Kravogl in Wilten bei Innsbruck. Die Conftruction derfelben datirt aus dem Jahre 1872; fie konnte defshalb nicht ausgeftellt werden, weil ihre fofortige Verfendung nach Amerika bedungen war und der Verfertiger, ohne Gehilfen arbeitend, eine Vervielfältigung feiner Inftrumente nur langfam zu Stande bringen kann. Kravogel hatte auf der Parifer Weltausftellung für eine Quecksilber. Luftpumpe eine Auszeichnung erhalten; die neue Pumpe ift eigentlich nicht als eine Vervollkommnung diefer früheren zu betrachten, denn fie bafirt auf einem anderen Principe. Sie ift überdiefs doppeltwirkend und geftattet die Anwendung des Babinet'fchen Hahnes. Wir wollen verfuchen, ihre Einrichtung verftändlich zu machen. Zwei hohle gufseiferne Röhren( nahe 5 Meter lang) find vertical geftellt, an ihren oberen Enden fchüffelförmig erweitert, an ihren unteren gefchloffen. Sie umgeben jedes einen maffiven Eifencylinder, der etwas kürzer als fein Mantel oben conifch ausläuft. Zwifchen dem Mantel und dem Kern bleibt demnach ein Hohlraum von ringförmigem Querfchnitt, der unten gefchloffen ift. In diefen fchiebt fich von oben her ein anderer Hohlcylinder von faft gleicher Länge wie die feften Kerne und oben conifch fich verengend. Diefe beweglichen Cylinder haben die Bedeutung der Stiefel einer gewöhnlichen Pumpe und die Kerne erfetzen die Kolben. Die beiden erftgenannten Röhren werden mit Queckfilber gefüllt, deffen Menge fo bemeffen ift, daſs, wenn die Stiefel die tieffte Stellung haben und der Raum zwifchen Stiefel und Kolben ganz mit Queckfilber ausgefüllt ist, dasfelbe aufserhalb der Stiefel bis in die fchüffelförmigen Erweiterungen reicht; wenn fie aber die höchfte Stellung einnehmen, dürfen ihre unteren Ränder nicht aus dem Queckfilber, deffen Niveau dann in der Röhre tiefer gerückt ift, heraustreten. In den oberen Theil eines jeden Stiefels münden zwei Röhren, die mit dem inneren Raume des Stiefels vermittelft eines um die verticale Achfe deffelben drehbaren Hahnes in Communication treten können. Die eine diefer Röhren führt durch einen biegfamen Schlauch zum Recipienten, die andere in die freie Atmoſphäre. Die Bohrungen, welche vom Hahne zu den Röhren leiten, enthalten Stöpfelventile, deren cylindrifche Stöpfel beim Eindringen des Queckfilbers in die Bohrungen gehoben und gegen die flafchenhalsförmig fich verengenden Wandungen des Ventilraumes gedrückt werden. Das Eintreten des Queckfilbers in die Röhren ift hiedurch verhindert. Die Art und Weife, wie die Pumpe functionirt, ift nun leicht einzufehen. Der Stiefel habe feine tieffte Stellung; im Recipienten fei bereits ein gewiffer Grad der Verdünnung vorhanden und durch den Hahn der Recipienten canal mit dem Stiefelraum in Communication gefetzt. Wird der Stiefel gehoben, fo bleibt er anfänglich mit Queckfilber gefüllt, bis durch das Sinken desfelben aufserhalb des Stiefels die Queckfilber- Höhe über diefem Niveau der Druckdifferenz zwifchen äufserer Atmoſphäre und dem Recipienten entſpricht. In diefem Momente öffnet fich das Ventil und es tritt die Luft aus dem Recipienten in die fich ver-, gröfsernde Luftkammer des Stiefels. Hat diefer feine gröfste Höhe erreicht, fo wird die Communication mit der äufseren Atmoſphäre hergeftellt, der Recipientencanal ift abgefperrt und beim Niedergehen wird die Luft wieder ausgetrieben, bis das Ventil durch das herantretende Quecksilber wieder gefchloffen wird. Der zweite Stiefel macht natürlich gleichzeitig die entgegengefetzte Bewegung. Diefe Pumpe befitzt keinen fchädlichen Raum; denn der ganze Stiefel und die Bohrung im Hahne, welche zum Ausblaferohr führte, find im Momente der Drehung gegen das Recipientenventil vollſtändig mit Queckfilber ausgefüllt. Auch mufs die Oeffnung des Recipientenventils bei jeder Spannung der Luft im Recipienten, felbft wenn fie Null wäre, erfolgen. Trotz der Ventile und Hähne 30 Ferdinand Lippich. befitzt alfo die Pumpe keinen der Mängel gewöhnlicher Hahn- oder Ventil- Luftpumpen. Wie fchon erwähnt, hat Kravo gl feiner Pumpe einen Babinet'fchen Hahn beigegeben und er erfcheint auch in der That durchaus nicht überflüffig. Es ift nämlich zu bedenken, dafs beim Ausblafen der Luft, folche, wenn auch in fehr kleinen Quantitäten an den Wänden des Stiefels und der Hahnbohrung hängen bleiben kann, dafs aber auch die gröfsere Abforption von Luft durch das Queckfilber unter atmoſphärifchem Druck, fowie das Condenfiren von Feuchtigkeit, die mit der äufseren Luft in den Stiefel eindringt, möglicherweife zu berückſichtigen kommt. Alle diefe Umstände wirken aber genau fo, wie ein fchädlicher Raum. Bei den übrigen Queckfilber- Luftpumpen kommen diefe Uebelſtände ebenfalls vor, fie können aber meift nicht befeitigt werden. Bei der Töpler'fchen Pumpe dürften fie noch am geringften fein. Die Ingangfetzung der Pumpe gefchieht mittelft Kammrads und zweier verzahnten Stangen durch geringen Kraftaufwand. Der ausgeftellten Photographie nach zu fchliefsen, find die Dispofitionen der Mafchine fehr glücklich und bequem gewählt. Dafs nicht nur die Ausführung, fondern auch die äufsere Ausstattung eine ganz vorzügliche fein werde, dafür bürgen nicht nur die früheren Erzeugniffe diefes trefflichen Mechanikers, fondern auch ein Blick auf die übrigen ausgeftellten Objecte mufste diefe Ueberzeugung verfchaffen. Die Pumpe foll nach den mit ihr vorgenommenen Proben noch kaum erreichte Refultate geliefert haben. Herr Kravogl gibt an, dafs alle, auch die beftausgekochten Barometerproben mit feiner Pumpe unterfucht, im offenen Schenkel einen höheren Stand zeigen. Bedenkt man die Gebrechlichkeit und etwas difficile Handhabung der bisher gebräuchlichen Queckfilber- Luftpumpen, die Gefahren ihres Transportes und endlich ihre wegen der grofsen Hubhöhe unbequemen Dimenfionen, fo werden die bedeutenden Vortheile der befchriebenen Pumpe auch in diefer Richtung in die Augen fpringen. Sie dürfte wohl das vollkommenfte und präcifefte Inftrument ihrer Art fein und nicht verfehlen, die Aufmerkſamkeit der Phyfiker in hohem Grade auf fich zu lenken. So wird dem Erfinder die wohlverdiente Anerkennung nicht ausbleiben, wenn derfelbe auch augenblicklich von der Jury unberückfichtigt geblieben ift. Der Grund hievon lag wohl zum Theil darin, dafs das Inftrument nur durch Zeichnungen illuftrirt war; aber wir glauben, die übrigen der thatfächlich ausgeftellten Objecte feien derart gewefen, dafs man fich über einen folchen durch Ungunft der Verhältniffe bedingten Mangel hätte hinweg fetzen können. Thermometer, Pyrometer, Aräometer. Ziemlich reichhaltig waren namentlich in Oefterreich und Deutfchland Thermometer und Aräometer vertreten, befonders derartige Inftrumente zum gewöhnlichen Gebrauche oder zur Verwendung in Fabriken beftimmt. So haben ausgeftellt in Oefterreich: Neuhöfer eine Sammlung derartiger Glasinftrumente, namentlich Thermometer fur Fabriksgebrauch; Gottlieb fehr fchöne Thermometer für Fabriken und zu wiffenfchaftlichem Gebrauch, fowie Aräometer der verfchiedenften Gattung; defsgleichen Stettinger in Wien, Weinzierl in Wien, Batka in Prag und befonders hervorzuheben Lafer und Hetfchel, beide in Wien. An Reichhaltigkeit und Vorzüglichkeit der exponirten Objecte ragten aber ganz befonders hervor L. Kappeller und H. Kappeller jun. Die hieher gehörigen Inftrumente für wiffenfchaftliche Zwecke geniefsen denfelben wohlverdienten Ruf wie die bereits befprochenen Barometer. In Deutfchland hatten Stafchen in Mellenbach und Wilhelm's Söhne in Oberweifsbach( Schwarzburg Rudolftadt) Thermometer und andere Glasgeräthe ausgeftellt; Geifsler brachte neben folchen und feinen bekannten GlasbläferWaaren eine ausgezeichnete Sammlung von Normalthermometern. Jeder diefer Mathematifche und allgemeine phyfikalifche Inftrumente. 31 Thermometer umfafst ein Intervall von etwas mehr als 10 Grad Celfius, ein Grad hat eine Länge von mehr als 2 Centimeter, fo dafs man 150 Grad Celfius noch gut ablefen kann. Unter dem Punkte, an welchem die Theilung beginnt, ift das Capillarrohr erweitert und unter der Erweiterung befindet fich der Nullpunkt. Auf diefe Weife ift es möglich gemacht, die Correctionen wegen Aenderung diefes Nullpunktes anzubringen. Frankreich war durch Dutrou mit einer fchönen Sammlung von Thermometern, Aräometern, Pfychrometern etc. vertreten, England durch Pillifcher, Spanien durch Arce, endlich Rufsland durch Bernardaky in Petersburg mit Alkoholometern. Speciell wollen wir noch anführen: Ein Luftthermometer nach Jolly von Stollenreuter. Wie bei Regnault wird die Temperatur eines conftanten Luftvolumens durch die Expanfionskraft beftimmt. Ein Glasballon fteht durch ein enges Glasrohr mit einem weiteren verticalen in Communication, an deffen Ende fich ein Stahlhahn und mit diefem verbunden ein elaftifcher Schlauch, der in ein Glasrohr endigt, befindet. Ballon fowohl als diefes Glasrohr find zu beiden Seiten einer verticalen Säule zu verfchieben und feftzuftellen. Diefe Säule trägt eine Spiegelfcala mit MillimeterTheilung. Durch entſprechende Stellung der beiden Schlitten kann die Luft im Ballon immer auf dasfelbe Volumen zufammengeprefst werden. Das Volumen bis zur Marke, fowie der Ausdehnungscoëfficient des Glafes werden vor Ablieferung der Inftrumente genau beftimmt. Das Metallmaximum- und Minimumthermometer von Herrmann und Pfifter. Es befteht aus einer ebenen Spirale, gebildet durch zwei übereinander gelöthete Streifen von Stahl und Meffing, verfehen mit einem galvanifchen Metallüberzug. Die Krümmung der Spirale bewirkt die Winkeldrehung eines Zeigers, der ähnlich wie beim Holzmann'fchen Thermometer die beiden Zeiger verfchiebt, die das Maximum und Minimum der Temperatur angeben. Durch eine entfprechende Vorrichtung kann die ganze Spirale gedreht und das Inftrument hiedurch juftirt werden. Beim Metallthermometer von Pizzaro in Bologna ift auf einer vertical geftellten Marmorplatte ein Metallftab von etwa 15 Centimeter Länge mit feinem oberen Ende befeftigt. Sein unteres Ende wirkt an dem kürzeren Arme eines horizontalen Hebels, der am Endpunkte des längeren Armes einen zweiten Stab von faft derfelben Länge wie der erfte trägt und welcher nach aufwärts zum kürzeren Arme eines zweiten Hebels führt; der längere Arm diefes Hebels ift. ein Zeiger, der an einem Bogen fpielt. Zur Angabe der maximalen und minimalen Temperaturen werden durch den Zeiger an einem feinen horizontal ausgefpannten Draht zwei Kügelchen verfchoben. Der zweite Hebel ift durch ein Gewicht belaftet, um einen todten Gang zu vermeiden, und die Theilung auf dem Gradbogen reicht von 20 bis 100 Grad Celfius. Das Pyrometer von Codazza in Turin ift nach dem Principe von Regnault's Luftthermometer conftruirt, nur wird, da es fich um Meffung grofser Spannungen handelt, ftatt des offenen Queckfilbermanometers ein gefchloffenes mit Luftkammer verwendet. Das Thermometergefäfs befteht aus Porcellan und befitzt einen Rauminhalt von 290 Cubikcentimeter. Es communicirt durch ein 0.5 Meter langes Eifenrohr mit feiner Bohrung mit dem manometrifchen Apparate, der im Uebrigen genau wie beim Regnault'fchen Luftthermometer eingerichtet und gehandhabt wird. Das Volumen der Bohrung im Eifenrohr und im Glasrohr bis zur Marke beträgt nur I bis 2 Cubikcentimeter. Das Inftrument hat bereits fehr brauchbare Refultate geliefert. Zum Schluffe wollen wir noch einiger Apparate gedenken, die unter die früheren Capitel nicht gut eingereiht werden konnten, dennoch aber innerhalb der Grenzen liegen, die diefem Berichte zugewiefen find. 3 32 Ferdinand Lippich. Von Dynamometern und Dynamographen bemerkten wir in Gruppe XIV nur zwei, die von Kraft in Wien verfertigt waren, und zwar einen Zugdynamograph nach Burg und einen Kurbeldynamograph. In beiden Inftrumenten wird die durch die wirkende Kraft erzeugte Ausbiegung einer entfprechend geformten Feder, in bekannter Weife durch einen Stift auf einem Papierftreifen markirt, der fich fenkrecht gegen die Richtung bewegt, nach welcher der Stift ausweicht; und zwar ift die Gefchwindigkeit des Papierftreifens proportional der Gefchwindigkeit des Angriffspunktes der Kraft. An fogenannten Fallmafchinen zur Nachweifung der Gefetze einer durch eine conftante Kraft erzeugten geradlinigen Bewegung und fpeciell der Bewegung eines freifallenden Körpers war aufser einer Attwood'fchen Fallmafchine gewöhnlicher Conftruction von Hauck, ein eben folcher Apparat von Vennemann in Aachen, der jedoch mit grofser Sorgfalt gearbeitet und mit mehreren meift nicht gebräuchlichen Zugaben verfehen war, ausgeftellt. Die Achfe des Rädchens, welches die endlofe Schnur mit den Gewichten trägt, läuft auf Frictionsrollen; die Schnur ift am unteren Ende des Geftelles über ein zweites Rädchen geführt. In deffen Nähe befindet fich ein kleiner Elektromagnet, der das Gegengewicht fefthält und im geeigneten Momente durch Stromunterbrechung die Auslöfung bewirkt. Das fallende cylindrifche Gewicht hat kreisrunde Oeffnungen in den Fangplatten zu paffiren. Diefe Fangplatten find getheilt und es fteht der eine Theil mit der metallenen Mittelfäule, der andere mit einer Metallfchiene an der Scalenfäule in leitender Verbindung, zu welchen Säulen die Drähte einer Batterie leiten. Indem fich das Zulegegewicht auf die Fangplatte legt, wird der Strom gefchloffen und hiedurch ift es möglich, den Moment des Endes der Bewegung durch Anhalten eines durch Uhrwerk getriebenen Zeigers erfichtlich zu machen. Edelmann& Hipp hatten ihre Vorrichtungen gebracht, durch welche fie, erfterer in Verbindung mit dem Chronographen von Beetz, letzterer mit feinem Uhrchronofkope die Fallgefetze für fehr mäfsige Höhen demonftriren. Berühmt durch ihre unglaublich lange Rotationsdauer find die von Hardy in Paris conftruirten Gyrofkope. Ein folches nach Foucault zum Nachweife der Achfendrehung der Erde, fowie ein Polytrop von Sire waren ausgeftellt. Letzteres Inftrument befteht aus einem verticalen Kreisringe, der mittelft Kurbel um eine verticale Achfe gedreht werden kann. Diefer Ring ftellt einen Erdmeridian vor. Ein kleines Gyrofkop kann an dem Ringe in beliebigen Breiten feftgeftellt werden und es können auf diefe Weife mit dem Apparate die Erfcheinungen wie fie fich an einem Gyrofkope in verfchiedenen Orten auf der Erdoberfläche darbieten, fowie auch die Präcesfion der Nachtgleichen etc. demonftrirt werden. Eine intereffante Einrichtung hat Silva Pinto dem Foucault'fchen Pendel gegeben, durch welche es möglich wird, den Verfuch mit einem Pendel von I Meter Länge auszuführen. Die Bewegung des Pendels wird durch die Wir kung eines Elektromagneten unterhalten und zwar in folgender Weife: Genau unter der Gleichgewichtslage des Pendels ift ein kleiner verticaler Elektromagnet aufgeftellt, der durch einen Strom automatiſch magnetifirt wird; die Kugel des Pendels trägt ihrerfeits ein kleines conifches Stück weichen Eifens. Bei irgend einer Lage des Pendels liegt die auf den Eifenkern der Kugel wirkende Kraft in einer verticalen, durch die Gleichgewichtslage des Pendels gehenden Ebene und vermag demnach nicht das Pendel aus der vorhandenen Schwingungsebene heraustreten zu machen. Es wird demnach die Drehung der Schwingungsebene durch die Achfendrehung der Erde allein zur Erfcheinung kommen. Die Magnetifirung des Elektromagneten wird fo regulirt, dafs letzterer nur während eines Theiles der abwärtsgehenden Halbfchwingung des Pendels thätig ift. Ein horizontaler, getheilter Kreis mit Diopteralhydade zum Einvifiren des Pendelfadens und ein durch den Elektromagneten in Gang gefetztes Zählwerk vervollſtändigen den Apparat. Mathematifche und allgemeine phyfikalifche Inftrumente 33 Herrmann und Pfifter fowohl, wie auch die Société Genèvoife verfertigen Haarhygrometer nach de Sauffure mit grofser Sorgfalt und unter Berücksichtigung der von Regnault angegebenen Vorfichtsmafsregeln. Wie letzterer gezeigt hat, ift man alsdann im Stande, mit diefem bequemen Inftrumente fehr gute Beftimmungen des Feuchtigkeitsgrades zu machen. Die Société Genevoife fucht vor Allem aus Gegenden, in denen Kamm und Pomade weniger bekannte Luxusartikel find, Haare zu acquiriren, die ihre natürliche Elafticität noch nicht eingebüfst haben. Die Einrichtung des Apparates ift der Hauptfache nach die von de Sauffure angegebene. Der Zeiger und die Achfe der Rolle find von Bronce- Aluminium, um die Reibung durch Verminderung des Gewichtes möglichft klein zu machen. Das fpannende Gewicht ift durch eine feine Spiralfeder aus Gold erfetzt, wodurch eine Ueberlaftung des Haares vermieden und der des H Apparat transportabler gemacht wird. Endlich find zwei Theilungen vorhanden, eine fixe arbiträre und eine verftellbare nach Feuchtigkeitsgraden. Noch ein Mefsinftrumentchen von praktiſcher Wichtigkeit hat die Société Genèvoife ausgeftellt, das wir erwähnen wollen, nämlich Wolfsberger's Vorrichtung zum Meffen der Breite von Gasflammen. Aus einer Entfernung von mehreren Metern kann diefe Breite mit hinreichender Genauigkeit beſtimmt werden. Auf einer prismatifchen Hülfe ift unter 45 Grad gegen die Achfe geneigt ein Glasfpiegel befeftigt, deffen Belegung in der oberen Hälfte weggenommen ift. In der Hülfe ift ein prismatifcher Stab verfchiebbar, der an feinem Ende ebenfalls einen Spiegel trägt, der dem erftgenannten parallel fteht. Wie bei einem Sextanten fieht man, ein Object durch den erften Spiegel vifirend, gleichzeitig das Bild durch zweimalige Reflexion der Strahlen an den beiden Spiegeln. Ift das Object eine Gasflamme und bringt man den linken Rand der direct gefehenen Flamme mit dem rechten des Bildes zur Berührung, indem man den Stab in feiner Hülfe entfprechend verfchiebt, fo ift der Abftand der Spiegel gemeffen in der Richtung der Stabachfe gleich der Flammenbreite. Ein zweckmäfsig angebrachter Trieb zur Verfchiebung des Spiegels macht die Anwendung des Inftrumentes fehr bequem. 3* ASTRONOMISCHE INSTRUMENTE. ( Gruppe XIV, Section 1.) Bericht von DR. W. TINTER, Profeffor am Polytechnicum in Wien. Von der Abficht geleitet, den Leiftungen aller jener Länder, welche aftronomifche und geodätifche Inftrumente zur Beurtheilung ausgeftellt hatten, fo weit als nur möglich Rechnung zu tragen, habe ich die ausgeftellten Inftrumente forg fältig ftudirt, und das Ergebnifs hievon nach Gruppen in dem Berichte niedergelegt. Ich liefs mich hiebei von dem Grundfatze leiten, alle jene Inftrumente, welche bisher noch nirgends eine Befprechung gefunden haben, oder folche, welche weniger gekannt find, ausführlicher zu behandeln; bei jenen hingegen, welche bereits in irgend einem Werke oder einer wiffenfchaftlichen Zeitfchrift publicirt find, nach einer kurzen Befchreibung auf die Quellen hinzuweifen welche diefe Inftrumente in ihren Theilen, mit ihren Eigenfchaften, in ihrer Wirk amkeit näher erörtern. Dafs ich es mit der Illuftration ebenfo hielt, ift felbftverſtändlich. Wie weit ich nun meine Abficht in der kurzen, mir zum Berichte überhaupt gegönnten Zeit erreicht habe, mufs ich dem Urtheile geehrter Fachgen offen überlaffen. Meridiankreis. Diefes für Fundamentalbeobachtungen von Sternen nur auf Sternwarten. anzutreffende Inftrument war auch nur in einem Exemplare und zwar in der öfter reichifchen Abtheilung vertreten. Ausgeführt wurde diefer Meridiankreis von dem Mechaniker O. Schaeffler für eine Privat- Sternwarte in Wien. Die räumlichen Verhältniffe derfelben waren in den meiften Stücken für den Conftructeur hinfichtlich der Dimenfionen bindend und nahmen das Talent desfelben in befonderer Weife in Anfpruch. Das Inftrument ift mit Ausnahme der wenigen Stahltheile durchwegs aus Broncegufs hergeftellt. Die horizontale Drehachfe hat o 632 Meter Länge, ift aus einem Stück gegoffen, in feinem Innern vollkommen ausgearbeitet und hat ganz gleiche Metallftärke. Die beiden, die conifche Form habenden Theile der horizontalen Drehachfe lehnen fich in der Mitte an einen würfelförmigen Theil, auf welchen die beiden ebenfalls conifch gehaltenen Fernrohr- Stücke aufgefetzt find. Das auf diefe Weife gebildete gerade Fernrohr hat ein Objectiv von 105 Millimeter Oeffnung und 1160 Meter Brennweite. Aftronomifche Inftrumente. 35 Die aus hartem Stahl gebildeten Zapfen der horizontalen Drehachfe find nach den Unterfuchungen in jeder Hinficht vollkommen zu nennen. Mit der horizontalen Drehachfe find zwei Kreife von 0 632 Meter Diameter fenkrecht verbunden; die Theilung ist auf beiden von fünf zu fünf Bogenminuten direct durchgeführt und durch zweite Kreife gedeckt; der eine diefer Deckkreife dient als Träger für die vier zum Ablefen der Theilung des eigentlichen Ablefekreifes beftimmten Schraubenmikrofkope. Der zweite Deckkreis trägt zwei diametrale Nonien, an denen die ftärkere Theilung des Auffuchkreifes bis auf 30 Bogenfecunden abgelefen werden kann. Der Mikrofkopträger des Ablefekreifes trägt eine Libelle zum Erkennen einer etwaigen Aenderung in feiner Lage. Klemmvorrichtung und freie Bewegung des Fernrohres ift vom Auffuchkreife bequem zugänglich; diefelbe behält für die verfchiedenen Höhenlagen des Fernrohres diefelbe Lage zum Oculare. Die eigentliche Auffatzlibelle berührt die Zapfen in denfelben Querfchnitten, mit welchen die Achfe in den Lagern ruht; fie ift durch Federn contrebalancirt. Der Winkelwerth eines Scalentheiles beträgt eine Bogenfecunde. Die ihrer Form nach gleichen Zapfenlager geftatten die beiden nöthigen Correctionen in Azimuth und Höhe. Aufser dem feften Fadennetze mit 13 Vertical- und zwei nahe aneinander ftehenden Horizontalfäden ift ein bewegliches Fadenmikrometer angebracht, und zwar ein beweglicher einzelner Horizontal- und ein beweglicher verticaler Doppelfaden. Der Werth einer Schraubenumdrehung der beiden zu diefen gegen einander rechtwinkligen Bewegungen nöthigen Schrauben beträgt eine Bogenminute. Die Theilung an der entfprechenden Trommel gibt direct eine Bogenfecunde. Die beiden beigegebenen Oculare geftatten eine Vergröfserung von 88 und 132; das eigentliche Ocular ift fenkrecht gegen die Achfe des Fernrohres verftellbar, um bei den Beobachtungen an den Seitenfäden die Achfe des Oculars über diefelben bringen zu können. Die Beleuchtung des Fadennetzes, fowie jene der Stellen am Ablefe- und Auffuchkreife, wo die Mikrofkope und Nonien fich befinden, gefchieht durch Beleuchtungslampen eigener Conftruction. Die zur Beleuchtung getroffene Einrichtung in der hohlen Achfe geftattet, dafs das eine Mal die Fäden in beliebiger Färbung auf dunklem Grunde, das andere Mal die dunklen Fäden auf beliebig gefärbtem Grunde erfcheinen. Die von der Beleuchtungslampe in die Achfe gelangenden Strahlen treffen zunächſt eine vom Oculare aus zu bewegende Moderationsvorrichtung, von hier aus eine in die hohle Achfe eingefetzte Sammellinfe, die das Licht derart bricht, dafs die nach der Brechung des Lichtes in einem Kegel weiter gehenden Strahlen auf vier im Würfel angebrachte, aber aufserhalb des eigentlichen Sehkegels auf einer beweglichen Blende ftehende Prismen gelangen, von wo aus das Licht zwifchen der äufseren Fernrohr- Wand und einem innerlich angebrachten Blendrohre aufserhalb des Sehkegels gegen das Ocular hin auf weitere vier Prismen gelenkt wird, welche nun das Licht von der Ocularfeite aus gegen das Fadennetz hinfenden, fo dafs das Fadennetz hell und beliebig gefärbt auf dunklem Grunde erfcheint. Um nun das Umgekehrte, dunkle Fäden auf hellem Grunde, zu erhalten, ift die im Würfel angebrachte Blende noch mit einem fünften, fehr kleinen Prisma verfehen und vom Ocular aus beweglich eingerichtet. Wird die Blende fo geftellt, dafs die vier Prismen dem einfallenden Lichte abgewendet werden, fo kommt das fünfte kleine rechtwinklige Prisma in den beleuchteten Sehkegel, welches nun das Licht direct auf die Fäden fendet, felbe beleuchtet. Die Beleuchtungslampe befitzt einen drehbaren Mantel mit zwei Prismenfyftemen, von welch' beiden Syftemen das eine die vier Mikrofkopftellen des Ablefekreifes, das andere die beiden Noniusftellen am Auffuchkreife beleuchtet. 36 Dr. W. Tinter. Portative Paffageninftrumente. Dänemark und Oefterreich vertraten diefe Gattung von Inftrumenten. Das von dem mechanifchen Inftitute Jürgenfen in Kopenhagen ausgeftellte Inftrument hat ein gebrochenes Fernrohr von circa o 470 Meter Brennweite und 48 Millimeter Oeffnung. Die Bauart gleicht der eines aftronomifchen Univerfalinftrumentes. Auf einem Dreifusse ift die verticale Umdrehungsachfe für den Obertheil des Inftrumentes aufgebaut. Ein kleiner unter dem Dreifusse angebrachter Horizontalkreis( 105 Millimeter Durchmeffer) geftattet die Azimuthmeffung bis auf I Minute. Das Aufheben der freien Bewegung des Obertheiles gefchieht mittelft Centralklemme. Der mit der horizontalen Drehachfe des Fernrohres verbundene eigentliche Höhenkreis hat 263 Meter Durchmeffer und Mikrofkopablefung. Der auf derfelben Achfe befindliche Auffuchkreis von 105 Millimeter Durchmeffer kann mittelft Nonius mit der für das Auffuchen von Sternen nöthigen Genauigkeit abgelefen werden. Für die Horizontalftellung des Inftrumentes, beziehungsweife für die Ermittlung der Neigung der horizontalen Drehachfe ift eine Hänglibelle von entfprechender Empfindlichkeit beigegeben. Die für das Meffen der Höhenwinkel nöthige Alhidadenlibelle hat den bedenklichen Stöpfelverfchlufs und ruht zudem noch frei in entfprechenden Lagern. Die angewendete Conftruction zum Heben oder Senken des einen Lagers der horizontalen Drehachfe ift eine einfache und fichere, während die Verbindung der Mikrofkope des Höhenkreifes mit den entfprechenden Trägern nicht glücklich zu nennen ift. Die Firma Starke& Kammerer in Wien hatte ein portatives Paffageninftrument ausgeftellt. Der Unterbau ift ein gufseifernes Stativ mit Correction für Azimuth und Höhe; das Fernrohr, in der Mitte gebrochen, hat eine Brennweite von 0 650 Meter, eine Oeffnung von 53 Millimeter. Der Höhenkreis( Auffuchkreis) ift mit der horizontalen Achfe verbunden, kann mittelft Nonius bis auf eine Minute abgelefen werden. Eine entſprechend empfindliche Hänglibelle dient zur Ermittlung der Neigung der horizontalen Drehachfe des Inftrumentes. Der einfache Umlegmechanismus geftattet ein fchnelles und ficheres Umlegen ohne die Libelle herabnehmen zu müffen. Die von G. Starke im Jahre 1872 angewendete Conftruction für derartige Inftrumente hat eine Vervollkommnung in der Azimuthal correction aufzuweifen. Näheres über diefe Conftruction fiehe: Dr. W. Tinter, Vorträge über fphärifche Aftronomie, 1870; oder: Vorträge über Theorie und Gebrauch geodätifcher und aftronomiſcher Inftrumente 1871 und 1872( Autographien). Refractoren.( Parallaktiſch aufgeftellte Fernrohre.) Baiern, Dänemark, England und O efterreich hatten mehr oder minder Vollkommenes von diefer Gattung Inftrumente ausgeftellt. Wir wollen nun das Wichtigfte hierüber folgen laffen. Baiern. Das rühmlichft bekannte optifche Inftitut G.& S. Merz in München hatte in der deutfchen Abtheilung einen kleinen Refractor ausgeftellt, welcher in feiner Ausführung beredtes Zeugnifs für die Vollkommenheit der Leiftungen gibt, welche aus diefem Inftitute hervorgehen. Das Objectiv hat 132 Millimeter Oeffnung und die befonders auffallend kurze Brennweite von 1260 Meter; die beigegebenen Oculare geftatten eine Vergröfserung bis 240. Das Inftrument ift zum Stellen für verfchiedene Polhöhen eingerichtet. Sowohl Stundenkreis als Declinationskreis hat o'190 Meter Durchmeffer; mit Hilfe der Nonien kann erfterer bis auf 4 Zeitfecunden, letzterer bis auf 1 Bogenminute gelefen werden. Dem Refractor find beigegeben: 1. Ein grofses Kometenfucher- Ocular durch deffen Anwendung das Inftrument einen förmlichen Kometenfucher abgibt' Aftronomifche Inftrumente. 37 2. Sechs gewöhnliche Oculare, von denen das ftärkfte die Vergröfserung 240 gibt und zwei prismatifche Oculare. 3. Ein Filarmikrometer mit auf Glas geriffenen Linien. 4. Ein Pofitionsmikrometer mit den zugehörigen Ocularen. 5. Ein Spectrofkop mit gerader Einficht und drei Prismenfyftemen, von denen jedes für fich oder in gegenfeitiger Verbindung gehraucht werden kann. Der Sucher ift mit einem Kreismikrometer verfehen, deffen inneres Feld. im Glafe durchgebrochen ift. Befonders hervorzuheben ift noch die felbftregulirende Vorrichtung des Centrifugalpendels an dem Motor. Diefes Inftrument, als eines der gelungenften Erzeugniffe der Firma G.& S. Merz zu bezeichnen, ift in den Befitz des Herrn Auguft Biela, k. k. Landesgerichts- Rath, übergegangen. Aufserdem hatte G.& S. Merz ein achromatifches Objectiv von 369 Millimeter Oeffnung ausgeftellt; in neuerer Zeit erft durch das von A, Clark's Meifterhand für den Refractor der Sternwarte in Chicago gelieferte Objectiv von 457 Millimeter Oeffnung übertroffen. Von A. Clark foll in nächfter Zeit für das Naval Obfervatory ein Riefenrefractor mit einem Objective von 660 Millimeter Oeffnung und circa 10 Meter Brennweite geliefert werden. Der von G.& S. Merz für die Sternwarte in Pulkowa gebaute Refractor, die von derfelben Firma für die Refractoren zu New- Cambridge und Liffabon gelieferten Objective hatten ebenfalls 369 Millimeter Oeffnung; den an fie geftellten Bedingungen haben fie auch vollkommen entfprochen. Dänemark. Das von Jürgenfen's mechanifchem Inftitute in Kopenhagen ausgeftellte Inftrument hat ein Fernrohr mit einem Objective von 66 Millimeter Oeffnung und circa 1260 Meter Brennweite. Sowohl Stunden- als Declinationskreis hat o 210 Meter Durchmeffer; mittelft Nonien kann die Ablefung auf 4 Zeit- Secunden, beziehungsweife bis auf 1 Minute gefchehen. Dem Refractor ift ein Faden- und ein Pofitionsmikrometer beigegeben. Das Inftrument war mit dem Uhrwerke verfehen, aber nicht zum Stellen für verfchiedene Polhöhen eingerichtet. England. Von der Firma Cooke and Sons in London war ein auf Holz montirter kleiner Refractor mit verftellbarer Polhöhe ausgeftellt. Das Objectiv des Fernrohres dürfte circa 95 Millimeter Oeffnung und 125 Meter Brennweite haben. Der Stundenkreis kann bis auf 4 Secunden, der Declinationskreis bis auf I Bogenminute direct gelefen werden. Oefterreich. Hier ift wohl in erfter Reihe O. Schäffler mit feinen beiden ausgeftellten Refractoren, für Reifezwecke conftruirt, zu nennen. Der kleinere Refractor hat ein Objectiv von 105 Millimeter Oeffnung und einer Brennweite von 1580 Meter; die beigegebenen Oculare geftatten die Vergröfserungen 60, 80, 120, 180 und 240. Das Inftrument hat die folgenden Oculareinfätze: a) ein Spectralapparat mit gerader Einficht; 6) ein Pofitionsmikrometer mit 30maliger Vergröfserung einem Gefichtsfelde von I Grad 20 Minuten und einer von 5 zu 5 Grad gezahnten Blende; c) der eigentliche Ocularkopf mit fünf in einem Kegelmantel verdrehbaren Ocularen mit Moderationsgläfern; durch diefe Oculare werden die früher genannten Vergröfserungen erzielt. Der Sucher des Fernrohres hat 40 Millimeter Oeffnung, bietet eine 12malige Vergröfserung und ein Gefichtsfeld von 3 Grad 30 Minuten und ift mit einem drehbaren Faden im Oculare und einem kleinen Pofitionskreife verfehen. Der Declinationskreis hat 0'211 Meter, der Stundenkreis o 184 Meter Durchmeffer; die Nonien geftatten die Ablefung bis auf eine Bogenminute, beziehungsweife 3 Secunden. 38 Dr W. Tinter. Zur fchnelleren und leichteren Aufftellung des Inftrumentes ift der Noniusträger des Stundenkreifes mit einem zu der Kreisebene fenkrechten Höhenbogen verfehen, deffen Alhidade zwei Libellen trägt; die eine ift der Verbindungsgeraden der Nullpunkte beider Nonien parallel, die andere fenkrecht zu diefer Richtung. Diefes ganze Syftem von Theilen kann mittelft zwei Handfchrauben in engen Grenzen um die Stundenachfe gedreht werden. Stellt man dann bei der Aufftellung des Inftrumentes an einem Orte die Alhidade des Höhenbogens auf die diefem Orte entſprechende Polhöhe ein und dreht man dann das ganze Syftem um die Stundenachfe fo lange, bis beide Libellen einfpielen, fo hat letztere gegen den Horizont des Ortes die verlangte Lage. Zur genauen Einſtellung der Stundenachfe in den Meridian ift die Platte, welche letztere trägt, mit zwei Handfchrauben ein wenig verftellbar. Durch das Einſtellen des Inftrumentes für verfchiedene Polhöhen wird aber die Lage und die Entfernung des Stundenkreifes zum Triebwerke der Uhr eine andere; es wurde daher die Verkupplung des Uhrwerkes mit dem Stundenkreife derart ausgeführt, dafs die Lagerungen der Ueberfetzungsachfen jeder Stellung des Stundenkreifes und deffen Wendefchraube fich von felbft gegen das Uhrwerk entſprechend ftellen können; die Auslöfung der Stundenkreis- Wendefchraube aus dem Stundenkreife gefchieht einfach durch das Ausziehen eines Stabes aus dem Uhrwerke. Die Gleichförmigkeit des Ganges des Triebwerkes wird durch einen Centrifugalregulator mit Friction zu erreichen gefucht. Zu erwähnen wäre der im Triebwerke angebrachte eigenthümliche Kegelräder- Eingriff, durch welchen es bei Anwendung eines einfachen Schlüffels möglich wird, die Ueberfetzungswelle zur Wendefchraube beliebig nach rechts oder nach links zu drehen, fo dafs die Stundenachfe gleichzeitig der Bewegung durch die Hand und durch das Uhrgewicht folgt, ohne dafs der regelmässige Ablauf der vom Uhrgewichte abhängigen Theile alterirt würde. Der gröfsere von O. Schaeffler ebenfalls hauptfächlich für Reifezwecke. ausgeführte Refractor ift in feiner Conftruction dem kleinen ähnlich; das Objectiv hat 158 Millimeter Oeffnung und 2.210 Meter Brennweite. Die vorhandenen Oculare geftatten die Vergröfserungen: 33, 42, 56, 84, 168, 252, 336, 420, 504; beigegeben find diefem Refractor: I Pofitionsmikrometer, I Spectralapparat, 2 Ringmikrometer, 6 Sonnenblenden aus fchwarzem Glafe und 6 aus verfilbertem weifsen Glafe. Das von Plöfsl& Comp. ausgeftellte Inftrument ift für verfchiedene Polhöhen eingerichtet, hat ein Fernrohr von 75 Millimeter Oeffnung und 0.850 Meter Brennweite des Objectives, zwei terreftrifche und drei aftronomifche Oculare, mit denen Vergröfserungen von 42 bis 145 erzielt werden können. Sowohl Stunden als Declinationskreis hat o 135 Meter Diameter; die Nonien geftatten die Ablefung bis auf 4 Secunden, beziehungsweife I Bogenminute. In der letzten Periode der Ausftellung wurde ein noch unvollendeter. Refractor von der Firma Carl Fritfch in der öfterreichifchen Abtheilung aufgeftellt; derfelbe ift für eine beftimmte Polhöhe eingerichtet, hat ein Fernrohr mit einem Objective von o 290 Meter Oeffnung und 3.950 Meter Brennweite. Parallaktifch montirte gröfsere Fernrohre ohne Kreife waren in der öfterreichifchen Abtheilung noch ausgeftellt von Plöfsi& Comp., von Fritfch, Hauck und Waldftein. Unter den Plöfsl& Comp. ausgeftellten fechs parallaktifch montirten Fernröhren befanden fich drei gewöhnlicher und drei dialytifcher Conftruction. Aftronomifche Inftrumente. Aftronomiſche Univerfalinftrumente. 39 Diefe Gruppe von Inftrumenten war in der öfterreichiſchen Abtheilung durch die Firma Starke& Kammerer und in der brafilianifchen Abtheilung durch das von Jofe Maria dos Reis nach den Angaben des Dr. Emanuel Liais gebaute Azimuthal- Inftrument vertreten. G. Starke's Univerfalinftrumente. Die Herren Starke& Kammerer hatten vier Univerfalinftrumente ausgeftellt; von zwei derfelben wollen wir die Zeichnung fammt der Befchreibung geben. Das Univerfalinftrument mit in der Mitte gebrochenem Fernrohre ift in der Fig. 1 dargestellt. Die drei auf den Stellfchrauben S ruhenden Füfse D find zur Erzielung einer gröfseren Stabilität durch die ringförmigen Segmente R verbunden. In der Mitte des Dreifusses ift die verticale Umdrehungsachfe aufgebaut, mit welcher der Horizontalkreis K derart verbunden ift, dafs eine Verftellung desfelben um aliquote Theile der Peripherie möglich wird. Um die verticale Umdrehungsachfe des Inftrumentes bewegt fich der ganze Obertheil des Inftrumentes. Die freie Bewegung kann, durch die Klemmfchraube k aufgehoben, eine feine Bewegung aber durch die Mikrometerfchraube M, die auf den mit der Alhidade verbundenen Arm a wirkt, bewerkstelligt werden; h und h' find die beiden Handgriffe, um bei geöffneter Klemme den ziemlich fchweren Obertheil leichter bewegen zu können. Der Horizonthalkreis, welcher o 263 Meter Durchmeffer hat, ift direct auf 5 Minuten getheilt und kann mittelft der mit der Alhidade verbundenen Mikrofkope m und m' bis auf I Secunde direct gelefen werden Die Mikrofkope find des bequemeren Ablefens wegen gebrochen. Auf der kreisförmigen Scheibe J ift der in die beiden Lagerſtützen Ound O' ausgehende Theil N aufgefchraubt. In den v- förmig geftalteten Lagern ruht die horizontale Drehachfe A des in der Mitte gebrochenen Fernrohres F mit den Stahlringen ficher auf; das eine Lager ift beweglich eingerichtet, um die horizontale Drehaxe fenkrecht zur verticalen Umdrehungsachfe ftellen zu können. Das Fernrohr hat ein Objectiv mit 46 Millimeter Oeffnung, eine Brennweite von o'553 Meter und geftattet eine fechzigmalige Vergröfserung. An der Seite des Oculares o find die nöthigen Correctionsvorrichtungen zur Berichtigung des Fadenkreuzes vorhanden; aufserdem iſt das eigentliche Ocular mittelft der Schraube auf einer Platte fenk recht zur Achfe A verfchiebbar, um bei Beobachtungen an den fchon in der Nähe des Randes des Gefichtsfeldes ftehenden Seitenfäden, die Achfe des Oculars über diefe bringen zu können, Gift das zur Aequilibrirung des Objectivftutzens erfor derliche Gegengewicht. Mit der horizontalen Drehaxe A find die beiden Kreife V und V, welche nur 0 263 Meter Diameter haben, fenkrecht verbunden; der erftere dient als Auffuchkreis und kann mittelft Nonius und Loupe n' bis auf I Minute, die Gradtheilung an V kann mittelft Index n bis auf 5 Bogenminuten gelefen werden; der mit O verbundene Träger P hält die beiden Mikrofkope p und u, mit denen die Theilung auf V bis auf eine Bogenfecunde gelefen werden kann. Die Verbindung von V' mit der horizontalen Drehachfe A ift eine folche, dafs es möglich wird, den Verticalkreis V' um aliquote Theile der Pheripherie zu verftellen. Lift die für die Horizontalftellung und bei der Meffung von Azimuthalwinkeln nöthige Auffatzlibelle, 7 die bei der Meffung von Zenithdiftanzen erforderliche Alhidadenlibelle; beide Libellen find natürlich mit den nöthigen Correctionsfchräubchen verfehen. Die freie Bewegung des Fernrohres um die horizontale Drehachfe A kann durch die Klemme K' aufgehoben, eine feine Bewegung jedoch mit der Mikrometerfchraube M' erzielt werden. m 40 Dr. W. Tinter. h L M V W e F Fig. 1. G K r k S m F.W.BADER.WIEN.SC. K h R S Aftronomifche Inftrumente. 41 Zur Entlaftung des Gewichtes des Obertheiles des Inftrumentes dienen die in den beiden Gehäufen g und g' eingefetzten Federn von entsprechender Spannung, welche auf die kleinen Cylinder r wirken, die in ihrem oberen Theile je ein Rollenpaar w tragen, auf welchem die horizontale Drehachfe ruht. Das genannte Inftrument ift mit einem Umlegmechanismus verfehen. Die verticale Umdrehungsachfe ift zu dem Ende centrifch durchbohrt; durch diefe Bohrung geht eine Stahlachfe von entsprechender Stärke, welche oben den auf N' aufgebauten Obertheil trägt, unten auf dem einen Ende des um e drehbaren Hebels ruht, während auf das andere Ende desfelben die Schraube U wirkt; durch das Hinabfchrauben derfelben wird das Hebelende, auf welchem die Stahlachfe ruht, in die Höhe gedrückt, fomit letztere fammt allen mit ihr verbundenen Theilen gehoben. Hiebei ift nur nothwendig, eine an der einen Lagerftütze angebrachte ftarke Feder zu lüften, welche eben die Aufgabe hat, die horizontale Drehachfe immer ficher in den Lagern zu erhalten, keine feitlichen Verfchiebungen zu geftatten. Das zweite Exemplar mit in der Mitte gebrochenem Fernrohre von 3912 Millimeter Oeffnung und 0.474 Meter Brennweite hat Kreife von 0.211 Meter Durchmeffer; je zwei Mikrofkope geben direct zwei Secunden. Das stärkste Ocular geftattet eine vierundfünfzigmalige Vergröfserung. Die bei diefem Inftrumente angewendete Conftruction hat unter Anderem auch den Vortheil, dafs beim Umlegen weder der Klemmarm noch die Verlängerung des Mikrofkopes des Verticalkreifes ausgelöfet zu werden braucht. Eine nähere Befchreibung fammt Detailzeichnungen findet man: Dr. W. Tinter, Vorträge über Theorie und Gebrauch geodätifcher und aftronomifcher Inftrumente. Autographien. Wien, 1871.( Autographien.) Aftronomifches Univerfalinftrument mit Fernrohr in der Achfe für die Reife. Die von Seite des k. k. militär- geographifchen Inftitutes für kartographi fche Zwecke auszuführenden aftronomifchen Ortsbeftimmungen in der Türkei waren wohl die nächfte Veranlaffung zu dem Baue diefes compendiöfen und dabei doch den hinreichenden Grad der Genauigkeit gewährenden Inftrumentes. Fig. 2 gibt ein Bild von demfelben. Auf dem Dreifusse D, ruhend auf den drei Stellfchrauben S ift die verticale Umdrehungsachfe centrifch aufgebaut, mit welcher der Horizontalkreis Kh von 79 Millimeter Durchmeffer fenkrecht verbunden ift; derfelbe trägt einerfeits die von 20 zu 20 Minuten fortlaufende, mit einem Index abzulefende Stirntheilung und andererfeits die auf der oberen Fläche ebenfalls von 20 zu 20 Minuten fortgehende Theilung; letztere wird mit den beiden einander diamentral gegenüberftehenden und mit der Alhidade feftverbundenen Mikrofkopen Mh und M'h bis auf 5 Bogenfecunden direct abgelefen. Es entſpricht nämlich einer Revolution der Schraube eine Winkelbewegung des Fadens im Mikrofkope von 5 Minuten, einem Theile der Trommel, welche in 60 gleiche Theile getheilt ift, demnach eine Winkelbewegung von 5 Bogenfecunden; da die Schätzung eines Intervalles an der Trommel ganz gut bis auf 0.2 erfolgen kann, fo ift auch das Lefen mit dem Mikrofkope bis auf I Secunde ficher. o kh ift die Klemmfchraube, mh ein Theil von der Mikrometerbewegung der Alhidade. Die auf die verticale Umdrehungsachfe aufgepafste Büchfe V trägt den zu ihrer Achfe fenkrechten Theil a, mit welchem der Theil a' einerfeits durch die federnde Platte( Fig. 3) und anderfeits durch die drei Schräubchen s in ficherer Verbindung fteht; das erfte und das dritte der Schräubchen s wirkt auf den Druck, das mittlere hingegen auf Zug. Durch diefe Einrichtung wird es möglich, die Neigung von a' mit allen auf a' befindlichen Theilen, alfo auch die Neigung der horizontalen Drehachfe A, welche mit Stahlringen in den Lagern ruht, gegen die verticale Umdrehungsachfe zu ändern, fomit die Bedingung zu erfüllen, dafs Fig. 3. त 1 horizontale Drehachfe des Fernrohres und verticale Umdrehungsachfe zu ein ander fenkreht ftehen follen. Die hohle horizontale Drehachfe bildet hier gleichzeitig das Fernrohr; an dem einen Ende ift das Objectiv, vor welchem fich das dreifeitige Glasprisma P in entſprechender Faffung befindet; an dem anderen Ende des Oculares o mit den nöthigen Correctionsvorrichtungen zum Verticalftellen der Verticalfäden, zur Berichtigung des Collimationsfehlers der optifchen Achfe. Im vorliegenden Falle mufs nämlich die optifche Achfe mit der geometrifchen Achfe der Ringe zufammenfallen Tiv No P Kv " W 090 K чш Fig. 2. A Kw D M Mv 6 Kh 42 20centimer TL Dr. W. Tinter. Aftronomifche Inftrumente. 43 Zur Horizontalftellung des Inftrumentes dient die beigegebene Setzlibelle L. Der fenkrecht zur horizontalen Drehachfe befeftigte Verticalkreis K, hat auch 79 Millimeter Diameter; er trägt eine Stirn- und eine auf der ebenen Fläche des Kreifes befindliche Theilung. Erftere kann mit Hilfe des Nonius bis auf eine Minute, letztere mit Hilfe der Mikrofkope Mv und M"" bis auf fünf Bogenfecunden direct gelefen werden. Die für das Meffen von Höhenwinkeln nöthige Alhidadenlibelle/ mufs beim Horizontalftellen des Inftrumentes, überhaupt dann, wenn Z gebrauch wird, herabgenommen werden, was leicht gefchehen kann. ย Die Klemme, beziehungsweife die Mikrometerbewegung für den Höhenkreis ift in ky und my zur Anfchauung gebracht. g ift das zur Aequilibrirung nothwendige Gegengewicht. Die Lupen λh und λv erleichtern das Ablefen der Nonien an den bezüglichen Kreifen. Zur Prüfung, eventuell Berichtigung der optifchen Achfe des Fernrohres dient der kleine beigegebene Hilfsapparat J. Derfelbe trägt zwei kleine Fernrohre fi, f, von denen fi mit Hilfe der Schraube n durch Drehung um die beiden Schraubenfpitzen i, i' auf das zweite Fernrohr, nämlich auf f genau collimirt werden kann. An dem Theile a ift ein prismatifcher Stahlanfatz, auf welchen die beiden Schrauben p und p' wirken und eine Drehung des ganzen Hilfsapparates J ermöglichen, wenn derfelbe durch die Schraube q mit a feft verbunden ift( g geht durch J frei hindurch und findet in a die Muttergewinde). Dreht man nun die horizontale Drehachfe A derart, dafs die Oeffnung des Prismas dem einen der fchon auf einander collimirten Fernrohre z. B. fi gegenüberfteht, und dreht man den Hilfsapparat J durch Anwendung von p und p' fo lange, bis der Verticalfaden von f₁ im Bilde durch den Verticalfaden des Inftrumentes gedeckt wird, fo mufs bei erfüllter Forderung der Lage der optifchen Achfe, wenn jetzt die horizontale Drehachfe um 180 Grad um ihre geometrifche Achfe gedreht wird, das Bild des Kreuzungspunktes des Fadennetzes des zweiten Fernrohres, nämlich fs, auf den Verticalfaden fallen. Eine etwaige Abweichung gibt den doppelten Fehler an; die Hälfte wird durch die Bewegung des Fadenkreuzes mit Hilfe der beiden Schräubchen am Oculare, welche diefe Bewegung im horizontalen Sinne geftatten, weggebracht. Das zweite von der Firma G. Starke& Kammerer ausgeftellte aftro. nomifche Univerfalinftrument mit Fernrohr in der Achfe hat ein Objectiv von 46 Millimeter Oeffnung, geftattet eine 52- malige Vergröfserung. Der Horizontalals der Verticalkreis hat o 260 Millimeter Durchmeffer. Die bis auf fünf Bogenminuten durchgeführte Theilung kann mit Hilfe der Mikrofkope bis auf eine Bogenfecunde direct geleien werden. Der Vollständigkeit wegen gedenken wir noch der beiden von Starke & Kammerer ausgeftellten aftronomifchen Univerfalinftrumente, welche beim Ablefen nur die Genauigkeit von 10 und 20 Secunden gewähren, ferner eines kleinen aftronomifchen Univerfalinftrumentes von Hammermüller von ähnlicher Conftruction und derfelben Genauigkeit. Das Azimuthalinftrument von J. Liais. Ohne in die näheren Details diefes gewifs von allen Befuchern der brafilianifchen Abtheilung der Weltausstellung angeftaunten Inftrumentes einzugehen, wollen wir doch eine kurze Befchreibung desfelben geben, um daraus den Zweck, der hiemit erreicht werden foll, kennen zu lernen und um zu einem Urtheile zu gelangen, inwieweit derfelbe erreicht worden ift. Die Fig. 4 bietet ein Bild diefes complicirten Inftrumentes. Auf dem Pfeiler P ruht auf drei Stellfchrauben S der durch Rippen verfteifte Ring A von 12 Meter Diameter. In der Mitte des Pfeilers Perhebt fich ein zweiter kleinerer Pfeiler von o 33 Meter Durchmeffer, der durch A frei hindurchgeht und auf deffen oberer Begrenzungsfläche der Repetitionstheodolith T aufgeftellt ist 44 Dr. W Tinter. Fig. 4. C' T HO S F R S www V ( 3m 9151519! 0 S 452 i FWEADERS Derfelbe hat zwei verfchieden empfindliche Libellen, deren Achfen fenkrecht zur verticalen Umdrehungsachfe des Inftrumentes geftellt find. Die weniger empfindliche dient zu dem gewöhnlichen Horizontalftellen des Theodolithen, die mehr empfindliche zur Ermittlung der Neigung der optifchen Achfe. Mit Hilfe der Nonien kann die Theilung des Horizontalkreifes direct bis auf 10 Bogenfecunden gelefen werden. Auf dem inneren Ringe a von o 390 Meter Durchmeffer dreht fich ein Rollwagen w, der nun einerfeits die beiden o 700 Meter hohen Ständer S, S' und anderfeits die beiden als Gegengewicht dienenden, in ihrem oberen Theile durch die Rippen 6 verbundenen Ständer s, s' trägt. Der Ring r verbindet S' mit s. Es kann demnach der Rollwagen w mit allen auf SS' und ss' ruhenden Theilen gedreht werden, ohne dafs das aufp ftehende Inftrument in feiner Stellung gefährdet würde. Auf den Verbindungsrippen 6 fteht das Collimatorfernrohr C, zum Umlegen und im Horizonte drehbar, eingerichtet. Haised a bas Aftronomifche Inftrumente. 45 Centrifch mit der verticalen Umdrehungsachfe ift auf 6 noch eine Bouffole angebracht. Zum Einftellen auf das Object dient das in den Lagern der Ständer S und S ruhende Fernrohr F, welches eine Brennweite von 1180 Meter und eine Objectivöffnung von circa 100 Millimeter hat. Das Ocular ift mit einem Fadenmikrometer, das zwei gegen einander fenkrecht bewegliche Fäden hat, verfehen. Die horizontale Drehachfe diefes Fernrohres bildet wieder ein Fernrohr f mit dem Oculare o und dem Objective O. Die optifche Achfe von ffteht zu jener von F fenkrecht und fällt mit der geometrifchen Achfe der beiden Ringe, mit denen Fin den Lagern ruht, zufammen. An der Ocularfeite von fift der zur horizontalen Drehachfe von F fenkrechte und zur Repetition eingerichtete Verticalkreis von 0.290 Meter Diameter angebracht, deffen Theilung mittelft Nonius bis auf 10 Secunden direct gelefen werden kann. Die Neigung der horizontalen Drehachfe von F wird auf folgende Art ermittelt: Man collimirt zunächft Cauff( die entſprechenden Oeffnungen in dem Theodolithen 7 geftatten diefs); wenn man nun die Vifur mit 7 einmal auf das Bild des Kreuzungspunktes der Fäden inf, das andere Mal auf jenes in C einftellt, dabei jedesmal die Lefungen an der Libelle macht, fo ift die Differenz der beiden Lefungen gleich der Neigung der beiden Vifuren, demnach auch gleich der Neigung der optifchen Achfe von f gegen jene von C; die Neigung der optifchen Achfe von C kann leicht ermittelt werden, demnach ergibt fich auch die Neigung der horizontalen Drehachfe von F. Das nun in feinen Haupttheilen befchriebene Inftrument foll hauptfächlich für Azimuthalbeobachtungen Anwendung finden; aufserdem wird es auch zu Sternbeobachtungen beim Meridiandurchgange oder bei der Paffage des erften Verticales empfohlen. Die Meffung eines Horizontalwinkels, beziehungsweife eines Azimuthes gefchieht nun auf folgende Weife: Mit F wird das eine Object anvifirt, hierauf die optifche Achfe von 7 mit jener in f collimirt und die entsprechende Lefung M am Horizontalkreife von T gemacht. Wird dann der Wagen w fo lange gedreht, bis die Vifur von F das zweite Object trifft, die Collimirung von T mit f vorgenommen und neuerdings die Lefung M' am Horizontalkreife von T gemacht, fo ift offenbar bei vollkommen horizontaler Lage der optifchen Achfe von f und bei vollkommen genauer fenkrechter Stellung der optifchen Achfe von f zu jener von F der entſprechende Horizontalwinkel M'- M. Wie die Neigung der horizontalen Drehachfe ausgemittelt wird, ift fchon mitgetheilt worden; wie eine etwaige Neigung der horizontalen Drehachfe, oder ein Collimationsfehler in Rechnung genommen wird, kann als bekannt vorausgefetzt werden. Das genaue Einftellen der Vifur auf das Object gefchieht durch Mikrometerfchrauben, welche die Lagertheile, in denen fruht, feitlich zu verfchieben geftatten. Wenn man nun erwägt, dafs diefes Azimuthalinftrument aus nicht weniger als vier Fernrohren, beziehungsweife aus drei Inftrumenten, zufammengefetzt ift, von denen jedes, wenn es feinen Zweck erfüllen foll, mit der ihm eigenthümlichen Vollkommenheit gearbeitet ſein mufs; wenn man weiter den complicirten Vorgang bei der Winkelmeffung, die fchwere Handhabung desfelben und den fchwierigen Transport auf die einzelnen Stationen im Auge behält, fo wird man zu dem Schluffe gelangen, dafs diefes Inftrument den von feinem Erfinder angeftrebten Hauptzweck, den Azimuthalbeobachtungen einen gröfseren Grad von Genauigkeit zu geben, als diefes mit anderen Inftrumenten bisher zu erreichen möglich war, gewifs nicht erfüllt und von unferen compendiöfen Univerfalinftrumenten in allen Stücken, befonders was die zu erlangende Genauigkeit bei den Beobachtungen betrifft, weit überholt wird. Der Koftenpunkt dürfte noch mehr zu Ungunften für diefes Inftrument fprechen. Zu dem kommt noch, dafs die Theilung der Kreife an dem ausgeftellten Inftrumente fo unvollkommen war, dafs fchon das freie Auge die Mängel hierin erkannte. Ein Beweis für das Unpraktiſche diefer Conftruction. 5bnostre, 46 Dr. W. Tinter. dürfte wohl der fein, dafs diefes Inftrument, trotzdem es fchon auf fünf Ausstel lungen prämiirt wurde, noch immer keine Verbreitung finden konnte. Chronographen( Regiſtrirapparate). Diefe in der praktifchen Aftronomie eingeführten, derfelben wefentliche Dienfte leiftenden Apparate waren hauptfächlich durch die zwei in neuerer Zeit befonders häufig angewendeten Conftructionen von Mayer& Wolf in Oefterreich und von Hipp in der Schweiz vertreten. Die Firma Mayer& Wolf in Wien hatte zwei Chronographen ausgeftellt; die Befchreibung und Zeichnung diefes Apparates findet fich in dem LII. Bande der Sitzungsberichte der k. Akademie der Wiffenfchaften unter dem Titel:„, Ueber eine Modification des Hanfen'fchen Regiſtrirapparates. Von C. v. Littrow. 1865." Hiezu wäre nur noch zu bemerken, dafs bei den in neuerer Zeit ausgeführten Apparaten das Rad mit fechzig fpitzen Zähnen, von denen der erfte dreifach, jeder zehnte aber doppelt ift, welches demnach die einzelnen Secunden der Uhr angibt und durch die Anwendung der doppelten Zähne eine Erleichterung beim Zählen gewähren foll, nicht mehr angewendet, fondern ebenfalls durch einen Hebel mit einer Spitze, ganz analog dem Signalhebel mit feiner Spitze erfetzt wird. Die Spitzen, fowohl jene am Uhrhebel, welche von Secunde zu Secunde die Punkte an dem fich gleichförmig fortbewegenden Papierftreifen macht, als jene am Signalhebel ftehen in der Ruhelage beider Hebel fehr nahe an einander, fo dafs auch die Verbindungslinie der von der Spitze des Urhebels gemachten Zeichen zu der Verbindungslinie jener der Spitze des Signalhebels in demfelben nahen Abftande fteht, was für das Ablefen in dem Falle, als eine Parallaxe der beiden Spitzen vorhanden wäre, von wefentlichem Vortheile ift. Damit die betreffende Spitze, wenn fie das Zeichen gemacht hat, fofort in die Ruhelage zurückgeführt werde, alfo nicht bei dem doch eine gewiffe Zeit währenden Contacte, welcher ja die Veranlaffung zu dem Zeichen gibt, auf dem fich unterdeffen fortbewegenden Papierftreifen ftatt eines runden Punktes eine kleine eingeriffene Linie entſtehe, find die Spitzen in den vorderen Theilen des Hebels charnierartig eingelagert und mit kleinen Gegengewichtchen verfehen. Der von M. Hipp ausgeftellte Chronograph foll hier näher befchrieben werden. Der in Fig. 5 dargestellte Grundrifs und die in Fig. 6 gezeichnete Längenanficht wird zum Verftändniffe der Befchreibung hinreichen. Auch hier handelt es fich darum, den auf r, aufgerollten Papierftreifen p gleichmäfsig weiter zu bewegen und auf demfelben einerfeits die Zeitfcala und anderfeits die der aufgefafsten Erfcheinung entſprechenden Zeichen zu markiren. Als treibende Kraft wird die Schwere verwendet. An der über die Rollen r, r₁ und r2 gefpannten Kette ohne Ende hängt das eigentliche treibende Gewicht und ein zweites kleines Gegen gewicht( g). Der Eingriff der Zahnrädar R₁, R2, R3, R4 und R in die bezüglichen Triebe ti, ta, tz und t₁ ift aus der Zeichnung zu entnehmen. An der Achfe des Triebes to fteckt auch der an feiner Oberfläche rauh gemachte Cylinder'; über demfelben befindet fich ein zweiter, ebenfalls gerippter Cylinder i, zwifchen welch' beiden der von r abgewickelte Papierftreifen p gleichmässig weiter gefchoben wird. Mittelft des Handgriffes H kann i fo hoch gehoben werden, dafs die Berührung von i mit i' aufhört, fomit, wenn auch fonft der Apparat in Thätigkeit ift, der Papierftreifen nicht weiter gefchoben wird. Zur Erzielung des gleichförmigen Ganges des Räderwerkes, beziehungsweife der Achfe von to wurde von M. Hipp als Regulator eine fchwingende Feder F angewendet. Diefelbe ift an dem einen Ende zwifchen den beiden Metallplatten n, n feftgehalten, während das zweite Ende frei fchwingen kann. Die Zahl der Schwingungen hängt von der Elafticität und von den Verhältniffen in ihren Dimenfionen ab. Eine etwa nöthige Regulirung für eine gewiffe Anzahl Schwingungen kann durch die gleichzeitige Anwendung der beiden Schrauben e vorgenommen werden. P H P W Aftronomifche Inftrumente. Fig. 5. G R3 Rj 7 K K 21 R R t₁ LE Ra t2 Uhr. - " SEH 00000000000 G Az l2 750666666 S.B. U.B Taster. 11 HN 11 " oran " 10 Fig. 6. O b € 2 Cz 7. 11 H O h 0000000 P G ei 72 Tuj b₁₂ TU S 47 h h 73 h q प्र nosDie Feder Fruht mit ihrem freien Ende auf dem Sperrrade R, welches, wie fchon früher dargethan wurde, durch das Uhrwerk ebenfalls in Gang gefetzt wird; es trifft demnach das freie Ende von F bei der Bewegung des Uhrwerkes mit den Zähnen von R zufammen und dadurch wird die Feder felbft in fchwingende Bewegung verfetzt, und zwar derart, dafs fie bei jeder Schwingung von oben nach unten einen Zahn paffiren läfst. Da aber die Feder nur eine beftimmte Anzahl Schwingungen in der Secunde macht, fo zwingt fie auch das Rad R, eine folche Gefchwindigkeit anzunehmen, dafs es eben bei jeder Schwingung nur immer um 4 48 Dr. W. Tinter. einen Zahn weiter geht, wodurch die Gleichförmigkeit der Bewegung des Uhrwerkes, demnach auch jene des fich zwifchen i und i' bewegenden Papierftreifens perzielt wird. Das Markiren der Zeichen auf dem Papierftreifen gefchieht durch zwei Capillarfedern c von Glas, welche mit ihren meffingenen Faffungen in die entfprechenden Höhlungen der beiden Lamellen und ₁ gepafst find. Das weitere Ende einer jeden eine communicirende Röhre darftellenden Feder reicht in das Tintengefäfs G, während die feine Spitze auf dem Papierftreifen p aufruht.( Fig. 6 macht diefes klar.) Die Enden der beiden Lamellen 1, ₁ find beziehungsweife in entſprechenden Theilen der Bügel b1, b2 derart eingelagert, dafs fich dafelbft eine horizontale Drehachfe ergibt, um welche fich jede Lamelle bewegen läfst. Die Bügel b₁ und b₂ find mit den Platten( Anker) A₁ und A, verfchraubt, welch' letztere fich um die durch die beiden Schraubenfpitzen s₁, s₁' und sa, sa' gebil. deten horizontalen Drehachfen bewegen können. Die Anker A₁ und A, liegen über den Elektromagneten e₁, e₁', beziehungsweife e, e' und werden in dem Augenblicke, als die betreffenden Elektromagnete von einem Strome umkreifet werden, von diefem angezogen; durch diefe Bewegung von A₁ oder A, nach abwärts ift, eine feitliche Abweichung der Spitze der Feder c oder fenkrecht zur Bewegungsrichtung des Streifens verknüpft; die fonft ohne Unterbrechung von den Federn befchriebenen Linien erleiden nur in dem Augenblicke eine Unterbrechung, in welchem der Stromfchlufs hergeftellt wird. An dem Brete, auf welchem der ganze Apparat aufgebaut ift, befinden fich die acht unter einander ifolirten Metallplättchen; das zweite und dritte, ferner das fechste und fiebente find durch Spiraldrähte in leitender Verbindung; die Drähte der Spulen e, e₁', eg, e' find in der aus der Zeichnung zu entnehmenden Weife verbunden. Ift nun in den Strom der Uhrbatterie( U. B.) die mit einem Contactwerke verfehene Uhr eingefchaltet, fo wird bei jedem Contacte der Uhrftrom gefchloffen, der Anker A, dabei angezogen und durch die mit verbundene Feder das Zeichen gemacht, welche Zeichen natürlich regelmäfsig nach jedem Contacte wiederkehren. Wird aber in den Strom der Signalbatterie( S. B.) der Schlüffel oder Tafter eingefchaltet und mit diefem in dem Augenblicke des Eintrittes der Erfcheinung der Strom von S. B. gefchloffen, fo wird der Anker A₁ angezogen, fomit von der mit/ verbundenen Feder ein Zeichen gemacht, welches nun mit der von der Uhrfeder gemachten Zeitfcala leicht in Verbindung gebracht werden kann. Die Lamellen/ und, beftehen je aus zwei gegen einander ein wenig verftellbaren Theilen, um fo die Spitzen der Federn einander näher oder entfernter und in eine und diefelbe Senkrechte gegen die Richtung des Streifens bringen zu können; beffer wäre diefes zu erreichen, wenn die Achfen der Hülfen, in denen die Federn ftecken, fchief gegen die oberen Begrenzungsflächen der Lamellen wären. Zur Regulirung des Hubes der beiden Anker, beziehungsweife der Gröfse der feitlichen Ausweichung der Feder bei dem Contacte dienen die Schräubchen σ und zum Zurückführen der Anker in ihre Lage nach dem Contacte dienen die Schraubenfedern f und fi, deren Spannung mit dem Schräubchen a regulirt werden kann. Die Gleichförmigkeit im Gange diefes Chronographen ift eine ganz vollkommene und wird ficher von keinem anderen Chronographen übertroffen. Auch ift es ein Vortheil, die Zeichen gut fichtbar zu haben, was bei dem Ablefen der Streifen fich merkbar macht. Nachtheilig wirkt nur das öftere Verfagen der Schreibfedern, durch deren Auswechslung oft viel Zeit verloren gehen kann, ferner das etwa bei der Beobachtung vorkommende Verftellen der beiden Federn gegen einander, wodurch eine Aenderung in der Parallaxe der Federn eintritt. Man wird daher auf das wiederholte Beftimmen der Federnparallaxe in einer Beobachtungsreihe die nöthige Aufmerkfamkeit lenken müffen. Die fchwingende Feder als Regulator wurde von Hipp fchon im Jahre 1847 bei dem Chronofcope angewendet. Aftronomifche Inftrumente. Weiteres über Chronographen findet man: 49 Chronograph von M. Hipp mit Cylinder. Determination télégraphique de la différence de longitude entre les obfervatoires de Genève et de Neuchatel par E. Plantamour et A. Hirfch. 1864. Regiſtrirapparat von H. Ausfeld mit Centrifugalpendel. Bericht der zweiten thüringiſchen Gewerbeausftellung in Weimar 1861. Krille's Chronograph von C. F. Peters in Nr. 1153 der aftronomifchen Nachrichten und in Längenbeftimmung zwifchen Altona und Schwerin von C. F. Peters. 1861. Knoblich's Chronograph: Annalen der Sternwarte in Leyden. Zweiter Band. 1870. 4 GEODÄTISCHE INSTRUMENTE. ( Gruppe XIV, Section 1.) Bericht von DR. W. TINTER, Profeffor am Polytechnicum in Wien. Wafferwagen( Libellen).* Diefe für das Meffen kleiner Neigungen von Achfen gegen den Horizont oder gegen die Lothrechte fo wichtigen Inftrumenttheile waren eigentlich nur durch zwei Firmen vertreten: Dutrou E. P. von Paris und Reinifch von Wien; die von Letzterem gebotene Ausftellung war weit vollſtändiger als die des Erfteren, indem die Libelle in allen ihren Arten und Dimenfionen fowohl zum Gebrauche für die gewöhnlichen Zwecke, als für die feinften Mefsinftrumente vertreten war. Die ausgeftellten Röhrenlibellen der beiden genannten Ausfteller find in ihrer Ausführung vorzüglich zu nennen; bu Fig. 7 und 8. Schnitt a b. U Grundriss. P P u R a gleichmässige Krümmung und ficherer Verfchlufs find wirklich vorhanden. Die Empfindlichkeit war bei Verfchiedenheit der ausgeftellten Objecte natürlich auch bedeutend verfchieden; alle Grade der Empfindlichkeit von 3 Bogenminuten bis I Bogenfecunde auf einen Theil der Libelle waren durch ausgeführte Objecte repräfentirt. Bei den fehr empfindlichen Röhrenlibellen, bei denen der Winkelwerth eines Scalentheiles von dem Temperatureinfluffe, alfo auch von der Blafenlänge merklich abhängig wird, find Refervoirs angebracht, um bei den verfchiedenen Temperaturen die Blafenlänge in jenem Werthe zu erhalten, welcher bei der Beftimmung des Winkelwerthes eines Scalentheiles ftatt fand. Nur möchten wir wünſchen, dafs die das Refervoir mit der Libelle verbindende Oeffnung näher an die untere Begrenzung des Libellenrohres *) Im Jahre 1661 machte Thévenot feine Erfindung der Röhrenlibelle bekannt. Geodätifche Inftrumente. 51 gelegt werden möge, wie diefes hei den zwei von Dennert und Pape ausgeftellten Refervoirlibellen auch fchon berücksichtigt war. Die von Reinifch in neuerer Zeit ausgeführten Dofenlibellen find jenen der älteren Conftruction gewifs vorzuziehen. Er erfetzt den nach innen kugelförmig concav ausgefchliffenen Glasdeckel durch eine obere dünne Metallplatte P,( Fig. 7 und 8), welche zwei gegen einander rechtwinklig geftellte kleine Röhrenlibellen ( Kreuzlibellen) und trägt, deren Achfen parallel zur ebenen Unterlage u geftellt find. Eine etwaige Abweichung diefer geforderten Parallelftellung kann mit dem Schräubchen s₁, beziehungsweife mit den Schräubchen sg unds berichtigt werden Die drei Schräubchen s₁ S2 S3 gehen durch P frei durch und haben ihre Muttergewinde in u. Die drei bei den Schräubchen zwifchen der Unterlagsplatte u und der Kopfplatte Peingefetzten fchraubenförmig gewundenen Federn f erhalten einerfeits P in der richtigen Lage gegen u, anderfeits geftatten fie die früher angegebene Berichtigung. Heliotrope.* Von diefer Gattung Inftrumente waren nur zwei Exemplare ausgeftellt; von Starke& Kammerer und von Dennert& Pape. Nach der einfachen Conftruction von Struve werden von G. Starke feit 1864 Heliotrope ausgeführt. Die Verbindung des Fernrohres mit diefem Heliotrope, um auf fehr entfernte Objecte ficher einftellen zu können, wurde von G. Starke zuerft angewendet. Das Fernrohr felbft dient nur als Einftellfernrohr; die optifche Achfe desfelben mufs natürlich zu der Vifirlinie des Holiotropen, gebildet durch die kleine Ocularöffnung im Spiegel und durch den Kreuzzungspunkt der beiden erftgenannter Oeffnung in gleicher Höhe gegenüberftehenden Fäden parallel fein. G. Starke hat, um ein fchärferes Bild an der Stelle des Fadenkreuzes zu erhalten, eine Linfe von kurzer Brennweite und geringer Oeffnung in folch einer Entfernung vor dem Spiegel aufgeftellt, dafs der Abftand der Linfe von dem Fadenkreuze der Brennweite derfelben gleichkommt. Die durch den optifchen Mittelpunkt diefer Linfe und den Durchkreuzungspunkt der beiden Fäden gehende Linie bildet die optifche Achfe des Heliotropen, zu welcher jene des Einftellfernrohres parallel fein foll. Bei richtiger Stellung des Spiegels wird das von ihm reflectirte Licht durch die Linfe zu einem Strahlenkegel vereint, welcher an Stelle des Fadenkreuzes, wo fich eine kleine verfilberte Fläche befindet, ein kleines, hellleuchtendes Scheibchen erzeugt, das eben von dem Gehilfen jederzeit auf dem Durchschnittspunkte erhalten werden mufs. Zur Unterfuchung, ob die optifche Achfe des Einftellfernrohres zu jener des Heliotropen parallel ift, dient ein kleines Hilfsfernrohr von kurzer Brennweite und verhältnifsmäfsig grofser Oeffnung, das an die Stelle des Spiegels gefetzt werden kann. Richtet man dasfelbe nach dem Kreuzungspunkte der Fäden, verfchiebt die Ocularöhre fo lange, bis man das Bild des Kreuzungspunktes in der Mitte des Gefichtsfeldes deutlich fieht und ftellt durch Verfchiebung des ganzen Heliotropen die Vifur mit diefem Hilfsfernrohre nach einem entfernten, gut fichtbaren Objecte her, fo mufs bei richtiger Lage der optifchen Achfe des Einftell fernrohres die Vifur mit demfelben das gewählte Object ebenfalls ficher treffen. Eine etwaige nöthige Correction ift mit zwei im horizontalen Sinne auf die Fadenplatte wirkenden Schräubchen auszuführen.** * Heliotrop von Gaufs. Aftronomifche Nachrichten 1. Band, S. 106, 5. Band, S. 329 und 345. Heliotrop von Bertram. Gradmeffung in Oftpreufsen S. 65 und Küftenvermeffung S. 52. Heliotrop von Struve. Breitengradmeffung in den Oftfeeprovinzen Rufslands. I. S. 49. Heliotrop von Steinheil. 1844. Schuhmacher's aftronomifches Jahrbuch. ** Näheres hierüber: ,, Vorträge über höhere Gradafie". Zufammengeftellt von Dr. Wilhelm Tinter. 1872.( Autographien.) Die aftronomifch- geodätifchen Arbeiten des k. k. militär- geographifchen Inftitutes in Wien. II. Band. 1873. 52 Dr. W. Tinter. Fig. 9. Heliotrop nach Reitz,( 1871) ausgeführt von Dennert und Pape, Derfelbe beſteht aus einer Verbindung von zwei Spiegeln A und B; letzterer ift lichtgebend, demnach, um ihn in jede beliebige Lage bringen zu können, um zwei zu einander fenkrecht ftehende Achfen beweglich. S VB. Fig. 9. a. 1 1 0 1 2 3 4 5 6 7 a 9 a ift eine unbelegte oder ganz freie Oeffnung von circa 15 Millimeter Durchmeffer, der gegenüber in gleicher Höhe der kleine Spiegel A derart fteht, dafs feine matte Spiegelfläche zur optifchen Achfe des Fernrohres fenkrecht ift. Mit Hilfe des Ringes und der drei in runde Anfätze ausgehenden Schräubchens kann diefer Hiliotrop auf ein entfprechendes Fernrohr aufgefteckt werden. Die zwei Correctionsschräubchen c und b, wovon erfteres eine Neigung von A gegen die Horizontale, letzteres eine Drehung um die Verticale bewirkt, dienen zur Herftellung der richtigen Lage des kleinen Spiegels A gegen die Fernrohrachfe. Die Prüfung auf die Richtigkeit diefer verlangten Eigenfchaft ift einfach folgendermafsen durchzuführen: Ueber die freie Oeffnung von a oder noch beffer nach Entfernung von B richte man die Vifur des Fernrohres nach dem kleinen Spiegel A; dann richte man die Auszugsweite des Oculares derart, dafs man das Bild des Spiegelbildes des Fadenkreuzes im Fernrohre deutlich fieht; fällt diefes. beziehungsweife der Kreuzungspunkt des Bildes mit dem Kreuzungspunkte des Fadennetzes des Fernrohres zufammen, fo ift die verlangte Eigenfchaft erfüllt, wo nicht, wird felbe mit Hilfe von c und 6 hergestellt. 10 Centimeter Perfpectivlineale. Diefe für die Mefstifch- Aufnahme fo wichtigen Inftrumente waren hauptfächlich durch Oefterreich vertreten. was wohl mit dem Umftande, dafs eben in Oefterreich die Mefstifch- Praxis fo ausgebildet ift, zufammenhängt. Die Mechaniker E. Kraft& Sohn, Schablafs& Sohn, Starke& Kammerer in Oefterreich hatten derartige Inftrumente ausgeftellt, ferner war noch Italien und Japan vertreten. Die gewöhnlichen Conftructionen des Perfpectivlineales der drei genannten Firmen find faft in alle Lehrbücher der praktifchen Geometrie übergangen, fo dafs felbe hier nicht näher erörtert zu werden brauchen. Zu erwähnen verdient, dafs Kraft im Jahre 1834-1835 die Elevationsfchraube und Libelle anwandte, jene unentbehrlichen Hilfsmittel, durch welche man die Vifirebene unabhängig von einer kleinen Neigung des Tifches vertical ftellen kann. In letzter Zeit hat Kraft, um das Volumen bei der Verpackung diefes Inftrumentes zu vermindern, die Anordnung in der Conftruction getroffen, dafs das Fernrohr mit dem oberen Theile der Säule, auf welcher dasfelbe gebaut ift, um eine in dem unteren Theile der Säule angebrachte horizontale Drehachfe niedergelegt werden kann. Von den fechs verfchiedenen Conftructionen des Perfpectivlineales nach G. Starke find drei derfelben befonders erwähnenswerth, welche zunächft folgenden Vortheil befitzen. Zur leichteren Unterfuchung der einen verlangten Eigenfchaft, dafs die horizontale Drehachfe des Fernrohres zur Ebene des Lineales parallel, oder. dafs die Libellenachfe zur horizontalen Drehachfe parallel fein foll, hat Starke dem Inftrumente eine kleine in fich berichtigte Rectificationslibelle beigegeben, welche Geodätifche Inftrumente 53 auf die horizontale Drehachfe aufgefetzt werden kann. Bringt man diefe Rectificationslibelle mit der Elevationsfchraube zum Einfpielen, macht man alfo die horizontale Drehachfe wirklich horizontal, fo mufs, wenn die eigentliche Arbeitslibelle, welche zum Herſtellen der verticalen Lage der Vifirebene verwendet wird, die geforderte Bedingung erfüllt, ebenfalls einfpielen. Im Gegenfalle wird die Abweichung mit der Correctionsfchraube der Libelle verbeffert.* Es ift natürlich, dafs man mit dem Perfpectivlineale auch jene Einrichtungen verband, welche das Meffen der Höhenwinkel und der Diftanz geftattet. Die von G. Starke im Jahre 1869 ausgeführte Conftruction des Perfpectivlineales mit Höhenbögen und der Stampfer'fchen Mefsfchraube bietet diefe Vortheile. In Fig. 10 ift eine perfpectivifche Anficht, in Fig. 11 ein Schnitt durch die horizontale Drehachfe dargeftellt. Il' das Lineal, S die mit demfelben durch vier Schrauben verbundene hohle Säule, an ihrem oberen Ende zwei Schrauben aufnehmend, welche mit ihren diametral gegenüberftehenden Spitzen eine horizontale Dreh Fig. 11. Fig. 10. P -0--0L P T k N 0 P E 11 S で S t K M S ΑΣΘΕ h し achfe für den ganzen Obertheil abgeben. Auf der Platte P find angebracht: die beiden Lager für die horizontale Drehachfe A, ferner die Arbeitslibelle L, während L' die zum Auffetzen eingerichtete Rectificationslibelle ift. Die von Pnach abwärts in die Säule reichende Verlängerung P₁, auf welche die Elevationsfchraube s und die ihr gegenüberftehende Feder f wirken, kann durch s um die von den früher genannten Schrauben gebildete horizontale Drehachfe gedreht, demnach die Neigung von P mit allen verbundenen Theilen geändert werden. * Das Nähere hierüber fiehe: Tinter, das Perfpectivlineal mit Rückficht auf die von G. Starke diefem Inftrumente gegebene Conftruction. Zeitfchrift des öfterreichifchen Ingenieurund Architektenvereines 1868. 54 Dr. W. Tinter. Vk ift der mit A verbundene Höhenbogen, mittelft des Nonius N auf eine Minute ablesbar. Die freie Bewegung um die horizontale Drehachfe A wird durch die Klemmfchraube K aufgehoben. Zu dem Ende umfafst der Ring die Achfe A. Die Fortsetzung diefes Ringes r bildet der fteife Träger t, durch deffen vorderes Ende die Schraube K frei hindurchgeht, während in dem Theile gegen A die Muttergewinde für K, welche indirect durch ein eingelegtes Stück auf A wirkt, enthalten find. An dem vorderen Theile von t ift die Stampfer'fche Mefsfchraube frei aufgehängt. Die t- förmige Verlängerung T der Platte P dient zur Aufnahme der weiteren für den Gebrauch der Mefsfchraube M nöthigen Theile. Wird K gelüftet, fo kann das Fernrohr frei um feine horizontale Drehachfe A bewegt, demnach zur gewöhnlichen Arbeit verwendet werden Wird die Vifur auf einen in der Höhe oder Tiefe gelegenen Punkt zuerft grob eingeftellt, dann mit K geklemmt, hierauf mit M fcharf eingeftellt, fo gibt die Lefung am Nonius, feinen Nullpunkt richtig vorausgefetzt, fofort den Höhen- oder Tiefenwinkel. Wird im zweiten Punkte eine Diftanzlatte mit der Bafis d aufgeftellt, fo ift die Diftanz D diefes Punktes von der Mitte der Säule, wenn an der Schraube bei der Einftellung auf den oberen und unteren Zielpunkt die Lefung o beziehungsweife u gemacht wird, D= d, wo K die vom Mechaniker für jedes Inftrument ausgemittelte Conftante bedeutet. Im Mittel beträgt diefelbe für derartige Inftrumente: 225. K 0- u • Fifcher's Perfpectiv lineal nach G. Starke's Ausführung vom Jahre 1862. Wie bei der früheren Conftruction des Perfpectivlineales mit Hilfe der Mefsfchraube das Fernrohr um eine horizontale Achfe mikrometriſch gedreht wurde, fo wird bei der vorliegenden Conftruction das Fernrohr um eine verticale Achfe mit der Mefsfchraube mikrometriſch gedreht. Fig. 12 gibt das Bild diefer Conftruction. ₁ ift das Lineal, S die auf demfelben um eine verticale Achfe drehbare Säule, welche in ihrem Obertheile die Arbeitslibelle, die Rectificationslibelle und das Fernrohr trägt. s ift die Elevationsfchraube. Die mikrometrifche Bewegung um die verticale Achfe ift durch folgende Conftruction durchführbar: Mit S ift der Arm a in fefter Verbindung, der an feinem Ende in das Gehäuſe a' ausgeht, in welchem die Mefsfchraube eingehängt und eine fchraubenförmig gewundene Feder eingefetzt ift. Die Mutter der Mefsfchraube Mift im Schraubenkopfe enthalten, der fich an den auf dem Lineale aufgebauten Ständer c ftemmt. Die Schraube geht natürlich durch c frei hindurch. Zum Ablefen der ganzen Schraubenumdrehungen dient die Theilung T, auf welcher der mit a verbundene Zeiger I fpielt. Die Theile einer Schraubenumdrehung können an der getheilten Trommel mittelft eines an c angebrachten Indexes gelefen werden. Wenn/ auf den Nullpunkt von Teingeftellt ift, fo geht auch gleichzeitig die durch die optifche Achfe erzeugte Vifirebene durch die Kante des Lineales. Beim gewöhnlichen Gebrauche zur graphifchen Winkelbeftimmung wird I auf den Nullftrich von Tgeftellt, der Arm a mittelft der Klemmfchraube σ mit dem Lineale ver bunden. Will man das Inftrument zur Diftanzmeffung benützen, fo wird durch Lüften von der Arm a, alfo auch S frei gemacht, und mittelft der Mefsfchraube M die Vifur auf die beiden Zielpunkte der im zweiten Aufftellungspunkte horizontal gehaltenen Latte eingeftellt und die entſprechenden Lefungen an der Schraube gemacht.* * In der additionellen Ausftellung hatte der Berichterstatter den Fortfchritt im Baue der Perfpectivlineale durch fieben verfchiedene Exemplare, welche ihm von Kraft& Sohn, Schablafs& Sohn uud Starke& Kammerer zur Verfügung gestellt worden waren, zur Anfchauung gebracht. 1, Geodätifche Inftrumente. Fig. 12. S M λ 55 Italien hatte für dieie Gattung Inftrumente zwei gleiche Exemplare ausgeftellt, und zwar durch das unter Leitung des Profeffors Golfarelli Innocenzo ftehende Inftitut: Officina Gallileo in Florenz, und durch Pelli Ludwig & Comp. ebendafelbft. Das Lineal trägt eine Millimetertheilung. Der Ständer des Fernrohres endet unten kreisförmig und trägt auf diefer Platte eine Libelle fenkrecht zur Kante des Lineales. Um diefe Libelle zum Einfpielen bringen, alfo die mit ihr parallele, horizontale Drehachfe horizontal ftellen zu können, ift hier folgende Einrichtung getroffen: Am unteren Theile des Ständers ift eine horizontale Drehachfe( parallel zur Kante des Lineales), welche in zwei am Lineale aufgebauten Ständern ihr Lager hat; auf der Seite gegen die Kante des Lineales ift zwifchen die Platte des Ständers und die obere Fläche des Lineales eine ftarke Feder eingefetzt, während diefer entgegengefetzt eine Schraube( unfere Elevationsfchraube) wirkt, um die Libelle zum Einfpielen bringen zu können. Mit der horizontalen Drehachfe des Fernrohres ift ein Höhenkreis verbunden, welcher mittelft des Nonius bis auf eine Bogenminute abgelefen werden kann. Das Fernrohr trägt auch eine Libelle zum Nivelliren, beziehungsweise zum Meffen von Höhenwinkeln. Das in der japanefifchen Abtheilung ausgeftellte Perfpectivlineal liefs zwar, die mechanifche Ausführung betreffend, Manches zu wünfchen übrig, hatte aber alle Theile einer Kippregel, welche nicht nur zur graphifchen Beftimmung der Horizontalwinkel, fondern auch zur Höhenbeftimmung der aufgenommenen Punkte dient. Mefstifche. Von diefer Gattung Inftrumente hatte nur Oefterreich und Japan ausgeftellt. 56 Dr. W. Tinter. Die Firma Kraft& Sohn, welche fchon in den Jahren 1827-1828 eine bedeutende Verbefferung an der damals beſtehenden Conftruction des Mefstifches vorgenommen hatte, und welche bis zum Jahre 1873 allein 2150 Stücke für die Praxis geliefert hat, fuchte ihre Conftruction in einem höchft forgfältig gearbeiteten Exemplare zur Geltung zu bringen. Es mag die Genugthuung diefer Firma für ihre Leiftungen im Baue des Mefstifches wohl als der einzige Entfchuldigungsgrund für die gewählte, äufserft fchöne Ausstattung diefes ausgeftellten Exemplares, wie fie eben in der Praxis nicht zur Anwendung kömmt, gelten. Die Conftruction des Kraft'fchen Mefstifches ift zu bekannt, als dafs es nöthig erfcheint, hier näher darauf einzugehen. Die Firma Starke& Kammerer hatte ein Exemplar des Mefstifches nach der Conftruction G. Starke, wie, fie feit Anfang 1873 ausgeführt wird, ausgeftellt; diefelbe zeichnet fich vor jener im 1. Hefte der Zeitfchrift des öfterreichifchen Ingenieur- und Architektenvereines, Jahrgang 1860, befchriebenen Conftruction durch die einfache Klemmung und die ficher wirkende MikrometerBewegung der Kreisbewegung des Tifchblattes aus. Näheres hierüber findet man in den Vorträgen über niedere Geodäfie von Dr. W. Tinter. 1873 und 1874Autographien. Der in der japanefifchen Abtheilung ausgeftellte Mefstifch fiel nur dadurch auf, dafs das Papier, ftatt auf dem Tifchblatte aufgefpannt zu fein, über zwei Rollen ging; von der einen konnte es abgewickelt, auf der anderen hingegen aufgewickelt und mittelft Sperrvorrichtungen in genügender Spannung über dem Tifchblatte erhalten werden. Theodolithe. Diefe für die genaue Meffung der Horizontalwinkel beftimmten Inftrumente waren in ziemlich bedeutender Zahl zu finden; wir wollen auch hier jene WinkelMefsinftrumente aufnehmen, welche eigentlich bei den Univerfal- Nivellirinftrumenten einzureihen wären, da fie auch die Meffung von Verticalwinkeln mit derfelben Genauigkeit, als jene bei der Meffung der Horizontalwinkel ift, und die Diftanzmeffung geftatten, welche Inftrumente aber unter dem Namen ,, Theodolith" ausgeftellt waren. Die Staaten Dänemark, Deutfchland, England, Italien, Oefterreich und die Schweiz waren durch mehr oder minder vollkommene Leiftungen im Baue diefer Inftrumente vertreten. Dänemark. Das Etabliffement Jünger in Kopenhagen hatte zwe Theodolithe ausgeftellt. Der minder vollkommene ift zum Repetiren eingerichtet, hat einen Horizontalkreis von 0.211 Meter, einen Höhenbogen von 0.106 Durchmeffer. Die bezüglichen Theilungen können mit Hilfe des Nonius nur bis auf eine Bogenminute gelefen werden. Das Fernrohr ift durchfchlagbar, trägt zwei Ringe, auf welche eine empfindliche Auffatzlibelle gefetzt wird; es kann demnach das Inftrument auch zum Nivelliren verwendet werden. Eine zweite Auffatzlibelle für die horizontale Drehachfe dient zum Horizontalftellen des Inftrumentes, eine Alhidadenlibelle für den Höhenbogen; ein Bouffole findet fich auch noch entſprechend angebracht. Das Heben oder Senken des beweglichen Lagers ift einfach, aber doch ficher mit nur einer Schraube durchführbar. Der zweite Theodolith hat einen Horizontalkreis von 0 263 Meter Durchmeffer, deffen Theilung bis auf 15 Secunden direct gelefen werden kann, ein excentrifches Fernrohr und gar keinen Höhenbogen. Die zum Horizontalftellen des Inftrumentes nöthige Libelle ift mit der Alhidade verbunden. Die horizontale Drehachfe ift vom Mechaniker fenkrecht zur verticalen Umdrehungsachfe geftellt ein bewegliches Lager ift nicht vorhanden. Geodätifche Inftrumente. 57 Deutfchland. Repetitions- Theodolith mit mikrofkopifcher Ablefung von Dennert und Pape. Die Theilung fowohl am Horizontalals am Verticalkreife ift bis auf Sechstelgrade durchgeführt und kann mit Schraubenmikrofkopen bis auf 10 Secunden gelefen werden. Horizontal- als Höhenkreis find repetirend eingerichtet. In der Fig. 13 ift ein Durchfchnitt des Untertheiles diefes Theodolithen dargeftellt; wir geben diefe Zeichnung defswegen, weil die genannte Firma in ihrer Conftruction ftatt des einen der beiden zur Repetition nöthigen Verticalzapfens eine horizontale Fläche anwendet. o ift der auf den drei Fufsfchrauben p ruhende Dreifuss, der auf feiner ebenen oberen Begrenzungsfläche den horizontalen Ring g enthält, über welchem fich die Büchfe cum ihre Achfe e' dreht. Diefe horizontale Fläche von g vertritt demnach die verticale Umdrehungsachfe des Kreifes bei den fonft üblichen Conftructionen. Mit der Büchfe cift die Verticalachfe e und der Horizontalkreis a feft verfchraubt. Um e dreht fich die Büchfe A mit dem ganzen Obertheile des Inftrumentes. n ift der zum Aufheben der groben Horizontalbewegung des Kreifes nöthige Klemmring; für die Alhidade ift/ der Klemmring,/ die Klemmfchraube. kund k, find die bezüglichen Mikrometerfchrauben für die feinen Bewegungen im Azimuthe nach vollzogener Klemmung. f ift die zum Schutze der Theilung angebrachte Verdeckung, an den Stellen unter den Achfen der Mikrofkope fenfterartig durchbrochen. Fig. 13. wwww " 0 P Das von Dennert und Pape angewendete Ocular ift das von Kellner empfohlene orthoskopifche Ocular. Es mag vielleicht die Anwendung der horizontalen Umdrehungsebene bei g ftatt der verticalen Umdrehungsachfe der mechanifchen Ausführung manche Erleichterung gewähren; wir können aber nicht zugeben, dafs hiedurch die Repetitionsbewegung genauer hergeftellt werden könne, als bei Anwendung von 2 Centralzapfen bei Repetitionstheodolithen. Es war diefes auch ficher nicht der Grund, warum man die Methode der Winkelmeffung aus Repetitionsbeobachtungen verlaffen hat. Aufser diefem Repetitionstheodolithen mit Mikrofkopablefung war von derfelben Firma noch ein zweiter mit Noniusablefung und centrifchem Fernrohre ausgeftellt. 58 Dr. W. Tinter. Weiter fanden wir noch ein kleines, mit dem Namen Theodolith bezeichnetes Inftrument, mit einem Fernrohre zum Durchfchlagen, welches O'145 Meter Brennweite und eine Objectivöffnung von 20 Millimeter hat. Der Kreis von 0 130 Meter Durchmeffer ift von 30 bis 30 Minuten getheilt und kann mittelft des Nonius bis auf eine Bogenminute abgelefen werden. Zum Horizontalftellen dient eine Dofenlibelle, welche von Seite des Mechanikers fenkrecht zur verticalen Umdrehungsachfe geftellt wird. Der von C. Lüttich in Berlin ausgeftellte Repetitionstheodolith hat einen Horizontalkreis von 0 211 Meter und einen Höhenkreis von 0.132 Meter Durchmeffer. Das Fernrohr ift zum Durchfchlagen eingerichtet und mit einer feften Libelle verfehen. England. Von der Firma Cooke& fons war ein kleiner Repetitionstheodolith nach der Conftruction von Troughton ausgeftellt. Sowohl Horizontalals auch Verticalkreis hat o.132 Meter Diameter mit directer Theilung von 20 bis 20 Minuten, welche mit Hilfe des Nonius bis auf 30 Secunden gelefen werden kann. Zum Ablefen dienen drei um 120 Grad von einander abftehende Nonien. Die Theilungen find von beiden Kreifen auf die Stirnflächen aufgetragen und um bei dem Ablefen genügend Licht auf die Theilungen bringen zu können, find in die Lupen Prismen, beziehungsweife Spiegel, eingefetzt, welche Lupen bei jeder Stellung der Alhidade fo gedreht werden können, dafs das auf das Prisma oder den Spiegel fallende Licht nach der Stelle des Kreifes, an welcher man ablefen will, reflectirt wird. Eine mit der Alhidade verbundene Libelle dient zum Horizontalftellen des Inftrumentes; eine Alhidadenlibelle des Höhenkreifes zur Meffung der Verticalwinkel. Das Fernrohr ift durchfchlagbar und fo eingerichtet, dafs das Einftellen des Bildes des Gegenftandes in die Fadenkreuz- Ebene durch Verfchieben der das Objectiv tragenden Röhre gefchieht. Mit dem in der Mitte zu einem Würfel geformten Theile der Objectivröhre ift die Bouffole verbunden. Auf das Stativ, welches uns befonders vortheilhaft erfcheint, kommen wir bei dem englifchen Nivellir- Inftrumente zu fprechen. Italien. Von der Firma Allemano Jofeph in Turin waren vier Theodolithe ausgeftellt, und zwar alle zum Repetiren eingerichtet. Wir wollen hier nur des einen ausführlicher gedenken, da die anderen nach bekannten, gerade nicht mehr ganz neuen Conftructionen ausgeführt find, Der Horizontalkreis hat o 150 Meter Durchmeffer. Der Aufbau des Obertheiles felbft ift ziemlich hoch. Auf dem Alhidadenkreife erhebt fich centrifch eine verticale Säule, welche an ihrem oberen Ende einen fenkrecht mit ihr verbundenen Arm trägt. Das eine Ende desfelben hat einen ftarken horizontalen Sägefchnitt, welcher durch drei Schrauben, wovon zwei auf Zug und eine auf Druck wirkt, erweitert oder verengt werden kann; dadurch wird es möglich, die an diefem Ende in einem entſprechenden Stücke eingelagerte horizontale Drehachfe zu heben oder zu fenken, fie demnach zur horizontalen Umdrehungsebene des Inftrumentes parallel zu ftellen; diefe horizontale Drehachfe trägt das excentrifch angebrachte Fernrohr von o 316 Meter Brennweite und 26 Millimeter Oeffnung; an dem zweiten Ende des früher genannten horizontalen Armes ift das zur Aequilibrirung des excentrifchen Aufbaues des Fernrohres nöthige Gegengewicht angebracht. O efterreich. G. Starke's Theodolithe. Für geodätifche Zwecke waren von der Firma Starke& Kammerer zwei Theodolithe ausgeftellt. Der Theodolith für Landesvermeffungen hat einen 1ozölligen Horizontalund einen 8zölligen Verticalkreis, wovon jeder mit Hilfe von zwei diametral ftehenden Schraubenmikrofkopen bis auf eine Bogenfecunde abgelefen werden Geodätifche Inftrumente. 59 kann; zur Elimination der Theilungsfehler bei wiederholten Beobachtungen find die beiden Kreife auf den bezüglichen Achfen verdrehbar. Die Klemmen find Centralklemmen. Das Fernrohr hat 44 Millimeter Oeffnung, 0'448 Meter Brennweite und gewährt eine 30malige Vergröfserung. Die Auffatzlibelle für die horizontale Drehachfe des Fernrohres, fo wie die zum Umlegen eingerichtete Alhidadenlibelle für die Mikrofkope des Höhenkreifes hat die entsprechende Empfindlichkeit. Die Conftruction von 1863 wurde im Jahre 1871 vortheilhaft umgeändert, und zwar find die optifchen Achfen der Mikrofkope des Horizontalkreifes durch eingefetzte Glasprismen mit dem brechenden Winkel von 60 Graden der bequemeren Ablefung wegen gebrochen, ferner entſpricht einer Schraubenumdrehung eine Winkelbewegung des Fadens im Mikrofkope von zwei Bogenminuten, wodurch zur Behebung des Excentricitätsfehlers der Alhidade die einfache Summirung der Lefungen der um 180 Grad von einander abftehenden Mikrofkope genügt. Fig. 14. L 0 V Mn -Kv M N g" L' Mv H S g T n Ka M a S MK S KK F 60 Dr. W. Tinter. Näheres über diefe Conftruction, fo wie das Bild derfelben findet man: Die aftronomifch- geodätifchen Arbeiten des k. k. militär- geographifchen Inftitutes in Wien. I. Band. 1871. Für kleinere Triangulirungen wurde der in der Fig. 14 dargestellte Repetitionstheodolith von G. Starke gebaut. Fift der auf den drei Fufsfchrauben S ruhende Dreifufs mit der verticalen Säule s, welche die beiden verticalen Drehungsachfen für den Kreis und für die Alhidade aufnimmt. Der Horizontalkreis Hz fowohl, als die Alhidade a ift mit der bezüglichen verticalen Drehachfe fenkrecht verbunden. In den beiden auf a vom Centrum aus aufgebauten Lagerſtützen LL' ruht das Fernrohr mit feiner horizontalen Drehachfe A in entſprechenden Lagern. Mit a und L L' find die Träger tt' der beiden Mikrofkope Mh M'n verbunden, welch letztere geftatten, die directe Theilung von 10 Minuten des Horizontalkreifes von 0 158 Meter Durchmeffer bis auf 2 Secunden direct abzulefen. Das Mittel der Lefungen an den beiden Mikrofkopen gibt auch hier wieder fofort die vom Excentricitätsfehler der Alhidade freie Lefung. Mit dem Nonius n kann die Theilung bis auf 10 Minuten gelefen werden; die Lupe 7 erleichtert diefes. Das Fernrohr o O ift durchfchlagbar, hat 33 Millimeter Oeffnung, 0.369 Meter Brennweite und geftattet eine 25malige Vergröfserung. L₁ ift die entſprechend empfindliche Auffatzlibelle. Der Verticalkreis hat 79 Millimeter Durchmeffer und kann mittelft des an N angebrachten Nonius bis auf eine Bogenminute gelefen werden. Die Klemmung gefchieht immer vom Centrum aus; Kk ift die Klemme des Horizontalkreifes, Ka jene der Alhidade und K, jene des Verticalkreifes; die bezüglichen Mikrometerfchrauben find Mk, Ma und Mv; die diefen Schrauben entgegenwirkenden fchraubenförmig gewundenen Federn find in den Gehäufen g g' g". Die Lagerftütze L ift durch einen ftarken Sägefchnitt gefpalten; durch die Schraube σ können die federnden Theile genähert oder entfernt werden, wodurch das Ende A entſprechend gehoben oder gefenkt wird. In der öfterreichifchen Abtheilung fanden wir noch bei Schablafs& Sohn und bei Hammermüller den Theodolithen, wenngleich in kleinen Dimenfionen, fo doch in recht forgfältiger Ausführung. Die Schweiz. Die durch ihre trefflichen Leiftungen bekannte Firma J. Kern in Aarau hatte zwei Bautheodolithe und einen Repetitionsthedolithen ausgeftellt. a) Der kleine Bautheodolith ift mittelft vier Stellfchrauben zum Horizontalftellen eingerichtet, hat ein umlegbares mit einem Fadendiftanz- Meffer verfehenes Fernrohr von 28 Millimeter Oeffnung und 0'260 Meter Brennweite. Sowohl der Horizontalkreis von O'IIO Meter Durchmeffer als auch der Höhenbogen von 0.070 Meter Radius kann bis auf eine Minute gelefen werden. Das aftronomifche Ocular geftattet eine 28malige Vergröfserung. b) Der grofse Bautheodolith ruht auf drei Stellfchrauben, fordert demnach zur Aufftellung ein Tellerftativ. Das umlegbare mit einem FadendiftanzMeffer verfehene Fernrohr hat 35 Millimeter Oeffnung und o 340 Meter Brennweite. Der Horizontalkreis von o 150 Meter Diameter kann mit Nonien bis auf 30 Secunden, der Höhenbogen bis auf diefelbe Genauigkeit direct gelefen werden. Das aftronomifche Ocular geftattet eine 36- malige Vergröfserung. c) Der Repetitionstheodolith hat ein Fernrohr zum Durchfchlagen von 28 Millimeter Oeffnung und 0'240 Meter Brennweite. Das aftronomifche Ocular geftattet eine 25malige Vergröfserung. Das Fernrohr trägt Ringe für eine empfindliche Auffatzlibelle, welche 10 Secunden auf I partes gibt. Der Horizontalkreis hat o 158 Meter Diameter, kann mittelft Nonien bis auf 10 Secunden, der Höhenkreis von 0.105 Meter Durchmeffer bis auf 30 Secunden direct gelefen werden. Wir würden diefe drei von Kern ausgeftellten Inftrumente zu den Univerfal- Nivellirinftrumenten rechnen. Geodätifche Inftrumente. 61 Markfcheide- Inftrumente. Diefe Gattung von Inftrumenten war faft ausfchliefslich durch O efterreich vertreten; die Firmen Hammermüller, Kraft& Sohn, Schablafs& Sohn und Starke& Kammerer hatten ihre Conftructionen für diefe Inftrumente zur Ausstellung gebracht. Die von Kraft& Sohn ausgeftellten Markfcheide- Inftrumente waren: I. Ein Grubeninftrument, welches folgende Beftandtheile zählt: das Hängezeug, den Hängecompafs mit einer Nadel von o 101 Meter Länge, die Auftragplatte mit Dioptern und endlich den Gradbogen von o 316 Meter Durchmeffer und directer Theilung von 10 bis 10 Minuten. 2. Ein Tifch zur Aufftellung des Zulegzeuges für die Arbeit über Tage; die Platte ift drehbar, die Horizontalftellung gefchieht mit vier Schrauben; aufserdem ift ein Höhenbogen beigegeben. 3. Ein Grubenftativ mit Füssen zum Verlängern und mit einem nach allen Richtungen verfchiebbaren Inftrumentzapfen. Von den Grubeninftrumenten verfertigt die genannte Firma drei Gattungen, welche nur durch die Grösse verfchieden find. b Fig. 15. A V M K no -d M K F S S₁ h K l p Die Zeichnungen über die genannten Inftrumenttheile findet man in dem illuftrirten Preisverzeichniffe von mathematifchen, phyſikaliſchen, optifchen Inftrumenten aus dem Atelier von Kraft& Sohn. Der Das von Schablafs& Sohn ausgeftellte Grubeninftrument ift jenem, welches foeben befchrieben wurde, in allen Stücken gleich. Grubentheodolith war in je einem Exemplare bei den vier genannten Firmen vertreten; da die Conftruction von Scha blafs jener von Kraft ähnlich, letztere aber hinreichend bekannt ift, fo wollen wir nur noch des weniger gekannten Grubentheodolithen von G. Starke näher gedenken. Das Grubeninftrument von G. Starke befteht aus dem eigentlichen Grubentheodolithen und dem Signale. Der Grubentheodolith ift in Fig. 15 dargeftellt. Die Aufftellung des Theodolithen ift für ein Zapfenftativ berechnet, demnach der Unterbau hiefür eingerichtet. h ift die Hülfe, mit welcher das Inftrument auf den Zapfen des Stativs gefteckt und mit der Klemmfchraube k genügend feftgehalten wird. ift die mit h fenkrecht verbundene Platte, in welcher die Stellfchrauben s₁, so ihre Muttergewinde und die diefen diametral 62 Fig. 16. Dr. W. Tinter. bior V' K 0 i P M 1000 G 0 K D h k し Fegegenüberftehenden dern ihre Gehäuse fhaben. Mitpift die Platte p' durch eine Nufs in Verbindung; auf letzterer ift dann der obere Theil des Inftrumentes folgendermafsen aufgebaut: Mit einem kleinen fenkrecht zu p ftehenden conifchen Zapfen kann der ganze Obertheil durch eine von der oberen Fläche des Zapfens o bis in die Mitte von z' reichende Schraube G feft verbunden, beziehungsweife nach dem Lüf ten diefer Schraube von z' abgehoben und durch das Signal( Fig. 16) erfetzt werden. Die Conftruction geftattet das Repetiren der Horizontalwinkel; der Ho rizontalkreis ift durch einen Cylinder T erfetzt, auf deffen Stirnfläche die Theilung von 20 zu 20 Minuten direct durchgeführt ift. Der Nonius ift auf dem die Theilung fchützenden Mantel d angebracht und geftattet die directe Lefung bis auf 1 Minute. Mit der Klemme k kann die freie Bewegung von Taufgehoben werden, während mittelft der Mikrometerfchraube Meine feine Bewegung noch möglich ift. Die Hülfe mit dem Deckel d, welche über dem Zapfen o fleifsig aufgepafst ift, trägt zunächft die beiden zur verticalen Umdrehungsachfe fenkrecht geftellten Kreuzlibellen/ und l', mit deren Hilfe das Inftrument auf bekannte Weife horizontal geftellt werden kann und ferner die beiden Stützen i und i₁ mit den Lagern für die horizontale Drehachfe A des excentrifch angebrachten Fernrohres F, dem ein prismatifches Ocular beigegeben ift Die mit verbundene Libelle L ift derart adjuftirt, dafs beim Einfpielen derfelben die optifche Achfe horizontal ift. Die Lagerftütze i ift durch einen ftarken Sägefchnitt gefpalten und durch zwei Schräubchen kann derfelbe erweitert oder verengt, demnach das betreffende Achfenende gefenkt oder gehoben, alfo die horizontale Drehachfe fenkrecht zur verticalen Umdrehungsachfe geftellt werden. K ift die Klemme zur Aufhebung der freien Bewegung der Alhidade, M die entſprechende Mikrometerfchraube. Mit dem zweiten Ende der horizontalen Drehachfe ift der Verticalkreis Vk verbunden, deffen Theilung direct von 2020 Minuten fortläuft und mittelft Nonius bis auf 1 Minute abgelefen werden kann. Die Lupen a und 6 erleichtern das Ablefen an den bezüglichen Kreifen. Die horizontale Drehachfe A wird in ihrer Miite von einem Klemmringe umfafst, der durch die Schraube k' mit A feft verbunden werden kann, und welcher in den Klemmarm e ausgeht; an feinem Ende enthält er die Muttergewinde für die Mikrometerfchraube m, die fich an den die Lagerſtützen i und im oberen Theile verbindenden Ring R ftützt und welcher die mit A verbundene Feder f entgegen wirkt. Wird k' angezogen, fo ift die freie Bewegung des Fernrohres in Höhe aufgehoben; durch die Anwendung von m Geodätifche Inftrumente. 63 kann jedoch der optifchen Achfe noch eine feine Bewegung in Höhe ertheilt werden. Die auf dem Ringe R aufgebauten Stützen c, c tragen die Bouffole B, deren Nadel mit a arretirt werden kann. Das Signal. Die Fig. 16 zeigt das Bild desfelben. Mit der Hülfe h kann dasfelbe auf den Zapfen des Statives aufgefetzt werden. Der weitere Aufbau ift jenem des Theodolithen ähnlich. s und s' find die Stellfchrauben, f und f'( letzteres nicht fichtbar) die denfelben diametral gegenüberftehenden Federn. Kh ift die Klemme zum Aufheben der freien Bewegung im Horizonte um den verticalen Zapfen, M die Mikrometerfchraube für die feine Bewegung nach vollzogener Klemmung. Mit den beiden fenkrecht zur verticalen Umdrehungsachfe geftellten Kreuzlibellen und gefchieht die Horizontalftellung. Im weiteren Aufbaue findet man die Lager für die horizontale Drehachfe, welche vom Mechaniker fenkrecht zur verticalen Um- 1 drehungsachfe geftellt ist, und die aufser dem kleinen Hilfsfernrohre F die beiden auf mattem Glafe fich befindlichen Zielpunkte i und' trägt, welche aus fich kreuzenden Metallftäbchen gebildet find. Die in den hohlen Cylindern z und 2, befindlichen Kerzen k erleuchten die matten Glasflächen und es ftellen fich demnach die Zielpunkte auf hell erleuchtetem Grunde dar. Der ganze Obertheil ruht auf einem kleinen verticalen Zapfen, mit welchem er durch die Schraube G feft verbunden ift und durch Lüften derfelben von dem Zapfen abgenommen werden kann. Das Hilfsfernrohr F ift centrifch über der verticalen Drehungsachfe und die beiden Zielpunkte i und i' find von der letzteren zu beiden Seiten in gleichen Abftänden und zwar gleich der Entfernung der optifchen Achfe des excentrifch angebrachten Fernrohres des Theodolithen angebracht. Durch diefe Einrichtung des Theodolithen und des Signales ift nur Folgendes zu erreichen möglich. Nach Aufftellung des Inftrumentes und des Signales über den betreffenden Punkten kann fowohl die Achfe des Theodolith- als des Hilfsfernrohres horizontal geftellt, durch Vifiren mit letzterem nach der Mitte des Theodolithen die Senkrechtftellung der Scheibenebenen mit den Zielpunkten zur Vifur des Grubentheodolithen erreicht werden. Durch Einſtellen der Vifur auf beide Zielpunkte und jedesmaliges Ablefen an der Theilung T ergibt fich durch das Mittel aus beiden Lefungen die von der Excentricität des Fernrohres freie Lefung. Lieft man auch noch den Verticalkreis Vk ab, fo ergibt fich nach dem Meffungsverfahren der Ermittlung der doppelten Zenithdiftanz die einfache Zenithdiftanz, beziehungsweife der Höhenwinkel der Vifur. Lüftet man die Schraube G am Theodolithen und am Signale, fo können beide von den Untertheilen des Inftrumentes abgehoben und nur gegenfeitig vertaufcht werden.( Hülfe h, Scheibe p' mit dem Zapfen, z' bleibt hiebei auf dem Stative.) Durch diefe Vertauſchung von dem Inftrumente mit dem Signale und nach gehöriger Befeftigung mit G bleibt Inftrumenten- und Signalhöhe diefelbe. ( Die horizontalen Drehachfen der Fernrohre haben von der oberen Fläche des Zapfens diefelbe Entfernung.) Die gemeffenen Richtungen können hiedurch in Azimuth und in Höhe controllirt werden. Nivellirinftrumente. Der Zweck, dem das Nivellirinftrument dienen foll, erklärt die grofse Anzahl der ausgeftellten Inftrumente diefer Gattung und die verfchiedenen Conftructionen zeigen die Anfichten, welche zur Erreichung diefes Zweckes beſtehen. Die Länder Dänemark, Deutfchland, England, Frankreich, Italien, die Niederlande, Oefterreich, Portugal, Rufsland und die Schweiz hatten mehr oder weniger Originelles in den ausgeftellten Inftrumenten geboten. Die in der niederländifchen Abtheilung von den Gebrüdern Caminada aus Rotterdam ausgeftellten vier Nivellirinftrumente, wovon das eine mit feftem 5 64 Dr. W. Tinter. Fernrohre, die anderen drei mit umlegbarem Fernrohre, waren fehr fleifsig gearbeitet, erinnern aber in allen Stücken bei drei Exemplaren an die Conftruction der englifchen, bei dem einen Exemplare jedoch an die franzöfifchen Nivellirinftrumente. Das von Rufsland gebotene, und was nennenswerth erfcheint, erinnert wieder an die von Kern in Aarau gewählte Conftruction. Dänemark war durch Jünger's Etabliffement in Kopenhagen und durch den Mechaniker Holft ebendafelbft vertreten. Erftgenanntes Inftitut hatte ein Nivellirinftrument mit feftem Fernrohre und Elevatiosfchraube und ein Univerfal- Nivellirinftrument mit durchfchlagbarem Fernrohre, das Ringe trägt, ausgeftellt. Bei Holft fanden wir zwei Nivellirinftrumente mit Fernrohr zum Umlegen und mit der Elevationsfchraube; man fah es der Conftruction der letzteren an, dafs man nur einen fchüchternen Verfuch gewagt hatte. Der Unterbau des einen diefer beiden Inftrumente war für die Ausftellung auf ein Zapfenftativ durchgeführt. In Deutfchland hatten ausgeftellt: Dennert& Pape in Altona, Hahn in Kaffel, Hildebrand in Berlin und Lüttich in Berlin. Das Nivellirinftrument mit Horizontalkreis und Tangentialfchraube von Dennert& Pape foll hier etwas ausführlicher erwähnt werden. Das Inftrument hat eine Dreifufs- Aufftellung, einen Horizontalkreis, der durch eine Dofenlibelle horizontal geftellt werden kann Die Aufhebung der groben Horizontalbewegung gefchieht mittelft einer Centralklemme. Um den in die verticale Büchfe fleifsig eingepafsten Zapfen dreht fich der ganze Oberbau des Inftrumentes; zunächft ift mit dem Zapfen ein Träger A( Fig. 17) verbunden, mit welchem die an einem Stabe R befeftigten v- förmig geftalteten Fernrohrlager e- Fig. 17. B in entſprechende Verbindung gefetzt find. In den Lagern B ruht das zum Umlegen eingerichtete Fernrohr von 30maliger Vergröfserung. Die Libelle ift mit dem Fernrohre in Verbindung. Der Stab R mit den beiden Lagern dreht fich um eine horizontale durch zwei Schraubenfpitzen gebildete und zur verticalen Umdrehungsachfe fenkrechte Achfe. Die verticale Bewegung um diefe horizontale Achfe wird durch eine Mikrometerfchraube y vollzogen. Diefe Schraube foll nun zum Meffen kleiner Verticalwinkel und zur Diftanzbeftimmung dienen, und zwar foll im erfteren Falle die Anzahl der gemachten Schraubenumgänge dem von der optifchen Achfe durchlaufene Winkel proportional fein Um diefes zu erreichen, ift an der Seite der Mefsfchraube mit R ein Bogenftück W feftgefchraubt, das feinen Mittelpunkt in der früher genannten, durch zwei Schraubenfpitzen gebildeten horizontalen Drehachfe hat, und an der vorderen Begrenzung die der Mefsfchraube y entfprechenden Muttergewinde enthält. In letztere werden die am oberen Theile von y angebrachten Gewinde durch eine Feder oe eingedrückt; unten geht y in eine Kugel aus, welche zwifchen die beiden Backen v v' gelagert ift, fo dafs nur ein Runddrehen von y gefchehen kann, demnach eine Bewegung von W mit R und dem Fernrohre erfolgen mufs, und zwar entſpricht 0 V L Geodätifche Inftrumente. 65 einer Schraubenumdrehung die Winkelbewegung von 10 Minuten. An der vorderen Seite des Fernrohrlagers B find zwei Theilungen, wovon die eine für Grade und Minuten, die andere der Decimaltheilung entsprechend bezeichnet ift. Die an dem Schraubenkopfe L angebrachte Trommel J trägt zwei Theilungen; die obere enthält 120 Theile, demnach entſpricht einem Theile die Winkelbewegung 5 Secunden; die untere Theilung hält 100 Theile, und dient zum Diftanzmeffen. Hahn hatte ein Nivellirinftrument neuer Conftruction ausgeftellt; dasfelbe hat als Unterbau einen Dreifufs; es hat keinen Horizontalkreis und ein Fernrohr zum Umlegen; die Libelle ift mit dem Fernrohre, der Höhenbogen mit der horizontalen Drehachfe feft verbunden. Die vorhandene Elevationsfchraube iſt eine Mefsfchraube, wodurch das Meffen der Höhenbewegunng der Vifirlinie, alfo auch das Diftanzmeffen nach der Stampfer'fchen Methode ermöglicht wird. Der Höhenbogen hat o 200 Meter Radius und kann mit einem Nonius bis auf 15 Secunden gelefen werden; der Höhenbogen trägt aufser der Bogentheilung von 20 zu 20 Minuten noch eine zweite Theilung, welche die ganzen Umdrehungen der Mikrometerfchraube angibt. Die zwei von Hildebrand ausgeftellten Nivellirinftrumente mit Dreifufs- Aufftellung haben Fernrohre zum Umlegen; die Libelle ift mit dem Fernrohre in fefte Verbindung gebracht. Das eine Inftrument hat einen getheilten Horizontalkreis, das zweite hingegen nur eine horizontale Scheibe; bei beiden ift Klemmvorrichtung und Mikrometerfchraube für die Azimuthalbewegung vorhanden. Die Elevationsfchraube ift bei keinem diefer beiden Inftrumente angebracht. Von Lüttich waren ausgeftellt: Ein grofses Nivellirinftrument und zwei kleine Nivellirinftrumente. Alle drei Inftrumente ruhen je auf einem Dreifusse. Das grofse Nivellirinftrument hat ein umlegbares Fernrohr von 40 Millimeter Oeffnung und 0.470 Meter Brennweite. Die Libelle ift mit dem Fernrohre feft verbunden. Die beiden kleinen Nivellirinftrumente unterfcheiden fich nur dadurch, dafs das eine eine Mikrometerfchraube für die Azimuthalbewegung hat, das andere aber nicht. Eine Correctionsfchraube für die Senkrechtftellung der Libellenachfe zur verticalen Umdrehungsachfe konnte ich nicht finden. Auch diefer Künftler macht von der Elevationsfchraube keinen Gebrauch. England, das für geodätifche und aftronomiſche Inftrumente nur durch die einzige Firma Cooke& fons vertreten war, hatte auch nur durch diefe Firma zwei Nivellirinftrumente zur Ausstellung gebracht; das eine mit feftem, das zweite mit umlegbarem Fernrohre. Das erftere ift in Fig. 18 dargeftellt. Das Fernrohr o O hat ein Objectiv von 39 Millimeter Oeffnung und 440 Meter Brennweite. Die Libelle Z für das Nivelliren ift mit dem Fernrohre feft verbunden und kann mittelft des Spiegels Sabgelefen werden. Die Libelle L'ift mit ihrer Achfe fenkreicht zu L, fo dafs, wenn beide Libellen parallel zur horizontalen Umdrehungsebene geftellt find, die Horizontalftellung des Inftrumentes auf einfache Weife durchgeführt werden kann. Bei B ift eine mit der Lupe ablesbare Bouffole. Die Elevationsfchraube ift nicht angewendet. Der Unterbau des Inftrumentes ift ein Dreifuss, welcher mit den drei Stellfchrauben FF' auf der Kopfplatte D des Statives ruht; letzteres verdient näher beachtet zu werden. Jeder der drei Stativfüfse befteht aus zwei Theilen f und f1, welche unten durch eine Zwinge vereint werden; in das obere Ende eines jeden Theiles find die ftarken Metallftreifen // eingefetzt, welche durch die Schrauben mit f, und unter einander durch den Bolzen b verbunden find; die Verbindung des letzteren mit den von der Kopfplatte D des Statives herabreichenden Nafen a ift aus der Figur zu entnehmen. Eigenthümlich ift auch die Verbindung des Inftrumentes mit der Kopfplatte des Statives. Die drei Fufs5* 66 99 0 P E Fig. 20 Fig, 19. L' S FP D 38 لا 8 Dr. W. Tinter. Fig. 18. B F P S b fchrauben F ruhen mit ihren abgerundeten Enden in entſprechenden Höhlungen von D( Fig. 19); eine dünne Platte P, im Grundriffe von derfelben Form wie D, trägt an den drei Stellen der Fufsfchrauben die in Fig. 20 erfichtlichen Ausfchnitte E; wird die Platte Pfo gedreht, dafs der kleine Durchmeffer des Ausfchnittes E je eine Fufsfchraube in dem verjüngten Theile umfafst, und wird die Platte Pmit der Schraube s feft angezogen, fo ift die Verbindung des Inftrumentes mit dem Stative hergeſtellt. Wird hingegen s gelüftet, die Platte Pfo weit gedreht, dafs der gröfsere Durchmeffer des Ausfchnittes E in die Achfenrichtung der Stellfchrauben kommt, fo kann das Inftrument ungehindert abgehoben werden. Frankreich war im Baue geodätifcher Inftrumente direct gar nicht vertreten. Nur in der von der franzöfifchen Nordoftbahn veranſtalteten Ausftellung waren auch einige, natürlich fchon gebrauchte Nivellirinftrumente, von den Künftlern Brunner und Lenoir gefertigt, ausgeftellt. Bei einem Exemplare waren die Ringe des umlegbaren Fernrohres durch prismatifche Anfätze erfetzt, welche auf der vollkommen eben gearbeiteten Horizontalfcheibe ruhen. Das Fernrohr ift in der Mitte mit einem Zapfen verfehen, welcher in eine Oeffnung der Scheibe pafst, und um welchen fich das Fernrohr im Horizonte drehen läfst. Ift einmal die Scheibe horizontal geftellt, die optifche Achfe parallel zur Ebene, welche durch die unteren Begrenzungsflächen der beiden prismatifchen Anfätze gelegt wird, fo ift dann auch die Vifirlinie für jede Lage des Fernrohres horizontal. Diefe Conftruction dürfte fich in der Praxis wohl nicht einbürgern, weil es unmöglich ift, die obere Fläche des Kreifes, auf welcher die prismatifchen Anfätze des Fernrohres gleichfam fchleifen, fo rein zu halten, wie es durch die bedingte Genauigkeit der horizontalen Vifur verlangt wird.( Das eine Exemplar Geodätifche Inftrumente. 67 der von Caminada aus Rotterdam ausgeftellten Inftrumente war auch nach diefem Syfteme gebaut.) Italien. Der Mechaniker J. Alle mano, Turin, hatte zwei UniverfalNivellirinftrumente mit Fernrohr zum Umlegen und ein gewöhnliches Nivellirinftrument auch mit umlegbarem Fernrohre ausgeftellt. Wir können uns jedoch mit der Art und Weife zur Rectification der mit dem Alhidadenkreife verbundenen Libelle, mit der Correction zur Parallelftellung der optifchen Achfe zur Libellenachfe, fo wie mit der Conftruction der Mefsfchraube bei dem vollkommeneren Univerfal- Nivellirinftrumente nicht einverftanden erklären. Das Inftitut Officina- Gallileo hatte ein eigenthümliches NivellirInftrument mit Fernrohr zum Umlegen ausgeftellt. Der Objectivring ruht in einem Lager, das zwifchen zwei Schraubenfpitzen aufgehängt ift, welche Schrauben ihre Muttergewinde in den Theilen eines um eine verticale Achfe drehbaren halb kreisförmigen Ringes haben. Das Lager für den Ocularring befteht aus zwei Theilen: einem feften Lager, in welchem das Fernrohr bei den gewöhnlichen Arbeiten des Nivellirens zu liegen kommt und einem daran ftofsenden, gegen das erfte unter einem kleinen Winkel geneigten mit einer Mefsfchraube beweglichen Lager, in welches der Ocularring des Fernrohres bei der Diftanzmeffung oder bei dem Höhenmeffen gelegt wird; in letztem Falle mufs das Lager für den Objectivring um feinen verticalen Zapfen fo lange gedreht werden, dafs es parallel zum Lager des Ocularringes wird. Diefe Conftruction dürfte fich auch kaum eines Einganges in der Praxis erfreuen. Oefterreich hat wohl in der Ausftellung für Nivellirinftrumente das Umfangreichfte, das Vielfeitigfte und auch Vollendetfte geboten. Die Firma Kraft& Sohn hatte 5 Tafchen- Nivellirinftrumente, I Nivellirinftrument mit feftem Fernrohre, 2 Nivellirinftrumente mit umlegbarem Fernrohre, 2 Univerfal- Nivellirinftrumente ohne Bouffole und 2 mit Bouffole ausgeftellt. In dem illuftrirten Preisverzeichniffe der mathematifchen Inftrumente aus dem Atelier Kraft& Sohn findet man unter den Nummern 20, 15, 14, 12, 10, 7, 8 und 5 die kurzen Befchreibungen fammt Zeichnungen der ausgeftellten früher bezeich neten Inftrumente. Schablafs& Sohn hatten 2 Tafchen- Nivellirinftrumente, I Nivellirinftrument mit feftem Fernrohre, I Nivellirinftrument mit umlegbarem Fernrohre und der Stampfer'fchen Mefsfchraube, ferner I kleines und 1 grofses Bouffoleninftrument und 1 Univerfal- Nivellirinftrument ausgeftellt. Die Conftructionen find denen von Kraft, bei dem Stampfer'fchen Inftrumente jener von Starke ähnlich. Die Firma Starke& Kammerer hatte in einer Reihe von 16 Nivellirinftrumenten die Conftruction vom einfachen Tafchen- Nivellirdiopter bis zum vollendeten Univerfal- Nivellirinftrumente mit Fernrohr zum Umlegen oder zum Durchfchlagen zur Anfchauung gebracht. Die Befchreibung des Tafchen- Nivellirdiopters, der Tafchen- Nivellirinftrumente, des gewöhnlichen Nivellirinftrumentes mit feftem und umlegbarem Fernrohre, des Stampfer'fchen Nivellirinftrumentes, der beiden Univerfal- Nivellirinftrumente findet man in der Anleitung zum Nivelliren von S. Stampfer und Dr. J. Herr. Wien bei Gerold 1869. Eingehender find die beiden Univerfal- Nivellirinftrumente in der Zeitfchrift des öfterreichifchen Ingenieur- und Architektenvereines behandelt, und zwar 1. Befchreibung und Anleitung zum Gebrauche und zur Rectification der Starkefchen Univerfal- Nivellirinftrumente mit der Stampfer'fchen Mefsfchraube. Von Wilhelm Tinter 2. und 3. Heft 1869. 2. G. Starke's Univerfal- Nivellirinftrument mit Fernrohr zum Durchfchlagen. Von Wilhelm Tinter 6. Heft 1869. 68 Dr. W. Tinter. Das Univerfal- Nivellirinftrument von G. Starke mit der Stampfer'fchen Mefsfchraube hat im Jahre 1873 eine wefentliche Verbefferung durch die Hinzugabe eines verticalen Zapfens, um welchen fich der gerade nicht leichte Obertheil des Inftrumentes dreht, erhalten. In Fig. 21 geben wir das Bild diefes Inftrumentes. Wir wollen hier nur das von der früheren Conftruction unterfcheidende berühren. 0 B ४ VIC R Fig. 21. R KY Cz S M V M g F h D 2 A F.W.BADER WIEN. P B' N 0 Centrifch ift auf dem Kreife der verticale Zapfen A aufgebaut, welcher noch in die hohle Säule S reicht. Ueber demfelben bewegt fich der forgfältig aufgepafste Theil C, der nach oben in eine den Zapfen A umfchliefsende Hülfe ausgeht. Die bei den früher ausgeführten Conftructionen angewendete Umfangsklemme am Horizontalkreife ift durch die Centralklemme ( Kn) und durch entfprechende Mikrometerbewegung erfetzt worden. Der Mechaniker Hammermüller hatte zwei Nivellirinftrumente mit feftem Fernrohre, in ihrer Conftruction jener von Starke ähnlich, ausgeftellt. Wir fühlen uns gedrungen, es hier auszufprechen, dafs die Elevationsfchraube an allen in Oefterreich ausgeftellten Nivellirinftrumenten anzutreffen war; wir finden es ganz unerklärlich, warum in den anderen Ländern faft gar kein Gebrauch von derfelben 20tent.m gemacht wird; es ift kaum denkbar wie der Beobachter bei der Arbeit mit einem Nivellirinftrumente ohne Anwendung der Elevationsfchraube mit der Libelle zu Stande kommt, vorausgefetzt denn, dafs die Libelle den der Leiftungsfähigkeit des Fernrohres entſprechenden Grad der Empfindlichkeit habe; wenn, wie wir uns an ausgeführten Inftrumenten felbft überzeugt haben, der Winkelwerth eines Scalentheiles der Libelle 40 Secunden bis I Bogenminute beträgt, dann wird man freilich der Elevationsfchraube nicht bedürfen. Tachymeter. Diefe eigentlich zur Gruppe der Univerfal- Nivellirinftrumente gehörigen Inftrumente waren bei Kraft& Sohn in zwei Exemplaren, bei Starke& Kammerer in einem Exemplare zu finden. Geodätifche Inftrumente. 69 In Fig. 22 ift die eine Conftruction des Tachymeters nach Kraft dargeftellt. Das Inftrument ift zum Repetiren der Horizontalwinkel eingerichtet. Der Höhenbogen Kv ift mit der horizontalen Drehachfe der Rinne, in welcher das zum Umlegen eingerichtete Fernrohr liegt, feft verbunden, während der Nonius an der verticalen Säule befeftigt ift. Die Bouffole B ift zwifchen dem Horizontalkreife und dem Dreifusse fo angebracht, dafs ein bequemes Ablefen derfelben ermöglicht ift Fig. 22. L K P B K₁₂ A S S S 10 FW.BADER.sc 20Cendimi. Der Horizontalkreis hat 16 Meter, der Verticalbogen 12 Meter Durchmeffer; beide Kreife können bis auf eine Bogenminute direct gelefen werden. Das Fernrohr ift mit einem gewöhnlichen Faden- Diftanzmeffer verfehen, hat ein Objectiv von 32 Millimeter Oeffnung und o 31 Meter Brennweite und geftattet eine 24malige Vergrösserung. Ueber das von Starke& Kammerer ausgeftellte Tachymeter fiehe G. Starke's Tachymeter von Dr. W. Tinter. Zeitfchrift des öfterreichifchen Ingenieur- und Architektenvereines 1873. Die Schweiz. Die beiden von Kern, Aarau, ausgeftellten Bautheodolithen, welche eigentlich den Univerfal- Nivellirinftrumenten einzureihen wären, find fchon befprochen worden. Des von demfelben Künftler ausgeftellten Präci fions- Nivellirinftrumentes wird fpäter gedacht werden. Von O. Poffert, Ingenieur in Rapperswyl, war nach feiner Bezeichnung ein mathematifches Univerfal- Mefsinftrument für geodätifche Detailaufnahmen ausgeftellt. Dasfelbe enthält eine Vereinigung aller in der praktifchen Geometrie benöthigten Mefsinftrumente, nämlich: a) Kleiner Repetitionstheodolith mit Feldund Grubencompaſs in Verbindung mit einer Kippregel, welche einen Vertical 70 Dr. W. Tinter. kreis und einen Diftanzmeffer hat, und auch als Nivellirinftrument dienen kann. Winkelfpiegel und Winkelkreuz find auch beigegeben. b) Mefstifch- Apparat. c) Andere zum Aufnehmen nöthige Geräthe, als: Böfchungswage, Nivellir- und Diftanzblatte, Mefsband aus Stahl, Senkel, Lothgabel u. f. f. Ausgeführt ift diefes Inftrument in der mechanifchen Werkstätte F. Meyer in Zürich. Präcifions- Nivellirinftrumente. Diefe durch die von der europäifchen Gradmeffungs- Commiffion gewünfchten Präcifionsnivellements hervorgerufenen Conflructionen, welche genauere Ermittlung des Höhenunterfchiedes gewähren follen, waren durch Objecte von Kern in Aarau, Brito Limpo in Liffabon und von Starke& Kammerer in Wien vertreten. Ueber das von Kern ausgeftellte Präcifions- Nivellirinftrument fiehe man: Nivellement de Präcifion de la Suiffe exécuté par la commis sion géodesique fédérale sous la direction de A. Hirfch& Comp. Plantamour. 1867. Das von Starke& Kammerer für die k. k. Gradmeffung gebaute Präcifions- Nivellirinftrument unterfcheidet fich von dem gewöhnlichen Stampferfchen Nivellirinftrumente mit umlegbarem Fernrohre dadurch, dafs ein kräftigeres Fernrohr angewendet wurde; das Objectiv hat 35 Millimeter Oeffnung und o 340. Meter Brennweite; die Vergröfserung ift 40; aufserdem hat es ftatt der gewöhnlichen Metallringe forgfältig bearbeitete Stahlringe. Zur genaueren Ermittlung der Neigung der optifchen Achfe wurde auch eine fehr empfindliche Auffatzlibelle beigegeben.( Bekanntlich ift bei den Stampfer'fchen Nivellirinftrumenten die Libelle mit den Trägern des Fernrohres in fefter Verbindung.) Zur Vervielfältigung der Beobachtungen wurden bei den beiden erwähnten Conftructionen drei Horizontalfäden eingezogen, fo dafs man bei einer Vifur nach der Latte drei Ablefungen an derfelben erhält; felbe feien lu, lm, lo; erftere entſpricht der Lefung am oberen, Im am mittleren, lo am unteren Horizontalfaden. Setzt man Im- lud, lo- lm= 62, fo ift das Mittel der drei Lefungen auf den Mittelfaden reducirt: L lu Im lo 3 +( 01-02) 3 Bei gleichen Abftänden des oberen und unteren Horizontalfadens vom mittleren Horizontalfaden ift natürlich L= 1/3( lulm+ lo), die Reduction auf den Mittelfaden= 1( 01-02) Das Präcifionsniveau mit zwei Fernröhren von Brito Limpo, Liffabon. Fig. 23 gibt das Bild diefer Conftruction. Durch die Centralfchraube H wird das Inftrument durch die drei Fufsfchrauben S mit dem Stative in Verbindung gebracht. Hk ift der von Grad zu Grad getheilte Horizontalkreis, mittelft des Nonius bis auf eine Bogenminute ablesbar; O ift die Klemmfchraube für das Aufheben der Azimuthalbewegung, Mdie Mikrometerfchraube für die feine Horizontalbewegung. Der Obertheil ift um den verticalen Zapfen Z drehbar. Auf A A' ift die Libelle nn, deren Achfe durch die Correctionsfchrauben m m fenkrecht zur verticalen Umdrehungsachfe geftellt wird, befeftigt. Die an den Enden von AA' aufgebauten Träger M und M' haben die aus der Zeichnung erfichtliche Form und nehmen in ihrem oberen Ende die Stahlachfe EE auf, welche zur Libellenachfe parallel fein foll. Da der Träger M' durch die drei Schräubchen σ, o₁ mit A' in Verbindung fteht, von denen die beiden erfteren auf Zug, o' aber auf Druck wirkt, fo ift es Geodätifche Inftrumente. 71 dadurch möglich geworden, den Träger M', fomit auch die Achfe EE' zu heben oder zu fenken, alfo auch die verlangte Lage von EE' gegen die Libellenachfe herzuftellen G E a M A m n - S ' Z Fig. 23. F H F' α M HK S n E M m G G Α Mit der Stahlachfe E E' find endlich die beiden untereinander durch die Theile a a' verbundenen Fernrohre F und Fin eine derartige Verbindung gebracht, fo dafs ihre optifchen Achfen nicht nur untereinander, fondern auch zu EE' parallel find. Mittelft des Griffes G, beziehungsweife G' können Fund F um EE' um 180 Grad gedreht werden, fo dafs dann. F die Stelle von F' und umgekehrt einnimmt. Das Schräubchen i hebt bei entfprechender Anwendung die rotirende Bewegung um EE' auf. Wenn diefes Inftrument auf einem Punkte horizontal aufgeftellt ift, fo gewährt es nicht nur einen horizontalen Vor-, fondern auch einen horizontalen Rückblick; beide ftehen um den Abftand der optifchen Achfen beider Fernrohre von einander ab. Hätte man alfo nach vor- und nach rückwärts vom Aufftellungspunkte je eine Latte aufgeftellt, fo ergibt fich aus den gemachten Lefungen an der Latte der Höhenunterfchied der Fufspunkte der Latte um obiges fehlerhaft; wird aber mittelft G die Drehung um EE um 180 Grad und auch die der Alhidade um die verticale Umdrehungsachfe um 180 Grad vorgenommen und neuerdings aus den bei einfpielender Libelle gewonnenen Ablefungen der Latten der Höhenunterfchied der als feft vorausgefetzten Aufftellungspunkte der Latte ausgemittelt, fo ift diefer um dasfelbe im entgegengefetzten Sinne fehlerhaft, fomit das Mittel beider Refultate frei von diefer Gröfse. Ein zweites Reſultat für den gefuchten Höhenunterfchied erhält man fofort, wenn man fowohl bei dem Vor- als auch bei dem Rückblicke die Lefungen an der Latte bei der vertaufchten Stellung der Fernrohre nimmt. Die hier gewählte Conftruction hat einerfeits die Vervielfältigung der Beobachtungen auf einem Standpunkte, andererfeits das Befreien des Refultates der gewonnenen Lattenhöhe, beziehungsweife des Gefälles von dem Fehler wegen nicht vollkommener Berichtigung des Inftrumentes zum Zwecke. Das Nachfolgende wird diefes klar machen: Sei in Fig. 24 CN die verticale Umdrehungsachfe des über einem Punkte N aufgeftellten Inftrumentes; hh' die horizontale Libellenachfe. EE fei die Stahlachfe, Fund F' feien die optifchen Achfen der beiden Fernrohre; diefe drei Achfen feien nun weder untereinander noch zu hh' parallel, welchen Parallelismus doch die Berichtigung verlangt. Im Punkte M fei die Latte MM' vertical gehalten. Wird bei einfpielender Libelle die Vifur mit F nach MM gerichtet, fo ergibt fich als Lattenabſchnitt, 72 Fig. 24. M Dr. W. Tinter. 2 bei der Drehung von Fum EE um 180 Grad, wo F' nach F1, F hingegen nach F₁ kommt, erhält man l als Lattenabſchnitt. Die Höhe an der Latte, in welcher die Verlängerung von EE diefelbe treffen würde, ift offenbar L₁ Wird 4+ 1 2 nun jetzt der Obertheil des Inftrumentes - 2 um 180 Grad gedreht, die Libelle zum vollkommenen Einfpielen gebracht, fo kommt EE nach E₁ E₁', das Fernrohr F₁' nach F mit dem Objective gegen die Latte, und als Lattenabfchnitt findet fich lg, bei der Drehung von F₂ um E₁ E um 180 Grad, wo F nach F' kommt, hingegen ergibt fich 4. Das 13+14 Mittel L₂ gibt die Höhe jenes Punktes an der Latte, in welchem diefelbe jetzt von der Verlängerung von E₁ E₁' getroffen wird. Die dem Horizonte von A, das ift jenes Punktes der Rotationsachfe EE in welchem felbe von der durch C gelegten Lothrechten getroffen wird, entfprechende, von früher genannten Fehlern des Inftrumentes befreite Lattenhöhe ift dann: Mm - L _ L₁ L 2 + 12+ 13+ 14 14 3 173+ 14 = L h N Di E F -E h' - 4 Rectification. Die hier zu unterfuchenden Eigenfchaften find: 1. Ob die Libellenachfe zur verticalen Umdrehungsachfe des Inftrumentes fenkrecht fteht 2. Ob die optifchen Achfen der beiden Fernrohre zur Rotationsachfe EE parallel find. 3. Ob die Rotationsachfe EE zur Libellenachfe parallel ift, beziehungs weife zur verticalen Umdrehungsachfe fenkrecht ſteht. Geodätifche Inftrumente. 73 Ad 1. Die Unterfuchung gefchieht auf bekannte Weife; die nöthige Berichtigung wird mit den Correctionsfchrauben m der Libelle ausgeführt. Ad 2. Man vifirt bei einfpielender Libelle mit dem zu unterfuchenden Fernrohre( oben) nach einer getheilten Latte, die entſprechende Lefung fei ₁; hierauf dreht man das Fernrohr( unten) um die Rotationsachfe EE' um 180 Grad und beftimmt den Lattenabſchnitt l. Ift die Differenz ₁- l₁= 20 dem doppelten Abftande der Fernrohrachfe von der Achfe EE'= 2A, fo ift diefe Eigenfchaft für das zu unterfuchende Fernrohr erfüllt; im anderen Falle gibt die Differenz 20-2= 2 x den doppelten Fehler an; wird nun die Vifur durch Verfchieben des Fadenkreuzes auf die Lefung 2x eingeftellt, fo hat man diefe Forderung für das eine Fernrohr erfüllt. Den gleichen Vorgang beobachtet man bei dem zweiten. - Erwägt man, dafs durch das Nivellirinftrument mit umlegbarem Fernrohre, das zur Vervielfältigung der Beobachtungen drei Horizontalfäden hat, die durch befprochene Conftruction bezweckten Vortheile noch vollkommener erreicht werden, ferner, dafs man durch die Auffatzlibelle über die Neigung der optifchen Achfe fofort einen Auffchlufs erhält, dafs man durch die eingefpannten Horizontalfäden auch einen Faden- Diftanzmeffer gewonnen hat, fo dürfte die Conftruction von Limpo mit dem Aufwande von zwei Fernrohren kaum eine Nachahmung finden. Apparate zur unmittelbaren Beftimmung der Gefchwindigkeit fliefsender Gewäffer und Wafferftands- Anzeiger für die mittlere Höhe. Die Apparate zur unmittelbaren Meffung der Gefchwindigkeit fliefsender Gewäffer waren eigentlich nur in Oefterreich und in der Schweiz, im erften Lande durch die Firmen: Kraft, Schablafs und Starke, im letzten Lande durch Amler- Laffon vertreten; wenn gleich auch fonft noch, wie z. B. in der italienifchen Abtheilung bei Allem ano, ein oder das andere zu diefem Zwecke conftruirte Inftrument anzutreffen war, fo können wir diefelben übergehen, weil die Conftructionen veraltet, durch jene der neueren Zeit weit überholt find. Der hydrometrifche Flügel, auch nach feinem Erfinder Reinhold Woltmann( 1790) der Woltmannflügel genannt, wie er von Kraft& Sohn, von Schablafs& Sohn ausgeführt wird und durch je ein Exemplar in der Ausftellung vertreten war, ift den Conftructionen, wie fie in den bezüglichen Werken über Wafferbau, in manchen Werken über praktiſche Geometrie zu finden find, unwefentliche Aenderungen abgerechnet, ganz gleich, wefshalb bei denfelben nicht länger verweilt werden foll. Der von G. Starke conftruirte hydrometrifche Flügel ift in manchen Stücken von den bisherigen Conftructionen abweichend; wir geben in Fig. 25 eine Anficht und in Fig. 26 einen Schnitt diefer Conftruction. Der Flügel felbft befteht aus dem Ringe n, welcher nach der Richtung eines Durchmeffers zwei Anfätze trägt; mit dem einen Anfatze ift das Steuerruder R, mit dem zweiten Anfatze, der in feinem oberen Theile eine Oeffnung enthält, der Bügel B und der rahmenförmige Theil A' feft verfchraubt; einen zweiten Befeftigungspunkt für A' bietet das Ende des Bügels B. In dem Rahmen A' ift die Achfe A eingelagert, welche einerfeits das Schraubengewinde und anderfeits den Flügel F trägt Ein zweiter Bügel B' ift um eine am Ende des Bügels gebildete horizontale Drehachfe c drehbar, und zwar mit Hilfe des Armes 6, der durch die früher genannte Oeffnung geht und bei c' mit B' gelenkartig verbunden ift. Der Bügel B' trägt nun die Achfe für die beiden unmittelbar hintereinander ftehenden Zählräder ( Differentialräder) r, wovon das eine die ganzen Umdrehungen, das zweite hingegen die einzelnen Hunderte der Umdrehungen des Flügels angibt. Wird bin die Höhe gezogen, fo werden die Rädchen in die Schraube eingerückt. Der 74 R R Dr. W. Tinter. Fig. 25 h Ο F b h' P P m h Fig. 26. S ---> Si n B N B B 25 1000 2" 4304 B'A α F Flügel kommt nun zunächft mit feinem Ringe n auf die cylindrifche Röhre P, auf welcher er fich frei drehen kann; letztere ift auf der Stange s aufgefchoben und kann mit derfelben in beliebiger Höhe durch die Klemmfchraube S, welche durch das eingelegte Stück n, auf den federnden Ring wirkt, in fefte Verbindung gebracht werden. In Höhe kann fich n durch die mit verbundene Schraubenmutter m nicht bewegen; auf der oberen Fläche von m ruht im gewöhnlichen Zuftande des Apparates die Hülfe h' auf, welche einerfeits mit ihrer unten angebrachten Flanfche p in eine Oeffnung des Armes b greift, und auf welche andererfeits die zwifchen h' und i eingefetzte Schraubenfeder wirkt. Mit h' ift nun die zweite Hülfe h verfchraubt, welche an ihrer Oberfläche zwei Oehre hat, um die Schnüre zum Ein- und Auslöfen des Apparates aufnehmen zu können; wird die Schnur angezogen, fo wird durch Ueberwindung der Federkraft h' und mit h' der Geodätifche Inftrumente. 75 Arm 6, beziehungsweife der die Rädchenrtragende Bügel B' gehoben, wodurch die Rädchen in die Schraube eingerückt werden. Wird die Schnur nachgelaffen, fo drückt die Feder die Hülfe h', mit diefer b und B' nach abwärts, die Rädchen kommen aufser Berührung mit der Achfe des Flügels und treffen auf das Arretirungsbäckchen a, welches derart angebracht ift, dafs fich die Zähnchen der Zählrädchen beim Arretiren fenkrecht auf dasfelbe auffetzen. Die Vortheile diefer Conftruction, im Jahre 1870 ausgeführt, find: 1. Ift der Flügel am Stabe im horizontalen Sinne ganz frei, kann fich alfo leicht in die Richtung der Wafferlinie ftellen; auch wird der Zug an der Schnur auf das Inftrument nicht übertragen. 2. Kann, da das Arretirungsbäckchen derart angebracht ift, dafs beim Auslöfen der Rädchen diefe fich mit ihren Zähnen fenkrecht auf dasfelbe auffetzen, nicht leicht ein Verftellen der Rädchen gegeneinander im Momente der Ein- und Auslöfung ftattfinden, welcher Uebelftand bei den anderen Conftructionen nur zu häufig auftritt. In demfelben Jahre, in welchem die Conftruction von Starke ausgeführt wurde, finden wir auch die Bemühungen von Amler- Laffon, den Woltmannflügel zu verbeffern, hauptfächlich eine einfache, dabei doch ficher wirkende Ausund Einrückung des Zählwerkes zu erzielen, von dem beften Erfolge gekrönt. Ueber die Conftruction des Woltmannflügels nach Amsler Laffon fiehe: A. R. Harlacher: Ueber den von Amsler- Laffon in Schaffhaufen verbefferten Woltmannflügel in den techniſchen Blättern des deutfchen polytechnifchen Vereines in Böhmen, 1870; ferner: A. R. Harlacher, Beiträge der Hydrographie des Königreiches Böhmen. Erfte Lieferung, 1872. Es ist nicht zu leugnen, dafs die bisher genannten Conftructionen aufser den erörterten Vortheilen noch den einen Nachtheil an fich tragen, dafs zu dem in beftimmten Zeitintervallen nöthigen Ablefen der vom Flügel gemachten Umdrehungen der Flügel felbft aus dem Waffer gehoben werden muss. Der erfte Verfuch, auch diefen Uebelftand bei dem Woltmannflügel zu beheben, wurde von Farrand Henry gemacht; die entsprechenden Mittheilungen hierüber finden fich in dem Septemberhefte 1871 des in Philadelphia erfcheinenden Journal of the Franklin Inftitute. Bei diefem Hydrometer werden die einzelnen Umdrehungen der im Waffer eingebrachten Halbkugeln, welche die Flügel des Woltmann'fchen Apparates erfetzen, auf einem fich gleichmässig bewegenden Papierftreifen auf elektrifchem Wege regiftrirt. Auf Anregung des Profeffors Rühlmann nahm nun auch Amsler- Laffon die Löfung diefer Aufgabe in die Hand und das in der Ausftellung befindliche Exemplar des Woltmannflügels mit elektro- magnetifchem Zählapparate gibt Zeugnifs von der trefflichen Löfung diefer Aufgabe. Auf dem oberen Ende der Stange ift eine Batterie angebracht, welche den elektrifchen Strom liefert; weiter befindet fich im oberen Theile der röhrenförmigen Stange ein Elektromagnet, welcher bei dem Schlufse des elektrifchen Stromes einen um eine horizontale Achfe drehbaren Anker anzieht, der dann mit einem auf feiner Oberfläche angebrachten fchwarzen Punkte vor eine in der Deckfläche der Röhrenftange angebrachte Oeffnung tritt. Das Rad, welches in die Schraube der Achfe des Flügels eingreift, macht nach 100 Flügelumläufen eine volle Umdrehung und trägt überdiefs eine auf der Ebene des Rades fenkrecht ftehende Nafe, welche bei jeder Umdrehung desfelben auf einen Hebel wirkt, der dann den elektrifchen Strom fchliefst. Die Leitungsdrähte gehen durch ein gufseifernes Gasrohr und werden untereinander als auch von den Wänden des Rohres durch Kolophonium ifolirt. Da nach jedem Stromfchlufse( alfo nach 100 Umdrehungen des Flügels) der früher erwähnte Anker mit dem fchwarzen Punkte vor die Oeffnung tritt, fo braucht der Beobachter nur das Erfcheinen diefes Punktes in einer gewiffen Zeit 76 Dr. W. Tinter. zu beobachten, um die Zahl der Umdrehungen des Rades in derfelben Zeit zu erhalten. Das Verftellen der den eigentlichen Flügel tragenden Röhre auf der Stange kann für verfchiedene Höhen vorgenommen werden, ohne den Apparat aus dem Waffer zu heben. Die Stange ift viereckig; der Flügel kann fich demnach nicht in die Strömung einftellen und es dient daher das Ruder nur dazu, die Haltung der Stange zu erleichtern. Amsler thut diefs aus dem Grunde, weil er es nur für richtig hält, wenn die Flügelachfe fenkrecht zu dem zu unterfuchenden Profile, alfo parallel zur Flufsachfe und nicht in die Richtung der gröfsten Strömung geftellt wird. Es ift diefes defswegen geboten, weil bei ganz unregelmässigen Profilen die Richtungen der einzelnen Wafferfäden nicht mehr zu einander parallel find, daher auch nicht normal durch ein und dasfelbe Querprofil durchfliefsen und es fomit kommen kann, dafs das Steuerruder die Flügelachfe nicht mehr fenkrecht auf das Querprofil einftellt. Die durch ein beftimmtes Querprofil durchfliefsende Waffermenge erhält man aber, wenn man die einzelnen Flächeninhalte derfelben mit der normal hiezu gemeffenen Gefchwindigkeit multiplicirt, welch' letztere fich aber bei der getroffenen Einrichtung durch die Beobachtung unmittelbar ergibt. Eine nähere Befchreibung und eine gute Zeichnung diefes finnreichen Amsler- Laffon's Woltmann'fchen Flügels mit elektro- magnetifchem Zählapparat findet fich von Profeffor Rühlmann in den Mittheilungen des Gewerbevereines für Hannover, 1873, 1. Heft; ferner von eben demfelben Autor in Dingler's poly. techniſchem Journale, Band CCVIII, Heft 3. In der additionellen Ausstellung hatte der Berichterstatter den Fortfchritt im Baue der Woltmann- Flügel in Oefterreich durch vier Exemplare zur Anfchauung gebracht; unter diefen befand fich auch das von Sadtler im zweiten Decennium diefes Jahrhundertes ausgeführte Exemplar, das eine getreue Nachbildung des von Woltmann felbft in feiner in dem Jahre 1790 veröffentlichten Brofchüre: Theorie und Gebrauch des hydrometifchen Flügels oder eine zuverläffige Methode, die Gefchwindigkeit der Winde und ftrömenden Gewäffer zu beobachten, enthaltenen Zeichnung war. Amsler- Laffon hatte auch eine modificirte Pitot Darcy'fche Röhre ausgeftellt; bei der Conftruction derfelben liefs fich Amsler wieder von dem Grundfatze leiten, dafs durch die Pitot'fche Röhre die Componente der Gefchwindigkeit des fliefsenden Waffers fenkrecht zum Profile gegeben werde. Aus den Unterfuchungen geht hervor, dafs, wenn der Wafferfaden, welcher auf die Pitot'fche Röhre wirkt, mit der Flufsachfe den Winkel a bildet, die gefuchte Gefchwindigkeit bei einer Wafferftands- Differenz h in den beiden Röhren nicht mehr durch einen Ausdruck von der Form a Vh, fondern durch einen folchen von a. Vh der Form + btg 2 a gegeben wird, wo a und b zu ermittelnde Conftante find. Bei der Conftruction nach Amsler ift durch ein Schutzrohr um die Oeffnungen der hydroftatifchen Röhre Sorge getragen, dafs die Wirkungen der Seitenftrömungen auf diefe Oeffnungen abgehalten werden, wodurch die Conftante 6 Null gemacht wird. Die durch diefe Schutzröhre hervorgerufene Contraction hat keinen Einfluss auf das Refultat oder einen folchen, dafs er mit in den Werth der Conftante a einbezogen werden kann. Ueber die Pitot'fche Röhre fiehe: Description d'une machine pour mefurer la viteffe des eaux courantes et le fillage de vaiffaux; par M. Pitot, 1732; Memoires de l'Académie royale des fciences. Darcy H.: Note relative à quelques modifications à introduire dans le tube de Pitot. Dijon, Mém. Académie VI, 1857. Geodätifche Inftrumente. 77 Wafferftands- Anzeiger für mittlere Höhe. Der von dem Herrn Civilingenieur F. H. Reitz auf Veranlaffung des geodätifchen Inftitutes der europäiſchen Gradmeffung conftruirte Wafferftands- Anzeiger foll dem fchon lange gefühlten Bedürfniffe, die Höhe des Meeres, welche als Nullpunkt für andere Höhenangaben dienen foll, mit Sicherheit zu beftimmen, abhelfen. In der Fig. 27 ift der Grundrifs, in Fig. 28 die Seitenanficht und in Fig. 29 der Schnitt nach xy diefes von Reitz erfonnenen, von den Mechanikern Dennert und Pape in Altona ausgeführten und ausgeftellten Wafferftands- Anzeigers dargeFig. 27, 28 und 29. R Grundriss g M K m d CC B 78 Dr. W. Tinter. ftellt. Um die Scheibe A wickelt fich ein Metalldraht, welcher mit einem Schwimmer in Verbindung fteht, der in einem aus Kupfer oder verzinktem Eiſen hergefteilten Schachte auf- und niedergeht. Wenn der Schwimmer finkt, fo dreht der Metalldraht die Scheibe A; beim Steigen des Schwimmers wird A durch eine auf die Scheibe B gewickelte Schnur, an welcher ein Gewicht wirkt, in entgegengefetzter Richtung gedreht. Die Achfe a der Scheiben A und B geht in die doppelgängige, äufserft forgfältig gearbeitete Schraube S aus. Die Mutter für diefelbe ift in M; mit ihr ift durch den Stab 6 und das Querftück q der um die Schraubenfpitzen e drehbare Rahmen in Verbindung, in welchem die Achfe der Rolle R eingelagert ift. Letztere bewegt fich in radialer Richtung auf der Glasfcheibe s, die durch ein Uhrwerk in 24 Stunden eine volle Umdrehung macht. Es ift zu dem Ende mit der Büchfe, mit welcher die Scheibe s auf einem verticalen Zapfen ruht, eine am Umfange mit Schraubengewinden verfehenen Scheibes, in Verbindung, in welche Schraubengänge die Schraube σ eingreift, die eben durch das Uhrwerk gedreht wird. Die Metallfeder fkann mit den Schrauben k fo gefpannt werden, dafs fich die Büchfe mit s um den Verticalzapfen leicht aber doch ficher dreht. Die Führung der Schraubenmutter wird durch den Anfatz n( Fig. 29), der fich durch das entgegenwirkende Gewicht g an die mit einer fcharfen, parallel zur Achfe von S geftellten Kante verfehene Metallplatte m lehnt, bewerkstelliget. Zur Aufhebung des todten Ganges dienen die Gegengewichte g₁ Theorie des Apparates. Bei irgend einem Wafferftande, etwa bei Null des Pegels, ftehe die Rolle R in der Mitte O von s; beim Steigen des Waffers rückt die Rolle von O gegen O'. Würde fich die Scheibe A einmal umdrehen, fo hat fich auch der Wafferftand um die Gröfse des Umfanges U der Scheibe A geändert. Wäre etwa für die Aenderung H im Wafferftande die Verfchiebung der Rolle 00' und ift g die Höhe eines Schraubenganges, fo ift g 00'= H. und umgekehrt U U H= 00'. I. g Man erhält demnach die Wafferftands- Höhe H, wenn man den Abftand der Rolle vom Mittelpunkte der Scheibe mit dem einem beftimmten Inftrumente zuU g kommenden conftanten Coëfficienten multiplicirt. Um zu erfahren, um wie viel fich der Auflagepunkt der Rolle R auf der Scheibe s durch die vereinte Wirkung der wechſelnden Wafferſtände und der Drehung der Scheibe s radial weiter bewegt, bedenke man Folgendes: Ift u der Umfang der Rolle R, ferner die am Zählrädchen und an der getheilten Trommel abgelefene Umdrehungszahl z, fo ift der Weg s eines Punktes des Umfanges von R s= u 2 2. . In einer unendlich kurzen Zeit dreht fich die Scheibe durch das Uhrwerk um do, die hiemit verknüpfte Drehung der Rolle R fei ds, fo ift, wenn d den Abftand der Rolle vom Mittelpunkte der Scheibe zur felben Zeit bedeutet, ds= d.do. Durch Integration erhält man: _ s= fd.do. 3, das ift, den Weg s, um welchen fich ein Punkt des Umfanges von R in einer Zeit, welcher der Drehungswinkel o entfpricht, weiter bewegt hat. 6 Die Verbindung von I mit 2 gibt: u.z= fd.do..3. Geodätifche Inftrumente. 79 Der Ausdruck fd. do ftellt aber den Inhalt einer Fläche dar, welche fich ergibt, wenn man die Abftände d der Rolle vom Mittelpunkte der Scheibe als Ordinaten und die zugehörigen Zeitbögen für den Halbmeffer I als Abfciffen betrachtet. - Will man aus diefer Fläche den mittleren Werth von d= m finden, fo braucht man nur durch die bezügliche Abfciffenlänge, hier o zu dividiren; es iſt d.do 21% m= 5. Hat man aber m, den mittleren Abftand der Rolle vom Mittelpunkte der Scheibe für einen gewiffen Zeitabfchnitt, fo findet man nach Gleichung I hieraus den mittleren Wafferftand; es ift H= m. U ' g oder mit Rücksicht auf 5 U u % H= - I. g U Für ein vorliegendes Inftrument ift . u eine conftante Gröfse; fei g U C= . u, fo wird nach I g C H= 2.... II. Werth Man wird fich eine Tabelle rechnen, welche mit dem Argumente o den C gibt. C Es läfst fich auch die Anordnung fo treffen, dafs für eine Stunde oder Q für eine Minute eine runde Zahl, etwa 100 oder 10 werde. Eigenfchaften des Apparates. 1. Die Achfe der Rolle R mufs parallel zur Scheibe s fein. 2. Die Kante der Metallplatte m mufs parallel zur Achfe der Schraube S fein. Diefe beiden Eigenfchaften werden vom Mechaniker fo genau als möglich. herzuftellen getrachtet und find für den Beobachter keine Correctionsvorrichtungen vorhanden. 3. Die Achfe der Rolle R mufs mit der Richtung der radialen Bewegung derfelben, alfo mit der Achfe von S parallel fein. Mit Hilfe der Schräubchen h kann ein etwaiger Fehler hierin verbeffert werden.( Es darf fich nämlich keine Drehung der Rolle R ergeben, wenn bei ruhiger Lage der Scheibe s die Scheibe A gedreht wird.) 4. Mufs der Berührungspunkt der Rolle bei feiner Bewegung durch den Drehungsmittelpunkt der Scheibe s gehen. Mittelft der Schrauben e kann ein etwaiger Fehler berichtigt werden.( Ein vom Mechaniker beigegebenes Mafs, welches die Entfernung von dem Ende eines der drei Arme i von einem beftimmten Punkte des Rahmens angibt, dient zur Prüfung diefer Eigenfchaft.) Beftimmung der Conftanten C. Man ftellt die Scheibe A fo, dafs diefe Stellung einem beftimmten Wafferftande H entspricht, und läfst dann die Scheibe s eine gröfsere Anzahl von Umdrehungen machen; aus Gleichung II folgt dann, da H, und z bekannt ift: C= H.P 2 III.) Von der Firma Hasler& Efcher in Bern war ein Limnigraph und ein telegraphifcher Wafferftands Anzeiger ausgeftellt worden. Ueber den letzteren 6 80 Dr. W. Tinter. fiehe: G. Hasler, telegraphifcher Wafferftands- Anzeiger. Mittheilungen der naturforfchenden Gefellſchaft in Bern. 2. October 1869. Asib nam twadig Der felbftregiftrirende Limnigraph hat den Zweck, die Variationen des Wafferftandes im verkleinerten Mafsftabe auf einer Papierfcala aufzuzeichnen. In den Fig. 30 und 31 ift diefes Inftrument dargeftellt; es ift aus der Schwimmvorrichtung, dem Markirapparate und der Uhr zufammengefetzt. trad Fig. 30. W R T W A. A G M L K P S S U Fig. 31. R TV TA 0 M C N a ידי אידיוי E Die Schwimmvorrichtung befteht aus den folgenden Theilen: der aus Kupferblech zufammengelöthete Schwimmer oder Flotteur S hängt an der Meffingkette K; diefe wickelt fich über die gröfsere Walze W2 der beiden auf der Achfe A befeftigten Walzen W2 und W; auf der letzteren windet fich die Schnur des dem Schwimmer entgegenwirkenden Gewichtes P auf und ab. Das auf A angebrachte Getriebe G greift in das Rad R ein, welches auf der Achfe A₁ befeftigt ift. Am Ende von A₁ ift eine kleine Trommel angebracht, auf der fich bei der Drehung von A₁ die Metallfchnur M auf- und abwickelt und hiebei einen an ihrem Ende befeftigten Schlittens auf- und abbewegt. Es ift die Anordnung in den Dimenſionen von W2, G, R und T fo getroffen, dafs die Bewegung des Schlittens 20mal kleiner ift, als die des Schwimmers. Letzterer felbft ift schwerer als das Gegengewicht P, wodurch bewirkt wird, dafs beim Fallen des Schwimmers fich der Schlitten fenkt, während beim Steigen des Schwimmers der Schlitten gehoben, demnach immer die Kette K in fteter Spannung erhalten wird. Der mit dem Schlitten s, welcher auf der Stahllamelle L eine fichere Führung erhält, verbundene Zeiger Z zeigt auf der Scala M den jeweiligen Wafferftand an. Der in der Mitte des Schlittens mit diefem befeftigte Arm a trägt den Markirftift N, der die Bewegungen des mit dem oberen Ende der Stahllamelle verbundenen Hebels HE folgen mufs; das Ende bei E wird durch eine Spiralfeder ftets rückwärts gezogen. Der Markirftift N ruht mit feiner Spitze auf der Metallfläche des um Spitzen drehbaren Cylinders C, welcher aus Cartonpapier hergeftellt und mit Tuch überfpannt ift; über letzteres wird dann die Papierfcala entſprechend befeftigt. Die durch fenkrechte Linien begrenzten Felder entfprechen den Wochentagen, die horizontalen Linien der 20fachen reducirten Pegeleintheilung. Wenn der Hebel H gegen den Cylinder bewegt wird, fo drückt fich die Spitze der Markirnadel im Papiere ab, bei entgegengefetzter Bewegung des Hebels wird die Markirnadel frei, der Cilinder bewegt fich um ein Intervall weiter; diefes letztere Geodätifche Inftrumente. 81 gefchieht durch einen am Hebel befindlichen Haken, der in ein mit dem Cylinder in Verbindung ftehendes Zahnrad eingreift. Der Uhr U fällt die Aufgabe zu, den Markirftift in das Papier einzudrücken und den Cylinder zu drehen. Die Uhr hat zwei durch Federtrieb bewegte Räderwerke, von denen das eine als Uhrwerk dient; diefes löft nach jeder Stunde das zweite Räderwerk aus. Bei diefer Auslöfung wird vermittelft einer excentrifchen Vorrichtung der Hebel H rückwärts bewegt und hiedurch der Markirftift in das Papier eingedrückt; es wird alfo bei diefer Einrichtung nach jeder Stunde der Wafferftand markirt. Nach Ablauf der Woche wird die Papierfcala durch eine neue erfetzt. Mechanifche Hilfsmittel zur Flächenberechnung beliebig begrenzter Figuren. Planimeter. Die zur Flächenberechnung conftruirten Hilfsmittel können in zwei Gattungen getheilt werden: 1. In folche, welche die Berechnung von Dreiecken, Vierecken und von krummlinigen Segmenten erleichtern und 2. in folche, welche die Fläche einer beliebig begrenzten Figur durch blofses Umfahren derfelben geben; es find diefes die eigentlichen Planimeter. Beide Arten von Inftrumenten waren vertreten, u. z. die erfte Gattung durch das Planimeter von Pofener, das Planimeter von Horsky und durch das FadenPlanimeter von Oldendorp, beziehungsweife Alder; die beiden erftgenannten waren von Kraft& Sohn, das letztgenannte war von Schablafs& Sohn. ausgeführt und ausgeftellt. Näheres hierüber findet man: Berechnungsapparate von Pofener und Adler. Lehrbuch der praktifchen Geometrie von Lemoch. Handbuch der niederen Geodäfie von Friedrich Hartner. I. bis 4. Auflage. Das Planimeter von Horsky Zeitfchrift des öfterreichifchen Ingenieurvereines. 1850. Das eigentliche Planimeter war in feinen beiden Syftemen ausgeftellt, nämlich in der auf Polar- und in der auf rechtwinklige Coordinaten gegründeten Conftruction. I. Ein Plani2. Ein Planimeter 3. Ein Planimeter zur 5. Das Der Integrator Das von J. Amsler- Laffon in Schaffhaufen im Jahre 1854 erfundene Polarplanimeter war von von dem genannten Mechaniker in den verfchiedenen durch ſpecielle Zwecke bedingten Conftructionsarten vertreten: meter mit der Mafsangabe für eine einzige Flächeneinheit. mit Mafsangaben für verfchiedene Flächeneinheiten. Beftimmung des Flächeninhaltes fehr grofser oder fehr kleiner Figuren. 4. Ein Planimeter zur fpeciellen Berechnung der Indicator- Diagramme. Momentenplanimeter, von Amsler Integrator genannt. gibt die Werthe der Integrale F= fy dx, S= 2/ y2 dx und T= 13/ y3d x bezogen auf den Umfang einer beliebig begrenzten Figur und auf ein beliebiges Coordinatenfyftem durch blofses Umfahren der Begrenzung. entnimmt, beftimmen obige Gleichungen T, S, T den Flächeninhalt, das ftatifche Moment und das Trägheitsmoment einer ebenen Figur, die beiden letzteren auf eine beliebig gerichtete Achfe bezogen. Wie man Das gleichzeitig mit dem Planimeter von Amsler bekannt gewordene Polarplanimeter von Miller und Starke ift auf dasfelbe Princip gegründet, hat aber dadurch, dafs der Pol in einem mit Blei ausgegoffenem Cylinder feinen Stützpunkt findet( bei Amsler ift der Pol durch eine Nadel vertreten) und dafs eine Correctionsvorrichtung vorhanden ist, um der theoretifchen Bedingung, die Flächenangabe des Planimeters von der Stellung des Poles gegen den Umfang der zu umfahrenden Figur unabhängig zu machen, Genüge 6* P 82 Dr. W. Tinter. zu leiften, einen Vorzug vor der Amsler'fchen Conftruction. Das Polarplanimeter Miller- Starke war bei Starke& Kammerer in der öfterreichifchen Abtheilung ausgeftellt. Näheres über Polarplanimeter und den Integrator findet man: Ueber die mechanifche Beftimmung des Flächeninhaltes, der ftatifchen Momente und der Trägheitsmomente ebener Figuren, insbefondere über einen neuen Planimeter. Von Jacob Amsler. Schaffhaufen 1856. Polarplanimeter von J. Amsler- Laffon in Schaffhauten. Juni 1873. Polarplanimeter von Amsler in: Graphifche Statik von Culmann. Zürich 1866. Handbuch der niederen Geodäfie von Fried. Hartner. 1873. Allgemeine Theorie des Polarplanimeters nach Stampfer, von Dr. Anton Schell. Sitzungsberichte der mathematiſch- naturwiffenfchaftlichen Claffe der k. Akademie der Wiffenfchaften. Wien. LVIII. Band. Dr. E. Winkler: Ueber das Momentenplanimeter von Amsler. Zeitfchrift des öfterreichifchen Ingenieur- und Architekten- Vereines. 1870. Das auf Linearcoordinaten gegründete Planimeter von Wetli und Starke war in der neueften Conftruction nach G. Starke von der Firma Starke & Kammerer ausgeftellt. Die Fig. 32 zeigt das Bild diefes Planimeters. P ift die metallene Unterlagsplatte, S1, S2 und s₂ find die drei auf derfelben zu einander parallel geftellten Schienen, über welchen fich der auf den drei Rollen ruhende Wagen w leicht bewegen läfst. Auf letzterem find noch die Ständer zur Aufnahme der beiden zwifchen den Schraubenfpitzen σ fich bewegenden Rollenpaare p 5₁ aufgebaut; letztere dienen dem Lineale Z als fichere Führung. Die Bewegung von L erfolgt meift fenkrecht zur Richtung der Schienen. Der an dem Lineale bei e und e₁ befeftigte Silberdraht fchlingt fich um die mit ihrer Achfe B im Ständer A eingelagerte Welle W. An dem oberen Ende von B ift die mit Papier überzogene Glasfcheibe S entſprechend befeftigt. Durch die an dem einen Ende des Lineales angebrachte Hülfe geht der mit einem kleinen Gewichte G befchwerte Fahrftift s. Fig. 32. R J S b b J i, i G W B P R p ч 1( F.W.BADER WIEN P r L S Durch diefe Conftruction kann man durch gleichzeitiges Bewegen des Wagens und des Lineales die Spitze s jeder beliebigen Bewegung nachfahren; durch diefe Bewegung wird aber auch die Welle W und mit ihr die Scheibe S in rotirende Bewegung verfetzt. Bis zu den bisher genannten Theilen find alle von 1850 bis 1870 ausgeführten Inftrumente fo gut wie identifch. Der fernere Aufbau ift nun folgender: Geodätifche Inftrumente. 83 der zwifchen zwei Schraubenfpitzen ii, gehaltene Bügel 6 nimmt die zwifchen den beiden Schräubchen a a' gelagerte horizontale Drehachfe auf, die an dem einen Ende die zu ihr fenkrechte Rolle R trägt, welche eben auf S aufliegt. Die mit der Rolle R in Verbindung ftehende Trommel ift in 100 Theile getheilt und mittelft des Index J können Theile einer Umdrehung bis auf 0.002 gelefen werden. Die ganzen Umdrehungen der Rolle werden an dem Index J' gelefen, der fich an das kleine Scheibchen S' anlehnt, das fich an derfelben verticalen Achfe mit einem kleinen Zählrädchen befindet, welch' letzteres in die an a a' angebrachte Schraube ohne Ende eingreift. Ein Theil der Theilung auf S' entſpricht einer ganzen Umdrehung. Wenn man fich die früheren Conftructionen( 1850 bis 1870) des Wetli- Planimeters gegenwärtig hält, fo wird man zunächft erkennen, dafs die Stahlachfe, auf welcher die Rolle R befeftigt ift, viel kürzer geworden ift, was für den Mechaniker von Bedeutung wird, wenn man erwägt, dafs bei den älteren Conftructionen die Länge diefer Achfe 17 Centimeter betrug, dafs das geringfte Unrundlaufen oder ein kaum merkbares Verbiegen derfelben in den Meffungsrefultaten fühlbar wurde. Aufserdem ift durch diefe Anordnung das Ablefen bedeutend erleichtert, und dadurch, dafs die Achfe der Aufhängung des Rahmens b, gebildet durch die Schraubenfpitzen i i₁, nunmehr in der Ebene der Glasfcheibe S liegt, erfolgt der Druck der Rolle auf die Papierfläche fenkrecht, was früher, wo die genannte Achfe um den Radius der Rolle über der Scheibe lag, nicht der Fall fein konnte. Näheres über das Wetli- Planimeter fiehe: Ueber das neue Planimeter von Caspar Wetli, Ingenieur. Von S. Stampfer. Sitzungsberichte der mathematiſchnaturwiffenfchaftlichen Claffe der k. Akademie der Wiffenfchaften zu Wien. 1850. Ueber die Gefchichte der Planimeter lefe man: Zur Gefchichte der Planimeter von C. M. Bauernfeind. Dingler's polytechniſches Journal, Band CXXXVII, Heft 2. Beiträge zur Gefchichte der Planimeter. Von Dr. Anton Favaro. Allgemeine Bauzeitung. 1873. Der Vollständigkeit wegen wollen wir blofs erwähnen, dafs auch in der ruffifchen Abtheilung ein nach den Angaben des Herrn Ingenieurs Julien Majewski conftruirtes Planimeter ausgeftellt war.* Sphärometer nach Stampfer. Conftruction von G. Starke vom Jahre 1858. Am Schluffe fei es uns geftattet, auch diefes fchönen, noch wenig gekannten Inftrumentes zu gedenken. Wie der Name andeutet, foll mit diefem Inftrumente die Krümmung einer fphärifchen Oberfläche, beziehungsweife ihr Krümmungshalbmeffer beftimmt werden. Das Sphärometer, nach den Angaben Stampfer's von G. Starke ausgeführt, ift in der Fig. 33 dargestellt. Fig. 34 gibt den Schnitt durch die Mitte des Inftrumentes. Den unteren Theil bildet das Geftelle G mit den drei Füfsen F, welche ftreng genommen in fcharfe Spitzen enden follten; weil diefes praktiſch undurchführbar ift, werden diefe drei Füfse nach gleichem Halbmeffer von 1 bis 2 Millimeter fphärifch abgerundet, möglichft gehärtet und hoch polirt. In der Mitte des durch diefe drei Füsse gebildeten Dreieckes geht die feine Schraube durch die * In der additionellen Ausftellung war von dem Berichterstatter die Entwicklung in dem Baue der Planimeter durch fünf verfchiedene Planimeter zur Anschauung gebracht worden. Unter denfelben befand fich auch das nach den Angaben Stampfer's von Starke ausgeführte Polarplanimeter, bei welchem fich die Rolle auf einer Scheibe, ähnlich wie beim Wetli- Planimeter, wälzt. 84 Dr. W. Tinter. Fig. 33. F m a a co 19 T T M M 9 e r I Fig. 34. a' b Geftellplatte, mittelft welcher der Sinus versus des Kugelfegmentes gemeffen wird. Der Kopf diefer Schraube wird durch den cylinderförmigen, mit einem kleinen Handgriffe verfehenen Theil mngg gebildet. Mit der Geftellplatte Gift die hohle Säule S verfchraubt, die in ihrem oberen Theile T eine Stirntheilung nach 100 Theilen trägt, die mittelft eines in dem Rahmen r gefpannten Fadens fabgelefen werden kann. Die Schraubenmutter ift durch M gebildet; die in kleine Schlitzen eingelaffenen cylinderförmigen Theile der Schräubchen a verhindern eine Drehung von M, während die zwifchen M und Bodenplatte eingefetzte fchraubenförmig gewundene Feder bei diefer Einrichtung für einen ganz gleichen Druck zwifchen den Gewinden von und den Muttergewinden in M Sorge trägt, alfo den todten Gang hintanhält. b Der Werth des Sinus versus mufs, um die Krümmungshalbmeffer mit dem entfprechenden Grade der Genauigkeit ableiten zu können, bis auf zwei bis drei Hunderttaufendtel eines Zolles( 0.0005 bis 0.0008 Millimeter) ficher erhalten werden, was bei gewöhnlicher Einrichtung, bei welcher die Berührung der Schraube mit der fphärifchen Fläche nach dem Gefühle beurtheilt wird, ganz und gar unerreichbar ift und nur möglich wird, wenn diefe Berührung mittelft eines empfindlichen Fühlhebels angegeben wird. Zu dem Ende ift die Schraube σ centrifch durchbohrt, welche Oeffnung den Stahlcylinder 6 aufnimmt, der fich mit feinem unteren Ende an die fphärifche Fläche anlehnt, während auf dem oberen Ende desfelben der Fühlhebel a, der um c drehbar ift, ruht. Auf dem längeren, nach aufwärts erweiterten Arme von a ruht bei b der zweite um c' drehbare Fühlhebel a', welcher mit feinem Ende an einer längs einer Cylinderkante des Gehäufes g angebrachten, wenige Grade umfaffenden Theilung fpielt. Siehe Fig. 34. Der durch die Schraube und den Stahl cylinder ab gehende Stift e geftattet dem letzteren nur eine kleine Bewegung von circa o 7 Millimeter, um Geodätifche Inftrumente. 85 einerfeits das Herausfallen und anderfeits eine zu grofse Bewegung desfelben gegen die Fühlhebel verhindern zu können. Die Köpfe der beiden Schräubchen y und begrenzen die Bewegung des Fühlhebels a'. Da der Doppel- Fühlhebel nahezu 200 Mal vergröfsert und mit Hilfe einer Lupe die Einftellung des Fühlhebels a' auf einen Theilftrieh leicht bis auf o 05 Millimeter gefchehen kann, fo ift auch der Moment des Berührens bis auf 0.00025 Millimeter beftimmbar. Die σ Die Schraube hat 50 Gänge auf 26.3 Millimeter, es ift demnach, da man an der Trommel Tmittelft f bis auf 1/1000 der Schraubenganghöhe ablefen kann, die Genauigkeit der Meffung o'00053 Millimeter. der auf Setzt man den Apparat auf eine Planfläche auf und fchraubt σ fo lange vor, bis die Berührung mit der Planfläche hergeftellt ift, erfetzt dann letztere durch die zu unterfuchende fphärifche Fläche und bringt nun mit diefer abermals zur Berührung, fo ergibt fich aus der Differenz der Lefungen an der Schraube bei bekannter Ganghöhe derfelben der Sinus versus. + - - o Sei diefer x(+ für eine convexe, für eine concave fphärifche Fläche), ferner r der Halbmeffer der kugelförmigen Füfse F, weiter der Halbmeffer des um das durch die drei Berührungspunkte der Füfse mit der fphärifchen Fläche gebildete Dreieck befchriebenen Kreifes= p, fowie endlich R der zu fuchende Halbmeffer der fphärifchen Fläche, fo ergibt fich letzterer aus der Gleichung: + 2 P R - 2 x + X 2 ) - In den drei Füfsen der Geftellplatte G finden fich von Seite des Mechanikers in ganz beftimmten Abftänden von einander Schraubengewinde eingefchnitten, um die kugelförmigen Füfse F verfetzen, den Apparat für verfchieden grofse fphärifche Flächen anwenden zu können. OPTISCHE UND AKUSTISCHE APPARATE. ( Gruppe XIV, Section 2.) Bericht von L. DITSCHEINER Die optifchen fowie akuftifchen Apparate waren auf der Ausftellung verhältnifsmäfsig fchwach vertreten, namentlich gilt diefs in Bezug auf die letzteren, indem nur fehr wenige Firmen neuere, hieher gehörige Objecte exponirten. Optifche Apparate. In Bezug auf die zu optifchen Zwecken hergeſtellten Glaswaaren nennen wir zunächft die bekannte Firma Charles Feil in Paris( 56, Rue Lebrun), welche eine Reihe grofser und fchöngefchliffener Glasprismen, Glasflüffe, vollkommen weifse und zu künftlichen Edelſteinen verwendbare gefärbte und theilweife durch ihre grofse Härte fich auszeichnende, ferner Glaslinfen in den verfchiedenften Gröfsen und mit den verfchiedenften Brennweiten zu aftronomifchen und photographifchen Objectiven, fowie zu Beleuchtungszwecken ausftellte. Bei Tiercelin in Paris fanden wir eine grofse Glaslinfe von 50 Centimeter Durchmeffer, bei E. Derogy in Paris( 32, Quai de l'horloge) ebenfalls eine folche von 50 Centimeter Durchmeffer und 1 Meter Brennweite und andere zu photographifchen Vergröfserungsapparaten verwendbare, mit welchen 2 Quadratmeter grofse Bilder hergeftellt werden können, ferner bei Gettliffe père, fils& Comp. zu Ligny à Barrois( Meufe), zu Paris( 87, Rue Turbigo), nebft Glasprismen und anderen Glaslinfen von verfchiedenen Dimenfionen auch noch Bergkryftalle, zu Quarzprismen und Quarzlinfen, fowie eine planconvexe Crown- Glaslinfe von 44 Centimeter Durchmeffer und 80 Centimeter Brennweite. Das gröfste achromatifche Objectiv zu aftronomifchen Zwecken, ein folches von 49 Centimeter Durchmeffer und 7 Meter Brennweite, von 14.000 Thaler Werth lieferte die bekannte Firma G.& S. Merz, vormals Utzfchneider und Fraunhofer, Sigmund Merz in München. Flintglas- Maffen, Linfen und Prismen exponirte auch Jacob Waldftein in Wien. Fernrohre, Tuben, Aplanate und dergl. brachten unter anderen die rühmlichft bekannte Firma C. A. Steinheil's Söhne, Dr. Ad. Steinheil und Ed. Steinheil in München, ferner G.& S. Merz in München ein Doppelfernrohr aus Aluminium mit einer befonders guten, den Parallelismus der optifchen Achfen beim Verſchieben fichernden Vorrichtung, fowie F. Fritfch vormals Prokefch in Wien, welch' Letzterer auch noch den Schiner'fchen Apparat zum Copiren mikrofkopifcher Objecte und eine Brücke'fche Lupe exponirte. S. Plöfsl& Comp. exponirte nebft feinen bekannten Glaslinfen, Fernrohren, Mikrofkopen auch ein Gasmikrofkop mit elektrifcher Beleuchtung, mittelft Optifche und akuftifche Apparate. 87 welcher der Photograph Herr C. Hauck ebenfalls ausgeftellte fchöne Photographien mikrofkopifcher Objecte herftellte. H. Radiguet in Paris( Boulevard des filles du Calvaire, 15) ftellte feine planparallelen Glasplatten und Spiegel von bekannter Güte aus, Duboscq L. J. in Paris einen Silbermann'fchen und die Firma Starke und Kammerer in Wien einen Stampfer'fchen Helioftaten in vorzüglicher Ausführung. Spectralapparate gewöhnlicher Conftruction mit einem Prisma zur chemifchen Analyfe finden fich in den Expofitionen von Defaga in Heidelberg, W. J. Hauck in Wien, Duboscq L. J. in Paris und Anderen. G.& S. Merz in München lieferte feinen vorzüglich gearbeiteten, zu aftronomifchen Unterfuchungen eingerichteten Spectralapparat à vision direct, die Genfer Gefellfchaft zur Ausführung phyfikalifcher Apparate einen Spectometer mit grofsem Theilkreife zur Meffung der Winkel und einer Vorrichtung zum Vertical- und Schiefftellen desfelben, Pieretti& Ercoli in Lucca ein Spectrofkop à vision direct für Beobachtungen mit freiem Auge und ein folches für aftronomiſche Beobachtungen mit dem Fernrohre, Starke& Kammerer in Wien einen Spectralapparat mit zwei Prismen, welche in einem Käftchen von paffender Form fo eingefchloffen find, dafs das von der Seite einfallende Licht des nicht verdunkelten Zimmers abgehalten wird. Endlich lieferte die Firma Franz Schmidt& Haenfch in Berlin eine Reihe von Spectralapparaten nach Hofmann, nach Janfen à vision direct mit 5 Glasprismen und nach Zenker, ebenfalls à vision direct mit Schwefelkohlenftoff- Prismen. Diefe Firma exponirte auch einen Spectralapparat nach der Conftruction von Vierodt zur Vergleichung der Lichtintenfität für die verfchiedenen Farben zweier Lichtquellen und zur Unterfuchung der Abforption. Bei dem gewöhnlichen Spectralapparat wird die Spalte für das eintretende Licht durch zwei Platten gebildet, von denen die eine feft, die zweite aber mittelft einer Schraube bewegt und dadurch die Spalte je nach Bedürfnifs enger oder weiter gemacht werden kann. Vierodt theilt nun die bewegliche Platte in zwei Hälften, eine obere und eine untere, jede diefer beiden Hälfte ift mit einer Mikrometerfchraube fammt graduirter Trommel zu bewegen, fo dafs man im Stande ift, für jede die Spaltenbreite zu beftimmen. Sind die beiden Spalten gleich breit, fo find die ihnen entfprechenden durch das Prisma gebildeten beiden über einander liegenden Spectra gleich hell. Verdeckt man aber die eine Spalte durch einen Diaphankörper, fo wird im Allgemeinen das entſprechende Spectrum dunkler, und zwar verfchieden dunkel für die verfchiedenen Farben. Man kann nun die unbedeckte Spalte enger machen und fo für jede Farbe, offenbar im Allgemeinen bei jedesmal anderer Spaltenbreite, eine gleiche Intenfität derfelben im oberen und unteren Spectrum erzielen. Das umgekehrte Verhältnifs der Spaltenbreite liefert auch erfichtlich das Verhältnifs der Intenfitäten in den beiden, durch gleichbreite Spalten erzeugten Spectren, fomit auch die durch den diaphanen Körper erzeugten Schwächungen im durchgehenden Lichte. Durch Vorfchieben von Rauchgläfern von bekannter Abforption kann man auch eine Lichtfchwächung mit oder ohne Verengerung der Spalte herbeiführen. Man kann auch mit einem folchen Apparate zwei Lichtquellen in Bezug auf die Intenſität ihrer verfchiedenen Farben vergleichen, wenn man das Licht der einen durch die obere, jenes der anderen durch die untere Spalte einläfst. Kann das Licht der einen nicht in derfelben Richtung einfallen, fo kann man auch vor die eine Spalte das Kirchhoff'fche total reflectirende Prisma anbringen und fo die eine Lichtquelle feitlich aufftellen. Um die Meffungen jeder Stelle des Spectrums ficher durchführen zu können, find im Ocularrohre des Spectralapparates( an Stelle des Fadenkreuzes) zwei undurchfichtige Schieber mit verticalen Rändern anzubringen, die immer beliebig genähert werden können. Diefe Vorrichtung erlaubt das ganze Spectrum abzublenden, mit Ausnahme derjenigen Stelle, welche man gerade unterfuchen will.( Pogg. Ann. 140, 172.) 88 L. Ditfcheiner ,. Ein ähnliches Spectrofkop fand fich auch in der Ausftellung der Genfer Gefellſchaft zur Ausführung phyfikalifcher Apparate. dolige los fim sidq Zur Unterfuchung der Abforption an Flüffigkeiten ftellte Schmidt& Haenfch auch noch einen Apparat, beftehend aus einem mit abgefchliffenen Rändern verfehenen Glascylinder, an welchen fich planparallele Glasplatten anlegen laffen, fo dafs fich zwifchen ihnen eine Schichte Flüffigkeit, deren Dicke von der Länge des Cylinders abhängt, befindet. Die Glasplatten felbft find quadratifch und werden durch Kautfchukringe an den Cylinder gehalten. Auch fand fich bei diefer Firma ein Farbenmafs nach Stammer. Von Apparaten zum Meffen der Kryftallwinkel finden wir nur das Wollaftonfche Goniometer mit Fernrohr und Collimator, und zwar mit gröfserem Theilkreife eines von der bekannten Firma Aug. Oertling( Fried. Oertling) in Berlin und eines aus dem mechanifchen Etabliffement C. J. Jürgenfen von Profeffor E. Jünger in Kopenhagen. Grofse Nikol'fche Prismen brachten W. Steeg in Homburg vor der Höhe, und zwar ein folches von 50 Millimeter Seite und Leon Louis Laurent Succeffeur de H. Soleil in Paris. Diefelben exponirten auch prachtvolle DoppelfpathRhomboëder. In der dänifchen Abtheilung fand fich ein vollkommen durchfichtiger, nur von einigen Spaltungsflächen durchzogener isländifcher Doppelfpath im Gewichte von 274 Pfund im Werthe von 470 preufsifchen Thalern. Die bekannte, von Paris nach Potsdam überfiedelte Fabrik von Dr. E. Hartnack& Comp. ftellte eine Reihe von Hartnack'fchen Prismen, deren gröfstes eine Seite von 30 Millimeter hatte. Laurent lieferte ferner eine Reihe prachtvoller Quarz- und Turmalinplatten von verfchiedener Dicke, Quarzkeile, Quarzprismen und Quarzlinfen, ein Foucault'fches Prisma, Polariſkope von Sénarmont und Savart, einen Compenfator von Babinet nebft einer Suite von gefchliffenen Kryftallen. W. Steeg, deffen Ausftellung überhaupt eine der bemerkenswertheften auf dem Gebiete der Kryftalloptik war, brachte zwei Convex- Quarzlinfen von nahe 2 Meter Brennweite, ein Fernrohr mit Quarzlinfen und Quarzprisma zur Unterfuchung von ultraviolettem Lichte, ferner ein Steinfalz- Prisma und eine Steinfalz- Linfe, eine Suite von 148 ausgezeichnet gefchliffenen, darunter einige feltene, Kryftallplatten, ein Polariskop von Sénarmont und die Glimmerplatten- Combinationen von Reufch. Nörremberg fchon hat gezeigt, dafs, wenn man eine Anzahl zweiachfiger Glimmerplättchen fo übereinander legt, dafs die Hauptfchnitte der einander unmittelbar folgenden einen Winkel von 90 Grad bilden, fchon bei einer geringen Anzahl von Plättchen das Syftem fich wie ein optifch einachfiger Kryftall zwifchen polarifirenden Vorrichtungen verhält und diefe Imitation eine vollſtändige ift, wenn die Glimmer- Hauptfchnitte mit den Polarifationsebenen der polarifirenden Vorrichtungen, Nikolen- oder Turmalinplatten, zufammenfallen. Reufch in Tübingen hat nun neue folche Glimmercombinationen herzuftellen verfucht, in welchen die Wirkungen rechts und links drehender einachfiger Kryftalle nachgeahmt find. Es wurden dünne Lamellen aus einem zweiachfigen Glimmer von 70 Grad Achfenwinkel in Form von Rechtecken gefchnitten, fo dafs der Hauptfchnitt, welcher die optifchen Achfen enthält, mit der längeren Dimenfion zufammenfiel. Diefe Lamellen wurden nun fo übereinander gelegt, dafs die Hauptfchnitte( Längsdimenfionen der Lamellen) der unmittelbar auf einander folgenden Lamellen einen Winkel von 60 Grad bilden. Man konnte nun auf diefe Art doppelt verfahren. Man konnte nämlich auf die erfte Lamelle gerade gegen fich gerichtete, die zweite fo legen, dafs ihre zugekehrte Hälfte mehr gegen rechts liegt, und in eben demfelben Sinne die dritte auf die zweite legen u. f. w., oder man konnte die zweite Lamelle auf die erfte legen, dafs ihre zugekehrte Hälfte gegen links zu liegen kommt und in diefem gleichfam entgegengefetzten Sinne mit der Aufeinanderlegung der Plättchen fortfahren. Im erften Falle erhält man eine von links nach rechts anfteigende Treppe R, im zweiten Falle aber eine nach links anfteigende Treppe L. Die aufeinander folgenden Glimmerplättchen find Optifche und akuftifche Apparate. 89 durch dickflüffigen Copalfirnifs aneinander gehalten. Ebene Glasplatten bilden die Abfchlüffe der Glimmerfyfteme. Die Syfteme R und L verhalten fich nun, wenn eine genügende Zahl von Glimmerplättchen( 4 bis 6 Umgänge find genügend) wie rechts und linksdrehender Quarz, ja beide Syfteme R und L über einander gelegt zeigen im Polariſationsapparate fogar die Airy'fchen Spiralen. Ganz ähnliche Wirkungen erhält man mit zwei Apparaten, wo die Lamellenfyfteme unter 45 Grad zu einer rechten und linken Treppe verbunden find. Herr Steeg hat diefe Glimmercombinationen auf Wunfch des Herrn Profeffors E. Reufch mit grofser Präcifion ausgeführt. Wie fchon Reufch in feiner Publication( Pogg. Ann. 1869, 138, 625) bemerkt, ift die Dicke der Glimmerblättchen eine folche, dafs der Gangunterfchied der zur Plattenebene durchgehenden| polarifirten Strahlen ungefähr/ Wellenlänge beträgt. Bei einem Syftem von 36 folchen Lamellen zeigte fich für roth eine Drehung der Polarifationsebene von 150 Grad, was einer Quarzplatte von 8 Millimeter Dicke entſpricht. Herr Steeg erzeugte auch Syfteme von mehr als 72 Lamellen, die alle eine Dicke, welche ungefähr dem angegebenen Gangunterfchiede entſpricht, haben und aus derfelben Glimmerplatte gefchnitten find. Es ift zu bemerken, dafs die Aehnlichkeit der Erfcheinungen an folchen Glimmerplatten mit jenen an Quarzplatten um fo gröfser wird, je gröfser die Anzahl der Lamellen ift und je dünner diefe find, dafs aber begreiflicherweife eine vollkommene Uebereinftimmung namentlich im convergirenden Lichte der Polarifationsapparate nicht erreicht werden kann. In der That hat auch Reufch gezeigt, dafs man umgekehrt die an folchen Syftemen fich zeigenden Erfcheinungen am Quarze nachahmen kann, wenn man die Quarzplatte oben und unten mit Achtel- UndulationsGlimmerplättchen bedeckt, deren Hauptfchnitte unter 90 Grad gegen einander geneigt find. Die Erfcheinungen an Glimmercombinationen find daher aufzufaffen als folche von rechts- und linkspolarifirenden Quarz, der elliptifch polarifirt und analyfirt wird. Ganz dasfelbe zeigt fich auch für die zur Achfe gefchnittenen Platten einachfiger Medien( Kalkfpath), welche durch folche Achtel- UndulationsPlättchen Erfcheinungen im Polarifationsapparate liefern wie die Nörremberg'fchen Combinationen. Dünnfchliffe von Mineralien, Erzen u. f. w. enthielt die Ausftellung von Voigt und Hochgefang, Guftav Voigt in Göttingen. Die Apparate zur Beftimmung der Drehung der Polarifationsebene des Lichtes waren felbftverftändlich wegen deren hoher Wichtigkeit namentlich zur Beftimmung des Zuckergehaltes in Flüffigkeiten u. f. w. reich vertreten. Einen grofsen Biot'fchen Apparat, mit welchem unmittelbar unter Anwendung von homogenem Lichte oder durch Beobachtung durch ein Prisma, welches die auffallenden Strahlen in ein Spectrum trennt, die Drehung an einen Theilkreife mit Nonius abgelefen werden kann, war von L. J. Duboscq in Paris( 21, Rue de l'Odéon) ausgeftellt. Diefe Firma brachte auch ein Soleil'fches Saccharometer. Franz Schmidt& Haenfch in Berlin lieferten Saccharometer nach Soleil und folche in der Modification von Ventzke, ferner den Polariftrobimeter von H. Wild. Letzterer fand fich auch bei Hermann& Pfifter in Bern. Bei der Unterfuchung mittelft des Soleil'fchen Saccharometers beftimmt man die Gröfse der Drehung der Zuckerlöfung einfach dadurch, dafs man die Dicke einer linksdrehenden Quarzplatte beftimmt, welche die durch die Zuckerlöfung erfolgende Rechtsdrehung der Polarifationsebene aufhebt. Diefe linksdrehende Quarzplatte wird erhalten, indem zwei linksdrehende paffend gefchnittene Quarzkeile übereinander gefchoben werden, wodurch man erfichtlich, beliebig dicke linksdrehende Quarzfchichten fich herftellen kann. Durch eine vorgefchobene zur optifchen Achfe gefchnittene rechtsdrehende Quarzplatte hat man es nun in der Hand, auch die Wirkungen fehr dünner linksdrehender Quarzplatten hervorzubringen, fo dafs man jede, felbft die geringfte durch Zucker hervorgebrachte Drehung aufheben kann. Man hat in dem Soleil'fchen und dem ähnlich gebau 90 L. Ditfcheiner. ten Ventzke'fchen Inftrumente eine Art Compenfation durchgeführt. Diefe Compenfation mufs aber für alle Farben des Sonnenfpectrums in gleicher Weife eintreten, und diefs findet aber nur dann ftatt, wenn die Drehungen für die verfchiedenen Farben in Zucker und Quarz proportional ftattfinden, fo dafs, wenn eine Zuckerlöfung von beftimmter Dicke das rothe Licht Mal weniger dreht als eine Quarzplatte von beftimmter Dicke, auch jede andere Farbe, gelb, grün, blau u. f. w. nMal weniger durch diefe Zuckerfchichte als durch die angegebene Quarzplatte gedreht wird. Für Rohrzucker und Quarz findet diefs nun allerdings ftatt, wie diefs die Verfuche von Stefan( Wiener akademifche Sitzungsberichte) nachgewiefen haben. Nicht aber findet diefs Verhältnifs zwifchen der Drehung von Zucker und Terpentinöl ftatt. Man kann alfo nicht mit Terpentinöl, wie es verfucht wurde, Zuckerlöfungen unterfuchen. Ebenio wenig darf man Terpentinöl und dergl. mit Soleil's Apparat in Bezug auf ihre Drehung unterfuchen Dazu eignen fich nur die Saccharometer von Biot, Mitfcherlich oder Wild. Das erftere ift zu bekannt, als dafs hier noch an dasfelbe errinnert werden follte. Aber bemerkt mufs werden, dafs wegen dem durch das Prisma erhaltenen Spectrum diefes Inftrument fich befonders dazu eignet, für ganz beftimmte Farben die Drehung der Polarifationsebene zu beftimmen. Das Wild'fche Saccharometer auch Polariftrobometer genannt, beſtimmt die Drehung durch das vollſtändige Verfchwinden von mittelft eines Savart'fchen Polarifkopes erhaltenen Interferenzftreifen. Zwifchen zwei Nikolen befindet fich nämlich die zu unterfuchende drehende Subftanz und ein Savart'fches Polarifkop. Diefes befteht bekanntlich aus 2 unter 45 Grad gegen die optifche Achfe gefchnittenen, etwa 20 Millimeter dicken Quarzplatten, welche fo aneinander gelegt find, dafs ihre optifchen Hauptfchnitte aufeinander ftehen und zwifchen gekreuzten Nikolen, wenn ihre Hauptfchnitte Winkel von 45 Grad mit den Polarifationsebenen der Nikole bilden, fchöne Interferenzftreifen zeigen, welche vollſtändig verfchwinden, wenn der eine der Nikole um 45 Grad gedreht wird. Der Ocularnikol fteht feft und ift mit den ebenfalls feften Savart'fchen Doppelplatten fo verbunden, dafs deren Hauptfchnitte unter 45 Grad gegen den Hauptfchnitt des Nikols geneigt find. Der auf der anderen, dem Auge abgewendeten Seite befindliche Nikol ift drehbar und wird feine Drehung an einem Theilkreife mit Nonius, bei gröfseren Inftrumenten wegen feiner grösseren Entfernung vom Auge mit einem Fernrohre abgelefen. Wendet man weifses Licht an, fo verfchwinden die Interferenzftreifen nie vollſtändig, wohl aber dann, wenn man gefärbtes möglichft homogenes Licht anwendet, für welches dann auch genau die Drehung beftimmt werden kann. Hier ift felbftverftändlich gleichgiltig, nach welchem Gefetze die Drehung für die verfchiedenen Farben ftattfindet, und gibt es für das Inftrument in Folge deffen bei der Unterfuchung drehender Subftanzen keine fo befchränkenden Bedingungen wie beim Soleil'fchen. W. J. Hauck in Wien ftellte einen Apparat zum Meffen der optifchen Achfenwinkel an Kryftallen und ein Nörremberg'fches Polarifations inftrument aus. Der v. Lang'fche Apparat zum Meffen der optifchen Achfenwinkel von optifchzweiachfigen Kryftallen ift durch feine Einrichtung fo bequem in der Benützung, dafs derfelbe von allen Kryftallphyfikern bereits benützt wird. Als Polarifeur und Analyfeur dienen zwei Nikol'fche Prismen. Das analyfirende Prisma befindet fich in einem aftronomifchen mit einem Fadenkreuze auf unendliche Entfernung eingeftellten Fernrohre. In der Verlängerung diefes horizontal gerichteten Fernrohres befindet fich der Polarifeur mit einer vor demfelben angebrachten Linfe. Hinter demfelben ftellt man einen Beleuchtungsfpiegel oder eine Lampe auf. Der Achfe des Fernrohres parallel befindet fich ein darüber angebrachter horizontaler fixer Limbus, deffen drehbare Achfe oben eine drehbare Alhidade mit Nonius, unten aber einen zum Centriren und Juftiren eingerichteten fogenannten Petzval'fchen Träger trägt. Die zu unterfuchenden Kryftallplatten werden in die Zange diefes Trägers anfangs nahezu richtig eingeklemmt, fodann aber mittelft der am Petzval Optifche und akuftifche Apparate. 91 fchen Träger befindlichen Kugelfchalen fo vollkommen richtig geftellt, dafs beim Drehen der Alhidade die beiden optifchen Achfen durch den Mittelpunkt des Fadenkreuzes wandern. Bei dem von Hauck ausgeftellten Inftrumente ift leider der Petzval'fche Träger durch eine einfache Charnièredrehung erfetzt, was namentlich bei kleinen Kryftallen den Nachtheil hat, dafs man die Mitte der Platte nur zu leicht aus der optifchen Achfe der Fernröhre herausbringt. Bei einem von Groth( Pogg. Ann. 144. 34) befchriebenen Apparate, fonft mit dem von Lang'fchen vollkommen übereinftimmend, find die beiden Zinken der Klemme, welche die Kryftallplatte zu halten beftimmt ift, nicht kantig, fondern an der einen Zinke befindet fich eine Glasplatte befeftigt, welche den Vortheil bietet, dafs dadurch die Kryftallplatte leichter in einer fixen Lage erhalten werden kann. Um die Platte in paffende Höhe bringen zu können, läfst fich der Petzval'fche Träger heben und fenken und durch eine Klemmfchraube befeftigen. Zum Centriren dient eine horizontale Verfchiebung, fo dafs man leicht jede Stelle der Kryftallplatte in die optifche Achfe des Fernrohres bringen kann. Zur genauen Einftellung der optifchen Achfen in den Mittelpunkt des Fadenkreuzes dient eine mit einer Klemmvorrichtung verfehene Mikrometerfchraube, welche eine feinere Bewegung der Alhidade und Kryftallplatte geftattet. Will man den opti. fchen Achfenwinkel in verfchiedenen Flüffigkeiten beftimmen, fo dient dazu ein Gefäfs mit planparallelen Glaswänden, welches man auf die Bodenplatte fo ftellen kann, dafs die Kryftallplatte unter die im Gefäfse befindliche Flüffigkeit eintaucht. Durch eine Lampe kann auch die Flüffigkeit im Gefäfse erwärmt werden. Für verfchieden grofse Platten verwendet auch Groth( a. a. O.) verfchieden breite Gefäfse, und laffen fich Fernrohr und Polarifeur fo nähern, dafs fie der Kryftallplatte möglichft nahe kommen.( Carl's Repertorium. III. 201.) Das Nörremberg'fche Polarifationsmikrofkop in der von Lang'fchen Ausrüftung( fiehe Carl's Repertorium) zeichnet fich vor allen anderen darin aus, dafs der Analyfeur nicht in die Meffingfaffung des oberen Linfenfyftems eingefchloffen ift, fondern fich über derfelben auf und abbewegen läfst, fo dafs es möglich wird zwifchen dem Analyfeur und dem Polarifeur andere Kryftallplatten( Quarzplatten und dergl.) einzufchieben und beliebig zu neigen, was namentlich bei der Beftimmung des optifchen Charakters einer Subftanz von Vortheil ift. Polarifationsmikrofkope lieferten noch W. Steeg in Homburg und Laurent in Paris. Akuftifche Apparate. Von akuftifchen Apparaten ftellte L. J. Duboscq in Paris ein Vibrationsmikrofkop mit elektromagnetifcher Regulirung nach Helmholtz und eine Stimmgabel nach Liffajous mit einem Spiegel, deffen Ebene fenkrecht auf die Längenrichtung der einen Zinke fteht. Profeffor L. Jendraffik in Peft hatte einen„ Klangzerlegapparat" in der ungarifchen Abtheilung gebracht. Franz Hajek in Prag hatte eine Reihe akuftifcher Apparate, theilweife nach den Angaben von Profeffor E. Mach dortfelbft, ausgeftellt. Der Apparat zur Demonftration der Reflexion des Schalles befteht aus zwei congruenten elliptifchen Brettern, die parallel in einer gewiffen Diftanz durch einen die Ränder begrenzenden Blechftreifen gehalten werden. Es wird fo zwifchen den Brettern ein Luftcylinder mit elliptifcher Bafis von fehr geringer Höhe erhalten. In dem einen Brennpunkte befinden fich zwei Metallknöpfe in kleiner Entfernung von einander, welche durch Drähte mit einem Ruhmkorff'fchen Apparate oder mit der Holtz'fchen Elektromafchine in Verbindung ftehen, fo dafs man zwifchen diefen Knöpfen elektrifche Funken überspringen laffen kann, welche wegen ihres knifternden Geräufches nur Wellen von kurzer Wellenlänge erzeugen. Bringt man nun in den anderen Brennpunkt eine beftäubte Glasplatte, fo entſtehen auf derfelben in Folge der Reflexion an dem elliptifchen Rande Staubfiguren von grofser Schärfe. Je kleiner die Funken find, defto zarter ift die Staubfigur. Abge-, 92 L. Ditfcheiner. brannte Knallgas- Blafen liefern defto mehr verfchwommene Figuren, je gröfser fie find und je tiefer ihr Klang ift.( Pogg. Annal. 149, 424.) Der Apparat zur Demonftration der Brechung des Schalles beſteht aus zwei aus Holzbrettern gefertigten Parabelftücken, deren jedes durch einen Schnitt fchief zur Parabelachfe auch durch eine gerade Linie begrenzt wird. An der Begrenzungslinie legt man nun diefe beiden fo aneinander, dafs ihre Umgrenzung eine continuirliche ift, und die geraden Schnitte müffen fo geführt werden, dafs die Neigungen beider Achfen gegen die gemeinfchaftliche Normale der Schnittlinie dem Brechungsverhältniffe von Luft und Kohlenfäure entſprechen. Ein ganz gleiches Paar folcher Bretter wurde ebenfalls gebildet und beide Paare in einer gewiffen Diftanz durch einen die Ränder verbindenden und den Raum nach aufsen fchliefsenden Blechftreifen verbunden. Diefer fo gebildete Cylinder wird nun durch eine parallel der geraden Schnittlinie nicht zu ftark gefpannte Membran in zwei Theile getheilt. In den einen auf diefe Art entſtehenden Raum wird Luft, in den andern Kohlenfäure gegeben, fo zwar, dafs, wenn in dem Brennpunkte der einen Parabel ein Funke überfpringen, oder eine Knallgasblafe zur Exploſion gebracht wird, die von dort ausgehenden Schallftrahlen vom Blechftreifen parallel zur Parabelachfe reflectirt werden, auf die Membran gelangen und dort in das andere Medium gebrochen, von dem Blechftreifen abermals reflectirt und im Brennpunkte diefer Parabel wieder vereinigt werden. Nach den Verfuchen von Mach geben die Funken keine Staubfigur im anderen Brennpunkte, da die von ihnen ausgehende Wellenbewegung zu fchwach ift, um zwei Reflexionen und eine Brechung ohne Schaden zu ertragen. Selbft Knallgasblafen geben diffuſe, kaum brauchbare Figuren im zweiten Brennpunkte. Defshalb hat Mach, um wie bei der reflectirenden Ellipfe eine gefchloffene Wellenfläche zu erhalten, einen anderen Verfuch ausgeführt. Man conftruire um die Punkte A und B eine Eicurve u5v Conft., fo dafs nicht beide Punkte innerhalb diefelbe fallen, und bringe drei folche Bretter parallel übereinander. Das mittlere ift etwas kleiner. Der Rand des mittleren und des oberen Brettes find durch eine Membran verbunden und der Raum mit Kohlenfäure gefüllt. Das mittlere und obere Brett verbindet ein Blechftreifen und zwifchen dem unteren und mittleren befindet fich Luft. Der Funke überfchlägt in Luft in A, die Schallwelle biegt um den Rand des mittleren Brettes durch die Membran in die Kohlenfäure ein und erzeugt in dem Punkte B auf der beftäubten Glasplatte eine ſchöne fcharfe Staubfigur. Die Figur verfchwinnet und es entſtehen einige, jedoch nicht mehr concentrifche Rippen in einem anderen Punkte C, wenn die Kohlenfäure durch Luft erfetzt wird.( Pogg. Ann. 149, 428.) = Bei dem Apparate für die Schwingungen geftrichener Saiten find zwei Saiten kreuzweife über einander gefpannt, fo dafs die eine etwa in zwei Centimeter Entfernung über die andere hinweggeht Wenn man diefe Saiten gleichzeitig mit dem Bogen ftreicht, fo erhält man in dem Ueberdeckungsfelde der beiden verfchwommenen Saitenbilder ein fehr fchönes, fcharfes Parallelogramm, das fich langfam ändert und zeitweilig zu einer geraden Linie zufammenfchrumpft. Man fieht daraus, dafs, weil die Schwingungscurve für alle Phafenunterfchiede ein Parallelogramm ift die Saite nur mit conftanter Gefchwindigkeit hin- und hergehen kann.( E. Mach, Pogg. Ann. 134, 311.) Bei dem Apparate zu ftrobofkopifchen Unterfuchungen der Luftwellen ift eine Reihe König'fcher Brenner in die Seitenwand einer Orgelpfeife eingefetzt. Macht man die Flammen fehr klein, fo leuchten fie faft nur momentan periodifch auf und es laffen fich die Schwingungen der Stimmgabeln, Saiten, Pfeifen u. f. w. bei diefem Lichte fehr fchön und ſcharf beobachten Die Kundt'fchen Staubwände fieht man auf diefe Weife in einer gläfernen Orgelpfeife fehr fchön hin und herfchwingen. Man kann die Luft in der Pfeife auch mit fehr fchönen Querlinien überziehen auf folgende Weife. Ein Platindraht ift an der oberen Wand der horizontalen Pfeife der ganzen Länge nach durch das Rohr gezogen. Derfelbe deden u godolgi Я гут Optifche und akuftifche Apparate. 93 wird mittelft eines Badefchwämmchens der ganzen Länge nach mit Schwefelfäure beftrichen, welche auf dem Drahte eine Reihe regelmäfsiger Tröpfchen bildet. Beim Erhitzen des Drahtes durch einen galvanifchen Strom finken nun die Tröpfchen als feine Dampflinien quer durch die Pfeife herab. Man kann auch die in die Seitenwand einer Pfeife eingefetzten Brenner mit den Spitzen durch die Seitenwand einer andern Pfeife in diefelbe quer hineinragen laffen. Tönt die erfte Pfeife, fo zeigen die Flammen die bekannten Erfcheinungen. Tönt die zweite Pfeife, fo verbreitern fich die Flammenbilder und diefe fchwingen nach der Länge der zweiten Pfeife hin und her. Tönen beide Pfeifen und geben fie Stöfse, fo erhält man den Eindruck einer Longitudinalwelle, indem die durch die zweite Pfeife oscillirenden Flammen vermöge der Wirkung der erften immer in anderen Lagen aufleuchten. ( Anzeiger der kaiferlichen Akademie der Wiffenfchaften in Wien, 1870. S. 43.) Bei einer Syrene zu ftroboskopifchen Unterfuchungen ift an der rotirenden Achfe derfelben eine Scheibe mit äquidiftanden Löchern oder radialen Spalten angebracht von der gleichen Anzahl wie die Löcher der Tonfcheibe der Syrene Sieht man nun durch die Spalten der Papierfcheibe gegen einen gleichmässig rotirenden als ftrobofkopifche Scala dienenden weifsen Cylinder, der mit fchwarzen Längsftreifen überzogen ift, deren Zahl und Dichte gegen das andere Ende hin rafch abnimmt, fo bemerkt man die Streifen immer an jener Stelle ruhig, an welcher fie in der momentanen Schwingungszahl an der Syrene am Auge vorübergehen. Schwingende Körper mit dem Cylinder optifch zur Deckung gebracht zeigen an den Stellen, welche ihrer Schwingungszahl entſprechen, charakteriftifche Figuren. ( Akademifcher Anzeiger, 1872, S. 153.). Hayek ftellte auch noch eine phoronomifche Wellenmafchine und den Mach'fchen Apparat zur Demonftration des Fermat'fchen Brechungsgefetzes, dafs das Licht bei der Brechung von einem Punkte zum anderen auf einem Wege kürzester Zeit gelange,( fiehe Carl's Repertorium, 1872) aus. W. J. Hauck in Wien brachte aufser einigen Schulapparaten auch noch Stefan's Interferenzapparat. Bei diefem Interferenzapparate dient als Schallquelle ein etwas dickeres Thermometerrohr von einem Meter Länge. Mittelft eines Korkes ift er in eine weitere Glasröhre( Schallröhre) fo gefteckt, dafs die eine Hälfte in der Röhre die andere aufserhalb derfelben ift. Diefe letztere wird mit einem feuchten Tuchlappen in longitudinale Schwingungen verfetzt, und bringt fomit die erftere, an deren Enden eine auf der Längenrichtung fenkrecht ftehende ohne Reibung in der weiten Röhre bewegliche Korkfcheibe angebracht ift, die Luft in der Röhre in Schwingungen. Durch ein eingeftreutes Pulver kann nun diefe Luftbewegung, wie von Kundt gezeigt wurde, nicht nur in der weiten Röhre, fondern in allen an diefe gefügten Röhren beobachtet werden. Beim Apparate von Stefan find zwei T- förmige Röhren durch zwei über ihre Querarme verfchiebbare U- förmige Röhren verbunden. Der Ausläufer der erften T- förmigen Röhre fteht mit der oben genannten Schallröhre in unmittelbarer Verbindung, während der Ausläufer der zweiten mit einer gleichweiten Röhre( Interferenzröhre) durch Kautfchuck oder Kork verbunden ift. Das andere Ende diefer Röhre kann frei oder durch einen Korkftöpfel verfchloffen fein. Die Schallbewegung, die von der Schallröhre ausgeht, wird nun durch die U- förmigen Röhren in zwei Zweige getheilt, welche Zweige dadurch, dafs man die U- förmigen Röhren gleich oder ungleich tief in die Querarme der T- förmigen Röhre fchiebt, gleich oder ungleich find. Die Schallbewegungen der Zweige gehen nun durch den Ausläufer der zweiten T- förmigen Röhre in die angefetzte Glasröhre, fetzen fich dort zu einer refultirenden Bewegung zufammen, welche durch eingeftreutes Pulver fichtbar gemacht werden kann. Ift zwifchen den beiden Zweigen kein Längenunterfchied oder ein folcher von einer ganzen Anzahl Wellenlängen, fo erhebt fich das Pulver lebhaft in Schichten, ift diefer Längenunterfchied aber eine ungerade Anzahl halber Wellenlängen, fo bleibt das Pulver ruhig liegen. Die Schallröhre und die Interferenzröhre find horizontal und gerade übereinander, die beiden 94 L. Ditfcheiner. Optifche und akuftifche Apparate. U- förmigen Röhren und die Querarme der T- förmigen find alfo in einer Verticalebene.( Sitzungsberichte der Wiener Akademie. 56. 561.) Meteorologiſche Inftrumente. Unter den meteorologifchen Apparaten ragen vor Allem die felbftregistrirenden, jetzt fchon auf einer grofsen Zahl von meteorologifchen Centralobfervatorien gebrauchten Inftrumente von Hasler und Efcher in Bern hervor. Wir finden unter ihnen in ausgezeichneter Ausführung einen Anemo- Ombrographen, einen Barograph nach Wild, einen Thermo- und Hygrographen und andere. Solche felbftregiftrirende Apparate finden wir bei den ebenfalls rühmlichft bekannten Firmen Amsler- Laffon in Schaffhaufen und M. Hipp in Neuenburg( Schweiz), welch letztere unter Anderem einen Barometrographen mit doppelter Vidy'fcher Aneroidkapfel ausftellte. Einen ähnlichen folchen Apparat, jedoch noch mit Markirung durch einen Bleiftift, brachte L. Brêguet in Paris. In der Rotunde war ein regiftrirender Barometrograph mit Aneroidkapfel von Pillifcher in London aufgeftellt. Photographifche Darstellungen eines Unifilarmagnetometers und eines Inclinatoriums, ferner von photographifch regiſtrirenden Inftrumenten und zwar eines Magnetometers, eines Thermometers und eines Barometers, fowie Photographien von Sonnenflecken und feine Annalen ftellte das Obfervatorium des Infanten D. Luiz in Liffabon aus. Jofé de Arcy y Jurados lieferte in Zeichnungen gegebene Projecte zu einem Barometrographen und Thermometrographen. Edelmann M. Th. in München exponirte ein fchön ausgeführtes Magnetometer für abfolute erdmagnetifche Beobachtungen. Die durch ihre vorzügliche Arbeit bekannte Firma L. J. Kapeller in Wien ftellte ein Normalbarometer nach Fortin, ein Normal- Heberbarometer mit Mikrofkopablefung, Reife Heberbarometer von bekannter compendiöfer und bequemer Form und Behandlungsweife, endlich Pfychrometer und Thermometer in den verfchiedenften Gröfsen und Formen aus. Dr. H. Geifsler in Bonn, der bekannte Meifter in der Behandlung des Glafes, lieferte Thermometer, Pfychrometer nach Auguft und Hygrometer nach Daniell und Geifsler. Die Genfer Gefellfchaft zur Ausführung phyfikalifcher Apparate ftellte Haarhygrometer aus. Defsgleichen Hermann& Pfifter in Bern, welche ihre Inftrumente wegen der forgfältigen Behandlung der Haare, welche die Uebelftände jener der gewöhnlichen Inftrumente nicht befitzen follen, empfehlen. Diefelbe Firma ftellte Maximum- und Minimumthermometer nach dem Principe der bimetallifchen Lamellen aus. De Hennault J. B.& Sohn in Fontaine l'Evêque, Hennegau in Belgien, brachte einen Windmeffer mit Chronometer, Anton Ponce in Turin einen mechanifchen Meteorographen nach den Angaben der Aftronomen P. F. Denzo und Profeffor J. Cicero in Palermo ein Anemometer. notontal esb mulovold me gidsede ba bydooggemb A tamo manbaidolay MAGNETISCHE UND ELEKTRISCHE APPARATE. sidairall loib ollos? ( Gruppe XIV, Section 2.) Bericht von dain dozub and DR. A. VON WALTENHOFEN, sib bay 02 Not Profeffor in Prag. 15h for b in aliodi Wir geben in gedrängtefter Kürze einen Ueberblick der bemerkenswertheften Ausftellungsobjecte aus dem Bereiche der magnetifchen und elektrifchen Apparate mit Ausfchlufs des Telegraphenwefens. Auch die elektriſchen Uhren und Chronofkope find in der Regel anderen Abtheilungen diefes Berichtes vorbehalten geblieben, mit Ausnahme von einigen wenigen Apparaten der befagten Art, welche auch in diefem Referate nicht ganz unerwähnt bleiben konnten.- Die Reihenfolge der Länder entſpricht dem officiellen Generalkataloge. der Ausfteller eines jeden Landes folgen in alphabetifcher Ordnung.ded Die Namen England. J. L. Pulvermacher, London und Paris. Seine bekannten kräftigen elektrifchen Ketten in verfchiedenen Formen und fchöner Ausführung. oiway go gob uszodolewalesilenciBubal nov asmodive TieffeeSiemens brothers, London. Galvanometrifche Präcifions- Inftrumente und elektrotechnifche Apparate von rühmlichft bekannter Solidität und Schönheit in der Ausführung.-Diverſe Galvanometer, Widerftandsinftrumente und dergleichen; fiehe bei Siemens& Halske( deutfches Reich). Photometer. Glaskapfeln, welche lichtempfindliche Papiere enthalten, in einer Büchfe verfenkt, werden durch eine elektromagnetifche Ausrückung der Reihe nach in verfchiedenen Tiefen auf beftimmte Zeit der Lichteinwirkung exponirt.- Tieffee- Thermometer. Von zwei gleichen Spiralen, deren Widerstände fich bei gleicher Temperatur an der Wheatft on e'fchen Brücke das Gleichgewicht halten, wird die eine in das Meer verfenkt, während fich die andere in einem Wafferbade befindet, deffen zur Widerftandsausgleichung erforderliche Temperatur jene der unterfuchten Meerestiefe angibt.- Das durch neuere Verfuche( Dingler, Band 208) vorzüglich bewährte C. W. Siemens'fche Widerftandspyrometer. Platindraht auf feuerfeftem Thoncylinder, mittelft eiferner Röhre der zu meffenden Hitze ausgefetzt, erfährt eine die Temperatur anzeigende Widerftandsänderung. Meffung durch Zweigftröme am fogenannten Differentialvoltameter. Refultat bequem aus Tabellen zu entnehmen.( Dingler, Band 201.) Portugal. Gewerbeinftitut in Liffabon. Mehrere fchön gearbeitete bekannte Apparate; darunter ein Foucault'fches Pendel mit elektromagnetifchem 96 Dr. A. von Waltenhofen. Antriebe von Silva Pinto, Präparator des Inftitutes.- Graphifche Darstellung erdmagnetiſcher und anderer Beobachtungen am Obfervatorium des Infanten D. Luiz in Liffabon. Eine gleichfalls ausgeftellte elektrifche Uhr bleibt einer anderen Section diefes Berichtes vorbehalten. - - Frankreich. Adminiftration des lignes telegraphiques. E. Barbier à Paris. Die Leclan ché'fche Kette in verfchiedenen Formen, befonders für telegraphifche Zwecke eingerichtet. Boulay& Comp. à Paris. Elektromagnetiſche Motoren( Syftem Dumoulin Froment) in verfchiedenen Gröfsen; elektrotherapeutifche und Ruhmkorff'fche Apparate.- P. Dumoulin Froment à Paris. Electromoteur à rotation immédiate", gröfseres fehr fchön ausgeführtes Modell.( Conftruction bereits bekannt.)- E. Vinay à Paris. Widerftandsfcalen mit Stöpfelfchalter, Siemens'fche Form. Der telegraphifche Blitzableiter von Digney frères& Comp.; die elektrifchen Uhren von Deschiens und Dumoulin- Froment; die Telegraphenmaterialien von Bonis, Legay u. f. w. find Gegenftand einer anderen Section diefes Berichtes. " - - L. Bréguet, Paris. Der vielbefprochene Jamin'fche Blättermagnet. Fünfundvierzig dünne, nach der Breitfeite gebogene magnetifirte Stahllamellen zu einem an beiden Schenkeln armirten Magazine vereinigt, im Uebrigen durch nicht magnetiſche Zwifchenlagen getrennt. Das Gewicht des Magneten foll 50 und die Tragkraft 500 Kilo betragen, alfo ungefähr das Vierfache von der nach der Haecker'fchen Formel berechneten Tragkraft. Magnetinductoren, theils für Telegraphenfignale, theils zum Minenzünden( durch Funken) engerichtet. Stahlmagnete mit Eifenkernen armirt, in deren Umwindungen das Abreifsen eines vorgelegten Ankers( durch Niederdrücken eines Tafters) einen Strom inducirt, der entweder felbft zum Zeichengeben dient oder deffen Extracurrent bei den mit entfprechender Umfchaltung verfehenen Minenzündern die Funken gibt. Zwanzigelementige Polariſations batterie mit Wippe. Bleierne Elektroden in verdünnter Schwefelfäure in Doppelzellen mit Diaphragma. Magnetoelektrifcher Rotationsapparat nach Gramme. Ein kleineres Modell und ein gröfseres, mit Dampfmaschine betrieben, in der Maſchinenhalle. Der Grundgedanke der Conftruction ift gewiffermafsen die Umkehrung des dem Kravo gl'fchen Motor zu Grunde liegenden Principes. Ein zwifchen den Polen eines magnetifchen Magazins rotirender eiferner Ring( aus weichem Eiſendraht gefertigt) bildet den gemeinfchaftlichen Eifenkern eines Syftemes von Inductionsfpiralen, welche, auf den Ring gewickelt, mitrotiren und deren Drahtenden an der Achfe mit den Elektroden des Apparates in entfprechende Verbindung treten.( Vergleiche Leipziger Jahrbuch der Erfindungen 1871.) Dubofcq, Paris. Seine treffliche elektrifche Lampe in rühmlichft bekannter folider und eleganter Ausführung. - Gaiffe, Paris. Elektrotherapeutifche Apparate von anerkannter Vorzüg lichkeit. Batterien, Inductoren( Schlittenapparate und Rotationsapparate), nebft den verfchiedenartigften Hilfsgeräthfchaften; Alles in fehr hübfcher Ausführung. Schweiz. Die Chronofkope und elektrifchen Uhren von Hasler& Efcher in Bern und von M. Hipp in Neuenburg find Gegenftand anderer Sectionen diefes Berichtes. Italien. Dr. Antonio Cofta Saya, Meffin a., Dinamometro magnetico". Apparat zur Demonftration der Fundamentalgefetze des Magnetismus. Das freie Ende einer am anderen Ende horizontal befeftigten magnetifirten Stahlfeder trägt einen kleinen, auf verticaler Scala fpielenden Zeiger und wird der Einwirkung eines in geeignete Lage gebrachten Magnetftäbchens ausgefetzt. Die Feder erleidet dadurch an der Scala abzulefende Biegungen, welche die wirkfamen Kräfte vergleichen laffen und fowohl das Coulomb'fche Gefetz, als auch die Vertheilung des Magnetismus in einem Stabe nachzuweifen geftatten. 1 Magnetifche und elektrifche Apparate. 97 Conte Antonio Roncali, Bergamo. Der in der Ausftellungszeitung vom 22. Juni von Pisko bereits befchriebene Melograph, welcher ein Mufikstück, während es gefpielt wird, mittelft eines elektrochemifchen Regiftrirapparates niederfchreibt. Dänemark. A. Rasmuffen, Kopenhagen. Elektrotherapeutifche Kohlenzink- Batterie mit einer Flüffigkeit( Tauchbatterie mit Batteriewähler). Patent- Inductionsapparate. Ruhmkorfffche Form mit Auszugsregulator; verfchiedene Gröfsen. Belgien. J. Jaspar, Lüttich. Kohlenlicht- Regulatoren, theils mit verticaler, theils mit horizontaler Bewegung. Der Chronograph Le Boulengé und die elektrifchen Uhren von Jaspar und von A. Gérard bleiben anderen Sectionen diefes Berichtes vorbehalten. Niederlande. F. W. Funckler, Harlem. Grofser Magnet. Die Funckler'fchen Magnete zeichnen fich bekanntlich durch aufserordentliche Tragkräfte aus.( Referent überzeugte fich wiederholt, dafs diefelben die nach der Haecker'fchen Formel berechneten weit übertreffen. Vergleiche das über Magnetoelektrifche Rotationsmafchine. Jamin's Blättermagnet Gefagte.) Magazin aus mehreren nach der Breitfeite gebogenen Lamellen mit gemeinfchaftlichen Armaturen beftehend, zwifchen welchen ein Inductor nach Art des Siemens'fchen Ankers rotirt. - Gebrüder van Wetteren, Harlem. Kleiner dreilamelliger Magnet ( Gewicht nicht angegeben) mit angeblich 33 Kilo Tragkraft. Deutfches Reich. A. Bornhardt, Braunfchweig. Elektriſche Patentzündmafchine. Kleine Hartgummifcheibe mit Pelzwerk gerieben ladet einen Condenfator. Schlagweite foll bei günftiger Luftbefchaffenheit vier Centimeter betragen. Nicht wefentlich verfchieden von den bekannten Conftructionen C. Winter's( Glasfcheibe) und Baron Ebner's( Hartgummifcheibe); übrigens hat diefes Sprengverfahren gegenüber den Inductionszündern kaum mehr eine Zukunft. W. Broecking, Hamburg. Sogenannte„ fympathetiſche Pendeluhren". Ausftellungsobjecte von hervorragender Bedeutung in ihrer Art. Elektriſche Uhren nach dem Jones'fchen Syfteme. Mit Krille'fchem Queckfilberunterbrecher verfehene Hemmung der Normaluhr bewirkt durch Stromfchlufs ftete Ausgleichung kleiner Gangdifferenzen des mit dem Pendel der Normaluhr nahezu gleichfchwingenden Pendels der Nebenuhr, indem letzteres eine horizontale Magnetifirungsfpirale trägt, die durch beiderfeits hineinragende, aufserhalb befeftigte StahlMagnetftäbe, mit einander zugekehrten gleichnamigen Polen, bei voreilendem Gange in ihrer Bewegung mehr verzögert als befchleunigt wird und umgekehrt. Das Syftem kann entweder mit Wechfelftrömen bei Secundenfchlufs mittelft Doppelunterbrecher oder mit gleichfinnigen Strömen bei Zweifecunden- Schlufs mittelft einfachen Unterbrechers eingerichtet werden. Condenfator für Extraftröme, um Oeffnungsfunken unfchädlich zu machen. Solche Uhren an der Sternwarte Greenwich in Verwendung; die ausgeftellten, mit zwei Meidinger- Elementen Airy's betrieben, feit Eröffnung der Ausstellung in übereinftimmendem Gange. elektromagnetifche Correctionsvorrichtung für das Normalpendel zur Zeit diefes Referates noch nicht ausgeftellt. - M. Th. Edelmann, München. Trefflich gearbeitete Mefsinftrumente gröfstentheils eigener Conftruction. Sein Compenfations- Galvanometer. Durch die Verdrehung eines Magneten wird die durch den zu meffenden Strom abgelenkte Magnetnadel wieder in ihre Ruhelage zurückgebracht. Stromftärke proportional dem Sinus des Drehungswinkels des Magneten. Sein Variationsdeclinatorium. Schwerer Marmorfufs, in deffen Mitte ein cylindrifcher Dämpfer. Drehbares 7* 98 Dr. A. von Waltenhofen. - Spiegelgehäufe. Fadenfuspenfion mit Geradführung. Der Vortheil der Conftruction. liegt darin, dafs Alles, was magnetiſch fein könnte, wegen centrifcher Anordnung um die Magnetnadel nicht ftörend einwirken kann. Sein abfolutes Galvanometer für Meffungen nach Weber. Drahtrollen auf maffiver getheilter Schiene mit guter Führung verfchiebbar. Verftellbarer Dämpfer.-Sein Magnetometer für abfolute erdmagnetiſche Beftimmungen nach Gaufs. Ablenkungsfchiene mit trennbarer Spiegelbouffole. Einfach und überfichtlich angelegtes Magnetometer, für Vorlefungsverfuche und praktifche Uebungen geeignet, zugleich als Präcifionsinftrument verwendbar. Ein fchon fehr verbreiteter Apparat.- Sein Befilare für abfolute Strommeffungen nach Weber. Fefte Rolle und Bifilarrolle mit oberer und unterer Suspenfion. Jene trägt einen Spiegel, um den Torfionswinkel ebenfalls mit Spiegel ablefung beftimmen zu können. Halbkugeln zum Schutze der Bifilarrolle gegen Luftzug. Wiedemann's Spiegelgalvanometer nach Edelmann's neueſter Conftruction für phyſikaliſche und phyfiologifche Strommeffungen. Compenfatormagnet in jeder Richtung mit grober und feiner Bewegung. Spiegelgehäufe zum Objectivdarftellen. Verftellbarer Dämpfer, deffen Hälften durch rechts- und linksgängige Schrauben verfchiebbar.- Edelmann's Ablefefernrohr für Spiegelinftrumente. Bequemes Inftrument, welches fchon vielfach Eingang gefunden hat.- Beetz' conftante Batterien für medicinifche Zwecke. Tauchbatterien, eine vierundzwanzigelementige in zwei Reihen und eine zwölfelementige in kreisförmiger Anordnung. In engen Gläfern( wie jene der Pincus- Kette) oben ein nicht amalgamirter Zinkftab; unten eingefchmolzener Platindraht( Zuleiter) umgeben mit Braunftein und Kohle. Füllung Salmiaklöfung. Haltbarkeit foll fehr grofs fein, über 12 Jahre ohne Frifchfüllung.( Siehe auch bei Heller.)- Beetz' Federfchlüffel. Hilfsgeräthfchaft zur Meffung der Kettenwiderftände nach der Beetz'fchen neuen Methode. Beetz' Vibrations chronograph. Allgemeines Princip bereits bekannt. Specielle Einrichtung in der Hauptfache folgende. Ein längs Prismaführung mit freier Hand zu ziehender Schlitten trägt eine tönende Stimmgabel. Diefelbe zeichnet ihr Phonautogramm auf einer berufsten, auf ebener Blechtafel vorbereiteten gefärbten Collodiummembran. Anfang und Ende der Bewegung, deren Dauer gemeffen werden foll, bewirken durch Stromunterbrechung Oeffnungsfunken eines Inductoriums, welche, zwifchen Schreibftift und Schreibeblech überfchlagend, das Collodium durchbrechen und die Zeitmarken abgeben. Edelmann's Fallapparat. Ein zur Demonftration der Zeitbeftimmung des freien Falles durch das Beetz'fche Chronofkop fehr geeigneter, finnreich conftruirter Apparat, deffen Erklärung jedoch ohne Zeichnung nicht in der hier erforderlichen Kürze gegeben werden kann. Befagter Chronograph und Fallapparat find auch fehr inftructive Vorlefungsapparate. Dr. H. Geifsler, Bonn. Seine rühmlichft bekannten Röhren verfchiedenfter Form in reicher Auswahl und kunftvoller Ausführung. Darunter auch die für den Unterricht lehrreichen und zugleich von der hohen Leiftungfähigkeit der Quecksilber- Luftpumpen Zeugnifs gebenden Vacuumröhren, in welchen felbft zwifchen ganz nahe ftehenden Elektroden keine Entladung mehr übergeht. F. Heller, Nürnberg. Einige hübfche elektrotherapeutifche Apparate. Grofsplattige conftante galvanokauftifche Batterie von fechs Elementen mit Pachytrop- Conftruction des Letzteren, jener von Wafsmuth ähnlich. Dreifsigelementige Beetz'fche Batterie.( Siehe bei Edelmann.) Elemente zur Erzielung geringerer Gebrechlichkeit fo abgeändert, dafs die Platindrähte nicht unten eingefchmolzen find, fondern ein ifolirter Zuleitungsdraht von oben( ähnlich wie beim Pincus- Elemente zum Silber) eingeführt ift, der einen unten angelötheten Platindraht trägt. Gebrüder Mittelftrafs, Magdeburg. Neuconftruirte BlitzableiterSpitzen mit Platinauffatz( Dingler, Band 208). Neun- bis zwölffach geflochtene Kupferdraht- Seile. Sehr compendiöfe Tafcheninductoren bis auf 24 Thaler per Dutzend herab. per Dutzend. - Magnetifche und elektrifche Apparate. 99 Kleine Funkeninductoren( Mignon- Bobinen) zu 40 Thaler A. Rodler's Nachfolger Dr. Albert Leffing, Nürnberg. Schöne, künftliche Kohle, Gaskohle und Thonzellen für galvanifche Elemente in den verfchiedenften Dimenfionen. - - Compendiöfes Die bekannte - Das Siemens& Halske, Berlin. Galvanometrifche Präcifionsinftrumente und elektrotechnifche Apparate von rühmlichft bekannter Solidität und Schönheit in der Ausführung. Gaugain'fche Tangentenbouffole mit Ring und beliebig zu fchaltenden Drahtkreifen auf meffingenem Dreifusse. Differentialgalvanometer, zugleich als Sinusbouffole eingerichtet. Sinus- Tangentenbouffole, befonders als Sinusbouffole empfehlenswerth. Werner Siemens'fche Univerfalgalvanometer, zugleich als Sinusbouffole, Wider- Genaue Copien ftandsbrücke und Du Bois'fcher Compenfator eingerichtet. der Queckfilber- Einheit und die bewährten Widerftandsfcalen verfchiedener Ausdehnung mit Stöpfelfchaltung.- Praktiſch bewährte, compendiöfe Widerftandsbrücken( mit Transportkaften) zur Meffung fehr grofser und fehr kleiner Widerftände nach der Kirchhoff'fchen Verallgemeinerung des Wheatfton e'fchen Parallelogrammes. Neue Widerftandsbrücke, zugleich mit Rheochord für kleinere Unterabtheilungen und zur Meffung von Kettenwiderftänden nach der neuen Werner Siemens'fchen Methode.- Aperiodifches Spiegelgalvanometer. Magnetnadel, einem durch zwei fymmetriſch parallele Schnitte erhaltenen Glockenfegmente ähnlich. Kugelförmiger Dämpfer zwifchen den beiderfeits aufzufchraubenden und leicht abnehmbaren Drahtrollen. Ueber die Zweckmäfsigkeit der für Nadel und Dämpfer gewählten Conftructionsverhältniffe gibt die Gaufs- Du Bois'fche Theorie der aperiodifchen Bewegung gedämpfter Magnete Auffchlufs.( Du Bois Reymond, Berliner akademifche Monatsberichte, Jahrgang 1869, Seite 833 bis 835; fiehe auch Jahrgang 1870.) Die befchriebene Form der Nadel bedingt insbefondere ein verhältnifsmäfsig kleines Moment, um den aperiodifchen Zuſtand ohne Aftafirung( wie z. B. durch den Hauy'fchen Magnetftab) herbeizuführen. Die Vorzüge aperiodifcher Nadeln überhaupt machen fich vornehmlich beim Poggendorff'fchen Compenfationsverfahren und bei der Weatftone'fchen Brückenmethode fühlbar. Die Hemmung der Schwingungen, die man mehrfach durch in Oel oder Waffer tauchende Anhängfel der Magnetnadel zu erreichen fuchte, ift viel einfacher und vollkommener durch den aperiodifchen Zuftand erzielt und die auf diefen Zuftand bezüglichen Formeln geftatten weitere wichtige Anwendungen zur relativen Meffung der Integralwerthe kurz dauernder Ströme und zur Meffung kleiner Zeiträume nach der Pouillet- Helmholtz'fchen Methode.( Du Bois Reymond, 1. c. 1869, Seite 851 und 852.)- Aperiodifche Bouffole mit Nadel auf Spitze. Das Werner- Siemen s'fche, nicht allgemein in feiner wahren Geftalt bekannte Chronofkop zur Meffung von Schufsgefchwindigkeiten. Das Projectil fchliefst an beftimmten Stellen des Laufes, wo zu diefem Zwecke Drähte ifolirt eingeführt find, die Schliefsungskreife je einer Leydener Flafche, deren Funke, von einem feften Stifte auf die berufste Mantelfläche eines mittelft Chronometerwerk rotirenden Cylinders überfpringend, die betreffende Zeitmarke abgibt. Magnetoelektrifcher Diftanzmeffer( Ortsbeftimmer, Torpedofucher). Das Schiff wird von A aus anvifirt und die Parallele zur gleichzeitig von B aus gemachten Vifur durch eine dem Inductions- Zeigertelegraphen ähnliche Auf diefe Art wird bei Einrichtung von einem Indicator in A angegeben. bekannter Standlinie auf einem Situationsplane( Netz) das den Ort des Schiffes beftimmende Dreieck feftgelegt. Die dynamoelektrifchen Minenzünder für Funken und für Glühen mit Siemens'fchem Anker. Die Stahlmagnete in dem früheren Siemens'fchen magnetoelektrifchen Apparate durch Elektromagnete erfetzt, deren Windungen die vom rotirenden Anker erzeugten mittelft Commutator gleichgerichteten Wechfelftröme durchlaufen. Anfangs nur fchwache Spuren von Magnetismus und entſprechend fchwache Ströme, die fich aber bei fortgefetzter 100 - Dr. A. von Waltenhofen. Thätigkeit des Apparates bis zu einem Maximum verftärken. Kreislauf des Stromes durch Contactfeder kurz gefchloffen erhalten, nach deren Aufhebung der nach zwei Umdrehungen der Kurbel zur vollen Entwicklung gekommene Strom in die nunmehr eingefchaltete Leitung übergeht.( Princip der dynamoelektrifchen Mafchinen, die man auch rückwirkende Inductionsmafchinen nennen könnte, faft gleichzeitig von Siemens, Wheatftone und Wild in England zuerft publicirt) Dynamoelektriſche Maſchinen verfchiedener Gröfse nach dem Syftem von v. Hefner- Alteneck. Vier der Länge nach bewickelte Eifenplatten bilden, durch entsprechende Armaturen verbunden, zwei mit gleichnamigen Polen gegenüberftehende Elektromagnete, innerhalb deren als Inductor ein gleichfalls der Länge nach bewickelter Blechcylinder( Neufilber) um einen eingefchloffenen, feftftehenden Eifenkern rotirt. Es wird fo die bei der Bewegung rotirender Anker ftattfindende Kraftverfchwendung und nachtheilige Erwärmung vermieden. In der That ift die in der Maſchinenhalle aufgeftellt gewefene dynamoelektrifche Lichtmafchine mit Dampfbetrieb wohl die erfte, welche die Erzeugung des elektrifchen Lichtes im Grofsen nicht nur auf Stunden, fondern in beliebiger Dauer auszuhalten vermag und dabei überdiefs einen bis jetzt unerreichten Wirkungsgrad darbietet. Diverfe elektrifche Lampen, Batterie- Elemente, Galvanoskope, darunter das neue, fogenannte Haarnadel- Galvanofkop für kurze Ströme, Schiffsgalvanometer und vieles Andere. - Dr. Emil Stöhrer, Dresden. Elektrotherapeutiche Apparate in bekannter fchöner und vorzüglicher Ausführung. Sogenannter Univerfalapparat für Inductions- und conftanten Strom mit Queckfilber- Unterbrecher und Regulirung für jeden Strom; Du Bois'fcher Schlitten. Stationärer Inductionsapparat und transportable Inductionsapparate.- Neuer Inductionsapparat mit gefchloffener Batterie für bequemen Transport Neuer Doppelapparat für Inductions- und conftanten Strom mit Umfchalter u. f. w. Handbatterie für conftanten Strom" und Elektrolyfe; galvanokauftifche Batterie u. f. w. Ein Agometer(, Rheoftat") mit Zinkvitriol als Leiter. - - " Stöhrerjun., Leipzig. Schöner grofser Funkeninductor mit verticalem aus 800 horizontal gewickelten Spiralfcheiben( fogenannten tellerförmigen Draht lagen) aufgebautem Inductorium. Drahtlänge 12.000 Meter. Condenfator aus 60 mit Stanniol belegten Hartgummiplatten. Queckfilberunterbrecher. Schlagweite angeblich 30 Centimeter. Eine inftructive Beigabe ift eine der befagten Drahtlagen auf Glasplatte.- Hankel's bekanntes Elektrometer in fchöner Ausführung.- Stöhrer's fogenannter„ Erreger"; kleine Scheibenmafchine mit Handhabe, Kurbel und Conductor. Sowohl zum Erregen von Influenzmafchinen, als auch zu den elektrifchen Fundamentalverfuchen. Elektromagnetifcher Regiftrirapparat zur Beobachtung des Wachsthums der Pflanzen.- Oefterreich und Ungarn. Fr. Batka, Prag. Apparat zur Demonftration der neuen Blitzableiter- Theorie von Profeffor Zenger. Zwei übereinanderftehende Elektroskope, deren Conductoren durch Bügel leitend verbunden find. Wird dem oberen Elektricität zugeführt, fo gibt nur das untere einen Ausfchlag. Inftructiver Vorlefungsverfuch, der jedoch die Zweckmäfsigkeit der fchon öfter vorgefchlagenen Blitzableiter ohne Spitzen nicht beweift. F. Hájek, Prag. Unter den fchönen und finnreichen Apparaten von Profeffor Mach, welche Hájek zur Ausftellung brachte, befindet fich auch ein Elektrofkop zur Demonftration des Sitzes der Elektricität auf der Oberfläche. ( Befchrieben in Carl's Repertorium, Band 6.) W. J. Hauck, Wien. Schön gearbeiteter, fehr grofser diamagnetifcher Apparat mit horizontal und vertical verftellbarer Wage, Aufhängungsvorrichtung und Einrichtung zur Drehung der Polarifationsebene u. f. w. Sehr gut wirkendes Zamboni'fches Pendel durch zwei auf einander fenkrechte horizontale Bewe Magnetifche und elektrifche Apparate. 101 gungen bequem zwifchen den Säulen einzuftellen; und andere hübfch ausgeführte Apparate vornehmlich für Unterrichtszwecke. - ausJ. Krav ogl, Innsbruck. Grofse elektromagnetiſche Maſchine, geführt von Gebrüder Krav ogl& Lang. In gröfseren Dimenfionen, 75 Centimeter Raddurchmeffer, wefentlich fo conftruirt wie der 1867 in Paris ausgeftellte vom Referenten unterfuchte Radmotor von etwa 30 Centimeter Durchmeffer ( gegenwärtig im phyfikalifchen Cabinete des Wiener Polytechnicums), welcher alle bisher conftruirten elektromagnetifchen Maſchinen an Wirkungsgrad( Verhältnifs des Nutzeffectes zum theoretifchen) weit übertroffen hat.( Dingler. Band 183.) Das Arbeitsmaximum des von F. Kiechl unterfuchten und befchriebenen grofsen Modelles( Innsbrucker Gymnafialprogramm 1870) beträgt 3.6 Meterkilo und entspricht 18-8 Procenten des theoretifchen Effectes. Siegfried Marcus, Wien. Sehr fchön gearbeiteter magnetoelektriſcher Rotationsapparat zur Erzeugung des elektrifchen Lichtes in verdünnten Gafen ( Geifsler'fchen Röhren) geeignet. Die bekannten, trefflich bewährten MinenZündapparate.( Sehr compendiöfe Magnetinductoren mit rafcher Ankerbewegung durch Federauslöfung. Siehe Ausftellungsbericht 1867.)- Vorzügliche Ruhmkorff'fche Apparate. Seine bekannte Thermofäule. Franz Noë, Wien. Ausgezeichnete Thermofäulen neuefter Conftruction, theils mit Gas-. theils mit Weingeift- Heizung, in fünf verfchiedenen Formen Allen bisher conftruirten Thermofäulen an Wirkung und Dauerhaftigkeit weit überlegen; Einrichtung ohne naffe Kühlung fehr bequem; wegen Kleinheit der Elemente fehr compendiös und durch Pachytrop für verfchiedene äufsere Widerftände leicht umzufchalten.( Dingler, Bände 200 und 205.) fetzung der Legirungen noch nicht publicirt. Die erften Thermofäulen, welche auch schon eine techniſche Anwendung in gröfserem Mafsftabe gefunden haben ( z. B. Galvanoplaftik von Tröltfch& Hanfelmann in Weifsenburg).* - ZufammenPhyfikalifches Cabinet der Univerfität Wien. Profeffor V. v. Lang's Spiegelgalvanometer. Geftattet innerhalb gewiffer Grenzen einen beliebigen Grad der Dämpfung und der Aftafie mit Leichtigkeit herzuftellen und kann fowohl mittelft Fernrohr, als auch objectiv, das ift als Reflexionsgalvanometer ( Du Bois Reymond; W. Thomfon) verwendet werden, wefshalb es fich für Unterrichtszwecke befonders eignet, zumal feine Einrichtung auch die Herftellung des aperiodifchen Zuftandes( fiehe bei Siemens& Halske's Spiegelgalvanorecht gut feinem meter) ermöglicht. Das Inftrument entspricht, wie wir hören, Zwecke. C. Satori, Wien. Elektrifche Zündmafchine. Der Döbereiner'fche Glockenapparat fetzt ein Kupferzink- Element unter verdünnte Schwefelfäure und der Strom bewirkt das die Entzündung des Gafes vermittelnde Drahtglühen. Sein bekanntes Zinkkohlen- Element( ohne Diaphragma in verdünnter Schwefelfäure) in verfchiedenen verbefferten Formen. Eine Batterie derartiger Elemente mit Verfchlufsdeckeln und Gasabzug. Neueftens patentirtes, conftantes Eifenkohlen- Element, beziehungsweife mit Löfungen von Salmiak oder Kochfalz und doppelt chromfaurem Kali nebft Glauberfalz gefüllt. Kohle von kleinen Kohlen. ftücken umgeben. Alles recht hübfch und praktiſch ausgeführt. - F. Steflitfchek, Wien. Mehrere bedeutendere Apparate bekannter Conftruction( Ruhmkorfffcher Inductor, Leyfer'fches Magnetometer, Coulomb'fche Drehwage u. f. w.). * Die erfreulichen Fortfchritte der Thermoelektricität in Oefterreich wurden wefentlich gefördert durch die kaiferliche Akademie, welche nicht nur die früher geheim gehaltenen Marcus'fchen Legirungen durch Votirung einer Entfchädigungsfumme für die Oeffentlichkeit erwarb, fondern auch No ë's Arbeiten fubventionirt, deren Refultate eine praktifche Verwerthung der Thermoelektricität nicht nur in Ausficht ftellen, fondern zum Theile bereits verwirklicht haben 102 Dr. A. von Waltenhofen. o C. Winter, Wien. Seine bekannten ausgezeichneten Elektrifirmafchinen. Kräftige Influenzmafchine( nach Holtz) mit Ladungsmafchinchen und dünnem, röhrenförmigem Condenfator für hohe Spannung. Die bereits bekannte Minenzündmafchine( vergl. A. Bornhardt, deutfches Reich).- Polychromifche Lichtenberg'fche Figuren und vieles Andere.flow but - Jedlik, Profeffor, Pe ft. Zwei fogenannte ,, Elektricität fpannende Batterien", eine mit 4 horizontalen und eine mit 8 verticalen Syftemen von dünnen, röhren förmigen Leydenerflafchen. Jedes Syftem befteht aus einem Bündel folcher Flafchen in einem Glascylinder mit Conductoren für die zufammengehörigen Belegungen. Die Syfteme empfangen mittelft des fogenannten„ Austheilers" ihre Ladung von der Mafchine und werden fodann durch einen Umfchalter à la batterie verbunden und zugleich entladen. Der Apparat foll compacte Funken bei grofser Schlagweite geben. - Wir müffen an diefer Stelle auch der Influenzmafchine von Profeffor Dr. A. Toepler in Graz gedenken, welche, obgleich in Gruppe XXVI ausgeftellt, doch ihrer hervorragenden Wichtigkeit wegen unter den elektrifchen Apparaten nicht unerwähnt bleiben kann. Mit Benützung der Thatfache, dafs eine leitende Belegung eine viel ftärkere Ladung annimmt, wenn fie von einer gleichnamig elektrifchen Ifolatorfläche umgeben ift, wurde eine äufserft vortheilhafte Vereinigung des durch felbftthätige Erregung und grofse Unabhängigkeit von der Luftbefchaffenheit ausgezeichneten Toepler'fchen Ladungsfyftems( Leiterflächen mit Contactfedern) mit dem durch hohe Spannungen ausgezeichneten Holtz' fchen( Ifolatorflächen und Saugkämme) erzielt, indem erfteres den Procefs durch Verftärkung der von vorneherein ftets vorhandenen, verfchwindend kleinen Ladungen einleitet und letzteres denfelben durch die auch die Ifolatorflächen elektrifirende Spitzenwirkung bis zu Spannungen fortfetzt, welche eine felbft das doppelte Intervall der Metallbelege erreichende oder überfteigende Schlagweite ermöglichen. Zwifchen zwei feften Scheiben zwei grofse fichelförmige theilweife aus Metall und geharztem Papier beftehende Belege. Rotirende Scheibe mit fechs entſprechend angebrachten Metallbelegen. Zu den feften Belegen führen die beiden„ Ladungsconductoren", deren Contactfedern über Hervorragungen der beweglichen Belege gleiten. Die beiden zur Funkenftrecke führenden„ Nutzconductoren" und der verftellbare diametrale Conductor" haben nebft Contactfedern auch Saugkämme. Die fehr finnreiche einfache Conftruction kann hier nicht eingehender befchrieben werden. Diefsbezügliche Publication in nächſter Ausficht. bas 99 Rufsland. Dr. Nicolaus Brunner, Warfcha u. Schöner, grofser, elektrotherapeutifcher Univerfalapparat mit elegant gearbeiteten zahlreichen Hilfsapparaten vollſtändig ausgerüftet und zufammengeftellt in eigenem Glaskaften mit beigegebener fchematiſcher Zeichnung unter Glas und Rahmen. aj( tal Jofeph Danifchewski, Wilna. Das von ihm erfundene patentirte und mehrfach prämiirte, für die ruffifche Marine beftimmte elektromagnetifche Chronometer. Die Chronometerunruhe bewirkt bei jedem 1 Secundenfchlage Stromunterbrechungen, wodurch die Nebenuhr mittelft Ankerabfall bewegt wird. Schön ausgeführt. A. Edelberg, Kharkov. Hübſch gearbeitetes, erdmagnetiſches Univerfalinftrument.- Leyfer'fches Magnetometer. agsword sold mo Jac. Pik, Warfchau. Inductor für elektrotherapeutifche Zwecke.- Sehr eleganter kleiner magnetoelektrifcher Inductionsapparat. Sollen wir unfer Referat mit einem vergleichenden Rückblicke auf die Parifer Ausftellung vom Jahre 1867 fchliefsen, fo müffen wir zugeben, dafs die letztere an eclatanten neuen Erfcheinungen( wir erinnern z. B. an die Influenzmaſchinen und die dynamoelektrifchen Apparate) reicher war. Doch fehlte es - Magnetifche und elektrifche Apparate. 103 auch diefsmal nicht an Novitäten, wenn auch nicht von gleicher principieller Tragweite. Die Wiener Ausftellung brachte zuerft die aperiodifchen Galvanometer, den Blättermagnet, das elektrifche Widerftandspyrometer, die Gramme'fche Inductionsmaschine, die Noë'fche Thermofäule, den elektromagnetiſchen Diftanzmeffer, die fympathetifchen Pendeluhren u. f. w. daneben führte fie uns die oben als Glanzpunkte der letzten Parifer Ausftellung hervorgehobenen Apparate in wefentlich verbefferter neuer Ausführung vor Augen, nebft zahlreichen anderen Fortfchritten in der Conftruction von Mefsinftrumenten und elektrotechnifchen Apparaten. Ati nabowo 12140 15id sto sa i ( 8 mottoe2 VIX qq) abadial wdo sigla 295 UHREN. ( Gruppe XIV, Section 3.) W. Bericht von SCHÖNBERGER, Uhrenfabrikant in Wien. Faft alle Culturftaaten der Erde beftrebten fich neben den Producten ihrer Induſtrie auf der Wiener Weltausftellung jene mechanifchen Werke, welche uns die Zeit in allen ihren Stadien, fowohl fichtbar als hörbar anzeigen, die Uhren oder Zeitmeffer, zur Anfchauung zu bringen. Der rafche Auffchwung aller Induſtriezweige, aller Communicationsmittel, als: Eifenbahn, Schifffahrt, Telegraphie, zwingt uns, Pünktlichkeit in der Zeit einzuhalten, und es ift erklärlich, dafs Uhren und Chronometer, welcher fich einft Aftronomen und Seefahrer allein zu ihren Beobachtungen bedienten, heute zu einem Verlangen der ganzen Menfchheit geworden. • Es müffen heute unfere Thurmuhren, Bahnhof- Uhren, fowie Comptoiruhren bis herab zu den Bahnwächter- Uhren, den Tafchenuhren des Beamten und des Arbeiters auf Minuten die richtige Zeit zeigen, und Alle müffen dem rafchen Treiben der Zeit, die heute nach Minuten präcifirt ift, Rechnung tragen. Eine Pünktlichkeit beherrfcht heute unfer Leben, von der unfere Vorfahren keine Ahnung hatten. Die Wiener Weltausftellung führte uns ein Bild vor, welches für alle Zweige der Induftrie nach feiner Mannigfaltigkeit durch Nichts übertroffen worden ift. Diefs gilt auch von der bedeutenden Uhreninduftrie, obwohl hier mitunter Artikel zur Geltung kamen, bei denen es fich weniger um die genaue Zeitbeftimmung handelt als darum, ein Schauftück ihrer äufseren Ausftattung nach zu fein oder, mit Automatik verfehen, zur Beluftigung zu dienen, ein Ueberbleibfel des vorigen Jahrhundertes, wie die additionelle Ausftellung, Gefchichte der Erfindungen und Gewerbe, recht hübfch nachgewiefen hat. Es ift intereffant, die Zahl der Ausfteller in Wien mit jener in Paris vorerft zu vergleichen und wir geben im Nachftehenden eine genaue Zufammenftellung: In Paris 1867 In Wien 1873 war vertreten: Frankreich durch 220 99 durch 87 England 99 29 99 وو 7 Schweiz " 163 وو F 99 42 Oefterreich 20 " ( Oefterr. 73, Ungarn 18) 99 99 91 Italien IO " 99 22 9 Belgien 6 " 3 99 وو In Paris 1867 Baden durch Baiern " ን Preufsen وو Rufsland " Türkei 99 Amerika 99 Portugal Japan وو Paris 634233 Uhren. war vertreten: In Wien 1873 durch 63 105 99 14 99 99 99 17 7 I 99 وو 99 99 4 2 99 99 I 79 " I 99 99 99 durch 479 Wien durch 332 Die Zahl der Ausfteller war demnach in Paris gröfser als in Wien, in Wien dagegen war die Zahl der ausftellenden Länder bedeutender und auch die Menge der Objecte. Im Allgemeinen ift übrigens feit dem Jahre 1867kein Fortfchritt zu verzeichnen, mit Ausnahme der Vereinfachung der Hemmungen für Thurmuhren, und die Einrichtung der combinirten Echapements für Tafchenuhren. In Bezug auf Uhren für aftronomifche Zwecke hat man von den ängftlichen Combinirungen der verſchiedenen Compenfationspendel Umgang genommen. Nach diefer kurzen allgemeinen Ueberficht der Lage der Uhreninduftrie auf der Weltausftellung betrachten wir die einzelnen Länder nach ihren Leiftungen. Amerika. Die in jeder Beziehung höchft untergeordneten Leiftungen der amerikanifchen Uhrenfabrication deuten blos darauf hin, dafs es fich lediglich um unbegrenzte Maffenfabrication handelt, ohne Rückficht auf die Solidität der Waare in Betreff der oder die Conftruction der Werke. Ebenfowenig ftrebt man Gefchmacksrichtung nach gröfserer Vervollkommnung. Alle bei einer Uhr vorkommenden Theile, fo wie die Räder find aus Meffingblech und fammt den Verzahnungen geprefst. Schrauben kommen wenig zur Anwendung, meiftens werden Vernietungen angewendet, und zwar, man kann es nicht leugnen, in einer fehr genialen Weife. Darnach follten die Werke amerikaniſcher Uhren eher in Gruppe VII( Metallwaaren) als in Gruppe XIV( wiffenfchaftiche Inftrumente) ausgeftellt werden. Unter den Ausftellern find nur Authenried& Himmer in New- York hervorzuheben, die eine gröfsere Collection ihrer finnreich conftruirten elektriſchen Uhrenwerke ausftellten, die als verwendbar anerkannt werden müffen. Es iſt aber fehr zu bedauern, dafs von ihren in Amerika fo ftark vertretenen Unruhuhren faft kaum nennenswerthe Exemplare zur Anfchauung gebracht wurden. Von Kunftuhren für befondere Zwecke mit Secundenzeigern, Schlagwerken, Mondesphafen, Datum und fonftigem Kalenderwefen war nur Eine exponirt und zwar nicht durch Mafchinen-, fondern durch Händearbeit erzeugt. Sie liefs aber die franzöfifche Imitation fehr klar erkennen. Die ausftellende Firma war jedoch nicht zu ermitteln. England. Während England im Jahre 1867 auf der Parifer Weltausstellung durch 29 der vorzüglichften Firmen mit ihren herrlichen Chronometer-, Tafchenund Schiffsuhren, fowie mit den unübertroffenen Thurmuhren brillirte, waren leider bei der Wiener Expofition nur 7 Firmen bemerkbar Die Firma: Klaftenberger ( Oefterreicher) in London exponirte Chronometer für Marinegebrauch und Tafchenchronometer mit Halbfecundenfchlag; Schnecke und Duplex waren dabei vorherrfchend. Kullberg aus London zeigte Marine chronometer, welche durch die beigelegten Certificate einer conftanten Abweichung mit veränderter Compenfationsunruhe nach Dent fchon gefunden hat. Mit Recht erhielt diefer fchöpferifche Fabrikant das Ehrendiplom. 106 W. Schönberger. Weichert in Cardiff fowie French in London hatten eine hübfche Auswahl von Marine chronometern exponirt, die eine äufserft feine Arbeit mit Solidität verbindet. Die Chronometer von Sivel& Walter in Cork ebenfo jene der Londoner Firma Lazada verdienen alles Lob. Neue hervorzuhebende Verbefferungen oder Vereinfachungen waren jedoch nicht wahrzunehmen und was man auch fah, man hat Alles längft auf der Parifer Ausftellung gefehen und kann es fchon in jeder gröfseren Auslage fehen. Von Thurmuhren war leider nur jene von Cooke& Sons in Bukingham, die in der Mafchinenhalle aufgeftellt wurde und alles Lob verdiente, ausgeftellt. Diefe in einem Aufzuge acht Tage gehende Schlaguhr mit freier Hebel- und Gewichtshemmnung und Zeiger- Laufwerk, durch welche Conftruction es ermöglicht wurde, lange Zeigerwerks- Transmiffionen unabhängig von dem richtigen Gang des Werkes in verfchiedene Abzweigungen zu leiten, war fehr bedeutend und verdiente das oft gefpendete Lob im vollen Masse. Frankreich's Expofition belehrte uns wieder, welchen luxuriöfen Glanz die dafelbft ausgeftellten Kamin und Salonuhren entfalten können. In der That gehört auch allenthalben in Frankreich die Uhr keineswegs zu den nothwendigen Gebrauchsgegenständen, fondern zum Luxus, zur Ausfchmückung und Zier der Wohnräume. Von den zahlreich vorhandenen Uhren und deren Fournituren der franzöfifchen und Schweizer Firmen waren in Gruppe XIV 31 Firmen theils einzeln, theils collectiv vertreten. Hervorragend war die Expofition von Japy frères& Comp. in Beaucourt, fowohl in Ebauches als fertigen Uhren. Ihre Erzeugniffe beherrfchen bereits feit Langem den Weltmarkt und find bis heute in ihrer Concurrenzfähigkeit noch nicht übertroffen worden. Ein Blick auf ihre exponirten Fabricate zeigte, dafs von der Arbeiteruhr zu 6 Francs per Stück bis zum Chrono meter Alles in vorzüglich feinfter und getheilter Arbeit durchgeführt ift. Die Uhrenfabrik des Haufes Japy frères zu Beaucourt( Haut Rhin) behauptet den erften Platz unter den franzöfifchen Uhrenfabrikanten, fowohl durch die Wohlfeilheit, als gute Befchaffenheit ihrer Erzeugniffe. Der Gründer Frédéric Japy, der Sohn des Grobfchmiedes Jean Jaques Japy war in Löcles Lehrling und gründete im Jahre 1782 die heutige Fabrik. Die Jahresproduction beläuft fich auf 250.000 Tafchenuhren( ébauches) und 42.000 Gehwerke für Pendeluhren, wonach alfo 2 Uhren auf jede Minute des Jahres entfallen.Jsong dj Befançon zeigte in feiner Collectivausftellung fehr reine Arbeiten von befonderer Schönheit und vorzüglichfter Conftruction. An neuer Façon, Guillochement, Gravuren und Emails fand man die gröfste Abwechslung. Es ift nicht zu verkennen, dafs die Uhrmacher- Fachfchulen der franzöfifchen Schweiz hieran den gröfsten Antheil haben. Arbeiter, aus jenen Schulen hervorgegangen, werden überall gefucht und beftens placirt. Portugal exponirte durch die Firma: Percira Velliffimo( Alvas) eine Univerfaluhr aus freier Hand gearbeitet, an welcher übrigens der franzöfifche Arbeiter nicht zu verkennen war. Die Schweiz ftand mit ihren Fabricaten fehr zurück. Die Parifer Weltausftellung von 1867 zählte 163 Ausfteller und Wien nur 42 Firmen, welche collectiv ausftellten. Hervorzuheben find Audemar's Louis Chronometer und fonftigen Kunftuhren mit regulärem Datum, Mondenlauf, Second- Mort etc. Ebenfo die Artikel der Firma Patek Philipp& Comp. in Genf, Badolet& Comp. eben. dafelbft, fo auch die Berner Firma Francillon in Saint Imier, deren herr liche Werke und Uhrenbeftandtheile von jedem Fachmanne bewundert wurden. Diefe Beftandtheile find von folcher Genauigkeit, dafs die einzelnen Theile unter Uhren. 107 einander ohne weitere Nacharbeit verwechfelt werden können. Bedenkt man, dafs bei einem Echappement es auf 0.01 Millimeter ankommt, fo kann man fich vorftellen, mit welcher Präcifion die Mafchinen, womit die Beftandtheile erzeugt werden, gearbeitet ſein müffen. G. Thomen in Waldenburg erzeugt Cylinder von gröfster Präcifion, und werden in deffen Fabrik die Uhren vom Rohftoff bis zum Repaffement angefertigt. 19 angle otsid- s Die Firma Huguenin Charles in Locle erzeugt durchgehends AncréHemmungen von Stahl mittelft exacter Mafchinen, deren Beftandtheile noch in keinem Lande fo vollkommen hergeftellt werden, und man kann fich des Gedankens nicht erwehren, dafs diefe Schönheit und Präcifion der Arbeit, die höchfte Sorgfalt und Aufmerkſamkeit, das Refultat der vorhandenen Fachfchulen und Mufterwerkstätten ift. Wenigftens hatte man von einer folchen Entwicklung noch vor zwei Decennien auch in der Schweiz keine Ahnung. Italien. Von den 9 Ausftellern, welche in der italienifchen Abtheilung das Uhrenfach vertraten, find die Firmen: Bezzi in Ravenna und Marcuel Domenico in Livorno, die ihre Chronometer nach engliſcher Art ausführen, zu erwähnen. Die Artikel find mit Fleifs und Eleganz gearbeitet. Die Uhrenbeftandtheile der Firma Granaglia Gebrüder, die Mafchinenarbeit nach Schweizer Art find, zeugen ebenfalls von beftimmtem Fortfchritte der Induftrie. Die Pendules von Mufine Oprandino in Turin zählen zu den Befferen der Art überhaupt. Dagegen zeigten die Thurmuhren von Macchini, Gebrüder Zeurina & Söhne und Gebrüder Bonfini nichts Hervorragendes. Grofse Aufmerkſamkeit wenden die Italiener aber ihren finnreich conftruirten elektriſchen Uhren zu, und leiftet das Land der galvanifchen Elektricität nächft Preufsen das Meifte in diefem Fache. Scandinavien. Die Uhren von G. W. Linderoth in Stockholm und Thorell's Meteorograph mit aftronomifcher Uhr find fehr empfehlenswerth. Eine acht Tage gehende Uhr von Gebrüder Dupont in Rotterdam mit Grahamgang für eine Thurmuhr beftimmt, mit Zeiger- Laufwerk, um mehrere Zeigerblätter zu reguliren, zählt zu den guten Arbeiten. Man mufs offen geftehen, dafs insbefondere Schweden rüftig vorwärts arbeitet und wie auf fo vielen Gebieten auch in der Uhreninduftrie concurrenzfähig zu werden ftrebt. Es ift übrigens bemerkenswerth, dafs in Schweden viele Frauenhände in diefem Fach befchäftigt gested loss find und dafs es ganz felbftftändig etablirte Uhrmacherinen gibt. Belgien. Das Land der ernften Mechanik, deren kleinfte Mafchinentheile oft nach 1000 Kilo dem Gewichte nach erft berechnet werden, befafst fich weniger mit Uhrenfabrication. Dennoch lieferte Antoin Gérard in Lüttich ein elektrifches Uhrenfyftem, welches von irregulären elektrifchen Strömen unabhängig ift. Jasper brachte eine elektrifche Wafferuhr mit Regulator in Verbindung, und Willequet Ivens in Gent eine Univerfaluhr, eine bereits veraltete Mechanik, welche aber immerhin auffordern mag, die kleinere Mechanik fortwährend zu cultiviren Deutfchland. Im Fache der Grofsuhren- Induftrie fpielt Deutfchland eine hervorragende Rolle. In die Augen fallend repräfentirte fich die badifche Schwarzwalder Expofition, wo aufser den erften Firmen: Ph. Haas& Söhne in St. Georgen, Winterhalder mit feinen beliebten Kukukuhren und Regulatoren, Berg mann Tafchenuhren, Fürderer, Jägler in Neuftadt und Ketterer in Vöhrenbach, fich Furtwangen mit 24 Collectiv- Firmen, Trieberg mit 4 Collectiv- Firmen, Villingen mit 7. und der Eifenbacher Gewerbe 108 W. Schönberger. verein ebenfalls mit 7 Ausftellern betheiligte, und zwar fämmtliche unter dem Namen ,, Schwarzwalder Uhren- Induftrie." Die Schwarzwalder Uhren haben in der Neuzeit eine derartige Reform erfahren, dafs man kaum mehr den hölzernen Urfprung aus diefen Werken herausfinden kann. Aufser den Geftellen, die von Holz find, find die Werke von Meffing, fämmtliche Triebe Eifenfpindeln; anftatt Schnüre Ketten oder Federzug- Uhren. 12, 24 Stunden und 8 Tage gehende Werke bieten Sehenswerthes; Alles wird heute in getheilter Arbeit mittelft Mafchinen erzeugt, folid gearbeitet und zu fabelhaft geringen Preifen auf den Markt gebracht. Daher erklärt fich der enorme Export, der über den ganzen Erdball verbreitet ift. Aufser den kleinften Kettenzuguhren( Jokerln) bis zu den complicirteften feinen, 8 Tage gehenden Federzug Uhren waren die Kukuk- und Trompetenuhren ftark vertreten, und finden diefelben beim Publicum immer und überall grofsen Anklang. Furtwangen, der Sitz der durch Maſchinen in getheilter Arbeit erzeugten Uhren, fertigt gute Regulatoren mit Federzug, Platinen von Meffing, Hemmungsanker mit Steinpaletten an, welche Werke von auswärtigen Uhrenhändlern in Broncekäften für franzöfifche Waare verkauft werden. Vorzügliche Werke ftammen von den Furtwanger Firmen: Leo Kaltenbach, Furtwängler's Söhne, Bob& Efchle, B. Ketterer& Söhne, E. M. Wehrle& Comp., Schott u. A. m. Trieberg hatte 27 Collectivfirmen, deren äufserft exacte Arbeiten alles Lob verdienen. Befonders hervorzuheben find Schwer's jun. exponirte Miniatur. Hängeuhren mit harten Stahltrieben. - - Die Lenzkirchner Actien- Uhrenfabrik die gröfste in Deutfchland exponirte eine bedeutende Sammlung von Regulatoren der feinften Qualität. Ihre in grofsem Mafsftabe angelegten Mafchinen zur Erzeugung von Beftandtheilen in ftreng getheilter Arbeit find fonft nirgends zu finden. Solidität ift der Grundzug diefer berühmten Firma. Villingen, das 7 Collectivausfteller zählte, ebenfo der Gewerbeverein in Eifenbach, Baden, der ebenfalls 7 Ausfteller zählte, erregte durch die ausgeftellten Producte viel Intereffe. Eine weitere Umfchau führte uns nach Württemberg. Ehe wir jedoch den badifchen Schwarzwald verlaffen, können wir nicht umhin anzuerkennen, dafs die väterliche Fürforge des Grofsherzogs von Baden die Schwarzwälder Uhreninduftrie erft zu dem gemacht hat, was fie heute ift. Schulen und abermals Schulen find es, die im Centrum Furtwangens auf grofsherzogliche Koften angelegt wurden, die das Gewerbe der Uhrmacherei mit allen feinen Hilfswiffenfchaften allmälig ausgerüftet hat, und die Männer, die ihre Fabricate zur Schau brachten, gingen alle aus jenen Mufterfchulen hervor, auf welche Deutſchland ftolz fein kann. Württembergs, Baierns und Preufsens Erzeugniffe waren wohl fchwach vertreten, leifteten aber Vorzügliches. Als Exponenten des württemberg'fchen Schwarzwaldes nennen wir die Firmen: Schleuker, Uhrenfabrik in Schwenningen, Haller, Kapp, Aman& Maier u. f. w., deren volle Aufzählung der Raum nicht geftattet. Die Leiftung war durchwegs gut und zeigt, dafs auch hier Theilung der Arbeit immer mehr Raum gewinnt. Die Berliner Firma: Eppner& Comp. in Berlin und Silberberg führt uns ein Thurm- Uhrwerk, Tafchenuhren und Controlenhren vor, einzelne Exemplare von Regulatoren. Becker in Freiburg( Schlefien), Endler- Bautz in Breslau exponiren fleifsig gearbeitete Werke, die aber keineswegs als Mufter einer gröfsern Induftrie, fondern als Specialitäten angefehen werden können. Sachfen repräfentirte feine Uhreninduftrie durch die berühmte Firma A. Lange& Söhne, Glashütte, deren Producte eine folche Berühmheit erlangt haben, dafs jede weitere Darftellung des Werthes der Artikel als überflüffig erfcheint. Uhren. 109 Weitere aus dem deutfchen Reiche eingelangte Werke, von Peterfen aus Altona, Sammlung von Echappements, Bröckling's aftronomiſche Uhr aus Hamburg, ferner jene von Knoblich aus Altona, die Kunftuhr von Haake in Düffeldorf waren gleichfalls ganz preiswürdig. Mehrere einzelne Firmen brachten Kunftwerke, die nicht über ihre früheren Leiftungen ftehen, während Baiern befonders auf dem Gebiete der Thurmuhren- Fabrication fich fehr auszeichnete. Ohne weiters find die Leiftungen der Firmen: Jacob in Würzburg, Hellmuth in Nürnberg, Kieffel& Kipl in Paffau, Reithmann in München, Seybold in Landau, welche durchaus Penduls und Hausuhren exponirten, anerkennenswerth, indem diefelben gute Einzelnheiten nachweifen. Befonders hervorzuheben ift die Firma Manhard in München, die als Reformator der Thurmuhren bekannt ift, und deren Erzeugniffe bei allen Ausftellungen prämiirt wurden. Noch weitere Exponenten Baierns, worunter zwölf Thurmuhren- Fabrikanten vorkommen, haben Gutes geleiftet, jedoch ift ein Fortfchritt feit dem Jahre 1867 nicht zu verzeichnen, indem die freie Hemmung fowohl als Zeiger- Laufwerke feit länger als einem Jahrzehnt in Verwendung ftehen. O efterreich. Bei der diefsjährigen Ausftellung haben 37 Collectivausfteller und 36 Einzelnfirmen ihre Erzeugniffe zur Anfchauung vorgeführt, worunter drei Thurmuhren befonders beachtenswerth waren. Es dürfte fehr fchwer fallen, über alle ausgeftellten Gegenftände, welche die öfterreichischen Uhrmacher reproducirten, ein fpecielles Gutachten abzugeben. Im Allgemeinen find es die Wiener Penduls, die fich im Auslande eines guten Rufes erfreuen, indem diefelben fehr gut gearbeitet und fchön ausgeftattet find. Es mufs dabei noch bemerkt werden, dafs ein jedes Werk ein individuelles ift, welches feine eigene Sprache ſpricht. Auf einer gröfser entwickelten Theilung der Arbeit befteht nur eine Pendul- und Thurmuhren- Fabrik, und zwar die von Gebrüder Refch in Wien. Der Thurm- Uhrmacher Stiehl exponirte eine Thurmuhr von fehr guter Arbeit, aus welcher fehr gut zu erkennen, dafs Stiehl ein tüchtiger Schüler Manhard's war und in München feine Ausbildung erhalten hat. Die Wiener Genoffenfchaft der Uhrmacher hat in jüngster Zeit eine Uhrmacher- Mufterfchule für Lehrlinge und zur Fortbildung für Gehilfen errichtet, die von Seite des Staates fubventionirt wird und von welcher das Befte zu hoffen ift. Eine bedeutende Lehrkraft für diefelbe wurde bereits gewonnen. Leider vermifsten wir bei diefer Weltausftellung die Erzeugniffe unferer Holzuhren- Induſtrie zu Karlftein in Nieder- Oefterreich. Diefe aus 200 Uhrmachern beftehende Colonie, welche fich feit mehr als 100 Jahren mit der Erzeugung von Holzuhren nach älterer Schwarzwalder Art befafst und durch Haufirhandel nach allen Welttheilen colportirt, ift eben daran, ihrer Fabricationsweife eine andere Richtung zu geben, indem von Seite des hohen Handelsminifteriums dahin gewirkt wurde, dafs dortfelbft auf Staatskoften eine Mufterwerkstätte und Schule nach Art des Schwarzwaldes, wo Alles in getheilter Arbeit und mittelft Mafchinen angefertigt wird, errichtet wurde und durch eine bewährte Lehrkraft aus Furtwangen geleitet wird. Nachdem diefe Mufterwerkftätte zur Ausstellungszeit im Entſtehen begriffen war, konnte die Anmeldung derfelben nicht rechtzeitig genug ftattfinden und das mag wohl das Ausbleiben erklären. Ungarn. Diefes Land, welches 18 Firmen als Ausfteller zählt, welche fämmtlich moderne Penduls und andere elegante Uhren ausftellten, leiftet ganz Gutes und Anerkennenswerthes. Die Arbeiten Einzelner find rein und zeigen gegen früher einen bedeutenden Fortfchritt; insbefondere ift die Firma Kralik hervorzuheben, deren aftronomifche Uhr und Echappements collection von fleissigem Studium und Fortfchritte zeugt. 110 W. Schönberger. Uhren. Einer Bemerkung jedoch können wir uns nicht enthalten, nämlich jener, dafs noch viele, felbft renommirte Meifter fich mit der Anfertigung von Compenfationspendel befaffen. Die neuefte Wiffenfchaft hat noch kein vollſtändiges Roftpendel zu Stande gebracht und dienen diefelben höchft wahrfcheinlich blofs zur Zierde und fo bleibt entweder das einfache Queckfilber- Pendel für aftronomifche Zwecke oder Holzpendel mit proportionaler Schwere für Regulatoren vorläufig noch das Befte. dolnou as youdits bib but we Rufsland führte uns eine fchön ausgeftattete Thermo- Controleuhr vor, welche von der Firma Lebed off herrührt. Diefes etwas complicirte Werk hat weder Gewicht noch Feder und wird durch Temperaturdifferenzen in Gang erhalten, über deffen Werth uns übrigens kein Refultat bekannt ift.added 1081 Türkei. Die Firma Blum in Conftantinopel hat einen acht Tage ohne Aufzug gehenden Regulator exponirt. Dimitri eben einen folchen, HaffanAga eine Tafchenuhr und Achmet aus Trapezunt eine Sturzuhr. Sämmtliche Werke find fehr forgfältig durchgeführt, und ift an felben nur zu erkennen, dafs die dortigen Uhrmacher noch Mangel an guten Werkzeugen leiden. Or bu alls have Japan liefs uns eine Wanduhr bewundern, deren Ausführung den Charakter eines unendlichen Fleifses des Verfertigers an fich trägt. dowdal bal themed dson jednb alum ad bnd Jobas paisan lahad fled Ass naw ni dobud 118 T baM ni bnu new bandas M shinausbed and i asfled us hib Dd who limex blad Makaisal asadustell nadisides