OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. UNTER REDACTION VON DR. CARL TH. RICHTER, к. к. o. ö. PROFESSOR IN PRAG. MINERALISCHE KOHLE. ( Gruppe I, Section 1.) BERICHT J. PECHAR, Eifenbahndirector in Teplitz. VON DR. A. PEEZ, Schriftfteller in Wien. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF. UND STAATSDRUCKEREI. 1874. INHALT. Mineralifche Kohle. Die Kohle auf der Weltausftellung. Fortfchritte und Veränderungen feit 1867 Die einzelnen Länder Grofsbritannien I. Der Norden. II. Mittleres England III. Weftliches England. Qualität der Kohle Revolution in den Kohlenpreifen feit 1871 Englands Kohlenhandel London als Kohlenmarkt Frankreich • Spanien und Portugal. Belgien Die Vereinigten Staaten Britifch- Nordamerika Auftralien Indien. China Rufsland. Das deutfche Reich. • Die einzelnen Kohlenbecken Deutfchlands Seite I 5 5 9 I I 13 13 • 15 25 29 30 . 35 225 39 39 48 53 53 54 55 58 67 I. Das niederrheinifch- weftphälifche oder Ruhr Kohlenbecken II. Das Saarbecken. 72 B 74 90 III. Das oberfchlefifche Kohlenbecken. IOI VI. Die Steinkohlen- Becken von Plauen und Zwickau- Lugau VII. Kohlenbecken der Inde und Worm. Deutfchlands Kohlenverkehr IV. Das niederfchlefifche Kohlenbecken( Waldenburg und Neurode) V. Die preufsifchen Braunkohlen- Reviere IOI II3 II7 II7 118 Deutfchlands auswärtiger Kohlenhandel I 22 I* II 1845 Oefterreich- Ungarn. Vertheilung der Kohlenreviere I. Das Steinkohlen- Becken von Kladno- Schlan- Rakonitz II. Das Pilfener Steinkohlen- Becken III. Das Steinkohlen Becken von Roffitz IV. Das Steinkohlen- Becken von Oftrau- Karwin V. Die kleinen Steinkohlen- Becken VI. Das erzgebirgifche Braunkohlen- Revier VII. Die Braunkohlen Reviere der Alpen. VIII. Die ungarifchen Braunkohlen- Reviere Productionsbedingungen der Kohlenreviere Oefterreich- Ungarns Kohlenhandel.. Seite . 123 • 131 " . 133 136 . 140 • 142 • 145 B 146 . 157 158 . 159 164 BERGBAU UND HUTTENWESEN. ( Gruppe I.) MINERALISCHE KOHLE. ( Gruppe I, Section 1.) Bericht von J. PECHAR, Eifenbahndirector in Teplitz. DR. A. PEEZ, Schriftfteller in Wien. Neben den zahllofen und oft fo köftlichen und prächtigen Gegenftänden, die bei Weltausftellungen aufgehäuft zu fein pflegen, findet fich ein unfcheinbares Product, befcheiden von Ausfehen, fpröd und eckig in der Form, dürftig in der Farbe, daher wenig beachtet von der fchauluftigen Menge, welche fich hier um die funkelnden Edelft eine drängt, dort die mächtigen Eifenbarren und Stahlkanonen anftaunt, hier vor den Seidenftoffen und Teppichen der europäiſchen Hauptftädte fich fammelt und dort die Maschinen der vorgefchrittenften Induftrievölker bewundert. Und doch ift es jenes einfache Product, welches zu dem Diamante fagen kann:„ Dir bin ich verwandt"; und zu den Eifenbarren und Stahlkanonen: ,, Ich habe euch gezeugt"; und zu den Seidenftoffen und Teppichen:„ Mein Licht hat euch zuerft geleuchtet"; und zu den Mafchinen:„ Ich nähre euch und hauche euch Leben ein!" In der That exiftirte in der ganzen Weltausstellung kaum ein Erzeugnifs der Induftrie, an deffen Herftellung nicht die Kohle in irgend einer Form betheiligt wäre. In welchen Gewerben fpielen nicht Wärme, Licht, Mafchinenkraft eine erfte Rolle? Die wichtigſten Induftriezweige, die Production von Salz, Zucker, Mehl, Spriten, Bier, Chemikalien, von Gefpinnften und Geweben, von Eifen, Stahl und Mafchinen, endlich unfere Dampffchiffe und Eifenbahnen was bedürfen fie dringender als jenen unfcheinbaren Artikel- die Kohle? - Die Bedeutung der Kohle ift für uns unermesslich. Sie hat das moderne Europa zu dem gemacht, was es heute ift: zu der induftriellen Werkstätte der Welt. Uns Nordländern verfagte die Natur das laue Klima, den üppigen Boden, die triebkräftige Sonnengluth, welche in den Tropenländern fpielend den Menfchen mit ihren Gaben überfchüttet. Aber zwei Dinge gab uns die Natur: die intelligente Arbeit und die Kohle, und diefe beiden machen uns zu Mitbefitzern der Reichthümer der Tropen, indem fie uns die Production von Induſtriewerthen ermöglichen, für welche wir die Erzeugniffe des Südens eintaufchen. Von diefem Gefichtspunkte aus betrachtet, bildet daher die Kohle die Bafis nicht blos der Induftrie, fondern auch des Welthandels und da die mit Mafchinen ausgerüftete Induftrie und der Welthandel die Urfache der Ueberfchüffe und Erfparniffe find, fo bildet auch die Kohle den wichtigften Quell des europäiſchen Capitals, welches uns in gewiffem Sinne die tropifche Productenfülle erfetzt. Die Kohle fteht uns Nordländern wie eine zweite Sonne hilfreich zur Seite, wie ein unterirdifcher Quell, aus welchem wir Wärme, Licht, gefteigerte Productionskraft und taufend Annehm lichkeiten und Erleichterungen des Lebens fchöpfen. 2 J. Pechar, Dr. A. Peez. Ohne die Kohle wäre die europäiſche Arbeit unendlich weniger wirkfam, fie wäre aber auch nicht frei. Jahrtaufende hindurch waren unfere nordifchen - - Länder vor die Alternative geftellt, entweder auf die feineren und edleren Schätze der Cultur zu verzichten, oder die zur Erringung derfelben erforderliche Arbeit auf die Schultern unterjochter Bevölkerungsfchichten zu werfen, welche als Sclaven oder Leibeigene ohne Möglichkeit des Emporfchwingens ein beklagenswerthes Dafein frifteten. Die Neuzeit hat uns von diefer betrübenden Alternative befreit. darüber kann Wie viel Schwierigkeiten auch noch zu überwinden fein mögen kein Zweifel mehr beftehen, dafs die Maffe der Bevölkerung, die arbeitenden Claffen, in einem grofsen Auffchwunge begriffen find und befferen Tagen entgegen. gehen. Wir verdanken diefs dem Mafchinenwefen. Die eifernen Sclaven, von denen fchon Ariftoteles fprach wir befitzen fie in unferen Maſchinen. Indem wir die mechanifche Kraft in unferen Dienft nehmen, damit fie die rauhefte und fchwerfte Arbeit thue, wirken wir zugleich im Sinne der Cultur, indem die menfchliche Arbeit immer veredelter, immer geiftiger wird und fich immer mehr zur Leitung und Führung mechaniſcher Arbeitskräfte auffchwingt. Die letzteren aber, die Mafchinen, entstanden unter Mitwirkung der Kohle, werden gefpeift mit Kohle, und diefe Genügfamkeit unferer eifernen Sclaven ift es, welche es ermöglichen mufs, dafs fich bei der Production immer gröfsere Ueberfchüffe ergeben und die europäiſche Arbeit ftets lohnender fich geftaltet. In folcher Weife wird die Kohle auch zum wirkfamften Helfer bei Löfung der focialen Fragen. Alfo Licht, Wärme, Kraft, Beförderung der Cultur, gefteigerte Wirkfamkeit der Arbeit, Erleichterung der focialen Uebel der Menfchheit,- das Alles knüpft fich an die Kohle. Die Kohle auf der Weltausftellung. Wenn im Hinblicke auf die in Vorftehendem angedeuteten Gefichtspunkte die Wichtigkeit der Kohle kaum hoch genug angefchlagen werden kann, fo fällt die Thatfache um fo mehr in die Augen, dafs die Vertretung des Artikels auf der Ausftellung nicht einmal ein annäherndes Bild von feiner induftriellen Bedeutung gegeben hat. Der Erfte Artikel in der wirklichen Induftrie erfchien auf der Ausftellung faft als letzter. Diefs Schickfal hatte übrigens die Kohle nicht allein in Wien, fondern auf allen Weltausftellungen, und der leicht erfichtliche Grund diefer Erfcheinung liegt im Charakter der Waare, welche theils zu bekannt, theils zu unfcheinbar, theils zu wenig individualifirt, namentlich aber nach ihrem inneren Gehalte zu fchwer zu erkennen und zu fchätzen ift, um als Ausftellungsobject für den blofsen Anblick zur richtigen Geltung zu gelangen. Die im Prater ausgeftellten Kohlen erfchienen daher nur als Proben und Mufter, durch deren Vorführung die Länder, bei welchen eine Kohleninduftrie entweder noch nicht befteht oder noch neu ift, die Aufmerkfamkeit von Capitaliften und Unternehmern auf ihre noch nicht genügend erfchloffenen unterirdifchen Schätze lenken wollten, während bei den alten Kohlenländern, welche einer folchen Erregung des Intereffes nicht mehr bedürfen, mehr die Abficht hervortrat, die Entwicklung und den Umfang ihrer Kohlenproduction anfchaulich zu machen. Hier fiel alfo der Schwerpunkt in die wiffenfchaftlich- ftatiftifche Darstellung, eine Richtung, welcher diefer Bericht fich anzufchliefsen hat, indem er aus den einzelnen Mittheilungen die allgemeinen Ergebniffe zu ziehen verfucht. Fortfchritte und Veränderungen feit 1867. Die techniſchen Fortfchritte im Kohlen- Bergbaue und insbefondere im Mafchinenwefen werden in einem fpeciellen Berichte dargestellt. In aller Kürze fei hier nur erwähnt, dafs die Weltausftellung eine beträchtliche Reihe von Ver Mineralifche Kohle. 3 befferungen zeigte, wenn auch abfolut durchfchlagende neue Erfindungen nicht nachgewiefen wurden. Die zahlreichen Pläne und Karten bewiefen, dafs die Geologie und die bergmännifche Wiffenfchaft mit immer gröfserem Scharfblicke die Erdfchichten durchdringen und mit wachfender Sicherheit das Vorkommen der mineralifchen. Brennftoffe zu erkennen vermögen. Die zur Beibringung einer unwiderfprechlichen Evidenz erforderlichen Bohrungen erfolgen mit Anwendung von Apparaten, die ftetig vollkommener werden. Das Schachtabteufen wird zu einer Art verticalen Tunnelbaues, wobei Dampfkraft und comprimirte Luft mitarbeiten. Zur Durchfenkung fchwimmender Gebirge beftimmt, wurden von einer belgifchen Firma auf der Weltausftellung Schächte, oder richtiger gefagt, Schachtverkleidungen vorgeführt, die ganz oder theilweife aus Eifen beftehen. In Bezug auf Fördervorrichtungen, Fangapparate und Wafferhebungsmafchinen zeigte die Ausftellung im Einzelnen manche Verbefferung. Viel Beachtung fand die von der Gefellſchaft du Hafard zu Micheroux in Belgien angewandte unterirdifche Streckenförderung vermittelft Kette ohne Ende; die Bergtaucherei, das ift die Kunft, mit Hilfe von Apparaten, die der Waffertaucherei nachgebildet find, in Gruben voll böfer. Wetter fich ungefährdet aufhalten zu können, wurde von einer franzöfifchen Firma( A. Galibert in Paris) und einer deutfchen Firma( von Bremen, Kiel) zur Ausftellung gebracht, und ift feitdem auch in Weftphalen praktiſch erprobt und deren Einführung auf gemeinfchaftliche Koften befchloffen worden. Sehr zu bedauern war das Fehlen der zum Erfatze der eigentlichen Häuerarbeit in den Gruben beftimmten Schrämm- Mafchine( Kohlenhaumafchine, eiferner Mann). Bei dem Umftande, dafs die Häuerlöhne in England im Laufe des Jahres 1872 um 50 bis 70 Percent geftiegen find, gewann diefe Mafchine wefentlich an Bedeutung. Wir haben daher aus anderen Quellen uns einige Mittheilungen über diefe Mafchine zu verfchaffen gefucht. Diefelbe ruht auf vier Rädern mit 18 bis 24 Zoll Spurweite, ift 4 Fufs lang, über 2 Fufs( 0.68 Meter) hoch und wiegt 15 Centner. Das Werkzeug, mit dem fie in den Kohlenkörper einfchneidet, ift eine doppelköpfige Keilhaue, welche in der Minute 60 bis 90 Hiebe macht. Sie wird getrieben durch comprimirte Luft, die, ober Tag comprimirt, in eifernen Röhren durch den Schacht in die Grube und nach Erfordernifs den einzelnen SchrämmMafchinen zugeleitet wird. Nach Mittheilungen des Hrn. W. Firth, welcher felbft acht diefer Mafchinen verwendet, kann eine folche unter günftigen Umftänden 20 Ellen( 15 551 Meter) in einer Stunde bis zu einer Tiefe von 3 Fufs( 0.948 Meter) durchfchneiden; jedoch find zehn Ellen fchon als eine gute Arbeit zu betrachten. Ueber die Koften und folglich die Rentabilität der Mafchine lauten die Berichte noch immer widerfprechend. Soviel ergibt fich aus der Natur der Verhältniffe, dafs nur bei regelmäfsig gelagerten und nicht zu fchwachen Flözen die Maſchine mit Vortheil angewendet werden kann. Die Erfparung an Häuern foll in vielen Fällen durch vermehrtes Hilfs perfonal ausgeglichen werden, wefshalb man noch vor zwei Jahren ziemlich allgemein nicht in verwohlfeilter Förderung, fondern nur in vermehrtem Stückfalle der Kohle einen Vortheil bei Anwendung diefer Maſchine erblicken wollte. Seit der grofsen Steigerung der Löhne und feitdem der Verkehr mit den Arbeitern fo fchwierig geworden ift, fcheint die Kohlen- Schneidemaschine mehr zur Geltung zu kommen. In dem Kohlenreviere von Yorkſhire waren zu Anfang des Jahres 1873 16 im Gange. Auch in den Vereinigten Staaten ward diefe Mafchine als ,, Brown's Monitorcoal- cutter" im Jahre 1873 in den Gruben der Herren Niblock, Zimmermann und Alexandre in der Nähe von Brazil( Indiana) praktifch erprobt. Sie fchneidet angeblich 100 Tonen in 25 Stunden und koftete dort 7 bis 800 Dollars( 14101611 fl.). In der Louifenglück- und Georg- Steinkohlengrube bei Rosdzin in Oberfchlefien kommen gleichfalls Schlitz- und Schrämm- Mafchinen zur Anwendung. Ganz allgemein hat man bei den verfchiedenen Arten der KohlenhauMafchinen die früher übliche Dampfkraft als Motor befeitigt und ift zur comprimirten Luft übergegangen. 4 J. Pechar, Dr. A. Peez. In jüngfter Zeit liefsen fich die Kohlengewerken Herren Simpfon und Ingenieur Hurd zu Walton in Yorkſhire eine Erfindung patentiren, wonach die Luft nicht mehr an der Oberfläche der Grube, fondern in der Grube felbft, fei es durch Menfchen- oder Pferde- Kraft, comprimirt wird. Es fetzt diefs eine gute Ventilation der Gruben voraus, aber es werden auch die Koften der Röhrenleitung durch den Schacht hinab erfpart. Von anderer Seite ift vorgefchlagen worden, durch fallendes Waffer die zur Luftpreffung erforderliche Kraft zu fchaffen. Eine von den Herren Huntrifs& Comp. in Yorkſhire erfundene verbefferte Art der Gasgewinnung und Beleuchtung der unterirdifchen Strecken brach fich rafch Bahn und ift bereits in vielen Werken von Yorkſhire, Staffordſhire, Lancafhire und des Nordens in Anwendung gebracht. Je mehr der Bergbau an Klarheit in Plan und Ausführung und dadurch an Sicherheit gewinnt, um fo deutlicher tritt das Beftreben hervor, die erforderlichen. Hilfseinrichtungen von der Oberfläche hinweg in das Innere der Grube zu verlegen, und da hiedurch ein verftärktes Perfonal und ein erhöhtes Capital in der Grube arbeitet, welches Pflege und Aufficht erheifcht, fo kann eine folche Verlegung auch auf die Sicherheit der unterirdifchen Belegfchaft nur vortheilhaft zurückwirken. Dafs man in England erft jetzt mit der Einrichtung von Verforgungscaffen für die Hinterbliebenen der in den Kohlengruben verunglückten Arbeiter beginnt, ift an anderer Stelle diefes Berichtes ausführlicher erwähnt. In Deutfchland und Oefterreich ift das Verforgungswefen feit alter Zeit gut entwickelt, obfchon auch hier noch manche Erweiterung und zeitgemäfse Verbefferung erforderlich wäre. Seit dem Jahre 1867 wurden in den meiften europäifchen Revieren zahlreiche Arbeiterwohnungen errichtet, wodurch die Arbeiterbevölkerung nicht nur billiger und reinlicher wohnt, fondern auch einen ftabilen Charakter annimmt. Erft in der Entstehung begriffen ift die Affociation der Gewerken eines Reviers, obfchon diefelben fo viele und wichtige gemeinfame Intereffen haben. Es ift gar kein Zweifel, dafs fich zahlreiche Anliegen, wir nennen nur beiſpielsweife die wichtige Frage der Entfernung der Grubenwäffer, unendlich viel wirkfamer und billiger löfen liefsen, wenn man fie nicht lediglich vom Standpunkte der einzelnen Gewerken, fondern eines ganzen Revieres betrachten würde. Die bekannten Gewerkenvereine in Deutfchland und Oefterreich, namentlich der Verein für die bergbaulichen Intereffen des Oberbergamtsbezirkes Dortmund" in Effen und der analoge Verein für die bergbaulichen Intereffen im nordweftlichen Böhmen" in Teplitz haben viel Gutes geftiftet, würden jedoch einer viel gröfseren Ausdehnung fähig fein. Nur nebenbei fei noch erwähnt, dafs in England in neuefter Zeit die Kohlengewerken eines Reviers Confumvereine bilden, welche Wälder in Norwegen oder Canada ankaufen zum gemeinſamen Bezuge der erforderlichen Grubenhölzer u. f. w. Wenn nun auch qualitativ feit 1867 die Kohlengewinnung nach vielen Seiten fich vervollkommnet hat, fo fteht diefs Alles doch nicht im Verhältniffe zur quantitativen Ausdehnung diefes Induftriezweiges. Sicher ift die Production keines anderen Artikels feit 1867 in gleichem Mafse geftiegen als die Förderung der Kohle. Hierüber mögen die Ziffern in der Tabelle Seite 5 fprechen. 99 Hienach ift die Kohlenproduction der Erde von 184,693.742 Tonnen im Jahre 1866 auf 256,275.824 Tonnen im Jahre 1872, das ift um 38.75 Percent geftiegen. Unter den einzelnen Ländern zeigt die ftärkfte Zunahme Rufsland mit 315 13 Percent, die fchwächfte England mit 21 73 Percent. In Oefterreich ift die Kohlenförderung von 4,893.931 Tonnen( 97,878.620 Zoll- Centner) im Jahre 1866 auf 10,443.998 Tonnen( 208,879.960 Zoll- Centner) im Jahre 1872 geftiegen, folglich eine Zunahme in fieben Jahren um 113 41 Percent. Ungeachtet diefer aufserordentlichen Entwicklung der Kohlenproduction in der ganzen Welt, ift das geförderte Product nicht billiger, fondern theuerer geworden, und die Urfache diefer Erfcheinung liegt nicht nur in dem riefig wachfenden Verbrauche, welcher mit der Förderung mindeſtens gleichen Schritt hält, Mineralifche Kohle. 5 fondern fie refultirt auch aus befonderen Uebelftänden, von denen das gröfste Productionsland, Grofsbritannien, betroffen wurde. Production von mineralifchen Kohlen in den Jahren 1866 und 1872 ( in metrifchen Tonnen zu 20 Zoll- Centner). Länder Im Jahre Förderung Im Jahre Förderung Zunahme in Percenten 103,069.8 04 1872 28, 162.805 1872 21,856.000 1872 I 2,260.085 1872 12,77 4.66 2 4,893.93 1 England 1866 Deutfchland 1866 • Vereinigte Staaten 1866 • Frankreich 1866 Belgien 1866 1872 Oefterreich- Ungarn 1866 1872 Rufsland 1866 264 455 1872 Auftralien. 1866 Uebrige Länder. 1866 Summe 774.000 1872 638.000 1872 184,693.742 125,473.2 73 42.324.469 4 1,491.1 35 I 5,900.000 I 5,658.948 10,44 3.998 1, 09 7.8 32 942.510 2,943.659 256,275.824 2173 50 27 89.83 29.68 22.57 II3 41 315 13 21 77 36138 38.75 Durch ein Zufammenwirken verfchiedener Umstände find in England vom Jahre 1867 bis 1873 die Kohlenpreife um 80 bis 100 Percent geftiegen. Eine folche Preiszunahme in einem Productionsgebiete, welches faft 50 Percent des gefammten Kohlenbedarfes erzeugt, konnte nur aus tief liegenden Urfachen entfpringen und mufste, da Kohle die Grundlage aller Induſtrie bildet, von den einfchneidendften Folgen für die Gefammtinduftrie der Welt, den Welthandel und die Concurrenzverhältniffe der verfchiedenen Länder begleitet ſein. Die Ermittlung der Urfachen und Folgen jenes Steigens der Kohlenpreife und die Beantwortung der Frage, ob hier nur eine vorübergehende Störung oder ein dauerndes Verhältnifs vorliegt, bildete, unfererUeberzeugung nach, das bedeutfam fte aller volkswirthfchaftlichen Probleme, deffen Klärung überhaupt von der Wiener Weltausstellung zu erwarten war. Die wichtigfte feit 1867 eingetretene Veränderung auf dem Gebiete der Kohleninduftrie ift daher nicht fowohl technifcher, als commercieller Natur, und ihre Erörterung war die erfte und bedeutendfte Aufgabe diefes Berichtes. Wir fchliefsen unfere einleitenden Bemerkungen mit einer Ueberficht, welche den Antheil der wichtigften Länder an der Gefammtförderung im Jahre 1872 in metrifchen Tonnen und nach Percenten, fowie die auf jeden Kopf der Bevölkerung entfallende Quote( in Pfunden) darftellt.( Siehe Seite 6.) Von der Gefammtförderung der Erde von 256,275.824 metrifchen Tonnen producirte alfo England 125,473.273 metrifche Tonnen oder 48 96 Percent. In weitem Abftande folgen dann das deutfche Reich mit 42,324.469 metrifchenTonnen oder 16:52 Percent, die Vereinigten Staaten von Nordamerika mit 41,491.135 metrifchen Tonnen oder 16 19 Percent u. f. w. Die einzelnen Länder. Grofsbritannien. Die mächtigen Blöcke, die von zwei Ausftellern aus Newcaſtle und Cardiff als einzige Repräfentanten der englifchen Kohleninduftrie zur Weltausftellung nach Wien 6 J. Pechar, Dr. A. Peez. gefendet wurden, ftellen ein langes und inhaltfchweres Stück englifcher Gefchichte dar. Antheil der einzelnen Länder an der Gefammtförderung im Jahre 1872. Länder Kohlenförderung im Jahre 1872 in metrifchen Tonnen Percentantheil an der Gefammtförderung Kohlenförderung Bevölkerung per Kopf der Länder der Bevölkerung in Pfunden England Deutſchland Vereinigte Staaten Frankreich Belgien. Oefterreich 125.473.273 48.96 31,817.108 7.887.15 42.324.46 9 16.52 41,058.139 2.061 68 41,491.1 35 16.19 38,650.000 2.1 47.02 15.900.000 6.20 36,469.875 871-95 15, 6 58.948 6.11 5,087.105 6.1 56-33 IO, 443.998 4.07 35.904.435 581.76 Rufsland . 1,09 7.8 32 0.43 82,172. 022 26.72 Auftralien. Uebrige Länder. 942.510 2,943.659 0.37 1,958.650 962.40 115 260,810.980 22.57 Die Verwendung mineralifcher Kohle als Brennmaterial geht in England bis ins graue Alterthum zurück; aus Spuren, die man bei Newcaſtle gefunden hat, wird gefchloffen, dafs bereits die Römer die Kohlen zu fchätzen und zu gewinnen wufsten. In derfelben Gegend kannte man im XII. Jahrhunderte die Kohlenheizung. Um 1660 foll die Production Englands bereits 2.3 Millionen metrifcher Tonnen betragen haben. Zu allgemeiner gröfserer Verwendung kam jedoch der mineralifche Brennftoff erft mit den grofsen technifchen Erfindungen zu Ende des XVIII. Jahrhundertes. Durch Erfindung der Dampfmaschine und durch Verwendung der mineralifchen Brennftoffe bei dem Hochofenprocefse erlangte die Kohle ihre jetzige enorme Bedeutung. Seit jener Zeit bis in die Gegenwart hinein blieb die Nachfrage und Förderung des mineralifchen Brennftoffes in fortwährendem Steigen, worüber die folgende Tabelle die näheren Daten enthält: Steinkohlen- Förderung Englands im Jahre metrifche Tonnen Werth in Gulden öfterr. Währ. Silber Jahre im metrifche Tonnen Werth in Gulden öfterr. Währ. Silber 1839 31,502.193 1864 1855 65,297.794 161, 232.000 1865 94.394.50I 99,662.106 231,979.000 245.376.000 1856 67.533.050 166,638.000 1866 103,069.804 254,076.000 1857 66.279.267 163,486.000 1867 105.982.862 261,251.000 1858 65,887.173 1859 72,966.100 1860 80,706.391 1861 86,829.031 1862 84,796.905 1863 89, 523.2 13 162, 521.000 1868 179,949.000 1869 200,106.000 1870 209,088.000 1871 204,095.000 1872 215,730.000 104,600.626 109,2 31.4 48 II 0,784.57 2 II 9,247. 714 I 25,473.2 73 257,852.000 268.568.000 276,077.000 352,056.080 591,730.100 Seit dem Jahre 1839 hat fich demnach die englifche Kohlenproduction ungefähr vervierfacht und feit dem Jahre 1858 verdoppelt. Die jährliche Zunahme vom Jahre 1858 bis 1872 beträgt 6 4 Percent. Mineralifche Kohle. 7 Um fich von der Bedeutung der Förderziffer des Jahres 1872 im Belaufe von 123,497.316 Tonnen englifch( 125 4 Millionen Tonnen metrifch) eine Vorftellung zu machen, bedenke man, dafs diefe Kohlenmenge nebeneinander gefchichtet eine Mauer darftellen würde, welche in einer Breite von 12 Fufs und einer Höhe von 20 Fufs von Wien bis Berlin reicht. Die Zahl der Gruben betrug im Jahre 1872 2850 und die Ziffer der bei der Kohlenförderung unmittelbar befchäftigten Arbeiter war in demfelben Jahre 413.334. Es befchäftigte demnach die englifche Kohleninduftrie eine Arbeitermaffe, welche die Ziffer des ftehenden Heeres des deutfchen Reiches übertrifft. Auf je einen Arbeiter entfielen im Jahre 1864 309 englifche Tonnen, im Jahre 1871 317 und im Jahre 1872 299 Tonnen Förderung. Von der Förderung des Jahres 1872 im Belaufe von 125 4 Millionen metrifchen Tonnen wurden 13 2 Millionen metriſche Tonnen im Werthe von 10 443 Millionen Pfund Sterling in das Ausland ausgeführt und 112 2 Millionen metrifche Tonnen. in England felbft verbraucht. Von der gefammten englifchen Kohlenproduction von 125 4 Millionen metrifchen Tonnen wurden verwendet: in Eifeninduftrie 40 6 Millionen metriſche Tonnen = 32 40 Percent Fabriken.. وو 27.4 21 87 99 29 99 99 99 وو Haushaltungen 2015 29 " 9 " 16.36 وو Gas- und Wafferwerken 8.1 " 99 99 99 99 6.46 " 9 99 Bergwerken 8.0 " 29 99 99 6.38 99 ንን Dampffchiffen. 3.6 وو 77 .99 وو 2.87 97 Eifenbahnen " 9 2'2 99 وو 27 99 1-76 " " 9 Kupferwerken 0.9 " 9 " " 99 0.72 99 Verfchiedenen " Export. 0.9 13.2 27 99 99 " 9 0.64 22 99 " 9 99 99 IO 54 وو Zufammen 125 4 Millionen metriſche Tonnen - 100 Percent. Die riefenhafte englifche Eifeninduftrie mit ihren 900 Hochöfen und 250 Walzwerken verbrauchte demnach faft ein Drittel oder 32 4 Percent der gefammten englifchen Kohlenförderung, während für Hausbrand nur ein Sechftel oder 16:36 Percent verwendet wurden. Indem der englifche Steinkohlenbergbau folche enorme Mengen fördert und fie den wichtigften induftriellen Zwecken zuführt und dienftbar macht, ift die Kohlenproduction felbft zu einem der bedeutfamften Induſtriezweige Englands geworden. Auf eine kunftvolle und vielfeitige Technik geftützt, ein mächtiges Mafchinenwefen in Anfpruch nehmend, mit der hochwichtigen Eifeninduftrie innig verwandt, das ausgebildete Communicationsfyftem Englands theils zur See, theils per Bahn, theils auf Canälen ins Leben rufend und zu grofser Profperität führend, auch als wichtiger Exportartikel und Schiffsballaft die Schifffahrt wefentlich fördernd, endlich als Hebel der englifchen Mafchinenkraft, die mit der Stärke von etwa 800 Millionen Menfchen arbeitet, ift die Steinkohle in der That als die Grundlage des volkswirthfchaftlichen Auffchwunges, des Reichthumes und der Macht Grofsbritanniens anzufehen. Die Kohlenformation erftreckt fich in Grofsbritannien über eine Fläche von 6.800 englifchen Quadratmeilen( 1,760.000 Hektaren), von denen auf Schottland ein Viertel und auf England drei Viertel entfällt. Von den Kohlenformationen im eigentlichen England liegt etwas mehr als die Hälfte, das ift eine Fläche von 2.780 englifchen Quadratmeilen( 719.700 Hektaren), zu Tage, während 2.300 englifche Quadratmeilen( 595.400 Hektaren) von jüngeren Schichten überlagert find. Was Irland betrifft, fo kommen dort nur unbedeutende Spuren von Kohlen vor; wahrfcheinlich find die kohlenführenden Schichten von den Meeresfluthen hinweggefpült worden. 80 J. Pechar, Dr. A. Peez. In den meiften Kohlengebieten Grofsbritanniens find die Flöze zahlreich und theilweife fehr regelmässig gelagert, fo dafs ein leichter Abbau, der mit wenigen Schächten grofse unterirdifche Strecken auffchliefst, nicht zu den Seltenheiten gehört. Vergleicht man die englifchen Kohlenlager mit den belgifchen und franzöfifchen, fo find in erfteren weniger Verwerfungen und Störungen zu bekämpfen; auch ift der Stückfall beffer. Die Feftigkeit des Deckgebirges geftattet eine fparfamere Verwendung von Holz, fo zwar, dafs in vielen englifchen Gruben für Auszimmerung per I Tonne Förderung nur 2 bis 3 d. ( 9 bis 13 Kreuzer) erfordert werden, während man in Belgien und Frankreich oft bis I s.( 38 bis 50 Kreuzer) per Tonne benöthigt. Vergleicht man hingegen mit diefen Verhältniffen in den englifchen Kohlengebieten das Vorkommen der wichtigften amerikaniſchen und deutfchen Steinkohlen- Becken oder mehrerer öfterreichifchen Braunkohlen- Becken, fo dürfte fich die Wagfchale weniger günftig für England ftellen. Die englifchen Kohlen liegen zum Theile in grofser Tiefe; viele wichtige Kohlenfelder erfordern zu ihrer Auffchliefsung eine Schachtteufe von 300 bis 500 Metern, auch ift die Mächtigkeit der Flöze durchaus nicht fo grofs, wie man zuweilen auf dem Continente annimmt. In manchen Kohlenrevieren gelten Flöze von II Zoll( o 2794 Meter) für abbauwürdig. Freilich kommen auch ſtarke Flöze von 10, 20 und mehr Fufs( 32, 6 Meter) vor. Das grofse Flöz" von Midlothian öftlich von Edinburg hat eine Mächtigkeit von 8 bis 10 Fufs; in Fivefhire ift auf einer kurzen Strecke eine Flözmächtigkeit von 21 Fufs nachgewiefen, welche jedoch noch weit übertroffen wird von der„ Zehnellen- Kohle" von Wolverhampton in Süd- Staffordshire, die nicht weniger als 24 bis 36 Fufs( 71 bis 11 Meter) mächtig vorkommt. Aber gerade diefs letztgenannte berühmte Flöz geht rafch feiner Auskohlung entgegen. Was die Qualität betrifft, fo liefern die englifchen Kohlenfelder nicht nur treffliche, fondern auch für beftimmte Zwecke als Specialitäten befonders geeignete Kohlenforten, die vermöge des alten wohlorganifirten Kohlenhandels des Landes feit vielen Jahren ihre Marke haben und mindeſtens bis in die letzten Jahre für den Befteller zuverläffig zu bekommen waren. Solche Specialitäten bilden die bekannten Gaskohlen von Schottland, die Coke von Durham, fowie die Dampfkohlen von Süd- Wales, die unter dem Namen ,, Cardiff- fteam- coal" berühmt und für die zahlreichen und hochwichtigen Dampferlinien rund um die Welt gefucht find. Endlich muss noch die glückliche geographifche Vertheilung als ein wefentlicher Vorzug der englifchen Kohlenreviere bezeichnet werden. Der Often und Weften, Süden und Norden, fowie das Centrum der englifch- fchottifchen Infel find gleichmässig bedacht, und nur der Südoften Englands, die Gegend, wo London liegt, fowie Irland bilden eine Ausnahme. Der Umftand, dafs vier der wichtigften Productionsftätten von Kohle unmittelbar an die See anftofsen, geftattet eine leichte Verfendung per Schiff rund um die Küften und für den Export, während ein Eifenbahnfyftem in einer Länge von 24.740 Kilometern ( wovon mehr als die Hälfte, das ift 13.416 Kilometer, mit Doppelgeleifen), fowie 4.022 Kilometer Flufsläufe und 3.911 Kilometer Canäle die Verftreuung der Kohle über das gefammte Inland ermöglichen und allzugrofse Preisunterfchiede in den einzelnen Theilen des Landes nicht aufkommen laffen. Uebrigens gelangen die natürlichen Vorzüge Englands zu ihrer rechten Geltung durch den befonderen Grund, dafs England vermöge feiner älteren induftriellen Entwicklung in dem Verbrauche und der Förderung der Kohle gegenüber dem Continente einen Vorfprung von mehr wie 50 bis 70 Jahren voraus hat. Seine Kohleninduftrie ift daher fchon ein völlig ausgewachſener, mächtiger Baum, während der Continent, und befonders deffen mittlere und öftliche Theile, * Der Shilling( in diefer Schrift ftets mit ,, s." bezeichnet) hat 50 4 Kreuzer öfterr Währung Silber. Ein s. enthält 12 Pence( mit ,, d." bezeichnet), I Penny= 42 Kreuzer. Mineralifche Kohle. 6 jungen, wenn auch zukunftsreichen Stämmen und Schöfslingen gleichend, erft im Beginne ihres Wachsthumes ftehen. In Deutſchland und Oefterreich datirt die umfaffendere Ausbeutung der Kohlenfchätze erft feit 1850; in Rufsland fcheint erft jetzt das Capital auf Gewinnung mineralifcher Brennftoffe in gröfserem Mafsftabe fein Intereffe zu lenken. Die Ueberlegenheit Grofsbritanniens auf diefem Gebiete ift alfo nicht blos, wie oft fälfchlich angenommen wird, eine natürliche, gleichfam prädeftinirte, fondern vielleicht in noch höherem Grade eine gefchichtliche, und - was die Zeit gebracht hat, kann die Zeit auch wieder modificiren.- Die Kohlenfelder Grofsbritanniens laffen fich nach ihrer geographifchen Lage in drei grofse Gruppen zerlegen, nämlich in die Kohlen des Nordens ( Durham und Northumberland, Cumberland, Schottland), des Centrums( Yorkſhire, Derbyshire, Lancaſhire und Staffordſhire), endlich des Weftens( Süd- Wales und kleinere Becken). I. Der Norden. 1. Durham und Northumberland. Diefes Kohlenrevier, unfern der fchottifchen Grenze, an der Oftküfte gelegen, mit den Verfchiffungspunkten Newcaftle und Hartlepool, ift 80% Kilometer lang, auf einer namhaften Strecke 32 Kilometer breit und dehnt fich über 1134 Quadratkilometer. Es enthält durchfchnittlich 12 Flöze mit zufammen 16 Metern Mächtigkeit, die Flöze find gut gelagert und haben ein mäfsiges Einfallen. Das fefte Deckgebirge macht nur wenig Auszimmerung der Schächte nöthig. Die Flöze, von denen einzelne bis 2 Meter Mächtigkeit haben, enthalten eine fehr vielfach verwendbare und im Ganzen fehr gute Kohle. Hier liegen zwifchen Tyne und Wear die berühmten Wallfend kohlen, befonders gefucht für Hausbrand; weiter nördlich vom Tyne die dichtere Mafchinenkohle mit weifser Afche, während im Weften eine ausgezeichnete Cokekohle gewonnen wird. Die aus der letzteren gewonnenen Coke find von befonderer Feftigkeit und Tragfähigkeit, wodurch Hochöfen von 75 bis 85 Fufs Höhe möglich werden. Die Schattenfeiten diefes Kohlenfeldes beftehen in dem häufigen Vorkommen von fchwimmendem Gebirge und fchlagenden Wettern. Der berühmte Monkwearmouthfchacht der Herren Pemberton, die, lediglich auf wiffenfchaftliche Beweisführungen geftützt, bei Sunderland in einer Tiefe von 518 Metern das gefuchte Huttonflöz erreichten, mufste wafferreiche Schichten von 100 Metern Mächtigkeit durchteufen, auf deren Grunde nicht weniger als 136 Hektoliter Waffer per Minute ausgepumpt wurden. An diefem Schachte wurde 20 Jahre lang gearbeitet. Bei fo tiefen Schächten werden zur Kohlenförderung oft zwei Dampfmafchinen angewendet, von denen die eine zu Tage, die andere aber in der halben Höhe des Schachtes angebracht ift; die Pumpen ftehen in manchen Schächten unten auf der Baufohle. Bei dem Umftande, dafs fo tiefe Schächte oft 600.000 bis 1,000.000 Gulden koften, ift das Beftreben der Ingenieure felbftverſtändlich dahin gerichtet, möglichſt grofse Strecken durch einen Schacht aufzufchliefsen, und die Flöze find fo regelmäfsig gelagert, dafs man oft auf 1 bis 3% Kilometer Länge nach allen Seiten ftrahlenförmig die Strecken treiben kann. Für Wetterzuführung, Wafferhebung und Förderung dient meift ein und derfelbe Schacht. Weil daher das Fördern aus einem grofsen Streckengebiete fich nur eines einzigen Schachtes bedienen kann, fo richten die Bergingenieure ihre befondere Aufmerkfamkeit auf möglichft befchleunigte rafche Förderung. Im Seatonfchachte bei Newcaſtle legt die Förderfchale den Weg von 205 Metern( 672 Schuh) Schachtteufe in nur 3/4 Minuten zurück, eine weitere Minute fällt auf das Auswechfeln der Hunde, fo dafs bei zwei Schichten von zufammen 14 Stunden per Tag 1200 bis 1600 Tonnen gefördert werden. Bei 250 Arbeitstagen würde diefs einer Jahresförderung von annähernd 400.000 Tonnen entſprechen, die aus einem einzigen Schachte zu Tage gebracht werden. 10 J. Pechar, Dr. A Peez. Ein grofser Vorzug liegt darin, dafs ,, der Norden" im Verhältniffe noch die beften Arbeiterzuftände hat. Die Arbeit ift durch das Syftem von täglich zwei Schichten, das fonft in England nur fehr felten vorkommt, in eine fefte Ordnung gebracht, und etwa auftauchende Streitigkeiten zwifchen Arbeitgebern und Arbeitnehmern werden durch Schiedsgerichte ausgeglichen. Um diefe beiden Einrichtungen wird der Norden von den anderen Revieren beneidet. Das grofse Kohlenrevier von Durham und Northumberland fördert allein faft dreimal fo viel Kohlen wie alle öfterreichifchen Kohlenfelder zufammengenommen. An der Kohlenförderung Englands participirt es mit 25 Percent, und feine Lage, hart an der See, fetzt es in den Stand, zugleich der ftärkfte Exporteur englifcher Kohle zu fein. Aus den Häfen Newcaſtle, Sunderland, Hartlepool und anderen wurden im Jahre 1872 nicht weniger als 12,237.510 Tonnen nach dem Inlande und Auslande verfchifft. Zum Einladen der Kohle in die Schiffe find an der Küfte von Newcaftle ausgedehnte Anlagen und mechanifche Vorrichtungen gefchaffen. Am Tyne arbeiten 275 Hebevorrichtungen und Krahne, die meift hydraulifche Kraft anwenden. Der gröfste Schrauben dampfer ift in vier Stunden gefüllt. Oft liegen an den Quais 300 Schiffe, die auf einmal beladen und von einer und derfelben Fluth ins Meer geführt werden. London allein brennt in einem Monate die Ladung von 800 Schiffen. Nicht weniger als 75.000 Seeleute find in der Küftenfchifffahrt der nördlichen Kohlenplätze thätig. Die Güte und Billigkeit der Kohle hat die Gegend von Newcaftle bis Sunderland zu einem Hauptfitze der englifchen Induſtrie gemacht. Chemikalien, Glas, eiferne Schiffe, Locomotiven werden hier in gewaltiger Menge erzeugt. Ungefähr 20 Fabriken von gröfster Ausdehnung bringen von hier die Hauptmaffe der englifchen Soda in den Handel. Die Mündungen des Tyne, Wear und Blythe befitzen zugleich die( nächft dem Clyde in Schottland) gröfsten Werften für den Schiffsbau. Zu Ende des Jahres 1871 waren im Norden 143 Schraubendampfer mit einem Gehalte von 181.933 Tonnen im Baue. Von den in England im Jahre 1871 neu gebauten 421 eifernen Dampfern und 23 eifernen Segelfchiffen im Gehalte von zufammen 394.373 Tonnen find etwa 4/5 von den nordenglifchen und fchottischen Werften gekommen. In den Graffchaften Durham und Northumberland gab es im Jahre 1871 71 Hochöfen( wovon 50 im Betriebe), ferner 19 Walzwerke mit 991 Puddelöfen und 63 Walzenftrafsen. Doch ift diefs nur ein kleiner Theil der Eifenwerke, die aus den Kohlenfeldern von Newcaſtle und Sunderland gefpeift werden, denn die trefflichen Coke der Gegend bilden den hauptfächlichen Brennftoff auch für die Hochöfen der Graffchaften Cumberland und Yorkſhire, die an Bedeutung den Eifenwerken von Durham und Northumberland weit überlegen find. Zumal in Yorkshire, wo der Eifendiftrict Cleveland mit Middlesborough als Ausfuhrhafen, noch völlig auf den Coken von Durham beruht, gab es im Jahre 1871 160 Hochöfen, wovon 132 in Betrieb, die 1,437.557 metriſche Tonnen Roheifen producirten; ferner ftanden in Yorkſhire 35 Walzwerke mit 1189 Puddelöfen und 185 Walzenftrafsen im Gange. Ungefähr 20 bis 30 neue Hochöfen waren im Jahre 1873 im Baue begriffen. Die Kohlenförderung im Becken von Durham und Northumberland betrug im Jahre 1854 154 Millionen Tonnen, im Jahre 1864 dagegen 23 3 Millionen Tonnen und im Jahre 1870 27.7 Millionen Tonnen, folglich von 1854 bis 1870 Zunahme: 79 Percent. 2. Cumberland. Von den eben fkizzirten Kohlenfeldern an der Oftküfte quer durch das Land bis zur weftlichen Küfte vorfchreitend, begegnen wir einem kleineren Kohlengebiete mit Whitehaven als Verfchiffungspunkte. Das Revier von Cumberland ift 48 Kilometer lang und 92% Kilometer breit, fteht jedoch hinfichtlich der Zahl und Mächtigkeit der Flöze wefentlich hinter dem früheren zurück. Eine Merkwürdigkeit desfelben find die Werke von Lord Lonsdale, die Mineralifche Kohle. 11 fich in einer Ausdehnung von mehr wie 3 Kilometern unter den Meeresgrund erftrecken. Die Kohle von Cumberland eignet fich weniger gut zur Vercokung, wefshalb zur Verhüttung der vorzüglichen, in den letzten Jahren befonders für Stahlbereitung und Beffemer- Procefs verwendeten Hämatit- Erze von Cumberland ftarke Partien von Durham- Coken bezogen werden. In der Graffchaft Cumberland gab es im Jahre 1871 34 Hochöfen und 3 Walzwerke mit 64 Puddelöfen und 10 Walzenftrafsen. Im Jahre 1872 wurden ferner 12 neue Hochöfen errichtet und eine noch gröfsere Anzahl ift projectirt und im Baue begriffen. Die Kohlenförderung im Cumberland- Reviere betrug: 901.000 metrifche Tonnen 1870 1,430.000 1854 folglich Zunahme 58 Percent. " 3. Schottland. Das grofse fchottische Kohlenrevier mit Glasgow als induftriellem Mittelpunkte erftreckt fich von der Weftküfte bei Ayr bis zur Oftküfte rings um das Frith of Forth, alfo über die ganze Breite Schottlands hinüber. Jedoch enthält das Gebiet nicht überall abbauwürdige Flöze, fondern es kommen diefelben wegen ftarker Verwerfungen durch heraufgedrungene plutonifche Gefteine nur in verfchiedenen Abtheilungen vor. Eine der ergiebigften ift das Midlothian- Becken, öftlich von Edinburg, 14% Kilometer lang und 3.2 Kilometer bis 4-8 Kilometer breit, welches 12 Flöze enthält, die meift 2 bis 5 Fufs( o 6 bis 15 Meter) mächtig find; das fogenannte„ grofse Flöz" erreicht jedoch eine Mächtigkeit von 8 bis 10 Fufs( 25 bis 31 Meter). Im Weften, in Lanarkſhire und Ayrſhire, finden fich vorzügliche Gaskohlen, fowie die für den Hochofen- Procefs befonders geeignete Splintkohle. Da in unmittelbarer Nähe bedeutende Lager von Blackband( kohlenhaltigem Eifenftein) vorkommen, fo entftand hier die berühmte Roheifenproduction Schottlands, welche im Jahre 1871 mit 156 Hochöfen( wovon 126 im Gange) 1,178.560 metrifche Tonnen Roheifen und im Jahre 1872 mit 115 im Betriebe befindlichen Hochöfen 1,107.440 metrifche Tonnen Roheifen erzeugte. Es wird jedoch behauptet, dafs die Erzlager in rafcher Abnahme begriffen find. An Walzwerken waren in der Gegend 14 Etabliffements mit 338 Puddelöfen und 44 Walzenftrafsen thätig. Die Kohlenproduction Schottlands betrug: Im Jahre 1854 in 367 Werken 7,517.168 metriſche Tonnen 97 99 1870" 411 29 15,173.505 Zunahme 100 5 Percent. وو " 7 II. Mittleres England. Ungefähr in der halben Höhe Englands, jedoch der weftlichen Küfte zugeneigt, finden fich, rings um Derbyshire gelagert, mehrere wichtige Kohlen reviere, die möglicherweife untereinander in einem inneren Zufammenhange ſtehen. Ueber die bedeutenderen laffen wir einige Bemerkungen folgen. 1. York fhire und Derby fhire. Zwifchen Leeds und Nottingham erftreckt sich bei einer Länge von 104'6 Kilometern und einer Breite von 12'9 bis 32 2 Kilometern über eine Ausdehnung von etwa 1287.7 Quadratkilometern ein Revier, welches in 12 bis 16 Flözen zufammen 13.7 Meter Kohle enthält. Einzelne Flöze find 15 Meter, auch 2.7 Meter mächtig. Diefs Revier enthält die berühmte ,, Seiden- Steinkohle" von Süd- Yorkſhire, die ,, Schwarzfchale" von Derbyshire und die als reinfte Stubenkohle berühmte ,, Kilburnkohle". Die mächtigen Eifenfteinlager des Bezirkes gaben Veranlaffung zu der koloffalen Hochofen Production von Cleveland, die wir bereits früher erwähnt haben. 12 J. Pechar, Dr. A. Peez. 2. Lancashire. Unregelmäfsiger inForm undLagerung enthält diefes Revier eine Kohle von fehr guter Qualität. Die Mächtigkeit beträgt 1 bis 18 Meter. Bei Manchefter finden fich 16 bis 20 Flöze von zufammen 20 3 Metern Mächtigkeit. Die Tiefe der Schächte ift 314 8 bis 467.5 Meter. Der Flächeninhalt diefes Revieres, welches unter anderen die treffliche Cannelkohle von Wigan in fich fchliefst, beträgt 349 2 Quadratkilometer. Wenn auch lange nicht fo bedeutend wie Yorkſhire, befitzt auch Lancaſhire eine namhafte Eifeninduftrie. Im Jahre 1871 gab es dort 41 Hochöfen, wovon 34 im Gange, welche 528.684 metriſche Tonnen Roheifen producirten. Die 8 Walzwerke der Graffchaft arbeiteten mit 170 Puddelöfen und 36 Walzenftrafsen. Gewaltige Eifengiefsereien und Mafchinenfabriken fchliefsen fich an. Gleichwie Yorkshire der Sitz der englifchen Tuchinduftrie( Leeds), der Kammgarn- Spinnerei ( Bradford), der Teppich- und Decken- Fabrication( Halifax), der gemifchten Webwaaren( Huddersfield), fowie der Stahlwaaren- Fabrication( Sheffield) und der Strumpfwaaren- und Spitzen- Induftrie( Nottingham) ift, fo concentrirt fich die unermefsliche englifche Baumwoll- Induftrie mit ihren Hilfszweigen in Lancaſhire. Manchefter, Liverpool, Oldham, Bolton, Rochdale mit ihren Millionen von Spindeln und Hunderttaufenden von mechanifchen Webftühlen brauchen nur genannt zu werden, um zu ermeffen, welcher grofse Confum des einheimifchen Brennftoffes in diefen Orten ftattfindet. 3. Den beiden früher genannten Graffchaften Yorkſhire und Lancaſhire reihen fich hinfichtlich ihres Kohlenreichthums und ihrer induftriellen Entwicklung die beiden Stafford fhire ebenbürtig an. Nord- Staffordſhire, welches gewöhnlich mit Chefhire verbunden erfcheint, hat zahlreiche Kohlenflöze, die ftellenweife eine Gefammtmächtigkeit von 33 bis 42 Metern Kohle darftellen. Ueber diefen Kohlenflözen liegt oft Blackband- Eifenftein von wechfeln der Mächtigkeit, an einigen Punkten eine Stärke von 1 bis 12, ja 2 Metern erreichend. Darüber befinden fich jene bekannten Thonlager, auf welche die Steingut- und Thonwaaren- Induftrie Englands gegründet ift. Ein fehr reiches Kohlenvorkommen tritt uns in SüdStaffordſhire und Worceſterſhire entgegen. Das Revier ift 144 84 Quadratkilometer grofs. Die Durchfchnittszahl der Flöze beträgt 5 bis 7, ihre gefammte Mächtigkeit bis 15 2 Meter Kohle, die bei einigen Flözen bis zur ungewöhnlichen Stärke von 7.5 bis 11 Metern fteigt( Zehnellen- Flöz). Die Kohlen liegen für englifche Begriffe ziemlich flach und werden defshalb mit zahlreichen kleinen Schächten ausgebeutet, wefshalb zahllofe Schlote am Horizonte erfcheinen. Hier ift das fogenannte„, Schwarze Land", in Kohlenftaub gehüllt und nächtlich durch die Flammen der zahllofen Eifenwerke erleuchtet. Hochöfen, Eifengiefsereien, Schmieden, Hammerwerke, Kohlengruben, Mafchinen, Canäle und Bahnen. bedecken die Oberfläche. Wolverhampton, die Heimat der Schmiede", und Birmingham mit feinen Eifen- und Stahl- Arbeiten bezeichnen den Charakter der hier vorherrfchenden Induſtrie. " In Süd- Staffordſhire und Worceſterſhire gibt es 163 Hochöfen, wovon jedoch im Jahre 1871 nur 118 in Betrieb waren und 737.327 456 metrifche Tonnen Roheifen producirten; Walzwerke beftanden 110 mit 1700 Puddelöfen und 228 Walzenftrafsen. In Nord- Staffordſhire und Chefhire zählte man 35 Hochöfen ( wovon 30 in Betrieb) mit einer Jahresproduction von 272.592 metrifchen Tonnen, neben welchen 8 Walzwerke mit 414 Puddelöfen und 46 Walzenftrafsen arbeiteten. Hinsichtlich ihrer bergmännifchen Einrichtungen ſtehen die beiden letztgenannten Kohlenreviere auf einer wefentlich niedrigeren Stufe als die Werke im Norden. Die Folge davon find zahlreiche Unglücksfälle und mindeſtens bis in die neuefte Zeit eine enorme Verfchwendung an Kohle. - - Flintfhire, Warwickſhire und Leiceſterſhire enthalten Kohlenbecken von mehr localer Bedeutung. In Shropſhire wurden im Herbfte 1873 bedeutende Lager von Hämatit- Erzen entdeckt, die den bekannten Cumberland- Erzen nicht nachftehen follen. Hiedurch gewinnen die Kohlenlager diefer Gegend Mineralifche Kohle. 13 eine gröfsere Wichtigkeit, gerade in Shropſhire find jedoch die ausgiebigften Flözé bereits ftark abgebaut. In Cheſhire liegen die riefigen Salzwerke Englands, welche nur durch billige Kohle ihre Nebenbuhler in anderen Ländern aus dem Felde gefchlagen haben. Die Förderung in den genannten Revieren war: Yorkſhire Lancaſhire Revier Stafford- und Worceſterſhire Shropſhire Cheſhire Im Jahre 1854 Zunahme 1870 in Percenten metrifche Tonnen 7,603.315 15,164.545 99 4 9,220.340 14,023.283 52'1 7,615.500 13,433.742 76: 4 1,096.632 798.612 1,363.682 943.459 24 4 18.2 III. Weftliches England. 1. Briftol und Bath. Diefes Kohlenrevier von 40 2 Kilometern Länge nähert fich in mancher Hinficht dem belgifchen Typus. Es enthält ftarke Störungen, und Flöze von II Zoll( 0 289 Meter) Mächtigkeit gelten bereits als„ abbauwürdig". Ein fchönes kleines Becken ift dagegen das von„ Foreft of Dean"; es enthält II Flöze von zufammen 8.2 Metern Mächtigkeit. 2. Süd- Wales. Ueber eine Ausdehnung von 1448 Quadratkilometern erftreckt, enthält diefs prächtige Becken in feinen verfchiedenen Abtheilungen eine reiche Auswahl trefflicher Kohlenforten, die in Cardiff und Swanſea fehr ftark zur Verfchiffung gelangen. Im Nordoften ift die Kohle befonders vorzüglich( theilweife bituminös, theilweife anthracitifch). Bei Aberdare begegnet man faft rauchlofen Gattungen, die befonders als Mafchinenkohle gefucht find. Jedoch find auch hier fchon die am günftigften gelegenen Flöze( z. B. das 1 22 Meter mächtige Aberdeenflöz) nahezu erfchöpft. Das Revier, deffen Schätze theilweife bis zu 590 Metern in die Tiefe hinabgehen, enthält in feinen verfchiedenen Theilen bald 8, bald 15 und bald 18 Flöze mit zufammen 5.5, 8.5 und 25 3 Metern Kohlenmächtigkeit. Die auf das Kohlenrevier von Süd- Wales gegründete Eifeninduftrie umfafst 167 Hochöfen, wovon im Jahre 1871 112 im Betriebe, mit einer Production von 1,061.939 metrifchen Tonnen, ferner 44 Walzwerke mit 1441 Puddelöfen und 193 Walzenftrafsen. Auch die grofsen Kupfer- und Zinn- Schmelzen verbrauchen ungeheuere Kohlenmengen. Die Production in Süd- Wales( einfchliefslich Monmouthshire) betrug: im Jahre 1854 8,636.000 metrifche Tonnen, وو " " ንን 1864 1870 • Zunahme von 1854 bis 1870 II, I 52. I 24 15,88 2.7 38 " 99 29 99 60.7 Percent. Ueberblickt man nun diefe ganze Reihe der englifchen Kohlenlager und erwägt man genau die Wichtigkeit der Induftriezweige, die auf die Kohlenlager bafirt und untrennbar mit ihnen verbunden find, fo tritt die Bedeutung der Kohle für die englifche Volkswirthschaft recht klar zu Tage. Qualität der Kohle. Um über die Qualität der wichtigften englifchen Kohlenforten einige Anhaltspunkte zu geben, diene die folgende Zufammenftellung: 2 Englifche Kohlen Kohlenstoff Chemifche Analyſen In 100 Gewichtstheilen getrockneter Subftanz Wafferftoff Sauerftoff Stickftoff Schwefel Afche Kohlenstoff In 100 Gewichtstheilen afchenfreier Subftanz Wafferftoff Sauerstoff 1. Stückkohle von Wefthartley( Norden). 2. Befte Kohle von Newcastle 3. Cannelkohle دو 4. Seaton Dampfkeffel- Kohle " 5'70 " >> " 84.53 84.31 5.09 7.24 1'49 O'13 86.17 5.81 3'71 I'14 0.07 5'05 1'29 0.08 3'35 87'54 I'73 85'92 5.18 3'11 88.99 78.65 4.65 14'21 - 0* 55 " 5. Low- Main- Flözkohle 78.69 6.00 10'07 2'37 I'51 " 6. Nufskohle von Sunderland 74'94 5'12 5'15 I'33 0.77 2.49 80.54 136 81'or 12.66 86.59 5'90 5'23 I'33 7.38 I'5I 6.00 3.83 1.18 4.76 14'70 47 39 12'94 " 60'36 7.03 " - 6 17 10 38 2'44 " 7. Schmiedekohle 82'72 5'24 6.35 I'49 0.26 3.95 86.35 8. Nufskohle von Hartlepool 74.75 4'90 10'72 I'14 0* 75 " 9. Mafchinenkohle von Grimsby( Süd- Wales) 10. Ellveinkohle 82.26 5.73 7'41 I 34 0'17 " 82 56 5'36 8.22 1.65 0'75 7'74 81.69 3'08 85 02 1'46 84'42 5.93 5.98 5'95 I'54 5'47 6.61 I'57 5.36 11 74 7.66 1'39 5.48 8.40 I'70 I'21 36 17 22 84 56.41 19.75 58.27 10'77 51 56 11 83 45 77 19.82 56.40 13 14 49.98 14'93 Dick Taylor Grundmann " 27 Noad II. Kohle von Dowlais 12. Kohle von Wolverhampton( Staffordſhire) 13. Wigan Cannelkohle( Lancaſhire). 14. Kohle von Ayrſhire( Schottland). 89 33 4'43 78.57 5'29 12.88 84.07 5'7 I 7.82 76.08 5.31 3'25 I'24 0.55 1.84 0'39 15. Splintkohle aus den Elgingruben( Schottland) 80.63 6.16 10.61 I'33 13:33 2.09 I'23 0.84 16. Bogheadkohle. 61.04 9'22 4'4° 0'77 0'32 I'20 90'93 1'03 79.88 2.40 85.81 1'96 78.59 5'49 13'77 2'15 1'43 82'50 5'28 10.68 1* 36 24 23 80 90 12'48 5.60 I'O2 4'51 3.30 1.26 43.33 6.27 Riley 5:34 13.02 46.75 20 52 Vaux 5.85 8.34 - 52'91 15 26 44 53 25 32 45.58 18.12 Regnault Rowney 44 03 10 23 Matter Verhältnifs Stickstoff Wafferftoffes des disponible n des nicht disponiblen Analytiker zum Kohlenftoffe IOO 58.02 9.36 Grundmann J. Pechar, Dr. A. Peez. 14 Mineralifche Kohle. 15 Revolution in den Kohlenpreifen feit 1871. Grofsbritannien hatte früher die billigften Kohlenpreife und auf diefem Umftande beruhte bekanntlich ein grofser Theil feiner induftriellen Uebermacht. In den Jahren 1845 bis 1870 ftanden die Preife an der Grube im Durchschnitte zwifchen 3 und 5 s.( circa 11 bis 21%, fl.) per englifche Tonne, je nach der Qualität der Kohle. In der Gegend von Newcaftle und in Wales waren die Preife am niederften. In Wales koftete im Jahre 1850 die Tonne 2 s. 6 d. bis 3 s. 6 d.( 1 fl. 25 kr. bis 1 fl. 76 kr.). In Sunderland bei Newcaftle wurden gu te Steinkohlen für 4 s. 2 d. bis 5 s.( 2 fl. 10 kr. bis 2 fl. 52 kr.) per Tonne frei an Bord der Seefchiffe geliefert; Nufskohle( durch ein Sieb geworfen, deffen Oeffnungen 5 Zoll weit find) koftete I fl. 50 kr. öfterr. Währ. Silber, 58 und Staubgries( culm) I S. 10 d.( 921%, kr.) per Tonne, Alles frei an Bord des Seefchiffes. Erwägt man, dafs die Fracht von Sunderland nach Rotterdam, Bremen oder Hamburg nur circa 3 fl. bis 4% fl. per Tonne ftand, fo bezifferte fich Stückkohle nach jenen Häfen geftellt auf 5 bis 7 fl. per englifche Tonne( das ift 20 bis 23 Centner, letzteres mit Gutgewicht) und es ift demnach leicht zu ermeffen, mit welcher überlegenen Gewalt die englifche Kohle längs aller Küften vorherrfchte. An den wichtigften englifchen Fabriksplätzen wie Mancheſter, Sheffield oder Birmingham koftete gute gewöhnliche Stückkohle 4 bis 6 s.( 2 bis 3 fl.) per Tonne oder 16 bis 25 kr. öfterr. Währ. Silber per Zoll- Centner. Kleinkohle wurde am Werk mit 212 s.( 1 fl. 25 kr.) per Tonne englifch verkauft, fo dafs ein Centner auf 6.25 kr. öfterr. Währ. zu ftehen kam. Ueberdiefs konnten Mittelkohlen und Kleinkohlen umfo billiger an die Fabriken abgegeben werden, als oft aus dem Erlöfe der zur Verfendung in die Nähe und Ferne gelangenden Stückkohle bereits die Regiefpefen der Werke einfchliesslich Verzinfung des Capitals gedeckt waren. Etwas höher ftanden die Preife in London, doch wurde auch hier die Tonne befter Stückkohle vom Jahre 1845 bis 1870 im Durchschnitte nicht theuerer verkauft als zwifchen 15 bis 20 s.( 7 fl. 56 kr. bis 10 fl. 8 kr.). In diefe Verhältniffe brachten nun die neueften Ereigniffe eine förmliche Revolution. Die Wendung begann mit dem Jahre 1871 und ging zunächft von der verftärkten Nachfrage der Eifeninduftrie nach Kohle aus. Seit dem Jahre 1864 hatte ein Druck auf der englifchen Eifeninduftrie gelaftet; wohl breitete fich diefelbe mächtig aus, aber fie arbeitete ohne fonderlichen Vortheil. Die billigen Eifenpreife führten nun in den Jahren 1864 bis 1870 zu einer maffenhaften Verwendung von Eifen für die verfchiedenften Zwecke der Induftrie und des gewöhnlichen Lebens, und als mit Beendigung des deutfchfranzöfifchen Krieges im Jahre 1871 der Continent, und befonders Deutfchland und Oefterreich, eine längere Friedenszeit vorausfehend, fich mit einer bisher unerhörten Regfamkeit auf die Entwicklung von Handel und Induftrie warfen, während gleichzeitig Amerika in faft überftürzter Weife den Ausbau feines Communicationsnetzes befchleunigte, da machte fich in England, der gröfsten Eifen- Productionsftätte der Welt, eine ganz aufserordentliche Nachfrage nach diefem Artikel geltend. Die Preife der Erze und des Eifens gingen in der zweiten Hälfte des Jahres 1871 fprungweife in die Höhe. Schottifches Roheifen, welches in den Jahren 1864 bis 1870 einen Durchschnittspreis von 52 bis 55 s.**( 26 fl. 21 kr. bis 27 fl. 72 kr.) erzielte, hatte im Jahre 1872 einen Durchfchnittspreis von IOI S. 10 d.( 51 fl. 37 kr.) per englifche Tonne erreicht, war alfo um annähernd 100 Percent geftiegen. Stabeifen und Schienen ftiegen von 7 Pfund 15 s.( 78 fl. 12 kr.) in 1870 auf 12 Pfund 10 s.( 126 fl) in 1872, alfo gleichfalls um 80 Percent. Noch I Tonne englifch= 20'32 Zoll- Centner; 1 Tonne metrifch= 20 Zoll- Centner. Wo in diefer Schrift nicht ausdrücklich englifche Tonnen genannt werden, find unter ,, Tonnen" ftets metriſche Tonnen verftanden. ** Mit Ausnahme einer kurzen Periode im Jahre 1866, wo die Tonne 60 s. galt. * 2* 16 J. Pechar, Dr. A. Peez. ftärker war das Herauffchnellen der Eifenpreife im wichtigen Diftricte von Cleveland. Während hier in den Jahren 1857 bis 1871 die Tonne Roheifen im Durchfchnitte fich zwifchen 42 und 50 s.( 21 fl. 16 kr. und 25 fl. 20 kr.) bewegte, fchlofs bereits das Jahr 1871 mit einem Preife von 68 s.( 34 fl. 27 kr.) für Eifen Nr. 3; letzteres ftand Ende Juni 1872 bereits auf 100 s.( 50 fl. 40 kr.) und ging im September auf 110, 115, ja in einigen Fällen auf 120 s.( 55 fl. 40 kr., 57 fl. 96 kr. und 60 fl. 48 kr.). Eine folche riefige Conjunctur in Eifen mufste natürlich auf die Kohle in hohem Grade anregend wirken. Wenn man bede nkt, dafs zur Erzeugung von I Tonne verarbeiteten Eifens durch alle Stadien der Fabrication circa 5 bis 6 Tonnen Kohle benöthigt werden, fo wird man fich von der Nachhaltigkeit diefes Antriebes einen Begriff machen. Während im Jahre 1867 von der gefammten Kohlenförderung Englands von 104 Millionen Tonnen 281 Millionen Tonnen von der Eifen-. induftrie( für Roheifen, 2 für Stabeifen) verbraucht wurden, fielen im Jahre 1872 bei einer Production von 125 3 Millionen Tonnen nicht weniger als 4023 Millionen auf den Confum der Eifeninduftrie. Letztere verbrauchte demnach im Jahre 1867 25 Percent, in 1872 aber 32'4 Percent der gefammten englifchen Kohlenförderung. Gleichzeitig war es aber nicht allein die Eifeninduftrie, die mehr Kohle verbrauchte, fondern der allgemeine Auffchwung fämmtlicher englifcher Induſtriezweige in 1871 und 1872 brachte eine ungemein gefteigerte Nachfrage nach mineralifchem Brennftoffe mit fich. Die Induftriellen, denen von allen Seiten Aufträge zuflogen, waren nur beforgt, fich die erforderliche Kohle zu fichern. Wofern fie nicht fefte Lieferungsverträge mit den Kohlenproducenten bereits hatten, waren fie froh, bei den letzten nur überhaupt noch anzukommen und bewilligten daher jeden Preis. Indeffen würden diefe Verhältniffe, fo acut fie auch auftreten mochten, doch nicht genügt haben, um die Kohlenfrage in England bis in ihre tieffte Tiefe aufzuwühlen, wären nicht zwei weitere Ereigniffe hinzugetreten, denen man, wie vorauszufehen ift, einen dauernden Einflufs wird zuerkennen müffen, nämlich die Arbeiterftrikes und die Beforgnifs vor einer näher rückenden Erfchöpfung der englifchen Kohlenlager. - Auch bei Steigerung der Arbeitslöhne ging der erfte Anftofs von der Eifeninduftrie aus. Als die Arbeiter in den Eifenwerken die glänzende Conjunctur in diefem Gefchäftszweige wahrnahmen, fo glaubten fie ihre Zeit gekommen und verabredeten Arbeitseinstellungen zur Erzielung höherer Löhne und kürzerer Arbeitsdauer. Das Beiſpiel der Eifenarbeiter fand von Seiten der Kohlenarbeiter rafch Nachahmung. Noch vor wenig Jahren waren die Löhne mäfsig gewefen. In Durham und Northumberland erhielt im Jahre 1867 bei zehnftündiger Arbeitszeit ein Häuer durchſchnittlich 6 s.( 3 fl. 2 kr.) per Tag, wobei allerdings Haus, Schule und Kohle meiftens vom Gewerken beftritten wurden; gewöhnliche Grubenarbeiter ftanden fich bei zwölfftündiger Arbeitszeit auf 4 s.( 2 fl. 27 kr.) per Tag. Aehnlich waren die Löhne in den übrigen Kohlenrevieren Englands. In dem Jahre 1872 gingen jedoch die Löhne in der Art in die Höhe, dafs die Werkleute im weftlichen Yorkſhire bei nur vier Arbeitstagen 2 Pfund Sterling ( 20 fl. 16 kr.) per Woche, und in Wigan bei Manchefter fogar 2 Pfund Sterling IO S.( 25 fl. 20 kr.) per Woche erhielten. Im Norden wurden für fiebenftündige Grubenarbeit bei 245 Arbeitstagen im Jahre gleichfalls per Woche 2 Guineen( 24 fl.) gezahlt, was einer Löhnung von 70 Kreuzern Silber per Stunde entſprechen würde! Und dabei find Wohnung, Kohle und Unterricht frei. Man nimmt an, dafs im Allge meinen in England in den letzten beiden Jahren durch Erhöhung der Löhne ein Betrag von 1's. 6 d.( 75-6 kr. öfterr. Währ. Silber) zu den Geftehungskoften von I englifchen Tonne Kohle hinzugetreten ift. Vergleicht man nun diefe Löhne am Schluffe des Jahres 1872 mit denen von 1867, fo ift der Unterfchied beträchtlich genug. Man kann die Lohnfteigerung Mineralifche Kohle. 17 auf 70 bis 120 Percent anfchlagen, und doch liegt ihr nachtheiliger Einfluss immer noch weniger in der Erhöhung an fich, als in der zunehmenden Entfremdung zwifchen Arbeitgeber und Arbeitnehmer und der daraus entſpringenden Unficherheit der Verhältniffe. Der Verkehr mit den Arbeitern ift ungemein fchwierig geworden. Ihre rafch zur Hand genommene Waffe ift die Einstellung der Arbeit; was aber eine folche Mafsregel in England bedeuten will, darüber gibt der grofse Strike von 1872 in Süd- Wales genügende Auffchlüffe. Zwifchen den Eifenwerks- und Kohlenwerks- Befitzern von Glamorganfhire und Monmouthfhire in Süd- Wales und ihren Arbeitern brach nämlich gegen Ende 1872 ein Zwift aus, indem die erfteren die Zeit für günftig hielten, um die Löhne um 10 Percent zu vermindern, nachdem fie vorher fucceffive zu Erhöhung derfelben um 40 Percent gezwungen worden waren. Die Arbeiter fafsten die Abficht der Gewerken als eine Kriegserklärung auf und ftellten am 1. December die Arbeit ein. Von 65.000 Arbeitern des Bezirkes feierten circa 60.000, und es kamen dadurch 118 Kohlenwerke, 129 Hochöfen, 1516 Puddelöfen und 78 Walzenftrafsen zum Stillftande. Der Strike dauerte eilf volle Wochen. Da die feiernden Etabliffements fonft per Woche ungefähr 107.000 Tonnen Kohle, 11.000 Tonnen raffinirtes Eifen und 1800 Tonnen Stahl producirten, fo läfst fich der durch Stillstand der Werke entstandene Verluft auf 162.500 Pfund Sterling( 1,638.000 fl.) per Woche anfchlagen. Diefs ift, wohl bemerkt, nur der directe Ausfall, der aber eine Reihe anderer Verlufte der Transportunternehmungen, Spediteure etc. im Gefolge hatte. Der Gefammtverluft für die eilf Wochen, welche der Strike dauerte, mufs daher auf gewifs 2,000.000 Pfund Sterling( 20,160.000 fl.) gefchätzt werden! Der in obiger Summe bereits inbegriffene Ausfall an Arbeitslöhnen betrug etwa 800.000 Pfund Sterling( 8,064.008 fl.) Als dürftigen Erfatz für diefen Entgang hatte die Arbeitervereinigung„ Union" den Feiernden eine Unterſtützung von 40.000 Pfund Sterling( 403.200 fl.) zugewendet und etwa 5000 Pfund Sterling ( 50.400 fl.) wurden im Wege der Subfcription zu deren Gunften aufgebracht. Solche Verlufte bringt die Arbeitseinstellung einer im Verhältnifs zur gefammten Arbeiterzahl recht kleinen Gruppe dem Nationalwohlftande! Und fchliesslich haben die Arbeiter ihren Zweck nicht erreicht. Sie mufsten in eine Herabfetzung der Löhne um 10 Percent willigen. Nicht minder gefährlich ift aber die ganze Tendenz der Arbeiter. Ihre Leiftung ift geringer geworden, und wo fie nur können, entzogen fie fich völlig der Arbeit. Geftützt auf ihre hohen Einkünfte, wollten fie an vielen Orten nur vier oder gar nur drei Tage der Woche wirklich arbeiten. Sie weigern fich der Accordarbeit und gehen direct auf fchwache Leiftung, fchwache Förderung und Einfchränkung der Production los. Was heifst diefs aber anders, als hohe Kohlenpreife? - Zu diefen Schwierigkeiten mit den Arbeitern kam nun noch die bereits feit längerer Zeit in Fachkreifen gehegte, aber erft in den letzten Jahren auch in das grofse Publicum gedrungene Beforgnifs vor einer allmäligen Erfchöpfung der englifchen Kohlenlager, eine Beforgnifs, die wie ein düfteres Gefpenft umhergeht und in ihrer fchwer zu umgrenzenden Geftalt und Bedeutung die Producenten wie Confumenten beunruhigt. Wir kommen auf diefe Frage zurück und werden zu prüfen verfuchen, wie viel Berechtigtes an jenen Beforgniffen fein mag. Aber fchon, dafs fie aufgeworfen wurde, das mufste auf den Kohlenmarkt zurückwirken, und die natürliche Folge aller diefer Verhältniffe war das Steigen der Preife von Kohle und Coken. In welchem Mafse diefs Steigen erfolgte, darüber ftellen wir einige Daten zufammen. Im Norden von England waren die Preife per englifche Tonne an die Grofsconfumenten zur Fabrik geftellt( an der Grube waren die Preife um circa 2 s.[ 1 fl.] niedriger) die folgenden: 18 J. Pechar, Dr. A. Peez. Im Jahre Per englifche Tonne 1860 1871 Januar 1872 Juli 1872 December 1872 S. fl. S. fl. S. fl. S. fl. S. fl. Mafchinenkohle 6 3 Coke. 8 4 9 41 18 9 20 101/2 ΙΟ 5 14 7 16 8 33 161/2 4° 21/2 In Süd- Wales ging Mafchinenkohle von 12 s. 6 d. im Januar 1872 bis auf 35 s. im September; im November fank zwar der Preis auf 19 s., ging aber im December 1872 wieder auf 21 s. und ftand Ende November 1873 auf 221 bis 25 s. per Tonne englifch. Coke kofteten im Januar 1872 14 S., im September 45 s., im November 30 s. und im December 1872 33 s. Alfo eine Preisfteigerung von 1871 bis Ende 1872 bei Kohle um 68 Percent, bei Coken um 136 Percent. Für Süd- Yorkſhire gibt eine Vergleichung der Preife vom Januar 1872 mit Januar 1873 folgendes Ergebniſs: Befte Kohle II. Qualität III. " Kleinkohle im Januar 1872 13 S. 4 d., Januar 1873 24 s. 2 d. II 8 99 27 " 99 99 " " 23 4 " 9 " 8 " " 4 29 20 IO " 29 29 29 " 2 6 II 29 " 97 99 " 79 " " Die geringen Qualitäten und namentlich Kleinkohlen find alfo in ftärkerem Mafse in die Höhe gegangen, als Stückkohle, was auf eine ökonomifchere Verwendung der Kohle deutet. Befte Kohle ift in Yorkſhire um 81 Percent, Kleinkohle aber um 406 Percent geftiegen. Um fchliefslich eine gröfsere Reihe von Jahren zufammenzufaffen, geben wir in Folgendem die Preife der beften Kohle auf dem Londoner Markte in verfchiedenen Jahren feit 1805( alles per Tonne englifch und bei Ablieferung an Bord oder Lager, wobei zu bemerken ift, dafs bis zum Verbrauchsplatze in der Stadt circa 5 bis 7 s.( 212 bis 32 fl.) für Steuer, Ueberladen und Zufuhr hinzukommen.) im Jahre S. d. 1805. 44 1810. 51 1820. $ 42 1862 9 II 1830. $ 36 4 1840 23 7. incl. Ausfuhrzoll* 4. 46 19 1850 17 I 29 1860. 20 I " 1865. 20 1866 17 1867. 18 1868. 1869. 1870. 17 17 577 15 II 293165 99 27 27 99 NDERER0088888 fl. kr. = 22 55 26 04 21 63 18 31 II 79 61 ΙΟ 12 IO 17 94 9 20 82 78 * Bis zum Jahre 1825 war der englifche Ausfuhrzoll von Steinkohlen, die zur See verfchifft wurden, 7 s. 2 d.( 3 fl. 61 kr.) per Tonne; von 1825 bis 1831 4 s.( 2 fl.) per Tonne; von 1831 bis 1842 nur 5 Percent vom Werthe. Im Jahre 1842 wieder 4 s. per Tonne in fremden und 2 S. in britifchen Schiffen. Im Jahre 1845 wurde diefer Zoll abgefchafft( unter Vorausfetzung der Gegenfeitigkeit). im Jahre Mineralifche Kohle. 1871. 1872. 1873. im Februar وو S. d. fl. kr. 19 3 " 9 70 24 II 12 99 56 32 45 6 16 38 99 22 68 99 19 Als die unmittelbaren Folgen diefer gewaltigen Steigerung der Kohlenpreife find zunächft die hohen, von den Eigenthümern der Kohlenwerke erzielten Gewinne zu verzeichnen. Da die Preisfteigerung der Kohle in viel gröfserem Verhältniffe erfolgte, als die Zunahme der Löhne und der Förderkoften, fo war die Conjunctur fowohl für die Eigenthümer des Grund und Bodens, wie auch für die den Bergbau betreibenden Pächter, eine ungemein günftige. Erftere erhöhten den Grundzins namhaft, während letzteren noch weit gröfsere Vortheile zufielen. Nach Mittheilungen der„ Times" vertheilte eine kleine Kohlen- Actiengefellſchaft, die im Jahre 1871 nur 28.000 Pfund Sterling( 282.240 fl.) Dividende gezahlt hatte, in 1872 nicht weniger als 220.000 Pfund Sterling ( 2,217.600 fl.) und einzelne Privatfirmen follen im Jahre 1872 200.000 bis 600.000 Pfund Sterling( 2,016.000 bis 6,048.000 fl.) reinen Nutzen aus ihren Kohlenwerken gezogen haben. Aber rafcher noch und fchärfer ausgefprochen trat die Kehrfeite diefer Verhältniffe hervor und äufserte fich in nachtheiligfter Weife bei jeder Art von Induftrie und zwar ganz befonders fchnell bei dem Transportgewerbe zur See wie zu Lande. Die Seefrachten, welche in den letzten Jahren in rafch fteigender Proportion den Dampfern zugefallen waren, gingen in Folge der Theuerung des Brennmateriales in die Höhe, und, da man in England fchnell rechnet und rafch ausführt, fo begannen die Rheder bereits wieder den Segelfchiffen eine gröfsere Aufmerkfamkeit zu fchenken. In Folge der höheren Frachten und der Theuerung des Artikels felbft hat im Jahre 1873 die Ausfuhr englifcher Kohle, befonders nach entfernten Punkten, abgenommen. Nach Aden, Calcutta, Japan ift die Kohlenzufuhr aus England kleiner geworden, und in Auftralien und den indifchen Infeln trat die Mitbewerbung der auftralifchen Kohle merklich hervor. Befonders empfindlich wird jedoch der theuere Brennftoff den englifchen Eifenbahnen. Es find über diefen Punkt in den Berichten der letzteren im Jahre 1872 merkwürdige Thatfachen veröffentlicht worden. Die Eifenbahn Great Northern z. B. verbraucht wöchentlich 5.000 Tonnen Kohlen, und zahlte fonft 7 s. 6 d.( 3 fl. 78 kr.) per Tonne. Zufolge der Preisfteigerung der Kohle befchaffte fie fich im Jahre 1872 ihr Brennmaterial für 18 s.( 9 fl. 7 kr.) per Tonne, alfo um 10 s. 6 d. per Tonne höher, was per Woche einer Mehrausgabe von 2650 Pfund Sterling entspricht. Diefs macht per 1/2 Jahr 70.000 Pfund Sterling( 705.600 fl.) und ift fo viel als 1% Percent Dividende vom Capitale der Bahn. Für die Gruppe der wichtigeren englifchen Bahnen beziffert fich im erften Halbjahre 1873 die Mehrausgabe für Locomotivheizung auf 507.000 Pfund Sterling( 5,110.560 fl.), indem diefelbe von 593.000 Pfund Sterling im erften Halbjahre 1872 auf 1 Million Pfund Sterling im erften Halbjahre 1873 geftiegen ift. Folglich eine Steigerung um 85% Percent. Da die durchlaufene Meilenzahl nur um etwa 3 Percent zunahm, fo ift kein Zweifel, dafs die Koften für Brennftoff fich für die Bahngefellfchaften um mehr als 80 Percent erhöhten. Dafs die Entwicklung des Verkehres in keiner Weife diefen Ausfall zu erfetzen vermöchte, ift felbftverſtändlich. Eine Gegenüberftellung der Verkehrszunahme und der Betriebsauslagen, wovon circa 1 auf Brennftoff fällt, gibt darüber intereffante Auffchlüffe. Es betrugen in den Halbjahren 1870 bis 1873: 20 J. Pechar, Dr. A. Peez. die Verkehrszunahme die Zunahme der Betrag Betriebsausgaben in Pfd. Sterl. fl. in Percenten Percenten im Jahre 1870 2. Halbjahr " " 1871 I. " " 22 1871 2. " 736.000 912.000 1,139.000. 7,418.880 5'3 4'7 9,192.960 6.8 5'9 11,481.120 9'2 7'7 "" " 3 1872 I. دو 1,170.000 11,793.600 8.3 II 4 23 33 " " 1872 1873 2. 22 1,256.000 I. " 1,456.000 12,660.480 14,676.450 7'5 14 I 9.1 19.1 Aus einer Vergleichung diefer Ziffern folgt, dafs die Betriebsauslagen in viel rafcheren Verhältniffen wuchfen, als der Verkehr; fie haben feit 1871 um 20 bis 30 Percent zugenommen und überfteigen jetzt fchon wefentlich die üblichen 50 Percent vom Brutto ertrage. Wie follen fich nun die Bahnen fchadlos halten? Eine Erhöhung der Tarife böte das einzige fichere Mittel, aber begreiflich entfchliefsen fich die Bahnen dazu fehr fchwer, und dem Handel würden dadurch grofse Opfer auferlegt. Die nächfte Folge diefer Verhältniffe war, dafs keine neuen Eifenbahnen mehr gebaut wurden, wodurch allerdings die Concurrenz unter den Verkehrsftrafsen fich verminderte, und bei wachfendem Verkehre und gleichzeitigem Stillftande oder Rückgange der Kohlenpreife im Jahre 1874 wieder eine Ausgleichung erfolgt ift. In ähnlicher Weife, wenn auch wohl nicht ganz fo rafch und unmittelbar wie das Transportgewerbe, empfanden auch die anderen Induftriezweige die Kohlentheuerung. Um nur ein einziges Beiſpiel anzuführen, fo befchaffte fich ein Etabliffement in Cornwales die Kohle in früherer Zeit zu 15 s. per Tonne. Der Jahresverbrauch war 200.000 Tonnen. Im Jahre 1872 ftiegen die Preife auf 25 s. per Tonne. Es entſtand daher für jenes Etabliffement eine Mehrauslage im Brennftoffe von 100.000 Pfund Sterling oder rund 1 Million Gulden Welche einfchneidende Wirkung folche Verhältniffe auf die Rentabilität von Induftrie Unternehmungen haben müffen, liegt auf der Hand. Bis zu Ende des Jahres 1872 hatten nun die meiften Grofsinduftriellen, die nicht felbft Kohlenwerke befitzen, noch Lieferungsverträge mit mäfsigen Preifen, wie aber, wenn diefe abgelaufen find? - - Entweder müffen dann die Producenten die Preife ihres Eifens, ihres Stahles, ihrer Chemicalien oder Sprite entſprechend erhöhen oder fie arbeiten mit verkürztem Gewinne, wodurch zum mindeften der bisherige Auffchwung der Induftrie eine Hemmung erfahren wird. Wenn Erz 7 s.( 3 fl. 53 kr.) und Coke 38 s. ( 19 fl. 15 kr.) koften fo fagt ein fehr einfichtsvolles Circular des Herrn Müller in Middlesborough kommt unfer Roheifen auf 85 s.( 42 fl. 84 kr.) zu ftehen. Wird dann der Verbrauch des Eifens keine Einfchränkung erfahren? Werden unfere Concurrenten auf dem Weltmarkte nicht etwa billiger arbeiten? Wird unfere Eifeninduſtrie ihre bisherige Ueberlegenheit behaupten?" Das find ernfte Fragen, die nicht blos von den Eifenwerken, fondern von vielen Induftriezweigen Englands geftellt wurden. Das zu Ende 1873 und befonders in den erften Monaten von 1874 eingetretene rafche Sinken der Kohlenpreife hat zwar diefe Beforgniffe theilweife wieder verfcheucht, aber gleichwohl liegen Anhaltspunkte vor, welche vermuthen laffen, dafs bei der erften fich darbietenden Gelegenheit die Kohlenpreife wieder eine fteigende Richtung einfchlagen werden. Der einfchneidendfte Punkt ift aber jedenfalls die befürchtete Erfchöpfung der Kohlenlager. Zuerft bezüglich des Reviers von Newcaftle ausgefprochen, wurde diefe Beforgnifs von W. Armſtrong im Jahre 1863 aufgegriffen und in neue Mineralifche Kohle. 21 fter Zeit von Jevons näher ausgeführt.„ Wir zehren von einem Capitale, fagt der Letztere, welches fich nicht reproducirt, fondern, einmal in Licht, Wärme und Kraft verwandelt, auf immer im Raume verfchwindet." Seit dem Jahre 1866 befchäftigt fich ein Ausfchufs des Parlamentes mit diefer Frage und hat verfchiedene Berichte darüber in die Oeffentlichkeit gelangen laffen. Greenwell, der als Infpector über die Bergwerke von Durham und Northumberland volle Fachkenntnifs befitzen mochte, äufserte fich fchon im Jahre 1846 über das bisher am beften erforfchte und am genaueften unterfuchte Kohlenrevier Englands, nämlich über dasjenige feines Bezirkes Newcaftle, dafs es bei Hinausgreifen des Bergbaues auf 2 englifche Meilen( 3218 Meter) unter See und unter gewiffen anderen günftigen Vorausfetzungen auf 331 Jahre ausreichen werde. Damals betrug die Förderung des Reviers nur 9.8 Millionen metrifche Tonnen. Im Jahre 1854, als neue Auffchlüffe erfolgt waren und auch Kleinkohle zu einiger Verwendung kam, ftellte der Ingenieur Hall eine Dauer von 365 Jahren in Ausficht bei einer Förderung von 13.8 Millionen metrifcher Tonnen und von 256 Jahren bei einer Förderung von 19.6 Millionen metrifcher Tonnen. Heutzutage, wo die Förderung bereits auf das Doppelte, das ift 27.6 Millionen metriſche Tonnen, geftiegen ift, müfste demnach der Zeitpunkt der Erfchöpfung bedeutend näher herangerückt fein. Nicht fehr verfchieden von diefem Refultate, welches für das wichtige Kohlenrevier von Newcaftle gefunden wurde, ift auch das Ergebnifs der Unterfuchungen, die der Ingenieur Eduard Hull im Jahre 1859 für die gefammten englifchen Kohlenreviere anftellte. Derfelbe berechnet die Ausdehnung der Becken, die durchfchnittliche Mächtigkeit, zieht die abgebaute Kohle und den künftigen Abbauverluft ab, und glaubt dann den Vorrath im Königreiche, foweit derfelbe innerhalb einer Teufe von 4000 Fufs( 1264 Meter) liegt, mit 80.000 Millionen Tonnen beziffern zu können. Die jährliche Förderung beträgt gegenwärtig rund 125 Millionen Tonnen, wozu aber ficher noch 30 Millionen für Pfeiler, fchlechte Stellen, Abfall etc. hinzuzurechnen find. Würde nun die englifche Kohlenproduction, wie in den letzten Jahrzehnten allerdings gefchehen ift, fich immer in zwanzig Jahren verdoppeln, fo wären die englifchen Kohlenlager in wenig mehr als hundert Jahren erfchöpft. Auf Grund ähnlicher Berechnungen nahm Jevons das Jahr 1965, Armftrong aber das Jahr 2072 als Endpunkt der englifchen Kohlenförderung in Ausficht, während der fchon erwähnte Ausfchufs des Parlamentes die Dauer derfelben bis zum Jahre 3100 erftreckte. Schon die Verfchiedenheit der Ergebniffe, zu welchen diefe Unterfuchungen gelangen, beweift genügend, dafs fie auf fchwankenden Grundlagen beruhen. In der That ift es noch eine offene Frage, bis zu welcher Tiefe die vorhandenen Kohlenlager abgebaut werden können, und ob nicht neue Felder zur Entdeckung und Auffchliefsung gelangen. Allerdings bewegt fich fchon ein beträchtlicher Theil des englifchen Kohlenbergbaues in grofser Tiefe; im Norden und in Lancaſhire geht er bis zu 2.000 Fufs( 632 Meter) hinab, und man nimmt mit Recht an, dafs bei folchen Verhältniffen nicht nur die Förderung und Ventilation fchwieriger, fondern auch die Arbeit vermöge der mit je 60 bis 70 Schuh( 18 bis 22 Meter) um I Grad Fahrenheit zunehmenden Wärme in den Gruben für die Arbeiter erfchöpfender werde. Was die Entdeckung neuer Lager betrifft, fo richtete fich die Aufmerkfamkeit der englifchen Geologen und Bergingenieure befonders lebhaft der Frage zu, ob nicht die um die Graffchaft Derby rings zu Tage tretenden mächtigen Kohlenlager in der Mitte zufammenhängen, in welchem Falle hier ein fehr bedeutendes neues Brennftoff- Magazin fich öffnen würde. Im fogenannten Midland- Kohlenfelde zwifchen Nottingham und Leeds wurden neue Auffchlüffe gemacht, und es waren dort zu Ende des Jahres 1873 etwa 30 grofse Schächte in der Errichtung begriffen. Auch in Süd- Staffordſhire, Derby und Durham wurde rüftig abgeteuft, fo zwar, dafs in etwa zwei bis drei Jahren die Förderung wefentlich zunehmen wird. Aber diefe Thatfachen verlieren bei näherer 22 J. Pechar, Dr. A. Peez. Betrachtung viel von dem Beruhigenden, das fie für den erften Anblick zu enthalten fcheinen. Man ift in England bereits auf dem Punkte, um in vermehrter Förderung zugleich einen weiteren Schritt zur Erfchöpfung der Kohlenvorräthe zu erblicken. Vermehrte Production follte die Preife drücken, die Beforgnifs einer rafcheren Erfchöpfung aber hält fie hoch! Dazu kommt noch ein zweiter Punkt. Die im Jahre 1873 neu angelegten Schächte erfordern eine Belegfchaft von circa 20.000 neuen Arbeitern. Woher diefe nehmen? Und unter welchen Bedingungen find fie zu bekommen? Bei diefer verwickelten Sachlage ift es noch nicht abzufehen, ob wirklich das Publicum einen Vortheil von jenen neuen Kohlenauffchlüffen haben, oder ob nicht der ganze Vortheil den Gewerken oder den Arbeitern anheimfallen wird. Ueberdiefs fchreitet die Erfchöpfung der alten Lager, aller Wahrfcheinlichkeit nach, rafcher voran, als die Erfchliefsung neuer. Es läfst fich nicht leugnen, dafs einige ältere Kohlenflöze bereits ftark im Abnehmen begriffen find. In Shropſhire find die weftlichen Baue fchon öde und von den Arbeitern verlaffen. In Staffordſhire ift das berühmte Dudley- Flöz, auch Zehn- Ellenflöz genannt, der Entkohlung nahe. Den Kohlenfeldern von Flintshire gab man fchon im Jahre 1865 nur mehr einen Vorrath von 20 Millionen Tonnen, und auch im Norden find grofse Strecken fchon völlig ausgekohlt. Diefs trifft natürlich gerade die qualitätsmäfsig beften und dabei feichteren und leichter abzubauenden Flöze. Die übrig bleibenden erfordern alfo jedenfalls gröfseren Capitalaufwand und vermehrte Arbeit mit einem Worte: die Förderung wird fchwieriger und das geförderte Product theuerer. - Auf dasfelbe Ergebnifs läuft die Arbeiterfrage hinaus. Die Arbeit in den englifchen Kohlengruben ift fchwierig und gefährlich, weit fchwieriger und gefährlicher als in den meiften deutfchen und öfterreichifchen Kohlenwerken. Nach officiellen Berichten fällt in England, je nach der Oertlichkeit und Leitung auf 60.000 bis 180.000 Tonnen Förderung Ein Menfchenleben zum Opfer. Die Zahl der tödtlichen Unfälle bei dem gefammten englifchen Kohlen- Bergbaue wird auf 900 bis 1100 jährlich berechnet, erreichte aber in unglücklichen Jahren die Ziffer von 1400! Das ift der Menfchenverluft einer kleinen Schlacht und die Ueberlebenden geniefsen, nach ihrer Anficht, für die ftete Gefahr nicht die genügende Entfchädigung. Die oft geringe Mächtigkeit der Flöze, die nicht felten eine Bearbeitung in liegender Stellung erheifcht, bringt für den Arbeiter Befchwerden mit fich, die durch die hohe Temperatur noch vermehrt werden. Die durchgängig beftehende grofse Tiefe der Gruben verlängert die Momente, in welchen der Bergmann zwifchen Himmel und Erde fchwebt, und legt dem Kohlenbefitzer die Verfuchung nahe, mit möglichst wenig Schachtanlagen, die fo koftbar find, auszukommen. Durch die Tiefe der Gruben und die Seltenheit der Schächte ift die Ventilation fchwierig und fchlagende Wetter werden fehr gefährlich. Bis in die neuere Zeit fehlte es dem englifchen Kohlen- Bergbaue an der wiffenfchaftlichen Leitung, welche den deutfchen und öfterreichifchen Bergbau im Allgemeinen auszeichnet, ohne jedoch auch in den genannten Ländern wir erinnern an Lugau- die erfchütterndften Cataftrophen ganz vermeiden zu können. In vielen englifchen Kohlenrevieren find über die älteren Baue nicht einmal Grubenkarten vorhanden, fo dafs neue Anlagen dadurch nicht nur in ihrer rationellen Dispofition gehindert find, fondern auch oft ganz plötzlich auf verlaffene Strecken mit böfen Wettern und angefammelten Wäffern ftofsen, wodurch in manchen Revieren die Gefahren des Bergbaues wefentlich vermehrt werden. Die Gewinnfucht der Eigenthümer und Ingenieure fpart zuweilen an den erforderlichen Stützanlagen, wefshalb Einbrüche der Decke nicht zu den Seltenheiten gehören, und der Leichtfinn der Arbeiter thut zu wenig, um folche Unfälle zu vermeiden. Wie viel gute Eigenfchaften auch den englifchen Arbeiter und Werkführer auszeichnen mögen- eine auf naturwiffenfchaftlichen Kenntniffen beruhende Einficht und Vorficht gehören nicht dazu. " Mineralifche Kohle. 23 Jetzt rächt fich fchwer die arge Vernachläffigung, in welcher Staat und Private die englifchen Bergwerks- Arbeiter gelaffen haben.„ Das Mifsverhältnifs zwifchen dem Arbeiter und Arbeitgeber wird fich nicht eher befeitigen laffen, als bis die ganze bergmännifche Bevölkerung durch die Einführung des zwangsweifen Schulunterrichts von dem halbwilden Standpunkte, auf dem fie noch heute fteht, zu einem höheren Grade von Denkfähigkeit und Urtheilskraft erhoben fein wird. Erft dann wird der englifche Bergmann im Stande fein, die Wohlthaten zu geniefsen, welche aus einem geordneten Knappfchaftswefen, aus Spar- und Confum- Vereinen, deren fich der deutfche Bergmann fchon feit Jahrhunderten erfreut. hervorgehen; erft eine höhere Bildung wird ihm die Thorheit feiner Arbeitseinftellungen mit Verwerfung jeder Art von Schiedsgericht einfehen laffen und ihm ein geachtetes und gefichertes Verhältnifs zu feinen Kameraden und Arbeitgebern ermöglichen. So lange diefs aber nicht gefchehen, ift der englifche Kohlen- Bergmann nicht viel beffer, als ein NeuSeeländer oder Hottentotte, und die Exiftenz eines fonft vielleicht blühenden Betriebes kann durch feine Unvernunft jeden Augenblick in Frage geftellt werden". Diefe kräftigen Worte, die Herr Dr. Ad. Gurlt in feiner trefflichen Schrift Die deutfche Steinkohle als überfeeifche Handelswaare" bereits im Jahre 1868 ausfprach, haben in den letzten Jahren ihre volle Beftätigung erfah ren. Uebrigens beginnen jetzt endlich die Kohlengewerken und insbefondere die englifche Regierung einzufehen, dafs fie gegen fich felbft unklug handelten, indem fie der Arbeiterbevölkerung gegenüber nicht die Pflichten übten, welche der höheren Bildung, dem Reichthume und Machtbefitze obliegen. In SüdStaffordſhire wurde im Jahre 1872 zur Errichtung eines Verforgungshaufes für verunglückte Bergleute und deren Hinterlaffene gefchritten, und im Jahre 1871 begann man in Newcaſtle mit Lehrcurfen für Bergleute. Auch die Gefetzgebung hat endlich eingegriffen. Die zu Ende des Jahres 1872 erlaffenen„ mines regulations act", welche gewiffe Vorkehrungen zum Schutze der Grubenarbeiter anbefiehlt und jungen Leuten, damit ihre Erziehung nicht Noth leide, blos per Woche eine 54ftündige Arbeit in den Gruben geftattet, führte zugleich Prüfungen für die Steiger ein. Aber der Erfolg diefer Mafsregeln reift felbftverftändlich nur langfam, ja es wurde im erften Augenblicke das erwähnte Gefetz zu einer Erhöhung der Kohlenpreife benützt: durch die auf Grund diefes Geſetzes nothwendig gewordenen Vorkehrungen in den Gruben wird angeblich den Werksbefitzern eine Mehrausgabe von 4 bis 6 d.( 16-8 bis 25'2 kr.) per Tonne zugemuthet, während bei diefer Gelegenheit die Preife ( I fl. 51 kr.) per Tonne in die Höhe fchnellten! um 3 s. Die Befchwerlichkeit und mehr noch die Gefahren der Arbeit in den eng. lifchen Kohlenwerken legen die Vermuthung nahe, dafs das Streben der Arbeiter nach Abkürzung der Arbeitszeit und Erhöhung der Löhne keine blos vorübergehende Erfcheinung fein werde. Die Verfuche der Werksbefitzer fremde und zwar belgifche und deutfche Arbeiter heranzuziehen, waren bisher vergeblich. Die Anwendung von Mafchinen bei der Strecken- und Kohlenförderung ift zwar im Zunehmen, wird jedoch vorausfichtlich, der Natur der Arbeit nach, ftets eine ziemlich begrenzte bleiben. Das Steigen der Löhne zog zwar aus anderen Berufszweigen eine Anzahl von Arbeitern( befonders Taglöhner und Matrofen) herbei, und man nimmt an, dafs fie in zwei Jahren zu guten Bergwerks- Arbeitern geworden feien; aber die Erfahrung fpricht dafür, dafs diefe neu gewonnenen Leute rafch die Anfichten und Beftrebungen ihrer älteren Collegen fich zu eigen machen. Ungeachtet ungünftigen Gefchäftsganges in der Gefammtinduftrie dauerten die Strikes bis in den Spätherbft 1873 fort, und da die Arbeiter, wie ihre Führer vor dem Ausfchuffe des Parlaments klar ausfprachen, geradezu auf Verminderung der Production losfteuern und ihre Ueberzeugung dahin formuliren, ,, dafs billige Kohle ftets von niederen Löhnen begleitet gewefen fei"- fo wird man auch in den englifchen Arbeiterverhältniffen fchwerlich ein Motiv entdecken 24 J. Pechar, Dr. A. Peez. können, welches dafür fpräche, dafs die Kohlenpreife dauernd wieder auf ihr früheres Richtmafs zurückgehen. Um der Kohlentheuerung entgegenzutreten, griff das auf feine Kohlenfchätze fo ftolze England zu allerlei Surrogaten. Selbft der fonft verachtete Torf wird nicht mehr verfchmäht. Neue Actienunternehmungen haben fich auf diefs Gebiet geworfen. Die Peat Coal& Charcoal- Company errichtete im Jahre 1873 längs der Great Eaftern- Bahn Werkstätten für Torfgewinnung zur Verforgung von Sheffield, Birmingham und Wolverhampton mit diefen für Hausbrand fehr wohl geeigneten Brennft off. Nach London hofft man ihn mit 12 s. per Tonne zu ſtellen. Weit wirkfamer wird es fein, wenn endlich der früher ganz allgemeinen Kohlenvergeudung Einhalt gethan wird. Von der Grube beginnend, wo zuweilen bis zu 60 Percent des Kohlenvorrathes verloren ging, bis zu der Fabrik und dem„ gemüthlichen", aber unpraktifchen offenen Kamine wird in England enorm viel Kohle ver fchwendet. Die hohen Kohlenpreife beginnen bereits dem Einhalt zu thun. Während es früher lohnte, mit den einfachften und billigften Maſchinen zu arbeiten und am Anlagecapital zu sparen, ift feit 1872 eine grofse Nachfrage nach befferen und ökonomisch zehrenden Mafchinen entftanden. Der Verkauf von Dampfmafchinen nach Woolf's Syftem war fehr bedeutend. Vorträge werden gehalten, Schriften verbreitet und Prämien ausgefchrieben, um auf Erfparniffe im Brennftoffe hinzuarbeiten. In Manchefter fand im Laufe des Jahres 1873 eine Ausftellung ftatt, welche nur die Oekonomie der Feuerungseinrichtungen zum Zwecke hatte. de " Das Einfichtsvollfte hat der berühmte Siemens über diefe Frage gefprochen. Zur Verbefferung der englifchen Herde und Kamine, die nur durch directe Ausftrömung erwärmen und wegen der beftändig zufliefsenden kalten Luft nur eine unvollkommene Verbrennung der Heizmittel geftatten, befürwortet Siemens die von Capitän Galton erfundenen Ventilating Fireplaces", welche, in der Form von den jetzigen Einrichtungen wenig verfchieden, durch den einfliefsenden warmen Luftftrom die völlige Verbrennung des nun nutzlos in den Kamin auffteigenden fchwarzen Rauches und damit gefteigerte Wärme und verminderten Kohlenverbrauch bewirken. Die Verfchwendung in Dampfmaschinen und Schmelzöfen kann durch Anwendung anderer Cylinder und die allmälige Nutzbarmachung der in denfelben erzeugten Hitze bekämpft werden. Endlich liegt das Wort der Löfung grofsentheils in dem Erfatze des rohen Brennftoffes durch das edlere Gas. Die Verwendung von Gas zum Schmelzen der Erze rückt näher am Gefichtskreife heran, Dank der ausgezeichneten Thätigkeit des oben genannten Erfinders. Die vielfeitige Einführung der Gasöfen bezeichnet bereits einen wefentlichen Fortfchritt. Bereits erfcheint auch wieder eine ältere Idee unferes Wiffens von C. Weinrich, einem der Begründer der öfterreichischen Zuckerinduftrie, im Jahre 1859 zum erften Male ausgefprochen auf der Tagesordnung, wonach der Sitz der Gasinduftrie in die Kohlenreviere felbft verlegt, das Gas unter der Erde, das ift, ohne dafs eine Förderung der Kohle nöthig wäre, bereitet und von dort aus mit Benützung der Eifenbahn- Dämme in Röhren nach den Confumtionsplätzen geführt werden foll. - Ueber diefe Ziele hinaus fafste man in England bereits die Heranziehung anderer Bewegungskräfte ins Auge. Man erinnert fich wieder an Ericfon's geniale Verfuche mit erhitzter Luft, und Elektricität, diefer geheimnifsvolle Proteus, erfcheint wieder auf der Bühne. Erfinderifche Köpfe regen fich; eine hohe Prämie ift ihnen durch die Kohlentheuerung ausgeworfen und der englifche Patriotismus wird ihnen im Falle des Gelingens feine fchönften Lorbeeren weihen. Aber ob es überhaupt möglich fein wird, eine gleich billige Bewegungskraft wie die mit Kohle genährte Dampfmafchine zu fchaffen? Die Gegenwart bezweifelt es. Vielleicht wird die Zukunft uns eines Befferen belehren. Inzwifchen find gegen Ende des Jahres 1873 und in den erften Monaten des Jahres 1874 allerdings fehr bedeutende Aenderungen auf dem Kohlenmarkte eingetreten. Die befte Kohle ftand im Januar 1873 an den Gruben auf 18 s. Mineralifche Kohle. 25 per Tonne, ging dann im Februar, wo fie den höchften Preis erreichte auf 21 bis 23 s. hinauf und fchlofs im December 1873 wiederum mit 18 s. Coke eröffnete im Januar 1873 mit 39 s. per Tonne, ging im März, April und Mai auf 45 s., fiel im Juni auf 40 und wurde bei Jahresfchlufs z. B. an den Hochöfen von Cleveland mit 30 bis 302 s. bezahlt. Auf dem Londoner Kohlenmarkte kofteten die als befte Hauskohle bekannten Wallfend- Kohlen im December 1872 35 s. per Tonne( alles im Grofsverkauf an Bord des Schiffes, während für den Kleinverkauf bis zum Verbrauche in der Stadt noch 7 s. hinzuzufchlagen find). Im Januar 1873 ftieg der Preis um 2 bis 3 s., ftand Anfangs Februar auf 40 s. und erreichte am 12. Februar 52 s., das ift 14 s. mehr, als am 12. Januar, und um 24 s. mehr, als im Februar 1872. Im März zahlte man 40 s. und zu Ende Juni 37 s. Im Spätherbft erfolgte ein neues Steigen bis zu 49 s., dem zu Ende des Jahres ein Herabgehen auf 38 s. folgte. Erft im Jahre 1874 trat ein fehr beträchtlicher Preisabfchlag ein. Ende Januar koftete befte Wallfend- Kohle in London nur mehr 24½ s., Ende Februar 24 s., im halben April 1874 wieder 262 s. Gegenüber dem gewöhnlichen Londoner Preife von 18 bis 20 s. war demnach im Frühjahr 1874 die Kohle immer noch als theuer zu bezeichnen. Die zukünftige Entwicklung der Preife ift befonders vom Gang der Induſtrie und namentlich der Eifeninduftrie abhängig. Erhebliche Herabfetzungen der Löhne waren bis Anfang 1874 in England noch nicht eingetreten und eine Zurückführung der Löhne auf den Stand von 1871 würde wohl nicht ohne bedeutenden Widerftand der Arbeiter durchzuführen fein. Erfahrungsmässig find aber Strikes dann am bösartigften, wenn es fich nicht um eine dem Arbeitgeber abgeforderte Lohnerhöhung, fondern um eine dem Arbeiter abverlangte Lohnverminderung handelt. Bevor aber nicht die Productionskoften der Kohle, deren wichtigſten Theil eben die Löhne bilden, in ein regelmässiges Geleife gelangt find, wird auch von einer definitiven Regelung der Kohlenpreife in England nicht die Rede fein können. Eine längere Periode voller Preisfchwankungen ift daher wahrscheinlich bevorstehend. Wenn demnach die englifchen Blätter darüber triumphiren, daſs die concurrirenden Kohlenländer die enorme Vertheuerung der englifchen Kohle in den Jahren 1872 und 1873 im Ganzen fo wenig energifch zur Befitznahme der neutralen Kohlenmärkte benutzten und wenn fie in diefer Thatfache einen Beweis für die aufserordentliche Ueberlegenheit der englifchen Kohleninduftrie erblicken, fo haben fie wohl Recht. Allein ebenfo unzweifelhaft erfcheint es uns, dafs die nächften Jahre, mit ihren auf dem englifchen Markte zu erwartenden Preisfluctuationen, die bei halbwegs günftigen Verhältniffen eine fteigende Richtung verfolgen werden, dem aufserenglifchen Kohlenproducenten viel Ausficht auf fortfchreitende, Entwicklung und zunehmende Emancipation vom englifchen Uebergewicht bringen werden. Die Preife der englifchen Kohle mögen fchwanken, mögen zeitweife wefentlich heruntergehen, aber fo billig wie fie waren, werden fie nie mehr. Englands Kohlenhandel. Neben den riefigen Mengen, welche die englifche Kohlenproduction dem inländifchen Verbrauche übergibt, realifirt fie auch noch eine fehr bedeutende Kohlenausfuhr. Wo ein Segel flattert und ein Dampfer feine Furchen in die blanke See zieht, da ift auch die englifche Kohle nicht ferne. Sie geht nach mehr als 800 Häfen, folglich fo ziemlich überall hin. Sie iſt der an allen Küften anklopfende und durch alle Flufsmündungen aufwärts dringende Pionnier des englifchen Handels, und indem fie bisher jede Concurrenz überwand, ftellte fie den klarften Beweis her für die Billigkeit des englifchen Brennftoffes und folglich 26 J. Pechar, Dr. A. Peez. auch für die Ueberlegenheit der englifchen Induftrie, deren producirte Werthe ja zum grofsen Theile aus umgefetzter Kohle beftehen. Wer einen Blick geworfen hat auf die zur Wiener Weltausftellung gebrachten Karten der Circulation der Kohle in Preufsen, Belgien und Frankreich, der erftaunte über die von England ausgehenden mächtigen Kohlenftröme, welche die Nordfee und den Canal breit durchfluthen, die Oftfee völlig als ihre Domäne betrachten, andererfeits die franzöfifchen und fpanifchen Küften beftreichen, in grofser Menge durch die Meerenge von Gibraltar in das Mittelmeer dringend, öftlich das fchwarze Meer verforgen und im Südoften durch den Canal von Suez nach Indien und China gelangen. Kohlendepots bilden hier überall die Signaltangen der englifchen Seeherrschaft. Schon im Canal hat fich von diefem europäiſch- indifchen Strom ein zweiter Arm getrennt, welcher einerfeits auf Segelfchiffen das Cap tournirt, andererfeits nach Weftindien, Südamerika und den ftillen Ocean reicht und felbft an der Küfte der Vereinigten Staaten dem einheimifchen Brennftoff Concurrenz bietet. Der englifche Kohlenhandel erhält überdiefs eine ganz befondere Wichtigkeit durch feinen engen Zufammenhang mit den Intereffen der englifchen SeeSchifffahrt. Kohle ift an fich fchon ein Frachtobject von grofser Bedeutung. Schon im Jahre 1864 berechnete man bei einer Kohlenausfuhr von circa 9 Millionen Tonnen den Nutzen der Producenten des Rohftoffes auf 4 Millionen, der Rheder aber auf 6 Millionen Pfund Sterling, denn der Werth der Kohle fteigt rapid mit der geographifchen Entfernung von den englifchen Productionsplätzen. Diefelbe Kohle, die in normalen Zeiten in Newcaftle per englifche Tonne 9 s. galt, koftete bis Frankreich geftellt bereits 27 s., alfo das Dreifache, in Genua und Livorno bereits 36 s., alfo das Vierfache, und war in entfernten Welttheilen nicht unter 3 Pfund Sterling bis 3 Pfund Sterling 10 s., alfo für den fechs- bis fiebenfachen Preis zu haben. Wie man fieht ift Kohle, an überfeeifche Plätze geftellt, eine ganz andere Waare geworden, als wofür man fie an den Productionsplätzen in der Regel anfieht, und ein fo werthvoller Artikel verträgt offenbar eine hohe Fracht. Hiezu kommt aber noch, dafs Kohle als Ballaft eine hervorragende Rolle fpielt. Die Fracht für englifche Fabricate ftellt fich regelmäfsig um einen nicht unbedeutenden Betrag wohlfeiler nach folchen Häfen, welche viel englifche Kohlen verbrauchen. Kohlenballaft erfetzt alfo gewiffermassen die Ausfuhrprämie für den englifchen Induftriellen. Seit dem Fallenlaffen der Kornzölle und Einführung des freien Verkehres für die meiften landwirthschaftlichen Erzeugniffe importirt England grofse Maffen von Rohproducten, die es durchweg mit Fabricaten bezahlt. Da erftere meift in fchweren, letztere aber meift in leichteren Objecten beftehen, fo hat die Einfuhr nach England viel gröfsere und gewichtigere Stoffmaffen zu bewältigen, als die Ausfuhr aus England. Die in folcher Weife beftehende Differenz wird nun in günftigfter Weife durch die Steinkohle ergänzt, die als Ballaft zur Vervollſtändigung zu den Ausfuhrverladungen hinzugefügt wird. Erft durch Hinzutritt des Ballaftes, deffen inneren eigenen Werth wir bereits im früheren hervorgehoben haben, wird gewiffermafsen die Gewichtsbilanz im englifchen Seehandel hergeftellt und es erlangt dadurch die englifche Schifffahrt eine namhafte Ueberlegenheit über ihre Concurrenten, welchen vielleicht die Rohproducte, nicht aber die Fabricate und die Kohle fo leicht zur Hand find, als dem englifchen Schiffer. Diefe Ueberlegenheit wird noch vermehrt durch den Umftand, dafs bis in die jüngfte Zeit hinein die Entwicklung der See Schifffahrt vorzugsweife in der Richtung der Dampferflotte und mit Zurückdrängung der Seglerflotte erfolgte. Es befafs nämlich England: Dampfer Segelfchiffe Zahl Tonnen im Jahre 1868: 99 99 1872: 36.864 32.461 6,259.624 5.573.190 Zahl 3.477 4.343 Tonnen 977.292 1,640.639 Mineralifche Kohle. 27 Während alfo die Zahl der Segler von 1868 bis 1872 nicht unbeträchtlich abnahm, hat fich die Dampferflotte binnen vier Jahren um faft 25 Percent nach der Zahl und um faft 100 Percent nach dem Tonnengehalte vergröfsert. Die Zahl der Dampffchiffe beläuft sich bereits auf 4343 und repräfentirt demnach ein geradezu riefiges Capital. Da nun gerade hinfichtlich des Capitalreichthums fich kein anderes Volk auch nur entfernt mit dem englifchen vergleichen kann, fo ift erfichtlich, dafs die Ueberlegenheit Englands um fo gröfser werden musste, je mehr der Seehandel von den billigeren Segelfchiffen auf die theueren, aus Eifen, Stahl und koftbaren Hölzern zufammengefetzten Dampfer überging. Jede Vermehrung der Dampfer fetzt aber wieder erhöhten Export von Kohle voraus, denn die Dampfer erfordern zahlreiche Segler, welche, als Laftenknechte mit Kohlenladungen den Dampfern vorausgefandt, das Brennmaterial in die verfchiedenen Kohlenftationen vertheilen. Es ift daher nicht zu viel gefagt mit der Behauptung, dafs Kohle die Bafis auch des englifchen Seehandels bilde. Dampfer verbrauchen die Kohle direct; Segler aber bedürfen derfelben als Ballaft oder Fracht, und ftets fanden fie in Newcaftle oder Cardiff Arbeit und Lohn. Kein anderes Frachtobject exiftirt, welches fo leicht zu befchaffen, fo ficher aufzubewahren und fo allgemein verkäuflich wäre, wie Kohle. Der Kohlenhandel über See galt daher mit Recht als die Nährquelle und Schule der englifchen Schifffahrt, und es ift begreiflich, dafs auch aus diefen Gründen die Theuerung der Kohle, welche geeignet wäre, in das mächtige Geflechte der englifchen Schifffahrts- Intereffen einen Rifs zu machen, nicht nur von den Rehdern, fondern auch von den englifchen Staatsmännern mit gröfster Sorgfalt verfolgt wird. Die Ausfuhr von Kohle und Coke aus England betrug im Jahre 1871 12.7 Millionen englifche Tonnen und fteigerte fich im Jahre 1872 auf 13.2 Millionen Tonnen. Im Jahre 1873 ging die Ausfuhr auf 12.63 Millionen Tonnen zurück. Demnach zeigt die Ausfuhr von 1873 gegenüber dem Jahre 1872 einen Rückgang von 2 Million englifche Tonnen oder circa 10 Millionen Centnern.* Ganz anders ftellt fich das Verhältnifs, wenn man ftatt der Mengen die Werthe ins Auge fafst. Dann ergibt fich das Refultat, dafs die Kohlenausfuhr im Jahre 1871 einen Werth von 6.24 Millionen Pfund Sterling, im Jahre 1872 von 10 44 Millionen Pfund Sterling und im Jahre 1873 nicht weniger als 13'2 Millionen Pfund Sterling repräfentirte. Bei diefen officiellen Angaben wurde für 1871 ein Preis von 10 s. per englifche Tonne, für 1872 ein Preis von 16 s. und für 1873 ein Preis von 22 s. zu Grunde gelegt. Thatfächlich waren jedoch die Preife in 1872 und 1873 viel höher. Bedenkt man nun ferner, dafs nur die Grubenpreife berücksichtigt wurden, während die aus England exportirten Kohlenmengen bei dem Verkaufe an den europäifchen Küften oder gar überfeeifchen Plätzen einen um das Mehrfache erhöhten Werth repräfentiren, fo ergibt fich, dafs der wirkliche Werth, welchen die Steinkohlen- Ausfuhr aus England in Form von Productionsgewinn und Handelsgewinn der Kaufleute, Rheder, Affecurateure, der Schiffsmannfchaft und Anderer für die Nation bietet, mit dem Betrage von II bis 13 Millionen Pfund Sterling per 1873 auch nicht entfernt erfchöpft ift, fondern vielleicht auf das Drei- bis Vierfache erhöht werden mufs. Diefe Verhältniffe find wichtig und wir verweilten bei denfelben ausführlicher aus dem Grunde, weil England das einzige Land ift, welches den Welthandel mit Kohle verforgt und folglich eine Ueberficht des englifchen Kohlenaber handels zugleich eine Darftellung des Welthandels in Kohle ift; auch defshalb, um darzuthun, dafs grofse Anftrengungen gerechtfertigt find, um * Zu der Menge der Ausfuhr von 1263 Millionen des Jahres 1873 kommt noch ein Betrag von 1.68 Millionen Tonnen Kohle, beſtimmt für Dampfer, die im auswärtigen Handel befchäftigt find. Ob der entsprechende Poften für 1872 nicht ausgewiefen ward oder in der Exportziffer von 13'2 Millionen Tonnen enthalten fei, darüber geben die officiellen Handels. ausweife keine beftimmte Notiz. 28 J. Pechar, Dr. A. Peez. für die anderen Länder einen kleinen Theil am Welthandel in Kohle zu erkämpfen. Für Deutfchland, welches, von Weftphalen aus, nach den Mündungen des Rheins und der Wefer nicht weit hat, wäre diefs leicht, für Oefterreich zwar fchwieriger, aber nicht unmöglich; eine Frage, die wir fpäter kurz befprechen werden. Ueber die Einzelheiten des englifchen Kohlenexportes gibt folgende Tabelle Auffchlufs: Englands Ausfuhr an Kohle und Coken. Menge Werth Nach 1872 1873 1872 1873 englifche Tonnen Pfund Sterling Rufsland. 796.178 613.831 625.170 652.489 Schweden und Norwegen 765.308 788.782 603.998 813.129 Dänemark 641.508 589.512 469.188 576.123 Deutſchland. 2,113.589 1,674-397 1,538.957 1,689.593 Holland 471.459 467.147 339.122 501.676 Frankreich 2,191.855 2,475.649 1,502.066 2,304.706 Spanien und die canarifchen Infeln. 637.046 613.023 571.069 741.474 Italien 928.870 796.930 706.772 811.540 Brafilien 329.584 395.249 328.104 464.210 Britifch- Indien. 549.486 540.118 498.236 585.610 Uebriges Ausland. 3,773.611 3,677.695 3,259.639 4,065.068 Summe 13,198.494 12,632.333 10,442.321 " 13,205.618 Unter der Rubrik Andere Länder" find die wichtigften: Egypten mit einem Empfang von 451.912 Tonnen im Jahre 1871, ferner Weftindien mit 457.212 Tonnen, die Türkei mit 277.004 Tonnen, Britifch- Nordamerika mit 189.274 Tonnen, die Vereinigten Staaten mit 151.848 Tonnen; Malta erhielt 186.957 Tonnen, Gibraltar 131.331 Tonnen, Peru 109.393 Tonnen, Chili 101.203 Tonnen, Uruguay 96.648 und China 90.575 Tonnen. Oefterreich bezog von England 85.016 Tonnen Kohle und 7.104 Tonnen Coke, die Donaufürftenthümer, welche ihren Kohlenbedarf früher oder fpäter von Oefterreich entnehmen werden, 38.704 Tonnen Kohle u. f. w. Wie aus obiger Tabelle folgt, macht fich die Theuerung der englifchen Kohle in den Abfatzverhältniffen derfelben bereits geltend. Zwar behalten jene Länder, welche vermöge ihrer natürlichen Befchaffenheit die einheimifche Production nicht bedeutend fteigern können, wie z. B. Frankreich und Scandinavien, ihre gewohnten Einfuhrmengen bei oder erhöhen diefelben noch, wie letzteres namentlich bei Schweden der Fall war, deffen blühende Eifeninduftrie auch in 1873 vergröfserte Mengen von Kohle und Coke bedurfte. Wo aber die einheimifche Kohlenproduction bereits entwicklungsfähig und leiftungskräftig ift, wie z. B. in Deutfchland, da ift eine nicht unwefentliche Abnahme des englifchen Imports zu bemerken, und dasfelbe gilt für folche neutrale Märkte, wo bisher die englifche Kohle mit der Kohle anderer Länder zu concurriren hatte, wie z. B. in Holland. Im Ganzen hat jedoch England, ungeachtet der enormen Preisfteigerung, feine Abfatzmärkte mit ftaunenswerther Kraft und Zähigkeit feftgehalten, worin der ficherfte Beweis für das Gewinnbringende des englifchen Kohlenhandels erblickt werden mufs. Im Anfang 1874 ift die Ausfuhr englifcher Kohle wieder geftiegen. Sie betrug bis Mineralifche Kohle. 29 31. März 2,896.580 englifche Tonnen, gegenüber von 2,566.377 Tonnen im Vorjahre. Insbefondere ift die Ausfuhr nach dem grofsen Verforgungshaufe für englifche Producte, nach Deutſchland, von 193.000 Tonnen auf 292.000 Tonnen geftiegen, eine Thatfache, die in erfter Reihe dem ftarren Fefthalten der deutfchen Gewerken an hohen Preifen beizumeffen fein dürfte. Es fei nur noch bemerkt, dafs fich unter dem Brennftoff- Exporte Englands circa 330.000 Tonnen( circa 2 Percent) Coke befanden, die hauptfächlich aus Durham kamen und im Jahre 1871 nach Spanien( 79.000 Tonnen), Deutſchland( 65.000 Tonnen), Rufsland( 41.000 Tonnen), Schweden( 27.800 Tonnen), Griechenland( 17.300 Tonnen), Indien( 16.000 Tonnen), Brafilien, Dänemark und Frankreich verfendet wurden. London als Kohlenmarkt. Dafs der inländifche Kohlenhandel Englands noch aufserordentlich viel gröfsere Mengen bewegt, als der Exporthandel, das geht fchon aus den Grundzügen hervor, die wir über die Production und den Verbrauch der englifchen Kohlen gegeben haben. In der That ift es nur ein Betrag von 10 Percent des gefammten Förderquantums, welcher über die Grenzen Grofsbritanniens austritt. Der inländifche Kohlenhandel vollzieht fich theils durch die Küftenschifffahrt, theils durch die Canalfahrt, in erfter Reihe jedoch durch die Eifenbahnen. Schon im Jahre 1867 berechnete man, dafs die auf den Bahnen verfrachteten Kohlen eine doppelt fo grofse Menge repräfentiren, als fämmtliche andere auf Eifenbahnen transportirten Güter. In Folgendem geben wir eine Darftellung der wichtigſten englifchen Kohlenbahnen mit Angabe der im Jahre 1872 von ihnen beförderten Kohlenmengen in metrifchen Tonnen: London and North- Weftern 11,204.174 North- Britiſh North- Eaftern. Midland. Great Weftern. Caledonian. Mancheſter, Sheffield and Lincolnshire. . 10,829.483 Great Northern 9.490.172 Glasgow and South- Weftern 6,398.861 North- Staffordshire 5,726.616 Furnefs Swanfea- Valley 4,888.296 Cambrian Lancaſhire and Yorkſhire 4,314.415 • 3,586.880 2,233.648 2,118.652 838.423 825.267 504.242 114.658 Demnach beförderten die hier genannten 14 Bahnen eine Kohlenmenge von 631 Millionen metrifchen Tonnen, ein Quantum, welches fechsmal gröfser ift, als die gefammte Förderung Oefterreichs und 12 gröfser als die Förderung Deutfchlands. Die englifchen Bahnen befafsen im Jahre 1872 10.933 Locomotiven und 337.899 Wagen, zu welchen letzteren noch die eigenen Wagen der Werke hinzukommen. Ungeachtet diefes achtungswerthen Fahrparks ift es für continentale Begriffe kaum zu verftehen, dafs in England nicht ftets Wagenmangel und Kohlennoth herrfcht. Die London- and North- Weftern- Bahn allein beförderte II 2 Millionen. Tonnen oder 224 Millionen Centner, alfo weit mehr, als die gefammte öfterreichifche Kohlenproduction beträgt. Es ift klar, dafs zur Bewältigung folcher Maffen durch eine einzige Bahn ganz befondere Vorrichtungen gefchaffen fein müffen, da fonft ein geradezu unermesslicher Wagenpark erforderlich wäre, und auch diefer nicht circuliren könnte. So würde z. B. bei einem Wagenturnus von neun Tagen, wie er im Winter 1873 für das böhmifche Braunkohlen- Becken beftand, der London- and North- Weftern Railway allein einen Fahrpark von 33.570 Wagen nöthig gehabt haben! Diefs bei einer gleichmäfsigen Verfrachtung das ganze Jahr hindurch; thatfächlich müfste das Wagenmaterial noch grösser fein, weil der Kohlenverkehr fich überwiegend im Herbfte und Winter zufammendrängt. Zu den Mitteln nun, durch welche die englifchen Bahnverwaltungen des koloffalen Kohlenverkehrs auf ihren Linien Herr werden, gehört die Anlegung 3 30 J. Pechar, Dr. A. Peez. befonderer Kohlenbahnhöfe, die namentlich zur Verforgung Londons mit mineralifchem Brennftoff energifch mitwirken. Sie liegen möglichft tief im Innern der Stadt. Die Anlagen find wegen der enormen Koftfpieligkeit der Baufläche möglichft zufammengedrängt und, da die Bahnen auf Viaducten liegen, gleichfam in die Höhe gefchichtet, ftatt in die Fläche ausgebaut. Die Viaducte find an den Halteftellen durchbrochen, die Kohlenwagen mit Bodenklappen verfehen. Werden letztere geöffnet, fo ftürzt die Kohle durch die Durchläffe an den Viaducten in grofse Kammern hinab, das heifst, fie fällt zuerft auf Siebvorrichtungen, von denen fie fortirt und fofort in untenftehende Wagen mit offenen ledernen Säcken gefüllt wird, welche dann fogleich behufs Kleinverkaufs in die Stadt abgehen. Die Kammern können 300.000 Centner Kohle faffen, find aber felbftverftändlich keine Magazine, fondern nur Abladeplätze, durch welche die Kohle ftets durchpaffirt. Die einzelnen Kammern mit ihren zu Comptoirs eingerichteten Nebenräumen find an Kohlenhändler vermiethet, deren Zins um fo niederer bemeffen wird, ein je gröfseres Quantum von Kohle fie jährlich bewältigen. Auch die Zufahrt und Abfahrt der Wagen ift fehr finnreich geordnet. Nur durch folche Mittel wird es möglich, ohne ftete Stockung folche Maffen zu überwinden. London und Umgebung ift der gröfste Kohlenconfument, den die Erde kennt. Die Zufuhr betrug im Jahre 1872 7 Millionen Tonnen, wovon circa 2/3 per Bahn ankamen. Der wirkliche Verbrauch in den letzten vier Jahren war: 5,212.725 metriſche Tonnen, das ift per Kopf 1303 metrifche Tonnen 1869 1870 1871 P 5,665.576 " 9 79 22 77 " 22 1.416 " " 1872 5,900.275 5,991.561 29 " 27 19 79 I 475 27 " " وو " 9 " " 1'498 " 9 29 In Folge der Kohlentheuerung war in 1873 der Verbrauch in den Haushaltungen etwas geringer, als im Vorjahre: er überragte aber jenen des Jahres 1869 noch immer um 16.9 Percent. Die Verwendung der Kohle betreffend, fo verbrauchten im Jahre 1869 im Jahre 1872 Millionen metrifche Tonnen Gaswerke, Ziegeleien, Wafferwerke und fonftige Induftrie Hausbrand. 2.965 2.168 3.365 21535 Frankreich. Die Steinkohlenreviere Frankreichs können fich zwar hinfichtlich ihrer Ausdehnung und Ergiebigkeit mit den englifchen, nordamerikanifchen und deutfchen Becken nicht meffen, doch ift Frankreich auch nicht fo arm an mineralifchem Brennftoffe, wie Manche glauben. Die Zahl der Kohlenreviere ift grofs, ihre geographifche Vertheilung glücklich, ihr Abbau fehr einfichtsvoll organifirt und die Verwerthung des Productes bei der hohen Entwicklung der Induftrie fehr günftig. Ein Bahnnetz, deffen Länge im Jahre 1873 18.340 Kilometer betrug und deffen einzelne Abtheilungen durchwegs in der Hand gröfserer, geldkräftiger Unternehmungen liegen, befördert fehr wefentlich die Circulation der Kohle. Man unterfcheidet drei hauptfächliche Reviere, die im Norden, in der Mitte und dem Süden des Landes liegen. 1. Von der belgifchen Grenze bis gegen Boulogne zieht fich durch die Departements des Nordens und des Pas de Calais das Revier von Valenciennes mit den wichtigen Werken von Aniche, Douchy u. Anzin. Die Kohle liegt unter einer für die Schachtanlage fchwer zu durchbrechenden Kalk- oder Kreidefchicht von 80 bis 150 Metern Stärke und lagert in zahlreichen, aber unregelmässigen und fchwachen Flözen; bei Aniche kommen deren 12 mit einer Mächtigkeit von zufammen 7.3 Metern vor, bei Anzin 18 Flöze mit einer Mächtigkeit von 10 Metern. Im Mittel überfteigt die Flözftärke nicht 0.65 Meter. Die Förderungsverhältniffe find ähnlich wie in Belgien, wovon unten noch die Rede fein wird. Die Kohle kommt vorzugsweife in den blühenden Induftrie- Etabliffements des franzöfifchen Mineralifche Kohle. 31 Nordens, in den zahlreichen Zuckerfabriken, Spinnereien, Webereien und Mafchinen Werkstätten zur Verwendung. Obwohl gerade das Becken des Nordens im fchärfften Concurrenzftriche der englifchen, belgifchen und deutfchen Kohle liegt, hat fich deffen Förderung dennoch in wenig Jahren von 1 Million auf 2 Millionen metr. Tonnen( 40 Millionen Centner) gehoben. 2. Einen ganz abweichenden Charakter von der nördlichen Ablagerung zeigen die Kohlenreviere in der Mitte von Frankreich. In die Zerklüftungen der granitnen Hochfläche gebettet, welche die Mitte Frankreichs bildet, tritt hier die Kohle in zahlreichen kleinen Mulden oder Neftern auf, in diefen aber oft mit einer grofsen Mächtigkeit Die Kohle eignet fich befonders für die Zwecke der Eifeninduftrie. Wichtig find hier die Kohlenreviere der Loire und der Rive de Gier, auf welche die Eifen und Stahlinduftrie von St. Etienne gegründet ift; ferner das Becken der Seine und Loire, wo die Kohle bis zu einer localen Flözmächtigkeit von 20 bis 39 Metern anfteigen foll. Diefer Gruppe gehören die Werke von Blanzy, Montchanin, Epignac und befonders des Creuzot an, deffen fchöne Kohlen auf der Weltausstellung zu fehen waren. Abgefehen von dem Verbrauche der benachbarten Fabriken geht die Kohle aus dem Becken der Mitte auf zahlreichen Canälen und Bahnen ftrahlenförmig nach Lyon, Paris, Burgund und der Freigraffchaft und ftöfst auf der Loire mit der englifchen, im Nordoften mit der belgifchen und weftlich der Vogefen mit der Saarbrücker Kohle concurrirend zufammen. Die jährliche Production diefes Beckens beträgt 6 bis 7 Millionen metr. Tonnen. Das bekanntefte induftrielle Werk diefer Gruppe ift die Actiengeſellſchaft ,, le Creuzot", die im Jahre 1873 715.000 metr. Tonnen Steinkohle producirte. Dieses Werk erzeugt ferner, wenn man die für 1873 und 1874 neu projectirten Erweiterungen berücksichtigt, mit 15.500 Arbeitern und 308 Dampfmafchinen von 19.000 Pferdekraft 180.000 Tonnen Gufseifen, 90.000 Tonnen Schmiedeeifen, 60.000 Tonnen Stahl und 100 Locomotiven im Werthe von 7 Millionen Francs und andere Mafchinen und Brücken im Werthe von 82 Millionen Francs. Die Gefellfchaft verdiente mit einem Actiencapitale von 18 Millionen Francs in 1872 bis 1873 4:46 Millionen Francs und vertheilte eine Dividende von 20 Percent. 3. Die im Süden Frankreichs gelegenen Kohlenreviere von Alais und vom Aveyron haben ziemlich günftige Lagerungsverhältniffe. Man nimmt an, dafs fie fich noch weit unter die benachbarten jüngeren Formationen ausdehnen und defs. halb gröfsere Kohlenvorräthe enthalten, als die Ablagerungen der Mitte. Sie verforgen die Induſtrie des Rhonegebietes und der Küfte und fenden nicht unbeträchtliche Mengen nach Algier und Italien. Als diejenigen Reviere, welche dem kohlenarmen Mittelmeere am nächften liegen, ift ihre geographifche Lage eine überaus günftige; auch im Innern find fie faft jeder Concurrenz entrückt. Auch diefes Kohlengebiet hat in den Departements des Gard und Aveyron eine Eifeninduftrie hervorgerufen, die wegen der Nähe der trefflichen Erze von Algier noch eine bedeutende Entwicklung verfpricht. Ganz Frankreich producirte im Jahre 1872 118 Millionen metr. Tonnen Roheifen und o1 Million metr. Tonnen Stahl.*) Selbft in normalen Zeiten hatte Frankreich keine billigen Kohlenpreife, weil die franzöfifchen Reviere eine eigentliche Maffenförderung nicht zulaffen, ein Nachtheil, der wenigftens die gute Seite hat, dafs die Feuerungsanlagen kaum irgendwo fonft fo gut eingerichtet find. Im Sommer 1873 ftand belgifche Stück kohle in Paris 50 Francs( 20 fl.) und war im December 1873 auf 45 Francs( 18 fl.) per Tonne zurückgegangen. Die gefammte Kohlenproduction Frankreichs wird für das Jahr 1873 von officieller Seite auf 16.5 Millionen metr. Tonnen angegeben, obwohl durch den Verluft von Elfafs und Lothringen eine Jahresförderung von circa o 3 Millionen metr. Tonnen Kohlen weggefallen ift *) Siehe den Bericht von Franz Kupelwiefer über Hüttenwefen S. 19. 3* 32 J. Pechar, Dr. A. Peez. Abgefehen von der eigenen Kohlenförderung bedarf die hochentwickelte Induftrie Frankreichs noch bedeutender Zufuhren aus den Nachbarländern. Diefe Einfuhr betrug im Jahre 1873 7.10 Millionen metr. Tonnen, hat fich übrigens feit 1866, wo fie bereits 6.67 Millionen war, nicht bedeutend entwickelt. Von der gefammten Einfuhr von 7.10 Millionen Tonnen kamen im Jahre 1873 3.9 Millionen Tonnen aus Belgien, 25 Millionen Tonnen aus England und o 7 Millionen Tonnen aus Deutfchland. In erfter Reihe bei den Einfuhren nach Frankreich ſteht die englifche und belgifche Kohle. Erftere beginnt im Norden zu dominiren und ftreitet in Paris, wo in letzterer Zeit die einheimifche franzöfifche und die belgifche Kohle mehr zurücktreten, mit der weftphälifchen Kohle um diefen wichtigen Markt. In Gaskohle fcheint Weftphalen in Paris die Oberhand zu gewinnen. Paris hat einen jährlichen Verbrauch von etwa 15 Millionen Tonnen oder 30 bis 32 Millionen Centnern, alfo nicht ganz den doppelten Verbrauch von Berlin und mehr als den doppelten Verbrauch von Wien, aber nur etwa 14 des Kohlenconfums von London. Dagegen verbrauchen die Fabriksftädte weftlich von Rouen ausfchliefslich englifche Kohle; letztere fteigt in allen Flüffen aufwärts und begegnet auf der Loire der franzöfifchen Kohle von St. Etienne in der Gegend von Orleans. Die Einfuhr deutfcher Kohle nach Frankreich, obwohl im Norden zunehmend, hat doch im Ganzen feit 1870 abgenommen, weil unter diefer Rubrik früher die aus dem Becken von Saarbrücken nach dem Elfafs und Lothringen verfendeten Mengen enthalten waren. Die Ausfuhr von mineralifchem Brennftoffe aus Frankreich ift nicht bedeutend; fie wird für 1873 auf o'90 Millionen Tonnen angegeben, das ift um 0.13 Millionen Tonnen mehr, als im Jahre 1872. Diefe Ausfuhr richtete fich hauptfächlich nach Italien und Algier. Vergleicht man die Gefammtförderung Frankreichs im Jahre 1873 mit derjenigen von 1867, fo ergibt fich eine Zunahme von circa 29.7 Percent, mit 1862 verglichen aber von 60 3 Percent. Die Einfuhr von Kohle nach Frankreich ftieg von 1862 bis 1873 um 38.6 Percent, von 1867 bis 1873 aber nur um 8.2 Percent. Die Kohlenausfuhr aus Frankreich ftieg von 1862 bis 1873 um 288.8 Percent, von 1867 bis 1873 aber um 2020 Percent. Was endlich den Confum, das ift die Förderung nach Abfchlag der Ausfuhr und mit Hinzurechnung der Einfuhr betrifft, fo betrug derfelbe im Jahre 1860 12 9 Millionen metr. Tonnen, im Jahre 1865 17.073 Millionen Tonnen, im Jahre 1872 aber 21 993 Millionen Tonnen, fo zwar, dafs der Verbrauch von 1862 bis 1872 um 44'8 Percent, von 1867 bis 1872 aber nur um 15.7 Percent zugenommen hat. Der Concurrenzkampf fowohl der einheimifchen Kohlenbecken, als der auswärtigen Productionsländer fpiegelt fich in einer Vergleichung der Percentziffern, nach welchen, mit dem Jahre 1869/70 verglichen, in den drei Jahren 1871, 1872 und 1873 die Vermehrung erfolgte: Productionsftätte Vermehrung in Percenten gegen 1869/70 England Belgien Saarbrücken. Nord und Pas de Calais Saone und Loire Aveyron. Loire Baffin. Plateau Central Gard und Herault. 1871 27.56 1872 1873 129.00 8.50 102 37 51.00 129 00 20.30 51 30 97.90 8 · 55 38.10 109.00 5.00 27.50 62.60 6.30 34.50 62.30 8.30 22'50 5250 4:57 2519 40 00 6.88 20'00 35.00 Ein Gefammtbild der Production, Ausfuhr, Einfuhr und des Verbrauches von Kohle in Frankreich ergibt fich aus folgender Zufammenftellung: Production, Ausfuhr, Einfuhr und Verbrauch von Kohle in Frankreich. In metrifchen Tonnen. Einfuhr GefammtIm Jahre förderung Kohlen Ausfuhr Kohlenconfum per an Confum an Kohlen Kopf der BevölkeCoke Kohlen rung in Pfunden Mineralifche Kohle. 1789 250.000 1830 1,800.000 1851 4,648.000 1856 1860 7,925.700 8,303.700 4,823.484 532.498 1861 9,423.300 5,030.734 568.132 1862 10,290.300 5,122.000 600.000 230.000 232.080 220.390 12,897.184 14,221.954 15,191.910 1863 10,709.700 5,001.000 600.000 83.080 15,427.620 1864 II, 242.600 5,258.564 650.002 508.230 16,192.934 1865 II, 600.404 5,779.146 677.062 306.150 17,073.400 1866 12,260.085 6,676.346 732.018 366.230 18,570.201 1867 12,738.636 6,562.576 676.354 298.094 19,003.118 1868 13,252.876 6,584.766 662.300 308.350 19,529.292 1869 13,100.000 6,663.654 794.506 338.926 19,424.728 1870 13,300.000 3,559.034 16,859.034 1871 13,600.000 5,462.122 304.554 549.876 18.512.246 IO15 2 1872 15,900.000 6,862.122 504.554 768.760 1873 16,500.000 7,100.000 900.000 21,993.362 22,700.000 1206.1 1244.8 33 34 J. Pechar, Dr. A. Peez. Nachftehend geben wir noch eine Zufammenftellung jener Kohlenquantitäten, welche in den Jahren 1865 bis 1869 im Seine- Departement( Paris mit Vororten) confumirt wurden. Auch die durchſchnittlichen Verkaufspreife in diefen fünf Jahren find beigefetzt. Kohlenconfum des Seine- Departements. i m Jahre Bezugsquelle 1865 1866 1867 1868 1869 Durchschnittlicher Verkaufspreis während diefer 5 Jahre per metrifche Tonne metri fche Tonnen fl. kr. Valenciennes. Loire- Departement 454.200 56.530 435 770 336.840 454 710 495-770 I5 34.870 56.950 74-430 64.490 18 Courmontry IO.220 17.210 10.760 16 680 13.650 18 Ahun 2.440 9.660 24.050 33.660 16.100 18 Creuzot 260 49° 640 140 320 18 Aubin 80 140 280 460 18 Alais St. Eloy Bruffac Baffe- Loire- Depart. Roquechamp. Belgien England Saarbrücken 30 330 17 80 260 680 35° 150 220 6.400 7.220 7.780 900 280 I IO 160 160 1,294.550 1,346.790 61.140 53.910 142.030 21.810 1,340.240 235.960 17.140 1,249.570 136.260 1,181.930 136.910 15 16 56 20 21.310 17.620 14 80 1,994-530 1,935.670 • Summa. 1,933.360 2,009.670 2,030.510 Nach dem oben mitgetheilten Confum entfällt im Jahre 1866 bei einer Bevölkerungszahl des Seine- Departements von 2,150.916 Seelen, von denen allein 1,825.274 auf Paris felbft kommen, nahezu eine metrifche Tonne( 934% Kilogramm) per Kopf. Was die Verkaufspreife der Kohle anbelangt, fo find diefelben nach der Belagerung von Paris ganz beträchtlich geftiegen; denn es wurden per metrifche Tonne gezahlt für Förderkohle zu induftriellen Zwecken für ausgefuchte Kohle zum Hausbrand im Jahre 1872 1873 Gulden öfterr. Währung. 18 20 24 26 Die officiellen Sätze für die Zufuhr der belgifchen und franzöfifchen Kohle nach Paris find ziemlich hoch, doch find die Werke durch Privatverträge mit den Eifenbahngefellſchaften in den Stand gefetzt, zu verhältnifsmäfsig billigen Preifen ihre Kohle nach Paris zu fpediren. Die ungefähren Transportkoften per metriſche Tonne ftellen fich wie folgt: Bezeichnung des Beckens per Bahn per Canal fl. kr. fl. kr. Belgifche Kohle. Mons Charleroi Centre. Lüttich. Namur. 33344 68 92 92 08 08 50 40 40 844. 233. Franzöfifche Kohle. Valenciennes. 2 96 2 40 Mineralifche Kohle. 35 Für ausländifche Kohle wird eine Zollgebühr von 56 Kreuzern per metrifche Tonne( 18 Kreuzer per Zoll- Centner) eingehoben, während für alle nach Paris gelangende Kohle eine Verzehrungsfteuer von 2 fl. 88 kr. per metrifche Tonne ( 14'4 Kr. per Zoll- Centner) zu entrichten ift. Für jene Induftriellen, welche mindeftens 100 metriſche Tonnen jährlich confumiren, ift die letztere Gebühr auf 40 Kr. per metrifche Tonne( 2 Kr. per Zoll- Centner) ermässigt. Spanien und Portugal. Spanien ift eines der an Mineralien und Erzen reichften Länder Europas, der Bergbau daher fchon feit alten Zeiten eine Hauptquelle des Nationalreichthums der Spanier. Da nun auch der unterirdifche Kohlenvorrath, welchen Spanien aufweift und den man keinesfalls zu hoch auf 3000 bis 3500 Millionen Tonnen veranfchlagt hat, ein ganz bedeutender zu nennen, fo ift nur in der verfpäteten Einführung der Eifenbahnen und den politifchen Zuftänden des Landes der Grund zu fuchen, dafs gerade der Kohlenbergbau hier noch wenig cultivirt und entwickelt ift. Die Flächenausdehnung des kohlenführenden Terrains beträgt über 900.000 Hektaren, wie die folgende Tabelle zeigt. Flächenausdehnung der Kohlenreviere Spaniens. Poft I Oviedo( Afturien) Burgos und Soria 234567890 Leon Palencia Teruel Santander Cordova Gerona Cuenca In der Provinz Uebriges Spanien Hektaren 272.250 121.000 90.750 90.750 60.500 60.500 13.600 12.850 3.020 181.500 Summe 906.720 Während man die mineralifchen Brennftoffe Englands und Belgiens bereits feit mehreren hundert Jahren verwerthet, fehen wir Spanien erft gegen. Mitte des 19. Jahrhunderts zur Gewinnung der Kohle fchreiten. Die erfte Bewilligung zur Ausbeutung der Kohlenlager im Becken von Villanueva del Rio bei Sevilla wurde im Jahre 1742 ertheilt, doch hat fich die Gewinnung bis in die neuere Zeit hinein nur auf ein ganz geringes Quantum befchränkt. Erft nach dem Inslebentreten des Berggefetzes vom 4. Juli 1825 dachte man ernftlich an die Ausbeutung des mineralifchen Brennftoffes, namentlich in Afturien, wo man fchon bald darauf, im Jahre 1828, 3708 Tonnen Kohle in Gijon für verfchiedene am atlantifchen und mittelländifchen Meere gelegene Hafenplätze der fpanifchen Halbinfel verfchiffte. Wenn nun auch feit diefer Zeit die Gefammtproduction Spaniens fich wefentlich erhöht hat, fo ift diefelbe doch immerhin eine relativ fehr kleine geblieben, da die namentlich aus England zu verhältnifsmäfsig billigen Preifen importirten Steinkohlenmengen jenen im eigenen Lande erzeugten ungefähr gleichkamen, fo dafs alfo die eigene Production nur die Hälfte des Bedarfes deckt. 36 J. Pechar, Dr. A. Peez. Die Angaben über die Production der Kohle find fehr fchwankend, was zur Genüge beweift, wie wenig Aufmerkſamkeit man dem fo fchätzenswerthen Minerale in Spanien bisher gefchenkt hat. Für die Jahre 1860 bis 1869 und dann für 1871 werden allgemein folgende Productions- Mengen angenommen: Kohlenförderung Spaniens. Steinkohle Im Jahre Braunkohle. Totale 1861 331.055 22.292 1862 388.94 1 metrifche. Tonnen 353-347 ? 1863 316.027 P P 1864 387.904 38.526 426.430 1865 461.396 1866 393.1 05 34.455 39.559 495 851 432.664 1867 511.550 37 640 549.190 1868 529.058 41.766 570.824 1869 550.388 78.400 628.788 1871 525.000 45.000 570.000 Die Zahl der in Betrieb befindlichen Steinkohlen- Zechen betrug im Jahre 1862 244 mit einer Ausdehnung von 9383 Hektaren und einer Arbeiterzahl von 6233 Köpfen. Man erfieht aus der obigen Tabelle, dafs die Totalproduction Spaniens innerhalb 10 Jahren nicht unbedeutend zugenommen hat. Die Angaben über die Jahre 1870 und 1872 liegen uns nicht vor, doch fteht mit Rückficht auf die bekannten politifchen Ereigniffe der letzten Jahre kaum zu erwarten, dafs die Kohlengewinnung feither überhaupt geftiegen ift. Die im Allgemeinen geringe Kohlenproduction Spaniens dürfte ihre Erklärung in dem Mangel an den erforderlichen Capitalien und dem bisherigen Fehlen eines gröfseren Abfatzes, ganz befonders aber in dem Mangel an geeigneten Communicationswegen finden, da die Kohlenbecken nur in vereinzelten Fällen von Eifenbahnen durchſchnitten werden oder durch Zweigbahnen mit den Hauptbahnen verbunden find. Wäre diefs Letztere der Fall, fo könnten faft alle Pro vinzen des Landes mit billiger Kohle verfehen, die Abfatzgebiete der einzelnen Becken entſprechend erweitert werden. Zu den Eifenbahnen übergehend, ift zu bemerken, dafs die Eröffnung der erften Linie von 28 Kilometern( Barcelona- Mataro) in das Jahr 1848 fällt und dafs fich namentlich in den letzten 15 Jahren ein ziemlich ausgedehntes Bahnnetz gebildet. In Betrieb ftanden mit Ende des Jahres 1848 1855 1860 28 Kilometer, 595 2.282 77 27 1865 5.226 Kilometer, 1870 5.678 1872 5.711 " 9 Im Baue begriffen waren Ende 1872 630 Kilometer. fchiffbaren Flüffe und Canäle des Landes beträgt nur gegen 700 Kilometer, da Die Länge der unter allen Flüffen Spaniens nur der Ebro, und felbft diefer blos bei günftigem Wafferftande, bis in die Provinz Navarra befahren werden kann. Nach diefen allgemeinen Bemerkungen fchreiten wir zu einer kurzen Befchreibung der wichtigeren Kohlenbecken und betonen, dafs faft fämmtliche Provinzen des Landes Vorkommen an Steinkohlen aufzuweifen haben. Die chemifchen Analyfen der in den bekannteften Orten der wichtigeren Kohlenbecken gewonnenen Steinkohlen erfcheinen in dem folgendem Tableau zufammengeftellt. Provinz Mineralifche Kohle. Chemifche Analyſen ſpaniſcher Kohlen. Ort der Gewinnung Kohlenftoff Flüchtige Beftandtheile Afche Coke Wärmeeinheiten Oviedo " Palencia Riofa. Siero Colunga Barruelo 54 0 38.2 82.0 43.0 57.2 13.6 4.2 6.5 86.4 3.6 61.8 6486 57.0 6095 348 625 7267 7512 17.3 - 82.0 Orbo. 77.8 27 18.5 80.8 Teruel Gerona Sevilla Gargallo 58.6 45.5 II O 4782 San Juan de las Abadefas Villanueva del Rio. 45.5 23.0 5.0 72.0 6796 67.0 28.0 5.0 7755 Diefes an der füdlichen Küfte des I. Das Becken von Afturien. Biscay'fchen Meerbufens gelegene Kohlenbecken fteht hinfichtlich feiner Ausdehnung und Productivität in erfter Reihe, bildet, wenn auch bis jetzt noch wenig aufgefchloffen, den wichtigsten Kohlendiftrict Spaniens und enthält mehr als 60 Flöze einer ausgezeichneten Steinkohle. Das kohlenführende Terrain zieht fich von Santander in der Richtung von Oft nach Weft bis zum Cap Ortegal. Die Kohle findet ihren Abfatz zum gröfsten Theile in Afturien felbft; für die inneren Provinzen des Landes hat diefelbe geringere Bedeutung, da das Cantabrifche Gebirge die Verbindung mit jenen Provinzen erfchwert; dagegen werden anfehnliche Partien afturifcher Kohle, namentlich im Hafen von Gijon, für die am atlantifchen Ocean und am Mittelmeere gelegenen Landestheile verfchifft. 2. Das Becken von Burgos und Soria kommt in Betreff der Ausdehnung dem afturifchen Becken am nächften, auch find die Abbauverhältniffe diefes Kohlendiftrictes befonders günftig, indem die Kohle nur in geringer Tiefe liegt und die Flöze höchftens 15 bis 20 Grad Neigung haben. Die Hauptgewinnung findet in San Adrian de Juarros ftatt. 3. Das Becken von Leon ift reich an Kohle, doch fehlt es bis jetzt an geeigneten Communicationswegen. 4. Das Becken von Palencia verdient nach dem afturifchen Kohlengebiete die meifte Beachtung wegen der günftigen Abbauverhältniffe und der vorzüglichen Qualität der Kohle. Die Steinkohle von Barruelo und Orbo enthält bis 77 Percent Kohlenftoff. 5. Das Becken von Teruel befitzt einen grofsen Kohlenreichthum, indeffen ift die Production bis jetzt nur eine unbedeutende gewefen. 6. Das Becken von Santander hängt vermuthlich mit dem afturifchen Kohlengebiete zufammen. 7. Das Becken von Cordova ift durch das in diefer Provinz vorhandene Eifenbahnnetz begünftigt und erfcheint dadurch von höherer WichtigDie Production der Werke zu Espiel und Belmez dürfte bald gröfsere Dimenfionen annehmen, zumal fich die Kohle mit Erfolg zur Locomotivfeuerung verwenden läfst. keit. 8. und 9 Die Ausbeutung der Kohlenbecken von Gerona und Cuenca ift bisher nur eine ganz unbedeutende gewefen, woran namentlich der Mangel an paffenden Communicationswegen und infolge deffen wiederum der Mangel an dem nöthigen Abfatze die Schuld trägt. Die übrigen Kohlenbecken des Königreiches Spanien erfcheinen durchgehends von nur untergeordneter Wichtigkeit. 37 38 J. Pechar, Dr. A. Peez. Das Königreich Portugal befitzt grofse mineralifche Reichthümer, welche fchon den Alten bekannt waren, doch ift die Montaninduftrie faft gänzlich vernachläffigt worden, fo dafs Portugal in diefer Richtung weit hinter den übrigen Staaten Europas zurückſteht und der Fortfchritt in diefem Zweige der Induftrie fich erft aus unferen Tagen datirt. Was fpeciell die Kohlendiftricte anbelangt, fo find diefelben hinfichtlich ihrer Ausdehnung befchränkt, die Ausbeutung ift felten gewinnbringend und daher oft unterbrochen gewefen. Die Gefammtproduction des Landes an Kohlen betrug im Jahre 1866 nur 14.000 Tonnen und ift im Jahre 1872 auf 21.000 Tonnen geftiegen. Hievon kommen 18.000 Tonnen auf den vorzüglichen Anthracit des Dourobeckens und 3000 Tonnen auf die Steinkohle vom Cap Mondego. Im Betriebe befanden fich im Jahre 1872 nur vier Steinkohlengruben. Für den Confum des portugiefifchen Feftlandes und der Azorifchen Infeln nebft Madeira wurden an Steinkohle aus England eingeführt: im Jahre 1869 Quantum in metrifchen Tonnen 142.747 187.023 1870 1871 166.381 Das wichtigfte Kohlengebiet Portugals ift das Anthracitbecken des Douro, welches fich zu beiden Seiten des gleichnamigen Stromes unweit von deffen Mündung bei Oporto ausbreitet und eine Oberfläche von ungefähr 1200 Hektaren einnimmt. Man zählt hier 8 Gruben, doch find nur 3 in Betrieb, von denen jene von San Pedro da Cova wegen der ausgezeichneten Qualität des dort gewonnenen Anthracits am wichtigften ift und bereits feit dem Jahre 1801 ausgebeutet wird. Die Totalproduction der Gruben des Dourobeckens betrug 1872 18.000 Tonnen und hatte in der Stadt Oporto, dem faft ausfchliefslichen Confumtionsplatze der Kohle, einen Werth von 630.000 Francs. Zahl der Arbeiter betrug 285. Die Kohle ift fehr hart und eignet fich ganz befonders für den Hausgebrauch. Die Nächft dem Dourobecken verdient noch das Steinkohlen- Gebiet am Vorgebirge Mondego, Provinz Beira, erwähnt zu werden, welches 5 Flöze ausweift, die fich theilweife auch unter dem Meere hinziehen. Nur eine Grube bei Buarcos ift im Betriebe und liefert jährlich ungefähr 3000 Tonnen etwas kiefiger Steinkohle, welche aber nach vorhergegangener mechanifcher Präparation fich zu einer grofsen Anzahl induftrieller Zwecke verwenden läfst, und einen leichten, doch genügend feften Coke gibt. Die übrigen Vorkommen an Kohle werden gegenwärtig nicht ausgebeutet und find zum gröfsten Theil auch noch nicht näher unterfucht worden. Mit dem Eifenbahnbau wurde in Portugal im Jahre 1854 begonnen. 1872 waren 863 Kilometer im Betrieb. Was den Kohlenfeldern der pyrenäifchen Halbinfel einen befonderen Werth verleiht, ift die ungemein günftige Lage von mehreren derfelben hart an der See ein Vorzug, deffen fich fonft nur die Kohlenreviere von Wales und Nordengland erfreuen. Durch diefe Lage wären die fpanifchen und portugiefifchen Kohlenfelder befähigt, nicht nur mit billiger Küftenfahrt die Häfen der Halbinfel zu verforgen, fondern auch das an Kohlen fo arme Mittelmeer, fowie vermittelft des Canals von Suez die oftafiatifchen Länder und ihre Kohlenftationen aufzufuchen und mit mineralifchem Brennftoffe zu verfehen. Näher liegend noch wäre die Aufgabe, die Verhüttung der eigenen trefflichen Erze vermittelft eigenen Brennftoffes in die Hand zu nehmen. Bekanntlich. ift feit neuerer Zeit ein grofser Theil der englifchen Eifeninduftrie auf ſpaniſche Erze gegründet. Eigene Dampferlinien wurden ins Leben gerufen, um die Erze von Bilbao nach England hinüberzubringen. Die Einfuhr ſpaniſcher Erze nach England betrug im Jahre 1872 nicht weniger als 600.000 Tonnen. Wie nahe Mineralifche Kohle. 39 läge es, entweder diefe Erze nach Gijon in das Afturifche Kohlengebiet oder die afturifchen Kohlen nach Bilbao zu führen und in folcher Weife eine Eifeninduftrie von gröfster Bedeutung ins Leben zu rufen.... Diefs Alles wäre möglich, wenn Kohle und Eifen nicht in Spanien lägen. Oder follten die Zufuhren von Waffen an die Carliften, follte überhaupt die ganze eigenthümliche Politik Englands gegenüber Spanien und Portugal mit der genauen Kenntnifs der Engländer von den fpanifchen Kohlen- und Erzlagern in Verbindung ftehen? - Belgien. Nächft England ift Belgien das ältefte Kohlenland. Die bedeutenden Lager diefes mineralifchen Brennftoffes, die dichte Bevölkerung des Landes, feine blühende Induftrie, die beträchtliche Anzahl natürlicher und künftlicher Wafferftrafsen und ein vorzüglich entwickeltes Eifenbahnnetz bewirken, dafs das kleine Belgien unter den kohlenproducirenden Ländern die fünfte Stelle einnimmt und an der Gefammtproduction mit 61 Percent Theil hat. Die Steinkohlenformation Belgiens, welche 22 der Oberfläche ausmacht, zieht fich in einem nicht breiten, aber langen Streifen von der deutfchen Gränze bei Aachen weftwärts über Lüttich und Namur nach Mons und tritt bei Valenciennes auf das franzöfifche Gebiet über. An zwei Mittelpunkten concentrirt fich die Production zu voller Kraftöftlich in der Provinz Lüttich und weftlich in der Provinz Hennegau; jene participirt mit 20 Percent und diefe mit 75 Percent an der Gefammtförderung Belgiens. Die in folcher Weife entstandenen zwei Abtheilungen find durch die fchmale, aber tiefe Rinne des Sanfonbaches gefchieden. Das weftliche Becken ftreicht durch die Provinz Namur und erhält feine gröfste Entwicklung bei Charleroi, wo es in der Richtung von Nord nach Süd eine Breite von 15.000 Metern hat, und verläuft dann über Mons gegen Valenciennes und Douai in die angränzenden Theile Frankreichs. Seine Ausdehnung beträgt 90.050 Hektaren. Das öftliche Becken bildet mit dem vorhergehenden einen Winkel von 32 Grad. Dem Thale der Maafs folgend, hat es feine gröfste Breite mit 15.000 Metern bei Lüttich und fetzt fich oftwärts in der Richtung auf Efchweiler und Aachen nach den Rheinlanden fort. Seine Flächenausdehnung beträgt 44.060. Hektaren. Was das Vorkommen der Kohle innerhalb diefer ausgedehnten Ablagerung betrifft, fo finden fich bei Mons nicht weniger als 157 Flöze, von denen 120 abbauwürdig find und eine Mächtigkeit von 26 3 Centimeter oder 10 Zoll bis 0.95 Meter oder 3 Fufs haben. Die oberen 47 Flöze enthalten eine gasreiche Flammkohle( flénu); hierauf folgen 21 Flöze backender Kohle, fodann 29 Flöze Schmiedekohle, und zu unterft 20 bis 25 Flöze magerer Kohle. Obwohl demnach die Zahl der Flöze eine grofse ift, fo ftehen doch dem Abbau, wegen zahlreicher Verwerfungen und wegen durchschnittlich geringer Flözmächtigkeit, namhafte Schwierigkeiten entgegen. Namentlich im öftlichen Reviere find die Flöze durch zahlreiche Störungen oft geradezu im Zickzack gefaltet, und es treten hier diefelben complicirten Verhältniffe zu Tage, welche auf dem benachbarten Kohlengebiete bei Aachen den Bergbau erfchweren. Zugleich find die belgifchen Kohlengruben im Ganzen die tiefften, die es gibt. Sie reichen in vielen Fällen bis über 750 Meter hinab, und der Schacht der ,, Viviers réunis" bei Gilly ift nicht weniger als 1040 Meter( 3290 Fufs) tief. Diefe tiefe Lage hat die belgifchen Bergingenieure veranlafst, ähnlich wie in Durham und Northumberland, viele und lange Strecken mit einem einzigen Schachte abzubauen, und die Förderung durch Anwendung fehr ftarker Maſchinen an wenig Punkten maffenhaft zu geftalten. Die Auszimmerung der Schächte erfordert fehr viel Holz, das meift nach vollzogenem Abbau nicht mehr herausgenommen werden kann. Man berechnet, 40 J. Pechar, Dr. A. Peez. dafs per geförderte Tonne 36 bis 50 Kreuzer für Holzftützen aufzuwenden find. Auch ift der Stückfall bei der belgifchen Kohle felten günftig; 45 Percent Grofskohle wird nur ausnahmsweife gewonnen. Von der Fördermenge des Jahres 1871 von 13 733 Millionen Tonnen entfallen auf Fettkohle 22 Percent, auf Halbfettkohle 37 Percent und auf magere Kohle 41 Percent. Von der Förderung des Hennegau eignen fich ungefähr 23 Percent zur Fabrication guter Coke, welche in grofsen Mengen in die Eifendiftricte Frankreichs, auch Deutſchlands geführt werden. In welchem Mafse die einzelnen belgifchen Provinzen und Kohlenbecken der Gefammtförderung des Landes betheiligt find, dafür gibt folgende Tabelle pro 1872 Auffchlufs: an Antheil der Kohlenbecken Belgiens an der Production des Jahres 1872. Poft Provinz Becken 12345 I Hennegau Mons Charleroi 99 Centre 99 Namur Namur Lüttich Lüttich inclufive Huy Summa.. Förderung in Percentmetr. Tonnen antheil 4,258.486 27.2 4.247.450 27 1 3,110.230 19.9 389.688 2.5 3,653.094 15,658.948 23.3 ΙΟΟ Ο Bis die belgifche Kohlenproduction die bedeutende Ziffer erreichte, mit welcher fie jetzt dafteht, dazu bedurfte es einer geraumen Entwicklungszeit. Im Jahre 1836 war die Förderung 3 Millionen Tonnen. 1846 war fie 5 Millionen Tonnen mit einem Werthe per Tonne von 3 fl. 76 kr. Silber. Im Jahre 1850 erreichte die Förderung bereits die Ziffer von 5.8 Millionen Tonnen. Nachftehend geben wir die Menge der geförderten Kohle in ganz Belgien und deren Werth in den Jahren 1851 bis 1872( Siehe Seite 41). Aus diefer Zufammenftellung ift zu entnehmen, dafs die Gefammtförderung Belgiens in der Zeit von 1836 bis 1872 um das Fünffache, in den letzten 10 Jahren 1862 bis 1872 um 57 Percent und vom Jahre 1871 auf 1872 um 14 Percent geftiegen ift. Der Durchfchnittswerth per I Tonne ftieg von 1862 bis 1872 von 4 fl. 20 kr. auf 5 fl. 32 kr. Silber. Während im Jahrzehent 1860 bis 1870 die Kohlenproduction mit jedem Jahre um durchschnittlich 378.000 Tonnen zugenommen hatte, betrug die Steigerung im Jahre 1870 nicht weniger als 754.000 Tonnen. Die Urfache diefes Sprunges lag in den kriegerifchen Verwicklungen der Nachbarländer. Deutſchland verbot die Ausfuhr von Kohle, rief feine Mannfchaft, darunter viele Kohlenbergleute, zu den Waffen, zog feine Waggons aus dem Verkehre, und fchränkte die Production ein. Aehnlich in Frankreich. In die entstandenen Lücken trat Belgien, welches nunmehr namentlich die holländifchen Confumenten verforgte. Mit der Rückkehr normaler Verhältniffe im Jahre 1871 konnte diefe Ausdehnung des Abfatzes nicht feftgehalten werden; es betrug daher die Zunahme der Förderung im genannten Jahre nur mehr 36.000 Tonnen.. Im Jahre 1873 dürfte diefelbe einen weiteren Rückgang erfahren haben. Die folgende Tabelle enthält die Anzahl der Gruben, der Flächen in Hektaren, der Schächte, der Mafchinen und der von ihnen repräfentirten Pferde kräfte in den Jahren 1851, 1861, 1870, 1871 und 1872( Siehe Seite 42). Menge und Werth der geförderten Kohle. Antheil der Provinzen Im Gefammtmenge Hennegau Lüttich Namur Jahre in Tonnen Hennegau Lüttich Namur Gefammtwerth in Gulden Silber öfterr. Währ. Durchfchnittswerth per Tonne öft. Währ. Silb. in Tonnen in Percenten fl. kr. 1851 6,233.517 4,753.186 I, 292.099 187.857 76.24 20.80 2.99 19,883.672 18 1852 6,795.2 54 5,234.646 I, 337.906 182.578 77 03 19.69 2.70 1853 7,172.6 87 5,482.771 I, 503.275 185.504 76 44 20 95 2.58 21, 26 3.8 35 24, 876.807 333 13 47 1854 7.947.7 42 6,154.860 I, 582.790 209.990 77 44 19 91 2.64 34,343 046 32 1855 8,409.330 6,458.416 1856 8,212.419 1857 8,3 83.902 1858 8,9 25.714 1859 9,160.702 1860 9,6 10.895 1861 10,0 57.16 2 1862 9,9 35.645 6,219.132 6,441.182 6,885.0 11 7,099.326 7,50 7.720 7,935.645 7,79 5.170 1863 10,345.330 1864 II, 158. 336 1865 11.840.603 1866 1867 12,774.662 12,755.822 1868 12,29 8.589 1869 12,942.894 1870 13,697.110 1871 I 3,733. 176 1872 1 5,6 58.948 8,101.102 8,670.372 9,206.058 9,851.4 24 9,595.280 9,398 55° 9,840.530 10, 196.530 10,0 37. 230 11,616.166 2,799.826 3,16 2.131 3,345.557 3,65 3.094 I, 720.0 53 1, 774.678 1,740.916 I, 8 52.929 1,840.526 1,89 8.647 I, 87 8.457 1, 893.975 1,988.561 2,2 2 1. 729 230.861 76.80 20 45 2.62 41, 54 I. 328 4 92 218.609 75.72 21 61 2.66 42,18 3.504 5 13 201.804 76.82 20 86 2 42 40, 188.2 33 4 79 217.774 77.13 20 75 2:44 41, 350.848 4 63 220.8 50 77 49 20 00 2.52 41,60 2.4 80 4 54 204.528 78.11 19 74 2.15 42,851.31 2 4 45 243.061 78.90 18.68 2'41 44,00 5.990 4 38 246.500 78.45 19.12 2.48 41, 794.088 4 20 255.667 78.30 19.22 2.47 41,9 14.62 3 4 05 266.235 77.70 19.91 2.38 44, 221.669 3 96 2,328.811 305.734 77.00 19.67 2:58 49,558.471 4 18 2,564.551 358.687 77 II 20.68 2.80 60, 412.6 29 4 73 2,770.956 389.586 75.22 21 72 3.52 63,301.157 4 96 2,589.070 310.969 76.42 21 05 2.52 53,54 8.650 4 35 303.638 76.63 20:55 2'42 54,446.430 4 20 3 38.407 350.3 89 74 43 23 09 2.47 59,453.929 4 34 73 08 23 21 2.55 61, 5 21. 336 4 389.688 74 18 23 00 2:48 83, 423.763 5 +3 47 32 72 41 Mineralifche Kohle. 1871 Anzahl und Ausdehnung der Werke; Anzahl der Schächte und Maſchinen. 1851 1861 1870 1872 Im Jahre Anzahl Fläche in Hektaren Anzahl Fläche in Hektaren Anzahl Fläche in Hektaren Anzahl Fläche in Hektaren Anzahl Fläche in Hektaren 42 Concedirte Werke Geduldete Werke Betriebene Werke. 254 55 210 Belegte Betriebspunkte 380 103.978 268 26.603 23 87.712 193 343 116.132 284 12.966 93.578 19 169 130.434 10.634 93.728 315 284 19 168 308 130.568 282 10.634 96.032 130.574 19 166 317 10.634 94.877 Anzahl Anzahl Anzahl Anzahl Anzahl J. Pechar, Dr. A. Peez. Förderfchächte Wafferhaltungsfchächte. 41 214 58 209 47 189 47 187 48 186 Anzahl Pferdekräfte Anzahl Pferdekräfte Anzahl Pferdekräfte Anzahl Pferde kräfte Anzahl Pferdekräfte Fördermafchinen 382 Wafferhaltungsmafchinen 142 Wettermafchinen. 93 II.529 410 16.644 159 9.93 232 22.046 43° 23.158 171 3.484 302 33.965 435 28.668 177 8.229 309 35.696 431 29.580 183 8.746 309 35.912 30.935 8.861 Mineralifche Kohle. 43 Hiernach hat fich die Zahl der Werke nur infoferne vermehrt, als fich eine gröfsere Anzahl derfelben den gefetzlichen Bedingungen unterwarf, unter welchen eine Conceffion erlangt wird. Die Anzahl der betriebenen Werke fowie der Betriebspunkte hat wefentlich abgenommen, und felbft die Fläche ift feit 1851 nur um circa 7000 Hektaren gröfser geworden. Alle diefe Ziffern deuten darauf hin, dafs der belgifche Kohlenbergbau in extenfiver Hinficht nicht mehr wächft und die Zunahme der Production nur durch erhöhte Intenfität des Betriebes erzielt wurde. Der letztere Umftand ſpricht fich am deutlichften in der Zahl und Kraft der verwendeten Mafchinen aus. Es ift die Anzahl der Pferdekräfte vom Jahre 1851 bis 1872 geftiegen: bei Fördermafchinen um 211 5 Percent, bei Wafferhaltungsmafchinen um 85 9 und bei Ventilationsmafchinen um 792 3 Percent. Die gefammte Zahl der im belgifchen Kohlenbergbau verwendeten Dampfmafchinen betrug im Jahre 1872 923 und ihrer Pferdekräfte 75.708. Die Kohlenpreife waren in Belgien in normalen Zeiten nicht billig, find aber bei der letzten Conjunctur der Jahre 1872 und 1873 auch nicht in ganz fo übertriebener Weife geftiegen, wie etwa in England. Der Durchschnittspreis per Tonne war im Jahre 1851 3 fl. 18 kr., ftieg dann im Jahre 1854 auf 4 fl. 32 kr. und hielt fich mit geringen Schwankungen auf diefem Richtmafs bis zum Jahre 1872, wo eine Steigerung bis zum Durchschnittspreife von 5 fl. 32 kr. ftattfand. Stückkohle koftete in gewöhnlichen Zeiten 8 bis 10 Gulden per Tonne, Förderkohle. 71%, Gulden. Im September 1873 ftand in Charleroi Stückkohle 16 bis 17 Gulden, Förderkohle II bis 13 Gulden, Coke 20 Gulden per Tonne. Am Jahresfchluffe waren die Preife im Weichen begriffen. Die durchfchnittlichen Verkaufspreife in der Hauptftadt Brüffel ftellten fich im März 1874 für die einzelnen Sorten per Zoll- Centner wie folgt: Kohlenpreife in Brüffel. Gewöhnliche Körnige Beim Verkaufe an FörderGrieskohle oder Ziegel- kohle MafchinenGanz grofse Stückkohle Stückkohle kohle Kreuzer öfterreichifcher Währung in Silber. Fette Kohle Induftrielle Private 36 bis 38 42 " 44 40 bis 42 48 " 50 44 bis 46 64 bis 68 54 " 56 74 80 78 bis 84 27 Halbfette Kohle Induftrielle Private .. 36 bis 38 42 " 44 40 bis 42 48 " 50 44 bis 46 54 56 78 68 bis 72 84 82 bis 88 " Magere Kohle Induftrielle 32 bis 34 36 bis 38 40 bis 42 60 bis 64 Private 38 " 40 42 وو 44 46 48 66 99 99 70 70 bis 72 In diefen Preifen find die Koften der Abfuhr von den Bahnhöfen in Brüffel, welche im Durfchnitte 3 kr. öfterreichifcher Währung per Zoll- Centner betragen, nicht enthalten. Preisveränderungen folgen in neuefter Zeit immer rafch aufeinander, doch hält die Kohle der verfchiedenen Becken bei gleicher Qualität immer 44 J. Pechar, Dr. A. Peez. den gleichen Preis. Von den oben mitgetheilten Verkaufspreifen in Brüffel entfallen auf die Bahnfracht bis dahin folgende mäfsige Ziffern: Durchfchnittliche Transportpreife der nach Brüffel beförderten Kohle per Zoll- Centner: EntferPer Bahn nach den Stationen Bezugsort nung in Brüffel Nordbahn Brüffel Südbahn Brüffel Weſtbahn Per Waffer Kilometern Meilen Kreuzer öfterreichifcher Währung in Silber Mons. 70 9.2 8.0 7.2 7.2 5.5 bis 5.6 Centre 70 9.2 8.0 7.2 7.2 - Charleroi 75 9'9 8.0 7.6 7.6 4'5 " 50 Namur 75 9.9 8.0 8.2 8.0 Lüttich 105 13 9 9: 2 9.3 9.2 Brüffel confumirte im Jahre 1872 circa 600.000 Tonnen inländifcher Kohle, fo dafs bei der jetzigen Bevölkerung der Hauptstadt von etwa 350.000 Einwohnern ungefähr 3424 Pfund per Kopf entfallen würden. Von dem angegebenen Confum kommen etwa 35 Percent auf das Becken von Charleroi, je 25 Percent auf Centre und Mons und 15 Percent auf Lüttich. Was den finanziellen Ertrag der Werke betrifft, fo berechnete man im Lütticher Revier von der geförderten Tonne einen Brutto- Ertrag von 146 Gulden; fchlägt man hievon eine Summe von o'51 fl. per Tonne für Vorauslagen ab, fo bleibt ein Reinertrag von 0.95 fl. per Tonne übrig. Seit 1871 bis Mitte 1873 haben fich in ganz Belgien die Kohlenpreife um 100 Percent, die allgemeinen Auslagen einfchliesslich der Löhne um 75 Percent, der Gefchäftsgewinn der Gewerken um 25 Percent gehoben. In der folgenden Zufammenftellung geben wir die Zahl der in den belgifchen Kohlenwerken befchäftigten Arbeiter, ihren durchfchnittlichen Taglohn und die jährliche Fördermenge eines Arbeiters in den Jahren 1840 bis 1872( Siehe 1. Tabelle Seite 45). Nach diefen Daten ift die Zahl der Arbeiter von 1840 bis 1872 von 39.130 auf 98.863, mithin um das 21/ 2fache geftiegen. Ungefähr 75 Percent der Arbeiter find bei dem Tiefbaue, die übrigen zu Tage befchäftigt. Die Löhne waren feit den 50er Jahren bis zum Jahre 1871 nicht erheblich geftiegen. Seit 1871 jedoch ift bis gegen Ende 1873 eine Lohnerhöhung um 40, 50 und mehr Percent eingetreten. Der jährliche Verdienft eines Arbeiters war im Becken von Lüttich im Jahre 1871 371 2 fl., im Jahre 1872 430 8 fl. und dürfte im Jahre 1873 noch eine weitere Erhöhung erfahren haben. Die jährlich von einem Arbeiter geförderte Kohlenmenge ift von 100 Tonnen im Jahre 1840 und 122 Tonnen im Jahre 1860 auf 145 Tonnen im Jahre 1871 geftiegen; im Jahre 1872 betrug fie im Reviere von Charleroi durchſchnittlich 157 und in Lüttich 162 Tonnen, woraus auf eine mittlere Ziffer von 158 Tonnen für das ganze Land zu fchliefsen iſt. Sowohl der einheimifche Verbrauch, wie auch die Ausfuhr belgifcher Kohle nach den benachbarten Ländern find fehr bedeutend( Siehe 2. Tabelle Seite 45). Mineralifche Kohle. Anzahl, Taglohn und Förderquantum der Arbeiter: Arbeiter Durchfchnittlicher Taglohn eines Arbeiters Anzahl der Im Jahre öfterr. Währ. Silber kr. fl. Durchschnittliche jährliche Förde rungsmenge eines Arbeiters Tonnen 1840 39.130 1845 41.435 59 65 IOO 70 II2 1850 47.949 1855 70.980 97 118 1860 78.232 98 122 1861 81.675 97 123 1862 80.302 92 123 1863 79.187 93 130 1864 79.779 95 139 1865 82.368 I 04 143 1866 86.721 I 21 147 1867 93.339 I 18 137 1868 89.382 I 07 136 1869 89.928 I IO 143 1870 91.993 I 17 148 1871 94.286 I 15 145 1872 98.863 I 43 158 Belgiens inländifcher Verbrauch und Ausfuhr an Kohle: Im Jahre Inländifcher Verbrauch Ausfuhr Tonnen Tonnen 1840 3,150.490 779.473 1845 3,375.684 I, 543.472 1850 3,833.404 1,987.184 1855 5,434.981 2,974.349 1860 6,160.589 3,450.306 1861 6,678.112 3,379.05 1 1862 7,043.665 2,891.980 1863 7,454.356 2,890.974 1864 7.834.742 1865 8,272.916 3.323.594 3.5 67.687 1866 8,802.890 3,971.772 1867 8,674.676 1868 8,003.979 1869 8,615.733 4.081.206 4,294.610 4,327.161 1870 1871 1872 9,944.78 1 9.546.972 10, 678.751 3,752.329 4.368.285 5,630.197 4 45 46 J. Pechar, Dr. A. Peez. Demnach hat der Verbrauch der im Inlande producirten Kohle feit 1840 um 238.9 Percent, die Ausfuhr aber um 622 7 Percent zugenommen. Von der Gefammtförderung wurden im Jahre 1872 631 Percent im Inland verbraucht und 35'9 Percent den Nachbarländern zugeführt. Fügt man zu der im Inland verbrauchten Menge belgifcher Kohle noch einen Betrag von circa 221.900 Tonnen, die nach Belgien eingeführt wurden, fo erhalten wir den Gefammtverbrauch von 10 901 Millionen Tonnen, fo zwar, dafs bei einer Bevölkerung von 5.087 Millionen auf den Kopf 4285.8 Pfund entfallen. Diefer fehr bedeutende Verbrauch, welcher nur dem englifchen nachfteht, ift der fchlagendfte Beweis für die mächtige Entwicklung der belgifchen Induſtrie. Neben der Menfchenhand und als deren wirkfamfte Verſtärkung arbeitet in Belgien ein fehr bedeutendes Mafchinenwefen, und die mit der Kohle im innigften Bunde ftehende Eifeninduftrie hat bekanntlich in jenem kleinen Lande einen ihrer wichtigften Production splätze aufgefchlagen. Charleroi, Lüttich, Mons vereinigen die Erzeugung von Kohle und Eifen. Bei Charleroi allein finden fich 40 Hochöfen. Um Lüttich waren im Jahre 1872 98 Eifenwerke angehäuft, nämlich 6 Hochöfen, 55 Giefsereien, 17 Puddel- und Walzwerke, 20 Fabriken von Eifenmaterial und Mafchinen, ferner 3 Stahlwerke; alle diefe Werke zufammen producirten mit 10.406 Arbeitern 178.375 Tonnen Roh- und Gufseifen und 103.205 Tonnen raffinirtes Eifen. Ganz Belgien wird im Jahre 1872 circa 2 Million Tonnen Roheifen erzeugt haben. Seine Stahlproduction, die im Jahre 1861 erft 2675 Tonnen betrug, ift im Jahre 1872 auf 15.284 Tonnen geftiegen, und zahlreiche neue Stahlwerke waren in der Errichtung begriffen. Die belgifche Gefammtinduftrie hatte im Jahre 1872 etwa 6000 Dampfmafchinen mit 150.000 Pferdekräften in Betrieb. Das Becken von Charleroi verbraucht etwa die Hälfte feiner Kohlenproduction an Ort und Stelle, Lüttich zwei Fünftel, Mons ein Drittel, le Centre zwei Fünftel und das kleine Namur mehr als die Hälfte. Aus dem Ueberfchuffe diefer Kohlenquelle verforgen fich dann die anderen Theile des Landes, wobei fie alle Begünftigungen geniessen, die ein weitverzweigtes Canal- und Eifenbahnnetz mit überaus billigen Tariffätzen der Induftrie bietet. Es genügt anzuführen, dafs Belgien im Jahre 1873 1032 Kilometer oder 136 Meilen fchiffbare Flüffe, 622 Kilometer oder 82 Meilen Canäle und 3500 Kilometer Eifenbahnen befafs. Ueber die Einzelheiten der Circulation der Kohle gibt die treffliche Karte von Max Göbel für das Jahr 1869 die nöthigen Nachweiſe. Den Aufsenhandel mit Kohle betreffend, fo war die Einfuhr von Kohle nach Belgien in früheren Jahren kaum nennenswerth. Im Jahre 1869 betrug fie 235,607 Tonnen und hörte während der Kriegsjahre 1870 und 1871 faft ganz auf. Im Jahre 1873 ift jedoch ein wefentlicher Umfchwung eingetreten. Die Gefammt- Kohleneinfuhr Belgiens ftieg im Jahre 1873 auf 659.000 Tonnen, während fie im Jahre 1872 nur 211.000 Tonnen betrug, fie hat fich daher innerhalb eines Jahres um nicht weniger als 212 3 Percent vergröfsert Von obigen 659.000 Tonnen kamen 324.000 Tonnen aus Deutſchland( Weftphalen), 217.000 Tonnen aus England und 107.000 Tonnen aus Frankreich. Weit beträchtlicher als die Einfuhr ift jedoch die Ausfuhr von Kohlen. Sie betrug im Jahre 1873 4171 Millionen Tonnen Kohle und 0.802 Millionen Coke gegenüber 4.608 Millionen Tonnen Kohle und o 749 Millionen Tonnen Coke im Jahre 1872. Hiernach hat fich im Jahre 1873 die Ausfuhr an belgifcher Kohle um 437.000 Tonnen vermindert, während der Coke- Export um 53.000 Tonnen geftiegen ift, allerdings nur ein geringer Erfatz für die beträchtliche Minderung des Exportes von Kohle, zumal gegen Ende des Jahres 1873 in Folge der Stockungen der Eifeninduftrie in allen Nachbarländern auch die Ausfuhr der belgifchen Coke wieder beträchtlich abgenommen hat, das Steigen der Coke Mineralifche Kohle. 47 ausfuhr im Jahre 1873 alfo nur als eine Folge der befferen Conjunctur in der erften Hälfte diefes Jahres erfcheint. Was die Verbrauchsländer angeht, nach welchen fich die belgifche Kohlenausfuhr richtet, fo vertheilten fie fich wie folgt: Belgiens Kohlenausfuhr. 1872 1873 Bezeichnung des Landes metrifche Tonnen Frankreich. Niederlande Deutſchland diverfe Länder. Summa 4,100.000 3,900.000 309.000 124.000 63.000 31.000 136.000 116.000 4,608.000 4,171.000 Wie fich aus diefer Tabelle ergibt, richtete fich das Gros der belgifchen Kohlenausfuhr nach Frankreich, deffen nördliche Theile bis gegen Rouen auf Canälen und Eifenbahnen fich mit belgifcher Kohle verforgen. Paris allein verbrauchte davon( neben feinem Confum von franzöfifcher, englifcher und deutfcher Kohle) die enorme Menge von 700.000 Tonnen oder 14 Millionen Zoll- Centnern, welche vornehmlich aus Mons und Charleroi kamen. In der neueften Zeit ift jedoch der belgifchen Kohle auf diefem bisher wenig beftrittenen Abfatzgebiete in der englifchen und deutfchen Kohle eine gefährliche Concurrenz erftanden, fo zwar, dafs im Jahre 1873, verglichen mit 1872, die Einfuhr an belgifcher Kohle nach Frankreich um 200.000 Tonnen zurückging, während die Einfuhr aus England um 150.000 Tonnen und aus Deutfchland um 160.000 Tonnen zunahm. Neben der Ausfuhr nach Frankreich war im Jahre 1872 die Ausfuhr nach Holland bedeutend, mufste jedoch wieder den englifchen und deutfchen Zufuhren weichen. Was die Ausfuhr Belgiens nach Deutſchland betrifft, fo befteht diefelbe vorzugs. weife aus Coken, die in einer Menge von 250.000 bis 300.000 Tonnen insbefondere der mächtig auftretenden Eifeninduftrie des Luxemburger Landes zugeführt werden. Uebrigens war das Jahr 1873 durch die ftarken Preisfchwankungen kein normales und bot die feltfamften Verwicklungen dar. Während belgifche Kohle nach England geführt ward, fchlofs ein aus Induftriellen von Lille beftehendes Comité, ohne fich an die benachbarten Kohlengruben des nördlichen Frankreichs zu wenden, mit englifchen Producenten grofse Lieferungen ab; gleichzeitig brannte Lüttich deutfche Kohle. Erft die nächfte Zukunft wird das Ergebnifs diefer intereffanten Wettkämpfe klarlegen. Dafs Belgien bei diefem Ringen kein leichtes Spiel haben wird, das ergibt fich aus den oben angedeuteten Verhältniffen. Neue Kohlengebiete, ja felbft neue Schächte find in Belgien feit Jahren nicht aufgefchloffen worden. Wenn auch die belgifchen Ingenieure mit grofser Gefchicklichkeit und von dem in langer Friedenszeit und durch forgfame Volkswirthfchaftspflege angefammelten Capitalreichthum des Landes wirkfam unterftützt, der fchwierigen Verhältniffe ihres Bergbaues Herr zu werden trachten, fo liegen doch in der fehr mässigen Mächtigkeit der Flöze, in der ungewöhnlichen Tiefe der Gruben, welche fchon hier und da Spuren der Erfchöpfung zeigen, fowie in dem aus allen diefen Umständen refultirenden ziemlich hohen Durchfchnittspreife der Kohle nicht unbedeutende Hinderniffe 4* 48 Pechar, Dr. A. Peez. einer rapiden Entwicklung, Hinderniffe, die erft bei einem Herabgehen der Kohlenpreife zur vollen Geltung kommen werden. Die Vereinigten Staaten. Ueber den Kohlenreichthum der Vereinigten Staaten find fo übertriebene Nachrichten im Schwunge und fie wandern fo kritiklos durch die Welt, dafs einige einfchränkende Bemerkungen am Platze fein möchten. Nach gewiffen amerikaniſchen Schriftftellern verhält fich der Kohlenfchatz der Vereinigten Staaten zu dem europäiſchen wie 21: 1. Der amerikanifche Ingenieur Sweet berechnet die Ausdehnung der Kohlenformation in den verfchiedenen Ländern der Erde, multiplicirt fie mit ihrer angeblichen Mächtigkeit und gelangt dann zu dem Ergebniffe, dafs die Vereinigten Staaten 4,000.000,000.000 Tonnen, England aber nur 142.500,000.000 Tonnen Kohlen befitzen! Solche Angaben erfcheinen bei genauerer Betrachtung als willkürlich und verwirrend. Weder die Ausdehnung, noch die Mächtigkeit der amerikanifchen Kohlenfelder ift genügend durchforfcht und feftgeftellt. Die ganze Frage befindet fich noch im Stadium, der Vorunterfuchung. Ift einerfeits das Vorhandenfein gewaltiger Kohlenbecken in den Vereinigten Staaten nachgewiefen und nicht nur wiffenfchaftlich, fondern auch durch einen koloffalen Abbau fichergeftellt, fo ift doch auch die Thatfache nicht zu bezweifeln, dafs an vielen Orten, ähnlich wie in Irland, die einft vorhandenen Kohlenablagerungen weggefchwemmt worden find. Immerhin bleiben die Kohlenfchätze Amerikas bedeutend genug, um keiner Uebertreibungen zu bedürfen. Gewöhnlich unterfcheidet man fünf Kohlenreviere und gibt ihnen folgende Ausdehnung: 1. Das Apalachifche Becken 2. das Becken von Illinois und Indiana 163.341 Quadrat- Kilometer, 133.903 " 3. 99 99 " Jova, Miffouri und Arkanſas 214.970 " 4. Texas 29 " 17 7-770 99 5. 22 27 Michigan 50.116 Von diefen fämmtlichen Kohlenfeldern hat bis heute, bei den unermefslichen Entfernungen, der dünnen Bevölkerung und dem theilweife noch vorhandenen Waldreichthume der Vereinigten Staaten nur das erfte Kohlenrevier eine gröfsere Bedeutung erlangt. Das Apalachifche Kohlenrevier zieht fich in der Richtung Nordoft zu Südweft durch die Staaten Pennſylvanien, Kentucky, Ohio, Tenneffee, Alabama, Maryland und Georgien; fein Schwerpunkt liegt jedoch in Pennfylvanien. Das Becken hat eine ununterbrochene Länge von 1408 Kilometern, eine Ausdehnung, die nur von den unteren kohlenführenden Schichten an der Weftfeite des Uralgebirges übertroffen wird. Durch das Alleghanygebirge wird das Becken in zwei hinfichtlich der Kohlenbefchaffenheit gänzlich verfchiedene Theile zerfchnitten, indem der weftliche Theil bituminöfe, der öftliche den atlantifchen Häfen zugekehrte Theil jedoch anthracitifche Kohle führt. Letztere enthält 87 bis 90 Percent reinen Kohlenftoff, erzeugt einen intenfiven Hitzegrad und eignet fich ohne vorhergegangene Vercokung zum Hochofenproceſs, ift jedoch als Mafchinenkohle weniger gut als die europäiſche Fettkohle. Die bituminöfe Kohle entſpricht unferer backenden Kohle. Der Diftrict, der die Anthracitkohle enthält, ift die Gegend am nordöftlichen Ende der Blauen Berge zwifchen dem Potomac und Delaware mit dem Thale des Susquehanna als Mittelpunkt. Die geographifche Lage des Beckens ift alfo infofern eine ungemein günftige, als dasfelbe zwifchen den wichtigen Hafen ftädten New- York, Philadelphia, Baltimore im Often und dem grofsen Syfteme Mineralifche Kohle. 49 der Binnenfeen im Nordweften mitten inne liegt. Nach beiden Seiten vermitteln zahlreiche Eifenbahnen, Flüffe und Canäle den Transport der Kohle. Das Anthracitrevier Pennſylvaniens zerfällt in drei Theile: das füdlichfte oder Schuylkill- Gebiet, welches die Lehigh- Kohle enthält, das mittlere mit der Shamokin- Kohle und das nördliche, welches die Wyoming- und Lakawanna- Kohle von Scranton, Pittston und Lackawanna auf den Markt bringt. In der Schuylkill- Ablagerung mit Mauch- Chunk und Pottsville als Mittelpunkten find 25, an anderen Orten nur 1o bis 12 Flöze nachgewiefen, die im erfteren Falle eine Gefammtmächtigkeit der Kohle von 63 Metern oder 207 englifchen Fufs darftellen, obfchon die durchfchnittliche Mächtigkeit fich nicht über 21 3 Meter oder 70 Fufs erheben mag. Stellenweife fchwinden oder verdünnen fich die Zwifchenmittel, in welchem Falle dann riefige Flöze entſtehen, die z. B. zu Lehigh- Summit eine Mächtigkeit von 15:25 Metern oder 50 Fufs mit 9:14 Metern oder 30 Fufs guter Kohle enthalten. Der Abbau gefchieht durch Stollen oder Schächte von durchſchnittlich weniger als 60 92 Metern oder 200 Fufs Teufe, fowie durch Streckentrieb mit Pfeilerbau. Bei der Häuerarbeit werden in neuerer Zeit Mafchinen angewendet, die bei der regelmässigen Lagerung der Flöze und den theueren Arbeitslöhnen ziemlich ftark in Aufnahme gekommen find. Die bei Mauch- Chunk am nordöftlichen Ende des Schuylkill- Reviers unfern des Delaware- Fluffes gewonnene Kohle( Lehigh- Kohle) ift der härtefte und reinfte Anthracit, den man kennt. Hier begann überhaupt der Kohlenbergbau der Vereinigten Staaten im Jahre 1808 und hier wurden bereits im Jahre 1827 auf fchiefen Ebenen Kohlenzüge befördert. Mauch- Chunk liegt äufserft romantifch zwifchen Bergen von 1000 Fufs Höhe, an welchen man jetzt auf fchiefen Ebenen zahlreiche Bahnzüge nach der unten vorbeiftreichenden Hauptbahn und dem Lehigh Canal herabgleiten fieht. Für Deutfche hat diefe Gegend noch ein befonderes Intereffe, nicht nur weil die Gegend überhaupt von ihren Landsleuten zuerft befiedelt wurde, fondern auch weil der grofse Nationalökonom Friedrich Lift, aus Württemberg vertrieben und zu Reading in Pennfylvanien niedergelaffen, auf einem Ausfluge in die Blauen Berge im Jahre 1828 die Kohlenminen von Tomaqua entdeckte. Sofort gründete Friedrich Lift eine Gefellſchaft, welche mit einem Capital von 700.000 Dollars die Werke ausrichtete und vermittelft einer 20 englifche Meilen langen Zweigbahn nach Port Clinton mit dem Schuylkill- Canale verband. Durch die Entdeckung eines bisher unbekannten Kohlenflözes und die rafche und energifche Ausbeutung desfelben trug Friedrich Lift nicht wenig zum Auffchwunge des Kohlenbergbaues in jenem wichtigen Reviere bei. Die wichtigften Becken der Anthracitregion find das Wyoming-, Schuylkillund Lehigh- Becken. Die Verfendung an Kohle theils per Bahn, theils per Canal betrug in Millionen englifchen Tonnen: Im Jahre 1860 1865 Wyoming Schuylkyll Lehigh ITTI 1867 1870 1871 1872 5 5 ΙΟ Die rafchefte Entwicklung zeigt demnach das Wyoming- Becken, welches die mächtige Stadt New- York vorzugsweife mit Kohle verforgt, während die Reviere von Schuylkill und Lehigh in Philadelphia ihren Hauptmarkt haben. Der Verbrauch an Ort und Stelle war bei den drei Becken in den Jahren 1871 und 1872 der folgende in Millionen Tonnen englifch: 50 Schuylkill Wyoming Lehigh J. Pechar, Dr. A. Peez. 1871 1872 I'7 1.7 I'2 I 5 0'4 0.5 Den ftärksten örtlichen Verbrauch oder, was dasfelbe fagen will, die bedeutendfte Induftrie hat demnach das Schuylkill- Becken, aber der Fortfchritt ift rafcher im Wyoming- Reviere. In den Anthracit- Kohlenfeldern öftlich der Alleghany's waren im Jahre 1870 30.500 Arbeiter befchäftigt, welche 14'5 Millionen Tonnen Kohle förderten. Was die Unfälle der Bergleute betrifft, fo kamen auf 36.550 Tonnen Kohle I Todter, auf 18.350 1 Verwundeter, auf 81.790 1 Witwe und auf 20.070 Tonnen. I Waife. Im Ganzen verunglückten von 30.500 Arbeitern 535, alfo 17 Percent, wovon 129 ftarben. Durch Explofion von fchlagenden Wettern oder Spreng mitteln wurden 30 Percent fämmtlicher Unfälle verfchuldet. Die Löhne waren in den letzten Jahren für Häuer 13 Dollars Banknoten oder rund 26 Gulden per Woche. Taglöhner in der Grube erhielten gegen II Dollars, aufser der Grube 10 Dollars. Im Jahre 1874 waren jedoch die Löhne wefentlich zurückgegangen und während vorher zahlreiche Bergarbeiter aus England nach Amerika gezogen waren, fanden zu Beginn des Jahres 1874 Rückwanderungen aus Amerika nach England ftatt. Was die zur Ausbeutung der mächtigen Anthracitlager der Vereinigten Staaten gefchaffenen Anlagen betrifft, fo ftehen hier in erfter Reihe die zahlreichen Transportlinien, die nach allen Richtungen auslaufen. Zuerft ftreichen die Bahnen durch die Reviere felbft, kreuzen diefelben quer, durchziehen fie oder folgen ihnen feitwärts. In zweiter Reihe vermitteln kurze Bahnen die Verbindung mit den nächften Flüffen und Canälen. In dritter Reihe folgen dann die eigentlichen Hauptlinien, welche zumeift nach den grofsen Fabriks- und Hafenplätzen an der atlantifchen Küfte zielen. So hatte fchon vor Jahren das Schuylkill- Becken neun Eiſenbahnverbindungen und aufser dem Susquehanna nicht weniger als vier Canäle zu feiner Verfügung; das Shamokin- Becken gleichfalls neun Eifenbahnen, drei Canäle und in noch gröfserer Nähe den Susquehanna. Das Woyming- Becken endlich ift vom Susquehanna- und North- Branch- Canal durchzogen, und aufserdem führen fechs Bahnen theils zu Ladeftationen an den benachbarten Canälen, theils direct nach den hauptfächlichften Confumtionsplätzen. Die Entfernung von Mauch- Chunk nach New- York beträgt je nach der gewählten Transportftrafse 209 2 bis 273 5 Kilometer oder 130 bis 170 englifche Meilen, nach Philadelphia 162 5 bis 212 Kilometer oder 101 bis 133 englifche Meilen, nach Baltimore 321 8 bis 402 3 Kilometer oder 200 bis 250 engliſche Meilen. Diefe Entfernung iſt immer noch zu grofs, um einen fchwunghaften Ausfuhrhandel der amerikaniſchen Kohle gegenüber der Concurrenz der englifchen Kohle zu ermöglichen. Während die englifchen Kohlen in Newcaftle oder Cardiff mit ganz unbedeutendem Landtransporte faft unmittelbar aus der Grube in das Schiff geladen werden, tritt bei der Kohle der Vereinigten Staaten durch den Landweg von 210 bis 215 Kilometern Länge, möge derfelbe nun per Bahn oder Canal zurückgelegt werden, immerhin eine Vertheuerung des Productes um circa 66 Percent des Grubenpreifes ein. Beziffert man den letzteren rund mit 3 Dollars oder 6 Gulden öfterreichifcher Währung, fo kommt gute Kohle mit Hinzurechnung von 2 Dollars Transportkoften und 3/4 Dollar für Abgang und Spefen, bis zu den atlantifchen Häfen New- York, Philadelphia oder Bofton geftellt, auf 6 bis 7 Dollars oder 12 bis 14 Gulden per Tonne. Die Concurrenz der fremden Kohle ift durch einen Zoll von 114 Dolla. per englifche Tonne erfchwert, und es fanden neben den billigeren Kohlengattungen aus der englifchen Colonie Neu- Schottland nur die beften englifchen Schiffs- und Gaskohlen in mäfsigen Poften Eingang. Englifche Gaskohlen wurden Mineralifche Kohle. 51 in New- York zu Ende des Jahres 1873 mit 12 bis 20 Dollars per Tonne bezahlt. Daneben erzielten aber auch einheimifche Gaskohlen, wie die Cannelkohle aus Weftvirginien, einen Preis von 15% Dollars per Tonne. Durch die fortfchreitende Entwicklung der einheimifchen Kohlenproduction und unter Begünftigung des Zolls von 114 Dollar ift der Import beträchtlich zurückgegangen. So hatte z. B. Bofton noch im Jahre 1871 neben 538.900 Tonnen einheimifcher Kohle eine Zufuhr von 209.200 Tonnen fremder Kohle aus NeuSchottland. Im Jahre 1872 dagegen war diefe Zufuhr auf 90.700 Tonnen gefunken, der Verbrauch von einheimifcher Kohle aber auf 1,069.000 Tonnen geftiegen. Bofton hatte im Jahre 1872 einen Gefammtverbrauch von 1,159.700 und Philadelphia von 2,082.000 englifchen Tonnen. Bofton verbraucht alfo bereits mehr Kohlen als Berlin, und Philadelphia beträchtlich mehr Kohlen, als Paris oder als Berlin und Wien zufammengenommen. Der Confum von New- York wird mit 3 Millionen Tonnen ficher nicht zu hoch angefchlagen. Es bedarf kaum weiterer Ziffern, um den induftriellen Auffchwung der Vereinigten Staaten in feinem rechten Lichte erfcheinen zu laffen. Die auf der Weftfeite des Alleghany- Gebirges gelegenen Kohlenreviere enthalten eine bituminöfe Kohle und gelangen bei Pittsburg zu ihrer fchönften Entwicklung. Ein ausgedehntes und in mässigen Wellenlinien fich verflachendes Gebiet, welches der Ohio, der Alleghany und der Monongahela durchftrömen, fchliefst hier ein ohne Zweifel riefiges Kohlenvermögen ein. Faft in horizontaler Richtung gelagert, läfst fich von Brownsville bis Pittsburg ein 3.05 Meter oder 10 Fufs mächtiges Flöz verfolgen. Südöftlich davon find fogar Flöze von 3.66 bis 4:26 Meter oder 12 bis 14 Fufs Mächtigkeit nachgewiefen. Auch die Gewinnungs. verhältniffe find ungemein günftig. An den Ufern der genannten Flüffe tritt wiederholt die Kohle zu Tage und kann mit horizontalen Galerien, die fich felbft entwäffern, herausgenommen werden, während die beladenen Hunde, abwärts zum Spiegel des Fluffes gleitend, die Kohle in die zur Aufnahme bereiten Barken fchütten. Unter fo ausnahmsweife günftigen Förderverhältniffen berechnete man fonft in normalen Zeiten die Geftehungskoften auf 150 Gulden oder o 75 Dollars per englifche Tonne, während die englifchen Kohlenwerke, nach Angabe amerikanifcher Sachverständiger, damals 2 40 Gulden oder 120 Dollars per Tonne Geftehungskoften haben follten. Doch find diefe Ziffern durch die in den letzten Jahren eingetretenen grofsen Veränderungen in den Lohnverhältniffen etc. völlig andere geworden. Die Entfernung der weftlichen Kohlenfelder von den öftlichen Häfen ift zu grofs( nach New- York z. B. 330, 400 bis 490 englifche Meilen oder 531, 644 bis 788 Kilometer je nach der Route), um auf den dortigen Märkten concur riren zu können. Sie finden dagegen ihren Abfatz an den grofsen Seen und ferner in den Städten und bei den Bahnen des Miffiffippi- Gebietes, befonders aber bei der mächtigen Eifeninduftrie, die fich mit Pittsburg als Mittelpunkt in unmittel barer Nähe der Kohle entwickelt hat. Die Eifeninduftrie, welche etwa 14 der ganzen Kohlenförderung oder rund 10 Millionen Tonnen verbraucht, ift in den Vereinigten Staaten in rafchem Auffchwunge begriffen. Mehrere hundert Hochöfen, die fich namentlich in Pennfylvanien häufen, erzeugten nach Bericht der American Iron- and Steel- Affociation vom 1. October 1872 bis 30. September 1873 an Eifen- und Stahl- Eifenbahnfchienen o'942 Million Tonnen, Walz- und Schmiedeeifen 1 Million, Frifchfeuer- Eifen o 058, Gufsftahl o 032, Beffemerftahl o'110 und Martinftahl o'003 Million Tonnen. Im letzten Jahre hat fich die Roheifen- Production gegen das Vorjahr um 10 Percent, die Stabeifen- und Stahlwaaren- Fabrication um 5 Percent gehoben. Während im Jahre 1854 die Roheifen- Production erft o 736 und im Jahre 1864 erft 1135 Millionen Tonnen betrug, erreichte fie im Jahre 1873 bereits 2.830 Millionen Tonnen. Beffemerhütten gab es im Jahre 1873 bereits 13. Ihre Productionsfähig. keit von Stahlfchienen wird auf o'220 Million Tonnen pro 1874 gefchätzt und 52 J. Pechar, Dr. A. Peez. ihre Ausdehnung wird einzig durch die Schwierigkeit der Befchaffung von Spiegeleifen gehemmt. Im Walzwerksbetrieb( nach dem Syfteme Lauth mit drei Cylindern), fowie in der Production feiner Eifenforten können die Amerikaner vollſtändig mit den Engländern wetteifern und übertreffen fie in der Anwendung von Mafchinen ftatt der Handarbeit. Gleichwohl hatten die Vereinigten Staaten im Jahre 1872 eine Einfuhr an Eifen- und Eifenwaaren im Werthe von 118 Milionen Gulden oder 59 Millionen Dollars. Alfo ein riefiger Markt, welcher der amerikanifchen Kohlenproduction eine glänzende Zukunft verheifst, wenn auch der Stillftand im Eifenbahnbaue zu Ende 1873 bedeutende Stockungen veranlafste. Die pennfylvanifchen Kohlen, welche an Bedeutung alle anderen weit übertreffen, waren auf der Wiener Weltausftellung nicht vertreten. Sehr fchöne Steinkohle war von Wilder aus Tenneffee ausgeftellt, und auch Alabama und Arkanfas hatten Proben ihrer mineralifchen Brennftoffe gebracht. Zu Ende 1873 wurden auch in Californien Kohlenfelder entdeckt. welche angeblich die Tonne für 12 Gulden( 1 Pfund Sterling) nach St. Francisco ftellen können, während dort engliſche Kohle 48 Gulden per Tonne koftete. Beftätigt fich diefe Nachricht, fo würde fie nicht allein für Californien, fondern auch für die Dampferlinien des Stillen Oceans von grofser Bedeutung fein. Die Kohlenproduction der Vereinigten Staaten begann im Jahre 1820 und hat fich feit diefer Zeit in folgender Weife entwickelt: im Jahre 1820. 1830. 1840 1850. Quantität 365 Tonnen, 232.870 1,027.2 5 1 3.736.186 9,388.758 " " 1860.. 1865. 1866.. 1867. 1871. 1872. " 17,38 5.021 21,856.000 " " 25,800.000 " 34,037.486 29 41,491.1 35 " Von der Gefammtförderung fiel die ftärkere Hälfte auf Anthracitkohle. Die Circulation der Kohle wird durch ein ausgebildetes Eifenbahnfyftem, fowie durch ein treffliches Netz von Flufsläufen und Canälen ungemein begünftigt. Am Schluffe des Jahres 1873 betrug die Länge der Eifenbahnen in den Vereinigten Staaten 71.564 und mit Hinzufchlag der Seiten- und Doppelgeleife 85.075 englifche Meilen oder 136.912 5 Kilometer. Auf diefen Bahnen liefen 14.223 Locomotiven, 13.725 Perfonen- und Gepäckswagen und 338.427 Laftwagen. Wie wichtig die Kohle bereits für die Bahnen geworden ist, ergibt fich daraus, dafs die Lehigh- Valley- Bahn im Jahre 1870 bereits 3.6 Millionen Tonnen, die Summit- Branch Bahn 4:49 und die Philadelphia- Bahn 4.69 Millionen Tonnen Kohle verfrachtete, alfo ein Transportquantum, welches in Europa, von den wichtigften englifchen Bahnen abgefehen, nur noch von der Köln- Mindener und der Bergifch- Märkifchen Bahn erreicht wird. In Folge Auffchwungs der einheimifchen Production hat die Einfuhr von Kohle nach den Vereinigten Staaten, wie fchon bemerkt wurde, in den letzten Jahren abgenommen. Diefelbe ift von o'685 Millionen Tonnen im Jahre 1865 und 0531 Millionen Tonnen im Jahre 1867 auf 0 312 Millionen Tonnen im Jahre 1871. zurückgegangen, betrug jedoch 1872 wieder 0'490 Millionen englifche Tonnen.. Diefe Einfuhr kommt zu etwa 2 aus den englifchen Colonien( befonders von der Infel Cape Breton bei Neu- Fundland) und zu 1½ aus England felbft und verforgt lediglich die atlantifchen Häfen Bofton, New- York und andere; Philadelphia ift dagegen der Ausfuhrhafen für die amerikaniſche Kohle, und es ging diefelbe in Beträgen von 200.000 bis 400.000 Tonnen nach Canada, Weftindien und China. Mineralifche Kohle. 53 Mit welch' grofsartigem Blicke übrigens die Amerikaner ihre Handeisbeziehungen und darunter namentlich auch den Kohlenhandel ihres Landes betrachten, das ergibt fich aus einer Skizze, worin der Commodore Maury die Zukunft des Golfes von Mexico fchildert. Was das Mittelländifche Meer, fo fagt diefer wiffenfchaftlich hochgebildete Seemann, für die alte Welt, das ift der Golf für die neue. Wenn es wahr ift, dafs der Handel eines folchen Meerestheiles in geradem Verhältniffe zu der Productionsfähigkeit der Küften und zu der Länge und Bedeutung der in das betreffende Meer fich ergiefsenden Ströme fich entwickeln wird, fo kann die Zukunft unferes Golfhandels, in welchen der Miffiffippi und der Amazonenftrom münden, kaum grofs genug angefchlagen werden. Beide Ströme mit ihren Nebenflüffen befitzen eine Länge des Wafferlaufes, welche, in Eine Linie zufammengefügt, einen Canal rund um die Welt bilden würde. Nun bedenke man die Productionsfähigkeit diefer Stromgebiete, fowie der fruchtbaren Küftenländer und der herrlichen Infelwelt im Golfe! Aufserdem kommt noch in Betracht, dafs es nur die Landenge von Darien ift, welche den Golf von Oftafien und Indien, das ift von einer Bevölkerung von 600 Millionen Menfchen, fcheidet. Fällt diefe Zwifchenwand, was früher oder fpäter gefchehen muſs, fo wird der Golf zur grofsen Heerftrafse zwifchen Europa und Afien. Zur Erfüllung aller diefer Erwartungen gehört als materielles Subftrat Kohle. Das Transportwefen und die später dort zweifellos aufblühende Induftrie bedürfen ausgiebiger Kohlenlager. Würde man die Kohle für den Golf aus England oder von der atlantifchen Küfte der Vereinigten Staaten beziehen wollen, fo käme fie fehr theuer; auch wäre der Bezug pennfylvanifcher Kohle unficher wegen der häufigen Störungen der Schifffahrt bei der vorfpringenden Landzunge von Florida. Glücklicherweife befitzen auch das Miffiffippi- Thal und die öftlich angrenzenden Staaten reiche Kohlenlager und befonders fcheint Alabama beftimmt, das Pennfylvanien des mexicanifchen Golfes zu werden. Der weite Blick und die kühne, zuverfichtliche Auffaffung, die fich in diefen handelspolitifchen Ideen der Nordamerikaner ausfpricht, läfst deren Verwirklichung als wahrfcheinlich erfcheinen. Britifch- Amerika. Die englifchen Colonien Neu- Braunfchweig und Neu- Schottland enthalten ausgedehnte Kohlenablagerungen, welche bei Pictou in Neu- Schottland einfchliefslich einiger Zwifchenmittel von Schiefer- und Eifenftein eine locale Mächtigkeit von II 27 Meter oder 36 Fufs erreichen. Das Becken von Cape Breton hat noch gröfsere Bedeutung. Dasfelbe zieht fich unter der See hinweg bis nach Neu- Fundland und hat feine befte Entwicklung bei der Stadt Sydney, in deren Nähe 34 Flöze, worunter einzelne bis vier oder fieben Fufs Mächtigkeit, aufgefchloffen find. Die günftige Lage an der See geftattet eine wohlfeile Verfendung diefer Steinkohle, welche, wie bereits früher bemerkt, in ziemlich bedeutender Menge nach Bofton, New- York und anderen nördlich gelegenen Seeftädten der Vereinigten Staaten gebracht wird. Die Förderung von Neu- Braunfchweig mag jetzt 20.000 Tonnen betragen. Neu- Schottland dagegen förderte in 1870 568.276 Tonnen, wovon ein Theil für die Umgegend, ein anderer für Zwecke der Dampffchifffahrt, die gröfsere Hälfte aber für die Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten verwendet wurde. Auftralien. Unter den Ländern, welche berufen find, in dem Kohlenhandel der Welt eine Rolle zu ſpielen, nimmt Auftralien eine wichtige Stelle ein. Die bis jetzt 54 J Pechar, Dr. A. Peez. bekannten Kohlenreviere Auftraliens liegen an der Oftküfte in der Nähe der Städte Sydney und Newcaftle, öftlich der Kette, die fich unter dem Namen der Blauen Berge längs der Küfte hinzieht. Die Flöze haben einfchliefslich der Bergemittel eine Mächtigkeit bis zu 10 Fufs. Die Kohlen ftellen fehr gute Qualitäten dar, bis zur trefflichen Cannelkohle, aus welcher fowohl Gas als auch ein fehr brauchbares Mineralöl gewonnen wird. Auch als Mafchinenkohle, was fehr wichtig ift für die Dampferlinien, läfst fich diefe Kohle gut verwenden. Nach Vergleichungen, welche Abel zwifchen Kohlen von Newcaftle in England und der auftralifchen Lambtonkohle anftellte, ergab letztere 45 Percent Afche und 0.55 Percent Schwefel, während die englifchen Sorten 5 bis 7 Percent Afche und 1 bis 2 Percent Schwefel zeigten. An Coken ergab die auftralifche Kohle 64 Percent von leichter und poröfer Qualität. Die Arbeiterzahl in den auftralifchen Kohlengruben war im Jahre 1869 2012. Die leichte Förderung ermöglicht billige Preife; fie betrugen 7 bis 71/2 s. per Tonne englifch zu einer Zeit, wo zu Newcaſtle in England die Kohle mit 13 bis 14 s. bezahlt wurde. Seitdem mag wohl auch in Auftralien die Kohle etwas höher gegangen, aber gerade dadurch auch ihre Förderung gefteigert worden fein. Die Kohlenproduction Auftraliens betrug in den erften zehn Jahren ihres Dafeins, das heifst von 1852 bis 1861, zufammen 2: 053 Millionen Tonnen englifch im Werthe von 1'401 Millionen Pfd. St., ftieg aber in dem folgenden Jahrzehnt 1862 bis 1871 auf 7.230 Millionen Tonnen, im Werthe von 3'149 Millionen Pfd. St. Was insbefondere das letzte Jahrzehnt betrifft, fo betrug die Production in den fünf Jahren von 1862 bis 1866 im Durchfchnitte jährlich 563.835 Tonnen im Werthe von 281.998 Pfd St., in den fünf Jahren von 1866 bis 1871 aber 882.272 Tonnen im Werthe von 347.957 Pfd. St. jährlich. In Folgendem ftellen wir die Zahl der Gruben, die Fördermenge, Werth derfelben und Ausfuhr längs der Küfte und nach dem Auslande und Gefammtausfuhr in den Jahren 1860, 1865 und 1869 zufammen: Im Jahre Zahl der Gruben Geförderte Menge Tonnen Werth in fl. öfterr. W. längs der Silber Ausfuhr in Tonnen Küfte nach dem Auslande Zufammen 1860 1865 24 1869 33 17 368.862 585.525 919.774 3.534.150 2,312.504 104.383 2,800.633 159.640 201.622 179.453 283.836 302.362 462.002 503.866 705.488 Demnach Zunahme der Förderung von 1860 bis 1869 149'4 Percent, Zunahme der Verfchiffung längs der Küfte 93 1 Percent, Zunahme der weitern Ausfuhr 1808 Percent und der Gefammtausfuhr 148.6 Percent. Am ſtärkſten iſt fomit die Förderung geftiegen; dann folgt der Export und endlich die Verfchiffung längs der Küfte. Die letztere richtet fich nach Süd- Auftralien undVictoria( im Jahre 1868 zufammen 230.300 Tonnen). Der Export geht aber auch fchon weit über Auftralien hinaus und verforgte in 1868 Shanghay( 92.958 Tonnen), Singapore( 26.027 Tonnen), Batavia( 17.806 Tonnen), Hong- Kong( 8000 Tonnen), fowie Mauritius und andere indifche, chinefifche und infularifche Plätze mit Kohle. Nach Neufeeland gingen 92.605 Tonnen und 33.205 Tonnen wurden fogar nach den Vereinigten Staaten verfendet. Indien. Das an Naturfchätzen reichfte Land entbehrt, foviel bis jetzt bekannt, eine vollkommen gute Kohle. Auch die Wiener Weltausftellung beftätigte die bereits Mineralifche Kohle. 55 bekannte Thatfache, dafs die Kohlenforten Indiens, befonders wegen ihres hohen Afchengehalts( bis zu 16 des Gefammtgewichts), nur geringwerthig find und für. die Zwecke einer fchwunghaften Induftrie nicht ausreichend fein dürften. An mächtigen Kohlenfeldern fehlt es in Indien nicht; das wichtigfte von ihnen ift das Ranigandfchlager( Raneegunge) im Nerbaddathale, ungefähr 209 Kilometer oder 130 englifche Meilen nordweftlich von Calcutta entfernt, welches bei einer Fläche von 500 englifchen Meilen mehrere abbauwürdige Flöze mit einer gefammten Mächtigkeit von 100 bis 120 Fufs enthält. Das Kohlenvermögen. des Reviers wird auf 14.000 Millionen Tonnen angefchlagen. Wie bei den meiften Kohlenfeldern Indiens ift die Kohle des Nerbaddathales nichtbackend, bituminös und aus verfchiedenen Schichten von Glanzkohle und erdiger Kohle zufammengefetzt. Der Afchengehalt ift durchfchnittlich 14 bis 15 Percent, wechfelt aber auch zwifchen 8 bis 25 Percent. Das Becken wird von zwei Bahnlinien berührt und ein altes Project will die Kohle auf einem Canale zu dem Huglifluffe und von dort nach Calcutta bringen. Allerdings gebrauchen die bengalifchen Bahnen jetzt die Kohle von Ranigandfch, allein fie nimmt viel Platz ein, bedarf eines ftärkeren Heizperfonales und erzielt mit dem gleichen Quantum nur die halbe Heizwirkung der englifchen Kohle, wefshalb auch die Madras- und Bombay- Bahnen ihre Mafchinen nur mit englifcher Kohle heizen. Die Provinz Bengalen verbrauchte in den acht Jahren 1859 bis 1866 2.737 Millionen Tonnen einheimifche und 0.332 Million Tonnen englifche Kohle, alfo ein Verhältnifs wie 8, zu 19. Bei einer Vergleichung von 72 indifchen Kohlengattungen mit fünf bekannten englifchen Marken ergaben fich folgende Durchfchnitte: Kohlenftoff Flüchtige Beftandtheile Afche Indifche .52.2 31 9 15.5 Englifche Kohle 68.16 29.20 2.70 Obwohl hier, wie uns fcheint, fehr gute englifche Dampfkohlen zur Vergleichung gewählt find, fo geht doch die Inferiorität der indifchen Kohle unzweifelhaft aus diefer Analyfe hervor, und es dürfte daher das Urtheil nicht ungerecht fein, dafs die bisher bekannte befte indifche Kohle ungefähr der englifchen oder deutfchen Mittelkohle nahe- oder gleichkommt. Dagegen ift aber auch der Preisunterfchied fehr grofs. In der Nähe von Calcutta koftete die Bahnen im Jahre 1871 die englifche Kohle 2 Pfd. St. per Tonne, die einheimifche Kohle aber nur 7 s., folglich war letztere faft fechsmal wohlfeiler. Je mehr man fich aber der Küfte nähert und je weiter man fich von der Nerbadda entfernt, um fo mehr gleichen fich die Preife aus. Im Jahre 1873 bezog Indien aus England 540.118 Tonnen Kohle im Werthe von 585.610 Pfd. St. Die gefammte einheimifche Förderung mag 4 bis 5 Millionen Tonnen betragen. Eifenbahnen find in Indien 8800 Kilometer oder 5518 englifche Meilen in Betrieb. China. Die Ausbeutung der chinefifchen Kohlenfelder führen die Chinefen bis in die grauefte Vorzeit zurück. Der Reifende Marco Polo berichtete fchon im XIII. Jahrhunderte von den bedeutenden Kohlenlagern in den weftlichen Gebirgen, doch ift die Art und Weife der Gewinnung heute noch ebenfo primitiv wie früher. Zum erften Male wurden die reichen chinefifchen Kohlenlager näher unterfucht von dem bekannten Geologen Baron von Richthofen, welcher von 1868 bis 1872 faft alle Provinzen Chinas durchzog und geologifch erforfchte Seine Mittheilungen über den unerfchöpflichen Reichthum Chinas an Eifen und 56 J. Pechar, Dr. A. Peez. Kohle reichen faft an das Unglaubliche, doch dürfte den Nachrichten des bewährten Reifenden voller Glaube zu fchenken fein. Die Kohlen und Eifendiftricte ziehen fich faft ununterbrochen durch alle Provinzen des Reiches von den füdweftlichen Alpenländern bis zur grofsen Mauer. In der Provinz Pe- tfchi- li finden fich im Thale von Tfchai- tang, 50 englifche Meilen( 80 Kilometer) weftlich von Pe- king, zahlreiche mächtige Lager eines Anthracites mittlerer Qualität innerhalb gefchichteter Gebirge von wenigftens 7000 engl. Fufs( 2133 Meter) Stärke reichlich vertheilt, und es bleibt fehr zu bedauern, dafs die hier fo verfchwenderifch aufgehäuften Schätze von der Natur felbft gröfstentheils zerftört und zerworfen wurden. Die in diefem Becken gewonnene Kohle, deren Grubenpreis 10 5 Taël per 100 Pikul oder 5 fl. 02 5 kr. per metriſche Tonne beträgt, gelangt in den gröfsten Quantitäten in die Hauptftadt des chinefifchen Reiches, fo dafs jedem fremden Befucher der Stadt die langen Züge der mit diefer Kohle beladenen Kameele und Efel auf den Strafsen in der Nähe von Pe- king auffallen. Aufser dem Becken von Tfchai- tang ift für die Intereffen der Fremden nur noch jenes von Kai- ping, 80 engl. Meilen( 128 Kilometer) öftlich von Tian- tfin, von Belang. Die Provinz Schan- tung enthält jene Kohlenfelder, welchen es vor Allem befchieden fein wird, zu einer Bedeutung für die Bedürfniffe der Seehäfen und der Seedampfer zu gelangen. Die Vortheile diefer Kohlenfelder beftehen in der befferen Qualität des Brennmateriales, der namhaften Zahl der Lager, in ihrer grofsen Nähe aneinander, fowie ganz befonders in deren regelmäfsiger Schichtung und ihrer bedeutenden horizontalen Ausdehnung. Auch find die Kohlenlager Schan- tungs verhältnifsmäfsig nur fehr wenig geftört. Die Provinzen am unteren Jang- tfe- kiang und füdlich von deffen Mündung find, was die Vorkommen von Kohle anbelangt, nur von untergeordneter Bedeutung. Hu nan ift die erfte Provinz Chinas, von deren grofsem Kohlenreichthume die Fremden Kenntnifs erhielten, und es nehmen ihre Kohlenfelder, welche im Süden vorzüglichen Anthracit und im Norden bituminöfe Kohle führen, wahrfcheinlich nicht weniger als ein Drittel der Provinz ein. Es kann daher diefer Kohlendiftrict bezüglich feiner Ausdehnung neben Pennſylvanien geftellt werden. Derfelbe verforgt die ganze Provinz Hu- pe, fowie auch bereits feit mehreren Jahren die Jang- tfe- Dampfer mit dem nöthigen Brennftoffe. Die Kohlenfelder Hunans werden zweifelsohne in Zukunft an Bedeutung gewinnen und dann einen grofsen Theil von Centralchina in weit ausgiebigerem Mafse mit Feuerungsmaterial verfehen, als diefs gegenwärtig der Fall ift. Eine befchränkte Eifeninduftrie, welche fich in Zukunft ficher auch erweitern wird, fteht mit den Kohlenwerken in Verbindung. Die Seehäfen aber dürften nur dann von dem Reichthume Hu nans Nutzen ziehen, wenn die Kohlenfelder durch eine Eifenbahn mit Canton verbunden werden, da die Kohle von Hu- nan an der Mündung des Jang- tfe nicht im Stande fein würde, mit jener von Schan- fi und Schan- tung gleichen Preis zu halten. Das kohlenführende Terrain von Sz'- tshwan hat eine Ausdehnung von 100.000 englifchen Quadratmeilen( 260.000 Quadratkilometer); doch liegt die Kohle zu tief, um einen vortheilhaften Abbau fichern zu können, auch ſteht der dort gewonnene Anthracit an Qualität jenem der übrigen Provinzen des Reiches beträchtlich nach. Deffenungeachtet ift diefes Kohlengebiet ein Segen für die Bewohner der Provinz, indem es diefelben mit billigem Brennftoffe in genügenden Mengen verfieht, wenn auch an einen Export diefer Kohle auf dem Jang- tfe- kiang ftromabwärts nicht gedacht werden kann, da diefelbe dort mit dem befferen Producte der Provinz Hu- nan niemals erfolgreich concurriren könnte. Auch in Yünnan, der füdweftlichften und an Mineralien vermuthlich reichften Provinz Chinas, finden fich mächtige Lager eines guten Anthracites, der hier unmittelbar in der Nachbarfchaft von Kupfer, Zinn, Zink, Blei und anderen Metallen vorkommt. Mineralifche Kohle. 57 Schan- fi ift die mit Kohle und Eifen gefegnetefte Provinz Chinas und bildet die Kohle in keiner anderen Provinz in fo hervorragendem Mafse einen Gegenftand des Verbrauches fowohl für das Haus, als für induftrielle Zwecke, insbefondere für das Schmelzen der Eifenerze. Die füdliche Hälfte diefer Provinz ift faft ein einziges mächtiges Kohlenfeld von unglaublichem Reichthume, welches zudem für die Gewinnung der Kohle Verhältniffe bietet, wie fie in gleich vortheilhafter Weife kein anderes Kohlenlager von ähnlicher Ausdehnung in irgend einem Theile der Welt aufweift. Ueberdiefs finden fich bei den Kohlenlagern ausgezeichnete Eifenerze im Ueberfluffe, fowie eine Reihe von Thonforten, die fich für die verfchiedenften technifchen Zwecke eignen. Die Bergkette des Ho- fchan theilt das Kohlengebiet des füdlichen Schan- fi in zwei Theile; der öftliche führt ausfchliefslich Anthracite, der weftliche nur bituminöfe Kohle. Das Anthracit Kohlenfeld ift das ausgedehntefte und reichfte der bekannten Kohlenlager und das dort gewonnene Mineral von der fchönften Art. Eines der vielen Anthracitlager kann auf eine Diftanz von 200 englifchen Meilen( 320 Kilometer) verfolgt werden und hat eine bleibende Mächtigkeit von 20 bis 30 englifchen Fufs ( 6 bis 9 Meter). Der vorzügliche, fefte und reine Anthracit wird in grofsen cubifchen Stücken gebrochen und zu 6 d.( 25 kr.) per metrifche Tonne verkauft Der Preis der bituminöfen Kohle in der weftlichen Hälfte des Kohlendiftrictes ift noch niedriger und beträgt zu Thai- jüan- fu nicht mehr als 3 bis 4 d.( 12.6 bis 16.8 kr.) per metrifche Tonne. Für die Fülle, in welcher die Kohle im füdlichen Schan- fi vorkommt, fowie für die Leichtigkeit, mit der diefelbe gewonnen wird, fprechen wohl am deutlichften diefe wahrhaften Spottpreife. Der Norden von Schan- fi kann hinfichtlich feines Kohlenreichthumes dem Süden an die Seite geftellt werden, ja es find, befonders in dem Kohlenbecken von Ta- thung- fu, die Abbauverhältniffe ebenfo günftig und die Qualität des Brennftoffes die gleiche wie dort. Das Kohlenbecken von Hoai- king- fu in der Provinz Ho- nan fteht mit den Anthracitlagern des füdlichen Schan- fi in Verbindung, wird ziemlich ftark ausgebeutet und dürfte in Zukunft eine äufserft wichtige Stellung einnehmen, weil es den Schlüffel zu dem Verkehre Oftchinas mit Centralafien beherrfcht. Auch die minder ausgebildeten Kohlenlager des weftlichen Ho- nan werden in Zukunft gröfsere Bedeutung erlangen. Die in der Provinz Schan- fi gewonnene Kohle hat nur eine locale Bedeutung, und es dürften fich auch die Verhältniffe hier in Zukunft nicht wefentlich ändern; dagegen erübrigt noch eine kurze Andeutung des Kohlengebietes von Kan- fu. Diefe nordweftliche Provinz des eigentlichen Chinas wurde von Baron von Richthofen nicht befucht, doch foll nach den von ihm eingezogenen Erkundigungen die dortige Kohle fich mit der beften von Schan- fi vortheilhaft meffen können und in Schichten von bedeutender Mächtigkeit vorkommen. Nach den Angaben chinefifcher Reifenden wird längs der Handelsftrafse von Kan- su über Khamil und Barkul nach Ili( Kuldfcha) überall Kohle verbraucht, die in allernächfter Nähe gefunden wird. Es erfahren fonach die Kohlengebiete von Kan- fu eine weite Verlängerung nach Nordweften bis in das ruffifche Centralafien. Im Allgemeinen find in China die Kohlenpreife an den Gruben, bei einem Taglohn der Arbeiter von 25 bis 30 Kreuzern öfterr. Währ. Silber, aufserordentlich niedrig, während die Koften des Transportes der Kohle zu Lande gegenwärtig in keinem Verhältniffe zum Preife der Kohle felbft ftehen. Die Kohle Chinas verträgt die Koften eines Waffertransportes von 1500 englifchen Meilen( 2400 Kilometer), aber nur die Koften eines Landtransportes von 60 Meilen( 96 Kilometer.) Bei weiterem Transporte wird die Kohle übertheuert. Da nun faft durchgehends die Kohlenlager in den wafferreichen Gegenden Chinas von geringerer Qualität find, als die Ablagerungen in den Gebirgsregionen, fo erfcheint, um die Kohle für den weiteren Handelsverkehr zu gewinnen, der Ausbau eines entſprechenden Eifenbahnnetzes in China als dringendes Bedürfnifs. Es wird fich in China 58 J. Pechar, Dr. A. Peez. dasfelbe ereignen, wie in allen anderen Ländern: erft mit den Eifenbahnen gelangt die Kohle zu ihrem wahren Werthe. Und bisher haben fich die Chinefen bekanntlich der Einführung der Eifenbahnen noch immer widerfetzt. Rufsland.* Ungeachtet fowohl das europäiſche, als das afiatifche Rufsland in feinem Schoofse aufserordentlich reichhaltige Lager von mineralifchen Brennftoffen, namentlich aber von Steinkohle birgt, fo befindet fich doch die Kohleninduftrie des ruffifchen Reiches trotz des in der letzteren Zeit rege gewordenen Intereffes an der Hebung der unterirdifchen Schätze noch in den erften Stadien ihrer Entwicklung. Wenn man bedenkt, dafs die erfte Gewinnung der Steinkohle in Rufsland zu Ende des vorigen Jahrhundertes und zwar im Jahre 1791 zu Liffitfchansk im nördlichen Theile des Donez- Diftrictes ftattfand, fo erfcheint die gegenwärtige fchwache Kohlenausbeute Rufslands nur durch die Menge des vorhandenen vegetabilifchen Brennftoffes und den erft in den letzten Jahren theilweife behobenen Mangel an Eifenbahnen, welche die gewonnene Kohle verführen, fowie endlich auch durch den bisherigen Mangel an den erforderlichen Capitalien erklärlich. Immerhin ift die Kohlenproduction Rufslands( ohne Berücksichtigung derjenigen des Königreiches Polen) in den Jahren 1861 bis 1871 nahezu auf das Vierfache geftiegen und geht unzweifelhaft einer bedeutenden Zukunft entgegen, obwohl der rafcheren Entwicklung des ruffifchen Handels und Verkehres im Allgemeinen die abfchliefsende Tendenz der ruffifchen Handelspolitik hemmend in den Weg tritt. Wie die Kohlenproduction des ruffifchen Reiches in den letzten Jahren allmälig geftiegen ift, und in welcher Weife die einzelnen Becken an der Gefammtproduction participiren, bringen die folgenden zwei Tabellen zur Anfchauung. Gefammtproduction Rufsland's. Im Jahre Rufsland Polen metrifche Tonnen 1840 8.200 1850 50.000 || 1858 II0.000 1860. 131.040 1861 134.382 1862 141.510 1863 159.062 122.837 1864 168.976 106.867 1865 199.461 1866. 264.455 1867 229.320 1868 200.681 249.310 1869 303.537 298.574 1870. 367.307 328.902 1871 528.161 301.561 1872. 1,097.832 * Bearbeitet von Otto Krebs in Teplitz. Production der einzelnen Becken Mineralifche Kohle. i m Ja hre Bezeichnung des Reviers 1864 1865 1866 1868 1869 1870 1871 metrifche Tonnen I Moskauer Becken. 30.180 22.462 26.613 2 Kijew- Jelifawetgrader Becken. 3 Donez- Becken 114.977 4 Uralifches Becken. 19.051 160.999 12.550 5 Polnifches Becken. 48.605 83.187 56.124 1.483 1.483 225.720 128.217 219.091 8.628 5.301 9.897 249.310 298.574 142.136 16.380 259.579 6.510 328.902 335.154 13.635 301.562 6 Kaukafifches Becken 7 Sibirifches Becken. 2.079 2.689 3.312 138 3.111 383 2.260 14.815 5.160 3.242 3.160 8.719 13.561 16.467 8 Infel Sachalin 860 9 Turkeftan. 2.203 I.228 1.228 Totale 168.976 199.461 264.455 hievon: Steinkohle 106.418 102.342 96.074 Braunkohle Anthracit 62.558 97.119 168.381 449.991 359.141 407.849 470.671 573.450 1.483 13.030 23.832 9.037 89.367 181.232 216.501 232.440 602.111 696.209 829.722 Poft 59 60 J. Pechar, Dr. A. Peez. Die Production Rufslands und Polens ift nach dem vorangegangenen Tableau im Jahre 1871 bis auf 829.722 Tonnen, mithin gegen das Vorjahr 1870 um 19.2 Percent geftiegen. Nach den neueften Mittheilungen wurden im Jahre 1872 im ganzen ruffifchen Reiche folgende Kohlenquantitäten gefördert: Steinkohle Anthracit Braunkohle Zufammen 738.350 metrifche Tonnen, " 9 99 331.896 99 27.586 1,097.832 metrifche Tonnen. 99 Die Gefammtproduction erfuhr hienach gegen das Jahr 1871 einen Zuwachs von 32'3 Percent. Hiebei verdient bemerkt zu werden, dafs im Allgemeinen alle officiellen Angaben über die Kohlenförderung Rufslands viel zu niedrig find, da eine Staatscontrole zwar exiftirt, aber fo lau gehandhabt wird, dafs der gröfste Theil der Privatwerke es gar nicht der Mühe werth findet, Förderberichte zur ftaatlichen Publiciftik vorzulegen. Die Anzahl der fämmtlichen im Betriebe befindlichen Steinkohlengruben Rufslands betrug im Jahre 1869 248 und im Jahre 1871 327. Nach diefen allgemeinen Betrachtungen über die Production des ruffifchen Reiches gehen wir zu einer gedrängten Befchreibung der einzelnen Kohlenbecken felbft über. I. Das Moskauer Becken. - Das Steinkohlenlager Central Rufslands bildet ein Baffin von elliptifcher Form, 600 Werft oder 640 07 Kilometer lang und 400 Werft oder 426 71 Kilometer breit, in den Gouvernements Rjäfan, Tula, Kaluga, Moskau, Twer und theilweife auch in den Gouvernements Wladimir, Jaroflaw und Nowgorod mit einer nordnordöftlichen Abzweigung durch die Gouvernements Olonez und Archangelsk bis zum öftlichen Ufer des weifsen Meeres; der Flächenraum diefes Beckens berechnet fich auf mindeſtens 20.000 Quadrat- Werft= 2,276.000 Hektaren. Die günftige Lage diefes mächtigen Kohlendiftrictes im Centrum Rufslands, die weite Ausdehnung der in diefem Rayon fchiffbaren Flüffe, die hier fchon ziemlich weit vorgefchrittene Entwicklung des Eifenbahnnetzes, fowie endlich die zahlreichen mit Dampfkraft arbeitenden induftriellen Etabliffements geben dem Moskauer Kohlenbecken eine aufserordentliche Wichtigkeit. Leider ift die Kohle nur in einem geringen Theile des Beckens abbaufähig, und zwar nach den bis jetzt ftattgefundenen Unterfuchungen mit wenigen Ausnahmen nur an den südlichen Begrenzungen des Beckens, wo die Kohlenlager reichhaltig genug und die Gewinnungsverhältniffe günftig find, während namentlich in der Mitte des Beckens die Kohle fo tief liegt und von fo geringer Mächtigkeit ift, dafs an eine Ausbeutung der Lager nicht zu denken ift. Uebrigens zählt man im centralruffifchen Steinkohlendiftricte mehr als 100 Lager, von denen II im Gouvernement Tula und 10 im Gouvernement Kaluga ausgebeutet werden. Aufserdem wird noch Kohle gewonnen in den Gouvernements Nowgorod( 2 Gruben), Twer( 1 Grube) und Rjäfan( 4 Gruben). Die ergiebigfte und zugleich auch am Weiteften zurückdatirende Ausbeute liefern die Werke von Malöwka und Towarkowo( Gouvernement Tula). Die Kohlenflöze bei Malöwka erreichen eine Mächtigkeit bis 21 Fufs( 6.39 Meter) und lieferten bereits im Jahre 1871 mit nur 150 Arbeitern 24.570 Tonnen gute Kohle im Werthe von 35-40.000 Rubel( 56.68734-64.696 fl. öfterr. Währ. Silber). Die Production von Malöwka, welche bis auf mehr als 82.000 Tonnen jährlich gefteigert werden kann, findet ebenfo wie jene von Towarkowo faft ausfchliefslich in der 15 Werft( 16.0 Kilometer) von Malöwka entfernten Zuckerfabrik Michailowskoje Verwendung. Mineralifche Kohle. 61 Die Geftehungskoften ftellen fich gegenwärtig auf der Halde zu Malöwka auf 2-214 Kopeken per Pud( 1 fl. 97 kr. 2 fl. 22 kr. österr. Währ. per Tonne), in Towarkowo auf 3-32 Kopeken per Pud( 2 fl. 96 kr.-3 fl. 45 kr. per Tonne); die Zufuhr zur Fabrik auf 14-214 Kopeken per Pud( 1 fl. 72 kr. 2 fl. 22 kr. per Tonne), eventuell 1-134 Kopeken per Pud( 98 kr. fl. 72 kr. per Tonne). - I Die Kohle des Moskauer Beckens ähnelt in vieler Hinficht der Braunkohle und wurde daher auch oft für folche gehalten, gehört jedoch der älteren Kohlenformation an. Sie ift meift von fchwarzbräunlichem Anfehen, faft glanzlos und brennt mit rother oft fehr langer Flamme. Die Kohle enthält beträchtliche Mengen erdiger Beftandtheile( fie hinterläfst daher einen bedeutenden Afchenrückftand) und enthält ferner 3-6 Percent Schwefelkies, wefshalb fie fich in freier Luft leicht entzündet. Endlich enthält die Kohle auch fehr viel Waffer und verliert, wenn fie einer Temperatur von 100 Grad Celfius ausgefetzt wird, 32.7 Percent von ihrem urfprünglichen Gewichte. Nur wenige Kohlenforten vertragen einen weiten Transport. Nichtsdeftoweniger läfst fich die Kohle zur Dampffeuerung, zum Puddeln des Eifens, zur Gaserzeugung und zur Locomotivfeuerung verwenden. Nachftehend theilen wir von den wichtigeren Kohlenforten die chemifchen Analysen mit: Chemifche Analyfen von Kohlen des Moskauer Beckens. Post Ort der Gewinnung Kohlenftoff flüchtige Beftand- Waffer theile Afche 1234507 Borowfk.. Skopin. Malöwka Ljudinowo Schisdra Buda. Obidimo. 42'1 37.1 IO 4 IO 4 38.7 28.3 15.9 17 I 32.8 32'1 12.7 224 33.0 42-6 7.0 17.4 50.8 24 I 16.1 9.0 31.3 47.8 7.8 13 I 24.5 49° 1 3 I 20˚I Von ganz befonderer Güte erfcheint die erft in den letzten Jahren aufgefundene Kohle zu Murajewna( Gouvernement Rjäfan) und Kurakinfkije- Wuffelki bei Tula. Diefelbe enthält aufserordentlich viel Wafferftoff, eignet fich ausgezeichnet zur Gaserzeugung, ja ift hinfichtlich der Qualität noch über die schottifche Bogheadkohle zu ftellen. Ein Mufter der Kohle von Murajewna war auf der Weltausftellung vertreten. Von einem gröfseren Abfatzgebiete der Steinkohle Central- Rufslands kann man jetzt noch nicht reden, da die bisher noch fo geringe Production nicht genügt, um jenen Fabriken, welche in den Kohlen producirenden Gouvernements GrofsRufslands fituirt find, die benöthigten Quantitäten zu liefern. Faft aller Orten im Becken findet noch das Holz als Brennmaterial Verwendung, ungeachtet der gegenwärtig enormen Holzpreife. Nichtsdeftoweniger aber find fchon gröfsere Partien guter Kohle von den Induftriellen in Moskau und felbft in Petersburg ( Kohle von Cherekowitfch, Gouvernement Nowgorod) unter günftigen Erfolgen confumirt worden. Mit der Zeit dürfte daher die Kohle des Moskauer Beckens felbft in der Newa- Refidenz der englifchen Kohle Concurrenz machen. Die Grubenpreife der befferen Sorten ftellten fich 1870 auf 3-4 Kopeken per Pud( 2 fl. 96 kr. 3 fl. 95 kr. per Tonne), die Verkaufspreife in Moskau auf ungefähr 11 Kopeken( 10 fl. 87 kr. per Tonne). - 5 62 J. Pechar, Dr. A. Peez. II. Das Kijew- Jelifawetgrader Becken. Die Braunkohlenfelder in den Gouvernements Kijew und Cherfon find fchon längere Zeit bekannt, jene von Kijew bereits feit dem Jahre 1840, bis jetzt aber nur in einer geringen Ausdehnung erforfcht. Die Kohle gehört der Tertiärformation an und foll von guter Befchaffenheit fein. Die Flöze find ftellenweife bis 221 Fufs( 7.112 Meter) mächtig und nur 133 Fufs( 42 38 Meter) tief. Der Gefammt Kohlenvorrath wird auf nahezu eine Million Tonnen gefchätzt. Das kohlenführende Terrain erftreckt fich über mindeftens 4500 Quadrat Werft( 5121 Quadrat Kilometer). Ausgebeutet wird die Kohle in Schurawka feit dem Jahre 1863 und in Jekaterinopolfk feit 1870. Die geringen Quantitäten der bis jetzt im Kijew- Jelifawetgrader Becken geförderten Kohle finden nur in den nächſtfituirten Zuckerfiedereien Verwendung. Da namentlich das Gouvernement Kijew verhältnifsmäfsig arm an Brennholz ift, fo dürfte das genannte Kohlenbecken für die Zukunft eine gröfsere Bedeutung erlangen. III. Das Donezbecken. Der Donezdiftrict umfafst jene im füdruffifchen Gouvernement Jekaterinoflaw und in der Provinz des donfchen Heeres gelegene 260 Werft( 277.37 Kilometer) lange und 150 Werft( 160 02 Kilometer) breite Bergkette, welche unter dem Namen der Donezkette bekannt ift und immerhin einen Flächenraum von mehreren hundert deutfchen Quadratmeilen( über eine Million Hektaren) einnimmt. Diefes Becken ift hinfichtlich der Qualität der Kohlen und der hier aufgefpeicherten Vorräthe das wichtigfte des ganzen ruffifchen Reiches, wefshalb ihm auch in den letzteren Jahren eine gröfsere Aufmerkfamkeit gefchenkt wurde. Die Kohlenflöze des Donez erreichen höchstens 7 Fufs( 2.21 Meter) Mächtigkeit, die meiſten find 22 bis 32 Fufs( 0.79 bis 110 Meter) mächtig und leider oft fehr geftört. Im Jahre 1842 producirte man fchon im ganzen Becken an 225 Orten, auf acht Gruppen vertheilt, zufammen 15.000 Tonnen; 1851 ftieg die Production des Donezbeckens auf 52.000 Tonnen und erreichte im Jahre 1871 die Höhe von 335.154 Tonnen. Die Gefammtförderung der Donezkette im Jahre 1872 kann nicht zu hoch gegriffen- auf wenigftens 400.000 Tonnen veranfchlagt werden. Man zählt gegen 60 verfchiedene Flöze, welche an ungefähr 700 Stellen aufgefchloffen find. - Im nordweftlichen Theile der Donezkette herrfcht die Steinkohle, im füdöftlichen Theile der Anthracit vor. Letzterer wird an der Grufchewka in mehr als 400 Kohlenfchächten, welche bis 280 Fufs( 88.48 Meter) tief find, gewonnen, und es betrug die Production im Jahre 1870 216.501 Tonnen. Aufserdem findet fich der Anthracit noch an zahllofen anderen Orten im füdöftlichen Theile der Donezkette und in immenfen Quantitäten. Der Anthracit eignet fich vorzüglich für den Hochofenbetrieb, da er bis 90 Percent reinen Kohlenftoff enthält und nur einen ganz unbedeutenden Afchenrückftand hinterläfst. Verwendung findet derfelbe ferner auf den ruffifchen Dampffchiffen des Schwarzen und Afow'fchen Meeres, fowie auf den Dampfern des Don und der Wolga und wird fogar bis Astrachan verführt, um den Confum auch der Dampffchiffe des Kaspifchen Meeres zu bilden. Der Grubenpreis ftellte fich im Jahre 1867 auf 6 Kopeken per Pud( 5 fl. 93 kr. per Tonne), ftieg aber bereits 1871 auf 8 bis 10 Kopeken( 12'93 bis 16 17 kr. ö. W.) per Pud( 7 fl 90 kr. bis 9 fl. 88 kr. per Tonne.) Der Verkaufspreis betrug im Jahre 1871 in Nowo- Tfcherkafk Roftow Taganrog Odeffa Mineralifche Kohle. 63 per fl. kr. Tonne fl. kr. öfterreichifcher Währung 88 bis 12 ΙΟ bis 13 Kopeken 9 84 per Pud auf II 5 ንን 15 I I " 9 99 36 14 82 15 2 I = 14 82 20 99 وو 99 75 23 24 - " وو 22 73 99 23 72 Die Preife find übrigens fehr variabel und richten fich ganz nach der Nachfrage, fo dafs bei gröfserem Bedarfe 10 Kopeken per Pud( 9 fl. 88 kr. per Tonne), bei geringerem Abfatze oft auch nur 4 Kopeken per Pud( 3 fl. 95 kr. per Tonne) ab Grube gezahlt werden. Der nordweftliche Theil der Donezkette kommt hinfichtlich des Reichthums an Brennftoff dem füdöftlichen Theil wohl gleich, da fich dort 44 abbaufähige Kohlenflöze mit einer Gefammtmächtigkeit von 112 Fufs( 35 40 Meter) vorfinden, welche nach einer forgfältig vorgenommenen Berechnung nahezu 7000 Millionen Tonnen gute Steinkohle liefern können. Die Gruben von Liffitfchanfk, von denen Kohlen- und Cokemufter in Wien ausgeftellt waren, find fchon feit 1791 im Betriebe, die Production ift aber noch gering, da bis jetzt ein gröfserer Abfatz fehlte. Die Gruben von Liffitfchanfk werden gegenwärtig vom Staate an Private verkauft. In neuefter Zeit ist auch zu Krasnopole( Kreis Slawjanoferbfk) ein 45 Fufs( 14'22 Meter) mächtiges Kohlen gebiet aufgefunden worden, welches durch 50 Jahre hindurch jährlich über 300.000 Tonnen gute Steinkohle produciren könnte. Nachftehend theilen wir die Refultate einiger chemifchen Unterfuchungen der Kohle der Donezkette mit. Chemifche Analyfen von Kohlen des Donezbeckens. Poft Ort der Gewinnung Kohlenftoff Flüchtige Beftand- Waffer theile Schwefel kies Afche Anthracit I. Grufchewsk 72-90 6-17 0-5'4 I. IO 3 Steinkohle 2. Orechowo* 3. Sofiewka 65.23 79 30.45 2.26 0.33 20 I I- 73 53 4. Goroditfche 5. Alexandrowka 60-76 19.37 0-3.5 2.8-3.6 7 I 29 I 3 I'O Die Geftehungskoften der Steinkohle betrugen 1870 in Liffitfchanfk 3 bis 4 Kopeken per Pud( 2 fl. 96 kr. bis 3 fl. 95 kr. per Tonne); der Verkaufspreis an der Grube war ungefähr 8 Kopeken per Pud( 7 fl. 90 kr. ö. W. Silber per Tonne). Eine gröfsere Beachtung wurde dem fo aufserordentlich reichen Donezbecken erft gezollt, als während des Krimkrieges der ruffifchen Flotte die Zufuhr englifcher Steinkohlen abgefchnitten wurde. * Auf der Ausftellung in fchönen Proben vertreten und feit dem Jahre 1872 in anfehnlichen Quantitäten gewonnen. 5* 64 J. Pechar, Dr. A. Peez. Sofort wurden mehrere Schächte eröffnet und die Kriegsflotte mit dem ausgezeichneten Anthracit von Grufchewfk verfehen Die Güte und Brauchbarkeit desfelben wurde fchnell bekannt, der Herftellung geeigneter Communicationen feit diefer Zeit die gröfste Aufmerkfamkeit gefchenkt. Es bildete fich eine Actiengefellſchaft zur Befahrung des Don mit Dampffchiffen und 1862 folgte die Eröffnung der fo aufserordentlich wichtigen Verbindungsbahn zwifchen Don und Wolga ( Kalatfch- Zarizyn). Im folgenden Jahre wurde Grufchewfk, der Productionsort des Anthracit, mit dem Don bei Akfaifk in Bahnverbindung gebracht. Die in den letzten zehn Jahren ftattgefundene weitere Entwicklung des Eifenbahnnetzes im füdlichen Rufsland dürfte der Kohle des Donezbeckens fchon in den nächſten Jahren einen gröfseren Abfatz verfchaffen, wie denn überhaupt die Induſtrie der Donezkette zufolge der gleichzeitig dort vorhandenen zahlreichen Minerallager eine recht glänzende Zukunft zu erwarten hat. IV. Das uralifche Becken. Sowohl auf dem weftlichen als auch auf dem öftlichen Abhange des Uralgebirges finden fich Steinkohlenablagerungen, von denen aber nur die auf der Weftfeite gelegenen eine befondere Berücksichtigung verdienen. Hier zieht fich die Kohlenformation in einem fchmalen, aber unendlich langen Streifen immer parallel mit dem Gebirge von deffen nördlichften Ausläufern in der Nähe des Eismeeres bis zur Kirgifenfteppe im Süden. Die Kohlengewinnung concentrirt fich im mittleren Theile, namentlich um die Umgebung der Eifenwerke Alexandrowsky, Kifelowfky und Kynowfky. II Steinkohlen- Gruben find im weftlichen Abhange des Ural im Betriebe; die Flöze oft von anfehnlicher Mächtigkeit( an der Lunia bis 21 Fufs[ 6.63 Meter] und an der Koswa bis 15 Fufs[ 4.74 Meter]). Die Gewinnungsverhältniffe find wegen der nicht bedeutenden Tiefe günftig. Die Steinkohle von Luniewfk an der Lunia wurde fchon feit einer längeren Reihe von Jahren gewonnen, doch ift die Steinkohlenproduction des Uralbeckens im Allgemeinen in den letzten Jahren zurückgegangen. Die bisher gewonnene Kohle ift nur von minderer Qualität, enthält beträchtliche Mengen erdiger Beftandtheile( Afchengehalt 5 bis 20 Percent) und 2 bis 5 Percent Schwefelkies. Ueberdiefs zerfällt die Kohle an der Luft, erweist fich wenig backend und kann daher als eine magere Sinterkohle bezeichnet werden. Der Bedarf an Brennftoff für die Eifenwerke des Urals, fowie für die mehr als 400 Dampffchiffe der Wolga ift ein aufserordentlich grofser und wenigftens auf 500.000 Tonnen jährlich zu veranfchlagen. Nach der Anficht des k. k. Minifterialraths Ritter von Tunner laffen fich aber fehr grofse Erwartungen hinfichtlich der Uralkohle nicht rechtfertigen und wird diefe Steinkohle in keinem Falle genügen, den grofsen Erzreichthum des Ural entſprechend auszubeuten. Bisher find diefe Steinkohlen, aufser zum häuslichen Bedarfe, zur Dampfſchifffeuerung auf der Kama und Wolga und auf verfchiedenen Eifenwerken zum Puddeln und Schweifsen verwendet worden. Dagegen werden nach den Anfchauungen Gr. v. Helmerfen's die am weftlichen Fufse des Ural bereits aufgefchloffenen und zum Theile in Angriff genommenen Kohlenlager den Eifenwerken vollkommen genügende Mengen zu deren Betriebe und namentlich zur Verarbeitung des Roheifens zu Eifen und Stahl liefern können. Nachdem nun conftatirt ift, dafs die bisher für unerfchöpflich erachteten Wälder des Ural durch die ungeheueren Abholzungen derart zerftört worden find, dafs fich ein Mangel an Brennftoffen beiſpielsweife im Eifenwerke von Newianfk aufserordentlich fühlbar macht, und da ferner die Steinkohle des Ural zur Herftellung eines guten Coke zum Verfchmelzen der Eifenerze fich nicht eignet, fo würde es fich als aufserordentlich praktiſch erweifen, für die Zukunft zur Erzeugung des Roheifens nur Holzkohle, dagegen zur Verfeinerung desfelben und zu den übrigen Induftriezweigen Steinkohle zu verwenden. Mineralifche Kohle. 65 Die fegensreichften Folgen für die Entwicklung der Eifen- und Kohleninduftrie des Ural wird der Bau der projectirten und die wichtigften Eifen- und Kohlenlager des Ural mit der der Wolga tributären fchiffbaren Kama verbindenden Eifenbahnlinie von Perm nach Tjumen am Oftabhange des Gebirges herbeiführen, da durch diefe Bahnlinie zugleich die Möglichkeit gefchaffen ift, die fich für den Hochofenbetrieb ganz vorzüglich eignende fchöne Anthracitkohle des Donezbeckens mit den Eifenerzen des Ural zu verbinden, das Eifen der Kohle und die Kohle dem Eifen entgegenzuführen. Die Grubenpreife der Uralkohle ftellten fich im Jahre 1870 auf ungefähr 5 bis 6 Kopeken per Pud( 4 fl. 94 kr. bis 5 fl. 93 kr. per Tonne). Die am Oftabhange des Ural, namentlich in der Nähe des Eifenwerkes von Kamenfk öftlich von Jekaterinburg gefundene Stein kohle ift nur von untergeordneter Qualität. Die Abbauverhältniffe find ziemlich ungünftig und daher diefe Steinkohlenlager von keiner befonderen Wichtigkeit. V. Das polnifche Becken. Das Steinkohlenbecken Polens in der Umgebung der Stadt Dombrowa ( Gouvernement Piotrkow) bildet eine Fortfetzung der oberfchlefifchen Steinkohlenfelder. Der Ausbeutung der polnifchen Steinkohle wurde von jeher eine gröfsere Aufmerksamkeit gefchenkt, da die Kohle, welche mit der oberfchlefifchen Steinkohle, namentlich der in„ Laurahütte" gewonnenen, hinfichtlich ihrer Befchaffenheit faft ganz übereinftimmt, bereits feit Langem zu den verfchiedenften Zwecken der Montaninduftrie, ganz befonders der Eifeninduftrie, unter den günftigften Refultaten verwendet wird, fo dafs die Production von Jahr zu Jahr geftiegen ift und ungefähr die Hälfte der gefammten ruffifchen Kohlenproduction repräfentirt. Der Kohlengehalt des Beckens ift derart, dafs er die polnifche Induftrie auf alle Zeiten mit dem erforderlichen Brennftoffe verfehen kann. Bis jetzt find allerdings erft fechs Kohlengruben im Betriebe. Der Grund diefer eigenthümlichen Erfcheinung ift in dem erft im Jahre 1871 aufgehobenen Berggefetze zu fuchen, wonach der Befitzer des Grund und Bodens auch alleiniger Befitzer der unterirdifchen Schätze war, indeffen find feit Aufhebung diefes Gefetzes bereits 50 bis 60 Muthungen eingelegt worden, fo dafs für die Zukunft ein gröfseres Aufblühen der polnifchen Kohleninduftrie mit Sicherheit erwartet werden kann. Die gegenwärtige jährliche Ausbeute wird auf mehr als 400.000 metrifche Tonnen veranfchlagt. 5 Sgr. - - Die Gruben- Verkaufspreife betrugen Ende Februar 1874 für Stückkohle € 25 kr., für Mittelkohle 42 Sgr.= 225 kr., für Kleinkohle 1 Sgr.= 5 kr. per Zoll- Centner( 5 fl., 4 fl. 50 kr. eventuell i fl. ö. W. per metrifche Tonne). Die Kohle des polnifchen Beckens war auf der Ausftellung durch eine gröfsere Anzahl von Blöcken aus verfchiedenen Gruben der Gouvernements Piotrkow und Kielce( Dombrowa, Zagorze, Sosnowicze, Michalow etc.) vertreten. VI. Das kaukafifche Becken. Im Kaukafus find bis jetzt erft zwei Steinkohlenablagerungen bekannt geworden. Das Lager von Tkwibul, 45 Werft( 48 0 Kilometer) von Kutaïs, am Rion, ift wegen des gleichzeitigen Vorkommens von anderen Mineralfchätzen und der im Jahre 1872 eröffneten Eifenbahnlinie Poti- Tiflis von einiger Wichtigkeit. Die in dem Becken von Tkwibul aufgefpeicherten Kohlenvorräthe find auf 11 Millionen metrifcher Tonnen berechnet worden; es wurde aber bis jetzt noch nicht ernftlich zu einer geregelten Ausbeutung derfelben gefchritten, fo dafs felbft die erwähnte Bahn ihre Mafchinen gegenwärtig noch immer mit Holz beheizt. 66 J Pechar, Dr. A. Peez. Die Steinkohle von den Quellen des Kuban bei Ghumara wird zur Zimmerheizung bis Pjatigorfk und Stawropol verführt. Aufserdem find noch im Betriebe befindliche Braunkohlengruben in der Nähe von Tiflis gelegen. VII. Das fibirifche Becken. Am nördlichen Abhange des Altai, im Gouvernement Tomfk und im Diftricte Semipalatinfk, findet fich nach den bis jetzt ftattgehabten Unterfuchungen vielleicht das gröfste Steinkohlengebiet der Welt. Das Hauptbecken, in deffen Centrum die Stadt Kusnetfk gelegen ift, nimmt einen Flächenraum von 800 deutfchen Quadratmeilen= 4,404.960 Hektaren ein. Die Kohle ift von guter Qualität und die Flöze find ziemlich mächtig. Die Ausbeute war bisher nur eine geringe und fand die producirte Kohle, welche fich übrigens fehr gut zur Vercokung eignet, bisher nur zu techniſchen Zwecken auf der Silberhütte Gawrilowfky und auf dem Eifenwerke Gurzewfky Verwendung. Aufserdem finden fich noch in der Ausbeutung begriffene Braunkohlenlager im Lande der Orenburg'fchen Kirgifen, in dem erft neuerlich gebildeten Turgaifchen Diftricte, befonders an den Quellen des Dfchilantfchik, fowie bis jetzt noch wenig bekannte Steinkohlenlager in verfchiedenen Gegenden Oftfibiriens. VIII. Die Infel Sachalin. Auf der früher zum Infelreiche Japan gehörigen, gegenwärtig aber ruffi fchen Infel Sachalin erftrecken fich die Steinkohlenlager bis an die Meeresküfte, fo dafs die Kohle zu Schiff mit geringen Koften nach dem gegenüberliegenden Amurlande verführt werden kann. IX. Turkeftan. Ueber die Steinkohlenablagerungen in Turkeftan, welche übrigens bis jetzt nur eine ganz geringe Production ausweifen, liegen noch keine Details vor. Nach diefer Darftellung der einzelnen Kohlenbecken des ruffifchen Reiches erlauben wir uns noch einige Schlufsbemerkungen. Von einem Exporte der ruffifchen Kohle kann bei der im Eingange mitgetheilten relativ geringen Production keine Rede fein, da letztere bei weitem nicht dem eigenen Bedarfe des Landes Genüge leiftet. Im Gegentheil überfteigt die Einfuhr der englifchen Kohle in den Hafenplätzen des baltifchen Meeres die gefammte Production des Inlandes um ein ganz bedeutendes Quantum. Ob unter folchen Verhältniffen die ruffifche Kohlenausbeute mit der Zeit einmal ftark genug werden wird, um diefen gewaltigen Import aufzuheben, läfst fich heute noch nicht vorausfehen; jedenfalls aber dürfte diefer Zeitpunkt noch in weiter Ferne ftehen. Notorifch ift jedenfalls, dafs die nun beinahe zwei Jahre andauernden hohen Preife der englifchen Steinkohle die erfreuliche Entwicklung des ruffifchen Kohlenbergbaues in den letzten Jahren ungemein begünftigt und überhaupt den eigentlichen Impuls zu einer gefteigerten Ausbeute gegeben haben. Da nun ein Zurückgehen der englifchen Kohlenpreife auf die Preife von 1870 nicht zu erwarten fteht, fo ift Hoffnung vorhanden, dafs die Production und Confumtion der Kohle Rufslands immer gröfsere Dimenfionen annehmen wird. Welchen Schwankungen die Einfuhr der englifchen Kohle in Rufsland übrigens unterliegt, mag die folgende Tabelle zeigen: Es wurden eingeführt: im Jahre 1861 773.568 metrifche Tonnen, 99 77 77 1862 1863 873.495 979.036 99 " 99 " Mineralifche Kohle. 67 im Jahre 1864 1,573.004 metrifche Tonnen, 29 " 1865 560.292 1866 " " י 66 13 27 1867 650.017 802.636 34 99 99 99 99 1868 وو 576.855 45 وو 99 99 F 1869 802.504 ንን 99 " 99 1870 844.930 " " 7 99 99 1871 1.237.521 وو 27 " 99 1872 1,059.863 99 99 Der Eifenbahnbau in Rufsland hat erft in den letzten zehn Jahren einen gröfseren Auffchwung erfahren, wenngleich die Eröffnung der erften Linie von St. Petersburg nach Zarskoje- Selo in der Länge von 25 Werft( 26.67 Kilometer) in das Jahr 1838 zurückdatirt. Die Länge fämmtlicher im Betriebe befindlichen Eifenbahnftrecken Rufslands betrug: im Jahre 1838 25 Werft 26.67 Kilometer, " " 1850 467 " " 19 1860 " 1.490 F 99 498.18 1.589.50 99 " 99 99 1865 3.681 وو 3.926.82 " 1868 " 6.565 99 7.003.42 " " " 1872 13.670 " " 1873 15.000 = 14.582.89 16.001 71 99 99 Mit diefer erfreulichen Entwicklung des Eifenbahnnetzes geht die oben gezeigte Entwicklung des Kohlenbergbaues Hand in Hand, umfomehr als eine grofse Anzahl der Eifenbahnen faft ausfchliefslich der Kohlenverführung als Stütze dienen. Die Länge der fchiffbaren Flüffe Rufslands, exclufive Finnland und Polen, betrug zu Ende des Jahres 1872 32.353 Werft( 34-513.56 Kilometer), jene der Canäle 592 Werft( 631 53 Kilometer). Sollte das gigantifche Project Leffeps', des Erbauers des Suezcanales, welcher eine Verbindung Europa's mit Indien mittelft einer die ruffifchen Befitzungen in Afien paffirenden Eifenbahn anftrebt, zur Verwirklichung kommen, fo würden die Kohlenfelder des füdöftlichen Rufslands und Turkeftans rafch zu einer grofsen Bedeutung gelangen. Endlich können wir uns nicht verfagen, noch mit wenigen Ziffern der ruffifchen Montaninduftrie zu gedenken. Nach den neueften Mittheilungen wurden im Jahre 1871: 832.492 metriſche Tonnen Eifenerze gewonnen und in den 214 Eifen- und Stahlfabriken des Landes 360.434 Tonnen Gufseifen, producirt. 30.963 245.022 " " 7.244 Eifengufs, Eifen und Stahl Das deutfche Reich.* Deutfchlands bedeutendfte Kohlenlager, deren Schätze bei einer Förderung von gleicher Intenſität, wie die heutige Englands, noch in vielen Jahrhunderten fich nicht erfchöpfen werden, find die Becken der Saar, von Aachen, der Ruhr, von Zwickau, von Ober- und Niederfchlefien. Am älteften dürfte der Kohlenbergbau in dem Becken von Aachen fein, indem hier die Reviere der Inde und Worm die Fortfetzung jener Kohlenlager von Lüttich bilden, wo wahrfcheinlich am früheften im ganzen continentalen Europa, nämlich fchon im XI. oder XII. Jahrhunderte, Kohlen gewonnen wurden. Nicht * Mit Benützung eines Manufcriptes von Dr. K. Bufch in Teplitz. 68 J. Pechar, Dr. A. Peez. viel jüngeren Datums als in der Aachener Gegend, ift die Kohlengewinnung in einigen Gegenden Weftphalens, fowie bei Zwickau in Sachfen, während der Kohlenbergbau an der Saar erwiefenermafsen im Jahre 1529 feinen Anfang nahm. Auch in Niederfchlefien und vielleicht fogar in Oberfchlefien hatte, wenngleich es an genaueren Angaben hierüber gebricht, der Abbau der Kohle noch vor dem dreifsigjährigen Kriege begonnen; er wurde aber hier wie in den erftgenannten Revieren unter den Schreckniffen diefes die deutfchen Lande politifch und wirthfchaftlich zerrüttenden Krieges wieder erftickt, ehe er fich zu gröfserer Blüthe entfalten konnte. Unferem vorherrfchend den Werken des Friedens gewidmeten Zeitalter war es vorbehalten, die zu Stein gewordenen Refte einer vorweltlichen Vegetation auch in Deutſchland von Neuem und in Maffen zu Tage zu heben, um diefelbe in Wärme und Licht und vor Allem in Kraft umzufetzen. Ein auf wiffenfchaftlicher Grundlage beruhender Kohlenbergbau in Deutſchland ift genau gleichalterig mit der epochemachenden Einführung der Dampfmaſchine in die Dienfte der Induftrie, datirt alfo aus den letzten Jahren des vorigen Jahrhunderts. Durch die napoleonifchen Kriege zurückgehalten, begann jedoch die regelmässige Ausbeutung der wichtigften Kohlenlager Deutfchlands erft im zweiten Decennium diefes Jahrhundertes nach Wiederherftellung des Weltfriedens. Seitdem folgten fich die Erfchliefsungen immer neuer Reviere, feitdem haben Stein- und Braunkohle das Holz als Brennmaterial nicht blos aus der Eifenhütte und Werkftätte, fondern auch aus dem Wohnhaufe mehr und mehr verdrängt, feitdem ift der Kohlenbergbau zum weitaus wichtigſten Zweige der Montaninduftrie in Deutſchland geworden. Deutfchland nimmt unter den Productionsländern der Kohle die zweite Stelle ein. Seine Gefammtförderung hat fich von 28.16 Millionen metr. Tonnen im Jahre 1866 auf 42 32 Millionen metr. Tonnen im Jahre 1872, alfo in fieben Jahren um 50 27 Percent gehoben. Bei einer Bevölkerung von rund 41 Millionen fallen auf den Kopf 2061 68 Pfund producirter Kohle, eine Zahl, die hinter England und Belgien zwar noch weit zurückbleibt, jedoch der Verbrauchsziffer der Vereinigten Staaten ungefähr gleichfteht und alle anderen Länder bedeutend übertrifft. Ueber die Entwicklung und den Werth der Production Deutſchlands an Steinkohlen und Braunkohlen gibt folgende Tabelle Auffchlufs( Siehe Seite 69, Tabelle I). Demnach hat in dem Jahrzehnt von 1861 bis 1872 die Production von Schwarzkohle um 135 6 Percent, von Braunkohle aber um 95 1 Percent zugenommen. Vergleicht man das Jahr 1853 mit dem Jahre 1872, fo beträgt die Zunahme bei Steinkohle 426 0 Percent, und bei Braunkohle 353 9 Percent. Vergleicht man endlich die Gefammtförderung an mineralifchen Brennftoffen der Jahre 1853 und 1872, fo beziffert fich die Zunahme auf 408.9 Percent. Hinfichtlich des Antheiles der einzelnen Länder des deutfchen Reiches an der Kohlenförderung geben wir folgende aus amtlichen Quellen gefchöpfte Zufammenftellung( Siehe Seite 69, Tabelle II). Aus diefer Tabelle wird vor Allem der überwiegende Antheil Preufsens an der Kohlenförderung des Reiches erfichtlich. Die Quote Preufsens ift bei Steinkohlen 88 64 Percent, bei Braunkohlen 82.61 Percent und bei der gefammten Kohlenproduction 87.36 Percent. Preufsen, welches im Jahre 1785 121.600 Tonnen Kohlen förderte, fah feine Production bis zum Jahre 1872 auf 36,973.412 metrifche Tonnen oder um 30305 42 Percent fteigen. Nach Preufsen folgt Sachfen, welches an der Steinkohlenförderung mit 8.85 Percent, an der Braunkohlenförderung mit 6.67 Percent, an der Gefammtförderung mit 8.38 Percent participirt. Süddeutſchland ift bekanntlich arm an Kohlenlagern; Bayern verdankt feine Quote von 100 der Gefammtförderung wefentlich den Ausläufern, welche das Saarbecken in die Rheinpfalz entfendet. In den kleinen norddeutfchen Ländern Mineralifche Kohle. 69 Braunfchweig und Anhalt findet eine ziemlich bedeutende Braunkohlengewinnung ftatt, fo zwar, dafs letztgenanntes Ländchen( unfern des bekannten preufsifchen Salz- und Kohlenrevieres Stafsfurt) mit III Percent an der gefammten Kohlengewinnung Deutſchlands participirte. Deutſchlands Kohlenproduction. Production Werth Im Jahre Steinkohlen Braunkohlen Steinkohlen Braunkohlen Metrifche Tonnen à 20 Centner fl. öfterr. Währ. Silber. 1853 6,331.417 1,986.715 1860 12,347.828 4.382.664 39.568.798 6,612.135 1861 14,133.048 4,622.312 40,390.701 6,652.449 1862 15.576.278 5,084.399 41,548.947 7.055.044 1863 16,906.708 5,459.495 42.734.337 7,291.860 1864 19,408.982 6,203.918 50,279.419 8,776.764 1865 21,794.705 6,758.052 61,014.546 9,891.856 1866 21,629.746 6.533.059 63,265.921 9.433.606 1867 23,738.327 6,994.818 68,359.426 10,025.520 1868 25.704.758 7,174.365 72,895.544 10,003.260 1869 26,774.368 7.569.545 77,892.604 10, 525.840 1870 26,397.769 7,605.234 81,768.543 1871 29.373.272 8,483.249 109,175.648 11,026.558 13,106.322 1872 33.306.418 9,018.053 145,580.000 Antheil der einzelnen Länder des deutfchen Reiches an der Kohlenförderung. Production in metr. Tonnen à 20 Ctr. Preussen. Sachfen • Anhalt Bayern Elfafs- Lothring. Thüringiſche Im Jahre Zufam men Steinkohlen Braunkohlen Menge Perc. Menge Perc. Menge Perc. 7.449.636 82.61 1872 29.523.776 88-64 2,946.261 8.85 17 " 16 " 412.412 I'24 290.205 0.87 601.448 6.67 467.454 5.18 12.067 0.13 2'233 0.02 36,973.412 87.36 3.547.709 8.38 467.454 424.479 292.438 0.69 I II I OO Staaten 99 Braunfchweig. " 14.779 O'04 498 249.279 2.76 185.295 2.06 264.058 0.62 185.793 044 SchaumburgLippe. 99 106.770 0.32 - Heffen - • • 27 46.576 0.52 Baden. 29 II.715 Mecklenburg Oldenburg 99 Summa. 27 ££ 0.04 - 4.065 005 106.770 0.25 46.576 0.11 II.715 4.065 0:03 Ο ΟΙ 2 33,306.418 2 IOO 9,018.053 IOO 42,324.471 IOO 70 J. Pechar, Dr. A. Peez. Die Zahl der Kohlenwerke des deutfchen Reiches betrug im Jahre 1870 1362, wovon 560 der Steinkohlenförderung, 802 der Braunkohlenförderung gewidmet. In diefen Werken waren 145.782 Arbeiter thätig. Die Förderung per Kopf betrug bei Steinkohlen 2115 Tonnen, bei Braunkohlen 365: 25 Tonnen. Etwas. abweichend hievon find die Angaben über Preufsens Förderquoten. Für diefen. Staat allein wird officiell die Zahl der Arbeiter für das Jahr 1872 mit 157.991 Köpfen( o 6 Percent der Gefammtbevölkerung) beziffert, während im Jahre 1862 nur 81.002 Arbeiter( o 4 Percent der Bevölkerung) in den Kohlenwerken thätig waren. Hienach hätte ein Arbeiter im Jahre 1862 208 metr. Tonnen, im Jahre 1872 aber 234 metr. Tonnen an mineralifchen Brennftoffen gefördert. Die Zahl der Werke und der befchäftigten Arbeiter hat jedoch von 1872 bis 1874 gewifs wieder um 10 bis 15 Percent zugenommen, worüber jedoch neuere authentifche Angaben fehlen. Mit der Zunahme der Förderung und des Bedarfes, fowie mit Entwicklung. des Communicationsfyftemes hat auch der Austaufch in mineralifchen Brennftoffen mit den Nachbarländern bedeutenden Umfang erreicht. Deutfchland empfängt grofse Mengen von englifcher Steinkohle, welche von der holländifchen Grenze oftwärts bis Tilfit die Küfte beherrfcht und auf Flüffen und Bahnen landwärts bis zu einer gewiffen Entfernung eindringt; neben der englifchen Steinkohle gelangt böhmifche Braunkohle über Bodenbach in wachfenden Beträgen. ( im Jahre 1873 1,378.000 metr. Tonnen) nach Norddeutfchland. Was die Ausfuhr aus Deutfchland betrifft, fo bezieht fich diefe auf Steinkohle, die aus dem weftphälifchen Becken nach Holland, Belgien und Frankreich, aus den fchlefifchen Revieren nach Oefterreich und Rufsland und aus Saarbrücken nach Frankreich und der Schweiz exportirt wird. Auf Einzelheiten kommen wir fpäter zurück. Deutſchlands Kohlenverkehr. Einfuhr Ausfuhr Im Jahre Steinkohlen Braunkohlen Steinkohlen Braunkohlen metri fche Tonnen 1860 755.086 1,810.472 1861 871.298 2,074.906 1862 894-893 2,107.384 1863 925.899 2,078.889 1864 733.592 2.438.777 1865 1,089.535 2,962.300 1866 1,152.758 3,309.273 1867 1,303.662 3,805.510 1868 1,643.360 608.627 3.770.601 7.872 1869.0 1,856.149 611.734 3,984.828 15.116 1870 1,681.573 760.711 4,007.401 1871 2,395.072 874.673 3,699.691 I.797 3.856 1872 2,533.884 1,016.734 3,743.752 19.729 metr. 1872 an Steinkohle 2,533.884 Tonnen, zufammen 3,550.618 Deutſchland importirte hienach im Jahre Tonnen, an Braunkohle 1,016.734 metr. metr. Tonnen; es exportirte dagegen 3,743.752 metr. Tonnen Steinkohle und 19.729 metr. Tonnen Braunkohle, zufammen 3,763.481 metr. Tonnen. Von Mineralifche Kohle. 71 1860 bis 1872 hat fich die Ausfuhr von Steinkohle um 106.7 Percent, von Braunkohle um 150 5 Percent, von mineralifchem Brennftoffe im Allgemeinen um 107.9 Percent vermehrt, während die Einfuhr in derfelben Zeit von Steinkohle um 235 6 Percent, von Braunkohle um 671 Percent, von mineralifchem Brennftoffe überhaupt um 370 2 Percent geftiegen ift. Die Einfuhr ift alfo wefentlich rafcher gewachfen, als die Ausfuhr. Aus einer Zufammenfaffung der inländifchen Production und der Einfuhr bei gleichzeitigem Abfchlag der Ausfuhr ergibt fich der Verbrauch des deutfchen Reiches an mineralifchem Brennftoffe. Deutfchlands Kohlenverbrauch. Production Hievon ab Mehrausfuhr Bleiben für inländifchen Verbrauch Im Jahre metrifche Tonnen Per Kopf der Bevölkerung Pfund 1860 16,730.492 1,055.386 15,675.106 1861 18,755.360 1,203.608 17.551.752 904 IOI2 1862 20,660.677 1,212.491 19.448.186 II2I 1863 22,366.203 1,152.990 21,213.213 1224 1864 25,612.900 1,705.185 23,907.715 1379 1865 28,552.757 1,872.765 26,679.992 1487 1866 28,162.805 2,156.515 26,006.290 1449 1867 30,733.145 2,501.848 28,231.297 1573 1868 32,879.123 1,526.486 31,352.637 1657 1869 34,343.913 1,532.061 32,811.852 1714 1870 34,003.003 1,566.914 32,436.089 1694 1871 37,856.521 433.802 37,422.719 1825 1872 42,324.471 212.863 42,111.608 2051 Aus diefer Tabelle ergibt fich die ftarke Entwicklung des Verbrauches an mineralifchem Brennftoffe in Deutſchland. Der Ueberfchufs der Ausfuhr über die Einfuhr, der noch im Jahre 1867 nicht weniger als 2.5 Millionen metrifcher Tonnen betrug, ift in Folge des inländifchen Confums 1872 auf 0 212 Million Tonnen zurückgegangen. Der Verbrauch per Kopf der Bevölkerung betrug im Jahre 1860 904 Pfund, im Jahre 1872 aber 2051 Pfund, hat alfo um 126 8 Percent zugenommen. Fafst man den Gefammteindruck diefer Ziffern zufammen, fo ift es zweifellos, dafs der Kohlenbergbau des deutfchen Reiches einen in kräftiger Entwicklung begriffenen Theil der Weltinduftrie bildet.saloni edgasdasid nad Die Urfachen diefes Auffchwunges liegen zunächft in günftigen natürlichen Bedingungen, dann aber auch in dem Charakter des Volkes, welches ftets dem Bergbaue mit Ernft und fyftematifcher Ausdauer zugethan war, fowie in der forgfamen Pflege, welche namentlich in den beiden hauptfächlichen Bergbauländern Deutfchlands, in Preufsen und Sachfen, die Regierungen von alter Zeit her dem Bergbaue widmeten. Den beiden letzteren Momenten ift als fchönfte Frucht die von keinem anderen Lande auch nur annähernd erreichte Organiſation der Knappfchaftscaffen entfprungen. Das Vermögen diefer Vereine betrug im Jahre 1872 nicht weniger als 7,108.773 Gulden, und es wird noch immer an der Erweite 72 - J. Pechar, Dr. A. Peez. -- rung und Verbefferung diefer Einrichtung z. B. im weftphälifchen Kohlenreviere gearbeitet. Genaueres über die von Seite der Staatsverwaltung zu Gunften der in den Staatswerken befchäftigten Arbeiter getroffenen Anstalten wird weiter unten bei Gelegenheit der Befprechung des Saarbeckens zur Dar ftellung gelangen. Der preufsifchen Verwaltung gebührt ferner das Verdienft, dafs fie die Verwendung von Frauen und Kindern in den Bergwerken bereits zu einer Zeit regelte und vor Allem einfchränkte, wo noch in diefer Hinficht in allen anderen Ländern, England und Frankreich nicht ausgenommen, die fchwerften Mifsbräuche beftanden. Die gefetzlichen Grundlagen des Bergbaues find in Preufsen durch das Gefetz vom 24. Juni 1865 in fachgemäfser Weife geordnet. Die Befteuerung der Bergwerke mit 2 Percent der Brutto Einnahme ift einfach und nicht unbillig. Die Bergverwaltung wird von den fünf Oberbergämtern Dortmund, Bonn, Clausthal, Halle und Breslau geführt. Ein entſprechendes Syftem von Unterrichtsanftalten von den Steigerfchulen bis zur Bergakademie forgt für die erforderliche fachliche und wiffenfchaftliche Bildung. Und in ähnlicher Weife, wie in Preufsen, find auch in Sachfen, Braunfchweig und den kleinen Ländern, wo Bergbau befteht, deffen Verhältniffe geordnet. - - Wie allenthalben, empfing auch in Deutſchland der Kohlenbergbau feine wefentlichfte Förderung mit der Entwicklung des Eifenbahn- Syftems, welches im Jahre 1870 eine Länge von 21.750 Kilometern hatte, wovon ein Drittel mit Doppelgeleifen( was für die leichte Verfendung der Kohlentransporte von grofser Wichtigkeit ift). Hinfichtlich des Transportes auf den Bahnen ist zu bemerken, dafs in richtiger Würdigung der Verhältniffe und Dank der einfichtsvollen Agitation von J. Weidtman, L. Garcke, Dr. H. Scheffler, F. Perrot, E. Reitzenftein, Hofmann, O. Michaelis, Dr. C. Braun, Dr. F. Hammacher, Schierer und Anderen die Tarife billig find, und in der Reichsverfaffung fogar der Pfennigfatz( o 416 kr. per Centner und Meile) für die Verfrachtung der Kohle als Norm aufgeftellt ist. Hiezu kommt noch in den letzten Jahren der bedeutende Auffchwung der Induftrie und befonders der Eifen- und Stahlproduction, der Zuckerfabrication und der chemifchen Induftrie. Deutfchland nimmt gegenwärtig den dritten Rang unter den eifenerzeugenden Ländern ein. Die Eifenproduction Grofsbritanniens übertrifft die Deutfchlands zwar um das Vierfache. aber den Vereinigten Staaten kommt Deutfchland fehr nahe und übertrifft Frankreich feit der Erwerbung von Elfafs- Lothringen. Deutfchland befafs bereits im Jahre 1871 383 Hochöfen, wovon 251 mit Coke, 50 mit Holzkohle und 9 mit gemifchtem Brande arbeiteten. Die Gefammtproduction an Gufseifen und Roheifen ift etwa auf 15 Million Tonnen anzufchlagen. In der Bleiproduction folgt Deutfchland hart nach den meiftproducirenden Ländern Spanien und England, und fteht in der Zinkpro. duction mit Belgien an der Spitze. Grofse Confumenten von Kohle find ferner die Zuckerfabriken, welche im Jahre 1871 bis 1872, in der Zahl von 311, gegen 4 Millionen Centner Zucker erzeugten; endlich die 120 bis 130 chemifchen Fabriken, die Stafsfurter und Leopoldshaller Kali- Induſtrie und Andere. Alle diefe Verhältniffe zufammengenommen machen es wahrfcheinlich, dafs dem deutfchen Kohlenbergbau eine glänzende Zukunft bevorsteht. Die einzelnen Kohlenbecken Deutfchlands. Der Werth und die Bedeutung der einzelnen Kohlenreviere ergibt fich am deutlichften aus der Höhe der Förderung und der gröfseren oder geringeren Schnelligkeit der Entwicklung diefer Förderziffern. In Folgendem geben wir daher zunächft eine Vergleichung der Förderziffern der preufsifchen Kohlenbecken in den Jahren 1860 und 1872, nebft Mineralifche Kohle. 73 den Antheilen, welche jedes einzelne Kohlenbecken an der Gefammtproduction in beiden Zeitperioden hatte, fowie nebft der Zunahme ihrer Förderung in der Zeit von 1860 bis 1872 in Percenten. Production der preufsifchen Kohlenbecken in den Jahren 1860 und 1872. Kohlenbecken A. Steinkohlen: Ruhr... Oberfchlefien Saar.. Waldenburg und Neurode Aachen. Kleinere Steinkohlenbecken B. Braunkohlen... 1860 1872 Somit im Jahre 1872 Zunahme um Tonnen Perc. Tonnen Perc. Percent 4,276.200 31 97 14,065.750 38.04 228.93 2,365.600 17.70 7,251.838 19 61 206.55 2,019.500 15'10 4,222.234 II 42 109 07 741.900 632.000 4.73 5:55 2,119.590 5.73 185.69 I, 041.3 14 2.82 64.76 143.850 1.06 823.050 2.23 472 15 3,194.640 23.89 7,449.636 20 15 133 19 Kohlen überhaupt. 13.373.690 100.00 36,973.412 100 00 176.64 Aus diefer Ueberficht folgt, dafs die kleineren preufsifchen SteinkohlenBecken( Hannover, Ibbenbüren, Osnabrück, Löbejün, Borgloh und Oefede, Wettin, Ilfeld und Minden) fich am rafcheften entwickelten, nämlich feit 1860 bis 1872 um 472 1 Percent; jedoch participirten fie an der Gefammtförderung Preufsens im Jahre 1860 nur mit 106 Percent und auch in 1872 nur mit 2'23 Percent. Sodann folgt hinfichtlich Schnelligkeit der Entwicklung das mächtige Kohlenrevier der Ruhr. Dasfelbe lieferte im Jahre 1872 namhaft mehr als ein Drittel, nämlich 38 04 Percent der ganzen preuſsifchen Kohlenproduction, und die Zunahme betrug von 1860 bis 1872 nicht weniger als 228.9 Percent. Nicht viel langfamer, wenn auch quantitativ die Förderung des Ruhrbeckens lange nicht erreichend, ftieg auch die Production Oberfchlefiens und Niederfchlefiens( Waldenburg), indem diefelbe um 206.5, beziehungsweife 185.6 Percent anwuchs. Die Förderung der preuſsifchen Braunkohlen- Reviere, welche im Jahre 1872 2015 Percent der gefammten Kohlenmenge lieferten, ftieg feit 1860 um 133 2 Percent, während die Steinkohlen- Reviere der Saar( mit 109'1 Percent) und Aachens( mit 64.7 Percent) einen ruhigeren Fortfchritt zeigen. Um eine ähnliche Vergleichung, wie bei den preufsifchen, auch für die deutfchen Reviere im Allgemeinen genau durchzuführen, dafür fehlen uns einige Ziffern, es können jedoch, da Preufsen etwa 88 Percent fämmtlicher deutſcher Kohlen fördert, die obigen Daten ein annäherndes Bild für die Entwicklung der deutfchen Kohlenproduction liefern. Für das Jahr 1872 ergibt eine Darftellung der Antheile der deutfchen Kohlenbecken an der Gefammtförderung folgendes Refultat: 74 J. Pechar, Dr. A. Peez. Antheil der einzelnen Kohlenbecken Deutſchlands an der Gefammtförderung. Kohlenbecken Im Jahre Metrifche Tonnen Percent A. Steinkohlen. Ruhr.. 1872 14,065.750 33.23 Oberfchlefien " 7,251.838 17 13 Saar.... " 4,222.234 9.98 Baiern.. Waldenburg und Neurode. Aachen. Kleinere Becken in Preussen Zwickau und Lugau. Alle Anderen " 2,119.590 5.01 " 1,04 1.3 14 2° 46 . " 823.050 195 99 2,946.261 6.96 1 25 دو 412.412 423.969 I OO 0.97 B. Braunkohlen. Preufsen 1872 Sachfen. Anhalt.. Thüringen. Braunfchweig und Andere. Kohlen überhaupt. " カカカカ " 7,449.636 601.448 467.454 17.60 I 42 I IO 249.279 " 250.236 0.59 0.60 42,324.471 100'00 I. Das niederrheinifch- weftphälifche Ruhr- Kohlenbecken. Weitaus das productivfte unter den Revieren des deutfchen Reiches ift das mächtige niederrheiniſch- weftphälifche Steinkohlen- Becken, welches fonft auch mit dem Namen„ Becken der Ruhr" bezeichnet wird, obwohl die Ruhr nur den füdlichen und heutzutage unergiebigften Theil der Flözablagerung durchfliefst. Diefs Revier lieferte im Jahre 1872 nicht weniger als 38.04 Percent der gefammten Kohlenförderung Preufsens und 33 23 Percent der Kohlenproduction des deutfchen Reiches. Es wird vorausgefchickt, dafs in der nachfolgenden Darftellung das Ruhrbecken im engeren Sinne und die Reviere von Ibbenbüren, Osnabrück- Borgloh und Minden gemeinfchaftlich behandelt find, da diefelben mit Ausnahme des ganz unbedeutenden Mindener Revieres höchft wahrfcheinlich in einer geologifchen Verbindung mit einander ftehen und fämmtlich dem Oberbergamtsbezirke Dortmund angehören. = In einer Länge von über 10 Meilen 75.85 Kilometer erftrecken fich die Steinkohlenablagerungen auf beiden Seiten der Ruhr aus der Gegend von Unna und Hamm bis an den Rhein bei Duisburg und Ruhrort, ja fetzen fich noch jenfeits des Rheines fort, wo fie bei Moers bereits wieder bergmännifch aufgefchloffen wurden. Auf ungefähr 8 Quadratmeilen= 46.025 Hektaren treten diefe Ablagerungen an die Oberfläche; auf mehr als 40 Quadratmeilen( 230.129 Hektaren) ift die Steinkohle, im Norden von Kreidemergel bedeckt, nachgewiefen. Mineralifche Kohle. 75 Englifche Geologen haben bemerkt, dafs möglicherweife ein Zufammenhang zwifchen dem weftphälifchen Reviere und den Kohlenformationen beftehe, welche das Becken von Wales bilden. Unter allen Umftänden hat die niederrheinifch- weftphälifche Formation viel mehr Verwandtes mit dem Becken von Wales, als die belgifche und nordfranzöfifche Kohlenformation. Von Dechen fagt über die Lagerung der Steinkohle im Ruhrbecken: ,, Die bogenförmigen Falten, in welche die fämmtlichen Schichten diefes Kohlenrevieres und alfo auch die Kohlenlager zerlegt find, die fogenannten Mulden und Sättel, geben Veranlaffung, dafs der Kohlenreichthum in den oberen und dem Bergbaue zugänglichften Teufen in einer überraschenden Weife zufammgedrängt wird, und dafs diefelben Kohlenlager in einem grofsenFlächeraume unmittelbar angegriffen und ausgebeutet werden können. Dabei find die Falten flach und abgerundet. Der Einfluss diefer Lagerungsformen auf die induftrielle Entwicklung des Ruhr- Kohlenrevieres ift fo grofs, dats, wenn diefelben in der Abficht erfonnen werden follten, um diefer Entwicklung am förderlichften zu fein, keine anderen gewählt werden könnten." Die Zahl der Flöze ift eine fehr beträchtliche; bauwürdig find etwa 65 mit einer Gefammtmächtigkeit von 2500 Zoll= 65 Meter reiner Kohle, einer Mächtigkeit alfo, die 4'6mal fo grofs ift, als die des Kohlenbeckens von Süd- Wales, und 5.8mal fo grofs, als die der Kohlenlager vom Durham und Northumberland. Die durchschnittliche Mächtigkeit der Flöze beträgt 39 Zoll( 102 Meter); Flöze bis zu 20 Zoll( 0.52 Meter) gelten für abbauwürdig. - Es liegen fonach die natürlichen Bedingungen des Steinkohlen- Bergbaues im Ruhrbecken im Allgemeinen aufserordentlich günftig. Im füdlichen Theile desfelben, an der Ruhr, wo der Stollenbetrieb noch fehr häufig, haben freilich die Gruben durch ftarke Wäffer zu leiden. Im Norden findet nur Tiefbau ftatt, und zwar gelten Schächte von I10 bis 120 Lachter= 230 12 bis 251 04 Meter Teufe fchon. als tief. Bei Effen liegt die Wetterfohle gewöhnlich in der 61. Lachter oder 127 Meter tief, die erfte Tiefbaufohle in der 91. Lachter oder 190 Meter tief, die letzte Tiefbaufohle in der 140. Lachter, das ift 292 Meter tief. Bei Gelfenkirchen kommt es vor, dafs die erfte Tiefbaufohle fich erft in der 160. Lachter oder 335 Meter tief befindet, und bei den Zechen, die in den letzten Jahren im nördlichen Theile des Revieres aufgefchloffen wurden, dürfte diefe Tiefe die Regel werden. Den Kohlenreichthum des Ruhrgebietes berechnete von Dechen auf 35.000 Millionen metr. Tonnen, und Oberbergrath Küper auf 39.200 Millionen metr. Tonnen, fo dafs die Lager bei einer Förderung, wie die jetzige, von circa 14 Millionen metr. Tonnen per Jahr erft in etwa 3000 Jahren ihres Inhaltes entleert fein würden. Die Küper'fche Berechnung bafirt auf den thatfächlichen Auffchlüffen, die im Jahre 1860 gemacht waren; heute würde in Folge der weiteren Auffchlüffe im Norden und Often( bis Hamm hin) die Berechnung zu noch ganz anderen Refultaten führen. Von diefer riefigen Kohlenmenge liegt etwa zwifchen der Oberfläche und einer Tiefe von 100 Lachtern( 209 Meter). Nach der Lage der Flöze und dem Charakter der in ihnen enthaltenen Kohle laffen fich vier Flözgruppen unterfcheiden. Die unterfte derfelben führt Sandkohlen, die nächfte Sinterkohlen, dann folgen Backkohlen und endlich Gaskohlen. Im Allgemeinen kann man fagen, dafs in dem füdlichen Theile des Beckens Magerkohle, in dem nördlichen ausgedehnteren, etwa von dem Auftreten des Kreidemergels an, Fettkohle gewonnen wird. Zur Cokebereitung eignen fich am beften die ftarkbackenden Kohlen von Herne, Langendreer, Bochum, auch die von Effen. Die beften Dampf- oder Mafchinenkohlen, die mit der berühmten Cardiff- Kohle von Süd- Wales zu wetteifern vermöchten, findet man im Hangenden des Leitflözes Sonnenfchein, nördlich einer Linie, welche von Oberhaufen über Effen, Steele, Laer, Witten nach Hoerde gezogen werden kann. Es mögen hier die chemifchen Analyfen von Kohlenproben aus den ver fchiedenften Partien des Ruhrbeckens ihre Stelle finden.( Nach Unterfuchungen von Heintz, Fleck, Sauerwein, Brix, Janfen, Karften.) Chemifche Analyfen verfchiedener Kohlen des Ruhrbeckens. Grube Flöz Ort In 100 Gewichtstheilen getrockneter Subftanz Afche 76 J. Pechar, Dr. A. Peez. Sälzer& Neuack Victoria& Mathias Nötgersbank Anna Effen Effen 85.62 4.65 7.64 86.43 5.32 5.67 2.09 7:47 21 4 78.5 O'I Backk. 2:58 7.41 Zollverein Pluto Präfident Engelsburg Boruffia Urbanus Dorftfeld Ver. Weftphalia Friedrich Wilhelm 11 Präfident Stensmannsbank N.7( ungefiebte Kohle) Langebank Nr. 7 Fettkohle vom Fl. K. Siebenhandbank Bochum Langendreer Langendreer Marten Dortmund Dortmund Alteneffen 79.78 4.92 9.80 5.5° Wannen 78.40 5.30 4.80 II 50 Bochum 79 72 4.62 12:40 3:26 7.51 85.90 4.56 4.77 1.56 7.66 HI 2.90 7.67 18.5 80.07 o'8 Backk. 80 989 4.491 9 657 4.863 87 437 4.861 6: 452 I 250 82.22 5.00 7.71 5.07 7.16 Luife Tiefbau Nr. 8 Ver. Hamburg Trappe Hafenwinkel General Nottekampsbank Portingsfiepen Hibernia Shamrock Nr. I Barop 78.05 5.05 12'92 Witten 83.790 4'444 6.235 3.98 7:37 25.5 73'3 I 2 5.531 10.9 88.2 0.9 Volmarftein 14.7 82.4 2.9 Nr. 6 Dahlhaufen 20 95 77 88 I'2 Nr. 6 Dahlhaufen 10.9 88.4 0.7 Backkohle Kupferdreh II 5 87.5 I'O Sinterk Hagenfcheidt( Stollenfohle) Werden 90 856 4.078 4.003 1063 - Gelfenkirchen Herne 6.95 7:43 Mineralifche Kohle. 77 Was die Sortenbildung anbelangt, fo mufs hervorgehoben werden, dafs der Stückkohlenfall bei den Back- und Gaskohlen ein verhältnifsmäfsig fehr geringer ift. Früher unterfchied man allgemein nur zwei Sorten: Melirte Kohlen und Gries; gegenwärtig werden auf den gröfseren Zechen mittelft zweckmäfsiger Separationsvorrichtungen drei, auch vier Sorten gebildet. Auf Stückkohlen entfallen hiebei 10 bis 50 Percent, auf Nufskohlen 20 bis 40 Percent, auf Grubenklein ( Gries) 70 bis 10 Percent. Obwohl mit dem Steinkohlengebirge der Ruhr im Zufammenhange ftehend, unterfcheiden fich die in nördlicher Richtung am Teutoburger Walde gelegenen kleinen Steinkohlenablagerungen: von Ibbenbüren, von Osnabrück und Borgloh in Bezug auf das Vorkommen von Kohle und deren Eigenfchaften doch wefentlich von dem Ruhr- Baffin. - Das Revier von Ibbenbüren, einen Flächenraum von I Quadratmeile 5.754 Hektaren einnehmend, befitzt 9 bekannte Flöze, welche jedoch durch viele grofse und unzählige kleinere, meift fteil einfallende Verwerfungen geftört find. Die Mächtigkeit der Flöze differirt zwifchen 3 und 158 Zoll= 7.9 Centimetern und 4 161 Meter; die des wichtigften beträgt 36 bis 40 Zoll= 949 bis 105 Centimeter. Letzteres enthält theils Fett-, theils Magerkohle. Bei Osnabrück erhebt fich die Kohlenablagerung in Geftalt eines fattelartigen Berges, des Piesberges, aus den jüngeren Schichten heraus. Die Kohle des Piesberges ift ein fchöner Anthracit, auch die der unweit gelegenen Gruben von Borgloh und Oefede von guter Qualität. Bei Minden tritt die Steinkohle in 3 Flözen auf, deren Länge- Erftreckung 31 Meilen= 26.55 Kilometer beträgt. Das unterfte Flöz von 10 bis 18 Zoll= 26 bis 47 Centimeter Mächtigkeit wird abgebaut und liefert theilweife Backkohle, theilweife anthracitifche und magere Kohle. Die Eigenfchaften der Steinkohlen diefer drei kleinen Reviere find aus folgenden Analyfen( von Heintz, Brix, Hilkenkamp und Kempner) zu entnehmen. Chemifche Analyfen von Kohlen aus den Revieren von Ibbenbüren, Osnabrück und Minden. Grube Flöz Ort Kohlenstoff In 100 Gewichtstheilen getrockneter Subftanz Wafferftoff Sauer- und Stickſtoff Afche Nutzbare Verdampfungskraft für 1 Pfund der rohen Kohle. Schafberg Alexander Ibbenbüren 82.2 416 4.53 9.29 6.34 99 Glücksberg Flottwell Piesberg( Hafeftollen) Osnabrück 90 396 1903 1726 6.042 77.25 4'02 8.14 10 59 7.18 6.95 27 ( Lechtingen) 91141 Laura Minden 2.076 0.000 6.807) 74.81 4.35 8.76 12.08 6.80 Wie bereits gefagt wurde, hat der Steinkohlenbergbau an der Ruhr, und zwar bei Dortmund und Effen, fchon im Anfange des Mittelalters begonnen, erhielt jedoch einen kräftigen Impuls erft durch die Schiffbarmachung der Ruhr, die um 6 78 J. Pechar, Dr. A. Peez. das Jahr 1770 in Angriff genommen wurde, und an welcher ſpäter der Freiherr von Stein, der grofse deutfche Staatsmann, als Leiter der weftphälifchen Bergämter( feit 1784) und als Vorfitzender der Domänenkammer( feit 1795) mit gewohnter Kraft und Umficht mitarbeitete. Bei Ibbenbüren werden feit dem XVI. Jahrhunderte Kohlen gewonnen; noch etwas später wahrfcheinlich wurden die Lager bei Osnabrück erfchloffen. Der Kohlenbergbau bei Ibbenbüren verdankt feine Blüthe der Pflege feitens des Staates, in deffen Befitz fich die dortigen Werke befinden, während alle übrigen Kohlenwerke in Weftphalen von Privaten betrieben werden. Seit dem Jahre 1737, bis wohin die Aufzeichnungen zurückreichen, wurden nun im Ruhrbecken( refpective dem heutigen Oberbergamtsbezirke Dortmund) folgende Quantitäten Steinkohlen producirt: Production des niederrheinifch- weftphälifchen Kohlenbeckens. im Jahre Metrifche Tonnen 1737 1739/40 • 20.724 Mark 29.682 1749/50 • 32.432 1759/60 43.109 1767/68 61.692 1769/70 73.329 1779/80 95.020 29 " 99 " 99 " 1790 • 137.617 1800 177.082 " 1805 345.194 Mark und Ibbenbüren Mark, Effen und Ibbenbüren 1810 360.000 18 17 410.359 1820 528.448 1830 564.862 99 " " " 1840 • 993.108( Mark, Effen), Ruhr, Ibbenbüren, Minden 1847 1,367.560 " 1850 • 1,694.208 94 1851 1,690.899 99 1852 1,853.140 " 1853 2,077.315 99 1854 2,582.740 99 1855 3,150.695 99 1856 3,396.529 99 1857 3,536.698 95 1858 3,605.643 " 1859 1860 3,499.634 4,366.000 " 99 1861. 5.555.067 1862. 6,242.348 1863 6,875.120 99 " 1864 8,146.434 وو 1865 9,276.674 1866. 9,329.503 99 " 1867 10,714.18 1 Ruhr, Ibbenbüren, Minden, Osnabrück 1868. II, 443.944 1869 12,034.169 1870 12,219.432 99 97 " 1871 12,715.248 99 1872 14,430.965 وو 1873 16,219.914 " Mineralifche Kohle. 79 In dem Zeitraume von 1737 bis 1873 hat fich die Production alfo um 78.166 Percent vermehrt; im Vergleiche zu dem Jahre 1800 beträgt die Zunahme 9.060 Percent, feit 1817 3.853 Percent, 1850 857 Percent, 1860 272 Percent, 1865 75 Percent, 1872 12'4 Percent. Die auffallende Steigerung vom Anfange der Sechziger- Jahre ab bezeichnet den Abſchnitt, wo die niederrheinifch- weftphälifchen Kohlenwerke, welche lange Jahrzehnte hindurch in der fchwierigften Lage waren, endlich zu profperiren begannen. Es gefchah diefs in Folge der Einwirkung des Grofscapitales, welches hauptfächlich in Geftalt von Actiengeſellſchaften dem Kohlenbergbaue, fowie der Eifeninduftrie der Ruhr feitdem immer mehr feine Gunft zuwandte. Im Jahre 1850 wurde der Kohleneifenftein, fpäter auch der körnige Spatheifenftein im Becken entdeckt. Ausserdem werden Erze aus anderen Ländern( Spanien) bezogen. Welche Bedeutung der dortigen Eifeninduftrie zukommt, und wie auch diefe in den letzten Jahren gerade einen mächtigen Auffchwung genommen, ergibt fich aus folgender Zufammenftellung: Die Förderung an Eifenerzen betrug: im Jahre 1867 gegen 500.000 metrifche Tonnen, " 9 Es wurden erzeugt im Jahre: metrifche Tonnen 1871 600.000 " " 2 27 1867 1871 an Roheifen.. " » Schmiedeeifen Stahleifen 99 325.000 420.000 220.000 102.000 335.500 165.500 In dem genannten Jahre 1871 beftanden in Weftphalen 20, in der Rheinprovinz 48 Hüttenwerke. In der günftigen Gefchäftsperiode 1871 bis 1873, die erſt im Sommer 1873 zu einem jähen Abfchluffe kam, entſtanden durch Neufchöpfung oder häufiger noch durch Erweiterung und Zufammenlegung fchon beftehender Etabliffements im niederrheinifch- weftphälifchen Kohlengebiete eine Anzahl von Werken, hinter welchen fogar die alten und berühmten belgifchen und englifchen Etabliffements in Seraing, Dowleis oder Sheffield zurückbleiben dürften. Die Dortmunder„ Union" hat mit einem Actiencapital von 13 Millionen Thalern in anderthalb Jahren vom 1. Januar 1872 bis 30. Juni 1873 an Kohlen 550.000 metriſche Tonnen, an Eifenftein 220.000 Tonnen, Roheifen und Walzfabricaten 355.000 Tonnen producirt. Sie befchäftigte in der zweiten Hälfte des Jahres 1873 12.102 Arbeiter und bezahlte an Arbeitslöhnen während der obgenannten Gefchäftsperiode nicht weniger als 6 Millionen Thaler. Die Verzinfung der alten Actien belief fich auf 12 Percent per Jahr. In ihrer Art noch koloffaler find die bekannten Krupp'fchen Werke in Effen. Krupp befitzt II Hochöfen, wozu noch 8 neue theils im Bau, theils projectirt find. Das Etabliffement zählt 286 Dampfmaschinen mit 10.000 Pferdekräften, und die Gufsftahlhütte producirt mit 12.000 Arbeitern 125.000 metriſche Tonnen Stahl. Krupp arbeitet mit 18 Beffemerbirnen, während das gröfste englifche Stahlwerk nur 16 befitzt. Diefen riefigen Werken, welche fchon Gemeinwefen bedeutenden Umfanges gleichen und ihre Arme über ganze Länder bis nach Schweden und Spanien erftrecken, fchliefsen fich zahlreiche andere Unternehmungen an, die alle auf die Kohlen diefes Revieres bafirt find. In dem berühmten Eifenbezirke des Siegner Landes waren allein 60 Hochöfen im Gang, die im Jahre 1871 über 225.000 Tonnen Roheifen( zum grofsen Theile Spiegeleifen) mit weftphälifchem Coke erbliefen. Von der Kohlenförderung Weftphalens im Jahre 1871 wurden 4,157.303 metrifche Tonnen= 32.6 Percent im Grubenbezirke felbft, das heifst vorzüglich in den Hüttenwerken, confumirt. Die nachftehenden Kohlenwerke hatten im Jahre 1871 die ftärkfte Production: 6* 80 J. Pechar, Dr. A. Peez. Schächte des Harpener Vereines bei Langendreer. Kölner Bergwerkvereines bei Alteneffen " 99 Zeche Confolidation bei Gelfenkirchen وو Glückauf- Tiefbau bei Barop Oberhaufen bei Oberhaufen. Profper bei Dellwig 27 " 9 Sälzer und Neuack bei Effen. ' Metrifche Tonnen 400.553 360.000 285.000 260.000 255.000 260.000 275.000 277.500 وو وو Victoria- Mathias bei Effen . Auf den bei den verfchiedenen Kohlengruben des Beckens befindlichen Cokeanftalten find im Jahre 1871 aus II, 243.824 Centnern( 562.191 metrifche Tonnen) Steinkohlen 7,459.304 Centner( 372.965 metriſche Tonnen) Coke dargestellt worden, was einem Ausbringen von 66 34 Percent entspricht. Den vorzüglichften Coke, der dem beften englifchen gleichkommt, erzeugten die Zechen: Centrum bei Bochum, Shamrock, von der Heydt und Pluto bei Wanne, Zollverein und Concordia bei Oberhaufen, Erin bei Caftrop und andere. Sämmtliche vorgenannte Gruben, fowie die, für deren Producte die chemifche Analyfe mitgetheilt worden, waren auf der Ausftellung im Prater vertreten. Bemerkenswerth und an fich noch bedeutender, als rückfichtlich der Quantität, ift die Steigerung in Bezug auf den Geldwerth der Förderung während der beiden jüngften Decennien. Der Werth der Förderung betrug: im Jahre 1852. in Gulden öfterr. Währ. Silber 5,213.547 1862. " وو 1868. 46 77 " " " 9 "" 1871. 1872. 15,015.276 29,147.990 45.547.671 61,770.561 fo dafs in Percenten ausgedrückt eine Zunahme refultirt feit 1852 um 1085 Percent, 1862 um 312 Percent, 1868 um 112 Percent, 1871 um 36 Percent. Die Kohlenpreife erlitten indeffen in diefer Periode bedeutende Schwankungen. Während die Grubenpreife zu Ende der Fünfziger Jahre eine fehr anfehnliche Höhe erreicht hatten, trat in Folge langfamer Entwicklung des Confums und des durch den italienifchen Krieg gefunkenen allgemeinen Vertrauens im Jahre 1859 eine Krife ein, welche die Preife bis zum Jahre 1864 faft zur Hälfte des früheren Betrages finken liefs. Seitdem erholten fie fich nur allmälig und erft der grofsartige Auffchwung von Induftrie und Handel nach Beendigung des Krieges von 1870/71 trieb die Kohlenpreife an der Ruhr auf eine Höhe, die fie nie zuvor erreicht hatten. Im Durchschnitte wurde der Centner( 50 Kilogramm) Kohle an der Grube verkauft in den Jahren 1852 bis 1871 mit 11 3 bis 22 Kreuzern. Im Jahre 1873 dagegen war der Durchfchnittspreis 34'5 bis 36 kr. und die Abfchlüffe pro 1874 lauteten auf 40 5 bis 43'5 kr. per Zollcentner. Dabei ftellte fich der Preisunterfchied zwifchen Fett- und Magerkohle im Jahre 1873 durchſchnittlich auf circa 75 kr., wogegen derfelbe früher und noch im Jahre 1869 ein faft verfchwindender war. Bei der Fettkohle differirten Grobkohle( Förderkohle) und Gries im Jahre 1872 um etwa 7.5 kr., bei der mageren Kohle um ungefähr 6.7 kr. Der flotte Abfatz der Werke und die hohen Kohlenpreife währten den ganzen Sommer 1873 hindurch fort, obfchon die Eifeninduftrie arg darniederlag. Erft zu Anfang 1874 ftockte der Abfatz und fanken die Preife fehr beträchtlich, fo zwar, dafs im März 1874 befte Fettkohle an der Grube zu 30 bis 35 kr. und Coke zu 55 bis 60 kr. per Centner zu haben war. Mineralifche Kohle. 81 Da die Selbftkoften der meiften Werke trotz der Erhöhung der Arbeitslöhne um 25 Percent und der Vertheuerung des zum Bergbau erforderlichen Holz und Eifenmateriales nicht über 15 bis 21 kr. betragen, fo bleibt für den Unternehmer felbft bei den heutigen Preifen noch ein angemeffener Nutzen, und ficherlich find es nicht überfpannte Preife, wodurch deutfche Kohle den Weltmarkt oder auch nur ein Stück desfelben erobern wird! Einzelne Zechen zahlten in den letzten Jahren glänzende Dividenden, z. B. Harpener Bergwerk 60 Percent. Für 1873 fchätzte man die Dividende beim Bochumer Bergwerk auf 60, Zeche Pluto 40, Kölner Bergwerk 30, Gelfenkirchner Bergwerk 20 Percent. Der im Jahre 1874 eingetretene Rückfchlag dürfte freilich für das laufende Jahr minder günftige Refultate bewirken. Im Jahre 1872 ftanden im Reviere 252 Zechen in Betrieb, 15 mehr als im vorhergehenden Jahre. Im Allgemeinen ift die Anzahl der Zechen in den letzten 10 Jahren ziemlich ftationär geblieben, zu Ende der Fünfziger- und Anfang der Sechziger- Jahre war fie eine bedeutendere als heute. Sie betrug: 1852. 1858. 1862. 1868. 1871. . 178 Werke, 292 266 وو 99 232 99 237 99 252 وو 1872. Die Zahl der Werke hat alfo gegen 1858 abgenommen, allein die einzelnen Zechen fördern viel gröfsere Mengen als vorher. Der Betrieb ward energifcher, intenfiver, und feine vermehrte Kraft fpricht fich am deutlichften in der ungemein erhöhten Anwendung der Dampfmaschinen bei dem Bergwerksbetriebe aus. An Dampfmafchinen wurden in den Kohlenwerken der Ruhr verwendet: im Jahre 1852.. 157 mit zufammen 11.569 Pferdekräften, • " 9 99 1858 . 343 99 دو 1862 وو 43° 27 99 " 99 " 1870 1871 746 840 " 99 25.455 36.267 61.778 " 9 99 95 69.042 95 Seit 1862 ift demnach eine Verdoppelung eingetreten. Auch die Zahl der bei den Steinkohlen- Bergwerken befchäftigten Arbeiter hat eine ftetige Vermehrung erfahren, welcher Umftand jedoch nicht verhinderte, dafs fich zeitweife Arbeitermangel geltend machte. Es gab Zechenarbeiter: im Jahre 1852 15.263 99 99 1858 32.656 1862 وو 32.917 1868 " " 50.597 17 99 1871 64.186 59 1872 69.491 ( mit 109.139 Familiengliedern) und es entfielen auf einen Arbeiter von der Gefammtförderung des Beckens: im Jahre 1852 1862 99 " 1868 99 99 99 وو 1871 " 9 " 9 1872 121 metrifche Tonnen. 189 226 27 دو 99 29 198 99 " 9 208 " 82 J. Pechar, Dr. A. Peez. Pro Tag förderte ein Bergmann: im Jahre 1858. 1868. " " 7 " 1872 035 metrifche Tonnen, 0.75 6.90 99 " " Nach dem Werthe der Jahresproduction berechnet, ftellte fich die Leiftung eines Arbeiters: im Jahre 1852 auf 342 fl. öfterr. Währ. Silber, " " 9 1862 456 99 27 " " " " 1868 566 وو 97 1871 710 " " " 99 27 99 " " " 99 " 1872 890" " " دو Die Lage der Grubenarbeiter, unter welchen fich keine Frauen und nur eine verhältnifsmäfsig geringe Zahl von Kindern befinden, mufs als eine im Ganzen fehr günftige bezeichnet werden. Die Löhne an der Ruhr ftehen höher, als in jedem anderen deutfchen Kohlenreviere. Auf den Zechen bei Effen verdiente ein Arbeiter im Jahre 1873 durchfchnittlich bis zu 1 Thaler 13 Sgr.( 2 fl. 15 kr. öfterr. Währ. Silber) bei achtftündiger Schicht, während vor zwei Jahren noch der Taglohn nur I Thaler I Sgr. ( 1 fl. 55 kr. öfterr. Währ. Silber) betrug. Für Arbeiterwohnungen ift ebenfalls in umfaffendem Mafsftabe geforgt. Nichtsdeftoweniger find auch bei den Bergarbeitern an der Ruhr die focialen Beftrebungen in Bezug auf Lohnerhöhung und Verkürzung der Arbeitszeit zu Tage getreten. Diefelben nahmen fefte Geftalt an in der Arbeitseinstellung von circa 16.000 Bergleuten in der Gegend von Effen im Juni und Juli 1872; der Strike währte volle fechs Wochen, fchlug jedoch zu Ungunften der Strikenden aus. Zur Unterſtützung invalid gewordener Kohlenwerks- Arbeiter, deren Witwen und Waifen beftanden im Oberbergamtsbezirke Dortmund Ende 1871 7 Knappfchaftsvereine( Bruderladen) mit 27.277 ftändigen und 29.485 unftändigen Mitgliedern, welche zufammen ein fchuldenfreies Vermögen von 922.941 Thalern ( 1,384.411 fl. öfterr. Währ. Silber) befafsen. Nach Mittheilungen, die wir der Güte des Herrn Dr. Natorp in Effen verdanken, beftanden im engeren Bezirke des Reviers, alfo mit Ausfchlufs der kleineren Becken von Ibbenbüren u. f. w., im Jahre 1873 drei Knappfchaftsvereine: der Märkifche, der Effen- Werdenfche und der Mühlheimer Knappfchaftsverein. In der jüngsten Zeit wurden diefe Inſtitute einer durchgreifenden Neugeftaltung unterzogen, indem einestheils die Leiftungen derfelben ganz bedeutend erhöht und anderntheils ihre aus früheren Zeiten ftammenden und defshalb vielfach unter einander divergirenden Statuten in völlige Uebereinftimmung mit einander gebracht find. Die erheblich höheren Beneficien, welche nach dem neuen Statute den Invaliden, Witwen und Waifen gewährt werden, find nur dadurch möglich geworden, dafs die Beiträge fowohl der Werksbefitzer, wie auch der Bergarbeiter beträchtlich erhöht wurden. Beide Theile haben fich aber dazu gern verftanden, und es dürfte fich zur Zeit kaum ein zweiter Bergbaubezirk oder ein anderer Induftriezweig finden, der fo ausreichend für feine Invaliden und Pfleglinge Sorge trägt, wie der Kohlenbergbau im niederrheinifch- weftphälifchen Reviere. An Unfällen kamen in den Kohlengruben des Dortmunder Bezirkes im Jahre 1871 im Ganzen 195 vor, und zwar: bei der Schiefsarbeit durch Steinfall in Schächten bei der Streckenförderung in fchlagenden Wettern 68 88030 Mineralifche Kohle. in böfen Wettern durch Mafchinen bei Wafferdurchbrüchen über Tage • durch fonftige Unglücksfälle 4 7 I 8 6 195 83 Unverhältnifsmäfsig bedeutend gegenüber den anderen Kohlenrevieren ift die Zahl der in fchlagenden Wettern Verunglückten. Ueberhaupt verunglückten bei einem Arbeiterftande von 64.186 Köpfen 195 Mann. Im Durchfchnitte kam daher auf je 329 Arbeiter ein Unfall, das ift o'304 Percent. Befondere Aufmerkfamkeit wird im Ruhrbecken der Heranbildung tüchtiger Betriebsführer, Steiger und Markfcheider gefchenkt. Es beftehen zu diefem Zwecke zwei vorzüglich geleitete Bergfchulen zu Bochum und Effen, welche von der Weftphälifchen Berg- Gewerkschaftscaffe unterhalten werden. In jüngfter Zeit find noch eine Anzahl von Bergvorfchulen( bis jetzt 10) zur Ausbildung von eigentlichen Grubenarbeitern hinzugetreten. Worin das Kohlengebiet der Ruhr nun unbeftritten den Vorzug vor allen übrigen Kohlenbecken des continentalen Europas( vielleicht mit einziger Ausnahme der belgifchen) verdient, ift fein Communicationswefen. Von den für den kleinen Verkehr fo wichtigen Kunftftrafsen kamen dort fchon im Jahre 1862 circa zwei Meilen( 15 Kilometer) auf die Quadratmeile. Nicht minder begünftigt ift das weftphälifche Kohlenbecken in Bezug auf die Wafferwege. Die Ruhr, feit 1770 von Langfchede an fchiffbar und in neuerer Zeit durch die Wafferbauten Nobilings prakticabler gemacht, durchzieht den füdlichen Theil des Beckens der Länge nach, während der Rhein den weftlichen Rand desfelben befpült und in den Häfen von Ruhrort und Duisburg jährlich fehr beträchtliche Quantitäten von Steinkohlen zum Transporte übernimmt. Im Jahre 1872 wurden verfrachtet im Ruhrorter Hafen. 27 Duisburger Hafen Summa 1,144.349 metrifche Tonnen, 99 " 439.101 1.583.450 metrifche Tonnen oder 10 Percent der Jahresproduction, ein Quantum, von welchem etwa der fechfte Theil auf der Ruhr angefahren wurde. Im Allgemeinen zwar hat der Steinkohlenverkehr auf dem Rheine in Folge der Entwicklung des Eifenbahnnetzes und des Billigerwerdens der Bahnfracht an feiner Bedeutung eingebüfst, dennoch aber bildet der Rhein in dem Communicationswefen des Ruhrbaffins noch immer einen der Hauptfactoren, namentlich mit Rückficht auf den Kohlenexport nach den Niederlanden. Auch dürfte die kürzlich erfolgte Einführung der Tauerei auf dem Niederrheine den Kohlenverkehr auf dem mächtigen Strome neu beleben. " Wichtige Canalverbindungen kommen, abgefehen von dem kleinen RheinRuhrcanale der Kohleninduftrie an der Ruhr bis jetzt nicht zugute. In den letzten Jahren jedoch hat fich eine lebhafte Agitation für die Herftellung des fogenannten Emscher Canales, der den Rhein mit der Unterwefer und Unterelbe verbinden foll, geltend gemacht, ein an fich altes, aber höchft bedeutfames Project, welches wiederum dem hochverdienten Präfidenten des Vereines zur Wahrung der gemeinſamen wirthschaftlichen Intereffen im Rheinlande und Weftphalen", Herrn W. T. Mulvany in Düffeldorf, feine meifte Förderung verdankt. Für die allernächfte Zeit fchon wurde in Verfolgung diefes Projectes die Führung einer Wafferftrafse vom Rheine landeinwärts bis zur Höhe von Dortmund, alfo durch den nördlichen Theil des Kohlenbeckens, wo fich zur Zeit die bedeutendften Tiefbau- Anlagen befinden, ins Auge gefafst. Diefer Canalabfchnitt würde alfo 84 J. Pechar, Dr. A. Peez. auf eine grofsartige Erweiterung der Hafenbecken von Ruhrort und Duisburg in das Steinkohlen- Revier hinauslaufen. Die Koften für die Strecke RuhrortDortmund find auf 15 Millionen Thaler angefchlagen. - Der Löwenantheil bei der Verfrachtung der Ruhrkohle fällt felbftverftändlich den Eifenbahnen zu. Nach allen Richtungen hin durchfchneiden die Linien dreier Eifenbahn- Gefellfchaften das Revier. Die Linien der BergifchMärkifchen Bahn( Gefammtlänge 98 07 Meilen= 743'95 Kilometer), der KölnMindener( Gefammtlänge 73 02 Meilen 553'92 Kilometer) und der Rheinifchen Bahn( Gefammtlänge 110'94 Meilen= 845 8 Kilometer), welche felbft fchon die Kohle weit über die Grenzen ihres Productionsgebietes hinausführen und Hauptbeftandtheile des mitteleuropäiſchen Eifenbahn- Syftems bilden. Am früheften von diefen gewann für das Becken Bedeutung die theilweife fchon im Jahre 1845 in Betrieb gefetzte Köln- Mindener Bahn. Jetzt aber mufs die Bergifch- Märkifche Bahn als die wichtigfte angefehen werden, da deren Linien innerhalb des Beckens allein eine Länge von 40 Meilen ungefähr meter haben, während von der Köln- Mindener Bahn nur circa 19 Meilen im = 303 43 KiloBecken felbft liegen. Die jüngfte ift die Rheinifche Bahn mit etwa 10 Meilen Bahnlänge innerhalb des Kohlenreviers. Die Bergifch- Märkifche Bahn gravitirt zumeift gegen Often und Südoften, das heifst gegen Heffen, Thüringen, Sachfen; die Köln- Mindener Bahn ftrebt nach Nordoften und Norden und wird mit der Eröffnung ihrer grofsen Strecke Venlo Bremen- Hamburg noch befondere Bedeutung für das Ruhrbaffin erhalten; der Rheinifchen Bahn fällt hauptfächlich die Verforgung des Ober-, Mittel- und Niederrheines mit Ruhrkohle zu. An Steinkohlen und Coke wurden nun von den genannten drei Bahnen verfrachtet und zwar a) von der Köln- Mindener: 81,296.264 Centner= 4,064.813 metrifche Tonnen, 1865 1868 1871 83,489.750 77,705.109 = " " 1872 84,028.130 79 4,174.487 3,885.255 = 4,201.406 " "" 29 99 " 1873 93.725.400 - " 4,686.270 " " ( 1872: 49 8 Percent des gefammten Güterverkehres der Bahn.) b) von der Bergifch- Märkifchen: 1865 1868 1871 1872 1873 51,142.170 Centner 80,047.167 _ = 22 99,769.565 = " I 15,997.069 " 2,557.108 metrifche Tonnen, 4,002.358 4.988.478 5.799.853 " " " 137,712,571 - 99 6,885.629 " " 9 ( 1872 45 84 Percent des gefammten Güterverkehres der Bahn.) c) von der Rheinifchen Bahn: 1865 1868 1871 12,962.622 Centner= 22,967.655 42,873.670 = 99 " 648.131 metriſche Tonnen, 1,148.387 2,143.683 " 29 ንን 1872 48,731.100 = 2,436.555 99 " 1873 60,727.980 " 9 = 3,036.398 99 " 9 ( 1872: 38.99 Percent des gefammten Güterverkehres der Bahn.) Im Jahre 1872 betrug alfo der Kohlentransport auf den Eifenbahnen des Ruhrgebietes zufammen 12,437.814 metrifche Tonnen, fo dafs 86 Percent der Totalproduction auf die Bahnen übergingen. Zur Bewältigung diefer ungeheuren Mineralifche Kohle. 85 Maffen befafsen jene, nachdem innerhalb kurzer Zeit bedeutende Neuanfchaffungen ftattgefunden, im Jahre 1872 nicht weniger als 28.237 Wagen( mittelft welcher jeder Centner 9'35 Meilen durchlief). Die Zahl der Locomotiven der drei Bahnen betrug 1318 Stück. Transportcalamitäten, wie die durch die Wagennoth im Jahre 1871 veranlafsten, werden fich künftig nicht leicht mehr wiederholen. Die Bahnverwaltungen find darauf bedacht, durch Anlage mehrerer Entlaftungsbahnen den Kohlenverkehr von den Hauptftrecken abzuleiten und fo ihm eine gewiffe Regelmässigkeit zu geben. Denfelben Zweck verfolgt die bereits fchon früher eingeführte Einrichtung der Kohlen- Extrazüge. Die gröfseren Zechen ohne Ausnahme ftehen durch Zweigbahnen, Anfchlufsoder Ladegeleife, die im Ruhrbecken meiftens für Rechnung der Gewerken ausgeführt werden, mit den Hauptlinien in directer Verbindung. So zählt die BergifchMärkifche Bahn 226 Locomotiv- Zweigbahnen in einer Länge von 79'1 Kilometer, die Köln- Mindener 76 Locomotiv- Zweigbahnen, zufammen 789 Kilometer lang, und die Rheinifche Bahn 33 Zweigbahnen. Die Zechenfracht fchwankt je nach der Entfernung zwifchen 114 Sgr.= 614 kr.( bei der mit der Station Wattenfcheid der Rheinifchen Bahn verbundenen Grube Holland) und 1 Thaler 26 Sgr.= 2 fl. 80 kr. ( bei den Gruben Erin bei Caftrop und Providence bei Herne, rückfichtlich ihrer Verbindung mit der Station Bochum der Bergifch- Märkifchen Bahn). - - Gleich den übrigen Bahnen Deutfchlands haben auch die mehrgenannten drei Bahnen des Ruhrgebietes den Frachtfätzen für Kohlen- und Cokefendungen im directen Verkehre und in Wagenladungen à 200 Zollcentner= 10 metriſche Tonnen den Einpfennig- Tarif zu Grunde gelegt. Derfelbe kam zuerft im Jahre 1861 zur Anwendung. Nachftehender Tabelle ift die Kohlenfracht von den gröfseren Verfandtftationen des Ruhrbeckens nach den wichtigften Confumtionsplätzen zu entnehmen. ( Siehe Seite 86.) Zu jener Grundtaxe von I Pfennig= 0.416 kr. per Centner und Meile iftaber allmälig erft noch die Expeditionsgebühr von I Thaler per 100 Centner hinzugetreten, welche jedoch mitunter aus Concurrenzrückfichten, namentlich da, wo es gilt der Kohle Englands die Spitze zu bieten, nicht erhoben wird. So befteht z. B. von der Station Gelfenkirchen der Köln- Mindener- Bahn nach Rotterdam der reine Pfennigtarif ohne Expeditionsgebühr, ebenfo für die Kohlentransporte von fämmtlichen weftphälifchen Zechen nach Antwerpen. Bei Verladungen nach Bremerhafen hinwiederum ift die Expeditionsgebühr um die Hälfte ermäfsigt. Ueber die fpeciellen Modificationen des Verbandtarif- Syftemes der Bahnen des Ruhr- Kohlenrevieres unterrichten die folgenden, die Einheitsfätze per Centner und Meile( inclufive Expeditionsgebühr) im Durchschnitte bezeichnenden Ziffern. ( Siehe Seite 87.) Die Annahme des Einpfennig- Tarifes machte fich feinerzeit fofort bemerklich durch ftarke Vermehrung des Güterverkehres und durch wohlthätigen Einfluss auf die Einnahmen der Bahnen. Bei der Köln- Mindener Bahn z. B. erhob fich der Gütertransport von 2,291.589 metrifchen Tonnen im Jahre 1859 auf 3,266.357 metriſche Tonnen im Jahre 1861, und die auf die Stammactien entfallende Dividende ftieg in der gleichen Zeit von 7% Percent auf 1214 Percent. Seitdem ift die finanzielle Lage der drei Bahnen des Ruhrbeckens trotz der in den letzten Jahren allfeitig in Deutfchland zu Tage getretenen Vermehrung der Betriebsauslagen fortdauernd eine befriedigende gewefen. So zahlte an Dividenden: Die Köln- Mindener Bahn وو 99 1871 11.66 1872 Rheinifche " Bergifch- Märkifche Bahn( unter Staatsverwaltung) 6.00 9:35 Percent, 8.82 9.40 7.50 99 29 Tariffatz für Kohlen. 86 J. Pechar, Dr. A. Peez. Poftnummer nach Meilen Kilometer CentCent- ner ner und Meile Kreuzer Meilen Kilometer Centner ner und Meile Kreuzer Meilen Kilometer Dortmund Herne V 0 n Effen Oberhaufen Ruhrort Entfernung Tariffatz per Entfernung Tariffatz per Entfernung Tariffatz per Entfernung Tariffatz per Entfernung Tariffatz per CentCentCentCent- ner ner und Meile Kreuzer Meilen Kilometer Cent- ner ner und Meile Kreuzer Meilen Kilometer CentCent- ner ner und Meile Kreuzer I Amfterdam 30 72 233 14'35 0.467 27 89 212 13'20 0'473 26 32 200 12'35 0'469 24 71 187 11 65 O'471 25.86 196 12'20 0-472 2 Frankfurt... 39.66 301 20 55 0'518 43 35 329 20'55 0'474 41 19 312 20'20 0'490 39.66 301 19:55 0 493 40 90 310 20'05 0.490 Bremen.. 36.00 273 18.00 0.500 38.80 294 19'20 O'495 41 41 314 20'10 0485 42 50 322 20'75 0 488 43'75 332 21 25 0.486 4 Magdeburg. 47 40 360 22'75 0'479 50 20 381 23'925 0'476 52.80 401 25'00 0'473 53 90 409 25'475 O'473 55 20 419 26.00 0° 471 5 Hamburg. 49'75 377 22'90 0'460 52'55 399 24'05 O'457 55 16 418 24.95 0'452 56 25 427 25.60 0'455 57'50 436 26.10 0.454 6 Lübeck... 57.80 438 2560 0'443 60 60 460 26.75 0'441 62.80 476 27'70 0 441 64 30 488 28.30 0'440 65 55 497 28.85 0* 440 7 Leipzig.. 63 40 481 29 42 0 464 66'20 502 30'60 o'462 68.80 522 31 675 0.460 69'90 530 32'125 0'460 71'20 540 32 675 0'459 8 Berlin 67 40 511 27 25 0'404 70'20 533 28.427 0'404 72.80 552 29 50 0'405 73'90 561 29'975 0'405 75 20 570 30 475 0'405 9 Schleswig 68.65 521 31 875 0'464 71'45 542 33 025 0'462 74'06 562 33'925 0'458 75 15 57° 34'575 0460 76 40 580 35 075 0459 10 München. 93 84 712 48.27 0.514 11 Kufftein 107 34 814 55'52 0517| 95 05 721 47'925 0'504 108 55 823 55 175 0508 Mineralifche Kohle. Verbandtarife aus dem Ruhr- Kohlenbecken. Bei einer Entfernung von Meilen Köln- Mindener, Berg.- Märkifche, im BergifchHannoverfche Staatsb., LübeckBüchener, Berlin- Hamburger, Altona- Kieler Bahn Köln- Minden., Hannov. Staatsb., Hannoverfchen Verkehre im NorddeutBraunfchw. B., Magdeb.-Halberft., fchen EifenMagdeb.- Cöthen- Halle- Leipziger, bahn- VerBerlin- Potsdam- Magdebg. Bahn Bergifch- Märkifche Bahn, Köln- Mindener, Thüringiſche und Werra- Bahn Bebraer, K. Bayerische Staatsb., Bergifch- Märkifche, FrankfurtBayerifche Oftbahnen bande imRheinifchWeftphälifch- Thüringifchen Verkehre im BergifchMärkischVerkehre Bayerifchen Bei einer Entfernung von Meilen Köln- Mindener, Berg.- Märkifche, im BergifchHannoverfche Staatsb., LübeckBüchener, Berlin- Hamburger, Altona- Kieler Bahn. Hannoverfchen Verkehre Köln- Minden., Hannov. Staatsb., im NorddeutBraunfchw. B., Magdeb.- Halberft., fchen EifenMagdeb.- Cöthen- Halle- Leipziger, bahn- VerBerlin- Potsdam- Magdebg. Bahn Bergifch- Märkische Bahn, Köln- Mindener, Thüringiſche und Werra- Bahn Bebraer, K. Bayerifche Staatsb., Bergifch- Märkifche, Frankfurt Bayerische Oftbahnen bande im RheinifchWeftphälifch- Thüringifchen Verkehre im BergifchMärkifchVerkehre Bayerifchen e 11 Z N 23 O'5353 24 0'5292 25 26 27 28 0.5160 29 30 0.5073 ||| e r || 33 72 0'5039 33 0'5015 0.4993 34 0.4964 3333 35 36 0'4937 0.4931 37 04738 38 0'4615 39 0.4498 40 0.4565 0* 493 41 0'4483 0.489 42 0.487 43 0* 4805 16 об r 11 2 e - 0* 4588 0* 4936 0* 4494 0.405 0* 4583 0.4945 677777 0* 4953 o'4960 o'4478 0* 4568 0.4966 0'4967 O'4553 0* 4974 O'4552 O'5018 O'4541 0.4987 81 82 0* 4536 83 0'4993 84 85 86 88 89 O'5190 O'5017 O'5199 44 0.4853 92 45 0* 4780 93 46 555 72 678 0.4826 94 0.4439 0'4790 95 0.4691 0* 4596 0* 4562 O 4793 96 0'470 O 4779 97 o 477 0.4810 98 99 0* 4461 0* 475 0° 4757 IOO 0.4550 0.474 0* 4750 53 54 ○ 471 O'4733 ΙΟΙ ||||| |||||||| 0.5042 0.5046 0.5055 0° 470 O'4725 0.4807 102 655555 0'471 0.4845 103 678 0'469 0.4707 104 0.469 105 0.467 0.4683 0.4836 106 0.4386 - 107 0* 466 0.4675 0.4859 108 0.5063 0.5067 0.5067 0.5075 0* 5075 0.5078 0.5082 19 0.4374 62 -- 0.464 0.4664 0.4868 109 IIO 0.4653 63 o 4897 0.4889 64 0* 455 0* 5050 0.4890 0.5087 III 65 o 443 0* 5034 0.4900 II2 66 0'4523 0'4909 0* 4901 II3 0.5092 67 68 |||| 0.433 0* 4910 II4 0.5099 O'425 0° 4610 115 0* 4928 116 0.5098 0'415 0* 4600 0° 4929 87 88 J. Pechar, Dr. A. Peez. In demfelben Jahre 1872 bezifferte fich die Brutto- Einnahme aus dem Kohlen und Coketransporte bei der Köln- Mindener Bahn Rheinifchen 27 auf 3.285.503 Thaler= - 99 2,164.521 99 4,928.254 fl. 3,146.782 = 5,772.208, " 9 Bergifch Märkifchen Bahn 3,848.139 ንፃ وو Die eben angedeutete unverhältnifsmäfsige Steigerung der Betriebskoften hat in jüngfter Zeit nun aber allerdings eine von den Bahnen des Ruhrgebietes inaugurirte Agitation unter den deutfchen Bahnverwaltungen hervorgerufen, als deren Folge aller Vorausficht nach eine Erhöhung auch der Kohlentarife, das heifst die Annahme einer höheren Grundtaxe Platz greifen wird. Alle drei Bahnen des Ruhrbeckens haben in der letzten Zeit eine anfehnliche Vergröfserung ihres Netzes erfahren oder find damit befchäftigt, fich weiter auszudehnen. Zu der Bergifch- Märkifchen Bahn ift die fogenannte Ruhrthalbahn, fowie die käuflich erworbene Heffifche Nordbahn hinzugetreten; die Rheinifche Bahn breitet fich im Becken felbft weiter und weiter aus, und die Köln Mindener Bahn arbeitet an der Herftellung zweier überaus wichtigen Linien: der Emfcherthal- Bahn von Ruhrort nach Dortmund, dazu beftimmt, die nördlichen Partien des Beckens zu erfchliefsen, und der fchon oben genannten( Paris-) Venlo- Bremen- Hamburger Bahn, die das Ruhr- Kohlengebiet mit den grofsen deutfchen Nordfee- Häfen in die directefte Verbindung fetzen und namentlich Bremen und Hamburg um 8 Meilen= 60 687 Kilometer näher rücken wird. Bis Bremen ift die Bahn bereits dem Verkehre übergeben. Nachdem die deutfche Eifenbahn- Baugefellfchaft im Jahre 1872 die Conceffion zum Baue einer Eifenbahn von Hameln über Hamm und Bocholt nach der preufsifch- holländifchen Grenze zum Anfchlufse an die von Züpthen kommende Bahn, mit Abzweigungen nach Effen und Dortmund, erworben hat, wird das Kohlenrevier eine neue Verbindung mit Holland und zugleich ein viertes felbftftändiges Bahnnetz erhalten. Oben bereits wurde angegeben, dafs von der Gefammtproduction Weftphalens im Jahre 1871 32 6 Percent im Grubenbezirke felbft confumirt worden find. Was die Verfendung der Kohle betrifft, fo wird das eigentliche Abfatzgebiet der Ruhrkohle in Deutfchland gegen Norden, Often und Süden ungefähr durch die Städte Bremen, Hamburg, Berlin, Leipzig, Frankfurt a. M., Ludwigshafen markirt. Innerhalb diefer Grenzen wird es eine Hauptaufgabe der Ruhrkohle fein, der englifchen Kohle in Hamburg und Umgegend fo wirkfame Concurrenz zu machen, wie ihr diefs z. B. in Bremen gelungen ift. Der norddeutfche Lloyd brennt auf feinen Dampfern ausfchliefslich weftphälifche Kohle. Nach Vollendung der Venlo- Hamburger Bahn wird vorausfichtlich auch das wichtige Hamburg, welches circa 20 Millionen Centner Kohle aus England bezieht und deffen zahlreiche Dampfer mit englifchem Brennftoffe gefpeift werden, allmälig für die deutfche Kohle gewonnen werden. In Bremen wurden im Jahre 1871 eingeführt: Weftphälifche Steinkohle 92.324 metrifche Tonnen, Englifche In Hamburg dagegen: 77 Weftphälifche Steinkohle Englifche 99 50.359 99 99 6.195 metrifche Tonnen, 1,137.952 وو Weitaus den gröfsten ausländifchen Abfatz findet die Ruhrkohle in Holland. Holland, felbft arm an Brennftoffen mit Ausnahme von Torf, ift von kohlenproducirenden Ländern umgeben: von Deutfchland, Belgien, England. Die vortrefflichen Verbindungen, welche zwifchen dem Deltalande des Rheines und Deutfchland beftehen. Verbindungen durch Wafferwege fowohl, als durch eine Anzahl von Eifenbahnen, weifen Holland rückfichtlich der Deckung feines Kohlenbedarfes ganz entfchieden auf Deutſchland hin. Mineralifche Kohle. 89 So ift denn auch die Einfuhr aus Belgien, verglichen mit derjenigen aus Weftphalen, immer eine nur geringe gewefen. 1871 wurden in Holland importirt: Belgifche Weftphälifche Kohle 353.622 metrifche Tonnen, 1,058.490 " " 9 وو Anders verhielt es fich aber mit dem Import aus England. Lange machte die englifche Steinkohle der Kohle von der Ruhr den holländifchen Markt ftreitig, ja noch in den Jahren 1870 und 1871, als zuerft der Krieg und alsdann die Transportmittel- Noth, fowie der vermehrte Kohlenbedarf Deutfchlands den Export der Ruhrkohle einfchränkten, konnte man in der That den Concurrenzkampf als zu Gunften Englands entfchieden anfehen. Seitdem hat fich die Lage aber ganz verändert, und mit der enormen und lange anhaltenden Preisfteigerung der englifchen Steinkohle, welche erft vor Kurzem einer rückläufigen Bewegung Platz gemacht, haben fich die holländifchen Confumenten mehr und mehr dem weftphälifchen Brennmateriale zugewandt, fo dafs letzteres gegenwärtig in den Niederlanden entfchieden dominirt. Auf dem Rheine allein gingen in Holland ein im Jahre 1872 868.273 metrifche Tonnen, 27 1871 707.618 75 99 was einer Zunahme von 22 Percent im Jahre 1872 entſpricht. Belgien importirte im Jahre 1873 nach den Niederlanden nur 124.000 metrifche Tonnen Kohlen und Coke oder um 185.000 metrifche Tonnen weniger als im Vorjahre. An den Producenten im Ruhrgebiete, fowie den Transportanftalten wird es liegen, ob das neugewonnene wichtige Abfatzgebiet behauptet werden kann oder nicht. Neueften Datums ift die Einführung weftphälifcher Kohle in Belgien und Frankreich. In Belgien hat fich zwar fchon einmal und zwar fchon einmal und zwar in den Jahren 1866 und 1867, als die inländifche Production dem Bedarfe der Hüttenwerke nicht Genüge leiften konnte, vorübergehend eine Nachfrage nach Ruhrkohle geltend gemacht, allein mehr als 97.638 metrifche Tonnen( in 1867) hatte die Kohleneinfuhr aus Preufsen überhaupt nie betragen. Im Jahre 1871 war von einer Kohlenausfuhr nach Belgien im Ruhrbecken gar keine Rede mehr. Heute aber liegen die Verhältniffe fo, dafs es den Anfchein hat, als ob die Ruhrkohle in Belgien wirklich das Bürgerrecht erwerben wollte. Zunächft ift diefs freilich durch die hohen Preife der belgifchen Kohle und Arbeitermangel an den belgifchen Gruben veranlafst. Allein man hat in Belgien die Vorzüge der Kohle und der Coke von der Ruhr kennen gelernt und richtet fich immer mehr auf deren Gebrauch ein. Selbft Lüttich, der Mittelpunkt des gleichnamigen Kohlenreviers, und das der englifchen Steinkohle fo leicht zugängliche Antwerpen brannten im Jahre 1873 Ruhrkohle. Was Frankreich anbelangt, fo ift die Einfuhr dahin dem erneuten Auffchwunge der franzöfifchen Induftrie nach dem Kriege, der nicht genügenden Leiftungsfähigkeit der einheimifchen und belgifchen Kohlenwerke und dem verminderten Import an Saarkohle zu verdanken, welche letztere feit 1870 und 1871 ihre Hauptkundfchaft in Süddeutſchland und der Schweiz fucht und findet. Die Parifer Gasanftalten erhalten dermalen täglich 50 bis 80 Waggons ( à 200 Centner= 10 metrifche Tonnen) Ruhrkohlen und nach belgifchen Zeitungsnachrichten paffiren täglich circa 200 Waggons diefer Kohle gleichfalls mit der Beftimmung nach Frankreich die Plätze Lüttich und Charleroi. Das früher viel ventilirte Project des Exportes der weftphälifchen Kohle nach überfeeifchen Ländern( als Ballaft) mufste in den letzten Jahren wieder 90 J. Pechar, Dr. A. Peez. ganz zurücktreten, da die Production kaum dem inländifchen Bedarfe entſprechen konnte. Bei der in Ausficht ſtehenden beträchtlichen Erhöhung der Förde rung nach Vollendung zahlreicher im Baue begriffener Mafchinenfchächte dürfte auch jene Idee ihrer Realifirung näher gebracht werden. Zu Ende des Jahres 1873 wurden gerade im nördlichen Theile des Revieres, alfo in gröfserer Nähe der Seeplätze, einige 30 Tiefbaufchächte abgeteuft. Es dürften aber immerhin noch einige Jahre vergehen, bevor diefelben in volle Förderung eintreten. Unter allen Umständen hätte, nächft den Kohlenlagern der Vereinigten Staaten, kein anderes Revier gröfsere Möglichkeit, dem englifchen Kohlenhandel Concurrenz zu bieten, als Weftphalen. Die Befchaffenheit des niederrheinifch- weftphälifchen Kohlenrevieres und feines Productes, die günftige geographifche Lage, die hochentwickelte Induftrie, insbefondere die mächtige Stahl- und Eifeninduftrie, welche auf uralter und durchaus gefunder Grundlage beruht und bis zur Verfertigung der mannigfaltigften Finalproducte, wie Drahtftifte, Ketten, Klingen, Meffer, Scheeren u. f. w. entfaltet ift, verbürgen dem niederrheinifch weftphälifchen Kohlenreviere eine unberechenbare Zukunft, die durch Krifen verzögert, aber nicht dauernd zurückgehalten werden kann. Schliefslich fei noch der Abfatzverhältniffe der Ibbenbürener, OsnabrückBorgloher und Mindener Kohle gedacht. Die Kohle von Ibbenbüren wird zu 33.7 Percent im Grubenbezirke felbft confumirt und aufserdem hauptfächlich gebrannt in Münfter, Osnabrück, Hannover und der holländifchen Fabriksftadt Enfchede. Die Osnabrücker und Borgloher Kohle findet ihre Abnehmer zum weitaus gröfsten Theile in den Revieren felbft, die von der fie durchſchneidenden Venlo Hamburger- Bahn erhebliche Vortheile erwarten dürfen. Die Förderung des Mindener Beckens endlich verbleibt ganz und gar innerhalb der Grenzen des Grubenbezirkes. II. Das Saarbecken. Begrenzt von der Saar, Blies und Nahe, dehnt fich jenes berühmte Steinkohlenbaffin aus, welches man das Revier von Saarbrücken nennt. Bemerkenswerth ift dasfelbe vor Allem feiner Ausdehnung und Mächtigkeit wegen, ja es wird fogar von Manchen für die gröfste Kohlenanfammlung des europäiſchen Feftlandes gehalten. Auf etwa 172 671 Hektaren an die Oberfläche tretend, nimmt es, freilich vielfach von Quarzporphyren durchbrochen und vom Rothliegenden überdeckt, überhaupt einen Flächenraum von mehr als 287.786 Hektaren ein; die Erftreckung in die Länge( von Nordoften nach Südweften) beträgt beiläufig 98.6 Kilometer, die in die Breite 30 Kilometer. Wie Alexander von Humboldt im„ Kosmos"( Band I, Seite 419) berichtet, geht das unterfte Kohlenflöz nordöftlich von Saarlouis bis 6132 und 6527 Meter unter den Meeresfpiegel hinab, und von Dechen fchätzt das Gewicht der ganzen zwifchen Saar und Blies gelagerten Kohlenmaffe auf 45 4 Billionen Kilogramme mit 26 3 Billionen Kilogrammen Kohlenftoff. Die Gefammtmächtigkeit des productiven Steinkohlengebirges gibt man auf 3200 Meter an, die Zahl der übereinanderliegenden Flöze auf 170 mit 108 Metern Kohlenmächtigkeit, wovon bei 100 Flöze von o 63 bis 4'74 Meter Stärke und 79 03 Meter Totalmächtigkeit aufgefchloffen find, und ein Flöz von o 47 Meter Stärke bezeichnet man als bauwürdig. Bei weitem die gröfste Anzahl der Flöze findet fich in der unteren der beiden deutlich gefchiedenen Abtheilungen des Kohlengebirges, die zugleich auf den füdöftlichen Theil des Beckens befchränkt ift. Jene fo aufserordentlichen Begünftigungen der Natur werden nun aber grofsentheils wieder paralyfirt durch die im Saarbrücker Reviere als einer Binnenmulde befonders häufigen Verwerfungen und fonftigen Unregelmässig. keiten in der Lagerung, die den Abbau der Steinkohle ungemein erfchweren. Mineralifche Kohle. 91 Nicht minder, als diefe, tragen zur Beeinträchtigung der Productivität der dortigen Kohlenlager die Grubenbrände bei, eine Folge des Auftretens von Schwefelkiefs in den Zerklüftungen der Flöze; das Phänomen des feit zwei Jahrhunderten brennenden Berges" bei Dudweiler ift ja allgemein bekannt. Auch an fchlagenden Wettern fehlt es nicht, fo dafs in Bezug auf die Mühfeligkeiten und Gefahren des Bergbaues das Saarbecken mit Niederfchlefien obenan ſteht unter den Steinkohlenbecken Deutſchlands. Die Saarkohle ift im Allgemeinen von guter Qualität und je nach ihrem Vorkommen in dem liegenden oder hangenden Flözzuge fett und backend oder Sinter-, refpective magere Kohle. Die fetten Sorten verwendet man zur Keffelfeuerung, dann zur Cokedarftellung, mit befonderem Erfolge aber zur Leuchtgas- Erzeugung. Auch die Sinterkohle zeichnet fich durch ihre flammende Eigenfchaft aus. Ueble Eigenfchaften der Saarkohle find: grofse Veränderlichkeit an der Luft und ſtarke Rufsbildung. Die chemifchen Unterfuchungen von Heintz, fo wie die Heizverfuche von Dr. Brix, ergaben folgende Refultate: Chemifche Analyfen von Saarkohlen. Ort der Gewinnung In 100 Gewichtstheilen geKohlenstoff trockneter Subftanz Wafferſtoff Sauerstoff und Stickstoff Afche Nutzbare Verdampfungskraft für I Pfund roher Kohle Gerhardgrube Beuftflöz Heinrichflöz Heinitzgrube Blücherflöz Afterflöz Dudweilergrube Natzmerflöz Beierflöz . 72.38 4'46 15.05 8.11 7:03 70.20 4.70 13.27 II 83 6.82 80.53 5.06 II 91 2.50 7.74 78.97 5.10 13.22 2.71 7.73 83.63 5.19 9.66 152 7.95 87.29 5.30 8.54 4.87 7.46 Der Stückkohlenfall fchwankt bei der Fettkohle zwifchen 45 und 60 Percent, bei der mageren Kohle zwifchen 54 und 84 Percent. Der Steinkohlen- Bergbau an der Saar datirt erft von der Mitte des vorigen Jahrhundertes. Zwar wurden laut urkundlicher Mittheilung fchon im Jahre 1529 dort Kohlen gegraben, allein der eigentliche Bergbau, und zwar mit Stollenförderung( wie heute noch vielfach) begann erft, als unter dem Fürften Wilhelm Heinrich von Naffau- Saarbrücken in den Jahren 1750 bis 1754 fämmtliche Kohlenlager fiscalifch wurden. Seit 1815, das heifst, feitdem der überwiegende Theil der Gruben in das Eigenthum des preufsifchen Staates übergegangen, war die Entwicklung eine rafchere. 1830 wurde die erfte Dampfmafchine dem Steinkohlen- Bergbaue dienftbar gemacht, 1838 die erfte Tiefbau- Anlage mit Wafferhaltungs- und Förder- Dampfmafchine angelegt, 1861 die horizontale Seilförderung, 1867 die Gefteins- und Bohrmaſchine eingeführt. Noch beffer, als diefe Daten, läfst nachftehende Tabelle über die Production den Auffchwung erkennen, welcher fich in diefem Jahrhunderte, befonders aber in dem letzten Jahrzehnte vollzogen. 92 J. Pechar, Dr. A. Peez. Es wurden nämlich gefördert im Jahre metrifche Tonnen im Jahre metrifche Tonnen 1817 186.500 1862 2,137.741 1847 608.000 1863 2,252.557 1852 757-335 1864 2,660.748 1853 981.194 1865 2,946.652 1854 1,209.057 1866 3,065.450 1855 1,529.917 1867 3,238.800 1856 1,567.247 1868 3,338.400 1857 1,773.941 1869 3,444.895 1858 1,923.408 1870 2,734.319 1859 1,735.255 1871 3,263.058 1860 2,019.500 1872 4,222.234 1861 2,154.082 Es ift alfo die Förderung von 1817 bis 1872 um 2163 9 Percent, feit 1852 um 4575 Percent, feit 1862 um 97.5 Percent gewachfen. Der Geldwerth der Jahresförderung erhob fich von 1,700.701 Thaler im Jahre 1852 auf 5,498.147 Thaler im Jahre 1862, auf 10,038.031 Thaler im Jahre 1871 und auf 15,875.002 Thaler in 1872. Die Zahl der Arbeiter ftieg in den gleichen Perioden von 6.804 und 13.156 auf 20.418 während fich die der Gruben, wie faft überall, in den letzten Jahren etwas vermindert hat. Zur Zeit ftehen in dem zu Preufsen gehörigen Theile des Beckens 15 Werke im Betrieb wovon indeffen eigentlich nur die neun fiscalifchen Gruben in Betracht kommen. In dem kleineren zu Bayern und Elfafs- Lothringen gehörigen Rayon gibt es etwa ebenfo viele Gruben; ihre Förderung beträgt aber nur fünf Percent der Gefammtproduction des Beckens. Die Zufammenfaffung faft des ganzen Kohlenbergbaues in der Hand des Staates, begründet manche eigenthümlichen Erfcheinungen, manche unzweifelhaften Vorzüge für das Saarbaffin gegenüber anderen Bezirken. So find die Führung, die Mafsregeln des Abbaues geradezu muftergiltig, die Werke mit Allem ausgeftattet, was die Technik an Hilfsmitteln für die Montaninduftrie gefchaffen. In Folge deffen erreicht denn auch die Leiftungsfähigkeit der 9 fiscalifchen Gruben einen ungewöhnlich hohen Grad. Diefelbe betrug z. B. im Jahre 1873 durchſchnittlich 474.291 metr. Tonnen per Grube und ftieg bei der Grube Heinitz sogar auf 728.599 metr. Tonnen. Letzteres Werk befafs 1871 allein fchon 27 Dampfmafchinen mit 1324% Pferdekräften, während die Zahl der Dampfmafchinen bei den Staatswerken zufammen im Jahre 1873 fich auf 215 belief mit 91594 Pferdekräften. Ganz befonders aber bezüglich der Arbeiterverhältniffe ift der Umftand von Wichtigkeit, dafs der Staat die Gruben ausbeutet. Wie hier, ift wohl nirgends in Deutfchland für das geiftige und materielle Wohl der Bergleute geforgt durch gefunde Wohnungen, Schulen, Unterftützungscaffen, Confumvereine u. f. w. Und da auch die Löhne hoch ftehen, fo haben die focialiftifchen Beftrebungen des Arbeiterftandes an der Saar noch zu keinerlei Störungen oder Arbeitseinftellungen geführt. Bei der Wichtigkeit, welche in allen Ländern der alten und neuen Welt die Arbeiterfrage gewonnen hat, ift befonders intereffant, die Mafsregeln kennen zu lernen, welche die preuſsifche Staatsverwaltung zu Gunften ihrer Arbeiter in den Kohlenwerken getroffen hat. Bei dem Saarbrücker Revier konnten fich diefelben am reichften entfalten. Nach einer dem Haufe der Abgeordneten vorgelegten„ Ueberficht über die Verwaltung der fiscalifchen Bergwerke, Hütten und Salinen im preuſsifchen Staate im Jahre 1872") waren es hauptfächlich die folgenden: * ,, Berggeift" vom 26. December 1873. Mineralifche Kohle. 93 Bei dem für die fiscalichen Gruben zu Saarbrücken beftehenden Knappfchaftsvereine betrug der Zufchufs des Staates im Jahre 1872 bei einer durchfchnittlichen Anzahl von 19.904 auf den Werken befchäftigten Arbeitern 215.324 Thaler 20 Sgr.( 322.987 fl. ö. W. Silber). Im Jahre 1871 war der Beitrag des Staates nur 120.722 Thlr. 5 Sgr. Die Erhöhung desfelben durch eine erhöhte Beitragsquote für den Kopf der Arbeiter wurde bedingt durch die finanzielle Lage des Vereins, welche in Folge der während der Kriegszeit der Vorjahre erlittenen Einbufsen und manigfachen Schädigungen fich ungünftig zu geftalten drohte. Zugleich ift mit diefem vermehrten Zufchufse eine beträchtliche Erweiterung der Leiftungsfähigkeit des Vereins erreicht worden, welche zum Vortheile der Arbeiter die Erhöhung der Invaliden-, Witwen- und Waifen Unterftützungen, fowie der Krankenlöhne geftattet. Im Jahre 1872 wurden unterſtützt bei dem Saarbrücker Knappfchaftsvereine 1166 Invaliden, 1458 Witwen, 2622 Waifen mit einem Geldbetrage von zufammen 189.383 Thlrn.( 284.074 fl.); die Koften für Gefundheitspflege beliefen fich auf 100.571 Thlr. 10 Sgr. 6 Pf.( 150.857 fl.) Die Beförderung der Anfiedlung der Arbeiter ift ein auf den Staatswerken verfolgter Zweck, durch welchen die Sefshaftigkeit der Arbeiter, in der die Vorbedingung zur Erreichung eines dauernden Wohlftandes für den Arbeiterftand erkannt werden mufs, erftrebt werden foll. Zur Erlangung des angeftrebten Zweckes find auf den Staatswerken entweder Arbeiterhäufer auf eigene Rechnung erbaut und an Arbeiter vermiethet und käuflich überlaffen, oder es find Geldvorfchüffe und Prämien an geeignete Arbeiter zum Baue von Häufern auf deren eigene Rechnung gewährt worden. Diefs letztere Verfahren iſt das auf Staatswerken meift angewandte. In dem Saarbrücker Bezirke find feit dem Jahre 1842 bis 1871 mit Hilfe einer Prämienfumme von 611.585 Thlr. und Darlehensfummen von 676.277 Thlrn. I Sgr. I Pf. aus der Knappfchaftscaffe und 296.745 Thlr. aus der Staatscaffe 3081 Häufer erbaut worden. Im Jahre 1872 ift dafelbft der Bau von Arbeiterhäufern fehr erheblich vorwärts gegangen, indem 229 Wohnhäufer, für welche 54.500 Thlr. an Prämien verausgabt wurden, neu erbaut find. An unverzinslichen Hausbauvorfchüffen zahlte die Staatscaffe an 177 Bergleute je 400 Thlr., alfo zufammen 70.800 Thlr. Um auch den in gröfserer Entfernung der Werke angefeffenen verheiratheten Arbeitern und den unverheiratheten Arbeitern, welche in der Nähe des Werkes ein gutes Unterkommen nicht finden können, eine paffend gelegene und nicht koftfpielige Wohnung zu bieten, find auf den Staatswerken, wo irgend das Bedürfnifs fich ergab, Logirhäufer eingerichtet. In denfelben wird den Arbeitern gegen geringe Vergütung Obdach und Schlafftätte, fowie ein gemeinfchaftliches Verfammlungszimmer und Küchen- Einrichtung zur Bereitung ihrer Speifen gewährt. Diefe Einrichtungen, welche im Allgemeinen viel von den Arbeitern benutzt werden, haben namentlich Anklang gefunden, nachdem auf den mit den Werken in Verbindung ftehenden Eifenbahnen Arbeiter- Eifenbahnzüge mit ermässigten Fahrpreifen eingerichtet worden find. Wie auf das materielle Wohl, fo wird auch Seitens der Bergverwaltung auf die Hebung des fittlichen und intellectuellen Zuftandes der Arbeiter hingewirkt. Es sind demnach auf den Staatswerken Einrichtungen getroffen, durch welche Gelegenheit gegeben wird zum Lernen für die Kinder der Arbeiter, fowie zur Fortbildung und Uebung des Gelernten für die Arbeiter felbft. Die Entwicklung der bereits beftandenen und die Errichtung neuer Elementarfchulen, welche von der Bergverwaltung gefördert und unterſtützt wird, ift eine hieher gehörige Mafsnahme. Für die Verwerthung und Befeftigung der in den Elementarfchulen erwor benen Kenntniffe dienen die Fortbildungs- und Werksfchulen, für deren Anlage und Einrichtung bei den Staatswerken von der Verwaltung Sorge getragen wird. 7 94 J. Pechar, Dr. A. Peez. In dem Saarbrücker Bezirke beftehen gegenwärtig 10 folcher Schulen, welche im Jahre 1872 die durchſchnittliche Schülerzahl von 345 hatten. Der Befuch der Schulen und der Fleifs der Schüler iſt im Allgemeinen ein zufriedenftellender. An einzelnen Schulen find fogar recht gute Erfolge erzielt worden. Für die weitere Bildung der jüngeren, wie der älteren Arbeiter beftehen auf den Staatswerken Bibliotheken und Lefezimmer. Die Lefezimmer werden zugleich zu anregenden Vorträgen benutzt, denen fich die technifchen Bergbeamten unterziehen. Von gutem Erfolge für die Betheiligung der Arbeiter an dem Streben nach höherer Bildung hat fich die zu Saarbrücken ins Werk gefetzte Herausgabe einer billigen Wochenfchrift ,,, Der Bergmannsfreund", welche Auffätze belehrenden und unterhaltenden Inhalts für die Bergarbeiter bringt, erwiefen. Zur Belebung des genoffenfchaftlichen Sinnes unter den Bergarbeitern befördert der Staat die Bildung von Vereinen mit gefelligen und mufikalifchen Zwecken. Zugleich gewährt derfelbe den Arbeitern auch das Gefühl der Zufam mengehörigkeit erhaltende Vergnügungen in den Knappfchaftsfeften, für welche befondere Fonds bewilligt find. In dem Saarbrücker Bezirke belaufen fich die durch die Knappfchaftsfefte den Werkscaffen erwachfenden Koften auf jährlich circa 15 000 Thlr.( 22.500 fl. ö. W.). Durch die Einrichtung von Induſtrie- und Nähſchulen gewährt der Staat auch den weiblichen Mitgliedern der Arbeiterfamilien auf den Staatswerken Gelegenheit zur Erwerbung nützlicher Kenntniffe. In den 12 Induftriefchulen des Saarbrücker Bezirkes, welche im Jahre 1872 beftanden, wurden 282 Mädchen in der Anfertigung von Bekleidungsftücken, von Wäfche und in Näharbeiten für den häuslichen Bedarf unterrichtet. Die Koften derfelben betrugen 2968 Thlr. 20 Sgr. 8 Pf. In den Kleinkinderfchulen, deren Einrichtung, wo das Bedürfnifs vorliegt, ebenfalls von den Werksverwaltungen unternommen wird, werden Kinder, deren Eltern den Tag über zur Arbeit vom Haufe abwefend find, unterrichtet und beauffichtigt. In dem Saarbrücker Bezirke beftehen II folcher Schulen, welche im Jahre 1872 von nahezu 1300 Kindern befucht wurden. An Ausgaben erforderten diefelben 3913 Thlr. 29 Sgr. 6 Pf. Sämmtliche fiscalifche Gruben ftehen unter der königlichen Bergwerksdirection in Saarbrücken, welche auch den Verkauf der Kohle nach den von ihr feftgefetzten Monatspreifen beforgt. Der Mangel einer Concurrenz im Reviere felbft, dann die verhältnifsmäfsig fehr bedeutenden Geftehungskoften der Kohle und endlich auch der Vorzug des Abfatzes in einem anderen Kohlengattungen nur fchwer zugänglichen weiten Gebiete bedingen im Ganzen hohe Preife. Die Selbftkoften betrugen für 1 Ctr.( o'05 metrifche Tonne) im Jahre 1871 3.02 Sgr. 99 1872 3.095 151 kr. = 15'5 kr. Was die Grubenpreife betrifft, fo möge die folgende tabellarifche Ueberficht die nöthigen Auffchlüffe geben( Siehe Tabellen Seiten 96 und 97). Für Coke zahlte man im Spätherbfte 1873 20 Sgr. 1 fl. öfterr. Währ. Silber per Centner. - Die Erzeugung von Coke hat feit Kurzem grofse Dimenfionen angenommen, wenngleich die Saarkohle zur Vercokung fich nicht ganz gut eignet. Im Durchschnitte beträgt das Cokeausbringen jetzt 51 25 Percent Eingeführt ift die Cokeerzeugung im Saarbecken feit dem Jahre 1820; in gröfserem Mafsftabe wird fie aber erft feit 1842 betrieben. Die Cokeproduction der letzten Jahre war: 1869 1870 1871 1872 1873 • 377.454 metrifche Tonnen, . 269.657 39 290.612 423.402 29 6. 467.149 F Mineralifche Kohle. 95 Ungefähr die Hälfte diefes Quantums wird im Saarbezirke felbft verbraucht, deffen Eifenhüttenwefen, wie der Kohlenbergbau circa 150 Jahre alt, fich einer hohen Blüthe erfreut. Dreizehn theils auf preufsifchem, theils auf bayerifchem Gebiete gelegene Eifenwerke liefern gegen 100.000 metr. Tonnen Roheifen, zu deffen Darftellung thonige Sphärofiderite, in circa 100 Flözen in der Steinkohlenablagerung der Saar vorkommend, dann Minette aus Luxemburg und Lothringen und Rotheifenftein von der Lahn verwendet werden. Obwohl nun ausser der Eisen- und Stahlfabrication noch andere Induftrie zweige an der Saar einen Sitz haben, wie namentlich die Steingut- und Glasfabri cation und die auf das Vorkommen von vorzüglichem Thon begründete Erzeugung von feuerfeften Steinen, fo ift der Kohlenconfum im Saarreviere felbst doch verhältnifsmäfsig geringer, als in den übrigen Steinkohlenbecken Deutſchlands. Von der Production des Jahres 1871 wurden im Saarreviere nur 27.4% confumirt, wogegen das Ruhrbecken gleichzeitig 32.6%, Waldenburg 33 5%, Oberfchlefien 52.6%, Aachen 63.9% ihrer Förderungen felbft verbrauchten. In Tonnen ausgedrückt ftellte fich für die Saarkohle die Confumtion im Grubenbezirke felbft im Jahre 1860 auf. 501.900 metr. Tonnen, 1862 27 1865 " 22 29 1871 27 544.061 644.347 892.854 77 29 " " وو Die Saarkohle ift, Dank der glücklichen Lage ihrer Erzeugungsftätten, feit der Entstehung der jetzigen Communicationsmittel die Waare eines grofsen Marktes. Nun hat es hier freilich lange gedauert, bis eine Eifenbahn im Becken felbft gebaut wurde, da die Saarbrücker Bahn erft im Jahre 1850 theilweife eröffnet werden konnte, allein feitdem hat fich das dortige Communicationswefen gut entwickelt und nach allen Richtungen hin Anknüpfungen gewonnen. Zu der Saarbrücker Eifenbahn, welche, den productivften Theil der Kohlenlager durchziehend, für den Bezirk immer die wichtigfte Verkehrsader bleiben wird, find fodann noch die im Jahre 1858 in Betrieb gefetzte Rhein- Nahebahn und die Pfälzische( Lud. wigs-) Eifenbahn hinzugekommen. Letztere erschliefst die in Bayern gelegene Partie des Kohlenrevieres und fieht über ihre Linien den gröfsten Theil der nach Süddeutſchland und der öftlichen Schweiz beftimmten Kohlenmaffen abfliefsen. Sie verfrachtete im Jahre 1873 1,064.574 metr. Tonnen Kohlen, woraus für die Bahn eine Einnahme von 16 Millionen Gulden öfterr. W. refultirte.( Die Einnahme der Saarbrücker Eifenbahn aus dem Kohlentransporte betrug im Jahre 1872 1,043.767 Thaler.) Bedeutung für den Export kommt auch dem feit 1865 befahrbaren Saarcanale zu, der die Saar mit dem von Paris nach Strafsburg führenden Rhein- Marnecanale verbindet; jedoch find die übertriebenen Erwartungen, die man in Frankreich, die Befürchtungen, die man in Deutſchland an feine Eröffnung knüpfte, nicht in Erfüllung gegangen. Frankreich war immer einer der vornehmlichften Confumenten von Saarkohle. Bei der verhältnifsmäfsig geringen Leiftungsfähigkeit der eigenen Kohlenlager ift dasfelbe, um dem Bedarfe feiner namentlich im Often hochentwickelten, vielfeitigen Induftrie Genüge zu leiften, mit Nothwendigkeit auf den Bezug fremder Kohlen hingewiefen. In Erkenntnifs der Wichtigkeit gerade auch des Saarbeckens hatte man fich franzöfifcherfeits bei Abfchlufs des Staatsvertrages über die Anlage des Saarcanales einen namhaften Theil der Production für das eigene Land fogar vertragsmäfsig gefichert. Durch die Ereigniffe der Jahre 1870 und 1871 ift jedoch eine grofse Wandlung in dem Verhältniffe des Saargebietes zu Frankreich eingetreten und der Kohlenexport dahin erheblich gefunken, was feine natürliche Begründung in dem Umftande findet, dafs diejenigen Diftricte Frankreichs, von welchen die gröfste Nachfrage nach Saarkohle ausging, Elfafs und Lothringen, Deutfchland einverleibt worden find. Ueberdiefs hat die Saarkohle fich inzwifchen 7* 96 J. Pechar, Dr. A. Peez. Preife von Saarkohlen Flammkohlen per Zoll Centner Von der Gruben Louifenthal Reden Heydt Friedrichsthal Itzenplitz Ziehwald Griesborn Sorten I II III I II II III I II III II II Kreuzer öfterr. Währung Silber II II Februar 1864 20 25 20'0 November 20'0 25 0 17 5 IO O 17 5 17.5 17.5 18.75 . 1865 26 25 200 12 5 26 25 200 26 25 18.75 12 5 18 75 December 1868 300 21:25 9.5 26.5 18.5 II 2 27 5 200 10 0 190 18.5 18.5 17.5 Auguft 1872 420 35 0 18 0 400 340 180 42 0 35 0 200 350 330 340 32 5 September 1873 560 480 März 1874 550 460 240 550 450 240 550 450 250 450 42 5 45 42.5 230 53 5 430 230 535 43 5 240 43 5 410 43 5 410 in Süddeutſchland und der Schweiz ein fo reiches Abfatzgebiet errungen, dafs fie den franzöfifchen Markt nicht mehr unbedingt auffuchen mufs, zumal die Production der Saarbrücker Werke an der Schwierigkeit des Abbaues immer eine gewiffe Schranke findet. Belgifche und Ruhrkohle ift in Frankreich meiftens an die Stelle der Saarkohle getreten. Uebrigens bezifferte fich der Export nach Frankreich im Jahre 1857 auf 99 1860 1862 99 " 9 " 1865" 29 945.328 metrifche Tonnen 1,032.347 999.598 1,062.599 99 99 99 29 99 " 99 27 1871 pr. Bahn nur auf 397.288 während von dem 1871 auf dem Saarcanale abgeführten Kohlenquantum von 481.280 metrifchen Tonnen ein ftarkes Drittel für franzöfifche Häfen beftimmt war. Vor dem Kriege war die Saarkohle auf dem Canale über Châlons bis Paris und über Mühlhaufen bis Besançon gegangen, im Jahre 1871 vermochte fie dagegen nach Weften nur bis Vitry- le- Français, nach Süden nur bis Montbeliard zu dringen. Nachdem die Canalfrachten vorzüglich auf gröfsere Entfernungen hin in den beiden letzten Jahren nicht unbedeutende Ermäfsigungen erfahren, hat fich der Abſatz an den Canalplätzen wieder etwas verftärkt und ift insbefondere auch Paris wiedergewonnen worden, deffen Gasanftalten fich vordem faft auschliesslich der Saarkohle zur Herftellung des Leuchtgafes bedienten. Dermalen betheiligen fich an der Speifung diefer Anftalten auch andere Kohlen, feit neuerer Zeit befon ders auch die Kohle von der Ruhr. Die Gefammtausfuhr an Steinkohlen aus dem Saarbecken ift feit den letzten zwölf Jahren conftant geftiegen. Sie betrug im Jahre 1860 1862 " 1,566.700 metrifche Tonnen 1,643.016 29 Mineralifche Kohle. an der Grube. Fettkohlen per per Zoll Centner I Dudweiler Sulzbach Altenwald HeinitzDechen König 97 II III I II III II III I II III I II III I donna adalKreuzer öfterr. Währung Silber 27.5 18.75 27.5 18.75 17.5 250 16 25 10 0 27.5 18.75 27.5 18.75 18.75 26 25 18 75 12.5 18.75 26-8 190 13.75 26.8 19.0 12.5 26.5 18.5 12 5 27.5 20 0 II 25 . 15.0 41 0 41 0 41 O . 42 0 42 0 36.25 550450 350 53 5 440 35 0 550 450 53 5 44 0 350 550 450 35 0 535 44° 35 0 560 50 350 35° 55° 44'5 35 0 550 450 350 535 43 5 340 im Jahre 1865 " 7 1871 22 " 2,302.305 metrifche Tonnen 2,370.204 welches Die Ausfuhrverhältniffe des letztbezeichneten Jahres fpeciell, allerdings an mannigfachen, durch den Krieg hervorgerufenen Störungen litt, geftalten fich zu folgendem Bilde( Siehe Tabelle Seite 98). Nach diefer Ueberficht hatten alfo den gröfsten Confum an Saarkohlen, abgefehen von den in der Nähe gelegenen Theilen Preufsens, die Pfalz, Baden, Württemberg, Elfafs- Lothringen, die Schweiz und Frankreich. Namentlich ift es Elfafs- Lothringen, diefe Heimftätte aller Zweige der Grofsinduftrie, welches ftarke Quantitäten von Saarkohlen, im ungünftigen Jahre 1871 allein 484.622 metriſche Tonnen, aufnimmt. Auch die Schweiz nährt ihre Fabriken mit diefem Brennmateriale und fteigert von Jahr zu Jahr ihre Nachfrage nach demfelben, fo dafs z. B. im Jahre 1862 " 1871 fchon. dort Eingang finden konnten. 82.000 metrifche Tonnen . 110.644 Nach Norden bezeichnen die Mofel und der Main ziemlich genau die Grenze, bis wohin die Saarkohle geht. Weiter nördlich dominirt die Ruhrkohle, mit welcher jene Rheinaufwärts bis nach Ludwigshafen zu concurriren hat. Im öftlichen Deutfchland find Schweinfurt, Nürnberg- Fürth, München die äufserften Plätze mit Saarkohlen- Confume und Zwickauer, Pilfener, Miesbacher Stein- und neuerdings auch böhmifche Braunkohle die Kohlengattungen, die dem weiteren Vordringen der Saarkohle hier ein Ziel fetzen. Nach Süden aber erstreckt fich deren Abfatzrayon über ein ungeheueres Gebiet, da das übrige Süddeutſchland, die Alpenländer, die angrenzenden Theile Frankreichs keine Kohle befitzen. So bezog fchon im Jahre 1871 die Brennerbahn den gröfsten Theil ihrer Dienft 98 J. Pechar, Dr. A. Peez. kohlen von der Saar, die Fabriks orte in Vorarlberg, dann Chur und Glarus in der öftlichen, Locle, Laufanne und Genf in der weftlichen Schweiz brannten Saarkohle, und es ift nicht dem mindeften Zweifel unterworfen, dafs letztere nach Vollendung der St. Gotthardbahn auch in die oberitalienifche Ebene hinabfteigen wird. Kohlenausfuhr des Saarbeckens im Jahre 1871. Abfuhr: Per Waffer, auf der Saar in der Richtung Trier. auf dem Saarcanale " Einzeln Zufammen metrifche Tonnen 55.881 481.280 537.161 Auf den Eifenbahnen: Linie Saarbrücken- Trier. 129.500 von Neunkirchen auf der Pfälzifchen Bahn: Neunkirchen St. Wendel( Bingen) nach Stationen der Pfälzifchen Bahnen 212-483 354.706 99 " " Heff. Ludwigsbahn 20.248 Main- Neckar- Bahn " 99 29. 3.250 Badifchen Bahn 99 99 29 189.586 99 99 " Württemberg. Bahn 163.637 99 Bayerifchen Staatsund Oftbahn. 30.577 27 39 Oefterr. Südbahn ( Brenner) 12.177 via Waldshut nach der Schweiz 37.034 99 Weifsenburg nach elfäfsifch. Stationen 69.001 fchweizerifch. 29 99 " 9 " 9 27.528 907.744 Linie Saarbrücken- Saargemünd( Reichsbahn): nach Stationen der Reichsbahn. Schweiz " 7 29 " . 139.946 46.082 186.028 Linie Saarbrücken- Forbach( Metz) nach lothringifchen Stationen( inclufive Forbach) 275.675 ' nach Stationen der franzöfifch. Oftbahn via Pagny 116.700 " Fontoy. Summa 4.913 397.288 1,833.043 2,370.204 Bemerkenswerth für die Exportverhältniffe erfcheint fchliefslich noch der Umftand, dafs die Wafferverfrachtung im Vergleiche zu dem Transporte auf der Eifenbahn fortdauernd finkt. Es wurden z. B. verfrachtet im I. Semeſter 1873 Mineralifche Kohle. 1872 99 per Eifenbahn • Schiff. 1,244.059 metrifche Tonnen. 256.601 99 99 1,087.525 metrifche Tonnen, 330.349 99 " 9 ohne dafs die Schifffahrt im Frühjahre 1873 mit gröfseren Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt hätte, als im Jahre 1872. Diefe Erfcheinung hat wohl zumeift ihren Grund in der Annahme eines ermäfsigten Kohlentarifes feitens der elfafs- lothringifchen Bahnen und in der bei faft fämmtlichen an der Verfrachtung der Saarkohle betheiligten Bahnen erfolgten anfehnlichen Vermehrung ihres Wagenparkes, welche einen rafchen Abflufs der Kohle ermöglicht und die Wiederkehr einer Wagencalamität wie die des Jahres 1871 nicht mehr befürchten läfst. Ueberhaupt verdient das Entgegenkommen jener Bahnen gegen Producenten und Confumenten, nicht in letzter Reihe auch rückfichtlich ihrer Tarifspolitik, hervorgehoben zu werden, was freilich bezüglich der im Saarbrücker Kohlenbecken felbft liegenden Bahnen nicht Wunder nehmen darf, da fie gleich wie die Mehrzahl der dortigen Kohlenwerke im Befitze oder doch in der Verwaltung des preufsifchen Staates fich befinden. Nicht ohne Intereffe dürfte die nachftehende Zufammenftellung über die Frachtbeträge( inclufive Expeditionsgebühr) von zwei der bedeutendften Kohlenftationen des Saarbeckens nach einer Reihe der gröfseren Abfatzplätze fein( Siehe Tabelle Seite 100). Das Jahr 1873 geftaltete fich trotz der Erfchütterung des Geldmarktes und der fchlechten Conjunctur in der Eifeninduftrie für die Kohlenwerke an der Saar zu einem der beften des letzten Jahrzehntes. Lebhafte Nachfrage, hohe Preife, wie folche oben angegeben, geregelte Abfuhrverhältniffe gaben dem verfloffenen Betriebsjahre feine Signatur. Einem Berichte über die Betriebsrefultate und den Kohlenabfatz der königlich preufsifchen Saarbrücker Steinkohlengruben im Jahre 1873 im ,, Glückauf" vom 29. März und 5. April find folgende Daten zu entnehmen. Die Gefammtproduction der fiscalifchen Werke betrug 4,268.619 metr. Tonnen, von welchen 467.149 metr. Tonnen vercokt wurden. An eigentlicher Kohle gelangten zum Abfatze 3,270.000 metr. Tonnen, und zwar: per Eifenbahn. Waffer. " Achfe 99 . 2.341.679 561.672 367.152 " 79 " 99 " 99 Gegenüber dem Vorjahre ift beim Eifenbahnabfatze eine Steigerung um 10 Percent, bei dem Abfatze auf dem Wafferwege und zu Lande dagegen eine beträchtliche Abnahme zu conftatiren; diefelbe dürfte beim Waffertransporte 17 Percent betragen. Die Gründe für diefe Abnahme find oben fchon berührt worden. Bezüglich der Vertheilung des Abfatzes von Kohle und Coke nach den verfchiedenen Abfatzrichtungen ergeben fich für 1873 im Entgegenhalte zu 1872 folgende Zahlen: Es wurden abgefetzt( abgefehen von dem Selbftverbrauche der 9 Gruben): 1873 1872 Nach dem preufsifchen Inlande 1,260.450 metr. Tonnen 1,229.900 metr. Tonnen, Süddeutſchland " I 030.850 " " Luxemburg " Elfafs- Lothringen 27.900 I, 148.200 1,022.500 21.650 99 99 29 " I, 154.050 33 79 • " " יי Frankreich " Schweiz 77 Oefterreich Italien.. 483.750 193.200" 9 7.900 99 50" " REF= " " 396.750 178.450 17 29 " 99 " 20.500" 59 29 99 100 nach J. Pechar, Dr. A. Peez. Tariffatz für Kohlen. Sulzbach on Dudweiler Entfernung in Tariffatz pro Entfernung in Tariffatz pro Kreuzer ö. W. Kreuzer ö. W. Forbach. Metz • Trier. 2.52 19 12 2.9 12:00 91 03 12'74 96 64 78 7.8 96 I151 2.09 15.85 0.652 27 I 292 1180 89:51 7.8 0.659 8.8 0.687 12 31 93 38 93.38 8.5 0.691 Ludwigshafen 16.66 126 38 10 3 0.620 17.09 129 64 II I 0-647 Luxemburg Mannheim Strafsburg Carlsruhe Mainz. Coblenz Darmſtadt Mühlhaufen Stuttgart Bafel Nürnberg via • Bingen Nürnberg via Mannheim Amberg via 17.80 135 03 18 01 136-62 19 40 147 17 21.66 164 31 22.20 168 41 10 3 0.581 17 70 134 27 10 3 0 582 118 0-655 18:44 139.88 12 1 0657 10 8 13.7 0.631 0.556 19 30 146 41 10 7 10 7 0557 22.90 173 72 14'0 0'6 10 12 3 0552 22 63 17 167 12.6 0.555 26 19 198.68 I 14 1 0538 26 53 201 25 14'0 0'526 27.69 210 05 14'9 0536 28 12 213 32 15 2 0539 33.60 254 89 17.0 0.491 33.76 256 10 37 70 286 00 23.7 0 701 34 19 259 36 24 0 0 701 18 3 0484 37 44 284 00 18.2 0.487 59 47 451 14 0 540 59 90 454 40 0548 56.17 426 10 325 0579 56 60 429 36 32.8 0.580 Bingen 9 . 68 47 519 41 0.568 68 90 522 67 0.569 Amberg via Mannheim München 65 17 494 38 389 0597 65-60 497 64 39.2 0.598 68 38 518-73 37 3 0.546 0.546 69.50 527 22 40 1 0.576 Genf • 72 11 547 00 40 3 0558 7184 545 00 40.2 0.560 Nancy 19 II 145 00 15.6 0.816 19 II 145 00 15.6 0.8 16 St. Dizier 36.65 278.00 20 9 0570 36.65 278.00 20 9 0'570 Châlons sur Marne 35 20 267.00 22.7 0645 0.645 35 06 266.00 22.6 0.645 Reims 37 44 284 00 22.7 0.606 37 31 283 00 22.6 0.606 Troyes 48.77 370 00 28-2 0578 48.77 370.00 28.2 0.578 Paris. 57 34 435 00 28.4 0.495 57 21 434 00 28.3 0 495 Mineralifche Kohle. 101 Während alfo der Abfatz nach Süddeutſchland, Luxemburg, der Schweiz und namentlich nach Frankreich ftark gewachfen ift, macht fich rückfichtlich des preufsifchen Inlandes, Oefterreichs und Elfafs- Lothringens ein Rückgang bemerklich. Der geringere Confum in Elfafs- Lothringen erklärt fich einfach durch den fchwächeren Betrieb der dortigen Eifenhütten und Etabliffements der Baumwollinduftrie im verfloffenen Jahre. Oefterreich bezog nur Dienftkohlen für die Brennerbahn und Italien eine erfte Probefendung Saarkohlen über Belfort und den Mont- Cenis. Von der gefammten Cokeproduction der fiscalifchen Werke wurde, wie früher, faft die Hälfte im preufsifchen Inlande, d. h. in der Rheinprovinz und Naffau, verbraucht. III. Das oberfchlefifche Kohlenbecken.* Das reiche oberfchlefifche Steinkohlengebiet nimmt eine ausgedehnte Fläche ein, umfaffend die Kreife Ratibor, Rybnik, Plefs, Beuthen und Toft. Auf der namhaften Strecke zwifchen Zabrze und Myslowitz und fodann noch auf einzelnen verftreuten Punkten tritt das Steinkohlengebirge zu Tage. Zu einem grofsen Theile wird die Steinkohlenablagerung durch jüngere Gebirgsformationen bedeckt; allein derjenige Theil, in welchem die Kohlen leichter zugäng. lich find, umfafst einen Flächenraum von 7 Quadratmeilen. Auf diefem Raume lagern in einer Tiefe von weniger als 300 Lachtern etwa eine Billion Centner Kohlen, nach oberflächlicher Abfchätzung aber in einer gröfseren, bisher noch für unerreichbar zu erachtenden Tiefe etwa noch weitere vier Billionen Centner. Ueber die fchlefifche Grenze fendet das oberfchlefifche Becken feine Ausläufer nach. Oefterreich( Mähren, Schlefien und Galizien) und Rufsland( Polen) hinüber. Das Revier hat ziemlich flache, nur wenig verworfene Flöze von 3 bis 4 Meter Mächtigkeit, die bei ihrer regelmässigen Lagerung in einem Betriebe herausgenommen werden, aber gerade wegen ihrer bedeutenden Mächtigkeit oft nur eine unvollständige Auskohlung zulaffen und manche Baufchwierigkeiten darbieten. Gegen Krakau hin finden fich zahlreiche Flöze von durchſchnittlich 25 Fufs Stärke, die eine gefammte Mächtigkeit der Kohle von 333 Fufs bilden. Tagbau findet nur an wenig Punkten ftatt; dagegen find die Koften der Förderanlagen( z. B. im Vergleich mit Mährifch- Oftrau) in der Regel mäfsig und werden behufs einer Jahresförderung von 3 Millionen Centnern nur auf 20.000 bis 30.000 Thaler angenommen. Die Kohlen find bei Zabrze Backkohlen, bei Königshütte Sinterkohlen, bei Laurahütte Sandkohlen. Südlich find Backkohlen feltener, überwiegen jedoch wieder bei Petrowitz. Gaskohlen kommen nur vereinzelt vor. In der Louifenglück und Georgigrube bei Rofdzin findet bei der Kohlengewinnung die Schrämm. und Schlitzmafchine Anwendung. Das Vorkommen von Brauneifenfteinen und Thoneifenfteinen, zwar nicht im Steinkohlengebiete, aber in der angrenzenden Tertiärformation gab in Verbindung mit dem Kohlenreichthume des Landes Anlafs zu einer Eifeninduftrie, welche im Jahre 1871 in 38 Coke Hochöfen 218.881 metrifche Tonnen und in 17 Hochöfen mit Holzbetrieb 13.038 metrifche Tonnen Roheifen erzeugte. Ferner wurden in Oberfchlefien in demfelben Jahre 162.621 metrifche Tonnen Stabeifen gröfstentheils durch Puddelprocefs hergeftellt. Aufser diefer Eifeninduftrie ift noch die Galmei- und Zinkproduction von grofser Bedeutung. Diefe Induftriezweige verbrauchen an Ort und Stelle etwas mehr als ein Drittel der gefammten Kohlenförderung Oberfchlefiens. Während aber vor drei Decennien noch der Schwerpunkt der Steinkohlenverwendung im Zinkhüttenbetriebe lag, nimmt jetzt die Eifeninduftrie ein faft um das Vierzehnfache gröfseres Quantum in Anspruch. * Bei diefer Darſtellung ward mehrfach die von Dr. Adolf Frantz in Beuthen trefflich redigirte ,, Zeitfchrift für Gewerbe, Handel und Volkswirthschaft" benützt. 102 J. Pechar, Dr. A. Peez. Hierüber gibt folgende Tabelle näheren Auffchlufs: Der Confum an Kohlen beträgt bei den Zinkhütten Eifenhütten 1842 1869 1872 metrifche Tonnen 229.964 686.127 503.831 132.228 I, 105.040 1,817.711 Von den Kohlenwerken find die Gruben„ König“ bei Königshütte und " Königin Louife" bei Zabrze in ftaatlichem Eigenthume und Betriebe. Sowohl die Steinkohlen und Coke, wie die Eifenfteine, Galmei- und Bleierze waren auf der Wiener Weltausftellung in zahlreichen Proben vertreten. Die Bedeutung von Oberfchlefien als Productionsland ift lange Zeit hindurch nicht genügend gewürdigt worden, fie ift aber grofs genug, um den weftdeutfchen Kohlenlagern ebenbürtig zur Seite geftellt zu werden. Die erfte verbürgte Erfchliefsung und der Verbrauch der oberfchlefifchen Steinkohle geht nur bis in das Jahr 1790 zurück. Die hiftorifche Entwicklung der oberfchlefifchen Kohlenproduction findet ihren Ausdruck in folgenden Ziffern: Kohlenproduction im oberfchlefifchen Becken. Steinkohle Braunkohle Im Jahre metrifche Tonnen 1790... 7.850 1805 84.500 1817. 146.850 1842 546.808 1847.. 931.000 1854 1,513.800 1855. I, 747.450 1856. 2,032.650 1857. 2,119.156 1858 2,463.700 1859.. 2,227.553 1860. 2,478.276 2.668 1861. 2.537.938 1.268 1862... 3,072.748 2.562 1863.. 3.458.920 2.465 1864. 3,859.485 1.306 1865.. 4.304.669 1.875 1866.. 4.241.376 2.676 1867. 4,631.938 2.498 1868 5.307.140 4.015 1869. 5.555 333 2.769 1870.. 5,854.403 2.763 1871 6,552.202 3.048 1872 7.251.838 3.026 1873... 7,839.315 Mineralifche Kohle. 103 Im Jahre 1872 participirte Oberfchlefien an der Gefammtförderung des deutfchen Reiches mit 17:13 Percent, und es hat die Production in den fünf Jahren von 1866 bis 1872 um 70.98 Percent, in den fünf Jahren von 1867 bis 1873 um 69 Percent zugenommen. Ein folcher Auffchwung war natürlich nur dadurch möglich, dafs fich die Erkenntnifs der vorzüglichen Eigenfchaften der Steinkohle Oberfchlefiens immer mehr Bahn brach. Der englifchen Kohle ähnlich findet diefelbe in ihren verfchiedenen Arten zu allen Zwecken, denen Steinkohle dienftbar gemacht werden. kann, mit gröfstem Vortheile Verwendung. Grundmann in feiner Schrift:„ Sind die englifchen Steinkohlen beffer als die fchlefifchen?" gibt von den Producten einiger der bedeutendften oberfchlefifchen Gruben die chemifche Analyfe( Siehe Tabelle Seite 105). Das Percentverhältnifs der verfchiedenen Kohlenforten ergibt fich aus folgender Tabelle: Percentverhältnifs der Kohlenforten. Percent Im Jahre Stückkohle Würfelkohle Nufsklein- Staub gemifchte Kohlen 1866 52.49 6.44 4107 1867 50.38 7.84 41-78 1868 52 19 6.98 40.23 1869 49.57 7 17 43.36 1870 46.37 6.01 40.29 7:33 1871 45.38 6.29 1872 41.58 6.81 39.60 43 19 8.73 8:42 Der Preis der Steinkohle an der Grube hat in den letzten 10 Jahren eine ftetige Erhöhung erfahren, ja derfelbe ift feit 1861 faft um das Dreifache geftiegen. Der Werth eines Centners Kohle betrug im Durchschnitte: 1861 1.82 Sgr. 1862 1.68 " 99 " 9 1865 186 Sgr. 1866 1.92 1867 1.89 1868 2.05" " 29 1869 2.27 Sgr. 1870 2:39 1871 2.90 1872 4'20 " 99 99 1863 174 1864 1.78 Näheres hierüber ift der folgenden Zufammenftellung zu entnehmen, welche auch die gegen das Vorjahr allerdings etwas reducirten Grubenpreife des Jahres 1874 enthält. Die Preife find in Kreuzern öfterr. Währ. Silber zu verftehen Preife oberfchlefifcher Kohlen an der Grube. Königin Louife- Grube. Kohlen FettFlammKleinKleinStück- WürfelStück Würfel I. II. 1872 1874 37.5 1874 März Auguft 1872 35 September 1872 40 September 1873 40 Februar März 32.5 22'5 37.5 25 37.5 32.5 37.5 30 - 32 5 21 75 16.25 17.5 ungefiebt gefiebt 15 20 35 20'0 17.5 22.5 40 22'5 18.75 20 40 18.75 37.5 20˚0 15 20˚0 17 00 37.5 37 5 25 17.5 17.5 13.75 104 J. Pechar, Dr. A. Peez. Königsgrube. Stück Würfel- NufsKleinStaubIm Jahre K 0 h l e ungefiebt gefiebt 1864 13.75 12.5 8.75 4'15 März 1868 16.25 15 IO 6.25 März 1872 30 30 25 13.75 1215 September 1873 37.5 31 25 18.75 Februar 1874 35 35 31 25 15 13.75 ΙΟ 5 6.25 5 Februar Januar September 1873. 1871. 1872. . Hohenlohe Hütte. Stück- Würfel NufsK ohle Klein35 32.5 30.0 35 0 35.83 33.75 30.0 15 0 150 31.67 22.08 12.5 Eine gröfsere Anzahl von Gruben in Oberfchlefien pflegt feit einigen Jahren ihre präliminirte Jahresförderung im Wege der Licitation zu verkaufen. Die Zahl der bei dem Kohlenbergbaue verwendeten Dampfmaschinen und deren Pferdekräfte zeigt folgende Zufammenstellung: Zahl und Stärke der beim Kohlen- Bergbaue verwendeten Dampfmaschinen. 1866 1867 Im Jahre 1869 1872 Anzahl Pferdekräfte Anzahl Pferdekräfte Anzahl Pferdekräfte PferdeAnzahl kräfte zur Förderung zur Wafferhal84 1661 126 2425 120 3496 138 4809 tung.. zu anderen 67 3220 76 5640 83 6069 106 9477 Zwecken 33 302 348 62 Zufammen: 184 5183 223| 8170 242 9913 306 19 105 39 606 14892 Oberfchlefiens Steinkohlengruben befchäftigten nach der Statiſtik des Oberfchlefifchen Berg- und Hüttenmännifchen Vereines an Arbeitern: Königin Louife: Namen der Steinkohlen- Gruben Specififches Gewicht Wafferverluft bei 100 Grad Celfius per Centner Aufnahme von Feuchtigkeit per Centner Kohlenstoff Wafferftoff Chemiſche Analyfen oberfchlefifcher Kohlen. Beftandtheile der bei 100 Grad Celfius getrockneten Steinkohlen Stickftoff Schwefel per Centner Sauerstoff Afche Schädlicher Schwefel Ober Pochhammer- bank flöz König: Unter1292 1916 2438 83.701 5.663 0.978 0.760 4.920 3.978 0.570 5048 7709 9 5139 9 8.031 73 982 bank 1261 2438 3080 86 020 6.003 IIOI O 274 4'410 2'192 0.228 5 452 7985 3 5323 5 8.318 75 740 Sattelflöz, Bahnfchacht Gerhardflöz, Hedwigfchacht Caroline: ( combin. Hohenlohe) Glücksflöz 1289 3524 3524 83 417 5 318 1056 0.553 7.221 1292 4834 4043 83 970 5 400 0.651 0.932 6'020 1293 5161 4146 83 0785 004 0527 0.165 9.676 2: 435 0 400 4.416 7539 8 5026.6 7.854 68.941 3.027 0.887 4648 7637 3 50916 7.954 71041 1550 0099 3.795 7368 1 49121 7.675 70 705 105 Verfügbarer Wafferftoff Wärme- Einheiten Praktifcher Brennwerth Dampf aus Waffer von 100 Grad Celfius für 1 Pfund Steinkohlen in Pfunden Ausbeute an Coke per Centner Mineralifche Kohle. 106 J. Pechar, Dr. A. Peez. Zahl der Arbeiter in den Kohlenwerken Oberfchlefiens. Arbeiter: Im Jahre Männer Frauen Kinder 1866 16.548 427 1867 18.302 589 1868 20.104 1196 1869 22.242 1097 1870 22.220 1226 1871 27.274 1417 149 1872 28.739 1837 146 Die Löhne ftehen keineswegs niedrig, find aber doch billiger, als z. B. in Oftrau. Neben freier Wohnung verdient ein tüchtiger Bergmann I Thlr. den Tag. Für Arbeiterwohnungen ift in Oberfchlefien an vielen Orten geforgt. Sehr günftig find die Abfuhrverhältniffe. Das Kohlenrevier wird von mehreren Bahnen durchkreuzt, und zwar den verfchiedenen Linien der Oberfchlefifchen Bahn, der Wilhelms- und der Rechte- Oder- Uferbahn. Von der erftgenannten wurde die Hauptlinie Breslau- Myslowitz ftückweife in den Jahren 1842 bis 1846 dem Betriebe übergeben, andere zahlreiche und wefentliche Vervollſtändigungen der Bahn bis auf die neuefte Zeit ausgeführt, während die Eröffnung der Wilhelmsbahn von Kofel bis Oderberg im September 1848, die der Rechte- Oder- Uferbahn in ihrer ganzen Ausdehnung im Juli 1871 ftattfand. An Zweigbahnen und Anfchlufsgeleifen für Kohlenwerke und induftrielle Etabliffements befafs mit Ende 1872 die Oberfchlefifche Bahn allein 148, in einer Gefammtausdehnung von 53.025 Meter. Hievon waren 82 Locomotiv- und 66 Pferdebahnen. Der Trans portmittelpark der drei genannten Bahnen umfafste 1872 325 Locomotiven und 7059 Kohlenwagen. Die Eifenbahnen Oberfchlefiens find fämmtlich Privatbahnen und gehen zum Theile durch Billigkeit der Tarife faft allen anderen Bahnen voran. Die dem Staate gehörige, in Breslau an die Oberfchlefifche und die Rechte- Oder- Uferbahn anfchliefsende Niederfchlefifch- Märkifche Bahn wird nach ihrer erfolgten Weiterführung bis in das Oberfchlefifche Steinkohlenrevier erforderlichenfalls mit ihrer, durch keine Privatrückfichten beftimmten Concurrenz dazwifchen treten können, aber auch der Verwaltung der Oberfchlefifchen Bahn gebührt die Anerkennung, dafs fie fchon fehr früh eine billige Tarifirung für Steinkohlenverfendungen nach anderen Bahnen zu ihrem Principe erhob, ein Princip, das bis jetzt finanziell zu den beften Erfolgen führte. Es möge hier eine Zufammenftellung der zwifchen den wichtigften Kohlenftationen der Oberfchlefifchen Bahn und den gröfsten Abfatzplätzen geltenden Tariffätze ihre Stelle finden( Siehe Tabelle Seiten 108 und 109). Bemerkenswerth ift die Art der Tarifbildung der Oberfchlefifchen Bahn. Diefelbe hat das von ihr durchfchnittene Kohlenrevier in zwei Gebiete und jedes diefer Gebiete wieder in drei Gruppen zerlegt. Das öftliche Kohlengrubengebiet zerfällt in die Gruppen: Zabrze Morgenroth, Schwientochlowitz Kattowitz und Myslowitz- Neuberun. Das weftliche Steinkohlengrubengebiet theilt fich in die drei Rayons: Czernitz, Rybnik und Orzefche- Nicolai nebft dazu gehörigen Gruben. Es wurde nun zum Grundfatze erhoben, dafs ein Zoll- Centner Kohle nach Breslau kofte: Mineralifche Kohle. Aus dem öftlichen Grubengebiete von den Stationen: Zabrze Morgenroth Schwientochlowitz Kattowitz Myslowitz- Neuberun. Meilen Kreuzer 22 4 16.93 23.9 17.27 28.6 17.61 Aus dem weftlichen Grubengebiete von den Stationen: per Centner und Meile 0.7558 0.7290 0.6157 per Centner und Meile Czernitz Rybnik Orzefche- Nicolai Meilen Kreuzer 21.8 16.93 0.7766 23 1 27.5 17.27 0.7476 17.61 0.6404 107 Die Gefammtfätze ab Zabrze find demnach gleich denen ab Czernitz 9" 27 19 99 99 29 Schwientochlowitz find demnach gleich denen ab Rybnik Myslowitz find demnach gleich denen ab Orzefche- Nicolai. Es zeigt fich alfo, dafs die Frachtdifferenz zwifchen dem 21 8 Meilen von Breslau entfernten Czernitz und dem 28.6 Meilen entfernten Neuberun im Ganzen nur o'6 kr. per Centner beträgt, obwohl die Entfernung eine um faft 7 Meilen gröfsere ift. Es beftehen dermalen fünf Verbände für den directen Kohlenverkehr von den Stationen der Oberfchlefifchen Eifenbahn nach anderen Bahnen. Die Principien nun, auf welchen die Tarife für diefe Verbände beruhen, finden in Folgendem ziffermäfsigen Ausdruck. In dem Verbande zwifchen der Oberfchlefifchen und der NiederfchlefifchMärkifchen Eifenbahn fällt der Frachtfatz der Oberfchlefifchen Bahn per Centner und Meile mit der Entfernung, und ganz dasfelbe findet auch bei dem Frachtfatze der Niederfchlefifch- Märkifchen Bahn ftatt. Es fchwankt der Einheitsfatz( inclufive Expeditionsgebühr): Für Stationen; bei der Oberfchlefifchen der 1. Gruppe von o'642 bis 0 465 kr. " 3. 29 99 0.53°" 0.423" bei der Niederfchlefifch- Märkifchen Bahn. von o 872 bis 0 428 kr. 0.778 0401" 99 In allen übrigen Verbänden beftehen fixe Sätze. Per Centner und Meile hebt ein: Die Oberfchlefifche Bahn von 0 4900 bis o 3973 kr. 0.4042" 99 " Die Niederfchl. Märk. Bahn( als Tranfitobahn) Die Empfangsbahn aber I Pf.= 04166 kr. per Centner und Meile nebft der fixen Expeditionsgebühr von 15 kr. Da, wo die Kohlenfendungen die Berliner Verbindungsbahn benützen müffen, tritt noch eine Ueberführungsgebühr von 125 kr. per Centner hinzu, von welcher o'65 kr. auf die Niederfchlefifch- Märkifche als Eigenthumsbahn und o'6 kr. als Präcipuum auf die Empfangsbahn entfallen. Die der Niederfchlefifch- Märkifchen Bahn zukommenden o'65 kr. Ueberführungsgebühr find jedoch in deren obigem Antheile von 0'4042 kr. fchon enthalten. Die Einheitsfätze der Empfangsbahnen betragen alfo: bei 5 Meilen Entfernung 0.8367 Kreuzer, IO 97 99 " 99 15 20 " وو 0.6267 0.5567 0.5216 99 27 Da für das oberfchlefifche Becken auch nach der Entftehung der RechteOder Uferbahn, welche ihre Verbandtarife auf gleicher Bafis wie die Oberfchlefifche Bahn aufgebaut hat, fich in der jüngsten Zeit noch weitere Concurrenzbeftrebungen geltend machen werden, und zwar durch den Bau einerfeits der kürzeren Strecke Breslau Raudten Croffen Frankfurt a/ O. Berlin, anderfeits der die Entfernung kürzenden Linie Creutzburg- Kempen- Zarozin Pofen, fo dürfte - 108 J. Pechar, Dr. A. Peez. Tariffatz für Zabrze V on Kattowitz Neuberun Mineralifche Kohle. Kohle n. Von Czernitz Rybnik Nicolai 109 Nach Meilen Kilometern Centner ner und Meile Kreuzer Meilen Kilometern CentCentner ner und Meile Kreuzer Meilen Kilometern Entfernung in Frachtfatzpr. Entfernung in Frachtfatzpr. Entfernung in Fracht Centfatzpr. Entfernung in Frachtfatzpr. Entfernung in Frachtfatz pr. Entfernung in Frachtfatz pr. CentCentner ner Kreuund Meile zer Meilen Kilometern CentCent- ner ner und Meile Kreuzer Meilen Kilometern CentCentner ner und | Meile Kreuzer Meilen Kilometern CentCentner ner und Breslau 22'5 170 7 16.90 0.751 25 0 189.6 17.25 0.690 28.7 217 7 17.60 Dresden( Neuft.) 58 2 441 5 Stargard 67 4 511 3 30 40 29.55 O'522 0439 60 7 460.5 30.80 0.507 64 4 488.5 31 15 0.614 0.484 21 8 165 4 57 5 4362 16.90 0.775 30° 45 0.530 23 2 176.0 17.25 O'744 26.9 204'1 Meile Kreuzer 17.60 0.654 58.9 446.8 30.80 0.523 62.6 474 9 31 15 0.498 69.9 530 3 30 10 0 430 73 6 558 3 30'45 O'414 66.7 Berlin. 70 4 534 0 30.65 0.435 Stettin 71 9 545 4 31 35 0436 72 9 74 4 553 0 31 00 0'425 76.6 506 0 29.55 0443 68 1 516.6 30.10 0'442 71-8 544 7 30 45 0'424 581 1 31 35 0'409 69.8 529 5 30.65 0.439 71 1 539 4 31 00 0'436 75'5 572 7 31 35 0415 564 4 31-80 0'427 78 2 593 2 32 05 O'410 Leipzig 73 7 559 I 37.75 O'512 76 2 578 0 38.10 0.500 79.9 606 1 38 40 0.480 73 0 553 8 37.75 0.517 74 4 564 4 38.10 O'512 78 1 592 5 38.40 0.492 Danzig 85.8 650 3 37 25 O'434 88.3 669 3 37.60 0.425 92 1 698.6 37.59 0* 408 85 1 645 6 37 25 0* 444 85.5 648.6 37.60 0.440 89.2 676.7 37.95 0'425 Magdeburg 90 4 685 8 39.60 0.438 92 9 704 7 40'00 0'430 96.6 732 8 40 35 0-418 89.9 682 0 39.65 0.441 91 1 691 1 40.00 0.439 95 5 724 5 40* 35 0.423 Königsberg 103 3 783.6 44.55 0431 105.8 802.6 44 90 0'424 109.6 831 4 45 25 0.413 102 6 778 3 44 55 Hamburg 108 6 823 8 47.80 0.440 III I 842 8 48 20 0'434 114 8 870 9 48.55 0434 104 0 788.9 44'90 0'432 107'7 817 0 45 25 0° 420 0.423 Warfchau 45 1 342 I 27.82 0.617 42.6 323 1 25'92 o 608 44 9 340 6 26.91 107.9 818.5 47 85 0'443 109 3 829 1 48.20 0'441 113 O 857 2 48.55 0.430 0'599 . Wien 49 9 378 5 45 70 C916 49 8 377 8 39 10 0785 46 1 349 7 37'30 0.809 Reichenberg 55.8 42313 Peft... 79 3 601 6 27 10 56.05 0.486 54 7 414 9 25.80 0.472 58.4 443 0 26.50 43 0 326 2 39 10 0 909 44 4 336.8 39 10 o'880 48.1 364.9 39 10 0.813 0* 454 o 707 78 7 597 8 53 70 0.682 77'4 587 1 56.40 55 1 418 0 27 15 0.493 56.5 428.6 27.90 0'493 60° 2 456.7 27.75 0.461 0.729 noch eine weitere Herabfetzung der jetzt fchon fo niedrigen Tarife zu erwarten fein. Man hatte fich in Oberfchlefien lange geweigert, an die radicale Löfung der Tariffrage zu fchreiten, nunmehr aber erkennt man, von welchen Vortheilen diefe hauptfächlich im Jahre 1863 und 1864 Dank der Ingerenz des kgl. Finanzminifters Freiherrn von der Heydt bewirkte Löfung begleitet ift. Im Jahre 1872 belief fich die Gefammteinnahme aus dem Kohlen und Coketransport für die Oberfchlefifche Bahn auf. 3,052.700 Thaler Rechte Oder- Uferbahn auf.. 891.058 27 Bei den( für den Transport nach auswärtigen Plätzen) niedrigen Tarifen war auch die Verzinfung der Actien der Oberfchlefifchen Bahn für die Inhaber bisher fehr vortheilhaft; fie betrug feit dem Jahre 1845 in den einzelnen Jahren: Was den durch die Bahnen vermittelten Kohlenvertrieb anbelangt, fo kommen aufser den nördlichen und öftlichen Provinzen Preufsens hauptfächlich Oefterreich und Ruffifch- Polen als Abfatzgebiete für die oberfchlefifche Steinkohle in Betracht. Im Jahre 1872 gingen bahnwärts nach Ruffifch- Polen. Oefterreich. 29 27 dem übrigen In und Auslande Zufammen . 204.215 metriſche Tonnen, 1,074.127 2,855.069 4, 133.411 29 99 27 99 22 Oefterreich fpeciell confumirte an oberfchlefifcher Kohle: Im Jahre Percent Im Jahre Percent im Jahre 1860 86.826 metrifche Tonnen, 1861 109.19 1 17 1845 1846 434. 5% 1859 6 1/12 1862 128.628 27 " 1860 77 7% 0 1863 152.779 99 " " 1847 6 1861 7 9/10 1864 127.516 " " 1848 6% 1862 1013/15 " " 1865 I 37.252 99 27 1849 1850 1851 548 5712 1863 10 ½ 1866 152.4 II 27 99 وو 99 7 1864 IO " 12 1867 291.532 29 1865 II 1868 361.336 no " " 1852 IO 1866 12 " 1869 528.254 " 77 1853 10 1867 13 3 27 1870 698.48 1 " وو 1854 10% 1868 15 " 1871 966.269 وو 1855 1116 1869 13% 13 ½ 1872 " 2 29 . 1,074.887 27 29 " 1856 II 6 1870 12 23 1857 13 1858 30 1871 13% 8% 1872 13% Vor Allem ift es Wien felbft, welches feine Verforgung mit Kohle von Oberfchlefien erhält. Die durch die Kaifer Ferdinands- Nordbahn beforgte Zufuhr ftieg in den letzten Jahren in überrafchender Weife und würde wohl noch grössere 8 110 J. Pechar, Dr. A. Peez. Dimenfionen annehmen, wenn die eben genannte Bahn ihre Frachtfätze für Kohle noch einigermafsen reduciren würde. Im Jahre 1871 langten auf dem Nordbahnhofe in Wien 440.953 metr. Tonnen oberfchlefifcher Kohle an, wovon in Wien blieben. 389.970. auf die Südbahn übergingen 31.710 27 16.773 29 99 " " 99 über die Neu- Szönyer Linie nach Ungarn abfloffen Die Fracht beträgt - von Oswieczim nach Wien( 42 0 Meilen 318.6 Kilometer) 34'0 kr. 29 Oderberg Dzieditz 97 " 9 29 27 29 36.5 39.0 = 29 ==" 276.9 295.8 " 29.1 99 32.5 Auch in der Hauptftadt des deutfchen Reiches dominirt gegenwärtig unter den verfchiedenen Kohlengattungen, welche dem Bedarfe derfelben an mineralifchen Brennftoffen zu genügen fuchen, die oberfchlefifche Steinkohle. Im Jahre 1849 kam der erfte Transport oberfchlefifcher Kohle auf der Niederfchlefifch- Märkifchen Bahn in Berlin an. Im Jahre 1852 betrug die Einfuhr nur 99 99 1862 dagegen bereits.. und 10 Jahre fpäter, 1872, fogar. 14.700 metrifche Tonnen 125.350 500.334 " 27 29 27 eine Ziffer, welche der Import englifcher Kohle in Berlin niemals auch nur annähernd erreicht hat. In Ungarn hat die oberfchlefifche Kohle feit Eröffnung der Kafchau- Oderberger Bahn, welche im Jahre 1872 fchon 40.000 metriſche Tonnen verfrachtete, ein gutes Abfatzgebiet gefunden. In Peft allein dürften 30 bis 40.000 metrifche Tonnen oberfchlefifcher Kohle zur Verwendung kommen und darüber hinaus gelangt fie nach Szegedin, Temesvár und Arad. Zur Heizung ihrer Locomobilen bedienen fich die Gutsbefitzer in den Theifsgegenden, nächft der Braunkohle von Salgó- Tarján, vorzugsweife der oberfchlefifchen Kohle. Auch die rumänifchen Eifenbahnen, welche von der Heizung ihrer Locomotiven mit Holz zur Kohlenfeuerung übergehen wollen, ftanden im Anfange des Jahres 1874 mit oberfchlefifchen Gruben wegen Lieferung von jährlich 35.000 Tonnen Kohle in Unterhandlung. Einzelne Verfuche, das Confumtionsgebiet Süd- Rufslands und die Ufer des Schwarzen Meeres mit oberfchlefifcher Kohle zu verforgen, konnten einftweilen noch nicht gelingen. Sie fcheiterten in erfter Reihe an den hohen Tarifen der galizifchen Bahnen, die jedoch unter ihrer neuen Leitung fich bereits einer richtigeren Tarifpolitik zugewendet haben; aber auch der Verfuch, auf dem Umwege über Floridsdorf- Wien und fodann die Donau hinab die erwähnten Länder zu erreichen, erwies fich noch als verfrüht, obwohl die Kaifer Ferdinands- Nordbahn einen Tariffatz von 05 Kreuzer per Centner und Meile bewilligt und auch die Donau- Dampffchifffahrts- Gefellſchaft fich entgegenkommend bewiefen hatte. Dagegen beziehen die angrenzenden Eifenbahnen Rufslands nicht unbedeutende Mengen oberfchlefifcher Kohle und namentlich verforgt fich damit feit neuefter Zeit die grofse Warfchau- Petersburger Bahn. Ein neues, wichtiges Abfatzgebiet hat ferner die oberfchlefifche Kohle in den letzten Monaten an der Oftfee gewonnen, wo fie die theurer gewordene englifche Kohle bedeutend zurückdrängt. Täglich gehen nach Stettin zwei KohlenSonderzüge, und es wird die Erwartung ausgefprochen, dafs in den dortigen Küftenplätzen, auf das Zufammenführen fchwedifcher Erze und fchlefifcher Kohlen und Coke bafirt, eine namhafte Eifeninduftrie fich entwickeln werde. Mineralifche Kohle. IV. Das niederfchlefifche Kohlenbecken. 111 ( Waldenburg und Neurode.) Das Kohlenvorkommen im Waldenburger Becken ift bei weitem nicht fo ficher und reichlich, als in Oberfchlefien. Viele Störungen, häufige Wäffer und fchwache Flöze erfchweren die Förderung und machen fie koftfpielig. Nichtsdeftoweniger hat auch hier die Production, wie die nachstehende Ueberficht zeigt, in den letzten Jahren erheblich zuge nommen. Steinkohlenproduction Niederfchlefiens. Jahr 1740 Metrifche Tonnen Jahr Metrifche Tonnen 1.900.0 1860 758.515 4 1790 62.190 9 1861 777.463 4 1805 166.250.0 1862 898.281 4 1817 175.000.0 1863 969.132.0 1847 353.400 0 1864 1,070.746.0 1852 431.693 1 1865 1,208.090.0 1853 426.313.8 1866 1,125.246.6 1854 472.119 9 1867 1,254.574 4 1855 563.727 4 1868 1,445.135.8 1856 629.914'4 1869 1,411.140 0 1857 705.963.0 1870 1,570.227.6 1858 790.562.0 1871 1,970.037 0 1859 731.918.6 1872 2,119.590 0 Die Zunahme beträgt fomit von 1852 bis 1862 108 Percent, von 1862 bis 1867 40 Percent, von 1867 bis 1872 68 Percent und von 1862 bis 1872 135 Percent. Die Anzahl der Steinkohlenflöze im niederfchlefifchen Steinkohlenreviere ift zwar eine fehr grofse, 18 bis 20 in den Hauptgruben, in andern fogar das Doppelte, jedoch zeigen diefelben eine merkwürdige Veränderlichkeit in Bezug auf Mächtigkeit, Qualität, Streichen etc., fo dafs fie in den verfchiedenen Gruben nur fchwer identificirt werden können. Leitflöze, welche, wie im Ruhr- Kohlenbecken durch die ganze Mulde zu verfolgen wären, fehlen in Niederfchlefien völlig. Eigenthümlich ift namentlich auch, dafs die Qualität der Kohlen in ganz den felben Flözen fehr variabel ift, und dafs mitunter von zwei dicht an einander angrenzenden Grubenfeldern das eine magere Kohle enthält, das andere Backkohle, wie z. B. die Fuchsgrube und die Glückhilf- Grube. Im Allgemeinen führen die liegenden fowie die hangenden Flöze magere, nichtbackende Kohle, während die Kohlen des Hauptflöz- Zuges zumeift von backender Befchaffenheit find. Hand in Hand mit der backenden Qualität der Kohlen geht das Auftreten fchlagender Wetter, welche den Bergbau fo fchwer beläftigen. Der hohe Grad von Backfähigkeit, welcher die Kohle der meisten Flöze des niederfchlefifchen Steinkohlengebirges auszeichnet, läfst jene zur Cokebereitung befonders geeignet erfcheinen. Die Coke- Ausbeute beträgt bei den Kohlen einzelner Gruben bis 78 Percent. Waldenburger Coke erreichten daher bei der grofsen Eifen conjunctur 1872 bis 1873 wahrhaft überfpannte Preife; nachdem fie im Jahre 1870 noch auf 8 bis 10 Silbergrofchen( 40 bis 60 Kreuzer Silber) per Centner geftanden, waren fie Anfangs 1873 auf 23 Silbergrofchen( I fl. 15 kr. Silber) geftiegen, hatten fich aber gegen Ende des Jahres wiederum gewaltig ermäfsigt. Im Uebrigen ergibt fich die Qualität der Kohle Niederfchlefiens aus den nachftehenden von Dr. Richter vorgenommenen chemifchen Unterfuchungen von Kohlenproben diverfer Gruben. 8* 112 J. Pechar, Dr. A. Peez. Chemifche Analyfen von Waldenburger Kohlen. Namen der Steinkohlengruben Zufammenfetzung der Steinkohlen % Kohlenftoff % Wafferſtoff und Stickftoff % SauerEin Pfund der] afchenhältigen Kohle gibt % Afche einheiten WärmeDampf Pfund afchenhältig. Kohle % Coke aus der Backfähigkeit Waffer bei 15° C. % Hygrofcop. Specififches Gewicht Fuchs .bei Weifsftein Glückhilf bei Hermsdorf Graf Hochberg bei 81 59 501 10 52 2.88 79'03 8.27 67.2 18 83.77 4'96 8.61 4.61 1277 2.66 80 40 8.41 674 14 3.10 1'291 Waldenburg 81 94 477 1076 2:53 77 38 8.10 694 07 5.60 1.309 Das Procentverhältnifs der verfchiedenen Kohlenforten geftaltete fich bei der Gefammtproduction des Jahres 1870 etwa fo, dafs 13'02 Percent auf Stück-, 2.88 Percent auf Mittel-, 52'90 Percent auf Klein- und 13:20 Percent auf gemifchte Kohlen entfielen. Auch hier in Niederfchlefien haben fich die Kohlenpreife in den letzten Jahren nicht unbeträchtlich erhöht. Das Bergwerk„ confolidirte Glückhilf" zu Hermsdorf bei Waldenburg verkaufte z. B. an der Grube den Centner: Im Monate Stück Kohlen Würfel Nufs Grus Klein mit Kreuzer öfterreichifcher Währung Januar 1872 Auguft 1873 März 1874 37.5 2215 32.5 2215 42.5 40 0 40.0 30.0 27.5 42.5 40.0 42'5 30.0 27.5 Der Gefammtwerth der Förderung betrug im Jahre 1872 9,601.207 fl. oder um 2,976.804 fl. mehr als im Jahre 1871. Ungünftiger, als in Oberfchlefien, liegen im Waldenburger Reviere auch die Arbeiterverhältniffe. Mannigfaltige Induftrien, welche dem Arbeiter eine leichtere und lohnendere Befchäftigung gewähren, als der Bergbau, abforbiren hier viel Menfchenkraft. Die Löhne der Bergarbeiter find defshalb hoch. Im Jahre 1871 waren 11.712 Individuen in den Steinkohlengruben befchäftigt, darunter nur 19 Frauen und 68 jugendliche Arbeiter. Der durch die noch höheren Arbeitslöhne in Weftphalen veranlafste Abzug vieler Bergarbeiter im letzten Jahre reducirte die Arbeitskräfte im Waldenburger Becken um circa 20 Percent, fo dafs die Förderung von 1873 gegen die des Vorjahres wahrfcheinlich zurückgeblieben fein wird. Das Abfatzgebiet der Waldenburger Kohle umfafst aufser Niederfchlefien hauptfächlich die Provinz Brandenburg, das öftliche Sachfen und das nördliche Mineralifche Kohle. 113 Böhmen. In geringen Quantitäten geht diefelbe bis an die Oftfeeküfte. Die Bahnen, welche zunächft die Abfuhr beforgen, find die fchlefifche Gebirgsbahn und die Breslau Schweidnitz- Freiberger Bahn, welche im Jahre 1869, beziehungsweife 1858 vollſtändig dem Betriebe übergeben wurden. Im Anfchluffe an die erftgenannte übernehmen dann vorzugsweife die Niederfchlefifch- Märkische und die Südnorddeutſche Verbindungsbahn den weiteren Transport. Die Frachtfätze nach den für den Abfatz wichtigften Plätzen find aus der folgenden Zufammenftellung erfichtlich. Es beträgt die Fracht:( Siehe Tabelle Seite 114). In Berlin wurden im Jahre 1872 94.305 metr. Tonnen Waldenburger Kohle eingeführt, dagegen hat diefelbe in Wien noch keinen Boden faffen können, obwohl die Oefterreichiſche Nordweftbahn das Porto für die in Liebau auf die Südnorddeutfche Verbindungsbahn übertretende, für Wien beftimmte Kohle auf nur o 508 Kreuzer per Meile fixirt hat. Vorausfichtlich wird auch in der Zukunft der Often Böhmens und der Norden Mährens mit ihrer reichentfalteten Zuckerinduftrie weitaus den gröfsten Theil der nach Oefterreich gelangenden niederfchlefifchen Kohle abforbiren. Einen ausgedehnteren Markt findet jedoch der Waldenburger Coke, der, an Qualität den beften englifchen Coken gleichkommend, für Oefterrreich und feine Eifenhütten unentbehrlich ift. Freilich fetzen auch deffen Ausfuhr der hohe Localconfum an Coke im niederfchlefifchen Becken felbft, der im Jahre 1870 faft 40 Percent der Gefammterzeugung betrug, und überhaupt die nur geringe Steigerungsfähigkeit der dortigen Steinkohlenproduction fefte Schranken. V. Die Steinkohlenbecken von Plauen und Zwickau- Lugau. Im Königreiche Sachfen unterfcheidet man zwei wichtigere Steinkohlenreviere, nämlich das Becken im Plauen'fchen Grunde bei Dresden und das erzgebirgifche Steinkohlenbecken, welches, von der Zwickauer Mulde öftlich bis über die Flöha reichend, nach den beiden hauptfächlichen Gewinnungs- und Verfandtpunkten in einen Zwickauer und einen Lugauer Theil getheilt wird. Neben diefen wichtigen Steinkohlenrevieren wird auch an mehreren Punkten, z. B. bei Meuselwitz, dann bei Zittau, eine im Ganzen geringwerthige Braunkohle gewonnen. Ueber die Zahl der Werke und der Arbeiter, die Production in Tonnen und den Geldwerth der Kohlenförderung( Steinkohlen und Braunkohlen) im Königreiche Sachfen geben wir folgende Daten: Kohlenproduction, Zahl der Werke und Arbeiter in Sachfen. KohlenIm Jahre Arbeiter werke Production in Tonnen Geldwerth in Gulden öfterr. Währung Silber 1850 108 1860 244 14.047 652.374 1,784.031 2,152.833 5,093.367 1865 249 19.001 2.923.059 8,807.895 1866 247 17.006 2,659.294 8,613.529 1867 262 17.654 2,871 551 8,916.725 1868 257 17.977 3.105.701 9,446.448 1869 247 17.014 3,096.330 9.505.153 1870 239 16.798 3,116.084 10,834.578 1871 24I 18.377 3.460.735 16,181.401 1872 318 18.980 3.547.709 17,416.849 Kohlenfracht. Von 114 Waldenburg Altwaffer Nach Entfernung Frachtfatz in per Entfernung in Frachtfatz per Gottesberg Entfernung Frachtfatz Entfernung Frachtfatz Dittersbach in per in per Mei- Kilolen metern Centner Centner& Meile CentMei- Kilolen metern ner Centner& MeiMeile len CentCentKilo Centner& MeiKilo Centner& ner metern Meile len ner metern Meile Kreuzer Kreuzer Kreuzer Kreuzer J. Pechar. Dr. A. Peez. Pardubitz 204 154 8 19.65 0.963 21'0 159 3 20 10 Kolin. 25.3 Reichenberg Prag. Wien. O'957 18.8 142.6 18.85 1000 19.8 1502 19:25 0972 192 0 24 25 0958 25 9 196 5 24 70 0954 23 7 179 8 23 45 0989 247 187.4 23.85 0.966 256 194 2 17:50 0.684 26.2 32 7 248 1 28.65 0.876 33 3 252 6 29 10 0874 31 1 229 1 27.85 0.896 32 1 242 5 28 25 0.880 198.8 17.50 0.668 240 182 1 16.65 0.694 25 0 189 6 17.05 0.682 62.5 474 1 42 70 0683 631 478.7 478 7 43 15 0684 609 426 0 41 90 0688 619 469 6 42 30 0.683 Görlitz 17 3 131 2 10 15 0587 17.9 135 8 Dresden Berlin. Leipzig 313 237 4 19:55 0625 319 2400 46.7 354 3 46.8 3550 15:55 0333 47'3 358.8 10 15 0567 157 119 1 10.00 0.637 16 7 126 7 10 10 0'599 20.00 0.627 29 7 225 1 18.75 0.631 307 232'9 19 15 0624 358 8 15 55 15 55 355 0 27.05 0578 47 4 359 6 27.50 0329 45 1 342 1 15:45 0 343 46 1 3500 15.50 0.336 0.580 45 2 342'9 26 25 0.581 46 2 350 5 26.65 0.577 Mineralifche Kohle. 115 Demnach ift die Zahl der Werke in den letzten Jahren eine kleinere geworden, hauptfächlich in Folge Confolidation der fchwächeren Gruben. Die Zahl der Arbeiter ift feit 1865 ziemlich die gleiche geblieben, während dagegen die Förderung von 1850 bis 1872 um 444 Percent und der Werth derfelben um 709 Percent zugenommen hat. Von 1860 bis 1872 betrug die Zunahme 99 Percent hinfichtlich der Menge und 242 Percent hinfichtlich des Werthes der Production. Unter der geförderten Gefammtmenge von 3,460.735 Tonnen im Jahre 1871 waren 2'9 Millionen Tonnen Steinkohlen und gegen o'6 Million Tonnen Braunkohle. Von den 2'9 Millionen Tonnen Steinkohlen wurden o'614 Million Tonnen oder 21 Percent im Plauen'fchen Grunde, 2'1 Millionen Tonnen oder 72 Percent im Zwickauer und 0'223 Million Tonnen oder 7 Percent im Lugauer Reviere gewonnen, wobei übrigens zu bemerken ift, dafs von manchen Fachmännern dem Lugauer Reviere eine gröfsere Zukunft vorausgefagt wird, als dem Zwickauer. Ueber die Verhältniffe des Zwickauer Beckens geben wir noch folgende genauere Zufammenftellung: Im Jahre Steinkohlen- Bergbau im Zwickauer Reviere. Production in metriſchen Tonnen Anzahl der Maschinenfchächte der Dampfmaschinen der Arbeiter Anzahl Pferdekräfte Anzahl Jährlicher Verdienft in Thalern Zum Bergbau verwendete Fläche in Hektaren 1772 1.885 1800 5.166 1820 5.416 1830 13.750 1840 65.000 1850 350.000 1853 1855 553.437 1860 863.853 1861 999.897 65* 1862 1,220.974 68 90 2.707 5.384 169 1863 1,154.062 66 97 3.220 5.386 170 1864 1,397.828 66 ΙΟΙ 3.600 5.687 69 I.272 1865 1,619.863 66 IOO 3.494 6.380 1866 1,425.356 61 IOI 3.678 6.540 1867 1,791.588 1868 1,795,812 72 102 4.170 7.448 216 2.078 1869 1,805.000 1870 1,866.900 82 1871 1,881.348 85 127 4.895 8.222 261 2.215 1872 2,085.000 85** 130 5.130 8.783 296 2.251 * Daneben 62 Haspelfchächte. ** » 7» 33 116 J. Pechar, Dr. A. Peez. Im Zwickauer Kohlenbecken gab es im Jahre 99 99 1863 10 Knappfchaftscaffen mit einem eingelegten Capital von 206.651 Thalern, 1868 10 1871 10 1872 10 27 79 وو " " 372.610 479.616 19 " 77 535.625 Die Zahl der Werke in den fächfifchen Steinkohlenrevieren war im Jahre 1872 75 mit 570 Beamten und 15.364 Arbeitern; im Jahre 1870 war der durchfchnittliche Gehalt der Beamten 67612 fl. und der durchfchnittliche Verdienft des Arbeiters 345 fl. Die Förderung des Arbeiters betrug im Jahre 1872 per Kopf 188 metrifche Tonnen. Wegen der tiefen Lage der Gruben und des häufigen Vorkommens von fchlagenden Wettern konnten fchwere Unglücksfälle( vergleiche Lugau) vom fächfifchen Bergbaue nicht ferngehalten werden, obfchon die Bergpolizei eine ftrenge ift. Im Jahre 1872 verunglückten in Sachfen bei dem Steinkohlen- Bergbaue 33 Mann tödtlich, d. i. einer von 465. Alt und gut eingerichtet find die Knappfchaftscaffen. Die fächfifchen Reviere nahmen im Jahre 1872 eine Fläche von 15.608 Hektaren in Anfpruch. Die Flöze des Zwickauer Beckens finden ihre befte Entwicklung auf dem linken Ufer der Mulde, und zwar kommen deren dort neun vor, mit einer gefammten Mächtigkeit von 30 40 Meter oder 96 Fufs. Die Kohle ift backend; es wurden im Jahre 1871 123.170 metr. Tonnen Coke gewonnen. Kohle und Coke ftehen jedoch im Ganzen hoch im Preife, und es haben daher die fächfifchen Kohlenbecken, da fich auch die Förderung keineswegs in grofsen Ziffern bewegt, mehr eine örtliche Bedeutung. Die zwifchen Dresden und Freiberg gelegenen Werke des Plauen'fchen Grundes verforgen zunächft die genannten zwei Städte in Concurrenz mit der bömifchen Braunkohle. Ein ausgedehnteres Abfatzgebiet befitzt die Zwickauer Kohle, von welcher über 30 Percent nach Bayern und Thüringen verfendet wird. Im Jahre 1872 wurden den bayerifchen Staatsbahnen übergeben 62.525 Wagenladungen à 200 Zoll- Centner, der Bayerifchen Oftbahn 17.010, der Thüringifchen Bahn 22.312 u. f. w. Wir fchliefsen unfere Darftellung mit einer Tafel der im Jahre 1874 giltigen Tariffätze für Kohle aus dem Zwickauer Becken nach den wichtigſten Abfatzplätzen: Kohlenfracht von Zwickau und Lugau. nach Von Zwickau Von Lugau Entfernung in Tariffatz per Entfernung in Tariffatz per Kilo- Centner Centn.Meilen Meile Meilen metern Kilo Centner metern Centn.Meile Kreuzer Kreuzer Leipzig Dresden. Magdeburg II 7 17.3 88-7 131 2 8.0 0.683 14'0 106.2 9.8 0.700 28.7 217 7 I I I 15 4 0.641 14'4 109.2 10.6 0.736 0.536 310 235 I 235 1 16.67 16.67 0.537 Berlin via Leipzig 34.7 263 2 22.1 0.636 37 0 280.6 22'9 0.618 Regensburg 38 1 289'0 23.85 0.625 44 2 335 3 27.77 0.628 Nürnberg via Hof 38.2 289 7 23.55 0.616 44 3 336 0 27.45 0.619 München 58.1 440 7 Stuttgart 67 2 509 7 34 55 34 8 0594 0.517 64 2 487 0 38.45 0.598 - Mineralifche Kohle. VI. Kohlenbecken der Inde und Worm. 117 Als eine Fortfetzung der belgifchen Ablagerung tritt am Nordrande des hohen Veens das Steinkohlengebirge in zwei Partie en auf, an der Inde bei Efchweiler und an der Worm bei Aachen. Das Vorkommen der Flöze ift hier fo unregelmäfsig und oft im Zickzack gebrochen wie etwa bei Namur in Belgien; die Schächte find tief, die Abbauverhältniffe durch fchwimmendes Gebirge und ftarke Wäffer fchwierig, die Kohlenpreife hoch, während die gute backende Qualität der Kohle, ein gefchickter Betrieb und die Nachbarfchaft hochentwickelter Induftrie, von welcher ohne. gröfsere Belaftung mit Transportfpefen die Kohle verbraucht wird, zu den Vorzügen des Revieres gehören. Nicht weniger als 63 9 Percent der Förderung des Jahres 1872 ward im Grubenbezirke confumirt. Die Production des Beckens betrug im Jahre 1872 1,041.314 Tonnen und hat gegen 1860 um 647 Percent zugenommen. Die Werke der Gegend in Eifen, Galmei, Blende und Blei- Erz verbrauchen bedeutende Mengen diefes Brennftoffes, der Reft geht nach Düren, Eupen und Gladbach. VII. Die preufsifchen Braunkohlenreviere. An verfchiedenen Punkten des mittleren und nördlichen Deutfchlands wird eine Braunkohle gewonnen, deren Bedeutung für die Induftrie nicht zu unterfchätzen ift. Kommt diefer Brennftoff auch an Güte den Steinkohlen und der böhmifchen Braunkohle durchaus nicht gleich, fo dient er doch in umfaffender Weife für Zwecke örtlichen Hausgebrauches und induftriellen Betriebes und behaup. tet fich durch feine Wohlfeilheit, die um fo gröfser fein kann, als die Gewinnung vielfach durch Tagbau( wie bei Steinbrüchen) oder durch tonnlägige Schächte erfolgen kann. Die wichtigeren Fundorte diefer Braunkohle find am Wefterwalde, in der Wetterau, am Meifsner nördlich von Kaffel, bei Braunfchweig, Merfeburg, Spremberg, Frankfurt a/ O u. f. w. Eine hervorragende Bedeutung hat jedoch die Braunkohle nur in Anhalt und insbefondere in der preufsifchen Provinz Sachfen gewonnen. In letzterer ift auf Braunkohle feit 1855 eine ausgedehnte Fabrication von Mineralölen und Paraffin( in der Umgegend von Merfeburg bei den Städten Halle, Weifsenfels und Zeitz) gegründet worden. Welchen Auffchwung diefer Induftriezweig genommen, ergibt fich daraus, dafs im Jahrzehnt 1861 bis 1871 die Production an Paraffin von 15.000 auf 100.000 Centner, an Mineralölen von 65.000 auf 300.000 Centner geftiegen ift. Eine grofse Zukunft wird insbefondere der Paraffinerzeugung zugefprochen, während die Mineralöle durch das amerikaniſche Petroleum gedrückt werden. Direct dienten im Jahre 1871 der chemifchen Braunkohleninduftrie der Provinz Sachfen über 2500 Arbeiter, abgefehen von den Bergleuten. Die Gefammtproduction von Braunkohle in Preufsen hat fich ftetig gehoben, wenn auch nicht in fo rafchem Verhältniffe wie die Steinkohlenförderung. Sie ftieg von 15 Million Centner im Jahre 1816 auf 8 Millionen im Jahre 1837, 22 Millionen im Jahre 1847, 55 Millionen im Jahre 1857, 110 Millionen im Jahre 1867 und auf 149 Millionen im Jahre 1872 Am älteften fcheint der Braunkohlenbau am Meifsner bei Kaffel zu fein( XVI. Jahrhundert). In der Provinz Sachfen begann die Braunkohlenförderung gegen Ende des vorigen Jahrhundertes. DerHauptauffchwung fällt in die Jahre 1845 bis 1855. Die Anwendung der Dampfmaschine gefchieht beim Braunkohlen- Bergbaue feit 1820 zur Wafferhaltung, feit 1848 zur Förderung. 1854 beginnt die Benützung der Braunkohle zur Paraffinfabrication, 1857 die Erzeugung von Prefsfteinen, welch' letztere in rafcher Zeit in Auffchwung gekommen ift und einer bedeutenden Zukunft entgegengeht.* * Siehe den trefflichen, amtlichen Katalog der Ausstellung des deutfchen Reiches. Berlin 1873. Seite 104. 118 J. Pechar, Dr. A. Peez. Auf der Wiener Weltausftellung waren die Braunkohlen Preussens, vom Oberbergamte zu Halle gefammelt, zur Darstellung gebracht. Aufser den hier genannten Kohlenablagerungen wird noch an vielen Punkten Deutſchlands Kohle, fowohl Steinkohle wie Braunkohle, gewonnen, ohne dafs jedoch diefs Vorkommen eine andere, als eine blos örtliche Bedeutung beanfpruchen dürfte. Dahin gehören die Lager von Stockheim in Oberfranken, von Miesbach und vom Peifsenberge in Oberbayern und andere. Deutfchlands Kohlenverkehr. Zur Wiener Weltausftellung von 1873 hatte das preuſsifche Handelsminifterium eine Karte über die Production, Confumtion und Circulation der mineralifchen Brennftoffe in Preufsen während des Jahres 1871" eingefendet. Vergleicht man diefe Karte mit der Karte von 1865, welche in Paris ausgeftellt war, fo wird man fofort bemerken, wie die inländifche Production erftarkt ift, wie fie der englifchen Kohle ein grofses Abfatzgebiet abgerungen hat, wie ferner die Lücken zwifchen den Abfatzkreifen der gröfseren Reviere mehr und mehr ausgefüllt wurden und der Concurrenzkampf fich feinem Abfchluffe nähert. Diefer Abfchlufs beruht einerfeits auf einer Abgrenzung der Abfatzgebiete, andererfeits auf einer Ergänzung der Reviere und ihrer Producte nach ihrer befonderen Qualität. Mit den Erleichterungen im Transporte und den höher gewordenen Kohlenpreifen wird die Qualität der Kohle fchärfer ins Auge gefafst und daraus eine richtigere Auswahl und Verwendung der einzelnen Kohlenforten abgeleitet. In den grofsen Städten vollzieht fich diefer Procefs naturgemäfs am rafcheften. In Berlin z. B. geht die allgemeine Strömung dahin, als Mafchinenkohle die oberfchlefifche Steinkohle, für Hausbrand die böhmifche Braunkohle und neben beiden für gewiffe Zwecke Waldenburger Coke zu verwenden. Was die Abgrenzung der verfchiedenen Abfatzkreife in Deutfchland betrifft, fo fallen die Rheinlande, Weftphalen, Heffen- Naffau, Hannover und die weftlichen Theile von Thüringen und der Provinz Sachfen dem Kohlenreviere der Ruhr anheim, während Saarkohle am Oberrhein, in Elfafs- Lothringen, in Württemberg, dem weftlichen Bayern und in der Nordfchweiz dominirt. Im nordöftlichen Bayern und in Sachfen wird vorzugsweife Zwickauer Kohle verbraucht. Der fchlefifchen Kohle fallen, aufser Schlefien felbft, die Provinzen Pofen, Preufsen, Pommern und Brandenburg zu, und die Markfcheide zwifchen der oberfchlefifchen und der Ruhrkohle, ungefähr mit der Linie der Elbe und Havel zufammenfallend, wird von einer breiten Strafse gebildet, längs welcher die böhmifche Braunkohle, befonders auf die billige Elbefracht geftützt, ihren Abfatz findet. An den Küften der Nordfee und Oftfee ſpielt noch immer englifche Kohle die erfte Rolle. Da bei Befprechung der Kohlenreviere auf ihre Abfatzverhältniffe im Einzelnen fchon genauer Rückficht genommen worden ift, fo fei es geftattet, dafs wir hier nur noch auf den gröfsten ftädtifchen Verbrauchsplatz für Kohle in Deutfchland, Berlin, fowie auf den füddeutfchen Kohlenmarkt, deffen Verhältniffe bisher feltener erörtert wurden, einen rafchen Blick werfen. Berlin war in früheren Jahrzehnten, wie faft alle norddeutfchen Städte, eine Domäne der englifchen Kohle, neben welcher noch Holz, Torf und kleinere Beträge heimischer Braunkohle verbraucht wurden. Noch im Jahre 1862 participirte englifche Kohle, zu Waffer nach Berlin gebracht, an dem Gefammtverbrauche diefer Stadt mit circa 60 Percent. Im Jahre 1871 war dagegen der Antheil der englifchen Kohle auf 23.8 Percent gefallen und bezifferte fich nur mehr auf 185.745 Tonnen. Im Jahre 1872 ging der Confum auf 99.944 Tonnen zurück, fiel alfo in diefem Einen Jahre um faft 100 Percent. Mineralifche Kohle. 119 Das von der englifchen Kohle aufgegebene Gebiet ift in erfter Reihe von der oberfchlefifchen Steinkohle ergriffen worden, welche ihren Antheil an der Kohlenverforgung Berlins von 26 Percent im Jahre 1860 auf 51 Percent im Jahre 1871 fteigen fah. Nicht weniger als 500.334 metrifche Tonnen oder 10,007.000 Centner oberfchlefifcher Kohle wurden im Jahre 1872 nach Berlin gebracht. Nach der oberfchlefifchen Steinkohle kommt böhmifche Braunkohle mit einer Menge von 110.255 Tonnen oder 2,205.100 Centnern, hierauf englifche Kohle mit 99.944 Tonnen oder 1,998.880 Centnern, fodann niederfchlefifche mit 82.045 Tonnen oder 1,641.000 Centnern und endlich in kleineren Beträgen die inländifche Braunkohle, fowie weftphälifche und fächfifche Steinkohle. Das Nähere über die Zufuhren nach Berlin( in metr. Tonnen) bietet die auf Seite 120 folgende Tabelle. Fafst man die Ergebniffe diefer Ziffern zufammen, fo ergeben fich folgende Refultate für die Zeit von 1865 bis 1872: Zunahme Abnahme Gefammtzufuhr an mineralifchen Brennftoffen. Zufuhr per Bahn 47 3 Percent 72.8 Percent " 99 zu Waffer 18 99 99 " an oberfchlefifcher Kohle 59 79 99 böhmifcher 287 77 " " " 7 59 " englifcher IO 99 " .. niederfchlefifcher Kohle 171 99 F F 99 inländifcher Braunkohle 6 99 " " " weftphälifcher Kohle fächfifcher Kohle 87 86 " " " Was die Preife betrifft, fo war englifche Kohle von 14 Sgr. 1½ Pf. ( 70 12 kr.) im Jahre 1868 auf 22 Sgr.( 1 fl. 10 kr.) per Hektoliter im Jahre 1872 geftiegen. In normalen Zeiten ftand in Berlin oberfchlefifche Stückkohle 11'03 bis 124 Sgr.( 55 15 bis 620 kr.) per Zoll- Centner, oöhmifche Braunkohle 6 bis 6.75 Sgr.( 30 bis 33 75 kr.) per Centner, inländifche Braunkohle 3.10 bis 3.79 Sgr. ( 15.5 bis 18.95 kr.) per Centner u. f. w. Die Gefammtzufuhr nach Berlin betrug im Jahre 1872 885.237 Tonnen oder 17,704.740 Centner, ein Betrag, der von keiner anderen Stadt auf dem Continente mit Ausnahme von Paris erreicht wird. In Folgendem geben wir( nach den amtlichen ,, Erläuterungen zu der Karte über Production etc. der Kohle in Preufsen", für 1871) die Verbrauchsziffern der deutfchen Städte( Siehe Seite 121). Der füddeutfche Kohlenmarkt* ift noch nicht fo entwickelt als der norddeutſche, da in Süddeutſchland die wichtigſten Kohlenconfumenten( Eifenwerke und Zuckerfabriken) nahezu fehlen, andere Induftriezweige noch vorherrschend mit der von den Alpen herabrinnenden Wafferkraft betrieben werden( Spinnereien und Webereien), für den Hausbrand aber noch vielfach Holz verwendet und felbft die Locomotive der Eifenbahnen noch hier und da mit Torf geheizt wird. Aus diefen Gründen find in Süddeutſchland die Eifenbahnen verhältnifsmäfsig die ftärksten Confumenten, und es verbrauchen z. B. die bayerifchen Staatsbahnen jährlich 2:25 Millionen Centner Kohle. Von Frankfurt nach Bamberg hinauf brennt die bayerifche Staatsbahn Ruhrkohle, von Bamberg nach Frankfurt hinab Zwickauer Kohle. Zwickauer Kohle überwiegt auch auf den füdlichen Linien der bayerifchen Staatsbahn und wird hier bis in die neuefte Zeit mit Traunthaler Kohle( aus Oefterreich) gemifcht. * Nach Mittheilungen des Herrn Friedrich Gräfser in München. Per Bahn zu Waffer Kohleneinfuhr Berlin's. I n In Berlin gingen ein 1872 1871 1870 d e n 1869 Jahre n 1868 1867 1866 1865 Steinkohlen Oberfchlefifche Niederfchlefifche Weftphälifche Sachfifche Englifche 499.325 82.045 3.301 793 IOO 1.836 138 Böhmifche Braun100.477 51.815 Bitterfelder kohlen 16.314 14.578 Muskau Fürftenwalder 20.462 7.400 4.309 77 53.657 21.216 4.521 4.008 430.823 430.823 355.026 314.548 320.465 301.976 234.624 313.929 82.617 75.659 87.162 50.656 33.386 25.600 30.272 8.327 II.326 25.044 5.592 2.242 12.204 10.664 8.148 5.032 4.329 3.744 39.027 35.115 24.238 34.527 25.320 18.451 38.167 22.472 30.024 28.248 2.285 3.164 162 Weftphälifche 15.769 13.384 II.577 11.519 9.086 3.583 4.944 6.220 Englifche Coke 474 197 II2 Schlefifche 5.964 5.178 7.397 5 167 Diverfe 1.088 1.004 2.287 224 4.727 816 3.039 1.209 Ueberhaupt Kohlen und Coke 746.112 611.272 548.102 498.842 471.736 418.289 329.922 431.777 SteinEnglifche 99.844 185.607 Sächfifche kohlen Schlefifche 181 3.102 96.029 467 110.334 367 II3.024 878 84.074 559 890 437 BraunBöhmifche kohlen Inländifche Coke 139 125 250.154 154.120 Englifche etc. Ueberhaupt Kohlen und Coke Zum Lager und Confum gingen in Berlin überhaupt ein 885.237 861.426 702.222 673.397 651.855 562.224 536.763 600.864 1.009 10.778 13.889 10.442 10.759 II.486 22.572 31.108 36.496 40.277 36.660 4.922 16.267 9.796 12.381 18.002 17.093 16.698 17.135 69 146.728 299 I.333 109.724 962 8.421 14. 134 6.281 33.788 27.649 34.985 174.555 180.119 143.935 206.841 169.087 120 J. Pechar, Dr. A. Peez. Mineralifche Kohle. Kohlenverbrauch der Städte Deutfchlands. Stadt Verbrauch in metrifchen Tonnen 121 Stadt Verbrauch in metrifchen Tonnen Berlin 905.955 Trier 101.703 Halle an der Saale 747-364 Sorau IOI.259 Aachen ( nebft Stolberg, Düren IO1.004 Efchweiler etc.) 707.007 Mühlheim am Rhein 96.999 Hamburg Ludwigshafen- Mannheim 571.047 Strafsburg 90.223 454 314 Görlitz 89.308 Magdeburg 451.020 Cöln und Deutz 434 319 Breslau 413.530 Duisburg Gladbach Halberstadt 86.085 84.586 80.917 Ruhrort 291.641 Deffau. 75.259 Stettin 203.450 Bremerhafen 75.069 Cöthen 259.188 Bremen. 73.613 Ofchersleben 219.272 Danzig 71.636 Hagen 199.965 Grüneberg in Schlefien. 71.894 Frankfurt an der Oder 196 418 Caffel 70.205 Düffeldorf 184.717 Königsberg 65.389 Mainz. 180.984 Pofen 62.593 Braunfchweig Iferlohn 160.732 Neiffe 146.187 Barmen 61.096 56.574 Mühlhaufen 143-770 Siegen 54.001 Hannover 130.365 Erfurt 53.392 Osnabrück 125.118 Carlsruhe 52.009 Frankfurt am Main 124.771 Kiel 51.574 Elberfeld 120.733 Coblenz. 51.123 Crefeld 120.316 Bielefeld 46.084 109.093 Stuttgart 39.572 105.371 Lübeck. 36.684 Hamm Neufs. Die Bayerifche Oftbahn deckt ihren Jahresbedarf von circa 21 Millionen Centnern gleichfalls noch überwiegend mit Zwickauer Kohle, während die kleinere Hälfte aus dem benachbarten Pilfener Reviere bezogen wird. Vorausfichtlich wird übrigens die böhmifche Braunkohle aus dem Falkenauer und Duxer Becken als überlegener Concurrent auftreten, fobald entweder die Pilfen- Priefener Bahn über Eifenftein verlängert wird, oder auch nur die Bufchtěhrader Bahn ihre Tarife über Eger ermäfsigt. München mit dem verhältnifsmäfsig noch fehr kleinen Kohlenbedarfe von jährlich 8- bis 900.000 Centnern brennt circa 650.000 Centner Miesbacher oder Peif fenberger, alfo oberbayerifche Kohle, und daneben noch circa 250.000 Centner aus Falkenau und Pilfen. Amberg und die benachbarten kleineren Orte beziehen ihren Bedarf von 600.000 Centnern halb aus Pilfen, halb aus Zwickau. Bei Regensburg und Straubing, welche einfchliesslich der Donau- Dampffchiffe 7- bis 800.000 Centner Steinkohle verbrauchen, ift das Verhältnifs für die böhmifche Kohle etwas günftiger, indem von der letzteren zwei Drittel, von der Zwickauer ein Drittel confumirt wird. Umgekehrt verbraucht Nürnberg circa 700.000 Centner Zwickauer und 300.000 Centner Pilfener Kohle; die grofse Waggonfabrik von Klett& Comp. * Diefe Ziffer ift um 25.000 Tonnen höher als die frühere Angabe, welch' letztere wir dem Berichte des Aelteften- Collegiums entlehnten. 122 J. Pechar, Dr. A. Peez. verwendet neben obigen Kohlenforten auch Stockheimer( oberfränkifche) Kohle. Auch die Maxhütte nimmt zwei Drittel ihres Kohlenbedarfes von 22 Millionen Centnern aus Zwickau und ein Drittel aus dem Pilfener Reviere. Augsburg dagegen, mit einem Jahresverbrauche von 14 Million Centner hält fich faft gänzlich an oberbayerifche Kohle, welche an der Grube 40 kr. öfterr. Währ. per Centner Stückkohle, bis Augsburg geftellt jedoch 75 bis 80 Kreuzer koftet. Der Verbrauch des gefammten Bayerns rechts des Rheins überfteigt jedoch fchwerlich einen Betrag von 12 bis 15 Millionen Zoll- Centnern. Weiter gegen Weften vorfchreitend, begegnet man nur mehr kleinen Partien von Zwickauer oder Pilfener Kohle; dagegen gelangt man mit Betreten der württembergifchen Städte in das umfaffende Gebiet der Saarkohle. Die Saarkohle ift es, welche faft den ganzen Jahresbedarf der Schweiz von circa 5 Millionen Centnern deckt und die Brennerlinie der Südbahn bis Verona mit mineralifchem Brennftoffe verfieht. Ohne Zweifel wird ihr nach Vollendung der St. Gotthardbahn auch der oberitalienifche Markt zufallen, der jetzt, von den Dampferlinien der Seehäfen abgefehen, ein Quantum von 4 bis 5 Millionen Centnern Kohle aufnimmt. Endlich dominirt die Saarkohle vollständig in der bayerifchen Pfalz, fowie in Elfafs Lothringen, und nur auf der Rheinlinie macht ihr die Ruhrkohle, welche Rheinaufwärts bis Mannheim und Ludwigshafen dringt, einige Concurrenz, während gleichzeitig zwifchen den Maffentransporten aus diefen beiden grofsen deutſchen Revieren fich englifche und böhmifche( Falkenauer und Pilfener) Gaskohlen in zunehmenden Beträgen in ganz Süddeutſchland hindurchfchlingen. Deutſchlands auswärtiger Kohlenhandel. Die Ausfuhr mineralifcher Brennftoffe aus Deutfchland belief fich im Jahre 1872 auf 3.763 Millionen metrifche Tonnen, während fie im Jahre 1860 erft 1.810 Millionen Tonnen betrug( f. oben S. 70). Sie hat fich alfo in 12 Jahren mehr als verdoppelt, ohne jedoch bereits jene Ausdehnung erlangt zu haben, zu welcher fie beſtimmt fcheint. Alle Nachbarländer Deutfchlands, mit einziger Ausnahme Dänemarks, empfangen deutfche Kohle. Die Hauptabnehmer find jedoch Oefterreich und Holland, die im Jahre 1871 1 244 Millionen, beziehungsweife 1067 Millionen Tonnen empfingen. Im Weften bilden Antwerpen, Paris, Befançon, Laufanne und Locle, im Süden Verona und Mailand, im Often Bukarest, Warfchau, Odeffa und St. Petersburg die Endpunkte, bis wohin deutfche Kohle mit den Eifenbahnen geführt wird. Auch die Einfuhr von mineralifchem Brennftoffe ift bedeutend und war bis in die jüngfte Zeit in ftetem Wachfen. Von o 755 Million Tonnen im Jahre 1860 hat fie fich auf 3 549 Millionen Tonnen im Jahre 1872 erhöht. Von gröfserer Bedeutung find jedoch nur die Zugänge von böhmifcher Braunkohle( über Bodenbach) im Belaufe von 1378 Millionen Tonnen, fowie insbefondere die Einfuhr englifcher Steinkohle nach den Häfen und Küftenländern der Oft- und Nordfee. Wie bei fo vielen Artikeln des englifchen Exportes, fo ift auch hinsichtlich der Kohle Deutſchland der ftärkfte Abnehmer Englands gewefen. Nicht weniger als 29 Oftfee- und 15 Nordfeehäfen empfingen im Jahre 1871 Sendungen englifcher Kohlen. Abgefehen von kleineren Zufuhren über Dänemark und Holland belief fich die nach Deutfchland importirte Menge englifcher Kohle im Jahre 1871 auf nicht weniger als 2.39 Millionen Tonnen oder 48.6 Millionen Centner. Im Jahre 1872 ging infolge der Theuerung der englifchen Kohle diefe Einfuhr auf 2 12 Millionen Tonnen zurück, die einen Werth von 1'538 Millionen Pf. St. oder 15:38 Millionen Gulden öfterr. Währ. Silber darftellten. * Worunter 3 142 Millionen Zoll- Centner Coke. Mineralifche Kohle. 123 Weit beträchtlicher war jedoch nach den englifchen Handelsausweifer. das Zurückweichen der englifchen Kohle im Jahre 1873. Es wurden nämlich in diefem Jahre nur 18 Millionen Tonnen oder 36.6 Millionen Centner nach Deutſchland gebracht, im Werthe von 168 Millionen Pf. St. oder 17.00 Millionen Gulden öfterr. Währ. Silber. Während alfo der Werth der Einfuhr im Vergleiche mit dem Vorjahre um ein Weniges ftieg, ift dagegen die Menge um 15.1 Percent gefallen. Die Angaben der officiellen deutfchen Statiftik, foweit fie zu Ende Januar 1874 veröffentlicht waren, verzeichneten für die drei erften Quartale 1873 blos eine Einfuhr von 6.66 Millionen Centnern an den bedeutendften Zollämtern, was einer Verminderung um 5.86 Millionen Centner gegen 1872 entſprechen würde. Allein diefe Daten erfcheinen noch nicht als vollſtändig und find durch die englifchen Angaben überholt. Immerhin ift das Zurückweichen der englifchen Kohle bedeutend genug, und es darf diefs Moment als eines der wichtigften feit 1867 im Welthandel mit Kohle eingetretenen Ereigniffe bezeichnet werden. Die deutfche Kohle, nämlich oberfchlefifche, niederfchlefifche und weftphälifch- niederrheinifche Kohle, hat in Verbindung mit den auf der Elbe herabkommenden kleineren Beträgen böhmifcher Braunkohle die mächtige englifche Kohle allmälig auf einen immer fchmäleren Küftenfaum eingefchränkt. Auf die Preisgeftaltung der beiderfeitigen Kohlen wird es ankommen, ob diefer Erfolg ein dauernder fein wird oder nicht. Ift es der deutfchen Kohle einmal gelungen, den Abfatz an der Küfte und befonders in dem wichtigften Nordfee- Hafen Hamburg feftzuhalten, fo wird auch die Zeit gekommen fein, wo deutfche Kohle als überfeeifcher Handelsartikel und Ballaft auf dem Weltmarkte erfcheint, worüber die fchon früher angeführte Monographie von Dr. A. Gurlt die trefflichften Winke gibt. O efterreich- Ungarn. Der Waldreichthum, den der Kaiferftaat zumal in den Gebirgen und Vorlanden der Alpen, Karpathen, des Erz- und Riefengebirges befitzt, fowie die hieraus refultirenden billigen Holzpreife haben lange Zeit die energifche. Gewinnung mineralifchen Brennftoffes zurückgehalten. Die gröfseren Städte verdankten ihrer Lage an Flüffen eine leichte und günftige Holzverforgung; die Eifeninduftrie ftützte fich auf ausgedehnte Bannwaldungen und die meiften induftriellen Etabliffements benutzten die aus den Wäldern und von den Gebirgen herabrinnenden Wafferläufe als wohlfeile, wenn auch unregelmäfsige Bewegungskraft. In diefer Periode erfetzte der oberirdifche vollkommen den unterirdifchen Wald. Erft mit der Entwicklung der Eifenbahnen und der Dampffchifffahrt, erft mit dem Uebergange der Induftrie zum vorherrfchenden Dampfbetriebe, fowie mit Zunahme der Cokefeuerung bei dem Hochofenprocefse, endlich mit der Vergröfserung der Städte und dem Theuerwerden des Holzes, welches immer ausfchliefslicher feine Verwendung als Bauholz findet, wurde auch in Oefterreich die Nachfrage nach Kohle allgemeiner und wendete fich das Capital mit Eifer und Erfolg dem Kohlenbergbaue zu. Wie allenthalben, waren es auch in Oefterreich in erfter Reihe die Eifenbahnen, deren Ausdehnung dem Kohlenbergbaue die ftärksten Impulfe gab. Hand in Hand mit der Vermehrung der Bahnen geht genau die Zunahme der Kohlenproduction und der Eifeninduftrie, eine Thatfache, worüber die Tabellen und graphifchen Darftellungen Roffiwall's, die auf der Wiener Weltausstellung zu fehen waren, das intereffantefte Bild darbieten. Die Entwicklung von drei der wichtigften Factoren des Volkswohlftandes in der Zeit von 1819 bis 1871 fpiegelt fich in folgenden für das gefammte Oefterreich- Ungarn geltenden Ziffern: 124 J. Pechar, Dr. A. Peez. Länge der Eifenbahnen, Kohlen- und Roheifenproduction in Oefterreich- Ungarn. Im Jahre Länge der Eifenbahnen in Meilen Mineralkohlen Roheifen in Millionen Centnern 1819 bis 1828. 1829 bis 1838 1839 bis 1847 2.8 I'45 4'7 2.06 • 150 57 12 18 3.22 1848. 155 40 18.778 3.865 1851. 216.89 23.928 4.045 1861 652.09 81-304 6.318 1871. 1.533 04 200 960 8.634 Zunahme von 1848 bis 1871. 886-50% 970 180 123.40% Es ergibt fich hieraus, dafs einer Zunahme der Kohlenproduction um 970 18 Percent eine Vermehrung der Eifenbahnlinien um 886.50 Percent gegenüberfteht, und dafs fich die Roheifenproduction in demfelben Zeitraume mehr als verdoppelte. Zu Ende des Jahres 1872 betrug die Schienenlänge der öfterreichifchungarifchen Bahnen 1812 03 Meilen( 13.735 Kilometer), im Anfange des Jahres 1874 2060 90 Meilen( 15.622 Kilometer). Die cisleithanifchen Bahnen befassen mit Schlufs des Jahres 1872 2.369 Locomotiven und 54.110 Laftwagen, darunter 20.358 Kohlenwagen. Die Eifenbahnen felbft verbrauchten in Oefterreich- Ungarn im Jahre 1869 14:35 Millionen Centner Kohle oder II Percent der ganzen Production. Seitdem mag diefe Quote auf 25 Millionen Centner geftiegen fein. Zehnfach gröfser jedoch, als der eigene Confum, war die indirecte Wirkung der Bahnen auf die Kohlenproduction, indem durch fie eine Verfrachtung der mineralifchen Brennstoffe im Grofsen erft ermöglicht, die Induſtrie von den Wafferläufen emancipirt, die Entftehung grofser Binnenftädte erft denkbar ward. Der Auffchwung der Induftrie aber wirkte wieder auf die Vermehrung des Verbrauches von Eifen und Mafchinen hin, welche ihrerfeits grofser Kohlenmaffen zu ihrer Entstehung und fortdauernden Ernährung bedürfen. In Folge fortfchreitender Vermehrung der Eifenbahnen und fehr wefentlich gefördert durch eine confequente und nachdrückliche Agitation, als deren Träger wir an erfter Stelle Julius Hirfch, dann den Induftriellen G. Sigl nennen, ift auch in Oefterreich allmälig eine beträchtliche Ermäfsigung der Tarife für die Kohlenverfrachtung eingetreten. Die Südbahn, Nordweftbahn, FranzJofefs- Bahn, die Elifabeth- Weftbahn und auf längere Strecken auch die Staatsbahn verfrachten jetzt die mineralifche Kohle zu Transportfätzen, die fich mindeſtens bei gröfseren Entfernungen dem Einpfennig- Tarife( 0.416 Kreuzer Silber) nähern. Aber auch der Gefetzgebung und Verwaltung der öfterreichifchen Monarchie gebührt die Anerkennung, dafs fie dem Bergbaue eine alljährlich wirkfamer werdende Förderung zu Theil werden liefs. Zwar hat das Berggefetz vom 23. Mai 1854 allerdings neben unzweifelhaften Vorzügen- manche Mängel und Lücken, allein man ift daran, diefelben auf legislatorifchem Wege zu befeitigen. Und auch Ungarn, wo immer noch die alten Berggefetze beſtehen, welche die unterirdifchen Schätze lediglich dem Eigenthümer der Oberfläche zuweifen, bereitet feit dem Jahre 1871 ein neues Berggefetz vor. - Mineralifche Kohle. 143 Ueber die allmälige Entwicklung des Revieres liegen folgende Daten vor. Es betrug die Förderung im Jahre Millionen Centner im Jahre Millionen Centner " 9 1782 0.024 99 1832 0.332 ” 1792 0.053 99 1842 I'227 1802 " 1812 95 1822 99 0.073 1852 3.334 0.093 1862 99 II 193 O'133 94 1872 23 010 folglich Zunahme von 1852 auf 1872 500 2 Percent, und von 1862 auf 1872 670 Percent. Der Stand der hauptfächlichen Werke, ihre Förderung im Jahre 1872, die Tiefe des Baues, die Zahl der verwendeten Dampfmafchinen und ihre Kraft, die Zahl der Cokeöfen und ihre Production, die Zahl der erzeugten Briquets und die Zahl der Arbeiter ergibt fich aus folgender Ueberficht( Siehe Tabelle Seite 144). Die Gruben des Oftrauer Revieres find theils mit der Nordbahn, theils mit der Kafchau- Oderberger Bahn verbunden, während die Michalkowitz- Dombrauer Montanbahn wiederum die Verbindung zwifchen Oftrau und den öftlich gelegenen Werken bei Dombrau und Orlau herftellt, welche fonft nach der Kafchau- Oderberger Bahn gravitiren und namentlich für den Bezug der oberungarifchen Eifenwerke von grofser Bedeutung find. Der Abfatz der Kohle aus dem Oftrauer Becken bildet, nebft der Verfrachtung oberfchlefifcher Kohle, eine wichtige Nährquelle der Nordbahn, welche im Jahre 1873 nicht weniger als 35,697.091 Centner Kohle auf ihren Linien verfrachtete. Trotz einer derartigen Maffenbeförderung ift der Kohlentarif der Nordbahn immer noch fehr hoch, wenngleich in dem letzten Jahrzehnte wiederholt Reductionen ftattgefunden haben. In nachftehender Tabelle finden fich die heutigen, wie die früheren Frachtfätze. Kohlentarif im Localverkehre der a. p. Kaifer Ferdinands- Nordbahn( inclufive Expeditionsgebühr und exclufive der Zweigbahn- Gebühren). Entfernung in Gemäfs des Tarifes vom November 1868 Meilen Kilometern Jahre 1859 Juli 1864 April 1866 per Centner per Centner und Meile K r e u Z e r ΙΟ 15 505 37.93 75.86 IO 2 8.3 8.3 7.10 I'42 18 0 15.5 154 13.07 1.307 113 79 24'2 22: 3 21.6 18.12 1.208 20 151 72 32.0 28.4 26.6 21.28 1.064 25 189.65 39.8 33.5 29.8 24 14 0.964 30 227.58 47.6 37.5 32.0 26.35 0.878 35 265.51 46.3 401 33.0 27.90 0.797 40 303.48 52.8 44.8 36.8 29.88 0.747 45 341 37 59.3 5555 50.3 413 32.00 0.711 5° 379.30 65.8 55.8 45.8 35.00 0.700 417 23 71 5 61.3 50.3 38.10 0.692 10% Mineralifche Kohle. 125 Die Befteuerung des Bergbaues ward gerechter und ein fehr feltener Fall in Oefterreich- fogar wohlfeiler. Durch die Unterftellung des Bergbaues unter das Minifterium für Bodencultur ward jenem edlen Induſtriezweige gröfsere Beachtung gefichert; die Bergbehörden( in Oefterreich diefsfeits der Leitha vier Berghauptmannfchaften und zahlreiche Revier- Bergämter) wurden reorganifirt und regelmässige und theilweife vorzügliche Veröffentlichungen, die fich den betreffenden Arbeiten der rühmlich bekannten geologifchen Reichsanftalten in Wien und Peft anfchloffen, verbreiteten gröfsere Klarheit über die Befchaffenheit der Kohlenreviere und ihre Entwicklung. Was den bergbaulichen Unterricht betrifft, fo hat auch hier die moderne Zeit wefentliche Verbefferungen gebracht. Die beftehenden Akademien in Leoben, Přibram und Schemnitz wirkten fehr viel Gutes, doch dürfte die Verlegung des Schwerpunktes im Unterrichte aus dem Baue auf Edelmetall in die unendlich wichtigere Production mineralifcher Brennftoffe noch entfchiedener zu fördern fein, und der wichtigſte Schritt in diefer Richtung wäre ohne Zweifel die Schaffung einer bergbaulichen Anftalt in Wien, worin die verfchiedenen geologifchen, technifchen und commerciellen Kenntniffe gelehrt würden, welche der Leiter eines zeitgemäfsen Bergbaues auf mineralifchen Brennftoff jetzt befitzen mufs. Zur Heranbildung tüchtiger Steiger und Werkführer find die inmitten der Bergreviere in kleineren Orten gelegenen Bergfchulen ganz geeignet, von denen in Oefterreich bereits mehrere beftehen( zu Karbitz im erzgebirgifchen Braunkohlenbecken, zu Mährifch- Oftrau im Oftrauer Reviere, in Klagenfurt und anderen Orten). Für die Pflege der Arbeiter ift in den letzten Jahren von Seiten der öfterreichifchen Kohlengewerken Bedeutendes geleiftet worden. Zahlreiche Arbeiterwohnungen, ja ganze Arbeitercolonien find entftanden, wobei das Oftrauer Becken, wie es fcheint, bis jetzt die Palme davon trägt. Auch die Errichtung von Confumvereinen nimmt erfreulichen Fortgang. Das Gefammtvermögen der Bruderladen für die bei dem Bergbaue und dem Schmelzwerksbetriebe befchäftigten Arbeiter betrug in Oefterreich diefsfeits der Leitha im Jahre 1871 nicht weniger als 5.65 Millionen Gulden. Im Jahre 1872 ift diefs Capital wieder um 453.919 fl. oder um 8.03 Percent gröfser geworden und. belief fich am Schluffe des Jahres 1872 auf 6 10 Millionen Gulden bei einer Arbeiterzahl von 61.877 Mann. Demnach entfallen im letzten Jahre 98.58 Gulden auf den Kopf, wobei jedoch zu bemerken ift, dafs die bei Kohlenbergwerken beftehenden Bruderladen, als meift neueren Urfprungs, nicht fo reich dotirt find, als die älteren Unternehmungen, die fich mit Gewinnung oder Verfchmelzung von Erzen befchäftigen. Der gefammte Arbeiterftand in den Kohlenwerken der öfterreichiſchungarifchen Monarchie betrug im Jahre 1871 67.664 Mann, gegen nur 53.994 Köpfe im Jahre 1869 und 59.517 im Jahre 1870. Es entfielen fomit von der Gefammtförderung auf einen Arbeiter: 1871.148.5 Tonnen Kohlen, 1870 1869 . 140 4 141 9 99 79 99 Was die Unfälle betrifft, fo verunglückten bei dem Bergbaubetriebe auf Kohlen im diefsfeitigen Oefterreich( ohne Ungarn) im Jahre 1871 144 Mann und 202 wurden fchwer verletzt, zufammen alfo ereigneten fich 346 Unglücksfälle. Von der Gefammtfumme diefer 346 Unfälle kamen 231 bei dem Steinkohlen- Bergbaue und 115 bei dem Braunkohlen- Bergbaue vor. Da nun im Jahre 1871 bei dem Steinkohlen- Bergbaue 31.981, bei dem Braunkohlen- Bergbaue 20.503 Arbeiter befchäftigt waren, fo wurden auf je 1000 Arbeiter verletzt bei dem Steinkohlen- Bergbaue 7.22 Arbeiter, " Braunkohlen- Bergbaue 5.61 9 126 J. Pechar, Dr. A. Peez. Vergleicht man die Unfälle mit der Menge der geförderten Kohle, fo kam im Jahre 1871 ein Unfall auf 21.515 Tonnen geförderter Steinkohle, Braunkohle. 44.157 " 99 Wie fich die fämmtlichen 346 Unglücksfälle des Jahres 1871 auf die verfchiedenen Oertlichkeiten des Kohlenbergbau- Betriebes vertheilen, ift der folgenden Tabelle zu entnehmen. Unglücksfälle beim Kohlenbergbau in Oefterreich. bei Steinkohlen " 9 Braunkohlen. 99 bei Steinkohlen Braunkohlen. in faigeren Schächten auf Bremsbergen und in tonnlägigen Schächten in Stollen und Strecken auf Abbauorten und in Verhauen über Tag Zufammen 33 34 IO 72 38 2 23 104 II 231 31 34 IO 115 72 12 103 138 21 346 oder von je 1000 befchäftigten Arbeitern verunglückten: 1.06 0.31 1-85 0.09 2.25 151 3.25 1.66 0.34 7.22 0.49 5.61 Hiernach find von fämmtlichen Verletzungen 40 5 Percent auf Abbauorten und in Verhauen, 29 8 Percent in Stollen und Strecken( vorzugsweise durch böfe Wetter), 208 Percent in faigeren Schächten, 6'1 Percent über Tag und 3'5 auf Bremsbergen und in tonnlägigen Schächten vorgekommen. Ueber die Zahl der Unternehmen für Kohlenbergbau in der diefsfeitigen Reichshälfte( ohne Ungarn), fowie die Zahl der verwendeten Dampfmaschinen gibt folgende Zufammenftellung Auffchlufs. Zahl der Kohlenwerke in Oefterreich und deren Dampfmaschinen. SteinkohlenIm Jahre Werke BraunkohlenWerke Zufammen Zahl der Dampfmafchinen 1869 284 842 1126 447 1870 284 815 1099 557 1871 297 762 1059 641 Die geringer gewordene Anzahl der Braunkohlenwerke in den Jahren 1870 und 1871 deutet nur auf eine gröfsere Confolidation der kleinen Werke zu gröfseren, geldkräftigeren Unternehmungen hin, wofür der Beweis auch in der rafchen Zunahme der verwendeten Dampfmaschinen erblickt werden kann. Von den im Jahre 1871 vorhandenen 641 Dampfmaschinen arbeiteten 357 in dem Steinkohlenbergbaue und 284 in der Braunkohlenproduction. In den Ländern der ungarifchen Krone waren im Jahre 1870 187 und im Jahre 1871 212 Dampfmaschinen thätig, fo dafs die Zahl der in der ganzen Mineralifche Kohle. 127 Monarchie im Kohlenbergbaue arbeitenden Dampfmaschinen fich demnach für die Jahre 1870 und 1871 auf 744, beziehungsweife 853 Mafchinen herausftellte. Für die Jahre 1872 und 1873 liegen zwar allgemeine Daten noch nicht vor, doch ift eine fehr beträchtliche Vermehrung um fo ficherer anzunehmen, als allein in Böhmen im Jahre 1872 55 neue Dampfmafchinen für den Bergbaubetrieb aufgestellt wurden, welche faft fämmtlich der Kohlenproduction zu Gute kommen. Alle diefe Verhältniffe zufammen gaben der Kohlenproduction in Oefterreich- Ungarn einen lebhaften Antrieb, fo zwar, dafs die Gefammtförderung im Jahre 1872 einen Betrag von 10 444 Millionen metrifchen Tonnen erreichte. Von diefer Gefammtfumme fallen 8.971 Millionen Tonnen oder 85.90 Percent auf die deutfch- flavifche und 1473 Millionen Tonnen oder 14'10 Percent auf die ungarifche Reichshälfte. Gulden. Der Werth der Kohlenproduction war im Jahre 1872 38.5 Millionen Ueber die Entwicklung der öfterreichiſch- ungarifchen Kohlenproduction und die Vertheilung derfelben nach Steinkohlen und Braunkohlen geben wir folgende Ueberficht: Mineralkohlen- Production in Oefterreich- Ungarn in metrifchen Tonnen à 20 Zoll Centner. Davon Im Jahre Mineralifche Kohle Steinkohle Braunkohle 1819 94.607 1825 154.944 1830 210.630 1835 250.782 1840 473.420 1845 721.707 1850 I, 125.934 1855 2,101.050 1,180.449 920.601 1856 2,338.195 1,287.620 1,050.575 1857 2,513.322 1,397.632 1,115.690 1858 2,910.642 1,610.150 1,300.492 1859 3,131.858 1,804.523 1,327.335 1860 3,503.895 1,948.189 1,555-706 1861 4,065.220 2,268.361 1,796.859 1862 4.536.238 2,523.305 2,012.933 1863 4.566.958 2,551.407 2,015.551 1864 4,650.535 2,537.397 2,113.138 1865 5,069.303 2,836.884 2.232.419 1866 4,893 931 2.706.796 2,187.135 1867 6,098.804 3,324.085 2,774.719 1868 7,021.756 3.795.358 3,226.398 1869 7,663.043 3.969.239 3,693.804 1870 8,355.945 4,295.776 4,060.169 1871 10,048.036 4,969.978 5,078.058 1872 10,443.998 4.764.786 5,679.212 Es hat demnach die Gefammtförderung von Kohle vom Jahre 1819 bis 1872 um 10.939 5 Percent und von 1855 bis 1872 um 397'1 Percent zugenommen. 9* 128 J. Pechar, Dr. A. Peez. der gleichen Zeit( 1855 bis 1872) ftieg die Steinkohlenförderung um 303 4 Percent, die Braunkohlenförderung aber um 516.9 Percent. Es zeigt fich hier ein ganz eigenthümliches und für Oefterreich wichtiges Ergebnifs, darin beftehend, dafs die Braunkohlenförderung in weit ftärkerem Verhältniffe wächft, als die Steinkohlenproduction. Es betrug nämlich der Antheil der Steinkohlen und Braunkohlen an der Gefammtförderung: im Jahre 1855 Steinkohle 561 Percent Braunkohle 43 9 Percent 1860 556 22 99 1870 514 29 1871 49.5 " 9 " " 1872 45.6 99 44 4 48.6 50.5 544 25 Im Jahre 1870 folgt, wie wir fehen, die Braunkohlenförderung mit 4.06 Millionen Tonnen oder 48.6 Percent der Gefammtförderung hart hinter der Steinkohlenförderung von 4'29 Millionen Tonnen oder 514 Percent der Gefammtförderung und hat diefelbe im Jahre 1871 bereits überholt, ein Umftand, der, wie wir fpäter fehen werden, wefentlich der rafchen Entwicklung des erzgebirgifchen Braunkohlenrevieres es zu danken ift. Im Jahre 1872 hat fich diefer Vorfprung noch vermehrt, indem in diefem Jahre im diefsfeitigen Oefterreich( ohne Ungarn) einer Steinkohlenförderung von 82.95 Millionen Zoll- Centnern eine Braunkohlenproduction von 96 47 Millionen Zoll- Centnern gegenüberfteht. Das Verhältnifs war alfo wie 45'6 Percent zu 54'4 Percent. Und in Ungarn war das Gleiche der Fall. Neben diefer fich in bedeutenden Dimenfionen entwickelnden eigenen Förderung hat auch der auswärtige Kohlenhandel Oefterreich- Ungarns, fowohl in Einfuhr wie Ausfuhr, beträchtlich zugenommen. Das Nähere in folgender Tabelle, der wir zugleich die Ziffern über Erzeugung und Verbrauch anfchliefsen: Production, Einfuhr, Ausfuhr und Verbrauch und Verbrauch von Kohle in Oefterreich- Ungarn. Production Im Jahre Einfuhr Zufammen Ausfuhr Verbrauch Somit Verbrauch per Kopf der Bevölkerung in metrifchen Pfunden 1835 1840 in metrifchen Tonnen à 20 Centner 2.737 264.173 26.443 470.301 49.207 709.843 62.630 1,137.853 129.397 2,034.602 279.675 3.464.349 385.662 5,050.129 481.068 4,699.737 16.128 266.910 23.324 496.744 37.343 759.050 74.549 1,200.483 62.949 2,163.999 240.129 3,744.024 366.488 5.435-79 I 286.874 5,180.805 339.779 5.438.583 587.441 7,609.197 261.8 730.779 4.707.804 262.2 809.298 6,799.899 378.8 686.855 8.349.898 820.735 7.529.163 419 4 925.198 8,357.867 465.6 250.782 473.420 1845 721.707 1850 1,125.934 1855 2,101.050 1860 3.503.895 1865 5,069.303 1866 4,893.931 1867 6,098.804 1868 7.021.756 1869 7.663.043 1870 8,355.945 927.120 9,283.065 1871 10,048.036 1,363.974 II.412.010 1,046.501 10,365.509 1872 10,443.998 1,589.053 12,033.051 1,171.476 10,861.575 577 4 605.0 Heizfläche sämmtlicher Kronländer in den Jahren Gesammte KronHeizfläche Heizfläche vertheilt auf die einzelnen Industrie- Zweige, 1 Heizfläche. 100,000,000 nat. Gröfse. 1868,1869, 1870,1871. in den Jahren Land. Spinnerei 1 1868,1869, 1870, 1871. Weberei Kohlen- Eisen Maschinen Eisenbahnen100,000,000 nat. Grösfe. Zucker 1 100,000,000 nat.Gröfse Färberei Bleicherei Tuchfabrikation etc. Förderg. Stahl & Mühlen Spiritus Papier& Bier Stationen Oel Glas Industrie- Einwohner Metallw. & Werk stätten Alle übrigen pr. pr. Meile Zweige zusammen 240 nat.Gr. 1 1,000,000 n.G. 1871: 273162 1870: 243884 1871 126940 1870112700 1869 93925 1863 213791 Böhmen 186874215 1868 185107 40150 30230 16244 13879 134: 5 0,0247 6352 5209 4652 3619 2594 1414 1544 677 334 1871: 3104 20100 1870743880 1869-440ZAY 1868.38377 10600 3906 5681 0.0253 126'4 2022 2493 4352 638 662 293 Mähren 134 38 125 -1871: 1870: Heizfläche Einwohner 1871: 0.0134 per 1871: 501 33224 33395 7970 95'1 4890 6372 0'0171 Meile Nieder Oesterreich 973 640 1853 2697 1631 672 1524 1770 155 77 1869: 30121 1868: 28500 0.0414 1871: 1870: 3933 5451 6376 2272 21254 18913 1520 1462 1287 213 396 366 155 240 nat. Grösfe 55 1 1,000.000 40 nat. Gr. Schlesien 1869: 1868: 17869 15844 1871: 1870: 5892 0.0116 Graphische Darstellung Ider Beirfläche der in den oesterr Provinzen vorhandenen Dampfkessel mit Ausschlafs der Locomotiv- und Schiffs kessel. O Die eingeschriebenen Zahlen bed. die Heizfläche in" Metern Für die Wiener Weltausstellung nach amtlichen Berichten zusammengestellt von FRANZ HLAWATSCHEK Professor an der technisch. Hochschule. in Küstenland 1871: 3384 Triest Istrien 1869: 2767 Tirol Voralberg 1869: 2761 Ober Oesterreich 1869: 2543 1871: 1656. 1869: 1166 617 1724 13226 12827 377 144 212 1093 1430 32'4 490 451 471 137 188 Steiermark □ 1869: 1868: 10604 9790 1871: 1870: 3890 2031 1912 904 331 1124 1230 124 11902 8965 27 173 141 00022 7.1 15 Galizien TOP 1869: 8273 1868: 7359 Graz 1871 4 18703012 312 18682579 2163 1871 3004 1870 2811 17 1868: 2558 337 1871: 2805 1870 2647 18682148 2041 13 119 1871 2670 1870 2218 Kärnthen 1869: 2057 1868: 1926 Krain 1870 1367 220 27 Bukowina 1871 1007 1869: 786 1871: 237 Salzburg 1869: 178 Dalmatien 1868: 1053 1870 952 1868: 652 1870 197 1868: 106 369 118 1144 53 17 140 1231 0.0038 6.2 la 265 ESS 7. 46 83 423 0.0033 5: 5 327 30 162 626 164 105 214 790 0'0037 12.7 0.0079 14.7 255 13 15 57 47 110 13 113 93 130 169 286 14 86 96 450 0: 0935 9: 1 314 526 42 24 6 99 137 0.002 17 39 148 18 00016 4 0.00009 0.017 kk Hof- u. Staatsdruckerei. Mineralifche Kohle. 129 Der auswärtige Kohlenhandel der Monarchie, der von einer Menge von 18.865 Tonnen im Jahre 1835 auf mehr als 212 Millionen Tonnen im Jahre 1872 angewachſen ift, bewegt fich faft ausfchliefslich zwifchen Oefterreich und dem deutfchen Reiche. Während Oefterreich aus dem nördlichen und weftlichen Böhmen erz gebirgifche Braunkohle und Pilfener Steinkohle abgibt, empfängt es aus PreufsifchSchlefien bedeutende Mengen von Steinkohle und Coken, welche hauptsächlich in Wien und Umgebung einen lohnenden Markt finden. Das Nähere über diefen Handel bringen wir gelegentlich der Befprechung der einzelnen Kohlenreviere. Im Ganzen genommen haben die Einfuhr nach Oefterreich und Ausfuhr aus Oefterreich lange Jahre hindurch gleichen Schritt gehalten; feit 1871 jedoch ift die Einfuhr in noch höherem Mafse geftiegen als die Ausfuhr, eine Thatfache, die befonders darin ihre Erklärung findet, dafs einerfeits nach Preufsifch- Schlefien hin in den letzten Jahren einige wichtige Eifenbahn- Anfchlüffe erfolgten( KafchauOderberg), anderfeits weil vermöge des Auffchwunges der öfterreichifchen Eifeninduftrie die einheimifchen Steinkohlenwerke einen gröfseren Theil ihrer Förderung zu Coke verarbeiteten und den Ausfall mit oberfchlefifcher Kohle deckten. Von letzterer gingen im Jahre 1872 nicht weniger als 1,074.127 Tonnen nach O efter reich, wovon 415.000 Tonnen allein in Wien verbraucht wurden. - Vergleicht man die Entwicklungsziffern der Einfuhr, Ausfuhr und Production in den Jahrzehnten feit 1841, fo ergeben fich folgende Daten. Es haben zugenommen: in den Jahren 1841 bis 1851. 1851 1861 " 1861 1871. " Production Einfuhr in Percenten Ausfuhr 147 74 209.06 III 90 253.38 79° 24 452.92 147 17 408.96 255-73 Aus einer Zufammenfaffung der einheimifchen Erzeugung und der Einfuhr ergibt fich nach Abfchlag der Ausfuhr der Verbrauch mineralifcher Kohle in Oefterreich. Der Gefammtverbrauch Oefterreich- Ungarns betrug demnach im Jahre 1871 10:36 Millionen und im Jahre 1872 10 86 Millionen Tonnen. Bei einer Bevölkerung von 35'90 Millionen Menfchen entfallen demnach per Kopf 6050 metrifche Pfund, während die Production per Kopf fich auf 581 76 metriſche Pfund bezifferte. Ueber den Verbrauch der mineralifchen Kohle zu den verfchiedenen Zwecken der Induſtrie, des Hausbrandes etc. liegen zwar keine Angaben vor, fo wenig als feit dem Jahre 1867 neuere officielle Daten über die Zahl der Dampfmafchinen und ihre Pferdekräfte publicirt worden find; allein einen werthvollen Anhalt in diefer Richtung bietet eine von F. Hlawatfchek, Profeffor an der technifchen Hochfchule in Graz, verfafste graphifche Darftellung der in den öfterreichifchen Kronlanden( ohne Ungarn) vorhandenen Dampfkeffel mit Ausfchlufs der Locomotiv- und Schiffskeffel, eine Darftellung, die wir im Einvernehmen mit dem Herrn Verfaffer hier anfchliefsen. Die überwiegende Bedeutung Böhmens in der Induſtrie, fowie der Antheil der einzelnen Induftriezweige( Zuckerfabrication, Spinnerei und Weberei, Kohlenbergbau etc.) an der Verwendung der Dampfkraft wird aus diefer intereffanten Darftellung erfichtlich. Im Jahre 1860 1861 Kohlenverfrachtung( nach Revieren und Bahnen). OftrauJaworzno Roffitz Voitsberg FünfKöflach kirchen SchatzlarSchwadowitz PilfenRadnitz KladnoSchianRakonitz Erzgebirgifches Revier Kaifer FerdinandsNordbahn Brünn- Graz. Roffitzer Köflacher MohácsFünfkirchner Süd- Norddeutfche Böhmifche Verbin- Weftbahn dungsbahn AuffigBufchtěhrader DuxBodenTeplitzer bacher Millionen Zoll- Centner 2'4 0.6 2.6 0.6 9.7 3.9 2'I 1.8 4.3 0.8 I'2 II 3 5.4 1865 7.9 0.5 2.2 2.4 44 14 44 96 9.0 1870 13.8 0.9 2.9 50 5.1 2.0 7: 3 153 23.8 1872 16.1 0.6 4'0 7: 0 6.2 24 8.8 17.8 2.8 30.2 2'4 1873 18.4 5.8 37.3 5.8 130 J. Pechar, Dr. A. Peez. Mineralifche Kohle. 131 Vertheilung der Kohlenreviere. Oefterreich befitzt keine Steinkohlenreviere, die fich an Ausdehnung und Mächtigkeit mit dem niederrheinifch- weftphälifchen Becken oder den grofsen englifchen und amerikaniſchen Kohlenlagern meffen könnten. Seine Steinkohlenreviere find, mit einziger Ausnahme des Kladno- Schlan- Rakonitzer Beckens, wenig ausgedehnt und theilweife fchwer abzubauen, erfreuen fich jedoch im Allgemeinen einer guten geographifchen Vertheilung und liefern einen Brennftoff, der namentlich durch feine backende Eigenfchaft im Hinblicke auf die vortreff. lichen Erzlager der Monarchie eine grofse volkswirthschaftliche Bedeutung erlangt hat. Ganz hervorragend ift dagegen Oefterreich mit guten und in riefigen Maffen zu fördernden Braunkohlen bedacht. Diefelben eignen fich nicht nur als Hausbrand, fondern auch für zahlreiche induftrielle Zwecke, als Mafchinenkohle, zum Schmelzen der Bleierze( in Bleiberg, Kärnthen), fowie zum Beffemerproceffe ( in Teplitz, Böhmen). Die Steinkohlenreviere Oefterreichs liegen theils in einem nördlichen, von Weft nach Oft zielenden Striche, der, bei Pilfen an der bayerifchen Grenze beginnend, bis Mährifch- Oftrau und Jaworzno an der ruffifchen Grenze reicht, theils auch im füdöftlichen Theile Ungarns. Die erfte nördliche Gruppe wird gebildet von den Revieren von Pilfen, Kladno- Bufchtěhrad, Schlan- Rakonitz, Schatzlar- Schwadowitz in Böhmen, fowie Oftrau- Jaworzno in OefterreichiſchSchlefien, Mähren und Galizien, während der zweiten füdlichen Gruppe die Becken von Fünfkirchen und Steyerdorf angehören. Eine Zwifchenftellung nimmt das Steinkohlenrevier von Roffitz in Mähren ein. Die Braunkohlenreviere finden fich theils im Herzen der Monarchie zwifchen den Ausläufern der Alpen und befonders am Oftabhange diefes Gebirges in Steiermark und Krain, wo bei Leoben, Sagor und in grofser Fülle bei Köflach fich eine bedeutende Kohlenförderung entwickelt hat, theils an der Peripherie des Kaiferftaates, nämlich im Schylthal in Siebenbürgen und am Fufse des Erzgebirges in Böhmen, von denen das erzgebirgifche Becken mit einer Jahresförderung von über 2.7 Millionen Tonnen fich rafch an die Spitze fämmtlicher Kohlenreviere der Monarchie gefchwungen hat. Endlich ift auch als zukunftsreich das in der Nähe von Peft( nördlich) gelegene Braunkohlengebiet der Matra zu nennen, welches bei Salgó- Tarján bereits mit gutem Erfolge abgebaut wird. Für die aus den verfchiedenen Becken ausgebrachten Kohlenmengen gibt eine Ueberficht der auf den zugehörigen Bahnen verfrachteten Kohlen einen annähernd richtigen Anhaltspunkt( Siehe Tabelle Seite 130). Die Vertheilung der Reviere nach Kronländern( ohne Ungarn), der Antheil der einzelnen Kronlande an der Gefammtförderung von Steinkohle und Braunkohle, die Anzahl der verwendeten Arbeiter und die per Jahr und per Schicht entfallende Leiftung eines Arbeiters ergibt fich aus folgender Tabelle, die wir dem Jahrbuche und den Mittheilungen der statistischen Central- Commission für 1872 entnehmen( Siehe Tabellen Seite 132). Demnach nimmt Böhmen unter den Kronländern der diefsfeitigen Reichshälfte den erften Rang ein, indem es an der Steinkohlenförderung mit 47.82 Millionen Centnern oder 57.65 Percent und an der Braunkohlenförderung mit 55.76 Millionen Centnern oder 57.80 Percent Theil nimmt. An Böhmen reiht fich hinfichtlich der Steinkohlenförderung Schlefien, welches den gröfseren, und Mähren, welches den kleineren Theil des Oftrauer Beckens einfchliefst, mit 23.08, beziehungsweife 11.50 Percent. Hinfichtlich der Braunkohlenproduction folgt Steiermark mit 26.01 Percent hinter Böhmen. 132 J. Pechar, Dr. A. Peez. Kohlenproduction und Anzahl der Arbeiter beim Kohlenbergbaue in den einzelnen Kronländern Oesterreichs. Steinkohlen. 1872. Production Länder in Zoll- Centnern das find Percente der gefammten Production Anzahl der verwendeten Arbeiter Es entfallen daher auf je Einen Arbeiter für das ganze für Eine Schicht Jahr Zoll- Centner Böhmen 47,824.199 Schlefien Mähren Galizien Niederöfterreich 19,142.504 9.531.966 1150 4.781 57.65 19.515 23.08 9.205 2.451 8.17 2.080 6.93 1.984 6.61 5.396.543 6.50 2.221 2.430 8.10 919.073 I.II 802 1.146 3.82 Steiermark Oberösterreich Krain IIO.353 O'13 547 202 0.67 25.048 0:03 133 192 0.64 2.240 0.00 28 80 0.27 Im Ganzen 2.228 7:43 82,951.986 100.00 37.232 Braunkohlen. 1872. Production Länder in Zoll- Centnern das find Percente der gefammten Production Anzahl der verwendeten Arbeiter Es entfallen daher auf je Einen Arbeiter für das ganze Jahr für Eine Schicht Zoll- Centner Böhmen Steiermark 55.763.591 25,094.853 57.80 10.026 26.01 8.972 5.562 18.54 2.797 9:32 Oberösterreich 5,751.950 5.97 1.184 4.858 16.19 Krain. 3,187.472 3.30 1.061 3.004 Mähren 2,355 808 2:44 727 3.240 ΙΟ ΟΙ 10.80 Kärnthen 1,543.389 1.60 1.199 1.287 4 29 Niederöfterreich 1,097.520 114 461 2.381 7.94 Küftenland Tirol Galizien Dalmatien 765.175 0.79 498.644 246.525 157.769 520 1.471 4.90 0.52 205 2.432 8.11 0.26 183 I.347 4.49 0.16 102 1.547 5.16 Bukowina. Schlefien Im Ganzen 5.690 96.468.386 100.00 24.645 Ο ΟΙ 5 1.138 3.79 3.914. 13 05 Mineralifche Kohle. 133 Von befonderem Intereffe find bei diefer Aufftellung die Ziffern über die Arbeitsleiftung eines Arbeiters in den verfchiedenen Kronländern per Jahr und per Schicht, wonach in den böhmifchen Steinkohlenwerken( alfo in Kladno, Rakonitz, Pilfen, Schatzlar- Schwadowitz) I Arbeiter per Jahr 2.451 Centner fördert, in Schlefien( Oftrau Karwin) 2.080 Centner, in Mähren( Oftrau und Roffitz) 1.984 Centner; während in den Braunkohlenwerken ein Arbeiter jährlich fördert: in Böhmen( erzgebirgifches Becken) 5.562 Centner, in Oberösterreich( WolfseggTraunthal) 4.858 Centner, in Mähren( Göding- Gaya) 3.240 Centner, in Krain( Sagor) 3.004 Centner, in Steiermark( Leoben, Fohnsdorf, Köflach, Wies, Eibiswald) 2.797 Centner, in Tyrol( Häring) 2.432 Centner, in Niederöfterreich 2.381 u. f. w. Die Productionsfähigkeit der Reviere ift in diefen Ziffern ziemlich genau angedeutet. Ueber die Förderung der einzelnen Becken( Steinkohlen- und Braunkohlenreviere getrennt) in den Jahren 1862, 1867, 1869 und 1872 in metrifchen Tonnen( zu 20 Centner), ferner über die Percentantheile der einzelnen Becken an der Gefammtförderung Oefterreich- Ungarns in den genannten Jahren bringen wir folgende gedrängte Darftellung( Siehe Tabelle Seite 134). Aus diefer Berechnung ergibt fich eine Reihe wichtiger Schlüffe. Vor Allem der, dafs die Steinkohlenförderung Oefterreich- Ungarns von 1862 bis 1872 zwar abfolut um faft 89 Percent geftiegen ift, dafs fie jedoch an der gefammten Kohlenförderung der Monarchie im Jahre 1862 mit 55'6 Percent, im Jahre 1867 mit 54'5 Percent, im Jahre 1869 mit 518 Percent und im Jahre 1872 nur mehr mit 45'6 Percent participirte, während die Braunkohlenförderung in denfelben Jahren von 44'4 Percent auf 45 5, 48.2 und 54 4 Percent geftiegen ift. Dasfelbe Verhältnifs gelangt in der Thatfache zum Ausdrucke, dafs von allen Kohlenrevieren Oefterreich- Ungarns fich das erzgebirgifche Braunkohlenbecken ( Falkenau und Dux- Karbitz) mit 26 0 Percent der Gefammtproduction im Jahre 1872 an die Spitze gefchwungen und feitdem feine Ueberlegenheit ficher noch um einige Percent gefteigert hat. Faft ein Viertheil fämmtlicher in Oefterreich. Ungarn geförderten Brennftoffe wird jetzt in dem lange Zeit hindurch wenig gewürdigten erzgebirgifchen Reviere gewonnen. Dann folgen im Jahre 1872 Kladno- Schlan- Rakonitz mit 13.6 Percent, Oftrau- Karwin mit IIO, Pilfen mit 7.3, Köflach- Voitsberg mit 4'9, Leoben- Fohnsdorf mit 4'4, Traunthal mit 27, Roffitz mit 27, Jaworzno mit 2-6, Schatzlar Schwadowitz mit 2.0, Sagor mit 16 Percent u. f. w., wobei zu bemerken ift, dafs bis zum Jahre 1874 insbefondere für KöflachVoitsberg, Leoben- Fohnsdorf, fowie auch Sagor bedeutend gröfsere Percentantheile zu verzeichnen find. 1. Das Steinkohlenbecken von Kladno- Schlan- Rakonitz. Das Becken von Kladno mit feinen Fortfetzungen nach Schlan und Rakonitz bildet das gröfste Steinkohlenrevier Oefterreichs. Der nachgewiefene Kohlenreichthum desfelben beträgt 90 Millionen Tonnen; für den Abbau vorgerichtet find 20 Millionen Tonnen. Die Förderung bezifferte fich im Jahre 1872 auf 1,415.113 Tonnen. Man unterfcheidet bei diefem Reviere zwei Theile, einen füdlichen oder Liegend- Flözzug, welcher der Steinkohlenformation, und einen nördlichen oder Hangend- Flözzug, welcher dem die Steinkohlenformation überlagernden Rothliegenden angehört. Der füdliche Theil, welcher den Kern des Beckens enthält, beginnt öftlich bei Kralup an der Moldau und zieht über Brandeisl, Bufchtěhrad, Rappitz, Kladno gegen Rakonitz, Petrowitz bis in die Gegend von Seiwedl in einer Länge von mehr als fieben öfterreichifchen Meilen. Das Liegend- oder Hauptflöz ift jetzt in einem Flächenraume von nahe drei Quadratmeilen nachgewiefen, wobei jedoch durch die Unebenheit des Grundgebirges zahlreiche Störungen und Unregelmäfsigkeiten vorkommen. Den productivften Theil diefer Kohlenablagerung bil 134 J. Pechar, Dr. A. Peez. Mineralkohlen- Production in Oefterreich- Ungarn( nach Kohlen 1862 becken). 1867 1869 1872 Becken metr. Tonnen A. d. f. Percente der Gefammtproduction metr. Tonnen d. f. Percente der Gefammtproduction metr. Tonnen d. f. Percente der Gefammtproduction metr. Tonnen Steinkohlen. Kladno- SchlanRakonitz. Oftrau- Karwin. Pilfen. Rossitz 839.950 18.5 596.315 334.856 167.952 13'2 7 4 3'7 Jaworzno. 109.557 24 983.363 817.435 566.412 192.956 135.488 16.1 1,178.869 15'4 13 4 1,021.714 13'3 9° 3 635.804 8.3 1,415.113 13.6 1,150.476 765.350 ΙΙΟ 7'3 2'2 3.2 236.890 167.207 3'1 283.180 2.7 2'2 269.827 216 Schatzlar- Schwadowitz. 100.887 2'2 157.404 2.6 170.744 2'2 210.273 2'0 Kleinere Steinkohlenbecken 49.488 I'I 68 289 I'I 64.366 0.9 53-381 0.5 Ungarn Summe 2,199.005 48.5 2,921.347 402.738 324.300 7'1 47'9 3,475.594 6.6 493.645 6.4 45 4 4,147.600 39'7 617.186 5'9 B. Braunkohlen. Erzgebirge.. 768.085 16.9 1,239.869 20° 3 1,650.674 21.6 2,711.262 26.0 Leoben- Fohnsd. 215.542 4.8 231.682 3.8 278.574 3.6 462 686 4'4 Köflach Voitsberg. Traunthal 131.248 129.256 2'9 167.289 217 2.8 Sagor etc. 47.502 I'O 180.031 98.163 3'0 1.6 340.362 178.276 144.518 4'5 513.061 4'9 2'3 287.592 2'7 1.9 159.373 1.6 Kleinere Braunkohlenbecken Summe Ungarn Im Ganzen 1,748 000 264.933 4,536.238 466.367 ΙΟΙ 38.5 523 283 8.6 539.063 7'0 689.445 6.6 2,440.317 40'0 5'9 334.402 5'5 IOO O 6,098.804 IOO O 3,131 467 562.337 7,663.043 40* 9 7'3 4,823.419 46.2 855-793 IOO'O 10,443.998 ΙΟΟΟ 8.2 d. f. Percente der Gefammtproduction Mineralifche Kohle. 135 det das Gebiet von Brandeisl, Rappitz, Kladno, welches in einer Ausdehnung von faft fieben Millionen Quadratklaftern im Befitze des Kaifers Ferdinand, der k. k. pr. öfterreichifchen Staats- Eifenbahn- Gefellfchaft und der Prager EifeninduftrieGefellſchaft ift. In diefem Theile des Reviers finden fich zwei Kohlenflöze im Abbaue, das ,, Hauptflöz" mit 3 bis 6 Klaftern( 5.7 bis 11 4 Meter) Mächtigkeit, durch fieben Zwifchenmittel in verfchiedenen Bänken bis zu 9 Fufs( 2.8 Meter) getrennt, und das ,, Grundflöz" mit einer Mächtigkeit von 1 bis 3 Fufs( 047 bis 0.94 Meter), welches letztere jedoch nicht abbauwürdig ift. Da die Kohle nach dem Einfallen des Flözes zu fich beffert, fo liefern die weftlichen Theile, fowie das Innere der Mulde, alfo insbefondere die Gegend von Kladno, bei der gröfseren Tiefe der dortigen Schächte eine reinere Kohle, als das öftliche, von Brandeisl gegen Koleč und Kralup fich hinziehende Flöz. Die Befchaffenheit der Kohle wird aus folgenden Analyfen erfichtlich: Chemiſche Analyfen von Kohlen des Kladno- Schlan- Rakonitzer Beckens. Theore. WafferKohle von gehaltPercent Afchen gehaltPercent tifche Heizkraft Nutzbare Verdampfungskraft( Pfund Dampf v. 150° in Calorien Celf. durch Brandeisl Kladno. Bufchtěhrad Rakonitz Rappitz I Pfd. Kohle) 4.8 2'1 4.0 8.3 2.9 81039 5: 3 5.517 5.85 9.4 5.694 6.04 9.0 5.668 6.01 8.9 4.839 5.13 9.1 5.720 6.06 Die Flöze liegen ziemlich tief. Der Kübekfchacht erreicht erft bei 184 Klaftern ( 348 9 Meter) und der Engerthfchacht bei 203 Klaftern( 384'9 Meter) das Hauptflöz; diefer letztere ift jetzt der tieffte Schacht im Kladnoer Becken. Der Auffchlufs gefchieht nur durch Schächte, der Abbau durch Pfeilerabbau, ftellenweife auch durch Etagenbau. Für Kohlenauffchlufs, Förderung, Waffer- und Wetterlöfung beftehen 21 Schächte mit 20 Fördermafchinen und 2 Ventilatoren. Das durch diefe Einbaue aufgefchloffene unterirdifche Gebiet ift mit Grubeneifenbahnen. von nicht weniger als 40.200 Currentklaftern( 76.235 Meter) Länge durchzogen, auf welchen die Förderung durch 32 Grubenpferde beforgt wird. Diefelben find in unterirdifchen Stallungen untergebracht. Zur Wafferhebung dienen meift direct wirkende Wafferhaltungsmafchinen von 120 bis 450 Pferdekraft; denn manche Schächte haben einen Wafferzuflufs von fogar 90 Cubikfufs per Minute aufzuweifen. Die Schachtförderung beforgen gewöhnlich Zwillingsmafchinen ohne Vorge. lege zu 30 bis 100 Pferdekraft. Für Ventilation ift fehr gut geforgt; diefelbe wird durch angebrachte Wetterthüren entſprechend regulirt. Die Abbaurefultate wechfeln nach den Verhältniffen des Flözes. Wo das Flöz zu feiner vollen Mächtigkeit entwickelt ift, da beträgt der Holzbedarf zur Auszimmerung per 100 Centner geförderter Kohle 4.5 Kubikfufs, die Häuerleiſtung. in zwölfftündiger Schicht 94 5 Centner und der Stückfall 55 bis 60 Percent Grofsund Würfelkohle; im gegentheiligen Falle finken die Refultate bis zu einer Häuerleiftung von 35 Centnern mit 20 Percent grofser Würfelkohle herab, während der Holzbedarf bis zu 10 Kubikfufs fteigt. Die Kohle ift befonders gut im„ Hauptflöz", und 10 Centner derfelben entfprechen dem Heizwerthe von I Klafter 30zölligen weichen Holzes. Der Afchen 136 J. Pechar, Dr. A. Peez. gehalt kann im Durchfchnitte mit 6.5 Percent beziffert werden. Der Geftehungspreis beträgt je nach den Betriebsverhältniffen 95 bis 18 Kreuzer; der Verkaufspreis betrug im Jahre 1871 loco Grube für Stückkohle 37.5, im Jahre 1872 für Grofskohle 40, für Würfelkohle 35, und für Kleinkohle 20 Kreuzer öfterr Währ. An backender Kohle, die befonders bei Rappitz vorkommt, werden jährlich circa 3 Millionen Centner gewonnen und vercokt, die jedoch für den Bedarf der bedeutenden Eifenwerke von Kladno nicht ausreichen. Letztere verwenden daher einen Zufchufs von Coke aus Waldenburg. Weit weniger aufgefchloffen als bei Kladno- Bufchtěhrad ift das Kohlenvorkommen in der Gegend von Rakonitz, wefshalb auch hier der bergmännifche Betrieb noch zu keiner fo grofsen Entwicklung gelangt ift. Indeffen nimmt feit 1867 auch hier der Bergbau einen erfreulichen Auffchwung, namentlich in den Werken der ,, Moravia" und bei Hoftokrej. Erft in neuefter Zeit, nämlich im December 1871, ift diefes Revier einer Eifenbahn( der Böhmifchen Nordweftbahn) theilhaftig geworden, während das Revier von Kladno( im engeren Sinne) bereits feit dem Jahre 1856 von der Bufchtěhrader Bahn durchzogen ift. Im Hangenden oder dem nördlichen Theile des Beckens bei Schlan und Hředl finden fich in einer Teufe von 6 bis 40 Klaftern( II 4 bis 75.8 Meter) mehrere gut gelagerte Flöze von 20 bis 36 Zoll( o 53 bis 0.79 Meter) Mächtigkeit, der per mifchen Formation angehörig, welche bei leichtem Abbaue eine nicht backende und nicht fehr compacte, doch angenehm brennende und daher für Zimmer heizung gut geeignete Kohle ergeben. Die Zahl der Arbeiter, fowie die Menge und der Werth der Förderung im Jahre 1872 ergibt fich für das gefammte Kohlenrevier von Kladno, Rakonitz und Schlan aus folgenden runden Ziffern: Kohlenförderung und Anzahl der Arbeiter im Becken von KladnoSchlan- Rakonitz. Becken Kladno nebft Wottwowitz Rakonitz Schlan Zufammen Anzahl der Arbeiter Förderung Menge Ctr. Werth fl. 6.800 2.000 1.000 25.000.000 4.000.000 2,800.000 5.500.000 800.000 560.000 9.800 31,800.000 6.860.000 Die Kohle hat ihren Abfatz in den Induftriewerken der Gegend, nährt die Bufchtěhrader Eifenbahn, nördliche Staatsbahn, foweit beide nicht in das Braunkohlengebiet fallen, dominirt in dem nur 5 Meilen entfernten Prag, welches einen Jahresconfum von 6 Millionen Centnern( 300.000 metriſche Tonnen) hat, verforgt überwiegend die zahlreichen Zuckerfabriken des mittleren Böhmens und erftreckt ihre Ausläufer bis Brünn und Reichenberg. II. Das Pilfener Steinkohlenbecken. Das Pilfener Becken erftreckt fich, den Ufern des Flüfschens Mies folgend, in einer Länge von über 4 Meilen( 30 3 Kilometer) von Tufchkau in nördlicher Richtung bis Plafs. Die Breite beträgt ftellenweife 15 bis 25 Meilen( 113 bis 18.9 Kilometer). Es ergibt fich demnach ein Flächeninhalt von 10 bis 11 Quadrat Mineralifche Kohle. 137 meilen( 5.75 bis 6.32 Quadrat Myriameter), deffen Kohleninhalt noch nicht conftatirt ift.* Die Kohle liegt in einer Teufe von 27 bis 100 Klaftern( 51 bis 189.6 Meter) und darüber, und ihr Einfallen ift im Allgemeinen ein fanftes. Die Zahl der Flöze beträgt 2 bis 5 und ihre Mächtigkeit wechfelt von 18 bis 100 Zoll( 0.47 bis 2.63 Meter). Wo fie vereinigt find, was z. B. am nördlichen und öftlichen Rande des Beckens ftattfindet, erhebt fich die Mächtigkeit bis zu 6, ja 10 Fufs( 1.89 bis 3.16 Meter). Störungen durch Klüfte und Verwerfungen, fowie durch Verftaubungen find häufig. Der Abbau gefchieht durch Schächte, felten durch Stollen; Pfeilerbau ift allgemein. Man zählt im Reviere 57 Hauptförder- und Wafferhaltungsfchächte, neben denen noch zahlreiche Hafpelfchächte vorkommen. Zur Schachtförderung dienten im Jahre 1871 28 Dampfmaschinen mit 423 Pferdekräften und zur Wafferhaltung 25 Mafchinen von zufammen 1393 Pferdekräften. Im Jahre 1872 wurde die Zahl der Hauptförder- und Wafferhaltungsfchächte um vier vermehrt. Defsgleichen find zugewachſen fechs Fördermaſchinen mit 180 und fünf Wafferhaltungs- Dampfmafchinen mit 395 Pferdekräften. Die Qualität der Kohle ift eine fehr verfchiedene. Am füdlichen und füdöftlichen Rande, bei Littitz, ift die Kohle befonders backend, und liefert vorzügliche Coke; an anderen Orten läfst fie fich durchgehends als eine gute Flammund Gaskohle bezeichnen. In der Umgebung von Nürfchau kommt im Flöze eine bis 40 Zoll( 105 Meter) mächtige Bank vor, welche die bekannte„ Plattelkohle" liefert. Diefelbe wird als Gaskohle bis nach der Schweiz und Italien abgefetzt und ergibt per Centner 700 Kubikfufs( per metrifche Tonne 4419 Kubikmeter) Gas von bedeutender Lichtftärke. Ihr Verkaufspreis betrug im Jahre 1871 60 kr. per Centner, 29 " 1872 60 bis 67 kr. per Centner, während die Preife für fonftige Stückkohle aus dem Pilfener Reviere loco Grube im Jahre 1871 zwifchen 30 und 40 kr. per Centner( 6 fl. bis 8 fl. per Tonne) und im Jahre 1872 zwifchen 30 und 50 kr.( 6 bis 8 fl. per Tonne) wechfelten. An das Pilsener Revier( im engeren Sinne) ſchliefsen fich als kleinere Theile noch die Becken von Radnitz, Wejwanow, Miröfchau, Wittuna und Manetin an. Diefelben enthalten in Mulden von fehr mäfsigem Umfange eine meift gute Kohle, die theils als Schmiedekohle, theils als Flammkohie, theils als Gaskohle oder backende Kohle gefucht ift. Die Entwicklung des Pilfener Beckens datirt feit Entſtehen der Böhmifchen Weftbahn, mit welcher die Kohlenwerke faft durchgängig mittelft Zweigbahnen verbunden find. Es betrug nämlich die Förderung des Beckens im Jahre 1862, alfo kurz nach Eröffnung der Böhmifchen Weftbahn, 6,697.000 Centner( 334.856 metr. Tonnen) und im Jahre 1872, alfo nach zehn Jahren, 15,307.000 Centner( 765.350 metr. Tonnen), d. i. mehr als das Doppelte der Production des Jahres 1862.Die Entwicklung der Jahre 1871 und 1872 ift in folgenden Zahlen ausgedrückt: * Nach einer handfchriftlichen Mittheilung des Herrn C. von Nowicki fetzt die Steinkohlenformation unweit Plass bei Nebřezin nach Norden über die Střela, zieht fich dann über Babina, dann zum Theil von permifcher Formation bedeckt, in einem fchmalen Bande über Remefchin, Podworow, Scheles bis Wilenz, wo die permifche Formation auf der Oberfläche das Auftreten der Steinkohlenformation wahrfcheinlich macht. Von Wilenz öftlich zieht fich die permifche Formation über Makarzow nach Seiwedl im Kladno- Schlan- Rakonitzer Becken, wefshalb Herr von Nowicki den Zufammenhang des Pilfener Beckens mit dem Kladno- Schlan- Rakonitzer als conftatirt anfieht. 138 J. Pechar, Dr. A. Peez. Kohlenproduction im Pilfener Becken( in metriſchen Tonnen). Becken Pilfen( im engeren Sinne) Radnitz. Miröfchau Wittuna. Manetin. Im gefammten Pilfener Becken. 1871 1872 450.350 200.650 120.200 29.100 800.300 439.300 175.100 128 400 18.750 3.800 765.350 Das Verhältnifs des Förderquantums zu der Anzahl der Dampfmafchinen und Arbeiter ergibt fich aus folgender Tabelle: Zahl der Dampfmaschinen, der Arbeiter und Production der Kohlenwerke des Pilfener Beckens. Dampfmaschinen 1871 Becken Anzahl Pferdekraft Anzahl Arbeiter Fördermenge 1872 1871 1872 1871 1872 1871 1872 1871 1872 Pferdekraft Männer Weiber Kinder metr. Tonnen Pilfen( im • eng. Sinne) 53 1816 64 2391 3336 4199 Radnitz 17 238 17 238 1689 1844 Miröfchau. 10 215 10 215 841 848 5 48 4 45 376 218 5 155 Wittuna Manetin -- 80 279 364 444 379 450.350 439.300 151 156 61 50 200.650 175.100 52 71 3 9 120.200 128.400 18.750 29.100 3.800 - Summa 85 2317 100 3044 6242 7189 482 591 508 438 800.300 765.350 Die Kohle aus dem Pilfener Becken findet ihre Verwendung theils bei der Induftrie, theils auf den Eifenbahnen der Gegend, theils durch Verfrachtung über die Grenze nach Deutfchland( Bayern). Pilfen felbft ift ein bedeutenderer Induftrie- Ort geworden, welcher neben feinen grofsartigen Brauereien mehrere Mafchinen- und Zuckerfabriken befitzt. Die Umgebung Pilfens hat fich feit Langem und insbefondere in jüngster Zeit der Eifeninduftrie zugewendet. Die Nürfchaner Werke der Prager Eifeninduftrie Gefellfchaft, die Radnitzer Werke derfelben Gefellſchaft und des Fürften Fürftenberg, die Hochofenanlagen der Gemeinden Pilfen und Rokycan zu Horomyslic und Klabawa, des Grafen Waldftein zu Sedlec, die Dr. Strousberg'fchen Werke in der Umgebung von Zbirow, fodann die fürftlich Fürftenberg'fchen Eifenwerke in der Umgebung von Beraun confumiren ein bedeutendes Quantum der Förderung des Pilfener Kohlenbeckens. Aus Miröfchauer, und befonders aus Littitzer Kohle wurden im Jahre 1871 130.000 Centner Coke gewonnen, die in den fürftlich Fürftenberg'fchen Hütten bei Beraun und in den Cupolöfen der Umgebung von Mineralifche Kohle. 139 Pilfen zur Verwendung gelangten. Im Jahre 1872 begann die Erzgebirg'fche Eifen. und Stahlwerks- Gefellfchaft( Komotau) bei Rokycan den Bau einer Hochofenanlage, welche die Cokeproduction weiterer 25 und fpäter weiterer 50 Oefen confumiren wird. Demgemäfs wurden auch im Jahre 1872 die Rokycaner Cokeanlagen auf eine jährliche Cokeproduction von 500.000 Centnern( 25.000 metriſche Tonnen) erweitert. Auch Dr. Strousberg hat im Jahre 1872 eine Erweiterung feiner Eifenwerke in Zbirow in Angriff genommen. Es wurde eine Waggonfabrik zu Holoubkau, hiezu viele Arbeiterwohnungen, fodann zahllofe Arbeiterwohnungen in nächfter Nähe von Zbirow, wohin eine Cokehochofen- Anlage und ein ausgedehntes Raffinirwerk kommen follen, erbaut, zugleich die Franzensthaler und Strafchitzer Hochofenanlagen erweitert. Bis jetzt ift jedoch Alles unvollendet und hat auf den Confum der Pilfener Kohle keinerlei Einflufs genommen. Der Pilfener Kohle bedienen fich die Böhmifche Weftbahn und die Kaifer Franz Jofef- Bahn, erftere ausfchliefslich, letztere neben Steinkohle aus dem Kladnoer und neben Braunkohle aus dem Egerer Becken. Das Pilfener Revier verforgt ferner den grofsartigen Erzbergbau zu Příbram und zahlreiche an der Böhmifchen Weftbahn und Kaifer Franz Jofef- Bahn gelegene induftrielle Etabliffements mit Kohle, welch' letztere auch in Prag theils zur Gaserzeugung, theils zur Zimmerheizung verwendet wird. Ein grofser Theil der Förderung geht fchliefslich nach dem kohlenarmen Bayern; ganz geringe Partien kehren hievon via Paffau nach Oberösterreich und in das Salzburg'fche und via Kufftein nach Tyrol, alfo wieder nach Oefterreich, zurück. Die Nachfrage nach Pilfener Kohle für Tyrol hat in letzter Zeit fich vermindert und mehr der Miesbacher( Bayern) Stein- und der Häringer( Tyrol) Braunkohle zugewendet. Es wurden via Furth am Walde verfendet: via Paffau zur Elifabethim Jahre via Kufftein nach Tirol nach Deutſchland Summa Weftbahn 1863 2.000 1864 10.310 1865 10.460 1866 12.300 metri fche Tonnen . 34.742 57.910 I 19.590 125.225 36.742 68.220 109.130 II2.925 1867 8.170 128.185 136.355 1868 17.005 17.560 129.535 164.100 1869 13.215 6.570 127.100 146.885 1870 8.800 820 119.620 129.240 1871 8.510 210 137.400 146.120 1872 II.450 630 130.940 143.020 Obwohl das Pilfener Revier feine Förderung in den letzten Jahren nicht unbedeutend gefteigert hat, fo wird fich fein Abfatz kaum über die obengenannten Grenzen erweitern laffen. Die im Allgemeinen geringe Mächtigkeit der Flöze, das Vorkommen gerade vieler befferer Sorten in kleinen Mulden, von denen bereits die eine oder andere( Radnitzer und Mofchtitzer Mulde) der Erfchöpfung entgegengeht und die aus zahlreichen Verwerfungen entſpringenden Betriebsfchwierigkeiten laffen eine 140 J. Pechar, Dr. A. Peez. eine Anficht, die von den Maffenförderung im Pilfener Reviere nicht zu, neueften Auffchlüffen mehr beftätigt, als widerlegt wird. Eines namhaften Auffchwunges fcheinen jedoch fähig: die Lager von Miröfchau und von Littitz, letztere ein integrirender Beftandtheil des engeren Pilfener Beckens. Das Miröfchauer Becken ift heute zum gröfseren Theile Eigenthum der„ SteinkohlenGewerkschaft" in Miröfchau und zum kleineren Theile des Fürften Fürftenberg, welch' letzterer die Kohle ausfchliefslich für den Betrieb feiner in der Umgebung von Beraun gelegenen Eifenwerke gewinnt. Die Miröfchauer Kohle ift eine der beften des Pilfener Beckens, indem fie bei geringem Afchengehalte( 10 Percent) einen grofsen Gasgehalt von bedeutender Lichtftärke und hervorragendes Backvermögen befitzt. Im Miröfchauer Becken find vorläufig zwei Flöze bekannt. Zum Abbaue beftehen vier Hauptförder- und Wafferhaltungsfchächte, von denen einer jedoch erft im Abteufen begriffen ift. Die Förderung wird in nächfter Zeit auf 35 bis 4 Millionen Centner ( 175.000 bis 200.000 metrifche Tonnen) Kohle jährlich gebracht werden können. Von Miröfchauer Kohle werden gegenwärtig circa 200.000 Centner( 10.000 metrifche Tonnen) jährlich vercokt. Das engere Littitzer Feld verfügt gleichfalls über zwei Kohlenflöze, welche eine befonders fcharfbackende und auch als Gaskohle gefuchte Steinkohle von aufserordentlich fchönem Ausfehen führen. Tiefe Schächte wurden in jüngfter Zeit niedergebracht und mit kräftigen Wafferhebe- und Förder- Dampfmafchinen erprobten Syftemes verfehen, wie überhaupt der Zuwachs an Dampfmaschinen im engeren Pilfener Becken( vergleiche Tabelle Seite 138) von 1871 auf 1872 grofsen Theils auf Rechnung der Littitzer Mulde zu fetzen kommt. Von der Littitzer Kohle werden jetzt circa 400.000 Centner( 20.000 metrifche Tonnen) jährlich vercokt, die reftlichen 300.000 Centner( 15.000 metrifche Tonnen) nach Bayern ausgeführt. Schliefslich fei noch erwähnt, dafs durch die im Jahre 1873 eröffnete Eifenbahn Pilfen- Priefen-( Komotau) nun auch der nördlichfte Theil des Pilfener Kohlenbeckens nämlich Wobora, Třemošna, Kazňau und Manetin zu einer Erhöhung feiner bisher geringen Leiftung angefpornt wird. Jedoch läfst fich heute noch nicht beurtheilen, inwiefern hiedurch die Gefammtleiftung des Pilfener Beckens beeinflusst werden wird. III. Das Steinkohlenbecken von Roffitz. In ähnlicher Nähe, wie Prag das Becken von Kladno zur Seite hat, ftützt fich Brünn mit feiner induftriereichen Umgebung auf das Kohlenrevier von Roffitz- Oslawan. Dasfelbe bildet den kleinen abbauwürdigen Kern einer von der Nordgrenze Mährens bis nach Mährifch- Krumau reichenden Steinkohlenformation. Das nachgewiefene Kohlenvermögen wird mit 1500 Millionen Centnern( 75 Millionen metrifche Tonnen) beziffert. Der gefammte Maffenbefitz, der fich gegenwärtig auf vier Unternehmungen vertheilt, beträgt 4,071.628 Quadratklafter( 14,644.249 Quadratmeter). In einer Tiefe von 74 bis 180 Klaftern( 140 3 bis 3413 Meter) liegen drei Flöze mit einer Gefammtmächtigkeit von 26 bis 30 Fufs( 8.2 bis 9.5 Meter) in der Mitte der Formation, von denen das zu unterft liegende mit einer Stärke von nur 20 Zoll( 0 527 Meter) nur ftellenweife abbauwürdig ift. Das zweite oder mittlere Flöz zeigt dagegen fchon eine Mächtigkeit von 3 bis 5 Fufs( o'95 bis 158 Meter), während das oberfte oder Hauptflöz die fehr bedeutende durchſchnittliche Mächtigkeit von 10 bis 15 Fufs( 3.16 bis 4'74 Meter) hat. Die Lagerung der Flöze ift eine regelmässige, die Wafferzuflüffe find mässig und fchlagende Wetter felten. Mineralifche Kohle. 141 Schwierigkeiten verurfacht nur die theuere Auszimmerung, welche theils in Folge der durch die Mächtigkeit des Hauptflözes( bis 22 Fufs= 6.95 Meter) bedingten Streckenhöhe, theils in Folge der Brüchigkeit des Deck gebirges fich als noth. wendig erweift. Zu diefer Auszimmerung werden durchſchnittlich 10 bis 12 Cubikfufs Holz per 100 Centner Kohle benöthigt. Der Abbau gefchieht auf zwei, ftellenweife auf drei Flözen. Die gröfste Abbautiefe ift 150 Klafter( 2844 Meter), die mittlere 85 bis 95 Klafter( 1612 bis 1801 Meter). Auf dem mächtigften Flöze ift der Abbau ein Pfeilerbruchbau. Am zweiten und dritten Flöze, die eine geringere Mächtigkeit haben, werden Pfeilerhöhen von 20 bis 24 Klaftern( 379 bis 45 5 Meter) auf einmal gewonnen. Auf den Gruben der Roffitzer Bergbau- Gefellſchaft wird feit längerer Zeit bei der Vorrichtung und dem Schachtabteufen comprimirte Luft angewendet, und zwar im erften Falle zur Förderung, im zweiten Falle zum Bohren. Die Refultate find fehr befriedigend, und es diene als Anhaltspunkt, dafs in einem Schachte von 180 Quadratfufs( 17.98 Quadratmeter) Querfchnitt bei einem Wafferzufluffe von 13 Cubikfufs( o'41 Cubikmeter) per Minute in eben diefer Zeit durchſchnittlich 6.75 Klafter( 12.8 Meter) in quarzreichem, feinkörnigem Sandfteine aufgefahren und vollkommen fertig gebracht wurden. Im Jahre 1872 befanden fich in Thätigkeit: Fördermafchinen Wafferhaltungsmaſchinen Beim Schachtabteufen Ventilationsmafchinen Anzahl Anzahl Stärke I I 296 49 9 511 85 2 I IIO 2 35 Das Revier ift durch 23 Schächte und 5 Stollen aufgefchloffen. Hievon dienen 12 Schächte zur Förderung und Wafferhaltung, II Schächte zur Wetterführung, von den Stollen 2 zur Wafferlöfung. Die Kohle ift eine weiche Fettkohle, zum Theile fehr fchön glänzend. Sie bäckt fcharf und eignet fich befonders als Schmiedekohle; in gut gebauten Oefen liefert fie 77 bis 78 Percent Coke. Die gemifchte Sorte gibt ein fehr gutes Material zur Keffelfeuerung. Im ganzen Reviere ftellt fich der Abfall von verfchiedenen Sorten wie folgt: Stückkohle 95 Percent, Würfelkohle 8.5 Percent, Schmiede- und Gaskohle 13 Percent und gemifchte Kohle 69 Percent. Die erften Steinkohlen im Roffitzer Becken wurden im Jahre 1760 auf der Herrfchaft Oslawan gewonnen, im Jahre 1820 acquirirte man am füdlichften Flügel bei Neudorf Grubenfelder, und gegen das Jahr 1829 wurden Schürfbaue in der Mitte der ftreichenden Erftreckung( bei Zbefchau) eröffnet. Die Förderung betrug im Jahre 1872 nahezu 6 Millionen Centner( 300.000 metrifche Tonnen). Die Geftehungskoften beliefen fich im Jahre 1872 per Centner auf 19 bis 21 kr., wovon 3 bis 4 kr. auf Grubenholz entfallen. Der Verkaufspreis war in diefem Jahre für Stückkohle 43 bis 45 kr., Würfelkohle 36 bis 39 kr., Schmiedekohle I, II: 33, 43 bis 45 kr., gemifchte Kohle 30 bis 33 kr., Gaskohle 36 kr. Die durchschnittliche Nettoverwerthung war 31 kr. per Zoll- Centner. IO 142 J. Pechar, Dr. A. Peez. Der Arbeiterftand betrug 1872 2627 Köpfe inclufive weiblicher Arbeiter. Es entfällt fonach per Arbeiter und per Jahr eine Erzeugung von 2.300 Centnern ( 115 metrifche Tonnen). Nur drei Meilen von Brünn entfernt, ift Roffitz feit 1852 durch die Brünn- Roffitzer Bahn und deren 34 Meilen lange Flügelbahnen mit der mährifchen Hauptftadt und der Nordbahn verbunden. Nach Brünn felbft wurden im Jahre 1872 2 13 Millionen Centner( 106.750 metrifche Tonnen) Kohle eingeführt, wovon der gröfsere Theil aus Roffitz ftammte. Die Coke finden theils bei einem Hochofen in Roffitz felbft, theils bei den Hochöfen der Innerberger Gefellſchaft( welche zu den fechs Gewerkfchaften des Roffitzer Kohlenreviers gehört) in Schwechat und theils bei an deren Eifenhütten und Mafchinenwerkstätten ihre Verwendung. Seit dem Jahre 1870 hat das Roffitzer Becken durch die neue Staatsbahnlinie eine zweite Verbindung mit Wien erhalten; die Förderung ist jedoch zu klein und findet in Roffitz felbft, fowie in Brünn und Umgebung eine fo lohnende Verwendung, dafs Roffitzer Kohle in Wien keine Rolle mehr fpielt und das Revier überhaupt, deffen Förderung fchwerlich über 20 Millionen Centner( 1 Million metriſche Tonnen) gefteigert werden wird, für den grofsen Kohlenmarkt wenig ins Gewicht fällt. So geht nach Wien und Umgebung nur ein Quantum von 400.000 Centnern( 20.000 metriſchen Tonnen); in nördlicher Richtung geht die Kohle bis Kolin, meift als Schmiedekohle in einer Menge von 170.000 Centnern( 8.500 metrifchen Tonnen), in weftlicher Richtung gegen Znaim hinaus, meift in Zuckerfabriken mit 580.000 bis 590.000 Centnern( 29.000 bis 29.500 metrifchen Tonnen) und fchliefslich nach Ungarn in der Richtung Peft- Szegedin mit 160.000 bis 170.000 Centnern( 8.000 bis 8.500 metrifchen Tonnen). Im Jahre 1872 wurden circa 350.000 Centner( 17.500 metrifche Tonnen) Kohle vercokt. IV. Das Steinkohlenbecken von Oftrau- Karwin. Von der grofsen oberfchlefifchen Kohlenablagerung reicht der füdliche Theil an zwei Punkten, bei Mährifch- Oftrau und Jaworzno, nach Oefterreich herein. Das Becken von Oftrau, mit einem Umfange von 6% Meilen in den Kronländern Mähren und Schlefien gelegen, zerfällt wiederum in zwei Theile, einen weftlichen, dem die Oftrau Hrufchauer Werke, und einen öftlichen, dem die Karwiner Werke angehören. Die Zahl der abbauwürdigen Flöze wechfelt von 7 bis 25, die Gefammt mächtigkeit von 15 bis 40 Fufs. Die Flöze liegen in einer Teufe von 50 bis 108 Klaftern oder 94.8 bis 204 8 Metern; die Durchfchnittsteufe wird mit 80 Klaftern oder 1517 Metern anzunehmen fein. Es beftehen in dem Reviere 61 Mafchinenfchächte, wovon 45 zur Förderung und Wafferhaltung, 19 ausfchliefslich zur Wetterführung dienen. Die Zahl der Dampfmaschinen ift 159 mit 6472 Pferdekräften. Die Zahl der Arbeiter beträgt 11.433, und die für die Arbeiter getroffen e Fürforge verdient bei diefen Kohlenrevieren befonders hervorgehoben zu werden. Die gewonnene Kohle ift eine gute Steinkohle mit einem Afchengehalte von 5 bis 15 Percent, theils magere Flammkohle, theils gute backende Kohle. Aus letzterer wurden im Jahre 1872 in 391 Cokeöfen 2.6 Millionen Centner Coke gewonnen. Die Leiftungsfähigkeit ift jedoch weit gröfser, indem eine einzige Cokeanftalt auf Erzeugung von 5 Millionen Centnern Coke eingerichtet ift. Diefelbe ift im Befitze des Freiherrn v. Rothfchild und der Gebrüder Guttmann, welche letzteren jetzt in Oefterreich- Ungarn und Preufsifch- Schlefien über 20.000 Arbeiter in ihren Kohlen- und Eifenwerken befchäftigen. Der Stückfall der Kohle ift günftiger im Often bei Karwin, als im Weften bei Oftrau, wo einzelne Gruben nur 10, ja 5 Percent oder weniger Stückkohle gewinnen. Oftrau- Karwin 1872. Förderung Gewerke Bauteufe in in Zoll- Centnern Klaftern Dampfmafchinen Coke Briquets Arbeiter Anzahl Pferde kräfte Oefen Production Centner Centner 4,532.743 80 bis 100 41 2612 62 III.IIO 201.625 3.030 144 7,955.181 30 " 46 109 56 1765 208 1,841.564 2,904.620 30 99 94 9 546 51 1,767.074 58 " 163 I I 362 20 312.756 108.576 3.826 925 730 1,160.094 65 دو 45 130 5 165 - 386 1,363.836 32 " 109 IO 300 15 136.994 556 Kaifer Ferdinands Nordbahn Baron Rothfchild( Pachtgefellſchaft Gebrüder Guttmann und J. J. Wondráček) Graf Wilczek in Polnifch- Oftrau Fürft Salm in Polnifch- Oftrau Zwierzina'fche Steinkohlen- Gewerkschaft in Mährifch- Oftrau Graf E. Larifch in Peterswald Landgraf Fürftenberg( Pachtgefellſchaft Gebrüder Guttmann und J. J. Wondráček) Graf Joh. Larifch in Karwin Erzherzog Albrecht in Karwin 1,535.543 47" 80 2 150 2,072.702 48 692.902 12 89 19 488 35 70 6 84 - 541 109.615 I.020 419 J. Pechar, Dr. A. Peez. Zufammen *) 23,984.695 30 bis 163 159 6.472 391 2,620.615 201.625 10.633 *) Mit Einfchlufs der von einzelnen der obgenannten Werksbefitzer in dem Becken von Roffitz geförderten Steinkohlenmengen. Mineralifche Kohle. 145 Von der Oftrauer Kohle blieben im Jahre 1872 ungefähr 7- bis 800.000 Tonnen oder 14 bis 16 Millionen Centner auf der Strecke Oftrau- Wien und Oftrau- Brünn, wo insbefondere die zahlreichen Zuckerfabriken bedeutende Confumenten der Kohle find. Etwa 100.000 Tonnen wurden an Wien abgegeben, deffen Gasfabriken vorzugsweife Oftrauer Kohle verwenden. In nördlicher und nordöftlicher Richtung wurden auf der Nordbahn über Krakau, fowie vermittelft der Kafchau- Oderberger Bahn etwa 180.000 Tonnen verfendet, während der Reft von 4 bis 5 Millionen Centnern im Reviere felbft verbraucht worden fein mag. Da von der gefammten Förderung von Oftrau im Jahre 1872 etwa 15 Percent zu Coke verarbeitet wurden, fo läfst fich die Wichtigkeit diefes Revieres für die öfterreichifche Eifeninduftrie ermeffen. Die Cokeerzeugung wurde fchon im Jahre 1836 auf den Eifenwerken des Freiherrn v. Rothfchild in Witkowitz begon. nen; heute gelangt Oftrauer Kleinkohle durch Vercokung zu einer befonders günftigen Verwendung. Oftrauer Coke werden nebft den Miröfchau- Littitzer Coken für die beften in Oefterreich gehalten. Sie finden bei den Eifenhütten und Mafchinenfabriken Mährens, Niederöfterreichs und der Alpenländer reichlichen Abfatz. Die grofse Tiefe der Schächte, die im Durchschnitte geringe Mächtigkeit der Flöze, das häufige Vorkommen von fchlagenden Wettern laffen eine Maffenförderung aus dem Oftrauer Becken nur in verhältnifsmäfsig geringem Grade zu und machen die Kohlenproduction zu einer verhältnifsmäfsig theueren. Dagegen haben eben diefe Schwierigkeiten viel beigetragen, die Bergtechnik in diefem Reviere auf eine hohe Stufe zu heben. Die Preife waren im Jahre 1872 für Coke 75 bis 90 Kreuzer, für Stückkohle 50 bis 54 Kreuzer, Würfelkohle 45 bis 48 Kreuzer, Gries 40 bis 44 Kreuzer, Schmiedekohle 35 bis 36 Kreuzer, Kleinkohle 30 bis 34 Kreuzer. Im Februar 1874 war Oftrauer Kleinkohle, für den Wiener Markt beftimmt, von 34 auf 28 Kreuzer gewichen. V. Die kleinen Steinkohlenbecken. Schatzlar Schwadowitz. Gleichwie Oftrau als ein Ausläufer Ober fchlefiens, fo find die am füdweftlichen Abhange des Riefengebirges gelegenen Schatzlar- Schwadowitzer Mulden als ein Theil der niederfchlefifchen( Waldenburger) Kohlenablagerung anzufehen. Die Förderung betrug im Jahre 1871 4 336 Millionen Zoll- Centner, wovon nicht ganz auf Schatzlar fallen. Im Jahre 1872 ift diefelbe auf 4.205 Millionen Zoll- Centner zurückgewichen. Die Zahl der befchäftigten Arbeiter war im erfteren Jahre in den Schatzlarer Werken 1169 und in den Schwadowitzer Werken 845 Mann. Die Tiefe der 34 vorhandenen Schächte wechfelt zwifchen 13, 15, 70, 95 bis 190 Metern. In dem nördlichen Theile des Revieres, bei Schatzlar, werden in einigen Flözen circa 30 Percent Stückkohle gewonnen, im Allgemeinen überwiegt jedoch weitaus, wie auch im Waldenburger Becken, die Mittel- und Kleinkohle und bildet im füdlichen Theile bei Schwadowitz nicht weniger als 95 Percent. Die Kohle ift übrigens fehr brauchbar, als Heizkohle gefucht und ergibt vorzügliche Coke. Der Abfatz geht nach den benachbarten Städten Trautenau, Arnau, Hohenelbe, Königgrätz und Jofefftadt. Die Südnorddeutſche Verbindungsbahn und die Oefterreichifche Nordweftbahn bedienen fich auf ihren dortigen Linien der Schatzlarer und Schwadowitzer Kohle, die jedoch der hohen Productionskoften wegen nicht billig ift. Jaworzno. Das Steinkohlenfeld von Jaworzno in Galizien ift als eine Fortfetzung des oberfchlefifchen Beckens anzufehen und nimmt eine Fläche von etwa 6 Geviertmeilen ein. Das Becken ift noch nicht in allen feinen Theilen genau unterfucht, feine ftärkere Bearbeitung datirt überhaupt erft aus den letzten 146 J. Pechar, Dr. A. Peez. Jahren. Bei Jaworzno finden fich 13 Flöze mit einer Mächtigkeit von 19 bis 7.6 Metern. Die Schächte, deren im Reviere 79 vorkommen, haben eine durchfchnittliche Tiefe von 20 bis 50 Metern; der tieffte, bei Pechnik, geht bis zu 110. Metern hinab. Die Arbeiterfchaft befteht aus 1925 Männern, 258 Weibern und 38 Kindern. Die gewonnene Kohle zeichnet fich durch günftigen Stückfall( bis zu 85 Percent) aus, ihre Qualität ift eine mittlere, die Förderung ftieg von 1868 bis 1872 von 136.227 Tonnen auf 269.827 Tonnen und dürfte einer beträchtlichen Ausdehnung fähig fein. Sie findet ihren Abfatz auf den benachbarten Glas- und Zinkhütten, in Krakau, Wieliczka, auf der Nordbahn und der Carl- Ludwig- Bahn, welche ihren Bedarf mit diefer Kohle deckt, während die Lemberg- Czernowitzer Bahn ihre Locomotiven noch grofsentheils mit Holz heizt. Fünfkirchen. In fehr günftiger Lage nächft der Donau und zugleich durch die Fünfkirchen- Barcfer Bahn mit dem öfterreichifchen Bahnnetze verbunden, enthält das kleine Becken von Fünfkirchen mehr als 70 Flöze, wovon 25 Die abbauwürdig, mit einer Gefammtmächtigkeit von 18.96 bis 28 44 Metern. Kohle, bezüglich ihrer Reinheit fehr verfchieden, ift backend und enthält im Mittel 13 Percent Waffer und 6.6 Percent Afche. Die Förderung betrug im Jahre 1872 6.11 Millionen Centner, wovon die Donau- Dampffchifffahrt- Gefellſchaft allein 5.4 Millionen producirte. Letztere Unternehmung erzeugte auch aus der leicht zerfallenden Kohle Briquets im Belaufe von 766.616 Centnern. Muftergiltig find die Einrichtungen, welche für die Arbeiter in den Fünfkirchner Bergwerken gefchaffen wurden.* Steyerdorf- Oravicza. Diefes kleine Steinkohlenlager, der Oefterreichifchen Staats- Eifenbahn- Gefellſchaft gehörig, hat feine befondere Wichtigkeit durch das gemeinfame Vorkommen der Kohle mit Lagern von Blackband, welche geröftet bis 43 Percent Eifen enthalten. Die Kohle ift backend und gibt, wenn gewafchen, bis zu 56 Percent Coke, die bei den Eifenwerken von Refchitza und Anina zur Verwendung gelangen. Aufser den genannten Revieren kommen in Oefterreich- Ungarn noch zahlreiche Steinkohlenablagerungen vor, die theilweife für ihre Umgebung grofse Wichtigkeit haben, im Kohlenhandel jedoch keine Rolle spielen. Dahin gehören Sirmid in der Militärgrenze, von den Gebrüdern Guttmann aufgefchloffen, mit der beften ungarifchen Steinkohle; ferner die Steinkohlenmulden von Grünbach, Lilienfeld und Hollenftein in Niederöfterreich, von Brandau in Böhmen und andere. VI. Das erzgebirgifche Braunkohlenrevier. Von allen öfterreichifchen Kohlenlagern hat fich das erzgebirgifche Braunkohlenrevier am rafcheften entwickelt und übergibt feine Erzeugniffe dem gröfsten Abfatzkreife. Diefes Revier ift das einzige in Oefterreich, welches auf dem europäifchen Kohlenmarkte ein Wort mitfpricht, und wir glauben daher demfelben eine ausführlichere Darftellung widmen zu follen. Während fich im Norden die Steinkohlenlager von Zwickau- Lugau und des Plauen'fchen Grundes zu Füfsen des Erzgebirges ausbreiten, umfäumt den Südfufs desfelben eine Braunkohlenablagerung, welche man längft als die gröfste in Europa erkannt hat. Man bezeichnet diefelbe als böhmifches, nordweftböhmifches, gewöhnlich als erzgebirgifches Braunkohlenbecken. An der Elbe beginnend, folgt die der Miocänformation angehörige Braun kohle, ohne ftarke Unterbrechungen zu erleiden, dem Zuge des Gebirges bis zu * Eine äufserft intereffante Schilderung davon hat Profeffor C. Th. Richter feiner. ze it im Concordiakalender geliefert. Mineralifche Kohle. 147 deffen weftlichem Ende bei Eger, alfo auf eine Länge von beiläufig 152 Kilometern. In diefem ungeheueren Fundgebiete find wieder drei kleinere Becken deutlich zu unterfcheiden, und zwar: I. Das Auffig- Dux- Saazer Becken mit einer Längenausdehnung von 61 Kilometern und einer gröfsten Breite von 13 Kilometern. 2. Das Karlsbad- Elbogen- Falkenauer Becken, 30 Kilometer lang und bis zu 9 Kilometern breit, und Breite. 3. Das Becken von Eger von 25 Kilometern Länge, 4 bis 15 Kilometer Weitaus das wichtigfte unter diefen ift das erftgenannte Becken, welches darum auch hier vorzugsweife berücksichtigt werden wird. Dasfelbe zerfällt, abgefehen von einigen kleineren ifolirten Vorkommniffen, felbft wieder in vier Hauptmulden: a) die Auffig- Teplitzer,* b) die Dux- Biliner, c) die Brüx- Oberleitensdorfer, d) die Komotau- Saazer Mulde. Obwohl in mannigfachen Beziehungen von einander verfchieden, zeichnen fich diefe vier im Süden von dem böhmifchen Mittelgebirge begrenzten Hauptmulden alle durch eine ftaunenswerthe Mächtigkeit des productiven Kohlengebirges aus, folchergeftalt zufammen einen enormen Reichthum an foffilem Brennftoffe in fich bergend. Die durchſchnittliche Mächtigkeit fchwankt nämlich zumeift zwifchen 7 und 19 Metern, fteigt aber an einzelnen Punkten der Dux- Biliner Mulde bis zu 30 34 Metern. In dem ganzen Auffig- Dux- Saazer Becken kommt nur ein einziges Flöz vor, und wo in diefem Gebiete von mehreren Flözen die Rede ift, wie bei Bilin und Komotau, hat man es in Wahrheit nur mit einer Zwifchenlagerung tauber Mittel zu thun, die im Streichen nicht auszuhalten pflegen. Im Karlsbad- Elbogen- Falkenauer und im Egerer Becken finden fich mehrere Flöze, in dem erfteren auch folche, welche Lignit führen. Die Tiefe des Flözes unter der Oberfläche im Becken von Auffig- Dux- Saaz ift wechfelnd und im öftlichen Theile desfelben durchwegs eine gröfsere, als im weftlichen; im Allgemeinen aber wird die Kohle nach Durchftofsung einer Decke von nur geringer Stärke angetroffen. Die gröfste Tieflage hat das Flöz wohl bei Mariafchein, wo der Britanniafchacht Nr. 3 die Kohle in einer Tiefe von 151 Metern antrifft, während der nahegelegene neue Dobblhoffchacht diefelbe in einer noch bedeutenderen abfoluten Tiefe, nämlich ungefähr im Niveau des Meeresfpiegels, erft erreicht. Anderfeits aber tritt das Flöz an vielen Punkten und namentlich bei Ullersdorf, Dux, Bilin, Brüx ganz zu Tage, fo dafs es geftattet ift, das Foffil vermittelft Tagebaues zu gewinnen. Auch bei Falkenau ift diefs der Fall. Aus diefer geringen Tieflage, fowie der Mächtigkeit, dann aus der feſten Structur der Kohle felbft ergibt fich als Confequenz, dafs der Bergbau im erz gebirgifchen Braunkohlenbecken im Vergleiche zur Steinkohlengewinnung nur wenig Schwierigkeiten darbietet, dafs die Ausrichtung der Schächte verhältnifsmässig rafch und ohne grofsen Capitalsaufwand zu bewirken ift, und dafs die Gewinnungskoften der Kohle gering fein müffen. Ganz frei von natürlichen Hinderniffen erfcheint der Bergbau indeffen auch hier nicht, da die Braunkohle fich leicht zerfetzt und bei Hinzutritt von Feuchtigkeit und frifcher Luft zuweilen entzündet( wefshalb auch ein längeres Deponiren der geförderten Kohlenmaffen bei den Schächten nicht ftattfinden * Vgl. ,, Die Umgebung von Teplitz und Bilin in Beziehung auf ihre geognoftifchen Verhältniffe" von Dr. A. E. Reufs. 1840 148 J. Pechar, Dr. A. Peez. kann), und da ferner mitunter, namentlich wo Sandftein die Decke bildet, die Gruben von Waffer zu leiden haben. Schlagende Wetter find dagegen höchft felten. Die Anlagekoften der Schächte betragen im Durchfchnitte 40.000 bis 50.000 Gulden, ftellen fich jedoch vielfach weit niedriger, zumal wenn, wie diefs bei Dux und Oberleitensdorf zuweilen der Fall, die Verwendung von Holz in den Schächten fich nur auf ein ganz geringes Mafs befchränkt. Was die Gewinnungskoften der Braunkohle anbelangt, fo fchwanken diefelben zwifchen 3 und 7 Kreuzern, betragen jedoch meiftens nur 4 bis 5 Kreuzer öfterr. Währ. per Centner. Hierin nun, fowie in der ganz vorzüglichen Qualität der böhmifchen Braunkohle ift deren Concurrenzfähigkeit mit der Steinkohle, deren Bedeutung als Exportartikel begründet. Der Name„ ,, Braunkohle", den diefelbe von ihrem Vorkommen in der Braunkohlenformation und ihrer zumeift braunen Farbe trägt, hat derfelben, in Deutſchland befonders, anfänglich bedeutend gefchadet. Man hielt fie für ein ähnliches Gebilde, wie die dort häufig vorkommende erdige Braunkohle jüngeren Alters. Während fich aber der Brennwerth der deutfchen Braunkohle befter Qualität zu dem der Steinkohle im günftigften Falle wie 9: 18, in der Regel wie 9: 22 verhält, ift das Verhältnifs zwifchen der Braunkohle aus der Dux- Biliner Mulde z. B. und der beften Steinkohle 3: 4. Auch die Textur der böhmifchen Braunkohle ift ganz fteinkohlenartig, mitunter felbft die Farbe. Nachdem man den Unterfchied in Deutfchland erkannt und die Ueberzeugung gewonnen hatte, dafs zu Zwecken der Zimmerheizung keine andere Kohle dem lufttrockenen Holze fo nahe kommt, als die vollſtändig geruchlos verbrennende und verfchwin dend wenig Afche zurücklaffende Braunkohle aus Böhmen, bezeichnete man diefe im Gegenfatze zu der einheimifchen Braunkohle als( Karbitzer oder Duxer) Salonkohle. Das nachftehende Refultat der von der Geologifchen Reichsanftalt zu Wien vorgenommenen chemifchen Analyfen verfchiedener Kohlenarten aus dem böhmifchen Braunkohlenbecken möge deren vorzügliche Eigenfchaften bekunden: Chemifche Analyfen von erzgebirgifchen Braunkohlen. Waffergehalt Afchengehalt Braunkohle von Wärmeeinheiten Percent Nutzbare Verdampfungskraft. ( 1 Pfund Dampf von 150 Grad C. durch I Pfund Kohle). Karbitz Dux 21 4 177 Brüx 17 2 Poftelberg. 20 3 5204 50 4.045 4.29 2.9 4.570 4.84 6.1 4.147 4'40 4 I 3.975 4'01 Davidsthal Grünlas - 3.9 5.107 5'41 I.5 I2 I 4.094 4'34 Hiezu fei noch bemerkt, dafs die böhmifche Braunkohle zu allen metallur gifchen Proceffen mit einziger Ausnahme der Roheifenproduction indem nämlich fefte, haltbare Coke nicht in genügend grofsen Stücken aus den erzgebirgifchen Braunkohlen erzielt werden konnten fo gut wie die Steinkohle verwendet werden kann, und dafs fpeciell die Kohle aus der Gegend von Falkenau fich zur Leuchtgas fabrication ganz vorzüglich eignet, da fie 474 Cubikmeter Gas per I metrifche Tonne Kohle entwickelt. Mineralifche Kohle. 149 Bei der erwähnten feften Structur der Kohle ift der Stückkohlenfall ein hoher; er beträgt im Durchfchnitte 65 Percent und fteigt bei den Oberleitensdorfer Gruben fogar auf 90 Percent. In der Regel werden jetzt drei, auf einigen Werken auch vier Kohlenforten gebildet. um die Der Bergbau im erzgebirgifchen Braunkohlengebiete begann Mitte des vorigen Jahrhundertes. Freilich wurden nach hiftorifchen Aufzeichnungen fchon im XVII. Jahrhunderte dafelbft Kohlen gegraben, allein es war diefs lediglich ein Raubbau in feiner primitivften Geftalt. Die erften unter Anwendung bergmännifcher Principien betriebenen Gruben waren die noch jetzt im Betriebe befindlichen des Grafen Weftphalen bei Arbefau und Hottowitz, welche um das Jahr 1740 erwähnt werden. Gegen Ende des Jahrhundertes wurden Kohlen von Schallan über das Mittelgebirge nach Prag verfrachtet. Es musste aber feit Anfang des Abbaues ein volles Jahrhundert verfliefsen, ehe auch nur von einer beginnenden Blüthe des Braunkohlen- Bergbaues am Südfuſse des Erzgebirges die Rede fein konnte. Tagbau und Haspelfchacht- Betrieb, Abfuhr der Kohle mit der Achfe charakterifiren diefe lange Zwifchenperiode. Die erfte Dampfmafchine zur Förderung wurde erft im Jahre 1856( auf einem Werke bei Türmitz) aufgeftellt, der erfte Schienenweg im Jahre 1858 eröffnet. Von diefen Momenten an datirt nun aber der Auffchwung der Braunkohleninduftrie im erzgebirgifchen Becken, ein Auffchwung, wie ihn rapider kaum ein zweites Kohlenrevier auf dem Continente zu verzeichnen hat und der am deutlichften aus den Thatfachen ſpricht, dafs heute, alfo nach Verlauf von nur 16, refpective 18 Jahren bereits über 130 Mafchinenfchächte im Betriebe ftehen. und acht Eifenbahnlinien das Becken durchkreuzen, während die Kohlenförderung feit 1858 etwa um das Zehnfache geftiegen ift. Den Eifenbahnen zumal fiel hier mehr als irgendwo anders die Aufgabe zu, die Montaninduftrie zum Leben zu erwecken; denn vordem konnte die Kohlenproduction des Beckens lediglich nur dem in Ermanglung gröfserer Induftriezweige unbeträchtlichen Localbedürfniffe dienen, und war nicht in der Lage, von der günftigen geographifchen Situation des Kohlenbeckens in der Nähe der fchiffbaren Elbe erwähnenswerthen Vortheil zu ziehen. Es war der diefem Fluffe zunächftgelegene Theil des Revieres, welcher zuerft( alfo 1858) eine Eifenbahn erhielt die 17.9 Kilometer lange Auffig- Teplitzer Bahn. Diefe Linie blieb nun wieder neun Jahre lang das einzige Communicationsmittel; dann endlich im Jahre 1867 wurde diefelbe um 10'1 Kilometer von Teplitz nach Dux verlängert. Allein erft vom Jahre 1871 an wendete man dem böhmifchen Braunkohlenbecken eine gröfsere Aufmerkfamkeit zu, und es entſtand plötzlich ein wahrer Wettkampf im Ausbaue der nothwendigen Bahnverbindungen. Die Auffig- Teplitzer Bahn dehnte fich noch weiter um 36.8 Kilometer bis Komotau aus; im October 1871 konnte die Eröffnung der fpäter bis Komotau verlängerten Dux- Bodenbacher Bahn ftattfinden, im November desfelben Jahres die Inbetriebfetzung der Theilftrecke Priefen- Karlsbad und im Mai 1872 diejenige der Strecke Komotau- Weipert( Annaberg) der Bufchtěhrader Bahn. Im Jahre 1873 traten dann zu den genannten Bahnen noch die Prag- Duxer und die Pilfen- Priefener hinzu, und es begann gleichzeitig der Bau der Bielathal- Bahn von Bilin nach Auffig, der Eifenbahn von Brüx nach Freiberg und der( nunmehr fchon vollendeten) Elbethal- Bahn, welche fämmtlich für den Kohlentransport aus dem Becken gleichfalls eine mehr oder minder grofse Bedeutung gewinnen dürften. Während fomit in den Jahren 1858 bis 1870 der Kohlenkörper nur in einer Länge von 179 Kilometern von Bahnen durchſchnitten war, beträgt die denfelben bedeckende Schienenlänge gegenwärtig 225 Kilometer. Dem entfprechend hat fich nun auch die Production entwickelt. Im ganzen erzgebirgifchen Becken belief fich diefelbe 150 J. Pechar, Dr. A. Peez. im Jahre metrifche Tonnen 1860 auf 500.000 1862 1865 29 " 770.000 850.000 im Jahre 1867 auf 1869 1872 . 27 99 metrifche Tonnen 1,240.000 1,650.000 2,711.000 Hienach ift die Förderung gewachfen feit 1860 um 422'2 Percent, feit 1862 um 252 Percent, feit 1867 um 118.62 Percent, feit 1869 um 64 29 Percent. Eine fo grofsartige, rafche Entwicklung findet unter den öfterreichifchen Kohlendiftricten kein Analogon; dagegen zeigt eine gewiffe Aehnlichkeit der Auffchwung, welchen die Steinkohleninduftrie in dem grofsen oberfchlefifchen Reviere nach Eröffnung der erften Eifenbahnlinie im Jahre 1842 genommen hat. Eine Vergleichung der Kohlenförderung beider Reviere fällt fogar noch zum Vortheile des erzgebirgifchen Braunkohlenbeckens aus. Während fich nämlich in Oberfchlefien in den 12 Jahren von 1842 bis 1854 die Förderung von 0.5 auf 1.5 Millionen Tonnen hob, ftieg fie in dem gleichen Intervalle von 1860 bis 1872 im böhmifchen Braunkohlenbecken von o'5 auf 2.7 Millionen Tonnen, welch' letztere Productionsziffer das oberfchlefifche Revier erft im Jahre 1861, d. h. nach 19 Jahren( mit 2:47 Millionen Tonnen) annähernd erreichte. Trotz der merkwürdig rafchen Steigerung der Productivität und obwohl im Jahre 1873 in dem ganzen Becken eine Förderung erzielt worden fein dürfte, welche die des Jahres 1872 um mehr als 20 Percent übertrifft, wird doch erft im Jahre 1874 klar hervortreten, was in den letzten Jahren zur Hebung der Leiftungsfähigkeit des erzgebirgifchen Revieres Alles gefchehen. Alsdann werden namentlich die meiften der feit dem fo wichtigen Jahre 1871 neuangelegten Schächte an den jüngeren Bahnen in ihre volle Förderung eingetreten fein. Der Flächengehalt des in dem ganzen Umfange des Beckens bergbehördlich verliehenen Kohlenkörpers betrug im Jahre 1872 130 Millionen Quadratklafter( 46.756 Hektaren), gegen 52 Millionen Quadratklafter( 18.702 Hektaren) im Jahre 1860*. In diefem Terrain find, wie bereits bemerkt wurde, bis jetzt 130 Mafchinenfchächte abgeteuft, von denen die meiften mit einer Eifenbahnlinie durch eine Zweigbahn verbunden find oder noch demnächft verbunden werden. Es befanden fich im Jahre 1873 Zweigbahnen im Baue beziehungsweife Projecte im Betriebe zu zu zu MafchinenSchächten anderen Etabliffements Länge in MafchinenKilometern Schächten zu anderen Etabliffements Länge in Kilometern an der Auffig- Teplitzer Bahn 59 4 52.426 5 I 4.981 an der Bufchtěhrader Bahn. 23 20.516 an der Dux- Bodenbacher Bahn. 19 4 16 355 14 2 19.261 an der Prag- Duxer Bahn 3 2.986 6 14.060 an der Pilfen- Prefener Bahn 2 I 2'000 Zuſammen 104 12 94.283 19 9 38.302 * Vgl. hier die fchöne ,, Ueberfichtskarte über die im vormaligen Saazer Kreife Böhmens befindlichen Bergwerksmasse", welche im Jahre 1870 von dem k. k. Berghauptmanne Lindner in Komotau unter Mitwirkung des fürftlich Schwarzenberg fchen Bergverwalters F. Balling in Poftelberg herausgegeben worden ift Mineralifche Kohle. 151 Enorm vermehrt hat fich in den letzten Jahren felbftverftändlich auch die Arbeiterzahl, und es dürften zur Zeit gegen 10.000 Bergarbeiter im ganzen Becken befchäftigt fein. Da die Arbeit in den Tagebauen und Gruben hier keine befon. dere Fertigkeit verlangt, mithin auch nicht gefchulte Bergleute vielfach Verwendung finden, find die Arbeitskräfte ziemlich unzuverläffig und ftark fluctuirend. Nur die gröfseren Werke haben fich durch Gründung von Arbeiterwohnungen einen guten Arbeiterftock herangezogen, zu deffen Vermehrung auch die Steigerfchule in Karbitz das Ihre beiträgt. Die Löhne find im Allgemeinen fehr hoch. Während zu Ende der FünfzigerJahre der Häuer einen täglichen Lohn von I fl. erhielt, betrug diefer im Jahre 1872 2 fl. bis 2 fl. 50 kr., ja einzelne fleifsige Arbeiter brachten es zu einem Verdienfte von 4 fl. im Tage. Die Förderleute erhalten einen um 40 bis 50 Percent, die über Tag arbeitenden 70 bis 100 Percent geringeren Lohn, als die Häuer. Bei derartigen Löhnen geftatten nur die im Uebrigen unbedeutenden Gewinnungskoften der Kohle die Aufftellung von Verkaufspreifen, welche die böhmifche Braunkohle zur Concurrenz mit der Steinkohle auf weite Entfernungen hinaus befähigen. Zu Anfang des Jahres 1874 variirten die Preife bei der Grube zwifchen 6 und 16 kr. per Zoll- Centner je nach der Korngröfse. Für Stückkohle per Waggon ( à 10 metrifche Tonnen) wurden circa 32 fl. an der Grube bezahlt, für Mittelkohle erfter Sorte 28 fl., Mittelkohle zweiter Sorte 18 fl., Kleinkohle 12 fl. Es verdient jedoch bemerkt zu werden, dafs die Preife der Kohle im erzgebirgifchen Braunkohlenbecken im Allgemeinen noch höchft beträchtlichen Schwankungen unterworfen find, was wohl darin feinen Grund hat, dafs bei der Neuheit und dem rafchen Wachsthume des Kohlenexport- Gefchäftes das Verhältnifs von Angebot und Nachfrage noch nicht diejenige fefte Bafis erlangt hat, deren fich andere Kohlenreviere. erfreuen. So betrug z. B. der Preis für einen Waggon Stückkohle im Winter 1871 über 50 fl., während er fich im Sommer 1873 nur auf 22½ fl. ftellte. Weitaus der überwiegende Theil der im nordweftböhmifchen Reviere gewonnenen Braunkohlenmaffen wird ausgeführt. Im Becken felbft verbleibt nur etwa ein Sechftel der ganzen Förderung. Nicht anders als in Oberfchlefien, an der Ruhr und Saar hat fich indeffen auch hier eine reiche induftrielle Thätig. keit entfaltet und umfo leichter entfalten können, als der gefegnete Landftrich zwifchen dem Erzgebirge und der Eger alle Bedingungen zur Profperität landwirthschaftlicher, induftrieller und mercantiler Unternehmungen in fich vereinigt. Namentlich die Induftriezweige, welche grofser Quantitäten mineralifchen Brennftoffes bedürfen, erhalten von Tag zu Tag dafelbft neue Pflegeftätten, wie die Eifeninduftrie, die Glas- und Thonwaaren- Fabrication, die Soda- Erzeugung, die Zuckerfabrication etc. Während es aber bis in die jüngfte Zeit meiftens ausländifches, und zwar zuerft englifches, dann insbefondere deutfches Capital war, welches, wie in den montaniftifchen, fo auch in den vorgenannten Unternehmungen arbeitete, hat fich feit dem Jahre 1871 auch das inländifche Grofscapital mit Macht in diefe Gegend geworfen. Ueber die Bedeutung der Circulation der böhmifchen Braunkohle möge nun die folgende, die Kohlenverfrachtung der das Becken durchfchneidenden Bahnen nach Verkehrsrichtungen darftellende Tabelle Auffchlufs geben. 152 J. Pechar, Dr. A. Peez. Kohlenverfrachtung der Bahnen des erzgebirgifchen Braunkohlenbeckens. Hievon wurden verfrachtet nach dem Es Im Im Jahre wurden verfrachtet im Ganzen Auslande Auslande LocalInlande verkehre per Bahn per Kahn m etri fch e T onnen 1866 448 550 1867 683.360 90.810 156.350 200.000 127.400 30.340 307.200 168.150 50.960 1868 776.120 260.000 265.000 190.000 61.120 1869 927.932 275.000 316.900 280.000 56.035 1870 1,190.970 392.380 340.460 367.280 90.850 1871 1,494.043 525.244 297.250 510.725 160.824 1872 1,787.928 704.021 368.787 511.812 203.308 1873 2,575.000 1,071.683 306.942 670 033 516.342 Aus diefer Zufammenftellung ift zu entnehmen, dafs, wie die Verfrachtung im Allgemeinen, fo insbefondere auch die Ausfuhr nach Deutſchland von Jahr zu Jahr zugenommen hat, und dafs die gröfsere Hälfte, im Jahre 1872 60 Percent, des gefammten Transportquantums in das Ausland ging. Anfänglich vermittelte vornehmlich die Wafferftrafse der Elbe die Ausfuhr nach Deutfchland, jetzt aber überfchreitet die Kohle zumeift per Bahn die Grenze und zwar auf vier Routen: via Eger, Weipert, Bodenbach und Warnsdorf. An und für fich möchte die Aufnahme der böhmifchen Braunkohle auf dem deutfchen Markte auffallend erfcheinen. Denn einerfeits liegen Steinkohlenlager von mitunter ausgezeichneter Befchaffenheit, wie das Zwickauer, das Waldenburger, das des Plauen'fchen Grundes bei Dresden ganz nahe den Punkten, an denen die Braunkohle deutfchen Boden betritt, weiter nördlich aber beherrfchen die mächtigften Steinkohlengebiete Europas mit ihren Producten naturgemäfs das Terrain: Oberfchlefien, das Ruhrgebiet und England. Anderfeits ift Oefterreich felbft, abgefehen von Böhmen, nicht eben reich an gutem mineralifchen Brennmateriale und grofsentheils, vor Allem die Reichshauptstadt Wien felbft, hinfichtlich des Kohlenbezuges noch immer von dem Auslande abhängig. Die Gründe zunächft für die Erfolge der böhmifchen Braunkohle in Deutfchland liegen einmal in deren geringem Grubenpreife, der es im Vereine mit den gleichfalls niedrigen Frachtfätzen der deutfchen Bahnen bewirkt, dafs die Braunkohle felbft an der Oft- und Nordfee- Küfte auch bei Berücksichtigung ihres Brennwerthverhältniffes fich noch billiger ftellt, als die Steinkohle, und ferner in ihrer vorzüglichen Verwendbarkeit für den Hausbrand, die Keffelheizung und zum Theile auch für die Leuchtgasbereitung. In dem Mafse, als fich die Erkenntnifs diefer beiden Vorzüge weiter Bahn bricht, in dem Mafse gewinnt die„ Salonkohle von Dux und Karbitz", die„ Falkenauer Gaskohle" Verbreitung in Deutfchland und ihr Debit dafelbft an Intensität. Für gewiffe Gegenden dafelbft ift fie bereits zu einem Factor geworden, mit welchem bei der Verforgung mit mineralifchem Brennftoffe in alle Zukunft gerechnet werden wird. Dahin gehören hauptfächlich Sachfen, das öftliche Thüringen, die Harzgegend und die Provinz Brandenburg, alfo derjenige Land Mineralifche Kohle. 153 ftrich, welcher zugleich die Grenzmark der Abfatzgebiete der Steinkohlen von der Ruhr, von England und Oberfchlefien bildet. Die Ausfuhr dahin wird noch befonders begünftigt durch den Umftand, dafs die Elbe, welche die zwei wichtigften Exportplätze der böhmifchen Braunkohle, Auffig und Bodenbach, befpült und von Auffig bis Hamburg für Kettenfchifffahrt benutzbar ift, diefen Landftrich mitten durchzieht. Und zufällig find auch diejenigen Fabricationszweige, für welche fich die Braunkohle insbefondere gut eignet, die Zuckerfabrication, Ziegelbereitung, Spirituserzeugung, gerade am Unterlaufe der Elbe überaus ftark vertreten. Im Jahre 1873 wurden allein von den Stationen der Sächfifchen Staatsbahnen 398.400 metrifche Tonnen Braunkohle aufgenommen oder 15 47 Percent des gefammten zur Verfrachtung gelangten Quantums. Nach den Stationen: der Leipzig- Dresdener und Cottbus- Grofsen" hainer Eifenbahn Berlin- Anhaltifchen Eifenbahn. Magdeburg- Halberftädter Eifenbahn Magdeburg Leipziger und und Halle- Kaffeler Eifenbahn gingen 150.330 metrifche Tonnen, وو وو " 99 141.030 66.630 99 56.730 37.960 99 99 " " 93 " " 99 " " Thüringifchen Eifenbahn Berlin- Potsdam- Magdeburger Eifenbahn. Nordhaufen- Erfurter Eifenbahn " 19.420 4.622 Indeffen auch anderwärts in Norddeutfchland hat die. böhmifche Braunkohle fich die Gunft des confumirenden Publicums zu verfchaffen gewufst. Die nachftehenden Städte bezeichnen nach der von der Auffig- Teplitzer Eifenbahn als Beilage zu der Statiftik des böhmifchen Braunkohlenverkehres" herausgegebenen Circulationskarte die Grenzen des Gebietes, in welchem in Nord- und Mitteldeutfchland die Braunkohle gebrannt wird: Coburg, Giefsen, Kaffel, Bremen, Hamburg, Roftock, Stralfund, Stettin, Frankfurt an der Oder, Bunzlau. Darüber hinaus geht noch die Falkenauer Kohle bis nach Lüttich, Brüffel, Oftende, Paris, um die dortigen Gasanftalten zu fpeifen. Den gröfsten Confum innerhalb der angegebenen Grenzen haben die Städte Dresden, Leipzig, Magdeburg und Berlin, und zwar erhielten diefelben an böhmifcher Braunkohle: Metri fche Tonnen im Jahre Dresden Leipzig Magdeburg Berlin Hamburg per Bahn per per Kahn Bahn per per per per Bahn Kahn Bahn Kahn per Kahn 1868 43.640 48.375 20.450 42.330 55.115 22.910 63.010 46.472 30.240 77.990 49.255 42.030 6.070 100.278 29.770 19.994 3.410 127.832 32.430 7.970 5.920 133.952 43.820 6.743 7.630 123.052 49.310 9.430 10.736 173.870 80.479 16.338 1.947 2.010 2.465 1869 1870 1871 1872 80.151 33.073 36.420 1873 116.610 23.250 44.280 17.820 183.885 97.820 12.720 19.455 2.146 Sonach ſteht Magdeburg( inclufive Buckau und Neuftadt- Magdeburg) an der Spitze der Confumenten von böhmifcher Braunkohle, und nicht blos der deutfchen, fondern der Confumenten überhaupt, da keine öfterreichifche Stadt 154 J. Pechar, Dr. A. Peez. einen gleich grofsen Empfang nachweifen kann. Es ift diefs vorzüglich der Verbin dung durch die Elbe zu danken, die fich noch bei Weitem fegensreicher erwiefen hätte, wenn die Schifffahrt nicht gerade bei den beiden Aufgabshäfen Auffig und befonders Bodenbach auf grofse Schwierigkeiten ftiefse. Die Verfandung der Landeplätze dafelbft nimmt immer mehr überhand, ohne dafs die Staatsregierung den Bitten der Intereffenten um Vornahme von Baggerungen zu willfahren fich bisher geneigt gezeigt hätte. Zu einer vollſtändigen Sicherheit und Wohlfeilheit diefes wichtigen Exportes böhmifcher Kohle nach Norddeutſchland ist jedoch die Canalifirung der Elbe nach Mufter der die amerikanifchen Kohlenreviere durchfchneidenden Flüffe erforderlich. Die Schiffsfracht von Bodenbach bis Magdeburg beträgt für I metrifche Tonne 3 bis 3.8 fl. Silber, je nach dem Wafferftande; nach Hamburg 4 bis 4.6 fl. Silber. Nach dem letztgenannten Platze hat der Kohlenverkehr gerade in dem Jahre 1873 trotz der im Allgemeinen ungünftigen Schifffahrtsverhältniffe fehr bedeutend zugenommen, was in erfter Reihe den ungünftigen Conjuncturen zuzufchreiben ift, unter welchen die englifche Kohleninduftrie fo lange fchon leidet. Sollten diefelben nicht bald ihre Endfchaft erreichen, fo wird es der böhmifchen Braunkohle im Vereine mit der Ruhrkohle ohne Zweifel gelingen, den Hamburger Markt ganz an fich zu reifsen. Berlin gewöhnt fich mehr und mehr an die„ Salonkohle" von Dux und Karbitz, und gerade dort vorzugsweife weifs man diefelbe als Material zur Zimmerheizung zu würdigen. Wie an anderer Stelle fchon bemerkt wurde, dürfte in nicht ferner Zukunft in den Berliner Wohnungen nur noch die böhmifche Braunkohle. in den Berliner Fabriken und Werkstätten nur die oberfchlefifche Steinkohle und der Waldenburger Coke gebrannt werden. Kommt, woran bei dem allgemeinen Intereffe wohl nicht zu zweifeln, das Project des Elbe- Spree- Canales zur Ausführung, fo wird Berlin auch zu Waffer für die böhmifche Braunkohle leichter erreichbar werden, indem der jetzt 474 1 Kilometer lange Wafferweg zwifchen Dresden und Berlin auf 208 6 Kilometer dadurch abgekürzt würde. Im Inlande verbreitet fich die böhmifche Braunkohle nach dem öftlichen, mittleren und füdlichen Böhmen und durch Mähren bis Wien und Prefsburg. Im Jahre 1873 empfingen die Stationen der Oefterreichifchen Staatsbahn Böhmifchen Nordbahn 99 Bufchtěhrader Bahn 99 99 Prag- Duxer Bahn Pilfen- Priefener Bahn 29 " 99 " Kaifer Franz- Jofef Bahn. Oefterreichifchen Nordweft- und Südnorddeutfchen Verbindungsbahn Turnau- Kralup- Prager Bahn. metrifche Tonnen 294.250 209.290 150.435 90.700 40.000 18.960 17.220 2.100 Die Urfache aber, wefshalb der Abfatz der böhmifchen Braunkohle in Oefterreich felbft grofse, der Leiftungsfähigkeit des Beckens entſprechende Dimenfionen noch nicht angenommen hat, wefshalb das Inland, trotz grofsen Bedarfes an foffilem Brennftoffe und obwohl die Schwankungen der Valuta hier nicht in Betracht kommen, als Abnehmer der Braunkohle hinter dem Auslande weit zurückfteht, liegt in den hohen Tarifen der öfterreichifchen Eifenbahnen. Eine Zufammenftellung der Frachtfätze( die Expeditionsgebühr eingerechnet) ab Station Dux nach den wichtigften Abfatzplätzen der böhmifchen Braunkohle möge die Höhe der inländifchen Kohlentarife, refpective das Mifsverhältnifs zwifchen diefen und den Tarifen der ausländifchen Bahnen zeigen. Mineralifche Kohle. Kohlenfracht. Entfernung in Tariffatz per 155 Von Du x Centner Centner und Meile Meilen Kilometern Kreuzer Nach Berlin. 41 2 312.54 23 25 0.564 99 Hamburg 79.3 601.56 40.37 0.509 Stettin 591 79 448.33 31 95 0.540 Roftock 82.3 99 624.32 41.62 0.505 Braunfchweig. 57 3 434 67 " 30.65 0.534 Hannover 62.9 477 15 29 33 82 0.537 Caffel 64.8 9 491 57 33 07 0.510 Magdeburg 47.2 358.05 " 25.75 0.545 29 Leipzig 31 2 236-68 19.07 0.611 Dresden 15.7 119 10 II 37 0.724 Görlitz via Ebersbach 21 2 160.82 17.95 0.846 Wien( via Auffig, Oefterr. Nordweftbahn) 61.0 462-74 34 0 0.55 Prag( via Auffig Oefterr. Staatseifenbahn) 17.7 134 27 18: 3 103 Reichenberg( via Warnsdorf) 20'4 154 75 18.2 0.89 Eger 19.8 150 20 20.5 103 99 29 München " Nürnberg 29 Würzburg. 57.8 438: 47 35.2 0.61 45.3 343 64 28.8 0.64 56.0 424.81 34 2 0.61 Vergleicht man alfo, den Kilometerzeiger in der Hand, z. B. den für Dresden beftehenden Frachtfatz mit dem via Auffig und die Oefterreichifche Staatsbahn giltigen Frachtfatze für Prag, fo ergibt es fich, dafs der letztere um mehr als 50 Percent höher ift, als die Fracht, welche man in dem nur um 15 Kilometer näheren Dresden für die Duxer Salonkohle bezahlt. Intereffant ift es auch, den Frachtfatz nach Reichenberg etwas näher ins Auge zu faffen. Derfelbe beträgt bei einer Entfernung von 154 75 Kilometer 1962 kr., bei Berücksichtigung der hier als in einem Ausnahmsfalle gewährten Refactie 18.2 kr., alfo faft ebenfoviel, wie nach Leipzig, welches um die Hälfte weiter entfernt ift. Daher kommt es denn auch, dafs der wichtige Fabriksplatz Reichenberg noch immer die aus viel weiterer Entfernung ftammende oberfchlefifche und Waldenburger Kohle brennt. Nur Wien hat feit der nunmehr erfolgten Eröffnung der Elbethal- Bahn einen verhältnifsmässig billigen Tarif, wie denn der Oefterreichifchen Nordweftbahn überhaupt die Anerkennung gebührt, in Bezug auf niedere Tarife den übrigen inländifchen Bahnen mit gutem Beiſpiele voranzugehen. Nach Wien koftet der Centner Kohle jetzt 34'0 Kreuzer. Gelingt es den theueren Zwifchenhandel dafelbft zu befeitigen und die Bevölkerung dafür zu gewinnen, die Feuerungsanlagen in der für den Brand der Braunkohle entſprechenden Weife einzurichten, fo wird diefe in der öfterreichifchen Reichshauptftadt ebenfo gewifs mit der Zeit feften Fufs faffen, wie fie es in der Hauptftadt des deutfchen Reiches gethan. 156 J. Pechar, Dr. A. Peez. Abgefehen von Wien wird jedoch den meiften Confumtionsplätzen des Inlandes der Bezug der erzgebirgifchen Braunkohle durch die hohe Fracht fehr erfchwert. Ob in den Verhältniffen des inländifchen Bezuges eine wefentliche Aenderung eintritt, wenn der Verkehr auf der Pilfen- Priefener und der PragDuxer Bahn fich mehr beleben wird, mufs abgewartet werden. Jetzt liegen die Dinge fo, dafs zahlreiche Schienenwege aus dem erzgebirgifchen Braunkohlenbecken ausftrahlen, fämmtliche böhmifche Bahnen Anfchlufs an eine der dortigen Kohlenbahnen fuchen und dennoch das Inland nur einen verhältnifsmäfsig kleinen Nutzen hat von den enormen Kohlenfchätzen, die dort am Erzgebirge zu Tage gehoben werden. Mit nicht geringen Hoffnungen blicken die Kohlenproducenten namentlich in den öftlichen Theilen des Beckens, feit Kurzem auch nach Bayern, überhaupt nach Süddeutſchland. Bei dem Mangel an Kohle, an welchem Letzteres leidet, erfcheint allerdings die Annahme nicht ungerechtfertigt, dafs fich dort ein reicher Markt für die böhmifche Braunkohle eröffnen werde. Freilich ift auch hier die Concurrenz eine ftarke und die Zwickauer, Pilfener, Saar- und Ruhrkohle fchon im Befitze der wichtigften Abfatzrayons. Vorausfichtlich dürfte jedoch die gefährlichfte Concurrentin, die Zwickauer Kohle, hier ebenfo, wie es in Sachfen und Thüringen der Fall war, der böhmifchen Braunkohle einen Theil des Feldes räumen. Die directe Eifenbahnverbindung zwifchen Komotau und Eger wurde im Jahre 1872 hergeftellt( die Linie Karlsbad- Eger war 1870 eröffnet worden) und fchon in dem gleichen Jahre gingen nach Stationen der bayerifchen Staatsbahnen " " Oftbahn. 33.700 metrifche Tonnen, 26.600 " 99 Braunkohlen, wovon die bayerifche Hauptftadt 2.900 metrifche Tonnen empfing. Das Abfatzgebiet in Süddeutſchland wird markirt durch die Städte: Darmftadt, Stuttgart, Lindau, München. Nach dem Ausbaue der Strecke Pilfen Eifenftein der Pilfen- Priefener Bahn dürfte der Export nach Bayern ohne Zweifel die erwartete Lebhaftigkeit gewinnen. Aus Dem, was vorftehend über die Circulation der böhmifchen Braunkohle gefagt ift, wird klar geworden fein, dafs diefelbe von den Kohlenarten des continentalen Europas das weitefte Abfatzgebiet bereits befitzt. Im Jahre 1872 ging fie auf nicht weniger als 38 Bahnen und nach 706 Empfangsftationen über. Nunmehr wird es darauf ankommen, das in feinen Grenzen feftgeftellte Marktgebiet zu einem intenfiveren zu machen, wozu alle Bedingungen im vollen Mafse geboten fein möchten. Die Productivität des Braunkohlenbeckens fteigt in ganz überrafchender Weife, das Eifenbahnnetz im Becken gewinnt zufehends an Schienenlänge, wie denn z. B. in Dux demnächft fchon fechs Bahnlinien convergiren werden, die Eifenbahnen fuchen durch Befchaffung der nöthigen Transportmittel fich in die Lage zu verfetzen, allen Anforderungen der Kohlenwerke Genüge leiften zu können, und immer mehr bricht fich in den in- und ausländifchen Confumentenkreifen die Erkenntnifs Bahn, dafs die billige böhmifche Braunkohle in vielen Beziehungen eine gute Steinkohle vollkommen erfetzt. Zum Schluffe fei es geftattet, die bedeutendften der im Betriebe ftehenden Kohlenwerke des erzgebirgifchen Braunkohlenbeckens, welche auch gröfstentheils ausgeftellt hatten, hier anzuführen. Es find diefs die Werke: وو des Grafen Noftitz bei Schönfeld, des Grafen Weftphalen und der Gewerkschaft Saxonia" bei Karbitz, der Deffauer Creditanftalt für Induſtrie und Handel bei Mariafchein und Koften, der Elbe- Colliery und der Gewerkfchaft ,, Britannia" bei Mariafchein, der Dux- Bodenbacher Eifenbahn bei Dux, des Duxer Kohlenvereins bei Dux und Oberleitensdorf, endlich diejenigen der auf der Weltausftellung durch ihre mannigfachen Erzeugniffe fo grofsartig vertretenen, bekannten Firma Joh. Dav. Stark in Falkenau und Chodau. Mineralifche Kohle. 157 VII. Die Braunkohlenreviere der Alpen. Wolfsegg Traunthal. Aus zwei in das oberöfterreichifche Hausruckgebirge eingelagerten Flözen von 2, beziehungsweife 1 1/4 Klafter( 3.79, beziehungsweife 2:37 Meter) Mächtigkeit wird vermittelft Stollenbetriebes eine Kohle gewonnen, welche durch ihre Lage in den kohlenarmen oberen Donaugegenden eine gewiffe Wichtigkeit erlangt. Die Förderung betrug im Jahre 1872 5,752.000 Centner. Die Kohle hat ihren Abfatz zunächft an die Kaiferin Elifabeth- Weftbahn, mit welcher die Gruben durch zwei Kohlenbahnen verbunden find. Die Weftbahn verbraucht davon etwa zwei Millionen Centner. 34 Million Centner geht an die Fabriken längs der Bahn, 2 Million Centner an die Bayerifche Oftbahn, der Reft an die Salinen nach Salzburg, dann nach Linz und Wien. - Leoben und Fohnsdorf. Reicher und beffer in der Qualität, als die am Nordrande der Alpen vorhandenen Ablagerungen, find die Kohlenmulden, die fich an der Oftfeite diefes Gebirges in Steiermark und Krain vorfinden. Als fchönfte Braunkohle in Oefterreich-nächft gewiffen Kohlen des Dux- Biliner und BrüxOberleitensdorfer Reviers dürfte die Leobener Kohle zu bezeichnen fein, welche unter fchwierigen bergmännifchen Verhältniffen in beträchtlicher Tiefe gewonnen wird. In dem Baue des Herrn H. Ritter von Drafche, welchem die Mitte der Mulde gehört, ward im Jahre 1871 die Kohle mit 612 Klaftern Mächtigkeit in der Tiefe von 107 Klaftern angefahren. Die Förderung aus der gefammten Mulde von Leoben- Fohnsdorf belief fich im Jahre 1872 auf 9 254 Millionen Centner und ihren Abfatz findet die Kohle bei den benachbarten Eifenwerken der Steiermark und auf der Südbahn; in Wien ift diefelbe als ein vorzüglich für den Hausbrand geeignetes Brennmaterial begehrt. Eine fehr rafche Zunahme der Förderung zeigt fich in der jüngften Zeit bei den Kohlenwerken von Fohnsdorf und Sillweg. Voitsberg Köflach. An Qualität hinter der früheren zurückſtehend, jedoch die ergiebigfte Mulde und wohl die einzige, welche eine gewiffe Maffenförderung( bis zu 20 bis 30 Millionen Centner jährlich) zuläfst, ift die Braunkohlenablagerung von Köflach. Sie nimmt eine Fläche von 4 Quadratmeilen ein, und ihr einziges Flöz hat eine Mächtigkeit von 6 bis 20 Klaftern( 11.38 bis 37 93 Meter). Die durchſchnittliche Mächtigkeit mit 8 Klaftern( 15 17 Meter) angenommen, ergäbe ein Kohlenvermögen von 8000 Millionen Centnern. Die Kohle ift jedoch von keiner befonderen Qualität, enthält viel Waffer und verträgt defshalb nur bei fehr billigen Frachtfätzen einen weiteren Transport. Seit dem Jahre 1858 ift diefs Revier mit der Südbahn durch die Graz- Köflacher Bahn verbunden, deren Tarife in jüngfter Zeit zwar namhaft herabgefetzt wurden, aber immer noch ungefähr doppelt fo hoch ftehen, als bei den erzgebirgifchen Kohlenbahnen Auffig- Teplitz und Dux- Bodenbach. Die Förderung beträgt über 10 Millionen Centner. Kleinere Braunkohlenbecken in Steiermark. Das bei Wies in Abbau ftehende Flöz hat eine Mächtigkeit von 22 bis 16 Fufs und lieferte ebenfo wie das circa 12 Fufs mächtige Flöz von Eibiswald eine fehr gute Braunkohle, die in der Umgegend verbraucht wird und feit Eröffnung der Wies- Liebocher Bahn, welche in die Graz- Köflacher Bahn einmündet, in bedeutend gröfseren Beträgen auf den nahen Märkten erfcheint. Das aufgefchloffene Kohlenvermögen beider Mulden wird auf 3 bis 400 Millionen Centner gefchätzt. Aehnliche Kohlenvorkommen finden fich bei Tüffer, Hraft nigg und Trifail; die Flöze find theilweife fehr mächtig, die Qualität eine gute, allein eine mehr als locale Bedeutung kommt diefen Kohlenlagern bis jetzt nicht zu. Ihre Gefammtförderung wird 5 bis 6 Millionen Centner betragen. Braunkohlen- Becken in Krain, Iftrien und Dalmatien. Ganz in der Nachbarfchaft der letztgenannten kleinen Becken liegt im Kronlande Krain das Sagor- Johannesthaler Flöz, welches bei einer wechfelnden Mächtigkeit von 5 bis 20 Klafter, gröfsere Kohlenmengen( circa 5 Millionen Centner) liefert, die auf der Südbahn eine ausgedehnte Verwendung finden. Aus den Werken von I I 158 J. Pechar, Dr. A. Peez. Carpano in Iftrien werden etwa 4 Million Centner und aus den Werken am Monte Promina in Dalmatien etwa 14 Million Centner guter Kohle gewonnen, von denen die letztere, nach Sebenico gebracht, von den Dampfern des Lloyd und der Kriegsmarine verwendet wird. Die Entwicklung des Abfatzes der Kohle aus den Braunkohlenbecken der Oftalpen findet ihren Ausdruck in den Ziffern, welche den Kohlenverkehr der Südbahn darftellen. Die Gefammtmenge diefer Transporte, immer ausfchliesslich der Regiekohle der Südbahn, ftieg von 2:28 Millionen Zoll- Centner im Jahre 1860 auf 14 46 Millionen Centner im Jahre 1873. Von letzterem Betrage kamen 2:48 Millionen über Wien und beftanden in Oftrauer und oberfchlefifcher Steinkohle oder in Coken aus Oftrau und Roffitz. Diefe Beträge von obigen 14 46 Millionen Centner in Abzug gebracht, bleiben für den Verkehr in Braunkohle rund 12 Millionen Centner, von denen 116 Million Centner nach Wien verfrachtet wurden. Die entsprechenden Ziffern find: Gefammtquantum Hiervon in Wien: Angekommen im Jahre Abgegangen 1860 Ce 2,285.215 n t n e r 1861 2,715.935 193.346 1862 3,697.283 163.567 1863 3,850.020 142.730 892.103 937.153 1,024.868 1864 4,158.106 136.511 960 434 1865 2,633.987 138.869 626.250 1866 2,984.465 320.590 747.256 1867 4.754.064 669.066 738.030 1868 6,464.935 1,073.220 899.233 1869 7,318.377 1,275.482 722.055 1870 9.134.907 1.433.572 800.541 1871 11,592.876 1,820.688 1872 14.236.008 2,359.498 1873 14.467.403 2,484.069 1,195 977 1,284.306 1,164.774 VIII. Die Ungarifchen Braunkohlenreviere. Salgó Tarján er oder Braunkohlenrevier der Matra. In einer Entfernung von 15 Meilen von der Hauptftadt Ungarns gelegen und von der ungarifchen Nordbahn, das ift der von Peft über Kafchau nach Oderberg ziehenden Hauptlinie, durchſchnitten, findet fich ein Kohlenrevier, welches einerfeits für die Verforgung von Peft- Ofen und des brennftoffarmen ungarifchen Tieflandes, anderfeits für die oberungarifchen Eifenraffinirwerke von grofser Bedeutung zu werden verfpricht. Am weiteften vorgefchritten ift der Abbau in den Werken der Gefellſchaft Salgó- Tarján, welche im Jahre 1872 mit einem Arbeiterftande von 2200 Mann 5,869.000 Centner Kohle lieferten. Nach neueren Unterfuchungen fcheint jedoch der Kern des Beckens öftlich von den in der Nähe der Ungarifchen Staatsbahn gelegenen und zuerft zur Ausbeutung gelangten Ablagerungen bei Homok- Terenne aufgefchloffen zu fein, indem hier drei Flöze mit einer Mächtigkeit von zufammen 18 bis 26 Fufs( 5.69 bis 8.22 Meter) nachgewiefen find, zu deren Ausbeutung vermittelft Stollen die Anglobank in Hamburg umfaffende Vorbereitungen trifft. Die Gefammtförderung des Revieres ift auf 8 Millionen Centner anzufchlagen. Gran und Brennberg. Im Süden der Donau bei Gran wurden im Jahre 1872 15 Million einer guten Kohle gewonnen, die bei Hinzutritt einer Eifenbahnverbindung von Wichtigkeit werden könnte für Verforgung der ungarifchen Hauptftadt und ihrer induftriereichen Umgebung.- Die Werke von Brennberg und Neufeld im Oedenburger Comitate haben eine Förderung von 23 Millionen Centnern. Mineralifche Kohle. 159 Schylthal. In dem engen Thale der Schyl in Siebenbürgen, die, von Weften nach Often fliefsend, vermittelft ihres Gebirgsdurchftiches am Vulkan- Pafse den Weg nach den Ebenen der Walachei erfchliefst, findet fich mit einer Länge von 6 Meilen und einer gröfsten Breite von 3/4 Meile eine Kohlenablagerung, die für die Zukunft der unteren Donauländer von gröfster Wichtigkeit werden dürfte. Auf den dem ungarifchen Staate gehörenden Werken bei Petrofeny find 15 abbauwürdige Flöze aufgefchloffen worden, unter welchen das im äusserften Liegenden auftretende Hauptflöz für fich allein bei 90 Fufs( 28.45 Meter) mächtig ift. Die Kohle, von fehr guter Befchaffenheit, nähert fich in ihrem Heizwerthe der Schwarzkohle, ohne jedoch zur Vercokung völlig geeignet zu fein. Seitdem im Jahre 1870 die Bahn von Petrofeny nach Piski eröffnet ift, hat fich in diefen entfernten Thälern ein reges Leben entfaltet. Arbeitercolonien wurden gegründet, und in kürzefter Zeit ward die Kohlenförderung auf eine jährliche Menge von 3 bis 4 Millionen Centner gehoben. Das ungarifche Aerar und der Kronftädter Berg- und Hüttenverein, der zugleich reiche Erzlager und Hochofenanlagen in der Nähe befitzt, find Haupteigenthümer der Kohlenfelder des Schylthales. Productionsbedingungen der Kohlenreviere. Ueberblickt man nun die Bedingungen, unter denen die mineralifchen Brennftoffe in den öfterreichiſch- ungarifchen Revieren vorkommen und gefördert werden, fo zeigen fich darin fehr wefentliche Verfchiedenheiten. Was zuerft die für die Entwicklung eines Revieres in vieler Hinficht wichtige Zahl der Befitzer und der Unternehmungen betrifft, fo waren im Jahre 1871 Steyerdorf- Oravicza, Wolfsegg- Traunthal und zahlreiche kleine Becken, wie Lilienfeld, Häring in Tyrol und andere in der Hand eines einzigen Befitzers; in Leoben und dem Schylthale zählte man 3, in Roffitz 5, in Fünfkirchen und Salgó- Tarján 6, in Jaworzno 10, in Oftrau- Karwin II, in Schatzlar- Schwadowitz 15, in Pilfen 58, in Kladno- Rakonitz 159 und im erzgebirgifchen Reviere 560 Werksbefitzer, wobei felbftverſtändlich ift, dafs eine gröfsere Zahl( ganz abgefehen von der daraus mit Wahrfcheinlichkeit zu entnehmenden gröfseren Ausdehnung des Beckens) eine erhöhte Regfamkeit durch gefteigerte Concurrenz hervorruft. Andererfeits kann es für die, wenn auch vielleicht etwas langfamere, aber dafür fefte und ruhige Entwicklung des Beckens zuträglich fein, wenn dasfelbe in der Hand weniger, aber geldkräftiger Unternehmer ift, wie wir diefs z. B. bei dem Oftrau- Karwiner Reviere wahrnehmen. Hinfichtlich der Tiefe, in welcher die Flöze abgelagert und zu welcher die Schächte hinabzutreiben find, mufs vorausgefchickt werden, dafs fehr grofse Teufe die Förderung unter allen Umftänden vertheuert. Eine fehr flache Lage der Flöze jedoch, wenn fie anders keinen Tagbau zuläfst, kann den Nachtheil haben, dafs bei Bruch des Deckengebirges in den leeren Strecken die Oberfläche einfinkt. Im Allgemeinen liegen in Oefterreich- Ungarn die Steinkohlen tiefer als die Braunkohlen. Die gröfste Durchfchnittstiefe dürfte bei den Schächten von SteyerdorfAnina mit 120 Klaftern( 227.58 Meter) und in Roffitz mit 105 Klaftern( 199* 13 Meter) zu finden fein; fodann folgt Pilfen mit Schächten von 100 bis 107, Oftrau mit 80 bis 108 Klafter( 15172 bis 20483 Meter) und Kladno mit Schächten von durchschnittlich 80 bis 90 Klafter( 15172 bis 170.68 Meter) und einer gröfsten Tiefe von 203 Klaftern( 3849 Meter), während die Schächte in Schatzlar mit 58 Klaftern( 110 0 Meter), in Rakonitz mit 48 Klaftern ( 9103 Meter), in Schwadowitz mit 25 bis 50 Klafter( 47 41 bis 94.82 Meter), in Jaworzno mit 12 bis 30 Klafter( 22.76 bis 56 90 Meter), in Radnitz mit 2 bis 60 Klafter( 3.79 bis 113 80 Meter), in Miröfchau mit 4 bis 27 Klafter ( 7:59 bis 51 21 Meter) zu beziffern find. Unter den Braunkohlenbecken reichen die Schächte in Leoben bis zur Tiefe von 35 bis 107 Klaftern( 66.38 bis 202 23 Meter) hinab, in Sagor bis 50 Klaftern( 94.82 Meter); in Falkenau beträgt die durchfchnittliche Tiefe 12 bis 20 Klaftern( 22.76 bis 37.93 Meter), im öftlichen I 1* 160 J. Pechar, Dr. A. Peez. Theile des erzgebirgifchen Beckens bei Mariafchein- Karbitz 60 bis 70 Klafter ( 113 80 bis 132.75 Meter), bei Dux- Brüx 20 bis 36 Klafter( 37.93 bis 68.27 Meter), während die tiefften Schächte im letztgenannten Reviere bis zu 78 Klafter( 151 Meter) reichen, anderfeits aber auch ein Theil der Flöze( bei Dux, Oberleitensdorf und Falkenau) durch Tagbau, wie in einem Steinbruche, abgebaut wird. Aufserdem ift Tagbau möglich bei Břas an dem Ausgehenden des Pilfener Steinkohlenbeckens, fowie auch bei verfchiedenen Mulden des reichen Voitsberg- Köflacher Revieres( Lankowitz, Rofenthal, Schaflos etc.). Die gröfste Flözmächtigkeit ift nachgewiefen in den Braunkohlenbecken des Schylthales und des Erzgebirges nämlich in dem erfteren bis 90 Fufs ( 28 45 Meter), in dem letzteren bis zu 96 Fufs( 30 34 Meter). Auch im Köflacher Reviere kommen fehr mächtige Flöze vor, nämlich bei Voitsberg bis 60 Fufs( 18.97 Meter), bei Rofenthal und Schaflos fogar bis 96 Fufs( 30 34 Meter). Für Hraftnigg ift eine Flözmächtigkeit von 54 Fufs( 17:07 Meter), für Leoben und Sagor eine folche von 30 Fufs( 9.48 Meter) nachgewiefen. Weit geringer ift die Mächtigkeit der Steinkohlenflöze. Eine Stärke von 7 Fufs( 2.21 Meter) gehört hier fchon zu den Seltenheiten. Die meiſten Flöze dürften zwifchen 2 und 6 Fufs( 0.63 bis 190 Meter) wechfeln, und es wird eine folche Mächtigkeit wegen des leichteren Abbaues, welcher dann in der Regel eine Auszimmerung der Strecken nicht erfordert, oft einer viel gröfseren Flözftärke vorgezogen, deren reines Entkohlen doch nur in den feltenften Fällen möglich ift. Gleichwie die meiften öfterreichifchen Steinkohlenreviere in Bezug auf Mächtigkeit der Flöze hinter den englifchen, amerikanifchen und deutfchen zurückftehen, fo ift dasfelbe hinfichtlich der Regelmässigkeit der Flözlagerung der Fall. Das Pilfener Revier beſteht aus einer Anzahl getrennter Mulden, die einen nur wenig nachhaltigen Betrieb geftatten. Verwerfungen find faft in allen Revieren häufig, und ftarke Wafferzuflüffe und fchlagende Wetter vertheuern den Abbau in den meiften Gegenden, befonders aber im Oftrauer Reviere. Böfe Wetter find übrigens dort am häufigften, wo die beftbackende Fettkohle gefunden wird. Von Belang für den Werth der Kohle erfcheint deren Korngröfse. Am günftigften bei Steinkohlen ift der Stückfall im Becken von Jaworzno, wo 70 bis 80 Percent Stückkohle gewonnen werden; dann folgen Kladno mit 20 bis 60 Percent, Karwin und Orlau mit 50 Percent, Rakonitz mit 40 Percent, Pilsen mit 25 bis 50 Percent, Radnitz mit 35 Percent, Schatzlar mit 30, Ostrau mit 6 bis 46 und Roffitz mit 3 bis 44 Percent Stückkohle. Unter den Braunkohlen fteht Köflach- Voitsberg mit 85 bis 92 Percent Stückfall und Oberleitensdorf im erzgebirgifchen Reviere mit 80 bis 90 Percent an der Spitze; auch Falkenau hat 80 Percent Stückkohle. und 20 Percent Kleinkohle; ferner Karbitz- Mariafchein 68 Percent Grofskohle, 22 Percent Mittelkohle und 10 Percent Kleinkohle; Dux- Bilin 50 bis 60 Percent Stückkohle, Brüx 55 Percent, Sagor in Krain 55 Percent und Leoben in Steiermark 50 Percent Stückfall. Was die Qualität betrifft, fo liegen zwar vielfache Analyfen der öfterreichifchen Kohlengattungen vor, doch beziehen fich diefelben wohl in noch höherem Grade, als bei alten Kohlenländern auf einzelne Fälle und können fchwerlich für den Durchfchnitt der Förderung eines Reviers gelten. Sehr zu beachten ift ferner, dafs der Werth einer Kohle durch den Zweck, dem fie dienen foll, beftimmt wird. Leichte Backfähigkeit, Gasgehalt oder geringer Afchengehalt können defshalb einer Kohle gröfseren Werth verleihen, auch wenn ihre Heizkraft eine mindere fein follte. Diefs vorausgefchickt, bemerken wir, dafs der gewöhnlichen Annahme zufolge einige ungarifche und mährifche Steinkohlengattungen( Steyerdorf- Anina, Fünfkirchen und Mährifch- Oftrau) hinfichtlich der Wärme- Entwicklung an der Spitze ftehen; dann folgen Karwin, Schatzlar und Nürfchan im Pilfener Reviere. In nachftehender Tabelle geben wir nach der ,, Claffification der foffilen Kohlen in Oefterreich" von Karl von Hauer einige Analyfen von Kohlen aus den wichtigften Revieren. Mineralifche Kohle. 161 Chemifche Analyfen von Kohlen aus den wichtigſten Revieren Oefterreich- Ungarns. a) Steinkohlen. Percente an Aequivalent von Fundort Formation Waffer Afche Brennbarer Subftanz Coke Calorien IKlafter wei-| chen Holzes! in Centnern I Cubikfufs weich. Holz. in Pfunden I Cubikfufs hart. Holzes in Pfunden Refchitza, Revier Oravicza Lias 0.8 17 97 5 79'4 7229 72 10 4 17.2 Fünfkirchen " 07 59 93 4 - 6898 7.5 10 9 18.0 Steyerdorf. " 21 17 96.2 65.1 6451 8.1 II 6 19 3 Zbefchau( Roffitz) Steink.- Format. 05 5'3 942 - 6403 8.2 II 7 19-4 Mährifch- Oftrau. وو " I5 72 91 3 67.6 6027 8.7 12.5 20.6 Karwin. 17 99 2.2 8.0 89.8 605 5934 8.8 12.7 21'O Schatzlar • " 9 99 34 9.0 87.6 62.3 5886 8.9 12.8 21 2 Nürfchan( Pilfen) Kladno. 99 47 44 56 900 535 5780 9.0 13.0 215 13 99 21 94 88.5 - 5694 9: 2 13.2 21.8 Roffitz. 99 99 IO 23.6 75 4 750 4865 10.7 15 3 25 5 Rakonitz • " 99 8.3 8.9 82.8 56.0 4839 10 8 15 6 25.7 Jaworzno 22 " 131 56 813 - 4809 10 9 15.7 25.8 Fundort Formation Ober Skallis( Unterfteier) Schylthal. Eibiswald Leoben Salgó- Tarján Dux( erzgebirgBecken) Karbitz( erzgebirgBecken) Sagor. Rofenthal( Köflach Voitsberg) Traunthal.. b) Braunkohlen. Percente an Waffer Afche Brennbarer Subftanz Calorien Aequivalent von IKlafter weichen Holzes in Centnern I Cubikfufs weichen Holzes in Pfunden I Cubikfufs harten Holz. in Pfunden ältere eocän 2.0 2.5 95'5 6339 8.2 II 7 19.4 miocän وو 46 2.5 12.5 85.0 5442 9.6 13.8 22.8 99 IO 79 10 7 49 84 4 4926 10.6 15.3 25.2 12 " 9 7.9 4.6 87.5 4825 10.8 15.6 25.7 77 27 II'I 74 815 4680 II 2 16.1 26.6 16 17.7 29 79 4 4576 II 4 16.5 27.2 99 21 4 50 73.6 97 " 9 17.8 52 77.0 4045 12 9 3952 13 2 18.4 30.6 18.9 31 3 jüng. miocän 14-8 29 99 19.9 4'5 80 7 80.7 8.1 72 01 3288 3946 13: 3 15.9 19'2 31 7 22.9 37.8 162 J. Pechar, Dr. A. Peez. Hinfichtlich der Befchaffenheit der Kohle ift noch zu bemerken, dafs als Gaskohle die Plattelkohle von Nürfchan aus dem Pilfener Becken die vorzüglichfte ift. Auch die Gaskohle von Falkenau wird fehr gefchätzt, obwohl der Umftand, dafs fie als Braunkohle nur geringe Coke zurückläfst, ihren Werth vermindert. Sehr gute Gaskohlen liefert das Oftrauer Revier. Zur Bereitung von Coken, deren Erzeugung bei dem Auffchwunge der öfterreichifchen Eifeninduftrie in den Jahren 1870 bis 1873 in ftarker Zunahme war, find am höchften gefchätzt die Kohlen von Fünfkirchen und Oravicza, die Kohlen von Oftrau, ferner die Kohlen von Littitz und Miröfchau im Pilfener Reviere, an welche fich fodann die Kohlen von Rappitz( Kladno), Karwin und Roffitz anreihen. Um einen Anhalt zu gewähren über die Preife der Kohlen in normalen Zeiten, geben wir hier die amtlich erhobenen Grubenpreife für Steinkohlen und Braunkohlen in den verfchiedenen Kronländern Oefterreichs wieder: Grubenpreife für Kohle in den verfchiedenen Kronländern Oefterreichs. Steinkohlen Braunkohlen 1870 1871 1872 1870 1871 1872 Kreuzer per Zoll- Centner Niederöfterreich Oberöfterreich Steiermark • • 29 33 35.9 18 17.5 10 4 44.5 28 33.7 14.5 16 13'9 23 34 32.9 15 Kärnthen • • Krain 20 22 67.0 15.5 15 Küstenland Dalmatien. Tyrol.. Böhmen. Mähren • • 28 • 31 • • 18 810 223 28 20 18 52588 155 18.3 23.2 16 4 39.3 29.4 32 36.8 2 I 22.9 8 IO 8.7 . 24 29 31.3 I I II5 10 7 Schlesien Galizien Bukowina 21 26 31 0 5 5 7 4 13 17 154 I I 17 15.4 2 Aus einer Zufammenfaffung diefer Angaben ergibt fich für das Jahr 1870 bei Steinkohle ein Durchfchnittspreis von 21 6 Kreuzern öfterr. Währ., bei Braunkohle von 16 4 Kreuzern öfterr. Währ. Im Jahre 1871 ift der Durchschnittspreis für Steinkohle von 216 Kreuzern auf 25 4 Kreuzer öfterr. Währ. per Zoll- Centner geftiegen. während bei Braunkohle ein unbedeutendes Sinken von 16 4 Kreuzern auf 161 Kreuzer ftattfand. Im Jahre 1872 hielten fich den amtlichen Angaben zufolge Steinkohlen auf dem Betrage von 25 5 Kreuzern per Zoll- Centner; bei Braunkohlen aber fand ein weiteres Herabgehen auf 13 Kreuzer ftatt. Ueber die Grubenpreife des Jahres 1873 liegen amtliche Mittheilungen noch nicht vor; es ift jedoch einem Zweifel nicht unterworfen, dafs fowohl Steinkohlen, als auch Braunkohlen befonders in der erften Hälfte des Jahres namhaft geftiegen waren, gegen die Jahreswende 1874 jedoch wieder auf einen Stand herabgingen, welcher insbefondere bei den früher werthvollften Kohlengattungen, die fonft zu Coken verarbeitet worden waren, dem von 1870 gleichkam. Ueber die Preife an den Confumtionsplätzen bringen wir Näheres bei Befprechung des Wiener Kohlenmarktes. Mineralifche Kohle. 163 Vergleicht man die oben verzeichneten Preife in den einzelnen Productionsländern, fo findet fich die billigfte Steinkohle in Galizien und Böhmen, die billigfte Braunkohle, abgefehen von der Bukowina, in Schlefien und Böhmen. Da die galizifchen Steinkohlen entfernter liegen und die fchlefifchen Braunkohlen eine fehr geringe Qualität darftellen, fo ift es einleuchtend, dafs Böhmen mit einem Steinkohlenpreife an der Grube von 21 Kreuzern und einem Braunkohlenpreife von 10 Kreuzern fich in der günftigften Lage befindet und dem induftriellen Betriebe die gröfsten Vortheile bietet. Eine Zufammenfaffung der fämmtlichen im Früheren fkizzirten Momente gibt die Anhaltspunkte zu einer Beurtheilung der productiven Kraft, die den verfchiedenen öfterreichifchen Kohlenbecken eigen ift. Ihren fchärfften Ausdruck findet jedoch diefe productive Kraft in der durchfchnittlichen Fördermenge, welche ein Arbeiter im Laufe eines Jahres erzielt hat. Hierüber die folgende Tabelle. Durchschnittliche Arbeitsleiftung eines Arbeiters beim Kohlenbergbaue per Jahr ( in den verfchiedenen Kronländern Oefterreichs). Steinkohlenbecken Förderung in Zoll- Centnern Braunkohlenbecken Förderung in Zoll- Centnern I. Böhmens Kladno, Rakonitz, Pilfen, Schatzlar, Schwadowitz. I. Böhmens Erzgebirgifches Becken 5562 2451 2. Oberösterreichs 2. Galiziens Wolfsegg- Traunthal 4858 Jaworzno. 2430 3. Mährens 3. Schlefiens Göding 3240 Oftrau. 2080 4. Krains 4. Mährens Sagor etc. 3004 Oftrau und Roffitz. 1984 Steiermarks 5. Leoben, Fohnsdorf, Köflach, Wies, Eibiswald. 2797 6. Tyrols Häring. 2432 Eine intereffante Vergleichung zu ermöglichen, ftellen wir hier auch die durchſchnittlichen Förderungen zufammen, welche bei dem Stein- und Braunkohlen- Bergbau in den wichtigften Revieren Preufsens im Jahre 1872 ein Arbeiter erzielt hat. Es förderte ein Arbeiter im Steinkohlenbecken von Oberfchlefien Weftphalen und Niederrhein 99 99 99 der Saar 99 " 99 von Aachen. Niederfchlefien 99 • . • • ° . " 4630 Centner 4212 4135 3525 99 99 " 2855 99 beim Braunkohlenbergbau 8539 99 44 164 J. Pechar, Dr. A. Peez. Zum Schluffe geben wir noch im Folgenden eine Vergleichung der Fördermengen der einzelnen Kohlenbecken Oefterreichs in den Jahren 1862 und 1871, fowie eine Darftellung des Antheiles, den die einzelnen Becken an der Gefammtförderung der Monarchie in den Jahren 1862 und 1872 genommen haben, fowie endlich eine Berechnung der percentuellen Zunahme der Förderung im genannten Zeitraume. Antheil der einzelnen Kohlenreviere Oefterreich- Ungarns an der Gefammtförderung der Jahre 1862 und 1872. 1862 1872 Zunahme Becken Metriſche Tonnen Antheil in Percenten Metrifche Tonnen Antheil in Percenten feit 1862 in Percenten A. Steinkohlen Kladno- Schlan- Rakonitz Oftrau- Karwin. Pilfen 839.950 18.5 1,415.113 • 596.315 13.2 1,150.476 334 856 7: 4 765.350 7: 3 Roffitz Jaworzno Kleinere Becken 167.952 3'7 283.180 2.7 13.6 I I O 68.5 92.9 128.6 68.6 109.557 2'4 269.827 2.6 146.3 Schatzlar- Schwadowitz. 100.887 2'2 210.273 2'0 108.4 SteinkohlenSumma Ungarn 49.488 2,199.005 324.300 I I 53.381 0.5 7.9 48.5 4,147.600 3917 88.6 7'1 617.186 5.9 90.3 B. Braunkohlen Erzgebirge. Köflach- Voitsberg 768.085 16.9 2,711.262 26.0 253'0 131.248 2.9 513.061 4'9 290.9 Leoben- Fohnsdorf 215.542 4.8 462.686 44 144 7 Traunthal 129.256 2.8 287.592 2.7 122'5 Sagor etc. 47.502 I O 159.373 1.6 235 5 Kleinere BraunkohlenBecken 466.367 IO I 689.445 6.6 47 8 Summa 1,748.000 38.5 4,823.419 46.2 175 9 Ungarn Im Ganzen 264.933 4,536.238 59 855-793 8.2 223.0 IOO O 10,443.998 IOO'O 130'2 Oefterreich- Ungarns Kohlenhandel. Der aus dem erzgebirgifchen und Pilfener Reviere ftattfindenden Ausfuhr von Kohle aus Oefterreich- Ungarn gefchah bereits bei Befprechung der einzelnen Kohlenbecken ausführliche Erwähnung. Die Einfuhr erfolgt faft ausfchliefslich aus Schlefien und befteht in oberfchlefifcher Kohle, welche mit der Nordbahn nach Oefterreich eintritt. Diefe Kohle, deren Einfuhrmenge von 5.7 Millionen Centnern im Jahre 1867 auf 21 5 Millionen Centner im Jahre 1872, demnach um 277 2 Percent geftiegen ift, verforgt in Gemeinfchaft mit Oftrau- Karwiner Kohle die zahlreichen an der Nordbahn gelegenen Induftriewerkftätten und tritt in der neueften Zeit in der Reichshauptftadt Wien als das beliebtefte Feuerungsmaterial auf. Mineralifche Kohle. Um ein Gefammtbild über den inneren öfterreichifchen Kohlenverkehr zu geben, find in folgender Tabelle die Kohlenmengen( in Millionen Centner) bezif fert, die in den Jahren 1861, 1867, 1869 und 1872 auf den öfterreichifch- ungarifchen Bahnen verfrachtet wurden. Es ift hiebei zugleich der Gefammt- Güterverkehr einer Bahn neben der darin enthaltenen Kohlenmenge angeführt und in der letzten Rubrik zugleich der Percentantheil berechnet, mit welchem Kohle an dem GefammtGüterverkehre der verfchiedenen Bahnen im Jahre 1872 participirte. Gefammtgüter- und Kohlenverkehr der öfterr.- ungarifchen Bahnen. 1861 1867 1869 1872 Eifenbahnen an GefammtGüterverkehr Kohle an GefammtGüterverkehr Kohle an GefammtGüterverkehr Kohle an GefammtGüterverkehr Kohle V.d.Gefammt- Güterverkehr des Jahres 1872 war Kohle in% Millionen Centner Mähr.- Schlef.Nordb. Fünfkirchen- Barcfer Kaifer Franz Jofef- B. Erfte Siebenbürgerb. Lemb. Czernowitzer Böhmifche Nordb. Turnau- Kralup- Prag. Auffig- Teplitzer B. 2'0 Ο Ο - - 3.9 2.7 || III 333+ 3548265 13 1.5 00 0.5 0.3 53 7: 0 I'2 17 I 2.9 0.9 31 0 I 4 03 II 9 13 10.9 3.8 0.2 4: 3 2.8 65.1 3.2 3.6 Ο Ο 2'0 Ο Ο 0.0 2'I 6.7 3.8 56-7 4.5 2.6 6.4 2.9 45.3 6.6 5.5 14 8 13 5 20.3 18.6 34'7 30 2 87.0 Bufchtěhrader B.. II 8 II 4 13 2 12.5 15.7 14'2 18.8 17.8 94 7 " ( ganz. Netz) - - - 21 5 70'5 Kaif. Ferdin. Nordb. 36.6 9.9 54.9 Oefterr. Staatsbahn. 47'3 14 7 72.2 23.3 81.6 36.6 44.8 8.9 69.5 14 4 92.3 21 3 100 6 34'I 33.9 Südbahn 25.7 2.7 41.9 47 60.6 73 73 4 20 4 20˚4 27.8 Böhmifche Weftbahn Graz- Köflacher B.. Mohács- Fünfkirchner Süd- Nordd. Verbindungsbahn. Kaiferin Elifabethb. Brünn Roffitzer B. - - 9.5 5.2 13.7 6.9 17 O 8.9 52.3 2'2 23 25 1.8 3.2 3.5 3.1 4'1 23 24 5.8 4.8 8.7 6.9 79'3 3.6 7: 2 5.6 7: 5 6.2 82.7 3.2 0.8 10.7 0.5 6.9 2.6 19 4 2.4 Theifs- Bahn 7: 3 2.I Ο Ο 3.0 10.9 50 2120 8.4 2.7 17.3 9.8 56.7 I5 24'I 2'I 28.2 2.5 3.3 2.7 10.9 3.4 3.9 35.8 12 O Ο Ο 14.6 0.2 16.5 1.6 9.7 Galizifche Carl Ludwig- Bahn 44 Ο Ο 7.8 ΟΙ Kronpr. Rudolf- B. 73 7.8 3.6 98 0.3 12.5 0.4 3.2 0.2 15 2 6.4 42° 1 Ungar. Staatsbahn 21.6 7.2 33 3 Alföld- Fiumaner B. Arad- Temesvarer- B. Dux- Bodenbacher B. Oftrau- Friedländ. B. Kafchau- Oderberger Oefter. Nordweftb.. I. Ung. Galiz. Bahn. Vorarlberger- Bahn. Mährifch- Schlefifche Centralbahn 1 6.2 0.5 8.0 15 0.3 20˚0 2.7 24 88 9 2.9 0.9 31 0 8.4 3.8 45 2 19.6 7: 5 38.2 I'I 0.3 Ο Ο Ο Ο - - - 0.4 O.I 25.0 Summa: 1617 46.7 2650 80 4 368.9| 116 2 548 8 222 2 40 5 165 166 J. Pechar, Dr. A. Peez. Summirt man die Ziffern diefer Tabelle, fo ergibt fich, dafs Kohle regelmäfsig rund 30 Percent des Gefammtgüterverkehres der Eifenbahnen ausmacht und mit zunehmenden Beträgen an dem Gefammtgüterverkehre participirt. Rapid wird diefe Zunahme feit dem Jahre 1869; denn es fallen auf Kohle von dem Gefammtgüterverkehre im Jahre 1862 28.91 Percent, 1867 " " 1869 30 35 31 99 99 " 7 " 99 1872 40-5 Was den Antheil der Kohlen an dem Gefammtgüterverkehre betrifft, fo entwickelt fich aus der oben erwähnten Tabelle folgende Reihe: Kohle:. Es participirte an dem Gefammtgüterverkehre der einzelnen Bahnen die Auf der Dux- Bodenbacher Bahn mit 88.9 Percent 99 29 Auffig- Teplitzer Bahn 29 99 Mohács- Fünfkirchner Bahn. = 87.0 82.7 " " Graz- Köflacher Bahn. 99 לי " 79 3 99 Bufchtěhrader Bahn. " 27 " 70.5 " 9 99 " I. Siebenbürger Bahn. 27 05.1 Böhmifchen Nordbahn 99 99 56.7 " 99 " Süd- norddeutfchen Verbindungsbahn 56.7 " f Böhmifchen Weftbahn 27 " " 52 3 " 99 29 Turnau- Kralup- Prager Eifenbahn " 45 3 " " Kafchau- Oderberger Bahn. " 4512 " Ferdinands- Nordbahn " " " 44.8 " " Kronprinz Rudolf- Bahn " 42 1 99 Oefterreichifchen Nordweftbahn 99 99 " 38.2 Brünn- Roffitzer Bahn. وو 3 27 99 35.8 29 Staatsbahn. 33.9 " " " Ungarifchen Staatsbahn . " 33.4 " Oftrau- Friedländer Bahn " " " 31.0 19 Fünfkirchen- Barcfer Bahn 99 79 99 310 " Südbahn. ** 99 " 27.8 29 " 99 Mährifch- Schlefifche Centralbahn Arad- Temesvárer Bahn no 25.0 77 20'0 7 " " " " 99 " 9 " 9 Mährifch- Schlefifchen Nordbahn Elifabeth- Weftbahn. " 17 I " 12 0 " 79 Eine eingehendere Erwägung diefer Ziffern wird mit Leichtigkeit darthun, in welchen Gegenden Oefterreichs der lebhaftefte Kohlenverkehr ftattfindet, aus welchen Kohlenbecken derfelbe ftammt und nach welchen Confumtionsplätzen er fich hinbewegt. Dafs hier wiederum die böhmifchen Kohlenbahnen und fodann die Bahnlinie, welche das Oftrauer und oberfchlefifche Revier mit Wien verbindet, die erfte Rolle fpielten, fällt fofort in die Augen. Denn von den öfterreichifchen Bahnen hatten im Jahre 1872 die ftärkfte Verfrachtung an Kohle die folgenden: Kaifer Ferdinands- Nordbahn Staatsbahn Auffig- Teplitzer Eifenbahn Südbahn Bufchtěhrader Bahn. Mineralifche Kohle. Kohlenfracht in Millionen Zoll- Centnern 167 Kohle beträgt von dem Gefammtgüterverkehre Percente 36.6 44.8 34 1 33.9 30.2 87.0 20'4 215 27.8 70 5 In dem inneren Kohlenhandel Oefterreichs nimmt die Reichshauptstadt Wien als Centrum und Kreuzungspunkt der gröfsten Eifenbahn- und Dampferlinien und als mächtigfter auch in feiner induftriellen Bedeutung rafch wachfender Verbrauchsplatz von mineralifchem Brennftoffe die erfte Stelle ein. Der Verbrauch von Kohle in Wien ift neuen Urfprunges. Seit ihrem Beftehen verforgte fich die Stadt mit billigem Holze aus dem Wiener Walde und den oberhalb an der Donau gelegenen Alpenforften. Nur Roffitzer Kohle wurde. fchon vor etwa drei Menfchenaltern zum Gebrauche der Schmiede in Hunderten von Wagen regelmäfsig nach Wien und deffen Umgebung gebracht. Mit Zunahme der Bevölkerung und den Anfängen einer Grofsinduftrie begann die Nachfrage nach Kohle, und da war es namentlich Heinrich von Drafche, der eigentliche Begründer und hochverdiente Förderer der öfterreichifchen Kohleninduftrie, welcher zuerft für die Ziegeleien in der Nähe der Stadt und fpäter auch für andere Zwecke Kohle zuführte. Diefelbe kam aus den kleineren niederöfterreichifchen Becken( Zillingdorf, Gloggnitz u. a.), welche der Stadt näher lagen als Roffitz. Mit der Eröffnung der Eifenbahnen kamen allmälich gröfsere Zuflüffe mineralifchen Brennftoffes nach Wien: die Nordbahn brachte Oftrauer, Roffitzer fpäter oberfchlefifche Kohle, die Südbahn führte fteierifche, die Weftbahn Traunthaler Braunkohle herbei. Mit der Franz Jofef- Bahn wurde das Pilfener Becken, mit der Nordweftbahn das Waldenburger und in letzter Zeit mit der Elbethal- Bahn und dem Prager Flügel der Franz Jofef- Bahn das erzgebirgifche Revier für Wien direct erfchloffen. Wien als Confumtionsplatz von Kohle zerfällt in zwei Theile, nämlich die durch die fogenannten„, Linien" umgürtete eigentliche Stadt und die Vororte. Ueber den Kohlenverbrauch des inneren Stadtgebietes befitzen wir amtliche Aufnach welchen fchreibungen zu Zwecken der Verzehrungsfteuer gemacht - - die Einfuhr von Brennholz und Kohlen in die innere Stadt betrug: Brennholz im Jahre 1850 832.775 Cubikmeter, Kohle 49.542 metrifche Tonnen 99 99 1857 " ... 770.158 1862 713.476 " 73.083 131.268 99 " 9 99 " 99 " 9 1864 701.061 I54.359 97 22 95 1872 770.294 99 255.900 99 99 Danach hat der Verbrauch von Brennholz in dieser Zeit beträchtlich abgenommen, der Verbrauch von mineralifcher Kohle von 1850 bis 1862 um 164 9 Percent und in dem Jahrzehnte von 1862 bis 1872 um 949 Percent zugenommen. Ueber die Bevölkerungszahl und den Kohlenverbrauch innerhalb der Linienwälle geben wir folgende Daten: 168 J. Pechar, Dr. A. Peez. Bevölkerungszahl und Kohlenverbrauch Wiens exclufive Vororte. Im Jahre Bevölkerungszahl Menge in Millionen Zoll- Centnern 1860 502.308 2.008 1861 2.246 1862 2.615 1863 2.659 1864 550.241 3.087 1865 2.384 1866 3.052 1867 2.781 1868 2.649 1869 607.514 3.644 1870 4.425 1871 5.145 1872 644.400 5.118 Wie aus diefer Tabelle folgt, ift auch in dem engeren Stadtbezirke, befonders vom Jahre 1869 beginnend, der Verbrauch an mineralifchem Brennftoffe bedeutend geftiegen. Es bildet aber die im Jahre 1872 confumirte Menge von 255.900 Tonnen oder 5,118.000 Centnern Kohle und Coke, wofür an Verzehrungsfteuer ein Betrag von 109.672 Gulden entrichtet wurde, nur den kleineren Theil des Gefammt. verbrauches von Wien und feiner Umgebung. In der letzteren, in den Vororten, liegen die Gasanftalten, ferner die Bahnhöfe, die grofsen Ziegeleien, Brauereien, Mafchinen- und Waggon- Bauanftalten und andere induftrielle Etabliffements. Diefe Anftalten in der Umgebung Wiens in Rechnung gezogen, ergibt fich für Wien ein Kohlenverbrauch von etwa 12 Millionen Zoll- Centner. Es betrugen nämlich die von den einzelnen Bahnen nach Wien gebrachten Mengen von Kohlen und Coken einfchliefslich Regie und ohne Rückficht auf Wiederausfuhr im Jahre 1873: Bei der Nordbahn I 1,945.000 Zoll- Centner . 1,615.000 1,385.000 " 9 " Südbahn. " 99 Staatsbahn " ས་ ས • " Kaifer Franz- Jofef- Bahn Elifabeth Weftbahn 400.000 26.000 99 " 29 29 Zufammen 15,371.000 Zoll- Centner. Von diefen nach Wien eingegangenen Kohlenmengen find im Tranfit weitergegangen: 2,100.000 Zoll- Centner zur Südbahn. Weftbahn " 650.000 " Wien- Raaber- Linie 1,100.000 " Schlagen wir nun den Tranfit im Belaufe von • ab, fo bleibt für Wien ein Verbrauch von - 3,850.000 11 11,52 1.000 Zoll- Centnern oder rund 12.000.000 Centnern. Diefe vertheilen fich ungefähr für folgende Verbrauchszwecke: Verbrauch innerhalb der Linien وو Vororte. Gasfabriken Mineralifche Kohle. 99 " Ziegeleien. Brauereien " Eifenin duftrie. وو " Waggon-, ChemikalienFabriken und Diverfen 169 • 51 Millionen Zoll- Centner I- " 9 99 22 2- " 9 99 2- · ንዓ 04 " 99 0.5 وو 99 0.5 99 ንን Zufammen 115 Millionen Zoll- Centner. Es hätte demnach Wien einen Kohlenverbrauch, der um mehr als ein Drittel kleiner ift als der Berlins( 18 Millionen Centner), der ferner etwas über ein Drittel des Verbrauches von Paris( 30 Millionen Centner) und ein Zehntel des Verbrauches von London( 120 Millionen Centner) darftellt. Was die in Wien zum Verbrauche gelangenden Kohlengattungen betrifft, fo mögen diefelben( nach Schätzungen) im Jahre 1873 beftanden haben aus: Oberfchlefifcher Kohle Oftrau- Karwiner " Steirifcher Braunkohle Roffitzer Kohle Pilfener " Waldenburger, Traunthaler, Gödinger Kohle دو zu 69 Percent= 8.28 Mill. Ctnr. 18 " 2.16 99 99 _ " I3 - I 09 0.16 0.16 " " 99 = وو O'15" 9 99 وو " 9 In dem Jahre 1874 dürfte der Antheil der Oftrauer Kohle an der Verforgung Wiens ein gröfserer geworden fein, da weniger Kohle zu Coken verarbeitet wird. Ueber die Kohlenpreife in Wien geben wir folgende Zufammenftellungen: Preife der preufsifchen Salonkohle in Wien bei der Oefterreichifchen Kohlen- Verkehrsbank( vormals Muhr& Comp.). Bei ganzen Loco Im Monat Nord Bahnhof Loco Wohnung Jahre Wagenladungen loco Wohnung Kreuzer per I Zoll- Centner 1866 Januar 85.5 94° 5 92.5 December 80.2 89.2 87.2 99 1867 Januar 80'2 89.2 87.2 1869 October 77 7 86.7 84.7 December 77 7 86.7 84.7 • 99 1870 Januar 80.2 89.2 87.2 October. 80.2 89.2 87.2 95 1873 Februar. 96.0 1050 103 0 März 96.0 1050 103'0 • وو October 94'0 1030 ΙΟΙΟ 99 " November. 95.0 106'0 104.0 Ueber die Entfernung der einzelnen Kohlenreviere von Wien, fowie die in der erften Hälfte des Jahres 1874 geltenden Transportkoften für mineralifchen Brennftoff gibt folgende Tabelle Auffchlufs, der wir zugleich die für die Kohlenverforgung Berlins mafsgebenden Frachtfätze beifügen: 170 J Pechar, Dr. A. Peez. Tariffätze für die Beförderung von Kohlen nach Wien und Berlin ( Für einen Zoll- Centner inclufive Expeditions- Gebühr.) Steinkohlen. Productionsort Entfernung in Meilen Kilometern I. Wien. Per Centner Per Centner u. Meile Braunkohlen Entfernung Productionsort in Meilen Kilometern Per Centner Per Centner u. Meile kr.öfterr.W IO'O 75.85 12'0 I'2 . 25 0 189 64 20'0 0.8 . • 34'5 261'71 27'1 0.785 . 35'5 269 30 28.4 o'800 . 38.8 294 33 33'9 0873 . . • 47 5 350 33 30'0 o'631 • 510 386-88 38.95 0763 • 52'0 394'46 32'0 0.615 • 53 0 402 05 330 0.622 Roffitz. Oftrau Pilfen( K. F.-J.-B.) Kladno- Bufchtěhrad via Kralup( Oeft. St.-E.-B.) 60'1 455'91 40'1 im Refactiewege 34 I دو دو Bubna( Oeft. St.-E.-B.) Všetar( Oeft. N.-W.-B.) im Refactiewege 59'4 450 60 40'9 527 399'77 43'6 دو Smichov( K. F.-J.-B.). Jaworzno. Fünfkirchen Schwadowitz Rakonitz via Smichov.. 517 392 19 39'4 510 386-88 36.8 52'5 398 26 37'0 52 6 399 02 36.8 56 5 428 60 41 2 kr.öfterr.W. 23'5 178 26 20: 5 35 1 266 26 28 33 46.0 348 95 29 1 33'9 • o'872 Gloggnitz. 0807 Leoben. o'633 Voitsberg. Köflach. o 667 Wies. o'567 Cilli o'688 Salgó- Tarján 0827 Hraft nigg. o'643 Sagor. 0762 Dux( Oeft. NordWeft- Bahn)- O'721 0704 0.699 Ausland. Steinkohlen. O'729 Bahn) Radnitz via Pilfen( K. F.- J.Anina( Steyerdorf). 49'0 371 71 37 6 98 0 743 42 68'0 Czernitz 0757|| Kattowitz.. 0'693 Waldenburg. II. Berlin. Productionsort 610 452 74 340 O'557 • 430 326 19 38.6 0.897 49 8 377 77 39'1 0785 62-6 62 6 474 87 37'5 0'591 Per Entfernung in Per Centner Centner und Meile Meilen Kilometern kr. öfterr. Währ. Ruhr Kohlenbecken Oberfchlefifches Becken 72'3 552125 7113 540-87 30.5 28.5 0.394 0'429 Waldenburger 23 46.5 352174 15155 0'334 Duxer 41'2 " 312'54 23 25 0.564 Zwickauer " 33° 253 37 22'1 0.661 Mineralifche Kohle. 171 Reichenberg, welches mit feiner Umgebung den wichtigften Induftriebezirk Böhmens bildet, bezog vor dem Jahre 1859 den gröfsten Theil feines Brennmaterials( abgefehen von Holz) aus dem benachbarten Zittauer Kohlenreviere, deffen geringwerthige Braunkohle vor Exiftenz einer Eifenbahn in vielen Hunderten von Wagen nach Reichenberg geführt wurde. Erft mit dem 1. April 1859 wurde die hauptfächlich auf die Initiative der Induftriellen Johann Liebieg, Adalbert Lanna und Gebrüder Klein ins Leben gerufene Süd- Norddeutſche Verbindungsbahn von Reichenberg bis Turnau eröffnet und damit der Bezug von Schwadowitzer und Schatzlarer Kohle ermöglicht. Um Weniges fpäter, nämlich am 1. December 1859, fand die Eröffnung der Zittau- Reichenberger Bahn ftatt, auf welcher nunmehr auch die Waldenburger und in der Folge( namentlich feit den im Jahre 1869 in Waldenburg ftattgehabten Arbeiterunruhen) auch die oberfchlefifche Steinkohle nach Reichenberg gelangte. Weitere für den Kohlenbezug wichtige Ereigniffe waren die Anlage der Turnau- Kraluper Bahn und später der Böhmifchen Nordbahn, von denen die erftere im October 1865, letztere gegen Ende des Jahres 1868 dem Verkehre übergeben wurde. Durch die Turnau- Kraluper Bahn wurde der Kohle von Kladno- Bufchtěhrad, durch die Böhmifche Nordbahn der böhmifchen Braunkohle der Weg nach Reichenberg eröffnet. - Was die letztere anbelangt, fo konnte jedoch erft die Weiterführung der Nordbahn von Warnsdorf bis Grofs Schönau, welche im Juli 1871 perfect wurde, auf einen lebhafteren Transport jener Kohle fördernd einwirken, da fie bis dahin immer noch den weiten Umweg über Dresden nehmen mufste. Der Verbrauch der wichtigften diefer verfchiedenen Kohlenarten entwickelte fich nun in folgender Weife: Kohlenconfum Reichenberg's nach Kohlengattungen. 1860 1865 1870 1871 1872 1873 Kohlengattungen Oberfchlefifche Waldenburger. Böhm. Braunk.. Bufchtěhrader e 122.000 - Zoll Centner 730.000 750.000 900.000 1,205.000 322.000 380.000 550.000 480.000 424.000 45.600 58.820 371.180 382.760 29.000 50.000 40.000 30.000 Was die Qualität und den Nutzeffect obiger in Reichenberg zur Verwen dung kommender Kohlengattungen betrifft, fo geben wir folgende in den Etabliffements von Johann Liebieg& Comp. in Reichenberg und F. Leitenberger in Kosmanos ermittelte intereffante Vergleichung. 172 Ergebniffe der Heizverfuche von Johann Liebieg& Comp. in Reichenberg. Bezeichnung der Kohlen gattug Lowry Waffertemperatur 50 Grad Réaumur Wafferverdampfung in Gallonen per I ZollHat gewogen Zoll- Centner von der ganzen Kohle von einem WienerCentner pfund in Zollpfunden Rückftand in Percenten J. Pechar, Dr. A. Peez. Auffig- Duxer Braunkohle Auffig- Karbitzer Braunkohle Kladnoer Stückkohle.. Schwadowitzer Stückkohle Schatzlarer von G. Manger Waldenburger von Petzold, Kleinkohle " 97 وو 97 Förderkohle Berger Friedenshoffnungsgrube. I 208.32 II.991 64.6 5.23 2.5 I 207.2 9.450 50 4.06 3.2 I 216.16 14.668 76 6.16 12.5 I 222.88 13.095 66 5:35 2215 I 204'5 14.060 76.6 6.2 13 I 221.76 14 652 74 5.99 13.7 I 229.6 17.179 83.8 6.78 IO I 226.24 15.150 78.7 6.3 21 " Kramfta'fche C. G. Victorgrube I 238.56 18.531 87 7.05 12'4 و" وو Guftavgrube I 229.6 14.911 72 5.84 15.5 Landshuter Waldenburger " Louifengrube. Nufskohle I 199.36 9.612 54 4:38 19'4 I " • 201.6 14.910 83 6.72 15 Oberfchlefifche von Siegheim Ehrlich Brandenburggrube 215 17.664 92 7.46 33333 Louifenglücksgrube I 206 13.850 86 6.92 Sufannagrube I 201.6 13.860 77 6.24 Jacobgrube I 208.32 13.020 70 5.68 v. Prenzel Carl Segengrube I 194.88 12 528 72 5.84 v. Wollheim Mathildengrube I 209.44 15.147 81 6.57 546550 5.15 4.7 6.4 5.9 6.5 I2 Ergebniffe der Heizverfuche von F. Leitenberger in Kosmanos. Bezeichnung der Kohlen gattung Anzahl der Keffel Quadratim Betriebe Feuerfläche Roftfläche Heizftunden Verbrannte Kohle in Zollpfunden Verbrauch per Stunde und per Quadratfufs Roftfläche Temperatur des Waffers Ausgedämpftes Waffer in Zollpfunden Mit I Pfund Kohle ausgedämpftes Waffer Mit 1 Pfund Kohle ausgedämpftes Waffer von Per Quadratfufs Feuerfläche ausgedämpftes Waffer Afche und Schlacke. Percent fufs Waldenburger Kohle( Förder)* 99 29 Mariafcheiner Braunkohle 99 99 Kladnoer Grofskohle* Halb Waldenburger Förderkohle, halb Braunkohle. 12222 44 136.64 10.9 46 95 240 6.970 6.48 3.53 12 29 35 225.68 II 3 40 155 840 6.904 6.48 3.91 10 74 35 468.16 23.4 32 186 020 3.978 3.78 443 5.08 50 656.88 23.9 35 265 640 4 044 3.82 4* 40 5.11 41 356.16 15.26 37 226.00 6.344 5.98 4.57 I 2'10 2 Halb Waldenburger Förderkohle, halb Kladnoer 2 Kramfta'fche Kleinkohle. I Halb Kladnoer, halb Petzold' fche Grieskohle. I Petzold'fche Grieskohle I I 66 574.84 15.29 41 308 420 5.364 5'02 3.80 9'93 per Keffel 28.5 per 2 Keffel 57 2 2 27 28 224 00 169.30 14.56 10.69 41 4 I 148 200 90 720 6.616 6.2 4.5° 5:36 5.00 3.20 II 12 20.0 33 173.00 34.5 92.460 5:34 5.064 3.24 2217 8 42.00 44 20 500 4.88 ΙΟ 9 I 7 I I2 I I I I 10.5 • I 105 Halb Kramfta'fche, halb Kladnoer. A. W. Berger& Comp., Grieskohle Halb Kladnoer, halb Berger.. Halb Kramfta'fche, halb Braunkohle Halb Berger'fche, halb Braunkohle Halb Petzold'fche, halb Braunkohle Halb Kladnoer, halb Braunkohle * 100 Centner Kladnoer Kleinkohle, welche 25 Percent Afche und Schlacken enthalten, äquivaliren 67 Centnern Waldenburger Kleinkohle, mit 14 Percent Afche und Schlacken. 4.55 3 100 54.50 26.5 29 020 5:32 5114 18.3 43.00 9.1 44 21 900 5.08 4.84 314 39.60 42.7 10 680 5.38 5.02 23.48 77.00 46.6 17 250 448 410 19.61 72.00 46.6 16.900 4.68 4.30 16.25 71.60 46.4 71.00 45.6 15.810 4.40 4'I 16.850 4.74 4.3 I 7 45 14.08 Mineralifche Kohle. 173 174 J. Pechar, Dr. A. Peez. Nach den von der Firma Schöller& Comp. in Čakowitz vorgenommenen Heizverfuchen verdampften: I Pfund Kladnoer Steinkohle. • 4.284 Pfund Waffer, I 27 Rakonitzer Moravia Steinkohle 3.496 " " 7 I Hoftokrej Lubnaer Dux- Brüxer Braunkohle 27 99 4.941 4.018 29 " Obwohl diefe Ergebniffe die Braunkohle als vollkommen concurrenzfähig erfcheinen laffen, ift doch in Reichenberg der Verbrauch noch immer ein verhältnifsmäfsig geringer, indem die fchlefifchen Steinkohlen noch immer den Reichenberger Markt beherrschen. Sind es nun keineswegs Gründe technifcher Natur, welche diefe Erfcheinung erklären, fo können diefelben nur in den hohen Tarifen der inländifchen Bahnen gefucht werden. Die nachfolgende Zufammenftellung möge diefs näher illuftriren: Kohlenfracht nach Reichenberg. Tariffatz Entfernung in per Productionsort Zoll- Ctr. Cent. Meile Meilen Kilometern Kreuzer Inland. Bufchtěhrad 18.6 141'09 25 0 I 34 Schwadowitz 18.7 141.85 18.5 0.98 Dux 20'4 154'75 * 19.625 0.96 Oftrau 545 413'43 590 1.08 Ausland. Waldenburg Zwickau. . Kattowitz( Oberfchlefien) * In Silber. 25.7 194.95 17.5 0.68 36.9 279'92 22 0 0.51 58.0 439.98 27.0 0.46 Hieraus ergibt fich, welche Anftrengungen die deutfchen Bahnen machen, um in jenen Orten, wo die Concurrenz mit anderen Kohlenbecken auftritt, den Markt zu behaupten, und es ift offenbar, dafs das Mifsverhältnifs der Tariffätze nach der Eröffnung der im Baue begriffenen Eifenbahn Reichenberg- FriedlandGörlitz und der projectirten Friedland- Greifenberg- Liegnitzer Bahn, welche den Weg der oberfchlefifchen und Waldenburger Kohle nach dem nördlichen Böhmen noch weiter um ein Beträchtliches reduciren, ein noch fchärferes werden wird. Die billigfte Mafchinenkraft in ganz Oefterreich befitzt vermöge feines Kohlenreichthumes die Gegend am Fufse des Erzgebirges; die dichtefte, gefchultefte und wohlfeilfte Arbeitskraft findet fich in den Bezirken von Reichenberg, Rumburg und Warnsdorf. Um fo wichtiger erfcheint es daher, dafs durch billige Transportmittel die Verbindung zwifchen beiden Gegenden und beiden Elementen der induftriellen Production zu einer recht innigen geftaltet werde. Prag. Es gibt nur wenige europäiſche Grofsftädte, welche rückfichtlich ihrer Verforgung mit Kohle eine glücklichere Lage haben als Prag. Man kann vielleicht nur Brüffel in diefer Beziehung mit der böhmifchen Landeshauptftadt vergleichen. Die Kohlenlager erftrecken fich hier fozufagen bis vor die Thore der Stadt, wefshalb auch Prag fchon feit Jahrzehnten einen grofsen Theil feines Brennmateriales durch mineralifche Kohle deckt. Diefs ermöglichte auch die Entfaltung einer bedeutenden Induftrie innerhalb der Stadt felbft, namentlich aber in den Vorftädten Smichov, Bubna und Karolinenthal früher, als felbft Wien zu einem Sitze der Grofsinduftrie geworden ift. Mineralifche Kohle. 175 Prag, deffen Bevölkerung fich im Jahre 1857 auf 142.588, im Jahre 1869 auf 157.713, mit Hinzurechnung der Vorftädte Smichov und Karolinenthal aber auf 186.479 Einwohner belief, wird mit Kohle verforgt durch folgende Becken: 1. Das Kladno- Bufchtěhrader Becken nebft der Rakonitzer Ablagerung; 2. das Pilfen Radnitzer Becken; 3. das erzgebirgifche Braunkohlen- Becken. Von diefen Revieren ift das Kladno Bufchtěhrader, als das nächft gelegene, für Prag zuerft von Bedeutung geworden, denn fchon vor der Entftehung der Bufchtěhrader Eifenbahn legte die Steinkohle den nur 5 Meilen( 37 9 Kilometer) langen Weg per Achfe zurück. Allein fchon verhältnifsmäfsig früh, das heifst, als eine der älteren unter den Eifenbahnen Oefterreichs, wurde im November 1855 die Bufchtěhrader Bahn dem Verkehre übergeben, deren eigentlicher Zweck es war, der Steinkohle des Kladno- Bufchtěhrader Revieres einen leichteren Abflufs zu verfchaffen. Seitdem vollzog fich in dem genannten Becken ein gröfserer Auffchwung, der von einem fortwährenden Steigen der Grubenpreife begleitet war. Die beiftehende Tabelle der Grubenpreife vom Jahre 1772 bis 1872 dürfte in diefer Beziehung von einigem Intereffe fein. Kohlenpreife an den Kohlengruben von Kladno- Bufchtěhrad.* Im Jahre Stein- Stück- Würfel Schmied- Klein- Wafch- StaubKohle per Zoll- Centner in Kreuzern öfterreichifcher Währung 1772 6.42 1780 6.42 1790 7.76 1800 5.98 1805 10.98 1810 9.01 8.75 562 4'43 4.19 1815 39.55 28.30 22.32 1820 19:37 13.75 9.37 1825 15.62 IO 62 7 14 1830 17:35 13.30 7.59 1835 18.12 14.37 13 39 1840 21.07 17:58 13.92 1845 21.87 17.50 12.50 1850 20.26 18.21 12 12 1855 28.12 23.39 25.00 12.50 1856 31.25 26.57 25.00 14.28 1860 34.82 28.57 18.75 26.78 3.57 1865 34.82 28.57 18.75 24 10 3.57 1870 37.50 31 25 21 42 33.92 7.14 1871 41 07 33.92 26.78 37.50 7.14 1872 41 07 35.71 26.78 40.10 7.14 Die Fracht für einen Zoll- Centner Steinkohle von Kladno bis Prag- SandthorBahnhof ftellte fich im Jahre 1859 auf vom 1. Juli 1867 ab auf. vom 15. Auguft 1868 ab auf gegenwärtig auf II kr., IO 99 8 وو 7.5" * Aus dem trefflichen Kataloge für die ,, Collectivausftellung von Beiträgen zur Gefchichte der Preife" von Dr. Edmund Schebek. I2* 176 J. Pechar. Dr. A. Peez. Nunmehr zahlt man per Zoll- Centner: Kladno. Bufchtěhrad Brandeisl Rakonitz von Meilen Bahnhof Smichov Kilometer Per ZollCentner in Kreuzern 555 50 5.6 5.9 9.9 6690 37.90 8.1 42.48 8.1 44.75 8.1 75.10 10'4 Die Fracht nach Prag- Sandthor beträgt gegenwärtig 75 Kreuzer, nach Bubna 8.1 Kreuzer per Zoll- Centner, demnach heute noch nach dem Sandthor- Bahnhofe Smichov. Bubna " per Centner und Meile . 1'92 Kreuzer 1.62 29 1.88 99 Sämmtliche Werke des Kladno- Bufchtěhrader Reviers find, wie früher fchon bemerkt wurde, in den Händen von drei Befitzern und den Verkauf beforgt ein eigener Verein. Wir geben nun eine Ueberficht über die Verkaufspreife vom Jahre 1859 bis 1874. Preife der Kohle aus dem Kladno- Bufchtehrader Becken in Prag. Stück- Würfel- KleinIm Jahre In der Zeitperiode K ohl 1 e per Zoll- Centner in Kreuzern 1859 bis 1862 50.9 44.6 35.7 29 1863 1865 1866 48.2 41'9 32'1 1868 29 42.8 40.2 30.3 1869 99 1870 יי Januar November Januar September" bis October 42-8 40 2 30'3 December 99 44.6 419 30.3 27 Auguft 44.6 419 30.3 December 47 3 42-8 33.0 1871 Januar Mai April 47 3 42.8 330 29 October " 49 1 42-8 33.9 " 1872 November Januar December 25 52.7 45.5 33.9 October 95 527 45'5 33.9 November 99 December " 9 52.7 47.3 33.9 1873 Januar October 99 550 510 350 99 1874 November Januar December " 56.0 510 350 und Februar 56.0 510 35.0 Die vorſtehenden Kohlenpreife verftehen fich loco Prag( Staatsbahnhof), in den Vorftädten Bubna und Smichov ermäfsigen fie fich um 2 Kreuzer, auf dem Bahnhofe der Bufchtěhrader Bahn( Sandthor) jedoch um 3 Kreuzer. Bezüglich der circa 10 Meilen( 75.8 Kilometer) von Prag entfernten Kohlenlager von Rakonitz fei noch erwähnt, dafs diefelben erft im December 1871 durch einen Schienenweg mit Prag verbunden worden find. Mineralifche Kohle. 177 Ein zweites Kohlenbecken wurde für Prag erfchloffen durch die im Juli 1862 erfolgte Eröffnung der Böhmifchen Weftbahn. Es ift diefs das circa 15 Meilen ( 113 8 Kilometer) von Prag entfernte Pilfener Revier mit feinen drei Seitenmu! den von Radnitz, Miröfchau und Nürfchan. Der Tarif für diefe Kohle beträgt: nach Smichov( Prag) Weftbahnhof Entfernung in Tariffatz per von Centner Centner und Meile Meilen Kilometern Kreuzer öfterr. Währ. Pilfen 14.5 109.99 16.0 I 103 Radnitz 14.5 109.99 19.5 I'344 Miröfchau. Nürfchan II5 16.5 87.23 13.5 I 173 125 16 18.0 1'091 Die Pilfener( Nürfchaner) Steinkohle findet in Prag insbefondere Verwendung zur Leuchtgas- Fabrication. Von weit gröfserer Wichtigkeit für den Prager Kohlenmarkt ift die erzgebirgifche Braunkohle. Sie kommt nach Prag feit Anfang der Sechziger Jahre, nachdem die Auffig- Teplitzer Bahn von Teplitz nach Auffig ins Leben getreten und damit ein Anfchlufs an die den weiteren Transport vermittelnde Staatsbahn hergeftellt war. Seit Kurzem find jedoch mehrere neue Verbindungen eröffnet worden, und es ftehen jetzt der erzgebirgifchen Kohle, um nach Prag zu gelangen, vier Linien zu Gebote: die Oefterreichifche Staatsbahn via Auffig, die Strecke Komotau- Prag der Bufchtěhrader Bahn, die Prag Duxer Bahn via Ladowitz oder Brüx und die Oefterreichifche Nordweftbahn via Auffig- Všetat. Unter dem Einfluffe diefer vermehrten Zufuhrftrafsen wird der Verbrauch der Braunkohle in Prag und Umgebung namhaft an Bedeutung gewinnen. Die Tarife aus dem erzgebirgifchen Becken nach Prag über Auffig( Auffig. Teplitzer und Staatsbahn) und über Ladowitz( Auffig- Teplitzer oder Dux- Bodenbacher, fodann Prag- Duxer Bahn) find, inclufive der Expeditionsgebühr, exclufive der Schleppbahn- Gebühr die folgenden: Kohlenfracht aus dem erzgebirgifchen Braunkohlenreviere nach Prag. Via Auffig Via Ladowitz Von Kilo- per ZollMeilen Centner Meilen meter Kilometer per ZollKreuzer Centner Kreuzer Brüx. 19.7 149'4 19.7 16.4 124 4 13.5 Bilin 18.2 138.0 18.7 17.0 128.9 140 Dux. 17.7 134 2 18.3 17 4 132 0 14 5 Teplitz. 16.4 124 4 17.5 18.7 141 8 17.8 Mariafchein 1517 119 1 17.0 194 147 I 18.4 Karbitz. 15.2 1153 16.5 19.9 150 9 18.7 Zur Beurtheilung des Kohlenconfums von Prag und deffen nächfter Umgebung geben wir nachftehend eine Zufammenftellung der aus den verfchiedenen Kohlenbecken in den letzten Jahren nach Prag gelangten Kohlenquantitäten. Zufammen PragBöhm. NordDuxer weft-( Bufchtěhrader) in Bahn Bahn SteinBraunSumma kohle kohle In der Station Prag find angekommen mittelft der erzgebirgifche Braunkohle Böhmifchen Böhm. Nordweft( Bufchtěim Weftbahn Oefterreichifchen Staatsbahn hrader) Bahn Jahre S t Pilfene i n k O h 1 e Radnitzer Rakonitzer Kladno- Bufchtěhrader Z 0 1 1 - C e nt n e r 178 J. Pechar, Dr. A. Peez. 1863 489.610 1,108.563 1864 1,097.932 2,004.781 1865 1,267.000 1,630.838 1866 1,037.349 1,720.225 332.200 1867 1,416.000 2,259.387 425.000 1868 1,690.600 2,455.810 466.000 1869 1,921.452 2,469.248 519.200 1870 1,810.500 2,903.235 681.800 1871 2,059.900 977.077 2,715.774 1,534.33I 833.400 1872 1,315.200 547.231 2,943.650 2,366 099 687.600 36.462 7,287.082 869.862 136.425 7,172.180 824.025 7,996.205 8,156.944 1873 986.600 1,109.270 2,731.232 2,428.858 521.000 221.000 112.191 7,255.960 855.191 8,111.151 Mineralifche Kohle. 179 Der Kohlenverbrauch in Prag und feinen Vororten kann daher für die letzten Jahre in runder Summa mit 8 Millionen Zoll- Centner pro Jahr angenommen werden. Da nun Prag mit feiner Umgebung, nämlich die Stadt felbft und die induftriereichen Bezirke Smichov und Karolinenthal im Jahre 1869 388.322 Einwohner zählten, entfällt per Kopf ein ungefähres jährliches KohlenverbrauchsQuantum von 20 bis 21 Zoll- Centner. Die Preife der Kladno- Bufchtěhrader Kohle in Prag wurden bereits oben mitgetheilt; nachftehend geben wir noch das Verbrauchsquantum und die Kohlenpréife der Prager Gemeinde- Gasanftalt, zufammengeftellt nach dem Präliminare der Stadt Prag. Verbrauchsquantum und Kohlenpreife der Prager der Prager GemeindeGasanftalt. Preis loco Gemeinde- Gasanftalt per Zoll- Centner Im Kohlenquantum in Zoll- CentPlattelkohle| Steinkohle v.Weftböhm. Kladnoer Bergbauder Jahre nern Steinkohle und Hütten- Pankrazrevier ( Nürfchan) Zeche Littitzer Steinkohle Mirö- Falkenfchauer auer Stein- Braunkohle kohle K r e u Z e r 1867 55.053 45.5 70.5 70.5 48.6 1868 181.688 43.7 70.0 70.5 48.6 1869 197.120 43.7 67.4 72.3 1870 2 13.983 43.7 67.4 74 3 50.0 1871 266.285 48.2 78.0 53.5 1872 330.105 50-8 bis 54.5 88.0 77.6 1874 1873 353.684 362.880 545" 54.5 58.1 85.0 77.0 55.9 88.0 77.0 Die erzeugten Coke wurden per Zoll- Centner loco Gemeinde- Gasanftalt zu folgenden Durchfchnittspreifen verkauft: Im Jahre Grofs coke K r Z Klein coke r 1867 401 1868 401 1869 31-2 bis 34.8 1870 35.7 99 39.2 26 8 bis 31.2 22° 3" 26.7 22.3 26.7 1871 37.5 97 401 26.7 bis 312 1872 77 1873 " 44.6 46.5 44.6 46.5 1874 401 44.6 " 31.2 312 25 0 99 35.7 99 35.7 " 9 312 Was die anderen Städte der öfterreichiſch- ungarifchen Monarchie betrifft, fo wird Brünn, welches innerhalb der Steuerlinien im Jahre 1872 einen Verbrauch von 2'1 Millionen Zoll- Centner hatte, theils aus dem Roffitzer Reviere, theils von Oftrau und Oberfchlefien verforgt. Die Roffitzer Kohle, welche während der Jahre 1870 bis 1873 vorzugsweife zu Coken verarbeitet wurde, fuchte im Jahre 1874 ihren alten Kundenkreis, insbefondere die mährifchen Zuckerfabriken, wieder auf, und es wurde im April 180 J. Pechar, Dr. A. Peez. 1874 Rofsitzer Schmiedekohle zweiter Sorte an der Grube im Grofsen mit 31 Kreuzern verkauft. Ueber die Brünner Platzpreife, loco Bahnhof, geben wir folgende Tafel: Kohlenpreife in Brünn. StückWürfelKleinStückWürfelKleinSchmiedeStückWürfelOftrau Kohle von Bufchtěhrad Rofsitz Kreuzer per I Zoll- Centner Im December 1869 in gröfseren Partien kleineren. " 9 " 65 62 5 464 58.8 67.8 - 46 4 517 35 7 312 - 69.6 - 55 3 55 8 540 49'5 Im März 1874 kleineren 29 in gröfseren Partien ohne Unterfchied des Quan81.6 88.1 - 56.2 - 58.0 tums 714 660 40 1 500 46.4 In den obigen Preifen ift die Verzehrungsfteuer, welche für die nach Brünn eingeführte Kohle zu entrichten ift, in der Höhe von 3 12 kr. per ZollCentner enthalten. Pest, deffen Einwohnerzahl sich mit Hinzurechnung von Ofen nach der Zählung vom 31. December 1869 auf 255.053 Seelen belief, gegenwärtig aber gegen 320.000 betragen mag, ftützt fich mit einem Jahresverbrauche von etwa 5.5 Millionen Zoll- Centnern ganz befonders auf die Braunkohle von SalgóTarján und Gran, bezieht aber in neuefter Zeit, feitdem die Kafchau- Oderberger Bahn eröffnet ift, auch bedeutende Mengen von oberfchlefifcher Kohle. Auch Braunkohle aus dem Schylthale verfuchte in neuefter Zeit auf dem Kohlenmarkte in Peft Boden zu gewinnen. In den Jahren 1872 und 1873 wurden folgende Kohlenquantitäten nach Peft eingeführt: 1873 auf der Oefterreichifchen Staatsbahn 11 11 Ungarifchen Staatsbahn. Donau " 3 1872 Zoll- Centner 580.850 3,466.248 171.244 4,217.495 981.266 1,071.145 Zufammen 5,028.364 5,459.884 Hiernach würde in Peft auf den Kopf ein Confum von ungefähr 17 ZollCentnern kommen. Was die Kohlenverkaufspreise anlangt, fo find diefelben dem nachfolgenden Tableau zu entnehmen. Mineralifche Kohle. Durchschnittliche Kohlenverkaufspreife in Peft. 181 Gross Förder Gross Klein Gross Klein Kohle von Salgó- Tarján Ostrau Oravicza Kreuzer per I Zoll- Centner I. Loco Bahnhof December 1869 en gros en détail December 1870 58 52 67 April 1874 en gros 68 en détail 70 Yo Guen 39 415 40.5 43 37 85 40 90 II. Franco in das Haus 73 73 95 86 70 IOO 88 zugestellt: April 1874 76 43 IOO So IIO 98 In den obigen Preisen ift der Eingangszoll( Pflaftermauth) von 2 krn. per Zoll- Centner, welchem alle nach Peft gelangende Kohle unterliegt, inbegriffen. Die Kohle von Gran und Fünfkirchen wird in Peft nicht im Kleinen verkauft, fondern von den Induftriellen der Stadt zu vereinbarten Abfchlufspreifen direct von den Gruben bezogen. Die Frachtfätze, zu welchen die Kohle der verfchiedenen Becken nach Peft geführt wird, ift aus folgender Zufammenftellung erfichtlich: Bezugsort der Kohle Kohlenfracht nach Peft. Entfernung in Tariffatz per Zoll- Zoll- Centn. Meilen Kilometern Centner und Meile Wafferfracht auf der Donau Kreuzer Gran ΙΟΟ 75.85 18.0 1.800 5 Kis- Terenne 14.8 II2 27 9.0 0.608 Salgó- Tarján. 16.3 123.65 ΙΟΟ 0.613 Oravicza 7515 436 19 36.0 0.626 Oftrau 641 486-25 52 9 0.825 Fünfkirchen 48.5 367.91 35.0 0.721 32 Oberfchlefifche Steinkohle gelangt auf der Kafchau- Oderberger und Ungarifchen Nordbahn in neuefter Zeit zu fehr ermäfsigten Transportpreifen nach der ungarifchen Hauptftadt. Die Spefen für die 16 Meilen( 1214 Kilometer) lange Strecke der Kafchau- Oderberger Bahn von Oderberg bis Ruttek betragen 12 3 Kreuzer öfterr. Währ. per Centner, wozu noch für die 41 Meilen( 311 Kilo. meter) lange Strecke der Ungarifchen Nordbahn von Ruttek bis Peft( zu o 6 kr. per Centner und Meile, nebft 8 Percent Refactie) 22.6 kr. ö. W. hinzutreten; 13 182 J. Pechar, Dr. A. Peez. hierzu noch 2 kr. für Manipulation, ergibt einen Transportpreis von 36.9 kr. öfterr. Währ. von Oderberg bis Peft. In anderer Richtung hat die oberfchlefifche und Oftrauer Kohle feit dem Jahre 1874 in Galizien, der Bukowina und Rumänien ein entwicklungsfähiges Abfatzgebiet gefunden. Diefs ward erft möglich, feitdem in der mafslos unrich tigen Tarifpolitik, welcher die Carl Ludwig- Bahn und Lemberg- Czernowitzer Bahn unter ihren früheren Leitungen huldigten, ein Umfchwung eingetreten. Ein Tarif von mehr als einem Kreuzer per Centner und Meile mufste die Entwicklung der öftlichen Kohlenmärkte erfticken und verurtheilte die Haushaltungen, die Induftrie und die Bahnen felbft zum ausfchliefslichen Holzconfum. Seitdem die Lemberg- Czernowitzer Bahn unter Sequefter geftellt und die Generaldirection der Carl Ludwig- Bahn in bewährte Hand gelegt wurde, hat fich diefs in erfreulicher Weife geändert. Beide genannten Bahnen fahren jetzt mit 05 Kreuzer Silber per Centner und Meile, und fo hat fich in kurzer Zeit nicht nur der Abfatz der Kohle in Galizien und der Bukowina felbft gehoben, fondern erftreckt fich auch bereits auf die Rumänifchen Bahnen, welche ihrerfeits. einen Tarif von o'6 Kreuzern Silber per Centner und Meile als Norm aufftellten. Die wohlthätigen Folgen für alle Betheiligten werden nicht ausbleiben. Uebrigens ftöfst die öfterreichifche Kohle in Rumänien, ebenfo wie in Trieft, Pola, Verona und Hamburg auf die Concurrenz der englifchen Kohle, welche in Bukareft im Jahre 1873 28 fl. Silber koftete, im April 1874 aber fchon wieder auf 16 fl. Silber gefallen war. Graz und die inneröfterreichifchen Eifendiftricte verwenden nach Möglichkeit das aus den fteierifchen und krainer Braunkohlenbecken ftammende Brennmaterial und beziehen für Specialzwecke Oftrauer Steinkohle und Coke aus Oftrau und Roffitz. Ungeachtet aller Anftrengungen ift es noch nicht gelungen, der inländifchen Kohle den wichtigen Markt von Trieft zu fichern, womit felbftverſtändlich ausgefprochen ift, dafs auch unfere Dampferlinien und die Werften und Arfenale in Iftrien und Dalmatien fich mit fremder Kohle verforgen. Die Fracht für Oftrauer Kohle wurde von der Nordbahn und der Südbahn aufo 5 Kreuzer herabgefetzt; hierzu noch 3.5 Kreuzer Manipulationsgebühr für die ganze Route, fowie 175 Kreuzer für die Wiener Verbindungsbahn, ftellte fich im April 1874 Oftrauer Stückkohle mit 110 Kreuzer öfterr. Währ. nach Trieft, ein Preis, der immer noch zu hoch ift, um mit dem Preife der englifchen Kohle in Trieft von 95 bis 100 Kreuzer erfolgreich in Concurrenz zu treten. Die Verwendung der einheimifchen Kohle für Marinezwecke ift aufserdem erfchwert durch den Umftand, dafs die Marine in Trieft kein Materialdepot befitzt. Das Umladen in Barken und der Transport bis Pola und Liffa vertheuert daher die einheimifche Kohle noch weiter um 10 bis 12 Kreuzer. Ob nicht auch Vorurtheile zu Gunften des ausländifchen Productes mitwirken, bleibe hier ebenfo unerörtert wie die andere Frage, ob nicht Gefellfchaf ten, die vom Staate fo bedeutend fubventionirt find. wie der Lloyd, die moralifche Verpflichtung haben, wenn irgend möglich, ihre Bezüge aus dem Inlande zu machen. Je mehr fich das Eifenbahnnetz der öfterreichifch- ungarifchen Monarchie ausdehnt, je mehr fich die Tarife ausgleichen und je zahlreichere Kohlenreviere erfchloffen werden, umfomehr tritt die Möglichkeit hervor, dafs fich Specialitäten bilden und die verfchiedenen Kohlengattungen neben einander gebraucht werden, eine jede für den Zweck, wofür fie am meiften fich eignet. Da der Erzreichthum Oefterreichs ein ungewöhnlicher ift und die Eifenund Stahlinduftrie, ungeachtet des Dazwifchentretens von Schwankungen und Krifen, jedenfalls einer grofsen Zukunft entgegengeht, fo ift es wahrfcheinlich, dafs die Steinkohlenbecken, die ohnediefs, wie wir mehrfach bemerkten, keiner Mineralifche Kohle. 183 befonderen Ergiebigkeit fich erfreuen, in fteigendem Mafse, wo diefs möglich ift, fich auf die Erzeugung von Coken werfen und in folcher Weife ihrer Kleinkohle die befte und productivfte Verwerthung fichern. Die nicht backenden Kohlen werden bei Behauptung ihres localen Abfatzes auf weitere Entfernungen hinfichtlich ihrer Verwendung als Fabriks- und Hauskohle die Concurrenz der Braunkohle ertragen müffen, deren in den letzten Jahren rafch anfchwellende Fördermengen für die vielfeitige Brauchbarkeit diefes Brennftoffes den ficherften Beweis liefern. In feinen Braunkohlenbecken, namentlich dem erzgebirgifchen, dem Köflach Voitsberger und dem Schylthal- Reviere, befitzt Oefterreich coloffale Magazine eines guten, ja für manche Zwecke vorzüglichen Brennftoffes. Der leichte Abbau ermöglicht einen ungewöhnlich billigen Preis des Productes, fo zwar, dafs felbft in England die Mafchinenkraft, abgefehen von den Errichtungskoften des Motors, kaum wohlfeiler zu ftehen kommt, als in der unmittelbaren Nähe der öfterreichifchen Braunkohlenbecken. die Eine Frage von höchfter Wichtigkeit fei hier am Schluffe erwähnt, Frage der Verwendbarkeit der Braunkohle für den Hochofenprocefs. Wenn es gelingt, vermittelft der Siemens'fchen Apparate das Schmelzen der Erze durch Gasfeuerung zu bewirken, fo tritt die ganze Eifeninduftrie Oefterreichs aus ihrer Abhängigkeit von den Coken heraus, welche wegen der grofsen Entfernung der Steinkohlenbecken von den Erzlagern bei den Hochöfen hoch zu ftehen kommen, und es wird dann erft der aufserordentliche Reichthum Oefterreichs an trefflichen und namentlich für die Stahlbereitung befonders geeigneten Erzen zu einer Geltung gelangen, welche die öfterreichifchen Alpenländer ,, diefe uralten Sitze der Eifeninduftrie, zu einem unberechenbaren volkswirthschaftlichen Auffchwunge führen möchte.