OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. UNTER REDACTION VON DR. CARL TH. RICHTER, K. K. O. Ö. PROFESSOR IN PRAG. DIE FELDWIRTH SCHAFT. ( Gruppe II, Section 1.) BERICHT VON A. A. SCHMIED UND DR. J. WIESNER. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1874. LAND- UND FORSTWIRTHSCHAFT, WEIN-, OBST- UND GARTENBAU. ( Gruppe II.) FELD WIRTHSCHAFT. ( Gruppe II, Section 1.) Bericht von ANT. ADAM SCHMIED, Profeffor an der königlich böhmifchen höheren landwirthschaftlichen Landeslehranstalt Tetfchen- Liebwerd. EINLEITUNG. Charakter der Culturftaaten und ihrer landwirthschaftlichen Expofitionen. Bei der Unterfuchung der Vorbedingungen, welche zur Erhaltung und Entwicklung eines Volkes auf einem beftimmten Erdflecke erforderlich find, kommt man neben gewiffen von der Natur gegebenen Vorausfetzungen hauptfächlich zu einer einzigen, alle übrigen erhaltenden und theilweife bedingenden menfchlichen Thätigkeit: es ift diefs die Bodencultur, als diejenige Entwick lung, auf der jeder menfchliche Fortfchritt vorzüglich beruht. Die Bebauung des Landes allein vermag dauernd Nahrung, Kleidung und die übrigen Lebensbedürfniffe in der Fülle und Befchaffenheit zu liefern, welche dem menfchlichen Gefchlechte erft ein menfchenwürdiges Dafein ermöglichen. Die Erde ift, wie der amerikaniſche Denker Carey fehr bezeichnend gefagt hat, eine grofse Maſchine, welche unbrauchbar gewordenen Stoff bei richtiger Behandlung ftets wieder in brauchbaren verwandelt, fo oft man es von ihr verlangt. Darum ift der Landbau überall der Anfang der Cultur und ihr Erhalter, und fein Entwicklungsgrad ein ficherer Mafsftab für die geiftige Entwicklung und induftrielle Emfigkeit des betreffenden Volkes. Die mannigfachen Producte der Bodencultur waren aus den einzelnen Reichen und Ländern, entſprechend ihren Eigenthümlichkeiten und Befonderheiten, auf der Wiener Weltausftellung würdig vertreten und gaben ein klares Zeugnifs von dem agricolen Fortfchritt, der Intenfität der Wirthfchaftsweife und der Erfpriefslichkeit des Landwirthfchaftsbetriebes in den einzelnen Ackerbaudiftricten ab, fo dafs das Auge des fachkundigen Befuchers mit Befriedigung auf den ausgeftellten Erzeugniffen und Hilfsmitteln der landwirthfchaftlichen I* 2 Ant. Adam Schmied. Production ruhte und mit prüfendem Blicke nach einem richtigen Mafsftabe für die gegenfeitige Vergleichung des in fo grofser, faft überwältigender Menge gebotenen ausgezeichneten Materiales fuchte. Die Portale der Weltausftellung find nun gefchloffen, das wahrhafte Culturereignifs des Jahres 1873 beendet; aber in der Erinnerung ziehen an uns vorüber all' die überraschenden Erzeugniffe menfchlichen Schaffens und Ringens auf allen Gebieten productiver Thätigkeit und wir vergegenwärtigen uns nochmals die glänzenden Refultate des edlen Wettkampfes aller Völker beider Hemifphären, welche ftets und überall den ungeahnten Fortfchritt des XIX. Jahrhundertes triumphirend predigten. Und unter den ausgeftellten Herrlichkeiten des menfchlichen Wirkens nahmen die Producte des Landbaues eine gewifs hervorragende Stelle ein; denn waren diefelben auch nicht in prächtigen Paläften und in den Vorderreihen der Induſtriehalle ausgeftellt, wie die Kunft- und die gewerblichen Erzeugniffe, fo erregten fie doch durch die Maffe des Gebotenen und die durchweg vorzügliche Qualität des Ausgeftellten ein hohes Intereffe und allgemeine Aufmerkſamkeit. In Wien gelangte die gefammte Landwirthschaft und die mit ihr zufammenhängende Induftrie viel wirkfamer und intenfiver zur Veranfchaulichung, als diefs in Paris und London der Fall gewefen: die agrarifche Expofition hat der Wiener Weltausstellung das Hauptgepräge aufgedrückt. Nicht nur, dafs all' die hervorragenden Erzeugniffe aus allen Gebieten der landwirthschaftlichen Production, von dem einfachen Getreidebau bis zu der intenfivften Gartencultur, von den verdienftvollften Producenten aller Länder vorgeführt und in den Agriculturhallen, eigenen Pavillons oder auch einzelnen Quergallerien des Induftriepalaftes zur eingehenden Befichtigung ausgeftellt worden: es wurde diefsmal auch den einzelnen Zweigen der landwirthfchaftlichen Thierproduction die gebührende Aufmerkfamkeit gewidmet. So haben die zahlreich und glänzend befchickten temporären Pferde- und Rindvieh- Ausftellungen, die mit der letzteren vereinigte Schafvieh- Ausftellung und felbft auch die, wenn auch aufserhalb des Ausftellungsrayons veranstaltete Bienenzucht- Ausftellung die Aufmerkfamkeit des grofsen Publicums in hohem Grade auf fich gelenkt. In refpectablen Werken, Brochuren und fonftigen Publicationen* wurden die wirthschaftlichen Verhältniffe der einzelnen Länder und die Betriebsweifen der einzelnen beftbewirthschafteten Güter in ihrer Intenfität, Production, Ertragsfähigkeit und Rentabilität fkizzirt und die einzelnen dominirenden Syfteme graphifch und tabellarifch dargestellt. Und was Hervorragendes und wahrhaft Ausftellungswürdiges aus dem Landwirthfchaftsbetriebe Oefterreichs, der Natur der Sache gemäfs, in den Ausftellungsräumen nicht exponirt werden konnte, das wurde durch die Veranſtaltung grofser Excurfionen in der zweckmäfsigften und zuvorkommendften Weife erzielt. Aus der bedeutenden Zahl der wohlorganifirten und rationell bewirthschafteten Domänen wurden einige als Excurfionsobjecte ausgewählt, um den zahlreichen, insbefondere fremden Landwirthen den immenfen Fortfchritt des öfterreichifchen Agrarbetriebes in den einzelnen Ländern an Ort un d'Stelle, mitten in den mannigfachen Werkftätten der vielgeftalteten Urproduction darzulegen. Es waren diefs: die Franz Horfky von Horfky fel d'fche Herrfchaft Kolin und die Joh. Adoif Fürft zu Schwarzenberg'fche Herrfchaft Wittingau( beide in Böhmen gelegen), die Schöller'fche Fabriksökonomie Seelowitz in Mähren( Eisgrub) und die Seiner kaiferlichen Hoheit dem Erzherzog Albrecht gehörende Domäne Ungarifch- Altenburg( in Ungarn). Die Stunden, welche hier die Befucher verlebt haben, werden ihnen gewifs in unvergesslicher Erinnerung bleiben. Unter den Ländern Europas nimmt bekanntlich England betreffs feiner Agricultur feit jeher eine hervorragende Stelle ein, einestheils durch die Vertheilung * Welche freilich leider nicht Jedermann, mitunter felbft den Berichterstattern, nicht recht zugänglich waren, indem beispielsweife dem Verfaffer diefer Einleitung fo manche fchätzenswerthe Befchreibung landwirthschaftlicher Objecte vorenthalten wurde. Feldwirthfchaft. 3 des Grund und Bodens, anderen Theils durch die hohe Entwicklungsftufe feines in jeder Hinsicht rationellen und intenfiven Wirthschaftsbetriebes. England ift das Land des Grofsgrundbefitzes par excellence. Auch im alten England befafs der Adel ausgedehnte Ländereien, aber er monopolifirte nicht, wie jetzt, den ganzen Boden zu feinem Vortheile. Neben den grofsen Herrfchaften gab es, wie Syme berichtet, zahlreiche kleine, durch eine Claffe unabhängiger Landwirthe bebaute Güter und aufserdem waren ausgedehnte Ländereien vom Staate zum Nutzen des Volkes refervirt. Um die Mitte des XV. Jahrhundertes begann die Auf faugung des kleinen Grundbefitzes und die verderblichen Folgen des übermässigen Grofsbefitzes wurden immer klarer. Die Maffenarmuth nahm in demfelben Mafse zu als der Grofsbefitz und ebenfo wurde die Lage der ackerbautreibenden Claffen. immer beklagenswerther. Heute befindet fich die Hälfte des englifchen Bodens in den Händen von 150 Eigenthümern und in Schottland gehören 1912 Millionen Hektaren zwölf Befitzern an. Im gleichen Grade aber, als die Latifundien fich ausdehnten, entwickelte fich auch der Pauperismus und fchon unter Elifabeth wurde diefer als eine Inftitution angefehen, die ihre beftimmten Gefetze hatte. England, nämlich das Königreich allein, befitzt unter 393.569 Wirthfchaften 54 Percent folcher, welche 20 Acres nicht überfteigen; doch beträgt die Gefammtfläche diefer Wirthfchaften nicht mehr als 2,658.000 Acres oder nicht ganz 9 Percent der ermittelten Anbaufläche, während die Gefammtfläche der Wirthfchaften zwifchen 20 bis 100 Acres 28 Percent aller Güter etwa 7,810.000 Acres oder etwa 20 Percent der Anbaufläche beträgt; auf die Güter von über 100 Acres Gröfse 18 Percent aller Wirthfchaften, kommen nicht weniger als 20 Millionen Acres oder 65 Percent der ganzen Anbaufläche. Bei diefem umfangreichen Grofsgrundbefitze gehört doch der Grofswirthfchaftsbetrieb in England zu den Seltenheiten, indem die Landgüter in Farmen von einer beftimmten Gröfse dismembrirt und an intelligente und wohlhabende Pächter verpachtet find. Der Beginn des Pächterwefens ift dafelbft fehr alt; aber allgemein vollzogen hat es fich erft, feitdem Grofsbritannien der Ind uftrieftaat par excellence wurde, die fteigende Steuerbelaftung eine höhere Rente der Güter forderte, die Landbevölkerung nach den Städten drängte. Die Befitzer fanden die Selbftverwaltung der grofsen Güter nicht mehr lucrativ, fie erkannten, dafs tüchtige Pächter in Folge gröfserer Energie und Sparfamkeit die Landwirthschaft zur gröfseren Entwicklung bringen, daraus den bedeutendften Unternehm ergewinn ermöglichen und die nöthige ländliche Arbeiterbevölkerung weit leichter fefthalten können, als die meiſten Eigenthümer, die hiezu die rechten Mittel nicht immer bereit haben. Das englifche Pachtfyftem hat demnach auch die Aufmerkfamkeit der Landwirthe auf dem Continente wiederholt auf fich gelenkt. Vermöge feiner allgemeinen Ausbreitung, da in England die Verpachtung Regel, die eigene Bewirthfchaftung aber Ausnahme ift, ift es nach gewiffen Richtungen hin weiter ausgebildet worden, als anderwärts; befonders find die englifchen Pächter trotz der gewöhnlich kurzen Pachtdauer bei der Sicherung des Betriebes und feiner Factoren ganz wohl daran und haben in ihren Beziehungen zu den Pachtherren manches Intereffe wahrgenommen, welches man bei uns zumeift unberücksichtigt läfst. Das Wirthfchaftsfyftem ift durchaus auf die untrügliche Bafis aller örtlichen Verhältniffe organifirt und allfeitig wird eine hochintenfive, aber in allen ihren Factoren berechtigte Cultur betrieben. Die Wirthfchaftsweife ift bekanntlich von vielen Einflüffen und Bedingungen abhängig, und fociale wie politifche Verhältniffe, dann die tellurifchen Umstände, wie Boden und Klima, zeichnen dem Betriebsfyfteme die Grenze. Die Engländer haben es frühzeitig erkannt, dafs man nicht allein mit hohem Geldaufwande, mit grofsem Betriebscapitale, wie allgemein angenommen wird, intenfiv wirthschaftet, fondern dafs alle Productionsfactoren: Boden, Capital und Arbeitskraft, zufammen zur höchften Leiftung angefpannt werden müffen, um die angeftrebten hohen Refultate aus der 4 Ant. Adam Schmied. Wirthschaft dauernd zu erzielen. Die landwirthfchaftliche Intelligenz, auf dem Wege der richtigen Schulbildung und rationellen Praxis gewonnen, fteht aber obenan: das Verſtändnifs der Naturwirkfamkeit im Ackerboden, im Pflanzenbau und der Viehzucht, fowie der Gefetze der Volkswirthschaft, das ift, obzwar häufig darauf vergeffen wird, gerade der ftärkfte Productionsfactor; mit ihm allein läfst fich verftändig intenfiv wirthfchaften. Durch die fachgemäfse Anwendung aller vorgenannten Factoren haben die Engländer ihren Betrieb zu einer wahrhaft intenfiven Wirthfchaft geftaltet. In dem feuchten, nebeligen Klima wird mit Recht der Anbau der Körnerfrüchte befchränkt, dagegen die Cultur der Futterpflanzen nach Möglichkeit ausgedehnt. Im Durchschnitt hat man in England in der Grasregion( weftlicher Theil) 245 Percent Körnerbau( fammt Bohnen und Erbfen, 225 Percent Getreide), in der Getreideregion( öftlicher Theil) dagegen 42 I Percent Körnerbau ( 36 Percent Getreidebau); Brache wird in erfter Region 25, in zweiter 3 Percent gehalten. Trotz des in hoher Blüthe ftehenden Ackerbaues ift doch der Ertrag der 26 Millionen Acres des beftellten Landes für die Bevölkerung nicht genügend, fo dafs alljährlich grofse Mengen an Nahrungsmitteln, Getreide, Tabak und anderen Rohftoffen importirt werden. Von dem Confum des Landes, welcher jährlich 64 Millionen Hektoliter beträgt, werden kaum zwei Dritttheile, ja in einzelnen Jahren kaum die Hälfte producirt, der Reft aus Nordamerika und Rufsland eingeführt. So betrug die Einfuhr im Jahre 1871 39,407.646 Centner Weizen, 36,428.664 Centner anderer Cerealien und 3,984.638 Centner Weizenmehl. Das oceanifche Klima und die bindig- feuchte Bodenbefchaffenheit haben auf die Entwicklung der Culturgewächfe einen entfcheidenden Einflufs, wie es am beften aus dem Stickftoffgehalte des Getreides erhellt. Derfelbe wächft nämlich in Europa mit der vom Weften nach Often vorrückenden Lage. In Schottland hat der Weizen in 100 trockenen Theilen im Mittel 2'01 Percent Stickftoff, in Mittelfrankreich 208, in Baiern 2.20, in Mähren 2.36, Polen 2.68, im europäifchen Rufsland 3.58 Percent Stickftoff. So erklärt fich der Satz, dafs continen-. tales Klima( hohe Sommerwärme und geringer Regenfall) hohen Stickftoffgehalt in den producirten Weizenforten und den übrigen Getreidearten bedinge. Dagegen gedeihen in den feuchtwarmen, nebeligen Klimaten ausgezeichnet alle Futtergewächfe und faftige, üppig grüne Wiefen ziehen fich in den Niederungen hin, die hauptfächlichfte Grundlage einer ausgezeichneten Viehzucht bildend. Mit Recht kann der engliſche Farmer behaupten:„ Unfer ausgedehnter Futterbau liefert uns das vorzügliche Vieh für den Weltmarkt und ift für unfere Wirthschaften der befte Handelsgewächsbau." Die Viehzucht ift auch die Hauptftärke der englifchen Landwirthschaft; man findet dafelbft edle Pferde, 2 Racen, ausgezeichnete Woll- und Fleifchfchafe, 14 Racen, vorzügliches Rindvieh, 9 Racen, und treffliche Fettfchweine, befonders in Irland. Der Werth des Viehftandes in Grofsbritannien beträgt circa 140 Millionen Pfund Sterling. Das Vieh, reducirt auf Grofsvieh, entfällt per Joch in England 24 bis 3 Stück.- meift hochgezüchtete Kunftproducte einer intelligent geleiteten Thierzucht. Obwohl das Züchtungsziel der natürlichen Zuchtwahl die möglichfte Anpaffung des Thieres an die Exiftenzbedingungen ift, kann doch die Thatfache nicht geläugnet werden, dafs die Thier- und Pflanzenarten den künftlichen Züchtungsbeftrebungen des Menfchen nachgeben, d. h. ihre Eigenfchaften auf deffen zielbewufste Anordnung in der gewünſchten Richtung wirklich und dauernd verändern. Die hochedle Thierzucht Englands ift hiefür der befte Beweis; durch confequente planmäfsige Züchtung hat man, namentlich in der Rindvieh- und Schweinezucht, Refultate erzielt, welche dazu beftimmt zu fein fcheinen, als Weltracen, durch äufserft vortheilhaften Körperbau und rafche Entwicklung, befonders aber durch rafche und hohe Verwerthung des Futters, im hohen Grade auszeichnet, auf die Rindvieh- und Schweinezucht der Erde ihren veredelnden Einfluss auszuüben. Feldwirthfchaft. 5 Ein alter Satz ift es, den die klar überzeugende und mächtig anregende Darwin'fche Theorie in das hellfte Licht geftellt hat: natura non facit faltus, die Natur macht keine Sprünge, d. h. in der Natur ift alles Entwicklung, langfames, gefetzmäfsiges Wachfen, Hervorgehen des Vollkommenen aus dem Unvollkommenen. Befonders liegt in der Kreuzung ein nach verfchiedenen Richtungen hin civilifatorifches Element, welches in einem Zeitpunkte, wo die fich täglich mehrenden Verkehrsmittel ftets gefteigerte Berührungen verfchaffen, von unberechenbarer Tragweite zu werden verfpricht. Nach dem Darwin'fchen Geſetze werden fich aber auf anderem Wege, als dem der Inzucht, nur die vollkommenen Wefen behaupten, namentlich bis die weiteren Forfchungen zur Kenntnifs derjenigen Bedingungen führen werden, unter denen die Eigenfchaften des Vaters und jene, unter denen die der Mutter auf die Descendenz übergehen. In England ift man bereits dahin gelangt, aus einer Kreuzung verfchiedener Rinderracen Thiere zu erzielen, die fich vorzüglich zur Arbeit, und wieder andere, die fich nur zur Mäftung eignen, durch entsprechende Vermifchung des Blutes Pferde für den fchweren Zug und folche für die Rennbahn zu züchten. - Die Feldcultur wird in jeder Hinsicht rationell und zweckmässig betrieben. England ift das Land der intenfiv organifirten Mafchinenarbeit; hier wurde das für lange Zeit als unmöglich gehaltene Problem, die Aecker mit Dampf zu bearbeiten, vollkommen gelöft, fo dafs gegenwärtig die Dampfcultur dafelbft allgemein verbreitet ift. Aber auch in Deutfchland erringen fich die Dampfpflüge immer mehr Boden und gelangen zu ftets gröfserer Verwendung, namentlich in der Gegend um Magdeburg. Denn diefelben befreien den Grofsbefitzer in einem gewiffen Sinne von zwei die Bodencultur beengenden Momenten, der Zeit und einer fortwährenden Steigerung der Arbeiterzahl, und bewirken durch die ausgezeichnete Bodenbeftellung eine ftetige Vermehrung der im Inlande erzeugten Nahrungsftoffe. So ift die Dampfbodencultur eine hochwichtige Tagesfrage der Land- und Volkswirthfchaft geworden, eine Angelegenheit, welche auf die materiellen Enderfolge des Ackerbaues einen ungeahnten Einfluss auszuüben vermag. Lord Dunmore, Vorfitzender der fchottifchen Dampfcultur Gefellſchaft, fchreibt, dafs die Vermehrung der Bodenerträge durch die Dampfcultur, wie die in England gemachte Erfahrung lehrt, 25 bis 30 Percent beträgt, ohne Einrechnung der Futtererfparung bei den durch die Dampfcultur in bedeutender Anzahl verdrängten Pferden. Neben einer forgfältigen Bearbeitung des Ackers forgt der Engländer gewiffenhaft für eine vollſtändige Rückgabe aller dem Boden in den erzielten Ernten entnommenen Beftandtheile. Es foll nicht darauf hingewiefen werden, dafs Liebigs Lehre zuerft in England feften Fufs gefafst hat, auch nicht, dafs dort am früheften eine rationelle Düngerwirthschaft und eine ausgedehntere Anwendung des verfchiedenen Kunft düngers üblich wurde, fondern blos darauf, dafs in England der Anfang mit der Ausnutzung der Cloakenftoffe im Grofsen gemacht wurde; denn die allfeitig befriedigende Löfung der Latrinenfrage und die Einführung der Dampfcultur find die beiden wichtigften landwirthschaftlichen Tagesfragen, die allen anderen voranftehen. Befonders ift es die Sewage Farming, d. h. der Betrieb der Landwirthfchaft durch Beriefelung der Felder mit Cloakenwaffer, welche in England bereits häufig angetroffen wird. Ich erinnere blos an Rugby, wo der rühmlichft bekannte Agriculturchemiker Lawes feine diefsbezüglichen Experimente auf natürlichen Wiefen durch drei Jahre mit einer anerkennenswerthen Genauigkeit angeftellt und dabei unter Anderem gefunden hat, dafs die Anwendung von 20.000 Kubikmeter Sewage per Hektare einen Futterertrag von 1500 Francs fichert. Auch wurde in England unendlich viel für die Verbefferung aller meliorationsbedürftigen Grundftücke gethan. Man erfand dafelbft das überaus belangreiche Bodenverbefferungsmittel, die vollkommenfte Art der Bodenentwäfferung, nämlich die Drainage, welche in ganz England allgemein angewendet wird 6 Ant. Adam Schmied. und fich von hier aus fehr ſchnell nach Deutſchland verpflanzte. Niemals machte eine landwirthschaftliche Verbefferung fo allgemeines Auffehen, wurde mit fo grofsem Eifer in Ausführung gebracht und nach dem Beiſpiele Englands von den einzelnen Regierungen auf dem Feftlande fo unterſtützt, als die Röhrenentwäfferung naffer Ländereien. Die Bewäfferung wird in England ebenfalls viel angewendet; es gibt dort einige Graffchaften, wo die Bewäfferung mit viel Sorgfalt und Erfolg ausgeführt wird, befonders Wiltſhire, Hampſhire und Glouceſterſhire. * Die in England allgemein verbreitete, hochintenfive Wirthschaftsweife, die durch die Hochcultur des Bodens und die Edelzucht des Nutzviehes fich auszeichnet, und der mehr induftrielle, fabriksmäfsige Betrieb, der durch verftändige Einführung bewährter Mafchinen in der Landwirthschaft platzgreift, mufs nothwendig zur Anlage gröfserer Capitalien führen. Und dadurch zeichnet fich eben die englifche Landwirthschaft vortheilhaft vor der Agricultur in anderen Ländern aus, dafs fie zu der Inveftirung des Betriebes durchwegs ein hohes Betriebscapital anwendet, während fie auf der anderen Seite mit dem unproductiven Gebäudecapital möglichft fpart, und diefes bis zu der überhaupt räthlichen Minimalgrenze einfchränkt. Nach einer der erften landwirthfchaftlichen Autoritäten, Mr. Mecchi, ift beiſpielsweife die Gröfse der Pachtung im Verhältniffe zum Betriebs capital des Pächters in England dann am vortheilhafteften für die Bewirthfchaftung bei einjähriger Pacht, wenn der Pächter wenigftens 150 Gulden per Acre zum Betriebe hat. Es werden dabei gerechnet 60 Gulden auf Rindvieh, 10 Gulden für Pferde, 25 Gulden für Taglohn, 25 Gulden für Ackerwerkzeuge und Maſchinen, 30 Gulden für Wirthfchaftsvorräthe, unverkauftes Heu, Korn u. f. w. Durch die zweckentfprechende Verwendung eines fo grofsen Betriebs capitals wird hauptfächlich die hohe Bodenrente bewirkt, welche der englifche Farmer aus feinem Pachtgute erzielt, und die überrafchende Erfcheinung vollſtändig erklärt, dafs der Grundbefitz( das auf den Ankauf von Liegenfchaften verwendete Capital) im Durchfchnitt blos 3 bis 4 Percent, die Landwirthfchaft( das auf die Bewirthfchaftung verwendete Capital), eine rationelle Thätigkeit vorausgefetzt, dagegen wenigftens 10 Percent Ertrag einbringt. Wo folch bedeutende Capitalien im harmonifchen Vereine mit klar berechnender Intelligenz auf entſprechend grofsen Gütern wirken, dort mufs die Landwirthschaft im Allgemeinen auf eine hohe Stufe der Vollkommenheit gebracht werden, und in allen Schichten der landwirthschaftlichen Bevölkerung Wohlftand und Zufriedenheit verbreiten Die Gefchichte Englands im letzten Säculum bietet hiefür unzählige Beweife. Der nationalökonomifch gefchulte Sinn der engliſchen Bevölkerung bewahrte diefs Land in dem denkwürdigen Jahre 1848 vor allen Wirren und Drangfalen einer übereilten und überftürzten Fortfchrittsbewegung und die realiftifche Bildung leitet all' ihr Denken und Trachten nach einer prakti fchen, materiellen Thätigkeit hin. So war auch die englifche, agricole Ausftellung überall von ftreng gefchäftlichem Geifte durchdrungen, und bafirt durchweg auf die vielerlei Erforderniffe und Bedingungen einer bewährten Praxis und verftändig gewählten Intenſität des Betriebes. Die Expofition der landwirthschaftlichen Mafchinen und Geräthe, von dem trefflich conftruirten und gefällig gebauten Pfluge an bis zu den tadellos verfertigten Locomobilen und Dampf- Drefchmafchinen; die Düngerexpofition der drei berühmteften Dungfabriks- Firmen, das Rohmaterial des Fabricates bis zu den mannigfaltigen Kunftdüngern der Hochcultur vorführend; die Samenausftellungen, verbunden mit den Riefenrüben-, Kraut- und Möhrenimitationen, von fpeculativen Samenhändlern behufs Erwerbung von neuen Abfatzquellen veranſtaltet: Alles athmete wohlüberlegte Berechnung und praktifchen Gefchäftsfinn. Belgien reiht fich in der Intenſität des Wirthfchaftsbetriebes an England, bildet zu demfelben aber durch die Art der Grundvertheilung und die herrfchenden Feldwirthschaft. 7 Befitzverhältniffe ein wahres Gegenftück. Während in England das Syftem des Grofsbefitzes üblich ift, findet man in Belgien allgemein einen fehr zerftückelten Grundbefitz und die Kleincultur ift dafelbft überwiegend; doch ift auch in Belgien das Pachtfyftem allgemein, und die Pachten werden allgemein auf drei Jahre abgefchloffen. Der Reichthum des Bodens in Folge feiner rationellen Bewirthschaftung eines Theils, und die Zuverläffigkeit des Marktes bei einer dichten Bevölkerung anderen Theils, haben hier fchon frühzeitig zu einer höchft intenfiven Ausnutzung des Bodens geführt, welche wieder eine ftarke Bevölkerungszunahme ermöglichte. Alle diefe Umftände im Verein haben eine grofse Menge kleiner Befitzungen gefchaffen, welche ihre Befitzer anftändig ernähren. Denn nach allen angeftellten Unterfuchungen bringt der getheilte Grundbefitz in Belgien bedeutend reichlichere Ernten als felbft die beftbewirthschafteten Latifundien Englands, fo dafs hier das Wort Arthur Young's in höchftem Mafse verwirklicht wird:„ Es ift die magifche Gewalt des Eigenthums, die Sand in Gold verwandelt." Aus diefer Urfache nun zeichnet fich der belgifche Ackerbau durch die meiften Eigenthümlichkeiten und charakteriftifchen Kennzeichen der Klein- und Mittel cultur aus. Zur Beftellung des Bodens, welche äufserft forgfältig ausgeführt wird, genügt in den meiften Fällen, neben den am beften bewährten agricolen Mafchinen, der weitbekannte Brabanter Pflug; in Flandern ftand die Wiege des Fruchtwechfel- Syftems, von wo es in England, fpäter in Frankreich eingeführt wurde, um dann die Runde durch alle Länder der Welt zu machen; die Fortfchritte des Ackerbaues find überrafchend, und kennzeichnen fich befonders durch die Einführung des Hackfruchtbaues, die Ausdehnung des Futterbaues, Zunahme des Tabakbaues und höchft rationelle Cultur des Leins. Neben dem Stalldünger wendet man Guano an, welcher faft überall verbreitet ift, Superphosphate und kalihaltige Kunftdünger. Die Meliorationen des Bodens nehmen immer gröfseren Umfang an, und hat namentlich die Bewäfferung in Belgien, vorzügliche Refultate geliefert; man verdankt der Regierung die Schöpfung eines grofsartigen Netzes von Canälen, welche beftimmt find, das Waffer der Maas nach allen Punkten der Campine zu leiten. Dennoch importirt auch Belgien Cerealien, und ift die jähr liche Einfuhr im Steigen begriffen. Im Jahre 1865 importirte es 412, im Jahre 1870 hingegen 62 Millionen Centner Getreide im Werthe von 89% Millionen Francs. Die landwirthschaftliche Abtheilung der belgifchen Ausftellung entſprach nicht ganz der hohen Entwicklung der Landwirthfchaft in diefem ftrebfamen Lande. Die landwirthfchaftliche Direction im Minifterium des Innern ftellte, neben einigen Ackerbau- Werkzeugen belgifchen Urfprungs und einigen Proben des belgifchen Bodens nach verfchiedenen Lagen, in vier hübfch arrangirten Getreideforten- Trophäen, fehr fchöne Bodenproducte, in den verfchiedenen landwirthschaftlichen Zonen des Landes geerntet, aus; darunter namentlich vorzüglichen Lein aus der Campine und prachtvollen Roggen aus Condroz, fowie eine landwirthfchaftliche Karte Belgiens, einen hydrographifchen Plan und endlich einen detaillirten Plan einer Wiefenbewäfferung. Auch die von anderen Seiten ausgeftellten Culturpläne, Typen landwirthschaftlicher Anlagen für einen grofsen, mittleren und kleinen Betrieb und dergl. mehr zeugten deutlich von dem Streben der belgifchen Landwirthschaft nach einem hochintenfiven Syſtem. Auch das Königreich der Niederlande zeichnet fich durch eine blühende Landwirthfchaft aus, indem es einen im Ganzen fruchtbaren und wohl angebauten Boden zeigt. Die Verhältniffe des Grundeigenthums wechfeln mit den Provinzen: in Limburg, Nordbrabant, Gröningen und Friesland ift der Grundbefitz zerftückelt, in Mittel- und Nordholland, in Seeland, Utrecht und befonders in Geldern ift der Grundbefitz wenig getheilt. Wenige grofse Eigenthümer bewirthschaften ihren Befitz in eigener Regie, fondern verpachten denfelben nach dem ,, Code Hollandais", 8 4 Ant. Adam Schmied. welcher dem„ Code Napoléon" nachgebildet ift. Eine intenfive Wirthschaft ift hier dadurch ermöglicht, dafs die Capitalien zur Bewirthschaftung und Melioration der Güter allgemein ausreichend find; im Falle der Noth findet man zu Percent Geld auf der Staats Hypothekenbank in Amfterdam, während der Land wirth in Belgien, wo das Capital nicht immer ausreichend ift, je nach dem augenblicklichen Zinsfufse das Geld mit 5 bis 6 Percent verzinfen mufs; einen gleichen Preis hat das Geld auch in England, wo der Zinsfufs im Mittel 5 Percent beträgt. Der Ackerbau wird forgfältig betrieben und liefert hauptfächlich Lein, Oelfrüchte, Krapp, Tabak, Blumenzwiebeln. Die Drainage macht befonders im nördlichen Holland, in Seeland und Friesland, Fortfchritte, während die künft. liche Bewäfferung in Folge der feuchten Natur des Bodens faft überall entbehrt werden kann; die Trockenlegung des Haarlemer Meeres mufs für alle Zeiten als eine hochwichtige Urbarmachung angefehen werden. Künftliche Düngemittel werden nur in geringerem Mafse, befonders in der Umgebung von Amfterdam, angewendet, wo man hauptfächlich Guano und amoniakalifche Düngmittel für fandigen, Kalk dagegen für torfigen Boden verwendet. Der wichtigfte Zweig der Landwirthschaft in den Niederlanden ift die Viehzucht, fo dafs für Holland kein agricoler Fortfchritt eine gröfsere Wichtigkeit hat, als die quantitative und qualitative Hebung der Viehzucht. Das Holländer Rindvieh erfreut fich in allen feinen Schlägen unter den Landwirthen des Continents eines fehr guten Rufes, ja man kann fagen, dafs dasfelbe gegenwärtig eben in der Mode ift. Der ökonomifche Werth der Holländerrace wird im Verhältniffe zu den anderen edlen Rindviehracen faft durchweg ungemein hoch geftellt, indem fie in ihrer Leiftung als Milchvieh, unter angemeffenen Bedingungen gehalten, von keiner anderen Race übertroffen wird, wefshalb fie auch, fobald es fich in Mitteleuropa um die Befchaffung fremden Rindviehs für die Molkerei handelt, zur Zeit am meiften in Betracht gezogen wird. Diefen agricolen Verhältniffen des Königreiches entſprechend, war auch die niederländifche landwirthschaftliche Expofition geftaltet. Neben einzelnen Torfarten aus holländifchen Torfftichen fah man dafelbft fchönes Getreide und Hülfenfrüchte, vorzüglichen Seeländer Leinfamen und prächtigen Flachs, friefifchen Hanfabfall, Mufter- Krappwurzel und Tabak. Wenn man auch zugeben muss, dafs Holland Vorzügliches an Cigarren ausgeftellt hat, fo fteht doch zu bezweifeln, dafs dasfelbe, ähnlich wie Belgien, bei aller Trefflichkeit des Fabricats feinen Cigarrenmarkt durch die Weltausftellung erweitern dürfte, weil die Preife zum Theil fogar jene der havannefer Fabriken überfteigen. Daran reihten fich die Producte der Molkerei, welche einen anfehnlichen Exportartikel bilden. Friefifcher Nagel- und Kanterkäfe, nordholländifche Käfe, vor Allem der Edammerkäfe, echte friefifche Butterfarbe und Annato zum Färben von Käfe fah man in bunter Abwechslung. Die Producte der aufsereuropäiſchen Colonien Hollands, Thee, Cacao, Reis und faft alle übrigen, unter dem Namen Colonialwaaren bekannten Producte zeigen klar, dafs die Ertragsfähigkeit diefer Befitzungen dem Mutterlande fehr nützlich fein kann. Der holländifche Handel, welcher einft mit dem englifchen rivalifirte, ift auch gegenwärtig noch von grofser Bedeutung. So betrug 1869 die Einfuhr 46116 Millionen, die Ausfuhr 391 21 Millionen und die Durchfuhr 116.08 Millionen Gulden. Im Jahre 1870 haben die Niederlande zum Verbrauche eingeführt: 1,085.188 Hektaren Weizen, 2,285.233 Hektaren Korn, 1,011.942 Hektaren Gerfte; 547.800 Centner Weizenmehl und 28.520 Centner Kornmehl. Schweden und Norwegen zeigen in Folge der tellurifchen Verhältniffe nur einen unbedeutenden, das heifst räumlich fehr befchränkten, aber doch wichtigen Ackerbau; denn im erften Land beträgt das wirkliche Culturland 10 6 Percent, im letzten fogar nur I Percent des Flächenmafses. Nebftdem wird der Betrieb der Landwirthfchaft in beiden Ländern dadurch fehr erfchwert, dafs Feldwirthschaft. 9 die gröfsere Zahl der Landwirthe im Allgemeinen die zu einer rationellen Bewirthfchaftung und nothwendigen Melioration der Güter bedürftigen Mittel nicht befitzt. Die fchwedifchen Banken leihen beiſpielsweife den Befitzern Geld zu einem Zinsfufse von 7, 8 bis 9 Percent, welcher fich natürlich mit dem möglichen Gewinne der fchwedifchen Landwirthschaft durchaus nicht verträgt. Aus diefer Urfache ift auch die Verwendung der Mafchinen in der Landwirthfchaft fehr gering. Neben ausgedehnten Drainirungen wird nur die natürliche Bewäfferung angewendet. Auch die Viehzucht wird bisher vernachläffigt. Dagegen ift die Waldwirthschaft fehr grofsartig und wird mit bedeutender Sorgfalt betrieben. Dennoch ift die fchwedifche Regierung eifrig beftrebt, die heimifche Landwirthschaft nach Möglichkeit zu heben und zu fördern. Es beftehen dafelbft eine landwirth fchaftliche Akademie zu Stockholm und circa 30 Ackerbaufchulen; die Ausgaben für Culturverbefferungen feit 1819 bis 1858 betragen über 350 Millionen Rigsdaler, in Folge deffen fich trotz der Ungunft der natürlichen Verhältniffe eine bedeutende Zunahme der Production. zeigt. Nach officiellen Angaben betrug diefelbe( in Schweden): Weizen Roggen Gerfte. Hafer Kartoffeln Gerfte u. Weizen Erbfen 1820 165.000 1,692.000 1,684.000 1,288 000 2,289.000 693.000 311.000 1865 540.000 Tonnen 5,600.000 " 9 3.500.000 99 4,100.000 6,970.000 99 " 9 1,550.000 545.000 99 وو Der landwirthschaftliche Theil der Ausftellung diefer beiden Länder, fo reich befchickt und forgfältig geordnet er auch war, enthielt doch nur inftructive Proben von ſchönem Getreide in Körnern und Stroh, von Hülfenfrüchten, Futtergewächfen, Raps, Mais, Flachs und etwas Hopfen, fchöne Waldproducte, Torfproben und einige künftliche Düngemittel. Dänemark, welches im Weften grofse Thon-, Sand- und Moorhaidenflächen hat, nimmt im Allgemeinen in der Landwirthschaft keine hervorragende Stellung ein, wenn auch zugegeben werden mufs, dafs es einen fchätzbaren Pferdefchlag befitzt und zu den Getreide exportirenden Ländern gehört; 1866 bis 1867. betrug die Ausfuhr 5,807.792, 1870 bis 1871 aber 7,004.458 Zollcentner Getreide und Mahlproducte. Zumeift fehlt es den Landwirthen, trotz der gut organifirten Creditinftitute, an den für eine intenfive Wirthschaftsführung nothwendigen Capitalien; defshalb bauen diefelben in der Regel nur die gangbarften Feldfrüchte, daneben etwas Tabak, Krapp und Hopfen. Dem entſprechend war auch die landwirthfchaftliche Ausftellung Dänemarks im Grofsen und Ganzen unanfehnlich. Einige Sorten künftlichen Düngers, Getreide und Hülfenfrüchte in Stroh und Körnern, Grasfämereien, etwas Hopfen, einige Flachsproben, verfchiedene hölzerne Geräthfchaften zum Gebrauch in Meiereien und dergl., war Alles, was diefes Königreich exponirt hatte. Frankreichs Landwirthschaft nimmt in einer jeden Richtung eine achtunggebietende Stelle ein. Der fruchtbare Boden, das milde Klima und der emfige Geift der Bevölkerung bedingen eine hohe Production aller Arten Getreide, Obft und Südfrüchte, Tabak, Hanf und Krapp, Zuckerrüben, köftliche Weine und die feinfte Seide, fowie herrliche Wälder, welche jedoch in den letzten Decennien fehr gelichtet worden find. Vor Jahren war Frankreich ein Getreide einführendes Land; aber feit einem Vierteljahrhundert ift dafelbft die Getreideproduction um mehr denn 50 Percent geftiegen, fo dafs in gefegneten Jahren der Boden hinreichend Lebensbedürfniffe für die dichte Bevölkerung producirt; ja im Jahre 1865 hat dasfelbe fogar über 6 Millionen Centner Getreide exportirt. Durch den letzten 10 Ant. Adam Schmied. unglücklichen Krieg ift Frankreich wieder weit zurückgeworfen worden, fo dafs fein Getreidebedarf abermals ein fehr bedeutender ift: 1870 wurden 3,761.000 Centner Weizen, 2 Millionen Centner Hafer und 328.000 Centner Mehl eingeführt; aber die unerfchöpflichen natürlichen Quellen laffen diefs fruchtbare Land wieder zur vollen Production gelangen. Die grofsen und mittleren Güter find in Frankreich in bedeutender Minderheit; der kleine Grundbefitz nimmt alljährlich an Umfang zu und rundet fich ftetig ab; daneben ift der ländliche Arbeiterftand durch die Erhöhung der Löhne wohlhabender geworden und erhebt fich feinerfeits allmälig zum Befitzer; in den meiſten Departements find mindeſtens 75 Percent der ländlichen Arbeiter Eigenthümer geworden. Ueberdiefs ift der Grundbefitz in Frankreich fehr zerftückelt: in vielen Departements geht die mittlere Gröfse der Parcellen hinab bis auf 20, 15 und 10 Aren und oft felbft noch darunter; in den meiften Fällen, befonders im Often, find die Parcellen einer Wirthfchaft noch von einander getrennt durch eine Entfernung von mehreren Kilometern. Und diefes Uebermafs der Zerftückelung iſt eine unmittelbare Folge des durch den Artikel 826 des Code Napoléon angeordneten Theilens bei jedem Wechfel der Erbfchaft unter die Erbberechtigten. Aehnlich wie in Belgien und in der preufsifchen Rheinprovinz, wo ein Theil von 800 Morgen zu den gröfsten gehört, hat die kleine Cultur zu der höchften Ausnützung des Bodens geführt, und man kann behaupten, dafs die Cultur und die Production feit 25 Jahren in Frankreich erhebliche Fortfchritte gemacht haben, feit diefer Zeit find ausgedehnte Weiden aufgeriffen worden; grofse Drainage- und Bewäfferungsanlagen wurden ausgeführt, es wurden Maffen von Kunftdünger verbraucht( beifpielsweife im Jahre 1862 um 500 Millionen Francs) und die Cultur von Futterpflanzen und Handelsgewächfen entſprechend erweitert. Die grofsen und mittleren Befitzungen werden durch Eigenthümer oder durch Pächter bewirthschaftet. Letztere find Zeitpächter, welche fich allgemein über die kurze Dauer der Pachtverträge beklagen, oder eben Halbfcheidpächter; ihnen fehlt zumeift genügendes Betriebs capital, fo dafs diefelben felten zu einer befferen Stellung fich emporarbeiten. Um die Beihilfe von Arbeitern oder von Dienftleuten zu entbehren, übernehmen ganze Familienftämme, welche manchmal aus zehn bis zwölf einzelnen Familien beftehen, die Wirthfchaft eines Landgutes und führen diefelbe auf gemeinfchaftliche Koften und Gefahren durch. Diefe Antheils- oder Halbfcheidwirthfchaft( Metayage), welche wir auch in anderen Staaten unter verfchiedenen Namen wiederfinden, zum Beiſpiel als Mezzeria in Italien, haben am klarften und hervorragendften L. Bignon, père et fils, durch die Vorführung der Wirthfchaftsverhältniffe in Theneuille dargestellt. Nicht nur den pachtweifen Betrieb in allen feinen Productionszweigen, den Plan der Grundftücke, die verfchiedenen Culturarten haben diefelben exponirt, fondern auch den Gefellſchaftsvertrag behufs Regelung der Beziehungen und der Intereffen zwifchen den Grundeigenthümern und den Pächtern, die vergleichende Darftellung des Ertrages und die finanziellen Refultate des Metayagebetriebes. Wir entnehmen daraus, dafs das Metayerwefen in Theneuille, einem Landgute in der Gegend des Centrums von Frankreich, durch zeitgemäise, vernünftige Contracte, durch rechtzeitige Befchaffung von genügendem Betriebscapital, im patriarchalifchen Zufammenwirken der Pächter und des Eigenthümers, fowie durch energifche Leitung, auf den Höhepunkt der Ausbildung gelangt ist und das betreffende Gut in einen mufterhaften Stand, dem die neueften Errungenfchaften nicht fehlen, gebracht hat. Doch noch höher im nationalökonomifchen Sinne, als blos im landwirthfchaftlichen, ift diefe Einrichtung zu fchätzen, weil diefelbe einen Fingerzeig auf den gefuchten Weg weift, auf welchem die in Frankreich fo wichtige und für die ganze civilifirte Welt fo bedeutungsvolle fociale Frage zur möglichften Befriedigung beider Theile, des landwirthschaftlichen Arbeitgebers und des ländlichen Arbeitnehmers, gelöft werden kann. Feldwirthfchaft. 11 Auch im materiellen Sinne hat diefes energifche Syftem einer gleichfam genoffenfchaftlichen Bewirthfchaftung aufserordentliche Erfolge. Theneuille hat im Jahre 1849 per Hektare blos 6 Francs, 1872 aber bereits 75 Francs Reinertrag geliefert, der Reinertrag hat fich folglich binnen einem Vierteljahrhundert verzwölffacht. Diefe immenfe Ertragsfteigerung ift durch die zweckentfprechende Vermehrung des Betriebscapitals um 150.000 Francs, durch rationelle Abänderung des Wirthfchaftsbetriebes, durch zeitgemäfse' Aenderung der Verträge mit den Metayers, durch redliches Zufammenwirken aller Betheiligten, namentlich aber auch durch die tüchtige intelligente Leitung des Befitzers felbft erzielt worden. Und dergleichen gemeinfam geführte Wirthschaften gibt es in Frankreich noch eine grofse Menge und gewöhnlich find fie, wie Hamm richtig bemerkt, die Mufter für den Einzelbefitz oder Pacht im ganzen Umkreise. Bei all' dem werden aus Frankreich von Zeit zu Zeit Klagen laut über unzureichende und ungenügende Capitalien, welche fowohl die erfte Inangriffnahme landwirthschaftlicher Unternehmungen erfchweren, als auch die Inveftirung des hochintenfiven Betriebes mit dem nothwendigen Betriebscapital hindern. Der Crédit foncier befchränkt feine Wirkfamkeit hauptfächlich auf ftädtifche Liegenfchaften und der Crédit agricole hat bei dem Mangel an Filialen, den übertrieben hohen Zinfen der Darlehen, fowie durch die unbequemen Förmlichkeiten und läftigen Bedingungen mancher Art feine Thätigkeit auf dem Lande faft ganz verfehlt, fo dafs die Organiſation eines Specialcredites, beftimmt, dem einfachen Landmanne zu Hilfe zu kommen, in Frankreich noch gefchaffen werden mufs. Dazu kommt noch, dafs der Mangel an ländlichen Arbeitern ftets fühlbarer wird. Die Entwicklung einer immer intelligenter und intenfiver werdenden Bewirthschaftung, die fortfchreitende Theilung des Grundbefitzes, die durch die letzten Volkszählungen nachgewiefene ftetige Abnahme der Kinderzahl in den Familien; die Ausdehnung der grofsen öffentlichen Arbeiten und die Anforderungen an den Militärdienft, fowie die Auswanderung der Bevölkerung in die Städte, wo der Verdienft leichter und bequemer, das Leben forgenfreier und üppiger ift, haben diefe Calamität der Landwirthschaft herbeigeführt. Durch verbefferte Ackergeräthfchaften, neue Pflüge, Säemafchinen, Ernteund Mähmafchinen trachtet man dem immer gefährlicher und drohender fich geftaltenden Arbeitermangel erfolgreich vorzubeugen. Vor Allem ift die Drefchmafchine mit Begeifterung aufgenommen worden und ihre Verbreitung ift gegenwärtig allgemein. Aus einer Enquête fpéciale, welche in den erften Monaten des Jahres 1856 vorgenommen wurde, geht hervor, dafs damals in ganz Frankreich fchon über 51.000 folcher Mafchinen vorhanden waren. Seitdem hat der Gebrauch der Drefchmafchinen in merklicher Weife noch zugenommen und das Gerätheinventar hat fich allenthalben in einer erfreulichen Weife vermehrt und vervollftändigt. Die Meliorirung des Bodens nimmt ftetig an Umfang und Bedeutung zu. Während Ende 1856 in Frankreich 32.000 Hektaren, drainirt waren( in England freilich zur felben Zeit bereits 1,300.000 Hektaren), waren 1868 bereits etwa 200.000 Hektaren mit einem Koftenaufwande von je 262 Francs und einer Ertragsfteigerung von etwa 57 Francs auf dem Hektare drainirt. Nebftdem wird der Trockenlegung von Sümpfen grofse Aufmerkfamkeit gewidmet; die Bodenfläche, auf welcher Entwäfferung und Entfäuerung vorgenommen worden find, betrug 1866 fchon 140.000 Hektaren; die Arbeit hatte etwa 8 Millionen Francs gekoftet. Die Unzulänglichkeit des natürlich erzeugten Düngers in den Ackerwirthfchaften hat zu einer ausgedehnten Anwendung des Kunft düngers, fowie zur allmäligen Verwendung des Latrinendüngers geführt; namentlich hat man in den mufterhaft bewirthfchafteten Diftricten des nördlichen Frankreichs den hohen Werth einer vollſtändigen Düngung gebührend erkannt. So hat man zum Beifpiel im Jahre 1857 nach Frankreich 51,854.698 Kilogramm Guano eingeführt, im 12 Ant. Adam Schmied. Jahre 1866 fchon 56,896.800 Kilogramm und in der ganzen 10jährigen Periode 486,647.000 Kilogramme. Nebftdem werden grofse Mengen Superphosphate angewendet. Neben der Hebung des Ackerbaues, verbunden mit einer ftetigen Wiederbewaldung der in früheren Decennien entblöfsten Waldflächen ift eine in die Augen fallende Verbefferung der Viehhaltung in Quantität und Qualität wahrzunehmen. Sowohl die Pferdezucht, als auch die Rindvieh- und Schafzucht hat in dem letzten Vierteljahrhundert bedeutende Fortfchritte gemacht; es mufs hier auf den ausgezeichneten Einfluss hingewiefen werden, welchen die wohlarrangirten Ausstellungen und verfchiedenen Preisvertheilungen auf die Viehzucht Frankreichs ausgeübt haben. Im gleichen Grade hat die Production der animalifchen Erzeugniffe zugenommen, wie es am beften aus der Entwicklung erfichtlich ift, welche der Handel mit Producten der Viehhaltung, als da find: Butter, Käfe, Geflügel, Eier, erfahren hat. So betrug der Werth der aus Frankreich ausgeführten Gegenftände diefer Art im Jahre 1856 27,146.531 Francs und ftieg 1866 bereits auf 124,916.882 Francs. Die Hebung feiner Landwirthfchaft in allen ihren Zweigen verdankt Frankreich in erfter Reihe den energifchen Mafsregeln und bedeutenden materiellen Unterſtützungen von Seiten der Regierung. Faft für einen jeden Productionszweig und für die meiften landwirthschaftlichen Unternehmungen befteht dafelbft ein agrarifches Gefetz; felbft ein Drainagegefetz befteht in Frankreich, welches die Landwirthe in den meiften Ländern Mitteleuropas noch entbehren müffen. Jede Neuerung hat die Regierung thunlichft unterſtützt und für den landwirthschaftlichen Fortfchritt nach Möglichkeit geforgt. Bekanntlich hat diefelbe die grofsartige Mafsregel zum Beften der Hebung der Cultur eingeführt, dafs alljährlich dem vorzüglichften Landwirthe eines Departements ein fehr hoher Ehrenpreis 5000 Francs und ein Pocal im Werthe von 3000 Francs zuerkannt wird; bei der Beurtheilung der concurrirenden Wirthschaft wird mit aller möglichen Unparteilichkeit und Publicität zu Werke gegangen. - Die Organiſation der Agricultur- Angelegenheiten und die Gliederung der landwirthschaftlichen Intereffenvertretung fcheint jedoch zu complicirt zu fein, wefshalb wir hier eine gedrängte Skizze derfelben folgen laffen. In Frankreich beſteht ein Minifterium des Ackerbaues, welches fich in die Ackerbau- Direction und in den Service hydraulique gliedert. Die letztere Abtheilung befafst fich mit den diverfen Bodenmeliorationen- doch nicht ganz allein, denn die Wafferbaubehörde bildet eine eigene Abtheilung; die Eindeichung am Meere und an Flüffen gehört zu der Abtheilung der Schifffahrt; die Drainage und kleinen Bewäfferungen zur Abtheilung des Ackerbaues. Die Ackerbau- Behörde bearbeitet die Räumung und Verbefferung der Privatflüffe, Mühlenanlagen, Genoffenfchaften, die Entwäfferung, Bepflanzung der Dünen u. dgl. m. Dafür find von 1848 bis 1866 ausgegeben worden im Ganzen 28,014.000 Francs. Ganz Frankreich ift in fieben landwirthschaftliche Diftricte eingetheilt, von denen jeder einen Generalinfpector hat, welche alle der Ackerbau- Direction des Minifteriums unterftehen. Der Generalinſpector mufs ohne Unterlafs von allen Verhältniffen detaillirt unterrichtet fein. Sein Wirkungskreis erftreckt fich nicht nur auf den ganzen landwirthschaftlichen Betrieb feiner Region, fondern auch auf die Meliorationen, Arbeiter- und Preisverhältniffe, das Vereinswefen, die Reviſion der Lehranstalten, Ausftellungen und dergleichen mehr. Aufserdem fungiren als landwirthfchaftliche Organe in den einzelnen Arrondiffements die Präfecten, die Souspräfecten, die Präfecturräthe, und dann die denfelben als confultative Körper beigefetzten Generalräthe und Landwirthfchafts- Kammern. Landwirthfchafts- Kammern gibt es in jedem Arrondiffement. Sie beftehen aus fo viel Mitgliedern, als das betreffende Departement Cantone befitzt; diefelben werden vom Präfecten aus der Zahl der im Canton Einheimifchen oder dafelbft Grundbefitz Habenden ernannt. Die Ackerbau- Kammern find als eine Feldwirthfchaft. 13 öffentliche Inftitution zu betrachten, welche die Aufgabe hat, der Regierung ihre Wünſche vorzutragen. Der Generalrath für die Landwirthfchaft( Confeil général d'agriculture) befteht aus 100 Mitgliedern, darunter eines für jedes Departement, ausgewählt aus der Zahl der Mitglieder der Landwirthfchafts- Kammern; die übrigen werden von aufserhalb derfelben ernannt. Der Ackerbau- Minifter ernennt jedes Jahr die Mitglieder des Generalrathes, führt den Vorfitz desfelben und ernennt den Vicepräfidenten. Weiter exiftirt ein militärifch organifirtes Civilingenieur- Corps, welches aus 18 Generalinfpectoren, 167 Chefingenieurs, 271 Ingenieurs und 2355 Conducteuren befteht, welche, aufser der Inftandhaltung der Brücken und Chauffeen, die Bewäfferungen und Entwäfferungen, die Trockenlegung der Sümpfe, Drainage u. dgl. zu beforgen haben. Dann befteht ein Drainage comité, welches über Geldunterſtützungen zur Ausführung von Drainage- Anlagen entfcheidet. Ein Heerdbuch- Comité führt ein Stammregifter über das importirte und in Frankreich geborene Vieh( Durham- Vieh). Das landwirthschaftliche Unterrichtswefen ruht ganz in den Händen der Regierung. Es beftehen in Frankreich 3 Akademien oder Regionalfchulen( écoles nationales d'agriculture), 3Veterinärfchulen und 49 niedere Ackerbaufchulen( fermes) écoles). Aufserdem gibt es 10 Lehrftühle für Landwirthschaft und 3 für AgriculturChemie. Die landwirthschaftlichen Anftalten werden insgefammt vom Staate erhalten, und ift in allen Ackerbau- Schulen Unterricht und Verpflegung gratis. Sämmtliche Staatsdomänen find als Mufterwirthschaften eingerichtet. In allen Theilen des Reiches beftehen landwirthfchaftliche Vereine als freie Verfügungen. In erfter Reihe hat man die Société centrale d'agriculture zu nennen, welche unter den landwirthfchaftlichen Vereinen den erften Platz einnimmt. Dann folgen die Ackerbau- Gefellfchaften( fociétés d'agriculture), welche oft ein ganzes Departement umfaffen und in der Hauptftadt desfelben ihren Sitz haben. Aufserdem beftehen die landwirthfchaftlichen Dorfvereine( comités agricoles), welche in den verfchiedenen Departements in gröfserer oder geringerer Zahl vorhanden find. Es beftehen an 880 folcher Vereine, von denen die weitaus überwiegende Mehrzahl( 775 im Jahre 1866) Subventionen erhalten. In dem angezogenen Jahre wurden etwa 400.000 Francs und Medaillen im Werthe von 40.000 Francs bewilligt. Ihre Gefammteinnahme belief fich auf 2,021.000 Francs, worunter die von den Generalräthen bewilligten Subventionen 593.897 Francs betragen; der Reft wurde von mehr als 100.000 Mitgliedern aufgebracht. Die Einnahmen werden in der Regel für Ausftellungen verwendet, fowie zur Vertheilung von Prämien. Aufser diefen von den Vereinen veranstalteten kleinen Ausftellungen, welche im Jahre 1870 von 705 landwirthfchaftlichen Vereinen mit einer Staatsfubvention von 576.600 Francs arrangirt worden find, finden alljährlich 12 Regional- Ausftellungen( concours régionaux) ftatt. Zu diefem Ende find die Departements Frankreichs in 12 Kreife getheilt und die Concurfe werden abwechfelnd in jedem der Departements, die zu einem Kreife gehören, abgehalten. Hiebei wird vornämlich auf die ganze Leitung der Wirthschaft( wobei der oben angeführte Ehrenpreis zur Vertheilung kommt), auf gute landwirthfchaftliche Maſchinen, Verbefferungen der Viehracen u. dgl. gefehen. Der Staat zahlt alljährlich auf diefe Ausftellungen bedeutende Summen; fo wurden 1867 aus Staatsmitteln allein 825.000 Francs auf diefe Concurfe verwendet, während die Aufwendungen der betreffenden Departements und Städte für 1866 auf mehr als 450.000 Francs gefchätzt werden können. Aufser einigen Schlachtvieh- Ausftellungen, veranſtaltet von Privaten und vom Staate fubventionirt, werden acht Regionalfchauen von Maft- und Schlachtvieh abgehalten, unter welchen die bekannte Maftvieh- Ausftellung von Poiffy die wichtigfte ift. Bei diefen Schauen kommen Kunftfachen, 14 Ant. Adam Schmied. Medaillen und Staatspreife zur Vertheilung, deren Werth fich 1867 auf 231.000 Francs belief. Die agricole Expofition Frankreichs blieb, obgleich diefelbe in mancher Beziehung meiſterhaft war, doch hinter den allgemeinen Erwartungen zurück. Das Arrangement war vortrefflich und die Ausftellung des franzöfifchen AckerbauMinifteriums fuchte in ausgefuchter Eleganz und feinem Gefchmacke feinesgleichen. Albaret( Paris) ftellte fehr hervorragende Ackerbaumafchinen, befonders DampfDrefchmaſchinen aus. Unter den landwirthfchaftlichen Producten fahen wir vorzügliches Saatgetreide, fchöne Hülfenfrüchte, ausgezeichneten Rübenfamen, Safran, Opiummohn, Tafelnüffe, eine hübfche Collection Karden, prachtvolle Sammlungen von Kartoffeln, Tabak, Mufter von Bohnen, Mais u. dgl. m. All die ausgeftellten Producte gaben Zeugnifs, in welch' hohem Grade die franzöfifche Landwirthschaft durch den im Ganzen fehr gefegneten Boden und das milde Klima begünftigt wird. Aber auch der Landwirth ift im Grofsen und Ganzen beftrebt, diefe Naturfchätze nach Möglichkeit zu heben; wenigftens begegnet man in Frankreich einem Raffinement in der mittleren und kleinen Cultur, wie es anderwärts nicht aufgewendet wird; in der franzöfifchen Ausstellung fah man die einzige Expofition für Pflanzenheilmittel, von Privaten zufammengeftellt, darunter Pulver Balouchard zur Confervirung des früher eigens zubereiteten Getreides. Zahlreiche landwirthschaftliche Betriebspläne zu verfchiedenen Epochen liefsen einen Einblick in die Organifation der Wirthfchaftsobjecte thun. Die franzöfifchen Colonien haben in inftructiven Collectionen ihre edlen Naturerzeugniffe vorgeführt. Der Kaffee von Martinique geniefst einen univerfellen Ruf; 1872 wurden hievon 6001 Kilogramm exportirt. Die Production an Cacao( Thesbroma cacao) ift grofsartig; 1872 wurden aus Martinique allein 342.691 Kilogramm exportirt. Baumwolle und andere Gefpinnftpflanzen, Medicinalpflanzen( aus Guiana), Thee( aus St. Pierre et Miquelon), Farb- und Gerbftoffe, Gewürze, Heilmittel( Infel Réunion) verfchiedene Sämereien, namentlich Reis ( Oriza), Sorghum, Hirfe, Getreide u. f. w., Sefam- und Leinfamen, Tabak( Algier) u. dgl. m. erregten in hohem Grade die Aufmerkfamkeit eines jeden Befuchers. Selbft Neu- Caledonien, welches erft feit dem 24. September 1853 einen Theil der oceanifchen Colonien Frankreichs bildet, ftellte Kaffee aus, welcher dafelbft überall gedeiht, getrocknete Schwämme, Tabak und narkotifche Pflanzen, auch Baumwolle, obzwar diefes Land der Baumwollcultur weniger günftig ift; denn die Verfuche mit der Südfee- Baumwolle von den Fidfchi Infeln lieferten bisher keine praktifchen Refultate und nur zu Bulupari gedeiht die Tahiti: Baumwolle mit einigem Erfolge. Deutfchlands Landwirthschaft war auf der Wiener Weltausstellung in jeder Hinsicht würdig, ja in mancher Beziehung fogar glänzend und grofsartig vertreten. Unter allen Nahrungszweigen ift in den deutfchen Ländern die Landwirthschaft am wichtigsten und auch am allgemeinften verbreitet; im Ganzen leben dafelbft von der Landwirthschaft 18.8 Millionen Menfchen( in Baiern 65.8, Baden 64, Preufsen 48, Sachfen 33 Percent der Bevölkerung). Der Boden Deutfchlands ift im Allgemeinen fehr fruchtbar und ergiebig, überall durch die anftrengende Thätigkeit der Landwirthe wohlbeftellt, ja felbft in den fandigen und moraftigen Gegenden vielfach urbar gemacht und mit bedeutenden Koften meliorirt worden. Die bewunderungswürdige Emfigkeit der Bevölkerung hat es dahin gebracht, dafs kein Fleckchen des culturfähigen Bodens unbeftellt zu finden ift und dafs jedes Grundftück durch die zweckentfprechendfte Bewirthschaftungsart ausgenützt wird. Das verhältnifsmäfsig meifte Culturland hat Schleswig- Holftein, Pofen, die Provinz Sachfen, Rheinheffen. Je nach den einzelnen Ländern find die Verhältniffe des Grundbefitzes und die Art der Bewirthschaftung höchft verfchieden, und können wir darauf, fo intereffant die Erörterung derfelben auch wäre, nicht umftändlich eingehen. Während in dem Königreiche Preufsen im Grofsen und Ganzen alle die Arten des Befitzes Feldwirth fchaft. 15 mehr oder weniger im Gleichgewichte find und die gröfste Zerftückelung des Bodens in der Rheinprovinz ftattgefunden hat, die auch noch eines Zufammenlegungs- Gefetzes entbehrt, hat Baiern fehr wenig grofse Befitzungen, noch weniger Württemberg, wo der Boden ziemlich zerftückelt ift. Höchft fegensreiche Folgen für die Cultur hat in Preufsen die fogenannte„ Separations- Gefetzgebung" gehabt; alljährlich findet eine gröfsere Zufammenlegung des parcellirten, eine Austheilung des gemeinfchaftlichen und Befreiung von allen Laften des dienftbaren Bodens ftatt, fo dafs gegenwärtig faft aller Boden Deutſchlands in jeder Beziehung vollkommen frei und gänzlich entlaftet ift. Faft fämmtliche Güter werden von den Befitzern felbft bewirthfchaftet; das Pachtfyftem ift noch weniger entwickelt und hauptfächlich find es Kirchen und Stiftungsgüter und Staatsdomänen, welche pachtweife bewirthfchaftet werden. Was namentlich Preufsen vortheilhaft vor Oefterreich auszeichnet, ift die ftetige Concentrirung des Grund und Bodens als Eigenthum des Staates. Die Gefammtfumme der Staatsdomänen und Domänenvorwerke des preufsifchen Staates mit Hinzurechnung derartiger Territorien in den neuen Provinzen belief fich im Jahre 1869 auf 851 Pachtungen mit 1148 Vorwerken, welche einen Flächeninhalt von 1,419.238 Morgen enthielten, hievon 55.606 Morgen Wege, Unland, Hofftellen u. f. w., überhaupt unnützbar, und haben diefe Domänen insgesammt nach dem Etat für 1870 einen Ueberfchufs von 7,590.340 Thaler, die Verwaltung der Staatsforfte hingegen einen Ueberfchufs von 7,010.052 Thaler eingebracht. In ganz Deutfchland find die Wirthschaften mit dem nothwendigen Betriebscapital hinreichend inveftirt. Die Befitzer und Pächter verfügen im Allgemeinen über genügende Capitalien und hinlänglichen Credit für die Bedürfniffe der Bewirthfchaftung; doch in den ärmeren Provinzen des Oftens beklagt man fich fehr oft über fühlbaren Mangel daran. Die Rittergutsbefitzer bekommen auf emittirte Pfandbriefe fehr leicht Geld, welches, die Amortifation eingerechnet, auf 4 bis 5 Percent kommt; die Kleinbefitzer müffen dagegen, mit Einfchlufs der Amor tifationsgebühren, im Durchfchnitt 6 Percent Zinfen zahlen. Die Bodencultur wird überall auf eine rationelle Weife betrieben, entfprechend dem ortsberechtigten intenfiven Wirthschaftsbetriebe, welcher in manchen Diftricten eine wahre Hochcultur darftellt. Die grofsen Fortfchritte in dem Ackerbau und die in ftetem Wachsthume begriffene Zunahme landwirthfchaftlich- technifcher Gewerbe verurfachen einen fühlbaren Mangel an Arbeitskraft, welcher in bedeutendem Grade erhöht wird durch die unfelige Auswanderung aus einzelnen Provinzen Deutfchlands, befonders aus Mecklenburg nach Amerika. Die Anwendung der Mafchinen in der Landwirthfchaft ift in fortwährendem Steigen begriffen und ift man allerorts beftrebt, diefelbe zu verallgemeinern. Der Pflug wurde auf eine höchft finnreiche und den fpeciellen Verhältniffen des Bodens und der Cultur vollkommen Rechnung tragende Weife verbeffert; die Dampfcultur erweitert fich von Jahr zu Jahr, namentlich in der Provinz Sachfen, und hat die franzöfifche Dampf- Bodencultur weit, weit überflügelt; die Reihen. cultur ift bei den hiezu geeigneten Feldfrüchten allgemein und wird mit grofser Accurateffe nach den bewährten Grundfätzen und Erfahrungen ausgeführt; die Mähemafchine gewinnt ohne Unterbrechung an Terrain und der Flegel ift durch die Drefchmafchine, befonders durch die Hand- und Göpel- Drefchmafchine, faft vollſtändig verdrängt, fo dafs wahrlich die Zeit nicht zu fern ift, wo derfelbe, ähnlich wie in England, zu den hiftorifchen Erinnerungen gehören wird. Mit Staunen und Bewunderung mufs man wahrnehmen, wie der ftetig berechnende und nüchterne Sinn des deutfchen Landwirthes fich ohne Unterbrechung auf grofse und ausgedehnte Meliorationen verlegt. Seit mehr als hundert Jahren find grofsartige Entwäfferungen, Trockenlegungen, Regulirungen und Eindeichungen in den verfchiedenen Provinzen Preufsens zur Ausführung gelangt; die Drainirung hat feit zwanzig Jahren etwa eine überrafchende Ausdehnung gewonnen; die Brandcultur in den deutfchen Moorcolonien zieht die Aufmerksamkeit 2 16 Ant. Adam Schmied. immer gröfserer Kreife auf fich, fei es auch nur darum, dafs ftatt derfelben für den kleineren Betrieb die berühmten Cunrau'fchen Moorculturen des Herrn Rinopau, für ausgedehnte Moore dagegen der Canalbau oder die„ Reene", d. h. die Fehncolonien im nordöftlichen Holland empfohlen würden; die Bewäfferung der Wiefen ift eine Hauptbedingung deren Cultur und ift fomit allgemein im Gebrauch; die Behauptung ist keinesfalls gewagt, dafs in Deutfchland die Bewäfferung der Grasfelder ihre höchfte Ausbildung erreicht hat. Von der einfachen und doch bewunderungswerthen Weife der Bewäfferung im Siegthal in Weftphalen bis zu dem Vincent'fchen Kunftbau einerfeits und der Peterfen'fchen Drainbewäfferung anderfeits, werden die meiſten Bewäfferungsfyfteme in Deutfchland in einer höchft rationellen Weife verwendet. Der Grundgedanke der Peter fe n'fchen Drainirmethode, bei welcher der Landwirth mit Hilfe einer mechanifchen Einrichtung feine Grundftücke ganz nach Gefallen ent- und bewäffern kann, entspricht der höchften Aufgabe einer zweckmässigen Wafferwirthfchaft, welche fich damit befchäftigt, ein vortheilhaftes Syftem der Drainage und Bewäfferung zu fchaffen. Diefe Drain- Bewäfferungsmethode läfst fich allen einflussreichen Verhältniffen des Bodens vortheilhaft anpaffen und ift geeignet, alle diejenigen verfumpften Aecker- und Wiefenflächen zu den vorzüglichften und fruchtbarften Fluren umzuwandeln, welche unter dem Drucke des Grundwaffers ftehen. Die Düngerwirthschaft wird in Deutfchland mit grofser Sorgfalt betrieben, und ift man überall beforgt, dafs keine Jauche verloren gehe. Allein die Gewinnung des Stalldüngers und die Bereitung des Compoftes reicht zum vollen Erfatze der in den erzielten Erträgen den Ländereien entzogenen Bodenkraft nicht hin, fo dafs alljährlich grofse Quantitäten von Kunftdünger zu deffen Ergänzung verbraucht werden. Es wäre wohl eine überflüffige Arbeit, hier auf den hochintenfiven Betrieb einer in der Cultur vorgefchrittenen Provinz Deutſchlands, voran Sachfen und Schlefien, hinzuweifen, auf die grofsartigen Futterquantitäten und enormen Dungmaffen, die dort zur Verwendung gelangen und eine natürliche Folge einer intenfiven, gleichzeitig mit Zuckerfabrication und Brennereibetrieb Hand in Hand gehenden Wirthfchaft find; aber es wird doch intereffant. fein, wenn wir des grofsartigen Verbrauchs käuflicher Dungmittel in den verfchiedenen Diftricten Deutſchlands ausdrücklich erwähnen, wo die unumftöfsliche Lehre Liebigs von dem vollen Erfatze der Bodenkraft feit langen Jahren bereits überzeugungstreu in Fleiſch und Blut übergegangen ift. Die Provinz Sachfen z. B. hat nachftehende Quantitäten, foweit fie unter Controle der Verfuchsftation Halle a. d. S. ftehen, verbraucht: 1868 1869 Peru- Guano 1866 66.620 1867 40.814 Aufgefchloffenen Guano. 81.294 100.833 100.833 33.267 34.277 Centner 172.318 245.843 99 Chili- Salpeter 2.016 15.103 15.083 9.079 99 Superphosphat 37.029 30.478 33.919 37.397 99 Ammoniak- Superphosphat. 1.081 25.629 40.783 51.795" 3.155 2.742 27 21.840 27.497 29 Knochenmehl Kalifalze.. 5.131 4.181 14.850 16.015 Im Ganzen 214.035 232.888 315.566 408.630 Centner. Nebftdem wurden noch beträchtliche Mengen nicht controlirter käuflicher Düngmittel verwendet; denn von den zahlreichen Stafsfurter Fabriken von Kalidünger ftand damals nur eine einzige unter der Controle genannter Verfuchs ftation. Auch der Cloakendünger aus grofsen Städten zieht die allgemeine Auf merkfamkeit an fich und gelangt zu einer immer ausgedehnteren Verwendung. Es fei hier blos des in jüngfter Zeit ausgeführten und cultivirten Ueberriefelungsterrains der Canalifation der Stadt Danzig erwähnt, durch welche in dem reinen Dünen Feldwirthfchaft. 17 1ande eine üppige Vegetation hervorgebracht wird. Diefe gegenwärtig 100 Morgen grofse, durch die mühevollfte Arbeit hergeftellte Sandebene, welche durch die reichlich mit Waffer verdünnten Excremente befruchtet wird, trägt die kräftigften Rüben und üppigften Gemüſe- Arten. Das ganze Ueberriefelungsterrain ift der Firma Aird auf 30 Jahre übertragen worden. Nach diefer Zeit, wenn die Dünenwüfte in ein üppiges Gartenland umgewandelt fein wird, fällt das 2000 Morgen grofse Stück Land wieder an die Stadt und bereichert diefelbe um ein enormes Capital. Unter diefen Einflüffen hat die Landwirthfchaft in Deutfchland in den letzten Decennien grofse Fortfchritte gemacht. Die Dreifelderwirthschaft wird. immer mehr und mehr verlaffen und an ihre Stelle tritt die Fruchtwechfel- Wirthfchaft mit ausgedehntem Rüben- und Kartoffelbau, ja felbft die freie, ihrer Ziele fich klar bewufste Wirthfchaft. Die Culturmethoden find auf merkliche Weife verbeffert worden; ein immer gröfser werdender Theil der Brache wird mit geeigneten Früchten beftellt. Urbarmachungen öder Ländereien werden ausgeführt, die nothwendigen und räthlichen Meliorationen energifch und fachgemäfs vorgenom men. Die Entwicklung des Futterbaues ift fehr bedeutend; dadurch hat fich die Viehhaltung in bedeutender Anzahl vermehrt und auch die Qualität desfelben hat fich in erfreulicher Weife verbeffert. Das einheimifche Milchvieh ift in manchen Diftricten faft verfchwunden und hat den befferen Gebirgs- und Niederungsracen Platz gemacht. Indeffen ift man in Preufsen vielfeitig der richtigen Anficht, dafs eine rationelle Züchtung und eine reichliche, zweckentfprechende Ernährung, verbunden mit forgfältiger Wartung und Pflege, mehr zum Gedeihen der Nutzthiere überhaupt beitragen, als die Einfuhr fremder oft nicht richtig gewählter Racen, wefshalb mit allen Mitteln auf eine entsprechende Veredlung der einheimifchen Racen hingearbeitet wird. Zwei Beiſpiele werden uns die überrafchenden Erfolge der künftlichen Züchtungsbeftrebungen der Landwirthe illuftriren. Im preufsifchen Staate wog zu Anfang diefes Jahrhunderts eine Kuh mittlerer Gröfse 4 Centner, jetzt wiegt fie 7 Centner. In Frankreich haben feit 1810 bis 1862 zugenommen die Ochfen um 43, die Kühe um 84, die Kälber um 17, die Schafe um 8, die Schweine um 27 Kilogramm; von 1862 bis 1873 hat eine weitere Zunahme ftattgefunden bei Ochfen um 13, bei Kühen um 14, bei Schafen um I Kilogramm. Leider gebricht es uns an Zeit und Raum, um die Specialitäten der deutfchen Landwirthfchaft in den einzelnen Ländern des deutfchen Reiches gebührend würdigen und die Höhe ihrer Entwicklung und Intensität des Betriebes nur halbwegs umfaffend und eingehend kennzeichnen zu können; einzelne Federftriche müffen fomit zur ungefähren Darftellung des Charakters der agrarifchen Production in Deutfchland genügen. Seit dem Verlaffen der Dreifelderwirthfchaft ift die dem Getreidebau gewidmete Fläche bedeutend verringert worden, aber die Production hat fich trotzdem erhöht in Folge der vervollkommneten Culturmethoden und der reichlicheren Düngung. Deutfchland, welches früher zu den auf die Zufuhren aus den Nachbarftaaten angewiefenen Ländern gehörte, präfentirte fich in den letzten Jahren bereits als Exportland, was der durch den landwirthfchaftlichen Fortfchritt erzielten Productionsfteigerung zuzufchreiben ift. Trotz der Vermehrung der Bevölkerung ift die Ausfuhr an Bodenproducten in der jüngften Zeit thatfächlich nicht vermindert worden. Die Gefammtproduction in ganz Deutfchland( ohne Elfafs) beträgt 260 Millionen Hektoliter. Die Handelsbewegung im Jahre 1869 erweift fich wie folgt: Weizen. Korn. Gefammteinfuhr Gefammtausfuhr 8,248.918 Hektoliter 2,838.899 وو 5,226.672 4.572.295 Gerfte 2,110.576 2,299.661 Anderes Getreide 2,236.903 2,508.660 Mehl und Mahlproducte 2,384.857 3,032.888 Centner 2* 18 Ant. Adam Schmied. Nebft den Cerealien baut man in Deutſchland faft alle in Europa gangbaren Handelsgewächfe mit dem beften Erfolge. Dafelbft macht immer mehr und mehr der Wein dem Hopfen Platz; befonders ragt Baiern durch feine vorzügliche Hopfencultur hervor, wo hauptfächlich in der Umgebung von Nürnberg der Hopfenbau einen hohen Grad der Vollendung erreicht hat. Der Anbau der Gefpinnftpflanzen ift ebenfalls bemerkenswerth, wenn auch die Cultur des Flachfes und Hanfes in letzter Zeit etwas eingefchränkt wird; desgleichen verlieren die Hülfenfrüchte, Erbfen und Wicken, wegen ihrer grofsen Unficherheit immer mehr an Verbreitung, während die den örtlichen tellurifchen Verhältniffen zufagenden Futterpflanzen ftetig an Ausdehnung gewinnen. Ebenfo werden die Oelfrüchte in gröfserem Mafsftabe gebaut. Ausgedehnte Rüben- und Kartoffelfelder liefern das für die zahlreichen Zuckerfabriken und Brennereien nothwendige Rohmaterial in zumeift vorzüglicher Qualität und bedingen hierdurch die Rentabilität der in Deutſchland in folch hohem Grade blühenden Zuckerfabrication und Spiritusinduftrie. Der Tabakbau wird in grofsem Mafse und rationell betrieben; namentlich hat derfelbe in der Pfalz eine fehr grofse Ausdehnung gewonnen. In den Staaten des deutfchen Zollvereines wurden nach der officiellen Ueberficht im Jahre 1869 mit Tabak bebaut 67-739 Morgen, wovon auf den Norddeutfchen Bund 26.239 Morgen, fpeciell auf Preufsen 23.701 Morgen( gegen 28.151 Morgen im Jahre 1864) kommen. An getrockneten Tabaksblättern wurden geerntet 449.937.24 Centner, davon im Norddeutfchen Bunde 172.852 Centner, in Preufsen 157.496 Centner. Der Durchfchnittsertrag war pro Morgen 6.64 Centner; der höchfte Ertrag( Baden) war 20 Centner, der niedrigfte( Anhalt) o 5 Centner; in Preufsen 6.65 Centner. Der per Centner erzielte höchfte Preis betrug( Baiern) 17 Thaler, der niedrigfte( Oftpreufsen) 2 Thaler. Deutſchland hatte das Hauptgewicht der landwirthschaftlichen Ausftellung auf feine landwirthfchaftlichen Lehranstalten, Fortbildungsfchulen und landwirthfchaftlichen Vereine gelegt. In einer eminenten Weife wurde hier vor die Augen des Befuchers geführt, dafs alle Fortfchritte der Landwirthschaft auf den Errungenfchaften der Naturwiffenfchaft und der vermehrten Einficht in die umwandelbaren Gefetze der Volkswirthfchaft beruhen, und dafs der rationelle Landwirth diefen Namen ganz erft dann verdienen wird, wenn er keinen anderen Drang kennt, als zweckentfprechende, die aufgeftellten Zwecke confequent verfolgende Arbeit, keine andere Waffe, denn Intelligenz, welche ihn die unerfchöpflichen Naturfchätze richtig und vortheilhaft anzuwenden lehrt, kein anderes Banner, als Civilifation, welche ihm den richtigen Weg zeigt, auf welchem er das angeftrebte Ziel am ficherften und glücklichften erreichen kann. Die königlich preufsifche Staats- und landwirthfchaftliche Akademie Eldena ftellte neben einer von der akademifchen Gutswirthfchaft exponirten Sammlung von Sämereien landwirthfchaftlicher Culturgewächfe nebft Halmen und Aehren eine Collection von den im Jahre 1872 von dem akademifchen Verfuchsfelde geernteten und getrockneten Pflanzen, darunter 80 Erbfenforten mit Blüthe, Frucht und Samen, dann eine inftructive Sammlung von 332 Sorten Kartoffeln, Möhren und Runkeln in Gypsmodellen. Darunter nahm die Kartoffel 300 Nummern ein und wurde nach fechs Merkmalen fyftematiſch geordnet und claffificirt: nach der Färbung des getriebenen Auges, Höhe des Krautes, Form und Farbe der Blüthe, Gröfse der Knolle, Befchaffenheit des Nabels, Stärkemehlgehalt der Kartoffeln. Je nach der Reifezeit waren die Kartoffeln eingetheilt in Früh, Mittel- und Spätkartoffeln und jede diefer Gruppen nach der Form der Knollen wieder in drei Abtheilungen, nämlich die lange, ovale und runde Kartoffel. Die königlich landwirthfchaftliche Akademie Poppelsdorf( bei Bonn am Rhein) ftellte eine ausgezeichnete Analyfe der Dampf- Drefchmafchine, plaftifche Analyfen der gebräuchlichften landwirthschaftlichen Culturgewächfe und eine vortreffliche Collection von Getreideforten und anderen landwirthfchaftlichen Feldwirthschaft. 19 Samen( Mais, Bohnen, Erbfen), die im landwirthfchaftlich- botanifchen Garten der Akademie angezogen und fyftematiſch beftimmt wurden; hochintereffant waren auch die 86 Arten, Variationen von Pifum fativum. L. var belgicum chl.( grüne belgifche Erbfen), in den Jahren 1869 bis 1872 erzeugt und in den verfchiedenften Schattirungen der grünen u. f. w. Farbe ſpielend. Die königlich landwirtſchaftliche Academie Proskau( Schlefien) ftellte neben einer fyftemgemässen Claffification des Ackerbodens, repräfentirt durch Bodenarten der Domäne Proskau, nebft chemifchen und mechanifchen Analyfen desfelben, reichhaltige Modelle aus, darftellend die Entwicklung der Drefchmafchine von der Flegel- Drefchmafchine( von Gröger in Glatz), dem Drefchwagen mit Flegeln und der Walzen Drefchmafchine von Frêche bis zur fchottifchen Drefchmafchine von Meikle und den neueften Mafchinen englifcher Couftruction, dann eine inftructive und vollſtändige hiftorifche Entwicklung der Säemafchine. Die königliche Central Landwirthschafts- Schule Weihenstephan( in Baiern) exponirte neben fchönen Lehrmitteln und Tableaux von landwirthfchaftlichen Anlagen, namentlich von Hopfengärten, eine fchöne Collection, die Varietäten der vier Hauptgetreide- Arten von Profeffor Braungart zufammengeftellt. Die land- und forftwirthschaftliche Akademie Hohenheim( Württemberg) und noch mehrere andere landwirthfchaftliche Lehranstalten ftellten reichhaltige Sammlungen von Lehrmitteln, Modelle landwirthschaftlicher Mafchinen, Gypsabgüffe von Ackerproducten u. f. w. aus. Die verfchiedenartigen Verfuchsftationen( pflanzenphyfiologifche und önologifch- chemifche, landwirthschaftliche und agricultur- chemifche) präfentirten die Refultate ihrer forgfältigen Unterfuchungen in fchematifchen und graphifchen Darftellungen u. f. w. Und überall fah man Druckfchriften, Pläne, graphifche Tableaux, colorirte Tafeln, Karten, Photographien und ähnliche Zeichen der wiffenfchaftlichen Thätigkeit ausgeftellt. Diefe Zeilen, fo flüchtig und fragmentarifch fie auch hingeworfen find, bezeichnen zur Genüge den herrfchenden Geift der deutfchen agricolen Expofition. Sie verfinnlichte vor Allem die wiffenfchaftlichen Grundlagen der Landwirth fchaftsLehre und zeigte uns die bewundernswerthe Gründlichkeit der deutfchen For fchung und die grofsen Erfolge des confequenten Wirkens und fyftematifchen Schaffens, welche, fo bedeutungsvoll fie bereits fein mögen, doch dringend darauf hinweifen, dafs, wenn die Wiffenfchaft in letzter Zeit auch fehr grofse Fortfchritte gemacht hat, fie noch unendlich viele dunkle Partien aufzuhellen hat, fo dafs Jedermann nach Möglichkeit und mit Aufbietung aller Kräfte zur Erforschung der Wahrheit beitragen foll. Gleich an die Ausftellungen der Lehranstalten reihten fich die zahlreichen Collectivausftellungen der verfchiedenen Vereine und General comités der Landvogtei und Regierungsbezirke, der landwirthfchaftlichen Centralftellen und ganzer Provinzen. Werden die landwirthfchaftlichen Lehranftalten mehr im Norden. Deutfchlands gepflegt, fo ift das Vereinswefen wieder mehr in Süddeutſchland entwickelt. Baiern kann uns als Beiſpiel dienen, mit welcher Sorgfalt die landwirthfchaftlichen Intereffen dafelbft gepflegt werden. Das Vereinswefen iſt in Baiern im höchften Grade entwickelt; faft ein jeder Zweig der Production, der Ackerbau, Garten- und Weinbau, jeder Zweig der Thierzucht, die Bienen- und Seidenzucht u. f. w. hat feine Vereinigungen, im Ganzen beftehen dort 856 Vereine und Gefellſchaften zur Hebung der Bodenproduction unter den verfchiedenften Bezeichnungen und mit allgemeinen und befonderen Zwecken, von dem Landesverein an bis zum Orts-, Lefe- und Verfchönerungsverein. Daneben blüht in SüdDeutfchland auch der Fortbildungsunterricht in erfreulichem Maſse. Denn es exiftiren in Baiern allein 853 landwirthfchaftliche Fortbildungsfchulen und 383 Ortsbibliotheken, nebftdem noch zahlreiche Winterfchulen und Ackerbaufchulen, aber nur I Centra'fchule für höhere landwirthschaftliche und 1 Centralfchule für höhere forftwiffenfchaftliche Ausbildung. 20 Ant. Adam Schmied. Unter den landwirthfchaftlichen Betriebsmitteln erregten die zahlreichen, mehr oder weniger vollſtändigen Collectionen von Düngemitteln verfchiedener Art die gerechte Aufmerkſamkeit der Befucher, als Wahrzeichen, dafs die auf den Liebig'fchen Lehren fachgemäfs aufgebaute„ Stofferfatz- Wirthfchaft" im Begriffe fteht, die ftrenge Frucht- Wechfelwirthschaft allmälig zu verdrängen und die Anficht derjenigen zu verwirklichen, die da meinen, dafs das Endziel des vollkommenen Betriebes der Landwirthfchaft immer die feffellofe, aber ihrer Ziele fich klar bewufste, freie Wirth fchaft fein mufs. Die einzelnen Expofitionen der landwirthfchaftlichen Maſchinen und Geräthe, welche der moderne Betrieb der Landwirthschaft unbedingt vorausfetzt, zeigten zur Genüge, dafs die deutfche Mafchineninduftrie auf allen fpeciellen Gebieten unbeftritten heute einen hervorragenden Rang einnimmt; denn einzelne induftrielle Erzeugniffe, namentlich die Pflüge und Säemaſchinen vereinigen in fich die Solidität der englifchen und die Handlichkeit und Gefälligkeit der franzöfifchen Fabricate gleicher Gattung. Ueberall haben wir die Wahrnehmung gemacht, dafs das Lebenselement jedes modernen Staates, die Induftrie, in Deutſchland mit rafchen Schlägen pulfirt und glänzende Ergebniffe an den Tag bringt. Die exponirten Bodenproducte umfafsten alle Arten landwirthschaftlicher Nutzpflanzen, zumeift in fehr ſchönen, tadellos ausgebildeten Exemplaren. Die Getreidefrüchte Norddeutfchlands, der Hopfen Baierns, die Hülfenfrüchte, Bohnen, Mais und Sämereien der Futterpflanzen aus allen Gauen Deutfchlands, vorzügliche Proben der Gefpinnftpflanzen, Hanf und Lein, ausgezeichnete Collectionen von Kartoffeln und anderen Hackfrüchten, Raps und die übrigen Handelspflanzen, vor Allem die grofsartigen Expofitionen der edelften Weine der Welt, fie alle gaben Zeugnifs von der grofsen Sorgfalt und dem unermüdlichen Fleifse, mit welchem der nicht immer fruchtbare Boden Deutfchlands von feinen ftrebfamen und intelligenten Befitzern bewirthschaftet wird. Auch die deutfche Tabakfabrication hat auf der Weltausftellung eine beachtenswerthe Leiftungsfähigkeit an den Tag gelegt und höchft überraschende Fortfchritte bekundet. Von einer grofsen Anzahl deutfcher Tabakfabrikanten würdig vertreten, hat fie klar gezeigt, dafs diefelbe hinfichtlich der Schönheit des Fabricats nicht hinter den Havannefen zurückfteht, während fie rücksichtlich der Wohlfeilheit der Herftellung alle übrigen Staaten überflügelt. Diefs fällt namentlich auf, wenn man die Preife der deutfchen Tarife vergleicht beifpielsweife mit den Originaltarifen der Havannefen. Aus echtem Havannatabak fabricirte und mit vorzüglicher Einlage verfehene Cigarren haben in der deutfchen Ausftellung mitunter das Taufend genau fo viel gekoftet, als das Hundert einer halbwegs empfehlbaren echten Havannacigarre; deutfche Fabricate dagegen waren bis zum Preife von 6 Thaler per Taufend ausgeftellt. In der Wohlfeilheit der Fabrication bei trotzdem guter Qualität fcheint auch die Force der deutfchen Cigarrenfabriken zu liegen. Oefterreich ift in den gefammten Ländern und in faft allen Diftricten ein Reich, in welchem die Landwirthfchaft der wichtigfte und am meiften verbreitete Nahrungszweig ift; diefelbe befchäftigt rund drei Viertheile der gefammten Bevölkerung. Während von der Gefammtbevölkerung Weft- Oefterreichs im Jahre 1869 auf die Urproduction( Land- und Forstwirthschaft, Jagd und Fifcherei) 37 13 Percent und auf die gewerbliche Induftrie 13.73 Percent( und zwar auf diefe II 24 Percent, auf den Bergbau und das Hüttenwefen o 52, auf Handel, Transport, Creditinftitute 197 Percent) entfallen, waren nach den Ergebniffen der Zählung im Jahre 1857 30 55 Percent bei der Urproduction und 7.63 Percent bei der gewerblichen Induftrie befchäftigt. Läfst fich daraus der Fortfchritt der gewerblichen Induftrie nicht verkennen, fo müffen die im Reichsrathe vertretenen Länder dennoch vorwiegend als ein Agriculturftaat angefehen werden. Feldwirthfchaft. 21 Auch die Befitzverhältniffe des Bodens beftätigen diefe Anficht. Denn Oefterreich ift ein Land des Grofsgrundbefitzes par excellence, welches in manchen feiner Diftricte uns fehr an die in Mecklenburg herrfchenden Befitzverhältniffe und Latifundien erinnert. In Böhmen, welches in diefer Hinficht unter allen öfterreichifchen Ländern am beften fituirt ift, umfafste der Grofsgrundbefitzt ( land- und lehentäflicher Befitz) mit Ende Juni 1873 insgefammt 1279 Befitzftände mit feparater Einlage, welche jedoch mit Rückficht auf ihre Bewirthschaftung nur 1099 felbftftändige Gutskörper bilden, deren Befitz fich auf 699 Befitzer vertheilt. Der Flächeninhalt diefer Güter beziffert fich auf 3,062.230 Joch( à 1600 Quadratklafter) oder 33'92 Percent der gefammten Area des Königreiches Böhmen. Ihnen gegenüber fteht der rufticale Befitz mit einer Area von 5,966.270 Joch, welcher 742.254 Kleingrundbefitzern angehört. Im Durchfchnitte entfallen daher in Böhmen auf einen Grofsgrundbefitzer 4380 Joch 1396 Quadratklafter, auf einen Kleingrundbefitzer aber nur 8 Joch 61 Quadratklafter Grund und Boden. Welch' ein immenfer Grundbefitz fich oft in einer Hand vereinigt findet, erfieht man, wenn man fich der zumeift übermäfsig grofsen Befitzungen einzelner ungarifcher Cavaliere, z. B. des Fürften Efterhâzy, deffen Grundbefitz an 100 Quadratmeilen umfaffen foll, erinnert und bedenkt, dafs die fämmtlichen, dem Fürften Johann Adolf zu Schwarzenberg( in Böhmen und Steiermark) gehörigen Domänen eine Grundfläche von 355.172 Joch( gleich 204.388 Hektaren) alfo mehr als 35% Quadratmeilen einnehmen, wovon nicht weniger als 309.124 Joch oder nahezu 31 Quadratmeilen auf Böhmen entfallen; dafs die Prinz Auguft von SachfenCoburg- Gotha'fchen Güter in Oefterreich und Ungarn 208.900 Joch, das ift über 20 Quadratmeilen betragen u. f. w. Dafs der Grofsbefitz einen der mächtigften Factoren im wirthschaftlichen Leben der einzelnen Länder und Königreiche Oefterreichs bildet, ift allbekannt; und dennoch ift man heutigen Tages noch nicht einig über die befte Vertheilung des Grund und Bodens und über das vortheilhaftefte Verhältnifs der Grofs- und Kleincultur zu einander. Der Landwirth von Fach rühmt dem Grofsbefitz die mächtige Förderung des Fortfchrittes in allen Zweigen und Gebieten der Landwirthschaft, die Hebung der Viehzucht, die Erhaltung der Wälder, die Ausführung koftfpieliger Meliorationen und die Einführung der landwirthschaftlichen Induftrie und aller Unternehmungen, die grofse Capitalien vorausfetzen, nach und vertritt nur zu oft die Anficht, dafs der Kleinbefitz und die Parcellenwirthschaft ein mächtiges Hindernifs des agricolen Fortfchrittes find. Der Vaterlandsfreund, der wo möglich jedem Menfchen fein eigenes Heim und Stückchen Scholle gönnen würde, rechnet nach, dafs der Grofsgrundbefitz zumeift mit gröfserem Capital und höherer Intelligenz producirt, während der Kleingrundbefitz ihm mit der perfönlichen Arbeitskraft und Emfigkeit feiner Eigenthümer Concurrenz macht; durch die eifrigen Bemühungen feiner Bewirthfchafter vermehrt der Kleinbefitz in der Regel die Menge der Erzeugniffe, den Rohertrag des Ackerbodens und gewährt gewöhnlich auch einen gröfseren Reinertrag. Und der Nationalöconom fieht in dem Grofsgüter- Syftem der Ariftokratie eine Verleugnung des Princips der Freiheit auf dem Gebiete des Verkehrs, wie die verfchiedenen Vorrechte, Immunitäten, eine folche des Princips der Gleichheit auf dem Gebiete des Rechtes waren und verlangt, dafs fich gegen diefe Intereffen der höheren Stände die Angriffe der Capitaliften, das ift der intellectuellen und induftriellen Mittel claffe richten und diefe vollſtändige Gleichberechtigung und felbftftändig freie Lebensentwicklung verlangen follen. Mag nun mit feinem Urtheile über den verfchiedenen Befitz Recht haben, wer immer, fo mufs man doch, wenn man die Frage von einem höheren Standpunkte aus betrachtet, fagen, dafs der Erfahrung gemäfs Landbefitz gleichbedeutend ift mit Einfluss auf Gefetzgebung Die demokratifche Gefetzgebung der Vereinig ten Staaten in Amerika beftätigt diefs vollkommen. Neunundneunzig Hundertftel 22 Ant. Adam Schmied. der Bevölkerung find Landbefitzer und darin gerade liegt dort die Garantie für die Fortdauer des demokratifchen Einfluffes. * Eine traurige Erfcheinung in den agricolen Befitzverhältniffen Oefterreichs ift die ftete Abnahme des Staatsbefitzes. Mit Beginn des laufenden Jahrhunderts zählte der ftaatliche Grundbefitz Oefterreichs nach Hunderten von Quadratmeilen; vom Jahre 1818 bis 1851 wurden nach amtlichen Angaben in den deutſch- flavifchen Ländern Staatsgüter um den Kauffchilling von 14,189.296 fl. veräussert; die Nationalbank hatte von den ihr im Jahre 1855 verpfändeten Staatsgütern im Ausmafse von 115 Quadratmeilen nicht ein Atom von der Veräufserung gerettet; und fo ift der Staatsbefitz gegenwärtig fehr gefchmälert. In Böhmen ist der gefammte Kron, Staats- und Landesbefitz nunmehr bis auf 10.640 Joch gefunken, und hat derfelbe im Jahre 1869 bei einer Brutto- Einnahme von 97.462 fl. und dem Aufwande von 48.140 fl. einen Reinertrag von 49.322 fl. getragen. Als die Haupturfache der Veräufserung der fo werthvollen Staatsgüter wird allgemein deren geringe Rentabilität angegeben. Und in der That war und ift der Reinertrag der Staatsgüter immer noch ein aufserordentlich geringer. Er betrug im Jahre 1862 auf den Staatsdomänen insgefammt blos 78 kr. per Joch; davon ergaben die in eigener Verwaltung ftehenden Staatsgüter fogar nur 40 kr. per Joch, während die der Nationalbank verpfändeten und von ihr bewirth. fchafteten Güter einen Reinertrag von 2fl. 26 kr. per Joch abwarfen. Speciell bei den böhmifchen Staatsgütern ftellte fich im felben Jahre die Ertragsziffer auf 4 fl. 34 kr. per Joch. Dagegen ergaben die preufsifchen Staatsdomänen, deren Wirthfchaftsverhältniffe durchaus nicht günftiger find, als jene Böhmens, zur felben Zeit einen Betrag von 20 fl. 46 kr. oder mit Berücksichtigung des Agios 22 fl. 50 kr. öfterreichiſcher Währung. Die Bewirthschaftung der Güter gefchieht in Oefterreich faft allgemein in eigener Regie. Früher war das Pachtfyftem dafelbft ganz unbekannt; erft ganz neuerdings haben einzelne Grofsgrundbefitzer ihre Höfe verpachtet; nur die fogenannte Emphyteufe und der Parcellenpacht find auch früher üblich gewefen. Im Ganzen hat man früher nur die Staatsgüter und hie und da auch den Befitz der todten Hand verpachtet. Geldpacht ift Regel, Naturalpacht aber und Halbpacht eine blofe Ausnahme. Um einen ungefähren Einblick in die betreffenden Verhältniffe zu gewähren, fei hier nur angeführt, dafs auf den in Böhmen gelegenen fürftlich Schwarzenbergfchen Befitzungen von den 104.362 Joch 190 Kl. landwirthschaftlich benutzbarer Grundftücke, welche 33 76 Percent der Gefammtfläche ausmachen, 44.917 Joch 386-Kl., oder 14:53 Percent der Gefammtfläche in Selbstverwaltung ftehen, 11.616 Joch 851-Kl.( 3-76 Percent des Gefammtbefitzes) in Meiereipacht und 47.828 Joch 571 Kl.( 15 47 Percent des Gefammtbefitzes) in Parcellenpacht, als fogenannte„ Zins- Gereuter- Gründe", vergeben find. Die Betriebsweife der Wirthschaft ift in Weftöfterreich höchft verfchieden entwickelt; im Grofsen und Ganzen kann man fagen, dafs im Weften ein intenfiver, im Often dagegen ein extenfiver Betrieb beobachtet wird. Dazwifchen gibt es unendlich viele, je nach den tellurifchen und mercantilifchen Verhältniffen bedingte Abftufungen. Während beiſpielsweife in den Gebirgen Böhmens eine höchft einfache Koppelwirthfchaft herrfcht, ja hie und da felbft ein extenfiver Wald- Feldbau betrieben wird, finden wir in den der Landwirthschaft günftigeren Lagen Böhmens durchwegs eine rationelle, intenfive, mit ausgedehnten Induftrialien verbundene Betriebsweife, und es könnte eine grofse Reihe von Wirthfchaftsobjecten angeführt werden, welche überall, auch in den aufseröfterreichifchen Ländern mit einem hochentwickelten intenfiven Wirthschaftsbetriebe, als Mufterwirthschaften gelten würden. Die Bearbeitung des Bodens wird allmälig überall rationell und auch den erhöhten Anforderungen der Hochcultur im hohen Grade Rechnung tragend; Feldwirthfchaft. 23 die Tiefcultur verbreitet fich immer mehr; ja in den einzelnen Ländern Oefterreichs, z. B. in Böhmen und Mähren, hat fogar bereits die Dampfcultur des Bodens Eingang gefunden. Die Düngung des Ackerlandes wird ftets rationeller; neben dem Stalldünger wendet man die Aufmerkfamkeit immer mehr auf den Latrinendünger und verwendet bereits feit geraumer Zeit eine anfehnliche Menge von Kunftdünger verfchiedener Art. Es wird genügen, wenn wir hier anführen, dafs Herr Horfsy Ritter von Horfsysfeld auf der Herrfchaft Kolin vom Jahre 1864/65 bis 1872/73, alfo in neun Jahren, im Ganzen 55.798 4 Centner Kunftdünger, im Koftenbetrage per 268.607 fl. 49 kr. angewendet hat, neben 21.366 Metzen Holzafche, 47.790 Centner Kompoftdünger, 4000 Centner Fledermaus- Guano aus den Höhlen zu Altogradena und 71.024 Fuhren kalkhaltigem Letten. Mit Stolz können die böhmifchen Landwirthe behaupten, dafs auf Böhmens gefegneten Gefilden Liebig's goldene Lehre, fo zu fagen, zuerft im grofsen Betriebe Anwendung gefunden hat und fich, indem fie von einer bedeutenden Zahl ausgezeichneter Landwirthe fachgemäfs in die Praxis eingeführt wurde, hier auch zuerft bewährte. Den Culturart- Umwandlungen und Meliorationen des Bodens wird immer eine gröfsere Wichtigkeit beigemeffen, und werden die Drainage und die Wiefenbewäfferung in ftets weiterer Ausdehnung und mit dem höchften Erfolge ausgeführt. Zu bedauern ift leider, dafs die wichtigfte Bodenmelioration, die Grundarrondirung, in Oefterreich einen fo fchwierigen Eingang findet, hauptfächlich defshalb, weil dafelbft noch kein Arrondirungsgefetz befteht, und fehen fomit die öfterreichifchen Landwirthe einem allfeitig befriedigenden Commaffationsgefetze mit Sehnfucht entgegen. Die Früchte deffelben wären, nach den in anderen Ländern erzielten fegensreichen Erfolgen zu urtheilen, auch für die öfterreichifchen Länder, wo namentlich der kleine und mittlere Befitz einen in der Regel fehr ftark parcellirten Boden befitzen, wahrhaft unermesslich! Um fich von der immer theurer werdenden Arbeitskraft möglichft zu emancipiren und die Nachtheile des ftetig wachfenden Arbeitermangels thunlichft zu paralyfiren, werden die bewährten landwirthfchaftlichen Mafchinen und verbefferten Geräthe in einer fortwährend fich fteigernden Anzahl angekauft und fachgemäfs angewendet. Namentlich gilt diefs von den Säe- und Drefchmaschinen, zu denen fich in jüngfter Zeit auch die Mähmafchine beigefellt hat. Es ift uns fchwer, ftichhaltige Zahlen in diefer Richtung, ganz Oefterreich betreffend, anzugeben. Es wird genügen, wenn wir aus der reichen Fülle des betreffenden Materiales nur einzelne Thatfachen zur Illuftration obiger Angaben anführen. Auf den fürftlich Schwarzenberg'fchen Gefammtbefitzungen, weiche 44.917 Joch 386 Kl. urbares Land( Aecker, Wiefen, Gärten, Weiden) in Eigenregie bewirthschaften, verfügt die Landwirthschaft über 8 Locomobilen und 2 ftationäre Dampfmafchinen mit 60, über 2 Wafferwerke mit 24 und über 14 Göpel mit 50, zufammen 134 Pferdekraft, welch letztere in Bewegung fetzt: 27 Drefchmaschinen mit completen Putzwerken, 8 Strohelevatoren, 7 Getreide Schrotmühlen, 105 Futter- Schneidemaschinen, 4 Maſchinen zur Knochenmehlbereitung, drei Centrifugalpumpen mit mehreren Stationsplätzen für Wiefenbewäfferung, 2 Waffer Hebemaſchinen und endlich 2 Circularfägen. Ausserdem ftehen bei der Landwirthfchaft noch 206 Saatmafchinen, 30. Pferdehauen, 45 Mähmafchinen, 75 Heuwender und Pferderechen, weiters 3 Heupreffen, 70 Hand- Drefchmafchinen, 14 Cylinder zum Getreidefortiren und 41 Futterdämpfer mit befonderen Keffeln von einer bis zwei Atmofphären in Verwendung, ganz abgefehen von allem anderen in der Wirthfchaft nothwendigen Inventarbeftande. Alljährlich wird um etwa 40.000 fl. Kunftdünger angefchafft, fowie 120.000 fl. zum Ankaufe von Kraftfutter verausgabt, um den Viehftand ( beftehend aus 1035 Pferden, 7720 Rindern, 26.900 Schafen und 74.000 Stück 24 Ant. Adam Schmied. Borftenvieh) naturgemäfs ernähren zu können. Die in fteter Fortfetzung begriffene Drainage ift bereits durchgeführt auf einem Areale von 3600 Joch, mit einer Stranglänge von 448.600 Currentklaftern, das ift fchon über 100 Meilen. Für Entwäfferung mittelft offener Gräben ift auf Oekonomiegründen mit etwa 120.000 Gräben und in den Forften durch etwa 601.500 Hauptgräben vorgeforgt. Kunftwiefen nach verfchiedenen Syftemen gibt es bisher 2700 Joch; die Erdbewegung aber zum Zwecke der Bodenverbefferung durch Teichfchlamm und Compofthaufen beträgt jährlich bei 13.500 Cubikklafter. Seit dem Jahre 1850 endlich ift das nutzbare Areale der Regie- Landwirthschaft durch Hutweiden- Rodungen, Entfumpfungen und Einziehung von wenig lohnend gewefenen Pachtgründen um etwa 6000 Joch vermehrt worden. Möge diefes Beiſpiel gelten für viele andere, die wir beliebig anführen und erweitern könnten und zwar für jeden Zweig der landwirth fchaftlichen Production. Dafs ein folch hochintenfiver, landwirthfchaftlich- induftrieller Betrieb zu feiner Inveftirung fehr bedeutender Betriebs capitalien bedarf, ift felbſtverſtändlich. Um die Organiſation des fürftlich Fürftenberg'fchen Fideicommifs- Complexes Pürglitz, welcher auf 10 Quadratmeilen vertheilt ift, durchführen zu können, hat Domänenrath A. E. Ritter von Komers präliminirt. auf Drainagen " Bewäfferungen Gebäudemeliorationen Vermehrung des Viehftandes Vermehrung der Geräthe . im Ganzen. . · 49-372 fl. 88 kr. 24.071" 29 21.612 12 " - 99 " " 85.815" 36.160 30 " 217.031 fl. 30 kr. Es laffen fich aber auch mit genügenden Mitteln erftaunliche Erfolge erzielen. Horfsy, welcher auf Meliorations- und Voluptuarauslagen auf feiner Herrfchaft Kolin von 1865 bis 1872 den Betrag von 685.988 fl. 75 kr. aufgewendet, hat beiſpielsweife durch die im vollften Mafse gleichzeitig und rationell angewendeten drei Haupthebel: Arbeit, Fruchtwechfel und Düngung, dafelbft die im Hauptdurchfchnitte per einen Metzen der gefammten Ackerfläche in den erſten vier Jahren 1865 bis 1869 erzielte Production von 6 Metzen 8 Mafsl, wobei fich ein Schaden von 42 kr. per Metzen ergab, in den nachfolgenden vier Jahren 1869 bis 1873 auf 11 Metzen 2'90 Mafsl gefteigert und einen Reinertrag von 12 fl. 23 kr. erzielt. Diefs weift in den letzten vier Jahren per einen Metzen der gefammten Ackerfläche eine Steigerung des Rohertrages um 4 Metzen 10 9 Mafsl Kornwerth und des Reinertrages um 12 fl. 275 kr. und eine im letzten Jahre erzielte Verzinfung des Wirthschafts capitals mit 6:35 Percent nach, Erfolge, welche trotz ihrer ungewöhnlichen Höhe noch immer im Steigen begriffen find und noch grössere Refultate mit Gewifsheit erwarten laffen. - Leider fehlt es der Landwirth fchaft in der Regel an dem zur intenfiven Bodenbewirthschaftung nothwendigen Betriebs capitale aller Art; auch hat der Landwirth wenig Credit, namentlich mangelt ihm der Perfonalcredit, da der jetzige Stand der Gefetzgebung von ihm die meiſten Capitalien abwendet; Niemand leiht ihm auf feine Befitzungen etwas zu wohlfeilen Zinfen. Noch fchlechter ergeht es in der Regel dem Pächter; fein Perfonal credit ift noch mehr befchränkt, hauptfächlich wegen Mangels an wirklich brauchbaren Hypothekarbanken, PfandbriefInftituten, Darlehens- Vorfchufscaffen und fonftigen Creditan ftalten. Von den 13 Boden- Creditanſtalten, die in Oefterreich beftehen, entfällt nur eine auf Böhmen, nämlich die böhmifche Hypothekenbank, bei welcher die Rückzahlung des Pfandbrief- Capitals durch Verlofung innerhalb 36 1/2 Jahren erfolgt; in Galizien gibt es vier Bodenvereine. Zahlreiche Vorfchufs caffen, deren es in Feldwirthfchaft. 25 Böhmen an 1100 geben foll, find beftrebt, dem Realcredite aufzuhelfen, und die. 233 Sparcaffen, deren Einlagen im Jahre 1872 in Weftöfterreich 400 5 Millionen Gulden, bei den Sparcaffen in Böhmen aber 126 4 Millionen Gulden betrugen, leihen auch zu annehmbaren Zinfen; aber alle diefe Inftitute find nicht im Stande, der Landwirthschaft in gebührendem Mafse aufzuhelfen. Um auf die Verwendungsart der Capitalien einen Fingerzeig zu machen, fei blos erwähnt, dafs die Hypothekenbank des Königreiches Böhmen im Jahre 1873 an Hypothekardarlehen auf Häufer 208, auf Grundwirthschaften 221 und auf landtäfliche Güter 37, zufammen 466 Darlehen mit 4,992.900 fl ausgegeben hat. Ende December 1873 waren 7844 Darlehen mit 33,230.001 fl. 71 kr. aushaftend; davon find 6,033.400 fl. auf 1170 Häufer, 12,650 400 fl. auf 6.444 Grundwirthschaften und 16,728.080 fl. auf 230 landtäfliche Güter dargeliehen. Sonft finden die landwirthfchaftlichen Intereffen vom Staate, den Landesregierungen, Corporationen und Privaten, durch Subventionen, Prämien, Ausftellungen und Thierfchauen eine vielfeitige Unterſtützung und mannigfache Förderung, und wenn auch noch nicht Alles derart entwickelt ift, als es die Landwirthe wünfchen, und namentlich die agricole Gefetzgebung noch manche empfindliche Lücken aufzuweifen hat, fo mufs doch mit Anerkennung zugeftanden werden, dafs fich in den letzten Jahren Vieles, fehr Vieles zum Befferen gewendet hat und uns viel Hoffnung auf eine beffere Zukunft erfüllt. Vielleicht wird es lehrreich und intereffant fein, wenn wir hier die vergleichende Ueberficht über die Verwendung von Staatsmitteln für landwirthfchaftliche Zwecke in verfchiedenen Ländern mittheilen, die freilich wohl nur einen relativen Werth hat, da fie mit Ausfchlufs der Verwendungen für die höheren landwirthfchaftlichen Lehranftaiten, die Thierarznei- Schulen, die landwirthfchaftliche Statiſtik und die Pferdezucht gemacht ift, und da z. B. in Oefterreich unter verfchiedenen anderen Titeln aus Staats- wie insbefondere auch Landesmitteln der Landwirthfchaft Beiträge zufliefsen, die hier nicht beachtet find. Die Verwendung von Staatsmitteln für landwirthfchaftliche Zwecke ift in den einzelnen Ländern folgende: Sachfen. Baden Württemberg • Preussen Deutfch Oefterreich. Baiern . • Für eine-Meile Gulden: 500 bis 550 59 350 . 150 200 Auf je 1000 Bewohner Gulden: 60 bis 65 60 65 " " 40 75° . 300 . 150 200 " 35 " 45 IOO 29 150 20 " 25 50 IOO " I5 20 " " 5° 1ΟΟ 15 20 وو Grofsherzogthum Heffen.. Neben dem k. k. Ackerbau- Minifterium, welches von den beften Intentionen befeelt und durchdrungen ift, wirken die in den einzelnen Kronländern beſtehenden k. k. Landwirthschafts- Gefellfchaften, in die entſprechenden Fach comités oder Sectionen gegliedert, dann mehrere Regional- und Kreisvereine, fowie zahlreiche Vereine faft für jeden Zweig der agrarifchen Production wefentlich zur Hebung des Landwirthschaftsbetriebes in allen feinen Productionsrichtungen. Ein eigentlicher Landesculturrath befteht vorerft nur für das Königreich Böhmen, welcher mit a. h. Entfchliefsung vom 27. März 1873 ins Leben gerufen wurde. So wurde in Böhmen, welches wegen der Intenſität des Wirthfchaftsbetriebes unter allen Kronländern Oefterreichs die erfte Stelle, den hervorragendften Rang einnimmt, ein Organ creirt, welches in feiner Organifation und Wirkfamkeit fehr viele Aehnlichkeit mit den in anderen Ländern bereits feit geraumer Zeit fehr erfpriefslich wirkenden Inftitutionen befitzt, aus welchen wir nur derjenigen gedenken wollen, welche in den wegen der directen Förderung und Pflege des Auffchwunges der Bodencultur und wegen des erreichten Standpunktes der letzte ON 26 Ant. Adam Schmied. ren allgemein bekannten und hochgeachteten Staaten beſtehen, nämlich: des Landes- Oekonomie collegium im Königreiche Preussen, Königreiche Preufsen, des LandesCulturrathes im Königreiche Sachfen und des Confeil fupérieur d'agriculture in Belgien. Wie in Deutfchland, fo wird auch in Oefterreich ein grofses Gewicht auf die wiffenfchaftliche Begründung des Landwirthschaftsbetriebes gelegt. Zu diefem Zwecke find dafelbft in den letzten Decennien zahlreiche landwirthschaftliche Lehranstalten theils von den einzelnen Landesvertretungen, theils von landwirthfchaftlichen Vereinen und Privaten gegründet und eröffnet worden, welche fich mitunter fehr anfehnlicher Unterſtützungen aus Staatsmitteln und bedeutender Dotationen und Subventionen von Seiten der einzelnen Länder, landwirthschaftlichen Gefellſchaften und Vereine erfreuen. Neben der im Jahre 1872. gegründeten k. k. Hochfchule für Bodencultur in Wien, welche die höchfte wiffenfchaftliche Ausbildung in der Land- und Forftwirthschaft zu ertheilen hat, dann der im Jahre 1818 errichteten k. ung. höheren landwirthschaftlichen Lehranftalt zu Ung. Altenburg, der im Jahre 1805 gegründeten k. k. Forftakademie zu Mariabrunn, der 1770 errichteten k. k. Berg- und Forftakademie zu Schemnitz und dem im Jahre 1777 gegründeten k. k. ThierarzneiInftitute in Wien beftehen in Weft öfterreich insgefammt fechs Lehrkanzeln für Land- und Forstwirthschaft an Hochſchulen und technifchen Anftalten, die Land- und Forstwirthschaftsfchule der technifchen Hochfchule am landfchaftlichen Joanneum in Graz, vier höhere landwirthschaftliche Landes- Lehranstalten, eine Landes- Mittelfchule, zwei Landes- Ackerbaufchulen, fieben landwirthschaftliche Lehranstalten und Curfe an Realfchulen, fünfzehn Ackerbau- Schulen verfchiedener Einrichtung und Kategorie, fünf landwirthfchaftliche Fortbildungsfchulen ( vier in Vorarlberg), acht Obft-, Weinbau und Gartenfchulen, eine Flachsbereitungsfchule, ein Lehrcurs für Seidenbau( in Görz), zwei höhere Forft Lehranftalten, zwei Waldbau- Schulen, vier landwirthfchaftliche Hufbefchlags- Schulen und Thier- Heilanftalten und Braufchulen. Im Ganzen folglich 67 Inftitute zur Hebung der landwirthschaftlichen Production. In den Ländern der ungarifchen Krone ift die land- und forftwirthschaftliche Abtheilung des k. ung. JofephsPolytechnikums in Ofen, eine land- und forftwirthfchaftliche Lehranftalt( in Kreuz), eine k. ung. höhere landwirthschaftliche Lehranftalt( in Debreczin), drei landwirthfchaftliche Lehranstalten, vier Ackerbau Schulen und eine Wein- und Obftbau Schule, zufammen zwölf Inftitute. Entfprechend den gefchilderten Productionsverhältniffen geftaltete fich auch die Ausstellung Weftöfterreichs in jeder Hinsicht reichbefchickt, glänzend in ihrer Anordnung, grofsartig in ihrer Wirkung und höchft anerkennenswerth in den erzielten Erfolgen. Ueberall, wo das Auge hinfah, gewahrte es, trotz des oft beklagten Mangels an Ueberfichtlichkeit, im grofsen Ganzen die prachtvollen Erzeugniffe des fruchtbaren Ackerlandes, blendende Schätze und grofsartige Reichthümer der fprichwörtlich gewordenen„ Unerfchöpflichkeit" Oefterreichs; die nie verfiegbaren Quellen der Wohlhabenheit diefes Reiches, die Landwirthschaft und Induftrie, waren glanzvoll repräfentirt. Auf der Wiener Weltausftellung feierte die öfterreichifche Landwirthschaft einen erhebenden Sieg und zeigte fich Oefterreich als ein eminenter Agriculturftaat, in welchem aber die Induftrie eine hervorragende Rolle spielt und fehr ftaunenswerthe Erzeugniffe zu Tage fördert, fo dafs fie es mit den Induftrien der meiften Culturftaaten Europas kühn und erfolgreich aufnehmen kann. Die landwirthfchaftlichen Lehranstalten Oefterreichs waren würdig vertreten, vor Allem die königl. böhmifche höhere landwirthfchaftliche Landes- Lehranftalt in Liebwerda( Böhmen), welche durch ihre Expofition den in der Anftalt herrfchenden Geift zu verfinnlichen, die Methode des befolgten Unterrichtes und die erzielten Erfolge desfelben darftellen wollte und fich demnach möglichft fern hielt von dem beftechenden Prunke von Lehrmitteln u. dgl. m. ' Feldwirthfchaft. 27 Den Geift, welcher bei der Organifation und Bewirthfchaftung des mitunter unermesslichen Grundbefitzes die Wirthfchafts- Dirigenten befeelt und leitet, haben einzelne in praktifcher und wiffenfchaftlicher Hinficht gleich ausgezeichnete Landwirthe, die man mit Recht als die Koryphäen der modernen Landwirthschaft betrachtet, verfucht, in gediegenen Monographien, graphifchen Tafeln und überfichtlichen Karten und Tabellen zu verdeutlichen. Im Zufammenhange gewürdigt, veranfchaulichen diefe hochfchätzbaren Beiträge nicht nur die Verhältniffe vorkommender Gütercomplexe und einzelner landwirthschaftlicher Güter, fondern auch die formale Einrichtung, ihre Verwaltung, Grundfätze der Organiſation, Mafsregeln der Bewirthschaftung, vorhandene Betriebsmittel, angeftrebte und wirklich erreichte Productionserfolge u. dgl. m. Bei der aufmerkſamen Betrachtung derfelben dürften ganze Reihen von hochwichtigen Fragen aufseröfterreichischer Fachgenoffen ihre beſtimmte Beantwortung gefunden haben. Aus einer ganzen Reihe folcher werthvollen Beiträge will ich hier nur der ,, Skizzen über die Verwaltungsorganifation von Grofsgrundbefitz- Complexen in Böhmen" von A. E. Ritter von Kommers und der bildlich graphifchen Darftellung des inneren Betriebes derfelben gedenken, welche das Studium der ftatiftifchen, Befitz, Adminiftrativ- und technifchen Verhältniffe des Grofsgrundbefitzes wefentlich erleichtern. Dann der„ ftatiftifchen Beiträge über die Prinz Auguft von Sachfen- Coburg- Gotha'fchen Güter in Oefterreich und Ungarn", welche den Zweck hatten, Aufklärungen über mancherlei Umftände und Verhältniffe des Befitzftandes zu geben, welche fich nicht unmittelbar durch Ausftellungsgegenstände repräfentiren liefsen, fowie einen kleinen Beitrag zur Landesftatiftik zu geben. Endlich der zahlreichen Wirthfchaftspläne, Karten und Tabellen, Wirthfchaftsbücher und Revifionsprotokolle, Culturpläne, Heerdbücher, Befitzftandskarten und Begrenzungselaborate im Pavillon der Fürften zu Schwarzenberg, welche einen Gütercomplex betreffen, der in Bezug auf koloffalen Flächenumfang und die felten grofsartige Organifation in allen Ländern Unica darftellen würde. Eine charakteriftifche Eigenthümlichkeit der agricolen Expofition Weftöfterreichs bildeten die Collectionen und Productionsbilder, die man nirgends fonft in einer solchen Reichhaltigkeit und Vollständigkeit angetroffen hatte. Den erften Rang unter allen Kronländern nahm unftreitig Böhmen ein. Die Collectivausftellung land- und forftwirthfchaftlicher Producte des Königreiches Böhmens, geordnet mit Rückficht auf den Kreislauf der Stoffe, gab nach dem übereinftimmenden Urtheile aller competenten Fachgenoffen ein klares Gefammtbild der Betriebsverhältniffe, der Bodenproduction und Productionsmittel des Landes, fowie der induftriellen Entwicklung in fo concentrirt gelungener, Weife, dafs daraus ohne Aufbietung von Maffen exponirter Gegenftände der Standpunkt der Land- und Forstwirthschaft fehr bequem erkannt werden konnte. Die k. k. Landwirthfchafts- Gefellfchaften in Graz, Klagenfurt, Linz, Wien u. f. w. repräfentirten durch reichhaltige Collectivausftellungen die Bodenerzeugniffe der betreffenden Länder, zumeift nach den einzelnen Productionsgebieten und Höhen lagen fyftematiſch und inftructiv geordnet, während zahlreiche Filial- und Bezirksvereine, fowie land- und forftwirthschaftliche Vereine u. dgl. die Producte befchränkterer Diftricte meift in einer fehr gefälligen und anfprechenden Weife zur Anfchauung brachten. Wer diefe reichhaltigen Collectiv- Ausftellungen aufmerkfam und im Zufammenhange fleifsig betrachtet hat, konnte fich gewifs eine klare und zutreffende Vorftellung über die Productionsverhältniffe der einzelnen öfterreichifchen Kronländer, Kreife, Bezirke und Diftricte bilden. Einen Glanzpunkt der landwirthschaftlichen Expofition Oefterreichs bildeten die von einzelnen Grofsgrundbefitzern veranstalteten Collectivausftellungen ihres oft grofsartigften Magnatenbefitzes. Die Prachtausftellung des Erzherzogs Albrecht, der die Erzeugniffe feines immenfen Befitzes mit circa einem Viertel in Oefterreich und drei Viertel in Ungarn, entſprechend dem Befitzverhältniffe in den beiden Reichshälften, ausftellte; der Pavillon der Fürften Johann Adolf und 28 Ant. Adam Schmied. Adolf Jofef zu Schwarzenberg, welcher einen ungefähren Begriff von der Organifation, den Zielen und Erfolgen eines modernen Grofsgrundbefitzes der Gegen wart machte und fich als ein Unicum darftellte, welches durch die Kräfte eines Einzelnen nicht fplendider, reichhaltiger und grofsartiger hervorgebracht werden kann; die Collectivausftellung des Herzogs von Coburg, mit gleicher Sorgfalt, erfchöpfender Fülle und Ueberfichtlichkeit arrangirt, fie alle haben die Verwaltungsorganiſation des öfterreichifchen Grofsgrundbefitzes in ihren zweckbewussten Zielen veranfchaulicht und den unumftöfslichen Beweis geliefert, mit welcher Sachkenntnifs, Auffaffung und Verſtändnifs der jeweiligen Factoren die Bewirth. fchaftung desfelben geleitet wird. Hoch über diefen Collectivausftellungen ftand die Ausftellung des k. k. Ackerbau- Minifteriums, welche für einen jeden Befucher eine grofse Anziehungskraft, für den Fachmann aber ein grofses Intereffe befafs. Sie beftand in literarifchen Arbeiten, Schriften und Werken, welche die Thätigkeit und die Beftrebungen des Minifteriums klar darlegten; in Karten und graphifchen Darftellungen welche die Bodencultur Oefterreichs und die gefammten Verhältniffe derfelben kennzeichneten, in den höchft lehrreichen Expofitionen der durch das k. k. Minifterium gegründeten k. k. landwirthfchaftlichen Verfuchsftationen und der Seidenbau- Station in Görz; der hiftorifchen Pflugfammlung, zahlreichen Abhandlungen und Publicationen und der hydrotechnifchen Mufteranlage Guttenhof. Es wäre überflüffig, wollten wir über diefe in jeder Hinficht höchft gelungene Expofition nur ein Wort weiter verlieren. Zu den Einzelheiten und ſpeciellen Objecten der öfterreichifchen Ausftellung felbft übergehend, müffen wir geftehen, dafs uns die verfchiedenen Acker erzeugniffe, die Cerealien, Hülfenfrüchte, die Rüben und Knollengewächfe, die Hopfen und die Karden, der Mais, der Lein und Hanf und wie all' die zahlreichen Erzeugniffe einer rationell betriebenen Landwirthschaft heifsen mögen, vollſtändig befriedigt, mitunter überrascht haben. Vortrefflich ausgefallen ift namentlich die Tabakausftellung OefterreichUngarns. Die öfterreichifch- ungarifchen Regien find hors de concours geblieben und find es wohl auch in Wirklichkeit, denn die Vergleichung mit ähnlichen Fabricaten aus anderen Ländern zeigte, dafs nirgends eine folidere, aus echtem Havannatabak gearbeitete Cigarre fchöner und billiger hergeftellt wird, als von Seite der öfterreichifchen Regie. - - Minder erfreulich dagegen fchien uns die Ausstellung der landwirthfchaftlichen Betriebsmittel, befonders der Düngarten und landwirthfchaftlichen Mafchi nen, zu fein, und ift allgemein conftatirt worden, dafs namentlich in Betreff der landwirthfchaftlichen Mafchineninduftrie Oefterreich zur Zeit mit einigen wenigen Ausnahmen weit hinter England und Amerika fteht. Und doch ift ohne geeignete landwirthfchaftliche Mafchinen und Geräthe keine Intensität des Wirthschaftsbetriebes, keine nennenswerthe Vermehrung der Bodenproducte möglich; überall, wo wir auf der Wiener Weltausstellung hinblickten, fanden wir die Thatfache illuftrirt, dafs für den Feldbau das Zeitalter des Dampfes und der Arbeitsmafchine herangebrochen ift. Mit dem Uebergange zur gröfseren Intenfität und zur localen Gruppirung der Production wird die Theilung der Arbeit immer allgemeiner, die Anwendung der landwirthschaftlichen Maſchinen immer dringender, die Frage nach Erfparnifs von Arbeitszeit und Arbeitskraft immer brennender, eine Erfcheinung, welche uns den feit zwei Jahrzehnten auf diefem Gebiete vollzogenen überwältigenden Fortfchritt genügend erklärt. Während die Londoner Exhibition vom Jahre 1851 die hauptfächlichfte Aufmerkſamkeit ,, auf die Intenfität der Bodenwirthfchaft durch Meliorationen und durch den Uebergang zum Ackerbau in Verbindung mit rationeller Zuchtwahl der Hausthiere" lenkte, aber nur wenige Proben von Agriculturmafchinen brachte, trat bereits zehn Jahre später der mechanifche Theil als die Hauptfache hervor; denn nach dem einftimmigen Urtheile aller Fachmänner ift die 1862er Weltausftellung als Feldwirthfchaft. 29 der eigentliche Ausgangspunkt für den mafchinellen Betrieb der Landwirthschaft anzufehen, welcher in der Wiener Weltausftellung feinen hervorragendften Ausdruck fand. Die landwirthfchaftliche Mafchine, vom einfachen Spaten bis zum vollendeten Dampfpfluge bildete eine der mächtigften Signaturen der 1873er Expofition. Diefs foll uns ein Fingerzeig fein, unfere Aufmerkfamkeit der landwirthfchaftlichen Mafchinen- Induftrie, von welcher die Zukunft der Landwirthschaft in hohem Grade abhängt, mehr zu widmen, als es bisher gefchehen ift, Auch wir in Oefterreich müffen allmälig die Senfe durch die Mähmaschine und den Flegel durch die Drefchmaſchine verdrängen laffen und uns über die ganze culturgefchichtliche Bedeutung des Dampfpfluges klar werden, wenn wir den hohen Aufgaben des landwirthfchaftlichen Betriebes der Gegenwart und Zukunft mit dem beften Erfolge für den Einzelnen fowohl als für die Gefammtheit der Bevölkerung vollkommen gerecht werden wollen; und diefe Anfchauung mufs uns leiten, wenn wir die Wichtigkeit des agricolen Mafchinenwefens richtig beurtheilen follen. Ungarn ift beinahe ausfchliefslich Agriculturftaat, arm an Induftrie und Communicationsmitteln, und als folcher von den Zufälligkeiten und Launen der Witterung abhängig. Den gefegneten Jahren von 1867 und 1868 folgten Jahre, wo Ungarn, durch die Ungunft der Jahreswitterung gefchädigt, nur mittelmäfsige, oder fogar fchlechte Ernte hatte; in gewöhnlichen Jahrgängen verforgt aber Ungarn die reichbevölkerten Diftricte Nordeuropas mit Nahrungsfrüchten aller Art. Die an vielen Orten noch gehegte Vorftellung, dafs das fruchtbare Land Ungarns zum grofsen Theile nicht angebaut fei, iſt feit vielen Jahrzehnten ein grofser Irrthum. Nur im Süden, und auch da noch fpärlich, finden wir weit ausgedehnte Weideplätze, während diefelben in den anderen Gegenden des Landes dem Pfluge weichen mufsten; üppige Maisfelder wogen jetzt, wo vormals der Cfikós( Geftüthüter) fich tummelte. Allerdings leidet Ungarn in nationalökonomifcher Beziehung an dem Gebrechen, dafs der gröfsere Theil des Bodens Grofsgrundbefitzern gehört; nach einer Angabe befafsen die zehn reichften Familien vor dem Jahre 1848 ein Sechftel alles Landes im Königreiche, und heute noch find die grofsartigen Magnatenbefitzer wahre Unica in Betreff der Flächenausdehnung. Die grofsen Grundherren haben alle neuen Verbefferungen in der Landwirth fchaft eingeführt; diefe üben jedoch geringen Einfluss auf das von den Kleinwirthen allzu fehr parcellirte Land, indem letztere ob ihrer verhältnifsmäfsig kleinen An theile theuere Mafchinen nicht anfchaffen können. Im Ganzen genommen wird der Landbau zu ausgedehnt betrieben und der ungarifche Bauer ftrebt viel lieber nach Erweiterung feines Betriebes durch Ankauf neuer Ländereien, als nach forglicher Bewirthschaftung deffen, was er fchon befitzt. Das aufserordentlich fruchtbare Land, welches an vielen Stellen Dammerde von 50 bis 60 Fufs Tiefe aufweifet, wird dadurch ausgefogen, dafs man ihm viele Ernten abzwingt, ohne den Verluft durch Düngung zu erfetzen. Auch ift die Arbeit in Ungarn meiftentheils theuer. Mafchinen werden defshalb in grofsem Mafse angewendet und haben dafelbft einen guten Einfluss ausgeübt. Die Landwirthfchaft bekommt dafelbft nur fehr fchwer Geld und mufs es gewöhnlich zu 6 bis 8, ja felbft zu 10 Percent verzinfen. Defshalb werden auch im Grofsen und Ganzen nur wenige Meliorationen ausgeführt, welcher Umftand befonders in Betreff der Bewäfferung fehr nachtheilig ift, da das gröfste Leiden des Landes in der Trockenheit befteht, welche nur zu oft dafelbft herrfcht. Die jähen Witterungswechfel find die ärgften Feinde des ungarifchen Landbaues, wefshalb auch das Ergebniss der Ernten fehr ungleich ift von 3/4 bis 7, 15. ja 20 Metzen per ungarifches Joch. Demzufolge wechfelt auch die jährliche Getreide- Ausfuhr ganz aufserordentlich, das heifst von 5 bis 10 und 15 Millionen Metzen, der Metzen zu 5 Gulden Mittelwerth. Diefen Ertrag von klimatifchen Umständen durch rationelle Bodencultur unabhängiger zu machen, ift jetzt die Aufgabe des ungarifchen Landbaues. 30 Ant. Adam Schmied. Ungarn ift ein von der Natur mit geradezu mütterlicher Zärtlichkeit ausgeftattetes Land, von dem man mit vollftem Rechte fagen könnte, dafs ,, darinnen Milch und Honig fleufst", aber es fehlt ihm an Arbeit und an Capital. Die intenfive, zielbewufste Arbeit ift vor Allem die Wünfchelruthe mit welcher die Schätze gehoben werden können, welche der gefegnete Boden des Ungarlandes beherbergt. Wird diefer Boden aufgefchloffen, fo wird Ungarn ein Paradies auf Erden; aber nur die Arbeit kann das allgemeine Vertrauen in die vielverheifsende Zukunft diefes Landes erhalten, rechtfertigen und verwirklichen. Die agricole Expofition kennzeichnete Ungarn als einen reinen Agriculturftaat: prachtvolle Cerealien, insbefondere die fchweren Weizenforten, feine Tabake, fchöne Oelfrüchte, Mais und Bohnen, Flachs und Hanf, edle Weine und maffenhafte Wollen zogen die Aufmerkfamkeit des Befuchers an Doch trachtet man auch in Ungarn zu dem Getreidehandel, zu der Mühleninduftrie und dem Mehlhandel überzugehen, wie es die reich vertretene ungarifche Mühleninduftrie illuftrirte. Die königlich ungarifche höhere landwirthschaftliche Lehranftalt zu Ungarifch Altenburg ftellte eine reiche Collection von Landesproducten aus, von Mais und Bohnen bis zu dem Paprika, finnig das ungarifche Landeswappen darftellend. Die ungarifche ftatiftifche Centralcommiffion hatte orohydrographifche Karten, fpeciell die Gebirge und Gewäffer behandelnd, Ueberfichts- Bodenkarten, die Vertheilung der einzelnen Bodenarten darftellend, die Karten der AckerbauSyfteme, die Anbauflächen der Cerealien, des Hopfens, des Weinftockes, des Flachfes und Hanfes und intereffante ftatiftifche Nachweife über Unterricht, Vereinswefen, Ernte- Ergebniffe über Ein- und Ausfuhr und dergl. m. exponirt. Die Schweiz, das höchftgelegene Land Europas, zeichnet fich durch manche Eigenthümlichkeit des Wirthfchaftsbetriebes aus. Charakteriftifch ift befonders die Alpenwirthschaft in Verbindung mit einer ausgedehnten rationellen Viehzucht. Im Jahre 1864 war der Werth fämmtlicher Almen 72 Millionen Francs mit 153.320 Kühen, die meiften in Graubünden; der Reinertrag betrug 11 Millionen Francs. In den für den Landbau geeigneten Lagen wird Getreide, auch Mais, dann Hülfenfrüchte und Kartoffeln u. f. w. gebaut, in den gefchützten Diftricten Wein cultivirt, Tabak gepflanzt, befonders aber eine forgfältige Obftcultur betrieben. Der Hauptwerth der fchweizerifchen Landwirthschaft befteht aber in der ausgedehnten und trefflichen Viehzucht, hauptfächlich Rindviehzucht; man hält dort annähernd 1 Million Stück Rindvieh, während Schweine und Schafe dem Bedarf nicht genügend find. Der Grundbefitz ift in der Schweiz fehr vertheilt, und find dafelbft gröfsere Güter fehr felten. Die Befitzer bewirthschaften ihr Land felbft, Pacht bildet eine Ausnahme. Die Grundbefitzer bekommen leicht Capitalien aufnehmen, für welche ihre Befitzungen als Bürgfchaft dienen. Sie können Geld bei den Städtern und den Hypothekenbanken haben; der Zinsfufs fchwankt zwifchen 4 und 5 Percent. Im Canton Wallis ift das Syftem des Bodencredits dem Landbefitzer fehr günftig. Er findet zu 4% Percent Hypothekengläubiger, denen er einen Rentenbrief unterfchreibt, welcher durch Endoffement übertragbar ift. Der Ackerbau wird forgfältig betrieben. Während die Drainage in der Bodenzerftückelung viele Hinderniffe findet, wird für die Bewäfferung unendlich viel gethan; befonders gelten die Walliffer als Meifter in Bewäfferungsarbeiten; Landwirthschaftliche Maſchinen finden wegen der Terrainverhältniffe weniger Anwendung; aber von dem Kunftdünger werden trotz der fehr rationellen Stallmift- Wirthfchaft alljährlich immer bedeutende Mengen verbraucht. Die landwirthfchaftlichen Vereine tragen viel zur Verbreitung der landwirthfchaftlichen Kenntniffe bei. Die beffere Cultur hat feit 30 Jahren eine bedeutende Vermehrung der Getreideproduction zur Folge gehabt. Dennoch liefert der Landbau kaum die Hälfte der zur Ernährung der Bevölkerung nothwendigen Bodenproducte. Feldwirthfchaft. 31 Von den beiden auch in gewöhnlichen Erntejahren der relativ bedeutendften fremden Zufuhr bedürfenden Ländern, England und der Schweiz, führt das letztere jährlich 3,169.543 Centner( Durchfchnittseinfuhr von 1859 bis 1862) bis 3.911.572 Centner( im Jahre 1871) Getreide und Mehl ein, meiftens aus Deutfchland und Oefterreich, während England die enormen Quantitäten von 62,278.170 Centner( im Jahre 1868) bis 79,820.948 Centner( im Jahre 1871) Weizen, andere Cerealien und Weizenmehl, zum gröfsten Theile aus Nordamerika und Russland jährlich importirt. Die agricole Ausftellung der Schweiz war in befcheidenen Dimenfionen angelegt. Einige Nahrungspflanzen, Getreide verfchiedener Art, Alpenheu, Rohtabak, Flachs und Hanffamen, gedörrtes Obft, eine Riefenpyramide der Dofen mit condenfirter Milch, einige Schriften über Bienenzucht und dergl. bildeten die Expofition, die keinesfalls geeignet war, über die landwirthfchaftlichen Verhältniffe der Schweiz einen klaren Auffchlufs zu bieten. Italien, das Land der Kunft und uralter Gewerbthätigkeit, das ältefte Culturland Europas, weil es das Land einer feit Jahrtaufenden niemals dauernd unterbrochenen hochgradigen Civilifation ift, nimmt in der Landwirthschaft keine befonders hervorragende Stelle ein. Und doch ift der Boden gröfstentheils culturfähig, theilweife durch höchfte Fruchtbarkeit ausgezeichnet, das Klima mild und rein, alle Einflüffe einer üppigen Vegetation fehr günftig. Im Norden des Königreiches Italien ift der Grundbefitz fehr zerftückelt, im Süden herrfcht dagegen der Grofsgrundbefitz vor, defsgleichen in den Marken und in der Romagna; in der römifchen Campagna ift der Grundbefitz in Händen weniger Befitzer und zum gröfseren Theile in todter Hand, wefshalb dort auch die Zerftückelung nur ausnahmsweife vorkommt. Obzwar der Ackerbau über ein Drittel der Bevölkerung ( einfchliefslich circa 300.000 Hirten) ernährt, ift doch die Zahl der Grundeigenthümer im Allgemeinen gering( 604.437). Defshalb herrfcht in Italien, ähnlich wie in Frankreich und Spanien, die Halbfcheid Wirthschaft( Mezzaria), eine Naturalpacht, bei welcher der Eigenthümer den angebauten Grund, die Colonenfamilie aber das Betriebscapital und die Arbeit zu einem gemeinfchaftlichen Zwecke beitragen. Da diefer Vertrag die Bodencultur den Kenntniffen, Fähigkeiten und Mitteln des Bauers überlaffen, fo ift die Folge hievon ein Zurückbleiben des Ackerbaues hinter der Zeit, da der kleine Mann unverrückt am Hergebrachten haftet. Aus diefem Grunde ift die Agricultur in Italien bisher fehr vernachläffigt, nur im Norden und um Neapel ausgezeichnet. Hier fpielen die Bewäfferungen eine bedeutende Rolle; in der Lombardei befonders gibt es ein vollſtändig organifirtes Bewäfferungsfyftem, welches in eine fehr alte Zeit hinaufreicht. Das höchft vollkommen ausgebildete Canalifations- und Bewäfferungsfyftem ermöglicht es, dafs z. B. im Dreieck zwifchen Mailand, Pavia und Lodi auf 146.000 Hektaren Wiefen über 100.000 Stück Hornvieh ernährt werden können. Im Allgemeinen wird der Ackerbau in althergebrachter Weife betrieben; die Viehzucht ift in der Regel vernachläffigt; neben in nicht hinreichender Menge erzeugtem Stalldünger verwendet man den Kunftdünger nur in geringerer Menge und die Mafchinen werden bisher nicht allgemein gebraucht. Diefs Alles hat einen Rückgang in der Ackerproduction zur Folge. Das neapolitanifche und piemontefifche Getreide ift ftets von vortrefflicher Güte, aber fein Anbau, der fich nur in Neapel um etwa 25 Percent vermehrt hat, ift überall der gleiche geblieben und deckt den eigenen Bedarf kaum. Im Jahre 1870 find 5'02 Millionen Centner Getreide und Mehl, zum grofsen Theil aus Ungarn und Rufsland eingeführt, und nur 3.33 Millionen Centner ausgeführt worden. Als Handelspflanzen könnten der Tabak und die Baumwolle vorzügliche Erfolge erzielen; letztere würde fehr günftige Bedingungen in Süditalien finden. Zucht des Maulbeerbaumes ift befonders in Norditalien blühend, der Reisbau vermehrt fich immer mehr und die Production des Weinftockes erweitert fich in erfreulichem Mafse. 3 32 Ant. Adam Schmied. Auf der Wiener Weltausstellung nahm die agricole Ausftellung Italiens keinen befonders hervorragenden Platz ein. Seine Tabak- und Cigarrenausftellung, die Expofitionen in Cerealien, in Hanf und Lein, in Mais und Karden, in Reis, in Südfrüchten, Farb- und Medicinalpflanzen, fpeciell Sumach, in Baumwolle u. f. w. find Zeugen der gefeg eten Fluren diefes fo freigebig, ja verfchwenderifch von der Natur ausgeftatteten Landes. Die Abnahme der Bodenproductivität in Italien ift eine ernfte Mahnung, die Errungenfchaften der Wiffenfchaft in den landwirthschaftlichen Betrieb vernünftig einzuführen. Noch am Ende des vorigen Jahrhundertes hatte Italien, die ,, alma parens frugum", den erften Rang unter den Ländern Europas; feine Ländereien gaben, nach Profeffor Buccardo's ftatiftifchen Nachweiſungen, durchfchnittlich an Cerealien 10 Hektoliter vom Hektar, während Frankreich 8 und das übrige Europa 7 erzeugten. Seitdem aber das übrige Europa angefangen hat, mit Benutzung der Refultate der Wiffenfchaft die Landwirthschaft rationell zu betreiben, haben fich die Verhältniffe in einer für das gefegnete Italien geradezu befchämenden Weife geändert. In dem letzten Decennium ergibt der Durchschnittsertrag für England 32 Hektoliter, für Frankreich 18, für Belgien und Holland 22 bis 25, für Norwegen 24, für Nordamerika 20 bis 22, für Sachfen 26, für die übrigen deutſchen Länder zwifchen 19 und 20; Italien ift bei 10 Hektoliter ftehen geblieben, und fteht auf der nämlichen Stufe wie Spanien, Griechenland und Portugal, welch' letzteres ebenfalls nur 10 bis II Hektoliter liefert. Frankreich hat nur eine beftimmte Zone für den Weinbau, und doch bringt es dreimal mehr Wein auf den Markt als Italien, welches von den Alpen bis an die äufserften Spitzen des Südens zum Weinbau geeignet ift. Das eigentliche England erzeugt auf einem Raum, der viermal kleiner ift als Frankreich, faft diefelbe Quantität an Cerealien, und um wie viel nachtheiliger ergibt fich noch das Refultat für das gefegnete Italien. Bedenkt man aber, dafs in England, Sachfen und Belgien die Fortfchritte der modernen Naturwiffenfchaften für die Agricultur am meiften verſtändige Anwendung gefunden haben, fo mufs man das Zurückbleiben Italiens in der Production aus deffen„ Zurückbleiben in der Geiftesbildung" erklären. Spanien zeigt ähnliche traurige Verhältniffe wie Italien. Vermöge feines unter einem glühenden Himmel fich ausbreitenden, urfprünglich fehr fruchtbaren Bodens, feines Bodenreichthumes und feiner Producte, vermöge aller ihm von der Natur verliehenen Vorzüge fcheint Spanien zum erften Range unter allen Ländern beftimmt gewefen zu fein, umfomehr, als auch die Bewohner nicht minder freigebig ausgeftattet worden find: ftatt alle dem bietet es ein trauriges Bild und trifte Zuftände auf allen Zweigen der menfchlichen Thätigkeit. Der hauptfächlichfte Nahrungszweig ift die Landwirthschaft und Viehzucht, welche fieben Achtel der Bevölkerung befchäftigen, aber läffig betrieben werden. Der Ackerbau wird extenfiv. betrieben: 27 Percent des Areals find Ackerland, 55 Percent aufser Cultur. Mit Ausnahme einiger Provinzen, z. B. der Infel Majorca, ift das Grundeigenthum aufserordentlich zerftückelt. Nirgends in der Welt ift die Parcellirung des Bodens foweit getrieben, wie in Spanien, diefem Lande der ehemals claffifchen Bewäfferung. Die Fluren find gewöhnlich in kleine zerftreute Aecker, die oft die wunderlichfte Geftalt haben, zerftückelt; es kommt fogar häufig vor, dafs ein Olivenbaum zwei bis drei Befitzer hat. Die kleinen Befitzer cultiviren in der Regel ihren Befitz felbft, die grofsen verpachten denfelben gewöhnlich. Die Betriebs capitalien ftehen im Allgemeinen in keinem Verhältniffe zu den Bedürfniffen der Landwirthschaft. Der ländliche Credit ift beinahe unbekannt; der Landmann, welcher fich Geld verfchaffen will, borgt auf Hypothek zu 5 bis 12 Percent. Die Drainage des Bodens wird wenig angewendet; dagegen haben die Bewäfferungen in einigen Theilen Spaniens, befonders in der Provinz Valencia, eine fchon alte und fehr beträchtliche landwirthschaftliche Bedeutung. Neben dem Stalldünger und etwas Compoft wird nur wenig Hilfs Feldwirthfchaft. 33 und Kaufdünger angewendet; überhaupt ift die Beftellung des Bodens nicht immer rationell und läfst in vielfacher Beziehung manches zu wünſchen übrig. Spanien war früher ein wichtiges Getreideland, aber man kann nicht fagen, dafs es diefs noch fei, obgleich einzelne Provinzen, z. B. Caftilien, bedeutende Mengen erzeugen, und die Getreideproduction feit circa 1800 von 65 auf 160 Millionen Fanegas geftiegen ift. Hauptfächlich werden Weizen und Gerfte, im Norden auch Roggen, dann Hirfe, Mais und dergl. angebaut. Nächft Frankreich erzeugt Spanien den meiften Wein, aber die Weincultur ift im Grofsen und Ganzen auf einer niedrigen Stufe der Entwicklung geblieben; durchſchnittlich werden 162 Millionen Cantaras à 16 Liter producirt, und hievon zwei Dritttheile exportirt. Der Handelsgewächsbau ift wenig entwickelt, nur das Olivenöl fpielt eine wichtige Rolle in der Production des Landes; jährlich werden über 50 Millionen Arrobas Olivenöl erzeugt. Die Cultur der Korkeiche ift fehr verbreitet in Andalufien, Catalonien und Girona. Die ehemals berühmten Safranpflanzungen find heute zum Theile aufgegeben; von Gefpinnftpflanzen wird allein Hanf gebaut, der einen bedeutenden Exportartikel bildet; die Farbpflanzen könnten eine bedeutendere Rolle spielen; die Obftausfuhr bildet einen wichtigen Zweig des fpanifchen Handels. Tabak, Südfrüchte, Zuckerrohr und Baumwolle gedeihen vortrefflich. Die Viehzucht wird verhältnifsmäfsig beffer betrieben als der Ackerbau, am wichtigften auf der Hochebene zu Eftremadura und den Alpenweiden der Pyrenäen und der Sierra Nevada. Am bedeutendften ift die Schafzucht, und ift Spanien bekanntlich das Heimathland der edlen Merinos, obfchon die Zucht derfelben neuerdings fehr zurückgegangen ift und von der Schafzucht Deutfchlands weit überholt wurde; Böhmen und Schlefien bilden zur Zeit den Kernpunkt des goldenen Vliefses. Nebftdem blüht die Pferdezucht, und nennen wir blos die andalufifche Race, welche neuerlich durch grofse Befchälereien, z. B. Cordova, gefördert ward; die Seidenzucht( in Catalonien, Murcia, Valencia u. f. w.), welche jährlich im Mittel 2 Millionen Percent Rohfeide liefert; die Schweinezucht( befonders in Eftremadura), dann die Cochenillenzucht. Spanien( und feine Colonien) nahmen, was die Expofition von Naturproducten anbelangt, eine der erften Stellungen auf der Ausftellung ein. Wein und Cigarren bildeten die Glanzpunkte der fpanifchen Expofition. Für den Handel mit fpanifchen Weinen kann die Weltausftellung vorausfichtlich von enormem Nutzen fein; denn nie hatte man bisher noch folche Gelegenheit, die Weinproduction der pyrenäifchen Halbinsel in fo inftructiver Weife kennen zu lernen und die Concurrenzfähigkeit der fpanifchen Weine bezüglich der Qualität und Preife derfelben fo richtig beurtheilen zu können, als es diefsmal der Fall war. Die Cigarrenausftellung, welcher in der fpanifchen Expofition ein befonderer Raum angewiefen war, war von den erften Firmen der Infel Cuba mit ihren auserlefenften Kräutern reichlich befchickt; von der feinen Havannacigarre bis zu dem feltenften Product der Tabakfabrication zu Cigarren bis zum Preife von 1000 Thalern das Taufend waren alle gewöhnlichen und vorzüglichen Fabricate vertreten. Schöne Collectionen brachten die übrigen Landesproducte Spaniens zur Anfchauung, befonders fehr fchöne Cerealien, prachtvolle Südfrüchte, ausgezeichneten Mais, Exportgras und Hanf, diverfe Sämereien und dergl. m. Die Türkei deutete durch die an jeder der zahlreichen Wandfäulen ihrer Ausftellung angebrachten Getreidegarben und Büfchel bereits an, dafs diefelbe ein reiner Ackerbau- Staat fei und die hauptfächlichfte Leiftungsfähigkeit der Türkei eben in den mannigfaltigen Producten des Bodens liege. Allerdings ffehen die Leiftungen der wirthfchaftlichen Thätigkeit bei weitem nicht auf der Höhe der dafür vorhandenen äufserft günftigen tellurifchen und klimatifchen Bedingungen. Die Landwirthschaft fteht in der Türkei eben noch auf einer tiefen Stufe und wird allgemein fehr extenfiv betrieben, ja die Aecker bleiben in der Regel nach uralter Gewohnheit zwei Jahre in der Brache, werden mit höchft ein 3 34 Ant. Adam Schmied. fachen Pflugwerkzeugen in fehr dürftiger Weife bearbeitet und die Düngung der felben vollzieht fich lediglich durch die Excremente des darauf getriebenen Weideviehes. Eine um fo höhere Meinung flöfst uns daher die natürliche Fruchtbarkeitsanlage des Bodens und die der Vegetation fo günftige Befchaffenheit des Klimas ein, wenn wir hier die ausgeftellten prächtigen Proben von den verfchiedenen Bodenproducten fehen. Die trefflichen Collectionen von weifsem und gelbem Weizen, Gerfte, Roggen und Hafer, darunter fchöne weizengelbe Sorten von Mais und Erbfen, Bohnen und Fifolen, gewährten uns den Einblick in die unerfchöpfliche Productionsfähigkeit des Landes. Neben den diverfen Getreide- Arten fah man viele Sorten von Reis, Hirfe, Leinfamen vorzüglicher Güte und Kleefamen. Vorzüglich war der ausgeftellte Tabak. Dafs die Weine, die Oele, der Hanf, die Baumwolle, die Farbhölzer, die Südfrüchte, befonders Tafelnüffe und Mandeln, auf der Ausftellung nicht fehlten, läfst fich denken. Die fchöne grofse Holzfammlung in vielen ausgezeichneten Exemplaren fiel recht wirkungsvoll den Befuchern auf. Der in reichhaltiger Weife ausgeftellte Safran, ausgezeichnet. durch fchöne Farbe und feinen Geruch, die Farbftoffe( der Krapp) und gedörrtes Obft( befonders Pflaumen) vervollſtändigten die umfangreiche Ausftellung. Auch das würdige Giftpendant zum Tabak, das Opium, diefes furchtbare Betäubungsmittel der Afiaten, fand neben diverfen, zur Opiumbereitung dienenden Mohnforten in der türkifchen Ausftellung feine reiche Vertretung. Seinen hauptfächlichften Pflanzboden hat das Opium, diefer verderblichfte aller Stoffe, in BritiſchIndien, und es ift wahrhaft ein ewiger Schandfleck für die moderne Civilifation, dafs England dasfelbe dem chinefifchen Volke durch Waffengewalt aufzudrängen fuchte. Vor diefem Kriege wurden jährlich für 4, feit demfelben für 10 1/2 Millionen Pfund Sterling Opium nach China eingeführt. Zudem baut gegenwärtig letzteres in feinen füdlichen Provinzen felbft Opium und confumirt jährlich für 15 Millionen Pfund Sterling. Zu medicinifchen Zwecken wird auch in Frankreich und Deutfchland Opium mit Erfolg angepflanzt. Rufsland, nächft dem britifchen Weltreiche der gröfste, aber einer der am fchwächften bevölkerten Staaten der Erde, ift der reinfte, ausgeprägtefte Agriculturftaat, in welchem jedoch die Landwirthschaft zur Zeit noch fehr extenfiv betrieben wird. Von dem ganzen unermesslichen Areale werden rund 16 Percent als Ackerland benutzt, dazu kommen 14 Percent Gartenland und 2. Percent Wiefen, während 20 Percent als Weiden, 31 Percent Wald und 29 Percent Steppen und Unland liegen. Je nach dem Breitegrade zeigt natürlich fowohl das europäiſche Rufsland, welches im Allgemeinen die fehr fruchtbare farmatifche Tiefebene bildet, als auch das afiatifche Rufsland, wo namentlich im mittleren Rufsland die Agricultur durch die unerfchöpfliche fchwarze Erde( cerná zem) im hohen Grade begünftigt wird, in dem ortsüblichen Wirthfchaftsbetriebe fehr verfchiedene Eigenthümlichkeiten, fo dafs es uns nicht möglich ift, auf deren, wenn auch nur fehr flüchtige Schilderung einzugehen. Es genügt, wenn wir bemerken, dafs der Ackerbau und die Viehzucht im Allgemeinen noch ziemlich primitiv betrieben werden, und dafs man nur ausnahmsweife hie und da einen intenfiven Grofsgrundbefitz antrifft. Rufsland baut in erfter Reihe Cerealien: Roggen, Weizen, Mais, im Süden Hirfe und Reis, dann etwas Hülfenfrüchte. Der Handels- Gewächsbau ift im Grofsen und Ganzen unbedeutend; Flachs und Hanf werden zwar in koloffalen Mengen angebaut, daneben Zuckerrüben und auch Farbpflanzen, fonft cultivirt man nur in den füdlichen Gegenden Wein bis 48 Grad nördlicher Breite( jährliche Production circa 17 Millionen Eimer), Tabak( in der Krim, Ukrain, an der Wolga), Anis, etwas Baumwolle, Südfrüchte u. f. w. Uebrigens darf man nicht überfehen, dafs Rufsland in den gegenwärtigen, noch nicht ganz geklärten und vollſtändig entwickelten Verhältniffen mit Handelsgewächfen keine Ausficht auf Erfolg hat. Es ift dünn bevölkert, in Folge der eigenthümlichen Verhältniffe der ländlichen Bevölkerung ift ein fühlbarer Mangel Feldwirthschaft. 35 an landwirthschaftlichen Arbeitern, fo dafs die Arbeitslöhne fehr hoch find, was bei den viel Arbeit und Cultur verlangenden Handelsgewächfen um fo empfindlicher wird. Doch darf und kann nicht überfehen werden, dafs fich die Production in Rufsland in Folge der immerwährenden Ausbreitung der fortfchrittlichen Tendenzen, hauptfächlich der Aufhebung der Leibeigenfchaft, bedeutend gehoben hat. Trotz der extenfiven Wirthschaft überfteigt der Ertrag an Cerealien weit den Bedarf; felbftverſtändlich bemüht man fich, die Erzeugniffe diefer dünnbevölkerten fruchtbaren Gebiete jenen der bereits ausgefaugten oder durch Induftrie und Städteleben dichtbevölkerten Länder zuzuführen. Rufsland producirt jetzt im Ganzen circa 560 Millionen Hektoliter Getreide, wovon als Ueberfchufs zum Die Ausfuhr Export 70 bis 75 Millionen Hektoliter gerechnet werden können. ift im rapiden Steigen begriffen. Während Rufsland in dem zehnjährigen Durchfchnitte von 1837 bis 1847 nur 4'8 Millionen Hektoliter und in der Zeit von 1858 bis 1864 je 17.5 Millionen Hektoliter exportirte, hat es in der Periode von 1865 bis 1870 je 28.3 Millionen Hektoliter Cerealien und Mehl ausgeführt. Im Jahre 1865 bezifferte fich der Export auf 20,780.000 Hektoliter und ftieg im Jahre 1870 auf 44,242.298 Hektoliter. Den gröfsten Antheil am Export haben die Häfen des fchwarzen Meeres( Odeffa, Roftoff, Taganrog, Mariapol), woher England, Frankreich und Italien ihren Bedarf beziehen. Die agricole Ausftellung Rufsland's gab auch ein Zeugnifs von dem Reichthume der Naturproducte und der Ueppigkeit des Bodens. Diefelbe feffelte durch die Proben des fchönen Getreides, hauptfächlich des Roggens und der Hülfenfrüchte, durch Flachs und Hanf, befonders durch den vorzüglichen Rigaer Leinfamen, durch Raps, Rübenfamen und diverfe Gemüfe- Arten, durch Mais, Mohn, Karden und ähnliche Bodenerzeugniffe. Neben Südrufsland und Ungarn verforgt Nordamerika die dichtbevölkerten Staaten Europa's mit Nahrungsmitteln. Diefe drei Staaten find als das Prototyp des reinen„ ,, Ackerbauftaates" zu betrachten, find im Grofsen und Ganzen auf einer ziemlich tiefen Entwickelungsftufe der Landwirthfchaft und exportiren zumeift Rohproducte, wefshalb fie auch im Vereine den Getreidepreis des Jahres für die ganze Welt beftimmen. - Amerika baut im Norden Cerealien, Mais und Kartoffeln, im Süden Tabak, Zuckerrohr und Maniok. Die Bedeutung Amerika's, als eine der Kornkammern der menfchlichen Gefellſchaft, nimmt immer mehr zu, wenn auch Carey die Thatfache conftatirt, dafs einzelne Länderftriche des cultivirten Amerika's in Folge anhaltenden Raubbaues mit ihren Durchfchnittsziffern bereits fehr zurückgehen; denn neue Millionen von Acres mit jungfräulicher Kraft werden in die Cultur einbezogen und beginnen die Production, wodurch fich der Gefammtertrag immer erhöht. Die gemäfsigten Zonen Amerika's find den europäiſchen GetreideArten am günftigften, namentlich dem Weizen und dem Hafer; fo trägt auf dem fruchtbarften Theile des Thales von Lerma( in Salta) ein Weizenkorn 30 bis 40fach und in den mittelmäfsigen erhält man von einem Weizenkorn 12 bis 15 Körner. Eine Vergleichung des mittleren Ertrages der Getreide- Arten in beiden Continenten gibt folgendes Ergebniſs: Es liefert ein Korn im Mittel in Deutfchland 5 Körner, in Frankreich 6 bis 8 Körner, in Ungarn, Kroatien, Slavonien 8 bis 10 Körner, am La Plata 12 Körner, in der Provinz Salta 21 Körner. Gleich dem Boden des ruffifchen Humusgebietes mufs auch der jungfräuliche Boden im Nordweften Amerika's als der bedeutendfte Ernährer der gewerbetreibenden Bevölkerung in Europa angefehen werden. Dort gedeihen hunderte vortrefflicher Weizenarten, deren reiche zur Wiener Weltausftellung gefendete Aehren jeden Landwirth und Getreidehändler in Erftaunen verfetzten. Wiegt doch die leichtefte diefer Weizenforten, auf deren Confum die alte Welt immer 36 Ant. Adam Schmied. mehr angewiefen wird, über fechzig, die fchwerfte über neunundfechzig Pfund per Bufhel, während das Stroh in der Länge von fechs Fufs eher einem Rohrhalme gleicht. Mit Hilfe der in Amerika immer allgemeiner zur Anwendung gelangenden Agriculturmafchinen wird die üppige Natur vielleicht noch ungeheuere Quantitäten von Brodfrüchten erzeugen als bisher. Erregte es im Jahre 1867 noch Erftaunen, dafs die nach Paris gefendete Mähmafchine Mac Cormicks fich als das 78.351fte Exemplar documentirte, fo ift gegenwärtig die verlässliche Nachricht des Commiffioner of agriculture nicht minder überrafchend, dafs in einzelnen Staaten Amerika's die Mähmafchine das gewöhnliche Werkzeug ift für Gras und Getreide, wie bei uns Senfe und Sichel; jede der gröfseren Mähmaschinen- Fabriken in New- York, Illinois und Ohio hat fchon weit über 100.000 Stück derfelben geliefert. Ift der Ackerbau in Amerika auch keineswegs fo vollkommen, als die natürlichen Verhältniffe es glauben machen follten, fo liefert derfelbe doch grofsartige Ergebniffe, wie wir diefs aus dem vom ftatiftifchen Bureau in Washington veröffentlichten Cenfusberichte erfehen. Danach betrug die Gefammtproduction an Getreide im Jahre 1870: Mais... 385 6 Millionen Hektoliter im Werthe von 3159.6 Millionen Francs. Weizen. 83.1 Gerfte. Hafer Korn.. " 9 19 " " " 1290.7 87.1 " 99 " 99 29 9.3 " " 99 " 5.4 " 5617 116.5 66.1 " 9 " 29 " " " " " Bei feiner Entdeckung hatte Amerika keine einzige Getreideart der alten Welt gehabt; es hatte den Mais, welcher allen übrigen Erdtheilen unbekannt war; es hatte in Californien den wilden Hafer und in der Seenregion des Nordens den wilden Sumpfreis, Zizania aquatica. Der Mais, fowohl Zea virginica wie Zea versicolor, gibt enorme Erträge, welche im Vergleiche mit der Ergiebigkeit unferer Pflanzen alle Begriffe überfteigt. Derfelbe gibt in Neu- Granada 500 bis 600 Körner auf einem Boden, der niemals gedüngt worden ist und liefert im Jahre zwei Ernten. In der Provinz Salta( in Südamerika) ift 300- bis 400facher Ertrag auf gutem Boden nichts Seltenes, und man hält die Ernte für mangelhaft, wenn fie nur 120- bis 140faches Korn gibt; felbft unfruchtbarer Boden gibt 60- bis Sofaches Product. Auch die Getreidefrüchte zeichnen fich durch hohe Erträge aus, denn die Jahresernten überfteigen weit den eigenen Bedarf des Landes, wie es die im ftetigen Steigen begriffenen Ziffern des Exportes nachweifen. Die Ausfuhr war nämlich im Jahre 1870 bis 1871: Weizen. Mais. 12,079.048 Hektoliter im Werthe von 243 8 Millionen Francs. 3.462.791 99 " " 9 " 29 93 " 40.3 130 1 " " " " Weizenmehl... 3,653.841 Barrels Es exportirte in diefem Jahre Amerika fomit für 431 Millionen Francs Werth Bodenproducte. Aber die Landwirthschaft leidet in den Vereinigten Staaten unter fortwährender Lohnerhöhung und ungenügender Handarbeit, was eine immenfe Anwendung der landwirthschaftlichen Maſchinen zur Folge hatte. Doch auf den anderen Gebieten der Wirthfchaftsthätigkeit fpielt Amerika nach verlässlichen Berichten keine fo erfreuliche Rolle. So wird von der transatlantifchen Republik der Vereinigten Staaten, deren Leiftungen befonders auf dem Gebiete der Induftrie und Volkswirthschaft fich im Allgemeinen einer hohen Ueberfchätzung in Europa erfreuen, in jüngfter Zeit vielfach behauptet, dafs die Induftrie derfelben auf allen Punkten im Rückfchreiten begriffen fei. Namentlich ift es der frühere„ Commiffioner of Revenue" der Vereinigten Staaten, Herr Malls, welcher in feiner lehrreichen Schrift überzeugend nachgewiefen hat, wie die Amerikaner jetzt, wo fie 37 Millionen Individuen find, nicht nur weni Feldwirthschaft. 37 ger confumiren, als zur Zeit, wo fie nur 30 Millionen waren, fondern auch weniger exportiren, als früher, und überdiefs im Seehandel hauptfächlich fremde Schiffe benützen. Ob die induftrielle Ausftellung der Unionsftaaten diefes Rückfchreiten der Induftrie gerechtfertigt hat, kann hier felbftverſtändlich nicht erörtert werden; fo viel ift aber ficher, dafs die agricole Expofition die wirthschaftlichen Verhältniffe in dem Wunderlande der Vereinigten Staaten keinesfalls in dem Lichte erfcheinen liefs, in welchem wir diefelben zu fehen und zu betrachten gewöhnt find. Amerika war charakterifirt durch fein Haupterzeugnifs: die Baumwolle, welche in der gefchmackvoll angeordneten amerikanifchen Ausftellung den erften Rang einnahm. Die Baumwollen- Trophäe, in der Form einer Fontaine nicht unähnlich, war eine wahre Zierde der erften weftlichen Nordgallerie des Induftriepal aftes. Die koloffalen, acht liegenden und vier ftehenden Baumwollen- Ballen, welche mit eifernen Reifen umzogen waren, waren ganz geeignet, dem Befchauer von der ungeheueren Menge der in Amerika producirten Baumwolle einen ungefähren Begriff zu geben, wenn er fich erinnerte, dafs jährlich an fechs Millionen folcher Ballen verpackt werden, von denen nach Europa allein nahezu eine Million verfendet wird. An der Trophäe waren auch mächtige Guirlanden, aus Baumwolle, dann die Baumwollcocons( Samenhülfen) und Zweige des Baumwollftrauchs mit der Wolle darauf zu fehen. Während des 1873er Gefchäftsjahres hat die Baumwoll- Ernte in Nordamerika 3,930.508 Ballen geliefert. Diefer Ertrag fteht in der Mitte zwifchen den Erträgen der beiden Vorjahre. Neben der Baumwolle, welche im Vereine mit den Baumwoll- Fabricaten dem Werthe nach den zweitgröfsten Welthandels Artikel bildet, hatte Nordamerika. Getreide, rohen und gefchälten Reis, Blättertabak und Tabakfabricate, Zuckerrohr, Raminpflanzen und Raminfafern in verfchiedenen Stadien der Bearbeitung, Hanf und Hanffaat, Erdnüffe und andere landwirthschaftliche Producte ausgeftellt, welche durch ihre Qualität einen hohen Beweis von der Ueppigkeit der Natur und Fruchtbarkeit des Bodens in Nordamerika lieferten. Eine Specialität des mafchinellen Theiles der Agriculturausftellung Amerikas bildete die Mähmaschine, auf welche in den ,, Landwirthschaftlichen Mafchinen und Geräthen" Rückficht genommen wird. Wenn wir zum Schluffe noch einen Rückblick auf die landwirthfchaftliche Expofition der Wiener Weltausftellung werfen, fo müffen wir vor Allem hervorheben, dafs diefelbe im Allgemeinen klar gezeigt hat, wie alle Bodenproducte in erfter Reihe von natürlichen Verhältniffen bedingt werden. So fteigt die Vorzüglichkeit des Tabaks in gleicher Progreffion mit der Höhe der Sonne, wefshalb man fich auch mit der Verpflanzung des Tabakfamens vergebliche Mühe gibt, eine gleiche Qualität mit jener der Stammländer der Tabakpflanzung zu erzielen, wenn man nicht von gleichem Sonnenftande begünftigt ift. Die füdlichen Staaten erzeugen, wenn auch in denfelben die Tabakfabrication überhaupt noch in der Kindheit liegt, dennoch würzigere Cigarren als die hochcultivirten, der Cigarrenfabrication die gröfste Sorgfalt zuwendenden Länder, wie z. B. Belgien und Schweden. Sie bewies weiter, dafs es nur dadurch möglich wurde, die enormen Maffen von Bodenproducten felbft unter Mithilfe einer üppigen Natur zu erzeugen, wenn man ftatt des einfachen Werkzeuges die zweckentfprechend conftruirte Mafchine verftändig anwendet und die Theilung und Intenfität der Arbeit zum Hauptprincipe des Betriebes aufftellt; dadurch wurden die ftaunen erregenden Fortfchritte in dem landwirthschaftlichen Betriebe in dem letzten Jahrzehent zum grofsen Theile erzielt. Endlich lehrte fie beredt und eindringlich, dafs man in der Production nur dann das Höchfte erreicht hat, wenn mit diefen Factoren noch ein anderer vereint ward: die intelligente Organiſation. Gerade in Betreff des letzteren Momentes gewährte die Weltausftellung manche intereffante Einblicke. Das landwirthfchaftliche Unterrichts- und Bildungsmittel, die Statiſtik und Oekonomie des Ackerbaues, waren wenigftens in einzelnen Ländern 38 Ant. Adam Schmied. fo gut vertreten, wie nie vorher. Insbefondere die grofse Zahl der Mittelfchulen und fpecififchen Fachſchulen für einzelne Zweige der Bodencultur erklärt viele Fortfchritte der letzten Zeit. Eine Menge fehr gelungener Darftellungen des wirthschaftlichen Betriebes einzelner Domänen und die tabellarifchen Nachweifungen des Wirthfchaftserfolges kennzeichneten die Ziele, auf deren Erreichung die Agricultur unabläffig hinarbeitet. Die Idee der Vereinigung feierte in den zum gröfsten Theile fehr gelungenen Collectivausftellungen einen nicht zu unterfchätzenden Erfolg. Und die land- und fortwirthschaftliche Statiſtik wird ficher von der Wiener Weltausftellung eine Periode der Regeneration datiren, fo vielfach und kräftig waren hier die Anregungen zu ihrer Pflege. Eine Fülle graphifcher Tableaux über die wiffenswürdigften Elemente der Production, Circulation und Confumtion von Bodenerzeugniffen und umfaffenden Vergleiche aus der Statiftik des Welthandels mufsten auch den Laien intereffiren. Die nachfolgenden Specialberichte werden die Gedanken, welche im Vorftehenden flüchtig angedeutet worden find, zur eingehenden und klaren Auseinanderfetzung bringen und den Beweis führen, dafs wirklich der agricole Theil der Wiener Weltausstellung diefer das erfte hervorragendfte Merkmal verliehen hat. DIE LANDWIRTHSCHAFTLICHEN GERÄTHE UND MASCHINEN. ( Gruppe XIII, Section 3.) Bericht von ANT. ADAM SCHMIED, Profeffor an der höheren landwirthschaftlichen Landeslehranstalt in Liebwerd bei Tetfchen. Einleitung. Die landwirthfchaftlichen Mafchinen find durch die vielen wefentlichen Vortheile, welche fie dem landwirthfchaftlichen Betriebe gewähren, ein hochwichtiges Hilfsmittel einer intenfiven Wirthfchaft; ihre Bedeutung für die Hochcultur ift gegenwärtig allgemein anerkannt, wefshalb auch die Anwendung derfelben von Jahr zu Jahr in einer überraschenden Weife zunimmt. Noch Thaer, der Altvater der rationellen Landwirthschaft, hatte daran gezweifelt, ob jemals die Säemafchine für den Landbau verwendbar fein würde, und heutigen Tages fchon findet man in einer etwas vorgefchrittenen Wirthfchaft die eine oder die andere landwirthschaftliche Mafchine im Gebrauch. Wohl find auch vor dem Jahre 1848 einzelne Verfuche gemacht worden, um das agricole Mafchinenwefen zeitgemäfs zu heben und Oefterreich kann fich rühmen, dafs hier in Erfindungen mancherlei Art der Anfang gemacht und der Vorrang behauptet wurde, wie wir es an dem im Jahre 1819 vom Zugmayer conftruirten verbefferten Pfluge fehen können; aber diefe vereinzelten Beftrebungen um die Einführung vervollkommneter Geräthe und Mafchinen blieben trotz der Fortfchritte, welche allmälig in der Verbefferung und Neuconftruction derfelben gemacht wurden, zumeift ohne gewünſchten Erfolg. Erft den Weltausftellungen blieb es vorbehalten, die Conftructionen der einzelnen landwirthfchaftlichen Maſchinen gegenfeitig zu vergleichen und zu Die landwirthschaftlichen Geräthe und Maſchinen. 39 erproben, die erwiefenen Vortheile derfelben ins rechte Licht zu ftellen und for die bewährten Geräthe zur fchnellen Verbreitung zu bringen. Die erfte Weltausftellung zu London 1851 durch die Initiative des hochherzigen Prinzen Albert ins Leben gerufen, war verhältnifsmäfsig dürftig an landwirthschaftlichen Mafchinen. Sie brachte nicht viel Bewährtes und Erprobtes; meiftens waren es mehr oder weniger gelungene Anfänge, mitunter auch fonderbare Mechanismen, welche den verwunderten Blicken der zahlreichen Befucher vorgeführt worden find. Seit diefer Zeit hat fich der landwirthfchaftliche Mafchinenbau als ein fehr fruchtbarer erwiefen. Jede der nachfolgenden Weltausstellungen, welche gleichfam , Etappen in der Fortfchrittsentwicklung desfelben bilden", hat etwas Neues gebracht, oder wenigftens einen durchgebildeten und zu einer conftanten Ausführung gelangten Zweig des agricolen Landwirthfchaftswefen in feiner Gefammtheit vorgeführt, bis die letzte der bisherigen Weltausstellungen, 1873 in Wien, durch eine folche Fülle, Mannigfaltigkeit und gediegene Conftruction faft aller landwirthfchaftlichen Mafchinen und Geräthe fich auszeichnete, wie keine Ausftellung zuvor, fo dafs die aus allen Ländern zahlreich herbeigeftrömten Landwirthe mit Verwunderung diefe impofante, in jeder Hinsicht hervorragende landwirthschaftliche Expofition betrachteten und ftudirten. Es war fchwer und zeitraubend, diefe arbeitsfördernden Mechanismen einzeln oder bis ins kleinfte Detail der Conftruction zu unterfuchen und mühfelig, das Wahrgenommene kurz, bündig und doch fo vollständig zu befchreiben, dafs nichts Wichtiges überfehen, oder etwas, was von Bedeutung ift, vergeffen wurde. Die in dem letzten Vierteljahrhundert abgehaltenen Ausftellungen haben aber klar gezeigt, wie diefer Zweig des Maſchinenwefens eine eigenthümlich rafche Entwicklung erfahren hat; zweckmäfsige Verbefferungen des bewährten Alten und wichtige Erfindungen von Neuem haben fich in eiliger Folge gehäuft. Nahezu den meiften mechanifchen Bedürfniffen des landwirthfchaftlichen Betriebes fuchte der wohlgepflegte Erfindungsgeift unferes Jahrhundertes entgegenzukommen und nach Umftänden gerecht zu werden, fo dafs es faft fchwierig ift, aus der Maffe des Gebotenen das Brauchbare und Nothwendige von dem Unbrauchbaren und Entbehrlichen zu fichten und das abfolut Befte mit Beftimmtheit hervorzuheben. Seit der vierten Weltausftellung in Paris im Jahre 1867 fcheint aber in der bis dahin ruhelofen Entwicklung des landwirthschaftlichen Mafchinenwefens ein bemerkbarer Stillftand eingetreten zu fein; denn die Erfindungstalente haben fich mehr den Verbefferungen fchon bekannter Maſchinen zugewendet, und befonders beachtenswerthen, weittragenden Erfindungen, neuen, noch nicht dagewefenen landwirthschaftlichen Mafchinen begegnet man fehr felten nicht. Wohl aber tritt das Streben der Fabrikanten hervor, die am meiften gebrauchten Mafchinen in zweckmäfsigeren, möglichft einfachen und höchft foliden Conftructionen zu liefern. - faft gar Befonders fcheint das laufende Jahrzehnt mehr dazu beftimmt, die epochemachenden Ideen früherer Zeiten und die bisher gewonnenen Refultate diefes Zweiges praktiſch zu verwerthen. Diefs läfst fich vom Pfluge, den Drill- und Mähemaſchinen, den Dampf- Drefchapparaten und Futterzubereitungs- Mafchinen gleichmässig fagen, obgleich in allen diefen Kategorien auch in der letzten Zeit viel verfucht und angeblich noch viel mehr verbeffert worden ift. Trotz der verfchiedenen Namen diefer Erfindungen und Verbefferungen, find es vielleicht kaum ein Dutzend originaler Grundideen, um welche fich die Conftructionen jener wichtigen landwirthfchaftlichen Geräthe gruppiren, und auf welchen fie in ihrer praktifchen Ausführung fo bafiren, dafs von zeitgemäfsen, zweckmäfsigen Verbefferungen eben ein gröfserer Nutzen und folglich auch vermehrter Gebrauch zu erwarten ift. Bei der Betrachtung der ausgeftellten landwirthfchaftlichen Mafchinen und Geräthe follen diefelben je nach ihrer Verwendung und Anordnung gruppirt O 40 Ant. Adam Schmied. und dann die einzelnen Länder je nach der Stufe, welche die Entwicklung der landwirthfchaftlichen Mafchineninduftrie derfelben einnimmt, möglichft umfaffend betrachtet werden, wobei jedoch behufs Vermeidung möglicher Mifsverftändniffe ausdrücklich bemerkt wird, dafs die Transportmittel und Motoren, fowie alle Geräthe und Mafchinen, welche bei der Thierzucht und Viehhaltung verwendet werden, hier ausgefchieden und ſpeciellen Berichterstattern zugetheilt worden find, und dafs es wegen des knapp bemeffenen Raumes angefichts der umfangreichen Expofition nicht möglich war, einzelne Abbildungen zu liefern, was ohnediefs auch nicht im Sinne der officiellen Berichterftattung gelegen ift. Die Bodenbearbeitungs- Geräthe. Der Pflug bleibt das wichtigfte, in manchen Gegenden für die Bodenbearbeitung faft ausfchliefslich in Anwendung ftehende Ackergeräth und findet fich in den verfchiedenartigften Conftructionen ausgeftellt. Die Abänderungen in feiner Conftruction werden einestheils durch den angeftrebten Zweck und die auszuführende Arbeitsleiftung, anderentheils aber durch die Mannigfaltigkeit der Bodenbefchaffenheit und durch die verfchiedene zur Verfügung stehende Zugkraft bedingt. Da man in der letzteren Hinficht hauptfächlich zwifchen fchwerem und leichtem, zwifchen cultivirtem und rohem Boden, fowie zwifchen kräftiger und fchwacher Zugkraft zu unterfcheiden hat, fo kann man nie die Erfindung eines Univerfalpfluges erwarten, während andererfeits felbft bei der Verfchiedenartigkeit der mit dem Pfluge vorzunehmenden Vorrichtungen die Anwendung fo zahlreicher und verfchiedener Conftructionen, wie man fie in Wirklichkeit findet, nicht gerechtfertigt werden kann; es wäre fomit vielleicht geboten, auf eine Vereinfachung der Pflugconftruction hinzuwirken. Eine Fülle von anregenden Ideen vermochte der aufmerkfame Beobachter bei der eingehenden Befichtigung und Prüfung der im Pavillon des Ackerbau- Minifteriums zugänglich gemachten hiftorifchen Pflugfammlung zu fchöpfen. Diefelbe ift an und für fich aufsergewöhnlich intereffant, ift ein wahres Unicum der Weltausftellung und befonders für den fpeciellen Fachmann eine faft unerfchöpfliche Fundgrube der Studien der Gefchichte diefes wichtigen Geräthes. Die Sammlung ift von dem k. k. Minifterialrathe W. Hamm in einer folchen Vollständigkeit zufammengeftellt, wie diefelbe bisher nie und nirgends verfucht worden ift. Für die Wiffenfchaft und Praxis hat diefe aus 167 Original- Exemplaren aller Völker und Welttheile gebildete Pflugfammlung einen gleich hohen Werth, denn fie repräfentirt nicht etwa eine Zahl, fondern die Mannigfaltigkeit der Conftruction. Sie ift hiftorisch und ethnographifch zugleich. In ihrer Vollständigkeit und ftreng fyftematifchen Ordnung gewährt fie eine wiffenfchaftliche Eintheilung und illuftrirt, fo weit möglich, eine überfichtliche Gefchichte des Pfluges von feinen Uranfängen bis zu feiner heutigen höchften Stufe der Entwicklung, wodurch fie Anlafs zur Bewunderung des Fleiſses und des ausgeprägten Geiftes in den einzelnen Zeitepochen bietet. Durch eine fachgemäfse Vergleichung erlaubt fie einen verläſslichen Schlufs über die Wirthschaftsweife, hauptfächlich über die Entwicklung der Bodencultur, das heifst, auf welcher Stufe die Bodenbearbeitung in den verfchiedenen Ländern fteht, und bildet endlich ein unfchätzbares Hilfsmittel des vergleichenden Studiums, welchem bei allen exacten Wiffenfchaften mit Recht in erfter Reihe die hervorragendften Stellen eingeräumt werden follen. Dafs eine befondere Rückficht auf die in dem Kaiferftaate Oefterreich- Ungarn in der Vorzeit und gegenwärtig üblichen Pflugwerkzeuge heimifcher Art genommen worden ift, iſt felbftverſtändlich; die Sammlung derfelben kann in jeder Rückficht eine vollſtändige genannt werden. In der additionellen Ausftellung begegneten wir den Modellen einiger für die öfterreichifche Culturgefchichte fehr wichtigen Pflugformen; namentlich waren Die landwirth fchaftlichen Geräthe und Mafchinen. 41 da zu fehen der nach mathematiſchen Principien conftruirte Kleyle' fche Pflug, aus dem Jahre 1851; Ugazy's öfterreichiſcher Pflug mit Einftreifer, aus dem Jahre 1824; Jordau's Vöfendorfer Pflug, Trautenauer einfterzige Schwing. haken aus dem Jahre 1814, Ruchadlo der Gebrüder Wewerka, aus dem Jahre 1838; ein Ruchadlo mit Geftell, nach Diebel verbeffert( 1839), und ein RuchadloWechfelpflug( 1846). Das Ruchadlo, ein Krümelpflug mit Vordergeftell, wurde von den Vettern Wewerka zu Rybytew bei Bohdanei( refpective Pardubitz) wahrfcheinlich im Jahre 1828 erfunden und zuerft durch den böhmischen Dichter Jaroflaw Langer in der Zeitfchrift ,, Cechoflaw" vom Jahre 1831 bekannt gemacht. In feiner urfprünglichen Form allen mathematifchen Principien Hohn fprechend, wurde das böhmifche Ruchadlo von vielen hervorragenden Landwirthen mannigfaltig verbeffert und erlangte rafch eine ſchnelle Verbreitung. Die eigenthümlichfte Conftruction desfelben ift wohl Horfky's Ruchadlo mit Wühlfcharen, vom Gutsbefitzer Horfky Ritter von Horfkysfeld im Jahre 1853 erfunden, hauptfächlich zur Durchführung feines gleichzeitig aufgeftellten neuen Ackerungsfyftemes. Das Ruchadlo hat fich fchnell über ganz Europa, ja felbft nach Amerika verbreitet und ift in feinen zahllofen Nachbildungen und unter verfchiedenen Bezeichnungen jedenfalls das gegenwärtig am meiften verwendete Pflugwerkzeug der ganzen Welt. Unter den ausgeftellten Pflügen nehmen unftreitig die englifchen Pflüge den erften Rang ein. Namentlich ift es die Firma Ranfomes, Sims and Head, welche eine reichhaltige Collection von prächtig gearbeiteten und zweckmäfsig ausgeführten Pflügen ausftellte, die mehrere intereffante Objecte enthielt. Die Fabrik von Ranfomes, Sims& Head( in Jpswich) wurde im Jahre 1785 gegründet, nimmt gegenwärtig einen Raum von 7 Kataftraljoch ein und befchäftigt 1100 Männer und Burfchen. Seit mehr als 80 Jahren befchäftigt fich diefelbe mit Pflugfabrication und hat die Conftruction der Pflüge zur höchften Vollkommenheit gebracht. Die wichtigfte Erfindung für Pflüge, nämlich die patentirten gehärteten Pflugfcharen aus Gufseifen, jetzt überall in Verwendung, wurde im Jahre 1803, durch Robert Ranfome, den Gründer der Fabrik, patentirt. Seit jener Zeit hat fich die Fabrik derart vervollkommnet, dafs fie bereit ift, jede Art Pflug, für die verfchiedenen Methoden der Landwirthfchaft in allen Theilen der Welt geeignet, zu fabriciren. In Oefterreich und auch in Böhmen werden namentlich die Pflüge mit den Marken H C und der„ Kosmos- Pflug" gekauft. Erftere find mittelfchwere Pflüge mit hölzernem Grindel und Vordergeftell, für leichten und gemifchten Boden und fchneiden eine Furche 4 bis 9 Zoll tief und 9 bis 12 Zoll breit. Der New- Caftler Preispflug macht auf den Mann der Praxis einen entfchie den günftigen Eindruck: der lange, leicht gefchwungene, feine Keil des eigentlichen Pflugkörpers verfpricht einen ficheren Gang und fcheint nicht viel Zugkraft zu fordern. Der grofse Pflug mit der Marke YFR W ift hauptfächlich aus Schmiedeifen und Stahl conftruirt und hat patentfchmiedeiferne Griesfäule, mit fchmiedeiferner Seitenkappe verfehen. Er fchneidet eine Furche 18 Zoll breit und 6 bis 8 Zoll tief und verrichtet daher die doppelte Arbeit eines Pfluges. Da er aber 250 Wiener Pfund wiegt, fo benöthigt er fehr viel Zugkraft und ift befonders dort nützlich, wo viel Land in kurzer Zeit gepflügt werden mufs und menfchliche Arbeitskräfte dürftig find. Bei uns dürfte fomit diefer Pflug kaum Verwendung finden, während er im füdlichen und mittleren Rufsland unter den dort üblichen Verhältniffen der Feldbeftellung eine ausgedehnte Verbreitung findet. Der Wendepflug SPT( Skelton's Patent) ift durchaus von Eifen, fehr leicht gebaut und doch fehr ftark, hat nur das Streichbret doppelt, indem Schar und Sech durch Drehung für die rechte oder linke Seite verwendbar find. Diefer fchöne Pflug ift zum Hügelpflügen beftimmt, fowie in ebenen Gegenden, um das Land für Mähmafchinen vorzubereiten, weil er alle Furchen nach einer Seite legt und fomit keine Beete bildet. Die einfachfte Form des Wendepfluges ift aber der Pflug mit der Marke D T, welcher ganz befonders für feichtes Pflügen 42 Ant. Adam Schmied. auf leicht beweglichem Boden pafst. Ein Flügel auf der Schar wirkt als Kolter, und am Ende der Furchen werden Schar und Streichbret unter den Grindl gefchoben, um die nächfte Furche eben pflügen zu können. Derfelbe ift namentlich für Indien und andere Länder, deren Bewohner noch nicht an complicirtere Pflüge gewöhnt find, conftruirt. Die von der Firma Ranfomes, Sims& Head ausgeftellten Doppelpflüge find fehr fchön conftruirt, fcheinen aber bereits etwas complicirt zu fein. Meiftens, find die Doppelpflüge Flachwender mit zwei Pflugkörpern nebeneinander, ftählernen Streichbretern, Frictionsrad und einem Hebelapparate, um den Pflug am Ende des Feldes aus dem Boden zu heben und umzuwenden. Statt des vorderen Pflugkörpers kann man an dem Doppelpfluge RND D eine Untergrundfchar anbringen, namentlich wenn es fich um die Vertiefung des Bodens für Rüben handelt. Der patentirte vielfache Pflug MEM ift mit drei Pflugkörpern verfehen, wovon jeder eine 10 Zoll breite Furche fchneidet, fo dafs fich derfelbe für leichten Boden und dünnbevölkerte Gegenden, wo die Arbeitskraft gering ift, vortrefflich eignet. Die Tiefe der Arbeit läfst fich vermittelft eines mit den Rädern in Verbindung ftehenden Hebels von 2 bis 7 Zoll verändern. Wegen feiner Complicirtheit ift der Dreifurchenpflug nicht viel zu empfehlen. J.& F. Howard( Bedford) ftellten eine Sammlung vorzüglicher Pflüge aus. Die Howard'fchen Pflüge find nach vieljähriger Erfahrung auf ihre jetzige Höhe der Vollkommenheit gelangt. Das Ziel der vielfachen Verfuche war, die günftigfte Form mit dem geringften Gewichte, der gröfsten Feftigkeit und äufserften Einfachheit der Theile zu vereinigen. Durch die grofsen anerkannten Leiftungen auf diefem Gebiete ift der Ruhm der Firma begründet worden und hat diefelbe auch bis heute hierin wenige ebenbürtige Concurrenten. Der Howard'fche„ Championpflug" mit dem langen, fchön gewundenen Streichbret ift zu allgemein bekannt, als dafs auf denfelben noch hingewiefen werden follte. Der fehr vereinfachte FB- Doppelpflug hat eine zweckmäfsige Vorrichtung zum Ausheben aus der Erde und zum Transport. Der Pflüger hat lediglich einen Handhebel zu löfen und es werden durch die Vorwärtsbewegung der Pferde die Pflugfcharen aus dem Grunde gehoben, was das Umkehren bedeutend erleichtert. Der beffarabifche Pflug ift von einfachfter Zeichnung und Conftruction, ganz aus Schmiedeifen und Stahl angefertigt und hat fchmiedeiferne Räder. Das Schar ift 15 Zoll breit und der Pflug hauptfächlich zum Tiefpflügen gebaut. Howard's Pflüge zeichnen fich durch gehärtete Scharen, welche mittelft eines eigenen patentirten Proceffes gehärtet werden und fich viel fchärfer und dauerhafter erweifen, als alle anderen, wie immer fabricirten Scharen. Sie werden in verfchiedenen Gröfsen und Formen, für alle Bodenarten und Ackerungsweifen paffend, verfertigt. Während die Howard Pflüge und anverwandte langgeftreckte engliſche Pflüge eine befonders vorzügliche Pflugarbeit liefern, find einzelne Formen der Ranfomes Pflüge kürzer gebaut und dürften fich ganz vorzüglich zur frifchen Saatbeftellung eignen. R. Hornsby& Sons( Grantham) führten neben dem verbefferten PatentContinentalpflug, welcher fpeciell für Rufsland und den Continent im Allgemeinen conftruirt ist und dem fchmiedeifernen Royal- Champion- Pfluge, deffen Schar von patentirter Conftruction, felbftfchärfend und von dem vorzüglichften Hartgufs ift, hauptfächlich den neuen Patent- Doppelpflug mit patentirten Radial- Streichbretern vor. An diefem Pfluge find alle gleitenden Flächen( z. B. die Sohle) und andere reibende Theile vollkommen vermieden und anftatt derfelben Frictionsräder in Anwendung gebracht, wodurch das Geräth fehr leicht wird; das Schar- und Streichbret find fehr fchön geformt und geftatten eine richtige Stellung des Streichbretes zu der Furchenbreite; alle Räder find mit patentirten herausnehmbaren Achsbüchfen und Achfen aus Hartgufs conftruirt. Ueberhaupt zeichnet fich diefer Pflug durch manche Verbefferungen aus und weicht das Princip, nach welchem er conftruirt ift, erheblich von allen bisher bekannten ab. Die landwirth fchaftlichen Geräthe und Mafchinen. 43 Clayton& Schuttleworth( Lincoln) ftellten ihren im Jahre 1867 conftruirten Pflug aus, welcher fich gegenwärtig fchon einer ziemlichen Verbreitung erfreut. Grindel und Sterzen find aus Holz, das Schar ift von Stahl, 9½ Zoll breit, das Streichbret mittellang und fehr zweckmäfsig gewunden und das pflugeiferne Pflughaupt an dem Grindel mittelft eines horizontal durchgehenden Bolzens befeftigt; durch eine rückwärts angebrachte Stellfchraube kann eine Spitz- oder Flachftellung der Scharfpitze bewirkt werden. Im mittleren Boden lockert er den Boden fehr gut bis auf 10 Zoll Tiefe. Die anderen englifchen Firmen können wir nur kurz berühren. E. Page and Comp.( Bedford) ftellte ihre patentirten ,, Eklipfe"-Pflüge, für fchweren Boden und zum Tiefpflügen eingerichtet, ihren fchmiedeifernen Colonialpflug, welcher auch in Oefterreich Eingang gefunden hat, den fchmiedeifernen deutfchen, an die Ruchadloform ftark erinnernden Pflug, den römifchen Wendepflug mit einer Sterze, welcher fich als Bergpflug gut bewährt hat, und den doppelfurchigen Colonialpflug aus. G. W. Murray& Co.( Banff, Schottland), der erfte Erfinder des Doppelpfluges in feiner gegenwärtigen Form, ſtellte den fchönen Champion- Doppelpflug von grofser Leiftungsfähigkeit aus; derfelbe ift auch verftellbar in einen combinirten Pflug mit Sechmeffer. Lewi's Pflüge waren nach dem bekannten englifchen Syfteme gebaut u. f. w. Aus den ausgeftellten Pflügen war erfichtlich, dafs England, wie überhaupt im landwirthschaftlichen Maſchinenwefen, auch in der Conftruction der Pflüge am höchften ſteht und durch viele Firmen Vorzügliches leiftet; gewifs hat wohl keine Nation dem Howard- Pfluge etwas Ebenbürtiges entgegenzufetzen. Aufser England hat auch Amerika Pflüge gebracht, die durch eine zweckmässige Conftruction, guten Bau und Schönheit der Arbeit fich auszeichnen. Freilich haben fich nur fehr wenige Firmen und blos mit einigen Exemplaren an der Ausftellung betheiligt, aber was fie exponirten, kann als gelungen betrachtet werden; fo die bekannten Ramington- Pflüge der Firmen Wood, dann Warder, Mitchel& Comp., die verfchiedenen Pflüge von Deere& Comp. mit mittellangem bis langem Streichbret und langem breiten Schar, Schwingpflüge, einer darunter mit dem befonders in Amerika beliebten Radfech; hauptfächlich aber die Pflüge von Collins& Co., welche die amerikaniſche Pflugform in anerkennenswerther Präcifität vorführen; der ausgeftellte zweirädrige Pflug mit zwei Scharen und erhöhtem Kutfcherfitz fcheint jedoch zu complicirt, als dafs er zur allgemeinen Anwendung empfohlen werden könnte. Der Pflüger geht hier nicht hinter dem Pfluge, fondern fitzt ziemlich hoch über demfelben; durch einen an diefem angebrachten Hebel rückt er den Pflug aus der Furche aus und läfst ihn wieder in den Boden eingreifen. Wie unermüdlich die Amerikaner in der Erfindung von immer neuen Geräthen find, zeigt am beften der im Pavillon des Ackerbau- Minifteriums ausgeftellte amerikanifche Pflug mit rotirendem Streichbret, bei welchem in zweckmäfsiger Nachahmung die erdaufwühlende Thätigkeit des Maulwurfes zum Vorbild genommen worden ift. Derfelbe ift ein Glattpflug mit ftellbarem Streichbret, das während des Ganges rotirt und den abgefchnittenen Boden gartenmäfsig lockert und zerkleinert. Die englifchen und amerikanifchen Pflüge find faft durchwegs ftark gebaut, ganz von Eifen und fehr fchwer, in der Regel Schwingpflüge, die aus diefer Urfache Gewandtheit, Gefchick und Kraft in höherem Mafse bedürfen, als fie unfere gewöhnliche Pflugbedienung und Befpannung gewähren; auch find die meiſten zu einer Ackerung von 10 bis 12 Zoll gebaut, die noch lange bei uns keine gewöhnliche ift: neben dem grofsen Preife diefer Pflüge dürfte es wohl mit ein Hindernifs der fo wünſchenswerthen Verbreitung diefer vorzüglichen Geräthe bei uns fein. Aber unter einander find diefe Pflüge wieder fehr verfchieden. Die englifchen Pflüge find meiftens Flachwender mit langem, mittelhohem Streichbret und langen, liegenden Sterzen, während die amerikanifchen Pflüge meiftens Steilwender find 44 • Ant. Adam Schmied. mit einem mittellangen, fteilen Streichbrete, einer in eine Meifselfpitze aus laufenden Schar, kurzem gebogenen Grindel und hohen Sterzen. An die englifchen Pflüge reihen fich die aus Deutfchland ausgeftellten Acker- Werkzeuge in jeder Hinsicht würdig an. Von den deutfchen Ausftellern liefert befonders fchöne Pflüge H. F. Eckert( aus Berlin), welcher den englifchen Fabrikanten mit feinen netten Pflügen bereits ftarke Concurrenz bereitet. Eckert baut feine Pflüge hauptfächlich nach zwei Syftemen. Die Pflüge des amerikanifchen Syftemes haben fchraubenförmig gewundene, mittellange Streichbreter; diefelben fchneiden den Boden ftreifenförmig ab, heben den Erdftreifen langfam und legen ihn allmälig um. Dann Pflüge des Ruchadlo. Syftemes mit kurzem, erft allmälig, zuletzt fteil anfteigendem Streichbrete, das gar nicht gewunden ift; der gehobene Erdftreifen ftürzt leicht um und wird ausgezeichnet gelockert. Eckert's Pflugfortiment ift fehr reichhaltig und intereffant. Sein RuchadloMeifselpflug mit neuer Patentkarre; Ruchadlo- Schwingpflug mit eifernem Balken und Stahlmeifsel, für milden und mittelfchweren Boden mit harter Oberfläche gebaut, bei welchem das Abnutzen der Scharfpitze, die durch einen Stahlmeifsel gebildet wird, durch diefen befeitigt ift; der zweifcharige Ruchadlo- Pflug mit Vorderkarre, mit welchem man in nicht zu fchwerem Boden mit drei Pferden leicht 22 Zoll breit und 6 Zoll tief pflügen kann; deffen vorzüglicher amerikaniſcher Schwingpflug, welcher fich durch Stahlftreichbret und eine fehr breite, mit langer Stahlfpitze verfehéne Schar vortheilhaft auszeichnet; deffen fchwerer TiefculturPflug( Rajolpflug) mit Schälfchar, dann der Schälpflug, der Wendepflug und neuer Wafferfahren- Pflug, bei welchem die aufgeworfene Erde durch die beiden verftellbaren Eggenarme wieder vertheilt wird und die übrigen Ackerwerkzeuge haben die Aufmerkfamkeit des landwirthschaftlichen Publicums ftets in hohem Grade erregt. Eckert's Pflüge find entweder Schwingpflüge oder befitzen deffen neue patentirte drehbare Pflugkarre, haben Streichbreter aus Stahl oder Gufseifen, und die letzteren find über eine Coquille gegoffen, um ihnen gröfsere Feftigkeit zu geben; fie find auf der reibenden Fläche fo hart und glatt, dafs die Abnutzung verfchwindend ift. Bei fämmtlichen Scharen ift endlich das Stahlmeifsel- Syftem eingehalten; die Scharen bedürfen in Folge deffen keiner fo häufigen Schärfung und ihre Arbeitstüchtigkeit wird durch diefe Vorkehrung erhöht. Das Ruchadlo von Eckert, im Jahre 1849 conftruirt, ift von dem böhmifchen Ruchadlo, welchem es nachgebildet ift, wefentlich verſchieden durch fanfter anfteigende StreichbretForm und fpitzere und horizontalere Stellung der Schar; deffen Arten find befonders in Preufsen und Rufsland verbreitet und werden davon jährlich mehrere Taufende abgefetzt. R. Sack's( Plagwitz) gut conftruirte und fchön gearbeitete Pflüge, befonders deffen bekannter Tiefpflug, fowie der Univerfalpflug, müffen ebenfalls rühmend hervorgehoben werden. Wenn auch zugegeben werden mufs, dafs das landwirthfchaftliche Publicum im Allgemeinen eine nicht unberechtigte Averfion gegen alle fogenannten Univerfalgeräthe an den Tag legt, indem ihre Univerfalität in der Regel auf Koften der in erfter Linie wünſchenswerthen einfachen und praktiſchen Verwendbarkeit erreicht wird und deren Complication gewöhnlich Unannehm lichkeiten in der Handhabung zur Folge hat, wodurch die Verwendbarkeit derfelben zumeift in die engen Grenzen gewiffer günftiger Verhältniffe eingefchränkt wird: fo kann doch betont werden, dafs das Sack'fche Univerfalgeräth an den befürchteten Gebrechen nur in geringem Mafse leidet, da eben möglichste Einfachheit den Grundzug der ganzen Conftruction bildet; denn es find daran nur diejenigen Beftandtheile beibehalten, welche allen Ackergeräthen gemeinfchaftlich find, alfo Pflugbaum, Sterzen und Vordergeftell und letzteres in den beiden verfchiedenen Formen als eigentliches Vordergeftell oder als einfache Radftelze. Alle übrigen Beftandtheile jedoch, mithin diejenigen des eigentlichen Pflugkörpers, find jeder für fich befonders fehr einfach und vollkommen ausgeführt und an dem . Die landwirth fchaftlichen Geräthe und Maſchinen. 45 Grindel in möglichft einfacher Weife zu befeftigen. So kann das Geräth als der gewöhnliche oder ruchadlo artige Pflug, als Häufelpflug, Kartoffelrodepflug u. dgl. zufammengefetzt werden, wodurch in mancher Beziehung das Inventar vereinfacht und vermindert werden könnte. Die Firma Gebrüder Eberhard( in Ulm a. D.) ftellte eine grofse Anzahl von fehr zweckmäfsig conftruirten, zum Theile nach dem Howard'fchen und amerikanifchen Syfteme gebauten Pflügen aus, welche fich alle im praktiſchen Leben gut bewährt haben. Die Fabrik fertigt die Pflüge als ihre Specialität in vier Sorten an; immer ift aber der Pflugkörper überaus forgfältig fchraubenförmig gewunden, gefchliffen und polirt, fo dafs mit einem leichten und ruhigen Gange eine fehr fchöne Arbeit verbunden ift. Eberhard's fchmiedeiferner Beetpflug mit Regulator und einem nach Horfky's Art auf beliebige Tiefe ftellbaren Untergrundspfluge, welcher den Untergrund auflockert, ohne ihn mit der Ackerkrume zu vermengen und leicht abgenommen werden kann, wodurch der Pflug zu einem gewöhnlichen hergeftellt wird; deffen Ulmer Wendepflug, bei welchem der Pflugkörper nicht um eine Achfe gedreht, fondern durch einen einfachen Hebel am Grindel nach rechts oder links gebracht wird; der dreikörperige patentirte Beetpflug, mit welchem auf einmal 3 Furchen zu je I Fufs Breite geackert werden, der aber im Mittel 6 Centner wiegt und 150 Gulden koftet, alfo ziemlich fchwer zugänglich ift, erregten die meifte Aufmerksamkeit des Publicums. Die Erzeugniffe der anderen Firmen können wir nur flüchtig berühren: W. Siederleben& Comp.( Bernburg- Anhalt) Mansfelder Pflug, nach den Ruchadlo- Syftem conftruirt, ausgezeichnet durch äufserft feften Bau, leichten, ficheren Gang und günftige Furchenftellung, ift in den Rüben bau treibenden Wirthfchaften fehr beliebt; Paul Grofs'( Hohenheim) Pflüge nach dem bewährten hohenheimifchen Syfteme; Ed. Schwartz's( Berlinchen) fchön gebaute und zweckmäfsig conftruirte Pflüge; Rom. Werner's( Kamenz, Schlefien) bekannter Kamenzer Vereinspflug, ganz, von Schmiedeifen, den jeder Schmied anfertigen kann, fowie deffen zweifchariger Wendepflug, namentlich aber deffen achtfchariger Sturz oder Stoppelpflug, ebenfalls zu wenden, fo dafs immer vier Scharen rechts oder links arbeiten; Friedr. Behrendt's( Wanzleben) Pflüge, fchwer und ſtark gebaut, mit breiter, liegender Schar und hohem, mittellangem Streichbret, darunter ein dreifpänniger Pflug mit fehr hohem Streichbret, zum Tiefgang auf 60 Centimeter gebaut; Heinr. Fromme's( Holzminden) Doppelfchwing- Pflug; G. A. Markwart's( Zechin) brandenburgifche Pflüge; befonders aber Clayton und Shuttleworth's Pflug verdienen namentlich hervorgehoben zu werden. Der Umftand, dafs die englifchen Pflüge in ihrer reinen Form in Oefterreich verhältnifsmäfsig wenig Anklang fanden, beftimmte Clayton im Jahre 1867, einen Pflug zu conftruiren, welcher die Vorzüge des englifchen mit den für die öfterreichifchen Verhältniffe nöthigen oder gewohnten Einrichtungen vereinigte. Der ganze Pflug hat einige Aehnlichkeit mit dem Hohenheimer und wurde bei den englifchen Pflügen bereits angeführt. Unter den öfterreichifchen Pflügen ftehen die von Ant. Burg& Sohn ( in Wien) ausgeftellten Pflüge in Beziehung auf die Vorzüge der Ausführung den englifchen Fabricaten am nächften. Sie find fehr zweckmäfsig nach dem bewährten Zugmaier'fchen Princip conftruirt, fehr gut gebaut und für die öfterreichifchen Bodenverhältniffe in jeder Hinficht vollkommen anpaffend. Fr. Kugler( Wien) ftellte fchöne Pflüge, nach dem Syftem Vidals conftruirt, aus. Aug. Scholz ( Jauernigg in Schlefien) ftellte eine Sammlung gut conftruirter Kamenzer Vereinspflüge, die oben fchon befchrieben worden find, aus; Carl Fürft Paar( Wien) einen Pflug, eigentlich Horfky's Ruchadlo mit Wühlfcharen, mit einer einfachen Vorrichtung zum gleichzeitigen Eggen, beftehend in einer rechts vom Grindel gehenden leichten Egge mit kurzen Zinken; Comizio Agrario di Parenzo einen primitiv gebauten Schwingpflug aus Iftrien, genannt Mangolino, mit einer bereits eifernen Schar, langem, kaum mittelhohem Streichbret und einem Sech, 46 Ant. Adam Schmied. an dem eigentlichen kurzen Grindel kann ein zweiter hölzerner Grindel von etwa acht Fufs Länge angebracht werden, fo dafs fich der Pflug zum directen Anfpannen und auch zum Vordergeftell eignet. Bernhard Eichmann( Prag) hat eine überaus reiche Collection von landwirthschaftlichen Mafchinen und allerhand Geräthen fo maffenhaft ausgeftellt, dafs in deffen wirklich grofsartiger Ausftellung kaum ein Artikel, der in Böhmen überhaupt erzeugt wird, mangelte. Es ift gewifs überflüffig, über die Leiftungen diefer beftrenommirten k. k priv. Agricultur- und Induftrial- Mafchinen- Bauanſtalt, die feit dem Jahre 1852 befteht und gegenwärtig eine grofse Ausdehnung erreicht hat, näher zu berichten; um die Hebung der landwirthfchaftlichen Mafchineninduftrie Böhmens hat fich diefelbe grofse Verdienfte erworben. Die ausgeftellten Objecte waren durchwegs fehr fchön und zweckmässig gearbeitet: bei forgfältiger Conftruction, vorzüglichem Material und gewiffenhafter Arbeit wird überall das Princip der Solidität ftreng gewahrt. Wir fanden dafelbft Vertreter der hauptfächlichften Pflugformen, die fich bisher in Oefterreich bewährt haben, den Kleyle'fchen Pflug neben dem Hohenheimer Schraubenpflug neuefter Conftruction; den Grignonpflug fchwerfter Bauart neben dem amerikaniſchen Schwingpflug und dem fchottifchen Pflug mit gufseifernem Streichbrete; Zugmayer'fche und Howard'fchen Pflug neben dem Sack'fchen Ragolpflug und Sommerville'fchen Doppelpflug: Horfky'fches und Henikſtein'fches Ruchadlo mit Vordergeftell, Auswechslungsfchar und zwei Wühlern neben Weiffe'fchen Spatenpflügen verfchiedener Art, vom einfachen Spatenpfluge bis zum Spatenfchwingpfluge mit Untergrundwühlfcharen, Transporträdern und Vordergeftell lauter alte Bekannte, richtig conftruirt und gefällig ausgeführt. Nur Weiffe's Ruchadlo( genannt Pokrok) und deffen Schwingpflug( genannt Bohumil) find neu. Der Bohumilpflug, im Jahre 1864 conftruirt, ift ein Steilwender und wird als Beetpflug mit Vordergeftell oder als Schwingpflug angewendet. Derfelbe hat fich als ein in jeder Hinsicht gelungener Pflug bewährt, doch kann er nur bei Klein- Grundbefitzern, die über geringere Zugkraft verfügen, mit Vortheil Anwendung finden, weil man eben da, wo man über ausreichende Zugkraft verfügt, fich immer für einen zur gröfseren Tiefe gehenden Pflug entfchliefsen wird. An die öfterreichifche Pflugausftellung reihte fich würdig die ungarifche Pflugcollection an. Obenan ftanden die Erzeugniffe des Stephan Vidals( aus Budapeft), ausgezeichnet durch fefte, dauerhafte Conftruction und vorzügliche Arbeit. Neben dem fehr fchön gebauten Hohenheimer Pfluge und dem GarvinsPfluge, auf 14 bis 16 Zoll verwendbar, erregten die Original- Vidals- Pflüge ohne Karren, mit kurzen Wendebretern, Refervefchar und Schlüffel das meifte Intereffe. Der Vidals'fche Pflug, ein Steilwender, wird in vierfacher Gröfse gebaut und hat ein eigens conftruirtes Vordergeftell zum Stellen desfelben auf eine tiefere und breitere Furche und umgekehrt. Zuerft conftruirt durch Stephan Vidals zu Peft im Jahre 1838, wurde diefer Pflug in den folgenden Jahren wefentlich verbeffert und erfreut fich gegenwärtig einer grofsen Verbreitung. Es find mehr als 150.000 Stück diefes Pfluges aus der Fabrik des Erfinders hervorgegangen und find in Oefterreich, Ungarn, in der Türkei und den übrigen füdlichen Ländern verbreitet; in den Donaufürftenthümern ift der Name, Vidals" gleichbedeutend mit„ Pflug" geworden. Eduard Kühne( Wiefelburg) ftellte einen verbefferten Hohenheimer Pflug, bei welchem auf vorzügliche Stahlfcharen und genaueft geprefste Streichbreter die gröfste Aufmerkſamkeit verwandt wird, dann den ungarifchen Pflug vollkommenfter Art mit eifernem ftellbaren Vordergeftelle aus. Die meiften ungarifchen Pflüge lehnen fich an die Hohenheimer Conftruction an, doch find bei denfelben Kopf, Sohle und Landfeite ein Gufsftück, der Körper mittelft einer Schraube feitlich am Grindel befeftigt und um diefe drehbar, wodurch die Stellbarkeit des Vordergeftellpolfters( Sattels) entfällt, der Pflug aber an genauer Einftellbarkeit wefentlich gewinnt. Die landwirthfchaftlichen Geräthe und Mafchinen. 47 Strobl und Baris ftellten ebenfalls fchöne Pflüge aus. Stadel Carl ( Raab) ftellte einen Sack'fchen Tiefgangpflug, Polgár Peter( Makó) einige fchwere Pflüge, Gubicz Andreas Nachfolger zehn gut conftruirte Pflüge für fchweren Boden mit Sech und fchöngewundenen langen Streichbretern und einige kleine Firmen noch diverfe Pflüge, darunter Ant. Seibert( Werfchetz) einen paffenden Hackpflug für Weingärten, aus. Die übrigen Länder Europas haben, was landwirthschaftliches Maſchinenwefen anbelangt, fehr dürftig ausgeftellt. Selbft Belgien, welches in der Landwirthschaft von jeher eine fehr hervorragende Stellung einnimmt, ift in diefer Hinficht fehr fchwach vertreten, indem es nur den charakteriftifchen Brabanter Pflug, von Lefèvre verbeffert, vorgeführt hat. Diefer Pflug ift wohlbekannt; ein Steilwender mit ftarkem Sech und abnehmbarer Schälfchar, Beetpflug mit eiferner Schuhftelze, einfterzig. In der Gefchichte der Entwicklung des Pfluges hat der Brabanter Pflug eine wichtige Rolle gefpielt. Derfelbe wurde 1807 von Schwarz aus der Gegend ( ,, Belgifche Landwirthfchaft") befchrieben und von demfelben von Antwerpen im Jahre 1819 in Württemberg eingeführt; von hier aus verbreitete er fich über die meiſten Länder Mitteleuropas. Er ift einer der älteften verbefferten Pflüge, wahrfcheinlich Vorbild des Rotherham- Pfluges, des Vorbildes aller neueren englifchen Pflüge. Nebftdem ftellte Belgien einen dem Brabanter Pflug ziemlich ähnlichen Charrue Odeurs, welcher nur eine längere, fchmälere, gezogenere Schar befitzt, und den Brabanter Doppelpflug, auf Räder- Vordergeftell, der Pflugkörper um 180 Grad drehbar und dem Lefèvre'fchen Pflugkörper täufchend ähnlich, aus. -- - In der fchweizerifchen Abtheilung haben einzelne Wagner und Schmiede einige Pflüge ausgeftellt, doppelt intereffant defshalb, weil die Pflüge von fchlichten Handwerkern verfertigt waren und fich im praktifchen Betriebe bereits erprobt haben; denn die meiſten derfelben find bereits gebraucht worden. J. Heer ftellte einen fchön, aber einfach gebauten Dombasle- Pflug aus Holz aus Diefer Pflug, urfprünglich von dem berühmten franzöfifchen Landwirth Mathieu de Dombasle im Jahre 1825 conftruirt, ift ein Steilwender, Beetpflug mit Vordergeftell und ift fehr verbreitet im ganzen öftlichen Frankreich und in der Schweiz. Gebrüder Thomer ftellten einen amerikanifchen Wendepflug aus mit herzförmiger Schar und einfach gewundenem Streichbret aus Eifenblech; Sam. Staufinger einen ziemlich fchweren Pflug mit Vorpflug einfacher Conftruction; Gottl. Siegrift einen Fahrpflug, einen Doppelpflug, bei welchem die Pflugkörper an dem Grindel derart angebracht find, dafs der erfte nach vorne, der zweite aber verkehrt nach rückwärts geftellt ift; Gottl. Vogt einen Pflug, der den Pflughalter entbehrlich macht, und Andere mehrere. Die fchwedifchen Pflüge waren faft ohne Ausnahme Schwingpflüge und Stelzpflüge; Karrenpflüge waren nicht ausgeftellt. Sie waren meift nach fchottifchem Modell gearbeitet: Ruchadlos find in Schweden faft unbekannt und die Arbeit derfelben ift wenig beliebt; denn der Schwede will glatte Furchen auf feinem Thon- und Lehmboden ziehen. Die Pflüge waren gröfstentheils ganz aus Eifen, Streichbret und Schar aus Stahl conftruirt. So ftellte die Forsviker Actiengefellfchaft fehr fchön conftruirte, nach englifchem Principe gebaute Pflüge mitgetheiltem Grindel, in deffen Mitte das Sech angebracht ift, aus; auch die Pflüge, von L. P. Eklundh ausgeftellt, waren für mittelfchweren bis fchweren Boden verfertigt und ganz aus Eifen gebaut. Hölzerne Pflüge fah man nirgends, höchftens hölzerne Grindel und Sterzen, wie an einzelnen Pflügen, vom Eifenwerk in Oefverum ausgeftellt. A. von Stockenftröm exponirte 10 ftark gebaute Pflüge für fchweren Mittelboden; diefelben hatten ein mittellanges, fchön gefchwungenes Streichbret und eine zungenförmig verlängerte Schar mit Nafenkoller u. f. w. Ueber Rufsland kann nicht viel gefagt werden; bezieht dasfelbe doch feine meiſten landwirthschaftlichen Maſchinen aus England und Deutſchland. 4 48 Ant. Adam Schmied. Lilpop, Rau& Comp.( Warfchau) ftellten zwei ganz eiferne Pflüge für fchweren Mittelboden aus. Roman Cichowski exponirte II patentirte Pflüge verfchiedener Conftruction und Gröfse, für verfchiedene Boden und mannigfachen Gebrauch, kleinere Pflüge zum flachen, gröfsere Pflüge zum mitteltiefen Pflügen, einen Doppelpflug und einen Tiefpflug; die Scharen find breit und fpitz, das Streichbret mittellang, abftehend, ftark gewunden, das Vordergeftell mit ungleichen, für fich ftellbaren Rädern. Warak fin ftellte„ feinen" nach dem englifchen Mufter gebauten, fehr ſchönen Radftelzen- Pflug mit Zugftange, Molterbret und einem langen, zweckmäfsig gebogenen Streichbret aus, und Lad. Mentzel einen fehr fchwer, faft plump gebauten Pflug für Rübencultur, auf die Tiefe von neun Werfchock ftellbar, mit maffivem, viereckigem Grundel, langer, meifselförmig verlängerter Schar und langem, hohem, fchön gewundenem, etwa 11 Zoll dickem Streichbret, wahrfcheinlich von hartem Holz verfertigt. Aus Griechenland hat blos G. Bafiliades in Piräus einige AckerWerkzeuge exponirt, welche in der Mafchinenhalle verfteckt und unbeachtet lagen, namentlich 6 Pflüge verfchiedener Gattung, einen ruchadloartig mit etwas verlängertem Streichbret und meifselförmig gedehnter, etwa 1 Zoll breiter und drei Zoll langer Spitze, die übrigen an das englifche Syftem erinnernd, mit fehr fchön gewundenem Streichbret, jedoch kurzem, aber ftets in eine meifselförmige Spitze auslaufenden Schar, deffen Schneidefeite etwas ausgebogen war, durchweg Schwingpflüge; nur einer hatte ein Vordergeftell nach englifchem Mufter; dann einen Pflug für Tracirung von Bewäfferungsanlagen, einen Pflug für Weinberge nach Seutre und ähnliche. Italien endlich hatte ziemlich viele Pflüge ausgeftellt, welche im Freien lagen, ohne jede Bezeichnung und durch die Einwirkung der fchlechten Witterung fchon ftark gelitten hatten. Die meiften waren nach dem fchottifchen Mufter conftruirt, hatten einen viereckigen Grindel, kurze, fteile Sterzen, mittellanges, hohes Streichbret und eine breite, in einem zungenförmigen Fortfatze auslaufende Schar; die meiſten waren Schwingpflüge oder hatten ein Radftelz. Die fchönfte Pflugfammlung( von 19 Exemplaren) hat Tomafelli Giacomo( Cremona) ausgeftellt, darunter den eigenthümlich gebauten Rincalzatore. Je weiter nach Süden, defto fruchtbarer ift der Boden, da die höhere Temperatur die Verwitterung der Bodenbeftandtheile im hohen Grade unterſtützt und durch die befchleunigte Zerfetzung derfelben dem gefteigerten Bedürfniffe an Pflanzennahrung genügt wird: defshalb haben auch in den warmen Klimaten die mannigfachen, die Befchleunigung der Verwitterung bewirkenden Mittel, welche in den gemäfsigten Gegenden eine fo hohe Bedeutung haben, wie z. B. die Bearbeitung des Bodens, nur eine untergeordnete Wichtigkeit. Diefe Thatfache erklärt es zum Theil, warum die füdlichen Länder fo wenige und mitunter auch noch fo primitive landwirthschaftliche Geräthe vorgeführt haben. Die übrigen Arten der Ackerwerkzeuge waren nur wenig vertreten und die ausgeftellten Exemplare derfelben zeigten in der Regel keine wefentlichen Verbefferungen. Einige Untergrund Pflüge bekannter Conftruction in der englifchen und franzöfifchen Ausftellung( befonders zeichnete fich der von Delahaye exponirte Untergrund- Pflug mit einer herzförmigen Schar durch ein eigenthümlich gebautes Geftell aus). C. Ljunggren( Schweden) conftruirte einen Untergrund Pflug mit langer Schar, deffen Flügelfeiten nach oben gehoben find und welche in der Mitte eine fcharfe Rippe trägt, die als Sech wirkt; diefer Pflug könnte durch eine kleine Modification in einem Behäufelpflug verwandelt werden. In der belgifchen Abtheilung fah man den einfachen Lefèvre'fchen Untergrund- Pflug, welcher eine fpitzige, fchmale, gleichfchenklige Schar an einer fenkrechten Griesfäule, die mit ihrer fcharfen Vorderkante als Sech wirkt, hat; feitwärts befinden fich an der Schar zwei 4 Zoll hohe Auffätze zum vollkommeneren Lockern des feften Untergrundes. In der deutfchen Abtheilung ftellte Rud. Sack feine vortrefflichen Gufsftahl- Rajolpflüge und Eckert feinen Die landwirthschaftlichen Geräthe und Mafchinen. 49 bewährten Mineurpflug mit Stahlmeifsel und Stelzrad aus. In der öfterreichifchen Ausftellung fah man den einfachen Untergrunds- Pflug des Hyacinth Prufki ( Nieder- Oefterreich), bei welchem an einer fchief vom Grindel herabgehenden hölzernen Säule ein als Streichbret wirkendes, herzförmig nach unten fich verjüngendes Bret angebracht ift, welches in der Mitte das Untergrund- Schar trägt, das viereckig und bei einer Breite von 6 Zoll etwa 8 Zoll lang ift. Burg in Wien und Eichmann in Prag conftruirten zweckmäfsige, fefte und einfache, Untergrund- Pflüge, Kühne( Wiefelburg in Ungarn) ftellte einen fchön gebauten amerikanifchen und Read'fchen Untergrunds Pflug aus u. f. w. Noch dürftiger waren die Eggen vertreten. Die allbekannte belgifche Egge aus Holz und die hölzerne Dreiecksegge mit fchiefen, durch die Eggebalken hindurchgehenden Zinken, fo dafs diefelbe umgekehrt als Schleife verwendet werden kann, in der belgifchen Abtheilung; einige englifche gegliederte Eggen, befonders Howard's allbekannte eiferne Patent- Zickzack- Eggen und deffen Schlepp- und Ketteneggen, fowie die von Ranfomes, Sims& Head verbefferte fchmiedeiferne Egge, bei welcher die Zinken in einem gegliederten Rahmen angebracht find, welcher es möglich macht, allen Unebenheiten des Terrains zu folgen; einige Ketteneggen, um Wiefen zu jäten, den Boden zu reinigen und Saaten einzuftreifen; E. Page's& Comp.( England) neu patentirte dreieckige Schleppegge mit ftellbaren Zinken, fo dafs fie leicht zu irgend einer beliebigen Breite geändert werden kann; L. P. Eklundh's( Schweden) Dreiecksegge; Ed. Ahlborn's( Hildesheim) Röhren- Zickzack- Eggen mit meifselförmigen Zähnen; die ausgezeichnet conftruirte Sack'fche Egge, die Althann'fche WiefenmoosEgge mit 144 beweglichen Zinken, aufserordentlich geeignet, die WiefengrasNarbe vom Moofe zu befreien und Erdhügel zu zertheilen( ausgeftellt von Eichmann), Strobl und Baris'( Peft) eiferne Egge mit gebogenen Längsbalken war faft Alles, was in diefer Branche der Ackergeräthe hervorgehoben werden kann. Und ähnlich verhält es fich mit den Walzen. Barford& Perkins ( England) ftellten eine fchöne doppelte Gartenwalze aus; Ant. Burg& Sohn ( Wien) eine zweckmäfsige Doppel- Stachelwalze, auch als Schollenbrecher zu gebrauchen, mit Transporträdern und zweckmäfsiger Hebelausrückung: mittelft eines Hebels wird nämlich der Radachfenftutzen ausgehoben, wodurch die Transporträder hoch zu ftehen kommen und folglich bei der Arbeit nicht abgenommen werden müffen; Hrufchka Fr.( Wrutitz in Böhmen) eine gute Stachelwalze für Rübencultur, leicht; mit vier Reihen Stacheln, die 3 Zoll lang waren; Stephan Vidals eine doppelreihige Ringelwalze zum Schollenbrechen und bei Drillcultur verwendbar; Lilpop, Rau& Comp., deren Ausftellung eine hervorragende Stelle in der ruffifchen Abtheilung einnimmt, einen fehr ſchönen Schollenbrecher, beftehend aus 12 felbftftändig und für fich beweglichen Scheiben, welche gezähnt find und abwechfelnd einen gröfseren und etwas geringeren Durchmeffer haben, fo dafs fich die Zähne faft berühren; da nebftdem jede Scheibe rechts und links mit etwa 1 Zoll langen, hervorragenden Fortfätzen verfehen ift, fo ift es kaum denkbar, dafs bei der Arbeit eine Scholle unberührt bleiben könnte. Die übrigen glatten Walzen, Schollenbrecher, Stachel- und Ringelwalzen hatten kaum eine wefentliche neue Verbefferung aufzuweifen, wenn wir von den der Quere nach anzubringenden leichten Fahrrädern abfehen wollen, mittelft welcher Eckert's fahrbare eiferne Ringelwalze felbft auf fchmalen Landwegen bequem transportirt werden kann. Der Dampfpflug war offenbar das Intereffantefte der in der Ausftellung vorgeführten Pflugwerkzeuge. Es wäre überflüffig, über die Bedeutung und den grofsen Nutzen der Dampf- Bodencultur etwas zu fagen; durch eine mehr als 15jährige Erfahrung iſt 4* 50 Ant. Adam Schmied. vollkommen erwiefen, dafs nächft dem Drainiren die nur durch Dampfkraft ermöglichte Tiefcultur als das erfolgreichfte Mittel zur Hebung des Ackerbaues zu betrachten fei. Die fortwährend zunehmende Anwendung der Dampfkraft in der Landwirthschaft ift der befte Beweis, wie deren hohe Wichtigkeit bereits ungetheilt und allgemein anerkannt wird. J. Fowler aus Leeds berichtet, dafs er jährlich etwa 100 Dampfcultur- Apparate allein für England anfertige, wovon zwei Drittel zu Vermiethungen benützt würden; 50 dergleichen habe er für den Zuckerrübenbau im Magdeburgifchen angefertigt. In Oefterreich Ungarn arbeiten gegenwärtig neun nach feinem Syfteme conftruirte Dampfpflüge( inclufive des von Seiner kaiferlichen Hoheit Erzherzog Albrecht in der Ausstellung angekauften Fowler'fchen Apparates), hievon zwei in Böhmen, nämlich einer auf der Kaifer Ferdinand'fchen Domäne Swoleñowes und einer auf der Horfky'fchen Domäne Kolin, welcher mit dem Horfky'fchen Ruchadlo mit zwei Unterackerungsfcharen arbeitet; der nach dem alten Syfteme conftruirte Dampfpflug in Cakowic ift gegenwärtig aufser Betrieb gefetzt. In Mähren arbeitet ein Dampfpflug in Grofs- Selowitz; zwei Apparate hat die Actiengeſellſchaft für Bodencultur in Wien angefchafft, welche diefelben in Mähren zu Vermiethungen benützt. Die Entwicklungsgefchichte des Dampfpfluges ift höchft intereffant. Zuerft trat Pratt 1810 mit Vorfchlägen zur Dampfcultur des Bodens hervor. Darauf folgten fchnell nacheinander die patentirten Dampfcultivatoren von Chapman, Saxton, Heathcoat; 1847 patentirte fich Osborne fein Syftem mit zwei Dampfmaschinen, welche 1850 Willoughby dahin modificirte, dafs er eine ftehende Locomobile den Pflug nach fich ziehen liefs. Um diefe Zeit( 1845 bis 1848) tauchte das von Bauer in Deutſchland erfundene Dampfcultur- Verfahren des Bodens auf; die Mafchinerie war nach dem Principe rotirender Spaten conftruirt. Aber alle diefe Syfteme bewährten fich nicht; erft feit der Weltausftellung in London datirt die Vervollkommnung des Dampfpfluges. Auch im Glaspalafte des Jahres 1851 erfchien derfelbe noch in den Anfängen feiner Conftruction, gleichfam als Embryo, höchft phantaftifch und unprakticabel, fo dafs alle Sachverständigen über die ausgeftellten Modelle desfelben lebhaft den Kopf fchüttelten. Aber John Fowler verzagte nicht, fondern verbefferte feinen Dampfpflug unabläffig, fo dafs er fchon 1856 in Paris eine goldene Medaille für fein Ankerwagen- Syftem erhielt, welches fpäter durch die Erfindung des Clipdrums wefentlich verbeffert wurde und bereits im Jahre 1862 feine vollständigfte Ausbildung erfahren hat. Diefes Fowler'fche AnkerwagenSyftem, bei welchem der Balancepflug zwifchen der felbftbeweglichen Feldlocomotive und dem Ankerwagen hin- und hergezogen wurde, bearbeitete den Boden fehr gründlich, verurfachte aber höhere Anlagekoften. Neben demfelben entwickelte fich das Smith- Howard'fche Umkreifungsfyftem, deffen Hauptvorzug in der Verwendung gewöhnlicher Locomobilen beftand, wodurch fich das Anlagecapital wefentlich verringerte. Und noch eine bunte Menge anderer, mitunter ziemlich origineller Dampfpflug- Apparate erblickte in diefer Zeit das Licht der Welt, ohne jedoch fich irgendwie bewährt zu haben; wir nennen hier blos die Namen Smith, Savory, Robey, Romaine, Coleman u. f. w. Im Jahre 1862, der Blüthezeit der Klappentrommel, conftruirte J. Fowler, angeregt durch Savory's eigenthümliche Idee, feinen erften Zweimaſchinen- Apparat, welcher fchon auf der Parifer Ausftellung 1867 trotz der hohen Anfchaffungskoften, wegen feiner praktifchen Ueberlegenheit allgemein gefiel, fo dafs man ihm prophezeite, derfelbe werde fich unter den verfchiedenen Conftructionen bewähren und fich unter den. mannigfaltigften Wirthschaftsverhältniffen als das verwendbarfte und in feinen fchliefslichen Erfolgen zugleich als das billigfte und wirkungsvollfte Syftem erweifen. Diefe Vorausfage ging in Erfüllung, indem von den vielen früheren Syftemen jetzt nur noch das Doppel- und Zweimafchinen- Syftem in Anwendung befteht. Diefem gehört die Gegenwart und vorausfichtlich auch die Zukunft, denn auch Howard conftruirt gegenwärtig feine Dampfpflüge nach diefem Syfteme. Das Die landwirthschaftlichen Geräthe und Maſchinen. 51 Fowler'fche Clipdrum- oder Klappentrommel- Syftem und das Howard'fche Umkreifungs, das fogenannte Round- about- Syftem können als überwundene Standpunkte betrachtet werden. Die Doppelapparate, in welchen zwei einfache mit horizontalen Windetrommeln verfehene automobile Dampfmafchinen( Strafsenlocomobilen) die in ein ftarkes Drahtfeil eingefchalteten Ackerinftrumente zwifchen den Anwänden hin- und herziehen, fanden in England einen ungeahnten Anklang, fie ermöglichten das Miethpflügen dafelbft und brachen namentlich in den tropifchen Gegenden dem Dampfpfluge die Bahn. Jedoch hat das Fowler'fche Doppelfyftem vor dem Howard'fchen den grofsen Vorzug, dafs feine- 20- bis 25pferdigen-Locomobilen zu allen anderen Arbeiten( Drefchen, Mahlen u. dgl.) verwendet werden können, während die Howard'fchen nur zur Bodencultur dienen. Gegenwärtig wird der Dampfpflug als ein wichtiger Hebel der Hochcultur betrachtet, und feine Bedeutung wird fich noch bedeutend fteigern, wenn durch die Vereinfachung des Apparates feine Verbreitung erleichtert wird; denn der unge heuere Anfchaffungspreis und die befonders intelligente Aufficht bei feiner Arbeit ftehen feiner allgemeinen Einführung hindernd entgegen. In der Wiener Weltausftellung fanden wir neben einem von Barford and Perkins( Peterborough) ausgeftellten Modell eines Dampfpflug- Apparates blos zwei Dampfapparate, nämlich einen vollſtändigen Fowler'fchen DoppelmaſchinenApparat und einige der wohlbekannten Theile des Howard'fchen Umkreifungstorkels, jedoch ohne Mafchine, ausgeftellt. Die Firma John Fowler& Comp. hat einen vollſtändigen Satz ihrer 20pferdigen Dampfpflüge, zwei Strafsenlocomotiven zu 8 und 6 Pferdekraft und einige Wagen zum Transporte bei Verwendung diefer Locomotiven ausgeftellt. Wegen feiner praktiſchen Brauchbarkeit gewinnt der Fowler'fche Dampfpflug von Tag zu Tag an Terrain, fo dafs es feine Rivalen fogar vorgezogen haben, an der Wiener Weltausstellung nicht zu erfcheinen. Defshalb müffen wir bei Einführung der Dampf- Bodencultur unfer Hauptaugenmerk hauptfächlich auf die Fowler'fchen Apparate wenden. In feinen Grundzügen ift das Fowler'fche Syftem allgemein bekannt. Man benützt bei demfelben zwei felbftfahrende Dampfinafchinen mit je einer Seiltrommel, 2300 Fufs Zugfeil und 10 Seilträgern. Diefe Feldlocomotiven mit horizontalen Seilwinde Trommeln werden auf entgegengefetzten Kopfenden des Ackers aufgeftellt und ziehen, mittelft Stahldraht- Seilen abwechfelnd arbeitend, das Ackerinftrument hin und her, indem die nicht ziehende Mafchine das Seil ablaufen läfst und zugleich um ein der Breite des angewandten Ackerinftrumentes, d. h. des gepflügten Erdftreifens entſprechendes Stück, fich vorwärts bewegt. Die Hauptvortheile diefes Syſtems beftehen in der Leichtigkeit und Schnelligkeit, mit welcher der ganze durchaus dampfbewegliche Apparat in Thätigkeit gefetzt und auf ein neues Feld weiter transportirt werden kann, fowie in der geringen Anzahl der nothwendigen Arbeiter und der Einfachheit ihrer Verrichtungen zur directen Bedienung genügen 3 bis 4 Mann, nämlich I Mann für jede Mafchine und je nach Umftänden I oder 2 Mann für das Ackergeräthe. Die horizontale Windetrommel geftattet, dafs das Seil jede beliebige Richtung annehmen kann, was bei unregelmässigen Grundftücken und kleinen Feldern wefentliche Vortheile darbietet; dennoch arbeitet der Apparat am billigften in grofsen quadratifchen Flächen, und müffen die Landwirthe, foweit möglich, die Form der zu bearbeitenden Felder darnach einrichten. Die geringftmögliche Seillänge, der geradlinige directe Zug und das Minimum der Abbeugungen, welche das Seil bei der Arbeit zu machen hat, fowie die patentirte felbftthätige Vorrichtung zur Regulirung des Seilwickelns, bedingen die thunlichfte Ausnützung der vorhandenen Kraft und bei fchonender Behandlung des aus Stahldraht fabricirten Zugfeiles, in welchem die hauptfächlichfte Abnützung des Apparates ftattfindet, auch eine wefentliche Reduction der durch die ftattgefundene verminderte Abnützung des Apparates bewirkten Amortifation des Anlage capitals. Seiner Compactheit und 52 Ant. Adam Schmied. Einfachheit wegen eignet fich endlich der Fowler'fche Dampfpflug befonders für grofse Wirthschaften und für Vereine oder Privatperfonen, die auf Lohn pflügen. Die Dampfmaschinen für diefes Syftem werden von 12, 14, 20 oder 25 Pferdekraft conftruirt; doch haben fich die ein cylindrigen Mafchinen, bis zu 20 Pferdekraft wirkend, für den Kohlenverbrauch fo entfchieden vortheilhaft erwiefen, dafs fie faft ausfchliefslich angewendet werden. Ohne auf eine Befchreibung diefer Mafchinen einzugehen, wollen wir nur bemerken, dafs die Keffel ftets den Locomotivtypus haben und die Dampfcylinder mit einem Dampfmantel umgeben find. Die Räderübertragung zum Fahren ift auf zwei verfchiedene Gefchwindigkeiten eingerichtet. Das richtige Aufwickeln des Seiles auf der horizontalen Windetrommel gefchieht durch einen automatifchen Winkelheber, welcher durch ein eigenthümliches Zahngetriebe langfam auf- und abwärts bewegt wird; dagegen wird beim Abwinden des Seiles dasfelbe durch eine ebenfalls automatiſche Bremsvorrichtung etwas gefpannt, wodurch die abfolute Regelmäfsigkeit des Wickelns wefentlich befördert wird. Alle diefe Mafchinen find mit einem Schwungrade verfehen, welches als Riemfcheibe benutzt werden kann, und eignen fich zu allen Arbeiten, wozu fonft Locomobilen angewendet werden. Die Frage über die Schwere der zu wählenden Apparate ift nach den bisherigen Erfahrungen dahin zu beantworten, dafs, mafchinell betrachtet, diefchweren Apparate keinen wefentlichen Vorzug vor den leichteren haben, infoweit es fich nämlich um zweigliedrige Mafchinen handelt. Für unfere Verhältniffe ift die 14pferdige Fowler'fche Mafchine die vortheilhaftefte. Diefelbe wiegt circa 220 Centner und überwindet Steigungen von I: 10 auf gewöhnlichem, d. h. nicht zu weichem Boden mit Leichtigkeit. Ift der Grund nafs und weich, dann werden an die ohnediefs 20 Zoll breiten Räder eigene Verbreiterungsringe angefetzt, während auf glattem, fchlüpfrigem Acker fchaufelförmige Radfporne zur Hervorbringung der zur Fortbewegung nöthigen Reibung gebraucht werden. Auf allzu durchweichtem Boden ift jedoch die Anwendung leichterer Maſchinen, die ganz aus Stahl dargestellt find und extraweite Radfelgen haben, unumgänglich nöthig. Um die abnorm breiten Räder- fie wurden fchon über 24 Zoll breit gemacht durch fchmale erfetzen zu können, hat Thomfon über die letzteren bis zu 6 Zoll dicke Gummireife gelegt; doch haben fich diefe mit vielem Eclat angepriefenen Gummi- Radbandagen nicht bewährt. Die zur Verwendung kommenden Zugfeile find beftens gehärtetes StahldrahtSeil mit Oefen, 800 Yards( 2328 Fufs) lang und je nach der Stärke der Dampf pflug- Mafchine 1/2 bis 78 Zoll im Durchmeffer ſtark. Auf hügeligem Lande und befonders in fandigen Gründen und bei fteinigem Erdreich mufs das Zugfeil möglichft frei vom Boden gehalten werden, um es vor jeder Befchädigung möglichft zu bewahren. Defshalb werden dem über's Feld gefpannten Seile eigene Seilträger, kleine Wagen mit Rollen von möglichft grofsem Durchmeffer, in Zwifchenräumen von circa 120 Fufs untergefchoben. Reifst dennoch das Drahtfeil, fo wird der entstandene Schaden durch Zufammenflechten( fplicing) der 6 Litzen, aus denen das Seil befteht, in kurzer Zeit befeitigt. Bei aufmerkfamer Behandlung des Seiles hält dasfelbe jedoch zwei bis drei Jahre aus, fo dafs fich nach bewährten englifchen Erfahrungen die Koften für Zugfeile auf 30 bis 40 kr. per Joch( 4 bis 6 Pence per Acre) belaufen. Je nach dem Zwecke der Ackerarbeit werden verfchiedene DampfpflugAckergeräthe angewendet. Wir fahen auf der Ausftellung vorerft den Fowlerfchen Balance- oder Patent- Kipppflug, welcher fchon feit 15 Jahren in feiner Conftruction bekannt ift und fich mit wenigen unwefentlichen Abänderungen bisher als der befte, weil einfachfte und zweckmäfsigfte, eigentliche Dampfpflug bewährt hat. Der Rahmen ift aus Schmiedeifen conftruirt. Die Pflugkörper, nämlich Scharen und Streichbleche, find aus Stahl und je nach der Natur des Bodens und der vorzunehmenden Ackerarbeit in der mannigfaltigften Weife modificirt. Auf der Ausftellung finden wir den normalen Sechsfurchenpflug mit Ruchadlo- Streichbretern Die landwirthfchaftlichen Geräthe und Maſchinen. 53 und einen Vierfurchenpflug zur Tiefcultur mit englifchen Kentrüftern. Erfterer dient zur Flachcultur und kommt befonders in den Rübendiftricten Preufsens und Sachfens in Anwendung. Für Zuckerrüben- Bau und Kartoffelcultur empfiehlt fich, namentlich bei mildem Boden, das Wanzlebener Streichblech. Für die fchraubenförmigen englifchen Streichbleche können fogenannte Grabeifen fubftituirt werden; diefelben brechen den Boden wie ein Handfpaten um und bringen das Erdreich in einen für die Einwirkung der Witterung fehr günftigen Zuftand. Zu bedauern ift, dafs Fowler's Pflug mit Untergrund Grubbern nicht ausgeftellt war. Es ift diefs der nach beften landwirthschaftlichen Principien conftruirte Untergrund- Pflug, bei welchem hinter jedem Pfluge, welcher die obere Ackerkrume nur feicht wendet, ein Grubberzinken folgt, der den Untergrund bis zu einer Tiefe von 20 Zoll auflockert, ohne ihn jedoch emporzuheben, worauf der nächftfolgende Pflug den gelockerten rohen Boden wieder bedeckt. Befonders eignet fich diefer Pflug zum Pflügen von Haideland u. dgl. vorzüglich. Auf jeder Hälfte des normalen Untergrundpfluges befinden fich zwei Pflüge; bei grofsen Tiefen wird aber nur eine Furche geackert. Wir fahen ein ähnliches Inftrument, an welchem jede Hälfte drei Ruchadlo- Pflüge von je zwei Wühlfcharen genau nach dem Horfkyfchen Untergrund- Pfluge- gefolgt werden, in Kolin und waren über deffen ausgezeichnete Arbeitsleiftung erftaunt: auf einen Zug wurde der Acker bis 20 Zoll tief gelockert und das geackerte Feld durch eine direct an den Dampfpflug angehängte Egge für die unmittelbare Aufnahme der Saat„ gartenmäfsig" zubereitet. Der ausgeftellte Wendecultivator befteht aus einem nur aus Flach- und Winkeleifen verfertigten horizontalen Rahmen, in welchem die in der bekannten Form conftruirten Grubberzinken in verftellbarer Tiefe feftgekeilt find. Nach langjährigen Experimenten wurde der Wende cultivator erft vor einigen Jahren in feiner gegenwärtigen praktifchen Form dargestellt und hat fich derart bewährt, dafs er nunmehr bei einem jeden Dampfpfluge als Tiefgrubber und Exftirpator ein unentbehrliches Geräth bildet. Je nach der Befchaffenheit des Bodens und der disponiblen Kraft werden die Cultivatoren in einer Breite von 5 bis 10 Fufs mit 5 bis II Zinken gebaut und gehen in verftellbarer Tiefe von 3 bis 14 Zoll. Bei einem fehr leichten Gange find diefelben von ganz aufserordentlicher Wirkfamkeit, indem fie den Boden ausgezeichnet durchwühlen und fich nebftdem durch eine fehr grofse und folglich möglichst billige quantitative Leiftung auszeichnen. Die Fowler'fche Grubber- oder Zinkenegge ift nach demfelben Principe wie der Umwender cultivator conftruirt, jedoch mit dem Unterfchiede, dafs die Zinken nicht an dem eigentlichen Hauptrahmen, fondern in getrennten, mittelft Ketten aufgehängten Rahmen befeftigt find, welch' letztere unter einander derart beweglich verbunden find, dafs fie fich in ihrer Höherftellung den Unebenheiten des Bodens thunlichft anfchmiegen können. Wegen ihrer aufserordentlichen Breite von 16 Fufs liefert die Scarificatoreggeneben einer ausgezeichneten Arbeit eine fehr fchnelle und defshalb auch wohlfeile Leiftung; fie eignet fich befonders zur Frühjahrsbeftellung der Rübenfelder und Getreide- Aecker. Ganz neu ift der exponirte Rübenheber mit einer Wendevorrichtung nach Art des grofsen Cultivators und mit drei Grubberzinken, welche in ihrer Breite beliebig verftellbar find und deren breiter, fchaufelförmiger Fufs bis auf eine Tiefe von 16 Zoll geftellt werden kann. Jeder Zinken gräbt die ihm zunächft liegenden Awei Rübenreihen aus, ohne die Wurzeln im Geringften zu verletzen; der Rüben heber hebt fomit auf einmal fechs Rübenreihen und fertigt circa 1½ Joch in einer Stunde ab. Der vollständige 14pferdekräftige Fowler'fche Dampfpflug Apparat nach dem Zweimaſchinen- Syftem koftet beiläufig ab Leeds 2125 Pfund Sterling; die Unkoften der Steuer, Fracht u. dgl. betragen bis Magdeburg circa 116 Thaler per Pfund Sterling der englifchen Factura. Die Firma J.& F. Howard( Bedford) ftellte einige Theile des Umkreifungstorkels aus, jedoch keinen completen Dampfpflug- Apparat. Seit vielen Jahren 54 Ant. Adam Schmied. befchäftigt fich diefelbe mit der Fabrication von Dampf- Ackerbau- Apparaten und hat während diefer Zeit mehrere Hundert Dampfcultivatoren und Dampfpflüge verfertigt. Während J& F. Howard das Syftem mit zwei Dampfmafchinen für Gefellſchaften, fehr grofse Landwirthe oder Grofsgrundbefitzer, fowie für Perfonen, welche folche Apparate behufs Vermiethung an Andere verkaufen, empfehlen, find fie der Anficht, dafs fich für Landwirthe, welche Dampfapparate einfach für die Bearbeitung mäfsig grofser Ländereien erwerben, das Syftem mit Einer Dampfmafchine beffer eignet, indem dasfelbe weit billiger und ökonomifcher ift und überdiefs den grofsen Vorzug hat, dafs mit demfelben jahrelang ohne koftfpielige Reparaturen gearbeitet werden kann. Von diefem ftationären Syfteme fahen wir auf der Ausstellung eine Seilwinde mit felbftthätiger Aufwicklung; die Windetrommel ift nämlich mit doppeltem Lippblock verbunden und durch eine einfache Vorrichtung wird die Seilaufwicklung auf die Trommel felbftthätig regulirt. Dann einen vierfurchigen Dampfcultivator mit etwas ruchadloartigen Streichbretern, welcher nicht näher befchrieben zu werden braucht. Die zu diefem Syfteme gehörigen Locomobilen wurden nicht ausgeftellt. Die Fabrication der Dampf- Ackerbau- Apparate wird bisher ausfchliefslich von englifchen Firmen betrieben und ift J. A. Howard jetzt fozufagen der einzige Concurrent von John Fowler& Comp. Sein Syftem mit Einer Dampfmaschine, das fogenannte Umkreifungsfyftem, hat fich aber trotz der bedeutend niedrigeren Anfchaffungskoften und obzwar jeder Theil auf das Solidefte ausgeführt ift, gegenüber dem Fowler'fchen Doppelfyftem, welches befonders für gröfsere Ansprüche und ausgedehntere Complexe geeignet ift, nicht mit durchgreifendem Erfolge behaupten können. Der Umftand darf aber nicht überfehen werden, dafs fich die Howard'fche Locomobile und Seiltrommel inclufive Zugfeil ihrer Conftruction nach ganz gut zu einer Fördermafchine eignet beziehungsweife zum Betriebe irgend einer beliebigen Transportvorrichtung, alfo eine gleiche Verwendung wie die Fowler'fche Dampfpflug- Locomotive zuläfst. Auf der kaiferlichen Domäne Hoftiwic bei Prag hat man zu gewiffen Zeiten Gelegenheit, eine folche lohnende Verwendung der Howard'fchen Dampfpflug- Locomobile zu fehen. Profeffor J. M. Fuchs ift der Anficht, dafs fich in der Combination mit den Bahnausführungen nach dem Syfteme Corbin dabei ein Mittel zu bieten fcheint, Maffentransporte auf kürzeren Strecken mit veränderlichem Auf- und Ablade- Orte in vortheilhafter Weife bewältigen zu können". 99 - Das Dampfpflüge- Syftem Fowler's mit doppelten Dampfmaschinen kann man als die Löfung der fo wichtigen Frage der Dampfcultur betrachten, indem nach feiner gegenwärtigen Conftruction und Anordnung anzunehmen ift, dafs es nur noch in einzelnen Theilen weitere Verbefferungen zu erwarten haben wird. Die Säemaſchinen. Die gegenwärtig in der Verwendung ftehenden Syfteme der Säemaſchinen waren fämmtlich ausgeftellt; doch find diefelben im Allgemeinen zu bekannt, als dafs es nothwendig wäre, fie hier ausführlicher zu befprechen. Die maffenhafte Verbreitung der Säemafchinen liefert den erfreulichen Beweis, dafs die eminenten Vortheile der Reihencultur von den Landwirthen immer mehr gewürdigt und ausgenutzt werden. Die Drillcultur, in Oftafien feit dem Alterthume üblich und bei den Römern und Galliern bereits angewendet, hatte erft mit Beginn des gegenwärtigen Jahrhundertes in Grofsbritannien Fufs gefafst. Die erfte Säemafchine wurde von dem Spanier Jofef Locatelli in Kärnten gebaut und 1636 auf den Feldern bei Laxenburg verfucht, wobei fie fich bewährt haben foll. Wahrfcheinlich gelangte ein Modell diefes Sembradors über Spanien nach England, wo es zu Weiterverfuchen auf diefem Felde des landwirthschaftlichen Mafchinenwefens Anregung gab; aber erft James Coke conftruirte die Drillmafchine, welche als Die landwirthfchaftlichen Geräthe und Maſchinen. 55 die Grundlage der neueren, fo fehr vervollkommneten englifchen Drillmafchinen angefehen werden mufs. Auf der vierten Weltausftellung zu Paris 1867 waren die Säemafchinen in folcher Zahl und Vollständigkeit ausgeftellt, dafs man mit Recht behaupten kann, dafs fich von hier aus die Drillcultur auf dem europäiſchen Continent verbreitet hat. Und diefs gefchah mit folcher Gefchwindigkeit, dafs wir diefe wichtigen. Apparate felbft auf kleineren Befitzungen bereits antreffen An erfter Stelle müffen wir hier der englifchen Firma R. Garret& Sons ( Suffolk) gedenken. Diefelbe hat fich durch die Einführung und Verbreitung der Säemafchinen einen bleibend ehrenvollen Namen in der Gefchichte der Landwirthfchaft erworben. Die ganze Collection der vielen Säemaſchinen, welche neben der Drefchmafchine eine Specialität der Firma Garret bilden, zeigt, dafs ein durch bewährte praktiſche Erfahrung gefchulter und dem ernften Fortfchritte huldigender Geift alle Arbeiten diefer Firma leitet. Die Garret'fche Reihenfäemafchine, ruhend auf zwei eifernen Laufrädern, ift ausgeftattet mit Vorderſteuer, drei Säetrommeln für Frucht, Kukuruz, Rüben und Raps, 14 Stück Ueberfetzungsrädern und Lagern, 2 Rillmeffern u. f. w. Seit vielen Jahren bereits fo vorzüglich, dafs an derfelben keine wefentliche Verbefferung mehr denkbar ift, erwarb fich Garret's verbefferte Reihenfäemafchine einen Weltruhm und fand in allen Theilen der Welt allgemeine Verbreitung, fo dafs es nicht nothwendig erfcheint, auf diefelbe die Aufmerkſamkeit der Landwirthe zu lenken. J. Smyth& Sons( Peafenhall) ftellten eine 13reihige Drillfaat Mafchine mit telefkopifchen Röhren, eine 16reihige Drillfaat- Mafchine mit Trichtern, Smyth's allbekannte und wegen ihrer Einfachheit fo beliebte Breitfäemafchine und Smyth's combinirte Rüben- und Dünger- Drillmafchine aus. Seit 1800 etablirt, ift die Smyth'fche Fabrik durch ihre Säemafchinen ſehr berühmt geworden. In ihrer allgemeinen Dispofition ftimmt die patentirte Drillmafchine„ Eklipfe" von James Smyth mit den gewöhnlichen Garret'fchen Drills überein, zeigt jedoch in der Detailconftruction eine Anzahl erheblicher Verbefferungen. Sie wird für fchweren und leichten Boden gebaut. Der Saatkaflen kann durch eine einfache Stellvorrichtung für jede Neigung des Bodens eingeftellt, ja behufs vollſtändiger Entleerung des Samens ganz umgelegt werden; das Einftellen der zur Regulirung der Saatöffnungen dienenden Schieber erfolgt durch eine, linker Hand des Saatkaftens befindliche Stellfchraube, mittelft welcher die fämmtlichen fechs Schieber auf einmal und gleichmäfsig eingeftellt werden können. Als Ausftreuvorrichtung dienen die bekannten Smyth'fchen doppelt ausgehöhlten Doppellöffel, fo dafs man durch eine blofse Umdrehung der Welle, die Mafchine für gröbere oder feinere Sämereien ftellen kann. Als Saatleitungsröhren werden die„ telefkopifchen Röhren" angewendet, welche allgemein als die vorzüglichfte, bis jetzt exiftirende Vorrichtung zur Saatleitung bei den Drills bezeichnet werden, und denfelben eine aufserordentlich zuverläffige Arbeit fichern. Wegen ihrer vorzüglichen Leiftung ift die Smyth'fche Drillmafchine, befonders in Oefterreich, hoch gefchätzt. Doch minder gilt diefs von der Univerfal- Drillmafchine, welche gleichzeitig mit dem Samen den Kunftdünger reihenweife ausftreut, indem man ihr nachfagt, dafs der Kern im Beginne der Vegetation zu üppig treibt, und dann, wenn der Dünger confumirt ift, Stillftand, ja felbft Rückgang in der Entwicklung der Früchte eintritt. Die von Hornsby& Sons ausgeftellten zwei Säemaſchinen find ebenfalls nach dem Garret'fchen Syfteme conftruirt, haben jedoch continuirliche Saatleiter aus patentirten Gummifchläuchen, dann doppelte Scharhebel, wodurch fämmtliche Scharen die Saat in gleicher Tiefe unterbringen. Alle Hebel und Scharen find aus Schmiedeifen gefertigt, hiedurch leicht, feft und gegen Brüche mehr gefchützt. Jeder Hebel arbeitet unabhängig von dem anderen. Die Scharfpitzen find aus Schalengufs, fehr dauerhaft und billig und können leicht entfernt und erneuert werden. Endlich geftattet Hornsby's Patent- Vorderfteuer mit Getriebe und Zahnftange die leichtefte Lenkbarkeit des Drills, unabhängig von den Pferden, felbft 56. Ant. Adam Schmied. bei der Führung durch einen fchwachen Arbeiter. Schliefslich ift bei diefen Mafchinen die ausgezeichnete Arbeit und das vorzügliche Material( Holz) hervorzuheben. B. Reid& Comp.( Aberdeen, Schottland) ftellten eine intereffante I Ireihige Säemafchine aus, die bei uns noch fehr wenig bekannt ift. Diefelbe hat einen originellen Säe- Apparat, beftehend aus fchraubenförmig gewundenen Säefcheiben, die einfacher, ftärker und beffer find, als fo mancher andere Säe- Apparat, beſitzt eine höchft einfache Einrichtung für das Reguliren des Saatquantums ohne Wechfelräder oder ähnliche Methoden, und braucht keine Vorrichtung zum Wagrechtftellen des Saatkaftens, um gebirgige Länder zu bearbeiten. Sie hat eiferne Hebel und ftählerne Scharen; überhaupt ift Stahl und Eifen an allen Theilen, wo nur irgend möglich, verwendet. Diefe Drillmafchine ift höchft einfach und bedeutend billiger, als alle bisherigen Syfteme; und wenn diefelbe auch nicht die Univerfalität der Garret'fchen Säemafchine hat, oder wenigftens in befonderen Fällen. nicht fo vollkommen arbeitet, fo ift fie doch für einfache Getreidefaat, für Hülfenfrüchte und Mais fehr geeignet und empfiehlt fich defshalb, fowie auch wegen ihrer Leichtigkeit im Gange und befonderen Billigkeit, zur entſprechenden Verwendung. Weiter ftellte diefe Firma eine fehr einfache und billige„ Patent- Säemafchine", um Rüben zu fäen und gleichzeitig Dünger zu ftreuen, aus, fowie eine breitwürfige Drillmafchine mit den patentirten Säefcheiben, deren Welle durch Räderwerk von den Laufrädern in Bewegung gefetzt wird und durch einen Hebel im Augenblicke in oder aufser Betrieb gefetzt werden kann. Diefer Drill kann an einer Querachfe zum Transporte montirt werden, fo dafs er die fchmalften Wege und engften Eingänge bequem paffiren kann. Wenn wir fchliefslich der von G. B. Edwards( Bredfield) exponirten, fchön conftruirten Runkelrüben- Drillmafchine, einreihig für Handbetrieb und dreireihig für Gefpann, und der von J. Coultas( Spittlegate) ausgeftellten breit würfigen und Reihen- Getreide- Säemafchine mit telefkopifchen Röhren, beide nach Smyth'fchem Syfteme vorzüglich gebaut, fowie deffen Runkelrüben- Tüpfelmafchine mit einem Apparate zur Ausftreuung des Kunftdüngers, die aber etwas fchwer und complicirt ift, gedenken, fo haben wir alle in der englifchen Abtheilung befindlichen Säemafchinen vorgeführt und können nun zu den übrigen Ländern übergehen. Amerika exponirte eine einzige Säemafchine, nämlich die von Thomas Ludlow& Rogers( Springfield) ausgeftellte Drillmafchine für zwei Pferde, ,, Superior" genannt, welche auch telefkopifche Röhren zur Saatleitung befitzt, durch einfaches Schliefsen der fchmalen Samenzuführer und durch Oeffnen der grofsen Läufe alle Sorten des groben Getreides, als auch feine Samenarten fäet und mit einer Vorrichtung zum augenblicklichen Einhalten der Mafchine verfehen ift. Die Mafchine ift dauerhaft conftruirt, die allgemeine Ausstattung derfelben ift fchön, das Material von der beften Qualität und die Arbeit erfter Claffe. In der franzöfifchen Abtheilung ftellte E. Palante( Arras) eine gefällig und zweckmäfsig gebaute Reihen- Säemafchine mit einem höchft einfachen Säekaften aus; in der fchwedifchen Abtheilung das Eifenwerk Oefverum eine Breitund Reihen- Säemafchine mit telefkopifchen Röhren. In der italienifchen Abtheilung bemerkte man einige gut gebaute Säemaſchinen, nach dem Garret'fchen Syfteme conftruirt, und eine Hand- Säemafchine eigener Conftruction. In der ruffifchen Abtheilung ftellte Lad. Mentzel( Kijew) zwei gut conftruirte Säemafchinen aus, eine mit telefkopifchen Röhren, die andere mit Trichtern; Graf Bobrinsky( Kijew) eine vierreihige Rüben- Drillmafchine nebft fchönen Modellen für Rübencultur; Lilpop, Rau& Comp. eine Breit- Säemafchine mit viereckigen Blechfcheiben, die fo gefchoben werden können, dafs die SamenausfallOeffnungen gröfser oder kleiner werden. Doch find alle diefe Mafchinen keiner näheren Befchreibung werth. Mit regem Intereffe ftudirte man die in der deutfchen Abtheilung ausgeftellten Säemafchinen. F. Zimmermann& Comp.( Halle a. d. S.) exponirten Die landwirthschaftlichen Geräthe und Mafchinen. 57 Säemafchinen, ausgezeichnet durch ihre vortreffliche Ausftattung und zweckmässige Conftruction. Zimmermann baut die Drillmafchinen als Specialität und hat es darin zu grofser Vollkommenheit gebracht. Seine Drillmafchine ift in mehreren taufend Exemplaren verbreitet und wird namentlich in der Provinz Sachfen fehr angewendet. Die allgemeine Dispofition diefer Säemafchine ift derjenigen der englifchen entfprechend. Das Geftell ift foweit als möglich ganz aus façonnirtem Eifen, daher äufserft ftabil und dauerhaft. Für das Vorderfteuer ift ftatt der allgemein angewendeten Zahnkränze ein Kettenvorgelege benutzt, welches eine fehr fichere Steuerung bei ganz geringem Kraftaufwande ermöglicht. Statt der von dienen fogenannte James Smyth zuerft angewendeten telefkopifchen Röhren Kugelgelenk- Röhren zur Saatleitung; im Scharhebel fitzt ein weiter Trichter, worin das Kugelgelenk- Rohr, ein aus ftarkem Weifsblech gefertigtes, durch fchmiedeiferne Kugelgelenke biegfam gemachtes Rohr mündet, während es oben an den Boden des Saatkaftens durch Ketten befeftigt und fomit nach allen Richtungen beweglich ift. Zur Beftimmung der Samenmenge dienen Wechfelräder, jedoch ohne Anwendung verfchiedener Einfatzplatten zur Stellung des Saatkaftens, da letztere durch eine fenkrechte Schraube einfacher bewerkstelligt wird. Statt der an der grofsen Drillmafchine vorkommenden Löffelfcheiben find an der kleineren Drillmafchine Schöpfräder angebracht. Die Rillenmeffer- Sohlen beftehen aus Gufsftahl, find glashart und unterliegen defshalb der Abnutzung weniger; fie find abnehmbar und können fomit nach der Abnutzung gegen Refervefohlen ausgewechfelt werden. Zum horftweifen Säen oder häufelweifen Legen der Rübenkerne hat Zimmermann einen ebenfo einfachen als zweckentfprechenden Apparat conftruirt, welcher mit geringen Koften an jeder Drillmafchine anzubringen und in vielen Hunderten von Exemplaren bewährt ift. - 79 99 W. Siedersleben& Comp. ftellten eine Anzahl ihrer vortrefflichen Drill und Dibbelmafchinen aus, welche durch ihre zweckmäfsige Conftruction und gefällige Bauart, durch ihre Feftigkeit, Leichtigkeit und Beweglichkeit auf jeden Landwirth einen fehr guten Eindruck machten. Ohne auf die vielen Vortheile diefer im praktifchen Leben bewährten Drillmafchinen einzugehen, fei nur erwähnt, dafs diefelben zur Leitung der Saat Trichter haben, freilich zehn fehr gut gearbeitete und fein anfchliefsende Trichter, weil diefs nach der Anficht des Erfinders noch immer die befte, dauerhaftefte, praktifchfte und den Betrieb am wenigften ftörende Einrichtung ift". Die Germania Drillmafchine", welche bisher nur von diefer Firma gebaut wird, hat eine Spurweite von 12 Fufs( gleich 3.77 Meter) und zeichnet fich durch ihre enorme Leiftungsfähigkeit aus, indem fie das Doppelte aller bis jetzt angewandten Drills in derfelben Zeit verrichtet. Mit derfelben kann man nämlich per Tag circa 45 Morgen beftellen, wobei eine Spannkraft von 2 bis 3 Zugthieren und eine Bedienung von 3 Mann nothwendig ift. Befonders erwähnenswerth ift auch Siederlebens Rüben Dibbelmafchine gewefen, bei welcher die Entfernung der Horfte in den Reihen durch Anftecken von Wechfelrädern auf die einfachfte und ergiebigfte Weife erreicht wird. Der Mechanismus ift äufserft präcis und abforbirt das gröfstmögliche Minimum von Kraft; auch läfst fich die Dibbelvorrichtung an jeder vorhandenen Drillmafchine anbringen. - Rudolf Sack hat feine Drillmafchine vorgeführt, welche fich fchon feit einer Reihe von Jahren eines ausgezeichneten Rufes erfreut. Sie iſt ausfchliefslich aus Schmiedeifen gefertigt, hat eigenthümliche Säeräder, Gummiröhren zur Saatleitung und ein Vorderfteuer, deffen Handhabe fich nach rückwärts fortfetzt und von dem hinter der Mafchine gehenden Arbeiter geftellt wird. Sie zeichnet fich durch beftes Material, tadellofe Ausführung und grofse Leichtigkeit im Zuge bei fehr präcifer Saat aus. Auch die Sack'fche Dibbelmafchine erwirbt fich eine immer gröfsere Anerkennung von Seiten der Landwirthe. Die allgemeine Dispofition der aufserordentlich folid hergeftellten und vortrefflich conftruirten Mafchine ift derjenigen bei den gewöhnlichen Drills fehr ähnlich; zur Ausftreuung dienen 58 Ant. Adam Schmied. die bekannten Sack'fchen Säeräder, deren Aushöhlungen jedoch derartig vertieft und an den Seiten durch hervorftehende Ränder gefchützt find, fo dafs ein Abfallen des Samens zur Seite nicht leicht gefchehen kann. H. F. Eckert ftellte eine neue Univerfal- Breitfäemafchine mit ThornerSäerädern, befonderer Transportachfe und fo conftruirt, dafs der Wind und naffes Wetter auf die Vertheilung der Saat nicht wirken können, aus. Dann die neueſte Univerfal- Drillmafchine mit telefkopifchen Fallröhren und Sack'fchen Schöpf- oder Säerädern, welche 12 Reihen hat, jede Samenart im beliebigen Quantum fäet und fich durch fchöne Conftruction, Dauerhaftigkeit und Leiftung befonders auszeichnet. Clayton& Schuttleworth ftellten die bekannte Smyth'fche breitwürfige Säemafchine und eine Reihen- Säemafchine aus, welche nach dem Garret'fchen Syfteme gebaut ift, und deren wefentlicher Vorzug in der Verwendung von fchmiedeifernen Rädern ftatt gufseiferner liegt, überhaupt des Schmiedeifens ftatt des Gufseifens wo immer möglich, und der dadurch erzielten Leichtigkeit und Solidität. Noch ftellten Rapp& Speifer( Göppingen) eine vorzüglich gebaute Patent- Getreide Drillmafchine; Herm. Maultz fch& Comp.( Zfchöllau, Sachfen) eine ſchöne 16reihige Drillmafchine; Ed. Ahlborn fchöne Smyth'fche ReihenSäemafchine mit telefkopifchen Röhren, an welche leicht Ahlborn's Dibbelvorrichtung zur Saat der Zuckerrüben angebracht werden kann; J. G. Garret ( Bukau) drei Drillmafchinen; Chr. Schubart& Heffe( Dresden) eine gut gebaute Breit- Säemafchine; Friedrich Dehne( Halberstadt) zwei fehr fchön gearbeitete Drillmafchinen nach dem Garret'fchen Syfteme, eine 13-, die andere 15reihig; Främbs& Freudenberg( Schweidnitz, Schlefien) eine Drillmafchine mit telefkopifchen Röhren auf 17 Reihen und eine Rüben- Dibbelmafchine mit Furchenzieher zum Legen der Rübenkörner auf Dämmen; A. Bleffing( Hemmingen, Württemberg) eine fchöne Reihen- Säemafchine aus u. f. w. An die Fabricate der deutfchen Fabriken reihen fich in jeder Beziehung vollkommen würdig die Erzeugniffe der landwirthschaftlichen Fabriken Weftöfterreichs an. M. Hofherr( Wien) führte eine Reihen- Säemafchine vor, die fich durch eine ungewöhnliche Sorgfältigkeit der Ausführung und durchaus folide Conftruction auszeichnete. Diefelbe war ganz aus Eifen gebaut, und zwar waren diejenigen Beftandtheile, die am leichteften einem Bruche ausgefetzt find, aus Schmiedeifen. Dadurch hat die Mafchine an Exterieur gegenüber den hölzernen gewonnen, hat auch ein annehmbares Gewicht, da eine 13reihige Mafchine nicht ganz 9 Centner fchwer ift. Die Conftruction ift einfach und compendiös. Zur Samenvertheilung hat die Mafchine Säeräder; die Steuerung gefchieht von rückwärts, wodurch bei forgfältig vorbereitetem Acker eine wefentliche Erfparnifs in der nothwendigen Bedienungsmannfchaft möglich ift; endlich ift dafelbft eine zweckmässig ausgeführte, patentirte Vorrichtung zum gleichzeitigen Aufheben der Scharen und zur Ausrückung der Säewelle. Die von G. Sigl( Wien) ausgeftellte 13reihige Garret'fche Säemafchine nebft drei Säewalzen und fchmiedeifernem Hebel ift in jeder Hinsicht tadellos ausgeführt und kann als befter Beweis dienen, dafs unfere Fabrikanten, fobald fie über genügende finanzielle, fowie techniſche Mittel verfügen, leicht mit dem Auslande in Concurrenz treten und diefelbe fiegreich beftehen könnten. Franz Kugler( Währing, Wien) exponirte neben einer Reihenmafchine auch eine Rüben- Dibbelmafchine nach dem Kutzer'fchen Syfteme, von welchem gefagt werden mufs, dafs es bei einigen aus der Erfahrung fich ergebenden Verbefferungen den Anforderungen des praktifchen Lebens ficherlich genügen würde. Bernhard Eichmann ftellte neben einigen tadellos gearbeiteten Breit-, Reihen und Univerfal Drillfaatmafchinen die von ihm befonders gearbeitete Kutzer'fche Rüben- Dibbelmafchine aus. Die der Conftruction zu Grunde liegende Idee ift correct; auch hat fich die Mafchine im praktifchen Leben bereits gut Die landwirthschaftlichen Geräthe und Maſchinen. 59 bewährt. Nach der Abnahme des Säewerkes kann man diefelbe auch als Jäteund Behäufelmafchine verwenden, womit die Landwirthe jedoch nicht ganz einverftanden zu fein fcheinen. Julius Carrow& Comp.( Prag) führte neben einem Garret'fchen Drill und einer 12 Fufs breiten Smyth'fchen Säemafchine eine 15reihige Victoria- Drillmafchine, von Schneitter und Anderen urfprünglich conftruirt, vor, welche fehr zweckmäfsig ift, indem die Schare und das Vordergeftell in der Form der Garret'fchen Drills und das ganze Hintergeftelle anftatt von Holz, von Schmiedeifen angefertigt find, wodurch die Einfachheit und Feftigkeit der Mafchine wefentlich erhöht wird. Hyacinth Prufki( Potfchach) ftellte feine neue 4reihige Rüben- Säemafchine für Reihen- und Dibbelfaat, für Kamm und Flachbau aus. Diefelbe zeichnet fich durch die eigens gebauten Säefcheiben aus, welche nach eigenem Syfteme entweder nach rechts oder links oder nach beiden Richtungen gekantet find, und an ihren polirten und fchrägen Umfangsflächen eine Anzahl gleich weit von einander abftehender, ovaler Vertiefungen haben, die das Ausfallen des unverfehrten Samens rafch bewerkstelligen. In der ungarifchen Abtheilung ftand Ed. Kühne's( Wiefelburg) Ausftellung obenan und zeichnete fich hauptfächlich durch fehr fchöne Arbeit aus. Die Kühne'fche Drill- Saatmafchine ift nach dem bekannten Garret'fchen Syfteme conftruirt; zur Saatleitung werden jedoch Kautfchukfchläuche mit beftem Erfolge angewendet, und die Stellung der Samentrichter ift derart, dafs beim Aufziehen der Hebel keine Biegung der Schläuche eintritt. Diefe Mafchine zeichnet fich folglich nicht etwa wegen irgend einer befonderen Eigenthümlichkeit aus, fondern vornehmlich durch ihre als Refultat vieljähriger Erfahrung erfcheinende praktifche Einrichtung und gröfste Einfachheit der Conftruction, verbunden mit möglichfter Vollkommenheit und Solidität, fowie leichter Handlichkeit und auffallend billigem Preis. Durch die Einführung und raftlofe Perfectionirung diefer Drillmafchine hat fich die betreffende Firma um die ungarifche Landwirthschaft fehr grofse Verdienfte erworben; bis zum April 1873 hat diefelbe über 1300 Drillmafchinen gebaut und in Ungarn abgefetzt. Ferdinand Bokor( in Grofs- Zinkendorf) ftellte eine vortrefflich gearbeitete Reihen- Säemafchine mit Trichterfyftem aus, welche zwar wefentlich nichts Neues enthält, aber durch eine folide Bauart fich auszeichnet; Györi& Unger ( Wiefelburg) eine gut conftruirte Säemafchine mit Gummifchläuchen; Rudolf Andrée( Kisbér) eine kleine ungarifche Säemafchine mit neun Zeilen, welche befonders für die Bedürfniffe des Kleinwirthes mit fchwächerer Zugkraft und für bergiges Terrain berechnet ift und fich durch Einfachheit, Leichtigkeit, Wohlfeilheit und billige Arbeitsleiftung auszeichnet, während eine bedeutende Ungleichförmigkeit der Ausfaat und fchlechte Führung wegen fehlenden Vordergeftells ihr als Nachtheile anhaften, welche, namentlich bei ungünftigen Bodenverhältniffen, die angeführten Vortheile derfelben im Allgemeinen überwiegen. Noch ftellten Manojlovits& Comp.( Szt. Tamás), Johann Závár( Oedenburg) und Polgár Peter( Makó) Säemafchinen aus, die fich jedoch in keiner Weife, weder durch Conftruction noch durch Leiftungsfähigkeit, auszeichneten. Aus den ausgeftellten Säemafchinen konnte man die Ueberzeugung gewinnen, dafs die Breit Säemafchinen immer feltener werden, und dafs die Dibbelmafchinen bis heute die berechtigten Erwartungen noch nicht vollſtändig erfüllt haben, während über die Univerfal- Drillmafchinen die Praxis faft den Stab gebrochen hat. Bei den Drillmafchinen zeigt fich immer mehr die Tendenz, die bis jetzt gewöhnliche Conftruction zu vereinfachen und das Gewicht zu verringern. In diefer Hinficht hat fich die Erfindungsgabe der Mafchinenbauer weidlich verfucht und verfchiedene Modificationen fowohl in der Conftruction und Anwendung der eigentlich fäenden, fowie den Samen leitenden und die Saat unterbringenden zur Anwendung gebracht, um die Arbeit des Drills allen gerechten Anforderun 60 Ant. Adam Schmied. gen möglichft entſprechend zu machen; jedoch wurde der längft entbrannte Streit noch nicht vollſtändig abgefchloffen, ob Garrett, ob Schneitter oder Sack der Vorzug einzuräumen fei, und noch ift nicht endgiltig entfchieden, ob der Zimmermann'fche Drill den Sieg über alle anderen verwandten Säemafchinen davon getragen hat, da es für ein jedes der ftreitigen Syfteme, die feit den letzten Jahren fich einer grofsen Vollkommenheit zu erfreuen haben, ficherlich gewiffe Bodenverhältniffe gibt, für welchen das eine oder das andere am beften und vortheilhafteften pafst. Kartoffel Legemafchinen fehlten faft gänzlich in der Ausftellung. Nur J. Coultas( Spittlegate, Grantham) ftellte einen Kartoffelpflanzer aus, von dem nichts mehr gefagt zu werden braucht, als dafs derfelbe fehr complicirt und defshalb auch weniger praktiſch war. Dünger- Streumafchinen. Diefe Gattung der landwirthschaftlichen Mafchinen hat fich bisher eine geringe Ausbreitung erworben, indem fie nur in den intenfiven, künftliche Düngemittel verwendenden Wirthfchaften ausnahmsweife vorkommt. Aus diefer Urfache wird fie feltener verfertigt und ihre Conftruction ift auch bei verfchiedenen Arten derfelben eine ziemlich ähnliche. In der englifchen Abtheilung fanden wir Smyth's patentirten breitwürfigen Düngerftreuer mit einem Düngerbehälter von neuer Conftruction, welcher den Dünger in kleinen und gröfseren Mengen in den Streukaften bringt und einen fehr wirkfamen Umrührer, um dem Düngerbehälter beſtändig hinreichend Dünger zuzuführen( ausgeftellt von der Firma J. Smyth& Sohn.) In der deutfchen Abtheilung ftellte die Firma F. Zimmermann & Comp. einen fehr fchön gebauten verbefferten Guanoftreuer aus, welcher, ftatt der bei den älteren Conftructionen vorhandenen Walze, Schaufelräder befitzt, welche unabhängig von einander jedes für fich arbeiten und mit ftählernen Abfchabemeffern verfehen find. Die Schöpfräder find von Glockenmetall her geftellt, fo dafs diefelben von den Säuren nicht angegriffen werden. Durch Wechfelräder wird die Quantität des auszuftreuenden Düngers mit Leichtigkeit regulirt und ein ausgezeichneter Rührapparat, durch konifche Räder getrieben, bewirkt die regelmässige Zuführung des Düngers vom Kaften zu den Schaufelrädern und fomit eine gleichmäfsige Ausftreuung. In der öfterreichifchen Abtheilung exponirte Bernhard Eichmann die bekannte Chamber'fche Dünger- Streumafchine, in jeder Hinsicht tadellos conftruirt. Ebenfo die Firma Umrath& Comp.( Prag), welche diefen Düngerftreuer mit verbeffertem Steuer verfertigt; durch einen Schieber wird die Quantität des auszuftreuenden Düngers mit Leichtigkeit regulirt. Dafs diefe Mafchinen bisher noch nicht den Eingang und die allgemeine Anwendung gefunden haben, welche fie bei der intenfiven Wirthschaft unftreitig verdienen und die ihnen bei einigermafsen zweckentfprechender Conftruction auch gefichert erfcheint, liegt nach Zimmermann's Meinung hauptfächlich darin, dafs fie mehr als jeder andere landwirthschaftliche Hilfsapparat eine forgfältige Behandlung, namentlich häufige Reinigung erheifchen, wenn fie dauernd für den Befitzer von Vortheil fein follen. Defshalb verfieht diefer Mafchinenfabrikant die untere Hälfte der Hinterwand des Ausftreukaftens feines Düngervertheilers mit Charnieren und richtet fie zum Aufklappen ein, fo dafs bei dem Oeffnen der Klappe aller noch im Kaften vorhandener Dünger von felbft hindurch fällt und die an der Saatwelle, fowie den Seitenwänden anklebenden kleineren Ueberrefte durch Abfpülen leicht entfernt werden. Die landwirthfchaftlichen Geräthe und Mafchinen. 61 Pferdehacken, Exftirpatoren u. dgl. In diefer Branche der Ackergeräthe war nicht viel Neues und Hervorragendes ausgeftellt und foll hier auf die diverfen Cultivateure nur der Vollständig. keit wegen hingewiefen werden. Gewifs ift die R. Garett'fche und Taylor'fche Pferdehacke Jedermann bekannt und wäre an dem von Joh. Weetman( Ipswich) ausgeftellten Exftirpator befonders die fchöne Arbeit zu rühmen. Deere& Comp. ( Moline, Illinois) ftellten einen Cultivator für Rüben aus, der jedoch ziemlich complicirt war., In der belgifchen Abtheilung bemerkte man neben dem allbekannten Molderbret einen gut gebauten brabantifchen Exftirpateur. F. Zimmermann& Comp. ftellten eine vortrefflich verfertigte Pferde. hacke verbefferter Smyth'fcher( Salzmünder) Conftruction aus, welche fich durch Leichtigkeit, zweckmäfsige Anordnung der Häufelfcharen und Hackmeffer auszeichnet und jedenfalls viel einfacher, billiger und leiftungsfähiger ift, als die fehr theuere, fchwer zu handhabende Taylorshacke. Sie ift mit acht Schutzrollen zum Schutze der jungen Pflanzen, zehn Hackenmeffer und fünf Häufelfcharen verfehen; Scharen und Meffer find fehr leicht und auf beliebige Reihenentfernung ftellbar, fo dafs die Hacke neben jeder Drillmafchine und für alle Fruchtgattungen anwendbar ift. Ebenfo vorzüglich waren die von W. Siedersleben& Comp. exponirten Hackmaschinen, welche nach der Taylor'fchen Conftruction, jedoch ganz von Schmied- und Façoneifen ausgeführt und demnach fehr einfach und vor Allem leicht gebaut waren. Je nachdem die Vegetation der Rübe vorgefchritten ift, verwendet man die Rübenhackmafchine in dreifacher Armatur, während eine vierte Armatur für das Behacken des Getreides verfertigt wird. Noch ftellten Clayton& Schuttleworth eine dreizehnreihige Smythfche Pferdekacke aus, bei welcher zu den Hackmeffern auch kleine Häufelfchare gegeben werden; P. Brelta( Ofchersleben, Sachfen) fehr einfach und zweckmäfsig conftruirte und tadellos gebaute Behackmafchinen, nach Smyth'fchem Syftem verfertigt; Sack feine bewährten, vortrefflich verfertigten Pferdehacken, Eckert einen von ihm verbefferten Tennant'fchen Grubber, ganz aus Schmiedeifen, die Füfse durchweg von Stahl verfertigt; Friedrich Dehne( Halberftadt) eine verbefferte Pferdehacke, Syftem Prieft& Morlnough, verfehen mit 12 Hebel, 12 Meffern zu 3 Zoll, 8 Meffern zu 6 und 2 Meffern zu 8 Zoll und 4 Häufelfcharen, namentlich zum Behacken des gedrillten Getreides vorzüglich bewährt; endlich Rapp& Speifer( Göppingen, Württemberg) eine fünffcharige Pferdehacke, richtig conftruirt und gut gebaut. In der öfterreichifchen Abtheilung fand man zweckmäfsig conftruirte Rübenjäter und richtig verfertigte Anhäufelpflüge eigener Conftruction von Anton Burg& Sohn( Wien); die complete Smyth'fche Pferdehau, Salzmünder Conftruction, den Coleman'fchen Scarificator, ganz von Eifen mit abnehmbaren Scharen, mehrere Arten von Anhäufler, verftellbar von 12 bis 24 Zoll Reihenweite und fomit für Kartoffel-, Rüben- und Rapsbau gleich zweckmäfsig verwendbar, von Bernhard Eichmann, deffen Erzeugniffe fich allgemein durch zweckmäfsige Conftruction, folide Bauart und gutes Material vortheilhaft auszeichnen. Beachtenswerth waren die vom Fürften Carl Paar( Wien) ausgeftellten Hochweffelyer Rübencultivatoren und die von Fr. Hrufcka( Wrutitz, Böhmen) conftruirten Jäter und Anhäufler für die Rübencultur. Fr. Kugler ftellte einige Anhäufel- und Behackpflüge, Auguft Scholz( Jauernigg) einen eifernen Jäter und Häufler mit fünf Jäteeifen, zu jeder Furche ftellbar, aus; beide Expofitionen boten jedoch nichts Neues und Werthvolles, ja, es liefsen felbft Material und Ausführung fo Manches zu wünſchen übrig. 62 Ant. Adam Schmied. In der ungarifchen Abtheilung ftellte Ed. Kühne die dreifcharige Pferdehacke nach Page aus, fehr einfach und ganz aus Schmiedeifen mit Ausnahme der Gufsräder gebaut, die genügend hoch find, um das Geftell an der Befchädigung junger Pflanzen zu verhindern, und aufserdem nach Höhe und Breite fich verftellen laffen; durch Beigabe von vier Grubbern, refpective Exftirpatorfüfsen wird das Geräth namentlich zur Lockerung des fchweren Bodens, geeignet. Die Häufelpflüge von Strobl und Baris( Peft) find zweckmäfsig und gefällig gebaut, während der Exftirpator des Johann Závárgar keine Vorzüge aufzuweifen hat. Zum Schluffe fei noch des von Lad. Mentzel in der ruffifchen Abtheilung ausgeftellten Exftirpators, fowie des von Lilpop, Rau& Comp. exponirten Jäters und Exftirpators und des von Roman Cichowsky vorgeführten Pfluges zum Kartoffelftecken und Bedecken, dann einiger Behäufelpflüge mit verftellbaren Streichbretern in der fchwedifchen Abtheilung( Forsvik Actiengeſellſchaft) einfach gedacht, da fich diefelben durch gar nichts Befonderes auszeichneten. Die Mähmaschinen und Erntegeräthe. Unter den Erntemaschinen nehmen die Mähmafchinen unbedingt den erften Rang ein. Langfam zwar, aber ficher vervollkommnen fich diefelben in ihrer Conftruction, fo dafs fie nach und nach den meiften berechtigten Anforderungen des Landwirthes zu entſprechen vermögen. Zwar hatte man fchon im XVIII. Jahrhunderte in Amerika verfucht, Erntemaschinen zu bauen, aber die erften Anfänge waren fo roh, dafs die Mafchinen keine Aufmerkfamkeit erregen konnten. Im Jahre 1801 traten Boyce und Plunket, 1806 Gladstone, 1810 Sal mon, 1812 Smith, 1815 Scott, 1820 Mann, 1826 Bell, in den 1840er Jahren Hochftetter, Jalykoff, Wilfon, Raugert mit Mähmaschinen hervor; doch verfielen alle die Mafchinen bald der Vergeffenheit, da fich ihre Syfteme im praktifchen Leben nicht bewährt haben. Bis zum Jahre 1850 wurden die Mähmaſchinen nur verfuchsweife angewendet; die erfte gangbare Mafchine war die von Croskill wefentlich verbefferte Bell'fche Mähmafchine, die fich bereits fo ziemlich bewährte. Seit diefer Zeit folgten rafch neue Erfindungen oder richtiger Abänderungen der früheren Syfteme, fo dafs die Zahl der verfchiedenen Modificationen fich in kurzer Zeit bedeutend fteigerte. Wir können getroft behaupten, dafs auf wenigen Gebieten der Mafchineninduftrie in dem letzten Jahrzehnte fo überrafchende Fortfchritte zu verzeichnen find, wie gerade bei der Fabrication der Mähmafchinen; kein anderes landwirthfchaftliches Geräth kann fich rühmen, in folch' kurzer Zeit trotz der vielen Schwierigkeiten fo weit ausgebildet und vervollkommnet zu fein, dafs es den verfchiedenartigen, wenn gerechten Anforderungen der Praxis im gleichen Mafse Rechnung trägt, wie die Mähmafchine; und ficherlich werden wir in kurzer Zeit eine Conftruction derfelben befitzen, welche den vielen Bedingungen, die entſprechend den mannigfachen localen Verhältniffen, an die Mafchine geftellt werden müffen, in befriedigender Weife entſprechen wird. Intereffant ift Ham m's Mittheilung, dafs die erften Mähmaschinen- Verfuche auf dem Continent in Oefterreich ftattgefunden haben; fo mit der Erntemafchine des Schotten James Smith im Juli des Jahres 1816 zu Vöfendorf bei Wien unter Jordan's Leitung und mit der erften Mafchine des Neuerfinders der Mähmaschine des greifen Cyrus Mac Cormick aus Chicago im Jahre 1849 in Mähren. Während auf der erften Weltausftellung( London 1851) die Amerikaner Mac Cormick und Huffey die erften wirklich nutzbaren Mähmaschinen ausftellten, verliehen die Mähmafchinen der Wiener Weltausftellung durch ihre Reichhaltigkeit und Vollkommenheit der Conftruction derfelben das Hauptgepräge. Die landwirthschaftlichen Geräthe und Mafchinen. 63 Obenan ftehen die amerikanifchen Mähmafchinen und unter diefen behaupten den erften Rang die Gras- und Getreide Mähemafchinen der Firma Walter Abbott Wood( Hoofick Falls, New- York). Durch ihre Vorzüglichkeit haben fich die Wood'fchen Mähmafchinen ſchnell die Gunft der Landwirthe erworben; denn während im Jahre 1852 nur 200, 1853 blos 300 Mähmaschinen gefertigt wurden, erreichte die Zahl der 1872 auf den Markt gebrachten Mafchinen die Summe von 17.079 und find in diefem ganzen Zeitraume nicht weniger als 166.468 Mähmafchinen von diefer Firma gebaut und verkauft worden. Der ,, neue Champion" von Wood ift wefentlich verbeffert. Der gröfste Mangel des alten Champions war fein grofses Gewicht. Der Continent erfordert eine leichte und zugleich ftarke und dauerhafte Mafchine. Um diefem Verlangen nachzukommen, wurde die neue„ Champion- Erntemaschine" für 1873 durch wefentliche Verbefferung des alten Champions verfertigt Da es unmöglich war, mit Beibehaltung des offenen Rades, ohne Speichen das Gewicht zu verringern, ohne der Stärke zu fchaden, fo ift an der Mafchine ein neues Rad angebracht worden. Jedoch ift das Triebwerk fo eingerichtet, dafs der Schneidebalken fich immer noch in derfelben Linie mit der Achfe des Rades befindet. Der ,, New Champion" ift eine einrädrige Mafchine; das Hauptrad hat drei Fufs Durchmeffer und acht Zoll Oberfläche. Ueber den Schneideapparat der Mähmafchine überhaupt läfst fich nicht viel fagen; derfelbe ift bereits fo weit ausgebildet, dafs er den Anforderungen der Praxis durchaus entfpricht. Die Finger am Champion find aus Schmiedeeifen mit Stahloberfläche und offen an der Rückfeite, um dem Meffer die Reinigung zu geftatten. Die Höhe des Schnittes kann leicht regiert und durch einen einfachen Stellapparat beftimmt werden; die Spitzen der Finger können von dem Kutfcher auf dem Sitze gehoben und gefenkt werden, fo dafs fie das liegende Getreide auffammeln und über ein fich vorfindendes Hindernifs paffiren. Das Triebwerk ift ftark und dauerhaft, leicht zu erreichen und mit einem Kaften bedeckt, der es gegen Stroh und Schmutz fchützt. Mit jeder Mafchine werden vier Rechen verfandt, von denen zwei als Schläger verwendet werden können, wenn fie nicht als Rechen gebraucht werden. Der Umfchwung der Rechen ift erweitert und die Plattform, fteif und wohl gefichert vergröfsert worden, wodurch eine grofse und reine Spur für die Pferde erzielt wird. Bei allen Trägern werden Patentöler auf Springfedern benützt. Der neue Champion wiegt nur 9 Centner 12 Pfund und die ganze Mafchine ift mit der gröfsten Sorgfalt gearbeitet. Die Balance derfelben ift vollkommen ohne ein Ueberwiegen nach der Seite oder Schwanken. Ueberhaupt wird man den„ neuen Champion" hinfichtlich der Stärke, Vollkommenheit des Schnittes, Ablage der Garben, Leichtigkeit des Zuges und allgemeiner Einfachheit unvergleichbar finden. Wood's neue eiferne Mähmafchine", mit dem Zuge unterhalb, indem der Zug von der Fronte des Geftelles, anftatt von der Achfe aus, bewirkt wird und das Ortfcheit unter der Deichfel fich befindet, wodurch den Pferden alle Laft abgenommen und der Schneidebalken befähigt wird, jedes Hindernifs zu überwinden, ift eine der folideften und nützlichften Mähmaſchinen, die je gebaut worden find. Ihr nettes und niedliches Ausfehen, die Leichtigkeit des Zuges und die bequeme und fichere Verrichtung erwarben ihr rafch viele Freunde; zum erften Male im Jahre 1871 eingeführt, wurden 1872 über 6000 gefertigt und verkauft. Die Wood'fche Gras- Mähmafchine ift bereits fo fehr ausgebildet, dafs fie allen Anforderungen der Praxis entspricht. Ihre Conftruction ift derart entwickelt, dafs zwifchen der gegenwärtigen Gras- Mahmafchine und derjenigen, welche 1867 in Paris ausgeftellt war, nur wenige und geringe Unterfchiede beftehen. Endlich ftellt die Firma Wood eine Mähmafchine mit Selbftbinder, das Die heifst mit einer Vorrichtung zum gleichzeitigen Binden der Garben aus. Mafchine führt das Schild: L. D. Lockes Harvefter and Binder und erregte 5 64 Ant. Adam Schmied. befonderes Intereffe. Sie war fehr fchwer und ihre Conftruction fcheint bisher eine blofse Idee zu fein; gewifs wird es noch lange währen, bevor die Aufgabe gelöft fein wird, das Binden der Garben ebenfalls durch mechanifche Vorrichtungen zu beforgen. In Amerika arbeitet man fchon feit einigen Jahren an diefem Problem und hat bereits verfchiedene, mit der Mähmafchine verbundene Apparate vorgeführt, bei deren ein auf der Mafchine fitzender Arbeiter mittelft eines eigen thümlichen Mechanismus die von dem Ableger gebildeten Garben mit Draht, welcher unterhalb der Bindemulde auf einer Rolle angebracht ift, bindet und dann von dem Bindetifche herunterftöfst; alle diefe Beftrebungen haben jedoch bisher keine praktifchen Erfolge gehabt. Auch Walter A. Wood's Selbftbinde. Mafchine, bei welcher an der Seite des Ablegetifches über Rollen Strippen mit Stiften gespannt find, welche durch ihre Bewegung das abgemähte Getreide in die Höhe ziehen und in eine Art Mulde legen, wo ein Draht mit Hilfe eines Hebels die Gelege umfafst und fie gleich einem Seile zufammenbindet, bedarf nach der Ausfage des Vertreters der Fabrik, noch wefentlicher Verbefferungen, bevor fie allen Anforderungen genügen wird. Lewis Steward& Comp.( Illinois) haben ebenfalls eine Mafchine mit Selbftbinder ausgestellt. An die Wood'fchen Mähmaschinen reiht fich ebenbürtig der ,, Champion" der Schnitter und Mäher, der Firma Warder, Mitchell& Comp.( Springfield, Ohio). Das Geftell der Mafchine ift ganz aus Schmiedeifen angefertigt, wodurch diefelbe eine aufserordentliche Stärke und Feftigkeit bei geringem Gewichte erhält und folglich den Anforderungen der Praxis entſpricht. Der Schneideapparat liegt hinter den Haupträdern, ift mit der Tifchplatte beweglich und fchmiegt fich daher allen Unebenheiten des Bodens leicht an. Die Selbftrechen- Vorrichtung an diefer Mafchine ift einfach, fehr leicht und ftark; fie wird leicht mit zwei Schrauben angemacht und von einer ftarken Kette getrieben, wodurch alle Verwicklungen und Zahnräder befeitigt werden. Mittelft des neuen Apparates zum Senken und Heben der Meffer regulirt der Kutfcher von feinem Sitze aus den Mäh- Apparat beim Schneiden von verwor renem und umgewehten Getreide. Die Guardfinger find aus foliden Stücken Eifen oder Stahl rein und glatt gefchmiedet; beim Härten wird die ganze äufsere Seite derfelben hart, während die Mitte weich und zähe bleibt. Warder's combinirte Getreide und Gras- Mähmafchine ,, Champion" ift ,, Champion" ift zum Unterfchiede der Wood'fchen eine zweirädrige Mafchine. Ueber die Vorzüge der einrädrigen und zweirädrigen Mafchine find die Anfichten bisher noch nicht ganz geklärt. Die einrädrige Mafchine accommodirt fich den Terrainverfchiedenheiten ohne Veränderung der Zugrichtung des Meffers und eignet fich fomit, wenn fie auch einen ziemlichen Seitenzug auszuhalten hat, befonders für ein unebenes Terrain. Da. gegen hat die zweirädrige Mafchine einen ficheren ftetigen Gang, die Widerstände vertheilen fich gleichmässig und die Mafchine hat nur wenig Beftreben, in das Getreide fich hineinzudrehen. Sie eignet fich namentlich für einen ebenen Boden Viele Landwirthe entfcheiden fich demnach zu Gunften der zweirädrigen Maſchinen, wie es auch fchon daraus erhellt, dafs im Jahre 1872 über 12.000 Championmafchinen verkauft worden find. Gleich vortrefflich ausgeführt ift der Champion- Grasmäher aus derfelben Firma. Mit einem Geftell aus Schmiedeeifen, feftftehender, fchmiedeeifener Achfe für die Triebräder und fchmiedeeiferner Schneideftange- Verbindung mit dem Hauptgeftelle verbindet derfelbe gröfstmöglichfte Dauerhaftigkeit mit dem wenig. ften Gewichte. Beim Schneiden können die Spitzen der Guardfinger fo geftellt werden, dafs fie das Gras ganz nahe am Boden fchneiden, oder fo hoch geftellt werden, dafs fie holprige und fteinige Stellen paffiren können. Beide Mafchinen find tadellos gearbeitet. Die landwirthfchaftlichen Geräthe und Mafchinen. 65 Die von Buckeye combinirte Mäh und Schneidemaschine nimmt ebenfalls eine hervorragende Stellung in der Landwirthschaft ein. Zuerft im Juli 1857 vorgeführt, im welchem Jahre 25 Buckeyes gebaut wurden, fabricirt gegenwärtig die Firma Aultman, Miller& Comp.( Akron, Ohio), ihre Erfinderin, jährlich 20.000 derfelben, und verkauft fie in den Vereinigten Staaten. Die Buckeye ift die erfte Mafchine mit zwei Haupt- Treibrädern, hat ein gufseifernes Geftell und fchmiedeiferne Stützen; der Schneide- Apparat kann während des Transportes vollftändig umgelegt werden, fo dafs er ficher und feft in einer horizontalen Lage auf dem Geftelle der Mafchine ruht; die Mefferftange ift ftellbar, die Zinken oder Finger find aus dem beften Schmiedeeifen gemacht, und die Scheide, welche mit Stahl ausgelegt ift, hat eine etwas vertiefte Oberfläche, wodurch die Reibung des Meffers, deffen Schneide ftark gehärtet ift, bedeutend vermindert und der Zug der Mafchine fehr erleichtert wird. Die ausgeftellte combinirte Mafchine zeigt befte Qualität des Materiales und ift fehr gut conftruirt. " Auch Adrience, Platt& Comp.( New York) ftellten tadellos gebaute Buckeyes aus, und bezeichnen diefe amerikaniſche Gras- und Getreide Mähmafchine als die befte und beliebtefte Mafchine der Welt". Der Selbftrechen Apparat der Buckey, durch Vereinfachung und Verbefferung des beliebten John. fon- Selbftrechens entftanden, ift einfach, dauerhaft und ausgezeichnet wirkend, ob das Getreide kurz oder lang, nafs oder trocken ift. Er befteht nur aus drei fehr, ftarken Gufsftücken; einige kleinere Theile find aus dem beften fchmiedbaren Guffe und alles Uebrige aus Schmiedeeifen verfertigt. Bei diefer und allen bisherigen Getreide- Mähmaschinen ift die Anordnung der Ablegevorrichtung derart, dafs die fich drehenden Haken ftets, nachdem fie die Plattform paffirt haben, fich beinahe fenkrecht aufrichten, und fo nicht über die Ebene des Fahrrades hinüberragen, hauptfächlich, um den auf dem Kutfcherfitze fitzenden Treiber nicht zu beläftigen. Cyrus H. Mac Cormick( Chigago, Illinois) ftellt feine Mäh- und Erntemaschinen aus, die in allen ihren Theilen vortrefflich ausgebildet find. Mac. Cormick mufs als der eigentliche Erfinder der Mähmafchine betrachtet werden; er war der Erfte, welcher eine in der Praxis brauchbare Mafchine ausführte. Er debutirte mit derfelben zuerft auf der Londoner Ausftellung 1851, nachdem er zwanzig Jahre dazu gebraucht hatte, um die Mafchine fo herzuftellen, dafs fie überhaupt ihre Arbeit erfolgreich verrichtete; fpäter wurde die urfprüngliche Mac. Cormick'fche Mafchine durch zahllofe Erfinder verbeffert und modificirt, ohne dafs es jedoch möglich gewefen wäre, diefelbe, von ihrem Erfinder fortwährend verbeffert, zu verdrängen; über 100.000 diefer Mafchinen find in den Vereinigten Staaten verkauft worden. Das Princip der Mac Cormick fchen Mafchine ift allgemein bekannt, fo dafs darauf nicht eingegangen zu werden braucht. Nur davon fei Erwähnung gethan, dafs in jüngfter Zeit das Gewicht der Mafchine durch ausgedehnte Anwen dung des Schmiedeeifens, namentlich zu dem Haspelgeftell, fowie durch einen geringeren Durchmeffer des Hauptrades, um nahezu drei Centner reducirt worden ift; diefelbe wiegt in ihrer neuen Ausführung wenig über zehn Centner. Die Bewegung der Haken ift eine ruhige. Die Schmiervorrichtungen beftehen aus Glasflafchen, mit gefchliffenen Eifenkappen überdeckt, welche auf den Schmierftellen aufgefetzt werden und das Oel mittelft eines Dochtes ftetig den reibenden Theilen zuführen. Diefelben find neuerdings durch eine Schraube gefchloffen, wodurch fie vollständig gegen das Eindringen von Schmutz gefchützt find. D. M. Osborne& Comp.( Auburn, New- York) führt zwei fchöne einräderige Mähmafchinen vor, eine für Getreide und eine combinirte für Getreide und Gras, dann eine zweiräderige Gras- Mähmafchine,„ Kirby", welche in Amerika als eine der vorzüglichften Gras- Mähmaschinen gilt. Das Geftell diefer letzteren ift vom beften amerikanifchen Material, leicht und doch fehr folid conftruirt. Die Finger haben aufgenietete Stahlplatten, fo dafs das Gras wie mit der Scheere gefchnitten, und nicht wie bei anderen Mafchinen abgequetfcht wird. Die Getreide5* 66 Ant. Adam Schmied. Mähmafchine hat fich unter dem Namen" Burdick" bei manchem Probemähen ausgezeichnet bewährt. Die combinirte Mähmafchine verfchmilzt endlich beide Syfteme in zwekentfprechendfter Harmonie. Die von J. F. Seiberling& Comp.( Akron, Ohio) exponirte Erntemaschine " Excelfior" unterfcheidet fich von den übrigen amerikaniſchen Mafchinen diefer Art durch die Ablegevorrichtung, den fogenannten„ Rückableger". Bei dem Excelfior mit Rückableger wird das Getreide durch einen vorliegenden Haspel den Meffern zugeführt und auf einer kurzen, fchräg ftehenden, aber beweglichen Skelet- Plattform aufgefammelt. Sobald nun der Führer die Plattform mittelft feines Fufses fenkt, fo fallen die Stoppeln zwifchen den Latten durch und ziehen die angefammelte Garbe ab, wobei zugleich ein Stock, fogenannter Garbentheiler, fich vor das in der Zwifchenzeit gefchnittene Getreide legt, und fo das Verzetteln der Aehren verhütet; bei fehr langem Getreide läfst man jedoch den Garbentheiler beffer weg. Es iſt fomit die einzige amerikanifche Mähmafchine, bei welcher die Ablegung des Getreides durch Treten mit dem Fufse bewerkstelligt wird. Da aber der Ablegarm die Garbe nur nach rückwärts fchiebt und diefelbe durch Handarbeit bei Seite gefchafft werden mufs, um die Bahn für die nächfte Fahrt der Mafchine frei zumachen, fo können hiedurch in manchen Fällen die Vorzüge der fonft vortrefflichen Mafchine bedeutend abgefchwächt werden. Bei dem Excelfior" ift noch hervorzuheben, dafs der Haspel verftellbar ift, und zwar derart, dafs der Führer mit Leichtigkeit denfelben hoch oder niedrig ftellen kann, je rach der Länge des Getreides. Diefs ift namentlich bei windigem Wetter und Lagergetreide von grofsem Vortheil, da hiedurch die Halme aufgerichtet werden und das Abfchneiden der Aehren verhütet wird. " Die von derfelben Firma ausgeftellte Gras- Mähmafchine hat, wie die vorige Getreide- Mähmafchine, zwei von einander unabhängige Fahrräder von grofsem Durchmeffer( 85 Centimeter), die den Rahmen tragen, lofe auf der Achfe fitzen, und erft durch je zwei Sperrkegel und ein auf der Achfe feft fitzendes Sperrrad die Achfe in Bewegung fetzen; dadurch wird es möglich, dafs man bei Wendungen nach beiden Seiten hin, und follten fie noch fo kurz fein, fchneiden kann, da ein Rad hinreichend ift, um die Mafchine zu treiben, eines der beiden Räder aber bei jeder Wendung laufen mufs. Sonft ift die Mafchine zweckmäfsig conftruirt und fehr gut gearbeitet, fo dafs fie fich bereits eine ziemliche Verbreitung erworben hat. Johnfton Harvefter& Comp( Brockport, New York) ftellt Johnfton's fchmiedeeiferne zweiräderige Gras- Mähmafchine aus, welche in ihrer neueften Conftruction eine folche Anordnung und Ausführung der Theile enthält, dafs fie unter den verfchiedenften Umftänden verwendbar ift, und durch die Leichtigkeit des Zuges und Beweglichkeit des gelenkartig mittelft Hinterftabes mit dem Rahmen verbundenen Schneideapparates, welche fie zum Mähen felbft auf unebenen Wiefen befähigen, muftergiltig geworden. Johnfton's Harvefter- Getreide- Mähmafchine ift erft feit vier Jahren in Europa eingeführt, hat fich aber bei mancher Concurrenz bereits vortrefflich ausgezeichnet. Sie iſt einrädrig, paralifirt den Seitenzug durch richtige Deichfeleinfügung und zeichnet fich namentlich durch die Möglichkeit aus, durch Einſatz der betreffenden Zahnrädchen und Gebrauch des Fufstrittes am Kutfcherfitze vier verfchieden grofse Garben je nach dem Stande der Frucht ablegen zu können. Die combinirte Getreide- und Gras- Mähmafchine endlich ist auf hohen Rädern mit breiten Radkränzen montirt, fo dafs fie fich durch einen leichten und ruhigen Gang auszeichnet. Endlich führt uns die Mähmaschinen- Fabrik in Wherling( WeftVirginien) ihren" Superior" vor, die neue amerikaniſche Gras Mähmafchine, welche fich durch eine einfache Conftruction, leichten Zug und bequeme Handhabung auszeichnet, indem fie weder Zwifchenwelle noch Zahnräder befitzt, fondern directe Uebertragung der Kraft von der Hauptwelle auf die Kurbelwelle mit kleinfter Reibung und geringer Gefahr des Zerbrechens hat. Auch ihre Leiftungs Die landwirthschaftlichen Geräthe und Mafchinen. 67 fähigkeit ift hoch, da fie bei den freilich mifslungenen Verfuchen in Leopoldsdorf in 1 Stunde 7 Minuten I Joch Mifchfutter ſchnitt. Die S pragne Moving Comp. ( in Providence, Rhode Island) zeigte zwei Gras- Mähmaschinen, welche fehr einfach und leicht conftruirt, tadellos gearbeitet und vollkommen balancirt find. Diefe Gras Mähmafchine gehört zum Typ der zweirädrigen, mit rechts vor der Fahrradachfe angebrachtem Schneide- Apparat verfehenen Mafchinen; das Geftell ift aus Gufseifen und find fämmtliche Theile des Triebwerkes gut abgefchloffen und vor Verunreinigungen bewahrt. Die Fingerfchlitze find mit Stahlplatten belegt, was von manchen Landwirthen als minder vortheilhaft bezeichnet wird. Nicht nur, dafs das richtige Einpaffen und die folide Befeftigung diefer Platten eine nicht geringe Arbeit verurfacht, es kann auch ein Lofewerden desfelben eintreten, was dann mancherlei Unannehmlichkeiten bedingt. Die Handhabung des Schneide- Apparates gefchieht mittelft eines von der rechten Hand des Treibers bewegten Hebels, wodurch fich der erftere leicht den vorkommenden Terrainverfchiedenheiten anfchliefsen kann. Uebergehend zu den englifchen Mähmafchinen, müffen wir an erfter Stelle der Firma Samuelfon& Comp.( Banbury) gedenken, deren ſchöne Mähmafchinen- Collection Jedermann in die Augen fiel. Samuelfon's" Roydl". Mafchine nimmt unftreitig den erften Rang unter den englifchen Mähmaschinen ein. Die Conftruction der Mafchine ift allgemein bekannt, die Mafchine ift hinläng lich erprobt, und hat fich nach den bisherigen Erfahrungen für die meiſten Verhältniffe als gut bewährt. Unabläffig hat Samuelfon feine automatifche GetreideMähmafchine verbeffert und diefelbe mit Rückficht auf die wirthfchaftlichen Ver hältniffe des Continents vervollkommnet; neuerdings hat er diefelbe im Gewichte reducirt, fo dafs fie leichter ift als alle ähnlichen englifchen Mafchinen, ohne jedoch etwas an ihrer Solidität, Dauerhaftigkeit und Leiftungsfähigkeit verloren zu haben. Samuelfon ift demnach auch faft der einzige englifche MähmaschinenFabrikant, welcher erfolgreich mit den amerikanifchen concurrirt. Seine einfpännige Getreide- Mähmafchine„ Eklipfe", eingeführt im Jahre 1863, ift der einfachfte und praktifchefte einfpännige Getreidemäher für kleine Wirthschaften, und ift, was Stärke, geringe Zugkraft, Einfachheit und Zuverläffigkeit anbelangt, noch von keiner derartigen Mafchine übertroffen worden, wefshalb auch der Begehr nach diefer Mafchine ftets ein grofser ift. Ebenfo ift die Samuelfon'fche Gras- Mähmafchine„ Gleichgewichtszug" ziemlich beliebt, da fie fich durch aufserordentlich niedrigen Schnitt, Einfachheit in der Conftruction und bequeme Führung auszeichnet. Die Schneideplättchen find an der oberen Fläche des Mefferbalkens und nicht an der unteren befeftigt, fodafs fie leicht auf einem Schleiffteine gefchärft werden können; das Meffer bewegt fich auf gehärteten Stahlplättchen, wodurch ein keilförmiger Raum zwifchen demfelben und dem Fingerbalken gelaffen wird, wodurch jede Verftopfung des Meffers verhindert und die Zugkraft aufserordentlich verringert wird. Die Stahlplättchen find abnehmbar und verhindern vollſtändig die Aus nutzung des Fingerbalkens durch das Meffer. R. Hornsby& Söhne führen ebenfalls eine reiche Collection Mähmafchinen vor, drei Getreide- und zwei Gras- Mähmaschinen, welche den verfchiedenen Bodenverhältniffen angepafst find. Vielfach bereits befchrieben und ziemlich verbreitet, find die Hornsby'fchen Mafchinen in ihrer Conftruction den meiften Landwirthen bekannt. Da an denfelben alle Theile zweckmässig conftruirt, gut ausgeführt und montirt find, zeichnen fich die Mafchinen namentlich durch Sicherheit der Arbeit aus. Neuerdings werden an denfelben die patentirten verbefferten Finger aus fchmiedbarem Gufseifen oder Gufsftahl von befter Qualität mit doppelten fchneidenden Stahlplatten, von derfelben Güte wie die Meffer, an der unteren und oberen Fläche eingefetzt, wodurch ein reiner und vollkommen gleichmäfsiger Schnitt bewirkt wird, was namentlich bei lagerndem und ſtark verunkrautetem Getreide von befonderer Wichtigkeit ift. Hornsby's" Governor" befitzt eine neue patentirte Anordnung, durch welche nach Belieben in fechs verfchiedenen Garben 68 Ant. Adam Schmied. gröfsen abgelgt werden kann; auch einen patentirten doppelten Hebe- Apparat, um Lagergetreide zu heben, und dadurch zu verhüten, dafs an der inneren Seite der Mafchine die Aehren abgefchnitten werden. Ganz befonders foll aber die neuefte Hornsby'fche einräderige Mafchine„ Advance", zuerft eingeführt für die Ernte von 1873, hervorgehoben werden. Sie ift fpeciell für die Ernten des Continentes berechnet und befitzt wenigftens theoretifch alle Vorzüge der beften Getreidemäher. Wenn fie auch in ihrer Gefammtdispofition mit der gewöhnlichen Anordnung der übrigen Mähmafchinen wohl übereinftimmt, fo zeichnet fie fich doch durch Originalität in der Conftruction aus, hauptfächlich durch die eigenthümliche und jedenfalls beachtenswerthe Ablegevorrichtung. Die Garbenablegung gefchieht( wie bei den Mafchinen„ Progrefs" und" Governor") mittelft drei Fufs langer hölzerner Raffarme, welche fich um eine geneigte Fläche drehen und derart conftruirt find, dafs die am Ende desfelben befindlichen Raffbreter durch ein vom Kutfcherfitze aus lenkbares Hebelgelenk umgelegt werden können; fie harken folglich das Getreide nicht von der Plattform herunter, fondern verrichten nur die Function der Raffarme. Es erinnert diefe Vorrichtung an den Selbftablege Apparat von Johnfton Harvefter; freilich erfcheint fie einfacher und zugänglicher. Durch einen Anfatz unter einander verbundener, in der Mafchine ausgefparter Mefferfegmente unterhalb der Schiene wird eine niedrigere Stoppelhöhe erzielt. Die„ Advance" geftattet eine veränderliche Neigung der Plattform vom Kutfcherfitze aus durch einen leicht zu handhabenden Stellungshebel; die Anordnung der Ueberfetzungsräder ift fehr gefchickt und vor dem Eindringen fremder Körper gefichert, die Zugkraft ift reducirt, der Seitenzug entfernt, die Mafchine aus beftem Material tadellos gearbeitet. Wenn fich die ,, theoretifche" Vorzüglichkeit der Advance auch in der ,, Praxis" vollſtändig erweifen wird, fo wird man derfelben ohne Bedenken den erften Rang unter den englifchen Getreide- Mähmafchinen einräumen müffen. Die Hornsby'fchen zweiräderigen Mähmaschinen ,, Paragon" und" Manchefter", welche auch als combinirte Mähmaschinen verwendet werden können, befitzen ein verbeffertes Geftell, find verhältnifsmäfsig leicht, aber trotzdem folid, feft und dauerhaft; fie haben fich immer als fehr wirkfame Gras- Mähmafchinen erwiefen. J.& F. Howard hat zwei Getreide Mähmaschinen exponirt: die internationale und europäiſche Beide find zweiräderig, einfach conftruirt und gut balancirt. Die„ International Getreide Mähmafchine" verbindet gröfsere Stärke, refpective kräftigen Bau mit gröfstmöglicher Einfachheit, indem fie für Gegenden bestimmt ift, die dichten Getreideftand und einen kräftigen Pferdefchlag haben. Das Geftell ift aus Schmiedeeifen und aus einem Stücke gearbeitet; der Treiberfitz befindet fich an der Mafchine auf der Deichfel; die Führung der Harken und Raffbreter wird durch je eine befondere Führungscurve bewirkt, wodurch die Bewegung der Harken unabhängig wird von den Raffarmen; Howard's Doppelhebel geftattet, dafs die Sammelarme gerade in das Korn heruntergehen und fich wieder heben, bevor fie an die Schneidemeffer kommen. Die European" Getreide- Mähmaschine ift in der Hauptfache nach dem Principe der internationalen Mafchine gebaut, jedoch von geringerem Gewichte und mehr dem Bedarfe des Continents angepasst, wo die Pferde gewöhnlich kleiner und das Getreide weniger dicht ift, als in England. Das ganze Geftell befteht aus Schmiedeeisen und Stahl, wodurch die Bruchficherheit der einzelnen Theile wefentlich erhöht wird; das vollständigfte Gleichgewicht und die vollkommenfte Bieg famkeit charakterifiren das auf zwei hohen Rädern montirte Geftell. Die Deichfel ift an der beften Stelle angebracht, und zwar nicht feft, fondern in einem ftarken Doppelgelenk gelagert, wodurch fich die Mafchine den Terrainverhältniffen möglichft accommodirt, da die Räder jede beliebige Stellung, entfprechend der Lage des Bodens, annehmen können. Defshalb ift der European" auf ftarken Hängen und bei unebenem Grund, für Wafferfurche und Rain anwendbar. Der Sitz für den Führer befindet fich auf der Seite der Mafchine Die landwirthschaftlichen Geräthe und Mafchinen. 69 anftatt über der Deichfel, und ift fo arrangirt, dafs das Gewicht des Führers einigermafsen durch dasjenige der Plattform balancirt wird. Noch haben A. C. Bamlett( Thirsk, Yorkſhire,) einige Getreide- Mähmafchinen, Williams& Comp.( London) archimedifche Gras- Mähmafchine, um das Gras dicht an den Bäumen, auf fteilen Hügeln u. f. w. zu fchneiden, Birgham & Comp.( Berwickupo Tweed) Mäh- und Erntemaschinen, Burgefs& Key ( London) eine Erntemaschine, gleichzeitig das Korn in Garben theilend, ausgeftellt; doch zeigen diefe Maſchinen nichts Neues, wefshalb wir diefelben unbeachtet laffen. Nur bei der letzten Mafchine fei angeführt, dafs diefelbe im Wefentlichen nach dem Mac. Cormick'fchen Syftem angeordnet ift. In den letzten Jahren hat fie Burgefs mannigfach verbeffert und leichter gemacht, fo dafs fie im Ganzen zufrieden ftellende Arbeit liefert. Wenn wir zum Schluffe eine Betrachtung über die amerikanifchen und englifchen Mähmaschinen anftellen, fo müffen wir geftehen, das England in diefer Branche des landwirthfchaftlichen Mafchinenwefens bedeutend hinter Amerika fteht. Die Ausstellung der amerikaniſchen Mähmaschinen war fehr zahlreich und wahrhaft glänzend ausgeftattet; wenn darüber manche Befucher den Kopf fchütteln und die fchmucke Ausftattung der Ausftellungsobjecte als übertrieben rügen, fo mögen fie vielleicht Recht haben; doch gibt es wieder Andere, denen diefs lieber ift, als das Gegentheil, welches an einigen anderen, namentlich deutfchen Mafchinen wahrgenommen werden kann. Die amerikanifchen Mafchinen find leicht, haben hohe Räder, befitzen zumeift eine günftige Anordnung der Deichfel zu den Fahrrädern und zeichnen fich durch eine mäfsige Zugkraft aus; dagegen find die englifchen Erntemaschinen fämmtlich maffiv, faft fchwerfällig gebaut und beobachten auch nicht genug„ jene bewunderungswürdige Vertheilung des Gleichgewichtes, in welcher die Amerikaner, namentlich mittelft der Anbringung des Kutfcherfitzes, Meifter find". Treffend äufsert fich Hamm: Die Engländer bauen für die Ewigkeit, Amerikaner für die Zeit. Dafs der letztere Standpunkt der praktiſchere und für die Lanwirthfchaft förderlicher ift, ift klar. Die Amerikaner find beftrebt, dafs eine Mafchine fich durch ihre Leiftung bald bezahle; dann legen fie diefelbe bei Seite, um eine neue, verbefferte Conftruction einzuführen. Damit ist aber dem Fortfchritte weit mehr gedient, als mit dem zähen Feftkleben an einer veralteten Mafchinen, aus keinem anderen Grunde, als weil diefelbe in Folge ihrer maffiven Conftruction noch brauchbar ift, und man neue Auslagen fcheut. Während diefe beiden Länder die Mähmafchine zu ihrer jetzigen Vollkommenheit gebracht haben und allein Originelles leiften und wahrhaft Sehenswerthes ausftellen, bleiben die übrigen Länder in diefer Branche weit hinter ihnen zurück. Die franzöfifchen, deutfchen und öfterreichifchen Mähmaschinen find faft nur blofse Nachahmungen amerikaniſcher und englifcher Syfteme und, was zu rügen ift, werden mitunter ältere, dem Bedürfniffe minder entſprechende Conftructionen copirt, während der Erfinder feine Mafchine durch ftetig fortfchreitende Verbefferungen bereits erheblich vervollkommnet hat. So haben wir hie und da einige Nachbildungen älterer Samuelfon'fchen Mähmafchinen gefehen, während die Originalmafchine felbft bedeutend vereinfacht und wefentlich verbeffert erfcheint. Einzelne Details find zwar auch hier, und zwar meiftens den localen Bedürfniffen entſprechend, modificirt und weiter ausgebildet worden; aber eine neue, bahnbrechende Idee ift nirgends zu finden".( Perels.) Doch müffen wir mit Freuden zugeftehen, dafs alle Fabrikanten, welche Mähmafchinen ausftellten, eine mufterhafte Ausführung der Erzeugniffe bekundet haben; namentlich haben auch die Leiftungen der öfterreichifchen Ausfteller auf diefem Gebiete vielen Beifall gefunden. Es genügt demnach, wenn über die übrigen ausgeftellten Mähmaschinen nur flüchtig berichtet wird. In der franzöfifchen Abtheilung ftellten Albaret& Comp.( Liancourt) eine fehr fchön gebaute Getreide Mähmaſchine mit felbftthätiger Ablegungsvor 70 Ant. Adam Schmied. richtung nach engliſchem Princip dar; der Apparat zur Ablegung ist das fich drehende Harkenkreuz. In der deutfchen Agriculturhalle ift zuerft die von Gebrüder Hanko ( Neukofchütz bei Dresden) ausgeftellte Mähmafchine zu nennen. Sie iſt eine der praktifcheften Gras- Mähmafchinen. Ihr Schneide- Apparat, nach der Einrichtung des Scheerenprincipes mit rechts zur Seite herausliegendem Meffer, liegt zwar auch feitwärts vom Fahrgeftell, jedoch nicht vor, fondern hinter demfelben, was die Mafchine zur Verwendung auf unebenen Terrain geeigneter macht. Das Triebwerk befindet fich unter dem Sitze des Führers, entgegengefetzt den Word'fchen. Mafchinen. Als fogenannte combinirte Mafchine ift fie durch Anbringen des Ablegetifches und Harkenfyftems zur Getreide- Mähmafchine einzurichten. Die von W. Siedersleben& Comp. vorgeführte Mähmafchine, nach Samuelfon'fchem Syfteme tadellos conftruirt, hat das Geftell aus fchmiedbarem Gufs-, die Räder und übrigen Beftandtheile aus englifchem Gufsftahl, wiegt zehn Centner und zeichnet fich durch Einfachheit der ganzen Conftruction, gröfste Solidität und gröfstmögliche Leichtzügigkeit aus. Auf Wunfch wird die Mähmafchine mit einer Selbftfchmiervorrichtung, fowie mit einer Schutzkapfel verfehen, wodurch alle Getriebe verdeckt und vor dem Eindringen fremder Körper gefchützt werden. Die Fabrik baut ihre Maſchinen in zwei Sorten, eine mit Führerfitz und eine ohne denfelben, bei welcher alfo der Führer reitet. Endlich ftellten Gebrüder Klemm( Eckernförde, Schleswig- Holftein) eine amerikaniſche Mähmafchine, die„ Little Champion", Selbftrechen-, Kornund Gras- Mähmaschine, aus, welche ihre Fabrik fehr zweckmässig und gut verfertigt, und die Mafchinenagentur von Chr. Schubart& Heffe( Dresden) eine amerikaniſche Originalmafchine, welch' letzteres Verfahren jedoch von vielen Seiten mit Recht getadelt wurde. In der öfterreichifchen Abtheilung erfreute den Befucher die von M. Hofherr exponirte Collection von vortrefflich gebauten Gras- und GetreideMähmafchinen. Letztere, nach Samuelfon's älterem Syfteme conftruirt, bieten. zwar nichts Neues dar, find aber bis ins Kleine tadellos ausgeführt und zeichnen fich durch eine grofse Betriebsficherheit aus, welche fie den Landwirthen befonders empfiehlt. Und in der ungarifchen Abtheilung fand man in der fchönen und reichhaltigen Collection von Strobl und Baris eine trefflich verfertigte Mähmafchine mit Ablegevorrichtung, unter der Zugrundelegung der bewährteften Syfteme conftruirt. Auf Grund der bei der Befichtigung der ausgeftellten Mähmaschinen gemachten Wahrnehmungen mufs conftatirt werden, dafs ein Stillftand in der Ausbildung der Mähemafchinen bisher nicht eingetreten ift, dafs vielmehr die einzelnen Fabrikanten raftlos bemüht find, nach dem gründlichften Studium aller ein fchlagenden Fragen die bisherigen Mängel der Mähmaschinen zu befeitigen und eine allgemein fich bewährende Conftruction herzuftellen. Von Jahr zu Jahr werden die Anfichten über die vortheilhaftefte Conftruction und zweckmäfsigfte Anordnung und über die geeignetfte Anwendung der Mähmafchinen klarer, und man kommt immer mehr zur Ueberzeugung, dafs das Erntewerkzeug der Zukunft allgemein die entſprechend verfertigte Mähmafchine fein wird. Ueber die anderen Arten der ausgeftellten Erntemaschinen läfst fich nicht viel fagen. Howard führte feinen allbekannten Kartoffel- Aushebepflug vor. welcher durch Anbringung von geeigneten Streichbretern jeden Augenblick in einen Häufelpflug umgewandelt werden kann; Coleman& Morton( Chelmsford, Effex) ihren zweckmäfsig und folid conftruirten patentirten Kartoffelausheber, Hornsby einen Kartoffelheber, welcher an jedem Hornsby'fchen Pfluge anzufezten ift. Die Actiengefellfchaft Forsvik( Carlsborg, Schweden) ftellte einen Kartoffelausgraber mit einen langen, fechs Zoll breiten Schar aus, von welchem fechs fehr fchön gearbeitete und zweckmäfsig vertheilte Scharleiften Die landwirthschaftlichen Geräthe und Mafchinen. 71 hinaufgehen. Während die Kartoffelpflüge lediglich den Zweck haben, die Kartoffel aus der Erde zu heben und an die Oberfläche hinzulegen, foll Chr. Schubart's & Heffe's( Dresden) Kartoffel- Ausgrabemafchine die Ernte- Arbeit ganz ausführen; diefe durchaus einfache und dabei höchft folid, ganz in Eifen ausgeführte Mafchine fördert täglich vier öfterreichifche Joch. Ant. Burg& Sohn( Wien) ftellte einen Univerfal Kartoffelcultivator mit Anhäufel, Jäte- und Aushebevorrichtung, fchön und zweckentfprechend verfertigt, aus. Nach den Erfahrungen, die bisher mit den bekannten Kartoffel- Erdepflügen im praktifchen Leben gemacht worden find, fcheint das Urtheil wohl gerechtfertigt zu fein, dafs die Aufgabe, einen brauchbaren Kartoffelpflug zu conftruiren, bisher noch ungelöft ift. Und ähnlich verhielt es fich mit den Rüben- Erntepflügen. Votriek ( Grofs- Beffan, Ungarn) ftellte einen Rübenheber aus, welcher im Grofsen und Ganzen die Form eines Untergrundpfluges hat. Der eigentliche wirkende Theil befteht aus einem Scharftiel, einer Stütze und der Sohle, welche aus einem Stücke gegoffen find; an dem Scharftiel ift die flache, länglich herzförmige Halbfchar mittelft einer Schraube befeftigt, und zwar in der Verlängerung der Sohle. Die vordere Spitze der Schar ift ein wenig nach abwärts gebogen, die äufseren Kanten derfelben find nach ein- und abwärts abgerundet, der Stiel hat eine nach vorn ftumpfe Schneide, fo dafs er ähnlich einem Sech wirkt, und ift ein wenig fchief geftellt; die Mitte der Schar liegt gerade unter ihrem Befeftigungspunkte im Grindel. Das Geräth kann bei einer Befpannung mit zwei ftarken Ochfen, täglich 12 Joch Rüben ausheben. L. Zeithammer's( Krumau, Böhmen) patentirter Rüben- Aushebepflug befteht aus einem einfachen, mit Flacheifen verftärkten Holzgeftelle, ähnlich jenem des Pabft'fchen Exftirpators, nur mit dem Unterfchiede, dafs der arbeitende Theil zwei nach vorn und eine gebogene fechartige, an ihrem unteren Ende mit je einem pflugfcharartigen Flügel verfehene Aushebefchar trägt. Das Geräth ift einfach in feiner Conftruction und leiftet dennoch vorzügliche Dienfte: in zehn Arbeitsftunden kann mit demfelben in leichtem Rübenboden eine Fläche von 2 bis 21 Joch, in fchwerem Boden von I bis 12 Joch gehoben werden; dabei wird der Acker noch in einer Tiefe von 8 bis 12 Zoll vollkommen gelockert. Die Heurechen und Heu- Wendemafchinen, welche hier auch betrachtet werden, da fie nicht nur auf Wiefen, fondern auch auf den Feldern bei der Heubereitung verwendet werden, blieben in der letzten Zeit faft unverändert. Die Verbefferungen befchränken fich vorzüglich darauf, dafs die Zinken von Federftahl und die Geftelltheile aus Schmiedeifen angefertigt werden, wie an dem verbefferten Heurechen von Clayton& Shuttleworth, welcher auch zum rafchen Zufammenrechen der zerftreuten Halme nach der Ernte unübertrefflich fich eignet. Der Rahmen und die Seitentheile find aus Eifen, die Harken vom beften Federftahl, das Hebelwerk zum Heben fämmtlicher Harken vollkommen ausgeglichen; die Spurweite diefes Heurechens beträgt 7 Fufs 6 Zoll; derfelbe wiegt 460 Pfund und hat 28 Zinken, während der„, Star", Pferdrechen, Ranfome's 6 Fufs 9 Zoll breit ift und 24 Harken hat. Die ftählernen Zähne find bei diefem zweckmäfsig ausgeführten Heuwender an einem beweglichen Rahmen angebracht, welcher während der Arbeit vermittelft einer einfachen Einrichtung feftgefetzt wird, fo dafs fich das Geräth durch die leicht handbare Ablage auszeichnet. Howard's neuefter Pferdere chen zeigt bedeutende Verbefferungen im Heben der Zinken und in der Ablage der Schwaden; bei E Pagé's& Comp. Pferdere chen ift der Kutfcherfitz vortheilhaft hinter dem Rechen angebracht, von wo aus die Ladung fehr einfach und leicht zu entfernen ift; John Weetman( Ipswich) macht jeden Zinken beweglich; Phil. W. Nicholfon verfertigt fehr einfache Pferdere chen, bei welchen die Zähne aus Stahl, die Räder aus Schmiedeeifen find. Alle diefe Heurechen find aber nach einem Principe conftruirt, fowie auch derjenige, welcher in der fchwedifchen Abtheilung von dem Eifenwerke Oeferum ausgeftellt war. 72 Ant. Adam Schmied. In der deutfchen Abtheilung ftellen W. Siederleben& Comp., in der öfterreichifchen Abtheilung Ant. Burg& Sohn, fowie Bernh. Eichmann, in der ungarifchen Abtheilung Györi és Unger, Péter Polgár und Strobl& Baris fchön gearbeitete, jedoch nach dem englifchen Syfteme conftruirte Pferderechen aus. Unter den Heuwendern ift die von R. Boby( Bury St. Edmunds) nach feinem alten Syfteme conftruirte, patentirte doppeltwirkende Heu- Wendemafchine, wo auf jedem der beiden Theile fünf Arme mit je fechs Zinken vorhanden find, zunächft zu nennen. Sie iſt die ursprüngliche Conftruction aller neueren Mafchinen diefer Art, Howard's patentirte Heu- Wendemafchine hat eine praktiſche Einrichtung der Zinkenrollen, welche jegliche Stopfung verhindert, da die Zinken, zu je dreien im Zickzack geftellt, einander bei der Arbeit das Gleichgewicht halten und die Heumaffen regelmäfsig auseinander werfen. Nicholfon's Heuwender zeichnet fich durch eine tadellofe Arbeit aus. Die in den anderen Abtheilungen exponirten Heuwender find blofse Nachahmungen der englifchen Conftruction. Heinrich Lanz( Mannheim, Baden), Bernh. Eichmann( Prag), Friedrich Dehne( Halberstadt) und Andere ftellten derartige Geräthe aus, die fich durch gefällige Conftruction, gutes Material und bedeutende Leiftung auszeichnen. Drefchmafchinen. Die Drefchmafchinen find als die am meiften verbreiteten und am längften im Gebrauche ftehenden landwirthfchaftlichen Mafchinen auch in den verbefferten Conftructionen wohl bekannt; fie find in ihrer gegenwärtigen Ausbildung mit geringen Ausnahmen in der Einrichtung fehr zweckmäfsig und in der Leiftungsfähigkeit zufriedenftellend, fo dafs ihre Conftruction, ähnlich wie bei den Säemafchinen, als ziemlich conftant fich darftellt. In dem getreidebauenden Süden erfunden, wurden fie in England, feit die gewaltige Finiſhing- Drefchmafchine auf der erften Weltausftellung erfchien, auf die höchfte Stufe der Vollkommenheit gebracht. Die füdlichen Länder Oefterreichs dürfen die Priorität der Drefchmafchine beanfpruchen: die durch Wafferkraft getriebenen Drefchftampfen find dafelbft feit undenklicher Zeit in Anwendung. Doch wurden die älteften Verfuche zur Conftruction einer wirklichen Drefchmafchine in England gemacht und mit mehr oder weniger Erfolg gekrönt; aber erft die im Jahre 1786 von dem Schotten Andrew Meikle bei feiner Mafchine angewendeten Schlagtrommeln konnten ihr den Eingang und die allgemeine Verbreitung verfchaffen. Alle die gegenwärtig angewendeten Mafchinen find nach Meikle's Trommelfyftem gebaut; das Flegel- und das Walzenfyftem gehören der Vergangenheit an, indem fie fich nicht bewährt haben. Anfänglich fehr angefeindet und noch im Jahre 1829 durch die Secte der Ludditen verfehmt und in vielen Graffchaften zerftört haben fich die Drefchmafchinen gegenwärtig in allen vorgefchrittenen Gegenden allgemein eingebürgert und eine folche Einfachheit und Höhe der Entwicklung erreicht, dafs felbft die Conftruction der englifchen combinirten Dampf- Drefchmafchinen in letzterer Zeit keine wefentliche Veränderung erfahren haben; höchftens ift an denfelben das anerkennenswerthe Streben nach Vereinfachung und zweckmäfsiger Anordnung der Wege, welche das Getreide während der Reinigung und Sortirung zurückzulegen hat, bemerkbar. - - Eine der gefuchteften Dampf Drefchmaschinen ift jetzt wohl die R. Garrett& Son'fche transportable Drefchmafchine. Die richtig durchdachte Conftruction, das harmonifche Zufammenwirken der einzelnen Beftandtheile, fowie deren richtige Gröfsenverhältniffe haben ihr viele Freunde erworben. Seit dem Jahre 1867 wurde fie derart verbeffert, dafs Garrett für diefelbe den Eifenrahmen acquirirte und fo den Vortheil der Unverwüftlichkeit benutzte; an den Drefchmafchinen mit Holzrahmen wird das Geftell neuerer Zeit nach dem Principe des Die landwirthschaftlichen Geräthe und Mafchinen. 73 Sprengwerkes analog den Eifenrahmen gebaut. Die Breite der Trommelfchienen ift abfichtlich vergröfsert, um der Abnützung möglichft lange widerftehen zu können, und die Trommel kann umgedreht werden, fo dafs fie, einfeitig abgenützt, durch Umdrehen wieder benutzbar wird, ohne die Schienen wieder loszufchrauben. Der Korb ift zweitheilig, und find beide Theile gleich und derart identifch, dafs der Korb ohne jedwede Abänderung, wenn er einfeitig abgenützt ift, umge kehrt werden kann, um dann wieder diefelben Dienfte zu leiften. Der Strohfchüttler ift dadurch verbeffert worden, dafs deffen Wellen nunmehr unter 90 Grad gekripft werden und dadurch die todten Punkte des Ganges ohne jeden weiteren Mechanismus fich ausgleichen Der Ventilator hat bezüglich feiner Flügel eine richtigere Form nach Rittinger erhalten, wodurch feine Leiftungsfähigkeit bedeutend erhöht wurde. Die Riemen anordnung ift vereinfacht, fo dafs die Mafchine ohne Sortircylinder blos zwei, jene mit Cylinder drei Riemen benöthigen. Neben anderen kleinen Details ift noch eine Verbefferung in der Anordnung des Lagers beim Ventilator, der Paternofter- Aufzug hat Becher neuerer Form erhalten, die Lagerungen find ausgezeichnet lang, die wichtigeren Schraubenmutter werden durch aufgebogene Unterlags- Blechftreifen feftgehalten, und dergleichen mehr. Im Ganzen zeichnet fich die Mafchine durch ihre einfache, folide und leicht zugängliche Conftruction aus; fie liefert das Getreide vollkommen marktfähig, indem fie es durch Siebtrommel und Ventilator in drei verfchiedene Arten fortirt, das Unkraut ausfcheidet, endlich Ueberkehr, Spreu und Stroh an drei verfchiedenen Stellen ausgibt, und zwar das Stroh als vollkommen glattes Schüttelftroh. Die Firma Clayton& Shuttleworth, durch ihre Drefch- und Dampf. mafchinen weltberühmt, indem bereits über 12.800 Locomobilen und II.300 Dampf Drefchmafchinen aus ihren Lincolner Werkstätten hervorgegangen find, ftellt vier Drefchmafchinen aus, welche fich durch Einfachheit der Conftruction und forgfältigfte Ausführung bis in das kleinfte Detail, durch vorzügliche Qualität des verwendeten Materials und die hiedurch bedingte gröfstmögliche Solidität und Dauerhaftigkeit auszeichnen. Sie find mit dem neuen patentirten SprengwerkRahmen gebaut, die Trommeln mit gerippten Schlagleiften aus gewalztem Stahl verfehen, Stroh und Spreu werden nach einer Seite abgeliefert, der fünfkaftelige Strohfchüttler hat eine ftärkere Achfe, welche in Lignum- sanctum- Lager läuft. Die intereffantefte Neuerung an der Drefchmafchine ift jedoch der Selbftfütterer, welcher fo conftruirt ift, dafs er nachträglich faft bei einer jeden anderen Mafchine angebracht werden kann. In feiner Conftruction ähnelt der Apparat einem Strohfchüttler. Das Getreide wird auf den Apparat aufgelegt, welcher es felbft mit Hinzufügung einer dem Strohfchüttler der Drefchmafchine von Ranfomes eigenen Zertheilungsvorrichtung der Drefchtrommel zuführt. Das einzuführende Getreide wird möglichft gut und gleichmässig vertheilt und kommt in den Drefchkorb vollkommen verdeckt und gefchützt. Neben der Regelmäfsigkeit der Fütterung und darum erhöhten Leiftung der Mafchine ergibt fich hieraus der hochwichtige Vortheil einer thunlichften Vermeidung von Unglücksfällen beim Füttern, und fomit die Möglichkeit, das Speifen der Mafchine auch von minder geübten Perfonen beforgen zu laffen. Ranfomes, Sims& Head'fche Dampfmafchinen zeichnen fich überhaupt durch vorzügliche Arbeit, Stärke der Conftruction, Einfachheit der Zusammenfetzung, leichte Ueberfichtlichkeit der einzelnen Apparate und bequeme Zugänglichkeit derfelben, mithin auch grofse Leichtigkeit der Reparaturen aus. Die vorzügliche Stellvorrichtung für den Drefchtrommel Mantel und die zweckmäfsige Ausführung der Lager' find befonders beachtenswerth. Da die Manier, das Ge treide aus dem Stroh zu bringen, in den einzelnen Ländern eine höchft verfchie dene ift, bauen Ranfomes, Sims& Head ihre Mafchinen in fünf Claffen, je nachdem fie das Getreide nur halb reinigen oder aber alle Vorkehrungen befitzen, um das vollkommenfte und das gleichförmigfte Getreide für den Markt zu liefern. Die für die heifsen Länder, wo man das Getreide bisher durch Hausthiere austreten 74 Ant. Adam Schmied. liefs, beftimmte Dampf- Drefchmafchine ift mit einem Apparate verfehen, um das Stroh zum Viehfutter zu zerfchneiden und zu zerquetfchen. Die Strohfchneide. Quetfche zeigt, im Verhältniffe zu der vor zwei Jahren conftruirten, einige Verbefferungen in den Details, namentlich des Gerüftes und der Lager; auch ift eine wichtige Aenderung im Antriebe des Quetfch- und Schneideapparats, welcher nun mittelft zweier, und nicht wie früher mit einem Riemen erfolgt, da fich bei der letzteren Art des Antriebes vielfach unangenehme Störungen zeigten. Von R. Hornsby& Sons find zwei Dampf- Drefchmafchinen ausgeftellt, ausgezeichnet durch die grofse Leiftung, Vollkommenheit der verfchiedenen Operationen, Einfachheit der Details und Dauerhaftigkeit ihrer Theile. Die Drefchtrommel ift umdrehbar und nach dem Goucher'fchen Syfteme gefertigt; das Sieb ift verftellbar, die Krummzapfen der Strohfchüttler und Schüttelbreter find aus einzelnen Theilen gefertigt und gehärtet, die Mafchine mit verbefferten Patent- Differential- Strohfchüttlern verfehen. Uebrigens läfst fich die Drefchmafchine als einfache, doppelte oder Fertigmachmafchine benutzen. - Die Drefchmafchinen der Firma Marfhall, Sons& Comp.( Gainsborough, Lincolnſhire) erfreuen fich wegen ihrer ausgezeichneten Arbeits leiftungen, wegen ihrer gedrängten Anordnung und aufserordentlich foliden Conftruction welche fie für den Export befonders geeignet machen- eines grofsen Renommées, fo dafs fie felbft den Ruf alter angeftammter" Firmen erzittern machen. Die verbefferten fchmiedeeifernen Laufräder find hauptfächlich für heifse Striche empfehlenswerth, da fie von der Hitze nicht leiden. Sie haben einen Apparat zum Reinigen und Heben des Kafts; Nalder's patentirte Sortirsiebe, mit extra grofser Siebfläche, werden jedoch auch mit Rainforth's oder Penney's verftellbaren Sortirfieben geliefert. Der ausgeftellte Strohelevator, 22 Fufs lang, ift bemerkenswerth durch die verbefferte Methode, während der Arbeit der Mafchine die Höhe der Aufftapelung zu reguliren. Rufton, Proctor& Comp.( Lincoln) führten Drefchmafchinen vor, die aufserordentlich folid gebaut find. Die Dampfdrefch- und Reinigungsmafchine, mit Rufton's patentirtem Kornreiniger verfehen, verrichtet acht vollständige Abfonderungen, macht das Korn in einer Operation marktfertig, und es findet die finnreiche Art und Weife, wie diefs gefchieht, allgemeine Anerkennung. Die Rahmen beftehen aus beftem, gut getrocknetem englifchen Eichenholze und find zur Erhöhung ihrer Dauerhaftigkeit mit Eifenftäben verftärkt; dadurch werden die Vortheile der Holz- und Eifen conftruction vereinigt, ohne deren Nachtheile zu zeigen. Durch diefe Conftruction des Geftelles wird der unverrückte Abftand der hauptfächlichften Bewegungstheile gewahrt und die nothwendige Feftigkeit erreicht, ohne das für die Aufnahme von Stöffen vortheilhaftere Holz ans dem Gerüfte der Mafchine gänzlich zu entfernen. Die Trommelachfen find von Stahl, die Lager von beftem harten Kanonenmetall, Sieb und Trommelmantel durchaus von Schmiedeeifen. Der verftellbare Sortircylinder, nach Nalder's Patent verfertigt, ift in feinen Leiftungen vorzüglich. Obzwar alle arbeitenden Theile innerhalb des Rahmens angebracht find, wird doch durch mehrere Ausfparrungen in den Wandungen des Geftelles eine fchnelle Ueberfichtlichkeit der Mafchine erreicht; alle arbeitenden Theile find leicht zugänglich und fichtbar, was auf die Wartung der Mafchine gewifs nur von vortheilhaftem Einfluffe fein kann. Robey& Comp.( Limited, Lincoln) ftellte feine Patent- Drefchmafchine mit eifernen Rahmen, ausgezeichnet gearbeitet, aus. Da das Holz durch Wind und Wetter fehr ftark verändert wird, kann der neue Eifenrahmen als eine Verbefferung der Mafchine angefehen werden. Aus Winkeleifen conftruirt, ift der neue Rahmen viel folider und nicht fchwerer als der befte hölzerne, und da er weniger zittert, fich gar nicht verzieht und die Lager ftets in ihrer gleichen Stellung erhält, fo kann angenommen werden, dafs die Mafchine unter allen Umftänden leicht zu treiben und für lange Zeit in gutem Zuftande zu erhalten fein wird. Nebftdem befitzt die Mafchine einen befonderen Apparat zum fchnellen Die landwirthfchaftlichen Geräthe und Mafchinen. 75 und erfolgreichen Kleedrufch. Da die Mafchine überhaupt in ihrer ganzen Anordnung eine anerkennenswerthe Einfachheit und leichte Ueberfichtlichkeit befitzt, fo gewährt fie auch eine fchnelle Orientirung und leichte Revifion beim Betriebe und die wünſchenswerthe Zugänglichkeit behufs Reinigung einzelner Beftandtheile. Die Drefchmafchinen aus den Reading Iron Works( früher Barrett, Exall Andrewes) zeigen alle modernen Verbefferungen. Die 51zöllige mit doppeltem Gebläfe ift entweder mit der Dampf Drefchmafchine gerippten oder der patentirten durchlöcherten Trommel verfehen, mit ftählerner Spindel und kanonenmetallenen Lagern, ftarkem fchmiedeifernen Rahmen, verbeffertem Strohfchüttler mit doppelter Kurbel, die in hölzernen Lagern läuft, Reuter von erprobter Conftruction mit Mahagrinfieben, patentirten Federhaken und Kreuzfedern verfehen, fowie mit patentirtem Gebläfe- Kornelevator. Diefe vortrefflich conftruirte Mafchine macht das Getreide faft marktfertig. Die transportable Drefchmafchine mit patentirtem Sicherheitsgöpel für drei Pferde ift ganz aus Eifen gebaut. Die Trommel ift von Schmiedeeifen, auf einer ftählernen Spindel mit patentirten fchmiedeeifernen, gerippten Schlägen verfehen. Das Bruftwerk befteht in einem foliden fchmiedeeifernen Geftell mit Drahtgitter und genügender Drefchfläche. Wegen ihrer äufserft einfachen Einrichtung und grofser Leiftungsfähigkeit ift diefe Mafchine fehr gefucht.- Die leichte Pony- Drefchmafchine mit offenem Göpel, eignet fich befonders für kleine Farmen und leichte Arbeit; das Triebwerk eignet fich auch zum Betriebe von Buttermaſchinen, Häckfelmafchinen u. dgl. m. Wallis& Steevens( Bafingftoke) exponirte Drehmafchinen, welche zweckmäfsig conftruirt und durchaus ftark gebaut find. Das Geftell ift aus gefundem, gut getrocknetem Zimmerholz gemacht, die Trommeln und Concaven aus Schmiedeeifen, die Trommelfpindeln aus Stahl mit fehr langen Zapfenlagern, die Abfallreuter aus Mahagoni und die ganze Arbeit ift von tadellofer Art. Die Mafchine ift fämmtlich mit Wallis& Steeven's patentirten fphärifchen, felbftjuftirenden Zapfenlagern verfehen, welche weniger Oel, als irgend welche andere confumiren und dabei beim Arbeiten nicht heifs werden. Ein Modell verfinnlicht den patentirten automatifchen, zufammenlegbaren Elevator, welchen Wallis& Steevens zuerft für die Heuernte von 1869 eingeführt haben. Da diefer Apparat nach dem Principe der langfamen Bewegung conftruirt ift, fo kann er fich nie bei der Arbeit verftopfen und verletzt auch die Garben oder das Stroh nicht. Indem wir noch der combinirten Drefchmafchinen von Willfher& Comp. ( Braintree) gedenken, von welchen feit den letzten 14 Jahren alle Einzelheiten der übrigen Mafchinen, welche fich bewährt haben, angebracht, dagegen alle complicirten Vorrichtungen und Theile, welche bei anderen Mafchinen fich nachtheilig und koftfpielig erwiefen, entfernt worden find, fo dafs die Mafchinen gegenwärtig zu den einfachften und wirkfamften gehören; dann S. Lewin's ( Poole) verbefferter Finir Drefchmafchine, welche in ihrer Conftruction fehr einfach und zweckmäfsig eingerichtet und ftark gebaut ift; G. W. Muray's& Comp. einfacher Tiny Drefchmafchine, welche zweckmäfsig conftruirt, niedlich, folid und compact gebaut und äufserft leiftungsfähig ift; endlich E. R. und F. Turner's ( Ipswich) zweckmäfsig conftruirter combinirter Drefchmafchine weiter Trommel, um das lange Stroh gerade und ungebrochen zu liefern; John Weetman's tadellos verfertigter Drefchmafchine, W. Fofter& Comp. ( Lincoln) fchöner Drefchmafchine, Clark Brother's& Odling's( Nottingham) zweckmäfsiger, quercylindrifcher Schläger für Drefchmafchinen und Barford& Perkin's Modell eines Strohelevators, haben wir die impofante englifche Expofition der Drefchmaschinen vollſtändig betrachtet. mit extra In der franzöfifchen Agriculturhalle waren zwei Dampf Drefchmaſchinen ausgeftellt, welche durch ihre fchöne Conftruction und tadellofes, gefchmackvolles Aeufsere allfogleich die fchmucke franzöfifche Arbeit verriethen: Albaret's 76 Ant. Adam Schmied. grofse transportable Drefchmafchine mit Locomobil, nach den neueften bewährten Erfahrungen vortrefflich conftruirt, und Ferdinand Del's( Vierzon- Forges, Cher) Dampf- Drefchmafchine, auf vier Wagenrädern montirt, erregten durch ihre zweckmäfsige Conftruction und ihren gefälligen, aber fehr foliden Bau allgemeine Aufmerkfamkeit. Bei der letzteren Mafchine ift die Windfege fo eingerichtet, dafs die Spreu nach rückwärts vor die Mafchine und nicht unter diefelbe fällt, fomit der untere Theil derfelben nie verlegt werden kann; man erfpart auf diefe Weife die Koften für einen Arbeiter, der diefelbe fonft wegzufchaffen hätte. Während wir bisher faft nur lauter Dampf- Drefchmafchinen wahrgenommen haben, trafen wir in der deutfchen Abtheilung meiftens Göpel- und HandDrefchmafchinen an, mit Ausnahme der aus England ftammenden Firmen: Clayton& Shuttleworth und J. D. Garrett( Bukau bei Magdeburg), welche Dampf- Drefchmafchinen exponirt haben. Die ausgeftellten Göpel- und Hand- Drefchmafchinen, zumeift nach dem englifchen und amerikanifchen Syfteme verfertigt, zeichnen fich durchwegs durch eine bewährte, zweckmäfsige Conftruction und foliden, dauerhaften Bau aus, zeigen fonft aber keine wefentlichen. Abänderungen oder Verbefferungen. Da diefe Maſchinen in ihrer Einrichtung allgemein bekannt find, werden wir auf die Vor- und Nachtheile derfelben nicht näher eingehen und uns nur auf die Bezeichnung der hervorragenderen Fabrikanten derfelben befchränken. Heinrich Lanz( Mannheim) ftellte feine verbefferten Hand- und GöpelDrefchmafchinen nach dem amerikaniſchen( alten Moffit' fchen) Stiftenfyfteme, mit verbeffertem Strohfchüttler aus; gleich fchön gebaute Drefchmafchinen, nach demfelben Syfteme verfertigt, ftellte Paul Grofs aus. Eckert's fchöne Drefchmafchine hat fchmiedeeiferne Röhren als Schlagleiften. Ed. Ahlborn's Breit- Drefchmaschine mit Patenttrommel und Schüttelfieb für Riemenbetrieb eingerichtet; A Bleffing's vorzüglich ausgeführte fahrbare Putz Drefchmafchine; Honold& Wagner's ( Eislingen, Württemberg) fchöne Göpel- Drefchmafchine; die Drefchmafchine von Rapp& Speifer, die neue Hand- und Göpel- Drefchmafchine von Moriz Weil ( Frankfurt am Main), die Hand- Drefchmafchine von Chr. Schubart& Heffe, befonders aber die fehr fchön gebaute, vierfpännige Göpel Breitdrefchmafchine mit Patentcylinder und Stahl- Schlagleiften von Theodor Flöther( Gaffen, Brandenburg), dann Dehe's complete vierpferdige Göpel- Drefchmafchine mit Strohfchüttler und Reesfieb, fowie Gebrüder Eberhardt transportable Drefchmafchine nach dem bewährteften Syfteme mit Strohfchüttler, Abraiter und Elevator verfertigt; Carl Reinfch( Dresden) Göpel- Drefchmafchine nach dem Stiftenfyfteme, welche durch einen zweipferdigen Säulengöpel betrieben, in einer Stunde 500 bis 600 Pfund Körnergewicht drifcht; Engelbert Buxbaum's( Augsburg) Hand und complete Drefchmafchinen nach gleichem Syfteme, follen hier der Vollständigkeit wegen namentlich angeführt werden. In der öfterreichifchen Agriculturhalle verdienen die von G. Sigl exponirten transportable Dampf und Göpel- Drefchmafchine die von M. Hofherr conftruirten Drefchmafchinen, fowie die von Ant. Burg& Sohn ausgeftellten Göpel- und verbefferte Hensmann'fche Hand- Drefchmafchine, mit Geftell aus hartem Holz, ehrenvolle Erwähnung. Die fehr thätige und rührige Firma Umrath& Comp.( Prag) führt mehrere fchöne Göpel- und Hand- Drefchmaschinen vor, welche fich durch Solidität, leichten Gang, befriedigende Leiftungsfähigkeit und vollkommenen Reindrufch auszeichnen. Diefe amerikanifchen Drefchmaschinen haben die Abänderung erfahren, dafs die Stifte rund conftruirt find. Es ift fraglich ob fich das Rundftiften- Syftem bewähren wird, und mufs diefs erft von der praktifchen Erfahrung beftätigt werden; theoretifch fcheinen die runden Stifte den flachen nachzuftehen. Die Art des Drefchens beim Stiftenfyftem beſteht mehr in einem Ausftreichen als Ausfchlagen der Körner, was mehr für die flachen Stifte zu fprechen fcheint. Julius Carow& Com.( Prag), welche den Bau der Hand und Göpel- Drefchmafchinen als die Hauptfpecialität ihrer Fabrik betreiben Die landwirth fchaftlichen Geräthe und Mafchinen. 77 und ihre Erzeugiffe zu einem weitverbreiteten wohlverdienten Rufe gebracht haben, ftellten neben einer combinirten Dampf- Drefchmafchine mit einer 42 Zoll breiten Trommel mehrere breite Göpel- Drefchmafchinen aus, welche mit Ausnahme des Holzgeftelles ganz aus Schmiedeeifen und Stahl find und vortreffliche Original Drefchftäbe von Clayton& Shuttleworth befitzen. Die von Bernhard Eichmann exponirte Hensman'fche Hand- Drefchmafchine, die Göpel- Drefchmafchine nach Garrett'fchen Principe, die Regulirungs- Drefchmafchine ganz von Eifen, die locomobile Dampf- Drefchmafchine mit Strohfchüttler und allen Apparaten zum Reinigen, Sortiren und Einfüllen des Getreides in Säcke, waren in jeder Hinficht tadellos und folid gebaut und lieferten einen neuen Beweis, dafs der alte Ruhm der betreffenden Firma ein wohlverdienter ift. Die von Fr. Kugler verfertigte Drefchmafchine ift in keiner Hinficht beachtenswerth. In der ungarifchen Abtheilung ftellte St. Vidats eine englifche Drefchmafchine mit offenem Garret- Göpel und eine transportable englifche Drefchmafchine mit Einfackungsvorrichtung aus, welche durch die folide, dauerhafte und gefällige Conftruction fich vortheilhaft auszeichnete. Auch in den übrigen Abtheilungen waren einzelne Drefchmaſchinen, welche fich jedoch als blofse Nachahmungen bereits beftehender Conftruction en durch nichts Befonderes bemerkbar machten. In der ruffifchen Abtheilung ftellten Lilpop, Rau& Comp. eine complete Dampf- Drefchmafchine, Nikolai Wefsberg( Charkow) eine Breit- Drefchmafchine, bei welcher fich die Schlagleiften gegen fcharf gezahnte Drefchftäbe bewegen; Lad. Mentzel eine gut gebaute Drefchmafchine, Alex. Michel( Gouv. Tula, Oferki) eine fchön gearbeitete breite Hand- Drefchmafchine nach dem Stiftenfyfteme, ebenfo Joh. Metfcherin( Orel), welcher zugleich einen fehr leicht und einfach conftruirten Strohfchüttler ausftellt, während Eliftrat Ewfejew( Gouvernement Tambow, Morfchanfk) eine Drefchtrommel, nach dem Stiftenfyfteme folid gebaut, exponirte. In der landwirthschaftlichen Ausftellung der Schweiz waren ebenfalls einige Drefchmafchinen, und zwar für Hand- und Göpelbetrieb ausgeftellt. Alle waren nach dem Stiftenfyftem verfertigt. Verfell& Comp.( Chur, Graubünden) ftellte eine eiferne Göpel- Drefchmaſchine, Schnider& Nüsperli( Neuenftadt Bern) eine Hand- Drefchmafchine aus; ebenfo J. Raufchenbach( Schaffhaufen). Alle Maſchinen waren tadellos gebaut, doch fcheint es ein Fehler zu fein, dafs der Leiften, worauf die Stifte auf dem Cylinder ftehen, aufserhalb desfelben ift, da hie durch die Körner leichter zerfchlagen werden können. In der fchwedifchen Abtheilung haben die mechanifche Werkstatt Göteborgs und C. J. F. Ljunggren( Chriftianftadt) Hand- Drefchmafchinen der gewöhnlichen Art exponirt. Auch in der italienifchen Abtheilung war eine nach dem englifchen Syfteme gut gebaute Mafchine ausgeftellt. Eine eigene Gattung von Drefchmafchinen bilden die Klee Drefchmafchinen. Obgleich für einen intenfiven Wirthschaftsbetrieb fehr wichtig, werden diefelben doch wenig fabricirt und man ift über die befte Conftruction derfelben noch nicht einig. Bei dem bekannten Mangel an guten Klee- Drefchmafchinen ift es intereffant, auf die Klee- Drefchmafchine von Hunt& Tawell ( England) hinweifen zu können, welche nicht blos die einfachfte und wirkfamfte ihrer Art ift, fondern auch nur die halbe Kraft jeder anderen Klee Drefchmafchine gewöhnlicher Conftruction verlangt. Der Cylinder ift kegelförmig und die Hülfen paffiren vom breiten zum engen Ende desfelben; fie werden dann mittelft des Paternofters auf ein auf der Mafchine befindliches Sieb deponirt, welches fie gänzlich von Stücken befreit, ehe fie dem Winde des Fächers unterworfen werden; dadurch wird das Drefchen bedeutend erleichtert. Jul Carow& Comp exponirten ihre k. k. privilegirte Klee- Enthülfungsmafchine, welche die vorher auf einer Drefchmafchine gedrofchenen und mittelft Putzmühle von den Stengeln befreiten Samenkapfeln enthülft und durch einen Ventilator von Staub und allen Nebentheilen gänzlich reinigt. Auch Mich. Dornwald( Njkowice, Galizien) 78 Ant. Adam Schmied. und Bernh. Eichmann ftellten eine Klee- En thülfungsmafchine, nach dem bekannten und bewährten Syfteme von Celfing gebaut, aus. Die Celfing'fche Kleedrefch- und Putzmafchine hat eine konifche Trommel, deren Oberfläche mit 1 Zoll im Quadrate ſtarken, gefchmiedeten Stiften befetzt ift, welche I Linie herausragen und 3 Zoll von einander entfernt find; der genau concentrifch um die Trommel gelagerte Mantel ift mit denfelben Stiften, jedoch ganz gleichmässig befetzt, fo dafs die zwifchen beide fallenden Klee- Samenköpfe gehörig zerrieben werden. Noch dürftiger waren die Maisrebler vertreten, obwohl diefelben für alle maisbauenden Länder von grofser Wichtigkeit find. Als der letzte Maisrebler ift der von Clayton& Schuttleworth verbefferte und mit einem Putzwerke verbundene amerikanifche Maisrebler, deffen Rebelvorrichtung in ihrem Baue den gewöhnlichen Handreblern entſpricht, nur dafs fie im Verhältniffe der Gröfse abgeändert ift. Das Putzwerk befteht aus über einander liegenden, in fchüttelnder Bewegung befindlichen Sieben und einem grofsen Windflügel und vollbringt die Reinigung fo vollständig, dafs der Mais fofort zur Mühle gebracht werden kann. Reinigungsmafchinen. Neue Getreide- Reinigungsmafchinen find feit der Parifer Weltausftellung nicht bekannt geworden und auch die bereits bekannten haben keine wefentlichen Modificationen erfahren, indem fie in ihrer urfprünglichen Conftruction eine befriedigende Arbeit liefern. Obenan ftehen die franzöfifchen Reinigungsmafchinen, welche in reicher Anzahl ausgeftellt waren. Als eine in jeder Hinficht vollkommene GetreideReinigungsmafchine wird die Sotirmafchine( Trieur à grains noirs) von L'huillier ( Dijon, Côte d'or) genannt, welche eine vollständige Abfcheidung von runden Unkrautfamen namentlich der Raden, Vogelwicken, der verkümmerten und zerbrochenen Körner, fowie der Steine von dem Getreide ermöglicht und fomit ganz befonders empfohlen werden kann. Dann J. Pernollet's( Paris) Siebmafchine( Crible- trieur), ein ebenfo einfach als zweckmäfsig conftruirter und erftaunlich leiftungsfähiger Reuterer, der für den Hand- und Motorbetrieb eingerichtet, dazu dient, das durch die Windfege bereits rauh gereinigte Getreide von allen Unkrautfämereien u. dgl. rafch und vollkommen zu putzen. Derfelbe kann mit einem Ventilator verbunden werden und dient in feiner gröfseren Conftruction, mit beweglichen Abtheilungen verfehen, befonders zur Reinigung und Sortirung der Gerfte für Bierbrauer. In der Weltausftellung find 170 Stück folcher Sortirmafchinen( à 120 Francs) verkauft worden. Neben Joffé's Sortirwerk ( ,, Cribleur"), welches das Getreide von allen fremden Körpern in überraschender Weife abfcheidet, ift endlich die von Jul. Hignete( Paris) ausgeftellte Reinigungs- und Schälmafchine nach dem Syfteme Filli zu nennen, welches im Principe auf einer Anwendung der Centrifugalkraft beruht. Ihr Mechanismus beſteht zum Haupttheil aus zwei Reihen ftählerner Conufe, deren eine Seite feft fitzt, während die andere beweglich ift. Durch die Centrifugalkraft werden die Körner zwifchen den zwei Reihen Conufen herüber und hinüber gefchleudert und auf diefe Weife aus der Faferhülle herausgetrieben, ohne dafs ein Kern verletzt oder zerbrochen würde. Als eine der beften und einfachften Schälmafchinen wird diefelbe fehr gefucht( in der Weltausstellung wurden 70 Stück verkauft), da man mit ihr alle Arten Getreide und Sämereien reinigen, das Getreide fpitzen, Gerfte, Reis, Hafer u. f. w. fchälen kann. An die franzöfifchen, durch ihre ausgezeichnete Arbeit hervorragenden Sortirmafchinen reihen fich die englifchen Getreide Reinigungsmaschinen an. R. Hornsby's bekanntes und allfeitig erprobtes rotirendes Getreidefieb, mit Die landwirth fchaftlichen Geräthe und Mafchinen. 79 Steinfchneider und Windfege, die einfachfte und leiftungsfähigfte Mafchine diefer Art, fowie deffen rotirendes Cylinderfieb, ftellbar für alle Getreide- Arten, einer Hornsby'schen Getreide Reinigungsmafchine, welche jetzt faft in allen Theilen der Welt in Anwendung ift, müffen an erfter Stelle genannt werden. W. Hougthon & Comp.( Great Grimsby) ftellten gröfsere und kleinere Getreidekörner- Reinigungs- und Sortirmaſchinen aus, welche wegen der gediegenen Ausführung und befonderen Einfachheit der Conftruction fich auszeichneten. R. Boby's einfache verbefferte Kornfiebe, patentirter Gerfte- und Malzentgraner und deffen etwas complicirte patentirte Korn-, Sieb- und Reinigungsmafchine", fowie Coleman & Morlon's verftellbare Sortircylinder und Getreide- Sortirfiebe und Penney's & Comp.( Lincoln) vorzüglich verfertigte felbftregulirende Kornfiebe, Reinigungsmafchinen und Sortirtrommel mit ftellbarem Cylinder, entweder mit Federn auswendig oder inwendig, deren jetzt mehr als 7000 im Gebrauch find, find den Landwirthen in ihrer einfachen Conftruction und ausgezeichneten Leiftung als bewährte Mafchinen lange bekannt, wefshalb fie nicht näher berührt werden müffen. Hunt& Tawell's( Earls Colne, Effex) verbefferte Getreide- Putz- und Wannenmafchine wird wegen ihrer Einfachheit und Leiftungsfähigkeit fehr gefucht; Ben Reid's& Comp. patentirte„ ftille" Korn- Reinigungsmaschine befitzt keine Zahnräder und auch keinen leicht zerbrechlichen Mechanismus, wefshalb fie nicht leicht in Unordnung gerathen kann; J. Baker's( Wisbeach) Mafchinen zum Sieben und Zurichten des Getreides zeichnen fich durch zweckmässige Conftruction und vorzügliche Ausführung befonders aus; ebenfo T. Baker's( Compton, Berkſhire) doppelte Korn- Putz- und Schwung. Siebmafchine für fechs Korngröfsen und Clarke& Dunham's( London) kleine Getreide- Putzmafchine für Mittelbetrieb. In der deutfchen Agriculturhalle fanden wir die von H. F. Eckert ausgeftellte, zweckmäfsig conftruirte Getreide Reinigungsmafchine mit fieben Sieben, die von Chr. Schubart& Heffe vorgeführte Dresdener Samen- Reinigungs- und Sortirmafchine, welche bereits über zwanzig Jahre in den verfchiedenen Ländern als einfache und dabei höchft praktifche Mafchine wohl bekannt ift, und Alb. Kuhn's( Halle an der Saale) Getreide Reinigungsmafchine für Müller, welche nur mit glatten Eifenflächen unter Beihilfe ftarker Luftftrömung arbeitet, wefshalb fich ihr Effect nie verändert. In der öfterreichifchen Abtheilung waren einige Reinigungs- und Sortirmafchinen ausgeftellt, blofse Nachahmungen der Pernollet'fchen Sortirmafchine und Hornsby'fchen Getreide- Reinigungsmaschine, aber ausgezeichnet durch die folide Ausführung; fo die von G. Sigl, Bernh. Eichmann und Jul. Carow exponirten Putz- und Sortirmafchinen. Umrath's& Comp. Univerfal- Getreide- Putz- und Sortirmafchine ift ganz vorzüglich conftruirt, um alle Sorten Getreide und Sämereien zu reinigen und zu fortiren, und reiht fich an die beften aller exiftirenden Putzmühlen an. Dagegen find Ig. Alle's( Iglau, Mähren) Putzmühle und Fr. Kugler's Putzmafchine nach Hornsby's Syſteme durch nichts ausgezeichnet. In der ungarifchen Expofition ift zuerft Kühne's Wiefelburger Reuterzu nennen, welcher fich bei den praktifchen Landwirthen immer mehr Anerkennung erwirbt, da er fich durch Zweckmäfsigkeit, Einfachheit, Billigkeit und genügende Solidität vor anderen Geräthen ähnlicher Art vortheilhaft auszeichnet. Seine Leiftungsfähigkeit ift fehr befriedigend, indem mit diefem Reuter täglich bis 350 Metzen Getreide geputzt werden können. Paul Kollerich's FruchtPutzmafchine mit Cylindervorrichtung vorzüglicher Conftruction, Vidals' einfache Wind- und Putzreuter, fowie Patent- Sortirreuter, Eichinger& Söhne( Szegedin) zweckmäfsige Windreuter, Györy és Unger Original- Wiefelburger Putzmühle mit acht Sieben, die Reuter von Andr. Gubicz' Nachfolger( Peft), Manojlovits& Comp., Joh. Závár& G. Stoye, fowie Carl Stadel's. Nicholfon'fche Reuter follen hier nur wegen der Vollständigkeit angeführt werden. 6 80 Ant. Adam Schmied. Auch Rufsland exponirte einige Reinigungsmafchinen; namentlich Alex. Michel eine fehr fchön gearbeitete Putzmühle, Nik. Weftburg( Charkow), Joh. Wilfon( Moskau) und Lad. Mentzel Getreide- Handmähmaschinen und Sortirmafchinen gewöhnlicher Conftruction. Aus Schweden hat blos die Actiengefellſchaft Forsvik Korn Reinigungsmafchinen Hornby'schen Syftemes vorgeführt, an denen die reine und folide Ausführung zu loben wäre. Diverſe. Zum Schluffe foll noch auf einige, in der Ausftellung blos fchwach vertretene Objecte hingewiefen werden. Es find diefs vor Allem die Vorrichtungen zum Trocknen des Getreides. Neben dem einfachen Getreidetrockner, welchen Jofef Grimen( New- York) ausftellte, fand man in der Ausftellung nur noch den bekannten Trockenapparat von Davey, Paxman& Comp.( Colchefter), in welchem das Getreide durch mittelft Dampfheizung erwärmte Luft vollkommen getrocknet und durch eine einfache Vorrichtung allmälig vorwärts gefchoben wird. Nach den Refultaten der von der königlichen Ackerbau- Gefellfchaft von England veranſtalteten Verfuche ift die Leiftungsfähigkeit diefes Trocknungsapparates zufriedenftellend, indem per Stunde 30 Bufhel Getreide gut getrocknet wurden. Dann einzelne Apparate zum Wägen des Getreides. Darunter ift am fchönften L. Paupier's( Paris) Einfackwage zum Beftimmen des abfoluten Gewichtes des Getreides. Der Sack, in welchen das Getreide gefüllt werden foll, wird unter einem Trichter angeklammert, welcher an einem getheilten Hebel, der einer Decimalwage vollkommen entſpricht, befeftigt ift. Das Gewicht ift an diefem Hebel verfchiebbar, wodurch ein fehr fchnelles Wägen ermöglicht ift. Corcoran, Boyan, Witt& Co.( London) flellten einen fehr praktifchen Apparat zur Vergleichung gegebener Gewichtsmengen von Getreide gegen andere Gewichtsarten aus, und in der ungarifchen Agriculturhalle befand fich ein Apparat zur Beftimmung des Scheffelgewichtes( holländifche Wage), welcher bereits auf den Getreidebörfen in Peft und Raab angewendet wird. Das Princip diefer Wage ift zwar nicht neu, aber in der Detailausführung wefentlich verbeffert. Da der Faffungsraum ziemlich grofs( ein halber Metzen) ift, werden die beim Abwägen möglichen Täufchungen am beften vermieden; durch die genaue Beftimmung des wirklichen Gewichtes eines räumlichen Maſses des Getreides empfiehlt fich diefe Wage für alle Getreidehändler und Fruchtbörfen. Endlich die Vorrichtungen zur Bereitung des, Flachfes. In der belgifchen Abtheilung ftellte das Minifterium des Innern die zur Verarbeitung des Flachfes dienenden Inftrumente aus, welche in ihrer einfachen und zweckmässigen Conftruction den Landwirthen bereits wohl bekannt find. In der ungarifchen Agriculturhalle führten Carl Luft und Leobesdorfer( Effegg) eine mobile Hanf( und Flachs-) Brechmafchine vor, welche mit Hilfe von neun Perfonen( zwei Männern, fieben Kindern) in einer Stunde 15 bis 20 Centner Stengel bricht. Durch die Anwendung von Hohlwalzen und die Art der vibrirenden Bewegung, welche nicht allein das Syftem der Vor- und Rückwärtsbewegung erfetzt, fondern auch das fchädliche Reiben der Fafer bei dem Vor- und Rückwärtsbewegen ganz befeitigt, ift die Befchädigung der Fafer auf das Minimum reducirt, folglich die gröfste Menge an Langfafer, welche überhaupt erzielbar ift, gewonnen wird. F. Wagner( Effegg) exponirte eine Flachs- und Hanfbreche, welche geröfteten und ungeröfteten Hanf und Flachs vollkommen holzfrei bricht, ohne die Fafern im Geringften zu befchädigen. In zehn Stunden liefert fie bei einem Betriebe von vier Pferdekraft und einer Bedienung von vier Mädchen 700 bis 800 Pfund Hanf und 600 bis 700 Pfund Flachs( reine Fafern). Die landwirthschaftlichen Geräthe und Maſchinen. 81 Schlufsbemerkungen. Wenn wir einen Rückblick auf die landwirthschaftliche Expofition der Wiener Weltausftellung machen, müffen wir erftaunen über die Fülle und Vortrefflichkeit der dem Befucher vorgeführten Maſchinen und Geräthe, und eingeftehen, dafs diefe in jeder Hinficht gelungene landwirthschaftliche Ausftellung der ganzen Weltausftellung gleichfam ihren Hauptcharakter aufdrückte, ihr das wefentlichfte Merkmal verlieh. In diefer Hinficht unterfcheidet fich die Wiener Weltausftellung in hohem Grade von allen ihren Vorgängerinen. Während die erfte Weltausftellung in London hauptfächlich Hensmann'fche Hand Drefchmafchinen nach dem fogenannten Van- Dyl- Syfteme dann Häckfelmafchinen und Schrotmühlen vorführte, kamen bei der zweiten Weltausftellung in Paris ( 1855) die Drefchmafchinen, und zwar befonders die mit Dampf betriebenen, dann die zu ihnen gehörigen Getreide- Reinigungsmafchinen zur Geltung. Die dritte Weltausftellung, zu London 1862, brachte den Dampfpflug; bei den grofsen Verfuchen der Batterfea erprobte fich die Idee der beiden Schulmeiſter Fesken und des Dorffchmiedes Rodgers als praktiſch und man machte in der Conftruction des Dampfpfluges einen wefentlichen Schritt nach vorwärts. In der vierten Weltausftellung zu Paris 1867 waren hauptfächlich die Drillmafchinen zur Reihenfaat des Getreides und anderer Culturgewächfe in fo grofser Zahl und überraschender Vollendung der Conftruction ausgeftellt, dafs man wohl annehmen kann, diefelbe fei der Ausgangspunkt der gegenwärtig fo ausgedehnten Reihencultur der Nutzpflanzen gewefen. In der fünften, letzten Weltausftellung in Wien ift das landwirthfchaftliche Maſchinenwefen in grofsartiger Mannigfaltigkeit und ftaunenswerther Vollkommenheit vertreten gewefen. Auf keinen Zweig desfelben, auf kein irgend wie nützliches Geräth ift vergeffen worden; alle Völker der Welt haben ihre bewährten Mafchinen in möglichfter Vollzähligkeit hieher gefendet, und fo ift eine impofante Sammlung entstanden, wie fie keine der früheren Ausftellungen hatte, weil nicht haben konnte. Diefe Reichhaltigkeit und Gediegenheit des landwirthfchaftlichen Mafchinenwefens ift ein charakteriftifches Merkmal der Wiener Weltausftellung; es ift fchwer, eine Specialität desfelben herauszugreifen, welche den Agriculturhallen ein entfchieden befonderes Gepräge verleihen würde. Dennoch irren wir nicht, wenn wir die Behauptung aufftellen, dafs es hauptfächlich der Pflug und die Mähmafchine find, welche diefsmal in ihrer gröfsten Vollendung vorgeführt worden find. Die Mähmafchine wurde in praktisch bewährten Conftructionen ausgeftellt, fo dafs die Hoffnung gegründet ift, es werde nicht mehr lange währen, bis wir eine in jeder Hinsicht vollendete, allen gerechten Anforderungen Rechnung tragende Mähmafchine befitzen werden. Und der Pflug, fo grundverfchieden und vielfältig in feiner Geftaltung vom Anfang der Sefshaftwerdung der Wandervölker an bis zum idealen, mathematiſch berechneten Pflug eines Howard, welcher in feiner gegenwärtigen zweckmäfsigften Form ein Viertheil- Schraubengewinde darftellt, wird nun mit Verftand, den verfchiedenen tellurifchen und wirthschaftlichen Verhältniffen entſprechend, verfertigt. Die freien Phantafien einzelner Hand werker und die unzweckmäfsigen Formen verfchwinden nach und nach und durch dachte Conftructionen und gefällige Ausführungen treten allmälig an ihre Stelle, als ein Beweis, dafs die Landwirthfchaft fich immer mehr, auch in ihrer Technik, auf wiffenfchaftlichen Grundlagen aufbaut. Wenn wir jedoch die Expofitionen der einzelnen Länder betrachten, können wir grofsartige Unterfchiede wahrnehmen. Obenan fteht England, deffen landwirthfchaftliche Induftrie fich den ganzen europäifchen Markt erobert hat und denfelben mit gewohnter Energie fefthält. Durch feine bekannten Firmen hat England landwirthfchaftliche Mafchinen aller Art von bewährter Güte und anerkannter Solidität ausgeftellt, gefällig, fauber, ja elegant conftruirt. Neue 6* 82 Ant. Adam Schmied. Erfindungen von befonderer Bedeutung waren nicht zu fehen; dagegen zeigten fich einzelne Mafchinen wefentlich vereinfacht, andere durch complicirtere Anordnung verbeffert, wie zum Beiſpiele der Pflug. Nordamerika hat von agricolen Mafchinen überwiegend Mähmaschinen exponirt. In diefer Branche des landwirthfchaftlichen Mafchinenwefens hat dasfelbe England weit überholt. Aber auch die amerikanifchen Mähmaschinen zeigen wieder unter fich mannigfache und mitunter fo bedeutende mafchinelle Verfchiedenheiten, dafs man wirklich in Verlegenheit geräth, wenn man die befte, das heifst für die meiften Verhältniffe brauchbarfte Mähmafchine anführen foll. Frankreichs landwirthfchaftliche Mafchinen und Geräthe ftanden, wenn auch bezüglich der Sauberkeit der Arbeit weniger, fo doch mit Rückficht auf die Originalität der Conftruction, denen Englands und Amerikas wefentlich nach. Hier verdienten hauptfächlich die ausgeftellten Getreide- Reinigungsmafchinen durch detaillirte Conftruction befondere Beachtung in den Sortirmaſchinen hat. Frankreich allen übrigen Ländern die Richtung in der Conftruction gezeigt. Deutfchland hatte landwirthschaftliche Mafchinen jeder Art fehr reichhaltig. ausgeftellt; der intenfive Wirthschaftsbetrieb dafelbft verlangt fie in vermehrtem Grade und ift auch Urfache, dafs der Gebrauch derfelben in den deutfchen Wirthfchaften bereits ein allgemeiner geworden ift. In der deutfchen Agriculturhalle waren alle landwirthfchaftlichen Mafchinen vorhanden, aber hauptfächlich waren es die Säemafchinen und Hand- Drefchmafchinen, welche in hervorragender Weife vertreten waren. Bei den fchön gearbeiteten Drillmafchinen fcheint das Syftem der Säelöffel das Syftem der Schöpfräder allmälig zu verdrängen. Die Drefchmaschinen befitzen faft allgemein den Strohfchüttler; dadurch wird ein Theil der immer theurer werdenden Arbeitskraft erfpart, ohne dafs der Strohfchüttler einen wefentlichen Kraftaufwand der Betriebskraft beanfpruchen würde. Die in Norddeutſchland gebauten Mafchinen find nach dem englifchen und amerikaniſchen Syfteme conftruirt, haben fomit das Syftem der Drefchtrommeln mit Schlägern, während die füddeutſchen Mafchinen faft allgemein nach dem Moffit'fchen Principe verfertigt find, alfo das Syftem der Drefchtrommeln mit Stiften angenommen haben. Den deutfchen Mähmafchinen wirft man vor, dafs fie mitunter zu fchwer gebaut find; doch darf man nicht vergeffen, dafs diefelben zumeift zur Mahd des mannshohen Roggens des Rübenbodens in der gefegneten Provinz Sachfen dienen, was den gerügten Fehler jedenfalls entfchuldigen dürfte. Weftöfterreichs agricoles Mafchinenwefen war nach allen Richtungen. hin in fehr umfangreicher und anerkennenswerther Weife vertreten. Auch bei der aufmerkſamften Prüfung der ausgeftellten Maſchinen konnte man keinen wefentlichen Unterfchied bezüglich der Zweckmäfsigkeit der Conftruction, der praktiſchen Ausführung und der Güte der Arbeit zu denen aus dem deutſchen Reiche wahrnehmen. Wenn Oefterreichs Mähmafchinen fich auch mit den amerikaniſchen nicht meffen können, fo find fie doch tadellos ausgeführt und haben manchen Beifall gefunden; aber die ausgeftellten Säemafchinen zeichnen fich durch foliden Bau und höchft befriedigende Leiftungsfähigkeit aus, und manche wefentlichen Verbefferungen, die den eigentlichen Verhältniffen des landwirthfchaftlichen Betriebes in Oefterreich angemeffen find, zeigen, dafs die hiefigen Fabrikanten fich auf diefem Gebiete des Mafchinenwefens von dem Auslande immer mehr emancipiren wollen. Ungarn ftellte manche beachtenswerthe agricole Mafchine aus; dennoch mufs man nach gewiffenhafter Prüfung geftehen, dafs dasfelbe in allen Productionen erft junges Leben" zeigt. Neben einzelnen netten Pflügen waren hauptfächlich die für den ausgedehnten Getreidebau Ungarns hochwichtigen Mafchinen vertreten, nämlich einige Säe- und Reinigungsmafchinen nebft diverfen. Getreidewagen. Die landwirth fchaftlichen Geräthe und Maſchinen. 83 Auch die übrigen Länder haben die vorzüglichften Erzeugniffe ihres landwirthschaftlichen Maſchinenwefens vorgeführt. Belgien ftellte den weltbekannten Flandern'fchen Pflug aus. Die Schweiz zeichnete fich durch die äufserft bequem verftellbaren Wendepflüge aus dem Canton Bern aus. Schweden exponirte aufser vortrefflich verfertigten, billigen, eifernen Pflügen fehr gute Senfen und Sicheln. Rufslands landwirthfchaftliche Mafchinen machten fich durch die maffive Arbeit bemerkbar; alle Geräthe waren dauerhaft, ftark und feft, mitunter etwas fchwerfällig gebaut. Steht auch das englifche Mafchinenwefen auf einer aufserordentlich hohen Stufe, fo ift man doch nach gewiffenbafter Prüfung der ganzen agricolen Expofition zu dem Schluffe berechtigt, das landwirthfchaftliche Mafchinenwefen des Continents habe fich in der letzten Zeit überrafchend entwickelt und fei noch niemals fo felbftftändig und würdig vertreten gewefen, wie in Wien. Deutſchland und Oefterreich ftehen felbftverſtändlich in diefer Beziehung in erfter Reihe; viele ihrer Erzeugniffe, fo die Säemafchinen, können mit voller Berechtigung an die Seite der englifchen Originalmafchinen, denen fie zumeift nachgebildet find, geftellt werden. Um aber das Höchftmögliche zu erreichen, ift es unbedingt nothwendig, dafs unfere Fabrikanten, ähnlich wie die englifchen und amerikanifchen, die Richtung auf Specialitäten einfchlagen und die ausgewählten Befonderheiten mit anerkennenswerther Sorgfalt und bisheriger Solidität in guten Formen verfertigen. Alles und Jedes zu bauen, was irgend wie verlangt werden kann, Pflüge, Säemafchinen, Drefchmafchinen und eine lange Reihe der verfchiedenften Sachen bunt durcheinander, bewirkt blos eine bedauernswerthe Zerfplitterung an Kraft, Zeit und Capital und läfst nie das Höchfte erreichen, auch nicht mit grofsem Aufwand an Mitteln: es ift jedenfalls unendlich beffer, fich mit aller geiftiger und materieller Kraft auf die Hervorbringung weniger Apparate zu verlegen und diefe in jeder Hinsicht makellos zu bauen. Unter diefer Vorausfetzung wird fich die öfterreichifche agricole Mafchinenin duftrie gewifs von dem Uebergewichte des englifchen Maſchinenwefens emancipiren und zum Wohle unferes Nationalvermögens felbftftändig entwickeln und in allen einzelnen Zweigen möglichft vortheilhaft bewähren. DIE HILFSDÜNGEMITTEL. ( Gruppe II, Section 1.) Bericht von ANT. ADAM SCHMIED, Profeffor an der höheren landwirthschaftlichen Landeslehranstalt in Liebwerd bei Tetfchen. Seitdem J. von Liebig durch feine epochemachenden Errungenfchaften auf dem Gebiete der Naturwiffenfchaften Klarheit in die Erforschung des bis dahin dunklen Wefens der eigentlichen Pflanzenernährung gebracht und durch die hierbei gewonnenen Ergebniffe auf die Hebung der gefammten Landwirthschaft mächtig eingewirkt, befonders aber der Düngerlehre und Bodenftatik eine wiffenfchaftliche Grundlage verfchafft hat, ift die auf feinen Lehren fachgemäss aufgebaute Stofferfatz- Wirthfchaft, das Lofungswort des rationellen landwirthschaftlichen Betriebes geworden. Viele hervorragende Landwirthe huldigen gegenwärtig der gewifs berechtigten Anficht, dafs diefe, allen einflussreichen Verhältniffen Rechnung tragende Stofferfatz- Wirthfchaft, den landwirthfchaftlichen Betrieb 84 Ant. Adam Schmied. möglichft frei geftalten und denfelben namentlich von den ftrengen Fruchtfolgen allmälig emancipiren wird, fo dafs gegründete Hoffnung vorhanden ift, es werde diefes Syftem in allen Culturländern bald zum herrfchenden werden; denn die intenfive Wirthschaft, deren Einführung in allen vorgefchrittenen Ländern angeftrebt wird, das Syftem der Hochcultur, ift nur durch die Vollkraft der Felder möglich. Die mufterhaft betriebenen Wirthschaften der Gegenwart halten auch wirklich den Grundfatz feft, dafs vollfte Kräftigung des Bodens durch eine in Quantität und Qualität gleich vollkommene Düngung der Felder ftattfinden. müffe, wenn diefelben auf die Dauer auch in der Zukunft fruchtbar erhalten und mit Vortheil bewirthfchaftet werden follen. Sie bieten defshalb Alles auf, um. durch eine zweckentfprechende, den tellurifchen Verhältniffen der Wirthfchaft und dem aufgeftellten Wirthfchaftsfyfteme angemeffene Düngung in dem Grade der durch die erzielten Ernten bewirkten Bodenfchwächung, ja womöglich darüber hinaus, für die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit zu forgen, und find beftrebt, dafs durch die Ausführung geeigneter Mittel dem Boden alle jene Subftanzen vollständig zugeführt werden, von denen die Höhe der jährlichen Bodenerträge, die rentabelfte Maffenproduction unbedingt abhängt. Diefe hohe Wichtigkeit der Düngemittel für die Erhaltung der Ertragsfähigkeit der Aecker und die materiellen Erfolge des Wirthfchaftsbetriebes erklärt es, dafs alle Landwirthe, welche die Wiener Weltausftellung befucht haben, fich dafelbft nach den exponirten Düngeforten jeglicher Art umfahen. Doch wurden die Meiften in ihren Erwartungen mehr oder weniger enttäufcht. Nicht nur, dafs die Ausstellung der Düngemittel in ihrer Gefammtheit eine ziemlich lückenhafte war und kein erfchöpfendes Urtheil über die Art, Menge und Verwendungsweife der einzelnen Düngerarten in den betreffenden Ländern zuliefs, war diefelbe auch fehr zerftreut untergebracht, indem viele Rohmaterialien der Düngerfabri cation in die Gruppe I( Berg- und Hüttenwefen), viele als werthvolle Düngemittel gebrauchte Abfälle" und" Fabricate" in die Gruppe III( Chemifche Induſtrie) eingereiht worden find, fo dafs man nicht nur die Agriculturhallen, fondern auch die meiften Quergallerien, Höfe, ja felbft einzelne Pavillons, aufmerkfam durchmuftern musste, um fchliefslich einige, zu der aufgewendeten Mühe jedoch in keinem Verhältniffe ftehende Wahrnehmungen gemacht zu haben. Denn die meiften Ausfteller haben den gewifs rügenswerthen Fehler begangen, dafs fie ihre Ausftellungsobjecte ohne jede weitere Erläuterung dem Publicum vorgeführt haben. Sehr felten fand man Angaben über die Zufammenfetzung, Anwendungsart und Wirkungsweife des ausgeftellten Düngers, wefshalb auch der Beobachter meiftens ohne jeden Auffchlufs über die Wirkung desfelben weiter gehen musste. So wurde die Düngerfrage, ungeachtet der vielen zeitraubenden und koftfpieligen Düngungsverfuche, ihrer Löfung nicht näher gebracht, indem man nirgends erfahren konnte, welcher Dünger die höchften Erträge bewirkt und wie die jeweilige Bodenbefchaffenheit die mannigfachen Culturverhältniffe und die beobachtete Bewirthfchaftungsweife den erzielten Erfolg beeinflusst haben. Der Stall dünger, welcher in den meiften, faft in allen Wirthfchaften, fie mögen extenfiv oder intenfiv in den verfchiedenen Abftufungen betrieben werden, für alle Zeiten das Hauptdüngemittel bleiben wird, war auf der Ausftellung bedeutend vernachläffigt worden. Nur in der chinefifchen Abtheilung ftellte E. Faber Dünger aus Kwantung aus. Eigentlich waren es thierifche Excremente ohne alle Beimifchung eines Streumaterials, trocken, braun, von faferiger Befchaffenheit, welche in China allgemein als Düngemittel verwendet werden. Auch die Hilfsmittel für die Pflege des Stalldüngers waren fehr dürftig vorhanden. G. v. Keffel- Zeutfch( auf Raake in Schlefien) ftellte ein Modell feiner im Jahre 1868 erdachten Mufter- Dungftätte aus. Keffel geht von der richtigen Idee aus, dafs nicht allein durch eine möglichft fefte Verfetzung des Hilfsdüngemittel. 85 Düngers, fondern auch durch eine tägliche Filtration der Jauche durch den angefammelten Dünger derfelbe am ficherften zu conferviren fei. Defshalb hat die halbkreisförmige Dungftätte zwei in Cement ausgemauerte Jauchenbehälter zur Anfammlung der direct aus den Ställen zugeführten Jauche, deren Ueberflufs durch eine unterirdifche Drainleitung in ein gröfseres, im Centrum des Halbkreifes liegendes Baffin läuft, in welches der Schlauch einer Kettenpumpe zu hängen kommt, vermittelft welcher je nach Bedarf das Baffin geleert werden kann. Von der Peripherie gegen die Kettenpumpe hat die Bafis ein Gefälle von nur 9 Zoll, ift abgepflastert und mit Asphalt belegt. Um den Dünger mit Jauche begiefsen zu können, ift an der inneren Seite der äufseren etwa 5 Fufs hohen Umfriedungsmauer ein 6 Zoll breiter Abfatz angebracht, auf welchem eine 112 Zoll hohe Eifenfchiene im Halbkreife herumgeht. Auf der Schiene läuft ein paffendes eifernes Rad, zu welchem eine aus Eifenblech conftruirte Rinne direct zu der Kettenpumpe geht und fomit in wagrechter Stellung im ganzen Halbkreife bewegt werden kann. Der Boden der Rinne ift durchlöchert, und zwar derart, dafs mit der Entfernung von der Kettenpumpe fowohl die Zahl der Löcher fich entſprechend vermehrt, als auch diefelben fich erweitern. Dadurch ift es möglich, jede Stelle der Dungftätte mit Jauche zu verforgen, ohne dafs ein Tropfen derfelben verloren geht. An den Stalldünger reiht fich in feiner Wichtigkeit der Cloakendünger an. In feinem berühmten Gutachten( unterm 19. Januar 1865) an den Lordmayor Londons, R. Montague, hat Freiherr von Liebig auf die Anwendung der menfchlichen Excremente zur Düngung hingewiefen, und feit diefer Zeit hat fich in England die Irrigation oder Bewäfferung mit Cloakenwaffer bereits fehr verbreitet und die Sewage Farming, das heifst, der Betrieb der Landwirthschaft durch Beriefelung der Felder mit Cloakenwaffer ift dafelbft fchon ziemlich häufig: ich erinnere hier blos an die diefsbezüglichen Anlagen in Rugby und Croydon, deren Einrichtungen durch deutfche Gelehrte vielfach bereits befchrieben worden find. Auf der Wiener Weltausftellung hatte England jedoch nichts ausgeftellt, was das Canalifationsfyftem und die Organiſation der Riefelwirthschaften finnlicht hätte. verIn Frankreieh ift es befonders Senator Dumas, der Berichterstatter der franzöfifchen Dünger Enquête 1866, gewefen, welcher die Unzulänglichkeit des Stallmiftes und die Unentbehrlichkeit weiterer Dungmaterialien für die Landwirthschaft nachwies und unter den Mitteln, die Maffe der vorhandenen Dungftoffe zu vermehren, keines von fo allgemeiner und ficherer Wirkung fah, als das Auffammeln des Unraths der Städte, fo, dafs nichts davon verloren gehe und deffen Ausnutzung regelmäfsig ftattfinde. Dort war die Verarbeitung der Fäcalftoffe in Poudrette üblich, welche fich jedoch nicht bewährt hat. Moreau et Le Bel ( Doulon) haben ein fchwarzes Desinfectionsmittel und den daraus bereiteten pulverförmigen Dünger ausgeftellt. Auch in Deutfchland fah man die hohe Wichtigkeit der zweckmäfsigen Verwendung des Abtrittdüngers rechtzeitig ein. In zahlreichen Verfammlungen wurde über die Auffammlung der menfchlichen Auswurfftoffe und ihre Nutzbarmachung für die Landwirthschaft eingehend verhandelt und von einzelnen hervorragenden Landwirthen die entsprechende Verwendung derfelben warm empfohlen; aber man ift bis jetzt über die befte Verwendungsart diefes werthvollen Düngers noch nicht einig geworden. F. Thon( Wilhelmshöhe bei Caffel) ftellte eine nach feinem Verfahren bereitete Poudrette aus. Er will die Fäcalftoffe nach vorheriger Desinfection durch Anwendung von Wärme concentriren; feine entwäfferte Poudrette, durch Phosphatmehl vermehrt, enthält etwa 4 bis 6 Percent Stickftoff, bis II Percent lösliche Phosphorfäure und 2 bis 3 Percent Kali. In Oefterreich wird der verftändigen Benutzung der menfchlichen Excremente ebenfalls nach und nach die gebührende Aufmerksamkeit zugewendet. Um die Vermittlung zwifchen Stadt und Land anzubahnen, ftellt Carl Ritter Stummer 86 Ant. Adam Schmied. von Traunfels( Wien) feit dem Jahre 1869 aus menfchlichen Ausfcheidungen, welche er in eigens conftruirten, wegen ihrer hauptfächlich wirkenden Kräfte " Adhäfionsfilter" genannten Tonnenapparaten täglich frifch verfrachtet, und diverfen Chemikalien einen„ künftlichen Guano" dar, welcher entsprechend der Zufammenfetzung der Hauptgruppen der Culturgewächfe in vier verfchiedenen Sorten bereitet wird, und zwar: für Grünfutter, Körner- und Hülfenfrüchte, Hackfrüchte, Blumen und Gemüſe. Der ausgeftellt gewefene Stummer'fche Guano war ein trockenes, lockeres Pulver, welches nach Analyfen von Profeffor Dr. J. Mofer und Sierfch( in vorher angeführter Ordnung) enthielt: Stickftoff. Phosphorfäure Percente . I'OO I'OO I 13 6.30 10.69 7.26 3.52 15.06 Im erften Jahre ihres Beftehens erzeugte die Stummer'fche Fabrik 3000, im zweiten Jahre 4500, im dritten Jahre 6000 und im vierten Jahre 10.000 Centner künftlichen Guano, und zwar nach den angeführten Sorten 4000 Centner der I., 2000 Centner der II., 2500 Centner der III. und 1500 Centner der IV. Sorte. Der Verbrauch an Rohftoffen bezifferte fich im letzten Jahre auf rund 4000 Centner menfchliche Ausfcheidungen( von 3500 Mann), zu denen 6000 Centner chemifche Beftandtheile zugefetzt wurden. Wenn wir die aufserordentliche Billigkeit des Preifes der Stummer'fchen Guanoforten ins Auge faffen( und zwar koftet der Centner Guano in obiger Reihenfolge 2 fl. 50 kr., 3 fl., 3 fl. 50 kr. und 5 fl. öfterr. Währ. loco Wiener Bahnhof pr. comptant), fo treten die aufserordentlichen Vortheile diefer Induſtrie für die Landwirthschaft noch augenfälliger hervor. Nebftdem hatten Jof. Sloma( Podgorce, Galizien) Poudrette und die Kupfergewerkfchaft Mittersberg( Salzburg) eine Darftellung der Alpenverbefferung mittelft flüffiger Düngung ausgeftellt. Die Actiengefellfchaft für Bodencultur( Wien) exponirte die Apparate für das Städtereinigungs- und Canalifations- Syftem nach Liernur mit Verwerthung der Abortftoffe in der Landwirthschaft. Bekanntlich wird bei diefem genial erdachten Syfteme zur Bewegung der Kothmaffe Luftdruck ftatt des Waffers verwendet, damit diefelbe durch Verdünnung nicht untransportabel werde. Diefes pneumatifche Abort- Reinigungsfyftem fammelt die Auswurfsftoffe binnen dreifsig Stunden, alfo bevor ihre Gährungsperiode eintritt, in Keffelrefervoirs beftimmter kleinerer Strafsenfyfteme, damit man diefelben unter Bewahrung ihres ganzen Inhaltes an organifchen und unorganifchen Stoffen als Dünger verwenden könne. Dafs Liernur's Methode, welche von vielen Seiten als zu gekünftelt betrachtet wird, dennoch lebensfähig fei, beweift die Anwendung derfelben in Prag( in der Carolinenthaler Ferdinandskaferne), wo diefelbe die befriedigendften Refultate ergab, dann in Brünn und anderen Städten. Die in Prag gewonnene Latrine kommt auf dem durch feine intenfive Wirthschaft berühmten Gute Cakowic in Form eines Compoftdüngers zur Verwendung. Die Adminiftration des Gutes hat mit dem Liernur'fchen Confortium einen Contract auf jährlich 20.000 Centner Fäcalien, mit Vorkaufsrecht bis zu 30.000 Centner zum Preife von 66 Neukreuzer per Centner abgefchloffen. In der italienifchen Abtheilung hatten die Camera di commercio Proben einer Poudrette aus der Stadt Ferrara und die Società anonima dell commercio delle materie fertilizanti Proben eines präparirten Grubendüngers aus Rom exponirt. Endlich haben auch D. Löffler( Göteborg, Schweden) Poudrette und Gebrüder Schdanoff, fowie J. Kittari( beide St. Petersburg, Rufsland) Desinfections- Pulver und Flüffigkeit, ohne nähere Angabe der Zufammenfetzung, ausgeftellt. Die in der ruffifchen Abtheilung von Taubworzel ausgeftellte Hilfsdüngemittel. 87 Poudrette war dreifacher Art: Bei vier Percent Stickftoff, enthielt diefelbe nämlich 2 Percent Phosphorfäure und 2 Percent, oder aber 10 Percent Kali, oder endlich bei 10 Percent Phosphorfäure 2 Percent Kali. Die künftlichen Düngemittel waren in der Weltausftellung fchon zahlreicher ausgeftellt, als die übrigen Düngerpräparate, wenn auch nicht in einer folchen Art und Weife, wie es deren hohe Wichtigkeit für den intenfiven Wirthfchaftsbetrieb vorausfetzen liefs. Seit einem Vierteljahrhundert verwenden die intelligenten Landwirthe von Jahr zu Jahr immer fteigende Mengen von Kunft dünger, um ohne alle Störungen und Rückfchläge die Wirthfchaftsweife zu ändern und in den rentabelften Betrieb umzuwandeln, in der kürzeften Zeit zu einer gröfseren Production von natürlichem Dünger zu gelangen und bereits fruchtbare Aecker zum Maximum der überhaupt möglichen Ertragsfähigkeit zu bringen, oder um herabgekommene Felder fchnell wieder in die Höhe zu bringen, armes Neuland bald fruchtbar zu machen, dürftige, zurückgebliebene oder ausgewinterte Saaten zu kräftigen und ihre Vegetation zu befchleunigen; oder endlich, um felbft ohne natürlichen Dünger reiche Bodenerträge zu erzielen, überhaupt um den Wirthfchaftsbetrieb auf der freieften Bafis und möglichft intenfiv zu geftalten. Bei der Anwendung des Handelsdüngers haben die Landwirthe natürlich das Intereffe, von der gekauften Waare nur das Minimum verwenden zu müffen, und von derfelben doch das Maximum der Wirkfamkeit zu verlangen. Durch gewiffenhaftes Handeln müffen die Fabrikanten diefen Anforderungen zu entſprechen fuchen und ihre Aufgabe vollkommen erfüllen, welche hauptfächlich darin besteht, die Düngerfabricate bei höchftem Inhalte und bequemfter Form möglichft transportabel zu geftalten, alfo unnöthige und oft wirkungslofe Beimengungen zu vermeiden, jede Verfälfchung gewiffenhaft hintanzuhalten, durch genauefte Verfuche die zweckmäfsigfte Zufammenfetzung und die befte Art der Anwendung für die verfchiedenen Bodenarten und Wirthschaftsverhältniffe zu ermitteln, für einen ge wiffen Gehalt der verlangten Pflanzennährstoffe zu garantiren und überdiefs die Abnehmer über die Art und Weife des Gebrauches des betreffenden Düngers unter den gegebenen ſpeciellen Verhältniffen, wenn nöthig, gebührend aufzuklären. Erft wenn diefelben den vorftehenden Anforderungen gewiffenhaft Rechnung tragen werden, wird der von allen fortfchrittliebenden Landwirthen gehegte Wunfch, die künftlichen Düngemittel follten in der möglichften Ausdehnung zur Anwendung gelangen, allmälig feiner Erfüllung entgegen gehen. Anfänglich waren es von den Pflanzennährstoffen nur Stickftoff und Phosphorfäure, welche der Landwirth auf dem Wege des Düngerhandels beziehen konnte; in neuerer Zeit trat zu diefem noch das Kali hinzu. Alle diefe Sorten des Hilfsdüngers waren in der Wiener Weltausftellung vertreten. Unter den ftickftoffreichen Hilfsdüngemitteln ftanden die Guanoforten obenan. Die meiften Düngerfabrikanten und Düngerhändler haben diefelben exponirt. Der Peru- Guano, der befte unter allen, wurde mit Anfang des gegen. wärtigen Jahrhunderts in Europa bekannt. Im Jahre 1804 brachte Humboldt von den Chincha Infeln, die an der peruanifchen Küfte liegen, die erften Proben des natürlichen Guano nach Europa, und nahm an, dafs die Production trotz der grofsen Schaaren der Seevögel eine derart geringe fei, dafs ein Zeitraum von 300 Jahren erforderlich wäre, um eine Schichte von fünf Linien zu bilden. In Peru hat man den Werth diefes Düngemittels lange gekannt und Garcilafo de la Vega fchreibt darüber im Jahre 1604, dafs man auf einer 200 Meilen weiten Strecke mit nichts Anderem düngt, als mit den Excrementen der Seevögel, die an der Küfte von Peru leben. Die erfte Ladung des Peru- Guanos der Chincha- Infeln wurde nach Deutfchland im Jahre 1842 gebracht; feit diefem Jahre ftieg die Verwendung des felben in rapider Weife. Hunderte von Schiffen führen alljährlich den Feldern Europas diefen Dünger zu und die peruanifche Regierung und ihre Agenten wiffen die Schätze, welche ihre Vorfahren mit ängftlicher Sorgfalt behütet, mit 88 Ant. Adam Schmied. folcher Schnelligkeit in Geld zu verwandeln, dafs die Lager, die im Jahre 1853 nach genauer Ermittelung einen Vorrath von 230 Millionen Centner umfafsten, fehr bald erfchöpft fein werden, da J. Watfon in der ,, Times" vom 15. März 1869 nach eigenen Wahrnehmungen mittheilte, dafs nur noch wenige Schiffsladungen Guano auf den Chincha- Infeln vorhanden feien. Doch erwies fich diefe Nachricht durch die Guano- Ausfuhr Perus in den folgenden Jahren als unbegründet, hatte aber die nachtheilige Folge, dafs die bisherigen Importeure alfogleich den Preis des Guanos erhöhten; während das Pfund Stickftoff im Guano bis zu diefer Zeit fich nicht höher ftellte als 8 Silbergrofchen, koftet es nunmehr 1034 Silbergrofchen. ja erreicht im Phosphorguano den Preis von 17% Silbergrofchen. Zugleich verfchlechterte fich der Peru- Guano durch die ftetige Abnahme feines Stickftoff Gehaltes, der von feinen urfprünglichen 14 Percent auf 12 bis 10 Percent, ja zuweilen fogar auf 9 bis 8 Percent herunterging. Einige neuentdeckte Guanoforten, jener der Lobos- Infeln, wo an sieben Millionen Tonnen Guano aufgefpeichert fein follen, der aber nur wenig Stickftoff enthält, daher nur circa 2 Pfd. St. per Ton gegen 8 Pfd. St. Chinchas werth ift und fich mehr zur Bereitung von Superphosphat eignet; dann der Guano der GuanapeInseln, welcher nach den Angaben von Charris eine Mächtigkeit von 7 Fuss zeigt, und fich durch eine fehr wechſelnde chemifche Zuſammenfetzung auszeichnet, indem die oberen, durch Regenwaffer ausgelaugten Schichten 3 bis 6 Percent, die unterften aber bis zu 15 Percent Stickftoff enthalten; der Mejillones- Guano von den Felfen an der boliviaifchen Küfte, welcher 2 bis 4 Millonen Tonnen betragen foll, aber als die ftickftoffärmfte Form des Guanos betrachtet werden mufs, da er nur o'73 Percent Stickftoff enthält; der ebenfo ftickftoffarme Malden- Guano von den im ftillen Ocean belegenen Malden- Infeln, welcher bei 43'5 Percent. Kalk 376 Percent Phosphorfäure enthält, und endlich der Saldanha- BayGuano, in welchem an 8.8 Percent Stickftoff neben 8 Percent Phosphorfäure nachgewiefen wurde, follen den ftickftoffreichen Peru- Guano erfetzen. Diefe ver. fchiedenen Guanoforten wurden von einzelnen Düngerhändlern vorgeführt. In der deutfchen Agriculturhalle hatten namentlich H. J. Merck& Comp.( Hamburg) ein Sortiment echten Peru- Guanos, nebft Curacao- Guano, Eftremadura- Superphosphat und einer hübfchen Phosphoriten- Sammlung, dann der bekannte Guano- Importeur Ohlendorf& Comp.( Hamburg) Guanoproben und diverfe Zeichnungen ausgeftellt. - Bis jetzt mufs man jedoch als beftes Guanofurrogat den Fifchguano betrachten. Emil Meinert in Leipzig hat mit dem bekannten Walfifchfänger, Capitän Svend Foye, einen Contract zur Gründung einer grofsartigen Fabrik jenfeits des Nordcaps abgefchloffen, in welcher die Stickftoffquellen der arktifchen, eisftarren Region, nämlich die beim Ausfchlachten der gefangenen Walfifche bis jetzt faft nutzlos übrig bleibenden Refte der Thiere für die deutfche Landwirthfchaft nutzbar gemacht werden follen. Meinert garantirt in dem Walfifchguano für 7 Percent Stickftoff und 16 Percent Phosphorfäure, in dem Fifchguano aber für 8.6 bis 9.4 Percent Stickftoff und 12.8 bis 13.8 Percent Phosphorfäure. Einen aus den Ueberbleibfeln bei der nordifchen Fifchinduftrie bereiteten Dünger fanden wir in der fchwedifchen und norwegifchen Abtheilung exponirt. Schweden war durch dreierlei Fifchguano( Warberg's Salzereigefellſchaft, Morrups Salzereigefellfchaft in Falkenberg, H. R. Klingftedt in Asmideröd), Norwegen durch viererlei Fifchguano vertreten, hauptfächlich durch den Fifchguano der norwegifchen Fifchguano- Gefellſchaft( Chriftiania) und durch die Lyngvaersfabrik von Bordewich& Comp.( auf den Lofodden). Dem von der letzteren Gefellſchaft in der norwegifchen Fifchereiausftellung ausgeftellten Fifchguano, dargeftellt aus den Abgängen der dortigen Dorfchfifchereien, wird nachgerühmt, dafs er fich vermöge feines hohen Gehaltes an Stickftoff und löslicher Phosphorfäure als ein energifches Düngemittel bewährt hat. Eine befonders präparirte Art desfelben, für Warm- und Kalthauspflanzen zubereitet, kommt in dem Handel unter der Hilfsdüngemittel. 89 Bezeichnung ,, til Orangerivaxter" vor. Auch E. Meinert( Leipzig) ftellte in der deutfchen Abtheilung feine ,, künftlichen" Düngemittel aus. Eine neue Sorte Guanos, welche gegenwärtig im Handel vorkommt, ift der fogenannte Fledermausguano, welcher fich in Gegenden, die reich find an Fledermäufen( z. B. in Egypten, Ungarn), in vielen unterirdifchen Höhlungen und Gewölben maffenhaft abgelagert vorfindet. Intereffant war der in der italienifchen Expofition von Lud. Fino( Turin) ausgeftellt gewefene fardinifche Fledermausguano, welcher nach der beigelegten Analyfe einen Gehalt von 6:33 Percent Stickftoff, 7.36 Percent Phosphorfäure und 5 22 Percent Kali zeigte. Einen vielleicht ähnlichen Hilfsdünger, nämlich Pelikandünger oder Guano mit gebundenem Ammoniak( Pak), ftellte New- Orleans, Sanitary and Fertilizing Company ( Louiſiana) aus. Die Fleifchabfälle bei der Gewinnung des Extractum carnis, ganze Thiercadaver, das Blut der Schlächtereien liefern ebenfalls gute Materialien zur Bereitung eines kräftigen Düngers. So verwendet man die thierifchen Refte zur Fabrication des Fleifchmehls, welches in Frankreich, Hannover( zu Linden) und in Rheinpreufsen( in der Nähe von Rheydt) bereits im Grofsen fabricirt wird und fich durch bedeutenden Stickftoff- und Phosphorfäuregehalt vortheilhaft auszeichnet. Das preufsifche Fleifchmehl enthält beifpielsweife 6-68 Percent Stickft off und 7:53 Percent Phosphorfäure. Blutdünger haben ausgeftellt: Aug. Lamek ( Marienthal- Wandsbeck bei Hamburg), F. Schrader( Adlerhütte, Baiern), A. Panoff& Comp., St. Petersburg( Rufsland); Blut- und Fleifchdünger die königlich baierifch privilegirte Kunftdünger- und chemifche Productenfabrik( Landshut); Horn- und Ledermehl: Dohrmann und Comp.( Otterndorf, Hannover), Gleiwitzer chemifche Fabrik( Schlefien), L. Michaelis( Gr. Glogau, Schlefien), württembergifche Actiengefellfchaft für Fabrication von Leim und Düngemitteln ( Reutlingen). Der in der belgifchen Abtheilung ausgeftellte Blutdünger koftete 22 Francs per 100 Kilo, das Fleifchdünger- Mehl und die gedämpften Knochen in Pulverform ebenfoviel, das Hornmehl jedoch 50 Francs per 100 Kilo. Der aus dem Lande Chili in Südamerika kommende Chili- oder Würfelfalpeter( mit einem Stickftoffgehalt von 15 bis 16 Percent) und die übrigen zur Verfügung ftehenden Salpeterarten bilden auch ein rationelles Stickftoff- Düngemittel; und dem erfteren follten die Landwirthe eine um fo gröfsere Aufmerkſamkeit fchenken, als der darin enthaltene Stickftoff verhältnifsmäfsig wohlfeiler zu ftehen kommt, als in den anderen Hilfs- Düngemitteln Das Pfund Stickftoff koftet nämlich in demfelben( à Centner 434 Thaler) 84 Silbergrofchen, während es im Guano mit 12 Percent Stickftoff auf 8 8 Silbergrofchen, in dem mit Schwefelsäure aufgefchloffenen Peru- Guano bis 10 Percent Stickftoff fogar auf 9.5 Silbergrofchen zu ftehen kommt, wenn das Pfund löslicher Phosphorfäure zu 4 Silbergrofchen bewerthet wird. Auch fteht der Natronfalpeter in grofser Menge zur Dispofition; er wird in Chili auf einer viele Quadratmeilen grofsen Fläche des Hochplateaus der Cordilleren im Tagbau gefchürft. Anfänglich wurde derfelbe in England beim Grasbau verwendet; gegenwärtig hat er fich auch beim Rübenbau bewährt, und find es namentlich die mährifchen Zuckerfabriks Wirthfchaften, welche alljährlich grofse Quantitäten desfelben verbrauchen. In der Wiener Weltausftellung waren mehrere Arten von Salpeter aus verfchiedenen Ländern von diverfen Ausftellern exponirt. Endlich wird das fchwefelfaure Ammoniak, welches aus den Nebenproducten der Fabrication des Leuchtgafes, fowie bei der Darftellung des Solaröls und Paraffins aus Steinkohlen, Braunkohlen und Torf gewonnen wird, und 19 bis 20 Percent Stickftoff enthält, mit grofsem Vortheile als Erfatz des Peru- Guanos verwendet. Freilich ift nicht zu überfehen, dafs das fchwefelfaure Ammoniak nur in einer fehr geringen Menge vorkommt, indem aus 1000 Centner Kohlen, die in einer Gasfabrik deftillirt werden, bei forgfältig geleiteter Ammoniakgewinnung Loch nicht I Centner Ammoniak gewonnen wird; doch ift dasfelbe keinesfalls zu 90 Ant. Adam Schmied. unterfchätzen; da es dem Bedürfniffe der Landwirthschaft gegenüber immerhin eine beachtenswerthe Rolle spielt. Schwefelfaures Ammoniak haben unter Anderem ausgeftellt, Compagnie parifienne d'éclairage et de chauffage par le Gaz( Paris), Michaux( Bonnières, Seine et Oife), v. d. Elft& Matthes( Amfterdam); Krakauer Gasanft alt( Galizien), Hirfchmann & Comp.( Warfchau), Th. Gullberg( Göteborg, Schweden), die Gasgefellfchaft in Lüttich( Belgien) u. a. m. Um einen Dünger von höchfter Wirkung und Energie zu erlangen, mifcht man Ammoniakfalze und Superphosphate in einem entſprechenden Mifchungsver hältniffe zufammen. Die erhaltene Düngercompofition, welche jedoch fchon im Jahre 1863 von J. von Liebig als ganz vorzüglich empfohlen ward und von den hervorragendften Agriculturchemikern Deutſchlands als reellftes Erfatzmittel des in feiner Qualität mehr und mehr finkenden Peru- Guanos bezeichnet wurde, enthält bei 3.7 Percent Stickftoff( als Ammoniakfalz) 17 bis 18 Percent, ja fogar bis 20 Percent lösliche Phosphorfäure und o 8 Percent unlöslicher Phosphorfäure. Die Landwirthschaft befitzt in diefer Mifchung- dem fogenannten Phosphorguano- ein Düngemittel, welches fich überall empfiehlt, wo Culturverhältniffe den Gebrauch von Superphosphat mit geringen Beimengungen von löslichen Stickftoffverbindungen räthlich erfcheinen laffen. James Gibbs& Comp.( London) ftellte feinen patentirten Ammoniakguano, Lud. Fino( Turin), das phosphorfaure Ammoniak und das fürftlich Auerfperg'fche Bergamt Lukawitz( bei Chrudim in Böhmen) Ammoniakfuperphosphat aus. Ueber den Nutzen der phosphorfäurehaltigen Düngemittel ift etwas Allgemeines kaum nothwendig zu bemerken; derfelbe wird von der Praxis immer mehr anerkannt, wie diefs der von Jahr zu Jahr fich fteigernde Verbrauch klar beweift. Auch waren diefelben in der Wiener Weltausftellung am zahlreichften und vollständigften vertreten. Die in der Landwirthschaft gebrauchten Phosphate ftammen entweder aus dem Mineralreiche, die verfchiedenen Phosphoritgefteine, welche zumeift als Rohmaterial für die Fabrication der Superphosphate dienen, oder aus dem Thierreiche, die Knochen in ihrer verfchiedenen Zubereitung. Die Anwendung des Phosphorits in fein gemahlenem Zuftande, als fogenanntes Phosphoritmehl, wird in jüngfter Zeit von manchen Seiten mit befonderer Wärme als Düngungsmittel empfohlen und hat auch, in verftändiger Weife ausgeführt, die Landwirthschaft in einem nicht geringem Mafse gefördert. Deshalb durchfucht man gegenwärtig auch die ganze Welt nach phosphorhaltigem Material, und die bergmännifche Induſtrie ift überall bedacht, Phosphorite aufzufinden, und da derfelbe in verfchiedenen Gebirgsformationen, befonders in den jüngern heimifch ift, fo find fchon viele glückliche Funde diefer Art gemacht worden. In den einzelnen Mineralienfammlungen der I. Gruppe haben wir auch zahlreiche Mineralphosphate, welche als werthvolle Rohftoffe zur Bereitung der künftlichen Düngmittel vortheilhafte Verwendung finden, gefehen. Von den Proben der löslichen Phosphate von Green Mountain( Vereinigte Staaten von Nordamerika) mit angeblich 18 18 Percent Phosphorfäure, welche Gev. W. Beckwith( Burlington) ausftellte, bis zu den Phosphoriten aus den Gouvernements Podolien und Lublin( Rufsland), welche Wlad. Graf Dziedus zycki vorführte und den Kalkphosphaten, phosphorfäurehaltigen Erden und Phosphatfelfen aus Venezuela, konnte man die meiften hierher gehörigen Mineralien aus den einzelnen Ländern exponirt, wahrnehmen. Spanien, welches fonft kein anderes Düngemittel ausgeftellt hatte, führte in feiner reich befchickten Mineralienfammlung viele Exemplare des natürlichen phosphorfauren Kalkes, welcher zum überwiegend grofsen Theile zur Erzeugung der Superphosphate Verwendung findet, vor. So z. B. die bis 90 Percent phosphorfauren Kalk enthaltenden Phosphorite aus Fregeneda( Provinz Salamanca), Phosphorite aus Badajoz, Alcantara, Malaga, Madrid, Cordova und anderen Orten; befonders aber die fchöne, vollſtändige Sammlung der Phosphorite der Provinz Hilfsdüngemittel. 91 Caceres, welche dafelbft im Tag- und Schachtbau bergmänniſch gewonnen werden, eingefendet als eine Collectivausftellung von der höheren Montanlehranſtalt in Madrid; überdiefs hat Francisco Munoz eine in franzöfifcher, englifcher und fpanifcher Sprache verfafste Abhandlung über den Phosphorit und einen überfichtlichen Plan des Bergbezirkes Caceres exponirt. Alle die in Spanien gewonnenen Mineralphosphate kommen unter der Bezeichnung„ Eftremaduraphosphorit" in den Handel, und gewinnen von Jahr zu Jahr ein weiteres Abfatzgebiet. In der franzöfifchen Expofition fanden wir die Phosphatverfteinerungen aus Grandpré, Ardennes und die Kalkphosphate aus Villefranche de Roncique, Areyron; in der fchwedifchen Phosphorite und phosphorführende Bergarten aus Falun( ausgeftellt von F. L. Schmidt); in der deutfchen Agriculturhalle waren die bekannten. Lahnphosphorite und Präparate davon durch H.& E. Albert( Bieberich am Rhein), J. Garland( Limburg an der Lahn, Naffau) und V. Meyer& Comp. ( Limburg) vertreten; letztere führten befonders Schauftücke und charakteriftifche Stücke Phosphorit, verfchiedene Körnungen der Mafchinenaufbereitung, Phosphoritmehl u. dgl. vor. In der Ausftellung des k. k. Ackerbauminifteriums waren einige Phosphorite aus Nordweft- Böhmen, dann aus Podolien und dem öfterreichifchen Dnieftergebiete, welch' letztere im Mittel 23.82 Percent Phosphorfäure enthalten, jedoch in folch' geringen Schichten vorkommen, dafs an eine grofse Nutzbarkeit derfelben wohl kaum zu denken fein wird. Dagegen haben die Proben der Phosphoritgefteine aus dem grofsen Lager zwifchen Kursk und Orel, ausgeftellt in der öftlichen Agriculturhalle, allgemeine Aufmerkfamkeit erregt. Diefes grofse ruffifche Phosphoritlager zieht fich in einer breiten Bank von Orel bis nach Volhynien, liefert phosphatifche Gefteine mit 74'23 Percent phosphorfauren Kalk und fichert bei richtiger Benützung auf lange Zeiten hinaus den hoch intenfiven Betrieb der dortigen Landwirthfchaft. Dr. Wilh. Ritter von Hamm hat fchon im Jahre 1859( Agronomifche Zeitung) auf die Wichtigkeit diefes damals faft unbekannten Schatzes aufmerkfam gemacht;„ ,, er fah felber die Phosphoritnieren zum Strafsenbau verwendet und prophezeite, dafs man dereinft diefe Strafsen wieder aufbrechen und ihr Material als koftbaren Dünger verwenden werde"; heute fchon ift diefe Vorausfage zur Thatfache geworden. Die gegenwärtige Praxis ftrebt die Verwendung der Phosphorite in unaufgefchloffenem, aber fehr fein gemahlenem Zuftande an, um auch die geringhaltigen phosphatifchen Gefteine dem Ackerbau nutzbar zu machen. In der Bretagne, namentlich aber in der Sologne werden die mineralifchen Phosphate, die Kopro lithen des Grünfandftein in unaufgefchloffenem Zuftande verwendet und in Eng land, wo Superphosphate bisher die beliebteften Düngemittel waren, fängt man auch mit diefer Verwendungsweife allmälig an, indem man die Umwandlung des Phosphats mit Schwefelsäure in Superphosphat als eine mitunter unnöthige Vertheuerung desfelben anfieht. Trotz diefer Thatfachen empfiehlt es fich überall, wo man eine fchnelle Ausnutzung der Phosphorfäure in den Mineralphosphaten bewirken will, aus diefem Materiale gute Phosphate zu bereiten. In der Wiener Weltausftellung fah man neben rohem Phosphoritmehl mehrere aus den phosphatifchen Gefteinen dargestellte Superphosphate exponirt. Die Knochen und die aus denfelben fabricirten Präparate zählen zu den gegenwärtig am meiften angewendeten Hilfs- Düngemitteln; noch im Jahre 1850, und felbft fpäter konnte man die Nothwendigkeit der Beidüngung mit Phosphat beftreiten; jetzt ift jeder intelligente Landwirth von den vorzüglichen Wirkungen der verfchiedenen Phosphatdünger vollkommen überzeugt. Das Knochenmehl, das am längften bekannte, Phosphorfäure haltige Düngemittel, wird in zahlreichen Fabriken in vortrefflicher Weife bereitet und ift in manchen Gegenden noch immer der beliebtefte, mitunter fogar der einzige Kunftdünger. Oefterreich hat mehrere vorzügliche Knochenmehl- Fabriken, welche durchwegs ein tadellofes Product liefern. Obenan fteht diejenige von J. Fichtner( in 92 Ant. Adam Schmied. Atzgersdorf), eine der älteften und am rationellften betriebenen Knochenmehl Fabriken. 101 Die chemifche Productenfabrik von B. Margulies& Comp.( Rannersdorf, Niederöfterreich); Jul. Puzyna( Cfarudlofie, Galizien); Leo Graf LarifchMönnich& Comp.( Peterswald, Schlefien) und Andere haben fchönes Knochenmehl ausgeftellt. Leider wird in Oefterreich das Rohmaterial für die KnochenmehlFabrication immer feltener und theuerer, zumal es noch in fehr bedeutenden Mengen ins Ausland ausgeführt wird; fo ift es bekannt, dafs die baierifchen Düngerfabriken ihre Knochen zum grofsen Theile aus Tirol beziehen. In der deutfchen Abtheilung haben Knochenmehl und Knochenfchrot ausgeftellt: F. Creuz( Michelftadt, Heffen), V. Weil( Oberndorf, Württemberg), W. Stalling ( Piefchen bei Dresden), F. Schmalbein( Köln am Rhein), die Hannover'fche Kunft dünger Fabrik( Linden), Schörnig& Comp.( Ziegenhals, Schlefien) u. f. w. In der ungarifchen Abtheilung exponirte die erfte Pefter Spodiumund Knochenmehl Fabriks Actiengefellfchaft fchöne Knochenmehle, in der italienifchen Expofition die Gefellſchaft für die Erzeugung der künftlichen Düngemittel( Vigheffio, Parma) Knochenpulver. In früheren Zeiten hat man die Knochen gebrannt, um die in ihnen enthaltene Phosphorfäure in leichter löslichem Zuftande zu überführen. Da jedoch diefer Vorgang minder rationell ift, fo trifft man denfelben nur in den zurückgebliebenen Gegenden, fowie auch dort an, wo man die Spodiumabfälle als Düngemittel verwendet. So führte Uruguay calcinirte Knochen vor, welche dort als Nebenproduct der Gewinnung des Fleifchextractes erhalten werden. Stern's Fertilizer and Chemical Manufacturing Company( New- Orleans, Louiſiana) ftellte neben feinem Knochenmehle und einigen Superphosphaten aus rohen Knochen mehrere Sorten Knochenkohle aus, Dunod et Bougleux( Paris) Beinfchwärze, Michaux ( Bonnières, Seine et Oife) Knochenfchwärze, nebft dem Phosphate und Superphos phate, dann Michael N. Kobifeff( St. Petersburg) rohe und gebrannte Knochen, das fürftlich Auersperg'fche Bergamt Lukawitz( bei Chrudim) Knochenkohle, ebenfo die chemifche Düngerfabrik Moriz Milch& Comp.( Jerzyce bei Pofen), dann Stuhr& Lorenzen( Friedrichsftadt in Schleswig- Holftein), welche nebft dem Knochenmehle auch Superphosphate ausftellten. Beffer und vortheilhafter ift es, wenn die zur Düngung beftimmten Knochen gedämpft werden. In nicht gedämpftem Knochenmehle ift nämlich die Phosphorfäure weniger löslich und die Leimfubftanz weniger leicht zerfetzbar, und zwar wegen des in den rohen Knochen vorkommenden Fettes, welches die Einwirkung der löfenden Agentien abfchwächt. Das Dämpfen hat nun den Zweck, das Fett aus den Knochen zu entfernen, wobei aber immer mehr oder weniger Leimfubftanz mit verloren geht; denn während das Knochenmehl bis 5 Percent Stickftoff enthält, befitzt gutes entfettetes Knochenmehl gegen 4 Percent, fchlechtes fogar nur 2 Percent Stickftoff. Wir fanden gedämpftes Knochenmehl in der öfterreichifchen Agriculturhalle, wo J. Sloma( Podgorce in Galizien) dasfelbe neben Superphosphaten und Düngergyps ausftellte. Die meifte Aufmerkfamkeit fchenkt man gegenwärtig den Superphos phaten, das heifst, Phosphorfäure haltigen Düngemitteln mit löslicher Phosphor fäure, deren Verwendung bereits eine mächtige Ausdehnung gewonnen hat, theils allein, beffer in Verbindung mit Peru- Guano, fchwefelfaurem Ammoniak und Anderem, in den verfchiedenften Mifchungsverhältniffen gemengt als„ PhosphorGuano", beziehungsweife ,,, ammoniakalifches Superphosphat". Man bereitet die Superphosphate hauptfächlich aus Knochenkohle, dann dem Jarvis-, Sombreround Bakerguano, neuefter Zeit auch aus foffilen und mineralifchen Phosphaten, aus Naffauer Phosphoriten, dem Eftremadura- Apatit und Anderem. In Deutſchland hat der Verbrauch des aufgefchloffenen Knochenmehles immens zugenommen, indem dafelbft jährlich gewifs 1 Millionen Centner dar Hilfsdüngemittel. 93 geftellt und verwendet werden, obfchon kaum zwanzig Jahre verfloffen find, feit man hier auf Anregung Liebig's diefe Fabrication begonnen hat. In England dagegen fcheint das Auffchliefsen des Knochenmehles mit Schwefelfäure fehr nachgelaffen zu haben, indem man dort endlich anfängt, auch dem gedämpften und gepulverten Knochenmehle, gegen das man Jahrzehnte lang ein unbegründetes Vorurtheil hegte, gröfsere Aufmerkfamkeit zuzuwenden. Obgleich die Superphosphatfabriken in allen Ländern fowohl der Zahl als Bedeutung nach den erften Rang unter allen Anftalten zur Erzeugung des Kunftdüngers" einnehmen und die Superphosphate gegenwärtig zu den verbreitetften Producten in der Düngerfabrication zählen, befteht doch in ganz Oefterreich bis jetzt keine einzige gröfsere Fabrik diefer Art und der gröfsere Theil des aufgefchloffenen Knochenmehles wird hieher durch Handel gebracht. Die englifche Kunftdünger Induſtrie ift die ältefte, entwickeltfte und grofsartigfte in der Welt. Sie wurde in der Wiener Weltausftellung nur durch drei englifche Ausfteller repräfentirt, aber fo bedeutend und vollſtändig, fo gut arrangirt und wiffenfchaftlich geordnet, wie es bisher auf keiner Weltausftellung noch zu fehen war. Obenan ftand die fchöne und fyftematifche Collection von Phosphaten aller Länder und Sorten, von Ed. Parkart& Comp.( in Ipswich, Suffolk) in fo vollftändiger Sammlung und wahrhaft glänzender Anordnung veranſtaltet, wie es ein Fachmann nur wünſchen konnte. Vorerft waren dafelbft fämmtliche Subftanzen, aus welchen die Phosphate bereitet werden, alle Phosphorit- Bruchfteine in rohem und gemahlenem Zuſtande, Mufcheln, verfteinerte Knochen und Koprolithen, überhaupt Petrefacten, dann eine grofse Menge Saurier, und Haififchzähne vorhanden, an welche Rohmaterialien fich Proben von daraus bereitetem phosphorfauren Kalke in allen Formen anreihten, während verfchiedene Guanoforten, Superphosphate, Phosphorguano, Ammoniakfuperphosphat und andere künftliche Dünger den Schlufs bildeten. In ihrer überfichtlichen und fyftematifchen Anordnung gewährte diefe Expofition ein ebenfo intereffantes als lehrreiches Bild. Zeichnungen und Photographien der verfchiedenen Düngerfabriken, Modelle von Mafchinerien, welche zur Fabrication der künftlichen Dünger gebraucht werden, befonders das vollſtändige Modell einer bis ins kleinfte Detail entworfenen Düngerfabrik mit zehn Mahlgängen, Elevatoren, Sortirmafchinen, Carr'fchem Desintegrator u. f. w., ausgeführt von E. R. und F. Turner( Ingenieure in Ipswich), vervollſtändigten die inftructive Ausftellung. An diefelbe reihte fich faft ebenbürtig die Expofition von James Gibbs & Comp.( London). Bekanntlich hat diefes Haus das Monopol des Guanohandels von dem peruanifchen Staate erworben; feine Düngerausftellung in Wien umfafste auch alle Sorten des Guano und einzelne daraus bereitete künftliche Dünger, wie z. B. einen patentirten Ammoniakguano, dann Blutdünger nebft anderen chemifchen Düngern und deren Beftandtheile, befonders Superphosphate fammt der zu ihrer Bereitung nothwendigen Schwefelfäure mit ihren Rohmaterialien, Schwefel, Eifenkies, Pyrit u. f. w. Merkwürdigerweife waren hier auch Düngercompofitionen für beftimmte Feldfrüchte vertreten; der Weizendünger enthielt angeblich 15 bis 20 Percent lösliches und 5 bis 10 Percent unlösliches Kalkphosphat, 4 bis 10 Percent Ammoniak, 20 Percent fchwefelfaures Ammoniak und 5 Percent falpeterfaures Natron. Die„ London Manure Company" ftellte ebenfalls chemifche Düngerforten und die zu ihrer Fabrication gebrauchten Materialien, zerftofsene Knochen und aufgefchloffene Phosphate, fchwefelfaures Ammoniak und falpeterfaures Natron, diverfe Guanoforten und verfchiedene Specialdünger, fo für Flachs, weifse Rüben und Anderes aus. Gegen die letzteren Düngermifchungen für beftimmte Zwecke oder Nutzpflanzen müffen wir uns entfchieden wenden, da diefelben nach den Ergebniffen 94 Ant. Adam Schmied. vieler comparativen Verfuche nicht ftatthaft find; auch verbergen fich unter folchen Bezeichnungen viel zu leicht und oft ,, werthlofe Mifchungen nach dem Gutdünken empirifcher Alchimiften"( Dr. Wilh. Ritter von Hamm). In der deutfchen Agriculturhalle waren ebenfalls fehr viele Phosphate und Knochenpräparate exponirt; faft jeder Ausfteller von Düngemitteln hatte Proben von Knochenmehl, Superphosphaten nebft Rohmaterialien vorgeführt, fo dafs es zu weit führen würde, wollten wir hier die Adreffen derjenigen Ausfteller mittheilen, welche Guano, Superphosphate, Guano- Superphosphate und dergleichen ausgeftellt haben. Wir wollen hier blos der Firma Emil Güffefeld& Comp.( Hamburg) gedenken, deren intereffante Sammlung von künftlichem Dünger und hierzu nothwendigen Rohmaterialien fich würdig an die vorgenannten englifchen Collectionen anreihte. Diefelbe enthielt den Baker-, Malden-, Howland- EnderberryGuano, Guanokruften von verfchiedenen Infeln, aus Weftindien, St. Martin, Navaffa, Carolina, von Starbruck Island, Canada- Apatit( mit bedeutendem Gehalte an Phosphorfäure), Sombrerophosphat, fowie fpanifche, franzöfifche, portugiefifche, fchwedifche, norwegifche, mexicanifche Phosphate, kurz eine faft vollſtändige Sammlung der phosphorfäurehaltigen Maffen und ausgelaugten Halbguano- Lager, deren Ausbeutung gegenwärtig bereits fo grofse Dimenfionen angenommen hat. Auch die württembergifche Actiengeſellſchaft für Fabrication von Leim und Düngemitteln( Reutlingen) ftellte eine vollſtändige Sammlung von Präparaten aus Knochen in 42 Muftern, dann diverfe Superphosphate und verfchiedene Guanoforten, Leder- und Hornmehl, Kali- und andere Dungfalze u. f. w. aus. Endlich hatten Vorfter& Grüneberg( Kalk bei Köln am Rhein) Salpeter, Potafche, Ammoniak- Superphosphate und Aehnliches nebft den hiezu nothwendigen Rohmaterialien exponirt. In der belgifchen Abtheilung hatten Guft. Devit& Comp.( in Vilvorde) eine hübfche Sammlung von Knochenproducten nebft Phosphaten zur Anfchauung gebracht. Die Fabrik liefert jährlich 8 bis 9 Millionen Kilogramme phosphorfauren Kalk und wird neueftens die Fabrication um 25 Percent vermehren. Nebftdem waren in der belgifchen Abtheilung noch Düngercompofitionen unter der Bezeichnung:„ Phosphate azoté" und zwar für Körnerfrüchte und Wurzelgewächfe und Aehnliches. " Aus Oefterreich hatten befonders ,, die Kunftdüngerfabrik" von Heinrich Schmidt( Prag) und Umrath& Comp.( Prag) Superphosphate und Ammoniakpräparate ausgeftellt. Unter den Kunftdünger- Präparaten des H. Schmidt waren hauptfächlich verfchiedene Specialdünger enthalten; fo z. B.: verftärkter Rübendünger, Dünger für Kukurutz, Hülfenfrucht, Kartoffel, Weizen und Korn; ein Volldünger" oder„ Dünger der Zukunft", welcher nach den Angaben des Ausftellers auf einem Verfuchsfelde fünf Jahre lang ohne jeden Zufatz von Stalldünger Rüben producirt und durchſchnittlich von I öfterreichifchen Metzen 250 Centner Rüben hervorgebracht hat; er enthielt 15 Percent Stickftoff, 20 Percent Phosphorfäure, 20 Percent Kali, 10 Percent Natron, 35 Percent Kalk. Nebft einem Fleifchdünger( Fleifchguano) hatte Schmidt noch Knochen- Superphosphat mit 35 Percent löslicher Phosphorfäure, Humus- Superphosphat mit 23 Percent löslicher Humusfäure und Humusammoniak( Kali- Superphosphat) mit 10 Percent Stickftoff, 14 Percent löslicher Phosphorfäure und 14 Percent Kali ausgeftellt. Fr. K. Grillo ( Prag) ftellte diverfe Düngerftoffe, darunter Ammoniak, Knochenkohle und der gleichen aus; A. Popper& Comp.( Zborowitzer und Kojeteiner Zuckerfabrik) Knochenmehl, Ammoniak, Superphosphate, gewöhnliche Poudrette und Blutpoudrette, fowie auch concentrirtes Kali; W. Homolacz( Tarnow, Galizien) einen Univerfaldünger", welchem eine günftig lautende chemifche Analyfe, von Prof. Krocker in Proskau ausgeführt, beigegeben war. " In der land- und forftwirthschaftlichen Collectivausftellung des Königreiches Böhmen, überfichtlich und fyftematifch geordnet, mit Rückficht auf den Hilfsdüngemittel 95 Kreislauf der Stoffe, waren endlich diverfe Düngemittel vertreten, hauptfächlich Superphosphate und Kali- Superphosphate, Wiefendünger, Baum, Hopfen-, Weinberg- Dünger, Abfatz aus den Schlammfängen( aus der Actien- Düngerfabrik Peček), dann rohes Knochenmehl und Superphosphat- Knochenmehl( ausgeftellt von der Zuckerfabriks- Oekonomie Dux) und endlich verfchiedene zur Düngung geeignete Abfälle aus den einzelnen Gewerbs- und Induftriezweigen. In der ungarifchen Abtheilung hat blos J. C. Tauffer( Klaufenburg, Siebenbürgen) Knochenpräparate ausgeftellt. Rufsland ftellte in feinen meiften Düngercollectionen auch Superphosphate aus; namentlich war es die Dampf Knochenmehl- und Superphosphat- Fabrik von R. Thomfon in Riga, welche eine hübfche Sammlung von Knochen, Knochenmehl und Superphosphaten vorführte. In der dänifchen Abtheilung find ebenfalls Phosphate ausgeftellt gewefen; Fredens- Mölle's Fabriken( Kopenhagen) haben fauren, phosphorfauren Kalk aus Koprolithen, Superphosphate, befonders Eftremadura und BakerguanoSuperphosphat exponirt. Auch in der italienifchen Abtheilung hat Jemand ,, auf chemifchem Wege präparirte Knochen zur Düngung der Felder" ausgeftellt. Da das Kali zu den allerwichtigften Pflanzen- Nährstoffen gehört, indem es gerade die bedeutendften, für den Steuerfiscus wie für den Nationalwohlftand lohnendften Culturen: Zuckerrüben, Kartoffeln, Wein, Tabak, Flachs, Hanf, Oelfaaten, am nothwendigften brauchen, fo erlangen die Kalidünger von Jahr zu Jahr immer eine fteigende Verwendung; man foll aber nach den bisherigen Erfahrungen diefelben nie allein anwenden, fondern blos als eine Zugabe zu den ftickftoff- und phosphorfäurereichen Düngemitteln( zu Guano und Superphosphaten) benutzen, in welchem Falle zahlreiche in England, Deutfchland und Frankreich angeftellte Düngungsverfuche einen zumeift 20 bis 50 Percent betragenden Mehrertrag nachweifen. Da jedoch nach mannigfachen Zufammenftellungen der Kaliverluft in einer Wirthschaft, gegenüber der Menge, welche der Ackerboden hievon befitzt, in den gewöhnlichen Verhältniffen kaum der Rede werth ift, fo fcheint das Kali nur für die intenfiven Wirthfchaftsweifen, für die forcirte Cultur der Kraftfteigerung, nicht aber der blofsen Erhaltung wegen, von Bedeutung zu fein. Sehr zahlreich waren die verfchiedenen Sorten des Kalidüngers in der deutfchen Ausftellung( Gruppe II und III) vertreten. Die Patent- Kalifabrik des Dr. A. Frank( Stafsfurt, Sachfen), die vereinigten chemifchen Fabriken zu Leopoldshall( bei Stafsfurt), die Stafsfurter chemifche Fabrik( vormals Vorfter& Grüneberg) und Wünfche& Göring( Leopoldshall) haben Stafsfurter Abraumfalze und Fabricate aus denfelben, Kali-, Natron- und Magnefiafalze, diverfe Kalidünger, fchwefelfaure Kalimagneſia u. f. w. in grofser Reichhaltigkeit und erfchöpfender Ueberfichtlichkeit vorgeführt. Auch die öfterreichiſchen Kalifalze waren in der Weltausftellung würdig vertreten; unfere Landwirthe follten den heimifchen Naturfchätzen eine gröfsere Aufmerkfamkeit widmen, ja dem Kalufzer concentrirten Kali- Magnefia- Dünger, feiner grösseren Billigkeit wegen, fogar den Vorzug vor dem Stafsfurter gleichartigen Salze geben. Die Kali- Bergbau- und Salinen- Betriebsgefellfchaft in Kalufz( Galizien) hat Rohftoffe der Kalufzer Gruben, diverfe Kalifalze, darunter einen befonders fchönen, hochgradigen Kainit mit 23 bis 25 Percent fchwefelfaurem Kali, Chilifalpeter mit 16 Percent Stickftoff, rohen Kalifalpeter mit 13 Percent Stickftoff und 44 Percent Kali, raffinirten Chilifalpeter mit 99 4 Percent falpeterfaures Natron und Kalimagnefia ausgeftellt. Nach Hauer's Mittheilungen ift die Kalufzer Maffe kalireicher, als das Stafsfurter Vorkommen, indem die erftere 29 46 Percent Chlorkalium neben 30'04 Percent fchwefelfaurer Magnefia und 20.67 Percent Chlornatrium enthält, mithin faft fo kalireich ift, wie der reine Kainit felbft, in Die Kalufzer concentriten welchem 30'03 Theile Chlorkalium vorkommen. 7 96 Ant. Adam Schmied. Kalidünger enthalten 22 Percent fchwefelfaures Kali, 22 Percent Chlorkalium( mit 25 Percent Kali insgefammt) und 15-20 Percent fchwefelfaure Magnefia; das dreifach concentrirte Kalifalz enthält 30 bis 34 Percent Kali( neben 10 bis 12 Percent fchwefelfaure Magnefia), das fünffach concentrirte 50 bis 52 Percent Kali. Die rohe fchwefelfaure Kalimagnefia aus Kalufz hat 54 bis 57 Percent fchwefelfaures Kali und 37 bis 40 Percent fchwefelfaure Magnefia. Nebftdem haben die Koliner Spiritus- und Potafchenfabriks. Actiengefellfchaft( Böhmen) Potafche und fchwefelfaures Kali, C. A. Brofche( Liebfchic a. d. Moldau) Kali- und Natronfalpeter ausgeftellt. Endlich haben auch einzelne Handlungshäufer Kunftdünger vorgeführt. Die vollſtändigfte und intereffantefte Collection des Kunftdüngers war die Expofition der bekannten Firma Brüder Frankl in Prag, welche fich um Verbreitung von künftlichen Düngemitteln, fowie Kraftfutter und guten Sämereien in Böhmen fehr verdient gemacht hat. In der inftructiv geordneten Sammlung, welche freilich ziemlich viele ausländifche Producte und Materialien umfafste, waren die fämmtlichen Kalidüngemittel vertreten rohes, fowie gereinigtes fchwefelfaures Kali, fchwefelfaures Kalimagnefia, concentrirter Kalidünger mit 22 Percent fchwefelfaurem Kali, 22 Percent Chlorkalium und 10 bis 20 Percent fchwefelfaurer Magnefia, in welcher 25 Percent Kali garantirt find; dreifach concentrirtes Kalifalz mit 30 bis 40, fünffach concentrirtes mit 50 bis 53 Percent Kali; ferner Kalifalpeter und Chilifalpeter; Knochenmehl und Phosphoritmehl, Superphosphate aus Bakerguano und Kno chenkohle, Peruguano, roh und aufgefchloffen, ſchwefelfaure Ammoniak, reines Kali- Superphosphat, Ammoniak- Superphosphat, Kali- Ammoniak- Superphosphat u. f. w. Auch ein Dungfalz war in derfelben ausgeftellt, welches nach feiner Zufammenfetzung aus einem Gemifche verfchiedener einfacher düngenden Subftanzen, und zwar aus 3 bis 4 Percent Salpeter, 8 bis 10 Percent Kali, 20 Percent Magnefia beftand. Endlich haben Egidy Kriner& Söhne( Prag), neben land- und forftwirthschaftlichen Sämereien, diverfe Kalifalze, Maldenguano und Knochenmehl- Präparate ausgeftellt. Die übrigen zur Düngung geeigneten Naturfchätze der einzelnen Länder waren auch meiftentheils, jedoch in der Gruppe I und ziemlich ſporadifch ausgeftellt. So fahen wir in der Ausftellung Gyps aus dem Villajet Conftantinopel ( Türkei), aus Rumänien, Portugal( Soure), dann aus Steiermark, Galizien, Ungarn; weiter Salpeter aus der Türkei( Villajet Koniah), Natron aus Egypten. Feldfpath aus Norwegen, Kalksteine aus Kärnten, Schlesien, Ungarn und der Türkei; falzhaltigen Meerfand( Tangue) aus Belgien( Pierre Bortier); endlich Mergelarten aus Agram und Lüneburg( in Hannover) und die fogenannte Kuhlerde( Wühlerde) aus Aurich( ebendaher), reich an Kali, phosphorfaurem Kalk und ſtickſtoffhaltigen Subftanzen u. a. m. Die verfchiedenen Induftrien liefern endlich mannigfaltige, zur Düngung geeignete Abfälle, auf welche die Landwirthfchaft von jeher ihr Augenmerk gerichtet hat und welche zum Theil auch in der Ausftellung vertreten waren. So hat Fr. Cataneo( Codogno, Italien) Abfälle der Gärberei für Düngung der Reisfelder ausgeftellt; in der belgifchen Abtheilung fah man rohes Ammoniakwaffer( aus der Gasanftaft in Lüttich) und eigenthümlich geformte Oelkuchen J. Buysmann( Arnheim, Niederlande) exponirte Dünger aus Steinkohlen- Afche Veit Weil( Oberndorf, Württemberg) Gallertrückstände und Dr. A. Frank ( Stafsfurt) Ammoniakfalze aus Torf- und Moorboden gewonnen. Die London Manure Company hat Wollftaub( shoddy), der befonders für feinere Culturen und Obftbäume fehr wirkfam fein foll, ausgeftellt; folcher Dünger wird von den Südländern als das vorzüglichfte Hilfsmittel zur Erhaltung der Tragfähigkeit ihrer Weinftöcke und Oelbäume gefchätzt. Es wäre im Intereffe der Landwirthschaft und des Nationalwohlftandes zu wünſchen, dafs alle die in den einzelnen Gewerben und Induftrialien fich ergebenden, wie immer genannten Abfälle, fobald fie zur Düngung geeignet find und keine lohnendere Verwendung geftatten, auch Hilfsdüngemittel. 97 wirklich in der geeigneten Form zur Düngung verwendet werden, weil es nur auf diefe Weife möglich ift, die Bodenproduction unter thunlichfter Schonung der Ertragsfähigkeit der Aecker zu wünſchenswerther Höhe zu bringen und diefelbe gleichzeitig möglichft wohlfeil zu geftalten. Zum Schluffe wollen wir noch eine überfichtliche Darstellung über den Umfang der ausgeftellten Hilfsdüngemittel der einzelnen Reiche und Länder geben, weil wir überzeugt sind, dafs für den jeweiligen Stand der Bodencultur und die Ertragsfähigkeit des Ackerbaues in den normalen Verhältniffen der gemäfsigten Klimate die Verwendung von Kunft- und Hilfsdünger einen ficheren Gradmeffer und folglich auch ein zutreffendes Beurtheilungsmoment gewähren. Während der extenfive Betrieb in den zurückgebliebenen Ländern, fowie der althergebrachte, ortsübliche Betrieb in den von der Natur reichgefegneten warmen Himmelsftrichen ohne Bezug aller Hilfsdünger vortheilhaft betrieben werden kann, kann der hochintenfive Induftrialbetrieb der Landwirthschaft, die eine Maffenproduction anftrebende Hochcultur der Neuzeit, in unferen Gegenden ohne diefelbe nicht gedacht werden, und ift nur möglich durch ihre ftete, fachgemäfse Anwendung. Der intenfiven Betriebsweife genügt nicht mehr der in der eigenen Wirthschaft producirte Stalldünger und auch die zweckentfprechende Verwendung der Abfallftoffe ift nicht immer im Stande, die„ Bodenkraft" im Gleichgewicht zu erhalten; fie mufs nebftdem die werthvollen Hilfsdüngemittel, in ihrer Qualität und Quantität verfchieden nach der Specialität des Wirthfchaftsbetriebes verwenden, um einen vollständigen Erfatz für die aus der Wirthfchaft exportirten Bodenbeftandtheile, welche das Fundament der Pflanzenernährung bilden, zu verfchaffen. _ Schon oben ift erwähnt worden, dafs die englifche Kunftdünger Induftrie wenn auch blos durch drei Ausfteller repräfentirt die hervorragendfte Stelle in der Weltausftellung einnahm. Die Engländer haben hauptfächlich Stickftoff dünger und Phosphate ausgeftellt. Ihr ftand faft ebenbürtig zur Seite die Dünger fabrication des deutfchen Reiches. Diefelbe nahm auf alle drei hauptfächlichften Pflanzennährftoffe aus dem Mineralreiche eine faft gleiche Rückficht, indem fie neben den vorgenannten zwei Kunftdüngern noch die Kalidünger exponirte. Das norddeutfche Steinfalzwerk Stafsfurt ift eine reiche, faft unverfiegbare Quelle der Kalifalze; die fogenennten„ Abraumfalze" dafelbft enthalten alle mineralifchen Beftandtheile des Meerwaffers, mit Ausnahme des Chlorkaliums. Während die chemifchen Verfuchsftationen beftrebt waren, den Werth des Kalis als Pflanzennährstoff ins klare Licht zu bringen und die entsprechendften Kalifalze in der beften verwendbarften Form als Hilfsdüngemittel in die praktifche Landwirthfchaft, namentlich beim Zuckerrübenbau einzuführen, machten fich die zahlreichen Kalifabriken zur Aufgabe, das der Vegetation in mancher Hinficht nachtheilige Rohproduct zu raffiniren und in eine concentrirte Form zu bringen, fo dafs die fabricirten Stafsfurter Vorkommniffe fowohl den verfchiedenen Zwecken des intenfiven Betriebes genügen, als auch zu einer Verfrachtung auf weitere Entfernungen hin geeignet find. Die deutfche Ausftellung der Düngemittel war die zahlreichfte: an die 50 Ausfteller waren bemüht, diefelbe entſprechend zu vertreten, darunter fehr bedeutende Firmen, welche in den Welthandel eingreifen. Oefterreich dagegen war nicht befonders reich vertreten, wenn auch zugegeben werden mufs, dafs die Collectionen einzelner Ausfteller fo manches von Bedeutung aufzuweifen hatten. Weftöfterreich war durch 18, Ungarn gar nur durch zwei Ausfteller repräfentirt. Es wäre jedoch unrichtig, wollte man aus diefer Thatfache den Schlufs ziehen, dafs die Bodencultur in der öfterreichifchen Monarchie noch auf einer niedrigen Stufe fteht; denn in den einzelnen, durch hochintenfiven Ackerbau weltberühmten Induftrialbezirken werden dafelbft fo viele Hilfsdüngemittel verwendet, wie nur in irgend einem hochcultivirten Diſtricte Europas; freilich tritt dabei die national- ökonomifch traurige Erfcheinung Tage, dafs Oefterreich die Kunstdünger leider zum grofsen Theile aus dem zu 7* 98 Ant. Adam Schmied. Hilfsdüngemittel. Auslande bezieht und in dasfelbe eine bedeutende Maffe der hiefür unentbehrlichen Rohmaterialien exportirt. Einen klaren Beweis für die ausgedehnte Anwendung des Kunftdüngers in dem Landwirthfchafts- Betriebe Böhmens, refpective Oefterreichs, lieferten die in der böhmifchen Collectivausftellung untergebrachten Düngerforten, fowie die Specialausftellungen der einzelnen Grofsgrundbefitzer. In diefer Hinficht ift befonders die in der Collectivausftellung der Fürften Johann Adolf und Adolf Jofef zu Schwarzenberg vorgeführte fehr reichhaltige Sammlung von Düngemitteln hervorzuheben: Knochenmehl, roh und gedämpft in verfchiedenen Stadien, Superphosphat aus Spodiumabfall, Wollenlumpen- Compoft und andere Compoftarten, namentlich compoftirte Hopfenabfälle, Hornfpäne mit Pferdedünger gemifcht, gemahlener Feldfpath, Modererde, Düngekalk und viele Proben des bei der Wittingauer und Frauenberger Teichwirthfchaft gewonnenen Teichfchlammes waren in dem Pavillon zu fehen, als ein untrügliches Zeichen, dafs der Grofsgrundbefitz bei einer intenfiven Wirthfchaft immer mehr beftrebt ift, auch die geringfügigften Abfallftoffe richtig zu benutzen, um hiedurch den Ertrag des Gefammtbetriebes ohne eine beträchtliche Vermehrung des Productionsaufwandes möglichft zu erhöhen. Aehnlich war auch der intenfive Betrieb der erzherzoglich Albrecht'fchen Domäne Saybufch fehr vortheilhaft charakterifirt durch die ftattliche Sammlung des Kunftdüngers, hauptfächlich das Knochenmehl, die Knochenafche, das Spodium, die Kalkphosphate und Superphosphate aus Kali, fowie das gedämpfte Hornmehl. Das durch feinen rationellen Wirthfchaftsbetrieb altberühmte und vielgelobte Belgien ift bei der dort üblichen Kleincultur der ausgedehnten Anwendung des concentrirten Kaufdüngers nicht günftig; dennoch haben fechs Ausfteller die hauptfächlichften Düngemittel in achtbarer Weife vorgeführt. Frankreich war leider nur durch neun, die Niederlande durch zwei Ausfteller vertreten. Dagegen ift das Königreich Italien in jüngfter Zeit aufserordentlich beftrebt, um durch die verftändige Einführung der bewährten Errungenfchaften der Neuzeit feine Bodencultur zu jener Höhe und Intenfität zu bringen, welche die äufserft günftigen Verhältniffe des Bodens und Klimas wefentlich begünftigen. Diefs beweifen am beften die verhältnifsmäfsig reiche Befchickung der Weltausstellung mit Handelsdüngern von Seite 12 Ausfteller, fowie die von der Stazione fperimentale agraria di Roma ausgeführten Analyfen der Dünger des Stabilimento dei concimi in Teftaccio. Aus Schweden haben acht Ausfteller, aus Norwegen vier, aus Dänemark blos zwei Ausfteller die Expofition mit Düngemitteln befchickt. Auch Rufsland war durch acht Ausfteller vertreten, was bei dem dort üblichen extenfiven Betriebe umfomehr überrafchen mufste, da die vorgeführten Analyfen der ruffifchen Schwarzerde( cerná zem) zur Genüge bewiefen haben, dafs diefelbe bei ihrer durch den grofsen Gehalt an Phosphorfäure, weniger aber an Kali, bedingten übermäfsigen Fruchtbarkeit vollſtändig fähig ift, befriedigende Ernten ohne jede Düngung zu produciren. Spanien hat endlich durch fieben Ausfteller werthvolle Rohmaterialien für die Düngerfabrication, und Portugal durch einen einzigen Ausfteller( aus Braga) etwas Knochenmehl und Hornfpäne ausgeftellt. In diefen Ziffern ſpiegelt fich ganz gewifs ein treues Bild von der Intenſität des Wirthschaftsbetriebes und deffen Ertragsfähigkeit in den betreffenden Ländern getreu ab! DIE EUROPÄISCHEN NAHRUNGS PFLANZEN. ( Gruppe II, Section 1.) Bericht von ANT. ADAM SCHMIED, Profeffor an der höheren landwirthschaftlichen Landes- Lehranstalt in Liebwerd bei Tetfchen. Die Bodencultur hat während des letzten Vierteljahrhundertes faft überall einen wefentlichen Fortfchritt gemacht, ja in einzelnen Staaten und Ländern in Folge rationeller Bewirthfchaftung einen hohen Grad von Vollkommenheit erreicht. Die ausgeftellten Bodenerzeugniffe haben durch ihre Quantität und Qualität diefen agricolen Fortfchritt in jeder Hinsicht documentirt und zugleich den Beweis geliefert, dafs durch eine intelligente Cultur in der Landwirthschaft im Grofsen und Ganzen noch unendlich Vieles erreicht werden kann und durch zweckmäfsige Anwendung geeigneter Productionsmittel auch wirklich erzielt werden wird. Je nach derBefchaffenheit des Klimas und derFruchtbarkeit des Bodens, fowie nach der Art der Bewirthschaftung und der bereits ausgeführten Verbefferungsarbeiten waren die aus den verfchiedenen Gegenden Europas ausgeftellte Ackererzeugniffe oft in aufserordentlicher Menge ihrer Arten und Unterarten repräfen tirt, welche, obgleich fie in botanifcher Hinficht nichts wirklich Neues darboten, doch die Folgerung erlaubten, dafs, wenn auch durch die Cultur viele neue für die Pflanzenproduction oft vielbedeutfame Pflanzenvarietäten hervorgerufen werden, diefe künftliche Bildung doch der Entftehung der verfchiedenen Sorten durch äufsere, natürliche Einflüffe, hauptfächlich durch Boden und Klima, nicht gleichkommt, fo dafs durch diefe den Beftrebungen der Pflanzenproducenten, neue einträgliche Abarten zu bilden, eine gewiffe Grenze gezogen wird. Es haben fich zwar an der Ausstellung der Bodenproducte alle ackerbautreibenden Länder Europas, ja der ganzen Erde, betheiligt, aber durch die in Folge der Beobachtung des geographifchen Syftems bedingte Unterbringung ihrer Expofitionen in beiden Agriculturhallen, mehreren Quergallerien und zahlreichen Pavillons ging zumeift jeder gerechte Mafsftab für eine gewiffenhafte Beurtheilung und ftrenge Vergleichung der Ausftellungsobjecte verloren, um fo mehr, als felbft innerhalb einzelner Landesausftellungen das vorgeführte Material durch eine Unzahl von Collectivausftellungen, wie zum Beiſpiel in der Expofition des deutfchen Reiches und Oefterreich Ungarns, zerfplittert wurde, wodurch natürlich gerade diejenigen Eigenthümlichkeiten und Befonderheiten, welche eine fyftematiſch geordnete Einzelausftellung fo intereffant geftalten, im hohen Mafse verwiſcht worden find. Durch diefe beklagenswerthen Umstände, welche jede Ueberficht erfchwerten und eine eingehende erfchöpfende Würdigung der ausgeftellten Objecte faft unmöglich machten, ift auch die den einzelnen Berichterstattern zu Theil gewordene fchwierige Aufgabe noch mühfeliger geworden; aber diefelben werden, wenigftens zum grofsen Theile, entfchuldigen, wenn wir uns im Nachfolgenden, trotz des reichhaltigen und zumeift vortrefflichen ausgeftellten Materials, mehr auf die Skizzirung des allgemeinen Verhältniffe, als auf die Hervorhebung der einzelnen Details einlaffen werden. 100 Ant. Adam Schmied. Halmgetreide. Unter den Nährpflanzen, welche überall den Hauptgegenstand des Ackerbaues bilden, nehmen die Getreide Arten die erfte Stelle ein; fie find in dem Klima, wie es in der mittleren und nördlichen Region herrfcht, die ficherften und billigften. Von der gefammten Getreideproduction, welche in Europa auf 1688 und in der Vereinigten Staaten von Amerika auf 570 Millionen Hektaren gefchätzt wird, entfallen im Durchfchnitt auf die einzelnen Länder nachftehende Jahresproductionen: 560 Millionen Hektaren Rufsland.. Deutſchland 260 " Oefterreich- Ungarn . 199 " " Frankreich... 197 " " Grofsbritannien 133 " " Italien 69 " " Spanien 52 " Europäiſche Türkei 47 29 " Rumänien 48 99 " Schweden und Norwegen 30 " " Dänemark 30 " Belgien 27 27 " Portugal II " " Niederlande ΙΟ • 46 99 " Schweiz. • 753 7 " " 5 " " 9 " 99 Serbien Griechenland Unter den Getreide- Arten fteht der Weizen( Triticum L.), welcher im Allgemeinen die fchwereren und kräftigeren Bodenarten liebt, als das edelfte Getreide, oben an. Wenn auch die jährliche Quantität der erbauten Weizenkörner die Gefammternte an Reis und Mais, welche jährlich auf der Erde erzielt wird, nicht erreicht, fo ift doch der Anbau des Weizens aufserordentlich verbreitet, faft fo fehr, wie die Cultur der Gerfte. Der gemeine Weizen( T. vulgare L.) ift die herrfchende Frucht in faft ganz Europa, wo derfelbe bis 64, ficher nur bis 62 Grad nördlicher Breite gebaut wird. Alle Länder und Erdtheile haben Weizenproben vorgeführt, oft in überrafchend vollſtändigen Collectionen, wefshalb auch die Mannigfaltigkeit der ausgeftellten Spielarten eine fehr grofse war. Es waren gewifs alle die 16 Arten des Weizengefchlechtes, ficherlich in mehreren Hundert Abarten- in grösserer oder geringerer Menge vertreten: Vorherrfchend war weitaus der gemeine Weizen, meiftentheils als Winterfrucht, weniger als Sommerfrucht angebaut. Die Cultur desfelben wird in Mitteleuropa fehr eifrig betrieben und bildet diefe Frucht einen wichtigen Gegenftand der Ausfuhr. Der englifche Weizen( T. turgidum) war meiftens in Aehrenfammlungen und in Körnern, von vorzüglicher Condition, hauptfächlich von Samenhändlern, ausgeftellt. Unter den fehr fchönen englifchen Weizenforten intereffirten am meiſten T. campeftre, Hallet's Pedigree- Weizen, Talavera- Weizen u. f. w.( ausgeftellt von Sukon& Sons, Reading bei London). Wir müffen dem englifchen Weizen, welcher zur Zeit auch fchon mehr oder weniger auf dem Continente angebaut wird, nachrühmen, dafs derfelbe nach der bisherigen Erfahrung, neben dem polnifchen Weizen und dem Spelt am wenigften vom Rofte befallen wird. Der Glasweizen( T. aurum) nahm nebft dem gemeinen Weizen auf der Weltausftellung den gröfsten Raum ein; der dem harten" Weizen naheftehende polnifche Weizen( T. polonicum) wurde von manchen Ausftellern irrthümlich als 27 Die europäifchen Nahrungspflanzen. 101. ,, ruffifcher Riefenroggen" bezeichnet. In der ruffifchen Abtheilung fahen wir fehr fchöne Mufter des kurländifchen Weizens, gedörrt zu 135 Pfund holländifch ( der Tfchetwert), des podolifchen Winterweizens, 10 Pud 16 Pfd. der Tfchetwert des beffarabifchen Weizens, 10 Pud 8 Pfund, harten Weizens, 10 Pud 24 Pfund, Odeffa Weizens 10 Pud 22 Pfund, Sandomirka- Weizens 9 Pud 36 Pfund und fo weiter. Weftöfterreich hatte in feinen verfchiedenen Collectionen fehr ſchöne Weizenproben diverfer Varietäten ausgeftellt, darunter gegrannten Winterweizen, 88 Wiener Pfund per Metzen fchwer, fehr fchönen Duxer Winterweizen, bis 6 Fufs hoch( ausgeftellt von der Duxer Zuckerfabrik in Böhmen), fchönen Winterbartweizen und Winter- Kolbenweizen, Frankenfteiner Weizen, fo wie auch manche fremde Sorte, als: auftralifchen Kolbenweizen, holländer Winterweizen, Mumienweizen( der Metzen 831, Pfund fchwer), fchönen Sandomirweizen, banater Winterweizen, Hallet genealogifchen Weizen( ausgeftellt aus Barzdorf in Schlefien), welcher per Joch einen Ertrag von 29 niederöfterreichifchen Metzen à 86 Pfund fchwer und 54 Centner Stroh gewährte. Ungarn, deffen landwirthschaftliche Ausftellung uns keinesfalls befriedigt hat, fteht infolge feiner tellurifchen Verhältniffe an der Spitze der öfterreichifchen Weizenproduction; ihm folgt Böhmen. Es genügt, wenn wir blos auf den ausgezeichneten Weizen aus dem Banat und auf den Theifsweizen, durch Form und Farbe von jenem unterfchieden, hinweifen, welche beide einen bedeutenden Ausfuhrartikel bilden. In den letzten Jahren hat aber die Weizenernte Ungarns fehr ftark durch den Roft Schaden gelitten, fo dafs man fich gezwungen fah, zur Abhilfe diefer Calamität Anbauverfuche mit dem algerifchen Glasweizen zu machen, welcher in feiner Heimat in den Monaten November und December angebaut wird, Mitte Mai bis Ende Juni zur Reife gelangt, vom Roft weniger leidet, der Gefahr einer Lagerung nicht unterworfen, überhaupt gegenüber der Trockenheit widerftandsfähiger ift als jede andere Weizenart. Der in Deutfchland cultivirte Weizen war durch Probfteier und Oberfranken Proben, Langweizen, englifchen Weizen von 52 Fufs Höhe und mit langen Aehren, Bartweizen, weifsen und rothen Weizen vertreten. Am fpärlichften waren die Enner-( T. amyleum) und Dinkelarten( T. fpelta), fowie das plattgedrückte, fchmächtige Einkorn( T. monococcum) vertreten; nur in der Ausftellung Belgiens und Württembergs trat der Spelt etwas mehr hervor. Die Spelze, deren Anbau in Süddeutſchland vorherrfchend ift, ftehen dem Weizen in jeder Hinficht bedeutend nach und können namentlich den Anforderungen des Welthandels nicht genügen. Endlich hatten Spanien in überwiegender Menge den weichen Weizen von zartefter Weifse, fowie fchönen weifsen und gelben fpanifchen Weizen( T. cienfuegos) aus der Provinz Sevilla, Portugal und Italien vortrefflichen Glasweizen, dann Tr. turgidum und Tr. hibernum, Griechenland und die Türkei fchönen harten Weizen ausgeftellt. Der egyptifche gelbe, glasfarbige Weizen, welcher fporadifch fchon in den Pfahlbauten auftritt, wird gegenwärtig nur in Egypten, in einigen Ländern am Mittelmeer und in einigen Gegenden Englands im Grofsen angebaut. Die vorgenannten Länder bauen vorzugsweife den Triticum durum mit weifsen Aehren und gelben bis fchwarzen 3 bis 5 Zoll langen Grannen an. Der Vollständigkeit wegen wollen wir hier noch des amerikanifchen Weizens gedenken, des weichen, weifsen Weizens von lichtgelber Farbe, wie folcher am fchönften aus Nordamerika, Queensland und Neufeeland ausgeftellt worden ift; denn Amerika droht uns im Weizenhandel mit einer fehr gefährlichen Concurrenz. Selbft Neufeeland, wo der Ackerbau bisher in noch geringer Ausdehnung betrieben worden ift, ftellte fchöne, Producte der Meierei aus. Weizen, wovon der Hektare 100 bis 120 Hektoliter liefert, fowie Gerfte und Hafer, auch Mais, waren in mehreren Sorten vorhanden, erfterer als Winter- und Sommer 102 Ant. Adam Schmied. weizen; befonders toscanifcher Weizen, Sammet-, Spreu und Perlweizen, Imperial, weifser Suffolk und weisser Sunter. Die grofse Verfchiedenheit der ausgeftellten Weizenforten des Nordens und Südens, überhaupt der weit von einander entfernten Länder, läfst fich aus der verfchiedenen Bodenbefchaffenheit, der vorherrschenden klimatifchen Einwirkung und den übrigen befonderen Wachsthumsbedingungen fehr leicht erklären. Ift es doch allbekannt, dafs die Weizen der Schwarzerden Ungarns und Rufslands einen höheren Stickftoffgehalt haben, als jene des Thonbodens Englands, dafs die harten Weizen Italiens und die Glasweizen Afrikas gleichfalls einen höheren Kleber- und folglich auch gröfseren Stickftoffgehalt befitzen, als die gemeinen Weizenarten des nördlichen Europas, dafs überhaupt continentales Klima( hohe Sommerwärme und geringer Regenfall) hohen Stickftoffgehalt in den producirten Weizenforten bedingt. Diefs bewahrheiteten auch die ausgeftellten Weizenproben. Eine Vergleichung derfelben liefs erkennen, dafs die Weizenarten Ungarns und Rufslands in ihrem wefentlichen Charakter fehr ähnlich find, welchen die amerikaniſchen Weizenarten als Gegentheil entgegengeftellt werden können; und zwifchen denfelben, gleichfam in der Mitte, ftehen die Weizenforten Mitteleuropas, namentlich Deutfchlands, fowie auch Englands, fich je nach den Temperatur- und Feuchtigkeitsverhältniffen des Klimas bald mehr dem einen, bald dem anderen Typus nähernd. Die Gerfte( Hordeum L.), die meift einen ficheren und hohen Ertrag gewährt, wird ebenfalls ziemlich allgemein angebaut. Sie iſt Hauptnahrungsmittel in Sibirien, Schottland, Norwegen, Irland; bei uns ift fie auch eine bevorzugte Frucht, dient jedoch mehr zur Malzbereitung als zur menfchlichen Speife; im Süden dient fie zur Fütterung der Nutzthiere, befonders der Pferde, und hat dafelbft den Hafer zu erfetzen. Als eine fchnell reifende Sommerfrucht kann die Gerfte wegen der Kürze ihrer Vegetationszeit noch im höchften Norden angebaut werden, wo keine edlere Halmfrucht mehr zu reifen vermag; dort baut man, fowohl auch in Norddeutſchland, überwiegend die gemeine vierzeilige Gerfte( H. vulgare L.) an, während die fechszeilige Gerfte ( H. hexastichon L.), auch Stock- oder Rothgerfte genannt, im Süden gefäet wird; feit 300 Jahren bei uns in Cultur, konnte die fechszeilige Gerfte doch niemals zur allgemeinen Verbreitung gelangen. In Mitteleuropa( Deutfchland, Oefterreich, England u. f. w.) wird die zweizeilige, grofse Gerfte( H. distichon L.) in ihren verfchiedenen Varietäten als Sommerfrucht allgemein angebaut, und hat dafelbft, namentlich die Frühgerfte( nutans) in Mittel- und Süddeutſchland, ihr Gebiet in den letzten Jahren fehr bedeutend vergröfsert, da mit ihrer zunehmenden Verwendung zur Bierbereitung deren Anbau ftetig an Ausdehnung gewinnt, befonders in einzelnen preufsifchen Provinzen, in Baiern, Heffen, Thüringen u. f. w., fowie in einzelnen öfterreichifchen Kronländern, vor Allem in Böhmen und Mähren. Die kleine Gerfte ift in Norddeutſchland, Schweden, Norwegen, Dänemark, Holland, Belgien in grofsen Quantitäten den Zwecken der Bierbrauerei dienftbar. Die zweizeiligen Gerftenarten liefern unftreitig die fchönften Gerftenkörner; weit geringer find die fechszeiligen, deren anfehnliche Aehren in der Weltausftellung meift nur zur Decoration Verwendung fanden. Schöne Gerftenforten ftellte Baiern aus, namentlich Voigtländer, Oberfranken- und Frankengerfte, fodann nackte Gerfte( H. distichon nudum). Wegen ihrer Ertragsfähigkeit und des bedeutenden Gewichtes follten die nackten Gerften mehr gefchätzt und verbreitet ſein, als diefs auf der Ausftellung zu fehen war; allein diefelben verlangen einen fruchtbaren Boden und eine gefchützte Lage, find auch fehr ftark dem Ausfalle bei der Ernte unterworfen, wodurch ihr Anbau bedeutend gefchmälert wird. Böhmen war durch fchätzenswerthe Chevalier-, algerifche, Jerufalem- und Himalayagerfte( H. vulgare nudum), Mähren durch feine vorzügliche Hannagerfte, dann durch englifche Frühgerfte, fchwarze zweizeilige Gerfte und Reis- oder Pfauengerfte( L. zescriton), welche früher in 1 à Die europäifchen Nahrungspflanzen. 103 Deutfchland und Oefterreich- Ungarn häufiger angebaut wurde, Schlefien durch fchöne fchlefifche Gerfte, Hermannftädter Gebirgsgerfte, welche per Joch 13 niederösterreichifche Metzen Körner à 70 Pfund und 24 Centner Strohertrag gibt, fowie durch fchottifche Annatgerfte mit einer Fechfung von 36 Metzen 74 Pfund und 40 Centner Stroh per Joch, und durch Probfteier Gerfte( Herrfchaft Tefchen), Steiermark durch fchöne vierzeilige Gerfte und fechszeilige Wintergerfte( Rettema) vertreten. Auch die Wintergerfte wird, mit Ausnahme von Belgien, Holland und Niederrhein, fehr wenig angebaut, obgleich fie fich ftark beftockt, frühzeitig reift und fehr ertragreich ift; doch ift fie dem Vogelfrafs ftark ausgefetzt. Galizien ftellte prächtige Imperialgerfte und fchöne Braugerfte aus u. f. w. In der ungarifchen Ausftellung gewahrte man ausgezeichnete Braugerfte ( Alex. Ferenczy), Chevaliergerfte, welche per Joch einen Ertrag von 26 Metzen à 79 Pfund gewährt, nackte Gerfte, fowie andere diverfe Gerftenarten. Ueberhaupt hatten die füdeuropäiſchen und nordafrikaniſchen Länder, Rumänien, Spanien, Algerien, Nordamerika die nackte gemeine Gerfte, und zwar fowohl die dunkle, die fogenannte Kaffeegerfte, wie auch die hellfarbige ausgeftellt. Frankreich und Spanien exponirten prachtvolle Gerften, ebenfo Italien und die Türkei, und zwar nicht nur befchalte, fondern auch unbefchalte, nackte Gerften und unter den erften hauptfächlich die kleineren, dickfpelzigeren, kleberreicheren und ftärkemehlärmeren Varietäten von H. hexastichon und vulgare, welche fich befonders für Küchenbedarf, alfo zu Brod und Graupen, weniger für Biererzeugung eignen. Rufsland ftellte kurländifche Gerfte, welche lufttrocken 105, gedörrt 107 Pfund holländifch( per Tfchetwert?) wog, prächtige, glafige Chevaliergerfte und ähnliche Gerftenforten aus, England Hallets Pedigree- Gerfte, Belgien egyptifche Gerſte und einige Proben Wintergerfte, die Niederlande englifche Gerfte, Schweden fchwarze Gerfte( H. vulgare nigrum) u. f. w. Dunkelfarbige, bläuliche oder fchwarze Gerften fand man auch häufig unter jenen Norwegens. 95 Die fchönfte„ Braugerfte" haben natürlich die Malzfabriken Oefterreichs und Deutſchlands ausgeftellt. Diefe braumäfsigen" Malzgerften zeichneten fich durch alle gewünſchten Eigenfchaften im hohen Mafse aus: ,, die kurze gedrungene, in der Mitte ftark bauchige ausgefüllte Form, von feinftem gemäfteten Ausfehen, die feinen querrunzligen Spelzen, die nur einen fehr geringen Bruchtheil vom Gewichte des ganzen Kornes bilden, die lichte gleichförmige Farbe, der weifse mehlige Bruch, der eine leichte und rafche Umwandlung des Stärke- Inhaltes in Dextrin und Zucker verfpricht"( Profeffor Haberlandt), verriethen im hohen Grade die Eignung diefer Gerftenforten für die Malzfabrication. Aber nicht nur die fruchtbaren Diftricte Mitteldeutſchlands, die gefegneten Hügelgegenden Böhmens und Mährens, der ergiebige Boden Galiziens und Oberungarns produciren folch ausgezeichnete Gerfte man konnte diefelbe auch unter den aus den füdlichen Regionen ftammenden Gerftenproben wahrnehmen; diefe Thatfache erklärt die Erfcheinung, dafs die Gerfte aus Algier in England und im Norden Frankreichs für die Bierbrauerei fo gefucht ift. - Roggen( Secale L.) hat in Deutfchland und Oefterreich einen ziemlich ausgedehnten Anbau erlangt, begünftigt durch Nahrungsverhältniffe und Gewohnheit des Volkes, Gröfse des Bedarfes, Befchaffenheit des Bodens und Charakter des Klimas. Derfelbe ift aber kein Ausfuhrartikel, weil England und Frankreich nur Weizen zum Brodbacken verwenden, fo dafs fich der Handel mit in Mitteleuropa erzeugtem Roggen faft nur auf Deutfchland und Oefterreich befchränkt, wefshalb auch die Roggenpreife in der Regel verhältnifsmäfsig weit niedriger find als die Weizenpreife. Nimmt nun auch der Roggen mit ärmerem, fand. reicherem Boden fürlieb und begnügt fich mit bedeutend geringerer Wärme, als der Hafer, fo dafs er in Europa von 50 bis 67 Grad, im öftlichen Nordamerika von 40 bis 50 Grad nördlicher Breite cultivirt wird und als Sommerkorn bis an die Grenze des Getreidebaues, in Deutfchland bis 3000 Fufs Höhe geht, und ift der 104 Ant. Adam Schmied. felbe auch etwas ertragreicher, als der Weizen, wodurch aber der geringere Preis des erfteren keinesfalls ausgeglichen wird: fo erfcheint es im Allgemeinen doch rathfam, den Roggenbau einzufchränken und dafür den Weizenbau ausgedehnter zu betreiben. Im ganzen preufsifchen Staate, in Thüringen, Sachfen, Braunfchweig und Mecklenburg hat der Roggenbau ein entfchiedenes Uebergewicht; nur in Württemberg und Baden, wo der Spelz die Brodfrucht ausmacht, wird der Roggen weniger häufig gezogen. In der öfterreichifchen Monarchie, wo Ungarn( mit dem Banat) und Böhmen an der Spitze der Weizenproduction ftehen, geht Böhmen bei der Roggenerzeugung felbft dem gefegneten Ungarn voran. Galizien folgt in beiden Beziehungen; daran reihen fich erft Mähren und Oefterreich unter der Enns. Die letzten fünf Jahre gaben für Gefammt Oefterreich folgende Durchfchnittsernten: Weizen Korn Gerfte Hafer Mais " 28 28 Millionen Hektoliter 49 19 30.74 61.49 99 99 99 23.36 6.15 27 " 27 Hirfe, Heidekorn Zuſammen 199 21 Millionen Hektoliter. Die meiſten und fchönften Roggenproben haben Rufsland, in deffen Nordhälfte fehr viel Roggen gefäet wird, Deutfchland und Oefterreich ausgeftellt; aber auch die füdlichen Länder Europas haben manch fchönes Roggenmufter exponirt. " Darunter zeichneten fich insbefondere Spanien und Italien aus durch grofskörnige, eigenthümlich hellfarbige Roggenfrüchte, welche mit ihrer lichtockergelben Färbung und vollen fchönen Körnern ein faft weizenartiges, ganz ungewohntes Ausfehen zeigten."( Braungart.) Deutſchland ftellte den Probfteier, Pirnaer, Kutzenberger Roggen, Eldenauer Baftardroggen, eigenartig langfpelzigen, fehr ftrohreichen Schilfroggen aus; Oefterreich den kleinkörnigen oder böhmifchen, den klein- und dickkörnigen Stauden- oder Johannisroggen, ein Culturproduct der Hackwirthfchaft des Böhmerwaldes, dann Correnzer, egyptifchen, amerikaniſchen und Champagner Roggen, Sommer- Staudenroggen, ruffifches Sommerkorn, dünnen kurzen Moraft- Winterroggen, fchönes Sommerkorn( aus dem Hermannftädter Gebirgsland in Schlefien), welches per Joch einen Ertrag von 15 Metzen à 80 Pfund und 33 Centner Stroh gewährt; Ungarn fchönes Winterkorn, Johanniskorn, welches angeblich per Joch eine Ernte von 36 Metzen Körner à 82 Pfund liefert; Rufsland den befonders für Gebirgsgegenden empfehlenswerthen ruffifchen Roggen, lufttrocken 120 Pfund holländifch fchwer, kurländifchen Roggen, gedörrt 124 Pfund holländifch fchwer, und das ruffifche Schneekorn mit fadenförmig dünnen, ungemein langgeftreckten Aehren; die Niederlande fehr fchönen Seeländer Roggen( und Weizen); Bèlgien ausgezeichneten Campiner Roggen und fehr hohes ruffifches Korn( aus Condroz). Selbft Italien ftellte fchönen römifchen Roggen, Cereale secale hybernum, Spanien den ſchweren ,, Doppelroggen" u. f. w. aus. Wenn auch die ausgeftellten Roggenarten fich fehr ähnelten und nur hinfichtlich der Gröfse und Länge der Körner und ihrer Färbung, fowie in der Dicke und Länge der Aehren etwas von einander unterfchieden waren, indem z. B. einzelne Roggenproben aus Sachfen recht dunkle, blaufchimmernde, mitunter faft braune Körner des Pirnaer Gebirgsroggens eingemifcht enthielten, fo konnte man doch in der Gröfse des Halmes, der Blätter und Aehren gröfsere Verfchiedenheiten wahrnehmen, wie wir diefs an dem langen, ftarken und zähen Halme des Probfteier, den fchwer herabhängenden Aehren des Champagners, der ungewöhnlichen Länge des Strohes des Campiners, den breiten Blättern des ruffifchen und den langen Aehren des fchwedifchen Roggens wahrnehmen konnten. Aber die gröfste Die europäifchen Nahrungspflanzen. 105 Mannigfaltigkeit zeigte der Roggen rückfichtlich feiner Beftockungsfähigkeit, wie wir es namentlich an den verfchiedenen Varietäten des Staudenkornes und des Johannisroggens fehen. Diefe Variabilität erftreckt fich fogar bis auf den Blüthenftand des Roggens. Während nämlich die normale Blüthe des Roggens zwei fruchtbare Blüthchen hat, welche je eine Frucht ausbilden, und zwifchen beiden ein geftieltes, unfruchtbares Blüthchen befitzt, hatte Martiny( aus Scharfenort bei Danzig) mehrblüthigen Roggen in Roggenähren exponirt, die, unter befonders günftigen Umftänden erzogen, felbft drei und vier Körner in einem Aehrchen entwickelten: dadurch erhielten die Aehren ein fehr verbreitetes Ausfehen. Aehnlich anfehnliche Breite der Aehren zeigte der belgifche Campinerroggen. Noch müffen wir des höchft intereffanten Naturfpieles gedenken, welches in der Poppelsdorfer Lehrfammlung aufgelegt war, nämlich des prächtigen Exemplares eines äftigen Roggens mit verzweigten Aehren. Der Hafer( Avena L.) hat im Allgemeinen nebft dem Roggen wohl die geringfte Verbreitung in der Cultur unter den Cerealien erfahren; gegenwärtig wird er am meiften in den rauheren Gebirgsgegenden und in den kälteren Diftricten Nordeuropas angebaut. So hat z. B. Schweden im Jahre 1870 allein 20,234.417 Cubikfufs Hafer ausgeführt. Seit 2000 Jahren in Deutſchland cultivirt, reicht deffen Anbau bis Island und Lappland. In einigen Provinzen des preuſsifchen Staates, befonders in Brandenburg, Pommern, Hannover, Schleswig- Holftein, fowie in Baiern, Sachfen, Thüringen und Oldenburg gehört der Hafer zu den am meiſten cultivirten Pflanzengattungen. In Oefterreich liefern vier Fünftheile der Gerfte und des Hafers Ungarn, Galizien, Böhmen und Mähren. Auch in Amerika wird ziemlich viel Hafer gebaut. So betrug die Gefammtproduction Amerikas an Getreide im Jahre 1870: Mais.. Weizen. Korn Gerfte Hafer 385.6 Millionen Hektaren im Werthe von 3159.6 Millionen Francs 83.1 " 27 97 " 5.4 9.3 1290 7 66.1 " 99 " " 9 " 99 " 79 F 99 87.1 22 " " 116.5 561-7 وو 99 2 99 99 Als Nahrungsmittel( zu Brod) wird der Hafer gegenwärtig noch in Schottland und Skandinavien benutzt; in Deutfchland dient er als Grütze, in Belgien zu Bier, am meiften aber als die wichtigfte Frucht zu Viehfutter. Selbft in Algier findet der Hafer als Futterpflanze Verwendung, in welchem Falle er nach beendetem Körneranfatze gemäht wird. In der Weltausstellung fand man Haferproben faft aus allen Ländern der Welt:„ von Norwegen bis Algier, von Rufslands neu eroberten Gebieten Centralafiens über Europa bis an die weftlichen Geftade Nordamerikas", hauptfächlich in der intereffanten Getreide- Pflanzenfammlung der Pacificbahn, wo befonders der kleine fchwarze Mohrhafer mit ftarken Halmen fehr auffallend war. Die fchönften Proben von fchwerem Hafer ftellte England( Hallet's genealogifcher, Hopetowe, Berwick, Winterhafer, fchwarzer Hafer, Chevalier), Belgien( aus dem fandigen, condrufifchen und Ardennenboden) und das deutfche Reich( podolifchen, Probfteier, weifsen Grannen- und Grannengoldhafer, Früh oder Augufthafer Spät oder Kartoffelhafer) aus. Rufsland exponirte vortrefflichen ruffifchen Hafer, welcher luftrocken 84 Pfund holländifch fchwer war, Kamtfchatkahafer, fibirifchen Frühhafer, nackten oder tatarifchen Hafer( A. nuda L.), fchwarzen Hafer. Auch Oefterreich bewies durch die ausgeftellten Haferproben, dafs es eine hervorragende Stelle unter den Haferproducenten, einnimmt; ähnlich wie in Deutfchland fteht hier der gemeine Rispenhafer, A. fativa L., in vorwiegender Cultur. Der fchöne mährifche Gebirgshafer, fchwarzer Gebirgshafer aus Krain, böhmifcher Gebirgshafer, welcher per Joch 24 Metzen Körner à 50 Pfund und 106 Ant. Adam Schmied. 27 Centner Stroh, fchlefifcher langer Hafer, welcher per Joch 35 Metzen à 56 Pfund und 30 Centner Stroh producirt, der von der Domäne Tetfchen( Böhmen) ausgeftellte prachtvolle Canada und fchwere Gebirgshafer, dann der fchottländer und Kamtfchatka Späthafer, Jütländer Marfchhafer, 4 bis 5 Fufs hoch, mit langen Rispen( von der Duxer Zuckerfabriks- Gefellfchaft in Böhmen ausgeftellt), norwegifcher Hafer, böhmifcher Hafer( Domäne Duppau), 60 Pfund per Metzen fchwer, polnifcher Hafer, Canarienhafer, Früh und Grünhafer, ungarifcher weifser Hafer fchwarzer fibirifcher und fchwarzer polnifcher Hafer, Kawczak genannt, zogen befonders die Aufmerkfamkeit auf fich. Dunkle, bläulich bis rothbraun und fchwarzbefpeltzte Haferforten fah man fowohl unter den Hafermuftern der nordifchen Länder, als auch der füdlichen Klimate; Ungarn, Spanien, Niederlande ftellten fogenannten fchwarzen, Rumänien bläulichen Hafer aus. Haferproben mit unbefchalten Früchten, fogenannte nackte Haferarten( A. nuda L.) kamen hie und da vereinzelt und der chinefifche Hafer( A. chinenfis) im Ganzen fehr felten vor, vielleicht nur in den Lehrfammlungen von Weihenftephan und Poppelsdorf. Schweden hatte einen fchönen Wickenhafer ausgeftellt. Da die Spelzen an der Schwere des Kornes durch ihr geringes Gewicht nur einen geringen Antheil haben, wird allgemein die Güte des Hafers durch das Gewicht des Kornes beftimmt. Erwägt man, dafs bei den ausgeftellten Haferforten, je nach Art und Varietät, die Spelzen bei den geringen Haferforten bis 40 Percent vom Gewichte des Kornes, bei den vorzüglichen Qualitäten aber blofs bis 12 Percent betrugen, fo wird man leicht einfehen, dafs bei keiner anderen Getreide- Art fo grofse Verfchiedenheiten in der Güte vorkommen können als eben bei dem Hafer. Der Reis( Oryza L.) aus Oftindien ſtammend, wird hauptfächlich in China, Japan, Hinter- und Vorderafien, Afrika, Südeuropa und Amerika bis 46 Grad nördlicher Breite angebaut. Es ift die wichtigfte Getreide- Art der Erde, indem er den meiften Erdbewohnern, welche keine unferer Brodfrüchte kennen, zur ausfchliefslichen Nahrung dient,*) wozu er in viel höherem Grade geeignet ift, als die bei uns allgemein verbreiteten Kartoffeln einmal defshalb, weil überhaupt fein Nährstoffverhältnifs ein günftigeres ift, indem er auf 80 Percent Stärkemehl 5 Percent eiweifsartige Stoffe enthält, dann auch defshalb, weil der Südländer in dem milden Klima durchſchnittlich weniger Nahrung benöthigt, als der Bewoh ner des Nordens, und auch weniger angeftrengt arbeitet. Auch für die übrigen Erdbewohner ift Reis ein höchft bedeutfames Hilfsnahrungsmittel, da die meiften übrigen nicht Reisbau treibenden Länder ebenfalls grofse Mengen desfelben verzehren. Die Einfuhr Englands aus Indien beträgt befpielsweife 4 Millionen Centner Reis jährlich, während Deutſchland jährlich circa 1,200.000 Centner Reis importirt. Aus Oefterreich war nur eine kleine Probe von Reiskörnern und Rispen in der Collectivausftellung der k. k. Ackerbau Gefellfchaft in Görz vorhanden; auf dem fehr fruchtbaren Schwemmlande der friaulifchen Tiefebene in den Bezirken Cervignano und Monfalcone in der gefürfteten Graffchaft Görz und Gradiska, wo die dem Reis nothwendige Wärmefumme von 3600 Grad bis 3700 Grad Réaumur und die den Reisfeldern zur dauernden Bewäfferung unentbehrliche Waffermenge geboten wird, wird alljährlich die anfehnliche Production von rund 42.000 Metzen Reis erreicht. Von den übrigen Ländern Europas, welche Reis bauen, haben namentlich Italien, die Türkei, Spanien und Portugal vortreffliche Proben der gewonnenen Producte ausgeftellt. Italiens jährliche Mittelproduction an Körnerfrüchten ftellt fich nachfolgend heraus: * Von feiner Confumtion kann man fich einen Begriff machen, wenn man erwägt, dafs von den angeblich 1.350 Millionen Bewohnern der Erde über 750 Millionen ausfchliefslich von Reis leben, und zwar die Chinefen, Japanefen, Malayen des oftindifchen Archipelagus, Indiens, ferner Perfien, Arabien, Türkei, Nord- Afrika, Portugal.( Elsner von Gronow.) Reis. Die europäifchen Nahrungspflanzen. 107 1,584.798 Hektoliter Weizen Mais • 34.749.168 " 16.352.141 " Gerfte und Hafer. 7.467.239 29 Korn Anderes Getreide 2,799.951 6.543.05 97 وو Zufammen 69,497.202 Hektoliter. Neben zahlreichen Proben des gemeinen Reifes, gefchält und ungefchält haben namentlich die ausgezeichnete Collection des Mario Ritter Trevifanato ( Mufeftre, Trevifo), enthaltend die Sorten: Novarefe, Cinefe und Giapponefe, diejenigen des Richard Ferrarini( Foncigine, Modena), enthaltend die Sorten: Glaié chinefe, Gl. Noftrano, Gl. gitgandefio, Gl. Indo- Chinefe Rangon, und diejenige des Marq. Franz Dionifi( Angiari, Verona), aus Reis verfchiedener Qualitäten beftehend, die allgemeine Aufmerkſamkeit erregt. Die reichften Reisproben exponirten aber Oftindien, China, fowie die fämmtlichen überfeeifchen Colonien der europäiſchen Staaten: Hollands, Englands, Frankreichs, Spaniens und Portugals. Sie alle waren mit mehr oder weniger fchönen Collectionen erfchienen. Neben der befonders fchönen Expofition der chinefifchen Regierung war Overbeck's Zufammenftellung von 50 Sorten Reis der Philippinifchen Infeln in der chinefifchen Abtheilung fehr intereffant. Auch gewahrte man dafelbft Proben eines klebrigen Reifes, welcher hauptfächlich zur Bereitung eines füfsen Weines dient, dann eines wohlriechenden Reifes, durch fein Aroma ausgezeichnet, welches er beim Kochen entwickelt, endlich eines aufquellenden Reifes, aus Cochinchina ftammend, eine Mittelforte, die angeblich im„ Nichtwafferfelde" gebaut wird, und fich beim Kochen gröfstentheils in Schleim auflöft. Von den afrikanifchen Ausftellern ift befonders Egypten hervorzuheben. Der Reis Japans ift der befte in Afien. Als die befte Sorte wird der Carolina- Reis aus Nordamerika betrachtet. Neben den Proben des entkörnten, zum Theil enthülften, felbft gebrochenen Reifes fah man bei vielen Collectionen die zierlichen und fchlanken Rispen des Reifes, meiftentheils zur Decoration der Expofitionen verwendet; die anfehnlichften Reis- Strohgarben waren an den Seitenwänden der überaus intereffanten Handelstrophäe der„ niederländifchen Handelsgefellfchaft". Obzwar die Reisproben in der ganzen Weltausftellung fehr zerftreut untergebracht waren und man fomit nur oberflächliche Vergleichungen anftellen konnte, mufste man doch die zahlreichen Abänderungen gewahren, welche die befpelzten Reiskörner darboten; denn der Reis zeigte einen bunten Farbenwechfel der die Körner umfchliefsenden Spelze in allen Schattirungen. Darnach unterfcheidet man viele Abarten des Reifes, deren Farbenverfchiedenheiten recht überrafchend find: vom fchneeigen Weifs und vom bleichften Gelb bis zum Braunfchwarz, ja zum fatten Schwarz, konnte man durch Braun und Rothbraun, felbft durch Blau und Purpurroth alle Schattirungen auffinden. Ueberdiefs trifft man kahlbefpelzte und fammtartig behaarte, grofse, mittlere und kleine, nach ihrer Zufammenfetzung ſtickſtoffreiche und ſtickſtoffarme Körner an. Für Mitteleuropa könnte mit der Zeit vielleicht der Wafferreis, Wildrice oder Indianer Reis( Zizania aquatica) einige Bedeutung erlangen. Derfelbe ift ein Product des kühleren Nordamerika und wurde bereits 1870 von dem königlich preufsifchen Acclimatifationsvereine in Berlin eingeführt. Es wurden mit demfelben fchon mehrjährige Proben angeftellt, welche vom fchönften Erfolge gekrönt wurden; fo z. B. in der Gärtnerei des Landes Oekonomierathes Kriepenkerl in Braunfchweig; dagegen find die in Oefterreich gemachten Verfuche mit dem Anbau der Zizania leider alle gefcheitert. Diefs ift wegen der enormen 108 Ant. Adam Schmied. Auszüge des Wildrice zu bedauern, und mahnen diefelben zu erneuerten, forgfältigen Anbauverfuchen. Denn der Indianerreis ift ziemlich ergiebig und hat einen fo vorzüglichen guten Gefchmack, dafs derfelbe leicht mit dem Oftiglianer concurriren kann. Was ihn für unfere Breitengrade noch günftiger auszeichnet, ift der Umftand, dafs fich zu fein em Anbau vorzüglich Sumpfboden eignet, der fonft ohnehin nicht verwendet würde, und welchen er in zwei bis drei Jahren entfumpft. Darin fcheint der Hauptvortheil des Wafferreifes zu liegen, da diefe einfache Pflanze in kurzer Zeit und ohne grofse Capitalanlage den Boden trocken legt, und fomit die enormen Auslagen, die fonft für Drainagen und andere complicirte Entfumpfungsmethoden nothwendig wurden, erfpart. Der Mais( Zea L.), auch Kukurutz( Z. Mais L.) genannt, ftammt aus Amerika, wo derfelbe, fowie in einem grofsen Theile Afiens und Afrikas die herrfchende Brodfrucht bildet; auch in Süd- und Mitteleuropa wird derfelbe viel gebaut. In Deutfchland, wo er früher mehr als Zierpflanze in den Gärten gepflegt wurde, gewinnt der Mais in neuerer Zeit als Viehfutter und als menfchliches Nahrungsmittel immer mehr Bedeutung, die er um fo mehr verdient, als er an Maffenhaftigkeit der Erträge alle anderen Futterpflanzen übertrifft. Als Nährpflanze reiht fich der Mais unmittelbar nach dem Reis, da er nach diefem die meiften Menfchen ernährt; übertrifft ihn jedoch in feiner Nährkraft bedeutend, indem er 67.7 Percent Stärkemehl, 79 Kleber, 23 Dextrin, 19 Zucker, 48 Fett und 1'3 Percent Salze enthält. Die zahlreichen, aus dem Mais herrührenden Mahlproducte, Gries und Mehl, in den Agriculturhallen fcheinen anzudeuten, dafs die Maisnahrung nicht mehr ausfchliefslich bei der ackerbautreibenden Bevölkerung üblich ift, fondern allmälig auch im weiteren Kreife zur Beachtung und Geltung gelangt, obzwar keinesfalls geleugnet werden kann, dafs das Maismehl ein fchnell trocknendes Brod liefert. Auch in anderer Beziehung ift der Mais eine koftbare Pflanze. Das Korn wird auf Spiritus verarbeitet; auch hat man es verfucht, daraus Oel zu gewinnen; aus den Stengeln wird in Egypten und Mexico Zucker erzeugt; die unreifen Kolben werden als Gemüfe benützt; bei uns dient Mais meift als Grünfutter, die den Kolben umgebenden Hüllblätter dienen als Polftermaterial und zur Papierfabrication; doch fcheint die letztere Verwendung gegenwärtig bereits aufgegeben zu fein. Auf der Ausftellung war der Mais in zahlreichen Varietäten, in feinen Hunderten von Form und Farbenfpielen, maffenhaft vertreten, theils als Pflanze, theils in Kolbenfammlungen und reichlichen Körnerproben. Dennoch konnte man bei aufmerkfamer Beobachtung diefer Ausftellungsproben wahrnehmen, dafs man diefer vortrefflichen Nutzpflanze in Europa immer noch nicht die Sorgfalt widmet, welche ihr vor vielen anderen Culturgewächfen gebührt. Die verhältnifsmäfsig geringe Betheiligung Mährens( darunter die fchönfte Probe, der weifse Mais der Hompefch'fchen Gutsverwaltung Hoslowitz), Böhmens( wo derfelbe nach der Vegetation des klafterhohen Riefenmaifes im Pavillon Schwarzenberg fehr gut gedeihen würde) und Galiziens( in deffen Bereiche die„ ,, Brody- Ausftellungscommiffion" hübfchen Mais ausftellte) bewies, dafs dem Mais dafelbft keinesfalls diejenige Bedeutung beigemeffen wird, die ihm mit Recht eingeräumt werden follte. Die füdlicher gelegenen Länder Weftöfterreichs betheiligten fich in höhe rem Mafse an den Maisausftellungen. Die k. k. Landwirthschafts- Gefellſchaft für. Kärnten( Klagenfurt), für Oberösterreich( Linz), Steiermark( Graz) und für Krain ( Laibach) ftellten fehr fchöne Maiscollectionen aus, letztere beiſpielsweife baftardirten Cinquantino, 6 bis 8 Fufs und gelben Riefenmais, über 8 Fufs hoch. Doch wurden die fchönften Collectionen von Kolben und Samen aus Ungarn, Kroatien, Bukowina, Rumänien, überhaupt aus den füdeuropäiſchen Ländern ausgeftellt. In Oefterreich find es Ungarn, Kroatien, Slavonien, Siebenbürgen, die Militärgrenze und Bukowina, welche das Meifte vom Mais produciren. In der ungarifchen Abtheilung ftellte Ungarifch- Altenburg Pignoletto- Mais aus, welcher durch feine Die europäifchen Nahrungspflanzen. 109 glasartigen Körner von goldgelber und fuchsrother Farbe hervorftach, und alle anderen an Schönheit der Körner und ihrem Gehalte und Gewichte wefentlich. übertraf, da derfelbe 102 Zollpfund per Metzen wog und per Joch einen Ertrag von 26.2 Metzen abwarf. Deutſchland, welches hauptfächlich den grofsen und kleinen euro. päifchen Mais anbaut, hat nur fpärlich Maisproben ausgeftellt; fehr intereffant war aber die von Profeffor Körnicke( in der Ausftellung der landwirthschaftlichen Akademie in Poppelsdorf) in Kolben und Samen vorgeführte, fehr inftructive Lehrfammlung der Maisvarietäten mit ihrer vielfach wechfelnden Gröfse und Geftalt der Kolben und der höchft mannigfaltigen Form, Gröfse und Farbe der Körner. Bei Betrachtung diefer reichhaltigen Maiskolben- Sammlung konnte man eine klare Vorftellung von der aufserordentlichen Variabilität der Maispflanze unter den verfchiedenen Vegetationsbedingungen gewinnen. und Es mag uns erlaffen fein, alle übrigen Länder des füdlichen Europa: Italien mit feinem fchönen Pignoletto- Mais, dem 14 Meter hohen Cinquantino, dem prachtvollen dunkelbraunen Purpurmais( Zea mays purpureus), Spanien u. f. w., fowie jene Afrikas, wo der aus Egypten ausgeftellte weifse( Granone bianco) und gelbliche Mais( Granone giallo) fich befonders auszeichnete, Afiens, namentlich anzuführen, welche unter ihren Landesproducten grofse Mengen von Mais in Kolben und Samen brachten; ift ja ,, der Mais ein ausgefprochenes Kind des ungetrübten Sonnenlichtes; je heifser und heller die Sonne fcheint, um fo üppiger fchiefst er in Kraut und Kolben, wefshalb er insbefondere für regenarme Gegenden ein Segen ift".( Profeffor R. Braungart.) Doch wollen wir zum Schluffe noch bemerken, dafs die Heimat des Maifes, Amerika, verhältnifsmässig fehr fpärlich an der Expofition des Maifes betheiligt war: einige weifse, gelbe, rothe bis fchwarzrothe Spielarten, breitkörnige und fpitzkörnige Varietäten, Zahnkorn, Hühner- und Perlmais, fowie der Cuzumais, die gröfste aller Sorten mit 14 Meter langen Kolben, konnte man dafelbft in einigen Proben fehen. Die Hirfe( Panicum) war in allen ihren Arten ziemlich reich vertreten. Die gemeine Hirfe( P. miliaceum), welche bis zur Nordgrenze des Weinbaues gedeiht, fcheint mehr den nördlichen Theilen, die Kolbenhirfe( P. italicum) mehr den füdlicheren Theilen diefes Productionsgebietes eigenthümlich zu fein. Für Deutſchland kommt der Anbau von Hirfe wenig in Betracht; auch in Oefterreich wird die Rispenhirfe im Allgemeinen weniger gebaut, wenn es auch einzelne Kronländer gibt, wo ihre Cultur eine nicht unbeträchtliche Verbreitung erlangt hat, beiſpielsweife in den Alpenländern, namentlich in Steiermark und Krain, befonders in dem letzteren Lande gibt es einzelne Thäler, wo bis 30 Percent der Sommer- Halmfrucht aus Rispenhirfe befteht; in Niederöfterreich, Galizien, Mähren und Böhmen, wo jährlich an 20.000 Metzen Hirfe erfechft werden, verfchwindet fie allmählig von den Feldern und wird auch in Salzburg, Oberösterreich und Nordtirol faft gar nicht gebaut. Schöne weifse, gelbe und rothe Hirfe, Spät- und Frühhirfe ftellte der Znaimer Landwirthfchaftsverein aus; Ungarn, welches viele Hirfe ausftellte, führte treffliche Bellye- Hirfe vor. Spanien, Italien, Rufsland und die Türkei ftellten fehr viele Sorten der Rispenhirfe aus, mit kleinen und grofsen Körnern und in allen Farben, weifs, grau, roth, braun bis fchwarz, der zahlreichen Schattirungen gar nicht zu gedenken. Die Kolbenhirfe wurde aus den füdlichen Ländern ebenfalls in einer grofsen Anzahl von Proben, zumeift in Samen, theilweife auch in ganzen Pflanzen mit den grofsen klumpigen Rispenähren ausgeftellt; die italienifche, grofse und kleine, gegrannte und ungegrannte, gelbe und violete Kolbenhirfe war am zahlreichften vertreten. Eine Abart derfelben, die kleine, orangengelbe Kolbenhirfe, allgemein Mohar( Setaria germanica) bezeichnet, welche ein treffliches Viehfutter liefert, wurde befonders aus Ungarn und Rufsland häufig ausgeftellt. Der ungarische Mohar hatte gelbe oder fchwarze, der ruffifche dagegen gelbe Körner mit einem Anfluge ins Röthliche. 110 Ant. Adam Schmied. Die Mohrhirfen( Sorghum), aus Oftindien ftammend, werden in Afrika, Südafien und Südeuropa angebaut, wo deren Samen als Brodfrucht und Viehfutter benutzt werden. Wenn man die in Mitteleuropa heimifch gewordene Mohrhirfe( S. vulgare) mit ihren mageren, in den lederigen Spelzen ganz eingehüllten Körnern vergleicht mit den üppigen Mohrhirfen aus einzelnen Gegenden Afrikas, aus Nubien, Abyffinien u. f. w., wo deren Körner eine anfehnliche Gröfse und hohen Stärkegehalt erreichen und überdiefs aus den häufig bleibenden Spelzen weit hervortreten, fieht man augenblicklich ein, dafs die Mohrhirfe bei uns nie eine gewiffe Bedeutung erreichen wird, während fie in den Binnenländern Afrikas als Haupt- Brotfrucht eine hervorragende Stelle einnimmt. Auf der Ausftellung war die Mohrhirfe ebenfalls in zahlreichen Varietäten, die fich nach der Farbe der Spelzen, fowie nach der Gröfse und Färbung der Körner vielfach unterfchieden, vertreten: man fah die braune und fchwarze Mohrhirfe, fowie die zweifarbige Mohrhirfe mit weifsem und braunem Samen; die nickende Mohrhirfe ( S. cernuum) fiel Jedermann durch ihren oberfeits hornförmig überbogenen Stengel, der fchwarze Sirk durch die ausgebreitete Rifpe u. f. w. auf; die Zuckermohrhirfe( S. saccharatum), in Oftindien einheimifch, nnd vor etwa zwanzig Jahren als eine fiegreiche Rivalin des Zuckerrohres angefehen, unterfcheidet fich von den übrigen Abarten durch das hohe Gewicht ihres Stengels, bedingt durch den reichlichen Zuckerfaft, während alle anderen Sorten einen leichten, trockenmarkigen Stengel befitzen. Die Mohrhirfe( Dhurra) war in reichlicher Menge in der egyptifchen Ausftellung vertreten, und zog hier durch ihre merkwürdig grofsen und vollen( faft Erbfengröfse erreichenden), vorherrfchend dunkel befpelzten, weniger andersfarbigen Früchte, allgemeine Aufmerkfamkeit auf fich. Werden die vorftehenden Hirfegattungen, ähnlich wie der Mais und Reis, namentlich in den Südländern Europas, in Afrika, Afien und Amerika, in fo weit diefe Erdtheile der wärmeren, gemäfsigten und der fubtropifchen Zone angehören, in enormer Ausdehnung cultivirt, wie diefs das Ausftellungsmaterial der genannten Brodfrüchte ,, in wahrhaft erdrückenden Proportionen" dargethan hat, fo fand man doch hie und da auch aus anderen Ländern fchöne Proben von diverfen Hirfearten, welche den Beweis lieferten, dafs in denfelben die Hirfe ebenfalls mit Vortheil angebaut werden kann. Ich erwähne nur der von der Kanitzer Gutsverwaltung ( Porlitz, Mähren) ausgeftellten Collection der gelben Rispenhirfe, fchwarzer, hängender Mohrhirfe, gelber Kolbenhirfe und indifchen Sorghums und das in der Collectivausftellung der k. k. fteiermärkifchen Landwirthschafts- Gefellſchaft vorhanden gewefenen gemeinen Sirks, des Klumpenfirks und der Kolben-, Klump und Rifpenhirfe. Vielleicht wäre es räthlich, mit den geeigneten Hirfearten, fowie auch mit dem Mais, in den nördlichen Ländern Oefterreichs Acclimatifationsverfuche anzuftellen und die Einführung der bewährteften Sorte vorzunehmen. Freilich müfste man zu folchen Verfuchen nur frühreifende Sorten verwenden, welche im Süden Oefterreichs bereits in vorzüglicher Ergiebigkeit gedeihen und dafelbft mit Vortheil angebaut werden. Doch gewähren die Hirfearten in den warmen Zonen die höchfte Ernte. Dr. Williamfon, der 1873 die chinefifche Provinz Schantung bereifte, fchreibt, dafs Hirfe und Sorgho dort einen geradezu koloffalen Ertrag liefern. Ku- tfe ( Stellaria italica) gibt aus einem Samenkorn 8000 bis 11.000 hochwachfende rothe Hirfe, Rau- long, eine Art Sorgho von 4000 bis 5000 Körnern; Schu- the ( Panicum miliaceum) 1800 bis 2200. Ku- tfe gibt wahrfcheinlich unter allen Getreidearten den höchften Ertrag und bildet das Haupt- Nahrungsmittel der kräftigen Leute in Schantung, überhaupt im Norden Chinas. Hie und da fand man in der Ausftellung noch andere nützliche Grasarten exponirt. Die fteiermärkifche Landwirthfchafts- Gefellſchaft ftellte die kleinkörnige Hirfe, Himmelsthau oder Bluthirfe( P. sanguinale) aus, welche meiftentheils in Polen angebaut wird. Doch wollen wir auf diefe Früchte, welche eine höchft untergeordnete Rolle spielen, nicht näher eingehen. Die europäifchen Nahrungspflanzen. 111 Hülfenfrüchte und Blattgetreide. Die Hülfenfrüchte( Leguminofen), welche zu den höchft entwickelten Gewächfen und nährstoffreichften Nutzpflanzen gehören, zählen zu den älteren Culturpflanzen, und fchon feit lange wird ihr die Halmfrüchte zunächft unterſtützender Anbau in Mitteleuropa betrieben. Dennoch wird ihrer Cultur auch von rationellen Landwirthen nicht diejenige Aufmerkfamkeit zugewendet, die ihnen ihres grofsen Nahrungsgehaltes wegen, welcher fie zu einem der intenfivften Nahrungsmittel, befonders der arbeitenden Claffe, geftaltet, und der durch die Hervorbringung der Befchattungsgahre bewirkten Verbefferung der phyfikalifchen Befchaffenheit des Bodens gebührt. Die grofse Unficherheit und geringe Ertragsfähigkeit der Hülfenfrüchte mag in erfter Reihe an diefer Erfcheinung Schuld fein. Allgemein wird die Erbfe( Pisum sativum L.) als Brachfrucht und Zwifchenpflanze angebaut, nebft derfelben Linfen( Ervum L.), in manchen Gegenden Ackerbohnen( Vicia faba), in neuerer Zeit auch vielfach Wicken( Vicia sativa L.) und Lupinen( Lupinus L.); weniger verbreitet ift das Blattgetreide: Buchweizen oder Heidekorn ( Polygonum fagopyrum L.), obzwar es als Stoppelfutter viel und gutes Milchfutter liefert. Im Allgemeinen ift aber dennoch der Anbau von Hülfenfrüchten in Mitteleuropa ftärker als der eigene Bedarf, und da der Deutfche die Erbfen, die Lieblingsfpeife der Slaven, nicht gern geniefst, ja diefelbe felbft dem dienenden Volke eine ungewohnte und unliebfame Speife ift, fo wird alljährlich ein Theil des Ueberfchuffes hauptfächlich feewärts nach Grofsbritannien, Schweden, Norwegen und Dänemark abgefetzt. Die Einfuhr von Hülfenfrüchten- hauptfächlich aus Oefterreich in den freien Verkehr des Zollvereins und die Ausfuhr aus demfelben war in den Jahren 1867 bis 1871 folgende: - Ausfuhr 1867 1868 Einfuhr 570.196 2,328.773 639.347 Scheffel 1,508.618 " 1869 894.509 1,743.138 99 1870 1,938.448 2,653.816 29 1871 1,085.758 " 5jähriger Durchschnitt: 1,363.537 1,922.462 1,693.476 Scheffel. Auf der Weltausftellung war diefe vielgeftaltige und fo überaus nützliche Familie der Schmetterlingsblüthler( Leguminofen) in unzähligen und reichhaltigen Proben ausgeftellt. Obenan ftand die Speifebohne( Phafeolus). Von der Phafeole" waren viele Proben und Collectionen in faft unüberfichtlicher Mannigfaltigkeit der Gröfse, Form und Farben der Samen vorhanden, die meiſten und vorzüglichften aus den Ländern der Region des Mais- und Reisbaues. Deutfchland und Oefterreich- Ungarn ftellten manche Proben der gemeinen Stangenbohne ( Ph. vulgaris L.), wo fie in zahlreichen Varietäten cultivirt wird, fowie auch der Feuerbohne( Ph. vulgaris coccineus L.) aus; wir nennen blos die von Aurelia Mikuliez ( Bukovina) vorgeführte Zufammenftellung der Fifolen, die von der Kanitzer Gutsverwaltung( Mähren) ausgeftellte fchwarze Spargelbohne, der Metzen 89 Pfund fchwer, die in der Ausftellung der Bodenerzeugniffe Steiermarks vorhandenen Granat- und Salatfifolen, weifse, länglichovale Reisfifolen, die aus Krain exponirten grofsen weifsen ruffifchen Stangenfifolen und längliche kroatifche Stangenfifolen, rothbraun mit fchwarzen Zeichnungen. Namentlich haben Ungarn und feine Nebenländer fchöne Collectionen von Phafeolen vorgeführt. Spanien und Portugal excelliren in Bohnenfammlungen, von der fehr kleinen weifsen Speifebohne an bis zu der grofsen fchwarzen Stangenbohne, darunter fchöne Proben der oftindifchen Bohne ( Dolichos), auch Frankreich und Italien, wo namentlich die fchöne Bohnenfamm8 112 Ant. Adam Schmied. lung aus der Provinz Belluno( Gaetano Ritter de Bertoldi), von der kleinen läng. lichen Indiana neri- viola und Indiana bianchi an bis zu der trefflichen Rifetti und der grofsen Turchi, befonders auffiel. Die aufsereuropäiſchen Länder exponirten die kleine Eierbohne oder Zwergbohne( Ph. nanus L.), welche als Bufch-, Erbsund Frühbohne auch in Europa ftark cultivirt wird, die fehr ertragreiche egyptifche Bohne, die fchwarze weftindifche Zwergbohne, die grofse ruffifche Tafelbohne, fchwarze japanefifche Bohnen( Soya hispida), arabifche und Speckbohnen ( Ph. multiflorus Willd.), aus dem wärmeren Amerika u. f. w. Auch die Erbfe war in einer grofsen Anzahl von Proben vertreten, wenn auch in geringerem Grade, als die Speifebohne; ihre durch Form, Gröfse und Färbung der Samen bewirkte Mannigfaltigkeit und Variabilität liefs die ausgeftellt gewefenen Sammlungen ebenfalls fchwer überblicken. Deutfchland, wo, ähnlich wie in Oefterreich, die gemeine Erbfe( Pifum fativum L.) in mehreren Unterarten und vielen Varietäten allgemein gefäet wird, ftellte unter Anderem fchöne, gleichmäfsige, vollkommen runde blaue Felderbfen, hübfche Golderbfen, oftpreufsifche graue Erbfen mit kantigen Körnern, Erfurter frühe Erbfen, grofse weifse VictoriaErbfen aus; Oefterreich brachte fchöne weifse und grüne, dann grofse Felderbfen ( 911 Pfund fchwer), braune grofse Gartenerbfen, ausgezeichnete englifche Markerbfen in vier Abarten( May Jacob aus Namiefcht in Mähren, grofse gemeine und Madeira Erbfen( aus Steiermark), flache, etwas bohnenähnliche, braune Morafterbfen( aus Krain), prächtige Ekererbfen( Domäne Lobofitz in Böhmen). Ungarn exponirte namentlich hübfche grüne Speife- Erbfen, Rufsland fchöne neue FeldRiefenerbfen( Rofenwerth), England eine prachtvolle Zufammenftellung von 24 Erbfenforten( Sutton& Sons), darunter die fchöne Victoria, die langfchotige Waſhington, die frühefte Ringleader; die Niederlande exporirten befonders fchöne blaue Erbfen aus Oeftgeeft( D. M. van der Hoef), Schweden fchwarze Erbfen und fchwediſche verbefferte Mammuth, ausgezeichnet durch vorzügliche Ausgeglichenheit der Samen und hohen Widerftand gegen Befallen; Dänemark blaue Kocherbfen, Italien fehr fchöne kleine runde Erbfen aus Sicilien, Frankreich die fchönfte Erbfenfammlung auf der Ausftellung( exponirt vom Penfionat des frères de la doctrin chrétienne im Reims, Marne), darunter fchöne franzöfifche graue Wintererbfen u. f. w. Die Zuckererbfe( P. fat. faccharatum Hort.) war nur fpärlich vertreten; wir fanden fie in vorzüglichen Exemplaren in dem Schwarzenberg' fchen Pavillon ausgeftellt, und zwar von der Herrfchaft Protivia( in Böhmen), dann in der Krainer und Bukowinaer Collectivausftellung. Die Kichererbfe( Cicer arientinum L.) ift den mehr füdlich gelegenen Länderftrecken eigen und ift namentlich in Südfrankreich, dann insbefondere auch in Italien, Griechenland, Spanien und in der Türkei in grofsen Quantitäten der Cultur unterworfen; die genannten Länder haben auch in ihren Expofitionen davon fchöne Proben mit vorwiegend weifsen, dann rothen Samen gebracht. Im Orient wird diefelbe ebenfalls in vielen Varietäten cultivirt und war diefelbe in ihren Ausftellungen erftaunlich reichlich vertreten; befonders imponirten die gelbe Kaffee- Erbfe, die rothe Kichererbfe und die Venuskichern. In Mitteleuropa kennen nur die Gärtner die Kichererbfe mit den gefchnäbelten und gerunzelten, weifs, braun, fchwarz und roth variirenden Samen. Die Kanitzer Gutsdirection( Mähren) ftellte Kichererbfen aus, den Metzen zu 93 Pfund fchwer. Die Platterb fe( Lathyrus fativus L.) mit geniefsbaren, erbfenähnlichen Samen, wird in Südeuropa, Weftafien u. f. w., hauptfächlich als Viehfutter viel cultivirt. Wir fanden diefelbe hie und da vereinzelt ausgeftellt. Die Spargelerbfe( Lathyrus tetragonolobus) war noch feltener zu fehen; ich bemerkte diefelbe blos in der italienifchen Ausftellung( Raphael Ritter Nanarone, Foggia). Die Linfe( Ervum Lens L.), eine uralte Culturpflanze Mitteleuropas, war in ihren einzelnen Varietäten als grüne Sommerlinfe, Pfennig- oder Hellerlinfe, fchwarze und langfchotige, grofse franzöfifche und Provencerlinfe vertreten, wenn Die europäifchen Nahrungspflanzen. 113 auch nur in untergeordneter Weife. Gewöhnliche Linfen prachtvoller Qualität ftellte die Herrschaft Lobofitz( im Pavillon Schwarzenberg) aus; die mährifehe Linfe ( Gutsdirection Kanitz) wog 90% Pfund per Metzen; die Bukowina ftellte hübfche türkifche und fchwarze Linfen, Schlefien die fchwarze kleinfamige Chmietow Linfen, welche per Joch angeblich einen Ertrag von II Metzen Körner à 93 Pfund und 28 Centner Stroh gewähren. Freiherr von Sina( Mähren) ftellte die ruffifche Linfe aus. Ungarn, Rufsland, Spanien und Italien haben fehr fchöne Linfen diverfer Art ausgeftellt; in der egyptifchen Ausftellung fah man neben rothbraunen Angel. erbfen( von Bir Abu Ballach ausgeftellt) fchöne kleine Linfen von Saidi( ausgeftellt von Kindineco), dann chinefifche Linfen u. f. w. Die Wicke( Vicia fativa L.) wird in vielen Varietäten, hauptfächlich als Grünfutter cultivirt. In der Ausftellung war diefelbe nicht häufig anzutreffen; hauptfächlich fah man in den einzelnen Specialexpofitionen die gewöhnliche Wicke, durch die Gröfse und Farbe des Samens unterfchieden, die weifse kleine rundliche Futterwicke und fchwarze Wicke( Dänemark), die Narbonne- und Hopetown, auch die polnifche und fibirifche, fowie die norwegifche Wicke, die letzteren jedoch ziemlich felten. Die Buffbohne( Vicia Faba L.), eine Culturpflanze vom kaspifchen Meer, wird gegenwärtig als Pferde-, Sau- und Windforbohne angebaut und meift als Viehfutter zur Maft verwendet. In der Weltausftellung war die„ grofse Bohne" in zahlreichen und fehr reichhaltigen Collectionen und faft in gleicher Mannigfaltigkeit wie die Speifebohne vertreten. Von der fchwarzen Pferdebohne( aus Baiern ausgeftellt) und fehr fchönen Ackerbohnen( Provinz Sachfen) fah man vor zügliche Exemplare; Steiermark brachte viele Varietäten Buffbohnen, Windfor-, Wachtel-, grofse Marzipaner- Bohne; Ungarn und Rumänien ftellten vorzügliche Sammlungen der Buffbohne aus, namentlich aber England, wo das Handlungshaus Sutton& Sons eine Collection von 24 Bohnenarten exponirte. Portugal und Spanien, Italien und Frankreich, ja felbft China und Japan brachten fehr fchöne, reichhaltige Bohnen Collectionen. Der Wolfs- oder Feigbohne, allgemein Lupine( Lupinus L.), wollen wir hier nur der nothwendigen Vollständigkeit wegen Erwähnung thun. Die gelbe Lupine( L. luteus L.), feit etwa zwanzig Jahren bei uns cultivirt, liefert dem Klee gleichftehendes Grünfutter, dient aber am häufigften nur als Culturmittel auf ödem Sande, welcher eigentlich ihr Mutterland ift; die blaue Lupine( L. anguftifolius L.) baut man zur Körnergewinnung; die gewöhnliche weifse Lupine( L. albus) ift jedoch in Mitteleuropa die verbreitetfte. Vereinzelt konnte man hie und da einzelne Proben der Lupine wahrnehmen; tadellos war die weifse Lupine im Pavillon Schwarzenberg( von der Herrfchaft Wittingau), fowie die in der Collectivausftellung der k. k. fteiermärkischen Landwirthschafts- Gefellfchaft ausgeftellte. 99 Endlich wäre noch der Bockshornklee( Trigone la foenum graecum L.), auch Siebenzeilen genannt, zu nennen, welcher in Südeuropa, Kleinafien und Nordafrika heimifch ift, untergeordnet auch in Thüringen und um Erfurt als Arzneipflanze gebaut wird, da er den officinellen Semen Foeni graeci liefert. In der türkifchen und insbefondere der egyptifchen Abtheilung waren die kleinen, eckigkantigen, rinnigen, gelblichen Samen von Trigonella maffenhaft vorhanden und man rühmt ihnen( nach Leunis) nach, dafs die Samen im Orient, vorzüglich in Egypten, mit Milch zubereitet ein beliebtes Gericht geben, welches den hagerften Damen in kurzer Zeit die befonders an Weibern des Orientes und namentlich des Harems fo hochgefchätzte Wohlbeleibtheit oder Corpulenz verfchafft!" Für die Gegenden Mitteleuropas hat diefe Pflanze, auch„ griechifches Heu" genannt, wegen des rafchen, ficheren Wachsthumes als Futtergewächs in Gemengfaaten eine nicht genug zu fchätzende Bedeutung, welche leider bisher nur zu wenig gewürdigt ift. In der Collectivausftellung des Königreiches Böhmen war hübfcher Bockshornklee ausgeftellt. 8* 114 Ant. Adam Schmied. Der Buchweizen( Polygonum fagopyrum L.), auch Heidekorn genannt, ift das einzige europäiſche Blattgetreide. Der Buchweizen ftammt aus China und wird gegenwärtig in ganz Europa bis 66 Grad nördlicher Breite, vornämlich auf leichtem Boden cultivirt. Die Samen liefern Grütze und gutes Mehl; grün dient die Pflanze als Viehfutter. Für Deutſchland befitzt derfelbe wohl defshalb eine grofse Wichtigkeit, weil er noch ganz gut auf Aeckern, die zu Roggen keine Kraft mehr haben, wächft und auf ungedüngtem Heideboden beffer vorkommt, als irgend eine andere Culturpflanze. In der Weltausftellung waren der gewöhnliche und der filbergraue fchottifche Buchweizen, beide in frühen und späten Sorten, am meiften vertreten; den Silberbuchweizen traf man faft in einem jeden Lande an. Dann fah man dort den fibirifchen oder tatarifchen( P. tartaricum), fchweren, rundkörnigen Buchweizen( aus den Niederlanden), galizifchen und toskanifchen, chinefifchen( P. emarginatum) und japanefifchen Buchweizen, felbſtverſtändlich in verfchiedenen Spielarten( z. B. den Moorbuchweizen aus Norddeutſchland), auf welche nicht näher eingegangen werden foll. Ohne die zahlreichen Collectiv- und Specialausftellungen, welche zumeift in höchft gelungener Weife und inftructiver Syftematik angeordnet waren, nur zu berühren, foll hier doch ausnahmsweife der erfchöpfenden Expofition der Wiener Frucht- und Mehlbörfe gedacht werden, welche die gangbaren Cerealien, Hülfenfrüchte und Saatgattungen aus allen hervorragenden Productionsgebieten der öfterreichifchen Gefammtmonarchie und in allen Arten und wichtigeren Spielarten in gröfseren, das Vergleichen fehr erleichternden Quantitäten ausgeftellt und zugleich die Bewegung der Preife des Roggens und des Weizens in den Jahren 1823 bis 1872 durch eine gelungene graphifche Darftellung verfinnlicht hat, fowie der prachtvoll aber mühfam zufammengeftellten Samenfammlung des K. Ritfchel( aus Jaifpitz in Mähren), welche aus 606 Arten, je aus Körnern, Samen und Früchten( Aehren, Rispen oder Kolben) gebildet, beftand und als ein fehr werthvolles Lehrmittel von der k. k. Hochfchule für Bodencultur in Wien erworben wurde. - Knollen und Rüben. Die Kartoffeln( Solanum tuberofum) nehmen unter den Wurzelfrüchten die erfte Stelle ein; ihr Anbau hat den durchgreifendften Einfluss auf die gefammten land- und forftwirthschaftlichen Zuftände in Nord- und Mitteleuropa ausgeübt. Aus den Gebirgen Chiles ftammend, wird die Kartoffel in mehr als 430 Varietäten und Sorten bis 70 Grad nördlicher Breite cultivirt. In keinem Lande des Continents fpielt fie aber eine fo bedeutende Rolle, wie in Oefterreich, befonders in deffen nördlichen Gebieten. Die Kartoffeln find nicht nur die hauptfächlichfte, ja oft die ausfchliefsliche Nahrung des kleinen Mannes, fondern überhaupt ein fehr beliebtes Nahrungsmittel, wenn auch ihr Nahrungswerth ein fehr geringer ift, weil ihnen die eiweifsartigen Stoffe fehlen; fie enthalten im Mittel 75'9 Percent Waffer, 2012 Stärkemehl, 2.3 Albumin, 10 Salze, o 4 Zellftoff und 0.2 Percent Fett. Nicht minder dienen fie für Zwecke der Fütterung( befonders für Schweine) und werden techniſch auf Stärkemehl, Dextrin, Stärkefyrup, Stärkezucker und Spiritus verarbeitet. In den zum vormaligen norddeutſchen Bunde gehörenden Staaten und in Südheffen find im Jahre 1871 nach amtlichen Aufftellungen 35,056.553 Scheffel Kartoffeln zur Branntweinbrennerei verbraucht worden. In der agricolen Ausftellung des deutfchen Reiches find fehr fchöne Zufammenftellungen von Kartoffeln, fchönen Saat-, Speife- und Hauskartoffeln, Spiritus- und Futterkartoffeln vorhanden gewefen. Unter Anderem ftellte der landwirthfchaftliche Verein Wafferknoden in Baiern hübfche Kartoffeln aus, darunter Paterfon's Seedling Bock, mit einer Ernte von 21.000 Kilogramm per Hektare und einem Stärkegehalt von 20'5 Percent, Paterfon's blaue mit einem Ertrage von 24.000 Kilogramm per Hektare und 19.5 Percent Stärkegehalt, dann mittelfrühe Die europäifchen Nahrungspflanzen. 115 Dalmakoy mit gleichem Ertrage, aber einem Stärkegehalte von 22 5 Percent. Sonft konnte man in den einzelnen Specialexpofitionen frühe Rofenkartoffeln, Breefe's Unvergleichliche, blafsrothe und blaue Nieren-, Bisquit-, Pesca, neue Wachskartoffeln, blaue fchottifche, weifse runde peruanifche, fächfifche, weifsfleifchige Zwiebel, amerikaniſche lange Callao-, Riefen- Sandkartoffeln und ähnliche fehen, welche alle als feinere Speifekartoffeln und vorzügliche Hauskartoffeln gerühmt wurden. Als Futterkartoffeln wurden empfohlen: runde weifse peruanifche, gelbe Müllerkartoffeln, grüne Heiligenftädter und weifse Siebenhäufer, dagegen als Brennereikartoffeln die rothe Heidelberger, jülichfche Calico und fächfifche weissfleifchige Zwiebel. Auch Oefterreich brachte fchöne Proben der dafelbft cultivirten Kartoffelforten vortreffliche Riefen- oder Marmontkartoffeln( aus Mähren), La- CirkaffienneErdäpfel, amerikaniſche Späterdäpfel, The Queens Patatol- Erdäpfel, Lercheneier- Erdäpfel, Güllich'fche fpäte Kartoffel, grofs, länglich, mit wenig Augen( aus Krain), fehr fchöne Staniek-, dann Magdalenski- Kartoffeln( aus Schlefien) u. dgl. m. Trotz einzelner hübfcher Collectivausftellungen der Kartoffeln( z. B. in der landund forstwirthschaftlichen Ausftellung des Königreiches Böhmen, der Expofition des Tefsthaler landwirthschaftlichen Fortbildungsvereines in Mähren, der Collectivausftellung des Vereins für Landescultur in Czernowitz u. f. w.) war Cisleithanien in diefem Zweig der Ackerproduction nicht derart vertreten, als der Anbau diefer Frucht dafelbft es verdient hätte. Im Jahre 1870 erntete man in Weftöfterreich 134,307.510 niederöfterreichifche Metzen Kartoffeln( im Werthe von 145.669.751 fl.), wovon 70,023.312 auf Böhmen entfielen, in welchem Lande 12'11 Percent des gefammten Ackerlandes( 524.556 Joch) mit Kartoffeln beftellt worden find. 1873 beftanden in Böhmen 344 Brennereien, wovon 9 hauptfächlich Getreide, 127 Kartoffeln, 152 Getreide und Kartoffeln und 54 Melaffe verarbeitet haben. In der ungarifchen Abtheilung hat uns die Kartoffelfammlung des Oskar Luckhardt( Kronftadt) befonders befriedigt. In der englifchen Expofition haben die Samenhändler Sutton& Sons, dann Carter, Dunnett& Beale Kartoffeln( in Modellen) ausgeftellt, erftere namentlich eine prachtvolle Zufammenftellung der englifchen Kartoffel in 40 Varietäten und Sorten. Im Jahre 1872 waren in Grofsbritannien 544.000 Acres, etwa 3 Percent des Ackerlandes, und in Irland 991.000 Acres, nämlich 18 Percent des Ackerlandes, mit Kartoffeln beftellt; dennoch genügt die eigene Production dem Bedarfe nicht und Englands Import an Kartoffeln ift in ftarker Zunahme begriffen; denn der declarirte Werth der importirten Kartoffeln betrug in den erften 7 Monaten des Jahres 1873 1,617.792 Pfund Sterling, im Jahre zuvor 1,172.486 Pfund Sterling. Frankreich zeichnete fich durch die prachtvolle Sammlung von Kartoffeln aus, veranſtaltet von dem Pensionat des frères de la doctrine chrétienne( in Reims, Marne), welche vielleicht die fchönfte in der Weltausftellung war. Auch Dänemark hat Proben von Kartoffeln ausgeftellt, darunter fchöne King of the Fluckes, London blues, Janfée u. f. w. Die Rünkelrübe( Varietät von Beta vulgaris) zählt nächft der Kartoffel zu den wichtigften Hackfrüchten, befonders feitdem es den Fortfchritten der Technik gelungen ift, aus derfelben einen den Colonialzucker immer mehr verdrängen-. den Zucker zu gewinnen. Sonft wird fie zu Viehfutter angebaut. Wenn fie auch nur ausnahmsweife als directe menfchliche Nahrung verwendet wird, fo foll diefe Nutzpflanze hier doch der Vollständigkeit wegen betrachtet werden. Die Zuckerrübe( B. v. rapacea saccharifera) ward am fchönften in der franzöfifchen Abtheilung ausgeftellt. Wird doch in Frankreich die Zuckerfabrication aus Rüben am intenfivften betrieben; von den 308 Zuckerfabriken, welche Frankreich im Jahre 1848 hatte, ift die Zahl derfelben auf 456 im Jahre 1869 geftiegen. Das nördliche Frankreich producirt beinahe zwei Drittel des ganzen Confumtionsbedarfes des Landes. Die Cultur der Zuckerrübe hat fich bei der 115 Ant. Adam Schmied. zunehmenden Errichtung von Fabriken namentlich im nördlichen und mittleren Frankreich anfehnlich vermehrt. Die von Simon Legrand( Bersé par Pont à Marcy, Nord) ausgeftellte Zuckerrübe( Betterave blanche), ausgezeichnet durch ihre vollkommene Schönheit und hohen Zuckerreichthum( 17.82 Percent Zucker), die prachtvolle Runkelrüben- Samenpflanze und der fchöne volle ZuckerrübenSamen, befonders aber die von Desprez père& fils( Capelle, Nord) exportirten 30 Sorten Runkelrüben in prächtigen Wurzeln und dem dazu gehörigen. vorzüglichen Runkelrüben Samen werden ficherlich jedem Befucher lange in Erinnerung bleiben. In der deutfchen Abtheilung fah man vereinzelt in den verfchiedenen Collectivausftellungen einige Zuckerrüben( Rheinpreufsen), Runkeln( Eugen Graf von Bethufy) und Futterrüben( Droftei Lüneburg); doch liefsen diefe Proben keinesfalls auf den ausgedehnten Umfang des Rübenbaues in den deutfchen Landen uur einigermafsen fchliefsen. Im Jahre 1840 bis 1841 verarbeiteten die im Zollverein vorhandenen 145 Zuckerfabriken 4,829.734 Centner Rüben; 1867 waren in Deutfchland bereits 296 Zuckerfabriken, welche 50,712.709 Centner Rüben verarbeitet haben. Preufsen hat in den Provinzen Sachfen, Schlefien, Brandenburg, Pommern den verhältnifsmäfsig ftärksten Rübenbau, in geringerem Umfange auch in Hannover und der Rheinprovinz. Von den übrigen Staaten wird der Anbau der Zuckerrübe in gröfserem Umfange namentlich in Anhalt, Braunfchweig, Baden, Württemberg und Baiern betrieben. Die öfterreichifch- ungarifche Monarchie verwendete im Jahre 1872 in 251 Fabriken 26,574.599 Centner Zuckerrüben. Daran participirte in erfter Reihe Böhmen mit 157 Fabriken, worin 16,203.241 Centner Rüben, alfo 61 Percent des ganzen verwendeten Rübenquantums verarbeitet wurden; dann kamen: Mähren mit 47 Fabriken und 5,335.261 Centner Rüben( 2011 Percent), Schlefien 10 Fabriken mit 1,274.086 Centner Rüben( 4'9 Percent), Nieder- Oefterreich 6 Fabriken mit 600.892 Centner Rüben( 4.26 Percent), Galizien mit 5 Fabriken und 313.039 Centner Rüben( 0.96 Percent) und endlich Ungarn mit 26 Fabriken, in welchen 2,848.040 Centner Rüben, fomit 10 72 Percent des ganzen verwendeten Rübenquantums, verarbeitet worden find. Da nun in Böhmen im Jahre 1872 im Ganzen 28,542.200 Centner Rüben geerntet und hievon blos 16,203.241( das heifst 56.8 Percent) auf Zucker verarbeitet worden find, fo mufs der Reft von 12,338.959 Centner oder 43 2 Percent der Gefammtrübenernte in der Cichorienfabrication, die einen namhaften Theil der Rübe verarbeitet, fodann als Viehfutter und endlich zum Anbau von Samenrüben feine Verwendung finden. In der Weltausftellung waren aus der öfterreichifch- ungarifchen Monarchie ebenfalls wenig Rüben und Rübenfamen ausgeftellt. Die landwirthschaftliche Lehranftalt Dublany brachte hübfche Futterrüben, die k. k. LandwirthschaftsGefellſchaft in Graz Runkelrüben, die Landwirth fchafts- Gefellfchaft für Krain runde Maft- Runkelrüben, A. Popper& Comp.( Zborowitz in Mähren) und die k. k. Landwirthfchafts- Gefellſchaft in Wien, fowie die Kanitzer Gutsdirection und Alb. Widmann( Mähren) und die Güterdirection der k. k. Therefianifchen Akademie( in Wien) ftellten fchönen Zuckerrüben- Samen( 28 Pfund fchwer) aus;. vorzügliche Zucker- und Futterrüben- Samen waren aber in der land- und forftwirthschaftlichen Ausftellung des Königreiches Böhmen und im Pavillon Schwarzenberg vorhanden. In der ungarifchen Abtheilung ftellten Fr. Tarányi( Szt.László); Th. Offermann( Oedenburg), Guft. Carftanjen( Csepreg), Simon Baron Sina( Ercsi), Lad. Borbély( Jánosi) und mehrere Andere fchöne Proben von Zuckerrüben, Runkeln und Burgunderfamen aus; befonders intereffant war die von Antal Wels( Kowárcz) exponirte Probe eines candirten und präparirten Rübenfamens. In Rufsland nimmt der Anbau der Zuckerrüben feit 30 Jahren fortwährend zu und es find namentlich die Gouvernements Rjäfan, Tula, Kiew, Poltawa, Die europäifchen Nahrungspflanzen. 117 welche grofse Mengen Zuckerrüben erzeugen. In der Ausftellung haben Zapewloff und Zablofsky fchönen Rübenfamen vorgeführt. In der Ausstellung der Niederlande hatte E. van den Bofch( Goes) veredelte Zuckerrüben mit 12 bis 17 Percent Zucker, in derjenigen von Schweden, welches 5 Zuckerfabriken zählt, C. Ekman( Finfpang) einige Wurzelfrüchte vorgeführt. Auch in der italienifchen Abtheilung hatte Jemand fchönen Rübenfamen exponirt. Die Futterübe wird hauptfächlich in England angebaut. Dort ift die Rübenzucker- Fabrication unbedeutend, weil man ein Aufkommen derfelben, wegen des bedeutenden Colonialhandels, ftets verhinderte. Erft 1868 wurde in England die erfte Zuckerfabrik von Mr. Duncam in Lavenham errichtet und In welcher Ausdehnung in gegenwärtig beftehen dafelbft 3 Zuckerfabriken. England die Futterrüben angebaut werden, kann man am beften aus der amtlichen Mittheilung entnehmen, dafs im Jahre 1872 in Grofsbritannien auf 2,083.000 Acres Turnips und fchwediſche Rüben und auf 329.000 Acres Runkeln, in Irland 346.000 Acres mit Turnips und fchwedifchen Rüben beftellt waren. Sowohl Sutton& Sons, als auch Carter, Dunnett& Beale haben fchöne Modelle von Rübenarten und Wurzeln, erftere auch eine hübfche Samenfammlung ausgeftellt. Die Topinambur( Helianthus tuberosus), welche befonders für Schafe und Pferde ein gutes Winterfutter liefert, in Knollen und Kraut aber Gemüfe gewährt, ftammt aus Brafilien und wird in Europa nur ausnahmsweife cultivirt. Wir haben in der Ausftellung nur wenige Proben der Erdbirne bemerkt, fo z. B. Topinamburftengel und Knollen von Elsner von Gronow( Preuſsifch- Schlefien), auch in der englifchen Ausftellung von Carter& Comp. DIE GEWERBLICHEN PFLANZEN. ( Gruppe II, Section 1.) Bericht von ANT. ADAM SCHMIED, Profeffor an der höheren landwirthschaftlichen Lehranstalt in Liebaerd bei Tetfchen. Nach der Ausfcheidung der wichtigften Gruppen der europäifchen Fabriksund Induftriegewächfe, welche bei den betreffenden Berichten ihre Darftellung finden, verbleiben hier unter dem angeführten Titel blos folgende Nutzpflanzen zu betrachten: Der Hopfen( Humulus L.). Der gemeine Hopfen( H. Lupulus L.) wird bekanntlich in Europa und Nordamerika der tannenzapfenähnlichen Fruchtähren halber cultivirt. Durch den aufserordentlichen Auffchwung der Bierconfumtion hat fich die Gefammtproduction des Hopfens feit einem Vierteljahrhundert rund von 300.000 Centner auf 1,413.000 Centner gehoben. Der Hopfen fchwingt fich allmälig immer mehr zum Welthandelsartikel auf und ift dabei durchſchnittlich der Preis auch wefentlich geftiegen. Die durchſchnittliche Jahresproduction wird bei einer normalen Ernte gefchätzt: Baiern 200.000, Böhmen und das übrige Oefterreich 180.000, Baden 25.000, Württemberg 60.000, Elfafs, Lothringen, Burgund 80.000, 118 Ant. Adam Schmied. Belgien 75.000, Preufsen( Pofen, Polen) 60.000, Altmark, Braunfchweig 25.000, Rufsland 15.000, England 620.000 Centner, Nordamerika 250.000 Centner. In manchen Jahrgängen wirkt der amerikanifche Hopfen drückend auf den europäifchen Hopfenmarkt, da derfelbe, geprefst und gefchwefelt, in grofser Menge befonders nach England eingeführt wird, wo man ihn zur Erzeugung der billigeren Bierforten verwendet. Auf der Wiener Weltausftellung war der Hopfen in grofser Menge vertreten; freilich waren es zumeift Hopfenhändler, welche die vorwiegende Zahl der Ausfteller bildeten, da es eben in ihrem Vortheil liegt, wenn ihre Firmen ziemlich bekannt werden; für den Landwirth waren aber die Expofitionen von Hopfenproducenten werthvoller und belehrender, da fie das Erzeugnifs einzelner Länder und Gegenden ohne jeden Aufputz und unverfälfcht zur Anfchauung brachten. Obenan ftand die Hopfenausftellung Weftöfterreichs. Hier bildet der Hopfenbau in manchen Gegenden die Grundlage des Wohlftandes der ackerbautreibenden Bevölkerung, indem gerade der reiche Boden Oefterreichs, insbefondere der von Böhmen, Oberöfterreich, Steiermark und Galizien, nicht allein enorme Quantitäten Hopfen liefert, fondern auch das befte Product der Welt erzeugt. Namentlich ift es der böhmifche Hopfen, welcher unter den in Europa producirten Hopfenforten von jeher eine hervorragende Stelle einnimmt. Im Jahre 1870. erntete man in Weftöfterreich insgefammt 74.580 Centner Hopfen im Werthe von 2,022.867 fl., wovon auf Böhmen allein der Ertrag von 50.887 Centner kam; ausgeführt wurden in diefem Jahre allein 43.552 Centner Hopfen. In dem für den Hopfenbau nicht eben fehr günftigen Jahre 1872 betrug die Hopfenernte WeftOefterreichs circa 69.000 Centner, wovon auf Böhmen 44.800 Centner Hopfen entfielen. Die Collectivausftellung des Königreiches Böhmen zeigte ausgezeichnete Hopfenforten aus den verfchiedenen Productionsgebieten Böhmens; in erfter Reihe den Rothhopfen mit drei Unterabtheilungen als Saazer Stadtgut, Saazer Bezirksgut und Saazer Kreisgut; dann den Grünhopfen aus der Gegend von Aufcha, Dauba, Böhmifch- Leipa u. f w. Im Pavillon der Fürften Schwarzenberg war vorzüglicher Hopfen aus dem Rayon des weltbekannten Saazer Hopfens( Domänen Neufchlofs, Zittolik und Poftelberg), dann geprefster Hopfen aus dem füdlichen Böhmen( Domäne Wittingau), und endlich von der chemifchen Verfuchsftation in Lobofitz das Refultat eines Hopfenconfervirungs- Verfuches: zwei Jahre alter Hopfen, gefchwefelt, geprefst und in Eis gelegt, ein Hopfen, welcher ausnehmend gut erhalten war. Von fonftigen böhmifchen Hopfenproben find zu erwähnen: der fchöne Hopfen, ausgeftellt von dem Hopfenbau- Vereine im Goldbachthale bei Saaz( Poderfam), gewachſen in verfchiedenen Ortſchaften diefer gefegneten Hopfengegend, dann des Saazer Hopfenbau- Vereines, der Ackerbaufchule Kaaden, des M. Güttermann aus Saaz, welcher nebft Spalter Hopfen auch geprefsten Hopfen aus Middle- Kent ausftellte, der Infaffen aus Wteln( Bezirk Brüx) u. f. w. Von Händlern ftellten aus: J. Lederer& Söhne( Saaz) fchöner Saazer Stadt-, Bezirks- und Kreishopfen, A. J. Morawetz( Sohn) hübfchen Aufchaer Hopfen, ebenfalls Schwarz( in Aufcha), dann Gebrüder Tanzer( Prag) Saazer und Aufchaer Hopfen, namentlich hübfch geprefsten Exporthopfen, vor Allen aber M. H. Rufs & Comp.( Prag), welcher in einer fehr anfprechenden und lehrreichen Sammlung den Hopfen aus den wichtigften Hopfengärten aller Länder, theils unter Glas, theils in kleinen offenen Säckchen, vorführte. Man konnte dafelbft Hopfen aus den verfchiedenen Kronländern Oefterreichs, ferner aus Deutſchland, Frankreich ( Dijon), Belgien( Aloft, Poperinghe) und Rufsland( Gusletfch), dann geprefsten englifchen Hopfen( Eaft- Kent, Farnham, Suffex), fowie den amerikaniſchen Hopfen ( Californien, New- York, Wisconfin) fehen und vergleichen. Aus Oberöfterreich, wo nach der aufgelegten Ernteftatiftik 2095 Joch Hopfenland beftehen und eine Ernte von 10.366 Centner liefern, hatten Stifter Saazer Frühhopfen und Felbermayer fchönen Rothhopfen in der Ausftellung Die gewerblichen Pflanzen. 119 der Linzer k. k. Landwirthschafts- Gefellſchaft ausgeftellt; die Collectivausftellung der landwirth fchaftlichen Vereine des oberen Mühlkreifes zeigte öfterreichifchen Hopfen mit hübfchen, rundlichen, nicht zu langen Dolden, darunter auch gepressten und gefchwefelten Hopfen aus der Hopfen Schwefeldarre; L. Braun ( Pucheim, Attnang) hatte aus dem geprefsten Hopfen eine ganze Säule geformt. Steiermark, welches nach amtlichen Daten von 1942 Joch Hopfengärten 7833 Centner Hopfen erntet, hat durch die k. k. Landwirthschafts- Gefellſchaft in Graz die fchönfte, gelungenfte Hopfenausftellung veranstaltet. Bei jeder Probe war der Name des Producenten und des Ortes, wo der Hopfen gezogen wurde, mit der Angabe der Erhebung desfelben über dem Meere verzeichnet: neben den feineren Hopfen der tieferen, wärmeren Lagen fahen wir die grofsdoldigen, gröberen Proben der hohen, rauhen Gegenden; in dem Orte Uebelbach wird der Hopfen noch 1800 Fufs über dem Meere cultivirt. Nebftdem hat noch J. P. Reininghaus( Steinfeld) fteiermärkifchen Hopfen ausgeftellt. Kärnten, welches auf 39 Joch 515 Centner Hopfen producirt, hat in feiner Collectivausftellung ebenfalls etwas Hopfen dargebracht, welcher aber nicht in den Handel kommt, überdiefs ziemlich viele Körner zeigt. Oftgalizien baut in 1525 Joch Hopfengärten 7650 Centner Hopfen. Die agronomifche Gefellſchaft für Galizien hat galizifchen Hopfen in Glaskäftchen, Seine k. k. Hoheit Erzherzog Albrecht fchönen Hopfen der Herrfchaft Saybufch, Graf L. Pininfki gewöhnlichen Hopfen mit wenig Lupulin und etwas Körnern ausgeftellt. Aus Mähren, welches doch auf 222 Joch 1500 Centner Hopfen erntet, habe ich in der Ausftellung keine Hopfenproben gefunden. Ungarn war in Betreff des ausgeftellten Hopfens nur dürftig vertreten. Alexander Bartha( H. M. Váfárhely) ftellte etwas grofsblumigen, ziemlich körnigen Hopfen aus, ebenfo Jankowic; dagegen war der von den gräflich Kalnokyfchen Herrfchaften in Siebenbürgen von Saazer Fechfnern gezogene Hopfen von überraschend guter Qualität. Der aus Kroatien ausgeftellte Hopfen war grofsrebig, doch ziemlich gut. In Deutſchland, wo vor einigen Jahrhunderten der Hopfenbau ganz allgemein war und nachweislich von hier aus erft nach den Niederlanden, Flandern, Frankreich und England verbreitet wurde, hat fich derfelbe gegenwärtig nur an einigen Orten erhalten, ift dagegen aus anderen Ländern faft verfchwunden oder wird in einigen Gegenden derfelben nur noch kümmerlich betrieben. Am bedeutendften ift die Hopfencultur nicht allein in Hinficht auf Quantität, fondern auch auf Qualität in Baiern und namentlich in Mittelfranken, wo das Spalter Land, Kinding, die Gegend von Hersbruck, Altdorf und Lauf, dann der Aifch- und Kenngrund die Hauptbezirke bilden; dann folgen die Oberpfalz und Regensburg, Oberfranken, Oberbaiern und Schwaben. Das Generalcomité des landwirthschaftlichen. Vereines in Baiern ftellte eine fehr inftructive Sammlung fchöner Hopfenproben von vielen Orten Baierns aus, in fehr vielen Muftern, in Säcken und unter Glas geprefst und ungeprefst neben einander gereiht, um diefelben bequem vergleichen zu können. Nebftdem brachte das felbe eine Anzahl mit diverfen Sorten baierifchen Hopfens gefüllte Gläfer zur Anfchauung, und zwar in Glaskaften gut verwahrt, durch welche man die ausgeftellten Mufter gut befehen konnte. Nebft dem haben der Spalter Stadtmagiftrat, der Krumbacher Hopfenbau- Verein, die Nürnberger Hopfenhalle und mehrere andere Händler baierifchen Hopfen ausgeftellt. Zeller ( Windsheim) brachte Mufter von Originalhopfen und Mufter derfelben Sorte, gefchwefelt. In Preufsen kommt Hopfenbau fchon früh in der Mark Brandenburg, fowie in Pommern und Sachfen vor, ohne dafs er fich indefs zu befonderer Blüthe hätte erheben können; auch in Schlefien und der Rheinprovinz( in der Gegend von Trier) fand ein folcher feit Ende vorigen Jahrhunderts, jedoch nur in geringem Umfange ftatt. Erft in den letzten Decennien ift die Hopfencultur und zwar in der 120 Ant. Adam Schmied. Provinz Pofen( Neutomifchl, Grätz, Neuftadt, Buck u. f. w.) in einer Weife verbeffert worden, dafs gegenwärtig das dort gewonnene Product in Qualität dem baierifchen Hopfen nahe kommt. Während im Jahre 1837 die Gefammtproduction der Provinz Pofen höchftens 500 Centner betrug, werden dort jährlich fchon 25.000 bis 30.000 Centner auf circa 6000 Morgen gewonnen. Flatau( Berlin), welcher fich um die Hebung des Hopfenbaues bei Neutomifchl fehr verdient gemacht hat, ftellte als Vertreter der Hopfenbauer zu Neutomifchl Hopfenproben in mehreren Beuteln aus. Der landwirthschaftliche Verein für Rheinpreufsen ftellte Hopfen aus der Gegend bei Bitburg aus, die Collectivausftellung für Oftpreufsen enthielt Hopfenproben aus den Kreifen Königsberg und Allenftein. Von den übrigen deutfchen Ländern haben nur Württemberg, Baden und Elfafs- Lothringen Hopfenbau von einiger Bedeutung. In Württemberg hat diefe Cultur in den letzten Jahren eine ziemliche Ausdehnung erlangt; 1867 bis 1871 find durchſchnittlich 15.691 Morgen( 0.57 Percent der gefammten Ackerfläche) mit Hopfen beftellt gewefen und lieferten einen jährlichen Ertrag von über 60.000 Centner. Die aus Württemberg zahlreich ausgeftellten Hopfenmufter, fo die von der landwirthfchaftlichen Centralftelle in Stuttgart und F. Wirth( Kaltenberg) ausgeftellten Collectionen württembergifcher Hopfen, waren wohl geeignet, eine genaue Veranfchaulichung der Hopfenproduction des württemberg'fchen Landes zu bieten. Die Centralftelle des landwirthfchaftlichen Vereines in Baden brachte 16 Sorten von Pfälzer Hopfen, fehr überfichtlich und lehrreich geordnet. Im Elfafs wird der Hopfenbau in rationellfter Weife betrieben und hat die Ausdehnung und Erweiterung diefer Cultur dafelbft einen hohen Grad erreicht: im Jahre 1866 belief fich die Ernte auf 24.760 Centner, von welchen 22.800 Centner in den Diftricten des Niederrheins auf 1200 Hektaren gewonnen wurden; Hagenau, Bifchweiler und Sand erzeugen fehr feine Qualitäten. Nordamerika, deffen Hopfen von vorzüglicher Qualität fein foll, England und Frankreich, wo in manchen Gegenden Hopfen aus Saazer Fechfern erbaut wird, der dem böhmifchen wenig nachfteht, hatten zu unferem gröfsten Leidwefen keinen Hopfen ausgeftellt. Belgien, welches 3960 Hektaren Hopfengärten befitzt, brachte fchönen inländifchen Hopfen( von C. Valcke in Poperinghe, Gebrüder Veys in Vlamertinghe exportirt), zum Theil geprefst. Selbft Dänemark war mit einer Probe Hopfen, ausgeftellt von den Kaufleuten Puggaardt und Hage in Nakskov, vertreten, welche jedoch in der Qualität Manches zu wünſchen übrig liefs. Die Oelpflanzen. Indem wir nur die wichtigften derfelben herausheben und uns blos auf die Hauptverhältniffe der Cultur der Oelfaaten befchränken, können wir uns bei diefer Gruppe der Handelsfrüchte überhaupt bedeutend kürzer faffen, als es bisher gefchehen ift. Der Raps( Braffica napus oleifera) und Rübfen( Braffica rapa oleifera), welche beide als Winter- und Sommerfrüchte cultivirt werden, indem fie Rüböl und als Viehfutter dienende Prefsrückstände( Oelkuchen) liefern, mit den Varietäten Biewitz und Awehl, bilden einen wichtigen Zweig der Ackerproduction, namentlich für Böhmen, wo im Jahre 1872 im Ganzen auf 21.075 Joch 321.165 Metzen Raps geerntet worden find; und für die ungarifchen Länder ift der Anbau von Raps von der gröfsten Bedeutung; derfelbe hat aber auch in Mähren, Galizien und Oefterreich ungemein zugenommen. Im Jahre 1870 find in Weftöfterreich 776.162 niederöfterreichifche Metzen Raps- und Rübfamen im Werthe von 4.622.128 fl. gefechset. In Deutfchland hat fich der Anbau von Oelgewächfen zwar ftark vermehrt und ift namentlich die Rapscultur faft überall verbreitet, bei der zunehmenden Verwendung des Oels für technifche Zwecke ift aber der Anbau für den eigenen Bedarf nicht ausreichend und find in den letzten Jahren mehr Die gewerblichen Pflanzen. 121 Oelfämereien vom Auslande bezogen worden, als Deutſchland dorthin abzugeben vermochte. Es war nämlich in dem fünfjährigen Durchfchnitte von 1867 bis 1871 die Einfuhr 2,263.942 Centner, die Ausfuhr dagegen 1,627.978 Centner. Die Oelgewächfe bilden übrigens einen wichtigen Ausfuhrartikel der Oft- und Nordfee häfen nach Frankreich, den Niederlanden und Grofsbritannien. Wir fahen in der Weltausftellung fchönen gleichmässigen Winterraps( Pavillon Schwarzenberg), hübfchen Landraps und Rübfen( Steiermark, Ober- Oefterreich, Schlefien), prächtigen Raps in der böhmifchen Collectivausftellung( Domäne Perču), hübfchen Sommerraps in der Ausstellung des landwirthschaftlichen Vereines in Znaim( Mähren), ergiebigen kleinkörnigen Winterraps( Barzdorf in Schlefien) mit einem Ertrage von 28 Metzen Körner à 76 Pfund und 40 Centner Stroh per Joch, und ausnehmend fchönen Rübfen( von Reininghaus aus Steinfeld bei Graz). Ungarn ftellte hie und da ebenfalls fchönen Raps aus, befonders Seine kaiferliche Hoheit Erzherzog Albrecht( Pavillon), der landwirthfchaftliche Verein des Prefsburger Comitates, Graf Alajos Károlyi u. f. w. Deutfchland brachte in den einzelnen Collectiv und Specialausftellungen Proben von allen Arten und Varietäten der Oelgewächfe; Rufsland zeigte die wilde Rapsfaat( 9 Pud 8 Pfund) und cultivirte Rapsfaat( 9 Pud), fowie fchönen ruffifchen Raps( Zapevaloff); die Niederlande fchönen früh- und spätreifenden Raps( aus dem Harlemermeer), darunter den grofskörnigen holländifchen Raps; felhft Schweden, Spanien, Italien und Rumänien haben hübfche Rapsproben ausgeftellt. Der Mohn( Papaver somniferum L.), aus Kleinafien ftammend, wird in Mitteleuropa als Speiſematerial, in Vorderafien, Oftindien, Egypten und Algerien jedoch zur Gewinnung des Opiums, der officinellen Samenkapfeln( Capita papaveris) und des ölreichen Mohnfamens wegen cultivirt. In der Ausftellung waren die weifs- und fchwarzfamigen Varietäten in mehreren Sorten zahlreich vertreten. Schönen efsbaren Mohn ftellten namentlich die öfterreichifchen Länder, vor Allem Mähren, aus; die landwirthschaftliche Lehranftalt in Znaim, dann A. Popper ( Zborowitz) brachte beispielsweife grauen mährifchen Mohn zu 74 Pfund und blauen mährifchen Mohn zu 76 Pfund, der Metzen, fchwer. Aus Böhmen, wo 1872 von 1892 Joch 17.043 Metzen Mohn geerntet worden find, war in der Ausstellung des Königreiches Böhmen, dann von Wilhelm Lahn( Jitfchin) tadellofer Mohn, aus Steiermark weifser und fchwarzer Mohn u. f. w. ausgeftellt. Ungarn hat den Riefenmohn, den blaublühenden grofsen und kleinen Mohn, dann den weifsgrauen Mohn exponirt. Auch aus den Niederlanden und aus Belgien war Mohn ausgeftellt. In der franzöfifchen Ausftellung konnte man Opiummohn in breiten, hohen Kapfeln und blauweifsen Samen, fowie den fchwarzen und den perfifchen weissen Mohn bemerken; man zieht dort zum Anbau die blaufamige Varietät des Mohns vor, weil diefe ein wirkfameres Opium liefert. Doch hat die Türkei die prachtvollften und verfchiedenften Mohnforten zur Opiumgewinnung ausgeftellt; in der amerikaniſchen Abtheilung war Mohn aus New- Orleans. In der türkischen Abtheilung waren mehrere Sorten vorzüglichen Opiums, dann 7 Sorten des Opiummohns in Mohnkapfeln und Samen von länglich- eiförmigen Kapfeln mit grauweifsen, fehr feinen Körnern bis zu den grofsen Kapfeln mit fchwarzblauem vorhanden. Samen Auch Egypten ftellte Mohnköpfe aus. Die Mohnpflarze, welche dafelbft zur Opiumgewinnung angebaut wird, ift diefelbe, wie die bei uns in Europa gezogene; fie entwickelt jedoch bei anderen klimatifchen Verhältniffen in Afrika und Afien jene Eigenfchaften, welche in der Heilkunde fo fegensreich wirken, aber bei übermäfsigem Gebrauche als Betäubungsmittel ganze Völker vernichten können. Um das Opium zu erzielen, wird die Mohnpflanze von den Eingebornen Afrikas nur in Egypten, und zwar heute nach Schweinfurth nur in Oberegypten angebaut. Dem Anbaue des Zuckerrohrs und der Baumwolle wird der Mohn in Egypten wohl ganz weichen müffen. 122 Ant. Adam Schmied. Sodann wird aber auch in Marocco, namentlich in der Oafe Tuat, Mohn des Opiums wegen angebaut, aber, wie Rohlfs mittheilt, immer nur der Art, dafs der Gewinn des Mohnfamens behufs Oelbereitung die Hauptfache bleibt, indem die Köpfe nur oberflächlich geritzt werden, damit der Samen feiner Hülfung unberaubt zur Reife kommen kann. Doch darf das in Marocco verbrauchte Opium in den grofsen Städten nur durch von der Regierung beftellte Leute, die meiftens auch den Tabakverkauf haben, verkauft werden. Seit dem Opiumkriege der Briten und dem Frieden von Nanking( 1842) hat fich der Verbrauch des Opiums im Orient fehr gefteigert; Indien exportirte Opium 1864-65 nach China für 9,911.804 Pfd. St. Sefam( Sefamum L.) kommt in dem Welthandel in zwei Arten vor, als weifser Sefam, S. orientale L., welcher in Algier, Malta, Griechenland cultivirt wird, weifslichen, gelblichen bis röthlichen Samen hat und das helle, wohlfchmeckende Sefamöl liefert, und als fchwarzer Sefam, S. indicum L., welcher aus Oftindien kommt. Der gelbliche und fchwarze Sefam gibt mehr Oel, als der röthliche; befter Sefam kann bis 60 Percent Oel geben; der griechifche Samen ift gelb, der Sefam von Chalcis beinahe weifs. In der Ausftellung Griechenlands habe ich mich umfonft nach Sefam umgefehen; dagegen habe ich in der Specialausftellung Portugals fchönen Sefamum indicum, in der Ausftellung hübfchen dunklen Sefam und in der türkifchen Ausftellung mehrere Proben tadellofen Sefams in faft allen vorkommenden Schattirungen gefunden. Ricinus wird in Indien, Südeuropa und Nordamerika cultivirt. Die fchönften Ricinus und Curcasfamen hat Portugal ausgeftellt. Auch Italien brachte hübfche Proben von Ricinus communis L., dann fchöne Pflanzen und Samen von Ricino d'africa( Stefan Ritter Deftefani). Der Senf( Sinapis L.) war in den beiden Abarten, als weifser Senf S. alba L.), welcher aus Südeuropa ftammt und bei uns als Speifefenf und behufs Gewinnung des officinellen weifsen Senffamens( Sem. Erucae) cultivirt wird, fowie als fchwarzer Senf( S. nigra L.), welcher zur Bereitung von Senföl und Senfpflaftern dient, ausgeftellt. Vereinzelt konnte man den Senf in einigen Expofitionen der mitteleuropäiſchen Länder, namentlich der öfterreichifchen Monarchie, dann aus den Niederlanden und Italien fehen, fo den weifsen und fchwarzen, den braunen Senf( aus Dänemark), den grofsen gelben englifchen Senf, den neuen chinefifchen Senf( S. pekinensis) mit kleinen Körnern, den weifsgelben und dann den grofskörnigen fchwarzen Senf. Von Leindotter( Camelina fativa), welcher in Europa und Nordafien cultivirt wird, waren wohl nur fehr wenige Proben ausgeftellt; ich habe ſchöne Proben davon in der Collectivausftellung aus der Bukowina und in der Expofition des Freiherrn von Sina( Roffitz in Mähren), dann in der Mecklenburg- Schwerinifchen Collectivausftellung gefehen. Die Sonnenblume( Helianthus annuns L.), aus Mexico ftammend, wird befonders in Rufsland, namentlich in fumpfigen Gegenden zur Verbefferung des Klimas, gezogen. Im Pavillon der Fürften Schwarzenberg waren weifse, fchwarze und geftreifte Sonnenblumen ausgeftellt. Die Pflanze ift einer warmen Empfehlung zum gröfseren Anbau werth, fchon defshalb, weil fie die merkwürdige Eigenfchaft befitzt, die mit Miasmen gefüllte Luft zu reinigen. Die Samen der Sonnenblume enthalten 40 Percent eines angenehmen Oeles, welches nur dem Olivenöl nachfteht; auch liefern fie ein gutes Kaffeefurrogat; in den Stengeln follen Salpeter und Potafche in gröfserer Menge fich vorfinden und die Blätter liefern nebftdem ein gutes Viehfutter. Nach englifchen Berichten find im Jahre 1866 mehr als 100.000 Centner Sonnenblumenöl mit einem Werthe von 112 Millionen Rubel in Rufsland gewonnen und zum Theil auch ausgeführt worden. Die Erdnufs oder Erdeichel( Arachis hypogaea L.) diefe wichtige Culturpflanze in Mittelafrika und Oftindien, welche in der Erde reifende Die gewerblichen Pflanzen. 123 43 bis 50 Percent fetten, nicht trocknenden Oeles enthaltenden Samen trägt, habe ich in vorzüglichen Proben in den Ausftellungen Chinas, Italiens, fowie auch Portugals angetroffen. Die Wichtigkeit diefer Frucht ift aus der Mittheilung erfichtlich, dafs die jährliche Ausfuhr der Küftenländer von Senegambien bis 80 Millionen Kilo Samen beträgt; aus Madras wurden 425.000 Kilo Oel, welches zur Verfälschung des Olivenöls dient, in einem Jahre verfchifft. Die Weberkarde( Dipsacus Fullonum L.), deren Wurzel und Kraut officinell find, und welche in den mit elaftifchen Häkchen befetzten Fruchtböden die Karden zum Rauhen des Tuchs liefert, wird namentlich in Südeuropa, Italien, Frankreich, England, Belgien, Deutfchland und Oefterreich cultivirt. Deutfchland, welches Karden in Schlefien, Sachfen, Baiern und Württemberg anbaut, hat einige treffliche Proben desfelben aus der Rheinprovinz und aus Baiern vorgeführt. Weftöfterreich, welches hauptfächlich in Oberösterreich, und zwar im Mühlkreis, Karden in gröfserer Ausdehnung cultivirt, indem hier im Jahre 1869 von 452 Joch 1225 Klafter 44.690 Mille Karden geerntet worden find, ftellte befonders in der Expofition der k. k. Landwirthfchaftsgefellſchaft in Linz vortreffliche Karden aus, beiſpielweife je von Franz Langauer in Langenftein; Jacob Ritter von Godigna( Capodiftria im Küftenland) ftellte 8 bis 9 Fufs hohe Kardenpflanzen aus; auch in der böhmifchen Collectivausftellung waren einige Proben von Karden vorhanden. Die prächtigfte Kardenfammlung haben aber J. F. Miftral frères( St. Rémy de Provence, Frankreich) ausgeftellt; es waren darunter feine Karden von 1 bis 3 Zoll Gröfse vertreten. In der italienifchen Abtheilung waren ebenfalls fehr fchöne Karden; ebenfo in der ruffifchen Ausftellung( exponirt von Skirmund aus Minsk) und hie und da auch in der ungarifchen, wie zum Beiſpiel die von C. A. Kraetfchmar( Rimafsombat) und der Herrfchaft Léva( Ritter von Schoeller) vorgeführten. In den Ausftellungen der anderen Länder haben wir keine Karden gefunden. FREMDLÄNDISCHE PFLANZENSTOFFE ZU INDUSTRIELLEM GEBRAUCHE. ( Gruppe II, Section 1.) Bericht von DR. JULIUS WIESNER. Die grofsen Erfolge der modernen Induftrie beruhen nicht nur auf der Art, wie aus dem Rohmateriale das Fabricat erzeugt wird, fondern auch darauf, was verarbeitet wird, auf der zweckmäfsigen Auswahl der Rohftoffe. Vor etwa hundert Jahren war es für den englifchen Gewerbsmann nicht fchwer, und für den öfterreichifchen leicht, fich fein Rohmateriale auszufuchen. Die eigene Heimat erzeugte nämlich faft Alles, was man gewerbsmäfsig verarbeitete. Heute ift es anders. Aus den fernften Ländern ftrömen die Naturerzeugniffe nach den Centralpunkten des Handels, und gelangen von hier aus in unfere Fabriken. 124 Dr. Julius Wiesner. Die Induftrie eines Landes fteht im grofsen Ganzen defto höher, je weiter fie zur Erlangung des Rohmateriales ausgreift. Die englifche Textilinduftrie bezieht ihre Gefpinnfte und Webeftoffe gegenwärtig aus allen Welttheilen, und unfere heimifchen Spinnereien, Webereien und Seilerwaaren- Fabriken begnügen fich nicht mehr, wie vor hundert Jahren mit den eigenen Naturerzeugniffen mit Wolle, Hanf und Flachs: fie beziehen beiſpielsweife ihre Baumwolle aus Egypten. Kleinafien, Perfien, Indien, Nord- und Südamerika etc.; fie verarbeiten die oftindifche Jute, den Manillahanf der Philippinen, die amerikaniſche Pitefafer u. f. w. Warum die Induftrie oft fo weit ausholen mufs, um das zweckmäfsigfte Rohmateriale zu erlangen, die Beantwortuug diefer Frage ift wohl nicht fo einfach, als dafs fie fich mit wenig Worten erfchöpfen liefse. Es dürfte indefs für unfere Betrachtung genügen, auf die Verfchiedenartigkeit der Naturerzeugniffe nach klimatifchen Verhältniffen hinzuweifen, um wenigftens einigermafsen den Zug der modernen Induftrie zu erklären auf die Rohftoffe des Welthandels, und nicht allein auf die des eigenen Landes zu reflectiren. Die Weltausftellungen haben aufserordentlich viel dazu beigetragen, den Gewerbetreibenden zu zeigen, welchen immenfen Vorrath an den verfchiedenften Naturerzeugniffen der Welthandel für die Induſtrie bereithält. Der Auffchwung der europäiſchen Jutewaaren- Fabrication, die Einführung des Chinagrafes, des Esparto, der Piaffave, mehrerer ausländifcher Holzarten, Gummi- Arten, Harze, Gerb- und Farbftoffe etc. in die europäiſche Induftrie ift ihnen zum grofsen Theile zu danken. Die abgelaufene Weltausftellung in Wien hat die techniſch verwendbaren Rohftoffe des Erdballs uns allerdings nicht mit Vollständigkeit vorgeführt, es fanden fich viele Lücken vor; es waren auch, wenn man vom Orient abfieht, die rohen Pflanzenftoffe der fremden Länder minder reichlich, als auf der letzten Parifer Ausftellung vertreten. Die franzöfifchen und englifchen Colonien, Brafilien und viele andere Länder hatten damals ein weitaus reicheres Contingent an vegetabilifchen Rohftoffen geftellt. Allein es will uns fcheinen, dafs die aufserordentlich reichen RohftoffCollectionen, welche wir damals zu fehen bekamen, fo lehrreich fie für den Naturforfcher waren, fo anregend fie auf denjenigen wirken mufsten, welcher fich mit dem Studium der technifchen Waarenkunde befchäftigt, doch an Nützlichkeit für den Induftriellen gegen die Vorführung der fremdländifchen rohen Pflanzenftoffe auf der Wiener Ausftellung zurückftanden; es wurde damals offenbar zu viel geboten, unter zahlreichen, ziemlich belanglofen Materialien fanden fich allerdings einzelne, wahrhaft empfehlenswerthe Objecte vor. Vielen Induſtriellen mochte beispielsweife bei Befichtigung der franzöfifchen Colonien die Geduld ausgegangen fein, ehe fie damit zu Stande kamen, die zahlreichen fremdländifchen Stärkeforten, oder Arten von vegetabilifcher Seide, denen zumeift durch mündliche und gedruckte Angaben über Verwendbarkeit ein gröfseres Lob gefpendet wurde, als fie in der That verdienten, durchzunehmen. Die bei der Wiener Weltausftellung vertreten gewefenen Collectionen von rohen Pflanzenftoffen waren meift concentrirte, enthielten im Allgemeinen weniger Nebenfächliches, und waren defshalb, nach unferem Dafürhalten, für den Mann der Praxis lehrreicher, als die der letzten Parifer Expofition. Von ganz hervorragendem Werthe war in der genannten Beziehung die Weltausftellung für unfere öfterreichifchen Gewerbetreibenden. Wenn man nämlich unferen Rohftoff Handel mit jenem von England, Frankreich oder Holland vergleicht, fo kann nicht entgehen, dafs wir in der Verarbeitung fremdländifcher Rohftoffe noch vielfach zurück find, wenn auch ein erfreulicher Auffchwung in den letzten zehn Jahren nicht zu verkennen ift. Freilich wird man uns einwenden, dafs Länder mit Colonialbefitz rafcher in die Lage kommen, fremde Rohftoffe kennen zu lernen und zu erwerben. Das ift allerdings nicht zu leugnen; allein Oefterreich ift auch gegen andere Länder zurückgeblieben, welche in Bezug auf Fremdländifche Palanzenftoffe zu induftriellem Gebrauche. 125 Erwerbung fremdländifcher Rohftoffe fich in gleicher Lage wie wir befanden, z. B. gegen Deutfchland. Es fpricht fich diefs namentlich im Materialhandel aus, wie ein Vergleich der Preisliften unferer Materialwaaren Händler mit jenen Deutfchlands zeigt. Neuere, werthvolle Materialwaaren, wie Quillajarinde( Seifenrinde, Panamarinde), Gurjunbalfam, Port Natal Arrow- root, Balata etc., im deutfchen Handel bereits vorhanden, fehlen entweder bei uns noch ganz, oder gelangten fpäter als dort auf den Markt. Oefterreich, das in fo vielen Beziehungen in kürzefter Frift einen ungeahnten Auffchwung genommen hat, wird auch wohl rafch das eingeholt haben, was es bis jetzt in der Nutzbarmachung fremdländifcher Rohftoffe für die Induftrie verfäumte. Die nachfolgenden Zeilen follen auf einige beherzigungswerthe Anregungen hinweifen, welche in der genannten Richtung die Weltausftellung gegeben hat. Die Rohftoffe des Pflanzenreiches, welche die europäifche Induſtrie aus den anderen Welttheilen bezieht, kommen faft durchgängig aus den warmen und heifsen Ländern. Klima und Boden begünftigen dort die Vegetation in erftaunlicher Weife. Die Menge von Stärkemehl, welche dort eine beftimmte Bodenfläche hervorbringt, ift eine weit gröfsere als bei uns. Und nicht nur Tropenpflanzen, wie Bataten, Brodfruchtbäume, felbft unfere Getreidepflanzen, z. B. der Weizen, produciren dort relativ mehr Stärke, als unfere Kartoffeln und unfere Cerealien. Aehnlich verhält es fich mit der Erzeugung von Zucker, Fafern Pflanzenfetten u. f. w. Die ergiebigften Quellen der vegetabilifchen Rohftoffe find die tropifchen und fubtropifchen Länder. Die Nutzbarmachung der organifchen Naturerzeugniffe jener gefegneten Gegenden der Erde in der europäiſchen und nordamerikanifchen Induftrie gehört zu den hervorragendften Erfcheinungen der modernen Cultur.* Unter den nach Hunderten zählenden Arten von Rohftoffen, welche in den Induftrie- und Agriculturhallen des Praters zu fehen waren, hat fich von den Producten Chinas und Japans abgefehen kein einziger gefunden, der nicht auch fchon auf früheren Ausstellungen vertreten gewefen wäre, oder deffen Exiftenz nicht fchon durch die wiffenfchaftliche Literatur bekannt geworden wäre. Alle die mannigfaltigen Holzforten, die zur Oelpreffung empfohlenen Samen, die als Gerbmaterialien vorgefchlagenen Rinden und die verfchiedenen Arten von vegetabilifchem Wachs u. f. w. find für den Fachmann auf dem Gebiete der Waarenkunde nicht neu; zumeift find es Stoffe, die von irgend einem, der Civilifation noch nicht unterworfenen Volksftamme fchon feit Urzeiten verwendet werden. Wir heben diefs hervor, weil, abgefehen von den Fachmännern, die übrige Welt die kürzlich in die Induftrie eingeführten Rohftoffe für moderne Entdeckungen hält, was fie durchaus nicht find. Der Kautfchuk wird feit Urzeiten von den füdamerikaniſchen Indianern benützt, wie die Gutapercha von den Malayen, die Jute und der Indigo von den Hindus, das Palmfett von den Negern Guineas u. f. w. Diefe Erfindungen und Entdeckungen uncivilifirter Völkerfchaften, durch deren angeborenen Spürfinn zuwege gebracht, find eine nicht zu unterfchätzende Leiftung, die der modernen Cultur zugute kommt und zur Hebung der Induftrie noch fehr viel beitragen wird. Denn Taufende von derartigen Rohftoffen harren noch der Prüfung durch das Auge des Praktikers und Hunderte von Objecten wären auch der Prüfung werth. Langfam aber unaufhörlich vergröfsert fich die Zahl der in die europäiſche Induftrie eingeführten, feit alter Zeit fchon in Verwendung ftehenden Rohftoffe des Pflanzenreiches. Es wäre keine leichte und gewifs eine höchft umfangreiche Arbeit, Alles zufammenzuftellen, was an fremdländifchen Pflanzenftoffen Intereffantes auf der Ausftellung zu fehen war; wollte man gründlich zu Werke gehen und die Abftammung, Kennzeichen, Eigenfchaften und die Verwendbarkeit aller jener in der * Siehe Ausland 1869. Nr. 35. Die Jute. 126 Dr. Julius Wiefner. europäiſchen Induftrie noch fremden Körper darlegen, fo müfste man wohl ein ganzes Buch fchreiben. Ich werde mich in den nachfolgenden Zeilen blos damit begnügen, auf jene in unferem Handel noch ganz oder faft ganz unbekannte Pflanzenftoffe aufmerksam zu machen, deren Einführung leicht und empfehlenswerth wäre, und verweife im Uebrigen auf ein gröfseres, kürzlich erfchienenes Werk, in welchem ich den Verfuch machte, alle in der Induftrie verwendbaren Rohftoffe des Pflanzenreiches ausführlich und von wiffenfchaftlichen Gefichtspunkten aus zu bearbeiten.* Auf die in ihrem Werthe für uns noch fehr problematifchen Materialien von China und Japan wollen wir hier nicht eingehen. Es muss einem späteren Zeitpunkte vorbehalten bleiben, über diefe Körper zu referiren, bis wir uns durch eigene Unterfuchungen ein Urtheil über die gewerblichen Eignungen diefer Rohftoffe werden gebildet haben. Aus den eben angedeuteten Gründen nehmen wir hier nur auf die Pflanzenftoffe der warmen und heifsen Länder Rückficht. Es fei erlaubt, an diefer Stelle darauf aufmerksam zu machen, dafs die Sammlungen der franzöfifchen Colonien auf der Ausftellung unter allen ähnlichen Collectionen den erften Rang einnahmen, weil deren Producte überfichtlich angeordnet, genau und wiffenfchaftlich beftimmt waren und ein trefflich redigirter Katalog uns über die einzelnen Objecte die nöthigen Auskünfte gab. Im Nachfolgenden befpreche ich blos die für die Einführung zu empfehlenden Pflanzenfafern, Stärkeforten, Oelmaterialien, Gummi und Harze. Andere Rohftoffe, zum Beiſpiel vegetabilifches Wachs, Rohkautfchuk, Catechu, Farbflechten etc. laffe ich in diefer kleinen Skizze unbefprochen, weil mir über diefe Körper auf der Ausftellung nichts Neues bekannt wurde, was von allgemeinerem technifchen Intereffe wäre. Die Gruppe Holz und einige andere übergehe ich hier, weil das mannigfaltige, fehr heterogene Intereffe, das fich an diefe Rohftoffe knüpft, zur Veranlaffung wurde, hierüber in anderen Abtheilungen des Berichtes abzuhandeln. Pflanzenfafern. Wer von den Befuchern der Ausftellung die mannigfaltigen Producte der warmen Länder, namentlich die von den englifchen, franzöfifchen, holländifchen und portugiefifchen Colonien zur Schau gebrachten Rohftoffe aufmerkſam betrachtet hat, dem werden gewifs die zahlreichen, im europäiſchen Verkehre zumeift. unbekannten Faferftoffe zum Spinnen, Weben, für die Papierfabrication und andere Zwecke aufgefallen fein. Die vegetabilifchen Faferftoffe, welche fich da vorfanden, zählten nach beiläufiger Schätzung- nach Hunderten. - Den Laien, der nur die gewöhnlichften vegetabilifchen Spinnmaterialien: Hanf, Flachs und Baumwolle kennt, fetzt der grofse Reichthum an Fafern, den die Natur darbietet, in Erftaunen; der mit Textilen befchäftigte Induftrielle betrachtet fie leider nur meift als intereffante Curiofa, denen eine praktiſche Bedeutung nicht zukommt. Dem Botaniker, welcher den feinen Bau der Pflanze kennt, imponirt das Heer von Pflanzenfafern weniger als dem Laien und dem Induftriellen; er weifs, wie viele Pflanzen eine reichliche Menge von feinen, ſpinnbaren Fafern führen, und dafs man aus Taufenden von Gewächfen Faferftoffe darzuftellen im Stande ift. Schon ein Blick auf unfere drei bekannteften vegetabilifchen Spinnmaterialien lehrt uns ihre grofse Verfchiedenartigkeit kennen und legt den Gedanken nahe, dafs die aus den heterogenften Pflanzen dargestellten Fafern fehr ungleichwerthig fein müssen. Diefs beftätigt nun auch eine eingehende Prüfung, und fie lehrt auch, dafs viele diefer Fafermaterialien durchaus nicht fo gering find, dafs fie nicht in Bezug auf Qualität mit Baumwolle, Hanf oder gar Flachs concurriren * Die Rohftoffe des Pflanzenreiches. Leipzig. Wilh. Engelmann 1873. Fremdländifche Pflanzenftoffe zu induftriellem Gebrauche. 127 könnten, umfomehr, als nicht wenige darunter exiftiren, die von den Urbewohnern der warmen Länder feit undenklichen Zeiten zur Herftellung von Bekleidungsgegenständen, Seilen u. f. w. fo angewendet werden, wie feit alter Zeit bei uns in Europa der Flachs. - Die Weltausftellungen bieten dem Induftriellen die befte Gelegenheit, die Faferftoffe der Welt kennen zu lernen, und die früheren Expofitionen zu Paris und London haben zur Einführung einiger Faferftoffe der Jute und des Chinagrafes in die europäiſche Induftrie nicht wenig beigetragen. Doch will es uns fcheinen, als würde die Gelegenheit zur Auffindung nützlicher Fafern auch diefs mal in Wien noch nicht gehörig ausgenützt worden fein. In den nachfolgenden Zeilen wollen wir auf jene Fafern hinweifen, welche der Einführung bei uns werth wären. -- Als wir den Bericht über die letzte Parifer Ausftellung fchrieben, war die Jute die Baftfafer von Corchorus capsularis bei uns noch fehr wenig gekannt. Wir betonten damals die Wichtigkeit der Jute Induftrie und haben den rafchen und in feinen Erfolgen ungeahnten Auffchwung der Juteverarbeitung in England hervorgehoben. - - Heute ift es wohl nicht mehr nothwendig, für diefen Faferftoff Propaganda zu machen; er ift bei uns bereits hinlänglich bekannt und feinem wahren Werthe nach meift gebührend gefchätzt. Vielleicht ist es nicht überflüffig hier zu erwähnen, dafs fich was früher beftritten wurde verfponnene und gewebte Jute ganz gut bleichen läfst und nebft weifser Farbe einen fchönen Glanz annimmt, fo dafs fie fich in diefer Beziehung fehr vortheilhaft vom Hanf unterfcheidet.- Die Hauptmaffe der Jute kommt bekanntlich aus ihrer Heimat, nämlich aus Indien und den umliegenden Infeln. In neuefter Zeit ift man beftrebt, die Cultur der Jutepflanze in vielen anderen warmen Ländern einzuführen; die Ausftellung führte uns z. B. Jute von Algier, Franzöfifch- Guyana, Mauritius u. f. w. vor. Mit der Einführung des Chinagrafes( tfchu- ma) der Baftfafer von Böhmeria nivea( Urtica nivea) in die europäifche Textilinduftrie geht es viel langfamer als mit der Jute vorwärts. Es liegt diefs theils darin, dafs die aus diefem Spinnftoffe verfertigten Gewebe gegen Seidengewebe fowohl in Glanz als Dauerhaftigkeit nachftehen und im Preife doch viel höher als gleich feine Baumwollgewebe ftehen; theils in dem Umftande, dafs wir in Europa aus dem rohen Baft der Böhmeria noch nicht jene feine, glänzende und langftapelige Fafer darzuftellen vermögen, die aus China als folche und in Form von Grass- cloth ausgeführt wird und bei uns als cotonifirtes Chinagras bezeichnet wird. Die Zukunft des Chinagrafes für Europa fcheint von feinem Preife abzuhängen. Gelingt es, durch maffenhaften Anbau der Pflanze die Rohfafer um Billiges in den Handel zu fetzen und ohne grofse Koften daraus eine cotonifirte Fafer zu gewinnen, fo mufs fie ihrer- im Vergleich mit der Baumwolle vorzüglichen Eigenfchaften halber fich ein grofses Terrain erobern. Der Anbau der Böhmeria nivea gewinnt immer mehr Ausdehnung. - Aufser China und Japan brachten Oftindien, Nordamerika, Martinique, Jamaika, Trinidad, Queensland, Mauritius, Réunion und Algier diefe Fafer zur Ausftellung. Die Nachrichten über die Acclimatisation der Pflanze in den genannten Territorien lauten allenthalben günftig. Ein dem Chinagras fehr nahe verwandter, oft mit ihr verwechfelter Spinnftoff ift die Ramiéfafer, die Baftfafer von Böhmeria tenacissima( Urtica tenacissima) welche im Süden und Often Afiens zu Haufe ift und dort feit alter Zeit gebaut wird. Die Fafer ift gröber und im cotonifirten Zuftande kürzer und weniger glänzend als das Chinagras. In England werden aus diefer Fafer fchöne, glänzende, weifse und gefärbte Gewebe dargeftellt, die aber gegen Chinagras- Gewebe zurückſtehen. Die Bedeutung der Ramié liegt nach unferem Dafürhalten nicht in der feinen, baumwollartigen Fafer, die fich aus der Rohfafer abfcheiden läfst, fondern vielmehr in letzterer 9 128 Dr. Julius Wiesner. felbft. Wer die ungemein feften und fchönen indifchen, aus diefem Materiale gefertigten Seile und Bindfaden gefehen hat, und ferner weifs, dafs die rohe Ramiéfafer an Feftigkeit und Dauerhaftigkeit die Hanffafer weit überfteigt, mufs die Einführung derfelben in unfer Seilergewerbe als einen Fortfchritt bezeichnen. Mit Ramié find bekanntlich- felbft in Mitteleuropa in neuerer Zeit vielfache Acclimatifationsverfuche gemacht worden. Es haben wohl nicht alle diefer Experimente ein pofitives Refultat gehabt. Die aus den warmen Ländern zur Ausstellung gebrachten Ramiéproben ftanden gegen die Faferftoffe aus den Heimatländern der genannten Pflanze nicht zurück. Aehnlich wie mit der Ramiéfafer, verhält es fich mit dem in Europa nämlich in England-- fchon länger bekannten neufeeländifchen Flachs. Es ift diefs eine aus dem Blatte von Phormium tenax( neufeeländifche Flachslilie) bereitete fehr fefte, zähe, auch im naffen Zuftande fehr dauerhafte Fafer. Wie manche der zahlreichen Proben, welche Neufeefand zur Schau ftellte, lehrte, laffen fich aus dem neufeeländifchen Flachfe Gewebe und Gefpinnfte erzeugen, die gebleicht und ungebleicht in Verwendung kommen können. Ungleich wichtiger, als diefe, find jedoch die aufserordentlich widerftandsfähigen und feften Bindfaden, Seile und Taue, die fich aus diefer Fafer herftellen laffen. Phormium tenax wird nicht nur in Neufeeland und Neuholland, Oftindien, Weftindien, Mauritius, Réunion und Natal gebaut; auch im Süden Europas kommt die Pflanze fort, keineswegs gedeiht fie aber da fo üppig, als dafs Hoffnung vorhanden wäre, von dort her die Fafer einmal für den Handel zu erhalten. Die bedeutendften Productionsländer des neufeeländifchen Flachfes find Neufeeland und Neufüdwales. - Im europäiſchen Handel noch ganz unbekannt find zwei oftindifche Fafern, welche unter den englifchen Colonialproducten zu fehen waren, die an Feftigkeit alle anderen bis jetzt bekannten vegetabilifchen Textilftoffe überragen, nämlich die Yer cum fibre und die Jetee fibre. Beide ftammen von Pflanzen aus der Familie der Asclepiadeen her; erftere ift die Baftfafer von Calotropis gigantea, letztere die Baftfafer von Marsdenia tenacissima. Während ein Jutefeil fchon bei einer Belaftung von 140 Gewichtseinheiten zerreifst, verträgt ein Seil aus der Jeteefafer bei gleichem Querfchnitt eine Belaftung von 248 Gewichtseinheiten. Zur Herftellung von Seilerwaaren, welche hohe Feftigkeit befitzen follen, wären die beiden genannten Fafern zu empfehlen. Der Fafer Sunn möge endlich auch von unferen Hanf und groben Flachs verarbeitenden Induftriellen einige Aufmerkfamkeit zugewendet werden. Es ift diefs ein fehr fefter Faferftoff, den man in Indien fchon feit Langem aus der zu den fchmetterlingsblüthigen Gewächfen gehörigen Crotalaria juncea, welche im Süden Afiens namentlich in Indien, auf Java nnd Borneo cultivirt wird, abfcheidet. Die letzte Parifer Ausftellung hat ihn zur Anfchauung gebracht, wir machten im Berichte über jene Weltausftellung darauf aufmerkſam, doch wie es fcheint ohne Erfolg. In England hat er jedoch in den letzten Jahren Eingang gefunden. Der Sunn fieht allerdings nicht fehr empfehlenswerth aus, da die im Handel erfcheinende Waare ftets einen wergartigen Charakter hat. Es liegt diefs aber in dem bis jetzt üblichen fehr primitiven Röftverfahren. Durch eine vervollkommnetere Abfcheidungsmethode wird der Faferftoff an Feinheit und Gleichmässigkeit gewinnen. Feftigkeit und Widerftandskraft gegen den Wechfel von feucht und trocken zeichnen auch diefe Fafer aus. In einer Eigenfchaft übertrifft der Sunn- fo weit die bis jetzt angeftellten Verfuche reichen alle anderen bekannten Faferftoffe, nämlich in feiner geringen Hygrofkopicität. Während diefe Rohftoffe gewöhnlich bis 16 und 22 Percent Waffer aus der Luft aufzunehmen vermögen, ja felbft einige exiftiren, die 40 und 50 Gewichtspercente Waffer in feuchter Luft fich aneignen können, nimmt der Sunn, welcher bei gewöhnlicher Luftfeuchtigkeit blos 5 bis 6 Percent Waffer enthält, blos 10 bis II Percent Waffer im feuchten Raume auf. Für den Käufer ift diefe Eigenfchaft aber umfo- Fremdländifche Pflanzenftoffe zu induftriellem Gebrauche. 129 weniger gleichgiltig, als bei dem Verkaufe vegetabilifcher Fafern auf die in denfelben enthaltenen Waffermengen keine Rückficht genommen wird. Der in den Colonialausftellungen reich vertretene Manilla hanf( Mufaoder Bananenfafer) und die Cocosnufsfafer( Coïr) find unferen Induftriellen wohl fchon fo bekannt, dafs es nicht nothwendig erfcheint, auf diefelben nochmals aufmerksam zu machen. Auch die Pite, die Fafer mehrerer Agaven, fälfchlich Aloefafer genannt, ift in den letzten Jahren als„ Fibris" in Wien bekannt und zur Herftellung von Bürften u. dgl. fchon vielfach benützt, fo dafs es genügen dürfte, die Länder namhaft zu machen, welche diefe Rohftoffe bei uns ausftellten, nämlich: Martinique( Agave mexicana), Guadeloupe( Agave americana und A. foetida), Guyana, Brafilien, Venezuela,* Indien, Mauritius, Réunion, Algier etc. Central- und Südamerika find die bedeutendften Producenten diefes Faferftoffes. - Die bei uns fchon bekannte Piaffave aus Brafilien war auch bei diefer Ausftellung gut vertreten. Ehe wir zur Betrachtung der zur Ausftellung gebrachten vegetabilifchen Seide, der Wolle der Wollbäume und des vegetabilifchen Rofshaares übergehen, wollen wir noch jene, gegenwärtig für den europäifchen Handel noch gänzlich belanglofen, vegetabilifchen Fafern hervorheben, die, in den Heimatländern mehr oder minder ftark benützt, vielleicht fpäter auch unferer Induſtrie zugute kommen dürfte. Hieher find zu rechnen die Baftfafern von zahlreichen Hibiscusarten ( H. cannabinus, tiliaceus, Sabdariffa etc.; hauptfächlich in Indien gewonnen und benützt); die echte Aloefafer, die echte Ananasfafer, die Vacoa oder Vacoua, beftehend aus den Blattfafern von Panadneen, hauptfächlich auf Réunion, Mauritius und in Franzöfifch- Indien erzeugt und zur Herftellung grober Stücke verwendet etc. Die vegetabilifche Seide, die Samenhaare zahlreicher Asclepiadeen und mehrere Apocyneen, war diefsmal zum gröfsten Glücke nicht fo stark vertreten, als auf der letzten Parifer Ausftellung. Die franzöfifchen Colonien brachten damals eine fo grofse Zahl von Sorten zur Ausftellung, dafs man leicht auf den Gedanken hätte kommen können, man habe es hier mit irgend einer wichtigen Waare zu thun. So fchön und glänzend aber auch diefe Seidenarten der Pflanzenwelt ausfehen, fo wenig find fie werth. Die Fafer ift fchwach und dabei fpröde, zu Gefpinnften wenig geeignet.** Gerade diejenigen Sorten, welche maffenhaft in den Handel geftellt werden könnten, wie die Samenhaare von Asclepias gigantea und curaffavica fcheinen am wenigften werth zu fein, in die Textilinduftrie eingeführt zu werden. Die ziemlich unbeachteten Samenhaare von Baumontia( aus Oftindien) dürften ihrer verhältnissmäfsig grofsen Feftigkeit halber hiefür fich als zweckmäfsiger erweifen. Zur Erzeugung von Kunftblumen und verwandten Kunftgegenständen ift die vegetabilifche Seide ungleich tauglicher, als für textile Zwecke und wird hiefür auch fchon verwendet. Man hat fie auch als Polftermateriale, nämlich als Erfatzmittel für Eiderdunen empfohlen; allein die Brüchigkeit der Fafer läfst eine derartige Verwendung wohl nicht recht zu. Die vegetabilifche Seide war faft nur durch Proben der franzöfifchen Colonien vertreten. Der Katalog der franzöfifchen Colonien gab fich fichtlich Mühe, den Werth der vegetabilifchen Seide ins günftigfte Licht zu ftellen und diefen in der genannten Ausftellungsgruppe reichlich vertretenen Rohftoff der europäifchen Induftrie wärmftens zu empfehlen. Befcheidener als die vegetabilifche Seide trat die Wolle der Wollbäume auf; fie wollte nirgend mehr fcheinen als fie in der That ift, nämlich ein * Die von Venezuela ausgeftellte Fafer ,, Cocuifa" gehört unter Pite; fie ftammt von Fourcroya gigantea. ** Nach dem Kataloge der franzöfifchen Colonien foll die Firma Delebart Mallet in Lille aus ,, Fafetone"( Samenhaare von Afclepias gigantea) vom Senegal fchöne Gewebe erzeugen. 130 Dr. Julius Wiesner. erprobtes Erfatzmittel für Bettfedern. Diefes feine Materiale befteht aus den Samenhaaren mehrerer Bäume aus der Familie der Bombaceen. Wir bemerkten von diefem Rohftoffe folgende Sorten:„ Paina limpa" von Brafilien( Samenhaare von Bombax heptaphyllum und B. ceiba), den„ Kapok" aus den holländifchen Colonien( von Eriodendron anfractuosum), den„ Edrédon végétale" aus den weft indifch- franzöfifchen Colonien, auch ,, Patte de lièvre" genannt( von Ochroma Lagopus); Venezuela ftellte unter dem Namen ,, Lana vejetale" theils die Wolle von Ochroma Lagopus, theils jene von Bombax cumanenfis aus. Die Wolle von Ochroma Lagopus ift braun, jene der Bombaxarten theils weifs, theils nur wenig gefärbt. Alle Arten diefer vegetabilifchen Wollen beftehen aus einer zarten, nicht fpröden Fafer und bilden ein weiches, elaftifches Polftermateriale. In Holland fteht der„ Kapok" fchon in ftarker Verwendung; auch in Deutſchland hat man die Samenhaare von Eriodendron anfractuosum bereits eingeführt und der Waare den Namen Pflanzendunen gegeben. Die in Büchern nicht felten anzutreffende. Angabe, dafs die Wolle der Wollbäume als folche und mit Baumwolle gemengt zu Geweben tauglich fei, worüber wir gelegentlich wegen der Schwäche des Fadens unferen Zweifel ausfprachen ,. fcheint doch auf einem Irrthume zu beruhen; wenigftens hörten wir von keinem Ausfteller irgend etwas von einer derartigen Verwendung und auch die Ausftellungskataloge führten die vegetabilifche Wolle ftets nur als ein Polfterungsmaterial auf. Unter den groben Pflanzenfafern der warmen Länder verdienen alle jene Beachtung, welche als vegetabilifches Rofshaar( crin végétal) bezeichnet werden. Das Beftreben, dem fo theueren Rofshaare ein Material zu fubftituiren, welches dem erfteren in den Eigenfchaften möglichft nahe kommt und wenigftens bei flüchtiger Betrachtung gleicht, ift lange vorhanden. Sehr stark verwendet man bei uns und in Deutfchland als Rofshaarfurrogat die Blätter einer Segge, der Carex brizoïdes, welche von Oberöfterreich und aus einzelnen Gegenden des Grofsherzogthums Baden in grofser Menge in den Handel gefetzt werden. Das Material ift wenig elaftifch und auch nicht fehr dauerhaft, jedenfalls ein geringwerthiges Erfatzmittel für Rofshaar. Die Franzofen befitzen in ihrem Crin d'Afrique ( auch als Crin Averfing bekannt), den zerfpaltenen Blättern der Zwergpalme ( Chamaerops humilis), welches feit einigen Jahren in grofsen Mafsen aus Algier nach Europa gebracht wird, ein ungleich befferes Surrogat. Es iſt nicht lange her, fo wurde diefe Sorte von vegetabilifchem Rofshaare auch in den Wiener Handel gebracht und von unferen Tapezirern als Polfterungsmaterial benützt. Gegenwärtig wird es bei uns namentlich im fchwarz gefärbten Zuftande-- die natürliche Farbe diefes Faferftoffes ift grünlich fehr ftark verwendet und ift unter dem Namen„ Afrik" faft allgemein bekannt. Zweifellos ift die Einführung des Crin d'Afrique bei uns als ein Fortfchritt anzufehen, da diefes Material dem Seegras in jeder Beziehung vorzuziehen ift. Dennoch ift das zerfpaltene Blatt der Zwergpalme noch lange nicht das befte Surrogat für Rofshaar. Ungleich werthvoller, weil den natürlichen Eigenfchaften des Rofshaares näher kommend, find die drei Fafern: Ejoo, Kitool und Caragate.- Die Fafer Ejoo, auch Gomuti fibre genannt, ftammt von der in Indien häufig anzutreffenden Zuckerpalme( Arenga faccharifera) und findet fich in Form einer fchwarzen, rofshaarähnlichen Maffe an den Stämmen, und zwar an jenen Stellen vor, an welchen die Blätter auffassen. Diefe Fafer bleibt nach dem Abfall der Blätter als Reft der Blattgefäfsbündel zurück. Aehnlichen Urfprungs ift die ebenfalls fchwarze Fafer Kitool. Sie ftammt von den Palmen Caryota mitis( Réunion) und C. urens( Indien, Ceylon).- Das befte vegetabilifche Rofshaar ift zweifellos die Fafer Caragate, auch Baumhaar genannt. Es iſt diefs das Gefäfsbündel der Luftwurzeln, einer im tropifchen Amerika auf Bäumen fchmarotzenden, dafelbft häufig vorkommenden Bromelincea. Die Fafer erlangt eine Länge von 22 Centimeter. Im Ausfehen, ja felbft in der Elafticität und Feftigkeit kommt fie dem echten Rofshaar fo nahe, dafs der Laie fie von letzterem kaum zu unterfcheiden im Stande fein wird. Beim Verbrennen gibt fie fich jedoch Fremdländifche Pflanzenftoffe zu induftriellem Gebrauche. 131 fofort als Pflanzenfafer zu erkennen, da fie jenen eigenthümlichen Geruch nach verbrennendem Horn, durch welchen das Rofshaar und jedes thierifche Haar ausgezeichnet ift, nicht wahrnehmen läfst. Aber felbft bei genauer Betrachtung jeder einzelnen Fafer ergibt fich ein grofser Unterfchied zwifchen echtem Rofs. haar und der Caragate; erfteres beſteht bekanntlich aus einfachen, letztere aus, in Abftänden von einigen Centimetern, verzweigten Fafern. Guyana ift wohl der bedeutendfte Producent diefer werthvollen Fafer.- Die Einführung diefer Sorte von vegetabilifchem Rofshaare bei uns wäre gewiſs ein Gewinn unter der Vorausfetzung, dafs es von dem Verkäufer gepolfterter Möbel als das ausgegeben werden würde, was es ift, als ein Surrogat für Rofshaar und nicht betrügerifcher Weife als diefes felbft. Von groben, auf der Ausftellung erfchienenen Pflanzenfafern wären noch Esparto und die aus fpanifchem Rohre auf mechanifche Weife, nämlich durch Zerreifsen erzeugte Fafer zu nennen. Letztere, zu Seilerarbeiten verwendet, erfchien unferes Wiffens auf den früheren Ausstellungen noch nicht; erftere ift hingegen von der letzten Parifer Ausftellung her genügend bekannt. König Baumwolle war felbftverftändlich auf der Ausftellung in reichlichfter Weife vertreten. Kaum irgend ein Baumwolle producirendes Land war in diefem Artikel unvertreten. Neues, von irgend welcher Bedeutung iſt uns in Betreff diefer Waare des Welthandels nicht aufgefallen Die hervortretendften Momente aus der neueften Gefchichte der Baumwolle: das Erfcheinen der ausgezeichneten neuholländifchen Baumwolle auf dem Weltmarkte, die gröfsere Werthfchätzung der neueren oftindifchen Waare und die gröfsere Beachtung der brafilianifchen, feidigen, langftapeligen Sorten von Seiten der franzöfifchen Confumenten traten auch in der Ausftellung deutlich hervor. Specialiften auf dem Gebiete der Baumwollenkunde werden indefs gewifs auch neue Wahrnehmungen an den ausgeftellten Producten gemacht haben, welche der Veröffentlichung werth wären. Stärkemehl. Die Ausftellung hat ein fehr vollſtändiges Bild von den Verfuchen gegeben, die bis jetzt zu dem Zwecke angeftellt wurden, das Stärkemehl, diefen fo aufserordentlich verbreiteten Pflanzenftoff für die Induftrie nutzbar zu machen. Freilich liefs ein genaues Studium der Gruppe IV( Section 1: Mehl, Stärke etc.) nicht verkennen, dafs von der grofsen Zahl von Rohmaterialien, die bis jetzt für die Stärkemehlbereitung empfohlen wurden, nur fehr wenige zur gewerbsmässigen Darftellung diefer Subftanz verwendet werden. Fabriksftärke für gewerbliche Zwecke wird gegenwärtig nur aus folgenden vier Rohftoffen bereitet: aus Weizen und Kartoffeln( auf dem Continente), aus Reis( in England) und aus Mais( in Nordamerika). Die aus diefen Materialien bereiteten Stärkeforten find in erfter Reihe für den Weltmarkt von Bedeutung. In zweiter Reihe ftehen die verfchiedenen Arten von Arrowroot, das zur Sagobereitung dienliche Sagomehl und das zur Darstellung von Tapioca dienende Caffavemehl, nämlich die Stärke aus den Knollen von Jatropha Manihot. Diefe fieben Stärkeforten find ziemlich allgemein bekannt. Es dürften über diefen Pflanzenftoff die nachfolgenden Mittheilungen genügen. Die feinfte und wohl in jeder Beziehung vollkommenfte Fabriksftärke ift das aus Reis hergeftellte Product, wie namentlich die Ausftellung der Londoner Firma Colman & Comp. lehrte. Da die Reisftärke auch aufserhalb Englands hochgefchätzt wird und Benützung findet, feit wenigen Jahren auch in Oefterreich, fo mufs man fich wohl wundern, dafs diefe Art von Stärke bis nun nur in England dargestellt wird. Würde es, bei der Nachfrage nach Reisftärke zu feinen Appreturen in Wien und wahrfcheinlich auch anderwärts in Oefterreich, fich nicht verlohnen, das Product aus rohem ungefchälten Reis( Paddy) hier zu Lande im Grofsen zu bereiten? Als 132 - Dr. Julius Wiesner. Ausfteller von Mais ftärke trat, wenn man von den auftralifchen Proben abfieht, nur Amerika auf. Sowohl die zur Bereitung feiner Backwerke dienliche befte Sorte von Maisftärke als Maizena bezeichnet und feit Jahren auch in Europa bekannt als auch die aus Mais bereitete Fabriksftärke fanden bei den Sachverständigen allgemeinen Beifall. Hoffentlich wird der grofse Auffchwung der nordamerikanifchen Maisftärke Induftrie einen neuen Impuls zur fabriksmäfsigen Ausnützung des Maiskornes auf Stärke bei uns geben. An billigem Rohftoffe ift beispielsweife in Ungarn kein Mangel. Es ift uns wohl bekannt, dafs man vor einigen Jahren in Peft die Erzeugung von Maisftärke in nicht geringem Mafsftabe ins Leben zu rufen trachtete. Dafs das Pefter Actienunternehmen nicht profperirte, fcheint noch nicht zu beweifen, dafs die Maisftärke- Fabrication bei uns in Oefterreich nicht lebensfähig ift. Von Arrowroot, einem bekanntlich auch bei uns nicht unerheblichen Handelsartikel, waren aufser den bekannten oft- und weftindifchen Sorten noch folgende Producte vertreten: Blendendweiſses Arrowroot aus Java, aus den Knollen von Maranta indica bereitet, gute Sorten aus Franzöfifch- Guyana und Brafilien, aus den Knollen von Maranta arundinacea dargeftellt, das Arrowroot von Tahiti, eine ebenfalls annehmbare, aus den Knollen von Tacca pinnatifida herrührende Sorte, endlich das ausgezeichnete, von uns fchon im Berichte über die letzte Parifer Ausftellung befprochene Arrowroot von Port Natal unbekannter Abftammung, welches feiner Güte halber bereits in dem deutfchen Handel Eingang fand. In Bezug auf Sago hat die Ausftellung nichts Neues oder fonft Intereffantes gebracht. Bemerkenswerth ift vielleicht, dafs in den holländifchen Colonien noch immer brauner Sago bereitet wird, der feit Jahren aus unferem Verkehre gänzlich verfchwunden ift. Bei dem Umftande, dafs die feinen weifsen Sorten von oftindifchem Sago der Verfälfchung durch den geringeren, im Ausfehen dem erften oftindifchen Sago vollkommen gleichenden Kartoffelfago unterworfen find, dürfte fich vielleicht die Einführung des billigen braunen holländifchen Sago wieder empfehlen. Die Cultur der Tapioca pflanze, Jatropha Manihot( Manihot utiliffima) hat erfreuliche Fortfchritte gemacht. Diefes Gewächs wird wohl jetzt überall in den Tropen gebaut. Wir fahen Caffavemehl und die daraus bereitete Tapioca nicht nur in der Ausftellung Brafiliens, dem Heimatlande der Jatropha Manihot, wofelbft nach wie vor die bedeutendften Quantitäten von Tapioca dargestellt werden, fondern auch unter den Producten von Martinique, Guadeloupe, Guyana, Venezuela, Réunion, Algier, Oftindien und Ceylon. Ein auffälliger Fortfchritt zeigt fich in der Fabrication der Tapioca. Die in Brafilien bereitete Tapioca war im Vergleich zu der von franzöfifchen Fabrikanten aus tropifchem Rohmateriale erzeugten Producte gering. Die beften Sorten von Tapioca, welche diefsmal aus Brafilien zur Ausftellung gebracht wurden, gleichen im Ausfehen und inneren Werthe dem beften franzöfifchen Erzeugniffe. Es wäre ungerecht, auf die zahlreichen anderen Stärkeforten aus den Tropenländern, welche uns die Ausftellung vorführte, geringfchätzend herabzufehen, wenngleich felbe für den Weltverkehr auch noch belanglos find. Die Maffenhaftigkeit, in welcher diefe Stärkeforten um billiges Geld in den Handel gebracht werden können, läfst fie für den Induftriellen als fehr beachtenswerth erfcheinen. Obgleich die von unferer und anderer Seite gethanen Anempfehlungen bis nun kein praktifches Refultat lieferten, fo wollen wir an diefer Stelle dennoch wieder diejenigen Arten namhaft machen, welche fich zur Einführung nach Europa eignen. Vor Allem die auf dem Continente noch unbekannte Cannaftärke( Toloman- Stärke), ein fehr weifses, glänzendes, aus den unterirdifchen Theilen von Canna edulis bereitetes Amylum, welches aus vielen warmen und heifsen Ländern, beiſpielsweife aus Martinique, Guadeloupe, Queensland, Indien, Algier bezogen Fremdländifche Pflanzenftoffe zu induftriellem Gebrauche. 133 werden könnte. Ein weifses, glanzlofes Stärkemehl, das im europäifchen Handel noch faft gänzlich unbekannt ift, wird aus dem in den Tropenländern als Nahrungspflanze eine fo wichtige Rolle spielenden Brotfruchtbaum( Artocarpus incifa) bereitet. Als fehr billig und brauchbar werden ferner die fchon von den früheren Weltausstellungen her bekannten Stärkemehlarten, welche aus Bataten( Convolvultus batatas, zum Beiſpiel auf Martinique und in Franzöfifch- Guyana bereitet), Ignamen( Dioscorea- Arten, zum Beiſpiel von Réunion und Venezuela zur Ausftellung gefchickt), aus Phrynium dichotomum( Martinique), Sicyos angulata ( Réunion), Arum italicum( Algier), Colocafia esculenta( Algier, Venezuela), aus Bananen( Guyana, Venezuela, Antillen) dargestellt werden, bezeichnet. Von neuen oder bisher faft gänzlich unbekannten Stärkeforten bemerkten wir die Stärke von Amorphophallus fativus( ,, Karani mavon", das Kilo Erzeugungsorte zu 2 Francs), von Hypoxis curculigoïdes, von Typhonium minutum ( ,, Karani kotti", das Kilo zu I Francs) und von Pfophocarpus tetragonolobus ( ,, Kijangon mavon", das Kilo zu o 90 Francs); alle aus Franzöfifch- Indien. Oelfrüchte und Oelfamen. Die Ausftellung hat uns den Beweis geliefert, dafs eine grofse Zahl von bei uns noch ganz unbekannten vegetabilifchen Rohftoffen für die Gewinnung von flüffigen und feften Fetten exiftirt, und die enorme Wichtigkeit der Fettftoffe für viele Induftriezweige fordert wohl dringend genug dazu auf, diefe Rohftoffe und die daraus darftellbaren Producte eingehend zu prüfen. England, Frankreich und Holland haben fich bereits zahlreiche Oelfrüchte und Oelfamen der Tropenwelt zu Nutze gemacht, während wir in Oefterreich noch auf einem veralteten Standpunkte ftehen, und nur jene Rohmaterialien, welche unfer eigenes Land hervorbringt, wie Raps, Colza, Lein- Hanffamen, Mandeln u. f. w., von Früchten aber nur die Olive auf Oel verarbeiteten. Von fremdländifchen Pflanzenftoffen wird in Oefterreich unferes Wiffens blos Baumwollenfamen in gröfseren Mengen auf Oel ausgebeutet. Vor Allem fcheint es uns nothwendig, unfere öfterreichifchen Oelfabrikanten darauf aufmerkfam zu machen, dafs die englifchen und franzöfifchen Oelpreffereien ganz enorme Quantitäten von Ricinus-, Sefam- und Erdnufskernen verarbeiten. Das Ricinusöl, bei uns nur als medicamentöfe Subftanz bekannt, ift aber für viele induftrielle Zwecke höchft geeignet, z. B. zur Darstellung von Schmierölen für Leder, zur Seifenfabrication. Das Sefamöl dient in der Seifenfabrication und kann für viele Verwendungsarten das Olivenöl erfetzen, was auch für das Oel der Erdnufskerne gilt. Ricinusfamen( von Ricinus communis, viridis, americanus etc.) waren auf der Ausftellung fehr reich vertreten; fie wurden von Martinique, Guyana, Senegal, Réunion, Gabon, Algier, Indien etc. ausgeftellt. Auch Italien brachte es vielfach zur Schau. Noch reichlicher als Ricinus war Sefam( die Samen von Sefamum orientale und indicum) vertreten. Was der Orient als„ Gingeli", Venezuela unter dem Namen„ Ajonjoli" ausftellte, ift Sefam. Die Menge des Oeles, die fich fowohl aus dem weifsen als fchwarzen Sefamfamen abfcheiden läfst, wird häufig überfchätzt; die fchon bei früheren Ausftellungen gemachte Angabe, dafs Sefam 80 bis 90 Percent Oel liefere, wurde auch diefsmal wieder mehrfach reproducirt. Die Oelmenge beträgt etwa 60 Percent, von welchen fich 45 bis 50 Percent ohne befondere Schwierigkeiten abfcheiden laffen, und das ist wohl in Anbetracht des Preifes der Sefamforten des Handels genügend. Der Sefam empfiehlt fich weniger durch Ausbeute, als durch die Qualität des Oeles Das Sefamöl ift ein nicht trocknendes Oel, welches eine fchöne hellgelbe Farbe, einen milden Gefchmack befitzt 5 Grad Celfius erftarrt. und bei - 134 Dr. Julius Wiesner. Arachisfrüchte( Erdnüffe, piftaches de terre) waren wohl in den Ausftellungen aller warmen Länder vertreten und bewiefen, welche Ausdehnung die Cultur diefes in den Tropen als Nahrungspflanze gebauten Gewächfes erlangt hat. In ausgedehnteftem Mafsftabe wird Arachis hypogaea in den weftafrikaniſch- franzöfifchen Colonien gezogen. Aus Congo und Senegal kommen jährlich an 80 Millio nen Kilogramm Erdnüffe nach Frankreich, deren Oel hauptfächlich in den Marſeiller Seifenfabriken verarbeitet wird. Auch aus Madras und Calcutta kommen fchon beträchtliche Quantitäten diefes Rohftoffes nach Europa, vorzugsweife nach Eng. land. Die Menge des fetten Oeles der Samen fteigt höchftens auf 53 Percent, von welchen fich bis 45 bei der Darftellung im Grofsen gewinnen laffen. Kalt geprefst, ift das Oel farblos, von angenehmem Geruch, dünnflüffiger als Olivenöl und erftarrt bei 3 Grad Celfius. Auch das Arachisöl gehört zu den nicht trocknenden Oelen. Von den zahlreichen übrigen bei der Ausftellung vertreten gewefenen Rohftoffen zur Oel- und Fettgewinnung wollen wir nur die wichtigften hervorheben. Ein bis jetzt von der europäiſchen Induftrie unbeachtet gebliebener Rohftoff ift die Bankulnufs von Aleurites triloba, welche von Martinique, Guadeloupe, Neucaledonien, Tahiti, Guyana, Réunion in fehr grofsen Maffen in den Handel geftellt werden könnte. Es ift nicht nur die Billigkeit diefes ölreichen Rohftoffes, fondern die Qualität des aus diefer Nufs gewinnbaren Oeles, welche diefelbe zur Einführung in unfere Oelfabriken empfiehlt. Das Oel, wovon die Samen 50 bis 60 Percent enthalten, kommt ab und zu als huile de bancoul oder Kekune oil in den europäiſchen Handel; eine ftändige Waare bildet es jedoch nicht. Es gehört in die Kategorie der trocknenden Oele, an welchen wir keinen Ueberflufs befitzen. Nach Angaben des Katalogs der franzöfifchen Colonien wäre das Bancoulöl zur Bereitung von Oelfarben in ausgezeichneter Weife geeignet. Aber auch, wenn diefs nicht zutreffen follte, wenn es nur zur Erzeugung von Druckerfchwärze tauglich wäre, zu deffen Fabrication man gegenwärtig faft ganz auf das Leinöl angewiefen ift, fo würde die Einführung diefes Fettftoffes unter der gewifs zutreffenden Vorausfetzung eines niederen Preifes als ein Vortheil anzufehen fein. Auch die Nutzbarmachung des Oeles der Galbanufs, von dem in den Tropen fo häufigen Calophyllum calaba, der Owala- Körner( von Pentaclethra macrophylla, an den Oftküften Afrika's gemein), welche 50 Percent eines dem Olivenöl ähnlichen Fettes geben, der Beraffamen( von einer Citrullusart, welche an den Weftküften Afrikas maffenhaft auftritt) müfste als ein Fortfchritt angefehen werden. Ueberhaupt exiftiren in den warmen und heifsen Ländern eine Menge Gewächfe, welche eine enorme Menge von fettreichen Samen oder Früchten hervorbringen, die nutzlos zu Grunde gehen und die ihrer Verwendung in der europäiſchen Induftrie harren. Wir verweifen in Betreff diefer Rohftoffe auf die fehr lehrreiche Zufammenftellung in dem von Herrn Aubry- Lecomte redigirten Katalog der franzöfifchen Colonien. Noch wollen wir darauf aufmerkfam machen, dafs mehrere Fette fchon als folche aus den Tropenländern nach Europa gebracht werden. Einige derfelben nehmen unter den bei uns verarbeiteten Fettftoffen einen erften Platz ein, wie das Palmfett, das Palmkernöl und das Cocusnufsfett. Die englifche Induſtrie hat fich derfelben zuerft bemächtigt; der Continent folgte dem Beiſpiele der grofsen Meifterin. Aehnlich wird es wohl mit anderen Fetten gehen, die jetzt fchon in England gewerblich benutzt werden, z. B. mit der Sheababutter( aus dem Samen der in Indien vorkommenden Baffia butyracea bereitet), dem Craboil( aus dem Samen des füdamerikanifchen Baumes Carapa guyanenfis dargestellt), dem Borneo. talg, dem Pinney tallow etc. Auch in Frankreich erfcheinen bereits einige Fett ftoffe im Handel, wie das Noungonöl, das Djavefett, das Ilipeöl, das Ben- ailé- Oel ( von Moringa pterygosperma), das der Cacaobutter ähnliche Dicafett, das Aouaraöl etc., die später vielleicht auch der übrigen europäiſchen Induftrie zugute kommen. Fremdländifche Pflanzenftoffe zu induftriellem Gebrauche. 135 Gummi und Harze. Der Pavillon des Welthandels führte uns eine fehr inftructive Zufammenftellung faft aller jener Gummi- Arten vor, die als fogenanntes arabifches Gummi im Handel vorkommen. Anregender als diefe Collection dürfte auf denjenigen, welchen käufliches Gummi intereffirt, jene vollſtändige Collection von Senegalgummi gewirkt haben, welche die Ausftellung der franzöfifchen Colonien zur Schau brachte. Das arabifche Gummi ift feit Langem ein anerkannter, im Handel allgemein verbreiteter Rohftoff. Nicht fo das Senegalgummi. Das Vorurtheil gegen diefes Gummi, welches, abgefehen von Frankreich, fonft nur- im Vergleiche zum fogenannten arabifchen Gummi- eine unerhebliche Bedeutung als Waare befitzt, hat der bekannte deutſche Reifende Schweinfurth gebrochen, welcher den Nachweis lieferte, dafs die beften Sorten von arabifchem Gummi von demfelben Baume abftammen, von welchem, wie lange bekannt, das Senegalgummi kömmt, nämlich von Acacia Verek. Es war hiedurch fchon wahrfcheinlich geworden, dafs zwifchen dem arabifchen und dem Senegalgummi nicht ein fo grofser Unterfchied obwalten könne, als bis dahin zum Nachtheile für die allgemeinere Einführung des letzteren angenommen wurde. Spätere, hauptfächlich durch Schweinfurth's wichtige Auffindung hervorgerufene phyfikalifche und chemifche Unterfuchungen des Senegalgummi haben dargethan, dafs diefes von dem arabifchen Gummi nur ganz unerheblich differirt. - - Vom Senegalgummi unterfcheidet man drei Hauptforten, nämlich das Gummi vom Oberlauf des Senegals( gomme du haut du fleuve); es ift diefs die befte Sorte, welche fich durch Weifse und leichte Löslichkeit im Waffer, ferner durch eine gewiffe Sprödigkeit, die auch den beften Sorten des arabifchen Gummi eigen ift, auszeichnet; das Gummi vom Unterlauf des Senegal( gomme du bas du fleuve), ein fchon unreineres, dunkleres Product; endlich das fehr gebrechliche SalabredaGummi( gomme friable). Aus diefen drei, im Werthe fehr ungleichen Rohftoffen wird durch Sortirung eine grofse Zahl von Handelswaaren gewonnen, welche als gomme blanche, gomme blonde, gomme petite blonde, Fabriksgummi, Gummibruch und Gummiftaub in den Handel eintreten. Das ganze Gefchäft der Ausbeutung des Senegalgummi ift in den Händen der Société des Importateurs- Trieurs zu Senegal und Bordeaux. Im Jahre 1871 betrug die gefammte Ausfuhr des Rohftoffes 3,169.981 Kilogramm. Die jährliche Ausfuhr fchwankt zwifchen 11 bis 5 Millionen Kilogramm. Die feinfte Sorte( gomme blanche) kann gleich dem beften arabifchen Gummi in der Medicin, in der Liqueurfabrication und zum Appretiren feiner Spitzen verwendet werden. Die geringften, äufserft billigen Sorten laffen fich immerhin noch zur Appretur von Baumwollen- Geweben, zu chemifchem Gebrauche, in der Fabrication von Zündhölzchen und zur Tintenbereitung verwenden. - Das vom Cap ausgeftellte Gummi eine Art arabifchen Gummis fcheint nach den vorhanden gewefenen Proben doch nicht fo gering zu fein, als gewöhnlich angenommen wird. Auch das mehrfach ausgeftellt gewefene auftralifche Gummi( Wattle gum), hauptfächlich wohl von Acacia pycnantha herrührend, verdient eine gröfsere Beachtung, als diefem Producte bis jetzt gefchenkt wurde. Trotz der dunklen Farbe ift es doch, feiner leichten und vollſtändigen Löslichkeit im Waffer halber, den gleichfarbigen, meift unreinen und fchwerlöslichen Sorten des arabifchen Gummis vorzuziehen. Einer befonderen Beachtung fcheint uns das echte oftindifche Gummi werth. Als oftindifches Gummi gehen im Handel mehrere geringe Sorten von IO 136 Dr. Julius Wiesner. Acaciengummi. Das echte oftindifche Gummi, von dem Baume Feronia elephantum herrührend, überbietet an Klarheit felbft die beften Sorten von arabifchem Gummi und fteht als Material zur Erzeugung von Malerfarben unübertroffen da. Traganth war auf der Ausftellung reichlich vertreten; doch war von diefem Artikel nichts Neues zu fehen. Von den zahlreichen anderen Gummi- Arten, die uns die Ausftellung brachte und die alle fchon von früher her bekannt find, fcheint keines eine befondere Aufmerkſamkeit zu verdienen. Das Cocosgummi von Tahiti, in der Ausftellung der franzöfifchen Colonien vorgeführt, verdient vielleicht wegen feines hohen Gehaltes an Bafforin( 70 bis 90 Percent; der Traganth enthält im günftigften Falle 50 Percent) nicht überfehen zu werden. Das herrliche Chagualgummi aus Chili, im Handel noch spärlich vorhanden, haben wir in der Ausftellung nicht bemerkt. Was die zahlreichen fremdländifchen Harze und die ihnen naheverwandten Balfame anbelangt, fo wollen wir blos die Aufmerkfamkeit auf drei Objecte lenken, nämlich auf die Copale, auf die Xantorrhoeaharze und den Copaivabalfam. Welche Wichtigkeit die Copale für die europäiſche Firnifsfabrication befitzen, davon konnte man fich überzeugen durch den Anblick der Schaukaften, welche die Erzeuger von Lacken und Firniffen ausftellten. Neben den Fabricaten waren faft durchgängig in ganz inftructiver Weife die zugehörigen Rohftoffe vertreten. Die Beftimmung der exponirten Harze war freilich nicht immer eine correcte; zu deren Studium waren die Collectionen von Rohftoffen, welche die Colonien und Länder ausftellten, ungleich geeigneter. Die Güte der oftafrikaniſchen Copale ift hinlänglich bekannt. Weniger kennt man die Qualitäten der weftafrikaniſchen Copale, die wegen der Maffenhaftigkeit ihres Vorkommens mit jedem Tage für den europäifchen Handel wichtiger werden. Die Ausftellung der portugiefifchen Colonien führte uns die verfchiedenften Sorten diefer Copale vor; fie und die Expofition der franzöfifchen Colonien gewährten uns ein anfchauliches Bild von der grofsen Verfchiedenartigkeit diefer, gewöhnlich für geringwerthig gehaltenen Harze. Die Copale von Loango find gleich denen von Congo, Angola und Benguela ungleich im Werthe. Die weifslichen Sorten find weich und von niederem, die gelben und rothen hart und von hohem Schmelzpunkte, wodurch fie allerdings hinter den beften oftafrikanifchen Copalen zurückbleiben, die mit grofser Härte und hohem Schmelzpunkte eine lichte Farbe verbinden. Die beften weftafrikanifchen Copale werden an Güte blos von den beften oftafrikanifchen Sorten übertroffen und werthen mit Recht höher, als die oftindifchen,* füdamerikaniſchen und als der Kaurie- Copal von Neufeeland und Neucaledonien. Kaurie- Copal, in unferem Handel feit einigen Jahren wohl bekannt, war in der Ausftellung von von Neufeeland reichlich vertreten. Die aus Auftralien feit einigen Jahren maffenhaft nach Europa gebrachten Xantorrhoeaharze find wohl wegen ihrer Billigkeit und ihrer fehr vielfeitigen Verwendung zur Herftellung gefärbter Firniffe, zur Leimung feiner Papiere, zur Darftellung von Pikrinfäure etc. einer gröfseren Aufmerkfamkeit werth, als ihnen bei uns in Oefterreich bis jetzt gefchenkt wurde. Man unterfcheidet ein gelbes ( Botanybay- Harz, Blackboygum) und ein rothes Xantorrhoeaharz( Nuttharz). Beide werden im Handel auch mit dem Namen Grafs- tree gum und Akaroïdharz belegt. Im Wiener Handel ſpricht man das rothe Akaroïdharz als Erdfchellack an. * Nämlich die echten oftindifchen Copale. Fälfchlich wird oft der auf oftindifchen Schiffen nach Europa gelangende ausgezeichnete Zanzibarcopal mit diefem Namen belegt. Fremdländifche Pflanzenftoffe zu induftriellem Gebrauche. 137 Copaivabalfam war vielfach vertreten. Auch Venezuela ftellte Proben hievon aus, die infoferne intereffant waren, als man fich durch diefelben überzeugen konnte, dafs jene wichtige Waare, die als Copaivabalfam von Maracaibo erfcheint, eigentlich von Venezuela kommt.* Ein dem Copaivabalfam untergeordnetes Product ift der Balfam mehrerer oftindifcher Dipterocaopus- Arten, welcher in den Ausstellungen der franzöfifchen ( Cochinchina) und englifchen Colonien erfchien, und der bereits im englifchen und franzöfifchen, in neuefter Zeit auch im deutfchen Handel als Gurjunbalfam vorkommt. Es ift diefs eine fehr billige Sorte von Copaivabalfam, welche auch in unfere Induftrie eingeführt zu werden verdient. * Nach Dr. Ernft in Caráccas, dem Redacteur des fehr lehrreichen Katalogs der Ausftellungsproducte von Venezuela, ftammt diefer Balfam von Copaifera Jacquinii.