OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3 UNTER REDACTION VON DR. CARL TH. RICHTER, K. к. o. Ö. PROFESSOR IN PRAG. THIERZUCHT. ( Gruppe II, Section 2.) BERICHT VON JOHANN POHL, Profeffor an der landwirthschaftlichen Lehranstalt ,, Francisco- Jofephinum" in Mödling. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1874. THIE RZUCHT. ( Gruppe II, Section 2.) Bericht von JOHANN POHL, Profeffor an der landwirthschaftlichen Lehranstalt ,, Francisco- Jofephinum" in Mödling. Allgemeines. Dem fortfchrittlichen Drange der Neuzeit hat auch die Thierzucht ihre neue Stellung zu verdanken; fie, die frühere Magd des Ackerbaues, ift aus ihrem Abhängigkeitsverhältniffe herausgetreten und zum ebenfo felbftftändig daftehenden Wirthfchaftszweige geworden, wie der Ackerbau felbft. Es ift das als eines der hervorragendften Beiſpiele des im modernen Landwirthschaftsbetriebe immer mehr zum Durchbruche gelangenden Principes der Individualifirung anzufehen. Die Thierzucht erweift fich diefer Anerkennung gegenüber aber nicht undankbar und geftattet dem Landwirthe, gleichwie der Ackerbau, dort zur Zeit zu ernten, wo er gefäet hat. Von diefer Erkenntnifs werden die Landwirthe immer mehr durchdrungen und fchenken gleichzeitig mit der Vervollkommnung des Betriebes im Uebrigen auch der Thierzucht täglich gröfsere Aufmerkfamkeit, fo dafs auch fie von der allgemeinen Bewegung nach vorwärts nicht ausgefchloffen erfcheint. Oeffentliches Vorführen von Thieren oder Producten derfelben, oder von Hilfsmitteln zur Haltung und Benützung der Thiere findet defshalb von Seite der Fachleute heute erhöhte Beachtung. Aber auch der Laie wird eines anderen Blickes Solches würdigen, feitdem er weifs, welch' hohe Bedeutung die Leiftungen der Thierzucht für das menfchliche Wohlbefinden befitzen und wie wichtige Grundlagen fie für die Entwickelung der Nationalkraft find. Diefer Sachlage entſpricht auch der Verlauf diefes Theiles der Wiener Weltausstellung. Wem es daran liegt, fich aus eigener Anfchauung über alle in diefe Section gehörenden Objecte ein Urtheil zu erwerben, der kann diefs nur mit grofser Mühe und viel Zeitaufwand erreichen. Zeitlich wie räumlich liegen diefelben ausein ander. So fand die temporäre Rinder-, Schafe- und Schweine- Ausstellung vom 31. Mai bis 9. Juni und die Pferde- Ausftellung vom 18. bis 27. September im Prater hinter dem Heuftadelwaffer, das internationale Wettrennen und Trabwettfahren vom 21. bis 24. September aufserhalb des Ausftellungsraumes, und die internationale Bienen- Ausftellung vom 1. Juli bis 15. September fogar in Simmering ftatt, während Hilfsmittel für Haltung und Pflege der Thiere, fowie Producte derfelben in den verfchiedenften Räumlichkeiten der Ausftellung aufgefucht werden mufsten. Wenn auch nicht geläugnet werden kann, dafs Erfteres überhaupt anders nicht gut möglich war und letzteres durch die Annahme des Princips der länderweifen Anordnung theilweife Rechtfertigung findet, fo darf man doch fagen, dats I* 2 Johann Pohl. in Folge verfchiedenartiger Anfchauungen von Seite der Landescommiffionen über Inhalt und Grenzen der einzelnen Gruppen und Sectionen dem Befucher das Auffinden mancher Objecte fehr erfchwert wurde, ja dafs von ihm unfchwer manches überfehen werden konnte. Behufs Ueberfichtlichkeit wollen wir das gefammelte Materiale in folgende Abfchnitte eintheilen: Pferde, Rinder, Schafe, Schweine, Fifche, Seidenfpinner, Bienen, Ställe, Milchwirthfchaftsgeräthe und Nos Schafwolle. Im Einklange mit dem ganzen Arrangement der Ausftellung folgt die Befprechung derfelben gleichfalls länderweife, und was die Reihenfolge derfelben betrifft, fo ift in der Regel die der Katalogifirung beibehalten und nur ausnahmsweife anderweitigen Gründen nachgegeben worden. Pferde. Schon hatte es geheifsen, die Pferde- Ausftellung würde nicht zu Stande kommen können, und fchon waren genügende Gründe für die gerechte Befürchtung diefer Eventualität vorhanden, bis wie mit einem Male alle Hinderniffe befeitigt erfchienen und diefelbe als fichergeftellt bezeichnet wurde. Dafür follte aber auch, wie zur Entfchädigung für das lange und bange Erwarten, in den Tagen vom 18. bis 27. September in der Krieau ein Bild geboten werden, das hinfichtlich der Betheiligung von Seite der Pferdezucht treibenden Länder, fowohl was Zahl wie was Qualität betrifft, jeden Befucher befriedigen musste. Von den Pferde befitzenden Ländern mit( nach Dr. L. Wittmack) folgendem Stande, wie wir in der deutfchen Abtheilung der öftlichen Agriculturhalle erfahren, und nachfolgendem Pferdehandel betheiligten fich Frankreich, Italien, deutfches Reich, Oefterreich, Ungarn und Egypten. Pferdeftand. Pferdeft and Länder im Jahre pro 1000 pr. geogr. im Ganzen Ein- Quadratwohner meile Rufsland 1860 15,217.634 248 168 1864 Oefterreich 3,460.400 1869 3.525.872 1864 Deutſchland 3,276,022 1867 3,454.670 1862 Preussen 1,679.655 1867 2.313.817 Baiern 1863 380.108 Sachfen 1868 112 800 Württemberg 1867 104.297 Spanien 1865 2,875.242 ི འཚ །།། ༤ 99 312 95 358 95 362 276 413 295 176 313 1865 1,998.147 1869 England. 2.134 576 1870 2,581.306 1871 2,648.223 84 459 Thierzucht. 3 Länder im Jahre Pferdeft and pro 1000 pr. geogr. im Ganzen Einwohner Quadratmeile 1852 Frankreich 2,866.054 1866 2,313.332 Italien 1867 1,391.262 57 63 599 57 259 1867 433.959 Schweden 1868 401.019 1869 420.859 IOO 52 Dänemark 1866 352.603 137 507 1856 283.163 Belgien 1866 277.311 57 519 1860 243.454 1867 Holland 255.130 1868 252.630 1869 253.791 Norwegen 1865 149.167 Griechenland 1867 98.398 68 Portugal 1862 69.749 Schweiz 1866 105.792 40 + 1884 71 426 86 26 108 43 141 1860 Vereinigte Staaten 7,400.322 1869 8,248.800 214 48 Pferdehandel. Einfuhr Ausfuhr Länder: im Jahre Stücke Stücke 43.232 1869 2.1897 Deutfches Reich 66.631 1870 28.482 64.317 1871 40.557 13.090 1869 16.964 Oefterreich 15.137 1870 8.292 2.387 1870 II.211 Grofsbritannien Frankreich Rufsland Belgien. Holland Italien Spanien Schweiz 3.448 1871 15.879 1869 12.923 29.512 15.060 4.728 1866 1872 27.246 12.464 4.881 1867 14.241 4.323 1870 5.432 11.828 1868 1.324 8 841 1868 P 4.221 1869 1.993 1.969 1869 8.850 Dänemark Schweden. 1.209 1870 22 840 374 1868 1.385 721 1869 I.395 Vereinigte Staaten 1871 3.119 • 4 Johann Pohl. Von England, dem Lande, wo die Thierzucht überhaupt eine Werthfchätzung erfährt wie nirgends und wo man diefer Thatfache Fortfchritte verdankt, die reichen Segen über das Infelreich ausbreiten, hat man es nicht für angezeigt erachtet, in den Wettkampf einzutreten. Bei dem Umftande aber, dafs fich auf dem Continente ohne diefs fo zahlreiche nähere und entferntere Abkömmlinge engliſcher Zuchten befinden und wir durch jährlich fich immer wieder erneuernden Import diefer herausgezüchteten Specialitäten in Kenntnifs ihres Werthes bleiben, darf das umfoweniger als eine beftehende Lücke angefehen werden, da anderweitig in der Ausftellung hochedles englifches Blut fehr entſprechende Vertretung fand, und gleichzeitig der Sachkenntnifs der augenblicklichen Befitzer fowie den Zuchten, denen es entftammt, alle Ehre macht. Auch in Frankreich wird in letzter Zeit die Pferdezucht mehr Gegenftand allgemeiner Würdigung und mancher Erfolg in derfelben fteht damit im Zuſammenhange, der auch den englifchen Züchtern als beachtenswerther Wink gelten mufs An der Ausftellung betheiligte fich aus Frankreich nur ein Ausfteller und zwar der Eleveur Mr. de la Ville aus Bretteville fur Odon mit 35 Nummern würdiger Repräfentanten der Normandie, die bei entſprechender Conformität, Maffe, Adel und Gang in einer Weife verbinden, wie es nur wünſchenswerth bezeichnet werden kann, und wie wir es an Vaterthieren zur Veredlung des heimifchen Materiales unter vielen Verhältniffen bedürfen. Hervorgehobene Eigenthümlichkeiten verdienen defshalb noch befondere Erwähnung, da wir in Oefterreich bereits Beweife befitzen, dafs diefelben auch von diefen Thieren vollgiltig auf die Nachkommenfchaft übertragen werden. Bei diefem Anlaffe fei auch der von Mr. de la Ville im Grofsen durchgeführten Betriebsweife der Pferdezucht gedacht. Es unterliegt keinem Zweifel, dafs die einftmalige Leiftungsfähigkeit des Thieres ebenfo fehr, wie durch die Tüchtigkeit der Eltern, auch durch die Erziehung, das heifst durch Fütterung, Haltung und Pflege in der Jugendzeit bedingt ift. Wenn man ferner bedenkt, wie fchwer, ja in der Regel geradezu unmöglich für den Befitzer eines oder weniger Fohlen es ift, folchen einzelnen die entſprechende Erziehung angedeihen zu laffen, fo wird man in Anbetracht der Natur der die Erziehung des Pferdes ausmachenden Factoren in einer Arbeitstheilung etwas überaus Zweckförderndes nicht verkennen können. Auf diefem Gedanken ruht nun die von Mr. de la Ville gewählte Betriebsweife der Pferdezucht. Er kauft junge Fohlen von entsprechender Abkunft, das heifst, die in ihren Eltern berechtigte Hoffnungen zu bieten geeignet find, und pflegt fie bis zu ihrer vollendeten Gebrauchstüchtigkeit, während welcher Zeit fie im Hinblicke auf ihren einftigen Zweck gefüttert, gehalten und gepflegt werden. Durch den damit auch einerfeits bei geringerer Capitalskraft möglichen Betrieb der Pferdezucht im Grofsen, der fich allein nur die unumgänglich nothwendige höhere Intelligenz zugefellen kann, ift anderfeits auch der Kleinwirth herbeigezogen zur Theilnahme an ihren Vortheilen. Insbefondere dort, wo die Verhältniffe es empfehlen, letzteren für die Pflege diefes Wirth fchaftszweiges zu gewinnen, kann der Richtung nur Zukunft zuerkannt und Verbreitung gewünſcht werden. Wenn es mit ihr auch nicht möglich fein wird, den Zenith züchterifcher Leiftungen zu erklimmen, zumal die Einflufsnahme des Unternehmers erft nach der Geburt des Fohlens beginnt, fo wird die Pferdezucht doch dadurch in Kreife getragen, die ihr bisher und oft fehr begründeter Weife verfchloffen blieben. Italien zeigt, was man dort in neuefter Zeit anftrebt. Von den fechs vom Minifterium für Ackerbau, Induftrie und Handel ausgeftellten Thieren waren drei Halbblutthiere zur Reproduction von Caroffiers und die anderen drei orientalifcher Abstammung, deren Abkömmlinge in ganz leichten Wagen Verwendung finden, und hinreichende Widerftandskraft gegen das heifse und trockene Klima Italiens und feine harten Wege befitzen follen. Thierzucht. 5 Aus dem deutfchen Reiche ift in erfter Linie zu nennen, die Ausftellung des Minifteriums für landwirthschaftliche Angelegenheiten, die Repräfentanten des Hauptgeftütes Trakehnen, des Friedrich- Wilhelms- Geftütes und des Hauptgeftütes Graditz enthält. Die fechs Producte Trakehnens zeichnen fich durch Eleganz in der Erfcheinung, tadellofen und harmonifchen Bau, fowie guten Gang aus; das Friedrich- Wilhelms- Geftüt thut fich noch darüber vortheilhaft hervor, dafs feine drei Thiere etwas kurzbeiniger find, und Graditz vereinigt, wie die zwei Hengfte und eine Stute von dort fagen, bei entſprechendem Adel und Bau mit eminentem Gang, feltene Gröfse. Ueberhaupt bewähren diefe Geftüte ihren Ruf, und zeigen von einer ficheren und zielbewufsten Führung der Pferdezucht- Angelegenheiten. Neben der Ausftellung des bekannten königlich württembergifchen Hofgeftütes Weil mit fünf reinen Arabern und einem Anglo- Araber Halbblut find die fünf Hengfte der Pferdehändler Gebrüder Schmidt aus Hannover befonders zu erwähnen, die ob ihres fchönen Baues und ihrer Maffe Aner- aus Berlin dunkelbrauner Walach kennung fanden, und dann Seelig's Veturino, der bei tadellofen Formen eine Sprungfähigkeit befitzt, die geradezu aus dem deutfchen Reiche 32 jedes Hindernifs befiegt. Im Ganzen waren Pferde da. - - 251 O efterreichs Ausstellung war begreiflicher Weife der Zahl nach Stück- die gröfste, und zeichnete fich gleichzeitig durch eine befondere Vielfeitigkeit der Zuchtrichtungen aus, wie es allein nur der Mannigfaltigkeit der heimifchen Verhältniffe als ganz entſprechend bezeichnet werden kann. Zunächft fteht die Ausftellung des k. k. Ackerbauminifteriums, an der fich Radautz mit acht und Piber mit zwei Pferden betheiligten, und unter welche erftere die ausgezeichneten Anglo- Araber Halbblut- Staats- Befchälhengfte Juftice to Kisbér, Wild- Wine und Goldfinder gehören, und letztere die vortrefflichen Lippizaner Hengfte Majeftofo und Siglavy find. Ueber die k. k. Hofgeftüte Kladrub und Lippiza fteht das Urtheil längst feft, und in der Ausftellung erfährt es nur neuerdings Beftätigung. Insbefondere fei aber unter den Kladruber Carroffiers die dreijährige Vollblutftute Hora und aus Lippiza der vierjährige Araber- Vollbluthengft Ben Azet hervorgehoben. Mit befonderer Befriedigung müffen jeden Freund der Pferdezucht die reichhaltigen Collectivausftellungen der kärntnerifchen und Wiener Landwirthfchafts- Gefellfchaft, dann des VereineszurHebung der Pferdezucht in Steiermark und der Landescommiffion für PferdezuchtAngelegenheiten des Kronlandes Salzburg erfüllen. In ihnen manifeftirt fich ein fortfchrittlicher Zug, der bei confequenter Weiterentwicklung Segen für die betreffenden Länder verheifst. Ganz anfehnliche Refultate werden aber auch bereits in der Ausftellung geliefert; insbefondere gehört dahin die Ehrenrettung der norifchen Race, die in Exemplaren vertreten ift, welche Art zu Vergleichen es nicht zu fcheuen haben, mit dem Beften diefer herauszufordern. Die fechs norifchen Hengfte, an der Spitze mit Jupiter, welche die k. k. Landes- Befchälftation in Oberöfterreich ausgeftellt hat, feien hier auch nicht unerwähnt. Keineswegs fehlen aber daneben die leichten Wagenfchläge, und was in diefer Hinficht unter der Firma der k. k. Landwirthschafts- Gefellſchaft in Wien und des Vereines zur Hebung der Pferdezucht in Steiermark beigebracht ift, verdient wohl nicht übergangen zu werden. Befonders in letzterem Lande find nach diefer Seite die Pferdezucht- Angelegenheiten forgfältig organifirt, und zu dem Zwecke dasfelbe je nach feinen verfchiedenen Eigenthümlichkeiten in mehrere fcharf abgegrenzte und in ihren Zielen genau beftimmte Zuchtgebiete eingetheilt. Diefe Vereine bebauen ein eminent praktifches Feld, und zwar das der Heranzucht von tüchtigen Gebrauchspferden, und in der Ausstellung hat fich das erftemal in hervorragender Weife Gelegenheit gefunden, ihnen fowohl ob des angenommenen Principes wie auch für die Infcenefetzung der Idee Anerkennung zu zollen. Dafs 6 Johann Pohl. fie einen fehr weiten Raum noch zur Durchfchreitung vor fich haben, dafür hat die Vergangenheit der öfterreichifchen Pferdezucht hinlänglich geforgt. Nur auf diefem Wege kann die Pferdezucht Gemeingut auch der kleineren Landwirthe werden und von der fchmalen Bafis der Paffion, auf die breite Grundlage der allgemeinen Theilnahme gelangen; insbefondere aber, wenn das Beiſpiel von Mr. de la Ville recht zahlreiche Nachahmung fände. Wie fehr man von der Anfchauung zurückgekommen ift, dafs in den Percherons das Material zur Veredlung der heimifchen, fchweren Pferdefchläge zu fuchen fei, zeigt die Thatfache, dafs diefelben auf der Ausftellung ganz fehlen. Norifches Blut, Clydesdaler, Norfolker, Normänner etc. haben fich aus mannigfachen Urfachen beffer bewährt. Als ein weiterer bedeutender Ausfteller ift Graf Julius Dziedufzycki zu nennen; feine 24 arabifchen Mutterftuten können aber trotz ihrer Conformität und ausgefprochenem Adel nicht vollkommen befriedigen, zumal man heute mehr Maffe und Gröfse von einem tüchtigen Gebrauchsthiere verlangt. Zu der diefsmaligen fchweren Verurtheilung des orientalifchen Blutes hat Graf Dziedufzycki mit feiner Ausftellung nicht wenig beigetragen. -- Die neue Wiener Omnibusgefellfchaft zeigt als bedeutende Pferdeabnehmerin in ihren zehn ausgeftellten Arbeitspferden verfchiedener Heimat, weffen fie für ihre Zwecke bedarf: nicht zu hoch geftellte maffige Figuren mit gutem Temperament. In Baron Loudon's zwei jungen Pferden fehen wir Producte feiner von Mr. de la Ville adoptirten Betriebsweife der Pferdezucht, und diefelben müffen darob als ganz befonders beachtenswerth genannt werden. Baron Romaczkan aus Horodenka fucht, fowie auf anderen Gebieten der Thierzucht, auch hier feine Aufgabe in der Veredlung von heimifchem Materiale und in der Benützung von orientalifchem Blute zur Veredlung einheimifcher Mutterthiere, mit welchen dann englifche Halbblutzucht getrieben wird, ift ein origineller Gedanke bethätigt. An hervorragenden Ausftellern find ferner befonders zu erwähnen: Afcht Johann, deffen Falbftute Elbedavy mit ihrem Hengftfohlen nach dem Normänner Hengfte Fameux viel Beifall fand; von Bäuerle in Erlaa mit zwei Producten eigener Zucht; die gräflich Berchtold'fche Geftütsverwaltung Buchlowitz in Mähren; Graf Nikolaus Efzterhazy; Prinz Emil Fürftenberg mit acht Proben aus feiner ausgezeichneten Jagdpferde- Zucht in Lana; Leopold Göttner aus Grieskirchen, der feinen maffigen Rothfchimmel- Hengft an die deutfche Regię. rung verkaufte; Herington John& Francis Cavaliero mit zwei gelungenen Norfolker Zuchtpferden; Franz Johann Kwizda aus Korneuburg mit zwei Originalarabern; Graf Johann Larifch- Mönich, der aus feinem bekannten Geftüte in Deutfchleiten fechs prächtige Jagdpferde eingefandt hatte; der regierende Fürft Liechtenftein mit vier englifchen Vollblut- Hengften aus Hohenau; Jacques Schawel fenior, mit vierzehn angekauften Jagdpferden und Jean Schawel mit zwei Norfolker Stuten und vier Reitpferden die insgesammt von der eingehenden Fachkenntnifs der Befitzer Zeugnifs geben; Robert van Son; Graf Jaroslav Sternberg und Graf Oswald Thun Hohenftein, der Erftere mit Producten des Geftütes in Zafmuk und derLetztere mit folchen aus Sehufchitz; Graf Ernft Thun mit vier trefflichen Hengften fchweren Schlages; Graf Leopold Thun mit Erzeugniffen feines Geftütes in Benátek u. f. w. Eigenthümlich vertheilt fich der Pferdeftand auf die einzelnen Länder der Monarchie und ebenfo verfchieden ift die Veränderung desfelben im Laufe der Zeit. Um eine Ueberficht in diefer Angelegenheit gewinnen zu können, fei in Nachfolgendem der Pferdeftand mit 31. December 1869 und die Wandlung desfelben zwifchen diefem Zeitpunkte und der mit 31. October 1857 voraus. gegangenen Zählung angegeben. Pferdeft a n d Entfallen Stücke mit 31. December 1869 auf Länder Der Pferdeftand hat fich vom 31. October 1857 bis 31. December 1869 vermehrt u m vermindert u m Summe Thierzucht. Niederösterreich Oberösterreich. 66.432 23.029 3.897 Salzburg. Steiermark 33.982 1.733 19.626 12.842 7.446 32.528 Kärnten. 7.372 12.735 Krain. 10.986 6.926 93.358 271 4.482 51.306 246 70 2.485 1.955 89 II.134 73 59.709 153 7.555 52 2.872 68 127 22.979 19.365 I.453 III 41 48 7.805 754 8.559 803 803 184 2.669 IO2 102 67 I.172 457 1.696 - 937 352 I.292 2.581 793 793 367 1.184 I.551 - 731 496 161 1.388 Görz, Trieft, Gradiska, Iftrien. 4.304 3.662 826 8.792 63 15 из IIZ 394 475 869 Tirol und Vorarlberg. 5.454 9.072 1.217 Böhmen 67.606 97.814 23.917 Mähren 42.893 61.373 14.203 Schlefien 13.629 10.566 2.955 Galizien Bukowina Dalmatien 9.135 59 738 1.027 53 319.368 280.270 90.602 690.240 506 127 46.989 44.502 15.074 18.973 8.602 42.649 235 83 3,064 4.314 1.356 16.792 6.254 1.403 15.743 31 189.337 209 118.469 306 17 I.277 287 559 2.123 37 6.939 I.453 8.392 7.623 7.623 2.219 27.150 305 1.765 91.491 8 734 4.437 5.361 12.017 874 874 13.473 13.473 - 74 37 3.120 1.342 752 5.214 Summa 617.594 583.490 165.939 1,367.023 68.613 52.050 1.653 122.516 7.755 10.020 32.539 50.314 7 8 Johann Pohl. Manches zum Nachdenken Anregende dürfte diefes, fowie die Zufammenftellung von Dr. J. L. Lorenz enthalten, die uns die Ein- und Ausfuhr an Pferden vom Jahre 1831 bis inclufive 1871 angibt; öftere Wehklagen über den Stand der Pferdezucht dürften damit illuftrirt werden. Da Oefterreich und Ungarn aber in ein Zollgebiet gehören, fo gelten diefe Zahlen natürlich auch für beide Länder gemeinfchaftlich. Einfuhr Jahr Stück Ausfuhr Einfuhr Jahr Stück Ausfuhr 1831 10.562 1.604 1852 14.125 10.396 1832 9.127 15.258 1853 12.834 IO.553 1833 9.900 13.363 1854 14.070 5.703 1834 9.807 9.327 1855 8.490 8.233 1835 10.786 9.761 1856 8.709 5.955 1836 9.756 7.879 1857 9.492 13.170 1837 10.132 8.488 1858 8.989 12.466 1838 10.820 9.403 1859 8.247 7.787 1839 10.520 9.431 1860 6.944 II.848 1840 II.434 10.356 1861 7.621 13.033 1841 13.566 7.021 1862 8.493 13.213 1842 13.198 13.027 1863 6.843 14.683 1843 12.402 13.886 1864 6.589 20.463 1844 12.392 13.298 1865 7.605 21.417 1845 12.928 13.304 1866 6.313 13.841 1846 14.597 12.409 1867 7.032 25.254 1847 II.643 13.304 1868 12.742 13.627 1848 6.486 4.893 1869 12.705 16.030 1849 13.187 2.599 1870 14.651 8.124 1850 13.797 6.911 1871 10.422 10.052 1851 13.719 9.220 Ungarn ift ein an Pferdematerial fehr reiches Land; der Sinn feiner Bewohner und die Vorliebe derfelben für Pferdezucht, finden in den weiten Ländereien die befte Gelegenheit, fich zu entfalten. Dem entſpricht auch der hohe Pferdeftand, der im Jahre 1872, wie wir der Schrift*, Ungarn auf der Wiener Weltausftellung 1873" entnehmen, betrug: Auf eine Quadratmeile Auf 1000 Einwohner In Ungarn 437 " Siebenbürgen 197 Kroatien und Slavonien 22 389 " der Militärgrenze 357 146 89 133 183 Durch die drei überaus reichhaltigen Staatsgeftüte in Kisbér, Bábolna und Mezőhegyes, von denen letzteres fogar einen Pferdeftand von mehr an 2000 Stück befitzt, wird es der Regierung möglich, dem Lande felbft die nothwendige Menge edler Vaterthiere zur Verfügung zu ftellen, ohne fich auf Hilfe der zwar auch zahlreichen Gestüte Privater verlaffen zu brauchen. Trotz alledem beabfichtigt man in * Pefter Buchdruckerei- Actiengeſellſchaft. Thierzucht. 9 neuefter Zeit aber noch ein Geftüt behufs Veredlung der ausgezeichneten Race der Gebirgspferde in Siebenbürgen zu errichten. Auf der Ausftellung war die Pferdezucht Ungarns in wahrhaft brillanter Weife vertreten. In erfter Linie find die Staatsgeftüte zu nennen und von diefen wieder Mezőhegyes, dem geradezu für feine neun Hengfte verfchiedenen Bluts und feine 18 Stuten eben folcher Abftammung die Palme zuerkannt werden musste. In ihnen erfcheint Maffe mit Adel in einer Weife vereinigt, wie fie nur felten gefunden werden, und die Form bei den meiften Thieren läfst ebenfowenig zu wünfchen übrig. Das Staatsgeftüt Kisbér debutirt in anzuerkennender Weife nicht mit feinen importirten Vollblutthieren, fondern blofs mit Eigenzucht, und zwar hat es einen prächtigen Norfolk Hengft und zwei folche Stuten mit zwei englifchen Halbblutftuten ausgeftellt, die insgefammt Anerkennung fanden. Bábolnas Expofitionsobjecte, beftehend in zwei Hengften und vier Stuten, theils arabifches Vollblut, theils Halbblut konnten fich indeffen trotz mannigfacher Vorzüge nicht die gleiche Anerkennung erwerben. Der Grund mag wohl mit in der heute allgemein adoptirten. Ueberzeugung begründet fein, dafs diefen Thieren die für unfere Verhältniffe nothwendige Gröfse und Maffe fehle; damit gilt aber noch nicht Gleiches auch für Ungarn. Im Uebrigen find an hervorragenden Ausftellern noch zu nennen: Graf Julius Andráffy mit gelungenen fünf englifchen Vollblutthieren; Guftav Appel mit zwei Hengften arabifcher Abkunft, die jedoch fchon mehr unferen Verhältniffen entſprechend herausgezüchtet erfcheinen; die königliche Freiftadt Debreczin mit ihren vier urwüchfigen Stuten; Baron Anton Riefe- Stallburg; die Grafen Moriz Sándor, Jofef Stubenberg und Camillo, Georg und Aladár Zichy. Als eine ausnehmende Seltenheit mufs es bezeichnet werden, was uns das Geftüt Cficfó, gehörig dem Grafen Johann Waldftein, bietet; die 25jährige englifche Rapp- Stute Gambia XI. trat mit fechs eigenen Fohlen im Alter von fechs bis zu einem Jahre auf und bildete ganz begreiflicher Weife den Gegenftand allgemeiner Bewunderung. Im Ganzen enthielt die ungarifche Ausstellung 73 Pferde. Auch Rufsland mufs ein an Pferden fehr reiches Land genannt werden, und brachte uns die Pferde- Ausftellung in ihren 31 Stücken davon gewiffermafsen die Elite zur Anfchauung. Als eine Specialität ruffifcher Zucht find die Orloff- Traber zu nennen, die zu obiger Zahl das gröfsere Contingent ftellen. Wiewohl diefelben für ihre Heimath, wo es gilt, weite Strecken zurückzulegen, einen grofsen Werth befitzen, fo kann ihnen doch für unfere Verhältniffe keine weitere Bedeutung zuerkannt werden, als fördernd für den Trabwettfahrtfport einzugreifen, indem fie die Leiftungsfähigkeit des Pferdes nach diefer Seite hinaus bethätigen. Die fechzehn Hengfte des Grofsfürften Nikolai Nikolaje witfch aus dem Geftüte Tfchesmenka find zum Theil Orloff- Traber, zum Theil orientalifcher und englifch- arabifcher Abftammung und fämmtlich vortreffliche Thiere. In ihrer Art als Orloff- Traber find auch die Objecte von Bardin, Goujon, Mazourine, Fürft Obolensky und Ochotnikoff mehr oder weniger gelungen zu bezeichnen. Das mit der Gefchichte der edeln Pferdezucht Polens fo eng verknüpfte Geftüt des Fürften Sanguszko in Slawuta exponirt acht arabifche Vollblutftuten, die fich ebenfo wie die Araber des Grofsfürften Nikolai Nikolajewitfch durch Gröfse auszeichnen und in allem Uebrigen dem längft erworbenen Rufe neuerdings Beftätigung verfchaffen. Aus Egypten haben wir von zwei Ausftellern und zwar Sefer Pafcha und Oberft Arthur Bey je vier Araberhengfte zu verzeichnen, denen zwar, was Eleganz in der Erfcheinung anbelangt, nur Rühmenswerthes nachgefagt werden kann und die darob der Sachkenntnifs ihrer Befitzer alle Ehre machen, aber trotzdem nicht im Stande find, das zu Gunften des englifchen Blutes über die Orientalen gefallene Verdict umzuftofsen. Diefe Entfcheidung in dem bisher gewährten Kampfe zwifchen 10 Johann Pohl. beiden Racen um den Einfluss auf die öfterreichiſche Pferdezucht ift als einer der wichtigften Erfolge der internationalen Pferde- Ausftellung hervorzuheben. Gleichzeitig und im Zufammenhange mit der internationalen Pferde- Ausftellung follte auch der Renn- und Trabfport feinen Platz finden. Wettrennen und Trabwettfahren. Die Tüchtigkeit eines Pferdes wird fich felbft bei gründlichfter Kenntnifs der Natur desfelben im Allgemeinen und bei tiefftem Scharffinn kurzweg nur annähernd beftimmen laffen und einer blofsen äufseren Betrachtung werden in der Regel Vorzüge und Mängel unentdeckt bleiben, die, nach längerem Gebrauche erkannt, wefentlich den Werth des Thieres modificiren können. Das ift eine Thatfache, die jedem bekannt ift; ebenfo gut weifs aber auch Jedermann, dafs eine entfprechende Probe- Arbeit fchon einen viel tieferen Einblick in die Leiftungsfähigkeit des Organismus geftattet, dafs mittelft einer Tour im Wagen oder mittelft eines Rittes ganz neue Seiten des Thieres enthüllt werden. Die einzelnen Organe und Körpertheile, verfchieden in Form und Befchaffenheit, fowie ihre gegenfeitige Harmonie zeigen fich hier in ihrer Brauchbarkeit für den vorliegenden Zweck, und werden um fo mehr zielgerechte Verhältniffe befitzen müffen, je grösser die geſtellte Aufgabe war und je beffer diefelbe gelöft wurde. Der Pferdezüchter wird fo in eine feine Sache fehr fördernde Lage gefetzt; während ihm damit einestheils ein Mafsftab für die richtige Beurtheilung der Tüchtigkeit des Zuchtmateriales geboten wird, findet er andererfeits fo auch wieder Gelegenheit, die Pointe feiner züchterifchen Leiftungen herauszukehren und daraus Nutzen ziehen zu können. Aber auch bei keinem Zweige landwirthfchaftlicher Thierproduction würde diefer Vortheil gleich fchwerwiegend fein wie für die Pferdezucht. Hier gilt es in der Regel nicht fo fehr, blofs Thiere für die eigene Benützung und Abnützung zu gewinnen, als zum Verkaufe, und dafür kann die Möglichkeit, diefelben in ihrem wahren Werthe dem Käufer ad oculos zu zeigen, nicht hoch genug angefchlagen werden. Nicht, als ob damit gefagt fein follte, dafs es zum Beiſpiel für den Rindviehzüchter bedeutungslos wäre, wenn er die Ausnützungsfähigkeit des Futters der feine Heerde ausmachenden einzelnen Individuen auf fo einfache Weife demonftriren könnte; auch er würde ohne Zweifel daraus Vortheile fchöpfen, aber wo er feine Züchtungsproducte mehr felbft verwendet, kann er eher davon abfehen und findet felbft auf andere Weife Gelegenheit, fich von ihrem inneren Werthe Ueberzeugung zu verfchaffen. Wenn man von diefem Standpunkte aus die Probe- Arbeiten auffafst, die den Pferden gelegentlich abverlangt werden, fo wird man fich der Ueberzeugung nicht verfchliefsen können, dafs ihnen eine grofse Bedeutung zukommt; insbefondere dort, wo es gilt, die Tüchtigkeit von Zuchtthieren zu erkennen, die fich in Form und Eigenfchaft vervielfältigen follen. Wird von den leichteren und einfacheren Arten, als dem Probefahren und Reiten oder Vorführen, abgefehen, fo find es zunächst das Wettrennen und Wettfahren, die hier in's Auge gefafst werden follen. Diefen, namentlich aber dem erfteren von beiden, werden zwar fehr häufig andere Motive zu Grunde gelegt, fo dafs es nicht fo fehr als Mittel zum Zweck, wie als Selbftzweck fich verhält; das darf uns aber nicht verleiten, feinen wahren Werth zu verkennen. Als einziges Mittel, womit dem Vollblut Gelegenheit gegeben werden kann, dafs es feine Vorzüge entfalte, mufs es, infolange edles Vollblut in der Pferdezucht gebraucht wird, als ein mächtiges Bindeglied in der Kette jener Mafsregeln angefehen werden, die für ihr Emporblühen nicht unbeachtet bleiben dürfen. Die Aufmerkfamkeit aller jener werden folche Anläffe auf fich ziehen, die in der Pferdezucht den bedeutenden Productionszweig erkennen. In England, das in thierzüchterifcher Hinficht die höchften Leiftungen aufzuweifen hat, find folche Tage Nationalfefte; das Parlament hält keine Sitzungen, läfst Gefchäfte und anderweitige Verhandlungen ruhen, und aus allen Enden des ver Thierzucht. 11 einigten Königreiches führen die zahlreichen Eifenbahnen das den verfchiedenften Gefellſchaftsclaffen angehörige Publicum nach dem Orte, wo das grofse Schaufpiel fich abwickeln foll, auf das im Augenblicke fich die Augen von ganz England richten. Was das Wettrennen für Bethätigung der Leiftungsfähigkeit des Vollblutes ift, das ift das Trabwettfahren für jene des Halbblutes. Diefe Thatfachen fanden in der Errichtung und Benützung von Hippodroms, insbefondere aber durch die Wettrennen am 21. und 23. September und das Trabwettfahren am 22. September volle Anerkennung. In Nachftehendem folgen die bezüglichen officiellen Mittheilungen, wie fie uns Herr Major von Mayr zur Verfügung ftellt. Rennberichte. Erfter Tag. ( Sonntag den 21. September.) 1. Kaiferpreis 3000 fl. Handicap für Pferde aller Länder. Einlage 200 fl., Reugeld 100 fl. jedoch nur 50 fl. wenn erklärt. Diftanz 14 Meilen. Das zweite Pferd erhält die Hälfte der Einlagen. Gewinner eines Rennens von 4000 fl. nach Bekanntmachung der Gewichte( II. September) 7 Pfund mehr( 27 Unterfchriften). Prinz L. Esterházy's 4j. F. H. Bar le Duc v. Orphelin a. d. Cérès 113 Pfd. Altgraf F. Salm's 4j. F.-H. Afpirant 119 Pfd. Gf. Henckel fen. 3j. br. St. Flora 97 Pfd. Mr. Töwen's 3j. br. St. Lady Befs 104 Pfd. ( Cuftance) I ( Webber) 2 ( Jenkins) 3 ( Little) 4 Aufserdem rannten noch 8 Pferde und wurde ferner Reugeld gezahlt mit 50 fl. für 12 und mit 100 fl. für 3 Pferde. 2. Preis der Erzherzoge 2000 fl. für 2j. Pferde aller Länder. Einlage 100 fl., Reugeld 50 fl., Gewicht 112 Pfund, Stuten 2 Pfund weniger. Gewichtsbeftimmungen. Diftanz 1 Meile., Das zweite Pferd erhält 200 fl. aus den Einlagen.( 22 Unterfchriften.) Arift. v. Baltazzi nt. Gf. Ugarte's br. St. Mifs Peel v. General Peel a. d. Grillade 110 Pfd.( incl. 8 Pfd. extra) Gf. Henckel fen. br. St. Novelle 102 Pfd. Arift. v. Baltazzi nt. Gf. Ugarte's br. St. Donna Anna 102 Pfd. ( Hunt) I ( Sherrington) 2 ( Webber) 3 Aufserdem rannten noch 9 Pferde. Reugeld wurde ferner gezahlt mit 50 fl. für 10 Pferde. 3. Ausstellungspreis von 15.000 fl. nebft einer Ehrengabe im Werthe von 1000 fl. für 3j. und ältere Pferde aller Länder. Einlage 300 fl., Reugeld 150 fl., Diftanz 134 Meilen, Altersgew. Stuten und Wallachen 3 Pfund erlaubt. Gewichtsbeftimmungen. Sieger extra. Das zweite Pferd erhält ein Drittel der Einlagen und Reugelder.( 36 Unterschriften.) Gf. Johann Renard's 3j. br. H. Hochftapler v. Savernake a. d. La Traviata 102 Pfd. Desfelben 3j. br. St. Amalie v. Edelreich 99 Pfd. Gf. Henckel fen. 4.j. br. St. Libelle 99 Pfd.( tr. 101 Pfd.) Gf. Paul Feftetics's 5j. br. St. Andorka 109 Pfd. Gf. Iván Szápáry's 4j. br. H. The Jew 106 Pfd. ( Madden) I ( Sopp) 2 ( Sherrington) 3 ( Metcalf) 4 ( Chapman) 5 Aufserdem rannten noch 5 Pferde. Reugeld mit 150 fl. wurde gezahlt für 26 Pferde. 4. Damenpreis. Ehrenpreis im Werthe von beiläufig 2000 fl. Herrenreiten. Einlage 100 fl., Reugeld 50 fl., Diftanz I Meile. Für 4j. und ältere Pferde 12 Johann Pohl. aller Länder. Altersgew. Der Sieger um 4000 fl. zu fordern etc.( 7 Unterfchriften.) Altgraf F. Salm's 4j. br. H. Dualift v. v. Buccaneer a. d. Simple Sufan ( 4000 fl. feil) 135 Pfd. ( H. Baltazzi) I Gf. Henckel fen. a. br. H. Allbrook( 3000 fl. feil) 135 Pfd.( tr. 137 Pfd.) ( Gf. N. Esterházy) 2 Prinz L. Efterházy's 4j. br. St. Privateer( 1000 fl. feil) 120 Pfd. Reugeld mit 50 fl. wurde gezahlt für 4 Pferde. ( A. Baltazzi) 3 5. Preis für Pferde rein orientalifcher Abkunft 2500 fl. Einlage 100 fl., Reugeld 50 fl., Diftanz 2 Meilen. Altersgew. Pferde im Orient geboren 8 Pfund mehr. Das zweite Pferd erhält die Hälfte der Einlagen. ( 1 Unterfchrift.)( Fand wegen Mangel an Concurrenz nicht ftatt.) 6. Preis der Wiener Bürger 3500 fl. mit einem Ehrenpreis im Werthe von 500 fl. Steeple- chafe Handicap für Pferde aller Länder. Einlage 200 fl., Reugeld 100 fl., jedoch nur 50 fl. wenn erklärt. Diftanz circa 4 Meilen. Sieger extra. Das zweite Pferde erhält die Hälfte der Einlagen.( 19 Unterfchriften.) Gf. Georg Stockau's 4j. br. St. Brigantine v. Buccaneer a. d. Strutaway 149 Pfd. Jacques Schawel's 4j. br. W. Charlatan 133 Pfd. Gf. Nik. Eizterházy's 4j. br. H. Krenreiber 134 Pfd. Jacques Schawel's 4j. br. W. Toady 125 Pfd. ( H. Baltazzi) I ( Hanfi) 2 ( Hanreich) 3 ( Earl) 4 Reugeld mit 50 fl. wurde gezahlt für 8 und mit 100 fl. für 7 Pferde. Zweiter Tag. Dienstag den 23. September. 1. Preis der Induftriellen 4500 fl. mit einem Ehrenpreife im Werthe von 500 fl. Handicap für 3j. und ältere Pferde aller Länder. Einlage 100 fl. Reugeld 50 fl., jedoch nur 25 fl. wenn erklärt. Diftanz 2 Meilen. Sieger extra. Dem zweiten Pferde bis zu 400 fl. aus den Einfätzen und Reugeldern. Das dritte Pferd rettet feinen Einfatz.( 30 Unterfchriften.) Altgf. Franz Salm's 4j. F.-H. Afpirant v. Buccaneer a. d. Dahlia 118 Pfd. Gf. Henckel fen. 3j. br. H. Profeffor 108 Pfd. R. v. Seelig's 4j. br. H. Strafsburg 129 Pfd. Gf. Oct. Kinsky's 3j. br. H. Krifchna 93 Pfd. Bar. G. Springers's 4j. br. H. Seraphin 118 Pfd. ( Webber) I ( Sherrington) 2 ( Sopp) 3 ( Prior) 4 ( Madden) 5 ( Viney) 6 Ariftide v. Baltazzi nt. Gf. Ugarte's 4j. F.-St. Galathée 99 Pfd. Aufserdem rannten noch 5 Pferde und Reugeld wurde erlegt mit 25 fl. für II und mit 50 fl. für 8 Pferde. 2. Trial Stakes 2000 fl., für 2- und 3j. Pferde aller Länder. Altersgew. Stuten 2 Pfund weniger. Auf dem Continente, mit Ausnahme von Frankreich, geborenen Pferden 8 Pfund erlaubt. Diftanz circa 3/4 Meilen( 520 Klafter.) Einlage 100 fl., Reugeld 50 fl. Das zweite Pferd erhält 200 fl.( 15 Unterfchriften.) ( Sopp) 1 ( Madden) 2 Gf. Henckel fen. 2j. F. H. Mofes v. Giles I. a. d. Lawina 98 Pfd. Gf. Joh. Renard's 3j. br. H. Hochftapler 125 Pfd. Fürft J. Liechtenſtein's 3j. br. H. v. Peon a. d. Lay Sifter 125 Pfd. Reugeld mit 50 fl. wurde erlegt für 12 Pferde. ( Prior) 3 3. Freudenauer Preis von 3700 fl. mit einem Ehrenpreife im Werthe von 300 fl., für 3j. und ältere Pferde aller Länder. Einlage 200 fl., Reugeld 100 fl. Altersgew. Stuten und Wallachen 2 Pfund erlaubt. Auf dem Continente, Thierzucht. 13 mit Ausnahme von Frankreich, geborenen Pferden 8 Pfund erlaubt. Sieger Diftanz 14 Meile. Das zweite Pferd erhält ein Drittel der Einlagen und Reugelder.( 31 Unterfchriften.) extra. Gf. Joh. Renard's 3j. br. St. Amalie von Edelreich v. Buccaneer a. d. Sweet Katie 106 Pfd.( incl. 8 Pfd. extra) Gf. Iván Szápáry's 4j. br. H. The Jew 114 Pfd. Gf. Joh. Renard's 5j. br. H. Bauernfänger 120 Pfd. ( Madden) I ( Chapmann) 2 ( Cuftance) 3 Aufserdem rannte noch ein Pferd und Reugeld wurde bezahlt mit fl. 100 für 28 Pferde. 4. Verkaufsrennen. Preis 1500 fl., für Pferde aller Länder. Diftanz I Meile. Einlage 100 fl., Reugeld 50 fl. Altersgew. Der Gewinner um 2400 fl. zu fordern, für je 400 fl. weniger, 5 Pfund erlaubt.( 8 Unterfchriften.) Bar. A. v. Bethmann's 3j. br. St. Johanna( 400 fl. feil) 90 Pfd. Ritter St. George's 3j. br. H. Paulinus( 800 fl. feil) 95 Pid. Gf. Oct. Kinsky's 4j. br. W. Ziska( 400 fl. feil) 105 Pfd. ( Wicks) I ( Viney) 2 ( Prior) 3 Aufserdem rannten noch 3 Pferde und Reugeld mit fl. 50 wurde erlegt für 2 Pferde. 5. Lufthaus Steeple- chafe. Preis 1800 fl. mit einem Ehrenpreife im Werthe von 200 fl. Verkaufsrennen für 4j. und ältere Pferde aller Länder. Einlage 150 fl. Reugeld 50 fl. Altersgew. Der Sieger um 3500 fl. verkäuflich, wenn um 2500 fl. 5 Pfund u. f. w. Herrenreiter 5 Pfund weniger. Diftanz circa 3 Meilen.( 13 Unterfchriften.) J. Schawel's 4j. br. W. D. B( früher Collier) v. Plum Pudding, Mutter nach Ivan. 128 Pfd. ( H. Baltazzi) I Desfelben 4j. br. St. Camomile( 1000 fl. feil) 128 Pfd. ( Hanfi) 2. Gf. Nik. Efzterházy's 4j. br. H. Krenreiber( 1000 fl. feil) 128 Pfd.( Hanreich) 3 Aufserdem rannten 2 Pferde und Reugeld mit 50 fl. wurde für 8 gezahlt. Internationales Trab- Wettfahren. Montag den 22. September, 9 Uhr Vormittags. I. Einfpännig. Mit Ausfchlufs eines Nebenpferdes. Für Pferde aller Länder und jeden Alters. Mit zwei- und vierräderigen Wägen. Die Fahrt gefchieht nach Zeit. 234 engDiftanz hin und zurück circa 2345 Wiener Klafter= 4422 Meter= lifche Meilen. Bei der Anmeldung hat der Eigenthümer zu erklären, ob er rechts oder links zu fahren und zu wenden wünſcht. Bahngeld 25 fl. - I. Preis 4000 fl., nebft einer Ehrengabe. II. 1600 99 III. 800 " 99 IV. "" V. 400 200 99 " " 1. Mazourine's 7j. F.-St. Craffa, ruffifcher Abkunft, 6 Min., 56 Sec. 2. Gf. Gommi's und Bonetti's a. R. Sch. W. Vandalo v. Huntsman a. d. Caf fandra, 7 Min. 3. Mazourine's 5j. R.-H. Seriosnoi, rufficher Abkunft, 7 Min., 7 Sec. 4. M. P. Jouben's 7j. F. St. Tentative v. Conquerant a. d. Sultane, franzöfifcher Abkunft, 7 Min., 8 Sec. 5. Hrn. Le Joliff's 6j. br. St. Ouvrière v. Ouvrier a. d. Normandier St. franz. Abkunft, 7 Min., 13 Sec. Aufserdem fuhren noch 13 und zurückgezogen wurden 4. 14 Johann Pohl. II. Zweifpännig. Für Pferde aller Länder und jeden Alters. Mit vierräderigen, mit vier Sitzplätzen verfehenen Wägen. Zum Fahren ift Jedermann qualificirt, mit Ausnahme von Dienern. Pferde, welche beim einfpännigen Fahren( Nr. 1) geftartet haben, find ausgefchloffen. Diftanz hin und zurück circa 4690 Wiener Klafter= 8844 Meter= 5% englifche Meilen. Vom Comité wird entfchieden werden, ob die Theilnehmer alle auf einmal oder in Abtheilungen zu ftarten haben. Erfolgt die Abfahrt aller Theilnehmer gleichzeitig, fo ift die Reihenfolge, in welcher die Concurrenten das Ziel paffiren, im anderen Falle aber das Zeitmafs, binnen welchem die Fahrbahn zurückgelegt wird, für die Preiszuerkennung mafsgebend. Bahngeld 50 fl. I. Preis II. " III. IV. " " . 2000 fl. IOOO 600 400" " " 9 1. Riccardo Bonetti's 8j. br. W. Trovatore, 9j. F.-W. Rigoletto, ital. Abkunft, 17 Min., 18 Sec. 2. Joh. Valentin's und Stephan Tuban's 7j. fchwbr. St. Krachawhichin, 8j. fchwbr. St. Lebedonez, Orloff- Geftüt, 17 Min., 34 Sec. 3. Louis Annovi's 7j. br. W. Ich weifs nicht, ital. Abkunft, 9j. br. W. Bismarck, ital. Abkunft, 17 Min., 53 Sec. 4. Ferd. Kaulla's 6j. br. St., 6j. fchw. W. 18 Min., 16 Sec. Aufserdem fuhren noch 7 und zurückgezogen wurden 3. III. Trab Wettfahrt für Fiaker der öfterreichifch- ungarifchen Monarchie mit licenzirten nummerirten Wägen. Zweifpännig. Diftanz hin und zurück circa 4690 Wiener Klafter= 8844 Meter= circa 5% englifche Meilen. Bahngeld 10 fl. I. Preis. II. • 500 fl. 200 99 150" " III. IV. " " 5°" 1. Joh. Schulz, Nr. 1005, zwei Braun, 19 Min., 25 Sec. 2. Carl Leydolt, Nr. 696, a. Sch. St. a. F.-W., 20 Min., 52 Sec. 3. Leopold Wallner, Nr. 225, br. W., br. H., pol. Abkunft, 21 Min., 7 Sec. 4. Jofef Winkler, Nr. 301, 8j. br. W., 10j. br. W., 22 Min., 6 Sec. 5. Johann Sauer, Nr. 613, Fuchs und Braun, ungar. Abkunft, 21 Min., 41 Sec. Aufserdem fuhren noch 6. Rinder. Wie bereits gefagt, waren die Rinder mit Gegenftand der temporären Thierausftellung vom 31. Mai bis 9. Juni. Nebft dem hatte fich aber die k. k. Landwirths Gefellfchaft in Wien die fpecielle Aufgabe gefetzt, den Befuchern der Weltausftellung in der fogenannten„ O efterreichifchen Meierei" die in Oefterreich heimifchen Melkviehracen vorzuführen. Wie berechtigt diefes Beftreben war, braucht nicht erft bewiefen zu werden und ergibt fich am beften aus dem bereitwilligen Entgegenkommen, auf das diefe Idee allerorts traf. Auch das k. k. Ackerbau- Minifterium anerkannte diefelbe, indem es dafür eine Subvention bis zum Maximalbetrag von fi. 20.000 ö. W. bewilligte. In der Hand eines Comités, beftehend aus O. v. Altvatter, Thierzucht. 15 G. Belleville, Baron Doblhoff, Dr. Fuchs und F. von Orlando unter dem Vorfitze des Vicepräfidenten der Gefellſchaft, Dr. Bruckmüller, gelangte die Sache zur Durchführung, indem dasfelbe fich mit den LandwirthsGefelifchaften der übrigen Königreiche und Länder behufs Beiftellung von je drei frifchmelkenden Kühen der ihnen eigenthümlichen Melkviehracen ins Einvernehmen fetzte und die Herftellung eines Stalles fammt Beifchaffung alles nöthigen fonftigen Zugehörs veranlafste. Diefe Special- Ausftellung follte, unabhängig und abgefehen von der temporären Thierausftellung, während der ganzen Ausftellungszeit tagen. Ueber die Bedeutung des hier in Rede ftehenden Zweiges des Landwirthfchaftsbetriebes bilden wir uns am beften ein Urtheil, wenn wir die von Dr. L.Wittmack in Berlin zufammengetragenen und in der deutfchen Agriculturhalle ausgeftellten ftatiftifchen Daten betrachten. Zu dem Zwecke feien fie hier reproducirt. ( Siehe Tabelle Seite 17 und 18.) Wenden wir uns nun erft an der Hand des Kataloges zur Betrachtung der temporären Thierausftellung. England hatte blofs 8 Rinder eingefendet; deren Ausfteller find: Dudding William& Henry( Panton Houfe), Fowler John Kersley( Willowbank) und Smith Henry Frederick( Hamwath Houfe). Gewifs eine fehr geringe Zahl, was bei dem Umftande als um fo bedauerlicher bezeichnet werden mufs, als den Vorzügen des englifchen hochgezüchteten Rindes nach vielfeitigen Anfchauungen auch die continentale Rinderzucht fich nicht wird verfchliefsen können. Dazu befitzen diefe Thiere noch durchaus nicht die hohe Vollkommenheit der Formen, die man ihnen im Allgemeinen zufchreibt, und es läfst fich behaupten, dafs felbft auf kleinen Thierfchauen in ihrer Heimath ungleich Vollkommneres zu fehen ift. Uebrigens darf auch nicht überfehen werden, dafs diefelben nicht, wie wir es zu finden gewöhnt find, für die Ausstellung befonders hergerichtet waren, fondern direct von der Weide zu kommen fchienen. Der continentale Züchter läfst fich nur zu häufig und zu leicht verleiten, aus einer fcheinbar vernachläffigten Stallpflege auf Mangel an Sorgfalt im Allgemeinen zu fchliefsen, wovon zu einem abfälligen Urtheile nur ein Schritt ift, den er bald macht. Unfere Haltungsweife des Rindes verlangt eine bei Weitem ganz andere Stallpflege als die Englands, und defshalb kann und mufs dasjenige, was bei uns in diefer Hinficht ein Mifsgriff wäre, dort als gerechtfertigt bezeichnet werden. Deffenungeachtet darf der hohe Zuchtwerth der hinter diefen acht Stück ftehenden Type nicht unterfchätzt werden. In Frühreife der Entwicklung und Maftfähigkeit fteht fie unerreicht da, und wo diefe gebraucht werden, wird der Züchter feinen Blick darauf richten, darf aber nie vergeffen, dafs grofse Erfolge nur bei reichlicher Ernährung möglich find und dafs ihre Eignung zur Milchnutzung nur auf einzelne Stämme befchränkt und zur Zugleiftung überhaupt gering ift. Italien kam mit 18 Stück Rindern und zwar die landwirthfchaftlichen Comités von Arezzo, Foggio und Turin- in denen auf den erften Blick ein gewiffer Zufammenhang mit den ungarifchen Racen nicht zu verkennen ift. Bei ihrem grobknochigen Charakter, bei ihrer Hochbeinigkeit, ihrem fchmalen und kurzen Kreuze und der groben und harten Haut dürfen wohl keine befonderen Erwartungen auf fie gefetzt werden. Befcheidenheit in den Anforderungen, insbefondere auf Ernährung, dann in Haltung und Pflege, was ihre ſtarke Seite ift, wird in der heutigen Zeit, in der der Menfch täglich mit mehr Erfolg die natürlichen, ihm fich gegenüberftellenden Schwierigkeiten befiegt, für die Culturftaaten ein immer geringerer Vorzug, wenn fie nicht mit anderen ausgezeichneten Eigenfchaften gepaart ift. 2 16 Johann Pohl. Rinder ftand. Anzahl der Stücke Länder im Stücke Jahre per 1000 Einwohner per I geographifche Quadratmeile Europäiſches Rufsland 1860 22,816.000 358 Afiatifches Rufsland 1861 2,628.000 209 1864 14,994.084 Deutfches Reich 1867 15,128.791 380 1.571 1864 6.111.994 Preussen 1867 7.996.818 324 1.250 Baiern 1863 3,162.387 651 2.297 1866 974.917 Württemberg 1868 911.013 501 2.573 Sachfen 1867 625.260 245 2.290 Baden. 1869 609.380 425 2.192 1862 14.197.360 Frankreich 1866 12,733.188 346 1.327 1864 13,660.322 Oefterreich 1869 12.504.408 351 1.106 1867 8,731.473 1868 9,083.416 Grofsbritannien 1870 9,235.052 1871 9,346.216 294 1.611 Italien Spanien 1867 3,708.635 177 687 1865 2,904.598 173 316 1866 1,985.000 1867 1,942.137 Schweden 1868 1,741.992 1869 1,874.369 449 234 1866 1,271.563 1867 1,361.278 Holland. 1868 1,368.175 1869 1,401.910 393 2.354 1856 1,257.649 Belgien Dänemark 1866 1,242.445 250 2.326 1866 1,993.861 651 2.771 Schweiz 1866 992.895 372 1.055 Norwegen 1865 953.036 551 166 Portugal. 1862 523.248 131 322 Griechenland 1867 109.904 75 121 1860 25,616.540 Vereinigte Staaten 1869 25,484.100 1870 26,235.200 659 Auftralien 1870 4,712.918 2.623 75 75 39 Thierzucht. Rinderhandel. 17 Einfuhr Ausfuhr Länder im Jahre Stücke Stücke 231.364 1869 288.386 Deutfches Reich. 186.623 1870 237.016 230.526 1871 290.184 202.172 1870 I.443 Grofsbritannien. 248.611 1871 1.631 222.676 1869 57.152 Frankreich 182.965 1872 29.564 162.947 1869 140.420 Oefterreich 157.014 1870 III.349 25.965 1866 13.000 Belgien 28.963 1867 12.088 Holland 42.021 1870 152.546 Schweiz 209.742 1869 130.583 Italien. 45.589 1868 83.940 Spanien 41.147 1868 104.746 II.877 1869/1870 47.295 Dänemark IO.557 1870/1871 45.139 I I 1868 16.416 Schweden 631 1869 14 583 1871 20 530 Vereinigte Staaten Viel zahlreicher betheiligte fich Deutfchland, und zwar mit 102 Stücken, die in der Hauptfaché den Niederungen Norddeutfchlands und Süddeutſchlands entftammen, während Mitteldeutſchland beinahe unvertreten blieb. Was die Niederungsthiere betrifft, fo find fie verfchiedenen Landftrichen entnommen, wie: Oldenburg, Weftfriesland, Oftfriesland, Holland und dergleichen, und ihren Befitzern, die gröfstentheils Viehhändler find, ift es damit gelungen, ihrem Handels- Artikel eine fehr vortheilhafte Vignette zu geben. Wie aus einer Form erfcheinen die Thiere gruppenweife gegoffen, und alle zufammen umfchliefst das Band der Zufammengehörigkeit. Wenn wir aus dem Guten das Befte herausgreifen wollten, dann müssten wir auf die Betrachtung der einzelnen Individuen übergehen; das würde aber über die vorliegende Aufgabe hinausgehen. Erwähnt feien defshalb nur die Namen jener Ausfteller, deren Collectionen das Befte enthielt: Otto Böckhoff, Achgelis und Detmers, der Oftfrie fifche landwirth fchaftliche Provinzverein Bingum, K. C. Rüft, Gebrüder Böckhoff und fo weiter. In Deutſchland hat fich in der Rindviehzucht fchon feit längerer Zeit eine Theilung der Arbeit entwickelt; der Landwirth der Niederungen im Norden zieht Vieh auf und gibt es nach Mitteldeutfchland ab, wo es benützt und abgenützt wird, und diefen Verkehr vermitteln die Viehlieferanten. Die hohe Milchergiebigkeit des Niederungsviehes, mit der fich in einzelnen Gegenden eine ganz befriedigende Maftungsfähigkeit vereinigt, bahnt ihm diefen Weg und die Anfprüche an das Futter, die es dem entgegen macht, werden ihm gerne befriedigt während man Widerftandsfähigkeit und Ausdauer weniger häufig fucht. Aus Deutfchland haben ferner Baiern und Baden Thiere zur Ausftellung gefchickt. Diefelben gehören vorwiegend der Simmenthaler Type an; nur konnte Niemandem entgehen, dafs ihre Formen, gegenüber der originären, mehr oder 2* 18 Johann Pohl. weniger bereits verfeinert waren. Insbefondere zeichnet fich nach diefer Richtung hin der Mefskirchner Schlag aus, deffen Ausftellung im Uebrigen fehr gut gebaute Thiere enthielt Daneben war auch noch eine andere Zuchtrichtung Deutfchlands vertreten; zwar nicht in jenem Mafse, wie es zu wünfchen gewefen wäre, doch können die Shorthornftücke des Barons Magnus in Drehfa( Königreich Sachfen) und der weifse Shorthornftier von H. Sprengel in Schillerslage( Hannover) immerhin als Anknüpfungspunkte für diefem Fall angefehen werden. Schon feit Jahren findet Import von Shorthorns nach Deutfchland ftatt, wo diefelben entweder rein fortgezüchtet werden, oder zur Erzeugung von Gebrauchsthieren, das find Kreuzungsproducte zur Mäftung, Verwendung finden. Unter die erfteren Heerden gehört namentlich von den auf der Ausftellung vertretenen, die des Barons Magnus. Einftweilen befchränkt fich diele Zuchtrichtung zwar noch mehr auf den Norden, wo die klimatifchen Verhältniffe mehr Aehnlichkeit mit jener Englands haben, indeffen fehlen doch in Mitteldeutſchland Beiſpiele dafür nicht. Obzwar fo von Deutſchland die hauptfächlichften Zuchtrichtungen, die in der Hauptfache auf Milch- und Fleifchproductionen hinauszielen, vertreten waren, betheiligte fich doch Mitteldeutfchland beinahe gar nicht und manch bedeutende Zucht wird dadurch vermifst. Diefe Thatfache kann gleich hier conftatirt und erklärt werden, weil ihr diefelbe Urfache zu Grunde liegt, wie dem Nichterfcheinen zum Beiſpiel des Schweizer Viehes und anderen. Unfere Geifsel, die Rinderpeft, der die ruffifchen Steppen unaufhörlich neuen Zündftoff nachfenden und die bei uns mit ihren unfeligen Folgen bereits ftationär geworden ift, hatte zur Zeit der Ausftellung ebenfalls mehrere Länder inne. Man hatte zwar der Gefahr der Anfteckung vorgebeugt, indem aus diefen Theilen jedwede Theilnahme an der Ausftellung unterfagt wurde; das hinderte aber nicht, dafs auf vielen Seiten der Befchlufs gefafst wurde, diefelbe unbefchickt zu laffen. Die buntefte Rinderausftellung hatte O efterreich. Wie wäre das aber auch anders möglich? Die Wirkung der mannigfaltigften heimifchen Verhältniffe, gepaart mit den Folgen der aus verfchiedenen Gründen ftattgehabten Blutmifchung, mufsten ein Vielerlei von Thiertypen erzeugen. Entfprechend der Thatfache, dafs im Allgemeinen die einheimifchen Typen mehr Gegenftand der Pflege der kleineren Heerdenbefitzer find, während der Grofsgrundbefitz vorwiegend in der Zucht importirter Thiere fein Heil fucht, war auch die Ausftellung befchaffen und nahmen in diefem Sinne beide Richtungen an den zufammen beigebrachten 434 Stück Theil. Die meiſten der erfteren traten in Collectivausftellungen auf und nur wenige felbftftändig. In der Collectivausftellung von Salzburg fanden wir Pinzgauer; in jener von Leoben dahin gehören auch die Mariahofer des Benedictinerftiftes Lambrecht und die Mürzthaler des Grafen F. Vetter in Grafehnitz, von A. Bernauer in Bruck an der Mur und Rachög in Leoben, die insgefammt befonders ausgezeichnet wurden Mariahofer, Mürzthaler, Murbodenthaler und Pinzgauer; in der von Voralberg Montafuner und Algäuer; in der von Bregenz ebenfalls Montafuner und Algäuer; in der Neutitfchein- Fulneker blofs Kuhländer und die der k. k. Landwirthfchafts Gefellfchaft in Wien, zu welcher zwar auch Grofs- Grundbefitzer wie C. Adametz in Möltern, Graf Ernft Harrach in Bruck an der Leitha, Baron Ludwig Villa Secca in - Grofsau beitrugen, enthielt Mürzthaler, Algäuer, Montafuner, Schwytzer, Mariahofer und Pinzgauer. Die kleineren Landwirthe Kärntens und Tirols treten felbftftändig hervor mit Mürzthalern, Pinzgauern, Lavanthalern, Zillerthalern, Möllthalern, Kitzbichlern, Oberinnthalern, u. f. w. Nennen wir dazu nur noch die von hervorragenden Domänenbefitzern, refpec. tive Heerdenbefitzern ausgeftellten Typen, als: von Baron Jakob Romaczken in Horodenka die Podolifche; von Graf Auguft Fries in Czerachora die Schwytzer; von Baron Kuno Honrichs in Kunstadt die Berner; von der Domäne Feldberg des Fürften Johann Liechtenſtein die Berner; von der Rinder- und Schweine Thierzucht. 19 - zucht Anftalt der k. k. Ob der Enfifchen landwirthschaftlichen Gefellſchaft die Montafuner; von Altgraf Franz zu Salm- Reifferfcheid in Svietla die Schwytzer; von Graf Carl Althan die Berner, Holländer und Kreuzungen beider; von Jofef Maria und Emma Arefin in Partfcherdorf die Kuhländer; von A. E. R. von Komers in Moftau die Egerländer; von Ratiboritz auf der dem Prinzen Wilhelm zu Schaumburg- Lippe gehörigen Domäne Nachod die Berner; Holländer und Kreuzungen beider; von Libiejitz, Krummau, Netolic, Poftelberg, Wittingau, Neufchlofs Lobofitz, Lenefchitzfämmtlich Domänen der Fürften Adolph und Adolph Jofef Schwarzenberg die Mariahofer, Pinzgauer, Montafuner, Algäuer, Schwytzer Berner, Schwarzenberg- Scheinfelder, Holländer und Kreuzungen; von den k. k. Therefianifchen Fondsgütern Dürnholz und Ziftersdorf die Schwytzer, Berner, Holländer und Kreuzungen diefer; von der Zuckerfabriks- Actien gefellfchaft Keltfchau die Shorthorn- Kreuzungen; von Emanuel R. von Proskowetz in Kwafsitz den deutfchen Landfchlag; von der Baron Simon Sina'fchen Domäne Rofsitz die Berner- Holländer Kreuzungen; von den herzoglich Coburg Gotha'fchen Domänen Dürnkrut, Ebenthal und Walterskirchen die Algäuer und Berner; von Graf Johann LarifchMönnich in Freyſtadt die Berner und Kreuzungen von Holländern und Oldenburgern; von Theophil R. von Oftaszewski in Wzdów die Holländer und Berner; von Graf Adam Potocki in Krzeffowice die Holländer und von den erzherzoglich Albrecht'fchen Domänen Tefchen und Saybufch die Holländer und Oftfriesländer: fo dürfte unter weiterem Hinblick auf die Maftthiere der Kuffer'fchen Zuckerfabrik in Lundenburg, von Anton Wachsmuth in Göding, Jacob Neumeyr in Münchendorf und Anderer in der Hauptfache der Inhalt der Ausftellung Oefterreichs gekennzeichnet und gleichzeitig gefagt fein, dafs fie ein fehr entsprechendes Bild von der thatfächlichen Sachlage entwarf. Es lag in der Ausftellung ein Stück Gefchichte der Rindviehzucht Oefterreichs vor unferem geiftigen Auge ausgebreitet. Wenn wir fie von der richtigen Seite auffaffen, können wir daraus fchätzenswerthe Lehren für die Zukunft fchöpfen. Die Wandelung in der Anfchauung, welches die zweckförderlichfte Thiertype ift, beftätigt uns allein die gewichtige Wahrheit: dafs Laune und Mode unbeftändig find und das wirthfchaftliche Intereffe die einzige Richtung ift, die Beftand hat, die zwar ab und zu behindert oder in einzelnen Fällen irre geleitet werden kann, jedoch fchliesslich immer wieder in die richtige Bahn zurückgelangen mufs. Oder was follten wir anders in dem beinahe durchgängigen Beftreben fuchen, die einftmals fo gefchätzten Berner zu verfeinern? In ihrer Urfprünglichkeit fie zu erhalten, fcheint bei uns, wie fich von der Ausftellung abftrahiren läfst, nicht der richtige Boden zu fein. Ein gegebenes Quantum Futter in die möglichft gröfste Menge Milch, Butter, Käfe oder Fleifch umzufetzen oder dafür möglichft viele Arbeit zu leiften, das ift heute das unbeftreitbare Ziel der Rinderzucht und das erreicht man in den verfeinerten Formen der Berner und in anderen Typen in der Regel beffer. Demfelben Drange verdanken wir nebft der Einführung des leichteren Bergviehes auch die Kreuzungen der Berner mit Holländern und dergleichen, fowie den Import der Holländer felbft. Nicht zu verkennen ift aber auch dem entgegen, dafs durch Beiziehung von Berner Blut mancher unferer heimifchen Landfchläge bedeutende Vervollkommnung erfahren hat, z. B. im Kuhlande, in der Gegend von MährifchTrübau u. f. w. Neben diefer Richtung, die hauptfächlich auf den grofsen Gütern Pflege findet, befteht dann die Züchtung der in Oefterreich heimifchen Racen und Schläge. Es fteht aufser Zweifel, dafs manche von ihnen ganz vorzüglich leiftungsfähige Thiere enthalten, es fei für Milchnutzung, zum Zuge oder auch zur Maft, oder die alle diefe Eigenfchaften- dann im natürlich mässigen Mafse vereinigt befitzen. In der Regel ift ihnen aber auch noch gleichzeitig als Kindern des Landes eine gröfsere Befcheidenheit in ihren Anfprüchen auf Fütterung, Haltung und Pflege eigenthümlich, was fie für den kleinen Viehzüchter fehr brauchbar erfcheinen läfst. 20 Johann Pohl. Diefem Umftande verdanken wir die Verbreitung des heimifchen Viehes, dem in der Ausftellung auch vollkommen Rechnung getragen war. Würde fich feiner die züchterifche Intelligenz mehr annehmen, könnten ficherlich auch damit grofse Erfolge erreicht werden, aber das ift leider bisher noch wenig der Fall; um fo freudiger müffen defshalb die nebft den in der Leobener Collectivausftellung bereits hervorgehobenen weiter vorhandenen Beifpiele begrüfst werden, die R. v. Komers mit feinen Egerländern, Baron Romaczkan mit dem Podolifchen Rinde, R. v. Proskowetz mit deutfchem Landfchlage und Andere geben. Die Berückfichtigung der individuellen Eigenthümlichkeiten, die in der deutfchen und öfterreichifchen Schafzucht und in der englifchen Viehzucht überhaupt ihre Triumphe feiert, ift hier noch zu wenig zur Anerkennung gelangt und damit wahrhaft Brauchbares meift nur Folge des Zufalles. Sich aber davon unabhängig zu machen, ift würdige Sache des denkenden Menfchen. Der mangelhaften Beachtung der Indivi. dualität ift es auch fernerhin zuzufchreiben, dafs fo wenig Conformität überhaupt zu finden ift. Diefs erftreckt fich aber nicht blofs auf die Heerden des kleinen, fondern auch auf die des grofsen Grundbefitzers. Farbenzeichnung wird oft viel mehr berücksichtigt, als tief im ganzen Bau begründete Formen, die natürlich höchft bedeutungsvoll für die Gebrauchstüchtigkeit find. Daneben exiftirt dann noch eine dritte Richtung, die jedoch erft jüngeren Entſtehens ift, und zwar jene, die in der öfterreichifchen Abtheilung durch die Keltfchaner Zuckerfabriks- Domäne und in der ungarifchen durch die erzherzog lich Albrecht'fchen Güter Ungarifch- Altenburg und Bellye Vertretung fand. Die Frühreife der englifchen Kunftracen fowie ihre Brauchbarkeit zur Maftung find gleich allgemein anerkannt und Frankreich, Belgien, Deutfchland und andere Länder haben fich fchon längft die Erfolge énglifcher Intelligenz und Confequenz auf thierzüchterifchem Gebiete zugewendet. Dasfelbe ftrebt in jüngfter Zeit, wie diefe Beiſpiele lehren und hinter denen noch andere ftehen, die aber auf der Ausftellung nicht vertreten find, auch Oefterreich an. Ehemals glaubte man zwar allgemein, dafs in den klimatifchen Verhältniffen Oefterreichs und Englands ein zu grofser Unterfchied beftände, um einen von Erfolg begleiteten Austausch von Nutzthieren möglich zu machen; die Erfahrung hat aber diefe Anfchauung als Vorurtheil conftatirt und uns eines Befferen belehrt. Schon feit mehr als einem Jahrzehnt werden auf der Domäne Ungarifch- Altenburg Shorthorns gezüchtet, trotzdem diefelbe unter gegen England ganz heterogenen Verhältniffen liegt, wie wir es in Cisleithanien kaum wiederfinden. Von Keltfchan aus wird dasfelbe beftätigt und gefagt, dafs fowohl die importirten Thiere wie auch die Nachzucht, gleichviel, ob Reinblut, ob Kreuzungsproducte, fich bei zweckmäfsiger Behandlung des beften Gedeihens erfreuen. Damit gelangt diefe Frage in ein Stadium, wo der Calcul Urtheil fpricht und dabei ftellt fich die heutige Entwicklung der wirthschaftlichen Verhältniffe immer mehr auf die Seite des englifchen Rindes. Shorthorn- Reinzucht zu treiben, das dürfte allerdings nur an wenigen Orten angezeigt erfcheinen, denn dazu gehört, um möglichen Erfolg zu erreichen, nicht allein bedeutende Capitalskraft, fondern auch höhere züchterifche Begabung und Ausbildung die fernerhin noch mit Liebe zur Sache vereinigt fein müffen. Die Züchtung von Vollblutthieren ift am beften den mit diefen Vorzügen ausgeftatteten Landwirthen zu überlaffen und in meiften Fällen, wo es gilt, Fleifch zu produciren, der von Keltfchan und Altenburg eingefchlagene Weg zu betreten. Derfelbe befteht in der Züchtung und Benützung von Halbblutthieren. Nach gefälligen Mittheilungen von erfterem Orte follen die weiblichen Kreuzungsproducte nach Kuhländern, Mürzthalern und der Landrace ihren reinblütigen Müttern in Milchleiftung nicht nachftehen, vielmehr fie in vielen Fällen noch übertreffen und ungleich beffer in Bezug auf Fleiſch und leichte billige Ernährung fein. Die männlichen Halbblutthiere nähren fich leicht, entwickeln fich rafch und mäften fich gut aus, fo dafs fie im Alter von 22 Jahren feift ausgefüttert zum Verkaufe gelangen können. Von Unga rifch- Altenburg finden wir einen diefe Ausfage controlirenden und gleichzeitig Thierzucht. 21 beftätigenden Beleg ausgeftellt; der Shorthorn- Kreuzungsochfe Nr. 774 ift bei einem Alter von 2 Jahren 4 Monaten beftens entwickelt und ausgefüttert und wiegt. 1634 Pfund Zollgewicht. Bei fämmtlichen hieher gehörigen exponirten Thieren begegnete uns eine Energie im Durchfchlagen des englifchen Blutes, die auf eine ausgezeichnete Confolidirung der edlen Vaterthiere fchliefsen läfst. Nach alldem drängt fich die Frage auf, welche von diefen Richtungen nach der heutigen Sachlage als die zweckförderlichfte anzufehen ift. Die Antwort ift kurz und lautet einfach: Alles auffeinen Platz. Die natürlichen und wirthfchaftlichen Verhältniffe bilden in einem gegebenen Falle den Boden, zu dem der Thierzüchter, um ihn auszunützen, mit feiner Capitalskraft und feiner Befähigung herantritt. Sie fowohl einzeln wie in ihrer Gefammtwirkung richtig zu erkennen und zu erfaffen, ift feine erfte Aufgabe. Davon hängt in erfter Linie der Erfolg feiner Mühen ab. So verfchiedenartig combinirt fie vorkommen können, ebenfo verfchiedenartig wird auch fein Streben fein müffen. In der Vielgeftaltigkeit der Formen und Eigenfchaften des Rindes überhaupt, deren jede einzeln gewiffermafsen als Gegenftück zu einem Punkte in der Situation anzufehen ift, findet er reichliche Auswahl. Beide ineinander zu paffen, das ift der grofse Wurf, der das Refultat bedingt. Wir fehen daraus, dafs in der Thierzüchtung für verfchiedene Fälle auch verfchiedene Ziele feftgeftellt werden müffen und darob keine Zuchtrichtung für abfolut gut gelten kann. Die heutige Zeit duldet keine ftarren Zuftände und drängt unwiderftehlich auf oder ab, vorwärts oder rückwärts. Sowie der Züchter in der Modification feines Zieles dem freiwillig oder gezwungen durch die Macht der einwirkenden Umstände Rechnung trägt, fo folgt auch im Grofsen die Ausdehnung der Zucht überhaupt diefem Dictate. Aus der Differenz des Rindviehftandes zwifchen 31. October 1857 und 31. December 1869, wie nachfolgende Tabelle gleichzeitig mit dem Stande nach an letzterem Datum ftattgehabter ftatiftifcher Erhebung angibt, dürfte fich demnach manche fchätzenswerthe Reflexion ziehen laffen( fiehe Tabelle Seite 22). Diefe Zahlen würden noch fehr bedeutend an Deutlichkeit gewinnen und geradezu in der Plaftik des Bildes nichts zu wünſchen übrig laffen, wenn wir die über den Verkehr an Schlachtvieh( Ochfen und Stieren) Oefterreich und Ungarn gemeinfam betreffende von Dr. J. R. Lorenz im Pavillon des h. k. Ackerbauminifteriums ausgeftellten Daten( wie die auf Seite 23 folgende Tabelle zeigt) ohne Referve hinnehmen könnten. Wir werden dabei aber nur zu deutlich an die Verhandlungen der vom k. k. Handelsminifterium im Jahre 1868 einberufenen Approvifionirungsenquête erinnert, wobei der Reichsraths- Abgeordnete und Landwirth Ritter von Agopfowicz den Ausfpruch that, dafs an der ganzen Grenze von Galizien und der Bukowina ein fyftemifirter Schleichhandel beftehe, der fogar durch geheime Verficherungsconfortien in Rufsland gegen das Rifico der Contrebande Schutz findet. Da nun aber gerade weitaus der gröfste Verkehr in Schlachtvieh an diefer Grenze ftattfindet, fo läfst fich annehmen, dafs obige Zahlen, die die Einfuhr betreffen, gegenüber der Wirklichkeit noch zurückbleiben. Nur nebenbei fei gefagt, dafs auf diefe Weife unaufhörlich neuer Zündftoff für Rinderpeft herübergetragen werde. In der ungarifchen Abtheilung ftanden 249 Stück Rinder und einige Büffel. Abgerechnet die wenigen Zuchten der erzherzoglich Albrecht'fchen Domäne Ungarifch- Altenburg, beftehend in Algäuern und Shorthorn- Kreuzungen, und Bellye enthaltend reine Shorthorns und Kreuzungen beider mit Bernern und Holländern; des Grafen Sigmund Berchthold in Preffing, beftehend aus Holländern; die des Pachtgutes Saffin, enthaltend Simmenthaler, jene von Alexander und Paul R. v. Schöller in Léva, beftehend in Bernern, und einiger Anderen, find beinahe nur Rinder ungarifcher Race da. Die erfteren fallen in ihrem Charakter im grofsen Ganzen mit den Heerden des öfterreichifchen Grofsgrund- Befitzes zufammen. 22 Johann Pohl. Rinder ft and Entfallen Oefterreichs Rinder ftand. Der Rinderftand hat fich vom 31. October 1857 bis 31. December 1869 am 31. December 1869 Stücke auf vermehrt um vermindert um Länder Ochfen und Stiere Kühe Kälber bis zu 3 Jahren Eine Taufend Ochfen Summe Quadr.- Einwoh- und Meile Stiere Kälber Ochfen Kälber ner 3 Jahren Kühe bis zu Summe und Stiere Kühe bis zu 3 Jahren Summe Niederösterreich 98.709 276.315 128.968 503.992 1.465 258 Oberösterreich Salzburg Steiermark Kärnten. Krain. 89.756 243-443 142.320 475.519 86.106 65.668 167.369 15.595 2 286 650 1. 1 12.458 4 491 8.258 25.207 7.424 2.742 2.309 12.475 1.339 1.108 1 2.311 10.160 7.530 20.001 118.236 265.581 212.130 595-947 43,988 87.104 101.699 232.791 55.258 189.540 55.211 79.071 1.528 527 1.326 831 17.685 19.842 1 1.293 693 10.716 10.716 5.433 2.606 1.089 409 ΙΟΙ 1 895 1.996 1.519 8.039 1.519 Trieft, Görz, Gradiska und Iftrien Tirol und Vorarlberg Böhmen. Mähren 36.875 50.459 20.692 108.026 244-722 177.636 461.439 39.081 234-724 882.972 484.319 1,602.015 63.718 321.277 152.310 537-305 777 185 1.944 1.944 3.118 1.248 4.366 905 525 40.976 40.976 I.179 11.050 12.229 1.774 313 1 48.880 82.016 102.891 233 787 1,392 269 925 22.775 25 262 48.962 Schlefien 9.685 112.398 51.058 173.141 1.945 339 1 I 288 4.012 14 282 19.582 Galizien Bukowina Dalmatien. 365 429 1,083.203 73-734 621.940 2,070.572 1.528 382 57.120 57.120 117.488 194.710 312.198 68 247 46.060 24.751 82.443 224.424 12.321 83.132 1.233 438 374 188 1 413 10.086 8.153 692 13.615 7.942 9.258 31.643 Summa 1,285.314 3,831.136 2,308.762 7,425.212 1.326 58.052 73.216 73.216 132.594 212.522 155.407 371.337 739 266 Thierzucht. Oefterreichs Rinderhandel. Einfuhr Jahr Ausfuhr Einfuhr Jahr Stück Ausfuhr Stück 1831 65.089 31.040 1852 80.851 32.348 1832 79.905 34.411 1853 64.932 38.125 1833 78.636 32.114 1854 50.537 24.450 1834 53.938 29.177 1855 49.239 29.429 1835 76.774 27.948 1856 61.809 26.899 1836 101.887 27.733 1857 48.801 35.144 1837 92.641 30.180 1858 73.600 30.707 1838 89.878 28.751 1859 73.233 38.285 1839 92.061 27.244 1860 60.148 47.010 1840 100.253 30.135 1861 86.196 47-538 1841 88.925 30.304 1862 83.511 39.431 1842 95.133| 32.361 1863 62.181 35.472 1843 IIO.175 55.659 1864 57.947 43.635 1844 114.333 45.180 1865 38.757 66.663 1845 61.574 35.853 1866 46.189 73.431 1846 89.815 35.161 1867 71.169 78.316 1847 86.548 31.843 1868 108.923 46.274 1848 31.029 13.543 1869 115.024 70.955 1849 56.937 12 383 1870 IIO.421 54.781 1850 74.130 32.434 1871 94.227 63.505 1851 71.522 30.673 23 Einen eigenthümlichen Eindruck machen dagegen die Kinder der ungarifchen Steppen, die in ihren äufseren Formen, fowie in ihren Eigenfchaften, fich nicht fo recht eigentlich mit den uns für die Beurtheilung des Rindes geläufigen Kriterien meffen laffen. Von beachtenswerther Seite wurde darob ihr Werth angezweifelt und andererfeits wieder dem entgegen von fehr in die Verhältniffe eingeweihter Seite ihnen derfelbe zuerkannt. Wir wiffen, dafs Ungarn uns ein Rind liefert, das ausgezeichnet zum Zuge ift, das einen ausgiebigen und rafchen Schritt hat, das Ausdauer befitzt und das damit gleichzeitig, Dank feiner harten und ftarken Haut fowie feiner fonftigen Organiſation, gegen Witterungseinflüffe grofse Widerftandsfähigkeit vereinigt. Daneben gibt es ein fehr brauchbares Maftungsmateriale, von dem wir ein feinfaferiges und fchmackhaftes Fleiſch erhalten. In Milchergiebigkeit und Frühreife fteht es allerdings hinter den weftlichen Racen zurück, aber es läfst fich ficherlich behaupten, doch nicht in höherem Grade, als es fich durch feine befonderen Vorzüge auf der anderen Seite wieder auszeichnet. Kurz, das ungarifche Rind wird dadurch eine eigenthümliche und prononcirte Schöpfung, die eigens beurtheilt fein will. Im Haushalte feines Organismus haben fich in Folge deffen, dafs es unausgefetzt mit den den Steppen Ungarns eigenthümlichen Witterungsverhältniffen und ihrer häufig wiederkehrenden Futternoth ohne viel Unterſtützung von Seite des Menfchen zu kämpfen hat, Eigenheiten entwickelt, die es einzig und allein zum Widerftande gegen diefe Schädlichkeiten befähigen. Solange letztere aber wirkfam bleiben und man ihnen durch andere Haltungsweife nicht aus dem Wege gehen kann, dürfte das ungarifche Rind für feine Heimat nichts von feinem Charakter entbehren können. Dem entgegen lehrt uns aber die Erfahrung, dafs die zunehmende Cultur, die ein Wachfen des menfchlichen Einfluffes auf die Natur einfchliefst, diefe Widerwärtigkeiten mit immer 24 Johann Pohl. gröfserem Erfolge bekämpft und daher das Terrain für die Berechtigung feiner Haltung immer mehr verringert werden mufs. In der Thatfache, dafs man vielerorts auch ausländifche Rinder importirt, findet diefe Anfchauung Bekräftigung. Auch innerhalb der ungarifchen Race gibt es Unterfchiede, das heifst Schläge, die fich zwar in den Hauptzügen unter einander gleichen, aber in untergeordneten Merkmalen von einander abweichen. Von den hervorragenden Ausftellern find zu nennen: die Grafen Bethlen, Herzog von Coburg- Gotha( Vacs). Graf J. Csekonits( Szombolya), königlich ungarifche Geft üts wirthschaft in Mezőhegyes, Abraham Schwarz( Okány), Baron Ludwig Sennyey,( Páczin), Fürft Primas Johann Simor( Gran), Graf Friedrich Wenckheim( O- Kigyós), Graf Johann Nep. Zichy( Vraszló), dann ,, Agricola", die Actiengeſellſchaft für landwirthfchaftliche Unternehmungen in Kapuvár, welche noch in anerkennenswerther Weife befonders fich bemüht hatte, dem Befucher einen Einblick in das romantifche Hirtenleben auf den Pufzten Ungarns zu verfchaffen, u. f. w. Die Genannten haben Zuchtvieh ausgeftellt. Dazu könnte nun noch eine Reihe von Namen genannt werden, die das ungarifche Rind im gemäfteten Zuftande zeigen, als: die Zuckerfabriks Wirth fchaften Diószegh und Edelény, Graf A. Eszterházy( Cseklesz), Graf Moriz Sándor ( Bajna), Baron Moriz Wodianer( Komjáth), u. f. w. Was die ausgeftellten Büffel anbelangt, fo können fie wohl nur als Beitrag zur Vollständigkeit des Culturbildes angefehen werden, das die Ausftellung von den Verhältniffen der Viehzucht in Ungarn entwirft. Beachtensweith erfcheint es, dafs Ungarn einen Büffelftand von 72.243 Stück befitzt. Sein Hornviehftand beträgt dem entgegen nach den Erhebungen vom Jahre 1870 5,206.757 Stück, die fich, wie wir der Schrift ,, Ungarn auf der Weltausftellung" entnehmen, vertheilen: in Ungarn auf eine Quadratmeile 3197 Stück " Siebenbürgen 1928 " Kroatien und Slavonien. 27 der gewefenen Militärgränze 1016 1673 27 auf 1000 Einwohner 1072 Stück 875 247 17 812 " Vergleicht man die Ergebniffe der eben angeführten Zählung mit der ihr letzt vorausgegangenen, das ift jener vom Jahre 1857, fo erfährt man, dafs innerhalb diefer Periode eine Abnahme von 6 Percent ftattgefunden hat. Der ausgedehnten Umwandlung von Wiefen und Weiden im Ackerland namentlich in Folge der Theifsregulirung und der Furcht vor der Rinderpeft wird diefe Erfcheinung zugefchrieben. - - Jenfeits des Heuftadelwaffers war in einem eigens für den Zweck aufgeführ ten Maiereigebäude von der k. k. Wiener Landwirthschafts- Gefellſchaft die bereits oben erwähnte permanente Ausftellung öfterreichifcher MelkviehRacen in Scene gefetzt. Theils durch andere Landwirthschafts- Gefellſchaften, theils durch einzelne Privaten waren von den betreffenden Racen je drei Stück Kühe aufgeftellt, und zwar: Mariahofer von Baron R. Walterskirchen, Lavanthaler von der k. k. landwirthfchaftlichen Gefellſchaft in Klagenfurt, Stockerauer von H. Schwarz in Leopoldsdorf, Oberinnthaler von der k. k. Tiroler Landwirthfchafts Gefellſchaft, Podolifche von Baron J. Romaczkan in Horodenka, Mürzthaler von Ritter G. v. Wachtler, * Ift zwar nicht als eigentliche Melkvieh- Race anzufehen und wurde hier nur wegen ihrer grofsen Verbreitung und weil fie anderen Racen die Entftehung gegeben hat, auf geſtellt. Thierzucht. Opocner von der k. k. Domäne Tachlowitz, Montafuner von J. A. Ritter von Tfchavoll in Feldkirch, Kuhländer vom landwirthfchaftlichen Verein Neutitfchein, Pinzgauer von der k. k. Landwirthschafts- Gefellſchaft in Salzburg, Möllthaler von der k. k. Landwirthfchafts- Gefellfchaft in Klagenfurt, Pusterthaler von der Tiroler k. k. Landwirthschafts- Gefellſchaft, Zillerthaler " دو 99 99 99 " 25 Lichten oder Welferfchecken von der k. k. Landwirthfchafts- Gefellſchaft in Linz, Egerländer von A. E. Ritter von Komers in Moftau und Gföhler von Baron H. Pereira Arnftein in Schwarzenau. Die Befucher der Weltausftellung follten dadurch mit den öfterreichifchen Melkvieh- Racen bekannt werden. Es liefs fich zwar nicht erwarten, dafs der Einzelne ein ficheres Urtheil mitzunehmen im Stande fein würde, das ift durch blofses Betrachten von nur drei Stück wohl nicht möglich; aber er konnte von den verfchiedenen Typen fich in den Hauptzügen ein Bild erwerben, das manchen Fingerzeig für weitere Nachforfchungen enthält. Ebenfo wenig ftand zu hoffen, dafs trotz Wägungen und Probemelkungen hier der Werth der einzelnen Racen und Schläge werde fichergeftellt werden; dafür ift erftens die Beobachtung nur dreier Stück nicht hinlänglich und zweitens diefe Gelegenheit, wo die Thiere fo viel beunruhigt werden, nicht paffend. Schafe. Von welchem Belang die Schafzucht überhaupt ift und welcher Verkehr in Thieren diefer Art ftattfindet, wird am beften durch Mittheilung von Dr. L. Wittmack's ftatiftifchen Erhebungen erfichtlich( fiehe Tabellen Seite 26 und 27). Ihre Vertretung auf der Ausftellung war eine ungleich beffere gegenüber der der Rindviehzucht zu nennen und gleichzeitig eine für die Lage der europäifchen Schafzucht fehr bezeichnende. England vertrat feine Fleiſch- Schafzucht vorzüglich. Klangvolle Namen, die bereits am Continente beftens bekannt find, betheiligten fich, indem fie ihre Züchtungsproducte herbeibrachten und zwar: Swanwick Ruffel in Cirenceſter, Cotswoldkreuzungen; Lord Sondes in Elmham Hall, Thetford, Southdowns; Lord Walfingham in Merton Houfe, Thetford, Southdowns; Ruffel Robert & John in Horton Kirby, Dartford, Hampſhire downs und Kentfchafe; Treadwell John in Upper Winchendon, Aylesbury, Oxfordshire downs; Lord Chesham in Latimer Bucks, Skropfhire fheeps; Dudding William& Henry in Panton Houfe bei Wragby, Linkolnfhire fheeps; und Andere. Zufammen find 113 Stück da. Der Einfluss der englifchen Fleifchthiere auf die continentale Schafzucht ift, wie fich heute bereits feftftellen läfst, ein fehr bedeutender und damit am beften ihr Werth anerkannt. Gleich dem englifchen Rinde ift auch das englifche Schaf durch die Intelligenz des Menfchen auf einen Höhepunkt gebracht, der in feiner Art nirgends auch nur annähernd erreicht ift und in Fällen, wo feine Vor züge begehrenswerth erfcheinen, nicht aufser Auge gelaffen werden darf. Seine Aufgabe ift zwar eine ganz andere, als die des continentalen Schafes, aber fie wird von der Zeit dictirt, und was in England fchon durch ein Jahrhundert der Fall, dahin werden auch wir jetzt immer mehr gedrängt. Der Unterfchied im Klima und in allem davon Abhängigen zwifchen der infularen Lage Englands und den Binnenländern Europas wird heute als kein Hindernifs mehr für feine Uebertragung angefehen und nur die Vorficht empfohlen, fich in der Regel an die leichteren Typen zu halten, die den weniger günftig gelegenen Gegenden entftammen, damit diefelben fo keinen zu ftarken Uebergang zu überftehen haben, 26 Johann Pohl. Schafe inclufive Ziegen beftand in den einzelnen Ländern. Anzahl der Stücke Länder im Stück Jahre per 1000 Einwohner per geographifche Quadratmeile Europäifches Rufsland 1867 43.770.000 714 105 Afiatifches Rufsland 1867 10,000.000 797 1868 35.607.812 1869 34.250.272 Grofsbritannien 1870 32,786.783 1871 33,483.500 1.041 718 1862 33,281.592 Frankreich 1866 30.386.233 795 614 1866 31,794.950 Deutfches Reich 1867 31,170.962 732 3.028 1864 19,329.030 Preufsen 1867 22,262.087 927 3.465 Baiern 1863 2,039.983 422 1.494 1866 703.656 Württemberg 1867 655.856 369 1,853 Sachfen • 1867 304.087 126 I.II4 Baden 1869 355.639 127 656 Spanien 1865 22,054.967 1,353 2.397 1864 16,573.459 Oefterreich 1869 Italien 1867 II, 040.339 Griechenland 1867 20,103.395 575 1.785 453 2.054 2,539.538 1.884 2.790 Portugal 1862 Dänemark 1866 2,427.123 608 I.495 1,875.052 1.166 2.094 Norwegen 1865 1,705.394 1.003 296 1866 1,650.000 1867 1,621.931 Schweden 1868 1.409.195 1869 1,539.079 369 192 Schweiz 1866 445.400 177 592 1867 1,027.215 Holland 1868 950.054 1869 926.907 248 I.555 1865 583.485 Belgien 1866 856.097 173 1.603 1867 32,795.797 Vereinigte Staaten 1869 40,851.000 1870 31,851.000 1.313 243 Südafrika Auftralien 1867 10,169.007 1,060 996 1871 51,294.241 28.497 447 Thierzucht. Schafhandel. 27 Einfuhr Ausfuhr Länder Im Jahre Stück Stück I, 452.087 1869 84.437 Frankreich 1,654-590 1872 61.627 669.905 1870 7.452 Grofsbritannien 917.076 1871 7.533 104.656 1869 1,188.929 Deutfches Reich 119.857 1870 1,629.807 324.088 1871 1,790.757 III.094 1869 397.208 Oefterreich 92.702 1870 226.336 115.637 1866 55.015 Belgien 108.066 1867 34.287 Holland 69.282 1870 388.332 Italien. 32.328 1868 128.396 Spanien Dänemark. Schweden. 36.527 1868 43.486 10.032 1868/69 8.651 10.803 1869/70 7.862 6 1868 7.401 291 1869 8.476 1870 45.465 Vereinigte Staaten. Rafche Entwicklungsfähigkeit im Körper und hohe Ausnützungsfähigkeit des Futters ift ihnen allen eigen. Aus Italien kamen 22 Stücke Bergamasker Schafe von den landwirth fchaftlichen Comités Bergamo und Turin. Zur Vollständigkeit des Bildes ift ihre Gegenwart zwar fehr werthvoll, doch dürfte fich in ihren Formen fowie in ihrer Wolle nicht viel finden, das für die Züchter der übrigen Culturftaaten von Bedeutung wäre. - Frankreichs Ausftellung war zwar auch nicht fehr zahlreich 69 Stück dafür aber um fo gehaltvoller befchickt. Die bekannten Heerden von Gilbert M. Victor in Wideville, Lefebvre Ch. in St. Escobille, die Nationalfchäferei von Rambouillet, Varin d' Espenfival in Espenfival und Baille au in Illiers nehmen daran Theil. Während die englifchen Thiere theilweife gefchoren waren, hatten die Franzofen ihre bis an die Nafenlöcher bewachfenen Schafe in der Wolle gefchickt und das wohl aus gut begreiflichen Gründen. - - Mit Ausnahme der wenigen Mouchamp- Schafe gehören fie insgesammt der Race der franzöfifchen Merinos oder den Rambouillets an, deren Charakter in der Hauptfache in einem dem deutfchen Merinofchafe gegenüber kräftigeren Das hindert und maftfähigeren Körper mit feiner und edler Kammwolle befteht. aber das Obwalten von Unterfchieden zwifchen den einzelnen Heerden nicht; fo bleibt die Nationalfchäferei Rambouillet hinfichtlich der Körperftärke und der Bewachfenheit gegenüber den übrigen zwar etwas zurück, zeichnet fich dafür aber durch Dichtheit und Wollbefchaffenheit aus. Zu den intereffanteften Objecten der Thierausftellung im Mai gehörten ohne Zweifel mit die in der Schäferei der Farme Pomeraye gezüchteten und von Rambouillet ausgeftellten Mouchamp- Schafe, die aber, weil fie im Kataloge nicht befonders bezeichnet waren, von Vielen über 28 Johann Pohl. gangen wurden. Ihr hauptfächlichftes Merkmal bildet der feidenartige Glanz, der der fonft flatterigen und langen Wolle mit mangelhaftem Befatze eigen und der bei keiner anderen Schafrace auch nur annähernd wieder zu finden ift. Ihn fucht man feit dem Jahre 1828, wo das erfte Lamm damit fiel, zu erhalten und die Ausftellung zeigt, dafs es bisher gelungen, die ehemalige Mangelhaftigkeit im Körperbau zu verbeffern. Ob indefs die Züchtung diefes Schafes als bereits auf einem Ruhepunkte ftehend angefehen werden kann, das möge dahingeftellt fein; einftweilen wird es hauptfächlich zur Kreuzung benützt, um damit dem Rambouillet- Schafe den hochedlen Seidenglanz mitzutheilen. Producte diefer Art zeigte die Ausftellung auch. Zur Förderung der Schafzucht Frankreichs hat die Staatsregierung nicht Unwefentliches beigetragen, und die Mittheilungen von Guftave Henzé, dafs von Seite der Nationalfchäferei Rambouillet Mutterfchafe Böcke vom Jahre 1797 bis 1834 1835 1853 1854 " 2.505 Stück 715 2.805 Stück 761 " 1872 1 089 21 735 4.309 4.301 " verkauft wurden, dabei Mittelpreife erzielt wurden gleichzeitiger Mittelfür ein Mutterfchaf preis eines Kilo Wolle für einen Bock Frcs. Cent. 462 16 392 54 . 859 84. Frcs. Cent. Frcs. Cent. 183 83 4 39 62 39 2 90 398 36 vom Jahre 1797 bis 1834 1835- 1853 " 27 9: 1854 1872. 2 38 und dabei der pecuniäre Effect für die Schäferei felbft folgender war: vom Jahre 1835 bis 1853 jährliche mittlere Ausgaben Einnahmen Verluft. 53.303 Frcs. 37 Cent. 36.955 16 99 13.348 Frcs. 21 Cent. vom Jahre 1854 bis 1872 jährliche mittlere Ausgaben ** Einnahmen Gewinn " 115.231 Frcs. 50 Cent. 90.057 48 99 25.174 02 " find als bedeutfame Thatfachen anzufehen und ebenfofehr jene, dafs mit der Bezeichnung Rambouillet- Schaf die franzöfifche Merinotype überhaupt benannt wird. Deutfchland und Oefterreich find Frankreich gegenüber einzig und allein in Rambouillets und Mauchamps tributär geworden; was Fleiſchfchafe anbelangt, ift letzteres gleich uns von England abhängig. Auch in diefer Beziehung fucht die Staatsregierung durch die vormals vom Jahre 1849 bis 1858 in Montcavrel( Pas de Calais) beftandene und jetzt feit diefer Zeit in HautTigry untergebrachte, auf Dishley- und Dishley- Merinozucht gegründete NationalStammfchäferei dem Fortfchritte Unterſtützung angedeihen zu laffen. Aus derfelben Quelle, wie das über Rambouillet Angeführte, erfahren wir, dass auf diefe Weife an Zuchtthieren im Lande Vertheilung fanden refpective verkauft wurden: Thierzucht. Böcke Mutterfchafe 29 Aus der Schäferei Montcavrel vom Jahre 1849 bis 1858 Aus der Schäferei Haut Tigry vom Jahre 1859 bis 1869 438 Stück à 274 Frcs. 30 Cent. 20 Stück à 175 Frcs $ 473 77 à 341„ 16 56 Die Ausftellung des deutfchen Reiches, die aus 337 Stück beftand, machte fo ganz einen andern Eindruck. Neben den hochgezüchteten Heerden des deutfchen Merinofchafes von Silberkopf( Baron Friedrich Eikftädt); Ofchatz ( Robert Gadega ft); Saatel( R. Holtz); Koppelow( C. von Levetzow); Carlsdorf( Rudolf Mens); Grofs- Böla( Heinrich Müller); Grofs Hochfchütz ( Graf Arthur Sprinzenftein); Medow( H. Steffen); Leutewitz( Heinrich Adolf Steiger); Prieborn( G. von Schoenemark); Deutfch Krawarn( W. von Fontaine); Ober Glogau( Graf Ed. Oppersdorf); Liptin( Alfred von Rudzinski- Rudno); Culm( G. von Wiedebach); Oporowo( Graf M. K wilecki); Nitfche( Robert Lehmann); Lenfchow( Baron Maltzahn) u. f w. ftanden andere, die ihren Stempel vom Auslande her erhalten haben; es fei entweder von Frankreich wie Buchholz( Ludwig Schröder); Gerbin( Hermann Kannenberg); Wufterwitz( A. Schimmelpfennig); Narkau( R. Heine); Haubitz( C. H. Kayfer); Ramsdorf( Alexis Peltz); Lappenhagen( Ferdinand Schwartz); Grüben( Graf Colonna Walewski); Hungerstorf( F. W Zickermann) und Andere, oder von England, als: Drehfa( Baron Magnus); Sefchwitz( F. Neide); Prieborn( Georg von Schoenemark); Canena( G. Stahlfchmidt); Grofs Lafferde( Ernft Böttcher); Breftau( A. M. Schön) u. f. w. Ausserdem feien noch erwähnt: die Haidefchnucken, die H. Sprengel aus Schillingslage und die Kreuzungen zwifchen fchwäbifchem Landfchlage und Rambouillets die G. Deuringer aus Langweid ausftellte. Obzwar im Ganzen genommen die Ausftellung recht zahlreich befchickt erfchien und bis dahin unerreicht noch in Oefterreich dafteht, fehlte doch manche Heerde von grofsem züchterifchen Werthe. Namentlich läfst fich diefs von PreufsifchSchlefien fagen, das fonft bei folchen Anläffen in der Regel hervorragend in die Bahn zu treten pflegt. Nicht wenig hat dazu das Mifstrauen in die Exactheit der heutigen Taxationsmethode der Thiere verknüpft mit dem Prämiirungsfyfteme beigetragen. Deutſchland brachte nach jeder Seite hin Vorzügliches und zeigte damit, wie weit man es durch forgfältige Berücksichtigung der Individualität bringen kann. Es war damit nicht allein im Stande, die von anderen Nationen übernommenen Vorzüge zu conferviren, fondern auch, wo es die natürlichen und wirthschaftlichen. Verhältniffe wünfchenswerth erfcheinen liefsen, diefelben entſprechend zu modificiren und zu vervollkommnen, und fo den Thieren einen neuen felbftftändigen Charakter aufzuprägen In neuefter Zeit zeigt fich diefs wieder an den importirten Rambouillet- Schafen, die unter günftigeren Verhältniffen Norddeutſchlands meiftentheils durch zielgerechte Kreuzungen mit Negrettiblut zu Wollträgern umgefchaffen wurden, welche erftens einen dichteren Wollftand und zweitens eine feinere Wolle befitzen. In diefen Producten glaubt man dort gleich brauchbare Woll- und Fleifchfchafe gewonnen zu haben. Auch für die Schafzucht hat fich die Situation wefentlich geändert; die Fortfchritte fremdländifcher Züchter, ihr Bekanntwerden und ihre leichter gewor dene Zugänglichkeit, die Entwickelung der mechanifchen und Schafwoll- Induftrie, die gröfsere Fleifchconfumtion, die Concurrenz transmariner Länder in der Wollproduction, der Wechfel im Gefchmacke des Publicums, die Gewinnung befonderer Futtermittel durch die landwirthfchaftliche Induftrie u. f. w. haben fich jähr 30 Johann Pohl. lich mehr Beachtungswürdigkeit und thatfächlich auch mehr Beachtung erworben, und in ihrem Zufammenwirken die heutige gegen ehemals ganz veränderte Lage gefchaffen. Der Züchter von heute weifs, dafs er nicht mehr blos die Befchaffenheit der Wolle ins Auge zu faffen hat, fondern auch darüber den Körperbau nicht vernachläffigen darf; ja dafs letzterer oft fogar in den Vordergrund der Berückfichtigung treten mufs. Nicht mehr hochfeine und hochedle Wolle mit all ihren Vorzügen allein zu erzeugen gilt heute als unbeftrittenes Ziel dem Züchter, fondern der Calcul fetzt das jeweilig anzuftrebende goldene Vliefs" feft. Das Verhältnifs zwifchen Körpermaffe, Wollmenge, Wollfeinheit etc. wird beliebig verfchoben und nur dahin im Principe feftgeftellt, wie es die befte Verwerthung eines gegebenen Quantums Futter ermöglicht. In vielen Fällen liefs fich auch auf der Ausftellung das Fortfchreiten der Schwenkung von Wolle zur Fleifchproduction wahr nehmen. Es bildet diefe Richtung geradezu einen fehr wefentlichen Theil der Signatur für die heutige Schafzucht, und wie überhaupt in jedem Uebergangsftadium zu einer neuen Epoche die abfterbende Macht nochmals alle Kräfte zufammenrafft, um fich zu behaupten und die alte Herrfchaft wieder herzustellen, fo hat es auch hier an Kämpfen nicht gefehlt, ja die vollſtändige Waffenruhe ift fogar heute noch nicht hergeftellt; aber die Gewalt der Dinge hat fich gleichfalls mächtiger gezeigt als die der Menfchen. Der deutſche Ausftellungskatalog gibt in einer Notiz den ziffermäfsigen Beleg hiefür, in der es heifst; dafs nach ungefähren Schätzungen und ftatiftifchen Erhebungen von den 29 Millionen Schafen, die das deutfche Reich befitzt, circa 14 Millionen der Merinorace und deren Unterabtheilungen, circa 7 Millionen den englifchen Racen und deren Kreuzungen und circa 8 Millionen den fogenannten Landfchafen angehören. Deutfchland erkannte früher die Bedeutung der Schatten, die die Ereig. niffe vorauswarfen und trug ihnen durch die That Rechnung. Dadurch ift es uns um einen weiten Schritt voraus und befitzt eine Anzahl Stammheerden, die die verfchiedenen, durch die eingetretenen Verhältniffe neu gefchaffenen Ziele in ganz eminenter Weife repräfentiren. Diefe haben für uns gegenüber den engliſchen und franzöfifchen auch felbft abgefehen von den letztere betreffend bereits oben erwähnten Vorzügen manches voraus, als durch ihre Lage gebotene leichtere Erreichbarkeit und die Vortheile der Acclimatilation. Der formenden Schöpfungskraft der deutfchen Züchter ift damit Gelegenheit geboten, fich noch weiter und neuerdings zu bewähren. Ebenfo gut als es immer längerer Zeit bedarf, bevor eine neue grofse Idee in Fleiſch und Blut übergegangen ift und die ihr entsprechende Bewegung erzielt hat, ebenfo überfchreitet diefelbe nur zu leicht in einzelnen Fällen, wie auch im Ganzen ihre Grenzen; dasfelbe können wir hier wieder in den Anfchauungen jener Züchter wahrnehmen, welche heute behaupten, dafs die Zukunft dem englifchen Fleifchfchafe einzig und allein gehöre. Local mag diefs ganz richtig fein, aber über ein ganzes grofses Land mit verfchiedenartig befchaffenen Verhältniffen dasfelbe auszufprechen, dürfte als etwas gewagt erfcheinen. Das Fleiſchſchaf fetzt die Erfüllung derartig günftiger Bedingungen voraus, wie fie nicht überall geboten werden können, und entweder fich nur mit unverhältnifsmässigem Aufwande oder überhaupt gar nicht befriedigen laffen; während dem entgegen die Anfprüche des Merinofchafes viel befcheidene find und dasfelbe unter feiner Natur entfprechenden Verhältniffen noch lange fteht, wo fein Concurrent fchon darben müfste und dabei, ftatt feine hohen Vorzüge zu entwickeln, verkümmern würde. Solcher Verhältniffe gibt es aber fehr viele. Hochzucht mit Merinofchafen zu treiben, ift auch nicht Jedermanns Sache und die bisherigen Siege des Wiffens und des Könnens über den Widerftand der Natur waren und können noch immer, wie beiderfeits Beiſpiele lehren, fo erfolgreich fein, um auch den heutigen geänderten Verhältniffen gegenüber noch Stand zu halten. Der Berichterstatter der 1867er Parifer Ausftellung, Regierungsrath Profeffor W. Hecke fprach in feinem diefsbezüglichen Berichte fchon diefen Gedanken aus und motivirte ihn damit, Thierzucht. 31 dafs die Heerden in den überfeeifchen Ländern bei ihrer extenfiven Betriebsweife, um in der Wollqualität nicht zu fehr zurückzugehen, des edlen continentalen Blutes nicht entbehren können. Wenn darob nebft vielen anderen auch Heerden von Weltruf auf Koften der Wollfeinheit eine Schwankung auf Wollmaffe machen, fo kann diefs unter Umftänden auch nur ein Fortfchritt von fehr problematiſchem Werthe fein. Um fo ficherer mufs darum verzeichnet werden, dafs entgegen diefer Strömung in den letzten Jahren wieder hochfeine Merinoheerden entstanden find, die, wie die Ausstellung zeigte', auf dem beften Wege ftehen, die Miffion jener altehrwürdigen zu übernehmen, die heute überhaupt aufgehört haben zu fein, oder wenigftens das zu fein, was fie waren. Eine wie hohe Bedeutung die Haidefchnucke auch für die Lüneburger Haide und ähnliche Lagen hat, können die fieben allerdings gut geformten anwefenden Thiere diefer Type doch keine höhere Rückficht beanfpruchen, als die Anerkennung, zur Vollständigkeit der Sachlage das Ihrige beigetragen zu haben. Aehnlich verhält es fich auch mit den anwefenden Rhön- und Frankenfchafen, die zwar als Subftrat zur Aufzüchtung von Fleifchfchafen fehr geeignet bezeichnet werden. Oefterreich machte mit feinen Schafen einen ähnlichen Eindruck wie Deutfchland, nur hat es noch nicht im gleichen Mafse dem Drange der anders gewordenen Verhältniffe nachgegeben. In der grofsen Mehrzahl waren es Merinoheerden, die in ihren Repräfentanten die 433 ausgeftellten Stücke ausmachten und von denen die hervorragenderen folgende: Grofs- Herrlitz( Graf Franz Bellegarde), Hujece( Anton Jablonowski), Feldsberg( Fürft Johann Liechtenftein), Ratibořitz( Prinz Wilhelm von Schaumburg- Lippe), Perutz( Graf Thun Hohenftein), Weitersfeld( Fürft Khevenhüller- Metfch), Hennersdorf( Baron Albert Klein), Poftelberg, Frauenberg und Liebiejitz( Fürften Johann Adolf und Adolf Jofef Schwarzenberg), Partfchendorf( Jofef Maria und Emma Arefin), Tierlitzko- Freiftadt( Graf Johann Larifch Mönnich), Drnowitz( Baron Mundy), Kollefchowitz( Graf Carl Wallis), Kirchschlag ( Theodor Freyler), Czernahora( Graf A. Fries), Zdannek und Kwafitz( Gräfin Leopoldine Thun- Hohenftein), Rofsitz( Baron Simon Sina).. Neben der Zucht vorwiegend auf Wollproduction hatte auch die Richtung auf Fleifchproduction ihre Vertreter und find in diefer Hinficht zu nennen: Czernahora( Graf Auguft Fries), Keltfchan( Zuckerfabriks- Actiengeſellſchaft), Tefchen( Erzherzog Albrecht), Perutz( Graf Thun- Hohenftein), Kunſtadt( Baron Cuno Honrichs) und Waleczow( Franz Altgraf zu Salm- Reifferfcheid), denen fich Horodenka( Baron Jakob Romaczkan) und Andere mit Zackelfchafen anreihen. Sowie unter den Merinoheerden Deutfchlands hat auch hier jede ihren eigenthümlichen Charakter; Tuchwolle zu erzeugen, ift aber Aller Ziel bis auf Ratibořitz. deffen Zucht Boldebucker Abftammung ift und dem entfprechend auf einem hinfichtlich feiner Stärke in der Mitte zwifchen Rambouillet und Merino ftehenden Körper hochedle Kammwolle trägt. Unter den Uebrigen befand fich noch eine gröfsere Menge von hochedlen Feinheerden, die ihre Traditionen mit Treue bewahren. Merkwürdiger Weife knüpfen fich die bedeutenderen Leiftungen zumeift an die bekannten Züchternamen des Hofrathes von Dedowič und Ernst Heyne in Dresden und gedeihen unter den Aufpicien des Erfteren Perutz und Drnowitz und des Letzteren Grofs- Herrlitz, Hennersdorf, Kirchfchlag, Zdaunek und Kwafitz beftens. Wie fehr züchterifche Thatkraft ein unumgängliches Bedürfnifs ift, fobald eine Zucht profperiren foll, davon konnte fich der Unbefangene in der Ausstellung hinlänglich Ueberzeugung verfchaffen; denn Mängel im Bau der Wolle, in Dichte, Bewachfenheit u. f. w. waren ab und zu zu gewahren. Dafs darin wohl am allerwenigften für die Zuchtrichtung auf Wollproduction das Rüstzeug liegt, den Kampf mit den heutigen veränderten Wirthschaftsverhältniffen 3 32 Johann Pohl. erfolgreich zu beftehen, ift naheliegend, und wenn man in diefem Umftande mit eine Urfache des Rückganges im Schaf- Viehftande innerhalb der letzten Jahre, wie ihn nachfolgende Tabelle gleichzeitig mit dem Stande vom 31. December 1869 nachweift, fucht, dürfte das Niemanden befremden. Länder Schafviehftand mit 31. December 1869 Der Schafviehftand hat fich vom 31. October 1857 bis 31. December 1869 Es entfallen auf Stück eine IOOO Quadr. EinMeile wohner um vermehrt vermindert um Oefterreich unter der Enns. 313.618 911 160 38.608 Oefterreich ob der Enns. 125.594 603 171 25.046 Salzburg. 92.052 736 609 30.255 Steiermark 203.820 522 180 10.085 Kärnten 176.832 982 526 23.839 Krain 85.161 489 184 3.093 Trieft, Görz, Gradiska, Iftrien 341.298 2.455 586 8.948 Tirol und Vorarlberg 327.412 642 372 62.939 Böhmen 1,106.290 1.225 216 163.652 Mähren Schlefien Galizien 323.503 73.037 966.763 838 161 145-741 820 142 32.043 713 178 155.931 Bukowina. Dalmatien. Summa 217.913 1.197 425 72.677 673.105 3.032 1519 5,026.398 142.527 328.564 586.820 In der Fleiſchproduction hat Oefterreich auch bereits den von Deutſchland eingefchlagenen Weg betreten, nur fehlt ihm noch in diefer Beziehung die nothwendige Theilung der Arbeit, wobei mit befonderer Intelligenz und reichlichen Mitteln ausgeftattete Züchter das Schwergewicht auf Reinzucht mit Bockverkauf legen, denen gegenüber diejenigen Landwirthe ſtehen, welche fich blofs mit Kreuzung befchäftigen und deren Producte einfach für den Markt ausfüttern. Anfänge nach beiden Seiten find bereits gemacht und haben namentlich von oben genannten Ausftellern Reinblut- Southdowns ausgeftellt: Czernahora, Perutz, Kunftadt und Waleczow, während die übrigen verfchiedenartige Kreuzungen mehrerer englifchen Fleifchracen mit Merinos und verfchiedenen Landfchafen zur Schau fenden. Neben folchen von Merinos mit Cotswolds und Southdowns ift insbefondere der Keltfchaner Stamm" beachtenswerth. Derfelbe wurde durchKreuzung von Cotswold- Böcken mit ftarken Merinos und grofsen Landfchafen aus den Karpathen und nachherige Inzucht erhalten und foll fich für reichliche Futterverhältniffe beftens eignen. Das mittlere Gewicht eines 12 bis 14 Monate alten Mafthammels wird mit 140 Pfund Wiener Gewicht angegeben. Zuckerrübenbau und Schafhaltung gelten gemeinhin als fich gegenfeitig ausfchliefsend; hier haben wir es mit einem Fall zu thun, wo beide mit einander ausgeföhnt werden und der darob insbefondere für Zuckerfabriks- Wirthfchaften fehr beachtenswerth erfcheint. Man ift fo nicht blofs im Stande, grofse Mengen von Rübenprefslingen zu bewältigen -die Lämmer nach dem Abfpännen erhalten folche fchon- fondern auch fehr vortheilhaft zu verwerthen; ja das von der Keltfchaner Direction gelegentlich Thierzucht. 33 der temporären Thierausftellung veröffentlichte Schriftchen fagt fogar in folch hohem Grade, wie bei keiner anderen Sorte von Vieh" und glaubt fich diefes Urtheil gegenüber den bei ihren ausgedehnten Rindviehmaftungen gefammelten Erfahrungen erlauben zu dürfen. Das Fleiſch des Schafes erfreut fich bei uns in Oefterreich von Seite eines grofsen Theiles des Publicums noch keines befonderen Anwerthes und wird gering gefchätzt. Wie wäre das aber auch bei dem heute meiftentheils noch üblichen Maftverfahren anders möglich? Alte abgetragene Mutterfchafe oder Hammel gelangen in der Regel blofs zur Maftung, und dafs man von folchen keine Fleifchqualität erhalten kann, wie fie dem Gefchmacke zufagt, ift nur zu begreiflich. Der Engländer trägt dem fchon lange Rechnung, indem er feine Thiere fo hält, dafs fie mit einem Jahre feift ausgefüttert zu Markte gelangen können, und bietet fo ein Fleiſch, das jedermann befriedigt. Auch in Deutfchland und Oefterreich folgen viele denkende Züchter dem nach, indem fie die gewöhnlich vorhandenen Merinos oder Landfchafe als Unterlage benützen und fie mit englifchem Blute kreuzen, deren Producte. dann fo gehalten werden können, dafs fie mit 12 bis 14 Monaten fett find. Je nach der Ueppigkeit des verfügbaren Futters werden leichtere oder fchwerere englifche Racen zur Kreuzung verwendet - bei uns mehr die leichteren und mehr befcheidenen Southdowns und feltener Cotwolds oder Lincolnſhire ſheeps und andere um Frühreife, einen gröfseren Körper, für die Schlachtung vortheilhaftere Formen und die Fähigkeit, mehr Futter in Fleiſch umzufetzen, zu erreichen. - Ein bemerkenswerthes Beiſpiel dafür, was aus den gewöhnlichen Landracen oft in der Hand eines fachverständigen Züchters werden kann, bilden die von Horodenka( Baron Jacob Romaczkan) ausgeftellten Zackelfchafe, bei denen neben Fleifch- und Wolleproduction auch die Milchnutzung eine Hauptfache iſt. Ein wie wichtiger Wirthfchaftszweig für Ungarn die Schafzucht ift, zeigte die Ausstellung fehr eclatant. Ein Viertheil von fämmtlichen aufgeftellten Stücken gehörte diefem Lande 294 Stück allein und wenn wir die Zahlen überblicken, die uns der ungarifche Ausftellungska talog angibt, wornach Siebenbürgen - in Ungarn " Kroatien und Slavonien " 29 der gewefenen Militärgrenze - auf eine Quadratmeile 3197 Stücke 1928 1016 29 1673 29 auf 1000 Einwohner 1072 Stücke 875 247 " 9 وو 812 99 kommen, fo erfahren wir die Thatfache, dafs Ungarn relativ das an Schafen reichfte Land Europas ift. Zugleich wird uns dort mitgetheilt, dafs fein Schaf- Viehftand nach den ftatiftifchen Erhebungen vom 31. December 1869 15,077.000 Stück beträgt und dafs der Stand bei Schafen und Ziegen gegen die Zählung vom 31. October 1857 um 33 Percent fich vermehrt hat. Auf der Ausstellung traten mit fehr beachtenswerthen Thieren ein die Merinoheerden von Kapuvár( ,, Agricola", Actiengeſellſchaft für landwirthschaftliche Unternehmungen), Martonvásár( Graf Geyza Brunswick), Tisza Szajol ( Lajos Fejés), Gödöllö( königlich ungarische Kronherrfchaft), Stampfen( Graf Alois Károlyi), Gútor( Adalbert Czilchert), Csákó( Kafpar Geift's Witwe), Carlsburg( Grifin Laura Henkel), Surány Paty( Graf Wilhelm Pálffy- Daun), Uermény( Graf Emerich Hunyady), Léva( Alexander und Paul Ritter von Schoeller), Zala Szent Mihály( Gabriel Skublics), Gyoma( Albert Wodianer) und Andere, unter denen aber befonders hervorragen und ihrem längft verdienten Ruhme neuerdings Beftätigung verfchaffen: Stampfen( Züchter Hondlick) Gutor, Calksburg und Uermény. Wiewohl auch in diefer Abtheilung Conceffionen an die neue Richtung nicht zu verkennen waren, fo hat doch Ungarn noch nicht im gleichen Mafse wie Oefterreich oder gar Deutfchland nachgegeben und fich den ehemaligen Charakter 3* 34 Johann Pohl. mehr bewahrt. Ihm ift gegenüber anderen Culturftaaten noch eine grofse Menge Ländereien eigenthümlich, wo das„ goldene Vliefs" in feiner früheren Bedeutung zu erhalten noch lange am Platze fein wird. Nachdem ferner noch die intereffante Gegenwart verfchiedener LandfchafTypen beftätigt, feien noch befonders hervorgehoben die Kreuzungsproducte vcn Zackeln mit Lincoln- Schafen. Johann Paget aus Gyéres, Baron Daniel Bánffy aus Klaufenburg, Graf Emerich Mikó ebendafelbft und Andere ftellten in ihnen zur Maftung vortheilhaft geeignete Formen aus und zeigten, dafs der Gedanke ein guter war. Schweine. Um einen Einblick in die Ausdehnung der Schweinehaltung und den Verkehr in Schweinen in den einzelnen Ländern des Erdballes zu gewähren, fei gleichfalls in Nachfolgendem der hieher gehörige Inhalt der von Dr. L. Wittmack aus Berlin ausgeftellten ftatiftifchen Tabellen mitgetheilt.( Siehe Tabelle Seite 35 und 36.) Dafs England nur feinen Kunftracen angehörige Thiere herbeibringen werde, konnte wohl vorausgefehen werden. Fowler, John Kersley, Swanwick Ruffel in Cirenceſter und Duckering& Sons R. E. in Northorpe betheiligten fich die Einzigen mit ihren Zuchten, und das zufammen in 23 Stücken, die theils den fchweren, theils den mittleren, theils den leichten Racen angehören. Die alte Bezeichnungsweife der englifchen Schweineracen nach Graffchaften kann heute in der Regel nicht mehr als vollkommen zutreffend bezeichnet werden; durch den übergrofsen Zuchtvieh- Verkehr in diefem Lande haben fo mannigfaltige Blutmifchungen ftattgefunden. und die gegenfeitigen Grenzen fich derart verwiſcht, dafs, um ficher zu gehen, man am beften den Namen der Zucht nennt oder den Charakter derfelben kurz bezeichnet. Nebft dem landwirthschaftlichen Vereine in Foggia in Italien mit 2 Stück fchlofs fich Deutfchland an mit 66 Stück, welche ausfchliesslich englifcher Abftammung waren, und zu Eigenthümern hatten: die Vieh- Importeure Schütt und Ahrens in Stettin, den Baron Magnus in Drehfa( die WindforSchweine), die landwirthfchaftliche Akademie Eldena und A. M. Schön in Breftau( die fcheckigen Berkfhire- Schweine) und Jofef Diethelm in Brandenburg( die Kreuzungen grofser englifcher Racen). Auch die O efterreich gewidmete Abtheilung enthielt in ihren 58 Stück nur englifches Blut. Obenan ift da die Collectivausftellung der k. k. Landwirthfchafts- Gefellfchaft in Wien zu nennen, an der neben Anderen mit Thieren der grofsen weifsen englifchen Racen in hervorragender Weife theilnahmen: Adolf Ponz, Reichsritter v. Engelshofen in Stockern, Felix Hierath in Wien und Hermann Graf Schaaffgotfche in Purgftall. Mit Thieren ähnlicher Typen traten dann ferner noch ein: die Domäne Smiřitz, Domäne Radibořitz gehörig dem Prinzen W. Schaumburg- Lippe, Domäne Waleczow gehörig dem Altgrafen Franz zu Salm- Reifferfcheid, Pachtgut Münchendorf Jacob Neumeyer- und Andere. - - Mit dem Schweine ift es eine ganz eigene Sache; trotz aller feiner natürlichen Vorzüge, die wahrhaftig nicht unbedeutend find und die gleichzeitig die Eignung in fich fchliefsen, auch dem modernen Landwirthfchaftsbetriebe in feiner Verbindung mit den verfchiedenen Induſtriezweigen zu folgen, kann es fich doch nicht auch nur annähernd zur Bedeutung des Rindes oder des Schafes emporarbeiten. Auch felbft die befriedigenden Ergebniffe vieler im Kleinen betrie Thierzucht. Schweineftand. Anzahl der Stücke Länder im Stück Jahre pro 1000 Einwohner per I geographifche Quadratmeile Europäiſches Rufsland 1864 9.517.500 Afatifches Rufsland 1864 586.000 151 105 1865 6,993.721 Deutfches Reich 1867 8,043.360 209 835 1866 4.357.531 Preufsen 1867 4,875.114 203 762 Baiern 1863 926.522 191 673 Baden 1869 355.639 248 1207 Sachfen 1867 325.564 135 1192 1865 263.504 Württemberg 1868 254.888 143 720 1864 7.914.855 Oefterreich 1869 6,994.752 199. 620 1862 5,246.403 Frankreich 1866 5,889.624 154 614 Spanien 1865 4,264.817 261 464 1868 3,189.167 1869 3,028.394 Grofsbritannien 1870 3,650.730 1871 4.136.616 137 718 Italien Portugal Belgien 1867 3,886.731 159 723 1862 858.334 215 529 1856 458.418 1866 632.301 128 118.4 1866 390.000 1867 362.371 Schweden 1868 300.021 1869 339.248 82 42 1866 321.534 1867 302.514 Holland 438 1868 290.173 1869 299.894 85 503 Dänemark 1866 381.512 237 548 Schweiz 1866 304.191 I2I 404 Norwegen 1865 96.166 57 17 Griechenland 1867 55.776 42 61 1867 13.616.876 Vereinigte Staaten 1869 26,751.400 1870 29,457.500 860 159 Auftralien 1871 694.848 392 6 35 36 Johann Pohl. Schweinehandel. Einfuhr im Ausfuhr Länder Stück Jahre Stück 695.938 1869 313.362 Deutfches Reich. Grofsbritannien 718.977 1870 291.688 728.448 1871 327.003 536.844 1870 453 1,017.907 1871 1.138 636.585 1869 Oefterreich 354.272 607.489 1870 311.212 176.827 1869 Frankreich 83.379 255-752 1872 73.651 32.250 1866 Belgien. 21.525 34.859 1867 83.260 Holland 28.109 1870 69.604 Dänemark 17.343 1868,69 22.686 17.331 1869/70 24.783 Italien 4.981 1868 85.894 Spanien. 3.917 1868 23.294 Schweden 35° 1868 3.076 420 1869 10.749 Vereinigte Staaten 1870 8.770 benen Zuchten find nicht im Stande, dem Schweine eine andere, als eine ganz untergeordnete Stellung zu verfchaffen. Jene Mobilität im Betriebe, die der Ent-. wicklung des kaufmännifchen Sinnes entſpringt und die wir z. B. beim englifchen und belgifchen Landwirthe fo gefchult finden, dürfte jedoch, fobald fie auch bei uns mehr Gemeingut geworden, wie überhaupt mit der Zeit, fo auch hier manchen Umfchwung nach fich ziehen. In Oefterreich kann bisher eigentlich von der Zucht des Schweines nur wenig die Rede fein; meiftens ift es eine einfache Haltung, die man ihm blofs angedeihen läfst. Die eine grofse Schweine zucht treibenden Länder im Often überlaffen uns Jungvieh und ausgewachfene Thiere diefer Art, die hier gewöhnlich nur auf- und ausgefüttert werden. Das aber ift mehr als Gegenstand der Hauswirthschaften als des grofsen landwirthschaftlichen Betriebes anzufehen, von deffen Standpunkte aus man es nur felten für zweckmäfsig hält, das Augenmerk auf diefen Pariah der Nutzthiere zu richten. Ift es aber der Fall, dann greift man meiftens nach den englifchen Kunftracen, die entweder rein gezüchtet oder mit dem einheimifchen Landfchweine gekreuzt werden. Im Hinblicke auf die Hände, denen das Schwein gewöhnlich überantwortet, und auf die verfchiedenen Verhältniffe, denen es zugeführt wird, läfst fich eine Zuthat heimifchen Blutes zum englifchen behufs Mittheilung gröfserer Widerftandsfähigkeit principiell nur als förderlich erkennen. Zur weiteren Kennzeichnung der Sachlage folgt in Nachfolgendem die Angabe des Schweineftandes mit 31. December 1869 und deffen Veränderung gegenüber dem 31. October 1857 in den einzelnen Ländern Oefterreichs, und dann das Verhältnifs zwifchen Ein- und Ausfuhr in diefer Thierart, betreffend Oefterreich und Ungarn gemeinfam vom Jahre 1831 bis 1871.( Siehe Tabellen Seite 37.) Sowie die Rinderausstellung Ungarns fich fehr durch ihre Befonderheit von jenen der übrigen Länder abhob, fo auch die Schweine- Ausftellung. Die 43 Stück derfelben waren beinahe fämmtlich originäre Kinder Ungarns und Thierzucht. O efterreichifcher Schweineftand und Handel. 37 Schweineviehftand mit 31. December 1869 Der Schweineviehftand hat fich vom 31. October 1857 bis 31. December 1869 Länder. Es entfallen auf Stück eine Quadr.- Einmeile wohner IOOO vermehrt verminum dert um Oefterreich unter der Enns 261.243 759 133 183.199 Oefterreich ober der Enns 182.5r2 877 249 60.045 Salzburg 15.397 123 IO2 3.870 Steiermark 485.030 1243 429 60.871 Kärnten 99.243 557 295 29.884 Krain 63.358 364 136 Trieft, Görz, Gradiska, Iftrien 47.416 341 82 31.331 20.077 Tirol und Vorarlberg. 58.932 115 67 Böhmen 228.180 252 44 Mähren 161.419 418 81 Schlefien 54.464 612 106 8.651 349.094 165 182 26.774 Galizien 734.572 542 135 51.005 Bukowina 133.385 733 261 45.392 Dalmatien 26.322 118 59 15 896 Summa 2.551.473 96.397 954.874 Einfuhr Ausfuhr Einfuhr Ausfuhr Jahr Jahr S tück Stück 1831 191.534 136.973 1852 548.190 79.612 1832 257.998 154.356 1853 525.762 115.150 1833 217.441 146.896 1854 636.853 90.700 1834 180.980 126.615 1855 735.303 75.526 1835 344.488 73.317 1856 611.804 92.048 1836 346.405 67.248 1857 400.159 106.937 1837 329.434 116.490 1858 460.280 97.030 1838 301.909 125.183 1859 443-713 95.054 1839 296.403 139.834 1860 326.575 128.598 1840 301.950 92.595 1861 540.066 241.626 1841 409.334 67.135 1862 464.103 187.770 1842 333.089 85.882 1863 522.245 137.073 1843 406.357 104.558 1864 350.107 73.067 1844 331.631 178.807 1865 486.198 108.019 1845 232.802 131.514 1866 350.251 218.425 1846 388.297 118.247 1867 414.294 233.211 1847 372.622 100.643 1868 651.995 190.588 1848 5.033 118.938 1869 595.535 331.010 1849 6.501 104.552 1870 575.063 291.488 1850 584.124 65.503 1871 606.037 220.371 1851 408.285 46.723 38 Johann Pohl. gehören gröfstentheils der Mangolica und verwandten Racen an, die nebftdem, dafs fie fich zur Maft beftens eignen, gleichzeitig hinreichend abgehärtet find, um der Mifsgunft der heimifchen Verhältniffe zu widerftehen. Als Ausfteller, hervorragender Thiere wären zu nennen: Graf Friedrich Wenckheim in Ó- Kigyós, Bernhard Deutfch in Arad, Carl Leopold und Felix Pfeiffer in Oedenburg, Abraham Schwarz in Okány, Ladislaus Tisza in Csán und Andere. Das Schwein wird in Ungarn beinahe nirgends kunftgemäfs gezüchtet, feine Zucht und Haltung ift aber eine fehr verbreitete. Nach den ftatiftifchen Erhebungen vom 31 December 1869 entfallen auf I Quadratmeile im gefammten Ungarn im engeren Ungarn in Siebenbürgen 2 in Slavonien in Kroation 739 Stück 824 1000 Einwohner 288 Stück " 277 " 525 ... 239 12261 877 1050 358 ungarifch- banater 877) 4191 432 432 29 in der Militärgrenze kroatifch. 935 889 In Ungarn ift die Schweinehaltung in ftetiger Zunahme begriffen; fo weift die Zählung von 1857 gegen jene von 1850 eine Erhöhung des Standes von 29 2 Percent nach und die 1869 gegen 1857 conftatirte Abnahme von 138 Percent fpricht gleichfalls in Rückficht auf den beidesmaligen Zeitpunkt zu dem die Erhebungen ftattfanden das erfte Mal am 31. December und das, letztere Mal am 31. Octobernur eine Vermehrung aus, was durch den Zuwachs der jährlich in den Verkehr kommenden Thiere beftätigt wird. Eine wie bedeutende Einnahmsquelle Ungarn, namentlich aber der füdliche Theil in der Schweinezucht befitzt, ift am beften aus den Zahlen zu erfehen, die über den Verkehr in diefer Thierart am Steinbrucher Markte bekannt find. In den Jahren 1869, 1870 und 1871 wurden dafelbft nicht weniger als je eine halbe Million Schweine aufgetrieben, die zur Hälfte zur Approvifionirung Wiens Verwendung fanden, zur Hälfte theils in andere Comitate wanderten, theils ins Ausland, namentlich über Bodenbach exportirt wurden.* In allerneuefter Zeit ist aber im Abfluffe nach dem Auslande eine fehr beachtenswerthe Stockung eingetreten; Amerika und Rufsland, die uns mit ihren weiten Ländereien durch die Entwicklung der Verkehrsmittel immer näher rücken, beginnen in gefährlicher Weife Concurrenz zu machen. Das Fleifch des ungarifchen Borftenviehes ift nämlich bereits im halbgemäfteten Zuftande zu fettreich, um für den Seegebrauch, es fei im geräucherten oder geprefsten Zuftande, mit dem des ruffifchen oder amerikanifchen Schweines gleich geeignet zu fein. Diefer Umftand droht nun der ungari fchen Schweinezucht ein lange inne gehabtes Abfatzgebiet abzufchneiden, was nicht ohne empfindlichen Rückfchlag für das Land bleiben könnte. Kein Wunder defshalb, dafs, fobald man im Anblicke der Gefahr ift, an Mittel gedacht wird, um fich gegen diefelbe zu rüften. Wie Carl Keleti in dem bereits oben angezogenen Buche mittheilt, fafsten zu dem Zwecke bereits mehrere Züchter den Entfchlufs, neben der Mangolica- Race die Mecklenburger Fleifchrace zu halten und auch die Regierung foll bereits in diefer Hinficht die Initiative ergriffen haben, um für die heimifchen Verhältniffe geeignete Borftenviehracen auf den Oekonomien der landwirthfchaftlichen Lehranstalten und eventuell auch auf einer der Geftütsdomänen behufs Gewinnung von Veredlungsmateriale zu züchten. Keines der landwirthfchaftlichen Nutzthiere befitzt im gleichen Mafse wie das Schwein die ausfchliefsliche Beftimmung zur Fleiſch- und Fettproduction. In * Studien über das Schwein von Dr. Eugen v. Rodzicky. in Wien, 1873. - Verlag von Faefy& Frick Thierzucht. 39 Folge deffen müffen die Beftrebungen der Züchter diefer Thierart in den verfchiedenen Ländern mehr gleichmässige fein und können höchftens nur in untergeordneten Dingen von einander abweichen. Diefe Uebereinstimmung zeigte fich auch in der englifchen, deutfchen und öfterreichifchen Abtheilung, wo wir durchwegs Angehörige der fich durch frühe Entwicklungs- Maftfähigkeit auszeichnenden englifchen Racen finden, die damit die Züchter diefer Länder für das Befte bezeichnen. Man könnte darnach auch leicht zu dem Glauben verleitet werden, dafs in Deutfchland und Oefterreich nur die englifchen Kunftracen Pflege finden. Damit würde man fich aber fehr irren; trotz aller ihrer Vorzüge konnten fie fich bisher vielerorts noch nicht die gebührende Anerkennung erwerben. Nicht wenig trägt dazu zwar der Umftand bei, dafs das Wirkfamwerden ihrer ausgezeichneten Eigenfchaften an die Erfüllung gewiffer Bedingungen geknüpft ift, was häufig nicht berücksichtigt wird und darum zu einem unrichtigen Urtheile führt. Sorgfalt in der Haltung und reichliche Fütterung dürfen dem englifchen Schweine nicht verfagt werden, fobald feine Zucht vortheilhaft fich geftalten foll und wo das Eine oder das Andere die Verhältniffe nicht erlauben, dort wird man nur gut thun, von ihm abzufehen oder höchftens in einer Blutmifchung das Mögliche zu erreichen fuchen. Unter den englifchen Racen gilt heute in Deutſchland im Allgemeinen die fchwarze oder fcheckige Berkſhire- Race, wovon auch die Ausftellung zahlreich befchickt war, dank ihrer Abhärtung für die geeignetfte, gepflegt zu werden, während in Oefterreich den jedenfalls empfindlicheren weifsen Racen der Vorzug gegeben wird. Wenn es auch ſchon als Fortfchritt anzufehen ift, dafs man fich um die Zueignung fremdländifcher Vorzüge beftrebt, fo läfst fich doch fagen, dafs bisher die Summe des Aufwandes züchterifcher Intelligenz und Thatkraft für Förderung der Schweinezucht am Continente, abgefehen von einigen wenigen Anläufen, noch eine geringe ift. Fifche. Die Zucht oder der Fang derfelben bildet fehr häufig einen Erwerbszweig von grofser Ausdehnung und hoher Bedeutung. Seine Betriebsweife ift aber in den einzelnen Ländern eine fehr verfchiedenartige, je nachdem der Menfch fich feine einftmalige Ernte felbft vorzubereiten gezwungen ift, oder die Natur in ihrer Freigebigkeit dafür forgt. Die künftliche Fifchzucht, die planmäfsige Teichwirthfchaft oder geordnete Flufsfifcherei ftehen fo der See- oder Meerfifcherei gegenüber und theilen fich abwechfelnd mit letzterer in die gegenfeitige Ueberlegenheit. Wenn zwar auch in der Ausftellung kein getreues Abbild von der eigentlichen Sachlage in diefer Beziehung in den verfchiedenen Ländern geboten wurde, fo konnten wir doch dafelbft fehr viel Werthvolles fehen und erfahren. Ein Land, in dem die Fifcherei die höchfte Bedeutung hat und wo in einzelnen Gegenden, wie an und um den nördlichen Polarkreis, diefelbe fogar die einzige Nahrungsquelle bildet, ift Norwegen. Neben grofser Landfee- und beachtenswerther Flufsfifcherei hat es fehr ausgedehnte See- oder Meerfifcherei und trug diefer Thatfache in der Errichtung eines eigenen Fifchereipavillons Rech nung, in welchem es Modelle, Geräthfchaften, Fifche in Spiritus, dann in ander weitig confervirtem Zuftande etc. ausftellte. Wen die Sache näher intereffirt, der laffe fich an eine ad hoc veröffentlichte Schrift verweifen, wo er fich hierüber genauer unterrichten kann; dafelbft finden die einzelnen Fifchereien, von denen die Dorfch- und Winterhäring- Fifcherei die bedeutendften find, eingehende Befprechung und die Vertriebsweife der Producte wird gründlich erörtert. Hier möge es nur geftattet fein, die Zahlen, mitzutheilen, welche die Ausfuhr der wichtigften Fifchproducte Norwegens im Jahre 1872 angeben: * * Die Fifcherei- Induftrie Norwegens von H. B.-- Bergen 1873. J. D. Beyers Bogdrykkeri. 40 Fifchguano. Frifche Fifche. Stockfifche Johann Pohl. 1,134.600 Kilo 4,169.350 17,540.050 Klippfifche. In Fäffern oder im Schiffsraum gefalzene Fifche Nordhäringe Waarhäringe Andere Häringe und Brifslinge Hummer Fifchroggen 30,396.100 " 9 65.488 Tonnen 637.013 174.284 435.094 899.708 Stück 45.719 Tonnen 106.486 Thran Diefelben werden zu einem Werthe von veranfchlagt; rechnet man nun noch dazu den Werth der im Lande felbft verbrauchten Fifche und Fifchproducte mit 20,930.000 fl. 7,000.000 27,930.000 fl. fo giebt das die ftattliche Summe von die um fo imponirender erfcheint, wenn man bedenkt, dafs fie die Frucht der Arbeit eines Volkes ift, deffen Seelenanzahl 1,800.000 nicht überfteigt. Diefe Zahlen gelten hauptfächlich der See- oder Meerfifcherei; daneben findet aber auch noch die künftliche Fifchzucht, verbunden mit Binnenfee- Bewirthfchaftung, Beachtung. Eine grofse Anzahl der in reichlicher Menge vorhandenen Binnenfeen ift heute fifchleer, fei es, dafs diefelben durch planlofes Fangen ausgefifcht worden find, oder dafs fie feit jeher unbevölkert waren, trotzdem es fichergeftellt ist, dafs viele derfelben ergiebige Fifchernten abwerfen könnten. Diefe auf künftlichem Wege zu beleben, hat fich daher die Staatsregierung zur Aufgabe gefetzt und fucht ihr Ziel dadurch zu erreichen, dafs fie die ihr eigenthümlichen fifchleeren Süfswäffer, deren fie felbft viele befitzt, gegen einen fehr geringen Betrag auf die Dauer von zwanzig Jahren und unter der Bedingung verpachtet, dafs fie innerhalb der erften zwei Jahre mit Fifchen befetzt fein müffen. Seitens anderer Befitzer unbelebter Süfswäffer ahmt man diefe Regierungsmafsregel nach und ift gleichfalls beftrebt, die letzteren nutzbringend zu machen. So findet die künftliche Fifchzucht grofsen Anwerth und zum Zeichen deffen waren Modelle der dafür üblichen Geräthe ausgeftellt, und zwar Brutapparate für Quellenfpeifung mit reichlichem und geringem Wafferzuflufs, dann Brutapparate zum Einfenken in einen Flufs oder Bach und fchliefslich die für das an Wafferfällen fo reiche Norwegen höchft wichtige Lachsleiter. Die Befchreibung und Zeichnung diefer Gegenftände ift in einer hiefür veröffentlichten Schrift* zu erfehen. Einer befondern Einrichtung fei hier noch gedacht, die in ihrer Art einzig ift. An der zerriffenen Küfte Norwegens findet man nämlich, dafs die gröfseren Fjorde, welche tief in das Land eindringen, fich in kleinere Fjorde verzweigen und am innerften Ende derfelben ift nicht felten ein Baffin zu fehen, welches nur durch einen fchmalen feichten Sund mit dem äufseren Fjord in Verbindung fteht. Da in der Regel ein Bach oder ein kleiner Flufs fich in diefe Baffins ergiefst, diefelben fomit immer frifches Waffer zugeführt erhalten, kam Hetting auf die Idee, die Verbindung mit den Fjords durch Gitter abzufperren und fo Salzwafferparke zu erzeugen, welche mit Zuhilfenahme der artificiellen Aufzüchtung belebt werden. Wenn auch nicht gleich, wie für Norwegen, ift das Fifchereiwefen doch auch fehr wichtig für das Nachbarland Schweden. Seine grofse Küftenentwicklung fowie der Wafferreichthum des Landes felbft- Seen und fliefsende Waffer breiten fich auf 8 4 Percent des ganzen Landesgebietes ausdictiren ihm diefs. Auch 8.4 Schweden vertrat diefe Thatfache durch Errichtung eines eigenen Fifchereipavillons, der gleichfalls eine reiche Collection von Fifchereigeräthen und Modellen dafür, ferner Süfswaffer und Seefifche nebft anderen Ergebniffen der * Die Fifchcultur Norwegens von M. G. Hetting-- gedruckt bei H. J. Jenfen in Chriftiania. Thierzucht. 41 Fifcherei im confervirten Zuftande wie als Illuftration zu den Mittheilungen des Fifcherei- Intendanten Dr. Hj. Widegren enthält. Darnach find die wichtigften Fifchereien, die in Schweden betrieben werden, folgende: die Landfee- und Uferfifcherei in den Skären des Reiches; dann die Lachsfifcherei mit einer durchfchnittlichen Ernte im Werthe von 440.000 fl. öfterr. Währung; ferner die Häringfifcherei in der Oftfee und an den Küften des Reiches, wobei im Durchfchnitte der Jahre gegen 150.000 Tonnen zu einem Geldwerthe von 1,800.000 fl. öfterr. Währung eingefalzen werden, und dann die Bankfifcherei im Kattegat und in der Nordfee mit einem Ertrage im Jahre 1871 von 213.000 fl. öfterr. Währung. Im Gegenfatze zu Norwegen confumirt Schweden den gröfsten Theil feiner FifchereiErgebniffe nicht nur felbft, fondern führt deren von erfterem noch in wefentlichen Mengen ein. Behufs Beauffichtigung und Verbefferung des Fifchereiwefens beſteht dafelbft das Inftitut der Fifcherei- Intendantur. Frankreich, das im Jahre 1867, ohne jedwedes Opfer zu fcheuen, ausgeftellt hatte und dem damals, wie Baron M. E. Waſhington in feinem diefsbezüg lichen Berichte fagt, es lediglich darauf anzukommen fchien, der Welt zu beweifen, welchen Werth es der künftlichen Fifchzucht ob ihrer national- ökonomifchen Bedeutung beigelegt, gab diefsmal weder in Schrift noch durch Ausftellung eine Andeutung, aus der der dort erreichte Standpunkt in der Entwicklung diefes Zweiges erkennbar wäre. Trotzdem möge hier das fich inzwifchen vollzogene Ereignifs, dafs Deutfchland auch Hüningen in feinen Siegeskranz einflocht, conftatirt werden. In diefem mit aller unter dem Kaiferreiche in folchen Dingen üblichen Munificenz ausgeftatteten und mit gröfster Sorgfalt geleiteten Inftitute hat die künftliche Fifchzucht Frankreichs ohne Zweifel einen fehr herben Verluft erlitten. Obwohl ein anfehnlicher Theil der Bevölkerung Englands in deffen bedeutendem Härings-, Stockfifch- und Wallfifchfang Befchäftigung findet, vermifsten wir in der Ausftellung doch jedwede Erinnerung daran. Aus Deutfchlands Betheiligung liefs fich wieder nur die Eigenartigkeit des deutfchen Elementes erkennen, das auf ein tieferes Erfaffen der Erfcheinungen und auf genauere Erkenntnifs ihres Zufammenhanges loszielt, fich im Uebrigen aber wie ein rother Faden durch einen grofsen Theil der landwirthfchaftlichen- Ausstellung durchzieht. Die königliche Commiffion zur Anftellung von Unterfuchungen in der Nord- und Oft fee legt die Refultate ihrer Arbeiten in graphifchen Darftellungen, botanifchen und fauniftifchen Sammlungen und in einem gedruckten Berichte vor, während Dr. L. Wittmack aus Berlin die geo graphifche Verbreitung der wichtigſten Fifche in den Gewäffern Deutfchlands und Oefterreichs darftellt, welche Arbeit durch ein Verzeichnifs der Anftalten undStationen für künftliche Fifchzucht in beiden Ländern begleitet wird. Darnach befitzt Deutſchland 101 folcher Etabliffements und für Oefterreich werden 33 verzeichnet. Letztere Ziffer bleibt aber hinter der Wirklichkeit zurück. Das auch an fonftigen Naturfchätzen fo reiche Oefterreich befitzt gleichfalls für die verfchiedenen Richtungen der Piscicultur herrlich geeignete Lagen; weder an zur Fifchzucht verwendbaren Teichen noch an fifchreichen Flüffen und Seen, gleichwie an Küften für Meerfifcherei fehlt es ihm. Für die Teichwirthschaft traten die Fürften Johann Adolf und Adolf Jofef zu Schwarzenberg, Graf Jaromir Černin und Moriz Graf Saint- Genois in Paskau ein. Froh und heiter belebten die lebenden Fifche der Erfteren der. * Veröffentlicht in den für die Weltausstellung bearbeiteten und herausgegebenen ftatiftifchen Mittheilungen über Schweden von Dr. Elis Sidenblagh Dr. Elis Sidenblagh- Stockholm 1873. P. A. Norftedt& Söner. 42 Johann Pohl. - Fürften Schwarzenberg- ihr Element in den vor dem mit wahrhaft fürftlicher Grofsmuth errichteten Pavillon befindlichen Baffins und repräfentirten mit den fyftematiſch geordneten und höchft lehrreichen Präparatenfammlungen den gröfsten Teichbefitz Oefterreichs. Die Teiche diefer Befitzer 300 an der Zahl belegen eine Fläche von 15 Quadratmeilen und haben eine durchschnittliche Jahresproduction* von 6.310 Ctr. 192" - Karpfen Schillen Hechten verfchiedenen Speifefifchen. Erfatzfifchen durch Verkauf von 1134 Schock à 45 Pfd. Zufammen 145" IO 29 510” 7.167 Ctr. Die Teichwirthschaft wird hier ftreng methodifch betrieben; von der ganzen Teichfläche entfällt ein beftimmter Theil auf Laich- oder Streichteiche, circa 30 Percent auf Streckteiche und 70 Percent auf Hauptteiche, die in einem fixen Turnus bewirthschaftet werden. Nach jedesmaligem Abfifchen eines Teiches erfolgt eine ein- oder zweijährige Benützung desfelben für landwirthschaftliche Zwecke. So und ferner durch zweckentfprechende Führung des Betriebes ift es dem als Fifchzüchter bekannten Wirthfchaftsdirector W. Horák auch gelungen, die Wiederbenützung eines Maierhofes als Teich, der vordem auch fchon als Teich bewirthschaftet worden war, durch den Erfolg zu rechtfertigen und damit ein bestehendes und dem entgegenlaufendes Vorurtheil zu widerlegen. Die gräflich St. Genois'fche Teichwirthschaft Paskau's zeichnet fich durch die befondere der Nachzucht gewidmete Sorgfalt aus, indem dafelbft jedes zum Fortpflanzungs. gefchäft ausgewählte Pärchen Mutterfifche in einem feparirten Brutteichchen folange, als es für den Zweck nöthig, behufs genauer Ueberwachung gehalten wird; ferner wird auch dort jeder Teich. er führe Fifche welchen Jahrganges immer, im Herbfte abgefifcht, fein Inhalt in eigenen Behältern verwahrt und der Teich über Winter trocken gelegt. Für Förderung der künftlichen Fifchzucht befitzt Oefterreich eine Anzahl auch vom Staate fubventionirter Fifchzucht Vereine; diefelben fcheinen aber in der Ausstellung nicht, ähnlich wie z. B. die Bienenzüchter Vereine und andere, ein ihrer Sache dienliches Mittel erkannt zu haben. Um fo mehr mufsten daher die Objecte der Privaten anziehen, welche hierher gehören, als von J. Baron Bru nicki in Ruda( Forellen) und von Auguft Céfar in Paskau und Ernsdorf( Rheinlachs). An letzterem Orte fucht man aber, um den Nachtheilen der künftlichen Auslaichung zu entgehen, mit den gehaltenen Fifchen als: Salar Anfonii, Trutta lacuftris und Salmo falar zur natürlichen Fortpflanzung überzugehen. Dafs trotz der vielen fifchreichen Seen und Flüffe fich auch kein einziger Aussteller mit Producten daraus eingefunden hat, beweift nur, dafs bisher in die Ausnützung diefer Gewäffer noch kein Syftem gebracht ift und die rentable Benütz barkeit derfelben für piscicole Zwecke noch zu fehr der Anerkennung entbehrt. Auch der bereits auf der Parifer Ausftellung im Jahre 1867 vom Apotheker Jacob Nachtmann in Sedletz exponirte und dafelbft prämiirte ,, Blutegelfumpf" zur Aufbewahrung von Blutegeln war hier zu fehen. Aus Ungarn fahen wir nur vier prächtige Schiele von M. Rofenberg aus Fanyud, Kinder des Plattenfees, von wo diefelben befonders gerühmt werden. Von Rufsland aus werden wir durch zwei vom Domänenminifterium herausgegebene Schriften über das Fifchereiwefen dafelbft unterrichtet. Die * Katalog zur Collectivausftellung der Fürften Johann Adolf und Adolf Jofef zu Schwarzenberg. Wien 1873. Im Selbſtverlage der fürftlich Schwarzenberg'fchen Centralkanzlei. - eine Thierzucht. 43 derfelben befpricht die Fifcherei und die Seehundjagd am weifsen, am Eisund am kafpifchen Meere und die andere** die Verhältniffe der künftlichen Fifchzucht, namentlich aber jener der Staatsanftalt von Nikolsky, der bedeutendften diefer Art in Rufsland. Seidenfpinner. Zu Trugfchlüffen würde derjenige geführt werden, der aus der Ausstellung auf die Bedeutung des Seidenfpinners für die einzelnen Länder fchliefsen wollte. Um ein wahrhaftes Bild darüber zu gewinnen, mögen die Zahlen reproducirt fein, welche M. André Jean im Jahre 1857 der Akademie der Wiffenfchaften zu Paris in diefer Frage vorlegte, und welche fich auf die Seidenproduction vor Eintritt der Flecken oder Körperchenkrankheit beziehen. Darnach erzeugten im Durchfchnitte in den jenem vorausgehenden Jahren Seide: in Europa Italien im Werthe von Millionen Francs 281.5 Frankreich Spanien und Portugal Türkei Griechenland mit den jonifchen Infeln Oefterreich- Ungarn und Süddeutſchland in Afien China. Indien Japan Perfien Verfchiedene andere Länder von Afien 108.6 16.0 5.8 3: 2 0.9. " 416.0 425 0 120 0 80.0 23.0 54.8. 702.8 Afrika Amerika Auftralien I'I 0.5 10.6 II21 O Diefe Zahlen find zwar nicht neu, aber nichtsdeftoweniger heute noch brauchbar, da mit dem nach ihrer Erhebung erfolgten Ausbruche und Verbreitung der Körperchenkrankheit das im Laufe langer Zeit fich entwickelte Productionsverhältnifs durch einige Jahrzehnte hindurch verfchoben wurde und fich erft gegenwärtig wiederherzuftellen fucht. Dem entſprechend find in Europa Italien und Frankreich die den gröfsten Seidenbau treibenden Länder, an die fich die übrigen nur fehr befcheiden anreihen. Darum darf aber doch feine Wichtigkeit als Erwerbszweig auch für die letzteren nicht unterfchätzt werden; was er dort für grofse Landftriche ift, gilt er hier einzelnen Gegenden und ift in beiden Fällen gleich eine Lebensfrage. In Oefterreich treiben nennenswerth Seidenbau eigentlich nur das füdliche Tirol und das Küftenland; was die anderen Königreiche und Länder betrifft, fo läfst fich fagen, dafs man hier zwar fchon lange Zeit und noch immer unermüdlich beftrebt ift, fich die Vortheile der Seidencultur zuzuwenden, dafs alle bisherigen Erfolge aber nur die Thatfache zu conftatiren vermögen, dafs nördlich der Alpen kein entſprechender Boden dafür vorhanden ift. Es ift doch eigenthümlich; der Maulbeerbaum, die Futterpflanze des Seidenfpinners, gedeiht in den meiften Lagen felbft bis in den hohen Norden der fkandinavifchen Halbinfel hinauf, dem Infecte können im Weiteren durch Zuhilfenahme * Notice fur les pêcheries et la chaffe aux phoques dans la Mer Blanche,' Océan Glacial et la Mer Caspienne par Alexandre Schultz. St. Pétersbourg 1873. ** Notice fur les progrès de la pisciculture en Ruffie par Thedore Soudakéwicz. St. Pétersbourg 1873., 44 Johann Pohl. künftlicher Mittel die nöthigen Lebensbedingungen geboten werden, und doch macht die Zucht desfelben keine weiteren Fortfchritte. Der Verbreitung der Seidenraupen- Zucht müffen eben diefsfeits der Alpen andere Schwierigkeiten im Wege ftehen, die nicht fo fehr in den natürlichen Grundlagen als vielmehr in den anderweitigen Verhältniffen begründet find. Das die meifte Seide producirende Land Europas, Italien, hat fich recht anfehnlich an der Ausstellung betheiligt. In erfter Linie möge hier genannt fein die reichhaltige, die Natur des Seidenfpinners und feiner Rivalen, gleichwie alle Benützungsweifen zur Darstellung bringende Sammlung von Mæftri Angelo Cav. Dott in Pavia, woran fich dann anreihen die vom landwirthfchaftlichen Vereine in Como ausgeftellten Geräthe für Grainirung, die anatomifchen Präparate des Eichenfpinners Saturnia Yama- maï von Profeffor B rizzolari Aleffandro in Arezzo u.f.w. Hinter den von Abate Luziardi in Padua angefertigten intereffanten Modellen gefunder und kranker Seidenraupen fteht die ftazione bacolopico di Padua unter Leitung des Dr. Verfon, der längere Zeit in Görz neben Haberlandt wirkte. Von Frankreich wäre mehr zu erwarten gewefen. Abgefehen von einigen befcheidenen Coconsproben, war es blofs die fonft im Allgemeinen fo inhaltsvolle Ausstellung der Minifteriums für Ackerbau und Handel, bei der man für diefen Zweck einen Augenblick zu verweilen veranlafst wurde. In einer kleinen Tabelle deutet fie die Hauptmomente des heutigen Standpunktes in der Seidenzucht an, und die fchon mehrmals angezogene, von Henzé abgefafste Schrift theilt uns mit, dafs die Seidenproduction Frankreichs in Folge der Körperchenkrank heit vom Jahre 1854 mit 25,000.000 Kilogramm bis zum Jahre 1869 auf 8,000.000 Kilogramm gefunken war. O efterreichs bezügliche Ausstellung kann nur für die Sachlage fehr bezeichnend und gleichzeitig fehr anfehnlich genannt werden. Die Vielfeitigkeit der Betheiligung zeigt einerfeits, wie grofs die Anftrengungen allerorts find, der Seidenzucht gröfsere Ausdehnung, zu verfchaffen, und die Befchaffenheit der ausgeftellten Objecte anderfeits, dafs man fich nicht begnügt, blofs die Entdeckungen und Erfahrungen anderer Länder einfach zu benützen, fondern auch fucht, felbftthätig in die Entwicklung diefes Wirthschaftszweiges mit einzugreifen. Aus den meiften Kronländern hat man oft fehr gefchmackvoll angeordnete Collectionen eingefendet. Das kann jedoch nicht viel fagen; hinter ihnen ſteht keine erwähnenswerthe Production und die Frage der Rentabilität ift noch nicht gelöft. Befonders reichhaltig und intereffant waren die ausgeftellten Objecte des dritten internationalen Congreffes der Seidenzüchter in Roveredo und der k. k. Seidenbau- Verfuchsftation in Görz. In diefen fahen wir den heutigen Standpunkt der Seidenzucht vollkommen entrollt vorgeführt, fo dafs fich wohl die Behauptung aufftellen läfst, dafs in der landwirthschaftlichen Ausftellung kein anderer Zweig fo bezeichnend für die augenblickliche Situation vertreten war, wie diefer. Nicht genug daran, hier war auch gleichzeitig am vollſtändigften der Erfolg ernften wiffen fchaftlichen Strebens und damit gleichzeitig die hohe Bedeutung der Wiffenfchaft für die Praxis überhaupt dargethan. Im Jahre 1867 zur Zeit der Ausftellung in Paris fetzte die Flecken oder Körperchenkrankheit noch unaufhörlich ihre verheerenden Wirkungen fort, nebft der europäiſchen fchien auch bereits die orientalifche Seidenzucht in Frage geftellt, und eine für grofse Ländereien fehr ergiebige Einnahmsquelle drohte gänzlich zu verfiegen. Derweilen fich die Seidenzüchter in einem ganz rathlofen Zuftande befanden, fchon von verfchiedenen Seiten vergeblich Hilfe erwartet hatten und fich mit dem traurigen Schickfale langfam zu verföhnen begannen, indem fie ihre Hoffnung auf die Benützung anderer Seidenfpinner richteten, arbeitete der franzöfifche Gelehrte M. Louis Pafteur bei Alais unermüdlich daran, die Mittel zur Befiegung des böfen Feindes zu entdecken. Nach fünfjähriger harter - Thierzucht. 45 Arbeit ift es ihm endlich gelungen, fein Ziel zu erreichen und den Seidenzüchtern gegen die Seuche ficher wirkfame Mafsregeln an die Hand zu geben. Die Wiener Weltausftellung ift die erfte diefer Art, die diefen grofsen Fortfchritt documentirte und diefem Triumphe des Geiftes einen Altar errichtete. In feiner Wefenheit befteht er in dem Vorfchlage eines Selectionsverfahrens, bei dem nur die Eier ganz gefunder Eltern zur Zucht Verwendung finden und Alles, was nur die geringfte Spur von Krankheit, refpective Körperchen zeigt, entfernt wird. Für diefen Zweck mufs jedes zur Samengewinnung dienende Schmetterlingspaar feparirt werden- Zellengrainirung und die Eier werden erft dann als vollkommen brauchbar erkannt, wenn die Eltern nach mehrfacher mikrofkopifcher Unterfuchung körperchenfrei gefunden find. Auf diefelben Gedanken geftützt, gibt es mehrerlei Methoden, die eine gegen die andere auf einfachere Weife dasfelbe erreichen laffen wollen. Damit ift allerdings die Nothwendigkeit eines gröfseren Aufwandes von Mühe und Koften in den Betrieb der Seidenzucht herübergetragen; das fteht aber lange in keinem Verhältniffe zur Sicherheit des Erfolges, und der Nutzen der Zellengrainirung läfst fich am allerbeften aus der Rafchheit erkennen, mit welcher fie fich verbreitet. Zur Verallgemeinerung diefer wichtigen Entdeckung exiftiren heute fpecielle Schulen oder Lehrcurfe, in welchen die Candidaten theoretifch und praktifch unterrichtet werden. Grofse Anerkennung hat fich die unter Profeffor Haberlandt in Görz zu dem Zwecke ins Leben gerufene erworben, und in der italienifchen Abtheilung konnten wir eine Photographie, dem agrario conuzio in Bergamo gehörig, gewahren, die eine Schaar Mädchen darftellte, welche in der nothwendigen mikrofkopifchen Unterfuchung der todten Schmetterlinge unterrichtet wird. Dadurch, dafs fich in den letzten Jahren die Wiffenfchaft überhaupt mehr mit dem Studium des Lebens der Seidenraupe befafst hat, ift man auch zu Fortfchritten in anderen Beziehungen gelangt. Diefelben laffen fich zwar nicht in eine Linie mit Pafteur's Entdeckung ftellen, müffen aber gewifs als geeignet bezeichnet werden, dem Betriebe der Seidenzucht mehr eine naturgemäfse Methode und damit gröfsere Sicherheit zu geben. Die internationale Ausftellung von Roveredo und die der k. k. Seidenbau Verfuchsftation in Görz bringen in diefer Beziehung Lehrreiches. Transport- und Aufbewahrungsmittel des Samens bafiren auf der Anerkennung der Nothwendigkeit des unausgefetzten Luftzutrittes. Haberlandt conftruirt einen Apparat zur Abtödtung der Cocons mittelft Schwefelkohlenftoffs, dann einen Serimeter und gemeinsam mit Bolle einen Brutofen mit Petroleumheizung. Aufserdem war in beiden Ausftellungen ein einfaches Geräthe zur Entfernung der Floretfeide zu fehen, und ebenfo beachtenswerth müffen die Hürden und Hürdengeftelle genannt werden, die meiſtens im Modell da waren. Als Beitrag zur Bekämpfung der augenblicklich noch wirkfamen Schlaffucht ift der Chlorentwickler anzufehen, und die mühfamen anatomifchen Präparate von Profeffor H aberlandt und Bolle, dann die mikrofkopifchen Präparate der k. k. Seidenbau Verfuchsftation, ferner die Arbeiten von Themiftocle Azolini und Dr. Ruggero Cobelli gewährten einen lehrreichen Einblick in die Natur der Seidenraupe. Auch diefsmal find die Rivalen der Seidenraupe nicht vergeffen; der internationale Congrefs von Roveredo und die k. k. Seidenbau- Verfuchs ftation in Görz theilen fich mit einigen Privaten in das Verdienft, fie beigebracht zu haben. Seinerzeit hatte man bedeutende Erwartungen in fie gefetzt, und abwechselnd war bald dem einen, bald dem anderen eine grofse Zukunft in Ausficht geftellt; feitdem fich jedoch die urfprünglichen Anfchauungen der Seidenzüchter durch die gemachten Erfahrungen ernüchtert haben, und nunmehr auch in der Zellengrai nirung ein wirkfames Mittel gefunden ift, der Körperchenkrankheit, diefer verheerenden Geifsel, mit Erfolg entgegenzutreten, kommen fie mehr aufser Beachtung. Nur der bivoltine erft 1871 aus China nach Europa gelangte Bombyx Pernyi ein Eichenfpinner fcheint nach den bisherigen Beobachtungen noch eine -- - Ausnahme zu machen. Wenn auch fein Product, gleich dem aller anderen Rivalen 46 Johann Pohl. des Seidenfpinners, gleichfalls nicht den edlen Seidenglanz befitzt, fo ift es doch ganz beachtenswerth; die Cocons enthalten im Gegenfatze zu denen des Bombyx Yama- maï mehr Seide, die Seide läfst fich leichter abhaspeln und ift fehr dehnbar und feft. Als eine Sache weiterer Beobachtung mufs es angefehen werden, feinen Werth für die europäiſchen Verhältniffe noch genauer zu ermitteln, was allein feine Bedeutfamkeit beftimmen kann. Zum Schluffe fei noch der einzelnen Coconsproben in der deutfchen, fpanifchen, portugiefifchen, ruffifchen und türkifchen Abtheilung gedacht. Bienen. Die Generaldirection glaubte, wie uns der Chef der agriculturellen Aus ftellung Profeffor Dr. Arenftein mittheilte, fowohl in Rückficht auf das Publicum, wie auch getragen von dem Gedanken, dafs ein belebter Bienenftand nur fehr wenigen Befuchern zugänglich fein kann, die des Weiteren auch noch bei einem kurzen Befchauen unmöglich eine Bereicherung ihres Wiffens erwarten können, lebende Bienenvölker von der Ausftellung ausfchliefsen und die letztere nur auf Hilfsmittel zur Bienenzucht und Producte derfelben befchränken zu follen. Das veranlafste den Wiener Bienenzüchter- Verein, der darin einen Mangel erblicken wollte, felbftftändig vorzugehen und unabhängig von der grofsen Ausftellung im Prater und neben ihr gleichzeitig eine internationale Aus.. ftellung von lebenden Bienenvölkern, Bienenwohnungen, Geräthen, Producten, Schriften etc. zu veranstalten. Auf diefe Weife gefchah es, dafs die mit I. Auguft in Simmering eröffnete internationale Ausstellung ins Leben gefetzt wurde. Seitdem Pfarrer Dzierzon in Carlsmarkt die Idee des Mobilbaues unter die Imker geworfen, ift ein raftlofes Streben nach Vervollkommnung diefes Wirth. fchaftzweiges eingetreten, das bis zur Stunde noch immer fortwährt und fich täglich mehr verallgemeinert. Es ift eine Thatfache, dafs die Pflege der Bienenzucht vorwiegend in der Hand des kleinen Mannes liegt, der fich feine Hilfsmittel entweder felbft erzeugt oder über eigene Angabe anfertigen läfst. Bei dem Reize ferner, den es gewährt, in die Erörterung von Fragen einzugreifen, die noch flüffig find und deren es in der Bienenzucht eine grofse Zahl gibt, wird es begreiflich, dafs die einem und demfelben Zwecke dienenden Gegenftände von fo verfchiedenartiger Conftruction angefertigt werden. Damit fei aber keineswegs gefagt, dafs jede Aenderung gleichzeitig eine begründete ift; neben ganz vortrefflichen Gedanken machen fich nur zu oft blofse Spielereien einer müfsigen Phantafie ungebührlich breit. Sehr reichhaltig ftellte Deutfchland aus. An einem fehr guten Platze und in Einem fanden wir Hilfsmittel zur Bienenzucht und Producte derfelben aller Art. Die land und bienenwirth fchaftlichen Vereine von SchleswigHolftein, Baiern, Königreich Sachfen und Heffen haben gleichwie die naffauifchen Imker reiche Collectionen znfammengeftellt und thun vereint mit den übrigen Ausftellern dar, dafs in Deutfchland vielfeitig mit beweglichem Wabenbau gearbeitet wird. Das beinahe ausfchliefsliche Vorhandenfein von Bienenwohnungen nach Dzierzon's Princip und von fonftigen nur dafür geeigneten Geräthen, wie auch die aus allen Theilen Deutſchlands beigebrachten und ebenfalls nur auf diefem Wege gewinnbaren Honigfortimente beweifen das. Die diefsbezügliche Ausftellung Oefterreichs war durch das Arrangement der Collectivausftellungen der einzelnen Königreiche und Länder auch demgemäfs zerfplittert und entbehrte dadurch des imponirenden Eindruckes jener Deutfchlands. Von den vorfindlichen Geräthen und Producten, insbefondere aber des Wiener Bienenzüchter- Vereines läfst fich nur Aehnliches wie dort fagen. Thierzucht. 47 Auch Italien betheiligte fich recht anfehnlich mit Bienenwohnungen, Honigentleerungsmaschinen und Producten. Neben den zwar fehr lehrreichen, aber bis in's Kleinliche ausartenden Tableaux von Prof. L. Sartori in Mailand und dem fonft vorwiegenden Mobilbau war es ganz intereffant, auch die primitiven und aus einfachem Ruthengeflecht beftehenden Bienenkörbe zu fehen. An Bienenwohnungen und Producten war auch Ungarn recht anfehnlich vertreten und hinter mehreren Objecten fteht eine bedeutende Jahresproduction. Aus der Schweiz hatten fich mehrere Ausfteller theils mit Geräthen, theils mit Producten eingefunden; was die erfteren betrifft, find fie insgefammt nach dem Principe des beweglichen Wabenbaues conftruirt und die letzteren können nur von einer forgfältigen Pflege herrühren. Auch Frankreich fehlte nicht und war durch zwei Ausfteller mit Geräthen und Producten vertreten. Unter erfteren erregte ein Bienenkorb- ausgeftellt von E. Drozy in Bordeaux- wie er im Südweften Frankreichs von den Bauern gebraucht wird, die Aufmerkfamkeit ein blofses Ruthengeflecht, das mit Kuhmift überftrichen wird, dürfte wohl mit zu den einfachften Formen von Bienenwohnungen gehören. - Aufser Englands eigenartigen und mit Scrupulofität conftruirten vier Bienenwohnungen hatte Dänemark gleichfalls eine, und zwar einen Pavillon für vier Völker und daneben fehr fchöne Producte ausgeftellt und in der ruffifchen Abtheilung für landwirthschaftliche Maſchinen fand man einen originellen Lagerftock für Wanderbienenzucht neben einem finnigen Schwarmfänger. In der belgifchen Collectivausftellung war gleichfalls der Bienenzucht durch Aufnahme einiger einfacher Geräthe gedacht und Spanien, Portugal etc. fuchten in Pro ducten die Pflege diefes Zweiges in den betreffenden Ländern zu verfinnlichen Unter den Hilfsmitteln zur Bienenzucht fteht obenan die Bienenwohnung, deren eine ftattliche Zahl beigebracht worden ift. So viel ihrer auch da sein mochten, find doch wenige ganz gleichmässig conftruirt und unterfcheiden fich bald nach der einen, bald nach der anderen Seite von einander. Kein darin angelegter neuer Gedanke kann indefs für fo bedeutend bezeichnet werden, um dem Betriebe der Bienenzucht eine neue Richtung zu geben; durchwegs befchränken fie fich auf die weitere Verarbeitung der Dzierzon'fchen Idee und fuchen blofs in der Conftruction der Natur der Biene und den jeweiligen Verhältniffen Rechnung zu tragen. Im Allgemeinen läfst fich fagen, dafs Ständer an Zahl die Lagerftöcke überwiegen und erftere bald in zwei, bald in drei oder auch in vier Etagen angefertigt werden, indeffen die mit drei die häufiger, zu findenden find, wobei dann die beiden unteren als Brut- und die obere als Honigraum dienen. Warmbau herrscht gegen Kaltbau weitaus vor; ebenfo ift die Anwendung von Rähmchen gebräuchlicher als die von Trämchen, nur haben erftere oft die vierte und zwar untere Seite offen. Was die Stockbreite anbelangt, fo ift fie keine conftante, meiftentheils aber in Oefterreich 92 Wiener Zoll und in Deutſchland 10 Zoll daneben kommen aber Abweichungen auf und ab nicht felten vor. In Stärke der Wände der Bienenwohnung wie auch im Materiale, aus dem diefelben bereitet werden, exiftiren felbftverſtändlich Unterfchiede je nach der Gegend, in der fie zum Ge brauche zu dienen beftimmt find. Deutſchland, Oefterreich, die Schweiz und Dänemark ziehen Strohwände und hölzerne Doppelwände vor, während das unter einen wärmeren Himmelsftrich liegende Italien fich lieber mit einfachen Holzwänden behilft. In Deutſchland fucht man in diefer Frage auch noch nach anderen Auskunftsmitteln. Dr. Käftner aus Bordesholm wählt zur Anfertigung der Wände Torf, Protze aus Lockwitz Kork und M. Tittel in Hartenftein Holzftoff. Eine verlässliche Antwort auf die präcis und richtig geftellte Rentabilitätsfrage wird - 4 48 Johann Pohl. wohl am beften im Stande fein, die Berechtigung des einen oder anderen auszu fprechen. Von dem zur Anfertigung mancher Bienenwohnungen aufgewendeten befonderen Fleifse oder felbft Kunftfertigkeit kann hier keine Rede fein, wo es fich blofs um die wirthschaftliche Bedeutung der einzelnen Ausftellungsobjecte handelt. Der Berichterstatter der 1867er Parifer Ausftellung, Minifterialrath Doctor J. R. Lorenz, nahm Doctor Melicher's Eintheilung der franzöfifchen Bienenzüchter in ,, producteurs" et, amateurs" an und fagte fehr treffend darüber: ,, Den altconfervativen producteurs ftehen die amateurs entgegen, welchen es minder auf den alljährlich ganz fichern und möglichft gleichmässigen Gewinn, als vielmehr auf den vielfach noch problematifchen Fortfchritt ankommt." Diefe Unterfcheidung dürfte aber nicht blofs auf die franzöfifchen, fondern auch auf die Bienenzüchter Mitteleuropas überhaupt anwendbar fein. In der Imkerliteratur ift fchon längft gegenüber von Empirikern von Rationellen die Rede, welche beiden Begriffe obige einander entgegengefetzte Richtungen in der Hauptfache decken. Allerdings hat die Zeit mit ihrer Alles vermittelnden Macht auch hier bereits das Ihrige gethan und die Verföhnung angebahnt; die Anhänger beider Parteien fangen an, fich Gerechtigkeit widerfahren zu laffen und ihre Vortheile gegenfeitig auszutauschen. Die Ausftellung entwarf zwar von diefer ganzen Sachlage nicht das richtige Bild, zumal die Anhänger des Stabilbaues fich wenig oder gar nicht betheiligten, während jene des Mobilbaues und der Vermittlungsftufe es an nichts fehlen liefsen. Wenn • es jedoch genügt, dafs in der Ausftellung blofs der Fortfchritt documentirt werde, dann kann man als damit genug gefchehen annehmen. Der Bienenzuchtbetrieb mit Mobilbau ift zwar nur möglich bei Vorhandenfein von mehr Kenntniffen und bei Aufwand von gröfserer Sorgfalt, gewährt jedoch dafür am rechten Platze und bei richtiger Handhabung grofse Vortheile, indem es mit ihm möglich wird, die Natur der Biene zielgerecht zu leiten. - Seiner Verbreitung ftehen aber die hohen Preife der allein dafür geeigneten Bienenwohnungen im Wege. In der Ausftellung fehen wir, wie fehr man allerorts beftrebt ift, diefem Uebelftande entgegenzuarbeiten; die verfchiedenen Preffen zur billigen Erzeugung von Bienenwohnungen aus Stroh, von denen wir befonders die von Jofef Schmeidlaus Ingolftadt nennen, der gleichzeitig damit fchön gearbeitete Stöcke eingefendet hat, feien hier hervorgehoben; ebenfo nimmt Maler von Lacher aus Wien in feinem, Wirthfchaftsbienenftock" einen trefflichen Anlauf nach derfelben Seite und in dem, wie Drozy aus Bordeaux und Andere vorgehen, läfst fich dasfelbe Motiv erkennen. Erft dadurch, dafs es heute in der Hand des Imkers liegt, der Biene das zeitraubende und materiellen Nachtheil bringende Gefchäft der Wachserzeugung gröfstentheils zu erfparen und ihr damit die Möglichkeit zu bieten, die günftige Zeit der Honigtracht ungefchmälert zum Eintragen des Honigs zu verwenden, gelangt die Idee des beweglichen Wabenbaues zu ihrer vollen praktiſchen Bedeutung. Major Hrufchka gebührt das Verdienft, uns in feiner Honigentle erungsMafchine das für diefen Zweck geeignete Mittel erdacht zu haben. Im Jahre 1865 gelegentlich der Verfammlung der deutfchen Bienenwirthe in Brünn gab er das erftemal feinen Gedanken bekannt und demonftrirte denfelben mit einem ganz einfachen Geräthe, wie wir es in der Simmeringer Ausftellung zu fehen bekommen, und heute zeigt uns die Wiener Weltausftellung, wie trefflich er war und auf einen wie fruchtbaren Boden er fiel. Die Mechanik hat fich desfelben bemächtigt und eine Mafchine conftruirt, deren wir eine grofse Anzahl in der deutfchen, öfterreichifchen und italienifchen Abtheilung fanden. Allerdings entbehrt diefelbe noch jener Vollkommenheit, die wir an den Maſchinen heutigen Tages zu finden gewöhnt find; aber für den vorliegenden Zweck kann fie gewifs als hinreichend bezeichnet werden. Zu den wichtigſten Geräthen der Bienenzucht gehört ferner die Wachspreffe. In diefer Beziehung hatte in der fchweizerifchen Abtheilung Carl Pfifter Thierzucht. 49 in feiner„ Dampfwachs- Preffe" ein beachtenswerthes Object ausgeftellt. Die Verbefferung befteht darin, dafs unterhalb der eigentlichen Wachspreffe ein Refervoir für warmes Waffer angebracht ift. Bei der Arbeit wird erfteres gefüllt und die fich entwickelnden Dämpfe follen das Auspreffen des Wachfes erleichtern. Einen ähnlichen Apparat finden wir auch in Simmering. Auch an anderen Bienen- Wirthfchaftsgeräthen gab es eine überreiche Fülle von mitunter recht brauchbaren, oft aber zwar recht fchön ausgedachten, für den praktiſchen Belang aber ganz überflüffigen Dingen. Intereffant ift der in der ruffifchen Agricultur- Mafchinenhalle aufgeftellte Schwarmfänger von P. Borif fowfky aus Moskau zu nennen, mittelft deffen es möglich fein foll, an befchwerlich zu erreichenden Orten angelegte Schwärme mit Leichtigkeit einzufangen und gleichzeitig neben der Erreichung anderer Vortheile auch die Drohnen auszufcheiden. E. H. Wolter aus Neu- Brandenburg bringt eine Preffe zur Erzeugung von Wabenleeren und in Simmering finden wir folche felbft von diefem und von H. Kunz in Jägerndorf ausgeftellt. An Bienenhauben und Rauchinftrumenten hat Gatter einige Modificationen angebracht. Für den Hochbetrieb der Bienenzucht lieferten Deutfchland und Oefterreich Einiges, beftehend in Beobachtungsftöcken, Königinnen- Züchtungshäuschen, ferner Transportmitteln und dergl. Hiebei wäre auch der vom Handelsbienenftande des Barons Rothfchütz ausgeftellten Geräthfchaften zu gedenken. Zum Gegenfatze vom Wachfe kann man vom Honig eher fagen, dafs aus feiner Befchaffenheit fich Einiges über die Betriebsweife der Bienenzucht, der er entftammt, ablefen läfst; die in der öfterreichifchen Abtheilung, dann in Simmering ausgeftellten mit fchönem Bau gefüllten Glasglocken, ferner die nach den verfchiedenen Pflanzen gefonderten Honigfortimente Deutſchlands, Oefterreichs, Italiens, Ungarns, der Schweiz etc. beweifen gegenfeitig, wie fehr die Natur der Biene dem Einfluffe des Menfchen unterworfen werden kann. Ob Gatter's zwölf Jahre alt fein follender Visniak oder der fünfundvierzig Jahre zählen follende Molinak, oder feine in Honig eingefottenen Früchte einen dankbaren Verfuch bilden, möge der Zukunft und der weiteren Erfahrung zur Entfcheidung überlaffen fein. Da, wie bereits gefagt, die Ausftellung lebender Bienen im Prater nicht geftattet war, fo mufste derjenige, der hoffte, am fliegenden und arbeitenden Infecte aus eigener Beobachtung und Betrachtung fich ein Urtheil nach der einen oder anderen Seite zu erwerben, fich nach Simmering verfügen. Hier fand er in mannigfaltigen Bienenwohnungen 59 Völker in fo lebendiger Thätigkeit, wie fie eben die Umgebung Wiens geftattet. Die deutfche Biene, die italienifche und die krainer haben fich zu gegenfeitigem Wetteifer zufammengefunden und beleben den fchönen Schulgarten. Zur Erreichung der Vollständigkeit hat Lehrer Vogel aus Lehmannshöfel auch ein egyptifches Volk in einem Beobachtungsftocke eingefendet. Wir finden alle diefe Völker verfchiedener Heimat da und doch werden wir davon nicht die Löfung der Frage erwarten, ob die deutfche, die italienifche, die krainer oder die egyptifche die würdigere ift, die Zukunft zu befitzen. Die feiner Zeit übertriebenen Urtheile haben fich heute ernüchtert und der Bienenzüchter weifs eben fo gut wie der Landwirth, dafs das Klima zwar im Stande ift, dem Thiere gewiffe Eigenthümlichkeiten aufzuprägen, dafs diefelben aber nicht fo bedeutend find, wie man früher angenommen hat. Ställe. Auch in diefer Hinficht enthielt die Ausftellung Einiges. R. Ph. Waagner in Wien hatte einen ganzen Stall für Luxuspferde nach englifcher Manier hergestellt. Von Intereffe war auch das Stallgebäude der Meierei der k. k. Landwirth. fchafts- Gefellſchaft in Wien, deffen Einrichtungsftücke fämmtlich Ausstellungs4* 50 Johann Pohl. objecte waren und wovon die Krippen der verfchiedenen Art die Aufmerksamkeit erregten. Neben marmornen und fteinernen fahen wir auch verfchiedene aus Beton, an denen noch während der Ausftellung fich recht gut erkennen liefs, wie fehr in Dauerhaftigkeit für diefen Zweck eckige und kantige Formen den runden nachftehen. Zwar nicht auf dem Ausftellungsplatze felbft vertreten gewefen, find doch die Rinderftallungen des Franz Ritter von Horsky auf der Domäne Kolin, welche übrigens von den Jurymitgliedern der II. Gruppe in einer fpeciellen Excurfion befucht wurde, ob ihrer Originalität hier befonders erwähnenswerth. In der Ueberzeugung, dafs ein grofses Gebäudecapital den Grundbefitz fehr empfindlich belafte, hat der verdiente Mann in feinen Stallungen, die er in einer fpeciell für die Excurfionsmitglieder abgefafsten Schrift befchreibt, ein Mittel gefchaffen, dasfelbe auf einen geringen Bruchtheil zu verringern. Milch- Wirthschaftsgeräthe. In Anbetracht deffen, dafs erft vom 13. bis 17. Dezember 1872 in Wien eine theilweife internationale Molkerei- Ausstellung ftattgefunden hat, die nach jeder Seite hin, fowohl was Hilfsmittel zur Milchwirthschaft, wie auch was Producte derfelben betrifft, fehr zahlreich befchickt war, konnte wohl nicht erwartet werden, dafs in diefer Hinficht im Prater befonderes Neues gebracht werden würde. Es konnte das um fo weniger gehofft werden, nachdem gerade diejenigen Länder, welche im December gefehlt hatten, auch hier gröfstentheils abwefend blieben und die urfprünglich für den 4. bis 6. October in Ausficht genommene temporäre Ausftellung von Molkereiproducten, Hilfsftoffen und Betriebsmitteln nicht zu Stande kam. Betheiligt hatten fich blofs die Schweiz, Schweden, Dänemark, Belgien, Deutfchland, Oefterreich und Rufsland und zwar mit Milch- Prüfungsapparaten, Milchkühlern, Milchfatten, Butterfäffern, Käfereigeräthen und dergl. - An Milch- Prüfungsapparaten war im Induftriepalafte von Dr. Ch. Müller aus Bern die bekannte fchweizerifche Milchprobe und im Pavillon des k. k. öfterreichifchen Ackerbau- Minifteriums in dem der k. k. chemifchen Verfuchsftation in Wien( unter Leitung des Profeffors Dr. J. Mofer gewidmeten Abtheilung der nach Fuchs conftruirte Centrifugalapparat ausgeftellt, womit in genannter Verfuchsftation bei 20 Minuten langer Drehung die Milch etwa ebenfo viel Rahm abgefetzt hatte, als nach 24 Stunden in dem gewöhnlichen Rahmmeffer. Letztere Idee ift zwar auch nicht neu Fuchs fchlug fein Verfahren fchon 1859 vor aber nichtsdeftoweniger allgemein wenig gekannt und ob der Möglichkeit ihrer Benutzung auch für andere Zwecke höchft beachtenswerth. Als nichts Anderes ift die, centrifugale Butterprobe" der fchweizerifchen Milch- Verfuchsftation in Thun- ausgeftellt in der öftlichen Agriculturhalle anzufehen, die fich zur Unterfuchung von Butter und Schmalz auf Waffer, Cafeïn etc. eignet. Das Gefetz der Centrifugalkraft auch zur Entrahmung der Milch im Grofsen in Anwendung zu bringen, fchlug A. Prandtl fchon im Jahre 1864 vor und aus dem Berichte des Dr. Benno Martiny in der Milchzeitung, über die Molkerei- Ausstellung im December, erfahren wir, dafs eine mechanifche Werkstatt fich bereits mit der Anfertigung eines folchen Apparates befaffe; trotzdem ar auf der Ausftellung leider keine Spur davon zu entdecken. Diefe Sache ift von Seite der Milchwirthfchafts- Befitzer der höchften Beachtung würdig, denn im Falle fich der Gedanke bewährt, wofür gegründete Hoffnung vorhanden ift, erhält der Molkereibetrieb eine ganz neue Richtung; Milchkeller, Milchfatten und dergleichen würden über- * Mein Streben, Wirken, meine Refultate nebft praktifchen Rathfchlägen zur Organifirung und Syftemifirung landwirthschaftlicher Befitzungen ohne Geldvorauslagen von Franz Ritter von Horsky. Kolin. Franz Sudek. 1872. Thi rzucht. 51 flüffig und bei der Milch würde Zeit gewonnen, was nur zur Erhöhung des Werthes der Producte daraus beitragen würde. Die Centrifugalkraft dürfte aber auch noch für andere Zwecke in der Landwirthschaft Verwendung finden. Bedenken wir, wie differirend im Werthe eine und diefelbe Getreideart bei verfchiedenen Gewichtsqualitäten ift und dafs die Körner von dem verfchiedenften fpecififchen Gewichte neben einander erfechft werden und als unegale Waare in den Handel kommen, was fie ebenfo unvortheilhaft für ihre Verwendung als Saatgut, wie für ihre Verarbeitung auf Mehl macht, dann nöthigt fich uns die Frage auf: wäre die Technik nicht im Stande, auf Grund des Gefetzes der Centrifugalkraft uns eine praktiſche Mafchine zu conftruiren, mittelft welcher der Landwirth fich fein Getreide nach dem Gewichte fortiren könnte? Ein fehr wichtiges Geräthe für viele Milchwirthfchaften ift bereits der Milchkühler, namentlich dort, wo die Milch transportirt oder confervirt werden foll; er gelangt aber, feitdem wir wiffen, wie fehr es dem Erfolge abträglich ift, wenn die Milch für den Zweck des Abrahmens einer mit der eigenen fehr differirenden Temperatur im Milchkeller ausgefetzt wird, zu noch höherer Bedeutung. Romanowsky J. in Wien hat neuerdings feinen bekannten Milchkühler ausgeftellt und nebftdem einen„ Milchkaften", der den Milchverfchleifsern zur befferen Ausnützung des Eifes dienen foll. In feiner Wefenheit befteht letzterer in einem nach fechs Seiten fich ftrahlenförmig erweiternden blechernen Gefäfse zur Aufnahme der Milch, das in einem gröfseren Kaften für die Aufnahme des Kühlwaffers fitzt und welch' letzterer von einer die äufsere Wärme abhaltenden Wand und oben mit einem folchen Deckel verfehen ift. Lefeldt's( W. Lefeldt& Lentfch in Schöningen, Provinz Brandenburg) neuer Milchkühler, den die Befucher der Molkereiausftellung im December im Modell gefehen, ift hier ausgeführt. Er befteht aus vier concentrifchen Ringen, von denen zwei zur Aufnahme von Milch und zwei zur Aufnahme von Waffer dienen und die je mit einander communiciren. Das Waffer tritt aus einem höher gelegenen Refervoir unten in den Apparat ein, vertheilt fich durch die in den Zuleitungsröhren angebrachten kleinen Löcher perlend in die Kühlringe und wird wieder abgeleitet, während die Milch mittelft eines eigens conftruirten Trichterfiebes, das bis an den Boden reicht, zu unterft dem am meiften kühlen Waffer zugeführt wird und fchliefslich unten in der Richtung der communicirenden Röhren abläuft. Es läfst fich aus der ganzen Conftruction im Voraus fagen, dafs einerfeits durch das Kräufeln des eintretenden Waffers und anderfeits durch Zuhilfenahme des fpeciellen Rührapparates der Milch damit die befte Ausnützung des Kühlwaffers erfolgen mufs. In Folge der finnreichen Anordnung ift auch die fo nothwendige Reinhaltung ermöglicht. Authentifche Verfuche liegen einftweilen noch nicht vor. Bei dem von Schultz J. H. Th. aus Dänemark im Modell ausgeftellten Milchkühler läuft die Milch in einer dünnen Schichte auf einer feicht geneigten fchiefen Ebene über unter derfelben hingeleitetes kaltes Waffer und in der englifchen Abtheilung der Maſchinenhalle fteht Lawrence's Patent Kühlapparat für Brauwürze, Maifche und Spülicht in Brennereien, der auch zum Abkühlen von Milch empfohlen wird. Seine Einrichtung ift derart befchaffen, dafs die Milch in eine Rinne geführt wird, welche die erftere durch kleine Oeffnungen auf und über zwei gewellte fenkrechte Flächen paffiren läfst, während das Kühlwaffer zwifchen beiden von unten nach oben gedrückt wird. Was das Ausrahmen der Milch betrifft, war die Ausftellung an dafür dienenden Geräthen nicht fehr reichhaltig. Neben bereits allgemein bekannten Milchfatten aus Holz und Blech, wie fie in der fchweizerifchen, öfterreichifchen und ruffifchen Abtheilung ausgeftellt waren, wäre hier blos das Deftinon'fche Verfahren zu erwähnen, das in der Agricultur- Mafchinenhalle des deutfchen Reiches durch die Acti engefellfchaft Carlshütte und im Induftriepalafte durchAnker Heegaard in Frederikfaerk, Klöbenhavn in Dänemark, repräfentirt wird. Dagegen 52 Johann Pohl. fehlte das Schwartz'fche Verfahren der Rahmgewinnung dort, wo man es fuchen würde, gänzlich, gerade dasjenige, das erft neueren Entstehens ift und das Ritter von Tfchavoll J.A. in Feldkirch bei der Molkerei- Ausftellung im December auch in feiner Anwendung fo inftructiv zurDarftellung gebracht hat. Im fchwediſchen Bauernhaufe, wo die hieher gehörige Ausftellung J. W. Gundberg's aus Stockholm ftand, werden fie wohl die wenigften Landwirthe gefunden haben. Diefes Verfahren unterfcheidet fich von den bisherigen Methoden dadurch, dafs dabei die Milch in Blechgefäfsen von 16 Zoll= 420 Millimeter Tiefe und 18 Zoll 270 Millimeter Durchmeffer in Waffer eingefenkt wird, das man bei einer Temperatur von 3 bis 7 Grad Celfius erhält. Ganz begreiflicher Weife ift die Ausführbarkeit desfelben an den Vorrath entſprechender Eismengen geknüpft; dafür gewährt es aber auch fehr fchätzbare Vortheile, die ihm alle übrigen Methoden in Schweden, Norwegen, Dänemark etc. verdrängen helfen. Auch in Oefterreich ift es bereits an einzelnen Orten in Anwendung. - - Unter den Butterfäffern begegneten wir mit nur wenigen Ausnahmen meiftentheils blofs alten Bekannten, die fchon anderwärts genügend gewürdigt worden find. Nur in der dänifchen Abtheilung der Agriculturhalle konnte uns Brunn's N. P. Patent- Butterfafs und in der deutfchen Agricultur- Mafchinenhalle Lefeldt's Butterfafs einige Zeit aufhalten. Das erftere befteht in einem conifchen Faffe, in dem eine verticale hohle Achfe, die nach feitwärts ebenfalls hohle und an ihrem Ende offene Ruthen fächerartig abzweigt, mittelft einer ZahnräderUeberfetzung bewegt werden kann ähnlich wie beim englifchen Butterfaffe. Indem die hohle Achfe über dem Deckel noch feitwärts goffenartig fich erweiternd ausmündet, fteht das Innere derfelben und der hohlen Ruthen mit der äufseren Luft in directer Communication. Bei der der Richtung der Goffe entgegengefetzten Drehung der Achfe fängt die erftere Luft, diefe drückt auf die unter ihr fich befindliche und treibt fie durch die mit der Achfe communicirenden Ruthen in die Milch, refpective Rahm. Bei der Arbeit ift demnach nebft dem Schlagen der Ruthen auch die eingeftrömte Luft, gleichwie bei dem bekannten Clifton'fchen Butterfaffe, wirkfam. Lefeldt hat an feinem viel gebrauchten Butterfaffe geftellt in der Agricultur- Mafchinenhalle des deutfchen Reiches wieder einige beachtenswerthe Verbefferungen angebracht; und zwar hat er die Kautschukdichtung des Deckels, den er jetzt aus Eifen macht, aufgegeben und erfetzt fie durch ein leinenes Tuch; ferner bringt er das Loch zum Auslaffen der freigewordenen Luft in dem gufseifernen Deckel an. Gelegentlich der Molkerei- Ausftellung wurden damit von Seite des Generalcomités Verfuche angeftellt, die feinen Werth gegenüber dem Mühlfteinbutterfaffe der Alpenländer prüfen follten. Je eines der beiden Butterfäffer wurde zu dem Zwecke mit 12 250 Kilo Rahm bei einer Temperatur von 14 Grad Réaumur befchickt und darnach ergab fich folgende Leiftung*( fiehe Seite 53, Tabelle 1). - - ausAls eines der beachtenswertheften Objecte diefes Theiles der Ausstellung dürfte auch der Lefeldt'fche Butterkneter bezeichnet werden. Die Arbeit des Butterknetens, welche bisher gröfstentheils durch die Hand oder durch fimple und unvollkommene Geräthe verrichtet wurde, foll damit auf mafchinellem Wege gefchehen. Die Wirkfamkeit diefer Mafchine befteht darin, dafs die Butter zwei gleich lange und ftarke und mit ungleicher Gefchwindigkeit bewegte Walzenpaare paffirt und dabei gedrückt und geftrichen wird. In 10 Minuten follen fich damit 80 bis 90 Pfund Butter einmal durchkneten, beziehungsweife durch die Mafchine treiben laffen. Ein ebenfalls vom Generalcomité der Molkereiausftellung vorgenommener Verfuch mit dem Holländ'fchen und dem Lefeldt'fchen Butterkneter ergab nahfolgende Refultate**( fiehe Seite 53, Tabelle 2). * Bericht über die erfte öfterreichifche Molkereiaus ftellung zu Wien vom 13. bis 17. December 1872. Zufammengeftellt und im Auftrage des k. k. Ackerbau- Minifteriums herausgegeben vom General comité. ** Derfelben Quelle entnommen. Dauer des Butterns in Minuten Umdrehungen per Minute Menge Mühlfteinbutterfafs Lefeldt'fches Butterfafs 55 90* 55 50 60 50 1.605 86.16 Thierzucht. Fettgehalt Waffergehalt Der gewonnenen Butter Der gewonnenen Buttermilch Käfeftoff etc. Abfoluter Fettgehalt Merge Kilo Perc. Perc. Perc. Kilo Kilo Perc. Kilo 1'580 85 27 13'39 I'34 12'07 1347 9 170** I'77 1'383 6.820 075 0.068 0.95 0.064 Holländifcher Butterkneter 7 1.540 I- 540 14.09 Lefeldt'fcher Butterkneter bei zweimaligem Paffiren. 2 1.480 1'430 13.49 Gewicht der Butter WafferDauer der Arbeit gehalt vor dem nach dem nach dem Durch- DurchKneten kneten kneten Minuten Kilo Kilo Percent Die Qualität der Butter vor der Behandlung war beiderfeits eine ganz gleichmässige. Für Käfe- Erzeugung waren aus der Schweiz fchön gearbeitete kupferne Käfekeffel( Iten Carl Oberägeri, Zug) da, und dann ein Modell eines folchen mit einer Feuerung, die, trotzdem der Keffel bei feinem verfchiedenen Gebrauche nicht gehoben zu werden braucht, doch gefchloffen ift. Die emaillirten gufseifernen Käfekeffel von Anker Heegaard auf Dampfheizung, die in der dänifchen Induftrieabtheilung ftanden, dürften den meiften Ausftellungsbefuchern unbekannt geblieben fein, da fie eben an einem Platze ftanden, wo man MilchwirthschaftsGeräthe nicht fuchen zu brauchen glaubte. Dafür konnten dem Landwirthe die anderen dänifchen Käfereigeräthe nicht entgehen, namentlich die Käfepreffen und englifchen Käfemühlen von Chriftenfer Julius in Kopenhagen. Schafwolle. Die nachfolgenden von Dr. Wittmack gefa mmelten ftatiftifchen Daten geben die Wolle production in den einzelnen Ländern( fiehe Seite 55) die weiteren den Wollhandel derfelben( fiehe Seite 54) und fchliefslich nachftehende die Wolle verarbeitung in den einzelnen Ländern( fiehe Seite 55) * Darunter fiebenmaliger Aufenthalt mit 7/2 Minuten. ** Die gröfsere Menge Buttermilch ftammt daher, dafs, da bei obiger Temperatur ein vollständiges Ausbuttern mit dem Mühlftein- Butterfaffe nicht möglich war, nach 41 Minuten dauernder Arbeit mittelft Beigabe von Eis und kaltem Waffer die Temperatur auf 112 Réaumur herabgefetzt wurde, was beim Lefeldt'fchen nicht nothwendig war. Fettgehalt Abfoluter Fettgehalt 53 54 Länder Johann Pohl. Tabelle des Wollhandels. Einfuhr Kilo Ausfuhr Jahr Kilo 66,240.000 1861 24,480.000 77.355.000 1862 21,645.000 79,830.000 1863 28,755.000 92,925.000 1864 25,155.000 95,490.000 1865 37,080.000 Grofsbritannien 107,585.000 1866 29,970.000 96,165.000 1867 40,860.000 113,715.000 1868 47,295.000 116,325.000 1869 52,470.000 118,440.000 1870 41,625.000 143.775.000 1871 60,795.000 93,204.850 1867 8,469.000 101,657.850 1868 Frankreich. 5.923.600 108,585.600 1869 9,313.150 83,711.100 1870 12,855.700 27,951.000 1865 1,329.200 29,934.000 1866 256.700 35,113.000 1867 693.100 Belgien 47.418.000 1868 648.000 46,999.000 1869 1,292.000 73,546.000 1870 33,271.000 3,014.550 1822 bis 1833 5,307.450 6,730.050 1834 1843 " 7.345-550 8,298.100 1844" 1853 5,943.400 17,199.700 1854" 1864 5,950.900 35.620.950 1865 8,005.650 Deutfches Reich 33.675.750 1866 13,825.800 44.401.750 1867 12,043.700 46,205.950 1868 17.714.200 52,418.100 1869 21,038.050 40,771.900 1870 18,744 050 62,932.650 1871 30,502.500 Oefterreich 14,701.650 1868 14,887.900 10,840.450 1870 8,196.350 Niederlande 8,496.000 1870 6,953.150 Rufsland 1,274.350 1871 14,279.300 Italien 4,500.803 1868 833.341 Spanien. Portugal. Dänemark La Plata 289.900 1,000.000 1868 2,952.100 1871 2,000.000 544.250 1870 bis 1871 1,809.100 1871 80,000.000 1871 20,000.000 Cap 1872 15,200.000 1871 90,000.000 Auftralien 1872 86,439.600 Oftindien 1871 20,000.000 Vereinigte Staaten 31,101.200 1871 6,033.850 Schweden( in Pfunden) 3.335.000 1872 86.000 Thierzucht. Tabelle der Wollproduction. England. Rufsland. Frankreich. Deutfches Reich Spanien 66,000.000 Kilo 59,000.000 99 Türkei und Moldau Oefterreich. Italien. Schweden und Norwegen Portugal. 45,000.000 99 40,000.000 99 33,000.000 27 30,000.000 97 27,500.000 99 16,500.000 99 Dänemark Griechenland Niederlande Belgien 6.500.000 " 4.500.000" 3,750.000" 3.750.000 99. 2,250.000 99 2,000.000 99 Schweiz. 500.000 و, Vereinigte Staaten 65,000.000 99 Uebriges Nordamerika 10,000.000 Nordafrika 30,000.000 Cap 20,000.000" Auftralien 90.000.000 99 Oftindien 20,000.000" Uebriges Afien 40,000.000 99 Gefammte Wollproduction der Erde 710,000.000 Kilo oder 14'2 Millionen Zollcentner. Tabellle der Wollverarbeitung. Länder. England Frankreich Deutfches Reich Rufsland Belgien Oefterreich Spanien Italien. Niederlande Portugal Dänemark. Im Ganzen Kilo pro Kopf 149,000.000 4 94 116,000.000 3.15 72,500.000 1.86 46,000.000 0.75 42,300.000 8.28 30,000.000 0.84 30,000.000 1.80 20.000.000 0.83 4,000.000 I 05 3.500.000 0.87 2,750 000 I 71 55 Die Schafwolle spielt demnach bald als Product der Landwirthfchaft, bald als Gegenftand des Handels, bald wieder als Rohmaterial für die Induftrie eine ganz bedeutende Rolle. England, das die meifte Schafwolle producirende und verarbeitende Land Europas, blieb gleich 1867 in Paris mit diefem Artikel ganz ferne. Seine zu Haufe erzeugte Wolle verarbeitet es felbft, und was es fonft an Erzeugniffen 5 56 Johann Pohl. der Schafzucht abgibt, find blofs lebendige Thiere, bei denen die Eignung zur Fleifchproduction als die Hauptfache angefehen wird und Wollnutzung blos mehr nebenfächliche Berücksichtigung erfährt. Damit entbehrt das felbftbewufste Albion in diefer Hinficht jenes Momentes, das dort überhaupt für Befchickung von Ausftellungen das einzig mafsgebende ift. Dafs auch von Frankreich blofs Vliefse zweier Schäfereien vorlagen, die den Charakter der franzöfifchen Merinofchafe befitzen und denen fich nichts Bemerkenswerthes entnehmen liefs, darf wohl denfelben Urfachen zugefchrieben werden. Von Spanien, dem Stammlande unferer hochgezüchteten Merinos, war eine gröfsere Anzahl ftarker Proben eingefendet. Wenn es auch vielleicht etwas übereilt wäre, fchon aus der Art der Aufftellung gegenüber jener des deutfchen Reiches, Oefterreich- Ungarns und anderer Länder auf geringen Aufwand an Sorgfalt für die Pflege der Schafzucht in Spanien zu fchliefsen, fo kann man fich doch bei der genauen Betrachtung der Objecte diefes Gedankens nicht entfchlagen. In einer grofsen Anzahl der ausgeftellt gewesenen Wollmufter liefs fich zwar eine Uebereinftimmung im Grundcharakter mit den franzöfifchen, deutfchen und öfterreichiſchungarifchen Merinoheerden nicht verkennen, aber um wie viel von einander abweichend find fie doch? Während man in Spanien ftehen blieb, hat fich in diefen Ländern die Fähigkeit des Menfchen in der Beherrfchung der thierifchen Form und ihrer mannigfachen Eigenfchaften erprobt und glänzend bewährt. Portugal fteht Spanien gegenüber noch weit nach; in der grofsen Mehrzahl find feine Wollmufter grob, odinär und von fchwarzer Farbe und nur ein kleiner Theil ftammt von Thieren mit Merino charakter. Was von letzteren ausgeftellt war, kann aber auch nicht als geeignet angefehen werden, ein günftiges Licht auf die Schafzucht Portugals zu werfen. Auch Italien war nicht im Stande, fich in der Qualität diefes Artikels bemerkbar zu machen; die wenigen Mufter von vorwiegend unedler Wolle können, trotzdem in einzelnen Spuren von ehemals eingeführtem Merinoblut erkennbar find, ebenfo wenig geeignet erfcheinen, die Aufmerkfamkeit der Züchter zu feffeln, wie das Intereffe der Fabrikanten anzuregen. Aus dem auch in anderen Beziehungen auf dem Gebiete der Landwirthfchaft fo rührigen Schweden hat Hofmann- Dang L. Smedftad, Carlftad- Wollproben aus verfchiedenen Schäfereien ausgeftellt. Sie zeigen nicht fo fehr den Standpunkt der fchwedifchen Schafzucht überhaupt an, als fie vielmehr Beweis find, wie fehr man fich dort bemüht, die einheimifche Production durch Benützung fremdländifcher Fortfchritte zu heben. Einen nicht unbeträchtlichen Theil nahm in der Rufsland zugewiefenen Abtheilung der Agriculturhalle die Wollausftellung ein. Es kann das aber auch nur als ganz begreiflich betrachtet werden; feine weiten Länder dürften noch für lange Zeit die befte Ausnützung in der Wollproduction erfahren, insbefondere wenn der Schafzucht die ihr gebührende Aufmerkſamkeit gefchenkt und der Import von Veredlungsmaterial recht lebhaft fortgefetzt wird. Neben Profeffor Tfchernipiat off's Tableaux, welche Wollmufter von verfchiedenen ruffifchen und kaukafifchen Landfchafracen, dann eine Darftellung der verfchiedenen normalen und abnormen Verhältniffe des Wollhaares etc. enthalten, ftehen mehr als ein Dutzend Ausfteller, die gleichzeitig fehr bedeutende Producenten find. Zu nennen find: Adminiftration de la propriété de Karlovka de feu S. A. I. Madame la Grande Ducheffe Hélène Pavlovna, Linke L., Mazaïeff, E. Falz- Fein, Thierzucht, 57 L. Philibert Amédée, Glinka Nicolas und Andere. Vorwiegend ift es Merinowolle, die ausgeftellt war und darunter mehr diejenigen Qualitätsgrade, die auf einem ftärkeren Körper wachfen. Theilweife hat fie zwar viel durch Staub und Wind gelitten, aber im fonftigen Bau ift fie meift tadellos zu nennen und zeigte, vorausgefetzt dafs ihre Befchaffenheit fchon ein Product ruffifcher Züchter ift, dafs man dafelbft mit Erfolg fich bemüht, die Natur des Schafes den Zwecken entfprechend zu leiten. - Beredt fprachen die Wollproben Deutfchlands den Befucher der Ausftellung an. Dadurch, dafs die hervorragenden Züchtergruppen corporativ und je einheitlich auftraten, machten fie entfchieden einen günftigen Eindruck. Zuerft feien die fehr inftructiven Sammlungen Settegaft's genannt, die neben Anderem den Entwickelungsgang der Schafzucht Deutſchlands darftellen follen. So lehrreich darin die Gefchichte der älteren Zeit von dem um die Thierzucht hochverdienten Ausfteller behandelt ift, für ebenfo fraglich mufs die Richtigkeit der Bezeichnung des heutigen Standpunktes genannt werden. Darnach follte man annehmen, dafs die Schafzüchter heute allgemein in der Verfolgung der Fleifchfchafzucht ihr Ziel möglich höchfte Verwerthung eines gegebenen Quantums Futteram beften zu erreichen glauben und zu dem Zwecke blofs der Reinzucht englifcher Racen zuftreben. Solange aber von 29 Millionen Schafen erft die Zucht von 7 Millionen eine ähnliche Richtung erhalten hat, die Mehrzahl der hervorragenden Schafzüchter Deutfchlands noch dem Merinofchafe die Berechtigung feiner Exiftenz für Deutfchland zuerkennt und, wie die Ausftellung zeigte, die Zucht desfelben felbft pflegt, dürften damit die Thatfachen anticipirt erfcheinen. In fehr gefälliger Weife traten an fünfzehn Heerden Meklenburgs theils mit hochedler Kammwolle, theils mit Tuchwolle ein und darunter altehrwürdige Namen wie Boldebuk( Prinz Schaumburg- Lippe), dann Lenfchow( Baron Maltzahn) und Andere. Ihre im ungewafchenen Zuſtande ausgeftellt gewesenen Mufter fcheinen nicht fo fehr dem Fabrikanten, als dem Schafzüchter imponiren zu follen. Nach der andern Seite zu wirken fcheint dagegen wieder in der Abficht der fchlefifchen Züchter zu liegen, indem fie ebenfalls in gröfseren. Proben und im marktgängigen Zuftande, das heifst am Rücken oder im Vliefs gewafchene, ausftellten. Dahin zählen: Elfn er von Gronow in Kalinowitz, Lehmann in Nitfche, Mens in Carsdorf, von Mitfchke in Collande, Graf von Rothkirch und Trach in Panthenau, von Rudzinski in Liptin, Wechowsky in Graafe, Baron Ziegler in Dambrau und Andere. Nicht zu überfehen find ferner die ſchönen Kammwollproben von Homeyer auf Ranzin dann die fehr inftructiv zufammengeftellten Proben und Vliefse von Chlapowski in Kopaszewo, dann die Kammwolle derAkademie Eldena des dortigen Centralvereines und des landwirthschaftlichen Vereines Schleswig- Holftein. Für das Königreich Baiern trat Profeffor Dr. G. May aus Weihenftephan mit einer neun Schäfereien entnommenen Collection ein und auch das Königreich Sachfen war theilweife vertreten. Aus der Provinz Hannover und aus Württemberg war Landwolle da. Schliefslich fei noch der Berliner Wollbank und Wollwäfcherei und der Lohnwäfcherei und Wollkämmerei in Döhren ( Hannover) gedacht, die fich den Schafzüchtern bemerkbar zu machen fuchten. In den Hauptzügen wurde durch diefen Theil der Ausftellung nur wieder die bereits bei der Befprechung der temporären Thierausftellung gekennzeichnete Sachlage der Schafzucht charakterifirt, woran nur noch anzufügen wäre, dafs die Binnenländer relativ wenig mit der Wolle der Fleifchfchafe hervortraten. Anders befchaffen war die Wolle- Ausftellung Oefterreich s. Durch das Arrangement der zahlreichen Collectivausftellungen von Seite der einzelnen Grofs Grundbefitzer entbehrte fie der Einheitlichkeit, die im Weiteren noch dadurch beeinträchtigt wurde, dafs man bald ganze 58 Johann Pohl. Thierzucht. Vliefse, bald gröfsere bald kleinere Proben, die oft ungewafchen, oft aber auch gewaschen waren, für geeignet hielt, die Sachlage zu charakterifiren. Nur die fonft auch fo inhaltsvolle Collectivausftellung des Königreiches Böhmen machte davon eine nennenswerthe Ausftellung. Was den Charakter der Wolle betrifft, fo liefse fich darüber nur dasfelbe wiederholen, was bei der Befprechung der temporären Thierausftellung gefagt wurde. Die Heerden von Arefin Jofeph Maria in Partfchendorf, Carl Ritter von Barrata in Budifchau, Herzog Auguft von Coburg Gotha, Fatton Fanni in Schönhof, Anton Ritter von Jablonowsky in Stujcfa, Baron Albert Klein in Hennersdorf, Graf Larifch- Mönnich in Karwin und Freiftadt, Baron Mundi in Drnowitz, Baron Romaczkan in Horodenka, Prinz Schaumburg- Lippe, Fürft Schwarzenberg, Graf Thun und Andere traten dafür ein. Ueber die Ein- und Ausfuhr Oefterreich- Ungarns in Wolle in den letzten dreifsiger Jahren geben Lorenz'„ Bodencultur Oefterreichs, ftatiftifche Daten" Auffchlufs. Man beachte auch den Bericht über Gruppe 5, Section 1. Den Glanzpunkt der landwirthschaftlichen Ausftellung Ungarns bildete entfchieden feine Wollausftellung, die fich fowohl durch ftrenge Einheitlichkeit im Arrangement auszeichnete, wie auch im Weiteren dem Schafzüchter und dem Fabrikanten gleichzeitig geftattete, an der Hand eines Mafsftabes den Werth einiger zwanzig Heerden Transleithaniens zu meffen. Dem bekannten Schaf züchter Béla Czilchert in Gútor gebührt das Verdienft diefer Zufammenftellung, welche Wolle der hervorragendften Heerden im Schweifse und im gewaschenen Zuftande enthielt. Die Ausfteller find gleichzeitig bedeutende Wollproducenten und unter ihnen befonders zu nennen: Béla Czilchert in Gútor, Dom capitel von Gran, die Grafen Auguft, Georg und Taffilo Feftetics, Graf Hunyady, Erzherzog Jofef, Graf Alois Károlyi, Lévaer Gutspachtung, Graf W. Pállfy. Daun, A. von Rummerskirch, Gabriel Skublics, Graf J. Stubenburg. die Grafen Dionys und Emerich Széchenyi, Baron Moriz Wodianer, die Grafen Camillo und Alfred Zichy und Andere.