OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3 UNTER REDACTION VON DR. CARL TH. RICHTER, к. K. O. Ö. PROFESSOR IN PRAG. DIE FORSTWIRTHSCHAFT. ( Gruppe II, Section 3.) BERICHT VON JOHANN NEWALD, Director der k. k. Forftakademie in Mariabrunn. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1874. 18 BEKICHI DI VORWORT. Mehreren Anfragen von Seiten des Publicums und der deutfchen Buchhändler zu genügen, glaubt der unterzeichnete Redacteur verpflichtet zu fein, noch kurz vor der Vollendung des officiellen Berichtes über den Verlauf des Druck- und Verlagsgefchäftes einige Aufklärungen geben zu müffen. Wie nach der ganzen Anlage des Werkes, dem Erfcheinen desfelben in einzelnen Heften nach den Sectionen der Weltausftellungs- Gruppen von vornherein wohl jedem Denkenden klar war, musste die Zahl der Hefte eine bedeutende und der Umfang derfelben ein verfchiedener fein. Diefe Verſchiedenheit rechtfertigt der verfchiedenartige Stoff, die gröfsere Ausdehnung aber die bisher immer anerkannte und geübte Pflicht, dafs der Staat, welcher eine Weltausftellung hervorruft, auch die umfaffendfte wiffenfchaftliche Darftellung derfelben dem Publicum zu bieten habe. Es find heute 67 Hefte erfchienen und damit der weitaus gröfste Theil des ganzen Werkes. Vier Hefte werden noch grössere oder kleinere Nachträge zu den einzelnen Gruppen bringen. Nur Gruppe XIII und XVIII find noch merklich unvollendet. Die grofsen Schwierigkeiten in der Befchaffung des Materiales, die Herftellung der Zeichnungen und Holzfchnitte das Eifenbahnwefen allein erheifcht nach der Gründlichkeit des Verfaffers mehr als 200 Holzfchnitte und II lithographifche Tafeln geftatten eine befondere Schnelligkeit des Erfcheinens der beiden Gruppen nicht. II Drei Hefte werden übrigens das damit gegebene Material erfchöpfen und erftens Motoren, zweitens Arbeitsmafchinen und drittens Eifenbahnbau enthalten. Damit wird der erfte, grössere Theil des Werkes vollendet fein. Der zweite, handelspolitifche Theil, nach dem Programme beftimmt, die Völker des Orients und Oftafiens der allgemeinen Erkenntnifs näher zu bringen, ift gleichfalls der Vollendung nahe, indem die bedeutende Arbeit über das europäiſche und afiatifche Rufsland von W. von Lindheim bereits vollendet und demnächft erfcheinen, der Bericht über China, Japan und Siam von Arthur von Scala demnächft abgefchloffen fein wird. Unmittelbar nach dem Erfcheinen diefer geringen Zahl von Heften wird die Einleitung zu dem ganzen Werke folgen ,,, die Fortfchritte der Cultur" von dem unterzeichneten Redacteur und das genaue Inhaltsverzeichniss nach vier Bänden für den erften und einen Band für den zweiten Theil. Eine Schwierigkeit übrigens, das ganze Werk zu ordnen, ift auch heute nicht vorhanden, da von jeher für die Ausftellungsberichte die Gruppeneintheilung zu Grunde lag. So wird, wie die Redaction fchon früher mittheilen konnte, das Werk in Jahresfrift vollendet fein, nachdem im Auguft 1873 das erfte Heft erfchienen, im Auguft 1874 das letzte Heft erfcheinen wird. Wem auch diefs nicht genügt, der möge bedenken, dafs bei der ganzen fchweren Arbeit weder die Herren Berichterftatter noch die Redaction von irgend einer Seite unterſtützt worden find und der Wunſch diefelben der Jury als Experte beizuziehen, ebenfo wie die Einficht in die Jury- Protocolle abgelehnt wurde, Alles fomit dem Sammlerfleifse des Einzelnen und feiner eigenen Thätigkeit überlaffen war. PROFESSOR DR. CARL TH. RICHTER, Chefredacteur des officiellen Berichtes. DIE FORSTWIRTHSCHAFT. ( Gruppe II, Section 3.) Bericht von JOHANN NEWALD, Director der k. k. Forftakademie in Mariabrunn. Der Waldwirthfchafts- Betrieb kann nicht an allen Orten ein gleicher fein. Er ift verfchieden nach den abweichenden Bodengeftaltungen, nach den wechfelnden orographifchen und klimatifchen Zuftänden der Länder und Gebiete, nach geographifchen und internationalen Verhältniffen, nach dem Culturftande, ja nach der Culturfähigkeit der einzelnen Völker und Volksftämme. Sowie der Waldwirthfchafts- Betrieb fich nicht überall in gleicher Weife geftaltete, erreichte er ebenfowenig an allen Orten gleichzeitig diefelbe Höhe feiner Entwicklung. Es treten deutlich bemerkbare wirthschaftliche Mittelpunkte in den Vordergrund, von denen ausgehend fich eine beffere Behandlung des Waldes, eine fchonendere Benützung desfelben in immer gröfseren Kreifen ausbreitete; fegensreich bewährt fich in folchen, durch günftige wirthschaftliche Momente bevorzugten Gebieten eine dem Walde und feiner Pflege wohlwollende Gefinnung. Wohlgeordnete allgemeine wirthschaftliche Verhältniffe und Einrichtungen find nur zu oft eben fo gut die Bedingung, wie die Folge gedeihlicher forftlicher Zuftände. Mit Wald bedeckt laffen fich jene Bodenflächen, welche bis nun für die Benützung als Acker- und Culturland entbehrlich find, am. ficherften in ungefchwächter Kraft und Ertragsfähigkeit auf die Nachwelt übertragen. In dem Mafse, als der bisher der Holzbeftockung überlaffene, jedoch eine beffere Benützung geftattende Boden als Acker- und Culturland benöthigt wird, erleidet der Wald fort und fort eine räumliche Einfchränkung. Mag man immerhin den zurückgebliebenen Reften einft ausgedehnter Waldbeftände eine erhöhte Sorgfalt und Pflege zu Theil werden laffen, in dem Grade, als das Bedürfnifs nach Acker- und Culturgründen fteigt, mufs die Holzbeftockung den Platz räumen, der Wald hat an diefem Orte feine Miffion in der Gefchichte der Volks- und Culturentwicklung erfüllt. So wenig fich von der Landwirthschaft, von der Viehzucht, vom Bergbau agen läfst, dafs fie Wirthschaftszweige jüngeren Datums find, eben fo wenig erfcheint eine folche Annahme von der Waldbewirthschaftung als zuläffig. Wir wollen bei unferen Erwägungen vorherrfchend Mitteleuropa, im Laufe der Zeiten die Heimat und der Wohnfitz zahlreicher Völker- und Volksftämme, in das Auge faffen. Kann wohl ein Zweifel darüber beftehen, dafs alle diefe Völker eine Waldwirthschaft betrieben haben? Die älteften Mafsregeln I 21 Johann Newald. für die Bewirthschaftung der ausgedehnten Wälder, welche, fowie allerorts, wo der Boden feinen urfprünglichen Pflanzenwuchs trägt, auch den gröfsten Theil Mitteleuropas eingenommen haben dürften, waren wohl nur Mafsregeln der Waldzerftörung; fo einft hier, wie jetzt noch überall dort, wo Anfiedler in Urwälder eindringen und dort Raum für ihre Wohnungen und für ihre Culturgründe brauchen, wo fie Weideflächen für ihren Viehftand fuchen. Es kann nicht in Abrede geftellt werden, dafs an vielen Orten die Waldwirthschaft mit einer Waldzerstörung ihren Anfang nahm; allein diefe war damals ein Fortfchritt in der Bodenbenützung, eine Mafsregel zur Hebung der wirthfchaftlichen Intereffen der Bevölkerung. Für die ältere Culturperiode bildet in den Ländern Mitteleuropas die Donau auch in Bezug auf Bewirthschaftung und Benützung der Wälder eine beachtenswerthe Trennungslinie. In den Alpenländern beftand frühzeitig ein fehr wichtiger Bergbau und ein hochentwickelter Salinenbetrieb. Als die Römer vor neunzehn Jahrhunderten, fomit um den Beginn unferer Zeitrechnung, ihre Herrfchaft in diefe Länder trugen und befeftigten, fanden fie dort bereits wohlbeftellte Felder, zahlreichen Viehftand, gepflegte Hausinduftrie, gut gebahnte Strafsen und Wege und einen lebhaften Handelsverkehr. Von dem hervorragenden Culturftande der Keltenvölker geben zahlreiche Funde, namentlich jene aus dem Grabfelde von Hallftadt, Zeugnifs. Für das Riefenreich der Römer war die Donau der wichtigfte Grenzftrom nach Norden. Um die Vertheidigung desfelben zu vervollſtändigen, bauten fie nach verfchiedenen Richtungen Strafsen, in einer techniſchen Vollendung, welche in unferer Zeit lediglich durch die Eifenbahnbauten erreicht wird. Hatte diefes Strafsenfyftem zunächft den Zweck, die Sicherheit des Reiches und die Centraliſation der Vertheidigungsanftalten zu erhöhen und zu vermitteln, fo war dasfelbe zugleich für die Entwicklung von Handel und Verkehr in den Alpen- und Donauländern von der höchften Bedeutung. Um die Staatseinnahmen zu erhöhen, zugleich auch aus Urfachen, welche aus einem Mifstrauen gegen die Treue und Verlässlichkeit der Stammbevölkerung des Landes entfprungen waren, wurden von den Römern diefer letzteren die äufserft ergiebigen Goldbergwerke der alten norifchen Gebirgslande, die berühmten Eifengruben, die Marmorbrüche, das Salinenwefen etc. allmälig abgenommen und in Staatsmonopole umgewandelt. Bergbau und Hüttenbetrieb, fowie das Salinenwefen find, follen fie beftehen und gedeihen, auf den nachhaltigen Bezug grofser Holzmaffen angewiefen. Bei der Unvollständigkeit fo mancher Einrichtungen und Anftalten, war der Holzbedarf derfelben in jener Zeit unzweifelhaft ein verhältnifsmäfsig gröfserer als in unferen Tagen. Bei dem hochentwickelten Sinne der Römer für Ordnung überhaupt, und aus der daraus hervorgehenden Sorgfalt für den Beftand und die Ertragsnachhaltigkeit wichtiger Nutzungsobjecte und Einnahmsquellen, kann für die Zeit ihrer Herrfchaft das Beſtehen eines wohlorganifirten Waldwirthschafts- und Holzlieferungs- Wefens gar nicht in Zweifel gezogen werden. Viele Momente weifen darauf hin, dafs in Bezug auf Mitteleuropa die Wiege einer pfleglichen Waldbehandlung und eines geordneten Waldwirthschafts- Betriebes in den Alpenländern geftanden ift. Die Deckung grofser Holzbedürfnifle für den Bergbau- und Hüttenbetrieb, namentlich aber für das ausgedehnte Salinenwefen jener Zeit, machte den Bezug des Holzes aus ftets entfernteren Thalgebieten und Waldorten nothwendig. Die Herftellung und Erhaltung mannigfaltiger Bringungs- und Transportanftalten, die Uebertragung der im Gebirge ftets eine befondere Fertigkeit und Umficht verlangenden Holzfällungs- und Lieferungsarbeiten an eine ftändige Arbeiterfchaft, die Organiſation einer wohlgegliederten Ueberwachung aller Arbeiter und ihrer Forstwirthfchaft. 3 vielverzweigten Manipulation, die Vereinbarung und Feftftellung gewiffer Mafseinheiten, um den Umfang der Arbeitsleiftung, die Menge der zu den Verbrauchsorten zugelieferten Hölzer und Kohlen ermitteln und fohin die Höhe des Arbeitsverdienftes berechnen zu können u. f. w., waren damals, fo wie heute, ganz unentbehrliche Einrichtungen, ohne deren Beftand die Fortführung und die Dauer des Betriebes gar nicht gedacht werden kann. Die Herrfchaft der Römer über die Alpenländer umfafste eine Zeitperiode von mehr als fünfthalb Jahrhunderten, und wenn auch diefelbe fchliefslich durch die Kataftrophe der Völkerwanderung gebrochen und vernichtet wurde, das wirthschaftliche Leben diefer Gebiete, ihr Bergbau und Hüttenwefen, ihr Salinenbetrieb wurde jedoch, obgleich fie manchen tiefgreifenden Störungen nicht entgehen konnten, niemals für längere Perioden ganz unterbrochen. Dem Gefchichtskenner braucht nur angedeutet zu werden, wie rafch fich in den Alpenländern die Herrfchaft geiftlicher und weltlicher Machthaber, obenan jene des Erzftiftes Salzburg und feiner thatkräftigen Bifchöfe befeftigte, und neue ftaatliche Einrichtungen bald fördernd, bald ftörend für das wirthschaftliche Leben und die induftrielle Entwicklung diefer Gebiete auftraten. Konnten wir in Bezug auf die wirthschaftlichen und Culturzuftände in den füdlich der Donau gelegenen Ländern Mitteleuropas an weit entlegene Anfangspunkte anknüpfen, in Hinficht auf die nördlichen mitteleuropäiſchen Gebiete befinden wir uns in einer weniger günftigen Lage. Für die Kenntnifs diefer Länder haben wir für die ältere Zeit an den. römifchen Schriftftellern, unter ihnen obenan Julius Cäfar und Tacitus, die faft ausfchliefslichen Quellen. Es wurde an einer anderen Seite bereits hervorgehoben, wie fehr die Darftellungen derfelben, namentlich der letztgenannten Autoren, mit Vorficht zu benützen find, indem deren Publicationen als Staatsfchriften von entfchieden politifcher Färbung und Tendenz, unter beftimmten Einflüffen und in Verfolgung eines gegebenen Zweckes verfafst, und überdiefs darüber in Zweifel laffen, wie weit die Autoren ihre Mittheilungen aus eigenen Anfchauungen oder nur auf Grundlage von Hörenfagen niedergefchrieben haben. Weder Julius Cäfar noch Tacitus wollten eine erfchöpfende topographifche Darftellung von dem wirthschaftlichen Zuftande Deutſchlands und den Culturverhältniffen feiner Bevölkerung geben; dazu erfchienen fie aus eigenen Unterfuchungen viel zu wenig unterrichtet. Somit find weder die Schilderungen diefer, noch die Darftellungen der übrigen Autoren jener Periode im Stande, mehr als ein höchft karges Licht zu verbreiten; fie geftatten kaum allgemeine Schlufsfolgerungen. Unter beftimmteren Formen entwickeln fich die wirthfchaftlichen Verhältniffe erft dann, als fich die fränkifche Herrfchaft über die in Rede ftehenden Länder ausbreitete und dort befeftigte, und das Chriftenthum in denfelben Eingang fand. Es kann nicht unfere Aufgabe fein, eine Culturgefchichte Mitteleuropas zu fchreiben; es möge nur geftattet fein, auf den Unterfchied aufmerksam zu machen, welcher zwifchen der wirthfchaftlichen Entwicklung der Alpenländer und überhaupt der füdlich der Donau gelegenen Gebiete Mitteleuropas und den nördlichen Ländern befteht. Während in den erftern die Culturentwicklung an jene Zuftände und Grundlagen anknüpfte, welche in Bezug auf Landbau, Waldbenutzung und Bewirthschaftung, Viehzucht, Bergbau, Hüttenbetrieb, Salinenwefen u. f. w. aus der Kelten- und Römerzeit, und zwar unverkennbar auf einer fehr beachtenswerthen Stufe ftehend, vorhanden und gegeben waren, mussten in den letzteren für alle diefe wirthschaftlichen Momente erft die Grundlagen gefchaffen werden. Hier baute fich nahezu eine ganz neue Cultur, ein neues wirthfchaftliches Leben auf, denn das Beftehende konnte kaum die Elemente für die neuen Formen und Geftaltungen abgeben. Bei der Erwägung des Ganges und Verlaufes, welchen die in Rede ftehenden Culturentwicklungen genommen, laffen fich die Grenzen der heutigen 4 Johann Newald.. Geographie nur fehr wenig beachten. Die modernen Staatenbildungen gehen von ganz anderen Gefichtspunkten aus und ftreben ganz andere Ziele an, als jene waren, welche fich bei der Abgrenzung der einftigen Verkehrs- und Abfatzgebiete, fowie der nach den Boden- und klimatifchen Eigenthümlichkeiten, nach der Lage, nach alt beftandenen Handels- und Verkehrszuftänden, bald ausgedehnteren, bald enger abgefchloffenen Colonifationsbezirken geltend machten. Bei allen Geftaltungen und Phafen, welche das Waldwefen, die Behandlung und Benutzung der Wälder im Laufe der Zeiten durchmachten, waren die Eigenthumsverhältniffe des Waldes von entfcheidendem Einfluffe. Wollen wir den Weg beurtheilen, welchen die Waldbewirthschaftung und Pflege von ihrem Ausgangspunkte bis zu ihrem dermaligen Stande zurücklegte, dann müffen wir denfelben unfere volle Aufmerkfamkeit zuwenden. Entfcheidend in Bezug auf die Entwicklung der Eigenthumsverhältniffe an Grund und Boden im Allgemeinen und des Waldes im Befonderen war die Ausbildung des fränkifchen Lehenwefens, ferner die Entftehung und das Aufblühen der Städte und endlich die Colonifationsthätigkeit der geiftlichen Körperfchaften, Stifte u. f. w. Das unter Carl dem Grofsen feinen Urfprung nehmende oder doch fich wefentlich entwickelnde fränkifche Lehenwefen war zunächft Urfache, dafs Befitz und Eigenthumsrechte der Gemeinden, Stämme und Genoffenfchaften in vielen Beziehungen eingefchränkt, dagegen jene der Lehenvafallen erweitert wurden. Statt eines ftehenden Heeres dienten bekanntlich während der erften Regierungsperiode Carl des Grofsen alljährlich wiederkehrende Aufgebote der Freien, deren Stand als von der Waffenehre unzertrennlich galt. Der Staat, eigentlich der König, lieferte aufser Maſchinen, Brückenmaterial u, f. w. für die Bedürfniffe des Heeres und der Mannfchaft nichts, als Holz und Pferdefutter, drang jedoch ftreng auf eine genügende Bewaffnung und Ausftattung. Bei der Ausdehnung, welche die Kriege genommen hatten, mufsten die Koften eines Feldzuges für den Einzelnen um fo unerfchwinglicher werden, als fich grofse Kriege faft alljährlich wiederholten. Diefen Mifsftand zu befeitigen, griff Carl der Grofse zu Mitteln, welche für die weitere ftaatliche Entwicklung geradezu entfcheidend geworden find. Der Kriegsdienft, oder eigentlich die Verpflichtung hiezu, wurde derart geändert, dafs gröfsere Güter einen oder mehr Mann, kleinere Güter jedoch mehrere zufammen einen Mann auszurüften hatten- das heifst, er wurde von den Perfonen auf den Befitz übertragen. - Da es im Intereffe der Könige lag, ihre Lehenvafallen wohlhabend und unter fich unabhängig und felbftftändig zu wiffen, indem fich von denfelben dann am ficherften eine rafche und genügende Heeresfolge erwarten liefs, fand nur zu bald eine Begünftigung der Einzelnen, nämlich der Lehenvafalen und dem entfprechend das Zurückdrängen der Gemeinden und ihrer Genoffen ftatt. Als später auch die grofsen Reichswürden erblich wurden, entſtand jener zahlreiche Lehenadel, welcher in vielen Fällen fchliesslich eine ganz felbftftändige Landeshoheit. errungen hat. Auf die Entwicklung der Waldbewirthschaftung und Waldbenutzung hat diefe Begünftigung Einzelner einen unverkennbar grofsen Einfluss genommen. Es mögen noch fo viele Gründe für eine entsprechende, felbft ziemlich weitgehende Parcellirung und Vertheilung des Acker- und Culturlandes geltend gemacht werden, in Bezug auf den Wald hat die Erfahrung vieler Jahrhunderte gezeigt, dafs das Zerfplittern desfelben in kleine Befitz- und Wirthschaftsobjecte, oder die gemeinfchaftliche Benützung gröfserer Waldflächen durch eine grössere Zahl hiezu Berechtigter, nur felten eine pflegliche Behandlung aufkommen und fich jener geordnete Wirthfchaftsgang, welcher eine Erhaltung der Wälder und die Nachhaltigkeit ihrer Erträge zur Folge hat, nur bei Waldbefitzungen von gröfserer Ausdehnung erwarten läfst. Diefes Zufammenfallen ausgedehnterer Forftwirthschaft. 5 Grund- und Waldgebiete in der Hand einzelner mächtiger Lehenvafallen war auch dem Entstehen von Bergbau- und Hüttenbetrieb fehr förderlich, deren Aufblühen die nachhaltige Deckung grofser Holz- und Kohlenbedürfniffe bedingt. Es wurde bereits darauf hingewiefen, dafs auf die Entwicklung der Eigenthumsverhältniffe, defsgleichen auf die Bewirthschaftung und Benützung des Waldes, die Begründung und der rafche Auffchwung zahlreicher Städte einen hervorragenden Einflufs nahm. Die königlichen Pfalzen, die Bifchoffitze, die einflufsreichen Klöfter, Abteien und Stifte waren, da fich bei denfelben mehrmals im Jahre gröfsere Volksmengen zufammenfanden, wichtige Knotenpunkte für Verkehr und Handel der damaligen Zeit. Sie wurden der Kern von Anfiedlungen, welche fich rafch erweiterten und aufblühten und fchliefslich, je nach ihrer geographifchen Lage, mächtige Gemeinwefen bildeten. In den Umgebungen der Städte mufste der Wald auf allen hiezu geeigneten Bodenflächen dem Feldbaue weichen. Aus den grofsen Bedürfniffen der fich ftetig erweiternden Städte an Bau- und Brennholz ergaben fich ftets fteigende Anforderungen an den in feiner räumlichen Ausdehnung befchränkteren Wald, in welchem die Holzfällungen fort und fort in entfernteren Beftänden und Orten eröffnet werden mussten. Holzfchwemmen, Weganlagen u. f. w. wurden eingerichtet, ein lebhafter Holzhandel fowohl nach den benachbarten Städten, als auch nach entfernteren Abfatzorten entftand. Ganz neue Gefichtspunkte über den Werth und die Bedeutung des Waldes eröffneten fich und führten fchliefslich zu einer fchonenderen und pfleglicheren Behandlung desfelben. In Bezug auf die Einflufsnahme und Thätigkeit der geiftlichen Körperfchaften, der Stifte, Abteien und Klöfter, auf die Entwicklung des Waldwefens, müfste oft Gefagtes wiederholt werden. Man nennt fie mit Recht die Pionniere der Colonifation und der Bodencultur.„ Wüfter Verlaffenheit haben die Mönche mit ihren eigenen Händen den Boden entzogen, während die Eroberung felbft oft kaum gefichert war." An die Bedeutung und das Wefen des Waldwirthfchafts- Betriebes jener Zeit werden wir allerdings nicht einen Mafsftab anlegen können, welcher aus den Verhältniffen der Gegenwart abgeleitet worden ift. Die nach ihren verfchiedenen Zweigen mannigfaltig gegliederten Culturzuftände einzelner Landgebiete müffen für beftimmte Zeitperioden als ein Ganzes aufgefafst und der wirthschaftliche Zufammenhang der einzelnen Glieder diefer vielgeftaltigen Verkehrs- und Induftrie Organismen forgfältig geprüft und erwogen werden. Suchen wir nach einem Anhaltspunkt, um das Wefen des forftlichen Wirthschaftsbetriebes jener längft vergangenen Zeitperiode beurtheilen zu können, fo finden wir diefen zunächft in dem Inhalte der zahlreichen Wirthfchaftsordnungen, welche von geiftlichen und weltlichen Waldeigenthümern, es mögen diefe nun fchon einzelne Perfonen oder Körperfchaften, Gemeinden u. f. w. gewefen fein, für die Behandlung ihres Befitzthumes aufgeftellt worden find, denen fich eben fo zahlreiche Bann- und Forfttaidingbücher, Weifsthümer, Märkergedinge u. f. w. anfchliefsen. Die Verfaffer der in Rede ftehenden Wirthschaftsordnungen, waren zu einer eingehenden Unterfuchung aller jener Umstände und Einrichtungen gedrängt, welche durch das beabfichtigte Normale geordnet werden follten, um Vortheile in Bezug auf die Benützung der Wälder, deren Anzucht und Pflege zu erreichen, oder drohenden Uebelftänden rechtzeitig zu begegnen. Unzweifelhaft zeigen uns diefe Wirthschaftsordnungen den Forftwirthfchafts- Betrieb in feiner Kindheit; die Weifsthümer, Forfttaidingbücher, Märkergedinge jedoch enthalten eine Aufzählung beftandener Gebräuche und Vollzugsvorschriften für die Durchführung der mannigfaltigften, an verfchiedenen Orten üblichen Forftnutzungen, dafs fie im Zufammenhange mit den alten Wirthschafts 6 Johann Newald. ordnungen für das Studium des gefammten Forftwefens und des Ganges und Ver laufes feiner Entwicklung von der höchften Bedeutung find. Wir erkennen in ihnen die erften Verfuche, den Wald, feine Erhaltung und Pflege unter den Schutz des Wiffens und Verftändniffes Aller zu ftellen. Walderziehung, Waldpflege. In dem Mafse, als der Wald und feine Nutzungen an Bedeutung zunahmen, wurde der Nachzucht desfelben und feiner Pflege eine erhöhte Aufmerfamkeit zugewendet. Es iſt eine eigenthümliche Erfcheinung, dafs die fehr zeitlich auftretende Sorge der Gefahr eines Holzmangels, an vielen Orten Rufe nach Mafsregeln für die Wiedernachzucht der durch Waldrodungen, ausgedehnte Holzbezüge, namentlich aber durch einen rückfichtslofen Weidebetrieb, einerfeits räumlich reducirten und anderfeits in ihrem Holzertrage fehr zurückgegangenen Waldungen hervorrief, während die Nothwendigkeit einer fparfameren und haushälterifchen Verwendung des Holzes fo wenig in Betracht gezogen wurde. Die Gefahr des Eintretens eines localen Holzmangels lag bei der geringen Entwicklung der verfchiedenen Transportanftalten in jenen Zeiten viel näher, als in unfern Tagen. Den Zweck, welchen man mit den Mafsregeln der Waldnachzucht in den meiften Fällen einft erreichen wollte, ging lediglich dahin, den Wald in einem Zuftande zu erhalten, der ihn geeignet machte, gewiffe Holzbedürfniffe zu befriedigen. Als eigentliche Ertragsquelle blieb er lange von untergeordneter Bedeutung. Darum auch die einfeitigen Mafsregeln einer verbefferten Nachzucht und das Zurückbleiben in der intenfiven, zugleich aber haushälterifchen Verwendung der Waldproducte, namentlich des Holzes. Es ift das Ergebnifs des Forstwirthschaftsbetriebes des letzten Jahrhunderts, oder fagen wir es bezeichnend, es ift das Refultat der Forstwiffenfchaft, welche Waldzucht und Waldpflege einerfeits und die intenfivfte Ausnutzung und Verwerthung aller Waldproducte andererfeits in harmonifcher Wechfelwirkung zur Erzielung des höchften nachhaltigen Ertrages zu vereinigen fuchte. Es ift in der Natur des Gegenftandes begründet, dafs fich bei forftlichen Ausftellungen das Wefen und der Umfang, fowie die Erfolge von zur Ausführung gebrachten Mafsregeln der Walderziehung und Waldpflege, nur in fehr unvollftändiger Weife zur Anfchauung bringen laffen. Einzelne Pflanzengruppen verfchiedener Art und verfchiedenen Alters, aus Saatbeeten, Pflanzfchulen, oder aus ausgeführten Verjüngungen und Nachwüchfen entnommen, werden immer nur einen Schlufs vom Kleinen auf das Grofse geftatten; fie könnten daher nur fehr vorfichtig aufzunehmende Anhaltspunkte fein, falls man, von ihnen ausgehend, die Leiftungen auf diefem hochbedeutungsvollen Gebiete des Forftwirthschaftsbetriebes beurtheilen wollte. Einem Umftande werden wir jedoch bei der Erwägung diefes Gegenftandes Rechnung zu tragen haben. Einen Zweifel in den hervorragenden Stand der Walderziehung fetzen, es möge diefe nun fchon auf natürlichem Wege oder durch Anwendung künftlicher Mittel der Anfaat oder Pflanzung ftattfinden, hiefse die aufserordentlichen Erfolge in Abrede ftellen, welche namentlich der Forftwirthschaftsbetrieb Mittel- Europas auf dem Gebiete der Walderziehung und Waldpflege aufzuweifen hat. Namentlich können die deutfche Forstwirthschaft und Forftwiffenfchaft mit hoher Befriedigung auf diefes Feld ihrer Thätigkeit hinweifen. Es möge geftattet fein, wenigftens in allgemeinen Zügen den Weg anzudeuten, welcher zurückzulegen war, um von den Anfängen und erften Mafsregeln für Waldnachzucht, Waldfchonung und Waldpflege zu dem dermaligen Stande des Walderziehungswefens zu gelangen. Forftwirthschaft. 7 Bis in die Periode des frühen Mittelalters hinauf, ja bis in die Zeiten des Entftehens und der Entwicklung der Eigenthumsrechte am Walde, zurückreichend, finden wir gefetzliche Normen über die Schonung der Wälder, fowie über die Erhaltung und Nachzucht derfelben. - Als Ausgangspunkt erfcheint das Verbot des Fällens fruchttragender Bäume und wenn man dabei unverkennbar aus Rückficht auf die Maft vorherrfchend Eichen und Rothbuchen im Auge hatte, fo war aber auch auf das Entstehen eines Nachwuchfes Bedacht genommen; denn unter die fruchttragenden Bäume zählte man auch Nadelhölzer. Ueberdiefs beftand an vielen Orten die Uebung, dafs des Wiederwuchfes wegen das Fällen alter Bäume nur zu beftimmten Zeiten geftatten wurde. Bezeichend ift ferner das Verbot des Ruthenfchneidens in Gehegen; denn aus dem Zuſammenhange diefer Anordnung mit anderen Beftimmungen geht hervor, dafs man damit den Schutz des jungen Nachwuchfes beabsichtigte, welcher, des Weide- Ertrages wegen, bald von gröfseren Flächen, bald in einzelnen Horften abfichtlich entfernt wurde. Was die Durchführung künftlicher Mittel zur Nachzucht von Holz anbelangt, kann für jene älteren Zeiten mit grofser Wahrfcheinlichkeit angenommen werden, dafs die Pflanzung mehr als die Saat in Anwendung war. Letztere erfchien als entbehrlich, da die Natur diefes Verjüngungsgefchäft in ausreichender Weife vollzog. Gröfsere künftliche Holzanfaaten unter Verwendung der Kiefer, über ,, viele Hundert Morgen ausgedehnt", wurden im Jahre 1368 im Nürnberger Reichswalde ausgeführt. Der dortige Patricier Peter Stromer hatte fie angeordnet. Da in deffen Familie das Forftmeifteramt erblich wurde, nannte man fie fpäter einfach die Waldftromer. Durch den guten Erfolg diefer Waldanlagen angeregt, führte auch die Stadt Frankfurt am Main in den Jahren 1424 und 1425 in ihrem Walde ähnliche Mafsregeln aus. Sie verfchrieb den Samen und die Arbeitsleiter aus Nürnberg. Am 20. März 1457 beauftragte Kaifer Friedrich III. den Hauptmann Wolfenreuter in Wr. Neuftadt mit dem Waldanbau auf dem Steinfelde; er wies ausdrücklich auf Nürnberg hin. Der grofse Neuftädter Schwarzföhrenwald verdankt diefer Mafsregel feine Entstehung. Es find diefes die älteften Nachrichten, welche über grofse Waldbauten auf uns gekommen find; wir fehen, wie weit fich der Ruf der Stromer'fchen Waldanlagen verbreitet hatte. Die landesherrlichen Waldordnungen wendeten ziemlich spät ihre Aufmerkfamkeit der Waldnachzucht zu. Von grofsem Einfluffe zeigte fich diefsfalls die Forftordnung des bekannten Salzburger Erzbifchofs Mathäus Lang von Wellenburg, vom 21. Mai 1524, an welche fich zwei weitere, als„ Landgebothe" bezeichneten, die erzftiftlichen Wälder betreffenden Normalien vom 24. Auguft 1527 und 12. Auguft 1529 anfchloffen. Die erftere verordnet das Stehenlaffen einer genügenden Anzahl von Samenbäumen auf den Schlägen und trägt Sorge für die Erhaltung des Nachwuchfes durch Befchränkung der Viehweide im jungen Holze. Da die erftgenannte Forftordnung darauf aufmerkſam machte, wie unvermeidlich es fei, bei der Waldbehandlung die Rückfichten auf allgemeine Landesintereffen zur Geltung zu bringen, fand fie bald in vielen deutfchen Ländern Nachahmung. Die markgräflich brandenburg'fche Waldordnung vom Jahre 1531 hält gleichfalls das Verbot des Beweidens der Schläge aufrecht und fucht die Anordnung bezüglich Stehenbleibens von Samenbäumen dahin zu vervollſtändigen, dafs fie zu diefem Zwecke zehn Stämme für den Morgen beftimmt. Einen erheblichen Fortfchritt in der Waldnachzucht conftatirt die Forftund Holzordnung des Kurfürften Auguft von Sachfen aus der albertinifchen Linie eines vortrefflichen Adminiftrators feiner Kammergüter, vom 8. September 1560 An die Weifung zum Stehenlaffen von Samenbäumen fchliefst fich die Verfügung 8 Johann Newald. bezüglich Wegnahme derfelben, nachdem fie ihren Zweck erfüllt haben. Sie verordnet die Anpflanzung von Weiden, Pappeln, wilden Obftbäumen und Eichen, fo wie die Ausfaat von Eichen, Buchen-, Birken-, Tannen- und Fichtenfamen. Auch die Schriftfteller, welche über Bodencultur und Benützung fchrieben, wendeten ihre Aufmerksamkeit der Anzucht von Holzgewächfen zu. Die Reihe diefer Autoren eröffnet der Senator Petrus de Crescentiis zu Bologna, der fein Buch: ,, Ruralium commodorum libr. XII." am Eingange des 14. Jahrhunderts fchrieb; denn König Karl II. von Neapel, dem er es widmete, ftarb im Jahre 1309. Es iſt diefes Werk in der Zeit von 1470 bis zum Schluffe des 16. Jahrhunderts in zahlreichen Ausgaben verbreitet worden.. Eine Reihe dickleibiger Folianten, die Hausväter Literatur genannt, handelte neben vielem Andern auch von der Holzzucht. Unter denfelben verdient die von Wolf Helmhard Freiherrn von Hohberg im Jahre 1687 herausgegebene ,, Georgica curiosa oder adeliges Landleben," eine hervorragende Stelle. Hohberg war am 20. October 1612 zu Ober- Thumritz bei Geras in Niederöfterreich geboren und ftarb 1688 zu Regensburg. Er hatte fein Werk den Ständen Oberund Niederösterreichs gewidmet. Obwohl in demfelben nur 33 Capitel von waldwirthschaftlichen Gegenftänden, dagegen 130 Capitel von der Jagd handeln, fo enthält es dennoch eine ziemlich vollſtändige Zufammenftellung der Kenntniffe und Regeln, die bis zum Ende des 17. Jahrhunderts in Deutfchland über Waldwirthschaft verbreitet und aufgeftellt waren. Als eine Eigenthümlichkeit darf es bezeichnet werden, dafs das erfte von einem Deutſchen ftammende Originalwerk über Holzzucht einen Rechtsgelehrten zum Verfaffer hat. Conrad von Heresbach veröffentlichte fein Buch:" Rei rusticae libri quatuor" im Jahre 1594. Es bleibt zweifelhaft, ob feine Lehren damals in Deutſchland eine befondere Anwendung fanden. Es gehören hieher die Vorfchriften zur Anlage von Pflanzfchulen zur Erziehung junger Eichen und die Verpflanzung derfelben, die Fortpflanzung der Ulme durch abgefchnittene Zweige( Stecklinge u. f. w.). Erweitert hat diefe Lehren über Holzanzucht Colerus in der im Jahre 1592 herausgegebenen„ Oeconomia" durch feine Anleitung zur Pflanzung und Anfaat der wichtigften Holzarten. Er handelt von der Verbindung einer Getreidefaat mit der Eichelfaat, er lehrt das Ausbringen des Kiefernfamens aus den Zapfen durch Auffchütten desfelben auf Horden, die der Ofenwärme ausgefetzt werden. Den angedeuteten Anfängen und Anweifungen zur Holzzucht fehlte unverkennbar aller Zufammenhang, fie finden fich gleichfam als Beigaben, ja oft als Nebenfachen in den verfchiedenen, dem Landbau und Haushaltungswefen gewidmeten Büchern. Das Ungenügende diefer für die Waldnachzucht vorgefchlagenen Mafsregeln und noch mehr die Vernachläffigung felbft diefer Mittel, hatte an vielen Orten einen bedrohlichen Rückgang im Waldftande und Sorgen über eintretenden Holzmangel im Gefolge. Ein wefentlicher Fortfchritt im Waldculturwefen wurde angebahnt und eingeleitet durch die im Jahre 1713 von Hanns Carl von Carlowitz veröffentlichte: ,, Sylvicultura economica" oder:„ Anweifung zur wilden Baumzucht." Es war diefes das erfte, ausfchliefslich waldwirthschaftlichen Gegenftänden gewidmete deutfche Werk. Carlowitz weift auf die Nothwendigkeit hin, die Naturgefchichte der einzelnen Waldbäume zu kennen, und geht, nachdem er die Holzzucht durch künftliche Saat und Pflanzung im Allgemeinen behandelt hat, in ihrer Anwendung auf die einzelnen Waldbäume über. So erheblich die Fortfchritte waren, welche die Holzzucht feit ihren erften Anfängen gemacht hatte, vermochte man noch immer nicht den Einflufs der Oertlichkeit, fo wie der Natur und der Anforderungen der einzelnen Holzarten zu würdigen. Es fehlten die hiezu erforderlichen naturwiffenfchaftlichen Grundlagen Es fehlte nahezu gänzlich eine genauere Kenntnifs der Waldbäume, ihrer Natur Forftwirthfchaft. 9. gefchichte, ihres Verhältniffes zu Boden und Klima, ihres Zuwachsganges am einzelnen Stamme und in ganzen Beftänden. Demnach fehen wir, dafs alle die von verfchiedenen Seiten gemachten Vorfchläge und Anleitungen zur natürlichen und künftlichen Holz und Walderziehung erft dann eine Vervollſtändigung und Begründung erhielten, als die Naturwiffenfchaften auf fie angewendet wurden, und fie fomit nicht mehr blos auf Grund örtlicher Beobachtungen und individueller Erfahrungen aufgeftellt, fondern aus unzweifelhaften Naturgefetzen abgeleitet wurden. Als du Hamel die Fortfchritte, welche um die Mitte des vorigen Jahrhunderts die Naturgefchichte und Naturlehre der Pflanzen machten, und die daraus abgeleiteten Lehrfätze in ihrer unmittelbaren Anwendung auf die Holzgewächfe, auf ihre Erziehung, Behandlung und Pflege entwickelte, war für eine wiffenfchaftliche Ausbildung des Forftculturwefens in allen feinen mannigfaltigen Beziehungen eine beftimmte Bafis gewonnen. Wichtige Erfolge mufsten fich aus diefem Umfchwunge um fo mehr ergeben, als feit dem Jahre 1770 durch Friedrich II. ein öffentlicher Unterricht über forftwirthschaftliche Fächer eingeführt worden war und diefes Beiſpiel in allen deutfchen Ländern eine lebhafte Nachahmung fand. Er würde viel zu weit führen, wenn man, von J. G. Gleditfch und F. A. Burgsdorf beginnend, alle jene Männer erwähnen wollte, welche fich entweder durch ihre befruchtende Thätigkeit als forftliche Lehrer oder durch ihr verdienftliches Wirken als ausübende Forstwirthe um die Nachzucht und Pflege der Wälder verdient gemacht haben. Es ift oben befonders betont worden, dafs die Ausbildung des Lehenwefens die Befeftigung der Landeshoheit zahlreicher ehemaliger Lehenvafallen, endlich der Abfchlufs der einftigen patrimonialen Herrfchaftsgebiete das Zuſammenfallen grofser Forftflächen in einzelnen Händen zur Folge hatte. Diefer Umftand hat auf die Behandlung, Pflege, Benützung, ja auf die Erhaltung des Waldes, den entfcheidendften Einfluss genommen. Ueberall, wo der Wald in kleine Eigenthums- objecte und Parcellen aufgelöft erfcheint, oder eine grofse Zahl von Nutzungsberechtigten denfelben im Gemeingenuffe befitzen und benützen, ergeben fich nur zu bald Zuftände, welche feiner Pflege und Erhaltung wenig zuträglich find. Durch die Thatfache nur allzu fehr begründet, fagt der fteiermärkifche forftliche Ausstellungs- Katalog auf Seite I:„ Der bäuerliche Befitzer, in deffen Händen fich die gröfste Waldarea befindet, ift ein Feind jeder Waldcultur, da ihm die Viehweide einen anfcheinend höheren Ertrag abwirft." Die öfterreichifchen Alpenländer find es, deren Bewaldungsftand auf die klimatifchen Zuftände und auf die wirthschaftliche Entwicklung von ganz Centraleuropa von dem höchften Einfluffe ift. Derfelbe reicht weit über die politifchen Grenzen diefer Länder hinaus. Die Klagen, zu denen fich die fteiermärkifchen Waldbefitzer gedrängt fehen, find für ausgedehnte Landgebiete nur allzu begründet und hoch beachtenswerth, denn es hat fich das Bedenkliche der angedeuteten Zuftände in neuerer Zeit noch wefentlich gefteigert. In Folge der zahlreichen Grundabtretungen, welche, durch Servitutablöfungen veranlafst, bereits ftattgefunden haben und noch ftattfinden, ergeben fich weitgehende Aenderungen im Waldftande diefer Länder. Wenige Ausnahmen abgerechnet, wurden an die Berechtigten Waldtheile von folchen Forftcomplexen abgetreten, welche mit Rückficht auf eine Nachhaltigkeit der Holzerträge bewirthschaftet werden. Von der Aufrechthaltung diefes beim Forstwirthschafts- Betriebe hochwichtigen Grundfatzes kann bei den neuen Eigenthümern der abgetrennten Waldtheile Ausnahmen werden nur wenige vorkommen keine Rede fein. Es vollzieht fich fomit in Bezug auf fehr erhebliche Forftflächen eine wirthfchaftliche Umgeftaltung, deren Folgen auf den Ertrag und auf den gefammten Culturftand diefer Waldtheile fehr weitgehend, ja in ihrem Umfange dermalen noch gar nicht zu überfehen find. Diefelben find namentlich in den Gebirgsländern, wo der Wald die hervorragendfte Bedeutung befitzt, von tiefgreifender Wirkung. - 10 Johann Newald. Möge man fich keiner Täufchung hingeben. Die Waldbehandlung der neuen Eigenthümer ift keine pflegliche, der Erhaltung des Waldftandes zuträgliche. Jeder der kleinen Waldbefitzer führt feine Wirthschaftsmafsregeln, feine Holzfällungen, feine Bringungs- und Transportarbeiten ohne Rückficht auf feine Nachbarn, ja ohne Bedachtnahme auf die Schonung des eigenen Befitzthumes aus. Eine unendliche Zerfplitterung des ganzen Wirthfchaftsbetriebes, eine Vernachläfsigung aller Mafsregeln der Waldanzucht oder der Schonung eines etwa vorhandenen Nachwuchfes können wir allerorts bedauern; felten finden wir Mafsregeln einer planmäfsigen, geordneten Wirthschaft. So hat das öfterreichiſche Servituten Ablöfungsgefetz, unzweifelhaft in der Abficht erlaffen, dafs dadurch der Wald und feine Bewirthschaftung, von läftigen Feffeln befreit, fich im Intereffe des allgemeinen Wohlftandes entwickeln könne, durch die Art feiner Durchführung nur zu oft höchft bedauerliche Zuftände hervorgerufen und an vielen Orten einen wirthschaftlichen Umgeftaltungsprocefs eingeleitet, deffen Abfchlufs dermalen noch gar nicht abzufehen ift. In Uebereinftimmung mit der oben angedeuteten Bemerkung des fteiermärkifchen Forftausftellungs- Kataloges, dafs der bäuerliche Befitzer, in deffen Händen fich die gröfste Wald- Area befindet, Feind jeder Waldcultur ift, kann es nur um fo lebhafter bedauert werden, dafs in den Gebirgsländern jene Forftflächen, welche für eine pflegliche Behandlung und geordnete Wiederbewaldung nahezu verloren erfcheinen, fo erheblich erweitert worden find. Dem entgegen verdient das Forftculturwefen der grofsen Waldbefitzer die volle Beachtung. Mit Recht machen die fteiermärkifchen Ausfteller auf die grofsen Schwierigkeiten aufmerkſam, welche fich im Hochgebirge den Aufforftungen entgegenftellen, da wegen Mangels an tauglichen Arbeitskräften, der kurzen Vegetationsperiode und der ungünftigen klimatifchen und atmoſphärifchen Einflüffe, endlich der fchwer zu umgehenden Rückfichten auf den Wald- Weidebetrieb wegen, Refultate in diefer Hinficht nur mit Anwendung pecuniärer Opfer, grofsem Fleifse und Geduldaufwand zu Wege gebracht werden. Obwohl Schlufsfolgerungen von der Befchaffenheit einzelner ausgeftellter Pflanzengruppen auf den Stand der eigentlichen Forftculturen nur mit grofser Vorficht gemacht werden können, müffen die nächft der fteiermärkifchen ForftAusftellungshalle zum Theile aus Samenfchulen, theilweife auch aus vollführten Culturen ftammenden Pflanzen von verfchiedenem Alter und verfchiedenen Holzarten, welche aus den Forften der Vordernberger Radmeifter Communität, des Barons von Sefsler- Herzinger, der Stadt Leoben, der Innerberger Hauptgewerkfchaft, der Hohenwanger Hauptgewerkfchaft, früher Ritter von Wachtler, entnommen waren, mit lebhafter Befriedigung erwähnt werden. Aufser den Forftculturen, welche im Wege der Holzpflanzung ausgeführt werden, befitzt namentlich in den Gebirgsländern auch die fogenannte Holzfaat eine höchft erhebliche Bedeutung. Bei dem grofsen Umfange, welchen dort die Mafsregeln der künftlichen Wiederbewaldung und Aufforftung befitzen, bei dem Umftande, dafs im Frühjahre Holzpflanzungen nur während einer kurzen Periode ausgeführt werden können, bei dem weiteren Umftande, dafs die Localbevölkerung während diefer Zeit durch anderweitige wichtige Verrichtungen in Anspruch genommen ift und für die oft fehr entfernten Wald- Culturarbeiten die erforderlichen Arbeitskräfte rechtzeitig gar nicht aufzubringen find, bei dem Umftande endlich, dafs die Mafsregeln der Holzfaat während der Dauer des ganzen Vorfommers ohne jede Gefährdung des Erfolges ausgeführt werden können, bleibt derfelben beim Forftculturwefen des Hochgebirges noch für lange Zeit eine hervorragende Bedeutung gefichert. Eine Bestätigung ergibt fich diefsfalls aus der Zahl von Waldfamen- Klenganftalten, welche im Bereiche der Alpen in neuerer Zeit errichtet worden find und aus den höchft erheblichen Mengen von Nadelholz- Samengattungen, die im Wege des Ankaufes für die Forftculturen in den Alpenländern beigefchafft werden, Forstwirthschaft. 11 welche Samenmengen niemals blos für die Anlage und Beftellung von Pflanzfchulen und Saatkämpen, man möge für diefelben auch den gröfsten Umfang vorausfetzen, verwendet werden könnten. Würden in den Alpenländern die kleinen Waldbefitzer in Bezug auf das Waldaufforftungswefen den von den Grofsbefitzern ausgehenden guten Beiſpielen folgen, dann würde der Blick in die Zukunft kein fò troftlofer fein. Darin liegt eben das Schwergewicht von Uebelftänden der durch die Servitutablöfungen herbeigeführten Waldzerfplitterungen, dafs dadurch nicht blos ausgedehnte Forftflächen einer rafchen Abftockung überliefert, fondern auch ihre Wiederaufforftung in der gröfsten Zahl von Fällen, in eine ferne Zukunft hinausgerückt worden ift. Das Forftculturwefen der übrigen öfterreichifchen Königreiche und Länder war in bedeutender, ja geradezu in hervorragender Weife vertreten. Es kommt dabei allerdings der Umftand zu erwägen, dafs die öfterreichifche Forftwirthfchaft gleichfam zu Haufe war und die Witterungsverhältniffe des Frühjahres, namentlich der feuchte und kalte Mai das Uebertragen und den Transport von Holzpflanzen verfchiedener Gröfse und verfchiedener Art fehr erleichterte, und das Anfchlagen derfelben auf dem ganz ungewohnten neuen Standorte begünftigte. Um die Bedeutung diefes hochwichtigen forftlichen Wirthschaftszweiges vollſtändiger beurtheilen zu können, als diefes durch eine Reihe felbft der fchönften Holzpflanzen möglich ift, waren von mehreren Seiten umfaffende Nachweife über den Umfang des Forftculturwefens und die Mafsregeln der Beftandesbegründung gegeben worden. Es möge die Aufzählung einiger die Waldnachzucht betreffenden Ausftellungen geftattet fein. Obenan haben wir die der Fürften Johann Adolf und Adolf Jofef zu Schwarzenberg zu nennen, welcher fich jene des Prinzen Auguft von SachfenCoburg- Gotha, der k. k. privilegirten Staatsbahngefellſchaft bezüglich ihrer Banater Domäne Oravicza, des Erzherzogs Albrecht, des Freiherrn Simon von Sina, des Grafen Ernft von Hoyos- Sprinzenftein, einer Reihe von Forftverwaltungen, welche in der böhmifchen Collectivausftellung vertreten waren, aus Galizien die fchönen Pflanzenausftellungen des Fürften Georg Czartoryski und des Grafen Wladimir Dziedufzycki anreihten. Von hervorragendem Intereffe waren die Nachweife, welche die Stadt Lemberg über die Erfolge ausgedehnter Flugfand- Culturen brachte, die von ihr im Bereiche der Gemeinden Holosko und Brzuchowica ausgeführt wurden, wobei Weifsföhren, Birken und ortweife Fichten in Verwendung kamen. Mit der Bewaldung und Bindung des Flugfandes hat das Forftculturwefen eine im gleichen Grade ebenso würdige als fchwierige Aufgabe übernommen. Aus den Ländern der ungarifchen Krone war es namentlich das königliche Forftamt zu Deliblat in der Banater Militärgrenze, welches eine höchft lehrreiche Reihe mannigfaltiger, den Flugfand und feine Bewaldung betreffende Gegenftände ausftellte. Ihrem Wurzelfyftem nach in überraschender Weife entwickelte Pflanzen der canadifchen Pappel( Populus canadenfis L.) und der Akazie( Robinia Pfeudoacazia L.), ferner kräftige Schwarz- und Weifsföhren- Pflanzen boten ein hohes Intereffe. Das ausgezeichnete Gedeihen der Schwarzföhre auf dem Sande der füdungarifchen Landgebiete verdient überhaupt eine forgfältige Beachtung Zuwachs, welchen fie dort in den bisher vorkommenden Junghölzern liefert, überragt weitaus jenen von gleich alten Beftänden in den niederöfterreichifchen Kalkalpen. Der Profeffor Lachner an der königlich landwirthfchaftlichen Lehranftalt in Debreczin, hatte graphifche und tabellarifche Darftellungen über den Wachsthumsgang der Akazie ausgeftellt, wozu die Daten aus Sandcultur- Probeflächen nächft Debreczin, Vacs, Téglas und Mezőhegyes erhoben und gefammelt waren, an welche fich ähnliche Darftellungen bezüglich der Aspe( Populus tremula. L.), canadifchen Pappel, Schwarzföhre und Ulme anreihten. 12 Johann Newald. Als eine fehr willkommene Ergänzung der die Flugfandbehandlung und Bewaldung betreffenden Ausftellungsobjecte, kommt das treffliche Buch des Domänen- Infpectors Jofef Weffely:„ Der europäiſche Flugfand und feine Cultur mit befonderer Rückficht auf Ungarn und die Banater Wüfte", zu erwähnen. Wir haben nunmehr jenem forftlichen Culturunternehmen unfere Aufmerkfamkeit zuzuwenden, welches durch die Grofsartigkeit des Gedankens und die Schwierigkeit der Durchführung, unter ähnlichen Aufgaben, dermalen unbeftreitbar den erften Rang einnimmt. Es find diefes die durch das k. k. Ackerbau- Minifterium geleiteten Aufforftungen und neuen Waldanlagen am Karfte. Forftinfpector Simon Scharnaggl hat diefem Gegenftande unter dem Titel:„ Die Forftwirthschaft im öfterreichifchen Küftenlande mit vorzüglicher Rückficht auf die Karftbewaldung", eine eingehende Abhandlung gewidmet. An diefe Darftellung reiheten fich im Pavillon des k. k. Ackerbau- Minifteriums folgende Ausftellungsobjecte an, und zwar eine Aufforftungskarte des illyrifch- küftenländifchen Karftes, zur Ueberficht des Verhältniffes zwifchen Cultur land, Wald und Weide. Ferner Pläne der küftenländifchen Centralfaat- und Baumfchulen in Monte Sermin, Görz und Rodik, auf deren Bedeutung gefchloffen werden kann, wenn hervorgehoben wird, dafs fie zufammen ein Flächenmafs von 10.757 Quadratklafter Bodenfläche( 6.72 Joch= 3.90 Hektaren) einnehmen und ihr Pflanzenftand dermalen nach den aufgelegten Abzählungsnachweifen in circa II Millionen Stücken befteht. Von Intereffe war eine im Mafsftabe von I Zoll 40 Klafter ausgeführte Reliefkarte eines Theiles des ödeften Karftlandes in der Gemeinde Gorianska( Bezirk Komen, Kronland Görz); die volle Aufmerkfamkeit nahm jedoch ein mit grofser Sorgfalt ausgeführtes Wurzelherbarium in Anfpruch. Dasfelbe bringt in 34 Pflanzenexemplaren, welche aus den in den küftenländifchen Central- Saatfchulen vorkommenden Vorräthen entnommen find, das aufsergewöhnlich entwickelte Wurzelfyftem einer Reihe von bei den Aufforftungen zur Verwendung kommenden Holzarten zur Anfchauung. = Ergänzt wurden alle diefe die Karftbewaldung betreffenden Ausftellungsgegenftände durch mehrere in der Umgebung des Pavillons vorkommende Pflanzengruppen, denen man durch aus Karftkalk gebildete Reliefpartien, einen paffenden Standplatz gebildet hatte. Der Rückgang in der Bewaldung des Karftes oder, fagen wir. es geradezu, die Devaftirung derfelben, fällt dem bei weitem gröfsten Umfange nach in das letzte Drittel des vorigen und in die erften Jahrzehnte des laufenden Jahrhunderts. Die Frage, wer diefe Zuftände verfchuldet, möge hier ohne Erörterung bleiben. Das Zufammenwirken einer Zahl eigenthümlicher Verhältniffe und Veranlaffungsurfachen erfcheint dabei allerdings betheiligt, allein aufser Zweifel fteht auch, dafs ein eben fo grofser Theil der Schuld auf die Verfäumniffe der Regierungen fällt. Die Bewaldung ausgedehnter Gebirgszüge, deren Beftand nicht nur für die fraglichen Küftenländer, fondern weit über die Grenzen derfelben hinaus von der höchften klimatifchen Bedeutung waren, hat man einer durch Kurzfichtigkeit und Habfucht geleiteten Mifswirthschaft anheimgegeben. Diefe Rücksichtslosigkeit in der Waldbehandlung, diefe Verletzung eines der Elementargefetze der Bodencultur büfst nunmehr die Bevölkerung ausgedehnter Gebiete an Hab und Gut, an Gefundheit und Wohlftand. Abgefehen von dem koloffalen Mühe- Aufwand, wird die Wiederbewaldung der Karftöden nunmehr unzweifelhaft erheblich höhere Opfer und Koften verurfachen, als einft der Erlös aus den planlos abgeftockten Waldungen und ihren Holzbeftänden betrug. Es ift von Intereffe, ein Streiflicht fallen zu laffen, auf den Unterfchied, welcher zwifchen der Sorgfalt befteht, mit welcher einft die Karftwälder überwacht und gefchützt wurden und der kurzfichtigen Sorglofigkeit, der fie fpäter als Opfer fielen. Forstwirthschaft. 13 Bald nachdem Kaifer Maximilian I. durch die Erwerbung der Graffchaften Görz und Gradiska wichtige Küftengebiete an fein Haus gebracht hatte, wendete er feine volle Aufmerkſamkeit der Erhaltung der für den Schiffbau werthvollen Eichenwälder des Karftes zu. Schon im Jahre 1507 verordnete er, dafs den Bewohnern von Trieft der Bezug von Schiffbauholz nur nach der zuvor erhaltenen landesfürftlichen Erlaubnifs zu geftatten fei. Die Angabe, welche fich in der oben genannten Abhandlung über die Forftwirthschaft im öfterreichifchen Küftenlande vorfindet, dafs Kaifer Karl V. am 28. September 1522 der Stadt Trieft ein Privilegium zum Bezuge von Eichen am Triefter und Görzer Karfte ertheilte, dürfte auf einem Irrthume beruhen. Bekanntlich hatte Kaifer Carl V. durch die Ländertheilungs- Verträge ddto. Worms 28. April 1521, und Brüffel 30. Jänner, I. und 18. März 1522, die gefammten öfterreichifchen Länder feinem Bruder Ferdinand abgetreten. Es erfcheint fomit als höchft zweifelhaft, dafs der Kaifer noch im September 1522 Verfügungen erlaffen hat, und zwar Verfügungen, welche mit den beftehenden Rechtsübungen in Widerfpruch waren, über Befitzungen, deren Herr er damals gar nicht mehr war. Die fernere Angabe, dafs Kaifer Ferdinand I. diefes Privilegium im Jahre 1571 beftätigte, ift unverkennbar ein Irrthum, indem diefer Kaifer fchon im Jahre 1564 geftorben war. Um eine beffere Forftbehandlung zu erzielen, beftellte Ferdinand I. im Jahre 1533 den Girolamo di Zara als Oberwaldmeifter für Görz, den Karft und Iftrien. Die Venetianer fuchten damals, ihre eigenen Wälder fchonend, den Schiffbau- Holzbedarf aus den Forften am Karft und der Umgebung von Gradiska zu decken, daher der neuernannte Waldmeifter namentlich dahin feine Aufmerkfamkeit und energifche Einflussnahme richtete. Unterm 31. Auguft 1555 ertheilte der Kaifer feinem damaligen Waldmeifter in Friaul, Ifterreich( Iftrien) und Karft, Wolfgang Patron, eine höchft eingehende Inftruction, welche von der grofsen Bedeutung Zeugnifs gibt, die er diefem Theile feines Befitzes beilegte. Waldmeifter Paradeifer, Nachfolger Patron's, trachtete namentlich, die fchädliche Waldweide der Gemeinden einzuftellen und die Holzfällungen für den Bedarf der Unterthanen zu reguliren. Von allen Seiten, felbft von den Görzer Ständen, wurden laute Klagen gegen derartige Neuerungen, welche doch nur die Herftellung von Ordnung und die Schonung und Erhaltung der Wälder bezweckten, erhoben. Erzherzog Carl von Steiermark, dem nach dem Tode feines Vaters, des Kaifers Ferdinand I., die Küftenländer zufielen, der fich als ein befonders forgfältiger Adminiftrator der Kammergüter hervorthat, ordnete eine Commiffion in die Karftwälder ab und rügte die wahrgenommenen Mifsbräuche in der Verwaltung ernftlich. Die Aufmerkfamkeit der nachfolgenden Landesfürften und ihrer Regierungen wurden durch Angelegenheiten von dem höchften Belange nach anderen Richtungen in Anspruch genommen. Ausgedehnte Gebiete der Karftwälder erlagen endlich einer Mifswirthschaft, welcher fie fchutzlos anheimgegeben waren. Die Wiederbewaldung umfangreicher Oeden ift nunmehr eine Aufgabe von der hervorragendften Bedeutung, und zwar nicht blos in forfttechnifcher Richtung, fondern ebenfo gut in wichtigen Beziehungen der öffentlichen Verwaltung und Rechtspflege. Kleinere Experimente zur Aufforftung von Karftöden wurden fchon in den Vierziger- Jahren gemacht, jedoch gebührt dem Stadtmagiftrat von Trieft das Verdienft, im Jahre 1857 den Verfuch einer gröfseren Waldcultur unter Anwendung von Schwarzföhrenfamen, und zwar bei Baffovizza oberhalb Trieft gemacht zu haben. Die Regierung, beziehungsweife die Statthalterei von Trieft, liefs im Jahre 1864 die erften gröfseren Aufforftungen, vorherrfchend durch Schwarzföhrenanfaaten ausführen. Namentlich war es der damalige Statthalter, Baron Ernft von 14 Johann Newald. Kellersperg, welcher in den Jahren 1865, 1866 und 1867 diefer Angelegenheit feine volle Aufmerkfamkeit zuwendete. Erhebliche Mengen von Schwarzföhrenfamen wurden hiezu von der niederöfterreichifchen Domäne Gutenftein bezogen. Im Herbfte des Jahres 1865 conftatirte der öftrreichiſche Reichs- Forftverein gelegentlich einer Wanderverfammlung am Karfte folgende drei Momente: 1. Selbft die ödeften Strecken des Karftes find culturfähig, indem fich zwifchen dem nackten Fels fehr productives Erdreich befindet und die gewöhnliche Bora kein unbedingtes Hindernifs des Baumwuchfes ift. 2. Ein grofser Theil des Karftes befteht aus blos devaftirtem Walde, der nur der Schonung vor dem Zahne des Weideviehes und vor der Hacke der Infaffen bedarf, um von felbft wieder zu gutem Walde heranzuwachfen. 3. Das, was bisher für die Wiederbewaldung des Karftes, fei es von der Stadt Trieft, fei es von der Statthalterei, fei es von einzelnen Privaten, gefchah, ift höchft beachtenswerth und lehrreich. Entfcheidend war die vom Reichs- Forftvereine ausgegangene Anregung zur Beftellung eines Forfttechnikers für die Leitung und Ueberwachung der Aufforftungsgefchäfte und die Durchführung aller Arbeiten, auf Grundlage eines feftgeftellten Planes, für eine mehrere Jahre umfaffende Aufforftungsperiode. Die für die Unterſtützung der Karftbewaldung erforderlichen Mittel wurden von der Regierung beantragt und vom Reichsrathe genehmiget, und fohin die nothwendigen Ueberwachungsorgane beftellt, welche im Jahre 1868 dem Forftinſpector Simon Scharnaggl untergeordnet wurden. Es darf nicht befremden, dafs ein Unternehmen von dem Umfange der Karftbewaldung viele Hinderniffe zu überwinden hat, bis ihm von allen Seiten ein das Gelingen wefentlich förderndes Vertrauen entgegengebracht werden wird. Sind fchon die Schwierigkeiten, welche fich aus den geognoftifchen und geologifchen Verhältniffen, aus dem Einfluffe der Lage und aus klimatifchen Beziehungen ergeben, ausreichend, um den Muth bewundern zu laffen, mit dem man an die Bekämpfung aller diefer Schwierigkeiten fchreitet, fo find die aus den wirthschaftlichen Verhältniffen der betreffenden 201 Karftgemeinden aus rechtlichen und politifch- adminiftrativen Zuftänden refultirenden Eigenthümlichkeiten nicht weniger geeignet, um dem ganzen Unternehmen den Charakter wahrer Grofsartigkeit aufzudrücken. - In dem Mafse, als es gelingen wird, durch gute Refultate das Mifstrauen der Gemeinden zu befiegen, in dem Mafse diefe felbft dem Aufforftungsunternehmen thatkräftig und fördernd an die Seite treten werden, in dem Mafse fohin die verfchiedenen Arbeiten aus dem Stadium blofser Verfuche heraustreten werden, in dem Mafse endlich, als fich alle Fragen in Bezug auf die Wahl der Holzart, der Culturmethode, des Alters der zu verwendenden Pflanzen etc., auf Erfahrungen geftützt, für gegebene Oertlichkeiten mit Sicherheit werden beantworten und löfen laffen, werden die Erfolge rafch an Umfang gewinnen und in fich felbft den wirkfamften Sporn zur erweiterten Thätigkeit befitzen. - - Dort, wo man es mit Gemeindegebiet oder mit Grundftücken kleiner Wirthfchaftsbefitzer zu thun hat, wird man in der Ueberzahl von Fällen auf die Anzucht einer hochftämmigen Holzbeftockung oder fogenannter Hochwälder von vornherein verzichten müffen. Eine derart lange Zeit, als zur Erziehung einer Hochwaldbeftockung nothwendig ift, könnten die Gemeinden und kleinen Wirthfchaftsbefitzer des Karftes mit der Deckung der Holzbedürfniffe nicht zuwarten. Bei diefen Befitzkategorien bleibt nur die Anzucht von, ein baldiges Erträgnifs gewährenden, Laubhölzern ausführbar,- Hochwälder, es mögen für ihre Begründung Laubhölzer oder Nadelhölzer zur Verwendung kommen, kann nur der Staat nachziehen. Möge das grofsartige Unternehmen der Karftbewaldung gedeihen zur Wohlthat und zum Heile der verarmten Bevölkerung ausgedehnter Küftengebiete, Forftwirthschaft. 15 auf dafs es Zeugnifs gebe von der Vorforge der öfterreichifchen Regierung, insbefondere des k. k. Ackerbau- Minifteriums, und von der Thatkraft und der Ausdauer der bezüglichen Durchführungsorgane. Dem mehrgenannten k. k. Forftinfpector Simon Scharnaggl in Trieft wurde in Anerkennung feiner hervorragenden Verdienfte um die Karftcultur die Medaille für Mitarbeiter zuerkannt. Es möge jedoch noch geftattet fein, der befonderen Verdienfte und Leiftungen zu gedenken, welche die Stadt Trieft um das Karft- Bewaldungswefen befitzt. Oben wurde bereits darauf hingewiefen, dafs die erften Anregungen zu diefem Unternehmen von ihr ausgegangen find. Die Erfolge der auf dem Stadtgebiete ausgeführten Waldanlagen wurden durch eine Ueberfichtskarte und eine derfelben beigegebene Relation nachgewiefen. Für im Aufforftungswefen erfahrene Forftwirthe dürften auch ausgeftellte Holzarten aus älteren Karftculturen, und zwar: Weifsföhre vom Jahre 1842, Schwarzföhre mit Feldulme von den Jahren 1859 und 1863, endlich Schwarzföhren, mit Sorbus aria gemifcht, vom Jahre 1865 fehr lehrreich gewefen fein. Die Anzucht der Weifsföhre dürfte aufzugeben fein. Die ausgeftellten Exemplare erinnerten ganz an jene Form, welche diefe Holzart an exponirten und für fie ungeeigneten Standorts- Verhältniffen, in den Kalkalpen, annimmt. Die Beftrebungen der Stadt Trieft zur Wiederbewaldung des Karftes wurden mit der Fortfchritts- Medaille ausgezeichnet. Wenden wir uns nunmehr zu der die Beftandesbegründung behandelnden Gruppe II der forftlichen Collectivausftellung des deutfchen Reiches, fo haben wir zunächft der Schwierigkeiten zu gedenken, welche fich einer erfchöpfenden Darftellung des Forft- Erziehungswefens grofser Gebiete entgegenftellen. Wie wäre es auch durchführbar gewefen, auf der Wiener Weltausstellung das altberühmte und hochentwickelte Wald- Erziehungswefen.der deutfchen Länder, vom badifchen Schwarzwalde beginnend, bis zur Memel nach feinen mannigfaltigen Verfahren und Methoden einerfeits und nach feinen bewährten Erfolgen andererfeits zur Anfchauung zu bringen. Darum hat fich auch die deutfche Ausftellungscommiffion darauf befchränkt, in der die Holzerziehung und den Waldfchutz behandelnden Gruppe II der deutfchen forftlichen Collectivausftellung den Holzanbau durch Cultur- Werkzeuge und diefelben erläuternden Denkfchriften darzuftellen. Die Nachweife, welche der vom Ober- Forftmeifter Bernhard Dankelmann verfafste Specialkatalog zu der in Rede ftehenden Gruppe II bringt, laffen eine volle Einficht über den Werth und die Bedeutung der behandelten Cultur- Werkzeuge und der durch ihre Anwendung erzielten Erfolge gewinnen. Wir haben zunächft das zur Klemmpflanzung ohne Bodenlockerung in den Forften der Provinz Preufsen im Jahre 1860 von den Ober- Forftmeiftern Wartenberg und Krumhaar eingeführte Stieleifen zu erwähnen, mit welchem unter günftigen Verhältniffen ein Arbeiterpaar in einem Tage 2400 Pflanzen ausfetzen kann. Von Intereffe war die vom Oberförfter Wohlframm gebrachte Darftellung des Anbaues grofser Nonnenfrafs- Blöfsen im Regierungsbezirk Gumbinnen, unter Anwendung der oftpreufs ifchen fogenannten Ochfenzogge als Waldpflug. Von dem äufserften Often deutfcher Länder nach Weften gewendet, nahm der Dünenbau in der Oberförfterei Grünhaus an der Oftfee, Provinz Pommern, dargeftellt durch Dünen- Culturgeräthe( Aushebefpaten für Ballenkiefern, Löchermacher für Ballenkiefern, Ausheber für Heidekraut- Ballen, Löchermacher für Heidekraut- Ballen, Pflanzentrage, Pflanzenfpaten) und ergänzt durch eine Karte der den Charakter von Schutzwaldungen befitzenden Dünengehölze fammt Befchreibung des Culturvorganges, unfere Aufmerksamkeit in Anspruch. 2 16 Johann Newald. Dem Regierungsbezirke Stettin gehörte auch der vom Oberförfter Gené zu Mühlenbach im Jahre 1869 conftruirte doppelfcharige Pflug, zur Bodenbearbeitung in Buchenfchlägen beftimmt, an. Eine fehr intereffante Ausstellungsgruppe bildeten die Culturgeräthe für Kiefernanbau in der Mark Brandenburg. Sie beftand aus einer Reihe von Pflügen, Hand- Säemafchinen, Spaten und Pflanzhölzern; an diefelben reihten fich Modelle für Schattenfchirme, Keimkäften, eine Saatrillen- Walze und endlich eine Darſtellung und Befchreibung der Erziehung von Kiefernpflanzen an. Die in fo mancher Beziehung eigenthümlichen Culturverfahren und Methoden zur Beftandesbegründung in Hannover waren durch eine reiche Sammlung von forftlichen Cultur- Werkzeugen veranfchaulicht. In gleicher Weife überfichtlich war die von Johann Buck aus Sigmaringen gebrachte Sammlung von Pflanzenerziehungs- Geräthen für Pflanzbeete angeordnet. Die fchöne Ausftellung, welche die Elfafs- Lothringer Forftverwaltung an lebenden Pflanzen der vorzüglichften Holzarten diefer Länder und an mannigfaltigen Culturgeräthen und Werkzeugen vorgeführt hatte, wurde leider durch den in der Nacht vom 2. auf den 3. Auguft ftattgefundenen Brand des ElfafsLothringer Bauernhauſes, in deffen Nebengebäuden und Räumen diefelbe untergebracht war, zerstört. Eine Wirthfchaftsform, welcher für viele Oertlichkeiten eine wefentliche Berechtigung nicht abgefprochen werden kann, ift der fogenannte WaldfeldbauBetrieb. Die grofsherzoglich heffifche Domänen- und Forftdirection hatte denfelben durch ein fehr gelungenes Tableau, ferner durch Werkzeuge und Geräthe, endlich durch Pflanzen, Stammfcheiben, Ernteproben von Korn, Stroh, Kartoffeln u. f. w. zur Darstellung gebracht. Die grofsherzoglich heffifche Oberförfterei Virnheim wird als eines jener Gebiete bezeichnet, wo der Wald- Feldbau feit einer längeren Reihe von Jahren im Betriebe fteht.- fchon feit dem Jahre 1810 wird dort die Wiederaufforftung der abgetriebenen Waldflächen mit Hilfe des landwirthschaftlichen Zwifchenfruchtbaues bewirkt. Aus den diefsfälligen Mittheilungen ift zu entnehmen, dafs zum Holzanbaue Eichen oder Kiefern in Verwendung kommen. Die Bodenbearbeitung erfolgt durch Umhacken auf o 35 Meter Tiefe. Der Eichen- oder Kiefernanbau erfolgt in Reihen von 1.25 Meter Abftand durch Saat oder Pflanzung. Beim Eichenanbau werden zwifchen den Reihen im erften Jahrgang Kartoffeln( je eine Reihe) im zweiten Jahrgang Winterroggen, im dritten Jahrgang Kartoffeln und im vierten Jahrgang abermals Winterroggen gebaut. Auf minder kräftigem Boden folgt bei dem dort ftattfindenden Kiefernanbau, dem zweimaligen Kartoffelbau zwifchen den Kiefernreihen eine einmalige Ernte von Winterroggen. Die Reinigung der Holzreihen vom Unkraut erfolgt gleichzeitig mit dem Behacken der Kartoffeln. Als Betriebsrefultat wurde mitgetheilt, dafs von 1810 bis 1871 in der Oberförfterei Virnheim 1420 Hektaren mittelft Wald- Feldbau in Cultur gebracht worden find, woraus fich nahe 23 Hektaren für das Einzeljahr ergeben. Diefe Fläche hat durch den Zwifchenfruchtbau, nach Abzug der landwirthschaftlichen und forftlichen Culturkoften, einen durchfchnittlichen Reinertrag von 37 fl. 3 kr. pro Hektare geliefert. Das Holzwachsthum auf den Waldfeldbau- Flächen war durch ausgeftellte Eichen und Kiefern- Stammfcheiben und Muſterſtücke veranfchaulicht. Im Anfchluffe an die eben gefchilderte Ausftellungsgruppe der grofsherzoglich heffifchen Domänen- und Forftdirection haben wir noch der vom Oberförfter Rückert zu Schkeuditz, Regierungsbezirk Merfeburg, dargestellten Erziehung von Eichenhorften durch Saat mit Fruchtbau zur Nachzucht des Oberholzes im Mittelwalde unfere Aufmerkfamkeit zuzuwenden. Wie aus den diefsfälligen Mittheilungen hervorgeht, hat Oberförfter Rückert zur Ergänzung gröfserer Oberholzblöfsen die Nachzucht von Oberftändern durch Forstwirthfchaft. 17 Eichenfaat in Verbindung mit Fruchtbau realifirt. Allerdings mufs hervorgehoben werden, dafs der Standort, auf welchem diefer Vorgang ftattfindet, als ein äufserft fruchtbarer Auboden bezeichnet wurde. Von den ausgeftellten Eichenheiftern hatte eine vierjährige Pflanze eine Länge von 22, eine neunjährige die Länge von 5.8, endlich eine dreizehnjährige, die Länge von 6.5 Meter. Der Wuchs wird als derart lebhaft gefchildert, dafs bereits im 6. bis 7. Jahre die erfte, im 12. Jahre die zweite Durchforftung nothwendig wird. Wenn oben befonders betont wurde, dafs in der Oberförfterei Virnheim der Wald- Feldbau fchon feit dem Jahre 1810 im regelmäfsigen Betriebe ſteht, fo kommt diefer Angabe die Bemerkung beizufügen, dafs die Verbindung des Feldbaues mit dem Waldbau an vielen Orten- allerdings mit durch die Verhältniffe gebotenen Abweichungen- feit langer Zeit in Uebung ift. Ein befonderes Intereffe nehmen diefsfalls die fogenannten Hauberge im ehemaligen Fürftenthume Siegen in Anfpruch. Die genoffenfchaftliche Benützung von Waldgrund ift dort fehr alt. Schon vor nahe 400 Jahren begann man mit dem Zufammenlegen der den einzelnen Ortsinfaffen gehörigen kleinen Waldparcellen in gröfsere Wirthschaftskörper, derart, dafs jedem Theilnehmer von der jährlich abgetriebenen Schlagfläche eine feinem früheren abgefonderten Befitze entſprechende Theilfläche zum Zwifchenfruchtbau übergeben wurde. Die Wald, eigentlich Genoffenfchaftsordnungen von den Jahren 1553, 1562 und 1564 beftimmten für die damals in die Haubergs- Gemarkungen einbezogenen, vorherrfchend mit Eichen und Birken beftockten Niederwaldungen einen 16jährigen Umtrieb. Im Jahre 1586 wurde derfelbe nach den Standortsverhältniffen mit 16, 18 oder 20 Jahren feftgeftellt. Die Schläge wurden mit Roggen und Buchweizen bebaut; ein Vieheintrieb wurde geftattet, fobald dadurch der emporwachfenden Holzbeftockung kein Schaden zugefügt wurde. Die für die Haubergs- Genoffenschaften beftehenden Wirthfchaftseinrichtungen, überhaupt alle diefelben regelnden Normalien führten den Titel:" goldene Jahnordnung"( von Jahne, Johne, Schlag etc.) und es ift die Art und Weife ganz eigenthümlich, in welcher die Anfprüche der einzelnen Intereffenten an einer Stamm- Jähne" ausgemittelt und feftgeftellt werden 29 Mit grofsem Recht wird ftets wieder auf die hohe Bedeutung einer Verbindung des Feldbaues mit dem Waldbaue hingewiefen, und in diefer Beziehung verdient auch die Ausftellungsgruppe der grofsherzoglich- heffifchen Domänenund Forft- Direction die volle Anerkennung. Als in den Jahren 1819 bis 1822 Heinrich Cotta feine Abhandlung über die Verbindung des Feldbaues mit dem Waldbau oder die Baum- Feldwirthschaft herausgab, ftellte er zunächft bezüglich Realifirung feiner Vorfchläge fehr mässige Anfprüche. Er ging von der Anficht aus, dafs an fehr vielen Orten die abgeftockten Schlagflächen einer landwirthschaftlichen Benützung und Behandlung fo lange geöffnet werden könnten, bis der emporkommende Nachwuchs diefen Zwifchenfruchtbau wieder abfchlofs. Die allerdings gleich am Anfange von vielen Seiten angegriffenen Cotta'fchen Gedanken und Anträge wurden jedoch in ihrer unverkennbaren Bedeutung am meiften untergraben, als fpäter Chriftoph Liebich in Prag zunächft durch feine im Jahr 1834 erfchienene Schrift:„ Der Waldbau nach neuen Grundfätzen, als die Mutter des Ackerbaues", ferner durch fein fpäteres Werk:„ Die Reformation. des Waldbaues" und durch feine diefe Reformation vertretende Zeitfchrift, den Verhandlungen über diefen Gegenftand eine heftige Polemik beimifchte, fo dafs fchliefslich die Gegner gelegentlich der zu Prag im Jahre 1856 ftattgefundenen Verfammlung der deutfchen Land- und Forstwirthe über die unverkennbar bedeutungsvolle Frage einer Verbindung des Feldbaues mit dem Waldbau ungünftige Befchlufsfaffungen herbeiführten. 2% 18 Johann Newald. Zum Schluffe der Erörterungen über den Wald- Feldbau möge es noch geftattet fein, jener Betriebsform zu gedenken, welche fich in den ausgedehnten Forften der Stadt Pifek im füdlichen Böhmen feit ungefähr 40 Jahren ausgebildet hat. Die Stadt und ihre Umgebung entbehrt beinahe gänzlich einer Fabriksinduftrie, und wendet fich demnach die zahlreiche, arbeitfuchende Bevölkerung dem Wald- Feldbau zu und findet dabei eine lohnende Verwendung. Die Waldfläche, beziehungsweife Schlagfläche, welche jährlich der in Rede ftehenden Benützung zugeführt wird, befteht in 80 bis 90 Joch( 46 bis 52 Hektaren). Diefelbe wird in Parcellen von der Gröfse eines Joches( 0.5755 Hektaren) im Verfteigerungswege für die Dauer von drei Jahren verpachtet, und es findet im erften Jahre der Anbau von Kartoffeln, im zweiten Jahre von Sommerkorn, im dritten Jahre von Staudenkorn ftatt. Die Begründung der neuen Waldbeftockung wird vertragsmässig durch den Pächter beforgt, und zwar im Wege der Auspflanzung geeigneter Nadelund Laubholz- Arten. Die erforderliche Pflanzenmenge wird seitens der Forftverwaltung abgegeben. Auf das Einzeljoch kommen 3200 Pflanzen zu flehen, welche im regelmässigen Verbande, und zwar in Reihen von einer Klafter Abftand und der Entfernung der Setzlinge von drei Fufs in den Reihen felbft ausgepflanzt werden. Der Pächter haftet mit einem Cautionsbetrage von 3 Gulden per Joch für die forgfältige Ausführung des Pflanzgefchäftes, welcher Betrag ihm nach erfolgter Uebergabe der Pachtfläche und Nachweis der erfüllten Vertragsbedingungen rückerstattet wird. Nach dem Abfchluffe des Fruchtbaues wird die Culturfläche noch für mehrere Jahre zur Grasnützung verpachtet. Die Pachtzinfe find nach der Bodenbefchaffenheit und Lage verfchieden; fie fchwanken für den dreijährigen Benützungsturnus zwifchen 70 und 8 Gulden, und betragen im grofsen Durchfchnitte mehrerer Jahre circa 30 bis 40 Gulden, für das Einzeljoch. Die Nachwüchfe werden nach Bedarf regelmäfsig durchforftet, eine Streunutzung wird forgfältig hintangehalten. An dem vorftehenden Beiſpiele follte gezeigt werden, welche Aufmerkfamkeit dem Wald- Feldbau zuzuwenden kommt jedoch mufs ausdrücklich darauf hingewiefen werden, dafs feine Anwendung nur dort zu empfehlen ift, wo die Verhältniffe in entfcheidender Weife dafür fprechen. Den bis jetzt befprochenen, die Waldnachzucht und Beftandesbegründung darftellenden Ausftellungsgruppen haben wir, namentlich was die zu überwindenden Schwierigkeiten anbelangt, dem Dünenbaue und der Karftaufforftung fich anreih end, jener Anftrengungen zu gedenken, welche in der Schweiz mit der Ausführung von Verbauungen der Wildbäche gemacht werden. Durch diefe, ihrer Beftimmung, Anlage und Ausführung nach, wahrhaft hervorragenden Bauten foll den durch Wildbäche veranlafsten, fich ftets erweiternden Verwüftungen ein Einhalt gemacht werden, um die Wiederaufforftung der Quellengebiete und jene der gegen Abrutfchungen geficherten Bergfeiten zu ermöglichen. In Hochgebirgslagen, namentlich an exponirten Oertlichkeiten und befonders dort, wo das Geftein zerklüftet ift, bildet die Waldbeftockung zugleich die Bedingung für die Walderhaltung und für das Fortkommen einer Holzvegetation. Es kann nicht oft und nicht laut genug zur fchonendften, nur durch die umfichtigfte Plenterung durchzuführende Behandlung und Benützung jener Waldpartien aufgefordert werden, welche an folchen Oertlichkeiten vorkommen. Ihre rückfichtslofe Abftockung ift eine verhängnifsvolle Verfündigung gegen die Fundamentalfätze der Bodencultur. Es werden dadurch zunächft locale, in ihrer Ausbreitung jedoch weitgreifende Uebelftände eingeleitet, deren Entftehen gar nicht vermuthet, deren Verlauf nicht beurtheilt, deren Abfchluss und Grenze nicht abgefehen werden kann. Forftwirthschaft. 19 An Stellen, wo von Terrain- und Waldbeftandskarten, welche vor 30 oder 40 Jahren angefertigt wurden, nur leichte Bodeneinfenkungen, kaum beachtete Wafferläufe und Einfchnitte angegeben werden, finden wir leider und nur zu oft dermalen keinen Wald mehr, dafür aber das Terrain gänzlich geändert die einft leichten Bodeneinfenkungen find tiefe Einſchnitte geworden, die Wafferläufe haben fich zu fchroffen Abftürzen erweitert, fie find nach oben erheblich verlängert, ausgedehnte Abhänge, auf denen einft eine, wenn auch nur kurzfchäftige Waldbeftockung ftand, findet man derart verwüftet, dafs zwifchen den Gräben, Einriffen und Abftürzen nur dort und da eine Oertlichkeit gefunden werden kann, wo die Nachzucht einer neuen Holzbeftockung möglich erfcheint. Der alte Jäger oder Holzknecht, der uns begleitet, erzählt, wie diefe Gegend, als fie noch der alte Wald beschätzte; der Lieblings einftand für Gemfen und Hochwild war. Heute ift das ganze Gebiet verlaffen, verödet, géflohen von Menfchen und Wild. Doch fehen wir weiter: die Verwüftung von oben trug den Ruin nach unten. Die oben ausgeriffenen Gerölle und Gefchiebemaffen bedecken als troftlofe Schuttkegel und Muränenmaffen weite Flächen der einft blühenden Thalfohlen. Jeder Regengufs, jede Thaufluth erweitert die beklagenswerthe Calamität, und nun foll der Wald, den man einft rückfichtslos abftockte und vernichtete, wieder helfen. Doch der Weg zu feiner Begründung ift ein unendlich mühevoller und Koften verurfachender. Es mufs die Möglichkeit feiner Anzucht erft gefchaffen werden. Wildbäche find im Hochgebirge fchon feit langer Zeit verbaut worden, allein ein Syftem brachte in diefe Arbeiten doch erft die Gegenwart. Der um das Forftwesen in allen feinen Zweigen hochverdiente fchweizerifche Forftverein, hat für die Kenntnifs folcher Bauherſtellungen in feiner Ausftellung viel Belehrendes gebracht. Zunächft haben wir der Bauverwaltung des Cantons Graubünden zu gedenken. Sie hatte Situationsplan, Profil, Grundriss und Photographien der Verbauungen am Albertibache bei Davos und Situationsplan fammt Längenprofil der Verbauungen im Rüfitobel Archa granda bei Valcava in Graubünden ausgeftellt. Von der Forftverwaltung des Cantons Bern war eine Befchreibung der Verbauungen an der Gürbe( Wildbach im Canton Bern) mit Detailzeichnungen, Grundrifs und Profil nebft 15 Photographien ausgeftellt. Mit Recht hat man in der Schweiz bei der Durchführung von Regulirungsbauten an Wildbächen die Herftellung fogenannter Parallelwerke von vornherein aufgegeben. Stöfst die Anwendung derartiger Sicherungsbauten fchon bei tiefer gelegenen Gebirgsbächen von wechfelndem Wafferftande und ftärkerem Gefälle auf Schwierigkeiten, fo find fie zur Regulirung eigentlicher Wildbäche noch viel weniger verwendbar. Kaum beachtete Mängel bei ihrer Herſtellung, durch Zufall entstandene, unerhebliche Gebrechen find gelegentlich der nächften Hochwäffer Veranlaffung zum Einfturze ganzer Strecken folcher Anlagen. Die kaum in etwas ruhig gewordene Bodenoberfläche der beiden Bergfeiten verliert fomit ihre Stütze und rutfcht oft auf grofse Flächen nach, ein reiches Material für neue Verwüftungen und Ueberfchüttungen in den Thalfohlen liefernd. Die über den Wildbach hergeftellten Querbauten, ganz bezeichnend Thalfperren genannt, entſprechen den gehegten Erwartungen bei Weitem beffer, namentlich dann, wenn man es vermeidet, gleich mit einem Male allzu hohe Abdämmungen anzubringen, fondern fich begnügt, felbe in dem Mafse, als die abgelagerten Schutt- und Gefchiebemaffen ruhiger geworden find, allmälig zu höhen. erDie Aufgabe des Forftmannes, die letzte Bindung, die letzten Schutzmafsregeln durch die Nachzucht einer geeigneten Holzbeftockung herzuftellen, ift eine überaus fchwierige. 20 Johann Newald. Diefe die ganze Erfindungsgabe und Energie der Forstwirthe und Techniker herausfordenden Thalverbauungen follen eigentlich eine warnende Mahnung, ein Studienobject fein, welches dem Forftmanne zeigt, was er mit aller Sorgfalt zu vermeiden habe. Und er kann in diefer Richtung fehr viel wirken. Er fchone die oberen Waldgürtel der Gehänge er fchone die auf den exponirten Punkten, fowie auf fteilen Lagen vorkommende Beftockung und Holzvegetation von welch' immer einer Befchaffenheit. Die Forftrente büfst dadurch fehr wenig ein, denn der Werth jener Hölzer, für deren Erhaltung wir fprechen, ift fehr gering gering in Folge ihrer Befchaffenheit und gering in Folge der grofsen Auslagen, welche die Fällung und Bringung verurfacht. Diefe kleinen Opfer werden viel fach aufgewogen durch die mittelbaren Vortheile, welche fich aus dem Verhüten verheerender Calamitäten ergeben. Die Sage, welche Schiller feinen Tell erzählen läfst: ,, Dafs auf dem Berge dort Die Bäume bluten, wenn man einen Streich Drauf führte mit der Axt, Und dafs fie gebannt, und, wer fie fchädige, Dem wachfe feine Hand heraus zum Grabe" - die Mahnung, die in diefer Sage liegt fie wird im Hochgebirge nur zu fehr vernachläffigt. Mit lebhafter Befriedigung mufs hervorgehoben werden, dafs der Bedeutung folcher Thalverbauungen und Thalfperren und der dieselben ergänzenden Forftculturen und Waldanlagen auch in weiter n Kreifen eine wohlwollende Beurtheilung zu Theil wird. Derk. k. Hofrath und Oberbauleiter der Donauregulirung bei Wien Guftav Wex hatte eine hochintereffante Abhandlung über die Wafferabnahme in den Quellen, Flüffen und Strömen, bei gleichzeitiger Steigerung der Hochwäffer in den Culturländern, ausgeftellt. Um jene Calamitäten zu beheben, welche theils Urfache, theils Folge der conftatirten Uebelſtände und Erfcheinungen find, wendet der Verfaffer einer fchonenden Waldbehandlung feine Aufmerkfamkeit zu, und bringt die Anlage von Thalfperren in Antrag, deren Wefen jedoch in mancher Beziehung verfchieden ift von jenen Thalverbauungen, auf welche fich die intereffante Ausstellungsgruppe des schweizerifchen Forftvereins bezieht. Demfelben wurde das wohlverdiente Ehren- Diplom, dem Ingenieur Rohr in Bern, feiner Leiftungen bei Verbauung der Wildbäche wegen, die MitarbeiterMedaille zuerkannt. Zu den Mafsregeln der Beftandespflege, beziehungsweife Stammpflege übergehend, nahm zunächft eine von der grofsherzoglich ba difchen Domänendirection zur Carlsruhe gebrachte, die Baumäftung im Schwarzwalde darftellende Ausstellungsgruppe unfere Aufmerkſamkeit in Anfpruch. Von den beiden Aeftungsfägen repräfentirte eine die im Murgthale übliche Form mit Holzgriff und Stellfchraube; die zweite war die im Kinzigthale gebräuchliche Säge mit Eifengriff ohne Stellfchraube. Letztere foll von den Arbeitern aus dem Grunde vorgezogen werden, weil fie ficherer und fefter gehalten werden kann. Längen- und Querfchnitte von Fichten und Weifstannen follten die Folgen von Ausäftungen, welche theils mit dem Beile, theils mit der Säge ftattgefunden hatten, zur Anfchauung bringen. Es darf als bekannt vorausgefetzt werden, dafs beim Mittelwaldbetriebe in Frankreich und Belgien die Aufäftung feit längerer Zeit in Uebung ift. Namentlich zu dem Zwecke, um die Nachtheile einer allzu grofsen Befchattung und Ueberfchirmung des Unterholzes durch die Oberftänder zu vermindern, werden letztere fo wie Alleebäume ausgeäftet. Forstwirthschaft. 21 Das Ausäftungsgefchäft wird dort an vielen Orten durch ein eigenes Ausäftungscorps gleichfam gewerbemäfsig ausgeführt. Dafs eine derart eigenthümliche Einrichtung bei der in Rede ftehenden wichtigen Mafsregel der Baumpflege Mifsbräuche und Uebergriffe herbeiführen mufs, kann nicht zweifelhaft fein. Diefen Uebelftänden traten, und zwar im Jahre 1861, Vicomte de Courval und 1864 Graf de Cars mit ihren Schriften entgegen, welche auch in Deutſchland grofse Verbreitung und Beachtung fanden. Wenn der forftliche Ausftellungskatalog des deutfchen Reiches hervorhebt, dafs im Schwarzwalde die Ausäftung bei Fichten und Tannen feit mehr als 50 Jahre üblich fei und durch ausgeftellte Scheiben die Erfolge von vor 29 bis 10 Jahren mit dem Beil und vor 13 bis 10 Jahren mit der Säge ausgeführten Ausäftungen dargethan werden, fo kommt mit Rückficht auf die öfterreichifchen Länder darauf hinzuweifen, dafs der Baron Aehrenthal'fche Förfter Vitus Ratzka, auf der Herrfchaft Trpift in Böhmen, in der Zeit vom Jahre 1820 bis 1856 ausgedehnte Ausäftungen vorgenommen hatte, deren Erfolge durch eine Zahl von ausgeftellten Probeftücken nachgewiefen waren. Dafs auch Ratzka an feinem Verfahren allmälig Verbefferungen vornahm, wie folche durch die Erfahrung als entſprechend dargethan wurden, verfteht fich von felbft. Vicomte de Courval tadelt mit Recht das Stummeln der Aefte und empfiehlt einen glatten Afthieb oder Schnitt. Mit der Angabe, dafs felbft 15 bis 20 Centimeter ftarke Aefte ohne Nachtheil für die Brauchbarkeit der Stämme entfernt werden können, geht fowohl er, als Graf de Cars unverkennbar zu weit. Gegen die Angabe, dafs bei einer glatten Schnittfläche und Pflege derfelben mit Theer eine baldige Vernarbung der Wunde ftattfinde, wird wohlberechtigt hervorgehoben, dafs durch die Ablagerung von Holzfchichten über die Schnittfläche eine Verwachfung mit der Unterlage niemals erfolgt, fondern die Ueberwallung lediglich als ein Einhüllungs-, nicht aber als ein Heilungsprocefs zu betrachten ift. Was in Bezug auf die Ausäftungsfrage befonders hervorzuheben kommt, ift der Umstand, dafs von Seite der grofsherzoglich badifchen Domänendirection zu Carlsruhe lediglich Längs- und Querfchnitte von Fichten nnd Weifstannen ausgeftellt waren, fo wie auch der Förfter Ratzka nur Probeftücke von Nadelhölzern eingebracht hatte. Während bei den Nadelhölzern der grofse Harzgehalt die Aftftummeln durch eine fehr lange Reihe von Jahren gegen Fäulnifs fichert, fo dafs im Falle einer Ausäftung das Uebertheeren der Schnittfläche als entbehrlich erfcheinen dürfte, zeigt fich bei den Laubhölzern das Verhältnifs gänzlich geändert. Je ftärker der abgenommene Aft war, je gröfser demnach die Schnitt- oder Hiebwunde ift, um defto längere Zeit wird erforderlich fein, bis diefelbe gänzlich überwallt fein wird. Mittlerweile ftellt fich an der Schnittwunde Vermoderung, Pilzfucht und Zerftörung der Holzfubftanz ein, welche fich in ihrem Vorfchreiten der Umgebung und endlich dem Schaftholze des Baumes mittheilt. Vorläufig läfst fich in Bezug auf das Ausäftungswefen eine Schlufsfolgerung nur dahin ausfprechen, dafs die bisherigen Erfahrungen, namentlich in Bezug auf Laubhölzer, zur grofsen Vorficht auffordern und die gewonnenen Refultate nur für gleiche Standorts- Verhältniffe und diefelben Holzarten verwendbar find. Im Allgemeinen wäre zu bemerken, dafs fchwächere Stämme das Ausäften leichter vertragen als ftärkeres Holz, dafs mit Sorgfalt das Maximum in der Stärke der abzunehmenden Aefte zu erwägen ift, indem es bei ftärkeren Aeften mindeftens zweifelhaft bleibt, ob ihre Entnahme mehr Vortheile oder Nachtheile für die Entwicklung des Stammes bringt und dafs fchliefslich das Ausäften alter Bäume und das Hinwegnehmen ftarker Aefte, bei denen das Ueberwallen der Schnittwunde entweder gar nicht mehr oder nur nach langer Zeit erfolgt, unzweifelhaft nachtheilig auf die Befchaffenheit und Verwendbarkeit der Stämme hinwirkt. 22 Johann Newald. Zu bemerken kommt noch, dafs dem obengenannten Förfter Veit Ratzka das Anerkennungs- Diplom für Darftellung der Folgen der Aufäftung zuerkannt worden war. Im Anfchluffe an die vorftehenden, der Walderziehung, der Beftandes- und Baumpflege zugewendeten Erörterungen und Darftellungen haben wir nunmehr der Waldfamen- Gewinnung zu gedenken. Bei dem Umfange, welchen die künftliche Nachzucht der Wälder mehr und mehr annimmt, ift die Deckung der erforderlichen, höchft erheblichen Samenmengen eine Frage von hochwichtiger Bedeutung. Unter den Ausftellern von Waldfamen haben wir der Firmen J. Jennewein in Innsbruck, Stainer& Hofmann in Wiener- Neuftadt, Heinrich Keller und Conrad Appel, beide in Darmftadt, zu gedenken. Jennewein, fowie Keller und Appel, find bekannte und bewährte Namen; in der Firma Stainer& Hofmann begrüfsen wir jedoch eine ftrebfame neue Kraft, welche namentlich in Bezug auf Schwarzföhrenfamen unfere befondere Beachtung verdient. - Befremdlich erfchien, dafs Heinrich Keller aus Darmſtadt von der Schwarzföhre zwei Samenproben eine als Pinus austriaca Trattinik, die zweite als Pinus Laricio Poiret- Conrad Appel ebenfalls zwei Samenproben diefer Holzart als Pinus austriaca und Pinus corsica, ohne Autorenangabe, ausgeftellt hatten. Die aufmerkfamfte Unterfuchung liefs zwifchen diefen vier Samengattungen und den von der Firma Stainer& Hofmann aus Wiener Neuftadt ausgeftellten mit Pinus austriaca Höss bezeichneten Proben nicht den geringften Unterſchied erkennen. Diefer Umftand conftatirt zunächft eine grofse Ungleichheit und Unklarheit in der Bezeichnung diefer Holzart feitens der verfchiedenen Samenhandlungen, und läfst fomit eine eingehende Erörterung derfelben als unvermeidlich erfcheinen. Sie möge auch dazu dienen, um einen Irrthum zu berichtigen, welcher fich in eine vom Profeffor Dr. S. C. Schübeler in Chriftiania als Ergänzung zu der von ihm ausgeftellten pflanzengeographifchen Karte Norwegens beigegebene Tabelle über die bisher bekannt gewordenen Verbreitungsgrenzen einer Reihe von Pflanzen eingefchlichen hat. - Unter den Pinusarten wird für Pinus austriaca Höfs, 64 Grad I Min. als nördliche, und 29 Grad 10 Min. als öftliche, ferner für Pinus Laricio Poiret, fo wie für Pinus nigricans Höfs, 59 Grad 54 Min. als nördliche und 28 Grad 23 Min. als öftliche Verbreitungsgrenze angegeben. - - Pinus Laricio Pinus austriaca Stellen wir die hier aufgezählten Namen der in Rede ftehenden Pinusarten oder Art zufammen, fo haben wir: Pinus austriaca Trattinik Pinus austriaca und Pinus corsica ohne Autorenangabe Pinus nigricans Höss. Poiret Höss - - Ein kurzer Excurs in die botanifche Gefchichte unferes Baumes dürfte genügen, um über den Gegenftand einiges Licht zu verbreiten. Der erfte Botaniker, welcher die Schwarzföhre von der gemeinen Föhre oder Weifskiefer unterfchied, war Clufius( Charles de l'Eclufe, geboren 1526 zu Arras, in der damals flandrifchen Graffchaft Artois). Er wurde vom Kaifer Maximilian II. im Jahre 1573 nach Wien berufen, wo er bis 1587 verweilte. Clufius entwickelte hier in botanifcher Beziehung eine raftlofe Thätigkeit, von ihm rührt die erfte Flora von Niederöfterreich her. Es ift diefes die ,, Historia rariorum stirpium per Pannoniam, Auftriam et vicinas quasdam provincias obfervatorum", welche 1583 bei Plantin in Antwerpen erfchien. Die Schwarzföhre befchreibt er auf pag. 16 diefes Werkes, und defsgleichen auf pag. 31 und 32 feines letzten, im Jahre 1601 erfchienenen Hauptwerkes:„ Rariorum plantarum historia"; er bezeichnet fie mit dem Volksnamen Schwarzföhre," fchwarze Ferrent". Mit diefem letzteren Umftande Forstwirthschaft. 23 ftehen die Angaben von uns vorliegenden Grenzbefchreibungen aus den Jahren 1689 und 1724 in Uebereinstimmung, wo als Grenzbäume wiederholt fchwarze Föhren, Schwarzgräffen und Weifsföhren aufgeführt werden. Es darf fomit auffallen, dafs diefe Unterfcheidung namentlich von den öfterreichifchen Botanikern, wozu felbft Kramer und der ältere Jaquin gehören, durch zweihundert Jahre unberückfichtigt geblieben ift. Bekanntlich hat im Jahre 1804 Poiret die Schwarzföhre unter dem Namen Pinus Laricio als eigene Art aufgeftellt. Erft im Jahre 1826 nannte fie Hoft: Pinus nigricans.( In Sauter's" Verfuch einer geographifch botanifchen Schilderung der Umgebung Wiens", Seite 23 und 25 und ,, Flora austriaca" II. pag. 628). Höfs gab ihr im Jahre 1830 in feiner bekannten Monographie den Namen Pinus austriaca. Beide diefe Benennungen find jedoch entfchieden jünger als der von Poiret gewählte Name; es wird daher die Schwarzföhre dermalen ziemlich allgemein, und zwar nach dem Rechte der botanifchen Priorität, Pinus Laricio Poiret genannt. Wir fehen, dafs fich die oben aufgezählten Namen fämmtlich auf eine und diefelbe Baumart auf unfere Schwarzföhre- beziehen, wozu nur bemerkt wird, dafs uns die Bezeichnung Pinus austriaca durch Tratinik und Pinus nigricans durch Höss unbekannt ift. - Zum Schluffe foll noch bemerkt werden, dafs der Firma Stainer & Hofmann in Wiener- Neuftadt für Waldfämereien and das Modell einer Klenganftalt das Anerkennungsdiplom zuerkannt worden ift. Noch auf eine andere deutfche Coniferenart möchten wir die Aufmerkſamkeit hinleiten und fie einer forgfältigen Beobachtung empfehlen. Es ift diefes die fogenannte Moorkiefer, von der fich in der fürftlich Schwarzenberg'fchen Ausftellung mehrere Stammfcheiben vorfanden. Neumann beobachtete diefe Föhre zuerft auf Hochmooren der Heufcheuer im böhmifch- fchlefifchen Grenzgebirge, in einer Seehöhe von 2000 bis 2400 Fufs. Er nannte fie Pinus uliginofa und befchrieb diefelbe in den Arbeiten der fchlefifchen Gefellſchaft 1837, Seite 95. In der Flora von Schlefien, Seite 339, nennt fie Wimmer nach Sauter: Pinus obliqua. Die Moorkiefer bildet auf der Domäne Wittingau ausgedehnte Beftände von fehr erheblichem Alter. Die Schaftlänge der Stämme ift verfchieden; fie erreicht 30 bis 40 Fufs, an einzelnen Exemplaren auch darüber. Der Standort ift ein Torflager von circa 1400 Fufs Seehöhe. Als Unterfcheidungsmerkmale der Moorkiefer von der Krummholzkiefer oder Legföhre wird der hohe Schaft und das Vorkommen einer herabgekrümmten Spitze auf dem Nabel der Zapfenfchuppen hervorgehoben. Nun gibt Wimmer( Flora von Schlefien, Seite 339) felbft zu, dafs die Moorkiefer auch ftrauchartig mit langen Aeften vorkomme und dann Knieholz genannt werde, während andererfeits die in den Hochlagen der Alpen am Boden hinkriechende Krummholzkiefer in tieferen Lagen einen aufrechten Schaft entwickelt; ja, in nicht allzu grofser Entfernung von den Wittingauer Moorkiefer- Beftänden und unter ziemlich ähnlichen klimatifchen und Bodenverhältniffen finden fich auf einem ausgedehnten Moore nächft Unterwuldau zahlreiche Exemplare diefer Kiefer, welche ihrem Baue nach völlig mit der Legföhre der Alpen übereinftimmen. Aus dem Dargeftellten dürfte zu entnehmen fein, dafs der bald mehr, bald weniger ausgeprägte Schaft bezüglich der in Rede ftehenden Kiefernarten kaum als ein ficheres Unterfcheidungsmerkmal betrachtet werden kann. Was den auf den Zapfenfchuppen vorkommenden abwärtsgekrümmten Haken anbelangt, findet fich derfelbe nicht nur bei der Moorkiefer, fondern ebenfo gut bei der Schwarzföhre, gemeinen Kiefer und Krummholzkiefer. Es ift diefes lediglich eine durch klimatifche Einflüffe hervorgerufene Mifsbildung, welche in einzelnen Jahren vorkommt, in anderen Jahren auf den Zapfen desfelben Stammes wieder ganz fehlt. 24 Johann Newald. Auch diefes Unterfcheidungsmerkmal ift, fo wie die Schaftlänge, gänzlich unzuverläffig. Selbft Sendtner:„ Die Vegetations- Verhältniffe Südbaierns", Seite 525, fagt, dafs Pinus Mughus Scopoli die Kalkpflanze ift, und zu ihr als Form mit aufrechtem Schaft die Pinus obliqua Sauter gehöre, während er Pinus Pumilio Hänke als die Hochmoorpflanze bezeichnet und ihr als Form mit aufrechtem Schaft die Pinus uliginofa Neumann zuzählt. Sendtner gibt felbft zu, dafs fowohl die beiden Hauptformen, fowie die Nebenformen, mit niedergeftrecktem und aufrechtem Stamme abändern- er anerkennt, dafs diefe Formen weder durch den Wuchs, noch durch bisher aufgefundene Formenmerkmale von einander verfchieden find, glaubt jedoch, Pinus Mughus Scopoli, und Pinus Pumilio Hänke als zwei Arten trennen zu follen, welche fich durch wefentlich geänderte Lebensbedingungen unterfcheiden. Diefe Anficht fteht jedoch ganz vereinzelt da, und da es Thatfache ift, dafs fich die Krummholzkiefer oder Legföhre von der Moorkiefer durch kein bleibendes Formen- oder Unterfcheidungsmerkmal trennt, fo können fie auch nur als zufammengehörig und als eine und diefelbe Art bezeichnet werden. Von den Anfängen im Forftculturwefen und den erften Maſsregeln zur Wiederaufforftung abgeholzter Waldflächen es mögen diefe lediglich in einer Unterftützung der natürlichen Waldverjüngung durch das Ueberhalten von Samenbäumen und in der Schonung famentragender Stämme, oder in einem directen Eingreifen durch Anwendung künftlicher Aufforftungsmittel, wie Saat und Pflanzung, beftanden haben ausgehend, fuchten wir den Weg anzudeuten, auf welchem man zu dem dermaligen Standpunkte des Wald culturwefens gelangte. Befchränkten fich die erften Mafsnahmen vorherrfchend auf aus localen Erfahrungen abgeleitete empirifche Manipulationen, und bewegte fich das Forftculturwefen lediglich in dem engen Kreife fortgefetzter Verfuche, fo verbreiten dermalen die hoch entwickelten Naturwiffenfchaften über das ganze Gebiet der Walderziehung ein klares Licht. Sie zeigen den Umfang der zu überwältigenden Aufgabe, fie bezeichnen die Mittel zur Löfung derfelben, und deuten den Weg an, welcher zu betreten wäre, um an das Ziel zu gelangen. Wer will es in Abrede ftellen, dafs die forftlichen Abtheilungen der Weltausftellung in diefer Richtung reiches Materiale für Erwägungen und Studien boten? Unfere Abficht konnte lediglich dahin gerichtet fein, auf einzelne Partien und Gruppen für kurze Momente ein Streiflicht fallen zu laffen. Kurzfichtige Mafsnahmen mehrerer Generationen haben an vielen Orten dem Walde tiefe Wunden gefchlagen, welche dermalen mehrfach die Exiftenz desfelben in Frage ftellen. Grofse Aufgaben treten an das moderne Forft- und Wald erziehungswefen heran. Die Bindung des Flugfandes, der Dünenbau an den Seeküften, die Thalverbauungen im Hochgebirge, fowie die dortigen Waldaufforftungen überhaupt, die Karftbewaldung find Probleme, welche die Entfchloffenheit und Willensfeftigkeit einerfeits, und Klarheit über die Zielpunkte und die zur Verfügung stehenden Mittel andererfeits herausfordern. Möge die Löfung diefer Probleme gelingen zur Ehre unferer Zeit und zum Ruhme des modernen Forft- und Waldculturwefens. - Ueberall, wo man die Bedeutung des Waldes, den Werth feiner Nutzungen, die hohe Wichtigkeit ihrer Nachhaltigkeit würdiget WO man von der Ueberzeugung durchdrungen ift, dafs jede Verfäumnifs in den Mafsregeln der Waldnachzucht einen Zuwachsverluft zur Folge hat, der fich unvermeidlich früher oder fpäter beim Ertrage des Forftes fühlbar machen mufs- WO man das Walderziehungswefen im Gleichgewichte zu erhalten fucht, mit den Mafsnahmen der Waldbenutzung und Abftockung, dort fucht man aus dem hochentwickelten Stande aller Disciplinen der Walderziehung, Beftandes und Baumpflege thunlichft Vortheile zu ziehen. Wer könnte auch die hohe Ausbildung von diefem - Forftwirthschaft. - 25 Zweige unferes Faches in Zweifel ziehen wollen? Ob aber die Mafsregeln der Waldnachzucht in räumlicher Beziehung, mit den fich fort und fort vollziehenden Waldnutzungen und Abftockungen im Verhältniffe ftehen, ift eine Frage, welche man der forgfältigften Würdigung empfehlen möchte. Waldbenutzung, Wirthschaftseinrichtung und ForftertragsBerechnung. Das durch die Entwicklung der allgemeinen ftaatlichen Verhältniffe in Mitteleuropa begünftigte Zuſammenfallen gröfserer Waldmaffen in einer Hand, die Bildung grofser wirthfchaftlicher Einheiten oder Verwaltungskörper nahm' - wie folches bereits nachgewiefen wurde auf die Behandlung und Pflege des Waldes einerfeits, und auf die Nachzucht desfelben, beziehungsweife auf die Anwendung geeigneter, fei es natürlicher oder künftlicher Culturmafsregeln andererfeits, einen höchft wefentlichen Einfluss. - Zahlreiche Belege ftellen aufser Zweifel, dafs nur gröfsere Waldbefitzungen einen geeigneten Boden für die Entwicklung des forftlichen Wirthschaftsund Betriebswefens abgeben. Kleine Waldwirthschaften find ftets nach den Bedürfniffen des Augenblickes, felten nur mit Bedachtnahme auf die Anforderungen der Zukunft behandelt worden. Dazu fällt noch fchwerwiegend der Umftand ins Gewicht, dafs kleinere Waldbefitzungen viel leichter und demnach auch viel häufiger den Herrn wechfelten, als diefes bei grofsen Forftdomänen der Fall war. Selbft die häufige Befitzänderung kleinerer Wald complexe ift ihrer wirthfchaftlichen Entwicklung abträgig, weil mit dem Herrn in der Ueberzahl der Fälle auch die Anforderungen, die an den Wald geftellt, die Anfichten, nach denen er behandelt wurde, wechfelten. Nun fteht es wohl aufser Zweifel, dafs eine zu oft wiederholte Abänderung der leitenden Gedanken und wirthschaftlichen Zielpunkte dem Walde nur Nachtheile bringt. Auch diefe Momente geftalten fich bei den grofsen Forftbefitzungen in völlig geänderter Weife. Der rafche Wechfel der bei kleinen Waldparcellen bezüglich ihrer Bewirthschaftung leicht realifirbar erfcheint, ift bei grofsen Waldgebieten viel fchwerer durchführbar. Eine Vorliebe zum Walde hat fich namentlich dort im hohen Grade entwickelt, wo derfelbe als ein Zugehör zu Majoraten oder Familien- Fideicommiffen vorkommt. Eine grofse Reihe von Domänenherren liefse fich aufzählen, welche die forgfältige Bewirthfchaftung und Pflege ihrer Wälder ftets als eine patriotifche Pflicht und nationalökonomifche Aufgabe, ja als einen Gegenftand ihres Ehrgeizes auffafsten. Den fchönen Waldbefitz, den die Väter erworben, gegründet und geflegt, nicht blos zu erhalten, fondern zu verbeffern, zu erweitern, zu vervollständigen- diefen Befitz und feine Ertragskraft zu heben und zu entwickeln, fomit denfelben. für das eigene Haus eben fo fehr wie für das Allgemeine fruchtbringend und fegensreich zu machen, wurde von ihnen fort und fort als ein feftes Ziel im Auge gehalten. Sowie in Bezug auf Nachzucht und pflegliche Behandlung des Waldes die Gröfse der einzelnen Waldparcellen und Complexe einen wefentlichen, ja entfcheidenden Einflufs genommen hat, ebenfo fehr war diefes in Bezug auf die Benutzung derfelben der Fall. Ein Waldbefitz von mäfsiger Ausdehnung fchliefst eine grofse Zahl wirthfchaftlicher Mafsregeln, welche eine entſprechende Ausnutzung und Verwerthung feiner Erträge vermitteln follen, oft ganz aus, während grofse Waldkörper ein weites Feld für wichtige und folgenreiche Anlagen bieten, wodurch eine intenfive Ausnutzung aller Walderträge in einer Weife ermöglicht wird, die fich beim kleinen Waldeigenthume niemals erreichen läfst. 26 Johann Newald. Es liegt in der Natur der Sache, dafs ältere Nachrichten über befondere, die Benutzung der Wälder erweiternde Einrichtungen und Transportanftalten nur aus grofsen Forften auf uns gekommen find. Die Waldparcellen der kleinen Befitzer wurden entweder gemeinfchaftlich( genoffenfchaftsweife) oder ganz felbftftändig benutzt. Im erften Falle ergaben fich aus der Eigenthümlichkeit einer gemeinfchaftlichen Waldbenutzung hervorgehende Schwierigkeiten, welche jedem Auffchwunge des Forftbenutzungswefens lähmend entgegentraten. Im Falle einer felbftftändigen Benutzung kleiner Forftbefitzungen konnte an fich fchon von hervorragenden, diefem Zwecke gewidmeten Anftalten und Einrichtungen keine Rede fein. Es möge weiters geftattet fein, auf den wefentlichen Unterfchied im Forftbenutzungswefen hinzudeuten, welcher fich ergab, je nachdem die Walderträge, namentlich das Holz, gleichfam in der Regie der Eigenthümer zur Deckung des Bedürfniffes verfchiedener holzverzehrenden Anftalten und Betriebszweige, als da waren Bergbau, Hüttenbetrieb, Salinenwefen u. f. w.ferner in den fich rafch entwickelnden und erweiternden Städten zu Befeftigungsanlagen, zur Herftellung von. Wohn- und öffentlichen Gebäuden fammt ihrem Zugehör etc. verwendet wurden oder die Erzielung des gröfsten Geldeinkommens, beziehungsweife des gröfsten Ertrages aus einem Waldcomplexe angeftrebt wurde. Es dürfte auffallend erfcheinen, dafs die vorliegenden Darftellungen das Gebiet der Forftbenutzung mit der Wirthfchaftseinrichtung und ForftertragsBerechnung in eine und diefelbe Gruppe zufammenfaffen. Wir glauben diefsfalls auf die Erwägung hindeuten zu follen, dafs fich die Mafsregeln der Wirthfchaftseinrichtung, Betriebsregulirung, oder wie diefe Disciplin nun fchon genannt werden will, von ihren erften Anfängen bis zu ihrem dermaligen Stande, aus dem Gange und jeweiligen Stande der Fortftbenutzung ableitete und entwickelte. Von dem Zeitpunkte an, als fich das Bedürfnifs einer Nachhaltigkeit in den forftlichen Nutzungen fühlbar machte, mufste man auf Mittel bedacht fein, um, diefer neuen Aufgabe, deren volle Wichtigkeit und Bedeutung man freilich nicht überall fogleich anerkennen wollte, zu entſprechen. Alle Mafsregeln, welche zu diefem Ende in Vorfchlag gebracht oder angewendet wurden, liefsen fich nur aus dem Wirthfchafts- und Benutzungsgange in den betreffenden Forften ableiten beide, nämlich Benutzungsgang und Wirthfchaftsregulirung waren; aus der Natur ihrer Aufgabe hervorgehend, vollſtändig zufammengehörig, und nachdem die Forftertrags- Berechnung doch nur als eine weitere Entwicklung der Wirthschaftseinrichtung aufgefafst werden kann, dürfte auch die Einreihung diefer Disciplin in unferer Gruppe wenigftens für die uns vorliegende Aufgabe als fachgemäfs erfcheinen. Die forftlichen Abtheilungen der Weltausftellung brachten im Bereiche des Forftbenutzungswefens ein reiches Materiale, wodurch in wahrhaft überzeugender Sprache der hohe Stand diefes wichtigen Wirthschaftszweiges dargethan wurde. Für die Beurtheilung des Weges, welcher zurückzulegen war, um diefen hervorragenden Stand zu gewinnen, dürfte ein in wenige Hauptmomente zufammengefafster Rückblick auf die Entwicklung des Waldbenutzungswefens nicht ganz ohne Intereffe fein. - Wo der Wald den Charakter eines Gemeindebefitzthums befafs, ferner wo derfelbe in eine Zahl kleiner Eigenthumsparcellen aufgelöft war, endlich wo Nutzungsberechtigungen fogenante Servitute in folchen Forften beftanden, die bereits in den Befitz eines gröfseren Grundherrn übergegangen waren, fand die Fällung des Holzes, welches, wenn auch nicht immer das vorzüglichfte, doch ficher eines der wichtigften Nutzungsobjecte des Waldes war, fowie deffen Bearbeitung und Vorrichtung, foweit folche im Walde felbft ftattfand, endlich der Transport auf die Beftimmungsorte durch die Waldeigenthümer oder Bezugsberechtigten felbft ftatt. Forstwirthfchaft. 27 Eine Art von Ueberwachung und Controle bildete fich erft dann aus, als mit den fteigenden Bedürfniffen an Holz und anderen Waldproducten die Noth wendigkeit hervortrat, Uebergriffe hintanzuhalten, welche von Seite der Miteigenthümer in Gemeindewäldern oder von Nutzungsberechtigten in den Forften der gröfseren Grundherren ausgeübt wurden. In diefe Ueberwachungs- und Controlmafsregeln mufste, follten fie von Wirkung fein, ein gewiffes Syftem gebracht werden( Vorzeigung der zur Fällung beftimmten Stämme und Bezeichnung mit dem Waldzeichen oder Waldhammer, Befichtigung des gefällten Holzes vor der Abfuhr, Verbot der Waldarbeiten an Sonn- und Feiertagen und während der Nacht etc.). Gegen Uebertretung wurden Straffanctionen verhängt, wobei hervorzuheben kommt, dafs namentlich Frevel, welche von Miteigenthümern in Gemeindewäldern verübt wurden, nach den von der Gemeinde felbft aufgeftellten Normen in der Regel viel ftrenger geahndet wurden, als gleiche Frevel in den Forfter der grofsen Gutsherren. An derartigen kleinen Materialnutzungen fand das Holztransportwefen keine Gelegenheit zur Entwickelung; diefe ergab fich erft dort, wo die Aufgabe geftellt war, gröfsere Holzmaffen auf erhebliche Entfernungen zu verfrachten. Bergbau, Hüttenbetrieb, das Salinenwefen, die rafch aufblühenden Städte waren jene Confumenten, welche zunächft aus den Forften ihrer Nachbarfchaft und in dem Mafse, als die Holzvorräthe derfelben fich verminderten, aus entfernteren Gebieten grofse Materialmaffen bezogen. Man dürfte kaum einen Fehlfchlufs machen, wenn angenommen wird, dafs der Transport derfelben vorherrfchend auf den Wafferftrafsen ftattfand der ſchlechte Zuftand der Landwege, die Unmöglichkeit ihrer Anlage im Gebirge führte zur umfaffenden Anwendung der Flöfserei und Trift. Dort, wo alljährlich grofse Holzmaffen zu den Verbrauchsorten gefchafft werden mussten, erfchien die Bearbeitung und Zulieferung durch die Eigenthümer oder durch die Bezugsberechtigten überhaupt ausgefchloffen. Das in den Gebirgsländern ftets mühevolle und nur zu oft gefährliche Gefchäft der Holzfällung und der Transportarbeiten, die Trift und Flöfserei, die Verkohlung u. f. w. mussten an entſprechend entlohnte Arbeiterfchaften übertragen werden. Es kamen zur Ermittlung der zugelieferten Holz- oder Kohlenmengen gewiffe Mafseinheiten in Gebrauch, bei Handelshölzern fand eine Bezeichnung der verfchiedenen Eigenthümern gehörenden Stücke in der Regel mit der alten Hausmarke ftatt. So bildeten fich, aus der Natur der obwaltenden Verhältniffe hervorgehend ,. jene Gefchäftsformen aus, welche wir ihrer Hauptfache nach heute noch in Uebung fehen. Die älteften gefchriebenen Nachrichten, welche über ftattgefundenen Flöfsereibetrieb auf uns gekommen find, finden fich in der Bibel, und zwar im I. Buche der Könige, V. Capitel, Salomons Bund mit Hiram bei der Vorbereitung zum Tempelbaue, 9. Vers. Diefer lautet: Meine Knechte follen Cedern und Tannen vom Libanon hinabbringen ans Meer, und will fie in Flöfse legen laffen auf dem Meere bis an den Ort, den du mir wirft anfagen laffen, und will fie dafelbft anbinden, und du follft fie holen laffen. Aber du follft auch mein Begehr thun und Speife geben meinem Gefinde. Für das Studium des Holztransportwefens, namentlich in Bezug auf Holzbringungs- Anftalten aller Art, auf Schwemm- und Flöfserei- Anlagen und Betriebseinrichtungen, find die Alpenländer eine wahre Hochfchule. Wir haben es hier mit einer Entwicklungsperiode zu thun, welche an mehreren Orten an zwei Jahrtaufende hinaufreichen dürfte. Allerdings find auch Nachrichten über Flöfsereibetrieb von Bauhölzern am Rhein und Po durch die Römer auf uns gekommen. Unverkennbar handelte. es fich bei diefen Transportunternehmungen lediglich um die Deckung befonderer 28 Johann Newald. Bauholzbedürfniffe bei der Herftellung von Befeftigungsanlagen etc. am Rhein oder für das aufblühende Ravenna; ein regelmäfsiger Flöfserei- und Schwemmbetrieb, wie er fich in den Alpenländern zur Deckung der Bau-, Kohl- und Brennholzbedürfniffe für den Bergbau, Hüttenbetrieb und für das Salinenwefen, nothwendigerweife entwickeln und gliedern mufste, kam dabei wohl nicht in Ausführung. Mit einem Scharffinne, welchem der Fachmann und Techniker niemals feine Aufmerkſamkeit wird entziehen. können, ja dem er nur zu oft feine Bewunderung wird zollen müffen, finden wir die für den Schwemm- und Flöfsereibetrieb erforderlichen mannigfaltigen Bauwerke und Einrichtungen entworfen, ihre verfchiedenen Beftandtheile combinirt und hergeftellt, welche fie den durch die Oertlichkeit gebotenen Rückfichten und der von ihnen zu erfüllenden Aufgabe mit voller Sicherheit entfprechen läfst. Die in Rede ftehenden Bau- Objecte, Herftellungen und Einrichtungen laffen fich im Allgemeinen, je nach ihrer Beftimmung, in drei Gruppen abtheilen, und zwar: Erftens jene Bauwerke, durch welche wir in die Lage gebracht werden, auf dem Schwemmbache den zum Trift- und Flöfsereibetriebe erforderlichen höheheren Wafferftand herzuftellen: Klaufen, Wafferftuben, Schwemmteiche etc. Zweitens: jene Vorkehrungen, welche dazu beftimmt find, das Schwemmmateriale an feinem Beftimmungsorte aufzuhalten, um das Ausländen desfelben bewerkftelligen zu können, Fang- und Abweisrechen. Drittens: jene Einrichtungen und Vorkehrungen, durch welche wir das Materiale im eigentlichen Schwemmwaffer zufammenhalten, deffen Eindringen in Seitenarme und Werkcanäle verhindern und das Befchädigen von am Triftbache vorkommenden Werks- und anderen Einrichtungen, Brücken, Stegen, Uferbauten etc. durch das Anftofsen von Schwemm- und Flöfsereimateriale zu verhindern trachten. Die Darftellung des Schwemmbetriebes durch die dabei in Verwendung kommenden, eben erwähnten mannigfachen Baugegenftände und Einrichtungen anbelangend, bot die Ausftellung des k. k. Ackerbau- Minifteriums in feiner Modellfammlung ein überreiches Studienmaterial dar. Diefe Modelle, zum Theile aus der Lehrmittel- Sammlung der k. k. Forftakademie in Mariabrunn entnommen, zum Theile von den k. k. Forft- und Domänendirectionen und Verwaltungen eingebracht, bezogen fich durchgehends auf Objecte, welche thatfächlich beftehen und benützt werden. Um Wiederholungen zu vermeiden, wollen wir zunächft dem Schwemmbetriebe in den k. k. Wienerwald- Forften unfere Aufmerkfamkeit zuwenden. Derfelbe findet auf dem Schwechatfluffe und auf einer Anzahl feiner oberen Verzweigungen und Zuflüffe ftatt; der Rechen kommt in dem Orte St. Helena nächft Baden vor. وو Die Schwechat- Schwemme wurde um das Jahr 1670, fomit während der Regierungszeit des Kaifers Leopold I. begründet. In Bezug auf diefelbe erwähnt Paragraph 36 der von Leopold I. erlaffenen Waldamts- Inftruction vom 26. April 1681 dafs der verftorbene Waldmeifter von Theuersberg hinder Alland ein fehr nützlich und bequemes Claus und Rechen gebaut, vermittelt das Holz gegen Baaden und gar nach Laxenburg erfpriefslich getrifft wird" Zum Schutze der neuen Schwemmunternehmung erliefs der Kaifer am 1. Mai 1696 ein dasfelbe betreffendes Privilegium. Die Klaufe wurde damals, in der fogenannten Lämmerau, aus Holz erbaut. Der Rechen befand fich, mit Rückficht auf die Verfrachtung des Schwemm holzes nach Wien und Laxenburg, in Möllersdorf. Die Trift war lediglich auf Scheit, beziehungsweife Brennholz berechnet. Die erwähnte fogenannte Hauptklaufe wurde im Jahre 1756 aus Steinen neu erbaut; bezüglich des Rechens Forstwirthschaft. 29 fand im Jahre 1805 eine Abänderung dahin ftatt, dafs er von Möllersdorf nach. St. Helena bei Baden verlegt wurde. Aufser der Hauptklaufe ftehen noch zwölf fogenannte Seitenklaufen im Betriebe, deren Wäffer dazu beftimmt find, um einerfeits auf dem Hauptbache den zur Trift erforderlichen höheren Wafferftand das Vorwaffer- herzuftellen, - andererfeits, um durch das allmälige Aneinanderreihen der einzelnen Klauswäffer eine thunlichft lange anhaltende Einzelfchwemme zu erzielen. Dem Triftbetrieb auf der Schwechat dürfte, was die Organifation und Gliederung desfelben anbelangt, unter allen ähnlichen Unternehmungen Mitteleuropas die erfte Stelle einzuräumen fein. Bei der jährlichen Schwemmdurchführung handelt es fich um die Abtrift von 20.000 bis 25.000 Scheiterklaftern innerhalb der Zeit von wenigen Wochen, das heifst während der Periode des Schnee- Abganges im Frühjahre, weil nur die Thauwäffer die Möglichkeit des entſprechend wiederholten Füllens fowohl der Hauptklaufe, fo wie der Nebenklaufen bieten. Erftere befitzt zwei neben einander geftellte Ausflufsöffnungen, welche mit fogenannten Schlagthoren und vor denfelben befindlichen Hebthoren gefperrt werden. Die Nebenklaufen find gröfstentheils mit Schleufenfperren verfehen. Von jeder Klaufe ift, bekannt: a) die Waffermaffe, welche fie bei gröfster Füllung fafst, b) welche Zeit das Ablaufen des Waffers bei verfchiedenem Stande der Ausflufsöffnung erfordert und c) welche Zeit bis zum Eintreffen der Klauswäffer am Hauptbache verfliefst. Auf Grundlage diefer Daten werden für jede Einzelfchwemme fehr forg. fältig erwogene Dispofitionen getroffen, welche felbftverftändlich allerfeits auf das Strengfte eingehalten werden müffen. Der Fangrechen in St. Helena kann mit Bezug auf feine Oertlichkeit, fowoh! hinfichtlich feiner Anlage, als auch der Baudurchführung nach, als fehr entsprechend, ja muftergiltig bezeichnet werden. Wenn das Ausländen des angefchwemmten Holzes mit der entsprechenden Lebhaftigkeit betrieben wird, fo dafs die fogenannten Fallbäche vom Holze thunlichft frei gehalten werden, dann find wefentliche Störungen im geordneten Verlaufe des Triftbetriebes nicht zu beforgen, wie denn überhaupt gröfsere Unglücksfälle, durch welche jede Schwemme fort und fort bedroht wird, hier fehr felten vorkommen. Die Schwechatfchwemme anbelangend, brachte die Ausftellung des k. k. Ackerbau Minifteriums, und zwar a) einen Situationsplan über das Schwemmgebiet mit feinen Haupt- und Seitenbächen und den darauf vorkommenden verfchiedenen Triftbauten; b) Modelle, und zwar der Hauptklaufe, der Grofskrottenbach- Klaufe mit Schleufenfperre, der Hainbach- Klaufe mit Zapfenfperre, des Hauptrechens bei St. Helena und zweier Abweisrechen; c) die wichtigften Uferverficherungen; d) einen Holzabziehfchlitten endlich fämmtliche bei der Holzfällung, Bringung, bei den verfchiedenen Schwemmarbeiten u. f. w. in Verwendung ftehenden Werkzeuge. - Als Gegenfatz zu dem in feiner Art einzig daftehenden Schwemmbetriebe im Wiener- Walde, wobei die Aufgabe vorliegt, in verhältnifsmäfsig kurzer Zeit die Abtrift erheblicher Holzmaffen durchgeführt zu haben, kommt die Schwemme auf gröfseren Bächen und Flüffen vor, welche durch den ganzen Sommer, ja durch das ganze Jahr den zum Triftbetriebe erforderlichen höheren Wafferftand beſitzen. Die Ausftellung des k. k. Ackerbau- Minifteriums brachte eine grofse Anzahl Modelle von im k. k. Salzkammergute, in den Neuberg- Mariazeller Staatsforften in Steiermark, namentlich aber in Tirol in Benützung ftehenden Schwemmwerken und mit denfelben verbundenen mannigfaltigen Betriebsanlagen, an welche fich eine aus dem Salzkammergute, eingebrachte, fehr vollſtändige und ebenfo inftructive Modellsammlung von Schwemmbach- Verbauungen anfchlofs. 30 Johann Newald. Es würde viel zu weit führen, wollte hier in eine Befchreibung oder Darftellung diefer mannigfaltigen Triftbauten und Anlagen eingegangen werden. Wenn auch die Objecte gleicher Beftimmung( Klaufen, Rechen etc. etc.) eine Uebereinftimmung in ihrer Grundform und Einrichtung zeigen, im Detail ihrer Anordnung und in ihrer Ausführung find fie auf das Mannigfaltigfte verfchieden. Mit dem Entwurfe und der Herftellung eines jeden derartigen Schwemmgebäudes mufs immer ein ganz neues Problem gelöft werden. Die Anforderungen und Bedingungen, welche von der Oertlichkeit ausgehen, auf welcher das Object hergeftellt werden foll, das Material, welches zur Baudurchführung zur Verfügung steht, die Befchaffenheit des Untergrundes, namentlich im Bach- oder Flufsbette, die Gefällsverhältniffe des Thalgebietes im Allgemeinen und der Umgebung des projectirten Baues im Befonderen, die muth. mafsliche Benutzungsdauer, die Befchaffenheit des zur Trift kommenden Materiales, ob Blockholz, Drehlinge oder Scheiterholz, die Arbeitskräfte, durch welche der Bau zu realifiren fein wird, die Rückfichtnahme auf beftehende Rechtsverhältniffe, auf die Anforderungen und Bedingungen, welche Grundnachbarn und WafferwerksBefitzer ftellen, und noch eine Zahl bald mehr, bald weniger Einflufs nehmender, aus localen und wirthschaftlichen Verhältniffen hervorgehender Momente find Urfache, dafs jeder Neubau oder felbft nur der Umbau einer Klaufe, eines Rechens etc. etc. eine Aufgabe von hochwichtiger Bedeutung wird. Der Entwurf folcher Gebäude fällt überall den Local- Forftbeamten zu, da nur ihnen jene localen Erfahrungen zu Gebote ftehen, welche in Bezug auf den Zweck, der erreicht werden foll, und die Mittel, welche zu diefem Ende zur Verfügung stehen, von der höchften Wichtigkeit, ja ganz unentbehrlich find. Dafs dabei die Anfichten und Vorfchläge der bei der Trift befchäftigten fogenannten Meifterknechte u. dgl. gehört und wohl erwogen werden, ift felbſtverſtändlich. Zahlreiche Schwemmbauten geben Zeugnifs von dem klaren Verſtändniffe und der oft geradezu genialen Auffaffung, welche diefe Praktiker über Sinn und Wefen derartiger Anlagen und Gebäude haben. Eine befondere Aufmerkfamkeit nahm das aus dem Forftamts Bezirke Neuberg ausgeftellte Modell einer hölzernen Klaufe mit pilotirtem Grundbaue in Anfpruch. Ein zweites, fehr forgfältig ausgeführtes älteres Modell desfelben Bauobjectes, und zwar aus dem technifchen Muſeum der k. k. Forftakademie in Mariabrunn entnommen, befand fich in der additionellen Ausstellung für die Gefchichte der Gewerbe und Erfindungen. Diefe Klaufe kommt an der kalten Mürz, unmittelbar unter dem Einmündungspunkte des die Grenze zwifchen Oefterreich und Steiermark bildenden Grasgrabens vor und heifst die Steinalpel- Klaufe. Sie wurde vor zehn Jahren ganz neu hergeftellt und bringt ein Syftem zur Anwendung, durch welches eine neue Richtung zur Geltung gebracht wird, in welcher der Klausbau, infofern eine Holzconftruction beabfichtiget ift, einer weiteren Ausbildung entgegenzuführen ift. Bei den älteren hölzernen Klaufen finden wir den Klauskörper aus einem drei- oder mehrfelderigen Kaftenbau gebildet. Um die Widerftandskraft zu erhöhen, find die einzelnen Fächer mit Steinen ausgefüllt. Abgefehen von den grofsen Holzmaffen, welche derartige Einrichtungen in Anspruch nehmen, bleibt man, fobald der Klauskörper älter geworden ift, ftets über den Zuftand im Innern desfelben in Zweifel. Einfenkungen an einer oder der anderen Stelle deuten allerdings an, dafs Holzbeftandtheile ausgefault find; allein es ift ohne koftfpielige Unterfuchungen kaum möglich, eine Einficht über den Gefammt- Bauftand der Klaufe zu gewinnen; wir haben es mit einem Objecte zu thun, von dem wir fort und fort eine Störung des geordneten Verlaufes der Trift beforgen müffen. Als es fich um den Neubau der Steinalpel Klaufe handelte, führten Erwägungen der bezeichneten Art den damaligen k. k. Oberförfter Wilhelm Stöger, Forstwirthschaft. 31 in Mürzfteg, dermalen Forftmeifter Seiner kaiferlichen Hoheit des Erzherzogs Leopold in Hörnftein, zu dem Gedanken des gänzlichen Abgehens von der Herftellung eines Kaftenbaues und Anwendung eines Syftemes von Streben, um der lediglich aus Werkhölzern von gleichen Dimenfionen gebildeten Klauswand die erforderliche Widerftandskraft zu geben. Werksdirector Hummel zu Neuberg und der dortige amtliche Zimmermeifter Alois Gröbl traten diefem Gedanken bei, fuchten ihn nach allen Beziehungen auszubilden, und führten gemeinfchaftlich mit Oberförfter Stöger den Bau der Steinalpel- Klaufe zum guten Abfchlufs. Durch eine zehnjährige Benutzung darf fie nun als erprobt bezeichnet werden. Die Klaufe hat eine Länge von 24 Klafter( 45.6 Meter). Die Spannhöhe des Waffers beträgt an der Klauswand 4 Klafter( 7.6 Meter). Sie ift derart conftruirt, dafs jedes im Laufe der Zeit fchadhaft werdende Werkstück leicht ausgewechfelt und durch ein neues Stück erfetzt werden kann. Dem in der additionellen Ausftellung vorhandenen Modelle der SteinalpelKlaufe wurde vom Preisgericht die Verdienft- Medaille zuerkannt. Wenden wir uns noch den übrigen Holzbringungs- und Transportanft alten zu, fo waren diefe im Pavillon des k. k. Ackerbau- Minifteriums durch Modelle von Eis- und Wafferriefen, des Holzaufzuges im Aurachthale bei Gmunden, von Wagen und Schlitten u. dgl. vertreten. Von befonderem Intereffe und ſehr inftructiv waren jene Ausftellungsgruppen, welche aus den in den einzelnen Län dern bei den verfchiedenen Holzfällungs- und Bringungsarbeiten etc. in Verwendung ftehenden Werkzeugen und Behelfen gebildet waren. Die Studien über das Holztransportwefen im Allgemeinen und über den Triftbetrieb im Befonderen, wie diefelben durch die diefsbezüglichen überaus reichen Ausftellungsgegenstände des k. k. Ackerbau- Minifteriums ermöglicht wurden, fanden ein neues Feld der Erweiterung durch die im Pavillon der Waidhofener Forftinduftrie- Gefellfchaft ausgeftellten Pläne, Modelle, Betriebsnachweiſe u. f. w. Diefe Gefellfchaft hat die zwei aus den öfterreichifchen Alpen der Donau zuftrömenden Flüffe Ybbs und Erlaf, und zwar erftere zum Flöfsereibetriebe, letztere zum Schwemmbetriebe adaptirt. Es kann hier nicht die Abficht vorliegen, eine Gefchichte der Begründung und Entwicklung diefer Unternehmung zu bringen; jene Zweige derfelben, welche fich auf das Holzbringungs- und Transportwefen, fowie auf die Verarbeitung und den Vertrieb des Materiales beziehen, dürften bei jedem Fachmanne die vollfte Anerkennung finden. Das erfte Ybbsflofs ging am 1. März 1866 von der Einbindftätte bei Hollenftein ab und langte am Abend des darauf folgenden Tages bei der Dampffäge nächft Amftetten an. Diefe erfte Fahrt ftiefs, wie folches wohl nicht anders erwartet werden konnte, auf einzelne Hinderniffe; fie nahm auch verhältnifsmässig mehr Zeit in Anfpruch als die fpäteren Fahrten, allein der Betrieb felbft war damit eingeleitet, der nun bald eine umfaffende Erweiterung erhielt. Die Langholzflöfserei auf der Ybbs ift jene, in Baden und Württemberg auf der Murg, Kinzig u. f. w. übliche Methode der ,, Geftörflöfserei in der verbohrten Wiede". Zum Zwecke der Flofsconftruction wird das Langholz nicht in einzelne fteife Geftöre zufammengefügt, fondern es werden 800 bis 1000 Stämme in ein einziges, 14 bis 22 Fufs( 4'4 bis 6.9 Meter) breites und 1200 bis 1500 Fufs ( 379 bis 474 Meter) langes durch Wieden gebundenes Flofs zufammengelegt und abgeführt. Während der Fahrt wird ein derartiges Flofs durch etwa 14 Mann geleitet und regiert. Die Geftörflöfserei kann auf allen Gewäffern angewendet werden, welche die gehörige Breite und eine zur Schwere des Holzes im Verhältniffe ftehende Waffertiefe von 15 bis 2 Fufs( 0474 bis o 632 Meter) befitzen und fo weit geregelt find, dafs die vorhandenen Krümmungen im Flufslaufe die Durchfahrt des Geftörflofses geftatten. 3 32 Johann Newald. Der Holztransport auf der Erlaf unterfcheidet fich von jenem auf der Ybbs dadurch, dafs auf derfelben die Trift von Scheitholz und Blöcken in nicht gebundenem Zuftande bis zu dem nächft Pöchlarn an der Donau befindlichen Hauptrechen ftattfindet. In der Nähe des Rechenplatzes kömmt die zweite grofse Dampffäge der Gefellſchaft vor, deren Lage für den ganzen Gefchäftsbetrieb als befonders günftig bezeichnet werden mufs, da durch die mässige Entfernung von der Donau die weitere Verfrachtung der Sägematerialien befonders erleichtert und begünftigt wird. - Die Ausstellungshalle der Waidhofener Forftinduftrie- Gefellſchaft enthielt eine Zahl Modelle von wichtigen Holzlieferungsanftalten, Transportmitteln und Einrichtungen, und zwar von Brennholz und Langholzriefen, das Detail ihrer einzelnen Beftandtheile, eines Holzfanges oder fogenannten Moifche, Modelle der für den Langholztransport fehr zweckentfprechend eingerichteten StammholzWagen und Stammholz- Schlitten, beide mit Drehfcheibe und Starz das Modell der neu erbauten Ois- Klaufe, zu dem wir uns nur die Bemerkung erlauben, dafs wir für die oberen zwei Dritttheile des Klausgebäudes jene Einrichtung in Vorfchlag gebracht hätten, welche an der oben erwähnten Neuberger SteinalpelKlaufe angewendet erfcheint. Ferner trafen wir dort Modelle verfchiedener Rechenanlagen, darunter den fehr entſprechend conftruirten Steinbachrechen das Modell einer fogenannten Flofsrutfche, das ift jener Einrichtung, durch welche das Abgehen des Flofses über auf dem Fluffe vorhandene Wafferwehren vermittelt wird, endlich das Modell eines vollſtändig adjuftirten Geftörflofses und jenes der fogenannten Langauer Schwelle. Es kann nicht in Abrede geftellt werden, dafs durch die Unternehmungen der Actiengefellfchaft für Forftinduftrie in Waidhofen an der Ybbs eine beachtenswerthe Verbefferung der Holz- Transportmittel und eine beffere Ausnützung der Forftproducte vermittelt worden ift. Es wurde ihr durch das Preisgericht die Fortfchritts- Medaille zuerkannt. Es ift oben der Umftand hervorgehoben worden, dafs in den Alpenländern die grofsen Schwierigkeiten, welche fich der Anlage und Erhaltung von Strafsen und Wegen, namentlich wenn durch diefelben entferntere und fchwerer zugängliche Thalgebiete erfchloffen werden follten, entgegenftellten, zur Anwendung und Entwicklung des Trift- oder Schwemmbetriebes, und zwar ebenfo fehr zum Transporte von Blockhölzern, wie von Kohl- und Brennhölzern führten. In gleicher Weife drängten die Uebelſtände, welche bezüglich Beifchaffung der erforderlichen Zugkräfte jedesmal entftanden, fobald es fich um den Transport gröfserer Holzmaffen auf erhebliche Entfernungen handelte, zur erweiterten Verwendung der Wafferftrafsen, welche Transportmethode überdiefs noch den grofsen Vortheil eines mäfsigen Koftenaufwandes für fich hat. Auch in den Ländern der ungarifchen Krone, oder doch in erheblichen Gebieten derfelben, fehen wir aus den gleichen Veranlaffungsurfachen ähnliche Folgen hervorgehen. Wir finden in einer grofsen Zahl der Gebirgscomitate den Schwemm- und Flöfsereibetrieb feit einer langen Reihe von Jahren in Uebung, an eben fo vielen Orten fich fort und fort in gedeihlicher Weife entwickeln, vielfach auch als ganz neue wirthschaftliche Einrichtung dem Benutzungsgange grofser Waldgebiete eine neue Richtung geben. Wir glauben keine wefentliche Einfprache beforgen zu dürfen, wenn wir die Entwicklung des Flöfserei- und Triftwefens in den Ländern der ungarischen Krone, in einem wefentlichen Theile derfelben, auf deutfche Einflüffe zurückführen. Bleibt auch die Beftimmung der verfchiedenen diefsäflligen Bau- Anlagen überall diefelbe, wird die Errichtung von Klaufen und Wafferftuben allerorts die Herftellung des zum Schwemmbetriebe erforderlichen höheren Wafferftandes beabfichtigen, wird man zum Auffangen des Triftmateriales die fogenannten Holz Forftwirthfchaft. 33 rechen kaum entbehren können, wird auch auf die Anlage und Einrichtung aller diefer Bau- Objecte die Oertlichkeit, das zur Verfügung stehende Baumaterial, die Rückficht auf die Herftellungskoften u. f. w. einen entfcheidenden Einfluss nehmen; fo bietet doch fo manches Baudetail ausreichende Anhaltspunkte, um den Zufammenhang zwifchen den Objecten in ungarifchen Schwemmbezirken und ihren Originalien in den weftlichen Ländern conftatiren zu können. In der ungarifchen Ausftellungshalle erfchien das Trift- und Flöfsereiwefen in hervorragender Weife, und zwar durch Modelle verfchiedener Schwemmwerke und Bau- Anlagen, Werkzeuge und Geräthe etc. vertreten. Von befonderem Intereffe war der umlegbare fogenannte Bockrechen aus dem königlichen Forftamte zu Mühlbach in Siebenbürgen. So fehr und gerne wir die Anlage und Einrichtung des ganzen Werkes als wohl durchdacht anerkennen, können wir in Bezug auf die Widerftandskraft im Falle eines Hochwaffers und Anfchwemmung grofser Holzmaffen an dem Rechen die Sorge eines Durchbruches nicht überwinden. In Bezug auf den Trift- und Flöfsereibetrieb enthielt die Forftausftellung der ungarifchen Länder zahlreiche Studienobjecte, und zwar theils in Modellen. von Schwemmbauten der mannigfaltigften Art und Beftimmung und den damit im Zufammenhange ftehenden Einrichtungen, theils in Gruppen von Werkzeugen und Behelfen, welche in den verfchiedenen Gebieten beim Schwemm- und Flöfsereiwefen zur Verwendung kommen. Von befonderem Intereffe waren die von der königlichen Berg- und Güterdirection zu Mármaros- Szigeth und von dem königlichen Forftamte zu Neufohl in den Weftkarpathen ausgeftellten Modelle. Es kann hier nicht unfere Aufgabe fein, eine eingehende Befchreibung der einzelnen Objecte zu geben. Eines jedoch glauben wir hervorheben zu follen, dafs fich auch bei den Triftbauten und Anlagen in den Ländern der ungarifchen Krone jener Verlauf und Entwicklungsgang beobachten läfst, wie wir ihn bei dem altbeſtehenden Schwemmwefen der Alpenländer klar hervortreten fehen. Zunächft fehen wir grofse Anlagen entſtehen, bei deren Herftellung und Einrichtung das Holz bezüglich Menge und Stärke in geradezu verfchwenderifcher Weife in Verwendung kam. Später fehen wir die Anlagen und Werke fich vereinfachen, eine beffere Conftruction läfst Erfparungen an Material und Herftellungskoften erzielen, endlich tritt, wo diefes nur immer durchführbar erfcheint, feftes Baumaterial, nämlich Steine und Eifen an die Stelle des Holzes. Beachtenswerth war die von der Firma Popper ausgeftellte Gruppe aus dem Gebiete des forftlichen Transportwefens; endlich haben wir noch der diefe Gegenftände behandelnden Partie aus der foiftlichen Abtheilung der Collectivausftellung der k. k. privilegirten öfterreichifchen StaatseifenbahnGefellfchaft zu gedenken, welche auf ihrer grofsen Banater Domäne Oravicza namentlich der Entwicklung des forftlichen Transportwefens grofse Aufmerkſamkeit zuwendet. Erft in der neueſten Zeit wurde eine ftändige Trift auf der Berzava zur jährlichen Bringung von 40.000 Klaftern aus den Urwäldern des Reficzaer Amtsbezirkes eingerichtet und wurden die Ländplätze mittelft einer fchmalfpurigen Locomotivbahn mit den Hochöfen in Verbindung gebracht. Zu gleicher Zeit wurde die zweite ftändige Trift auf der Nera hergeſtellt, um die Hinterwälder der Szaszkaer Verwaltung aufzufchliefsen. Der Specialkatalog über die Forftausstellung der ungarifchen Länder enthielt, namentlich in Bezug auf die königlichen Staatsforfte, auf die Fondsforfte und auf die Staatsforfte Kroato- Slavoniens, bezüglich ihres Flächenausmasses, ihres nachhaltigen Ertrages und der allfälligen Materialüberfchüffe oder Abgänge fehr fchätzenswerthe Daten. Die Entwicklung des Eifenbahnnetzes und damit im Zufammenhange der, namentlich auf die Trift und Flöfserei bafirte Holztransport- Betrieb wird dort in Bezug auf das Waldwirthfchaftswefen fehr erhebliche Refultate erzielen laffen. 3* 34 Johann Newalc Die Bedeutung der ausgedehnten, über das ganze Königreich verbreiteten und vertheilten Aerarial- und Fondsforfte und ihrer Behandlung und Bewirthfchaftung, in Bezug auf ihre geographifche Lage und topographifchen Verhältniffe, auf Bodenbefchaffenheit und Klima, auf Bevölkerung und Nationalität, auf die verfchiedenartigen Beziehungen der Güterverwaltung und Bewirthschaftung, auf die Erträgnifsquellen und deren Ausnützung, auf die mit der Land- und Forftwirthschaft im Zufammenhange bereits beftehenden oder fich neu entwickelnden Gewerbe und Induftrien, auf die hieraus hervorgehenden oder fie bedingenden Handels- und Verkehrsverhältniffe, überhaupt auf alle nationalökonomifchen und volkswirthschaftlichen Intereffen, auf Volkserziehung und Bildung u. f. w. ift derart hervorragend, dafs fie ein umfaffendes Studium rechtfertigt. Der Waldwirthschaftsbetrieb und feine Jünger ftehen in erfter Linie jener Pionniere. deren Miffion darin liegt, Cultur und Wirthfchaft nach dem Often zu tragen. Für Ungarn und feine Länder wird das Forftwirthschaftswefen und feine Pflege und Förderung für alle Zeiten die höchfte Bedeutung bewahren. Sowie in Bezug auf Walderziehung und Waldpflege nahm auch die forftliche Abtheilung von der Collectivausftellung der Fürften Johann Adolf und Adolf Jofef zu Schwarzenberg hinfichtlich des Holzbringungs- und Transportwefens eine hervorragende Stelle ein. Es kamen dabei namentlich die im füdlichen Böhmen gelegenen fürftlichen Befitzungen in Betracht, auf denen der Schwemmund Flöfsereibetrieb auf einer hohen Stufe der Entwicklung fteht. Schon in den Jahren 1787 bis 1789 wurde durch den Fürften Johann Nepomuk die Anlage jenes grofsartigen Schwemmcanales begonnen, durch welchen die Möglichkeit gefchaffen wurde, Brennhölzer aus den Krumauer Urwäldern nach Wien und Linz zu liefern. Jofef Rofenauer, zuerft Forftamtsadjunct zu Salnau, fpäter fürftlicher Schwemmdirector, war der Schöpfer diefer hervorragenden Unternehmung. Die erfte Scheiterfchwemme wurde im Jahre 1790 ausgeführt. Die Länge des Canales fammt einem Theile der canalifirten kleinen Mühl beträgt nahe 27.000 Wiener Klafter( 512 Kilometern). Wird die Hirſchbachriefe, der See und Rofsbach canal und die Canalifirung einiger Nebenbäche eingerechnet, fo ift die ganze Canallänge 29.423 Klafter( 55.8 Kilometer). Der höchfte Punkt desfelben hat am fogenannten Lichtwaffer, hart an der bairifchen Grenze, eine Seehöhe von 2904 Wiener Fufs( 917.7 Meter). Der Canal fenkt fich bis in die Nähe des Abfturzes auf dem fogenannten Rofenhügel auf 2444 Fufs( 772 3 Meter herab und befitzt ein durchſchnittliches Gefälle von 18 Zoll per Klafter, von welchem Durchschnitte nur an einzelnen Stellen Abweichungen vorkommen. Der Schwemmcanal hat an der Sohle eine Breite von einer Klafter, er ift oben zwei Klafter breit und befitzt eine Tiefe von durchſchnittlich drei Fufs. An einer Stelle( oberhalb des Hirfchenberger Forfthaufes) ift derfelbe in der Länge von 221 Klafter in der Form eines Tunnels durch einen Bergrücken getrieben, welche Arbeit unter der Leitung es fürftlichen Ingenieurs Jofef Falta im Jahre 1824 vollendet wurde. Um im Canale den zum guten Fortgange der Schwemme erforderlichen Wafferftand herzuftellen, wurde eine Wafferfchwelle angelegt und durch Erhöhung des Dammes auch der aus Adalbert Stifter's Novelle Hochwald" bekannte Blöckenfteiner See zu demfelben Zwecke eingerichtet. " Die Gefammtkoften des Werkes beliefen fich mit Einfchlufs der erforderlichen Hochbauten und Platzadaptirungen auf circa 250.000 Gulden Conventionsmünze, in welcher Ziffer jedoch fpätere Bauten und Erwerbungen nicht eingerechnet find. Am Mühlfluffe reicht die Holztrift bis zum grofsen Partenfteiner Rechen unfern Neuhaus an der Donau, wo das Material ausgeländet und auf der Donau nach Linz und Wien verfchifft wird. Forstwirthschaft. 35 In neuerer Zeit wurde der Verfuch gemacht, den Schwemmcanal ftreckenweife zur Blocktrift zu benützen, ein Unternehmen, welches kaum auf befondere Schwierigkeiten ftofsen dürfte. Im Jahre 1795 entwarf der damalige Schwemmdirector Jofef Rofenauer auch den Plan, die Forfte der Domäne Stubenbach durch einen 7600 Wiener Klafter( 14'4 Kilometer) langen Schwemmcanal mit der Wotawa, dem ftärksten Nebenfluffe der Moldau, zu verbinden. Der grofsen Schwierigkeiten wegen, waren die Koften fehr erheblich. Die erfte Schwemme fand im Jahre 1801 ftatt. Rofenauer ftarb, 66 Jahre alt, im Jahre 1805 zu Krumau. Dem Schwemm- und Flöfsereibetriebe auf der Moldau wird durch die oberhalb des Stiftes Hohenfurth vorkommende fogenannte Teufelsmauer ein fehr wefentliches Hindernifs bereitet. Es ift diefes eine Wegftunden lange Felsverftürzung, unverkennbar Gefchiebeftücke einer einftigen Gletfchermuräne enthaltend. Um für die Scheiterfchwemme ein befferes Rinnfal zu gewinnen, liefs in der Zeit von 1760 bis 1770 der damalige fürftlich Schwarzenberg'fche Jägermeifter Wenzel Ritter von Feldegg Sprengungen durchführen, wodurch allerdings die Scheitholztrift in etwas gefördert, allein für den Flöfsereibetrieb keine Erleichterung gefchaffen wurde. Dermalen müffen alle auf dem oberhalb der Teufelsmauer gelegenen Flufstheile ankommenden Flöfse bei der fogenannten Lippener Schwebe auseinandergenommen, ausgeländet und das Material mittelft Wagen zu der mehr als eine Wegftunde entfernten Einbindftätte nächft Hohenfurth gefchafft werden, wo dasfelbe abermals eingewäffert und zu neuen Prahmen- Flöfsen gebunden wird. Diefe Unterbrechung führt nicht nur eine Verzögerung im Verlaufe der Flöfserei herbei, fondern fie fteigert auch die Koften derfelben in fehr erheblicher Weife. Die Behebung des durch die Teufelsmauer gebildeten Hinderniffes ift daher auch feit einer langen Reihe von Jahren Gegenftand reiflicher Unterfuchunund Studien. In der fürftlich Schwarzenberg'fchen Ausftellungshalle war ein zu diefem Ende vom Wafferbau- Ingenieur Deutfch entworfenes und nach allen feinen Details ausgearbeitetes Project ausgelegt. Dasfelbe beantragt die Anlage eines Flöfsereicanales am linken Ufer der Moldau, für die ganze Länge der durch die Teufelsmauer gebildeten Stromfchnellen und Felsverftürzungen. gen Unzweifelhaft erfcheint die Anlage eines Canales als das am beften geeignete Mittel; um das in Rede ftehende Flöfsereihindernifs zu beheben. Nachdem die Flofsprahmen eine Breite von 14 Fufs( 4'42 Meter) befitzen, fo beantragt das Project, um bei dem Vorkommen von Krümmungen nicht Stockungen und Störungen im Abgange der Flöfse zu veranlaffen, eine Canalbreite von 20 Fufs( 6.32 Meter). Der Ueberwindung der fehr erheblichen Gefällsunterfchiede wendet das Project die gröfste Sorgfalt zu, und erfcheint diefer Theil desfelben als eine hervorragende Leiftung. Die Bau- Auslagen waren auf rund 600.000 fl. öfterreichischer Währung veranfchlagt. Wenn dem projectirten Canale dadurch die wefentlichfte Aufgabe zufällt, dafs er die Ueberwindung der an jener Stelle beftehenden Flöfsereihinderniffe ermöglichen und vermitteln foll, dann ist wohl die Erwägung geftattet, ob er diefer Beftimmung nicht auch durch eine einfachere, minder koftfpielige Einrichtung zu entfprechen vermag. Wir erachten, dafs in Bezug auf die Ueberwindung der fraglichen Hinderniffe auch feitens der Flöfserei einige Zugeftändniffe zu machen wären. Für den Canal wird die Breite von 20 Fufs beantragt, weil auf der oberen Flufsftrecke die Flofsprahmen eine Breite von 14 Fufs befitzen. Durch die erhebliche Breite von 20 Fufs werden die Anlage und der Ausbau des Canales fehr erfchwert und der Koftenaufwand wefentlich gefteigert. Dabei entſteht noch das wichtige Bedenken, dafs im Falle eines tieferen Wafferftandes der Canal nicht hinlänglich gefpeift werden dürfte, um das Abgehen der Flöfse zu ermöglichen. 36 Johann Newald. Es tritt dadurch die Frage in den Vordergrund, ob bei einer nicht allzu fchwer durchzuführenden Aenderung im Flöfsereibetriebe auf der oberen Flufsftrecke, für die Anlage und Benützung des projectirten Canales, nicht wefentliche Erleichterungen zu erzielen wären. ab Würden die 14 Fufs breiten Prahmen derart abgebunden und eingerichtet, dafs fie an der Lippener Schwebe der Länge nach getrennt werden könnten, wodurch zwei Prahmen von der halben Breite, nämlich von 7 Fufs entſtänden, und würde man diefe einzelnen Theile zu einem neuen Flofs derart aneinander reihen, dafs das früher, etwa aus 16 Einzelprahmen von je 14 Fufs Breite gebildete Flofs nunmehr aus 32 7 Fufs breiten Prahmen, jedoch von der doppelten Länge, beftehen würde, fo könnte der Canal eine auf die Hälfte verminderte Breite erhalten; er würde jederzeit den zur Abflöfsung erforderlichen Wafferftand befitzen, und das fchmale, jedoch erheblich lange Flofs würde felbft fehr wefentlich zur Regulirung feiner Ganggefchwindigkeit beitragen. In der zunächft dem unteren Ende der Teufelsmauer gelegenen Einbindeftätte angelangt, könnte das Flofs nun in jener Art eingerichtet und abgebunden werden, wie folches die für die Moldau und Elbe geltenden Strompolizei- Vorfchriften erheifchen. Wäre es möglich, die Flöfserei auf der oberen Flufsftrecke in jener Art zu betreiben, wie folche im Schwarzwalde und in Niederösterreich auf der Ybbs üblich ift, welche wir oben als„ Geftörflöfserei in der verbohrten. Wiede" bezeichneten, dann dürfte, nachdem bei diefer Verbindungsart die einzelnen Geftöre viel beweglicher find, als bei der auf der Moldau üblichen ſteifen Prahmenverbindung, der Abgang des Flofses durch den Canal noch mehr gefichert werden. In der fürftlich Schwarzenberg'fchen Ausftellungshalle befand fich unter den forftwirthfchaftlichen Modellen auch das einer Holzriefe im Böhmerwalde. Wir glauben auf diefen Umftand befonders darum aufmerkfam machen zu follen, weil diefe Holzbringungsanftalt im Böhmerwalde in Folge des 1870er Windbruches das erfte Mal in Anwendung gekommen ist. Angeregt durch die diefsfälligen zahlreichen Ausftellungsobjecte, haben wir dem Schwemm- und Flöfsereibetriebe in den Ländern der öfterreichifch- ungarifchen Monarchie und den damit in Verbindung ftehenden anderweitigen Holzbringungsanftalten eine befondere Aufmerksamkeit zugewendet. Es ift eine hohe Stufe der Entwicklung, auf welcher wir in diefen Ländern diefen Zweig des forftlichen Betriebswefens finden, und beachtenswerth find die Fortfchritte, welche bei demfelben fort und fort gemacht werden. In räumlicher Beziehung treten mit jedem Jahre neue Schwemm- und Flöfserei Einrichtungen und Unternehmungen ins Leben, während wir an den beftehenden diefsfälligen Anftalten ftets wefentliche Verbefferungen und Erweiterungen durchführen fehen, deren Streben namentlich auf einen thunlichft intenfiven Betrieb gerichtet erfcheint. Die mässigen Koften, mit denen fich durch den Waffertransport namentlich gröfsere Holzmaffen auf oft fehr entfernte Verbrauchs- oder Abfatzorte fchaffen. laffen, werden dem Trift- und Flöfsereiwefen noch für lange Zeit feine volle Bedeutung fichern. Wenn auch die das Holzgewinnungs- und Transportwefen darftellenden Gruppen aus der grofsen forftlichen Ausftellung des deutfchen Reiches nicht jene Mannigfaltigkeit und jenen Umfang in Anfpruch nehmen konnten, wie die gleichen Ausftellungsabtheilungen und Objecte aus den öfterreichiſch- ungarifchen Königreichen und Ländern, fo boten fie dennoch ein Studienmaterial von hervorragendem Intereffe. Wir haben hier zunächft die von der grofsherzoglich badifchen Domänen direction zu Carlsruhe, namentlich das Holzfällungs-, Bearbeitungs- und Bringungswefen im badifchen Schwarzwalde darftellenden Gruppen zu erwähnen Forstwirthschaft. 37 Eine Reihe von Werkzeugen und Geräthen, wie fie zur Fällung, zum fogenannten Rauh- und Feinbefchlagen der Stämme, zum Abfeilen von Langhölzern auf Bergabhängen u. f. w. in Verwendung ftehen, waren ausgelegt. Die eigentlichen Holzhauer- Werkzeuge und Geräthe hatte der Schmiedemeifter Kaltenbach angefertigt und zeichneten fich diefelben durch ein gutes Material und folide Arbeit aus. Im badifchen Schwarzwalde betrachtet man die Periode von Mitte März bis Mitte Mai als die befte Fällungszeit. Unzweifelhaft trocknet das in diefem Termine gefällte Material rafch aus, ein Umftand, der auch den eigentlichen Winterfällungen zugute kommt und jedenfalls in Folge Gewichtsverminderung des Holzes von wefentlicher Bedeutung ift, es möge der Transport nun fchon zu Lande oder im Wege der Flöfserei ftattfinden. Auf dafs eine möglichft vollständige Austrocknung ftattfinden kann, bleibt im badifchen Schwarzwalde das zugerichtete Stammholz bis Ende September im Walde, beziehungsweife in den Schlägen liegen. Erft dann beginnt die Zulieferung an die Leitwege und Riefen, das fogenannte Räumen. Leitwege find fchmale, in zwei Meter Entfernung mit gefchälten tannenen oder buchenen Halbkloben oder Spältern belegte Wege, auf denen Langhölzer gefchleift, Brennhölzer jedoch mittelft Schlitten abgeliefert werden. Die durch Modelle dargestellte Conftruction von Holzriefen zeigt von der in den Alpenländern üblichen Einrichtung diefer wichtigen Transportanftalten nur geringe Abweichung. Was die zum Flöfsereibetriebe gehörigen Geräthe und Bauherftellungen anbelangt, nahmen zwei Modelle von kleinen Klaufen, im Schwarzwalde Flofsweiher genannt, unfere Aufmerksamkeit in Anfpruch. Das eine Modell repräfentirte eine Holzconftruction des Klaufen- oder Weiherdammes, das zweite einen Steinbau. Für die erftere Form dürfte fich das oben erwähnte Stöger'fche Strebefyftem, wie es an der k. k. Neuberger Steinalpel- Klaufe in Anwendung gebracht wurde, befonders eignen, und zwar umfomehr, da diefe fogenannten Flofsweiher ihrem Umfange und der Schwierigkeit ihrer Herftellung nach den in den Alpenländern vorkommenden Klausbauten wefentlich nachftehen. Der Flöfsereibetrieb im badifchen Schwarzwalde, auf der Wolfach und Kinzig, von Rippoldsau bis Kehl, ift ganz jener Vorgang, wie wir ihn oben bei der von der öfterreichifchen Actien- Gefellfchaft für Forftinduftrie zu Waidhofen, auf der Ybbs eingeführten„ Geftörflöfserei in der verbohrten Wiede" erwähnt haben. Die einzelnen Schwarzwald- Flöfse werden ganz in derfelben Form zufammengeftellt und abgebunden, wie auf der Ybbs; ebenfo ift der Flöfsereibetrieb felbft an beiden Orten völlig übereinftimmend. In der Collectiv- Ausftellung von Elfafs Lothringen, welche durch den Brand des Elfäfser Bauernhaufes zu Grunde ging, befand fich eine Reihe von Holzhauer- Werkzeugen und eine Anzahl von Modellen für verfchieden conftruirte Laftwagen und Schlitten, das Modell eines Canalfchiffes für Brennholz- Transport, eines Langholz- Flofses für Canal- und Rheinflöfserei, eines Canalflofses für Eichenftammholz, eines Bretterflofses für Gebirgsflöfserei und endlich das Modell eines Rhein- Nachens. Bei der Anlage von Holz- Transportanftalten und Einrichtungen fällt unverkennbar dem Koftenpunkte eine hervorragende Rolle zu. Die mit dem Waffertransport verbundenen mäfsigen Auslagen dürften dem Trift- und Flöfsereibetriebe noch für eine lange Zeit eine befondere Bedeutung fichern. Um den Landtransport des Holzes auf eine thunlichft billige Weife zu vermitteln, wendet man der Anlage und dem Ausbaue eines entſprechenden Wegenetzes die gröfste Aufmerkfamkeit zu, oder man entfchliefst fich zur Herftellung von Holzbahnen, wie eine folche auf dem Befitze der Waidhofener Forftinduftrie- Gefellfchaft im Betriebe fteht; und in der Forftausftellung der ungarifchen Länder durch das königliche 38 Johann Newald. Forftamt zu Karánsebes in der Banater Militärgrenze das Modell der Ferdinandsberger Holzbahn fammt Zugehör, und von Seite der königlichen Güterdirection zu Lippa im Banate, Darſtellungen der im Forfte Leukufeft im Betriebe ftehenden Holzbahn, nach dem Syfteme Loprefti, ausgeftellt waren. Befondere Verhältniffe werden fchliefslich auch zur Anwendung ganz eigenthümlicher Transportanſtalten und Einrichtungen führen, unter welche die im kleinen Schlierenthale bei Alpnacht, Canton Unterwalden, vorkommende Drahtfeilriefe einzureihen kommt Diefelbe wurde durch König aus Beitenwyl im Canton Bern eingerichtet, und befitzt eine Länge von nahe 7000 Fufs. Sie vermittelt die Ablieferung jener Hölzer, welche fich aus der nunmehr eingeleiteten Benützung eines aus früheren Fällungen im oberen Schlierenthale zurückgebliebenen Waldreftes ergeben. In der Ausftellung des fchweizerifchen Forftvereines war ein durch Schöll in St.- Gallen nach der topographifchen Karte im Maſse von 1: 1500 angefertigtes Terrainrelief fammt der Drahtfeilriefe und ein von Robert Landolt in Zürich im Mafse von I: 15 hergeftelltes Detailmodell ausgeftellt. Wir geben gern zu, dafs die Anlage und Einrichtung diefer Drathfeilriefe als eine geiftreiche Erfindung zu bezeichnen kommt; allein die grofsen Koften ihrer erften Herftellung und der mit der Benützung verbundenen erheblichen Auslagen wegen, werden fich derartige Einrichtungen doch nur für Verhältniffe eignen, wo der Werth des zu bringenden Materiales ein aufsergewöhnlich hoher ift, und die Ablieferung desfelben auf eine andere Weife entweder gar nicht, oder noch koftfpieliger, durchführbar erfcheint. Die fragliche Drahtfeilriefe läuft in ziemlich gerader Richtung, mitunter wefentliche Terrainfchwierigkeiten überwindend, an der Bergfeite herab. Der volle, abwärts gehende Wagen zieht den leeren hinauf. Am Kreuzungspunkte wird der letztere abgehoben und oberhalb dem erfteren auf das Drahtfeil wieder eingehängt. Der Gang des beladenen Wagens kann durch eine fehr finnreiche Bremsvorrichtung regulirt werden. In der fteiermärkifchen forftlichen Collectivausftellung befand fich das vom Forftmeifter Henfchl aus Wildalpe angefertigte Modell einer Drahtfeilriefe, zur Bringung und Lieferung des Holzes über unwegfame Gebirgsgegenden. Während die Drahtfeilriefe im Schlierenthale durch ihre ganze Länge eine nahezu gerade Richtung befitzt, find bei diefem Project ziemlich fcharfe Krümmungen beantragt, woraus fich für die allfällige Realifirung deffelben, ebenfo wie für die Benützung, erhebliche Schwierigkeiten ergeben dürften. Im Anfchluffe an jene Ausftellungsgruppen, welche namentlich die Gewinnung und den Transport des Holzes zur Darstellung brachten, erfchien dem Köhlereiwefen eine feiner Bedeutung entsprechende Aufmerkfamkeit zugewendet. Es dürfte kaum eine Einfprache zu beforgen fein, wenn in diefem hochwichtigen Wirthschaftszweige den Alpenländern der erfte Platz zugewiefen wird. Der umfangreiche Hüttenbetrieb etc. derfelben benöthigt alljährlich koloffale Mengen von Holzkohlen, und wurde dadurch das Kohlungsverfahren auf eine hohe Stufe der Vollkommenheit gebracht. Trotzdem kann es unferer Aufmerksamkeit nicht entgehen, dafs fich im Köhlereiwefen der Alpen ein wefentlicher Umgeftaltungsprocefs vollzieht. Die Entwicklung des Eifenbahnbetriebes, welche ihren Einflufs bis in die entlegenften Alpenthäler geltend macht,-die dadurch herbeigeführte Werthfteigerung des Holzes im Allgemeinen und der Bau- und Nutzholz- Sortimente im Befondern, das fühlbare Abnehmen der alten Waldbeftände, die Verwendung der Mineralkohle bei vielen Feueranftalten u. f. w. nehmen auf das Holz. verkohlungswefen in den Alpenländern einen entfcheidenden Einfluss. Welch' ein Unterfchied befteht zwifchen der Befchaffenheit und den Dimenfionen jener Hölzer, welche noch vor kaum zwei Decennien in die Kohlenmeiler Forstwirthfchaft. 39 eingelegt wurden, und jenem Materiale, welches gegenwärtig der Verkohlung zugewiefen wird! Dafs an vielen Orten dermalen noch die fogenannte Drehlingsverkoh lung in Uebung ift, liegt einerfeits nur noch in der billigeren Aufarbeitung und Bringung des zur Verkohlung beftimmten Materiales, anderfeits auch in der Gewohnheit. Seitdem in Folge der gefteigerten Holzpreife eine forgfältige Auswahl der Bau- und Nutzholz- Sortimente ftattfindet, bleibt als Brenn- und Kohlholz nur jenes Material zurück, welches häufig gar nicht mehr jene Drehlingslänge von fechs bis neun Fufs befitzt, wie fie früher beim Kohlholz in Uebung war. Schon durch diefen Umftand wird man an vielen Orten zum Abgehen von der altbeftandenen Drehlingsverkohlung genöthigt und zum Einlegen von Spaltholz oder fchwächeren und kürzeren Rundhölzern in die Meiler veranlasst. - Der Umftand, dafs bei der Waldbenützung dermalen eine forgfältige Auswahl und Sichtung der Holzfortimente ftattfindet, war allerdings Veranlaffung, dafs nunmehr auch folches Material zur Verkohlung gelangt, welches früher unbenützt und unberücksichtigt auf den Fällungsorten zurückgeblieben ift. Wir meinen das ftärkere Aftholz, ziemlich weit in der Zerfetzung vorgefchrittenes Moderholz, Späne und Abfälle, welche nach der Bearbeitung und Vorrichtung der ftärkeren Sortimente zurückgeblieben find,- Stockrodeholz u. f. w. Die Verwendung eines derartigen Materiales, deffen Verkohlung nur an Ort und Stelle gut durchführbar ift, hat eine Erweiterung der Schlag- oder Waldköhlerei gegenüber der ftändigen Verkohlung auf den Rechen oder Ländplätzen zur Folge. - Nachdem erfahrungsgemäfs Wald- oder Schlagverkohlungen, fowohl der Quantität als auch der Qualität nach, in der Regel geringere Refultate erzielen laffen, da der Wechfel der Meilerftätte, die oft ungünftige Lage derfelben, der Einflufs abträgiger klimatifcher Zuftände u. f. w. auf das Verkohlungsgefchäft nachtheilig rückwirken, fo ergibt fich ein neues Moment, welches wir bei Beurtheilung des dermaligen Köhlereiwefens in den Alpenländern, ja allerorts zu erwägen haben werden. Das Dargeftellte dürfte zu dem Schluffe berechtigen, dafs die Holzverkohlung ihrem Umfange und ihrer Bedeutung nach im Rückgange begriffen ift und dafs auch das gewonnene Product im grofsen Durchfchnitt bezüglich feiner Qualität eine Einbufse erlitten hat. Für die Beurtheilung des Köhlereiwefens in den betreffenden Staatsforften ergaben die bezüglichen Ausftellungsgruppen im Pavillon des k. k. Ackerbau Minifteriums beachtenswerthe Anhaltspunkte. Eine Zahl von Modellen. von verfchieden eingerichteten Köhlerei- Anlagen, von liegenden und ftehenden Meilern, ergänzt durch die beim Köhlereigefchäfte im Gebrauche ftehenden Werkzeuge und Geräthe, endlich Proben von, aus verfchiedenen Holzarten gewonnenen Kohlen, zeigten die hohe Bedeutung diefes Betriebszweiges. Von befonderem Belange im Köhlereiwefen find die Leiftungen des k. k. Forftamtes zu Neuberg in Steiermark, welches feit einer Reihe von Jahren der Gewinnung von Kohlen aus Stockrodeholz eine grofse Aufmerkfamkeit zuwendet, indem das letztgenannte Material, wie Scheit- und Drehlingsholz, auf den Ländplatz getriftet wird, um dort zur Verkohlung zu gelangen. Einen ganz eigenthümlichen Vorgang macht derWaffermangel beim Köhlereibetriebe in den Ternovaner Staatsforften des Küftenlandes nothwendig. Es handelt fich dort namentlich um die Verkohlung von Buchenaftholz und werden ohne Beihilfe von Waffer jährlich aus diefem Materiale, welches fonft kaum eine Verwendung finden würde, erhebliche Kohlenmengen gewonnen. Wie folches zu erwarten war, enthielt die fteiermärkifche Collectiv- Ausftellung, in Bezug auf das Köhlereiwefen fehr werthvolle Objecte. Die Frage anbelangend, ob die Verkohlung in ftehenden Meilern oder in fogenannten liegenden Werken den Vorzug verdiene, ift man in Uebereinftimmung mit den an anderen Orten gewonnenen Erfahrungen auch bei den überaus ausgedehnten Köhlereien in Oberfteiermark durch wiederholte Verfuche 40 Johann Newald. zu dem Refultate gekommen, dafs das Ausbringen aus ftehenden Meilern ein gröfseres ift und man bei guter Kohlung im Allgemeinen ein befferes Product erhält, dafs jedoch bei ftehenden Meilern die Gefahr des Feuers eine gröfsere ift, und die Verfrachtung der mit einem Male zur Verfügung ftehenden Kohlenmaffe wefentliche Schwierigkeiten hervorrufen kann, während bei liegenden Meilern oder Werken das allmälige Ausbringen der Kohle in diefer Hinficht kaum eine Verlegenheit bereiten dürfte. Dem Dargeftellten wird mit Recht noch beigefügt, dafs, wenn auch Zahlen gegen die Verkohlung in liegenden Meilern fprechen, fich im Hochgebirge diefer Verkohlungsmethode häufig gar nicht ausweichen läfst, weil im Falle von Waldköhlereien, in engen Thälern kein Raum für einen ftehenden Meiler aufgefunden werden kann, während fich die Kohlftätte für ein liegendes Werk entweder ganz anftandslos oder mit mässigen Koften vorrichten läfst. Es ift hier der Ort, noch eines Umftandes zu gedenken, welcher in Bezug auf Qualität und Quantität der ausgebrachten Kohle, es möge die Wald- oder Schlagköhlerei nun fchon in ftehenden Meilern oder in liegenden Werken durchgeführt werden, ebenfalls einen abträgigen Einflufs nimmt. Bei den ftändigen Ländverkohlungen find fort und fort diefelben Köhler befchäftigt, welche durch lange Erfahrung endlich die Eigenthümlichkeit der Kohlftätte, den Einfluss der verfchiedenen Witterungszuftände, das Eintreten derfelben und überhaupt alle Momente, welche auf den Verlauf des Verkohlungsgefchäftes Einfluss nehmen, kennen lernen und diefelben rechtzeitig berückfichtigen, welche Sorgfalt nothwendiger Weife in Bezug auf Güte und Menge des erzielten Kohlenrefultates von Bedeutung fein mufs. Waldkohlungen werden in der Regel den Schlagarbeitern ins Gedinge übergeben, und es mufs nothwendiger Weife der Wechfel in der Kohlftätte einerfeits. und in der Perfon des Köhlers anderfeits, der Mangel einer ausreichenden Kenntnifs über das Auftreten und über den Einflufs der verfchiedenen örtlichen Witterungserfcheinungen und anderer localer Umftände auf den Verlauf des Verkohlungsgefchäftes nachtheilig zurückwirken. Zur fteiermärkifchen Forftausftellung zurückkehrend, haben wir zunächft einer durch die Radmeiftercommunität Vordernberg eingebrachten Sammlung von Proben über Holzverkohlung und die Refultate des Ausbringens zu erwähnen. Zu den Verfuchen wurden von 17 Holzarten aus den Schlägerungen der Jahre 1870, 1871 und 1872 ausgewählte Probeftücke von cylindrifcher Form verwendet, kubifch berechnet und in eigenen Meilern verkohlt. Die Refultate wurden bezüglich Kubikinhalt und Gewicht der ausgebrachten Kohle, im Vergleiche zum Kubikinhalt und Gewicht der eingelegten Holzftücke ermittelt, in Procenten ausgedrückt und in einer dem Ausftellungskatalog beigegebenen Tabelle zufammengeftellt. Aehnliche Verfuche zur Ermittlung der bei der Verkohlung fich ergebenden Raum- und Gewichtsverlufte, und zwar a) vom lufttrockenen Holze und b) vom gekochten und mit Wafferdampf ausgelaugtem Holze hatte die Actiengeſellſchaft der Innerberger Hauptgewerkschaft mit 33 Holzarten abgeführt und die Refultate derfelben ausgeftellt. Der durch das fteiermärkifche Holz- Verkohlungswefen gebildeten Ausftellungsgruppe haben wir die von der Waidhofner Forftinduftrie- Gefellfchaft exponirtenKohlenproben und diefsfallsvorgenommenen Verfuche anzureihen. Die Verfuche wurden bei ftändigen Ländverkohlungen und mit Waldverkohlungen in ftehenden Meilern und in liegenden Werken abgeführt. Auf dem grofsen Betriebsplatze nächft der Concordiafäge bei Amftetten hat man Kohlungen von Sägemühl- Abfällen mit Tannen- und Fichtendrehlingen gemengt vorgenommen und auf verfchiedenen Kohlplätzen Verfuche über Buchenholz- Verkohlungen ausgeführt. Die erzielten Refultate überwiegen fehr wefentlich die an anderen Orten gemachten Erfahrungen, und wenn wir auch der grofsen Sorgfalt, Forftwirthschaft 41 welche in Waidhofen dem Verkohlungswefen im Allgemeinen und den diefsfälligen Probeverkohlungen im Befondern zugewendet wird, alle Anerkennung zollen, dürften die genannten Refultate in Bezug auf die Ausführung umfangreicher Calculationen dennoch mit einiger Vorficht in Verwendung zu nehmen fein. Wir haben nunmehrjener Anftrengungen zu gedenken, welche die k. k. privilegirte öfterreichifche Staatseifenbahn- Gefellfchaft auf ihrer grofsen Banater: Domäne Oravicza zur Hebung des Köhlereiwefens macht. Diefelbe hatte in der forftlichen Abtheilung ihres Ausstellungspavillons eine Holzkohlen- Sammlung ausgeftellt, welche alle ähnlichen durch die Weltausftellung zur Anfchauung gebrachten Collectionen an Vollständigkeit und Ueberfichtlichkeit überragte. Von 39 Holzarten aus den Forftbezirken Bogfán, Reficza, Dognácska und Steierdorf entnommen, waren 107 Kohlenproben zum Theile in grofsen Stücken, zum Theile in kleinen Würfeln, endlich in Brettform zufammengeftellt. Die Kohlung wird von den Forftverwaltungen in eigener Regie betrieben; fie ift in den Hauptbezirken eine ftändige, auf kleineren Gebieten eine gewöhnliche Waldkohlung unter Anwendung ftehender Meiler. Die Wanderkohlung wird im Sommer in die entfernten, im Winter in die näheren, gefchützteren Waldorte ver. legt. Die Gröfse, der Meiler ift nach den obwaltenden Verhältniffen verfchieden. Das Kohlholz befteht meift aus gefpaltenen Scheiten, in den oberen Meilerlagen aus runden Prügeln und Aeften. In Bezug auf die Holzart ift die Rothbuche vorherrfchend, dann folgen Eichen und andere Harthölzer, Linden und Afpen und etwas Tannen. Im grofsen Durchfchnitte gelangten bisher jährlich circa 72.000 dreifchuhige Scheiterklafter zur Verkohlung. Das erzielte Ergebnifs fteht nun im Vergleiche mit den in den Alpenländern gewonnenen Reſultaten, namentlich aber im Entgegenhalte mit den Waidhofener Verfuchen nicht unwefentlich zurück, daher fich auch die Gefellſchaft beftimmt findet, durch bedeutende Prämien, welche Köhlern und Kohlenauffehern zuerkannt werden, auf eine Mehrausbringung und Verbefferung des Kohlenverfahrens hinzuwirken. Sehr beachtenswerthe Nachweise über das Köhlereiwefen im Allgemeinen und über den Kohlungsbetrieb im Beſondern lieferten durch ausgeftellte Modelle, Köhlereiwerkzeuge und Behelfe, durch aus verfchiedenen Holzarten gewonnene Kohlengruppen und Proben: die Collectivausftellung des Prinzen Auguft von Sachfen- Coburg Gotha, die Ausstellung des deutfchen Reiches, die forftliche Collectivausftellung Krains und endlich die grofse Forftausftellung der ungarifchen Länder und mehrere Andere. Unter den forftlichen Nebennutzungs- Zweigen ift es nunmehr die Harz- oder Dafs wir Pechnutzung, der wir unfere Aufmerkſamkeit zuzuwenden haben. zunächft die Schwarzföhre, Pinus Laricio Poiret, und die in Niederösterreich in ausgedehnter Weife betriebene Harz- oder Pechnutzung in das Auge faffen, dürfte durch die Bedeutung diefes Induftriezweiges gerechtfertigt erfcheinen. Eine fehr vollſtändige Darftellung des Harzungsverfahrens, der dabei verwendeten Werkzeuge und Geräthe und die gewonnenen mannigfaltigen Producte hatte Carl Singer von Pernitz im Piftingthale nächft Wiener- Neuftadt ausgeftellt. In Niederöfterreich hat die in Rede flehende forftliche Nebennutzung erft feit dem zweiten Decennium des laufenden Jahrhundertes eine erhöhte Bedeutung gewonnen, und hat fich diefsfalls der Vater des genannten Ausftellers, Werner Singer von Grillenberg bei Hörnftein, ein wefentliches Verdienft erworben. Die Harznutzung eignet fich nur beim kleinen Waldbefitz zum Betriebe in eigener Regie; beim eigentlichen Domänenbefitze findet eine Verpachtung derfelben ftatt, deren Dauer in der Regel zunächft 10 Jahre umfafst, durch Wiederholungen der Pachtgabe, durch die fogenannten Nachpechungen jedoch auf die Zeit von 25 bis 30 Jahre ausgedehnt wird. 42 Johann Newald. Die Beftimmung des Pachtzinfes erfolgt nach der Stammzahl. Die Höhe desfelben ift felbftverständlich im innigften Zufammenhange mit den Preifen, welche die verfchiedenen Harzproducte befitzen, und da diefe letzteren, wie namentlich die Erfahrungen des letzten Jahrzehntes gezeigt haben, fehr wechſeln, mufs nothwendiger Weife auch der Pachtzins für den einzelnen Harzbaum fich ändern, auf dafs zwifchen dem Ertrage diefer Nebennutzung für den Pächter, und dem an den Verpächter entfallenden Pachtzins, ein richtiges Verhältnifs beftehe. Um die Schwierigkeit, bezüglich Vereinbarung der für eine längere Pachtperiode etwa für zehn Jahre geltenden Pachtzinfe beurtheilen zu können, möge die Bemerkung dienen, dafs in den Jahren 1862 und 1863 der Centner rohes Schwarzföhrenharz einen Preis von 8 bis 9 Gulden hatte, während der Dauer des amerikanifchen Krieges auf die Höhe von 20 Gulden und darüber ftieg und dermalen wieder auf 7 bis 8 Gulden zurückgegangen ift. - - Wenn auch die Schwankungen in den Harzpreifen im Allgemeinen und jene des Schwarzföhrenharzes im Befonderen nicht ftets jenen Umfang befitzen, wie er eben angedeutet wurde, dürfte es dennoch am entfprechendften erfcheinen, wenn von der Feftftellung eines für die ganze Dauer der Harzzeit in gleicher Höhe geltenden Pachtzinfes per Stamm abgegangen wird, und die Höhe diefes Zinfes für jedes Einzeljahr der Pachtdauer, nach den beftehenden Harz- Durchfchnittspreifen ermittelt wird. Diefe letzteren müffen felbftverſtändlich an eincm von den beiden Vertrags paciscenten völlig unabhängigen Orte erhoben werden. Im Vertrage wird lediglich der Mafsftab feftgeftellt, nach welchem auf Grundlage der ermittelten Harz Durchschnittspreife der für den Einzelftamm entfallende Pachtzins berechnen ift. zu Das angedeutete Verfahren- Pachtzinsberechnung nach der gleitenden Scala genannt hat fich an vielen Orten durch eine lange Reihe von Jahren als fehr praktisch und brauchbar bewährt. - Im grofsen Durchfchnitt ergibt fich bei der Schwarzföhre, für den Einzel ftamm ein jährlicher Harzertrag von 5 bis 6 Wiener Pfund; unter günftigen Standortsverhältniffen wird diefer Durchfchnitt jedoch erheblich überfchritten. Der Gefammtwerth der durch die Harzung erzielten Vornutzungen überfteigt fehr häufig den Holzwerth des betreffenden Stammes. Die hervorragenden Leiftungen der Firma Carl Singer in Pernitz wurden vom Preisgericht durch die Zuerkennung der Verdienft- Medaille anerkannt. Die reichhaltig ausgeftattete Ausstellungsgruppe wurde von ihr an die königlich preufsifche Forftakademie zu Neustadt Eberswalde abgetreten. Eine Partie von rohem Schwarzföhrenharz war auch durch das königlich ungarifche Forftamt zu Karanfebes in der Banater Militärgrenze zur Ausstellung gebracht worden. In der forftlichen Ausftellung des deutfchen Reiches hatte Oberforftmeifter Werneburg zu Erfurt das in den preufsifchen Staatsforften des Thüringerwaldes bei der Fichtenharz- Nutzung übliche Verfahren und zwar I. auf die Harzgewinnung im Walde, 2. auf die Pechgewinnung und 3. auf die Kienrufsgewinnung bezugnehmend, fehr überfichtlich geordnet, zur Anfchauung gebracht wozu jedoch ausdrücklich bemerkt wurde, dafs in den erwähnten Staatsforften die Harznutzung nur noch in ganz untergeordnetem Mafse ftattfindet. Die Ablöfung der Harzberechtigungen ift zum gröfsten Theile durchgeführt. Es befteht dort kein Zweifel darüber dafs diefe Nutzung ebenfo fchädlich für den Wald, als wenig einträglich für die Harzer und Pechfieder ift. Verfchiedene Harzproducte hatten noch ausgeftellt das königlich fächfifche Finanzminifterium und J. G. Müller aus Löcherberg in Baden. Die königlich- portugiefifche Forftverwaltung hatte das Verfahren dargeftellt, welches bei der Harznutzung der Seeftrands- Kiefer, Pinus maritima Lamb. üblich ift, und durch die Anreihung verfchiedener Harzproducte ein Seitenftück Forftwirthschaft. 43 zur Singer'fchen Ausftellungsgruppe, die Schwarzföhre betreffend, vorgeführt Leider befanden fich beide Gruppen nicht neben einander, um den zwifchen beiden Harzmethoden obwaltenden Unterfchied fofort beurtheilen zu können. Ein forftlicher Nutzungszweig von hervorragender Bedeutung ift die Baumrinden Gewinnung zur Gärberlohe- Bereitung. Es kommt dabei namentlich die Rinde der Eiche und Fichte in Betracht. Eine Reihe höchft beachtenswerther Ausftellungsgruppen zeigte die Wichtigkeit diefes Induftriezweiges, deffen Darftellung wir jedoch füglich dem die Gärbemittel in ihrer Gefammtheit behandelnden Specialberichte überlaffen können. Eine forftliche Nebennutzung, welche an mehreren Orten eine grofse Bedeutung gewonnen hat und reiche Gelderträge erzielen läfst, ift die Gewinnung des fogenannten Seegrafes, an manchen Orten Waldhaar, auch Rafch oder Rafchgras genannt. Gegenstand diefer Nebennutzung ift die zittergrasartige Segge, Carex brizoides L. Der Bezeichnung„ Seegras" glauben wir zunächft die Bemerkung beifügen zu follen, dafs unfere Segge nur als ein Surrogat, oder richtiger gefagt, als Concurrent für das eigentliche Seegras in Verwendung kommt. Die am Meeresboden wachfende Zostera marina L., Seegras genannt, wird feit langer Zeit als Surrogat für Rofshaar zum Ausftopfen von Matratzen, Möbelpolftern etc. verwendet. Da es mehrfach als der Gefundheit abträgig erkannt wurde, kam die zittergrasartige Segge Carex brizoides L., in Verwendung und macht dem eigentlichen Seegras mehr und mehr eine glückliche Concurrenz. Carex brizoides L. ift ein in den Wäldern des füdlichen und füdweftlichen Deutfchland ftellenweife fehr häufig vorkommendes Riedgras; feine vorzüglichfte verticale Verbreitungszone dürfte zwifchen 1000 bis 4000 Fufs Seehöhe zu fuchen fein. Obwohl es gebietweife maffenhaft auftritt, ift zu bemerken, dafs es an vielen Orten, befonders auf Kalk, entweder gänzlich fehlt oder doch fehr felten gefunden wird. Die zittergrasartige Segge zeichnet fich unter ihren übrigen Gattungsverwandten durch einen dünnen, äftig- kriechenden, einzelne Halme und Rafen treibenden Wurzelftock aus, durch welchen Umftand die ftellenweife maffenhafte Vermehrung ihre Erklärung findet. Die grofsherzoglich badifche Domänendirection zu Carlsruhe hatte in der forftlichen Ausftellung des deutfchen Reiches, rohes und gefponnenes Seegras exponirt und diefer Gruppe eine Mittheilung über Gewinnung und Ertrag diefes Nutzungsobjectes beigegeben, welcher wir die nachfolgenden Daten entnehmen. In den Waldungen des Rheinthales ift das Seegras dort auch Waldhaar genannt insbefondere in der Gegend von Kehl, Offenburg, Emendingen und Freiburg ziemlich stark verbreitet. Es wurde früher wenig beachtet und hatte nur als Streu einen ganz untergeordneten Werth. In Folge feiner Verwendung als Erfatz für das von Jahr zu Jahr im Preife fteigende Rofshaar ift auch der Preis des Seegrafes derart in die Höhe gegangen, dafs das Einkommen aus diefer Nebennutzung in einzelnen Waldungen den Ertrag aus der Holzproduction weit überfteigt.. In den im badifchen Rheinthale gelegenen Waldungen, erftreckten fich die Seegrasnutzungen im Jahre 1872 nach zuverläffigen Erhebungen über eine Waldfläche von beiläufig 5000 Hektaren und lieferten einen Reinertrag von rund 60.000 Gulden oder 12 Gulden vom Hektar. In jenen Wäldern, in denen das Seegras befonders häufig vorkommt, ftellen fich die erzielten Erträge noch weit vortheilhafter. So lieferte beiſpielsweife der 144 Hektaren grofse Gemeindewald von Rheinbifchofsheim im Jahre 1872 allein einen Ertrag von 6571 Gulden oder 45 Gulden 54 Kreuzer vom Hektar, und eine Schlagfläche von 54 Hektaren, im Gemeindewald von Riegel fogar 524 Gulden, fomit 97 Gulden vom Hektar. 44 Johann Newald. Nachhaltig die ftärkfte Einnahme aus Seegras bezog die Stadt Freiburg aus einem 814 Hektaren grofsen Mittelwald, genannt der Mooswald, wofelbft die Nutzung am längften und rationellften betrieben wird. Sie wurde im Jahre 1835 mit einer Einnahme von 433 Gulden begonnen, und hat fich mit geringen Unterbrechungen bis zu dem im letzten Jahre erfolgten Erlös von 13.853 Gulden fortwährend gefteigert. Seit dem Jahre 1835 ergab der Mooswald aus der fraglichen Nebennutzung eine Gefammt- Reineinnahme von 83.665 Gulden. In den Forften des Rheinthales findet fich Carex brizoides L., am häufigften in den mit Efchen, Erlen, Aspen und anderen Weichhölzern beftockten Mittelund Niederwaldungen. Sie liebt einen feuchten, humofen, kräftigen Boden; trockene, bündige Bodenarten, fowie ftark verfumpfte Orte fagen derfelben nicht zu. Sie tritt auf etwas eingefenkten muldigen Stellen in der Regel nefterweife auf, und fagt ihr fowohl die Bodenbefchaffenheit, als auch der Lichtgrad der vorhandenen Holzbeftockung zu, dann ift das Vorkommen gewöhnlich maffenhaft. Das Gedeihen des Seegrafes, fomit auch die Hebung des Erträgniffes aus demfelben, ift von einer feuchten, warmen Frühjahrswitterung wefentlich abhängig. Spätfröfte und rauhe Winde wirken fehr nachtheilig; fie beeinträchtigen den Längenwuchs und dadurch die Güte und Menge, da die Qualität vorzugsweife nach der Zartheit und Länge der Waare bemeffen wird. Die Befchattung darf nur eine mäfsige fein. Die geeignetften Orte find in diefer Beziehung ein- bis zehnjährige Schläge. Mit zunehmendem Alter der Holzbeftände nimmt der Ertrag ab, und verfchwindet Carex brizoides L. mit Eintritt des volleren Waldfchluffes beinahe ganz. Das Seegras ift gewöhnlich gegen Ende des Monates Juni ausgewachſen, um welche Zeit auch feine Gewinnung beginnt und je nach der Witterung und den verfügbaren Arbeitskräften bis Ende October fortgefetzt wird. Der Verkauf findet am Halme ftatt. Die gefammte Arbeitsleiftung bleibt dem Käufer überlaffen. Die Einfammlung erfolgt durch Ausrupfen. Diefer Vorgang ift durch die Rückficht auf die Schonung der jungen Holzpflanzen geboten, er liegt aber auch im Intereffe der Käufer, indem beim Rupfen mehr und längere Waare gewonnen wird. Auch wurde beobachtet, dafs das Rupfen den nachhaltigen Ertrag eher fördert als fchmälert, da bei fonft gleichen Verhältniffen gerupfte Schläge in den darauf folgenden Jahren ungleich reichere Ernten liefern, als gefchonte Orte. Es fcheint, dafs durch das Ausrupfen der Halme der Wurzelftock zum Austreiben neuer Ausläufer angeregt wird. Das Einfammeln des Seegrafes findet in der Regel durch Weibsperfonen ftatt. Zum Zwecke des Trocknens wird das eingefammelte Material an fonnigen Orten, an Wegen und Waldrändern ausgebreitet. Bei guter Witterung iſt es in etwa zwei Tagen vollſtändig gedörrt", worauf es gereinigt und mittelft einfacher Mafchinen in Seile gedreht und in diefer Form in den Handel gebracht wird. Tritt während der Einfammlung Regen ein, fo wird das Rupfen unterbrochen, die zum Trocknen ausgebreitete Waare wird auf Haufen zufammengebracht, weil durch die Näffe das Seegras gelblich und brüchig wird und an Werth erheblich verliert. Im Ganzen werden in Baden jährlich durchfchnittlich mindeftens 2,500.000 Kilogramm Seegras mit einem Bruttowerthe von über 200.000 Gulden gewonnen, wovon die Zurichtungskoften 50- bis 60.000 Gulden betragen, ein Arbeitsverdienft, welcher gröfstentheils der ärmeren Bevölkerung zugute kommt. Im Allgemeinen wird angenommen, dafs bei guter Beftockung auf dem Hektare beiläufig 500 Kilogramm Seegras ftehen. Das Erträgnifs kann aber unter ganz günftigen Umständen auf 1000 bis 1250 Kilogramm vom Hektare anfteigen. 150 Kilogramm trockenes Seegras liefern beiläufig 125 Kilogramm gefponnene Waare, wie folche in den Handel kommt. Forstwirthschaft. 45 ohol Den Einflufs diefer Nebennutzung auf den Holzwuchs anbelangend, bemerken die in Rede ftehenden Mittheilungen ausdrücklich, dafs nach beinahe vierzigjährigen Beobachtungen in den Waldungen bei Freiburg, Emmendingen und Rheinbifchofsheim aus dem Betriebe der Seegrasnutzung ein Rückgang im Holzwuchs nicht bemerkbar ift. Der gröfste Nachtheil erfolgt durch Befchädigung der jungen Pflanzen, wenn beim Rupfen nicht mit genügender Sorgfalt vorgegangen wird, daher eine ftrenge Ueberwachung ftattfinden mufs. Bei unvollkommener Holzbeftockung iſt zu empfehlen, die jüngften ein- bis dreijährigen Schläge der Nutzung nicht zu öffnen, fowie die Culturen des laufenden Jahres unter allen Fällen ausgefchloffen bleiben. Auch ift es in den Beftänden, welche der Seegrasnutzung gewidmet find, Uebung, dafs andere Nebennutzungen, insbefondere die Streunutzung, nicht geftattet. werden. Auch aus Oberösterreich war Seegras, oder wie es dort genannt wird, Rafch oder Rafchgras ausgeftellt. Im Lande ob der Enns fteht diefe Waldnebennutzung in den Forften der k. k. Familienfonds Herrfchaft Mattighofens( Kobernaufer Wald), in den Forften der Stifte Kremsmünfter und Willhering, im Steieregger Walde, zu Haag, Einberg, Boingerwald u. f. w. feit längerer Zeit im Betriebe; nur kommt zu bemerken, dafs dort das Einbringen durch das Abmähen erfolgt; auch findet die Abfechfung zweimal im Jahre ftatt, und zwar zuerft im Monat Juli oder Auguft, das zweitemal Ende September oder im October. og Im Falle dort das Rafchgras abgemäht wird, hat die zweimalige Jahresfechfung auf die Güte und Menge desfelben keinen abträglichen Einfluss für die Folge und ftehen auch thatfächlich im Kobernaufer Walde manche fogenannte Rafchplätze feit vielen Jahren in Benützung. Wo jedoch das Rafchgras gerupft wird, verfchwindet dasfelbe nach einem Zeitraume von längftens drei bis vier Jahren gänzlich, oder es wird wenigftens durch Einniftung anderer Gräfer derart unrein, dafs es fich zur Gewinnung für den in Rede ftehenden Zweck nicht mehr eignet. Aus dem Lande ob der Enns ift bisher kein Fall bekannt geworden, dafs man Carex brizoides L., einer befonderen Pflege gewürdigt hätte; man benützt fie dort, wo fie unter dem Einfluffe zufagender Verhältniffe in reicherer Menge auftritt. Die Hauptniederlage für Oberösterreich ift Linz, von wo im Jahresdurchfchnitt 40- bis 50.000 Centner Seegras in den Handel gebracht werden. Beim Landtransport dürfte das Rafchgras per Centner und Meile, und zwar für Verfrachtung mittelft gewöhnlicher Laftwagen aus dem Walde zur Bahn 15 bis 20 Kreuzer, auf der Eifenbahn mit Einrechnung aller Nebenfpefen 4'4 Kreuzer und per Dampffchiff 2 Kreuzer koften. Der Waffertransport hat nicht nur einen geringeren Frachtfatz, fondern auch die Vermeidung eines Gewichtsverluftes zur Folge. In Linz find namentlich die Firmen Dietrich und Gans mit dem Rafchgras- Gefchäfte in Verkehr. In Wien befaffen fich damit die Firmen J. Kalliwoda, Frenzl, Haufer und Schulhof etc. Obwohl das Seegras in gefponnenem Zuftande feine meifte Verwendung findet, fo werden doch auch in geringen Mengen Flechtarbeiten aus demfelben erzeugt, z. B. Tragbänder, Schuhe, Matten u. f. w. Wir glauben dem Vorhergehenden noch die Bemerkung beifügen zu follen, dafs, während am Rheine das Abfchneiden des Seegrafes als dem Ertrage höchft nachtheilig dargestellt wird, in den oberöfterreichischen Forften gerade die gegentheilige Auffaffung platzgegriffen hat. Eine forftliche Nebennutzung höchft eigenthümlicher Art ift der Billichfang in einem Theile der Wälder Krains. In der forftlichen Collectivausftellung diefes Landes befanden fich Billich- Fangapparate, ferner Billichfelle und Billichmützen exponirt. 46 Johann Newald. In den Rothbuchen- Forften Krains kommen zwei Arten des der Familie der Eichhörnchen eingereihten Siebenfchläfers vor, und zwar Myoxus Drijas, Schreb., und Myoxus Glis, L. Letztere Art, unter dem fpeciellen Namen Billich bekannt, ift Gegenstand der in Rede ftehenden forftlichen Nebennutzung. Der vom k. k. Landes- Forftinfpector Ludwig Dimitz verfafste, mufterhafte Katalog der forftlichen Collectivausftellung Krains bemerkt, dafs der Krainer das Billich fleifch entweder frifch und gebraten, oder auch geräuchert, als Zugabe der Gerftengrütze oder des Sauerkrautes als ein fehr beliebtes Nahrungsmittel verfpeift. Der Billichfang fteht in den küftenländifchen Rothbuchen- Wäldern feit undenklichen Zeiten im Betriebe, und man fcheint denfelben früher in einer in Bezug auf die Waldbeftockung fehr rückfichtslofen Weife durchgeführt zu haben. In der für die Kenntnifs der älteren wirthfchaftlichen Verhältniffe der küftenländifchen Forfte hochintereffanten, oben bereits erwähnten Waldordnung Kaifers Ferdinand I. vom 31. Auguft 1555 für das„ Waldmaifterambt in Friaul, Ifterreich( Iftrien) und am Carrft" ift dem Billichfange eine eigene Abtheilung gewidmet. Es möge geftattet fein, den Inhalt derfelben nach ihrem Wortlaute mitzutheilen. " 29 - ,, Abftellung der Pilichfahung dardurch die wäld verfchwenndt werden." " Zum fünfften diewail wir auch zum dickhernmale bericht vnnd abermals. durch vnnfern yezigen Waldmaifter verftänndigt feien, wie durch die vnndter,, thonen in vnnferer fürftlichen Graffchafft Görz auch Ihre leut mit dem pillich,, fachen der Zeit, wann daz puechen Afs geradt, grofser fchaden in Unnferm Puech,, wald befchiecht. Alfo das Sy von der pilich wegen- ain groffe anzal Purchen Pam vmbhackhen vnnd die Pilich aus den lechern fachen, vnnd diefelben Paumb ,, alsdann im Wald erfaulen laffen, welches vnns zu groffem nachthail am felben ,, Holz, So Wir zum Galern vnnd Gundl Ruedern verprauchen mugen laffen raicht Derwegen folte yeziger vnnfer Waldmaifter nochmals mit allem ernft darob ,, fein vnnd bey Unnfern Waldarbeitern der Galern Gundl Rueder vnnd des zimer,, holz verordnung thuen, auch bei ftraf gepietten das Sy die betretten fenglich , annehmen, vnnd vnnfern obrigkhaitten, Wo Sy die am nechften erraichen mugen ,, überantwortten, die haben alfsdann bevelch, diefelben, Innhalt vnnferer Aufs" ganngen vnnd publicierten General mit Vorwiffen vnnfers Waldmaifters vnnd in abwefen Seines zugeordneten Gegenfchreibers zu ftraffen." " " وو Wenn auch durch diefes Verbot der Billichfang in den küftenländifchen Rothbuchenforften nicht ganz abgeftellt wurde, fo kamen doch allmälig andere, für die Waldbeftände weniger nachtheilige Fangmethoden in Anwendung. In der Krainer Collectivausftellung hatte Bürgermeiſter Schweiger aus Altenmarkt Billichfelle in Tafeln von je 16 Stück und Billichmützen ausgeftellt. Der Preis war mit 60 bis 70 Kreuzer per Tafel angefetzt. In reichen Maftjahren, wenn die Bucheckern voll gedeihen, vermögen Inner- und Unterkrain etwa 50.000 folcher Tafeln zu liefern, welche einer Billichausbeute von 800.000 Stück gleich kommen. Der Abfatz wird jedoch noch als gering bezeichnet. Mit den im Vorhergehenden eingehender behandelten forftlichen Nebennutzungen, beziehungsweife ihrer Producte, fchliefst fich die Zahl diefer Nutzungszweige allerdings nicht ab; es kommen noch anzureihen: die Gewinnung von Knoppern, Galläpfeln, Kork, Lindenbaft, Feuerfchwamm u. f. w., die Torfftecherei, der Steinbruchbetrieb und endlich die Jagd. Bei der im hohen Grade wechfelvollen Bedeutung diefer Nebennutzungen, glauben wir von ihrer eingehenderen Behandlung Abftand nehmen zu follen. Wir find nunmehr bei dem Referate über eine forftliche Disciplin angelangt, welche in gleicher Weife für die Wiffenfchaft, wie für die praktifche Wirthschaft von Bedeutung ift, und feit einer langen Zeitperiode Gegenftand und Veranlaffung Forstwirthfchaft. 47 vielfacher, mitunter heftiger Controverfen war und es auch dermalen noch ift; wir meinen die forftliche Betriebseinrichtung und Wald- Ertragsberechnung. Es liegt wohl nicht die Aufgabe vor, hier eine kritifche Beleuchtung der' zum Zwecke der Wald- Ertragsberechnung vorgefchlagenen mannigfaltigen Methoden und Verfahren zu bringen; wir müffen uns darauf befchränken, diefen Gegenftand innerhalb jenes Rahmens zu erörtern, welcher durch die ausgeftellten forftlichen Wirthschaftseinrichtungs- und Abfchätzungs- Elaborate gebildet war. Keine wie immer geartete vorgefafste Meinung foll uns bei unferen Erwägungen leiten; Referent will nach keiner Richtung Parteimann fein, er will lediglich als Fachmann feiner Auffaffung und Anficht über die zur Verhandlung vorliegenden Fragen Ausdruck geben. Wenn die Aufgabe vorliegt, eine Wirthfchaftseinrichtung oder Ertragsberechnung für irgend einen Forftcomplex zu entwerfen und zu begründen, fo werden es wohl zunächft drei Fragen fein, welche wir an uns ftellen werden. So einfach diefe Fragen an fich find, fo fchwierig kann unter Umftänden ihre Beantwortung werden. Unferm Ermeffen nach hat man fich zunächst volle Klarheit zu verfchaffen: Ueber das Ziel, welches wir anzuftreben haben. Ueber jene Zwecke, welche wirklich erreichbar erfcheinen, und fomit über alles dasjenige, was vorläufig unerreichbar ift. Ueber die Mittel, welche uns zur Durchführung der gefafsten Befchlüffe zur Verfügung stehen. Wir brauchen nur dasjenige hervorzuheben, was wiederholt als die Aufgabe einer jeden Wirthfchaftseinrichtung, und damit im Zufammenhange, der Ertragsberechnung bezeichnet worden ift. Wie bei jedem Ertragsobject, deffen Wirthschaftsbetrieb organifirt und gegliedert werden foll, die Anbahnung der höchften nachhaltigen Erträge im Vordergrunde fteht, ift auch bei der forftlichen Wirthschaftseinrichtung das Streben dahin gerichtet, in dem betreffenden Wald complex einen Zuſtand anzubahnen und herzuftellen, welcher dem Eigenthümer den nachhaltig gröfsten und werthvollften Ertrag.liefert. Diefer letztere wird fich in der Ueberzahl der Fälle aus dem zum Einfchlage kommenden Holze ergeben; es können dabei jedoch auch die Nebennutzungen einen wefentlichen Einfluss nehmen. Als bekannt können jene einzelnen Momente betrachtet werden, welche bei der Löfung diefer Hauptaufgabe in Erwägung kommen. Sie find: 1) Anzucht der den Verhältniffen am meiften entfprechenden Holzart. 2) Beftimmung des vortheilhafteften Benutzungsalters. 3) Anordnungen bezüglich der zweckentfprechendften Behandlung der Beftände. 4) Anbahnung eines Altersclaffen- Verhältniffes, welches die Möglichkeit bietet, die jährlichen Materialerträge nachhaltig in folchen Hölzern, beziehungsweife Beftänden zu fchlagen, welche jenes vortheilhaftefte Benutzungsalter erreicht haben. 5) Vertheilung und Aneinanderreihung der Fällungsorte in einer Art und Begrenzung, dafs dadurch die vortheilhaftefte Verwendung und Verwerthung des Materiales ermöglicht, der Transport thunlichft erleichtert wird und Befchädigungen in Folge Abbringung der Hölzer, fowie durch Naturereigniffe, Servitutberechtigte u. f. w. möglichft vorgebaut werde. 6) Anordnung der Hiebeszüge in einer Art, wodurch die bereits bestehenden Waldbeftände, ebenso wie die künftig nachzuziehenden Forfte nach ihrem Alter derart für die ſpätere Benutzung vertheilt erfcheinen, dafs fie: a) den Gefahren von Naturereigniffen am wenigften ausgefetzt find, b) die Vertheilung der jährlichen Materialerträge auf die einzelnen Fällungsorte derart erfolgt, dafs dadurch den Anforderungen der Waldanwohner, 4 48 Johann Newald. der holzverzehrenden Werke und Unternehmungen, der Servitutberechtigten u f. w jederzeit entfprochen und gleichzeitig auch einer erleichterten Waldverjüngung und der Rückficht auf eine gute Vertheilung der Manipulationsgefchäfte fachgemäfse Rechnung getragen werde. Es ist wohl an fich klar, dafs es nicht bei jeder Wirthschaftseinrichtung oder Waldertragsberechnung durchführbar ift, alle im vorhergehenden bezeichneten Momente, gleichzeitig in einer ihrer Bedeutung oder ihrer örtlichen Wichtigkeit entsprechenden Art und Weife berücksichtigen zu können. Es ergibt fich dadurch eine, nur zu oft fehr fchwer zu löfende Aufgabe unter den fich oft widerfprechenden wirthschaftlichen Anforderungen und Bedingungen jene zu erkennen und feftzuftellen, welche eine befondere Würdigung beanfpruchen. Jene Disciplinen der Forftwiffenfchaft, welche wir dermalen Wirthfchaftseinrichtung und Ertragsberechnung nennen, finden die erften Keime ihrer Entwickelung in jenen forftlichen Abfchätzungen, welche man feit den älteften Zeiten zum Zwecke des Verkaufes, des Taufches, der Theilung, der Verpfändung des Waldes u. f. w. vornahm; denn es läfst fich wohl nicht denken, dafs man ein Eigenthum von der Bedeutung des Waldes verkauft, vertaufcht, verpfändet, vertheilt u. f w. hat, ohne fich vorher klar zu machen, welches fein wahrfcheinlicher Ertrag gegenwärtig ift und künftig fein wird; kurz, welches der Werth desfelben ift, der fich nur aus der Veranfchlagung feines Ertrages beurtheilen liefs.. Dafs dabei die Frage, ob die Bedürfniffe gleichmäfsig den ganzen Ertrag des Waldes( namentlich des Holzes) in Anfpruch nehmen, oder der Wald mehr Holz erzeugte, als die Confumtion aufzunehmen vermochte, von grofser Wichtig. keit war, verfteht fich wohl von felbft. Wenn der Salzburger Erzbifchof Mathäus Lang von Wellenburg in der oben erwähnten Waldordnung vom 21. Mai 1524 Anordnungen trifft, welche dahin gerichtet find, dafs für den Salzbergbau zu Hallein, für die Gold- und Silberbergwerke zu Gaftein und Raurifs etc. der Bedarf an Bau-, Gruben-, Kohl- und Brennholz u. f. w. auch für die Zukunft gefichert werde, fo kann es uns nicht entgehen, dafs damit die Grundzüge einer Wirthfchaftseinrichtung gegeben wurden. Nachdem der Ertrag eines Waldes mit der Flächenausdehnung desfelben im innigen Zufammenhange fteht, erkannte man bald die Nothwendigkeit einer Vermeffung der Forfte. Im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts begann man an mehreren Orten mit der Aufnahme und Flächenberechnung der Wälder, und wurde diefes Gefchäft namentlich dort mit grofser Lebhaftigkeit durchgeführt, wo der Wald bereits eine hervorragende Bedeutung erlangt hatte. Ein grofses Verdienft erwarb fich in diefer Richtung der hannöverfche Oberbaurath und Profeffor zu Göttingen J. F. Penther, welcher durch fein Lehrbuch der praktifchen Geometrie die Heranbildung von Feldmeffern vermittelte. Er felbft hatte von den ausgedehnten Forften der Graffchaft Stolberg- Stolberg eine für feine Zeit ausgezeichnete Karte angefertigt. Obwohl fchon Colerus eine Art Schlageintheilung befpricht, wurde die Abtheilung gröfserer Wälder in regelmässige Schläge doch erft durch die Vermeffung der Forfte erleichtert und auch im gröfseren Umfange ermöglicht. Diefes Verfahren wurde auch bald an vielen Orten in Anwendung gebracht, denn es lag wohl der Gedanke fehr nahe, die Nachhaltigkeit der Holznutzungen durch die Abtheilung des Waldes in eine gewiffe Anzahl regelmäfsiger Schläge zu fichern und für Jedermann aufser Zweifel zu ftellen. In vielen grofsen und zufammenhängenden Forften der Ebenen kam diefer Schlagabtheilung die zum Zwecke der Jagd vorhandene fogenannte Beflügelung der Wälder oder Jagen- Eintheilung gut zu ftatten. Um das Aufftellen der Netze und Tücher zu erleichtern, anderfeits auch. um regelmässige Flächen von einer Gröfse zu erhalten, für deren Umftellung das Jagdzeug ausreichte, wurden die grofsen Forfte, namentlich der Ebene, wo natürliche Trennungslinien fehlten, mit fich rechtwinkelig durchkreuzenden Durchhauen * Forstwirthschaft. 49 oder Schneifsen, von einer Breite, dafs darauf gefahren und das Jagdzeug auf geftellt werden konnte, durchſchnitten. Nachdem man eine ausgezogene Wand von Netzen einen Flügel, Stellflügel, nannte, fo bekamen auch diefe Durchhaue, Schneifsen oder Geftelle den Namen Flügel. Wenn auch nicht in der Anwendung auf eine vollſtändige Schlageintheilung, fo doch bezüglich Abtheilung der Waldbeftände in Schlaggruppen oder Wirthschaftsfiguren fand fich die Beflügelung der Forfte und die Herftellung von Schneifsennetzen bei einer Zahl von ausgeftellten forftlichen Einrichtungselaboraten durchgeführt, und hatte die königlich preufsifche Forftakademie Münden Wegenetz- und Diftrictseintheilung des Lehrforft Revieres Gahrenberg durch ein Gipsmodell im Längenmafsftabe von I: 5000 und im Höhenmafsftabe von 1: 1000 und eine dazu gehörige eingehende Denkfchrift dargestellt und erläutert. Es möge geftattet fein, der in neuerer Zeit mit erhöhter Lebhaftigkeit befprochenen Herſtellung fogenannter Schneifsennetze einige Bemerkungen beizufügen. Für Forfte der Ebene und des Hügellandes erfcheint eine fachgemäfs durchgeführte Beflügelung als eine bewährte und höchft vortheilhafte Mafsregel, gegen welche fich kaum ein begründetes Bedenken erheben läfst. Anders jedoch geftaltet fich diefe Frage in eigentlichen Gebirgs- oder gar in Hochgebirgsforften. In Wäldern der Ebene oder des Hügellandes, wo durch die Terrainverhältniffe gegebene, natürliche Trennungslinien nur felten, und in Bezug auf den forftlichen Wirthfchaftsbetrieb in ganz unzureichender Zahl vorkommen, beſteht die Nothwendigkeit, den Abgang an natürlichen Trennungen durch künftlich gefchaffene derartige Abtheilungslinien oder Grenzen zu ergänzen. Die Anlage von Schneifsen und die Bildung eines regelmäfsig gegliederten Schneifsennetzes ift dort ganz unentbehrlich; die grofsen Vortheile desfelben ftehen aufser Zweifel. Faffen wir dem entgegen die im Gebirge, namentlich aber im Hochgebirge obwaltenden Verhältniffe in das Auge, fo finden wir überall eine reiche Anzahl der mannigfaltigften Vorkommniffe, durch welche das Terrain in eine grofse Zahl natürlich abgegrenzter, und mit der Oertlichkeit im vollſtändigften Einklange ftehender Flächen- Gruppen zerlegt wird. Die in den Hauptthalzügen vorkommenden Strafsen, Flufsbette u. f. w. die Wafferläufe der Nebenthäler, die in diefelben einmündenden zahlreichen Seitengräben, die auf fteilen Abhängen vorkommenden Lavinenriffe, die Schneiden der Bergrüken-Felfenkämme an den Bergwänden herablaufende Bergriegel u. f. w. bilden eine derart überreiche Anzahl von natürlichen Terrainabtrennungen, dafs wohl die Ueberzahl derfelben, nicht aber ein Abgang in Bezug auf den Forftbetrieb Schwierigkeiten und Uebelftände bereitet. - Jede forftliche Wirthfchaftsmafsregel-von der Einlage eines Holz-. fchlages, oder der Anbringung einer Holzriefe oder eines Abzugweges beginnend, bis zum Auftrieb des Weideviehes mufs fich diefen natürlich gegebenen Terraineigenthümlichkeiten anpaffen, diefelben beherrfchen den ganzen Wirthfchaftsbetrieb. Mit einem Worte, im Gebirge, namentlich aber im Hochgebirge, macht die grofse Anzahl von natürlichen Terrainabfonderungen oder Trennungen die Anbringung künftlicher Trennungslinien durch den Aushieb von Schneifsen ganz entbehrlich. In den Forften der Ebene und des Hügellandes läfst fich die Anlage der verfchiedenen Strafsenzüge, Abfuhrswege u. f w. mit dem etwa beftehenden oder neu einzuführenden Schneifsennetze in Einklang bringen, denn auch ein forgfältig gegliedertes Wegefyftem mufs als ein Förderungsmittel der Rentabilität, fowie als eine der Grundlagen und Vorarbeiten für die Eintheilung undEinrichtung der Forfte anerkannt werden. Das ausgeftellte Mündener Gipsmodell zeigte die praktifche Durchführung der in Bezug auf den Lehrforft Gahrenberg, für den Entwurf des Wegenetzes 4* 50 Johann Newald. und der Diftrictseintheilung aufgeftellten Grundfätze in plaftifcher Weife. Dasfelbe veranfchaulichte die Niveauverhältniffe in Horizontal curven von zehn Meter Verticalabftand, das darnach entworfene Wegenetz mit feiner Aufgabe, fämmtliche Reviertheile für die Holzabfuhr aufzufchliefsen und mit den Confumtionsoder Marktorten in eine angemeffene Verbindung zu bringen endlich die an das Wegenetz angefchloffene Eintheilung in Wirthschaftsfiguren. - So weit die mafsgebenden Verhältniffe aus dem Modelle und der beigegebenen Denkfchrift beurtheilt werden konnten, erfcheint die dargestellte Wegenetz- und Diſtrictseintheilung als fehr fachgemäfs. Das Modell felbft ift an die Lehrmittel- Sammlungen der k. k. Forftakademie in Mariabrunn übergegangen. Zur Darstellung des Ganges der Entwicklung, welchen das Forfteinrichtungs- und Abfchätzungswefen verfolgte, zurückkehrend, haben wir zunächft zu erwähnen, dafs die Flächentheilung, fo lange man fie in ihrer Anwendung auf Niederwälder und Mittelwälder befchränkte, durch eine geraume Zeit als Grundlage für die Bewirthschaftung diefer Betriebsarten benützt worden ift. Ihre Anwendung auf Hochwälder zeigte jedoch nur zu bald, dafs eine Flächentheilung fehr abweichende Jahreserträge zur Folge habe, indem die Fällungsergebniffe je nach dem Materialgehalte der zur Abftockung kommenden Beftände, fehr verfchieden ausfielen, und in Folge der mannigfaltig geänderten Einflüffe von Boden, Klima und Lage gegen die Weltgegend und den Horizont auf den Holzwuchs felbft, für die Zukunft nicht gleiche oder annähernd gleiche Jahreserträge zu erwarten ſtehen, abgefehen davon, dafs überall dort, wo man fich für die Beibehaltung des Plenterbetriebes entfcheiden mufste, eine Flächenabtheilung ganz ausgefchloffen war. Der Gedanke, die Ertragsverfchiedenheiten durch eine derart angeordnete und durchgeführte Flächentheilung zu beheben, bei welcher die Gröfse der verfchiedenen Jahresfchläge im Verhältniffe mit dem Umfange des von demfelben zu gewärtigenden Ertrages bemeffen wurde, lag nahe. Man brauchte ja nur das Ausmafs der Jahresfchläge in das umgekehrte Verhältnifs mit dem Ergebniffe zu ftellen, welches von den zum Einfchlage gelangenden Beftänden zu erwarten ftand das heifst eine um fo gröfsere Fläche dem Schlage zu geben, in dem Mafse der Materialertrag des Beftandes geringer war und umgekehrt. - - Zwei Richtpunkte waren es, welche man bei einer derartigen Flächentheilung, die man Abtheilung in Proportionalfchläge nannte, im Auge behielt. Bei dem einen war der dermalige Zuftand und Ertrag der Holzbeftände mafsgebend, die Proportionaltheilung war fomit eine vorübergehende, denn die Gröfse der Schläge mufste fich ändern, fobald durch die Anzucht vollbeftockter Beftände an Stelle der dermalen lückigen Waldorte auch das Ergebnifs der Abftockung verfchieden wurde. Bei dem zweiten Richtpunkte diente die Bodengüte der Forftflächen, welche man als unveränderlich betrachtete, als Bafis. Man ging dabei von der Anficht aus, dafs bei einem guten Wirthfchaftsbetriebe nach der Abftockung der einzelnen Schlagflächen, durch eine entsprechende Waldnachzucht und Beftandespflege normale Beftände nachgezogen werden, und demnach bereits beim zweiten Umtriebe eine auf die eigenthümliche, als unveränderlich beurtheilte Bodenkraft geftützte Flächentheilung, gleichbleibende Jahreserträge zur Folge haben müffe. Fafst man den Unterfchied, welcher zwifchen der Abtheilung in gleiche und jener in proportionale Jahresfchläge befteht, in das Auge, fo bemerken wir fofort, dafs die erftere, nämlich die gleiche Flächentheilung vorherrschend ein durch den Geometer zu löfendes Problem war, während bei der letzteren dem Forft manne die Aufgabe zufiel, den Ertrag der einzelnen Waldorte als die eigentliche Grundlage der Flächentheilung zu ermitteln und anzugeben. Forftwirth fchaft. 51 Eine proportionale Flächentheilung wurde im Jahre 1741 durch den Förfter Jakobi im Göttinger Stadtwalde, foviel bekannt, die erfte derartige gröfsere Eintheilung, durchgeführt. Nachdem bei der Anwendung des zweiten Verfahrens eigentlich die im Laufe der Zeit zu gewärtigenden Holzerträge zur Vertheilung gebracht wurden und eine Flächenabtheilung nur in der Richtung ftattfand, dafs man jedem einzelnen Jahre eine Schlagfläche von einer folchen Ausdehnung zuwies, dafs darauf der berechnete Durchfchnittsertrag vorgefunden wurde, trat die Nothwendigkeit in den Vordergrund, das Gefammt- Holzerträgnifs eines jeden Waldortes zu ermitteln, welches unzweifelhaft aus zwei Theilen beftand und zwar: a) aus dem gegenwärtig bereits vorhandenen Vorrathe und b) aus dem Zuwachs, welcher an demfelben bis zur Abftockung noch zu gewärtigen ift. Dafs die Gröfse des Zuwachfes, welcher in den einzelnen Waldbeftänden zu erwarten war, von der Zeitdauer abhängig erfchien, welche bis zum Abtriebe derfelben verflofs, war felbftverſtändlich; allein diefe Erwägung führte in die Waldertrags- Berechnung ein neues Moment ein, es erfchien nothwendig jene wirthfchaftlichen Dispofitionen zu gliedern und feftzuftellen, durch welche es möglich wurde, für jeden einzelnen Beftand, beziehungsweife Beftandestheil die Zeit feiner Abholzung beurtheilen zu können. Eine weitere Erwägung liefs ferner erkennen, dafs die Gröfse des in Rede ftehenden Zuwachfes nicht blofs von diefer Zeitdauer abhängig fei, fondern dafs auf denfelben auch die wirthschaftliche Behandlung des betreffenden Beftandes von entfcheidendem Einfluffe fein müffe. Dadurch gelangte man zu der Ueberzeugung, dafs jeder Waldertrags- Berechnung oder Schätzung, die Ordnung und Einrichtung der Wirthfchaft überhaupt vorauszugehen habe. Oettelt war es, welcher in der„, Abfchilderung eines redlichen und gefchickten Förfters, Eifenach 1768, Seite 27" zuerft diefen Gedanken als Grundfatz aufftellte. Wenn unläugbar der Ertrag eines Forftes davon abhängt, wie er bewirthfchaftet wird, fo kann man diefen Ertrag auch nicht eher vorausbeftimmen, als bis man die Art der Wirthfchaftsführung feftgefetzt hat. Ueber das Verfahren, durch welches man die Holzvorräthe ganzer Beftände ermitteln und den an ihnen erfolgenden Zuwachs berechnen könne, wurden damals verfchiedene Vorfchläge gemacht. Sie find zum Theile vergeffen, zum Theile lebt der Grundgedanke, durch die fortfchreitende Wiffenfchaft, jedoch erheblich erweitert und entwickelt, auch dermalen noch fort. Durch Oettelt und Hennert wurde das Forftvermeffungswefen zum Zwecke der Forfttaxation wefentlich erweitert und ausgebildet. Erfterer gab auch Vorfchriften zur Anfertigung von Erfahrungstafeln, während Letzterer die Anwendung derfelben zeigte. Verfuche über den foliden Holzgehalt von aufgeklaftertem Brennholze wurden abgeführt, das Verhältnifs zwifchen Aftholz und Derbholz wurde bei verfchiedenem Alter der Beftände und für verfchiedene Holzarten aufgefucht u. f. w. Alle diefe das Forft- Taxationswefen betreffenden Baufteine ordnete G. L. Hartig durch feine im Jahre 1795 erfchienene Anweifung zur Taxation der Forfte, zu jener Methode der Wirthfchaftseinrichtung und Waldertrags- Berechnung, welche fpäter unter dem Namen Hartig'fches oder Holzmaffen- Fachwerk fo berühmt geworden ift. Die vorzüglichfte Ausbildung gab er demfelben durch feine im Jahre 1819( 13. Juli) veröffentlichte Taxationsinftruction für die preufsifchen Staatsforfte. Hartig ging von dem Gedanken aus, die Art und Weife der Wirthfchaftsführung in einem Walde für die ganze Umtriebszeit voraus zu beftimmen, darnach den Zuftand, in welchen er bei Befolgung diefer Vorfchriften gebracht werden foll, zu ermitteln und den gefammten Materialertrag, den er demgemäfs geben wird, zu berechnen, um ihn auf die einzelnen Zeitabfchnitte, Perioden oder Zeitfächer des Umtriebes gleichmäfsig zu vertheilen. 52 Johann Newald. Hartig und feine Fachwerkmethode find vielfach und in heftiger Weife getadelt, letztere als werthlos verurtheilt worden, und dennoch dürfte die Annahme viele Berechtigung für fich haben, dafs keine Methode in folch ausgedehnter Weife bei der Wirthfchaftseinrichtung und Ertragsberechnung der Forfte in Anwendung gekommen ist, wie fie. Es kann uns nicht die Aufgabe geftellt fein, alle jene Einwendungen und Bedenken zu wiederholen, welche dem Hartig'fchen Fachwerke, zum Theile mit vielem Rechte gemacht worden find; eines jedoch fteht aufser Zweifel: es ergab fich aus ihm die Bafis für eine fehr beachtenswerthe Erweiterung und Entwicklung des gefammten Waldabfchätzungswefens. Schon Klippftein ging von dem Detail einer Erhebung der den fpäteren Perioden zufallenden Holzerträge ab und befchränkte die fpeciellen Wirthschaftsvorfchriften auf die erfte zwanzigjährige Periode, es der fpäteren Zeit überlaffend, nach Ablauf derfelben die zur neuerlichen Regelung der Ertragsziffer eines Forftes erforderlichen Anordnungen zu treffen. Eine befondere Ausbildung wurde dem Fachwerke durch Heinrich Cotta gegeben. Auch diefer leitet den Ertrag eines Forftes oder einer forftlichen Verwaltungseinheit in ganz naturgemäfser Weife aus dem Bewirthschaftungsgange desfelben ab und ftützt feine Material- Ertragsberechnung, auf eine derfelben als Bafis dienende, alle im Laufe der Umtriebszeit zur Nutzung gelangenden Beſtände eines Forftes umfaffende Schlag- oder Hiebesordnung, auch als genereller Nutzungsplan bezeichnet. Dadurch, dafs Cotta die fpecielle Ertragsermittlung nur für die erfte Periode durchführte und zum Beweife der Nachhaltigkeit der Nutzungen alle fpäteren Perioden der Umtriebszeit lediglich mit, ihrem Ertrage nach gleichwerthigen Beftandesflächen deckte, fielen die bei dem Hartig'fchen Fachwerke beanftändeten Detailfchätzungen der Erträge aller fpäteren Perioden hinweg. Die ganze Ertragsberechnung wurde dadurch, ohne im geringften an ihrem Werthe zu verlieren, aufserordentlich vereinfacht. Jede nach Ablauf einer Periode durchgeführte Revifion prüfte nicht nur die für den allgemeinen Wirthschaftsgang aufgeftellten Dispofitionen, erwägend, ob durch das Einhalten derfelben jene Zielpunkte erreicht werden, jener Zuftand des Forftes oder der ganzen Wirthschaftseinheit hergestellt wird, welcher als das Endrefultat aller wirthschaftlichen Dispofitionen aufgeftellt erfcheint, fondern aus den Eintragungen des Controlbuches ergaben fich auch jene Daten, auf deren Grundlage fich die bei den früheren Beftande sanfchätzungen etwa unterlaufenen Irrungen beheben liefsen, und fomit die Aufftellung des fpeciellen Nutzungsplanes für die nächfte Periode, beziehungsweife die Ermittlung der für die Dauer derfelben geltenden neuen Ertragsziffer, wefentlich an ihrer Verlässlichkeit gewann. Aus den periodifchen Revifionen, fie mochten nun fchon am Schluffe der einzelnen Zeitfächer, oder als Zwifchenrevifionen in der Mitte der Periode zur Durchführung gelangen, ergab fich unverkennbar eine in ihrer Bedeutung gar nicht hoch genug anzufchlagende Ausbildung des ganzen Wirthschaftseinrichtungswefens der Forfte und der damit im Zuſammenhange ftehenden Ertragsberechnung derfelben. Das Cotta'fche Fachwerk erhielt namentlich bei feiner Anwendung in den königlich fächfifchen Staatsforften und einer höchft erheblichen Anzahl von Privatwäldern, namentlich in den Forften der grofsen böhmifchen Majorate und Fideicommiffe, eine hohe rationelle Durchbildung. An den im Vorhergehenden, lediglich nach feinen Hauptzügen dargeftellten Entwicklungsgange jener wichtigen forftlichen Disciplinen, welche wir Wirthfchaftseinrichtung und Ertragsberechnung nennen, haben wir nur noch einige Ergänzungen anzureihen. Sie betreffen jene Verfahren der Forftertrags- Ermittlung, welche unter dem Namen, Formelmethoden" zufammengefasst werden. Forstwirthfchaft. 53 Als Ausgangspunkt derfelben haben wir zunächft die fogenannte öfterreichifche Cameral- Taxationsmethode zu erwähnen. Es ift dem Schreiber diefer Zeilen nach langem Forfchen gelungen, im Archive des k. k. Finanzminifteriums in Wien jene umfangreichen Originalacten aufzufinden, welche fich auf die Entftehung diefes Abfchätzungsverfahrens beziehen. Wie folches aus den fehr intereffanten diefsfälligen Verhandlungen, Gutachten und Vorfchlägen hervorgeht und fich auch aus dem Hofkammernormale vom 12. Juli 1788 ergibt, war die fragliche Schätzungsmethode vorerft nur zur Berechnung des Werthes von, zum Verkaufe gelangenden Wälder vorgefchrieben worden, allein fie wurde auch bald zum Zwecke eigentlicher Ertragserhebungen in Verwendung genommen Als aus der öfterreichiſchen Cameraltaxations- Methode hervorgegangene forftliche Schätzungsverfahren laffen fich bezeichnen: das fogenannte Hundeshagen'fche Nutzungsprocent, die Methode des fürftlich fiegmaringen'fchen Forftmeifters Heinrich Carl und jene von Carl Heyer. Schliefslich möge es geftattet fein auf jene Controverfen hinzudeuten, die fich über jenes Verfahren der Waldertrags- Ermittlung, welches Reinertrags- Methode, finanzielles Abfchätzungsverfahren oder auch Verfahren der Beftandeswirthschaft genannt wird, erhoben haben und noch lange nicht abgefchloffen fein dürften. Im Eingange jener Erörterungen, welche wir der forftlichen Wirthschaftseinrichtung und Ertragsberechnung widmeten, wurden jene Momente angedeutet, welche mit der gröfsten Sorgfalt zu erwägen find, fobald es fich um die Durchführung einer Waldwirthschafts- Regelung handelt; wir mufsten jedoch fofort zugeben, dafs es nur in den feltenften Fällen thunlich fein dürfte, allen jenen Bedingungen gleichzeitig und in genügender Weife zu entfprechen, welche von den obwaltenden Verhältniffen, nur zu oft in ganz entgegengefetzten Richtungen geftellt werden. Jene forftlichen Wirthfchaftseinrichtungs- und Abfchätzungsoperate, welche fich in den verfchiedenen forftlichen Ausstellungen vorfanden, zeigten ohne aller Ausnahme, dafs die Verfaffer derfelben fich der ihnen zugefallenen Aufgabe vollftändig klar waren. Jedes Operat liefs erkennen, dafs es die Frucht reiflicher Studien und einer eingehenden Prüfung der obwaltenden Verhältniffe war. Den gleichen Zweck anftrebend, erfchien jedoch der Weg, welchen man einfchlug, um ihn zu erreichen, als ein fehr verfchiedener, je nachdem eben die Umftände den Gang nach dem Ziele zu befchleunigen oder zu hemmen vermögen. Darin liegt ja eben der Werth einer jeden Wirthfchafseinrichtung und Ertragsberechnung, dafs man es aufgegeben hat, damit ein blofes Rechnungsexempel aufzulöfen, fondern durch dasfelbe die Ergebniffe reiflicher Studien zum Ausdruck zu bringen ftrebt. Faffen wir zunächft die in der Collectivausftellung der Fürften Johann Adolf und Adolf Jofef zu Schwarzenberg ausgelegten Wirthfchaftspläne und Karten in das Auge, fo fanden wir dort: 1. Den Wirthschaftsplan vom Revier Boretz der Domäne Lobofitz. Eichenfchälwaldbetrieb, für das Jahrzehnt 1872 bis 1881 mit der Beftandeskarte vom Jahre 1872. 2. Den Wirthschaftsplan vom Herrfchaft Winterberger- Reviere Kellne im Böhmerwalde mit dem Höhenpunkte Kubani. Nadelholz- Hochwald mit 120jährigem Umtrieb, für das Jahrzehnt 1870 bis 1879 mit der Beftandeskarte vom Jahre 1870. Es ift diefes eines jener Böhmerwald- Reviere, welches durch die Sturmbefchädigungen in den Jahren 1869 und 1870 fehr ftark angegriffen wurde und nunmehr durch die Borkenkäfer- Verheerungen befonders zu leiden hat. 3. Den Wirthfchaftsplan vom Herrfchaft Frauenberger- Reviere Poniefchitz, mit dem Hochwild- Thiergarten. Laub- und Nadelholz- Hochwaldbetrieb. Kahlhieb. mit künftlicher Aufforftung und Vorverjüngung. Für das Jahrzehnt 1865 bis 1874, 54 Johann Newald. dazugehörig die Beftandeskarten von den Jahren 1855 und 1865 fammt Revifionsprotokoll für das Jahrzehnt 1855 bis 1864. 4. Wirthfchaftsplan vom Herrfchaft Frauenberger- Reviere Welechwin. Nadelholz, Hochwaldbetrieb im 80- bis 120jährigen Turnus, ebenes Terrain, mit Kahlhieb und künftlicher Aufforftung, für das Jahrzehnt 1864 bis 1873. Dazugehörig zwei Beftandeskarten von den Jahren 1854 und 1864 und das Revifionsprotokoll für das Jahrzehnt 1854 bis 1863; endlich das feit dem Jahre 1854 geführte Wirthfchaftsbuch diefes Revieres. Wir hatten fomit in den vorbezeichneten vier Operaten Wirthschaftseinrichtungen und Ertragsberechnungen von vier Revieren vor uns, in denen die wirthschaftlichen Bedingungen fehr abweichend geftaltet find. Das Lobofitzer Revier Boretz enthält den Eichenfchälwaldbetrieb; das Winterberger- Reviere Kellne wird mit Rückficht auf den Schwemm- und Flöfsereibetrieb behandelt. Das Frauenberger- Revier Poniefchitz befitzt innerhalb feiner Grenzen einen fehr ausgedehnten Hochwild- Thiergarten und das Revier Welechwin hat Nadelholz- Beftände unter gewöhnlichen Wirthschaftsverhältniffen. Der fürftlich Schwarzenberg'fche Ausftellungskatalog fagte in Bezug auf den Forstwirthschafts- Betrieb: Die Forfte find nach der( älteren) fächfifchen FlächenFachwerkmethode fyftemifirt, das induftriöfe Streben der Forftverwaltung zielt nach einem möglichst hohen Nutzholzpercent. Diefe zwei Sätze enthalten das forftwirthschaftliche Programm für den ebenfo ausgedehnten wie wichtigen Schwarzen berg'fchen Waldbefitzftand. Er fagt mit anderen Worten: Das wirthschaftliche Streben ist nach der Erziehung der gröfsten und werthvollften Materialmaffen gerichtet, die induftrielle Gebarung ftrebt die befte Verwerthung derfelben an, woraus fich von felbft eine Steigerung des nachhaltigen Geldertrages und fomit des Capitalwerthes der betreffenden Forfte ergeben muss. Hochbedauerlich erfcheint nur, dafs der normale Gang der wirthschaftlichen Entwicklung in allen jenen Revieren, welche durch die Sturmbefchädigungen der Jahre 1869 und 1870 und durch die darauffolgenden Borkenkäfer- Verheerungen betroffen worden find, unterbrochen wird. Die Collectivausftellung des Prinzen Auguft von Sachfen- CoburgGotha enthielt in ihrer das" Forft- Taxationswefen" umfaffenden Abtheilung Wirthschaftseinrichtungs- und Abfchätzungselaborate mehrerer Reviere fammt den dazugehörigen Forftkarten, Controlbüchern u. f. w. Das in Anwendung ftehende Abfchätzungsverfahren ftützt fich, wie folches überhaupt bei den Fachwerk- Methoden der Fall ift, auf einen die ganze Umtriebszeit umfaffenden Hiebesplan, hier Schlagfolge genannt. Bei der Aufftellung desfelben ift es Sache des Taxators, den Abtrieb der Beftände derart anzuordnen, dafs die alten, zumal überftändigen Beftände, in welchen wenig oder kein Zuwachs mehr erfolgt, zunächft zur Hauung kommen; dafs die übrigen Beftände, infofern es die Altersclaffen und eine entfprechende Reihenfolge der Schläge geftatten, im Umtriebs- oder Haubarkeitsalter oder nicht zu weit davon entfernt, zum Abtrieb gelangen. Auf Grundlage der Schlagordnung wird nunmehr für alle Beftände, welche im Laufe der Umtriebszeit zur Benutzung kommen, der Umtriebszuwachs nach einem fachgemäfsen Vorgange entwickelt und die Summe desfelben zum gegenwärtigen Materialvorrath diefer Beftände addirt. Von der fohin erhaltenen Gefammtziffer wird bei vorausgefetztem nachhaltigen Wirthschaftsbetriebe ein Theil ( in der Regel der normale Vorrath) für die zweite Umtriebszeit beftimmt und der Reft entweder gleichförmig oder nach dem fpeciellen wirthschaftlichen Bedürfniss in anderer Weife, auf die einzelnen Wirthfchaftsperioden der erften Umtriebszeit vertheilt. Forftwirthschaft. 55 Es kann uns nicht entgehen, dafs diefer Modus der Waldertrags- Ermittlung in feinem Grundgedanken mit dem von C. Heyer vorgefchlagenen Verfahren zufammenfällt. Werden bei den periodifchen Revifionen die in den Controlbüchern nachgewiefenen wirklichen Ergebniffe der einzelnen abgeftokten Beftände berückfichtigt, fo kann es kaum einem Zweifel unterliegen, dafs die Nachhaltigkeit der Nutzungen, auf welches Moment bei der Behandlung und Bewirthschaftung der fraglichen Forfte ein grofses Gewicht gelegt wird, verbürgt erfcheint. Auch die Wirthfchaftseinrichtung und Ertragsberechnung der zur grofsen Banater Domäne Oravicza gehörigen, der k. k. priv. öfterr. StaatseifenbahnGefellfchaft eigenthümlichen Forfte ftützt fich, wie folches aus den ausgeftellt gewefenen Abfchätzungselaboraten, Wirthschaftskarten, Controlbüchern u. f. w. zu entnehmen war, auf ein Fachwerk. Für jedes Revier dient demfelben ein allgemeiner Nutzungsplan oder Schlagordnung als Bafis. Bei der Wahl der Umtriebszeit wurde nebft der Erzielung der gröfsten und werthvollften Production auch den Anforderungen der Induftrie und des Bergbaues, ferner dem Bedürfniffe in Bezug auf Belebung der Gewerbe und des Handels Rückficht getragen, und es wurde für den Hochwald eine Umtriebszeit von 80 bis 100, für den Niederwald auf geringerem Boden von 40, auf gutem Standort von 60 bis 80 Jahren feſtgeſtellt. Die Umtriebszeit ift in Zeitfächer von 20 Jahren und jedes folche Fach in zwei zehnjährige Perioden untertheilt, fo dafs für die zehnjährige Revifion und Richtigftellung des Wirthschaftsbetriebes paffende Zeitabfchnitte gebildet find, und fomit für das umfangreiche Abfchätzungswefen die fo nöthige Ueberficht gewonnen ift. In der Forftausftellung der ungarifchen Länder haben wir zunächſt einer höchft werthvollen Arbeit zu gedenken; es ift diefes die graphifche Darstellung der Schaftform und des Wachsthumsganges der in diefen Ländern vorkommenden Haupt- Baumarten und der aus ihnen gebildeten Wälder. Nach den fechs Culturgebieten der ungarifchen Länder, und zwar ungarische Ebene, Bakonygebirge, Nordkarpathen, Südkarpathen, flavonifche Tiefebene und kroatifches Gebirge geordnet, gaben die auf 310 Erhebungen bafirten Darftellungen fammt den dazu gehörigen Zuwachstabellen ein Bild über den namentlich für Forftabfchätzungen und Ertragsberechnungen höchft wichtigen Zuwachsgang unferer Holzarten an einzelnen Stämmen und in ganzen Beftänden. Es gewinnt die Klarlegung diefer Momente umfomehr an Bedeutung, je mehr die Entwicklung des forftlichen Wirthfchaftsbetriebes eine auf verläfsliche Factoren geftützte Kenntnifs der Ertragskraft unferer Wälder als nothwendig, ja ganz unentbehrlich erfchei nen läfst. In der grofsen forftlichen Ausftellungshalle Ungarns fand fich eine Reihe von forftlichen Ueberfichtskarten, Waldflächen und Communicationskarten, ftatiftifchen Operaten, Elaboraten über Betriebseinrichtungen und Ertragsberechnungen u. f. w. aus den Staats- und Fonds- Forften, aus den Staatsforften Kroato- Slavoniens und von Privaten ausgelegt. Wir heben aus denfelben jenes Operat heraus, welches die Forfte der gräf lich Königsegg- Aulendorf'fchen Herrfchaften Oroszlánkö und Illawa im Trentfchiner Comitat und die in den Jahren 1868 bis 1870 durchgeführte Wirthschaftseinrichtung derfelben zur Darstellung brachte. Zum Zwecke der Betriebseinrichtung und Ertragsberechnung wurde für den in Rede ftehenden Wald complex das combinirte Flächen- und Maffenfachwerk in jener Form in Anwendung gebracht, welche im Jahre 1862 für die königlich württembergifchen Staatsforfte eingeführt worden ift und fich unter den verfchiedenften Verhältniffen vollkommen bewährt hat. 56 Johann Newald. Anzucht jener Holzarten, aus denen fich durch eine pflegliche Behandlung der Beftände nachhaltig das gröfste Materialerträgnifs, und durch eine induftriöfe Verwerthung desfelben auch das nachhaltig gröfste Geldeinkommen erzielen läfst, fomit der Capitalwerth der Forfte in rationeller Weife entwickelt und gehoben wird, ift das dem Waldwirthfchaftsbetriebe vorgezeichnete Ziel. Darum dehnt auch die neue Forfteinrichtung den dermalen bereits vorwiegenden Hochwaldbetrieb auf die bis in die jüngfte Zeit als Niederwald( Stock- und Kopfausfchlag) behandelten Waldtheile aus. Für die fämmtlichen Hochwaldbeftände, beziehungsweife auch für die dermalen als Niederwald behandelten Flächen, nach ihrer Ueberführung zum Hochwalde, wurde eine normale Umtriebszeit von 100 Jahren angenommen. In die Bildung mehrerer Betriebs claffen mit abweichender Umtriebszeit, wurde nicht eingegangen. Der Einrichtungszeitraum erftreckt fich, wie die angenommene normale Umtriebszeit auf 100 Jahre und befteht aus fünf Perioden, jede zu 20 Jahren. Die erfte Periode ift behufs der näheren zeitlichen Beftimmung der Hiebe in zwei Jahrzehnte abgetheilt. Die Einreihung der einzelnen Beftände oder Abtheilungen in die Perioden, welche fchon beim Entwurfe des allgemeinen Hauungs- oder Wirthfchaftsplanes in entſprechender Weife in das Auge gefafst wurde, gefchah mit fteter Rücksicht auf den normalen Umtrieb, auf das angemeffene Hiebesalter des betreffenden Beftandes, endlich unter Bedachtnahme auf eine richtige Hiebesfolge. Die Abkürzung oder Verlängerung des Haubarkeitsalters einzelner Beftände oder Beftandestheile konnte bei der Aufftellung des allgemeinen Hauungsplanes, zur Vermeidung von erheblichem Zuwachsverluft, überall auf ein wohl zuläffiges Mafs befchränkt werden, einestheils durch entſprechende Abgrenzung der Abtheilungen, anderntheils durch ein theilweifes Abgehen von der regelmäfsigen Periodenfolge in den Hiebesreihen. Zwei Beftandeskarten eines und desfelben Revieres, von denen die eine den wirthschaftlichen Stand vom Jahre 1868 erfichtlich machte, die zweite jedoch die als das Endziel der Wirthfchaft aufgeftellten nach Ablauf des erften Umtriebes, fomit für das Jahr 1968 anzuhoffenden Beftandesverhältniffe darftellte, waren dem in Rede ftehenden Einrichtungsoperat beigefügt. Die im Vorhergehenden nach ihren leitenden Grundfätzen dargestellte Betriebseinrichtung und Ertragsberechnung der zu den gräflich KönigseggAulendorf fchen Herrfchaften Oroszlánkö und Illava gehörigen Forfte wurde von dem königlich württemberg'fchen Forftmeifter, jetzigen Forftrath in Stuttgart, Herrn Probft, unter Beiziehung des gräflichen Forftverwalters zu Königseggwald, Herrn Henle, entworfen und ausgearbeitet. Wir glauben keine Einfprache beforgen zu dürfen, wenn wir fie als ein muftergiltiges Operat bezeichnen. Ueber den höchft erheblichen Waldbefitzftand Seiner kaiferlichen Hoheit des Erzherzogs Albrecht gab eine in dem diefsbezüglichen Ausftellungspavillon ausgelegte„ Forftbefchreibung der Domänekammer Tefchen" wenigftens über einen der wichtigſten Beftandtheile diefes Gütercomplexes Aufklärung. Geftützt auf die Daten diefer Forftbefchreibung, kommt in Bezug auf den ein Flächenausmafs von 87.546 Joch 50.383 Hektaren umfaffenden Waldftand das Nachfolgende hervorzuheben. Im Beginne der 1840er Jahre wurde die alte, auf der Bafis einer Flächentheilung beruhende Forftbetriebs- Einrichtung für fämmtliche Reviere der Kammer Tefchen, welche im Anfang des laufenden Jahrhunderts aufgeftellt worden war, durch eine neue, nach den Grundfätzen der Normalvorraths- Methoden gegliederte Ertragsregelung erfetzt. Die Umtriebszeit wurde in den Gebirgsrevieren mit 100 Jahren, in den Forften der Ebene mit 80 Jahren feftgeftellt. Forstwirthfchaft. 57 Nach Ablauf der erften 20jährigen Wirthfchaftsperiode erfolgte in den Jahren 1861 bis 1866 eine Reviſion mit einer neuerlichen Einfchätzung der fchlagbaren Beftandesclaffen, Berichtigung der feither eingetretenen Flächen- und Beftandesveränderungen und fohin Neuanfertigung der Wirthfchaftskarten und Schätzungselaborate. Die Refultate diefer umfangreichen Arbeiten erfcheinen in der„ Forftbefchreibung" tabellarifch zufammengeftellt, aus welcher Ueberficht wir zu beurtheilen im Stande find, dafs die neue Ertragsermittlung auf Grundlage des combinirten Flächen- und Maffenfachwerkes ftattgefunden hat. Bei einem Uebermafs an fchlagbaren Beftänden, wie ein folches in der Ueberzahl der Reviere der Tefchener Kammer vorkommt, kann das wirthschaftliche Streben dermalen der Hauptfache nach, nur auf eine thunlichft gute Verwerthung beziehungsweife Nutzbarmachung der vorhandenen Materialüberfchüffe gerichtet fein. Eine für die Kammer Tefchen höchft günftige Entwicklung mehrerer Eifenbahnlinien ermöglichte die Erweiterung des Holzabfatzes und hat eine für den Ertrag der fraglichen Forfte nicht hoch genug anzufchlagende Hebung des Nutzholz- Procentes zur natürlichen Folge. Sehr zweckmässig fituirte und ebenfo zweckmäfsig eingerichtete mannigfaltige Holzinduftrialien äussern diefsfalls eine fehr günftige Wirkung, fo dafs feit dem Jahre 1866 bis zum Jahre 1870 die Nutzholzausbringung von 25.8 Percent auf 66 Percent des Gefammtetats geftiegen ift. Nachdem ein derart günftiges Nutzholzpercent, namentlich in ausgedehn ten Forften mit erheblichem Jahresertrage, für die Dauer nur dann zu erwarten ift, wenn vorherrfchend ftärkere Sortimente zum Einfchlage kommen, dürfte eine Herabfetzung der Umtriebszeit wohl kaum dem wahren wirthschaftlichen Intereffe entſprechen. Es braucht wohl nur angedeutet zu werden, dafs alle jene Momente, welche geeignet find, für die Bewirthschaftung und Benutzung irgend eines Waldcomplexes Schwierigkeiten zu bereiten, fich auch bei der Anfertigung eines diefe Forfte betreffenden Betriebseinrichtungs- Operates und der dasfelbe ergänzenden Ertragsberechnung geltend machen. Wo die Verhältniffe des Standortes und der Lage für die Ausführung von wo die Nachzucht der Waldbeftände, Forftculturen Schwierigkeiten bereiten ihre Pflege und Sicherung gegen nachtheilige Einflüffe der mannigfaltigen Art, eine Aufgabe von grofser Bedeutung wird; wo die Terrainzuftände der Fällung und Bearbeitung des Materiales einerfeits, fowie der Bringung und dem Transporte desfelben auf die Verbrauchsorte anderfeits nur zu oft fchwer zu überwindende Hinderniffe entgegenftellen; wo aus dem Ertrage des Forftes die mannigfaltigften Nutzungsanfprüche an Holz der verfchiedenften Sortimente, an Streu, Gras u. f. w gedeckt werden müffen wo der Beftand von Waldfervituten der freien wirthschaftlichen Dispofition höchft fühlbare Hemmniffe und Hinderniffe bereitet, da wird die Durchführung einer forftlichen Wirthfchaftseinrichtung und Ertragsberechnung eine der fchwierigften Aufgaben, welche an eine Forftverwaltung überhaupt herantreten kann. Alle jene Detailfragen, welche fich unter günftigen wirthschaftlichen Verhältniffen einfach und klar ordnen laffen, bauen fich hier zu einer Summe von Schwierigkeiten, Bedenken und Widerfprüchen auf, welche in ihrer Gefammt heit eine allen mafsgebenden Anforderungen gerecht werdende Löfung der Aufgabe im höchften Grade erfchweren, ja unausführbar machen. Die Wirthschaftseinrichtung und Ertragsberechnung, überhaupt die Syftemifirung der k. k. Salzkammerguts- Forfte, von welchen die diefsfälligen Operate im Pavillon des k. k. Ackerbau- Minifteriums ausgelegt waren, und der die deffen vorhergehenden Erwägungen gewidmet find, erfcheint als ein Problem, Löfung der lebhafteften Anerkennung eines jeden Fachmannes verfichert fein 58 Johann Newald. kann, und zwar umfomehr, wenn erwogen wird, dafs diefe Forfte ein Ausmafs von 148.112 Joch= 85.220 Hektaren befitzen, theilweife unter höchft ungünftigen Terrain und Standortsverhältniffen vorkommen, und überdiefs mit Waldfervituten erheblich belaftet find, da dermalen noch 4810 zum Holzbezuge, 1715 zur foge. nannten Heimweide, 1123 zur Alpenweide und 2712 zum Streubezuge berechtigte Realitäten beftehen.. Die Ausnutzung der hiebreifen Beftände erfolgt überwiegend durch den Kahlhieb, da die Windbruchgefahr, der die herrfchende Holzart, die Fichte, der Standortsverhältnifie wegen unterworfen ift, einerfeits, anderfeits die Anforderung der möglichften Oekonomie in den ohnediefs fehr hohen Fällungs- und Bringungsauslagen eine andere Wahl nicht zuläfst. Die plänterweife Ausnutzung findet ftatt in den Servitutswaldungen und näheren Waldbeftänden dort, wo den Holzbezugberechtigten ihre Jahresgebüh ren am Stocke vereinzelt zur Selbftaufarbeitung angewiefen werden müffen. Die in Rede ftehende Syftemifirung der k. k. Staatsforfte im SalzkammerGute, ift auf Grundlage eines combinirten Flächen- und Maffenfachwerkes durchgeführt. Im Pavillon des k. k. Ackerbauminifteriums war noch für verfchiedene Holzarten eine Anzahl von Ertragstafeln, Berechnungen und Darſtellungen des Zuwachsganges an einzelnen Stämmen und in ganzen Beftänden ausgelegt, deren Erörterung hier jedoch zu weit führen würde. Aus der Collectivausftellung der fteiermärkifchen Waldproducte haben wir einer vom Herrn Forftmeifter Henfchl zu Wildalpe combinirten und von der Actiengeſellſchaft der Innerberger Hauptgewerkfchaft ausgeftellten Anzahl von Zuwachsermittlungen für eine Reihe der vorzüglichften Baumarten zu gedenken, welche aus Stammabfchnitten in Lamellenform zufammengefetzt waren. Es erfchienen je zwei Stämme derfelben Holzart und von gleichem Durchmeffer, welche unter entgegengefetzten Wachsthums- und Bodenverhältniffen erwachfen waren, gegenübergeftellt. Graphifche Darftellungen und Zuwachs tabellen ergänzten in überfichtlicher Weife die aus den Stammabfchnitten gebildeten Zuwachsproben. Die forftliche Collectivausftellung Krains brachte ebenfalls eine Reihe von Zuwachsunterfuchungen, aus denen namentlich ihrer Seltenheit wegen die Ergebniffe des Kaftanien- Niederwaldbetriebes auf der gräflich Guftav Auersperg'fchen Herrfchaft Mokritz von hohem Intereffe waren. Von dem Joche eines entſprechend auf die Wurzel gefetzten Kaftanien. waldes werden im fünfjährigen Umtriebe( auf Rebenftöcke) erzielt: 4000 bis 6000, bis 8000 Lohden à o'i Kubikfufs; daher 400 bis 600, bis 800 Kubikfufs Abtriebsertrag, fomit 80 bis 120, bis 160 Kubikfufs Zuwachs per Jahr. Wendeten wir uns nunmehr der öftlichen Culturhalle zu, fo trafen wir in der von der k. k. Wiener Landwirthfchafts- Gefellfchaft veranlafsten Collectivausftellung von Niederöfterreich Elaborate über Forftbetriebs- Einrichtungen und Ertragsberechnungen, welche die freiherrlich von Sina'fche Forftdirection ausgeftellt hatte. Wir würden nur Bekanntes mittheilen, wenn wir neuerdings von der Gediegenheit Erwähnung machen wollten, mit welcher von derfelben das ForftSyftemifirungswefen gepflegt und entwickelt wird. Als die erfte Aufgabe betrachtet die Forftverwaltung das Streben, in mög lichfter Kürze und mit den geringften Opfern den normalen Waldzuftand herzuftellen, aus welchem jährlich nachhaltig der höchft mögliche Haubarkeitsertrag gewonnen werden kann, um durch eine induftriöfe Verwerthung desfelben die nachhaltige gröfste Geldrente zu erzielen. Zur Realifirung diefer Aufgabe wählt diefelbe ein Verfahren, welches den Beweis der angeftrebten Nachhaltigkeit unzweifelhaft liefert, dennoch aber, Forstwirthschaft. 59 auf einen für die ganze Umtriebszeit entworfenen, allgemeinen Wirthschaftsplan geftützt, der Adminiftration für die nächfte Zeitperiode die erforderliche Freiheit und Beweglichkeit in der Durchführung der forftlichen Betriebsmafsregeln und für eine erfolgreiche Ausnützung aller für eine gute Verwerthung der Waldproducte fich ergebenden Verkehrsverhältniffe bietet. Sowie die Forftfyftemifirungs- Elaborate felbft konnten auch die von der freiherrlich von Sina'fchen Forftdirection ausgeftellten, die genannten Operate ergänzenden Forftpläne, Ertragsnachweife, Controlbücher u. f. w. als muftergiltig bezeichnet werden. Als eine beachtenswerthe Leiftung im Fache der Wirthschaftseinrichtung und Ertragsberechnung kommt auch das von der böhmifchen Forftfchule zu Weifswaffer ausgeftellte, den Schulforft behandelnde Forft- Einrichtungswerk fammt den dazu gehörigen Forftkarten, Culturplänen, Ertragsnachweifen u. f. w. zu bezeichnen, wie denn überhaupt die Planzeichnungen, welche die genannte Forftfchule ausgeftellt hatte, von der Sorgfalt Zeugnifs gaben, mit welcher dort diefer Unterrichtszweig gepflegt wird. Bei dem Gange, welcher das Studium der ausgelegten Operate für forftliche Wirthfchaftseinrichtung und Ertragsberechnung zum Gegenftande hatte, find wir nun bei jener Ausftellungsgruppe angelangt, welche für diefe Disciplin das deutfche Reich zur Anfchauung brachte. In Bezug auf die königlich preufsifchen Staatsforfte war zunächft die Vermeffung und Eintheilung derfelben dargestellt. Forftmeifter Deffert, Vorfteher des Forfteinrichtungs- Bureau in Berlin, hat fich um diefen wichtigen Adminiftrationszweig wefentliche Verdienfte erworben. Die Vermeffung und Kartirung diefer Forfte ftützt fich auf eine vorhergehende Triangulirung und Bildung eines Polygonnetzes, an welche fich die Berechnung des Coordinatenfyftems anreiht. Bei der Vermeffungsdurchführung wird in wohlerwogener und wohlverftandener Weife den örtlichen Verhältniffen thunlichft Rechnung getragen. Das Vermeffungs- und Eintheilungswefen, fowie die Ertragsermittlung der preufsifchen Staatsforfte, namentlich jedoch letztere, ift, fobald fich die wirthfchaftlichen Verhältniffe des Staates nach den tiefgreifenden Erfchütterungen desfelben im Anfange des Jahrhundertes wieder confolidirt hatten, während fechzig Jahren, mit feltener Confequenz entwickelt und ausgebildet worden. Anftatt Zeit, Arbeitskraft und Geld an Experimente bezüglich Einführung neuer Abfchätzungsmethoden, welche im Laufe der Zeit in ziemlicher Zahl in Vorfchlag gebracht wurden, zu verlieren, und die geordnete Entwicklung des Wirthfchaftsganges unvermeidlichen Störungen und Einbufsen auszufetzen, hat man es in ruhiger Würdigung des anzuftrebenden Zieles vorgezogen, das einmal als Grundlage für das Forftfyftemifirung- und Abfchätzungswefen gewählte Verfahren, an der Hand aller im Laufe der Zeit gemachten Erfahrungen forgfältig auszubauen. In Preufsen hat man feit Wedell's und Hennert's Zeiten das Fachwerk als Grundlage für die Betriebseinrichtung und Abfchätzung der Staatsforfte gewählt. Trotz Einwendungen, welche von vielen Seiten zu erwarten find, fprechen wir dennoch unfere Ueberzeugung dahin aus, dafs die Hartig'fche Inftruction vom 13. Juli 1819 einen wefentlichen Fortfchritt im Abfchätzungswefen der königlich preufsifchen Staatsforfte bezeichnet. Das Verfahren diefer Inftruction beruht unzweifelhaft, weil es die Flächentheilung der periodifchen Ertragsausgleichung unterordnet, auf dem Syfteme des ftrengen Maffenfachwerkes, es ift auch, namentlich von ſpäteren forftlichen Schriftftellern, viel getadelt worden, allein man vergafs dabei die Zeit, die wirthschaftlichen Verhältniffe und den damaligen Bildungsftand des Forftverwaltungs- Perfonales zu erwägen, für welche Hartig fein Verfahren entworfen hatte. Schon der 60 Johann Newald, Umftand, dafs es die Bafis geworden ift, von welcher ausgehend das BetriebsEinrichtungs- und Abfchätzungswefen in den königlich preufsifchen Staatsforften auf feinen dermaligen hohen Stand gebracht worden ift, fichert demfelben für alle Zeiten eine hervorragende Bedeutung. In dem Mafse als fich Abänderungen an der Hartig' fchen Methode durch die Erfahrung beftätigt als entſprechend erkennen liefsen, wurden fie alsbald ausgeführt. Man wollte eben das Verfahren nicht blos verändern, man wollte es auch verbeffern. Die Berechnung der Holzerträge nach einzelnen Sortimenten bis in die fpäteren Perioden gab man auf und befchränkte alle derartigen Erhebungen nur auf die erfte Periode, die fpäteren Zeitfächer lediglich mit nach Maffenklaftern ausgeworfenen Ertragsanfätzen deckend. Das Wefen jenes Verfahrens, welches dermalen in Anwendung fteht, läfst fich in folgende Hauptfätze zufammenfaffen: Der Aufftellung eines für die ganze Umtriebszeit entworfenen Wirthfchaftsplanes gehen voraus: die Eintheilung des Reviers in Blöcke oder Wirthschaftsfiguren und die Feftftellung jener Grundfätze, nach denen bei der Hiebesleitung und Beftandesordnung vorzugehen fein wird. An diefe den Kern der wirthschaftlichen Dispofitionen bildenden Momente fchliefsen fich die Anordnungen bezüglich der Bildung angemeffener Schlagtouren und Herftellung einer richtigen Hiebesfolge. Die bisher angedeuteten wirthschaftlichen Vorkehrungen haben die Herftellung eines normalen Altersclaffen Verhältniffes fort und fort im Auge, wobei jedoch nicht lediglich auf die einzelnen Blöcke Bedacht genommen wird, fondern im Falle im Reviere Holzarten von verfchiedener Nutzbarkeit vorkommen, auch das Altersclaffen- Verhältnifs derfelben derart geordnet wird, dafs zu jeder Zeit haubares Materiale der verfchiedenen Holzarten und Qualitäten zum Bezuge gebracht werden kann. Schliefslich glauben wir, es als felbftverständlich lediglich erwähnen zu follen, dafs die für die einzelnen Reviere entworfenen allgemeinen Betriebspläne, die Nachhaltigkeit und Gleichmässigkeit des periodifchen Holzertrages in Quantität und Qualität ficher zu ftellen und den ausfetzenden Betrieb zu vermeiden haben; ja, es ift das Streben in vielen Fällen dahin gerichtet, den Nutzungsgang derart anzuordnen, dafs die fpäteren zwanzigjährigen Perioden der Berechnungs zeit zur Herftellung einer Art Referve in Flächen und Erträgen etwas fteigen. anEine befondere Sorgfalt waltet in Bezug auf die Auswahl jener Beftände ob, aus denen die Erträge der erften Periode zu dotiren fein werden. Es gilt auch hier als Grundfatz, dafs mangelhafte Beftände, in denen der zeitliche Zuwachs der Productionsfähigkeit des Bodens am wenigften entſpricht, fowie jene Waldorte, deren Qualität im Rückgange begriffen ift, zunächft zur Abftockung gebracht werden. Obwohl, wie aus dem Vorhergehenden zu entnehmen ift, das Fachwerk die Bafis für die Wirthschaftseinrichtung und Ertragsberechnung in den königlich preufsifchen Staatsforften abgibt, fo wird dasfelbe, je nachdem die entfcheidenden Momente es verlangen, bald als Flächenfachwerk mit Ertragsberechnung für die erfte Periode, bald als combinirtes Fachwerk mit Ertragsberechnung nach Ertragsclaffen angewendet. In Niederwaldungen findet eine Flächentheilung ftatt, bei Mittelwaldungen die Flächentheilung für das Unterholz und Holztheilung mit Altersclaffen- Sonderung und Zuwachsnachweis für das Oberholz. Den alle zehn Jahre wiederkehrenden Schätzungsrevifionen fällt die Aufgabe zu, auf Grundlage der für die einzelnen Reviere beftehenden SyftemifirungsElaborate nach den Aenderungen, welche fich im Waldftande ergeben haben und den Refultaten, welche die Wirthfchaft lieferte, für die nächfte zehnjährige Schätzungsperiode eine neue Wirthschaftsnorm aufzuftellen. Forftwirthfchaft. 61 Das Abfchätzungswefen der königlich preuſsifchen Staatsforfte war durch folgende Wirthschaftseinrichtungs- und Ertragsermittlungs- Operate dargeftellt: der Oberförfterei Goffera( Hochwald), der Oberförfterei Falkenwalde( Hochwald), der Oberförfterei Schkeuditz( Mittelwald), das Taxations Revifionswerk der Oberförfterei Mühlenbach. Den fämmtlichen ausgeftellten Elaboraten waren die zugehörigen Wirthfchaftskarten beigefchloffen und war diefe Ausftellungsgruppe überdiefs ergänzt durch je ein Exemplar der Gefchäftsanweifung für die Oberförfter vom 4. Juni 1870 und Dienftinftruction für die Förfter vom 23. October 1868; auch erachten wir derfelben die vom Profeffor Dr. Hartig zu Neuftadt- Eberswalde ausgeftellte Sammlung der deutfchen Holzarten, weil fie die Wachsthums- und Zuwachs- Verhältniffe der vorzüglichften Baumarten unter verfchiedenen Standorts- Einflüffen zur Anfchauung brachte, anreihen zu follen. So wie der Fachmann über das Taxationswefen in den königlich preufsifchen Staatsforften, infoweit dasfelbe durch die diefsbezügliche Ausftellungsgruppe dargestellt erfchien, nur die vollfte Anerkennung ausfprechen konnte, müffen wir der gleichen Befriedigung bezüglich der von der grofsherzoglich badifchen Domänendirection in Karlsruhe und der grofsherzoglich heffifchen Oberforft- und Domänen direction ausgeftellten Vermeffungs- und Abfchätzungsoperate, Ueberfichts- und Wirthschaftskarten u. f. w. Ausdruck geben. Bei der durch das badifche Forftgefetz vom Jahre 1833 vorgefchriebenen Einrichtung der badifchen Domänen-, Gemeinde- und Körperfchafts- Waldungen, kommt zur Ermittlung des Abnutzungsfatzes oder Jahresertrages das Heyer'fche Verfahren in Anwendung. Schon diefer Umftand deutet auf eine pflegliche Waldbehandlung und auf das Streben nach Erzielung der höchften nachhaltigen Forfterträge hin. Unfern Rundgang abfchliefsend, nahm die vom Schweizerifchen Forftverein unter der Bezeichnung Forftkatafter vorgeführte Collection von Waldbefchreibungen, Wirthfchaftsplänen und Ertragsberechnungen mit den dazu gehö rigen Ueberfichts- und Specialkarten, fofort neuerdings die volle Aufmerksamkeit in Anfpruch. Sie gaben ein Bild von der Wirthfchaftseinrichtung in den Schweizerforften, wozu der Katalog fehr richtig bemerkte, dafs, wie überhaupt in allen Schweizereinrichtungen, auch bei diefer eine grofse Mannigfaltigkeit befteht, einmal weil jeder Canton die Angelegenheit in der ihm gut fcheinenden Weife ordnet, zum andern weil die beftehenden Inftructionen nicht fo bindend find, dafs nicht jeder Arbeiter feiner Arbeit den Stempel der eigenen Individualität aufprägen könnte. Wir glauben es als bekannt vorausfetzen zu follen, auf welch hoher Stufe in der Schweiz das Vermeffungs- und Mappirungswefen überhaupt fteht. Der Generalftab des Schweizer Heeres einerfeits, fowie Private und Vereine-- wir nennen unter den erfteren nur Ziegler zu Winterthur anderfeits, haben in diefer Beziehung Ausgezeichnetes geleiftet. Es erfcheint demnach als felbftverſtändlich, dafs dort auch das forftliche Aufnahms- und Kartirungswefen in feiner ſpeciellen Richtung, dem Allgemeinen diefes hochwichtigen Zweiges der Landeskunde, ebenbürtig zur Seite fteht. Wendeten wir uns nun den einzelnen Objecten diefer Ausftellungsgruppe zu, fo fanden wir in Bezug auf das Vermeffungswefen des Cantons Bern I Ueberfichtskarte, 2 Specialkarten, 28 Blätter der topographifchen Cantonskarte, endlich 124 Karten von Staatswaldungen ausgelegt. Die zwei Specialkarten, die Domäne Thorberg darftellend, müffen unbedingt als ausgezeichnete Leiftungen anerkannt werden. Im Verhältniffe von 1: 2000 angefertigt, erfcheint das Terrain durch horizontale Schichtenlinien mit einem verticalen Abftande von 6 Meter dargeftellt. Angefchloffen war ein Band Berechnungen und Detailzeichnungen. Die Ausfertigung diefer zwei Specialkarten war 62 Johann Newald. eine derartige, dafs fie allerorts als vortreffliche Vorlagen beim Unterricht im Zeichnen verwendet werden können. Von der Forftverwaltung des Cantons Graubünden war das Vermeffungsoperat der Stadtwaldungen von Chur, aufgenommen und ausgearbeitet vom Geometer Gentfch in Frauenfeld, nebft der allgemeinen Befchreibung der Waldungen, wozu 2 Ueberfichtskarten, I Beftandeskarte und 8 Hefte Berechnungen und Detailzeichnungen gehörten, ausgeftellt. Ausgelegt waren ferner, und zwar von Seiten der Forftverwaltung des Cantons Aargau die Wirthschaftspläne mit Karten über die Staatswaldung bei Habsburg und die Gemeinde Safenwyl mit I Ueberfichtskarte, 3 Specialkarten und 2 Berechnungsheften. Das forftliche Einrichtungswerk war vom Kreisförfter J. Riniker angefertigt; die Karten hatte Rikenbach in Brugg gezeichnet; von der Forftverwaltung des Cantons Bern die Wirthfchaftspläne mit Karten, und zwar I Ueberfichtskarte und 13 Specialkarten über die Gemeindewaldungen Aarwangen und Alle, vom Förfter A. Kupferfchmid; von der Forftverwaltung des Cantons Zürich die Wirthschaftspläne mit Schlagcontrolen und Karten, und zwar 2 Ueberfichtskarten und 6 Specialkarten über die Gemeindewaldung Efchenberg und die Genoffenfchaftswaldung Bonftetten, von H. Spiller ausgefertigt. Unter den ausgelegten Operaten über Wirthfchaftseinrichtung und Ertragsermittlung, welche fämmtlich als fehr beachtenswerthe Leiftungen bezeichnet werden müffen, wollen wir namentlich den vom Kreisförfter J. Riniker angefertigten Wirthschaftsplan für die Staatswaldungen bei Habsburg und die Gemeindewaldung Safenwyl hervorheben. Als Einleitung ging der Darstellung aller einzelnen wirthschaftlichen Factoren eine gefchichtliche Skizze die in Rede ftehenden Forfte betreffend voraus. Eine ähnliche kurze hiftorifche Vorerinnerung fand fich auch in einem von der Forft- und Domänendirection zu Gmunden ausgelegten Taxations- Elaborat vor. - Wir können diefem Vorgange nur die vollfte Anerkennung zollen. Abgefehen davon, dass wir heute an jeden Forstwirth, der fich über das Niveau gewöhnlicher Fachbildung erheben will, die Anforderung ftellen, dafs ihm die Verhältniffe des ihm anvertrauten Verwaltungscomplexes in allen, fomit auch in ihren hiftorifchen Beziehungen ausreichend bekannt fein müffen, wird wohl Niemand die praktifche Berechtigung einer derartigen Forderung in Abrede ftellen können. Wir wollen diefsfalls nur die eine Frage einer Erwägung empfehlen, ob nicht bei den im Verlaufe der letzten 20 Jahre beinahe in allen deutfchen Ländern, namentlich aber in Oefterreich durchgeführten Servitutablöfungen und fogenannten Regulirungen an vielen Orten für den Wald und den Waldherrn viel zufagendere Refultate zu erzielen und von den Forften fo manche, ihre Pflege und ihr Gedeihen, ja geradezu ihr Fortbeſtehen in Frage ftellenden Uebelftände hintanzuhalten gewefen wären, wenn allerorts dem forftlichen Verwaltungsperfonale, als dem natürlichen Vertreter des Waldes und feiner bedrohten Intereffen, ein ausreichendes Vertrautfein mit der erften Entstehungsurfache der vorkommenden Servitute und der Gefchichte ihrer Erweiterung und allzu oft ihrer Ausartung zur Hand, und das diefsfällige urkundliche Material bekannt gewefen wäre. Der verdienftvolle Verfaffer des in Rede ftehenden Abfchätzungsoperates, beziehungsweife Wirthfchaftsplanes, möge uns geftatten, wenn wir hier bemerken, dafs der Tag der Ermordung des deutfchen Königs Albrecht I nicht in das Jahr 1309 fällt, fondern der 1. Mai 1308 war. Theile jener Forfte, auf welche fich das Einrichtungselaborat bezieht, gehörten einft zur Dotation des Klofters Königsfelden, welches Elifabeth, die Witwe des ermordeten Königs Albrecht, ftiftete und an der Stelle, wo diefer ftarb, erbauen liefs. Forftwirthfchaft. 63 Die Ertragsermittlung für die in Rede ftehenden Staatswaldungen bei Habsburg und die Gemeindewaldung Safenwyl wurde auf Grundlage der C. Heyer'fchen Methode durchgeführt; in der Ueberzahl von Fällen waren die forftlichen Wirthfchaftspläne jedoch auf Grundlage des combinirten Fachwerkes und in den Gemeinde- und Genoffenfchaftswaldungen mit vielen Mittel- und Niederwald- Beftänden unter Anwendung des Flächenfachwerkes realifirt. Nachdem der Canton Thurgau bisher ein Forftpolizeigefetz nicht befitzt, fo lieferte der aus diefem Canton ausgelegte, die Gemeindewaldung Tägerweilen betreffende Wirthfchaftsplan den Beweis, wie fehr es Landgemeinden, ohne dafs fie cantonale Gefetze oder Behörden dazu veranlaffen, in ihrem wohlverftandenen Intereffe gelegen erkennen, dafs die Nachhaltigkeit der Waldnutzungen gefichert, und die Behandlung ihres Forftbefitzes auf Grundlage eines rationellen Wirthfchaftsplanes geordnet werde. Zum Schluffe glauben wir hervorheben zu follen, dafs bei den zahlreichen Operaten über Wirthfchaftseinrichtung und Ertragsberechnung, welche die Ausftellung vorgeführt hatte, es mögen fich diefelben nun fchon auf Staatsforfte, auf Forfte grofser Fideicommifs- oder Majorats domänen, oder endlich auf Gemeindewaldungen bezogen haben, dem Gedanken Ausdruck gegeben war: die Ertragsermittlung eines Forftcomplexes habe fich auf einen wohlerwogenen Wirtſchaftsplan zu ftützen, d. h. die nachhaltige Nutzungsgröfse desfelben laffe fich mit Sicherheit nur aus dem Bewirthschaftungsgange desfelben ableiten. Wir haben im Eingange diefes Theiles unferer Erörterungen auf die Mannigfaltigkeit jener Momente hingedeutet, welche bei der Feftftellung der für den Wirthschaftsplan mafsgebenden Grundfätze von Einflufs fein können. Keine wie Aufser Zweifel dürfte ftehen, dafs der Ertrag eines jeden Fortftcomplexes für die nächfte Zeit, vorherrfchend von dem Umfange und dem Materialgehalte jener Holzbeftände abhängig ift, welche dermalen bereits zum Bezuge gebracht werden können, beziehungsweife für die Benutzung geeignet find. immer geartete Combination vermag diefe Beftände um einen Tag älter oder um eine Klafter ergiebiger zu machen, als wir fie eben vorfinden. Dagegen fällt den Junghölzern und Forftculturen hauptfächlich die Aufgabe zu, die Nachhaltigkeit der Nutzungen ficher zu ftellen. Die Entwickelung und das Gedeihen der Junghölzer und Nachwüchfe hängt unzweifelhaft von der Pflege und wirthschaftlichen Behandlung ab, welche man ihnen angedeihen läfst. Jede Verfäumnifs in diefer Beziehung hat Zuwachseinbufsen zur Folge, welche fich früher oder fpäter als ein Entgang oder Ausfall am Ertrag des Forftes geltend machen müffen. Wenn wir von dem Gedanken ausgehen, dafs eine der Aufgaben jeder forftlichen Ertragsberechnung darin liegt, die Waldnutzungen nicht nur in Bezug auf die Materialmenge, fondern auch rückfichtlich des Werthes derfelben thunlichft zu entwickeln und zu heben und die Nachhaltigkeit diefer Nutzungen ficher- zuftellen, dann kann fie einen alle einflufsnehmenden Momente forgfältig erwägenden Wirthschaftsplan gar nicht entbehren. Die Gröfse des Zuwachfes hat auf den Materialertrag eines Forftes den entfcheidendften Einflufs, da wir im Laufe der Zeit nicht mehr, als die Summe des Zuwachfes zur Nutzung bringen können. Wie oben dargeftellt worden ift, hat man es feinerzeit als einen wefentlichen Fortfchritt in der Ausbildung des Forft Taxationswefens betrachtet, als der Gedanke angeregt wurde, die Forftabfchätzung jedesmal mit einer Betriebsregulirung in Einklang zu bringen, um eben durch den für die letztere entworfenen und aufgeftellten Wirthfchaftsplan den Beweis zu liefern, dafs der ermittelte Ertrag mit der jeweiligen Ertragskraft und dem Ertragsvermögen des betreffenden Forftes in Uebereinftimmung ftehe, die Nachhaltigkeit der Nutzungen gefichert erfcheint und jene Mafsregeln vorgefehen werden, durch welche ftörende Einflüffe entfernt, und demnach das Einkommen thunlichft gehoben und entwickelt werde. 5 64 Johann Newald. Es kommt wohl nur zu bemerken, dafs dermalen nicht mehr die Abficht beftehen kann, einen forftlichen Wirthschaftsplan mit dem Gedanken zu entwerfen, er werde für die ganze, oft fehr lange Dauer der Umtriebszeit, oder für einen eine längere Reihe von Jahren umfaffenden Einrichtungszeitraum feine volle Brauchbarkeit und Geltung bewahren. Den periodifchen Revifionen, deren Wiederholung nach Bedürfnifs in bald längeren, bald kürzeren Zeiträumen angeordnet und durchgeführt werden kann, fällt die Aufgabe zu, den Wirthfchaftsplan unter Berücksichtigung der mittlerweile geänderten Verhältniffe abzuändern und auszubauen. Durch eine correcte Durchführung der periodifchen Revifionen wird dem Vorwurfe, der beftehende Wirthschaftsplan beenge die Entwicklung des Betriebes, jede Berechtigung entzogen. Der Gedanke, bei der forftlichen Ertragsberechnung von der Aufftellung eines den ganzen Betrieb umfaffenden Wirthschaftsplanes abzugehen, läfst fich fomit kaum als ein Ausbau des forftlichen Taxationswefens bezeichnen; wir würden das Eingehen in denfelben nur als einen Rückfchritt bedauern. Die in grofser Anzahl ausgeftellt gewefenen Operate über Wirthschaftseinrichtung und Ertragsermittlung der Forfte, deren Verfaffer fich unverkennbar der Bedeutung ihrer Aufgabe vollständig bewufst waren, lieferten ohne Ausnahme den Beweis, dafs man der Aufftellung und rationellen Gliederung eines Wirthschaftsplanes als Bafis für die Ertragsberechnung, den höchften Werth beilegt. Auch das Preisgericht war bei der Beurtheilung der forftlichen Ausftellungen unverkennbar mit den Anfchauungen der Ausfteller über diefe hochwichtige Frage in Uebereinstimmung, indem es überall dort, wo fich Forftfyftemifirungs- Operate in Collectivausftellungen vorfanden, diefelben einen hervorragenden Einfluss auf das Gefammturtheil nehmen liefs, anderfeits jedoch eine erhebliche Zahl derartiger Elaborate in wohlverdienter Weife mit Anerkennungen bedachte. Von mehreren jener Domänen und Forftadminiftrationen, welche gröfsere Operate über Wirthschaftseinrichtungen und Ertragsberechnungen ausgelegt hatten, war auch die für den eigentlichen Wirthschaftsbetrieb hochwichtige Waldarbeiter Frage in den Kreis der Erwägungen gezogen worden. In allen grofsen und zufammenhängenden Forften, deren Bewirthschaftung alljährlich erhebliche Arbeitskräfte zur rechtzeitigen Durchführung aller Manipulationsgefchäfte, als da find: Fällung und Vorrichtung des Materiales in den Schlägen, Bringung desfelben zu den Transportanftalten( Waldwege und Strafsen, Canäle, Bahnen, Schwemmbäche u. f. w.), Ausführung des Holztransportes mittelft Trift, Flöfserei, Fuhrwerk, Köhlereibetrieb, Herſtellung neuer und Erhaltung beftehender Strafsen und Wege und ihres Zugehörs an Brücken, Durchläffen, Geländern u. f. w., Neu- Ausführung und Reparaturen an Trift- und Flöfserei bauten, Uferverficherungen u. f. w. in Anfpruch nimmt, ift es ein Gegenftand von hoher Wichtigkeit, ein verlässliches, mit den mannigfaltigen Manipulationsgefchäften vertrautes Arbeitsperfonale rechtzeitig und in ausreichender Zahl zur Hand zu haben. Die Anfiedlung von Waldarbeitern in bald gröfseren, bald kleineren Colonien, an geeigneten Orten im Innern der grofsen Wald complexe follte diefem Bedürfniffe Rechnung tragen. Es fand dort feit langer Zeit jener Vor gang ftatt, welcher fich dermalen bei der Anlage und Entwicklung von Fabriken, Hüttenwerken u. f. w. durch die Herftellung von Arbeiterhäufern und Colonien vielfach als eine unabweisbare Nothwendigkeit herausftellt. Wenn es einerfeits dem Gedanken einer umfichtigen Wirthschaftspolitik entfpricht, das Intereffe der Waldarbeiter mit jenem der Waldherren thunlichft in Uebereinstimmung zu bringen und diefelben durch Ueberlaffung von Grundftücken zur Benutzung gegen mäfsige Pachtzinfe, Geftattung der Waldweide, Waldftreu und anderer Nutzungen, felbftverſtändlich unter Bedachtnahme auf Forstwirthfchaft. 65 die nothwendigen Vorfichtsmafsregeln, Beiträge bezüglich der Anlage von Schulen, der Einrichtung von Kranken- und Aushilfscaffen u. f. w. thunlichft zu unterſtützen, fo müfste es dennoch als ein grofser Fehler bezeichnet werden, wenn diefe Rückfichtnahme bis zur Genehmigung einer bücherlichen Erwerbung der von den Waldarbeitern benutzten Wohnhütten fammt Nebengebäuden, Grundftücken u. f. w. ausgedehnt werden wollte. Bei der Erwägung und Erörterung diefer Frage follte niemals überfehen werden, dafs die Herbeiziehung verlässlicher Waldarbeiter in entſprechender Anzahl der eigentliche Zweck derartiger Anfiedlungen und Colonien war, und es auch bleibt. Wie die Erfahrung an mehreren Orten zeigte, hatte die bücherliche Ueberlaffung der Wohnhütten und Grundftücke an die Waldarbeiter nur zu bald den Umftand zur Folge, dafs diefe kleinen Realitäten in den Befitz folcher Eigenthümer übergehen, die nicht mehr Waldarbeitèr find, deren Wirthfchaftsbetrieb jedoch für den Wald neue Beläftigungen herbeiführt. Wenn man irgend einen beftimmten Zweck beabsichtigt, darf man nicht Einrichtungen treffen, deren Entwicklung unvermeidlich die Vereitelung desfelben zur Folge hat. Am Schluffe unferer Unterfuchungen und Erwägungen über den die Waldbenutzung mit Einfchlufs der Wirthfchaftseinrichtung und Forft- Ertragsberechnung umfaffenden Haupttheil des forftlichen Wirthschaftsbetriebes angelangt, halten wir uns für berechtigt, mit grofser Befriedigung auf den hohen Entwicklungsgrad diefer forftlichen Disciplinen, namentlich in den Ländern Mitteleuropas hinzudeuten. Es iſt ein weiter Weg, welchen forftliche Wirthschaft und Wiffenfchaft zurückzulegen hatten, um zu dem dermaligen hervorragenden Stande zu gelangen. Wo es entſprechend erfchien, wurden in den vorliegenden Erörterungen gedrängte hiftorifche Ueberfichten eingefchaltet, deren Zweck namentlich dahin geht, jene Lefer, welche nicht zugleich Forftwirthe find, einen allgemeinen Ueberblick über die Beziehungen der einzelnen forftlichen Wirthfchaftszweige unter fich und zum wirthschaftlichen Leben ganzer Länder oder einzelner Gebiete gewinnen zu laffen. Welches der weitere Verlauf ihrer Ausbildung fein wird, wer könnte folches dermalen fchon beurtheilen? Einem Wunfche glauben wir jedoch Ausdruck geben zu follen, welcher dahin geht: es möge dem Walde feiner Schonung und Pflege, in den weiteften Kreifen die ihm gebührende Aufmerkſamkeit zugewendet werden.