OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. WEIN-, OBST- UND GEMÜSEBAU. ( Gruppe II, Section 4.) BERICHT VON H. GOETHE, Director der landwirthschaftlichen Schule in Marburg. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1873. THO OB21 D I sqquiD) VORWORT. Nach dem Programm der officiellen Berichterstattung über die Wiener Weltausstellung 1873 foll der officielle Bericht noch , während der Feier des internationalen Feftes abgefaist und aufgelegt werden". Diefe Beftimmung zu erfüllen, übergibt die gefertigte Redaction des officiellen Berichtes in der vorliegenden Form die einzelnen Sectionsberichte der Oeffentlichkeit und glaubt damit den Befuchern der Weltausftellung das Studium derfelben wefentlich zu erleichtern. Nur eine Bemerkung fei an diefer Stelle geftattet. Der vorliegende, wie jeder andere während der Weltausftellungs- Feier publicirte Bericht wird einen Theil des officiellen Berichtes bilden, welcher nach dem Schlufse der Weltausftellung als ein Ganzes erfcheinen und die wiffenfchaftlichen Refultate der Ausftellung für die Dauer erhalten foll. Diefs mag dem Lefer die ftiliftifche Form, in welcher bereits die Vergangenheit der Ausftellung angenommen ift, erklären. PROFESSOR DR. CARL TH. RICHTER, Chefredacteur des officiellen Berichtes. 1* OV WEIN-, OBST- UND GEMÜSEBAU. ( Gruppe II, Section 4.) Bericht von H. GOETHE, Director der landwirthschaftlichen Schule in Marburg. Auf dem Gebiete menfchlicher Thätigkeit gibt es keinen Stillstand. Unaufhörlich entwickelt fich der fortfchreitende geiftige Drang der Menfchheit, mehr oder weniger merklich, nach diefer oder jener Richtung hin mit befonderer Vorliebe fich wendend. Wenn irgend ein Gebiet auf diefen Ausfpruch Berechtigung hat, fo ift es gewifs die Landwirthfchaft, insbefondere in ihren intenfivften Zweigen, dem Obft-, Gemüfe- und Weinbau, welche man wegen ihrer grofsen Einträglichkeit immer als Zeichen befferer Culturverhältniffe und vollkommenfter Entwicklung der Landwirthschaft anfehen kann. Es ift Aufgabe diefes Berichtes, darzulegen, in welcher Weife diefe Culturzweige auf der Wiener Weltausstellung vertreten waren und welche Fortfchritte fich feit der letzten Parifer Weltausftellung im Jahre 1867 auf diefen Gebieten bemerkbar gemacht haben. Bei Erfüllung diefer Aufgabe ift es möglich, ein überfichtliches, zufammenhängendes Bild des Obft-, Gemüſe- und Weinbaues auf der Weltausftellung zu geben und alle diejenigen Gegenftände mit einzuflechten, welche mit diefen Culturzweigen in naher Beziehung ftehen, fo dafs man hoffen kann, auf diefe Weife eine Lücke auszufüllen, welche bei der getrennten Aufftellung der einzelnen Gruppen und der jedenfalls berechtigten Gruppirung der Ausftellungsobjecte nach Nationalitäten entſtehen mufste. Der Ueberfichtlichkeit wegen wird das ganze Material diefes Berichtes in folgenden Abfchnitten behandelt werden: a) die Producte des Weinbaues, b) die Producte des Obftbaues, c) die Producte des Gemüſebaues, d) die Obftbau-, Weinbau- und Kellereigeräthe, e) die Obft- und Weinbau- Lehranstalten mit ihren Lehrmitteln, die chemifch- phyfiologifchen Verfuchsftationen für Obft- und Weinbau. a) Die Producte des Weinbaues. Beim öftlichen Eingang zum Pavillon des k. k. öfterreichifchen Ackerbau Minifteriums begrüfsten wir mit einer gewiffen Ehrfurcht eine Collection alter und uralter Stämme von Reben aus verfchiedenen Weinländern, unter denen die auf 150 und 200 Jahre gefchätzten Exemplare aus Lipida( Venetien), fowie ins 2 H. Goethe. befondere der auf 250 Jahre angegebene Stamm aus Montona( Iftrien), welcher ftellenweife einen Durchmeffer von 15 bis 20 Centimeter haben dürfte, und ein 120 Jahre alter, 28 Zoll im Umfang meffender Refosco- Rebftamm vom Karft im Küftenland unfere befondere Aufmerkfamkeit in Anfpruch nahmen, während die meiften anderen Stämme ein Alter von 70 und 80 Jahren repräfentirten, und mit 8 bis 10 Meter langem, jungem Holz als Zeugen einer enormen Triebkraft umwunden waren. Diefe Sammlung wurde von der niederösterreichifchen Landes- Obft- und Weinbau- Schule veranſtaltet und ausgeftellt. Als ein weiteres Product des Rebenbaues ift eine weinbergartige Anpflanzung von Weinftöcken zu verzeichnen, welche D. Ambard aus Lorry devant les Ponts( Lothringen) zur Veranfchaulichung der dortigen verfchiedenen landesüblichen Syfteme bei der Rebenerziehung ausgeftellt hat. Sie beftanden theils im kurzen, theils im langen Zapfenfchnitt, fowie im Bogenfchnitt und Winkelzug- Schnitt mit alljährlich zu erneuernden oder auf kurze Zapfen zu fchneidenden Bogen, an Drahtrahmen oder an Stecken. Obgleich fie nichts Neues darboten, fo wären doch derartige natürliche Darstellungen intereffanter Erziehungsarten der Reben aus anderen Ländern, insbefondere durch Weinbau- Lehranstalten gewifs erwünſcht und inftructiv gewefen. Ein Product der neuen Rebenzucht, die Korbreben, welche ein immer mehr gefuchter Artikel zu werden verfprechen, vermifste man gänzlich, obgleich diefelben ganz befonders geeignet gewefen wären, verfchiedene Sorten und Erziehungsarten der Reben mit Blätterfchmuck und Trauben darzuftellen. Diefe, fowie die eigentlichen Producte der Rebenfchulen find allerdings mehr der vom 1. bis 15. October ftattfindenden temporären Ausftellung zugewiefen worden. Das Hauptproduct des Weinbaues, der Wein, war auf der Ausstellung in ganz hervorragender Weife aus allen weinbautreibenden Ländern vertreten. Man erkennt daraus die ungeheure Wichtigkeit diefes Productionszweiges und kann wohl mit Sicherheit annehmen, dafs feine Bedeutung als Handelsartikel in den letzten Jahren in Folge der erleichterten und vermehrten Communicationswege eine ganz bedeutende Ausdehnung angenommen hat. Es kann in diefem Berichte nicht erwartet werden, dafs dem Wein, welcher nach der allgemeinen Eintheilung der Gruppe IV, Section 3, als Genufsmittel zugewiefen wurde, hier eine befondere Aufmerkſamkeit gewidmet werde, obgleich er ja eigentlich von dem Weinbau füglich nicht getrennt werden kann. Es kann auch hier nicht eine vollſtändige Aufzählung aller ausgeftellten Weine, welche im officiellen Ausftellungskataloge zu finden find, oder ein Urtheil über die ausgeftellten Weine, welches nur der hiefür berufenen Jury zuftand und aus der Preisvertheilung erfichtlich ift, an dem Platze fein, wefshalb es wohl genügen dürfte, vom fachmännifchen Standpunkte aus einige Bemerkungen über diefe Weinausftellung im Allgemeinen hinzuzufügen. Die Ausftellung der mit wäfferigen Flüffigkeiten gefüllten Flafchen, an welchen fich die oft prahlerifchen und mit allem erdenklichen Luxus ausgeftellten Etiquetten der betreffenden Firmen befanden, auf den mehr oder weniger gefchmackvollen Pyramiden, Pavillons, Stellagen etc. dienten jedenfalls nur dazu, dem Befchauer diefe oder jene Firma befonders auffallend erfcheinen zu laffen, damit ein Theil des leichtgläubigen Publicums aus dem gröfseren oder geringeren Glanze der ausgeftellten Flafchen auf die beffere oder geringere Qualität der Weine ſchliefsen möchte. Der Luxus, welcher in diefer Richtung auf der Wiener Weltausftellung entfaltet worden ift, überfteigt alle bisherigen Leiftungen und verurfachte den Ausftellern oft einen ganz bedeutenden Aufwand, welcher mit dem dadurch zu erreichenden Gewinn wohl felten in einem entfprechenden Verhältniffe ftehen dürfte. Hätte man einen Theil diefer bedeutenden Summen dazu verwendet, auf Grund einer vorhergegangenen wiffenfchaftlichen Unterfuchung die Weine ihrer Befchaffenheit nach genau zu prüfen und auf natürliche Weife zu gruppiren und einzelne Gruppen durch kundige Männer in Ruhe und mit den entſprechenden Wein-, Obft- und Gemüfebau. 3 80 Zeitunterbrechungen prüfen zu laffen, fo würde ein folches Urtheil, wenn es günftig ausfiel, wohl die werthvollfte und befte Reclame für den betreffenden Weinproducenten oder Weinhändler gewefen fein, welche allen weiteren glanzvollen Luxus überflüffig gemacht hätte. Manchen grofsen Nutzen gewährte indeffen die Ausftellung der Weine doch, indem man auf diefe Weife directe Kenntnifs vom dem Umfange der Production der einzelnen Länder, fowie ihrer hervorragendften Firmen und directe Einficht in die Preife der Weine am Ort ihrer Production nehmen konnte, fo dafs fich in diefer Hinficht vielerlei Gefchäftsverbindungen anknüpfen laffen, welche man fonft nur mit Schwierigkeiten erreicht hätte. Dem Umfange der jährlichen Weinproduction entſprechend, war auch fo ziemlich die Betheiligung der Weinländer an der Ausftellung, obwohl das der Ausstellung zunächft liegende Weinland, Oefterreich- Ungarn, in Folge diefes natürlichen Vorzugs durch die zahlreichften Collectionen vertreten war, feiner Production nach aber erft zu dem zweitgröfsten Weinland gerechnet werden darf. Die Reihenfolge in Bezug auf die Reichhaltigkeit der eingefendeten Weine dürfte demnach folgende fein: 1. Oefterreich- Ungarn, 2. Frankreich, 3. Spanien, 4. Italien, 5. Deutfchland, 6. Portugal, 7. Donaufürftenthümer und Griechenland, 8. Schweiz.Die Reihenfolge innerhalb der durch die öfterreichiſch- ungarifche Monarchie vertretenen Länder: 1. Ungarn, 2. Niederöfterreich, 3. Steiermark, 4. Dalmatien, 5. Tirol, 6. Iftrien und Görz, 7. Krain, 8. Mähren etc. Eine befondere Art der Producte des Weinbaues bilden die getrockneten Trauben( Weinbeeren), welche aus den füdlichen Ländern als Rofinen, Cubeben, Korinthen und Sultaninen im Handel zu uns kommen. Perfien, Italien und die Türkei hatten darin am meiften geleiftet, während auch aus Portugal, Tunis und Spanien intereffante derartige Zufendungen vorhanden waren. Die Nebenproducte des Weinbaues liegen diefem Bericht zu ferne und wurden der Gruppe IV eingereiht. b) Die Producte des Obftbaues. An den Böfchungen des unter dem Namen Heuftadl- Waffer bekannten Donau armes und später in Folge des hohen Wafferftandes an der öftlichen Seite der türkifchen Gebäulichkeiten in Zone I des officiellen Ausftellungsplanes waren, in Beeten gruppirt, die Producte der Obftbaum- Schulen ausgeftellt. Jeder Fachmann wird bei allgemeiner Betrachtung diefes Ausftellungstheiles die Bemerkung nicht unterdrücken können, dafs eine derartige Vertretung von Baumfchul- Producten auf einer Weltausftellung nur ärmlich genannt werden mufs, da viele der bedeutendften Baumfchul- Etabliffements des In- und Auslandes nichts geliefert hatten. Diefe Aermlichkeit wird noch mehr hervortreten, wenn man die Ausftellung gleicher Baumfchul- Producte auf der Parifer Weltausftellung fich in Erinnerung bringt. Wollte man ein Urtheil bilden nach dem, was in Wien ausgeftellt war, fo müfste man im Vergleich mit der letzten Weltausftellung eher einen Rückfchritt conftatiren, welcher doch in Wirklichkeit keineswegs ftattgefunden hat. Uebrigens dürften die Producte der Baumfchulen auf der circa 1. bis 15. October ftattfindenden temporären Ausftellung eine reichhaltigere Vertretung finden und es wird dem Berichterstatter über die temporären Ausftellungen obliegen, darauf Bedacht zu nehmen. Oefterreich- Ungarn nun hatte allerdings geliefert, was es überhaupt liefern kann. Allein die Betheiligung vieler andern Länder, deren Baumfchul- Producte bereits einen Weltruf erlangt haben, war eine fpärliche oder fand gar nicht ftatt. Unter den öfterreichiſch- ungarifchen Baumfchul- Producten verdienen ins befondere die zahlreichen, fchön gruppirten und cultivirten, zum Theil mit Früchten 4 H. Goethe. gezierten, hochftämmigen und Formenbäume aller Obftarten Seiner Durchlaucht des Fürften Schwarzenberg zu Lobofitz vor deffen fchönem Pavillon( officieller Plan Zone III, 16) und die hochftämmigen Obftbäume der niederöfterreichifchen Landes- Obft- und Weinbau- Schule in Klofterneuburg, welche fich in der letzten Abtheilung der von diefer Anftalt dargestellten Gemeinde- Baumfchule in Schlägen mit regelmässigem Turnus befanden, ganz befonderer Erwähnung. Die Fürft Schwarzenberg'fche Collection zeichnete fich aufserdem durch eine vorzügliche Sammlung von Topf- Obftbäumchen in Holzkübeln aus, welche gröfstentheils mit Früchten verfehen waren und durch ihr kräftiges, gefundes Ausfehen eine gute Behandlung verriethen. Das fchönfte und reichhaltigfte Sortiment gut cultivirter älterer Spalierund Formenbäume aus Oefterreich hatte die Firma A. C. Rofenthal in Wien ausgeftellt, während als die fchönfte und am forgfältigften gezogene derartige Einfendung die des Herrn Durand, Baumfchul- Befitzer in Bourg la reine, bei Paris, genannt werden mufs. Diefes letztere Gefchäft hat fich auf diefe Weife wieder feinen Weltruf als eine der gröfsten und beften Baumfchulen Frankreichs bewahrt. asile Weitere Obftbäume hatten geliefert aus Oefterreich- Ungarn: Das gräflich Franz Zichy'fche pomologifche Etabliffement zu Födemes in Ungarn( Obergärtner Richon); die gräflich Emerich und Dyonis Széchényi'fchen Baumfchulen zu Korpács in Ungarn( Obergärtner P. J. Schilhan); Alois Hengel jun., Handelsgärtner aus Wien; das landwirthfchaftliche Inftitut Keszthely in Ungarn, und Dr. Lekifch aus Zam in Siebenbürgen; Graf Guido Karacfonyi de Beodra aus Buda- Peft und J. W. Jelinek aus Czimelitz in Böhmen, hatten nur junge Obftbäumchen ausgeftellt. Sehr fchöne hochftämmige, auf Ribes aureum veredelte Johannis- und Stachelbeer- Bäumchen waren von der Ackerbau- Schule Schönberg in Mähren geliefert worden. Sie hatten um fo mehr Bedeutung, weil man in neuerer Zeit diefer Erziehungsart der Stachel- und Johannisbeeren ganz befondere Sorgfalt und Aufmerkfamkeit widmet. Die vom gräflich Zierontin'fchen Garten zu Blaada in Mähren( Obergärtner R. Pohl) ausgeftellten hochftämmigen Stachelund Johannisbeeren waren noch zu jung und hatten zu fchwache Kronen. Die deutfchen Baumfchul- Producte waren vertreten durch eine gute Sammlung von Hochftämmen, Halb- Hochftämmen und Zwergbäumen von F. G. C. Jürgens, Baumfchul- Befitzer aus Nienftätten bei Hamburg; durch die meiſtens in die Krone oculirte Kirfch- Hochftämme enthaltende Sammlung von J. Butterbrodt, Baumfchul- Befitzer in Wildesheim, und durch eine Collection von Spalier- und Formenbäumen, welche der Baumfchul- Befitzer Martin Müller aus Strafsburg vor dem elfäffifchen Bauernhaus( officieller Plan Zone III, 40) ausgeftellt hatte. Aus Holland waren ausgeftellt die Obftbäume verfchiedener Formen vom pomologifchen Verein in Boscoop und die Sammlung von C. W. Boes in Boscoop. Die bekannten Pomologen Baltet frères, Baumfchul- Befitzer in Troyes, Frankreich, hatten hochftämmige Obftbäume in der von den Franzofen geliebten Keffelform und gut gezogene Pyramiden, Cordons und andere Formenbäume zur Ausftellung geliefert. Alle diefe ausgeftellten Obftbäume mufsten auf den Kenner den Eindruck machen, dafs ein befonderer Fortfchritt auf diefem Gebiete hier nicht anfchaulich gemacht war und wenn mit den ausgeftellten Obftbäumen des vorerwähnten J. W. Jelinek aus Czimelitz in Böhmen, eine Brochure gleichzeitig zur Ausftellung gefendet wurde, welche unter dem Titel„ Die Reform des Obftbaues und das Geheimnifs der neuen Obftbaum- Veredlung" darlegen foll, dafs diefer Ausfteller etwas ganz Neues entdeckt hat, was auf den Ausdruck ,, Reform" und" Geheimnifs" Anfpruch macht, fo wird jeder wirkliche Fachmann beim Durchlefen diefes Schriftchens fich geftehen müffen, dafs dasfelbe, abgefehen von manchen Irrthümern und Fehlern in pflanzenphyfiologifcher Beziehung, nichts weiter enthält, als das fchon vor circa 50 Jahren von Chrift. Dietrich und anderen Pomologen Wein-, Obft- und Gemüſebau. 5 befchriebene und angewendete alte Verfahren des Anfchäftens oder Anplattens, wodurch heutigen Tags faft in jeder befferen Baumfchule bereits viele Taufende von jungen Obftbäumen herangezogen werden. Für den Laien mag der Verfaffer manches Neue bieten, für den Fachmann enthält diefe Brochure nur ein altes, neu aufgewärmtes und umftändlich ausgeführtes Verfahren, welchem durch die Art und Weife der Veröffentlichung noch das Gepräge des„ Schwindels" aufgedrückt worden ift. Das eigentliche Product des Obftbaues, das O bftim frifchen Zustande, ift den temporären Ausftellungen des Gartenbaues zugewiefen worden. Die erſte diefer Ausftellungen fand vom 1. bis 15. Mai ftatt und ift das Referat darüber durch Herrn Regierungsrath Dr. Fenzl vertreten. Dabei zeichneten fich insbefondere die gut überwinterte, reichhaltige Collectivausftellung des fteiermärkifchen Gartenbau- Vereines, die fehr anerkennungswerthe Obftcollection des Kremsmünfterer Stiftgärtners Jofef Runkel( 72 Aepfel und 7 Birnforten enthaltend), die mit der Verdienftmedaille ausgezeichnete, gut confervirte, reichhaltige Obftausftellung der Ackerbau- Gefellfchaft zu Trient( vertreten durch den Gefellſchaftspomologen Chr. Frank) und die Kernobft- Sammlung der königlich württembergifchen Centralftelle für die Landwirthschaft in Stuttgart, vortheilhaft aus. Der Zeitpunkt für die zweite temporäre Gartenbau- Ausftellung vom 15. bis 25. Juni war etwas unglücklich gewählt, wefshalb auch die Betheiligung und der Erfolg als ungenügend bezeichnet werden mufs. Die bedeutendften Leiftungen diefer Ausftellung waren folgende: Ein reichhaltiges Sortiment Orangenfrüchte von Profeffor Orphanides in Athen. Eine fehr fchöne Sammlung grofser Citronenfrüchte vom Gardafee. Ein Sortiment von circa 20 Sorten gut cultivirter Stachelbeeren in Töpfen und einigen Aepfel- Zwergbäumen in Töpfen vom Obergärtner Kiena ft in St. Florian, eine Anzahl blühender Pflanzen der grofsfrüchtigen, amerikanifchen Preifselbeere vom Hofgärtner Maurer in Jena und ein Sortiment Erdbeeren in 36 älteren, guten Sorten in Töpfen, gut cultivirt von Rudolf Abel in Hietzing bei Wien. Die übrigen vorhandenen Kirfchen und Erdbeeren waren von geringem Werth. Die dritte temporäre Gartenbau- Ausftellung vom 20. bis 30. Auguft, fowie die vierte vom 18. bis 23. September, werden hoffentlich reicher ausfallen, fo dafs über diefelben ein ausführlicher Nachtragsbericht von dem oben erwähnten Referenten geliefert werden kann. Das Schalen obft war zumeift mit dem getrockneten oder Dörrob ft gemeinfchaftlich ausgeftellt. In beiden Obftproducten zeichneten fich insbefondere die füdlichen Länder aus, in welchen diefe Waare vielfach einen ſtehenden Handelsartikel bildet. Italien war in diefer Richtung fehr reichlich vertreten und hatte fehr fchöne, reichhaltige Sammlungen von Mandeln, Kaftanien, getrockneten Feigen und Pflaumen geliefert, welche von Introna, Zonna& Comp. aus Bari, Donati Liborio aus Cafarano und den Ausftellungs- Commiffionen zu Caferta, Foggia und Rovella ( fiehe officieller Katalog pag. 177) ausgeftellt waren. Die Türkei war ebenfalls durch Mandeln, Nüffe, Oliven und getrocknete Feigen, Pflaumen, Maulbeeren, Kirfchen, Marillen und Birnen vertreten, welche Ahmed, Sali und Andere aus dem Bezirk von Adrianopel, Theophani, Nikolaki und Andere aus dem Bezirk Kirit, Ifak und Ali aus dem Bezirk Iles ( fiehe officiellen Katalog pag. 650 und 652) eingefendet hatten. Auch von Seite der türkifchen Regierung waren fehr werthvolle derartige Sammlungen der Obftbau- und Handelsproducte ausgeftellt, welche zu der Annahme berechtigen, dafs der Handel mit folcher Waare für die Türkei von ganz befonderer Bedeutung ift. Die königlich perfifche Regierung, fowie die Firma Ziegler & Comp. in Tabris hatten in richtiger Würdigung ihrer Intereffen fehr fchöne 6 H. Goethe. Collectionen von Datteln, Nüffen, Mandeln, Feigen etc. für die Weltausftellung gefendet( fiehe officiellen Katalog pag. 755). Portugal und Spanien waren theils durch Collectivausftellungen, theils durch einzelne Ausfteller mit Nüffen, Mandeln, Kaftanien, Orangen, Piniolen, Oliven und getrockneten Feigen, Pflaumen und Kernobft vertreten, während Ritter Morpurgo v. Nilma aus Trieft vorzügliche Datteln, harte und weiche Mandeln, Piftazien und getrocknete Feigen als Landesproducte von Tunis geliefert hatte. Die indifchen getrockneten Früchte können nur als Repräfentanten von obftartigen Producten heifser Zonen gelten. Rufsland und die Schweiz hatten nur unbedeutende Obftproducte geliefert. Aus Deutfchland kann man befonders hervorheben das getrocknete Kern-, Stein- und Schalenobft der königlich württembergifchen Centralftelle, aus den einzelnen Kreifen des Landes, beftehend in Kirfchen, Zwetfchken, Wallnüffen, Hafelnüffen, Kaftanien, Birnen, Aepfeln und getrockneten Heidelbeeren, letztere aus dem Bezirke Calv, ferner das fehr fchöne Dörrobft von Max Touchon aus Hohenau( Heffen), was um fo werthvoller war, weil ganz beftimmte Sorten dadurch vertreten waren, als: Birnen: der grofse Katzenkopf; Aepfel: Breda, Reinette und der Borstorfer; grüne Reineclauden, Mirabellen, fchwarze Knorpelkirfchen u. a. m. Ausserdem verdienen die getrockneten Obftfrüchte des Eduard Seidl aus Grünberg( Schlefien) noch befondere Erwähnung. Unter den öfterreichiſchen Obftproducten kann man hervorheben das Dörrobft, welches fich in den Collectivausftellungen der Landwirthschafts- Gefellſchaften von Steiermark, Galizien, Görz und des landwirthfchaftlichen Bezirksvereines Mährifch- Schönberg befand; ferner noch die Firma Leopold Sandpichler in Görz und Ignaz Klepfch Söhne aus Auffig a. d. Elbe, Letzterer als einziger Vertreter des durch Handel mit Backobft fo bekannten Kronlandes Böhmen, wobei die fchönen getrockneten und gefchälten weifsen Herbft- Butterbirnen und fogenannten Alexanderbirnen fich befonders auszeichneten. Die mit Zucker eingefottenen oder auf eine andere Art als durch Trocknen confervirten Früchte gehören als Erzeugniffe einer befonderen Induftrie nicht hierher. Defsgleichen die verfchiedenen aus Obft fabricirten Mus- und Gefälzarten, welche übrigens nur fehr fchwach vertreten waren. Die Obftweine und Obftliqueure fanden fich zumeift unter den ausgeftellten Weinen und Branntweinen, und haben durch Beurtheilung der Jury in der Lifte über die Preisvertheilung befondere Erwähnung gefunden. c) Producte des Gemüſebaues. In den landwirthschaftlichen Collectivausftellungen nehmen die Producte des Gemüſebaues immer eine untergeordnete Stelle ein, was wohl darin begründet fein dürfte, dafs der Werth des Gemüſebaues, insbefondere des Handels- oder Feld- Gemüfebaues nur in einigen wenigen hochcultivirten Gegenden genügend gewürdigt wird. Diesen Eindruck wird auch auf den Kenner die Vertretung des Gemüſebaues auf der Wiener Weltausftellung gemacht haben. Einen Theil der Gemüfeproducte, die Gemüfefämereien, fanden wir überall zerftreut in den landwirthschaftlichen Samenfammlungen und Collectionen von Landesproducten. Die türkifchen Einfendungen zeichneten fich in diefer Richtung ganz befonders aus, fie enthielten vorzügliche Zwiebel-, Gurken-, Melonen-, Rettig, Erbfen-, Spinat-, Bohnen-, und Gewürzkräuter- Samen, welche in den dortigen klimatifchen Verhältniffen jedenfalls ihre vollkommenfte Reife und Güte erlangten. Ebenfo traf man in den Collectivausftellungen der deutfchen und öfterreichifchen Lehranstalten und Vereine unter den landwirthfchaftlichen Producten auch die gangbarften Gemüſefämereien als einen Beweis der dortigen Gemüfeculturen. Wein-, Obft- und Gemüfebau. 7 Die reichhaltigfte und vorzüglichfte Sammlung von Melonenfamen in fyfte. matifcher Gruppirung und mehreren Hundert Sorten, nebft Durchfchnittszeichnungen und zahlreichen, fehr fchön in Oelfarben ausgeführten Abbildungen der Früchte hat François Girókuti von Buda- Peft ausgeftellt, welcher Züchter diefe Cultur als Specialität mit ganz befonderer Vorliebe betreiben mufs. Die ganze Sammlung kann wohl als die befte, fchönfte und reichhaltigfte gelten, welche überhaupt exiftiren dürfte. Andere Melonen waren von China ausgeftellt. Der berühmte, ausgedehnte Gurkenbau von Znaim in Mähren war durch fchöne Gurkenfamen und eingelegte grüne Gurken vom Jahre 1871 und 1872- ein dortiger bekannter Handelsartikelvon der Firma Bradatfch in Znaim veranfchaulicht worden. Kappern, die Blüthenknospen des bekannten Gewürzftrauches Capparis spinosa, hat die Ausstellungscommiffion zu Foggia( Italien) in grofser Vollkommenheit eingefendet. Als Ausnahme kann ferner die neue baumartige Erbfenart, Embrevade, gelten, welche in der neueften Zeit aus Indien eingeführt und in Egypten acclimatifirt wurde. Algier, bekannt durch feinen Handel mit frühen Gemüfen, hat insbefondere fchöne Hülfenfrüchte, als: Erbfen, Bohnen, Küchenerbfen und Rettige ausgeftellt. Die meiſten grünen Gemüſe producte wird man auf den temporären Gartenbau- Ausstellungen gefunden haben. Die erfte und zweite diefer Ausftellungen war mit einer reichen Gemüſefammlung des Münchener bürgerlichen Gärtnervereines, mit den getriebenen Gemüſeforten des Kunftgärtners E. Junge aus Nikolausdorf in Preufsifch- Schlefien, fowie mit einem Sortiment reifer, gut cultivirter Melonen aus Korpace in Ungarn befchickt worden. Die folgenden temporären Gartenbau- Ausftellungen werden jedenfalls eine ftärkere Vertretung des Gemüfebaues aufzuweifen haben, weil der Herbft die Hauptzeit für die Ernte der Gemüfeproducte überhaupt ift. Eine befondere Art der Gemüfeproducte find die getrockneten oder geprefsten Gemüfe, welche von den Firmen D. H. Carftens und Neffelträger& Comp. in Lübeck ausgeftellt worden find. Obwohl diefe Verwerthungsart der Gemüfeproducte in den letzten Jahren keine befonders grofse Ausdehnung angenommen hat, fo kann man doch aus dem Umftande, dafs fie hauptfächlich in den Seeftädten gangbar ift, auf eine zweckmässige Verwendung und Brauchbarkeit zur Verproviantirung der Schiffe auf den Seereifen fchliefsen. d) Die Obftbau-, Weinbau- und Kellereigeräthe. Die auf der Ausftellung vertretenen Syfteme von Preffen bieten nicht viel Neues, da die in der letzten Zeit am meiften gefuchten und beliebten Kniehebel Preffen, welche auf der Parifer Weltausstellung fo zahlreich zu finden gewefen find, nur fpärlich in franzöfifchen Einfendungen vorhanden waren. Als bedeutendfte Firma für Kniehebel Preffen verfchiedener Syfteme für Trauben- und Obftwein mufs Samain& Comp. in Blois( Loir et Cher) genannt werden, welche die bereits bekannte, mit Sicherheitsvorrichtung und Angabe des Maximaldruckes verfehene Conftruction ausgeftellt hat, wobei die Bewegung der Schraube durch einen langen Hebel ausgeführt wird. Ausserdem findet man in diefer Collection noch ein anderes, weniger bekanntes Syftem, nach welchem eine Schraube feitlich auf die knieartig eingefetzten Arme und fomit auf den zufammendrückenden Deckel wirkt. Nach den Angaben des Preiscourants diefer Firma kann man fchliefsen, dafs das erftere Syftem mit den neueften Verbefferungen wohl immer noch das beffere und am meiften bewährte fein dürfte. Diefe Preffen haben mit allem Zubehör und hölzernem oder eifernem PrefsTrottbrett( Biet) je nach dem Durchmeffer der Schraube von 40-90 Millimeter 80 H. Goethe. einen Preis von 300-800 Francs. Die zweite franzöfifche Firma E. Mabille frères in Amboife( Indre et Loire) hat nur Preffen nach verbeffertem rheinifchen oder Leroi'fchen Syfteme ausgeftellt, erftere mit continuirlichem Druck, über deren fpeciellen Werth erft genaue Verfuche entfcheiden können. Von den öfterreichifchen bekannten Firmen S. Marth in Wien, Dengg & Comp. in Wien, K. Heinrich& Sohn in Döbling bei Wien find ebenfalls Weinpreffen nach rheinifcher Art oder Leroi'fchem Syfteme in recht brauchbaren guten Exemplaren zu mäfsigen Preifen geliefert worden. Die hauptfächlich für Fabrication von Kniehebel- Preffen bekannte Firma Heinrich Marth in Wien, Wieden( Maierhofgaffe), hatte nichts ausgeftellt. Die aus der Schweiz und Ungarn ausgeftellten Wein- und Obftpreffen find im Vergleich zu den vorgenannten Preffen meiftens zu maffiv, fchwerfällig und complicirt conftruirt, fo dafs man unter ihnen keine befonders erwähnenswerthen Verbefferungen bemerken wird. Trauben- und Obft- Mahlmühlen fand man ausgeftellt von J. Hlubek in Pettau( Steiermark), K. Heinrich& Sohn in Wien und von den Schweizer Firmen Wegmann& Comp. in Baden und Hanhart- Merk in Steckborn. Die erfteren Fabricate repräfentiren die bekannten und wegen ihrer leichten Bewegung allgemein gefchätzten fteierifchen Trauben- Quetfchmafchinen mit hölzernen ftellbaren Walzen, welche nur für Trauben fich eignen, während die Schweizer Fabricate maffiver conftruirt und zum Mahlen des Obftes eingerichtet find. Weinpumpen der verfchiedenften Conftruction en waren in grofser Anzahl vorhanden und von den meiften der obgenannten Firmen ausgeftellt. Die rotirenden Pumpen, jedenfalls die allgemein gebräuchlichften und für ftarken Gebrauch die empfehlenswertheften, unterfcheiden fich bei den einzelnen Fabrikanten nur durch einzelne unwefentliche Abänderungen, fo dafs etwas wirklich Neues darunter nicht bemerkbar ift. Die von Valentin Neuk omm's Söhne in Werfchetz( Ungarn) ausgeftellte transportable Weinpumpe, welche zugleich als Garten- und Feuerfpritze verwendbar ift, fcheint recht praktifch zu fein. Unter den Hebel- Weinpumpen mufs die von Ant. Oftheimer& Comp. in Werfchetz( Ungarn) ausgeftellte, wegen ihrer einfachen Conftruction, dem äufserft billigen Preife( 25-28 Gulden) und der verhältnifsmäfsig grofsen Leiftungsfähigkeit ( 80-90 Eimer in der Stunde) genannt werden. Diefe einfache Mafchine dürfte für kleinere Kellereien jedenfalls empfehlenswerth erfcheinen. Unter den Filtrirapparaten mufs ganz befonders Vollmar's patentirter Filtrirapparat, nach Taylor'fchem Syfteme, genannt werden, welcher in feiner Conftruction ganz und gar von allen anderen Filtrirapparaten abweicht und als eine wefentliche Verbefferung der früheren umftändlichen und fehr theuren Conftructionen angefehen werden kann. Er befteht aus einem konifchen Trichter oder Kaften von Holz, Eifen oder Kupferblech mit einer Anzahl von 6 bis 40 Filtern ( je nach der Gröfse des Apparates), welcher in ein querliegendes Rohr ausmündet. In dem Kaften befinden fich Rahmen von Holz oder verzinntem Eifen, welche mit Säcken von dichter Leinwand überzogen find; fie haben die Form des Trichters und enden in Spitzen, welche, mit Kautfchuk überzogen, in Oeffnungen der querlaufenden Röhren gefteckt werden. Diefe Filtrirapparate werden von der Firma F. A. Vollmar's Sohn in Bingen am Rhein in verfchiedenen Gröfsen, mit einer Leiftungsfähigkeit von 15 bis 700 Liter per Stück und einem Preife von 35 bis 500 Francs conftruirt, und haben fich durch die damit an der fteierifchen Obft- und Weinbau- Schule bei Marburg vorgenommenen Verfuche vollſtändig bewährt. Weinerwärmungs- Apparate waren nur ausgeftellt von Valentin Neuk omm's Söhne in Werfchetz( Ungarn). Der Apparat ift transportabel, erwärmt 60 Eimer per Tag und koftet 230 fl. ö. W. Derfelbe ift dem von Fiala in Döbling bei Wien conftruirten Apparate fehr ähnlich und dürfte im Vergleich zu den von E. Terrel des Chêres in Chênes, Villié- Morgan( Rhône) ausgeftellten Wein Wein, Obft- und Gemüſebau. 9 erwärmungs- oder Pafteurifirapparaten, keinen Vorzug vor letzteren verdienen. Diefe letzteren Fabricate find fehr folid von Kupfer gefertigt, in verfchiedenen Gröfsen und haben nur den einzigen Fehler des zu hohen Preifes, da fie wegen grofser Leiftungsfähigkeit und verhältnifsmäfsig geringen Feuerungsmaterial- Verbrauches bis jetzt immer noch zu den empfehlenswertheften gerechnet werden müffen. Auch von Emil Brescius( Firma Brescius& Munping in Rödelheim bei Frankfurt am Main) war ein Wein- Erwärmungsapparat aufgeftellt worden, welcher dem oben erwähnten Fiala'fchen fehr ähnlich war. Am zahlreichften waren unter den Kellereigeräthfchaften die Verkorkungs-, Flafchenfüll- und Flafchenreinigungs- Apparate vertreten. Als befonders hervorragende Firmen folcher Geräthe verdienen genannt zu werden J. A. Galetti& Comp. in Offenbach am Main, welche Verkorkungsmaschinen mit oder ohne Nadeln, mit Holz- oder Eifengeftell, für eine oder mehrere Flafchen, mit Tretvorrichtung oder Radbewegung anfertigen; Gebrüder Münzer in Oppenheim( Heffen), Verkorkungsmaschinen mit hölzernem Schemel, zum Schlagen und mit Druckkraft, wie fie in den franzöfifchen und rheinifchen Champagnerfabriken gebräuchlich find. Andr. Fiedler in Wien, Verkorkungsmafchinen, bei welchen durch Hebelkraft gleichzeitig die Flafche nach oben und der Kork nach unten in die Flafche gedrückt wird. Farrow& Jackfon in London, Verkorkungsmaschinen für eine bis drei Flafchen, Flafchenbürft- und Reinigungsmaschinen mit Tretvorrichtung und Schwungrad für zwei Flafchen, Flafchen- Füllapparate und überhaupt allerhand kleinere Kellereigeräthfchaften, durch welche fich diefe Firma auszeichnet. Bei den Verkorkungsmaschinen mufs noch eine ganz eigenthümliche neue Art der Verkorkung und Verkapfelung genannt werden, welche aus England durch die Patent Kork Company, aus Frankreich durch J. D. Becker, Patent Kork Limited. Company( Paris) vertreten ift und darin befteht, dafs durch eine befondere Mafchine ein flacher Kork auf die Flafche aufgedrückt und durch eine unter dem Glasringe der Flafche eingreifende Kapfel mit Kautfchukdeckel fo feftgehalten wird, dafs die Flüffigkeit nicht herauslaufen kann. Da diefes Verfahren noch neu ift, fo wird man erft durch weitere genaue Verfuche feftftellen müffen, ob fich die fo verkorkten Flafchen auf dem Transport halten und ob die darinnen befindlichen Weine durch diefe dünne Korkfchicht genügend gefchützt find. Unter den fpeciellen Ob ft bau- Geräthen find nur die vom pomologifchen Inftitut in Reutlingen ausgeftellte Wander- Obftdörre von Blech und der Obftdörr- Apparat von N. Globiczky in Kafchau( Ungarn) zu nennen. Die eigentlichen Obft- und Weinbau- Handgeräthe fanden fich meift vereinzelt unter den anderen Handgeräthen und boten nichts befonders Neues. Die reichhaltigfte Sammlung von Baum- und Rebfcheeren, fowie Reb- und Baummeffern enthielt die Ausftellung der niederöfterreichifchen Obft- und Weinbau- Schule in Klofterneuburg. Es wäre jedenfalls recht lehrreich gewefen, wenn die dorten befindliche Verwaltung der permanenten Ausftellung von Kellerei- und WeinbauGeräthen eine überfichtliche und vollſtändige derartige Sammlung ausgeftellt hätte, weil dafelbft alles dazu nöthige Material vorhanden ift. e) Die Obft- und Weinbau- Lehranstalten mit ihren Lehrmitteln. Die chemifch- phyfiologifche Verfuchsftation für Obft- und Weinbau. Die Bedeutung des Unterrichtes bei allen volkswirthfchaftlichen Verhältniffen ift in der neueren Zeit zur vollen Anerkennung gekommen, wovon die Wiener Weltausftellung vielfache Beweife liefern kann. Es wird daher gewiſs geftattet fein, am Schluffe des Ausftellungsberichtes über Obft- und Weinbau auch 10 H. Goethe. die Unterrichtsanftalten und ihre Lehrmittel, in praktiſcher und wiffenfchaftlicher Richtung zu berühren, foweit deren Objecte fich auf der Ausftellung felbft befanden. Die einzige und wohl auch bedeutendfte fpecielle Lehranstalt für den gefammten Obft- und Weinbau, welche ausgeftellt hat, ift die niederöfterreichifche Landes- Ob ft- und Weinbau- Schule in Klofterneuburg, wo der rühmlichft bekannte Freiherr v. Babo, der Reformator des öfterreichifchen Weinbaues, fchon feit zwölf Jahren feine fegensreiche Thätigkeit entfaltet hat. Unter den von diefer Schule ausgeftellten Gegenftänden findet man verfchiedene Weinbergs- Erden aus intereffanten Weingegenden des In- und Auslandes in hohen Cylindergläfern, eine grofse colorirte Karte des Verfuchs- Weingartens der WeinbauSchule mit Eintheilung der Sorten, auf welcher in den einzelnen Abtheilungen die betreffende Erdart, in natürlicher Maffe, mit Darftellung der mehr oder weniger fteinigen Befchaffenheit des Bodens aufgetragen ift; ferner verfchiedene Reliefkarten, auf welchen die Verbreitung des Weinbaues in Europa und Oefterreich angegeben ift, und die Karte der öfterreichifch- ungarifchen Monarchie, welche theils die Verbreitung der in Klofterneuburg ausgebildeten Schüler, theils die Verbreitung der aus der Anftalt abgegebenen Wurzelreben darftellt; eine fehr fchöne Sammlung colorirter Abbildungen der wichtigften Erziehungsarten der Reben; Darftellung der für Obft- und Weinbau fchädlichen Infecten, unter Glasglocken, in natürlicher Gruppirung; eine Pyramide mit den Sortenweinen der Anſtalt im natürlichen Zuftande und eine folche mit künftlichen Zufätzen behandelter Weine; Stellagen mit Materialien für die Kellerwirthfchaft und mit den Nebenproducten des Weinbaues; Modelle der wichtigften Weinbau- und Kellergeräthe, welche zum Theil fchon erwähnt wurden. So reich die ausgeftellten Materialien für der Weinbau- Unterricht find, fo arm find diefelben für den Obftbau- Unterricht ar diefer Anftalt. Die letzteren findet man fonft noch zerftreut, theils unter den Lehrmitteln der landwirthfchaftlichen Schulen, theils von einzelnen Privaten ausgcfellt, da wirkliche fpecielle Fachfchulen für den gefammten Obft- und Weinbau bis jetzt noch nicht weiter exiftiren, mit Ausnahme der fteiermärkifchen Landes- Obft- und Weinbau Schule bei Marburg, deren Producte und Lehrmittel wegen der Kürze der Zeit des Beftehens diefer Anftalt noch nicht ausftellungsfähig waren. Unter den vorerwähnten Lehrmitteln für den Obftbau- Unterricht verdienen genannt zu werden: Von der Landes- Lehranftalt Tetfchen- Liebwerd das Arnoldi'fche Obftcabinet und die Veredlungsmodelle; von der landwirthschaftlichen Lehranftalt Weihenftephan, durch Obftbau- Lehrer Schufter, circa 25 Stück Obftform- Baummodelle; von der königlichen Kreis- Ackerbaufchule Rammhof in Baiern circa 30 Modelle künftlicher Baumformen von deren Vorftand E. Müller modellirt; vom Obftbaumzucht- Penfionat der Brüder der chriftlichen Schulen zu Dijon circa 50 fehr fchöne Abbildungen über Pyramiden- und Spalierzucht der Obftbäume; von Garnier- Valetti Francesco in Turin die Pomona artificiale italiana, enthaltend in zwei Glaskäften circa 100 Sorten Aepfel, 100 Sorten Birnen und viele Sorten Aprikofen, Kirfchen, Feigen, Beerenobft, Pfirfiche, Pflaumen, Trauben, welche fehr fchön und naturgetreu nachgebildet waren, mit den in Frankreich üblichen Benennungen. Diefe Nachbildungen waren fo treu geformt und colorirt, dafs man diefe Sammlung jedenfalls als das Schönfte, was in diefer Art exiftirt, verzeichnen mufs. Der dabei befindlichen Angabe gemäfs find die einzelnen Sorten und Früchte auch verkäuflich. Wie fehr man bemüht ift, in der neueren Zeit den Materialien für den Anfchauungsunterricht ganz befondere Aufmerkfamkeit zu widmen, davon geben die Beftrebungen der verfchiedenen Staatsregierungen für Weinbau, insbefondere die Bemühungen des k. k. Ackerbau- Minifteriums in Wien, ein deutliches Zeugnifs, indem fich unter den dortigen Arbeiten im Pavillon diefer Behörde nicht nur eine fchöne Weinbau- Karte der öfterreichifchen Monarchie mit einer umfangreichen gedruckten Publication über die Weinproduction in Oefterreich, fondern auch die Weinbau- Karten der weinbautreibenden Kronländer: vom Küftenlande, von Krain Wein-, Obft- und Gemüſebau. 11 ( nach den Erhebungen von Franz Schollmayr im Jahre 1872) von Niederösterreich ( herausgegeben durch die dortige k. k. Landwirthfchafts- Gefellfchaft), von Steiermark( im verkleinerten Mafsftabe nach der durch Se. kaiferliche Hoheit den Herrn Erzherzog Johann angefertigten gröfseren Weinbau- Karte von Steiermark, welche fich im Befitze der k. k. fteierifchen Landwirthfchafts- Gefellfchaft befindet, ausgeführt und nach neueren Erhebungen berichtigt von Dr. Mullé), von Tirol, Trieft und einzelnen Districten in Kärnten, Böhmen, der Bukowina, Mähren und der Umgegend von Trieft vorfanden, worauf die Ausdehnung des Weinbaues recht erfichtlich gemacht ift. In ähnlicher Weife müffen auch die neueften Bemühungen der Italiener, die Traubenforten- Kenntnifs der werthvolleren Traubengattungen zu verbreiten, hervorgehoben werden, welche durch die reichliche Sammlung colorirter photographifch aufgenommener Traubenforten von Cav. Felice Dr. Benedetti, dem Präfidenten der Ackerbau- Gefellſchaft in Conegliano, fowie durch die in Farbendruck in Turin erfcheinenden, von Felice Raffat und G. Falchettinach der Natur aufgenommenen circa 20 Traubenforten und durch die in Aquarell ausgeführten Abbildungen von Traubenforten aus der Provinz Abruzzen, auf der Ausftellung vertreten waren. Die einzige rein wiffenfchaftliche Verfuchsanftalt, fpeciell für Obft- und Weinbau, ift die unter dem k. k. öfterreichifchen Ackerbau- Minifterium ftehende k. k. chemifch- phyfiologifche Verfuchsftation für Obft- und Weinbau in Klofterneuburg( Vorftand Profeffor Dr. L. Rösler). Mit grofsen Erwartungen und Intereffe verfolgt die ganze weinbautreibende Bevölkerung die bisherigen Arbeiten der im Jahre 1871 gegründeten Anftalt. Mit noch grösserer Theilnahme und Freude wird der Befucher der Weltausftellung die Arbeiten und Unterfuchungen diefer Anftalt, welche im Pavillon des k. k. Ackerbau- Minifteriums ausgeftellt find, betrachtet haben. Man wird in vorhinein nicht leugnen können, dafs diefe Arbeiten fich vorerft faft ausfchliefsend dem Weinbau und der Weinchemie zugewendet haben. Die wichtigften der ausgeftellten Arbeiten find folgende: Culturverfuche mit Reben in Kübeln und Glaskäften mit Holzkohle, Steinkohle, Haide- Erde, Sand, Sägefpäne, Marmor, Thon, Hobelfpäne, entweder rein oder gemifcht. Verfuche über Wurzelbildung bei Sturz- und Schnittreben in Gläfern mit Waffer. Vegetationsverfuche mit verfchiedenen Nährstoff- Flüffigkeiten( darunter zwei fehr fchön aus dem Kern gezogene zweijährige Reben in langen Cylindergläfern). Tabellen über Zucker und Säureunterfuchungen des Moftes, Temperaturcurven während der Gährung. Mikrofkopifche Abbildungen von Traubenmoft mit und ohne Anwendung der Lüftung in verfchiedenen Stadien der Gährung. Zeichnungen von Phylloxera vastatrix nach dem Mikrofkop. Zeichnungen nach dem Mikrofkop von Oidium Tuckeri in 600facher Vergröfserung. Derartige Zeichnungen anderer für den Oenologen wichtigen Pilze. Gröfsere Tafeln, von welchen die eine die Traube und ihre Beftandtheile, chemifch zergliedert mit Proben von den Afchenbeftandtheilen, fowie den Beftandtheilen der Trauben, die andere den Weinstock und feine Beftandtheile, eine dritte die Beftandtheile des Moftes und Weines enthält. Weinanalyfen und graphifche Darftellungen über Temperatur bei der Gährung, Entwicklung der Kohlenfäure, Düngungsverfuche der Reben, Bodentemperatur im Weingarten u. f. w. Wenn man auch, wie jeder Sachverständige weifs, in ein Paar Jahren keine allgemeinen, vollſtändigen und für die Praxis brauchbaren Refultate von einer folchen Anftalt erwarten kann, da hierzu ein gröfserer Zeitraum erforderlich ift, to wird man doch zugeftehen müffen, dafs das in Klofterneuburg für den Weinbau vorhandene reiche Material auch zu folchen Verfuchen mit grofsem Nutzen verwendet werden könnte, deren Refultate in kurzer Zeit fchon für die Praxis von Nutzen fein können. Dazu gehören die Düngungsverfuche mit fchnell wirkenden präparirten Düngftoffen, welche fchon in einigen Jahren Refultate liefern können, und die noch lange nicht gelöften phyfiologifchen Fragen über die Vegetation der Rebe und des Obftbaumes, welche für die Praxis von gröfster 12 H. Goethe. Bedeutung find und deren zu veröffentlichende Refultate von der wein- und obftbautreibenden Bevölkerung jedenfalls mit grofsem Dank aufgenommen werden würden. Von der œnochemifchen Privat- Verfuchsftation des Herrn Dr. A. Blankenhorn in Carlsruhe, welche Anftalt erft in neuerer Zeit eingerichtet wurde, waren nur verfchiedene Pläne und Tabellen, mikrofkopifche Präparate, Bodenanalyfen, Gläfer mit Baftardtrauben und fchädlichen Infecten ausgeftellt.