OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. DER GARTENBAU. ( Gruppe II, Section 5.) BERICHT VON DR. EDUARD FENZL, k. k. Regierungsrath und Profeffor der Botanik. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF. UND STAATSDRUCKEREI. 1874. a DER G GARTENBAU. ( Gruppe II, Section 5.) Bericht von DR. EDUARD FENZL, k. k. Regierungsrath und Profeffor der Botanik. Oeffentliche Schauftellungen von Producten der Landwirthchaft und des Gartenbaues reichen bekanntlich hinter die Zeit der erften grofsen Induftrie und der auf fie folgenden noch gröfseren internationalen Weltausftellungen zurück. Sie fallen, der Zeit ihres erften Auftretens nach, ziemlich mit der der Bildung, mindeſtens des praktiſchen Eingreifens der in Europa fich bildenden landwirthfchaftlichen und Gartenbauvereine zufammen. Sie erfcheinen als die erften Emanationen gemeinfamen Zufammenwirkens intelligenter Grofsgrundbefitzer und vermöglicher Gartenliebhaber zur Hebung diefer Zweige der Bodencultur und des fich darauf ftützenden Productenhandels. In dem Mafse als fich diefe Vereine und Gefellfchaften mehrten, an Ausdehnung und Bedeutung gewannen, wiederholten fich diefe Schauftellungen von Producten der Landwirthfchaft und des Gartenbaues, namentlich in jenen Ländern in welchen beide Arten der Bodencultur fchon vor dem einen höheren Grad der Entwicklung erlangt hatten. In jeder derfelben machte fich der befruchtende Einflufs der Naturwiffenfchaften, der technifchen Induftrie und die Zunahme der fich vervollkommnenden Communicationsmittel geltend, und fchuf für fie eine breitere auf wiffenfchaftlicher Grundlage ruhende Bafis. Die Refultate des wefentlich dadurch veränderten Gefchäftsbetriebes zeigten fich fehr bald in der zunehmenden Mannigfaltigkeit der bei diefen Ausstellungen der grofsen Menge zur Beurtheilung vorgeführten Objecte, ihrer Vervollkommnung und ihres höheren mercantilen Werthes. Der praktifch daraus refultirende Nutzen wurde zwar nur von Wenigen anfänglich gewürdigt, von diefen jedoch rafch und vortheilhaft ausgebeutet. Für die grofse Menge bildeten diefe Ausstellungen lange Zeit nur einen Gegenftand der Neugierde, für viele der Producenten galten fie als eine rein koftfpielige Spielerei, aus der kein Capital zu fchlagen fei. Eines aber, wie wohl unbewufst, lernten doch Alle: das Vergleichen und die Werthfchätzung des Befferen und Schöneren. Erft nachgerade und auch jetzt noch lange nicht in dem Mafse, wie es wünſchenswerth wäre, reifte die Erkenntnifs des individuellen Vortheiles zum Entfchluffe, mehr zu leiften, als man bisher zu leiften gewohnt war, und Anderen auf demfelben Felde Concurrenz zu machen, auf dem man es bisher verfäumte, fich mit eigenen Producten Geltung zu verfchaffen. 2 Dr. Eduard Fenzl. Bislange haben tiefeingewurzelter Kaftengeift und Vorurtheile aller Art zumeift ein einträchtiges Zufammengehen der Landwirthe und Gärtner auf folchen Ausstellungen, mit feltenen Ausnahmen, unmöglich gemacht. Erft in neuerer Zeit findet, weniger in richtiger Erkenntnifs der Naturnothwendigkeit, als aus localen und finanziellen Rückfichten, eine gröfsere Annäherung beider Lager ftatt, und trügen nicht alle Zeichen, fo wird mit der fortfchreitenden Entwicklung beider Zweige der Bodencultur felbe bald eine fehr innige werden. Als die nächften Berührungspunkte zwifchen beiden erweifen fich jetzt fchon die von ihnen gemeinfam gepflegte Obft- und Gemüfezucht. Entfernt werden fich wohl immer gewiffe Zweige der Landwirthschaft, als zu differente Richtungen verfolgend( wie die Zucht der Hausthiere, beftimmte Zweige des Gartenbaues, wie der von Zierpflanzen), bleiben; dagegen werden die Samenzucht und die Landfchaftsgärtnerei fich als weitere vermittelnde Glieder zwifchen beiden Hauptrichtungen der Bodencultur einfügen. Beide Culturzweige find gegenwärtig in allen hochcivilifirten Staaten zu einem folchen Grade von Entwicklung gelangt, dafs jeder weitere Fortfchritt in denfelben, fobald er anfängt Gemeingut von Taufenden zu werden, Reformbewe gung im Handel und Wandel der daran betheiligten Staaten unvermeidlich nach fich zieht. Wenn in diefer Beziehung die Landwirthfchaft in ihrer Totalität die weitaus wichtigere und für die Nationalökonomie mafsgebendere Rolle spielt, fo liegt diefs in der Natur der von ihr erzeugten und gepflegten, die Existenz des Menfchen abfolut bedingenden Producte, während der Gartenbau nur Objecte des höheren Comforts fchafft und mehrt. Das Profperiren derfelben hängt defshalb, abgefehen von ganz beftimmten tellurifchen und klimatifchen Verhältniffen eines ganzen Landes, zumeift von der Höhe und dem Stande der allgemeinen Volksbildung ab. Der Gartenbau kann unter dem Zufammenwirken verfchiedener günftiger Umftände geradezu erftaunenswerthe Dimenfionen erreichen, und in feinem finanziellen Ertrag die der Landwirthfchaft in weitem Umkreife fogar in Schatten ftellen. Der fchlagendfte Beweis für die Richtigkeit diefer etwas übertrieben fcheinenden Behauptung liefert Belgien, von deffen ländlicher, auf die Bodencultur angewiefener Bevölkerung vielleicht nahezu die Hälfte theils ausfchliefslich, theils neben dem Feldbau noch Gartenbau mit entfchiedenem Vortheil treibt. Das ganze ungefähr 563 Quadratmeilen grofse Land ift zu einem grofsen Theile mit Gärten aller Art und jeder Gröfse überfäet, und der gemeinfte Mann verſteht dafelbft aus feinem Gärtchen Capital zu fchlagen Die Stadt Gent, gegenwärtig das Emporium für Ziergärtnerei in Europa, zählt nicht weniger als 200 Handelsgärtnereien der verfchiedenften Gröfse, welche fich nur mit der Anzucht von Zierpflanzen und Obftbäumen edlerer Sorte befchäftigen. Ihre Gewächshäufer, auf einem Raum zufammengedrängt gedacht, würden eine mit Glas bedeckte Fläche von 7 Hektaren( 19.600 Quadratklafter öfterreichifchen Mafses) bilden, unter welcher fie jährlich eine Pflanzenmaffe von 2,705.000 bis 3.542.000 Individuen im Handelswerthe von 5.930.000 bis 7,705.000 Francs* ziehen. Eine Thatfache, der fich unter gleichen räumlichen Verhältniffen keine ähnliche in diefer Hinficht an die Seite ftellen kann und fchlagender als jede andere Ausführung beweift, welchen Rang der Gartenbau in diefem Lande unter den übrigen Factoren des Nationalwohlftandes einnimmt. In ähnlicher Weife, nur nicht in fo riefigen Dimenfionen geftalten fich die Verhältniffe des Gartenbaues in Holland und in England. In Norddeutfchland hat fich Erfurt durch die Zucht von Samen der beliebteften Zierpflanzen des freien Grundes und feiner Gemüſe zum Sitze des ausgedehnteften Samenhandels von ganz Mitteleuropa emporgefchwungen. Aus O efterreich allein fliefsen diefer Stadt jährlich * Berechnet nach den fpeciellen Mittheilungen des Herrn Profeffors Van Houlle in Gent hierüber. Siehe ,, Gartenfreund" Journal der k. k. Gartenbau- Ge fell fchaft in Wien, Jahrgang VI( 1873), p. 113 und Corrigenda am Schluffe des Inhaltsverzeichniffes. - Der Gartenbau. 3 zwifchen 2 bis 3 Millionen Gulden zu, und welche Gefchäfte in Specialitäten, wie in Gehölzarten, Coniferen, Rofen und dergleichen, machen nicht manche Firmen zufammen in anderen Theilen Deutfchlands! Bei einem folchen Stande der Horticultur in Mitteleuropa mit Einfchlufs von England wird es Jedermann begreiflich finden, dafs man in den letzten zwei Decennien bei der Infcenirung der grofsen internationalen Ausftellungen daran denken mufste, die Producte des Gartenbaues neben den Gegenftänden der Induſtrie, der bildenden Künfte, des Feldbaues und der Forftcultur in den grofsen Räumen folcher univerfeller Schauftellungen einzubeziehen. Auch bei uns konnte und wollte man in diefer Hinficht nicht hinter den vorhergegangenen derartigen Ausftellungen in London und Paris zurückbleiben. Man verhehlte fich zwar nicht die durch die continentale Lage Wiens von vorneherein bedingten, überaus grofsen Schwierigkeiten, welche bei der Infcenirung einer derartigen horticolen Ausftellung zu befiegen wären, unterfchätzte fie an mafsgebender Stelle jedoch gleichwohl und mufste fich zuletzt mit Mafsnahmen begnügen, welche fich als ebeufo unpraktiſch als ftörend im Zufammenhange mit den übrigen Theilen der Ausftellungs- Localitäten erwiefen. Man muthete den zarteren, den Unbilden unferes Klimas nicht widerftehenden Topfgewächfen eine Accommodationsfähigkeit zu, welche fie nun einmal nicht befitzen, und pferchte fie zum Ueberflufs noch in einen lichtarmen, zwar hinlänglich langen, aber nicht hinlänglich breiten Raum ein, der weder eine Ueberfchau der ganzen ausgeftellten Pflanzenmaffen, noch eine äfthetifch wirkfame Gliederung derfelben zuliefs. Diefe Localität blieb, man mag fo nachfichtig über fie urtheilen, als man will, die ftiefmütterlichft bedachte unter allen anderen, die Partie honteuse der ganzen Ausftellung. Es ift hier nicht der Ort, näher auf die Verhältniffe einzugehen, welche an dem totalen Mifslingen diefes Bau- Objectes Schuld trugen. Nur fo viel fei bemerkt, dafs den mit feiner Conftruction beauftragten Architekten keinerlei Schuld trifft, und dafs gegen die Ausführung diefes und jedes anderen Objectes diefer Art von competenter Seite von vorneherein fchon, jedenfalls rechtzeitig genug, um etwas Befferes an diefe Stelle zu fetzen, energifcher Proteft erhoben worden war. Ich könnte nach diefen einleitenden Bemerkungen unmittelbar zur Berichterftattung über die verfchiedenen Leiftungen des Gartenbaues auf diefer Ausftellung übergehen. Es möge mir jedoch vorerft noch geftattet fein, Einiges über das Hereinziehen von Ausftellungen lebender Pflanzen und Theilen derfelben in den Rahmen univerfeller Schauftellungen zu bemerken. Sie dürften zur Klärung der verfchiedenen herrfchenden Anfchauungen unter den verſtändigen Laien wie unter den eigentlichen Fachmännern beitragen, und dem oberften Leiter folcher koloffaler Unternehmungen in der Folgezeit zur Berücksichtigung empfohlen werden. Unter Gartenbau- Ausftellungen verftehen Fachleute, zunächft und mit Recht, maffenhafte, gefchmackvoll gruppirte Zuſammenftellungen von Topf. pflanzen in der Periode ihrer kräftigften Entwicklung. Sie lieben es nicht, und zwar aus Gründen des guten Gefchmackes, andere Gegenftände, wie Obft, Gemüſe, Sämereien, Herbarien, Abbildungen, Gartenpläne, Werkzeuge, Conftructionen, plaftifche Kunftwerke, wenn letztere nicht geradezu dienen, den Totaleffect der lebenden Pflanzen zu erhöhen, mit den letzteren in einem und demfelben Raume zur Schau zu ftellen. Sie ziehen es auch in anderer Beziehung der des leichteren und befferen Vergleichens ihrer Vorzüge und Mängel unter einander vor, alle diefe Gegenftände räumlich getrennt und natürlich gruppirt zufammenzuftellen. Alle im freien Grunde angezogene oder ausgetopfte, einzelne oder in Gruppen zufammengeftellte Pflanzen betrachten fie bei geringer Raumentwicklung als ornamentales Beiwerk und erft bei beträchtlich grofsen Dimenfionen der zu bepflanzenden Area als improvifirte Gartenanlage. Von diefem ganz correcten Standpunkte ausgehend ergeben fich von felbft die Bedingungen, welchen von vorneherein Rechnung getragen werden 4 Dr. Eduard Fenzl. mufs, wenn eine Pflanzenausftellung im Grofsen fich würdig an eine internationale Induftrieausftellung anfchliefsen foll. Bezüglich der erften, die Schauluft der Menge am meiſten befriedigenden, zugleich aber auch den Mafsftab für die Beurtheilung der Höhe der Entwicklung der Horticultur eines Landes abgebenden Gruppe von Ausftellungsobjecten„ der Topfgewächfe" erfcheint als die unerlässlichfte Bedingung ihres Erfolges die Herſtellung eines hinlänglich grofsen, von allen Seiten gefchloffenen ventilirund mindeſtens theilweife heizbaren Ausstellungsraumes mit genügender Oberlichte und ausgiebiger Beleuchtung von mindeſtens einer Seite. Derfelbe mufs feiner Tiefe und Länge nach die Entwicklung grofser Pflanzengruppen zulaffen und von einem beftimmten Punkte aus, am beften von einem centralen, eine Ueberficht der ganzen Ausftellung nach zwei oder mehreren Richtungen gewähren. Fehlen diefe Cardinalbedingungen, fo bleibt jede derartige Ausftellung, mögen auch einzelne Gruppen noch fo reizend oder impofant ausfallen, geradezu wirkungslos. Nach den fchlimmen Erfahrungen, welche man in jeder diefer Beziehungen in Wien gemacht, werden fich wenige Gärtner von Bedeutung mehr finden, welche, ohne früher Einficht in den Plan des zu derartigen Zwecken auszuführenden Gebäudes genommen zu haben, es wagen werden, ihre Schätze auf eine folche Ausftellung zu bringen, auf der ihnen nur koloffale Verlufte, aber keinerlei Gewinn erwachfen können, ja fogar müffen. Alle übrigen fich weiter daran knüpfenden Bedingungen, wie fie jeder Pflanzenzüchter als felbftverſtändlich vorhanden vorausfetzt, verfchwinden den bezeichneten gegenüber beinahe völlig. Kann man den erfteren aus was immer für einem Grunde nicht vollſtändig entfprechen, fo ziehe man derartige Ausftellungen gar nicht in den Rahmen von Weltausstellungen herein und überlaffe fie getroft den an folchen Orten beftehenden und dazu eingerichteten Gartenbau Gefellfchaften. Schon der Befchaffenheit der Gewächfe nach, welche folche Räume füllen und eine längere Ausftellungsfrift als von acht bis zehn Tagen, ohne den empfindlichften Schaden zu leiden, gar nicht vertragen, können folche Ausftellungen immer nur zeitweilige fein, woraus den Directionen felbftverſtändlich Auslagen erwachfen, welche in gar keinem Verhältniffe zu dem beabfichtigten Zwecke ftehen. Nur unter den günftigften Verhältniffen und auch da nur an Orten, wo, wie in London und Paris, eine fehr grofse Anzahl von Handelsgärtnereien erften Ranges und grofsartige Privatgärten fich in denfelben und ihrer nächften Nähe befinden, laffen fich permanente Ausftellungen von Topfpflanzen infceniren. Aber felbft da büfsen fie den Charakter der Internationalität, des anzuftrebenden Gleichgewichtes zwifchen der Zahl der Ausfteller des Inund Auslandes aus derfelben Gruppe von Gegenftänden ein. Nur in Einzelheiten, nicht im Ganzen und Grofsen kann das Ausland da obfiegen. Die enormen Transportkoften und das Rifico der Erhaltung und Verwerthung folcher Pflanzenfchätze erlauben dem entfernten Ausfteller einen continuirlichen Wechfel feiner Objecte, wie ihn eine permanente Ausstellung von Topfpflanzen bedingt, gar nie. Sie tragen felbft unter den günftigften Conftellationen auch an folchen Orten im Vergleiche mit jenen der Landwirthschaft, der Kunft und Induſtrie immer noch den Stempel localer Ausftellungen an fich. Sie erfcheinen defshalb nur als Beiwerk, als Staffage derartiger Ausftellungen und büfsen in unmittelbarer Nähe mit folchen den Charakter verdienter Selbftftändigkeit ein, den fie, a usgefchloffen aus dem gefammten Ausstellungsraum, als ein für fich ftehendes Ganze vollkommen behaupten würden. Diefe Gruppe von Gegenftänden der Horticultur verträgt fo wenig wie die lebende Thierwelt die unmittelbare Nähe der Producte des menfchlichen Fleifses und Scharffinnes. Dasfelbe gilt auch von den Ausstellungen von Obft und Gemüfen. Noch weit vergänglicher als jene, paffen fie fchon gar nicht dahin, verfehlen aber für sich Der Gartenbau. 5 abgefchloffen und räumlich, jedoch nicht zu weit von einer Ausstellung von Topfpflanzen getrennt, nie ihre Wirkung. Ganz anders verhält es fich mit den im freien Lande direct angezogenen oder in dasfelbe ausgetopften oder eingefenkten Pflanzen für die Dauer einer folchen Ausftellung. Sie können je nach ihrer Befchaffenheit, fowohl für fich allein als in Mehrzahl zur Bildung kleinerer und gröfserer Gruppen verwendet werden, welche, nach einem wohldurchdachten Plane vertheilt, ein ftehendes und dabei doch nach der Jahreszeit wechfelvolles Bild liefern, wodurch fie fich den Schöpfungen der bildenden Künfte natürlich anreihen und eine wohlthuende Bewegung in den Umkreis der ftarren Maffe von Bauwerken bringen. Als Theile einer grofsen Gartenanlage, als Ausfchmückung der Umgebung getrennter Baucomplexe oder ifo lirter kleinerer Bauobjecte, laffen fie jede Art von Beurtheilung zu und müffen in diefer Hinficht als harmonifch dem Ganzen fich anfchliefsende Ausftellungsobjecte betrachtet werden. Ein befonderer Werth folcher grofser improvifirter Gartenanlagen liegt noch darin, dafs fie an ihren äufserften Grenzen ohne Verletzung des guten Gefchmackes gewiffe Leiftungen der Horticultur aufzunehmen im Stande find, die von der gröfsten Wichtigkeit für diefelbe, in ihrer Erfcheinung jedoch nichts weniger als fchön genannt werden können und in Ermanglung einer ausgedehnten Gartenanlage nur felten fich dem Gefammtverbande aller Objecte im freien Lande ohne Verfündigung am guten Gefchmacke einfügen laffen. Ich meine die Vorführung beftimmter Culturmethoden, wie der Fruchtbäume, der Weinrebe, der Gemüfetreibereien, einer Sammlung lebender Forft- und landwirthfchaftlicher Unkräuter und dergleichen Gewächfe. Ueber die Einbeziehung von den Gartenbau zunächft berührenden Gegenftänden der Induftrie, der fchönen Künfte und der Wiffenfchaft, in die Gruppe horticoler Erzeugniffe auf einer univerfellen Induftrieausftellung oder deren Ausfchlufs läfst fich, je nach dem princi piellen Standpunkte, welchen man bei der Bildung derfelben einnimmt, ganz gut rechten. Geht man dabei von der Anficht aus, alles das, was fich feinem Urfprunge und Befchaffenheit, feiner letzten Beftimmung, oder in beiden Rückfichten nach unmittelbar an den Gartenbau anfchliefst, auch räumlich einander nahe zu bringen, fo erfcheint eine Einbe ziehung derartiger Gegenftände vollkommen gerechtfertigt. Nur müfsten fie dann als todte Objecte getrennt von den lebenden gehalten werden, oder höchftens nur als Decoration des Ausftellungsraumes für letztere gelten, nicht aber als felbft ftändige von einer Jury fpeciell zu beurtheilende Expofitions objecte berückſichtigt werden. Als Gegenftände der erfteren Art können Sammlungen trockener Fruchtzweige, trockene Früchte und Sämereien von Zierpflanzen mit Ausfchlufs der landwirthschaftlich im Grofsen gewonnenen Samen von Nutzpflanzen; alle zu Decorationszwecken getrocknete Pflanzen und Blüthen; Herbarien von Zierpflanzen und Abbildungen derfelben zu wiffenfchaftlichem Gebrauche; Pläne von Gartenanlagen und Gewächshäufern aller Art, fowie Modelle von Früchten gerechnet werden. Zu Gegenftänden der zweiten und dritten Art wären zu rechnen alle ausfchliefslich faft nur von Kunftgärtnern verwendeten Werkzeuge, mit lebenden Pflanzen zu befetzende Decorations vorrichtungen und fpeciell zu folchen Zwecken gefchaffene Gegenftände der bildenden Kunft. ebenfo Ausgefchloffen hievon müfsten bleiben alle in der Landwirthschaft zugleich verwendeten Geräthfchaften, Mafchinen u. dgl. Gegenftände. Geht man hingegen von der Anfchauung aus, dafs alle diefe Objecte, infoferne fie leblofe Dinge find, natürlich gewiffen Producten der Land- und Forstwirthschaft, der Kunft und Induftrie fich anfchliefsen, fo mag man fie immer aus dem Verbande mit den übrigen Gegenftänden einer horticolen Ausftellung ausfchliefsen. Sie gehen aber dann, wie die Erfahrung lehrt, in den betreffenden Gruppen, welchen fie eingereiht werden müffen, weil nach anderen mafsgebenden Gefichtspunkten beurtheilt, unbeachtet in der Maffe unter. 6 Dr. Eduard Fenzl. Nach diefen allgemeinen Bemerkungen über horticole Ausstellungen in Verbindung mit den fogenannten Weltausftellungen, welche ich dem fpeciellen Theile des vorliegenden Berichtes vorauszufchicken für nöthig erachtete, um den Standpunkt zu bezeichnen, von welchem man bei der Beurtheilung ihrer Infcenirung auszugehen hatte, wende ich mich nunmehr dem Ergebniffe des Stattgefundenen zu. Zerfallend in eine permanente und fünf temporäre Ausftellungen von verfchiedener Zeitdauer läfst fich ein allgemeines Urtheil über den Ausfall der ganzen Ausftellung nur am Befchluffe des Berichtes geben, während zur Gewinnung eines mehr einheitlichen Bildes nicht die Zeitabfchnitte, in welche die temporären Expofitionen fallen, fondern die natürlichen Gruppen der in jeder derfelben fich wiederholenden Producte des Gartenbaues, wie„ Topfgewächfe, Gemüfe und Obft" mafsgebend fein müffen. Von der letzten, vom 3. bis 15. October währenden temporären Ausftellung mufs übrigens hier fchon bemerkt werden, dafs fie, als blos für Obft und Trauben aller Art urfprünglich beftimmt, einen Charakter trug, welcher zwifchen dem landwirthschaftlichen und horticolen die Mitte hielt, infoferne nämlich neben gewöhnlichen und im Grofsen gebauten Obft- und Traubenforten, eben fo viele hochfeine und edle erfchienen, wie folche nur der routinirtefte Gärtner zu ziehen vermag, und aufserdem noch Sortimente feiner Gemüfe mit jenen zur Schau ausgeftellt waren und von der Beurtheilung nicht ausgefchloffen werden durften.- Befchickt wurde die Gefammtausftellung während ihrer Dauer vom 1. Mai bis Ende October von 238 Perfonen, unter welchen fich neben den Einzelnen noch Landesinftitute, ftändige Vereine, Gefellſchaften und Ausstellungsconfortien befanden, welche als ebenso viele Einheiten in Rechnung gebracht find. Das Inland, mit Einſchluſs Ungarns, erfcheint dabei in diefem Sinne durch 137, das gefammte Ausland durch 101 Perfonen repräfentirt. Von letzteren nach Ländern gruppirt, entfielen auf Deutfchland 56, auf Belgien 15, auf Frankreich 10, auf Italien 5, auf Holland 3, auf Rufsland, Griechenland und Japan je 2, auf Schweden, Dänemark, Egypten, Nord- Amerika, Brafilien und Neu- Holland je ein Ausfteller. England, von dem doch fo Vieles des Intereffanten zu erwarten ftand, glänzte durch feine Abwefenheit. Viele Ausfteller betheiligten fich fowohl an der permanenten Ausstellung im freien Lande, als auch wiederholt an einer, mehreren, felbft allen fünf temporären Ausstellungen, ja einige in einer und derfelben Ausftellung auch zweimal, wenn man die Verfchiedenheit der von ihnen exponirten Objecte ihrer Natur nach ins Auge fafst. Um ein correctes Bild des Charakters zu gewinnen, welchen jede der fünftemporären Ausftellungen an fich trug, ift es nothwendig alle auf ihnen erfchienenen Gegenftände unter allgemeinen Gefichtspunkten in beſtimmte natürliche Gruppen zufammenzufaffen und nachzufehen, in welcher Stärke fie auf jeder von ihnen durch die einzelnen Ausfteller vertreten waren. Und infoferne mufs auch Jeder, welcher fich in diefer Beziehung bei einer oder der anderen der temporären oder permanenten Ausftellung wiederholt betheiligte, eben fo oft als fpecieller Ausfteller betrachtet und gezählt werden. So aufgefafst, verwandeln fich die oben angegebenen 238 Perfonen in 460 Ausfteller im Ganzen, wie diefs die folgende Zufammenftellung derfelben nach Gegenftandsgruppen in den fünf temporären Ausftellungen und der permanenten ausweift. In diefem Sinne betheiligten fich an den erfteren als Ausfteller 400, bei der letzteren 60. Ausfteller von 1. bis 15. Mai Der Gartenbau. Bei der Ausftellung vom 15. bis 20. Juni 20. bis 30. Auguft 18. bis 23. September 3. bis 15. October In Summa I II III IV V Topfpflanzen aller Art. 38 37 Gemüfen( inclufive Kar32 26 26 127 toffeln) 24 13 16 17 18 88 Obft, überwintertem und getriebenem 14 I2 - 26 Obft aller Art( inclufive 19 22 54 95 I 3 4 Melonen, Ananas, Beeren) Medicinalpflanzen und Küchenkräutern Neuen Veredlungsverfuchen Decorationsobjecten aus lebenden Pflanzen Decorationsobjecten aus getrockneten Pflanzen. Herbarien.. Carpologifchen Sammlungen . Tafelauffätzen für Früchte und Vorrichtungen Obftmodellen. ° Verpackungsmethoden für Beerenfrüchte Abbildungen und Gartenplänen Summa • 2 20 5 4 2 ΙΟ 9 31 I 42 3 13 2 2 2 28 I I I 6 I 72 2 32 I I 2 2 5 98 86 73 79 82 80 400 7 Bei der permanenten Ausstellung betheiligten fich: An eigentlichen Gartenanlagen, gröfseren und kleineren, im Ganzen fogenannten Teppichpflanzungen وو Gruppenanlagen aus blühenden Pflanzen derfelben Gattung 29 " Gruppen von Gehölzpflanzen. 99 4 Auspflanzungen von Form- Obftbäumen und Reben Auspflanzungen von Specialitäten in Einzel- Exemplaren In Summa. 12 Aussteller 2 99 I2 99 • 19 99 IO 5 99 وو 60 Ausfteller. Aus diefer Zufammenftellung ergibt fich, dafs die Gefammtmenge de" Ausfteller in jeder der temporären Exhibitionen fich ziemlich gleich geblieben und fich nur bezüglich der vorherrfchenden Objectengruppen ftärkere Differenzen zeigen. Die erftere Erfcheinung findet ihre Erklärung in der mehrfachen Betheiligung ein und derfelben Perfon an diefen Ausftellungen; die letztere in dem Prädominiren gewiffer Producte des Gartenbaues zu gewiffen Jahreszeiten. Auffällig bleibt 8 Dr. Eduard Fenzl. trotz der weitaus gröfseren Menge von Ausftellern von Topfpflanzen gegenüber jenen von Gemüfen und Obft, das Mifsverhältnifs, in welchem das Ergebniſs diefer Ausstellung zu jenem anderer internationaler Ausstellungen in diefer Hinficht ftand. Von den vielerlei dabei ins Spiel kommenden Verhältniffen, welche diefer Partie der Ausftellung Abbruch thaten, find befonders folgende hervorzuheben: Die geringe Anzahl von grofsen Handelsgärtnereien und Gartenbefitzern erften und zweiten Ranges im Inlande, gegenüber folchen des Auslandes; die continentale Lage Wiens, welche die Verfendung grofser und zarter Pflanzen in beftem Culturftande, zumal in ihrer Blüthenperiode, theilweife ganz unmöglich macht, theils entfetzlich vertheuert; die in der letzten Woche Aprils eingetretene Kälte, welche Einheimifche fchon und noch viel mehr Auswärtige, welche bereits angemeldet hatten, von einer Befchickung der Ausftellung abfchreckte; die gerechten und fehr bald allgemein bekannt gewordenen Klagen über die herrfchende Unordnung und Verzögerung bei dem Bezuge der Gegenstände auf den Bahnhöfen; die noch weit berechtigteren über die Unzweckmäfsigkeit des Ausftellungslocales, welches keinerlei Schutz gegen atmoſphärifche Einflüffe bot und jede Art von Aufftellung erfchwerte; endlich die gleich nach der Eröffnung der Ausstellung eingetretene Börfenkrifis, welche augenblicklich einen allgemeinen Stillftand der Gefchäfte herbeiführte und den fremden Ausftellern jede Ausficht, ihre Koften durch einen gewinnreichen Verkauf der Objecte hereinzubringen, vereitelte und geradezu abfchreckend auf Viele wirkte, welche noch gewillt gewefen waren, fich an den ferneren temporären Ausftellungen mit werthvollen Pflanzen zu betheiligen. Wenn demungeachtet fich die Zahl der Ausfteller bis zu Ende der Weltausftellung fo ziemlich auf gleicher Höhe erhielt, fo verdankte man diefes Refultat vor Allem dem Patriotismus der wenigen hiefigen gröfseren Handelsgärtner, Privaten, dem Univerſitätsgarten und dem einträchtigen Zufammenwirken der Gartenbau- und Landwirthfchafts- Gefellfchaft. Fafst man das Refultat der unter fo peinlichen Verhältniffen, wie die foeben angeführten, inaugurirten und in Scene gefetzten Ausstellungen ins Auge, fo mufs man, um gerecht zu fein, erklären, dafs fie im Ganzen befriedigend, im Einzelnen fogar vorzüglich ausfielen. Namentlich gilt das Letztere von der erften und letzten temporären, fowie von der permanenten Ausftellung. Wären auf der zweiten temporären Ausftellung nicht die Belgier mit ihren prachtvollen Pflanzen erfchienen, fo müfste man diefelbe, ungeachtet aller von Seite des Inlandes gemachten Anftrengungen, für eine geradezu mittelmässige erklären. Dafs man an eine in den Spätfommer und die zweite Hälfte des Herbftes fallende Ausftellung von vorneherein keine folchen Anforderungen bezüglich der Florgewächfe ftellen kann, wie an eine folche im Frühjahre, begreift jeder Sachverständige. Nichtsdeftoweniger übertrafen beide die über deren Ausfall gehegten befcheidenen Erwartungen um ein Bedeutendes. Wahrhaft überraschend und namentlich vom Auslande gewürdigt, geftaltete fich die letzte temporäre Ausstellung durch ihren entfchieden internationalen Charakter und die Fülle, wie die Güte der im Inlande erzeugten Obft- und Traubenforten. Wenden wir uns nach diefen nur im Allgemeinen angedeuteten Ergeb niffen der horticolen Ausftellung vorerft den einzelnen temporären Expofitionen zu und erfparen wir uns die Befprechung der permanenten zum Schluffe diefer tranfitorifchen. Wir wollen uns hiebei nur mit dem vorzüglichften und bemerkenswertheren Leiftungen Einzelner befaffen, denn nur diefe, nicht die Menge der ausgeftellten Gegenftände und Zahl der Ausfteller entfcheiden über den Charakter und die Bedeutung jeder diefer Ausftellungen. Der Gartenbau. 6 Die erfte vom 1. bis 15. Mai währende temporäre Ausstellung des Gartenbaues. Unter einer zwifchen+ 2 und 4° R. fchwankenden Temparatur im Freien, unter eifig kalten Regenfchauern und einem ebenfo kalten, von den Wien umgebenden kürzlich wieder mit einer leichten Schneedecke ftellenweife übertünchten Bergen herabfallenden Winde inaugurirt, bot fie, die erfte und einzige am Eröffnungstage vollkommen fertig gewordene Ausftellung, das lachende Bild eines füdeuropäifchen und fubtropifchen blüthenreichen Frühlings, aber eingepfercht in einem fpärlich erleuchteten Raume, der halb als Breterbude, halb aus Leinwandzelt geftaltet, fich als ganz unheizbar erwies. Die fubtropifchen und noch weit mehr die echt tropifchen Gewächfe, welche bereits auf dem Transporte gelitten hatten und in verglaften Schutzkäften verwahrt blieben, fror, man fah es ihnen nur zu fehr an, bis ins Mark hinein. Mehrere derfelben, darunter Unica von hohem Werthe, mufsten defshalb fchon am zweiten Tage, um fie zu retten, wenn Rettung überhaupt noch möglich war, von der Ausstellung zurückgezogen und anderweits, wie fie es erheifchten, untergebracht werden. Selbft die im prachtvollften Blüthenfchmucke ftehenden Rhodoraceen, Eriken und Neu- Holländer Pflanzen fühlten fich höchft unbehaglich in diefem Raume und büfsten an Luftre ihrer Färbung ein. Dem ungeachtet geftaltete fich diefe Ausftellung durch die Fülle blühender Gewächfe zu einer reizenden, wenngleich nicht zu einer impofanten. Sie zu einer folchen gemacht zu haben, war, ohne Anderen zu nahe zu treten, das ausfchliefsliche Verdienft des hiefigen Handelsgärtners Rudolf Abel. Er lieferte das Haupt contingent blühender Gewächfe und gröfserer Schaupflanzen, wie Cycaden und Palmen, von beiden in 14 Arten und unter diefen manche feltene neuefter Einführung, wie Zamia Bretfchneideriana, Katokydozamia Makleyi, Liviftonia Hoggendorpii, Ceroxylon niveum, Phoenix leonensis und Oreodoxa Sanchona etc. Ausnehmend fchön cultivirt und reich an Sorten aus älterer und neuefter Zeit, zumeift jede in mehrfacher Zahl vertreten( weit über 100 Stücke), erwiefen fich deffen Sortimente von Azaleen, in allen Farben prangend Eine Hauptrolle unter diefen fpielten die in Mode ftehenden mit gefüllten Blüthen. Man kann vom Standpunkte der Vertreter der Wiffenfchaft, wie von dem des Aefthetikers über den Werth diefer Producte der Maftcultur rechten, intereffant bleiben felbe immerhin für den erfteren, gewinnreich aufser Frage für den Handelsgärtner. Von vorzüglicher Schönheit erwiefen fich noch deffen Eriken( an 30 zumeift hybride Arten), welche an Blüthenfülle, kräftigen Wuchs und Formbildungen den in England gezogenen, nach dem Urtheile der Fachmänner kaum nachftanden; ein Ausfpruch, der um fo ehrenvoller für den Aussteller klingt, als bekanntlich das Wiener Klima fich als das unvortheilhaftefte für die Cultur diefer reizenden Planzen erweift, wefshalb fie auch hier zu Lande von den meiften Gärtnern, als Zeit und Mühe nicht lohnend, immer mehr aufgegeben wird. Ein weiteres Verdienft diefes ftrebfamen Gärtners bleibt die forgfame Pflege der verfchiedenen Neu- Holländer Pflanzen, zumeift aus der Ordnung der Papilionace en und Rutaceen, welche gegenwärtig durch die in Mode gekommenen Pflanzen mit grofsen buntgefärbten Blättern, und die vielen zur Zimmercultur fich eignenden zwergartigen Palmen und Dracaenen immer mehr verdrängt werden. Wetteifernd in allen diefen Culturzweigen, allein ihn nicht erreichend, thaten fich deffen beide Blutsverwandte, die Handelsgärtner Eduard und Fritz Abel ( Firma Ludwig Abel), auf diefer und den folgenden Ausftellungen rühmlichft hervor. Von Privatgärten betheiligten fich in erfter Reihe der herzoglichbraunfchweig'fche in Hietzing bei Wien( Hofgärtner Friedrich Lefe 10 Dr. Eduard Fenzl. mann), durch Ausftellung grofser, alter Schaupflanzen von Palmen, Pandaneen, Dracena Draco und verfchiedener fchön und reich blühender Gewächfe. Unter den erfteren befand fich Areca sapida eben in Blüthe; unter den letzteren fielen namentlich Cantua dependens auf C. pyrifolia, Deutzia gracilis hochftämmig auf D. scabra und Clianthus Dampieri auf C. magnificus veredelt ins Auge. Aus dem Garten des Herrn Grafen Breuner Enkevoirth in Gravenegg( Niederöfterreich) ftellte deffen Obergärtner Jofef Hirfch eine Sammlung in fchönfter Blüthe ftehender Hybriden von Sikkim Rhododendrons und unter verfchiedenen anderen blühenden Gewächfen Rhododendron macrocephalum, Styrax japonica und die fchöne grofsblumige oftfibirifche Rofa rugosa als R. Regeliana aus. Herr Hof- Galanteriewaarenhändler Emil Rodek ftellte neben verfchiedenartigen Kalthauspflanzen eine wunderfchöne Rofen- und Penféegruppe aus. Der k. k. Univerſitätsgarten ( Obergärtner Friedrich Benfeler) befchickte diefe Ausftellung mit einer Auswahl immergrüner Sträuche und Bäume im vorzüglichen Culturftande, zumeift von Arten, welche, längft von der Mode verdrängt, nur vereinzelt mehr in Handelsgärten vorkommen und unter diefen manche, welche als Medicinal- oder Induftriepflanzen ein befonderes Intereffe für dem Fachmann boten. Weitaus alle bisher genannten Ausfteller, wenn nicht der Zahl, doch an Seltenheit, Neuheit und relativer Schönheit der Arten nach überbietend, lieferte das berühmte Etabliffement des Herrn Conful J. Linden aus Brüffel und Gent ein Sortiment von Kalt und Warmhauspflanzen, welches, vom Standpunkte des Botanikers und fachkundigen Gärtners beurtheilt, alles Andere in Schatten zu ftellen geeignet war. Aus der Menge der vielen höchft werthvollen Gegenftände feiner Ausftellung will ich nur folgende hervorheben: Ein ficher mehrere Jahrhunderte altes, einige Centner fchweres Exemplar der Todea barbara mit feinem unförmlichen gegen 4 Fufs hohen, nahe 3 Fufs breiten und ungefähr 1½ Fufs dicken, mit fchwarzbraunen Luftwurzeln umpanzerten Stamm, auf deffen oberer ftumpfer Kante fich eine Maffe von büfchelartig beifammenftehenden Wedeln erhob und durch feine unförmliche Geftalt die Blicke aller Eintretenden unwillkürlich auf fich zog; eine ganz neue und auffällig von Araucaria Cookii, excelsa und Cunninghamii abweichende Art aus Neu Caledonien in einem 3 Fufs hohen Exemplar; eine ausnehmend fchöne Gruppe der bunt- und fchlitzblätterigen Ahorne aus Japan; ein Sortiment der neueren und neueften Arten von Dracaena in fehr fchönen Exemplaren; eine Zusammenftellung farbenprächtiger, meifterhaft gezogener neuerer Azaleen Sorten; endlich einen neuen Rhododendron Sämling, R. Princefs Louise" von feltener Schönheit. Von noch gar nicht, oder erft kürzlich in Handel gefetzten, gröfstentheils durch den Ausfteller eingeführten Neuheiten wären anzuführen, und zwar von Palmen des Kalthaufes: Kentia australis, Balmoriana, Canterburyana, Forfteriana, Liviftonia filamentofa, Phoenix Andersoni, tenuis und rupicola, Pritchardia filifera, Ptychofperma atlantica, Cocos Bonneti glauca, das Phormium atropuz purcum aus Neufeeland; von Pflanzen des Warmhaufes: Diffenbachia imperialis aus dem öftlichen Peru, Anthurium criftallinum, Phyllotaenium Lindeni, Tillandsia mosaica aus Columbien; Dioscorea chrysophylla, Meleagris und prismatica vom Rio negro; Dracaena Reali und gloriosa aus Vanicoro, jaspidea aus Melanesien und lutescens ftriata aus Madagascar, dann Maranta Makoyana aus Brafilien, alle im Laufe der Jahre 1868-1873 eingeführt. Unter den von ihm ausgeftellten blühenden Orchideen zogen namentlich Cypripedium caudatum fplendens, Masdevallia Lindeni, Odontoglossum criftatum, Pescatoea triumphans und Sceptrum die Blicke aller Freunde dieser wundervollen Ordnung mit Recht auf fich. Leider fielen eine gute Anzahl diefer exquifit tropifchen Pflanzen im Gefammtwerthe von Der Gartenbau. 11 mindeſtens 15.000 Francs der herrfchenden Kälte zum Opfer. Neben folchen Schätzen mufsten begreiflich die fehr fchön gezogenen neuen Azaleen Sorten Johann Verfchaffelt's und Eduard Vandercruyffen's aus Gent verblaffen, ohgleich fie mit jenen anderer Ausfteller einen Vergleich fehr gut aushielten. Aus der grofsen Anzahl von Specialitäten der Blumiftik, welche man diefsmal vertreten fand, müffen im Anfchluffe an die Azaleen die in Zwergform blühenden neuen Sämlinge von Rhododendron hervorgehoben werden, welche der königlich württemberg'fche Hofgärtner Müller aus Cannftadt ausgeftellt hatte. Die Mehrzahl von ihnen, abweichend durch Tracht und Färbung ihrer zumeift kleineren Blüthen, trug den Stempel der Neuheit in fo auffälliger Weife an der Stirne, dafs über ihre hybride Natur kein Zweifel entſtehen konnte. Die Wahl der Stammformen mufste mit befonderem Verſtändniffe vorgenommen worden fein, um folche überrafchende Erfolge zu erzielen, und es bleibt dabei nur zu bedauern, dafs Herr Müller nähere Angabe über diefen Punkt zu machen verfäumte. Die gröfste und formenreichfte Sammlung von Rhododendron- Blendlingen ftellte der Altmeifter in der Zucht derfelben, Herr Handelsgärtner T. J. Seidel zu Alt- Striefen in Sachfen, aus. Sie füllten allein die Mitte des öftlichen Pavillons der Ausftellung, umrahmt von Azaleen und Camellien, alle theils als Hoch-, Halbftämme, theils in Bufchform angezogen.- Allgemein bewundert wurde die von Herrn Secretär Fr. Flatz gebildete Gruppe von blühenden Alpenpflanzen, deren er über 500 in feinem Privatgarten cultivirt. Mehrere feltene Saxifragen, Primula- und Androsace- Arten aus unferen Hochalpen, den Pyrenäen, dem hohen Norden und dem Taurus neben anderen bekannteren zu treffen, gewährte allen Botanikern und Gebirgstouriften ein befonderes Vergnügen, und verliehen diefer Collection einen fpeciellen Werth. In Sammlungen diverfer Marktpflanzen, namentlich von immergrünen aus der Ordnung der Palmen und Pandaneen, der Gattungen Dracaena und dergleichen, wie fich folche zur Zimmercultur eignen, nebft Sortimenten von Cinerarien, Fuchfien, Rofen, Gardenien etc., excellirten namentlich die hiefigen Firmen Steck& Comp. und Carl Matzen etter. An Rofen aller Art, manchen ausnehmend fchönen und neuen Sorten, fowohl hoch- als niederftämmig gezogenen, war kein Mangel Nur wollte, bei aller Anerkennung ihres Werthes als Einzelblüthe, die hier übliche Culturweife derfelben, namentlich der hochftämmig gezogenen, bei den auswärtigen Jurymitgliedern aus Deutfchland und Belgien keinen Beifall finden. Man tadelte, und wie mir däucht nicht mit Unrecht, die unverhältnifsmäfsige Höhe des Wildftammes zu der fich bildenden Krone, ihre dadurch bedingte Schwäche mit allen weiteren daran fich knüpfenden bekannten Uebelftänden und ihre ungefällige Verwendung bei Bildung von Klumps und Wanddecorationen. Man beurtheilte fie von diefem Gefichtspunkte aus vielleicht zu ftrenge. Was man bei der Beurtheilung der Rofenzucht in Wien und feiner Umgebung ganz von diefer Seite her überfah, war der verderbliche Einflufs unferes Klima zur Zeit der kräftigften Entwicklung der Rofen auf deren Belaubung und Entfaltung der Blüthen. Die Rofe verträgt bei ihrer Verwendung im freien Lande bekanntlich keine zu harten, am wenigften unregelmäfsig verlaufende Winter mit grofsen Sprüngen in der Temperatur, wie fie bei uns zur Regel geworden, keine Tagelang anhaltende, Alles verfengende heifse Winde, während der Norden Deutfchlands, Belgiens und England mit feiner feuchten windftillen Atmoſphäre wie gefchaffen zur Pflege der Rofe ift. Diefen Cardinalbedingungen kann der tüchtigfte Gärtner nicht Herr werden, während er allen anderen gerecht werden kann. An der klimatifchen Frage fcheitern hierin, wie bei vielen anderen Culturen, die Bemühungen unferer Pflanzenzüchter. Von der Richtigkeit diefer Thatfache überzeugt man fich am leichteften durch einen Befuch der kleinen Hausgärten und Villegiaturen am Fufse unferer Hochgebirge und Seen im Salzkammergute, 12 Dr. Eduard Fenzl. wo die Rofe, ohne befondere Pflege und ohne Schutz wundervoll gedeiht, und die landläufige Bemerkung,„, dafs der Bauer auf dem Lande Rofen zu ziehen beffer verftehe als jeder Gärtner in der Stadt" und noch viele andere ehrenrührigere Klagen von Seite der Käufer über Bedienung mit fchlechter Waare, vollkommen erklärlich macht. Nach diefer gelegentlichen, wie mir däucht aber ganz gerechtfertigten Bemerkung über den Stand der Rofencultur in Wien, will ich nur anführen, dafs die anfehnlichften und fchönften Sortimente hochftämmig gezogener Rofen( in 80 bis 150 Sorten) von den hiefigen Handelsgärtnern Bachraty und Kläring, fowie von dem fürftlich Liechtenſtein'fchen Garten director zu Eisgrub, Herrn Ed. Pohle; ein kleines aber gewähltes Sortiment niederftämmig gezogener von Herrn Handelsgärtner Anton Scheiber und ein gleiches, namentlich neuere feine Sorten enthaltendes von dem früher bereits erwähnten Gartenfreund Herrn Emil Rodek geliefert wurden und die verdientefte Anerkennung fanden. Von Specialitäten in Marktpflanzen ftellten die Herren Carl Matzenetter Calcolarien; Friedrich Kläring Nelken; Friedrich Lefemann Cinerarien; Emil Rodek Viola tricolor; Lucas Bachraty reich blühende Zwerg- Orangenbäumchen in ausnehmend fchönen Sortimenten aus. Von den ausgeftellten Pelargonien erhob fich feltfamerweife keine einzige Gruppe über das Mafs der Gewöhnlichkeit, obgleich es in Wien an ausgezeichneten Züchtern diefer Zierpflanzen nicht fehlt. Vom Auslande betheiligte fich aus der Gruppe blühender Pflanzen des Blumenmarktes Niemand aufser Herrn Wrede in Lüneburg, dem bekannten Züchter von Viola tricolor Sorten. Leider langte deffen Sortiment abgefchnittener Blüthen diefer Art in einem fo traurigen Zuftande an, dafs es fich jeder eingehenden Beurtheilung entzog. Sehr anerkennend fprachen fich Kenner von Amaryllideen über ein Sortiment von in Blüthe ftehender hybrider Sämlinge von Amaryllis- Arten aus, welche Herr Hofgärtner Guttermann in Regensburg ausftellte, fowie über ein kleines Sortiment von Primula japonica in fünf Farbenvarietäten aus dem Hofburggarten. Von Coniferen, in Töpfen gezogen, erfreuten fich zwei Sortimente verfchiedener Art des ungetheilten Beifalles. Das eine derfelben, von Herrn Handelsgärtner Alexis Dalliére in Gent ausgeftellt, zählte zwar nicht mehr als 25 in Kübeln gezogene Bäumchen längst bekannter Arten, aber fo meiſterhaft gefchult, dafs Stück für Stück als Schaupflanze gelten konnte. Urfprünglich für die permanente Ausstellung im freien Lande beftimmt, verfchwand diefe Sammlung am Schluffe der temporären, nachdem fich für diefelbe rafch ein Käufer gefunden hatte. Die zweite numerifch weit bedeutendere, über 100 Arten und Varietäten zählende, auch manche noch nicht fehr verbreitete Art enthaltende Sammlung des Herrn Carl Kammel& Comp. aus Grufsbach in Mähren erwarb fich durch ein fehr verſtändiges Arrangement ungetheilten Beifall. Abweichend von der gewöhnlichen Art der Aufftellung verfuchte der Herr Ausfteller die Bildung eines mit frifchem Moos dicht überkleideten Hügels mit fanft abfallender welliger Böfchung, auf der die Töpfe zwifchen herausragenden Felsftücken eingefenkt waren, was dem Ganzen das Anfehen eines mit Coniferen bewachfenen Bergabhanges verlieh und fich harmoniſch den übrigen Gruppen blühender Gewächfe einfügte. Von in Töpfen veredelten Gehölzarten ftellte Herr Handelsgärtner A. C. Rofenthal ein 3500 Nummern ftarkes Sortiment aus, welches fich der ungetheilteften Anerkennung aller Sachverständigen zu erfreuen hatte. Als durch Veredlung künftlich erzeugte Varietäten follten Abies Reitzensis pendula und Robinia Pscudoacacia tricolor und foliis aureo. variegatis gelten, welche Herr Reif, fürftlich Salm'fcher Schlofsgärtner zu Reitz in Mähren, ausftellte. Die davon ausgeftellten Proben waren jedoch noch Der Gartenbau. 13 viel zu unvollständig ausgebildet, um über ihren Werth oder weit wahrfcheinlicheren Unwerth fich ein Urtheil bilden zu können. Aehnlich verhielt es fich mit Herrn Janaufchek's Propfverfuch von Hedera Helix, auf Aralia Sieboldii, welcher, wenn auch gelungen, fich dermalen nicht zur Nachahmung zu empfehlen fchien. Wir gelangen nunmehr zu den Gemüfen, mit welchen die Ausstellung befchickt worden war. Selbſtverſtändlich konnte es fich zu diefer Jahreszeit nur um getriebene, nicht aber um überwinterte, in den Augen des Züchters keinerlei Werth mehr befitzende Gemüſe handeln. Gröfsere Sortimente lieferten nur II Ausfteller, unter welchen fich 2 aus Deutfchland, zwei aus Ungarn, je einer aus Kärnthen und Tirol befanden, während von den fünf übrigen aus Niederöfterreich nur zwei profeffionelle Handelsgärtner, die drei anderen Gärtner von Privaten waren. Schlüffe daraus auf den Stand diefes Zweiges der Horticultur in Oefterreich, namentlich in Wien und deffen Umgebung, zu ziehen, wäre ganz unftatthaft, denn notorifch befchäftigt fich die Mehrzahl der hiefigen Gemüfegärtner mit der Treiberei der gefuchteften Artikel, fcheut fich aber, entfprechend ihrem Bildungsgrad, noch zu fehr vor der Oeffentlichkeit und jeder Art von Concurrenz. Des Abfatzes ihrer Producte ficher, richten fie ihr Gefchäft für den täglichen Bedarf ein und gehen hierin nicht um einen Schritt weiter, als eben nothwendig ift Ungemein fleifsig, aber jedes kaufmännifchen Sinnes bar, vermögen fie ihr Gewerbe lange nicht fo lucrativ zu geftal ten, als es unter den gegebenen Verhältniffen möglich wäre. Viel Schuld daran tragen noch der unter ihnen herrfchende, alte, jeder Neuerung im Gefchäftsbetriebe abholde Zunftgeift und gewiffe unter dem Mittelftande unferer Bevölkerung immer allgemeiner werdende fociale Verhältniffe, welche nichts weniger als ermuthigend auf die Gärtner und die Treiberei von Gemüfen einwirken. Namentlich ift es die Scheu der jüngeren Frauen, fich felbft um den Gemüſemarkt zu bekümmern, und die Gewohnheit, diefes Gefchäft dem weiblichen Dienftperfonale zu überlaffen. Dafs im wohlverftandenen Intereffe der letzteren und in Folge deffen die Nachfrage nach üherwintertem und elendem Gemüfe zu- und die nach frifchem und feinerem, weil theuerem, abnehmen mufs, liegt auf der Hand. Dazu kommt noch, dafs der Handel mit Gemüfen bei uns in der Hand der Zwifchenhändler fich befindet, und kein Gärtner fich um den Detailhandel weiter kümmert. Würden fich die Intelligenteren von ihnen zur Führung eines derartigen gemeinfchaftlichen Betriebes, namentlich zu dem vereinigen, den Markt mit getriebenem Gemüfe zu verforgen, fo könnten fie die fchönften Gefchäfte machen. Daran denkt aber Niemand, theils aus Bequemlichkeit, theils aus Mangel an kaufmännifchem Wiffen. Man fchiebt diefe offen eingeftandenen Uebelftände hundert anderen Verhältniffen, nur nicht den felbftverfchuldeten zu. Anders verhält es fich in anderen Ländern und fieht man namentlich dort fchönes Marktgemüfe, wo der kleine Mann ftatt der Frau das Marktgefchäft beforgt. Dafs es in Oefterreich nicht an Wiffen und Können, Gemüfe zu treiben, fehlt, das haben die wenigen auf der Ausftellung erfchienenen Gärtner von Privaten, wie die Herren Hirfch, Skebra, Jirafek, Janaufchek und Schilhan bewiefen, welche gröfsere Sortimente verfchiedenartiger Gemüfe lieferten. Ein kleines, aber ausgezeichnetes diefer Art ftellte der Wiener Handelsgärtner Georg Mayer, ein etwas gröfseres Herr Weifs aus Klagenfurt und die AckerbauGefellfchaft in Trient aus. Von Deutfchland aus befchickten diefsmal nur Herr E. Junge aus Schönbrunn in Preufsen und der bürgerliche Gärtnerverein in München die Ausftellung mit fehr fchönen und reichen Sortimenten. An Specialitäten ftellten aus: Herr Franz Bamberger aus München eine kleine Sammlung getriebener Kartoffeln; Herr Franz Mayer in Wien kolof fale Sellerieknollen; Herr Klempf Meerrettig in Prachtexemplaren; Herr Piccoli aus Rovigno in Iftrien riefige Artifchocken; Herr Ludwig Tfchugguel aus Botzen im freien Land getriebenen Spargel von befonderer Schönheit und 14 Dr. Eduard Fenzl. Herr L'Herault aus Argenteuil bei Paris, dem berühmten SpargelzüchtungsOrte, welcher jedoch dem des vorhergenannten Züchters entfchieden nachftand. Aus Aegypten ftellte der Director der viceköniglichen Ackerbau- Schule in Cairo, Herr G. Delchevalerie einen 15 Kilogramme wiegenden Knollen der Ipomoea Batatas, der Kartoffel Aegyptens und Indiens, nebft einen mehrere Zoll dicken Stamm des Cajanus indicus mit beigegebenen Fruchtzweigen und Samen in vier Farbenvarietäten aus. Diefe in Oftindien und im ganzen tropifchen Africa wildwachfende und von da aus in alle tropifchen und fubtropifchen Gegenden der alten und neuen Welt bereits verpflanzte, ftrauchartige Leguminofe trägt dafelbft ungemein reichlich Samen, welche ebenfo vortrefflich wie unfere Linfen fchmecken und über 15 Percent Legumin( Casein) und 50 Percent Stärkemehl enthalten. Ihr Anbau in Aegypten wie in Algerien breitet fich dafelbft immer mehr aus und fechft man um Cairo auf einer Hektare ( 2800 Quadratklafter ö. M.) 2000, am Ifthmus von Suez auf dem fandigen vom Nilwaffer irrigirten Boden an 3000 Kilogramme davon. Sie bedarf fehr bedeutender Bodenwärme und eignet fich defshalb bei uns durchaus nicht zum Anbau im freien Lande. Die japanefifche Commiffion ftellte fauftgrofse Zwiebeln aus von Lilium Kamtfchaticum und Wurzeln der Dioscorea japonica( Yamswurzel), fowie von Lappa major( Klettenwurzel) als im Lande gefuchte und im Grofsen gebaute Gemüſe. Von getriebenem Obft wurde mit Ausnahme von Erdbeeren gar nichts auf die Ausftellung gebracht. Das fchönfte Sortiment von diefen lieferte Herr Thiel, Schlofsgärtner des Grafen Fries in Vöslau. Ueberwintertes Obft fendeten blos acht Ausfteller; unter diefen Herr W. C. Boer aus Boscop in Holland; Herr Rittergutsbefitzer von Behr aus Schmoldow nächft Greifswalde in Pommern; die k. preufsifche Staats- und landwirthschaftliche Akademie zu Eldena in Pommern durch Herrn Doctor Baumftark; und die k. württembergifche Centralftelle für Landwirthfchaft in Stuttgart durch Herrn J. G. Sting; aus dem Inlande die Ackerbau- Gefellfchaft in Trient durch ihren Pomologen Herrn Chriftoph Frank; der Gartenbau- Verein in Steiermark; der Stiftsgarten zu Kremsmünfter in Oberöfterreich durch feinen Obergärtner Jof. Runkel und Herr Jof. Janaufchek, Gärtner des Gutsbesitzers von Nako aus Banat- Komlos in Ungarn. Durch grofse Mannigfaltigkeit an Beeren, Kern- und Stein- Obftforten ragten das Sortiment der Trienter AckerbauGefellfchaft; in Beeren- Obftforten die Sammlungen der Stuttgarter Centralftelle und des Klofters Kremsmünfter, in jeder Beziehung fich die Wage haltend, über die übrigen hervor. Eine fehr verdienftvolle, wiffenfchaftliche Zufammenftellung von 110 Arten von Medicinalpflanzen in frifchen Wurzelexemplaren lieferte Herr C. Tfchernikel, Obergehilfe im k. k. Hofgarten zu Schönbrunn. Von Bouquets, Kränzen und dergleichen aus lebenden oder getrockneten Pflanzen und Blüthen gebildeten Decorationsgegenständen war nichts vorhanden, was befonders hervorgehoben zu werden verdiente. Wir haben auf mancher der früheren Ausftellungen der hiefigen Gartenbau Gefellfchaft mehr und Befferes in diefem Genre gefehen. Der Gartenbau. 15 Die zweite vom 15. bis 20. Juni währende temporäre Ausstellung. Trug die erfte diefer Ausftellungen durch die Menge in voller Blüthe ftehenden Azaleen und Rhododendrons, ungeachtet der vielen anderen intereffanten und werthvollen Pflanzen, den Charakter einer Specialausftellung von Rhodoraceen, fo gewann die zweite durch die gleichmäfsigere' Vertretung der verfchiedenen Pflanzenordnungen und die harmonifchere Mifchung blühender Gewächfe mit folchen, welche durch ihre Tracht und Belaubung in die Augen fpringen, mehr den Charakter eines Gartens unter den Tropen. Jedenfalls verfchwanden fozufagen die übrigen Gegenftände des Gartenbaues neben der Maffe ausgeftellter Topfgewächfe. Befchickt wurde fie im Ganzen von 63 Perfonen, welche Zahl fich jedoch, nachdem einige von ihnen in verfchiedenen Kategorien von Gegenftänden zugleich ausftellten, auf die von 73 Ausftellern erhöht. Von diefen entfielen 45 auf das Inland und 25 auf das durch acht Staaten vertretene Ausland. Infoweit fchien diefe Ausftellung in der That den Charakter einer internationalen an fich zu tragen, büíste ihn jedoch bei einem näheren Eingehen auf das hierin mafsgebende Verhältnifs der relativen Betheiligung des Auslandes in den einzelnen Kategorien von Gegenftänden gegenüber dem Inlande nahezu ganz durch den Umftand ein, dafs dem letzteren nur in der Kategorie der Topfpflanzen und auch hierin nur von Belgien aus eine entfchiedene Concurrenz erwuchs, während fo viel als keine in der der Gemüfe ftattfand und in jener von Obft, obgleich fechs Ausfteller des Auslandes eben fo vielen des Inlandes gegenüberftanden, von einer folchen fchon defshalb nicht die Rede fein konnte, als nahezu jeder von den erfteren einen anderen Gegenftand als die letzteren ausgeftellt hatte. Aber auch unter den inländifchen Ausftellern kam es zu keiner anderen Concurrenz als in Erdbeeren. Was nunmehr die Leiftung der Belgier gegenüber den inländifchen Pflanzenzüchtern betrifft, fo concentrirt fie fich ausfchliefslich auf werthvolle Gewächshaus- Pflanzen und überbot hierin Alles, was von der anderen Seite in höchft anzuerkennender Weife geleiftet wurde. Ihr Werth wurde wefentlich noch durch die Opferwilligkeit gehoben, mit der fie, ungeachtet der fchlimmen Erfahrungen, welche fie bezüglich der Bergung ihrer Pflanzen bei der erften Ausftellung gemacht hatten, doch noch einen zweiten Befchickungsverfuch wagten. Dem energifchen Einfchreiten ihrer Commiffion hatte man auch noch die in der Zwifchenzeit erfolgte Herſtellung eines gefchloffenen und eventuell heizbaren Raumes im mittleren Theile des Ausftellungsraumes zu danken, deffen rechtzeitige Befchaffung der inländifchen Commiffion, trotz aller gemachten Vorftellungen bei der Generaldirection, nicht gelingen wollte. Eingehend nunmehr auf die von den Belgiern exponirten Gegenftände aus der Gruppe der Gewächshaus- Pflanzen war es die omnipotente Gent- Brüffeler Firma J. Linden, welche an neuen Einführungen, Seltenheiten und werthvollen Pflanzenarten alle anderen Concurrenten überbot. Die Zahl der von ihmausgeftellten Arten tropifcher Gewächfe mochte zwifchen 180 und 190 gefchwankt haben, welche Gefammtmaffe in neue Einführungen aus verfchiedenen Ordnungen, in noch fehr feltene Palmenarten des Warmhaufes, in eine Gruppe blühender Orchideen, in eine reiche Sammlung tropifcher Nutzpflanzen aller Art und eine von Cycadeen zerfiel. Um fich nur einigermafsen eine Vorftellung von dem Reichthume und dem Werthe diefer Sammlung zu machen, follen nur einige der neueften und vorzüglichften Arten aus jeder diefer Gruppen namentlich aufgeführt werden. Aus der Gruppe der in den letzten drei Jahren erft eingeführten 1o Arten von Zierpflanzen, mit Ausfchlufs der Palmen, möchte ich 2 16 Dr. Eduard Fenzl. als die werthvollften hervorheben: Curmeria picturata, Dracaena Gloneri, Philodendron parimense, Spathiphyllum macrophyllum, Dieffenbachia imperialis, die merkwürdige Rapatea pandanoides und die prachtvoll, mehrere Monate lang fortwährend blühende blaue Tillandsia Lindeni. Aus der 20 Arten ftarken Sammlung neuer Palmen des Warmhaufes wären folgende als eben fo feltene als ausnehmend fchöne zu bezeich nen, wie: Acanthorhiza Warscewiczii, der durch feine langen Stacheln an den Wedeln ausgezeichnete Calamus asperrimus und tenuis, eine noch unbekannte zweite Art aus Menado, die Calyptrogyne elata, die Cocos Bonneti, der Daemonorops accidens, die Glaziova insignis, die beiden Arten von Kentia( Balmoreana und Forsteriana), die intereffante ftachelige Pritchardia Gaudichaudiana, Sabal princeps, Verschaffeltia melanochaetes und Welfia regia. Unter den im reichften Blüthenfchmucke ausgeftellten, die Blicke aller Befchauer feffelnden Orchideen, ragten vier, theils durch Gröfse, Farbe und Configuration ihrer Blüthen fich auszeichnende Cattleya- Arten, darunter eine noch unbenannte neue, drei Aerides- Arten, die Laelia purpurata, die noch fehr feltene Masdevallia Harryana, Trichopilia crispa, fünf prachtvolle Odontoglofsa, darunter das reichblühende O. Alexandrae und das mit vier, über zwei Fufs langen Rispen blühende Oncidium incurvum und Epidendron vitellinum hervor. Aus der mindeſtens 90 Arten ftarken Sammlung tropifcher Nutzpflanzen will ich nur der Zimmt-, Gewürznelken-, Muscatnufs- und Cacao liefernden Bäume, der fchönen Monodora grandifolia und der Pfeffer fträuche erwähnen; aus der Gruppe der officinellen Pflanzen des berüchtigten Upasbaumes aus Java, der giftigen Strychnos Cabalonga aus Tabasco, des Manzanillenbaumes, der drei Arten, in ihren Rinden Chinin liefernden Cinchonen, der als Fiebermittel in Centralamerika gefeierten Simaba Cedron, des Coca- Strauches aus Peru, des Copalbaumes und der die fogenannten Tonkabohnen liefernden Dipterix odorata. Unter den zahlreichen Farbeftoff und Fournituren, Kautfchuk, Milchfäfte, Harze und Oele liefernden Bäumen will ich nur der Bixa orellana, der Caesalpinia echinata und des Haemotoxylon campechianum erwähnen, von welchen die Samen der erfteren den Orleans, die beiden anderen das Blau- und Rothholz liefern; des gefchätzten Palifander- und Mahagonibaumes( des Machaerium firmum und der Swietenia Mahagoni); der Kautfchuk liefernden Caftillo a elaftica und des geniefsbare Milch in reichlicher Menge führenden Galactodendron utile( des Kuhbaumes von Columbien); der Gummi liefernden Inga vaga und der in ihren Samen das gefchätzte Carapaöl enthaltenden Carapa guyanensis. Aus der übergrofsen Zahl Bäume und Sträucher mit efsbaren Früchten aus den Tropen hebe ich nur die in den Gärten noch feltener vorkommenden hervor, wie die Campomanesia hypoleuca, Cerasus Capollina( die Quito- Kirfche), Prunus fphaerocarpa( die Pflaume der Antillen), Garcinia Livingstonii und australis, den Litchibaum( Nephelium Litchi) aus China und die herrliche Platonia insignis mit ihren Früchten, welche die der Mangoftanen an Wohlgefchmack noch übertreffen. Weitaus die Mehrzahl diefer Pflanzen war durch fehr hübfche, gefunde, oft über bis 3 Fufs hohe Exemplare repräfentirt und diefelben von Fachgelehrten und verſtändigen Gärtnern höher als manche feiner fchönen Palmen und Novitäten gehalten und bewundert. Impofante Schaupflanzen, wahre Meifterftücke der Cultur, von unübertroffener Schönheit, lieferte die bekannte Garten- und Blumenfreundin Madame Legrelle d'Hanis aus ihren Gewächshäufern zu Berchen bei Antwerpen. Diefe fpatiöfe Sammlung enthielt zumeift ältere und neuere Arten von Dracaenen, Maranten, Phylodendrons, Palmen, buntblättriger Crotons, Der Gartenbau. 17 ein fehr fchönes Exemplar von Aralia Sieboldii mit bunten Blättern, die noch feltene Vriesea Glaciouana, nebft Prachtftücken der Dracaena regina und porphyrophylla, Maranta zebrina, Phormium Veitchii und Colensoi. Die Firma H. Verfchaffelt in Gent ftellte eine Collection von zwölf Agaven zumeift neuer und neuefter Einführung aus, eben fo viele Yuccas Littaeen und Dasylirions, feltene Cacteen und Echeverien wie noch zehn Arten von Cycadeen nebft einigen ausnehmend fchön gezogenen Lorberbäumen von 6-10 Fufs Höhe. Unter deffen Agaven fielen befonders die ganz dornenlofe A. Ellemetiana, die noch wenig bekannten Arten: A. Killifchi, Verfchaffelti und Fiquelmonti auf; unter den Yuccas mehrere neuere aus Californien, dann Yucca Ghiesbrechti und die buntblätterige Y. quadricolor, manche derfelben in bereits ftark entwickelten Exemplaren. Unter feinen Litta e a-( Bonapartea) und Dasylirion- Arten befanden fich mehrere fehr alte Original- Exemplare, welche durch ihre ganz eigenthümliche Verzweigung. in Form von dicht gedrängten Blattfchöpfen, die Beachtung des fachgelehrten Botanikers auf fich zogen. Ebenfo fehr wurde das Exemplar der Varietät von Littaea hyftrix mit beinahe flachgedrücktem Scheitel bewundert. Unter feinen Cacteen und Echeverien verdienen der noch feltene Pilocereus senilis, eine neue Mamillaria und Echeveria aus Mexico namhaft gemacht zu werden. Unter den von ihm ausgeftellten Cycadeen befanden fich ein in Blüthe kommendes Original Exemplar von Dion edule, die noch fehr wenig bekannte Zamia Vro o mi mit einem maffiven, faft 2 Fufs hohen Stamme, fchöne Exemplare von Zamia villosa, corallipes und Lepidozamia Perowskiana. Der Linden'fchen Sammlung fich in Bezug an Novitäten, der der Madame Legrelle d'Hanis der vorzüglichen Cultur der Exemplare nach, zunächft anfchliefsend, erfchien uns die des Handelsgärtneлs, Herrn Alexis Dallière aus Gent als eine der ausgezeichnetften auf diefer Ausftellung. Sie imponirte namentlich durch die bedeutende Anzahl neuerer Dracaenen, Palmen, Bromeliace en, Maranten und Aroideen in prachtvollen Exemplaren. Eingetheilt unter diefen grofsen Schaupflanzen nahmen fich einige Cypripedien wie C. caudatum und barbatum, ein mit 18 Blüthenfchäften prangendes Exemplar von Anthurium Scherzerianum, ein mit Blüthen überfäetes der Genethyllis tulipifera und das fchöne Nidularium splendens vortheilhaft aus. Unter den Palmen begegnete man dem feltenen Phoenicophorum Sechellarum, der grofsen Pritchardia pacifica und Coccos Mikaniana; unter den neuen Einführungen dem Anthurium cristallinum, der Curmeria picturata und Dieffenbachia Bausei, beide aus Neu Granada; der Macrozamia corallipes, der Maranta Makoyana, dem Nidularium spectabile und der Tillandsia tesselata fämmtlich aus Brafilien; der Martinezia erosa aus Peru; dem Pandanus Veitchii mit weifs beränderten Blättern aus Madagascar und dem Phormium atropurpureum aus Neu- Seeland. und Eine den bereits erwähnten grofsen Collectionen gegenüber der Zahl der Arten nach beinahe verfchwindende, aber nichtsdeftoweniger intereffante, weil nahezu Gewächfe neuefter Einführung enthaltende Sammlung ftellte die Firma Mackoy& Comp. in Lüttich aus. Für den Botaniker und Bromeliaceen- Freund von befonderem Intereffe, von entfchieden geringem Werthe dagegen für den Handelsgärtner, erwiefen fich deffen Tillandsia staticaeflora heterophylla durch die Kleinheit und Zartheit ihrer Blattformen; deffen neue Adiantum Art aus Brafilien, die Maranta Makoyana und die Varietät von Quercus americana mit tief purpurrothen Blättern, ein Gegenftück zu unferer Blutbuche. Aufser diefen Novitäten enthielt diefe Sammlung einige der neueften Dracaenen, darunter die D. magnifica mit breiten, rothen Blättern, die neueften Croton- Arten mit bunten Blättern, eine neue gold 23 18 Dr. Eduard Fenzl. färbige Varietät von Arthrotaxus Doniana, das Phormium Colensoi, Acer rufivenium und argenteum, beide mit panachirten Blättern, nebft mehreren anderen Gewächfen neuerer Einführung. Wenngleich fehr beachtenswerth, verdiente fie doch nicht diefelbe Anerkennung( die Fortfchritts- Medaille), welche Linden fûr feine Novitäten mit vollftem Rechte zuerkannt wurde. Eine prachtvolle Sammlung von Selaginellen und Maranten, in einem beneidenswerthen Culturftande ftehend, fandte der Präfident der königlichen Gartenbau- Gefellſchaft in Gent, Herr De Ghellinck de Walle; eine andere 124 Arten ftarke Sammlung im freien Lande ausdauernder Farrenkräuter in 120 Varietäten und Formen, welchen fich noch ein Sortiment von 21 als Hybride bezeichnete Formen von Gymnogramma und Cheilanthes anfchlofs, Herr Handelsgärtner A. Stelzner in Gent. Das reichfte Sortiment von Echeverien und Phormiumform en lieferte Herr Louis de Smet, Handelsgärtner in Gent; eine 25 Arten ftarke Sammlung officineller und techniſch wichtiger tropifcher Pflanzen der botanifche Garten in Gent. Als in folchen Gärten nur felten vorkommende Arten will ich aus diefer Sammlung anführen: Chiococca racemosa, Cinchona succirubra, Cocculus Plucknetii, Musa sinensis, Salmia palmata und Smilax Sarsaparilla. Von Van Gert aus Gent befand fich eine Gruppe von 6 baumartigen Farrenkräutern und einigen Eriken ausgeftellt, unter welch' erfteren Balantium antarcticum, unter den letzteren ein prachtvolles Exemplar von Erica Candolleana allgemein bewundert wurden. Aus Deutfchland ftellte nur Herr Oscar Liebmann in Dresden Prachtexemplare des fchönen Baumfarrens Balantium Sellowianum von 2 Meter Höhe, ein tadellos gezogenes Exemplar der Dracaena Ehrenbergii von 32 Meter Höhe und ein ebenfo grofses von Chamaerops humilis, nebft einem mächtigen von Cycas revoluta aus. Unter den Ausftellern des Inlandes thaten fich namentlich die Herren Rudolf Abel, Emil Rodek und Univerfitäts- Obergärtner Friedrich Benfeler durch ihre Sammlungen werthvoller und fchön gezogener Pflanzen aus den verfchiedenften Ordnungen hervor. Sie allein konnten fich dreift mit Verfchaffelt und Dalliére meffen, ja überboten fie in manchen Partien. An Pflanzen fehr neuer Einführung fehlte es in den Collectionen der beiden erfteren gleichfalls nicht und was deren Cultur betraf, fo liefsen nur wenige etwas zu wünfchen übrig. Jede von ihnen hatte ihre befonderen Vorzüge. So erwies fich die des Herrn Rudolf Abel als die reichfte an mitunter noch fehr feltenen Palmen und Eriken; die des Herrn Rodek an Croton, Dieffenbachia, Ficus, Fittoniaund Theophrasta Arten; jene des Univerſitätsgarten an Farrenkräutern und Lycopodiaceen. - Herr Abel mochte an 70 Arten Palmen nebft 15 Cycade en ausgeftellt haben. Unter den erfteren befanden fich 6 Areca, 4 Geonoma, ebenfo viele Coccos- und Trinax- Arten, die beiden Acanthorhizen( A. stauracantha und Warscewiczii), Ceroxylon niveum, Euterpe edulis Orbignya dubia, Plectocomia assamica und Stangeria paradoxa nebft anderen noch feltenen Arten. Von Cycadeen waren keine anderen, als die fchon auf der früheren Ausftellung da waren, erſchienen. Einen Glanzpunkt feiner Ausstellung bildeten wieder die Eriken, namentlich die verfchiedenen Hybriden von E. ventricosa und vestita. Sie ftanden an Blüthenfülle und Cultur der in England hundertmal leichter als bei uns zu ziehenden, nach dem Ausfpruch aller Fachleute, in keiner Hinficht nach. Unter den von Herrn Emil Rodek ausgeftellten Pflanzen, zumeift neuer und neuefter Einführung, traf man nahezu alle bisher bekannten Arten der buntblättrigen Crotons in fchön cultivirten Exemplaren vertreten; unter den zehn Dieffenbachien: D. Para quini, Bausei, Baumanni und eburnea; Der Gartenbau. 19 unter anderen fchön gefärbten Blattpflanzen: Ficus Annei und Decaisnei, Guftavia brasiliensis, ein ausnehmend fchönes Exemplar von Pandanus Veitchii, Musa vittata, Philodendron Melinonii und mehrere Theophrasta Arten. Der Univerfitätsgarten brillirte durch eine Sammlung von mehr als 50 Arten exotifcher Farrenkräuter aus allen Ordnungen, von welchen namentlich 2 Exemplare von Balantium antarcticum mit einem nahezu 4 Meter hohen Stamm und fchöner Kronenbildung und ein riefiges Exemplar von Angiopteris evecta mit über 4 Meter langen Wedeln allgemein bewundert wurden. Aufser diefer Farrenkraut Collection waren noch fünfzehn Arten von Lycopodiace en, grofsblättriger Aroideen, Acanthaceen, baumartiger Diosmeen aus Brafilien und anderer Ordnungen in grofsen Exemplaren vertreten. Eine fehr beachtenswerthe, aber bedeutend kleinere Sammlung von Farrenkräutern und Eriken ftellte Herr Lesemann aus, in welcher die fchönen Exemplare von Cybotium princeps und Schiedei, fowie von Alsophila glabra und Didymochlaena pulcherrima hervorragten. Das reichfte Sortiment von Marktpflanzen, beftehend in einer Maffe von Fuchsien, Hortensien, Pelargonien, Petunien, Caladien, Glo xinien, Lobelien, Coleus- und Heliotropium- Sorten, alle im beften Culturftande, lieferte die Firma Georg Steck& Comp. in Wien. Von ausgeftellten Specialitäten erwarben fich die Sammlung buntblätteriger Caladien der Herren Hirſch aus Gravenegg und Ernft Fifcher, Gärtner des Wilhelm von Ritter in Görz, den verdienteften Beifall aller Gärtner; namentlich zeichneten fich die des Letzteren durch befonders kräftigen Wuchs und eine gröfsere Menge neuerer Formen aus. Erfterer ftellte neben feinen fchönen Alocasien, unter welchen A. metallica glänzend hervorragte, noch ein Käftchen mit abge. fchnittenen Blüthen von Clematis von feltener Gröfse aus. Franz Flatz. ftellte eine neue Suite feiner vielbewunderten Alpenpflanzen in Blüthe und Herr J. Warren aus New- York mehrere unmittelbar aus Florida importirte Orchideen und Bromeliace en aus, über deren horticolen Werth man füglich nicht urtheilen konnte, da fie zur Zeit noch nicht in Blüthe ftanden. - Von der Firma Ch. Boelens& Sohn aus Ledeberg bei Gent waren blühende Sämlinge von Amaryllis- Arten von befonderer Schönheit zu treffen. Herr Flefch, Director des Knaben- Rettungshaufes in St. Veit bei Wien, lieferte in einer Gruppe annueller Decorationsgewächfe des freien Grundes ein ausnehmend fchön baumartig gezogenes Exemplar des Gnaphalium lanatum von drei Fufs Höhe. Das gröfste Sortiment von Begonien ftellte Herr Clemens Stöger, gräflich Schönborn'fcher Obergärtner aus Schönborn, und von Gloxinien Herr Jof. Wich an aus dem freiherrlich Dobbelhof'fchen Garten in Weikersdorf bei Baden aus. Unter den letzteren befand fich eine ganze Suite von Sorten mit ganz feltfam gefüllten Blüthen. Das fchönfte Sortiment englifcher Pelargonien und Fuchsien lieferte unftreitig die Wiener Firma Friedrich Kläring. Wetteifernd in den erfteren that fich Herr Jof. Scheiber, in den letzteren Herr Heinrich Baumgartner hervor. Eine Fülle abgefchnittener und auf einer Pyramidenform aufgeftellter Rofen brachte der hiefige Handelsgärtner L. Bachraty. Unter den Sortimenten von Viola tricolor erwies fich die des Herrn Handelsgärtners Wrede aus Lüneburg als die formenreichfte, die des Herrn Toscano in Wien als die durch Gröfse der Blüthen hervorragendfte. Von in Topf veredelten Gehölzforten ftellte die hiefige bekannte Firma C. A. Rofenthal eine 500 Sorten ftarke und gefchmackvoll gruppirte Sammlung aus, in der die meiften in neuerer Zeit eingeführten, noch fehr feltenen Arten und Varietäten vertreten waren. 20 Dr. Eduard Fenzl. Gemüfe waren diefes Mal im Ganzen fchwächer, in einigen Specialitäten jedoch fehr gut vertreten. Gröfsere Sammlungen ftellten von hiefigen Handelsgärtnern die Herren Georg Steck& Comp., Carl und Georg Mayer; von auswärtigen aus Cisleithanien die Herren Jof. Hirfch aus Gravenegg und A. Auer aus Klagenfurt; aus Ungarn die Herren Privatgärtner Janaufchek und Schilhan; von Ausländern die Ausftellungscommiffion von Verona und Herr Gratfchew aus St. Petersburg aus. Als ganz ausgezeichnet wurden von Sachverständigen die von den beiden Herren Mayer gezogenen Gemüfeforten bezeichnet. Zu den artenreichften zählte die des Herrn Hirfch mit 28 verfchiedenen Nummern. Spargel ftellten der landwirthschaftliche Verein in Eibenfchitz in Mähren, dann die Herren Worell von eben daher und Zaufaly aus Miltfchan in Mähren aus. Alle drei wetteiferten mit einander an Gröfse und Güte, namentlich der des letzteren in erfterer Beziehung. Ihnen allen ftand der aus Argenteuil, dem berühmten Spargelzüchtungs- Ort bei Paris, zur erften Ausftellung eingefendete entfchieden nach, und Eibenfchitz behauptete auf diefer Ausstellung abermals feinen alten in diefer Cultur bewährten Ruf. Herr Klempf aus Rudolfsheim bei Wien excellirte auch diefsmal wieder durch feine Specialität im Meerrettig. Früchte und Topf- Obftbäume ftellten nur Wenige aus. Die fchönften Erdbeeren lieferten diefsmal die Herren Rudolf Abel und Bachraty: grofse Ananasse blos Herr Carftanjen aus Oedenburg; einige Früchte der Vanilla lutescens( die unter dem Namen Vanillosma im Handel vorkommende Sorte) Herr Kramer in Flotbeck bei Hamburg; in Blüthe ftehende Exemplare von Vaccinium macrocarpum mit Beigabe confervirter Früchte Herr Hofgärtner Maurer in Jena, der diefe nordamerikanifche Heidelbeere im Grofsen cultivirt. - Getriebene Trauben von enormer Gröfse und ganz vorzüglichem Gefchmacke ftellte Herr A. de Goes aus Schaerbeck bei Brüffel und ChaffelasTrauben Herr Rosé Charmeux aus Thomery fur Marne aus. In Oefterreich legt man gegenwärtig nur mehr geringen Werth auf getriebene Obftforten diefer Art und verringert fich defshalb von Jahr zu Jahr mehr der Betrieb und die Kenntnifs diefes Zweiges der Horticultur. Der Süden liegt uns fchon zu nahe und die Leichtigkeit des Bezuges feiner Früchte in diefer Jahreszeit tragen wefentlich zu dem Verfalle diefer Kunft bei. Eine fehr hübfche Collection von 20 Stück veredelter Stachelbeerbäumchen und vier Sorten Apfelbäumchen in Töpfen brachte Herr Jof. Kienaft, Pomologe des Stiftes St. Florian in Oberöfterreich; fehr gut gezogene Scherben Obftbäumchen noch die Herren R. Abel und Bachraty aus der Umgegend von Wien. Sehr ſchöne Südfrüchte lieferte das Ausftellungscomité von Brescia; die vorzüglichfte Sammlung von Orangen und Citronen in 40 Varietäten, mitunter von ungewöhnlicher Form und Gröfse, Herr Profeffor Theodor Orphanides aus Athen. Sie bildete unftreitig den Glanzpunkt der Ausftellung in diefer Partie. Zugleich exponirte derfelbe eine reiche Sammlung zur Einführung in die Gärten als Decorationspflanzen empfehlungswerther Arten der Flora Griechenlands in vorzüglichen Herbariumsexemplaren, darunter feine neuen fchönen Species von Colchicum. Ein zweites, zum gröfseren Theile Moofe, Flechten und Gräfer Deutſchlands umfaffendes Herbar ftellte der frühere Zögling der Gartenbau- Schule der Wiener Gartenbau- Gefellſchaft Jof. Krislička, und ein drittes Herr Carl Tfchernikel, Obergehilfe im k. k. Hofgarten in Schönbrunn, von um Wien wild wachfenden oder im Grofsen gebauten Phanerogamen aus. Aufserdem brachte derfelbe noch fieben Arten in Topf gezogener Orchideen der Wiener Flora in Blüthe, fowie einen ganz gefchmackvoll aus hier wildwachfenden blühenden Pflanzen gebildeten Tafelauffatz. Mit Ausnahme der zierlichen von gutem Gefchmacke Der Gartenbau. 21 Zeugnifs gebenden Bouquets des Fräuleins Lidwine Alt brachte auch diefe Ausftellung keinen decorativen Gegenftand gleicher oder ähnlicher Art, welcher einer befonderen Erwähnung werth wäre. Die bekannte Firma Baltet frères in Troyes ftellte für Lehrzwecke eine Sammlung von Holzmodellen aus, welche die verfchiedenen Veredlungsmethoden, deren man fich in der Horticultur bedient, fehr gut und praktiſch verfinnlichten. Von Linden in Brüffel befanden fich verfchiedene Tafeln feiner bekannten für den Botaniker wie für den Züchter neu eingeführter tropifcher Gewächfe ganz unentbehrlich gewordenen„ Illustrations horticoles" ausgeftellt. Die dritte vom 20. bis 30. Auguft währende temporäre Ausftellung. Nach den grofsen pecuniären Opfern, welche die Belgier für ihren Nationalruhm, als die unternehmendften und fähigften Gärtner auf dem Continente, in der Branche der höheren Ziergärtnerei bei den erften beiden temporären Ausftellungen gebracht hatten, durfte man ein abermaliges Erfcheinen derfelben auf diefer dritten nicht mehr erwarten. Ebenfowenig konnte man nach den bisher gemachten Erfahrungen auf eine bedeutende Befchickung diefer Ausftellung aus Deutfchland und anderen Ländern rechnen. Die Infcenirung einer die beiden früheren an Mannigfaltigkeit, innerem Werthe und Schönheit der Objecte nicht nachftehenden Ausftellung blieb nunmehr alleinige Aufgabe des Inlandes, ihre Löfung eine um fo fchwierigere, als fie des blendenden Schmuckes und Reizes, welchen die Menge .in Blüthe stehender Gewächfe den früheren Ausftellungen verlieh, in diefer Jahreszeit entbehren mufste. Wenn fie trotz diefer empfindlichen Einbufse fich dennoch als eine ihnen vollkommen ebenbürtige erwies, fo verdankt man diefs einzig und allein dem einträchtigen Zufammenwirken der wenigen hiefigen gröfseren Handelsgärtner und Gartenfreunde. Bei der geringen Theilnahme des Auslandes, das nur durch 17 ( bei einer Gefammtzahl von 77 Ausftellern) vertreten erfchien, erhielt diefe dritte temporäre Ausftellung ganz den Charakter einer nationalen, liefs aber gerade dadurch das Verdienstliche mancher Leiftungen mehr als auf den früheren hervortreten. Noch unter dem Bann des frifchen Eindruckes ftehend, welchen die werthvollen und intereffanten Gegenftände der belgifchen Ausfteller auf die Gärtner des Inlandes übten, bangte den meiften von ihnen vor dem Erfolge diefer dritten Expofition, die fie nunmehr allein zu beforgen hatten. Aber gerade diefer Umstand war es, der zu ihrem Vortheil ausfiel. Keiner der bisherigen Ausfteller wollte jetzt, wo es fich handelte, die Ehre des Tages zu retten, hinter feinen früheren Leiftungen zurückſtehen und fo kam es, dafs fie zur freudigen Ueberrafchung der dabei direct Betheiligten, was Topfpflanzen betraf, weit ausgezeichneter ausfiel, als man überhaupt erwarten durfte. Der Mangel an blühenden Gewächfen in diefer Jahreszeit wurde durch die Mannigfaltigkeit der Blattformen und Färbung derfelben hinlänglich ausgeglichen, fo dafs ebenfo viel Bewegung und Leben in diefe Maffe gerieth, als diefs bei den vorhergegangenen beiden Ausftellungen der Fall war. Der Charakter derfelben war durch die Menge von Palmen, Marantaceen und Aroideen aber ein ganz anderer, ernfterer, feierlicherer geworden. Es fehlte nur am nöthigen Raume, um damit eine grofse, an manche Waldesdickichte unter den Tropen erinnernde Gruppe zu bilden. - Von den Ausftellern grofser gemifchter Sammlungen werthvoller Pflanzen diefer Art aus den verfchiedenften Ordnungen waren felbftverſtändlich das Gärtnertriumvirat Abel, die Herren Emil Rodek, Lefemann, der Obergärtner im k. k. Univerfitätsgarten Benfeler und die Herren Imelin, fürftlich Schwarzen 22 Dr. Eduard Fen zl. berg'fcher Obergärtner, Pohle und C. Matzen etter am meiften bemüht, mit ihren zur Schau geftellten Maffen den gröfseren Theil des Ausftellungsraumes zu füllen. Es genügt in diefer Beziehung, einfach zu bemerken, dafs Herr R. Abel an 900 Arten und Varietäten, manche derfelben in mehrfachen Exemplaren, ausgeftellt hatte, wobei noch bemerkt werden mufs, dafs nur eine relativ geringe Anzahl derfelben bereits auf den früheren Ausftellungen erfchien. Ausnehmend gut vertreten waren die Araliace en in 24 Arten, von welchen beifpielsweife blos Aralia amboinenfis, Hookeri, nymphaeefolia, parasitica und Sieboldii, Botryodendron giganteum und Gaftonia javanica als neuere, oder in befonders fchönen Exemplaren vertretene Arten hervorgehoben zu werden verdienten. Von Aroideen waren nicht weniger als 124 Nummern, theils Arten und Formen, von buntblättrigen Caladien allein 70 folcher ausgeftellt. Ganz vorzüglich waren die Gattungen Alocasia, Anthurium, Dieffenbachia und Philodendron vertreten, und zwar der Mehrzahl nach durch neuere und neuefte Erfcheinungen im Handel. Auch unter 24 ausgeftellten Bromeliace en befanden fich mehrere, wie Bilbergia Apuniana, Vriefea Abelii und Glaziouana, fowie Bromelia amazoniea, welche noch nicht zu den älteren bekannteren Arten zählen. Dasfelbe gilt auch von feinem Sortimente von Dracaenen und Marantace en, von welchen das erfterė 45, das letztere 36 Arten zählte. Unter den Dracaenen zeichneten fich nebft manchen anderen theils durch die fchöne Cultur der Individuen, theils durch ihre relative Seltenheit in unferen Gärten namentlich folgende aus, wie Dracaena albicans, Canartii, Cooperi, grandis, Guilfoylei, nigrescens, porphyrophylla, regina, fplendens und Weissmanii; unter den Maranten: Maranta argyraea, Baraquini, chimboracenfis, Makoyana, orbifolia, Porteana, princeps, fmaragdina, Veitchii und Wallis ii. Diefe und die folgenden Sortimente in wiffenfchaftlicher Beziehung wie ihrem Handelswerthe nach weit überragend, erwies fich das feiner Palmen. Ich zweifle, dafs man mit Ausfchlufs der gröfsten Handelsgärtner in Belgien und England in irgend einem anderen des Continentes eine noch grössere Menge von Palmenarten treffen wird, als man hier auf einem Raum zufammengedrängt zu fehen Gelegenheit hatte. Für den Fachmann genügt in dieser Hinficht fchon die Bemerkung, dafs in diefer Sammlung 43 Gattungen in 87 Arten repräfentirt waren. Dazu kommt noch, dafs man von allen diefen Arten kaum 10 auf den beiden vorhergegangenen Ausftellungen vorgeführten wieder begegnete, auch fehlten nur fehr wenige der allerneueften Einführungen Linden's, welche man auf diefen zu bewundern Gelegenheit fand. Befanden fich auch manche unter ihnen in noch wenig entwickeltem Zuftande, fo war doch die Mehrzahl derfelben in fehr hübfchen und ftarken Exemplaren vertreten. Eine ſpecielle Aufzählung der fchönften und neueften Arten erfcheint mir dem Gefagten nach geradezu überflüffig.- Seine Sammlung von Damara- Arten, Cycadeen und Pandaneen umfafste fo ziemlich alle bisher nach Europa gebrachten Arten aus diefen Ordnungen. Die Artocarpeen, namentlich die Gattung Ficus, waren durch 26 Arten repräfentirt. Ausnehmend fchön waren die Exemplare von Artocarpus grandis und imperialis; von fehr neuer Einführung Ficus Abelii, Cooperi, lanceolata, Porteana, fubpandura e- formis und Suring arii. leuconeura, Weniger reich an Arten und Seltenheiten waren die Sortimente von Farren und Fettpflanzen; prachtvoll dagegen jenes der Eriken in 34 Arten und Hybriden aus der Abtheilung der Ampulaceen und Longifloren. Ihr Culturzuftand liefs nichts zu wünſchen übrig und erwarb fich ungetheilte Anerkennung. Dasfelbe galt auch von feinem Sortimente buntfärbiger Croton- und Coleus. Varietäten. Unter den erfteren fehlte unferes Der Gartenbau. 23 Wiffens keine der bisher bekannten 23 durch Bizarrerie ihrer Blattformen und Eigenthümlichkeit ihrer Färbung ausgezeichneten Arten, an welche fich noch eine weitere neue aus feinem Etabliffement ftammende als Croton Abelii bezeichnete Spielart anfchlofs. Sämmtliche bisher als felbftftändige Arten angefehene Formen dürften fich fpäter als reine, von zwei oder drei Hauptformen abftammende Spielarten erweifen, die fich gleich vielen anderen Modepflanzen durch Cultur noch weiter werden vervielfältigen laffen. Die Concurrenz, die ihr von verfchiedenen Seiten zugleich erwuchs, konnte fie nicht blos in Bezug auf die Menge der Formen, fondern auch der Gröfse und Befchaffenheit der Exemplare nach vollkommen aushalten. Unter den 43 Coleus- Varietäten befanden fich 6 neue reizende Producte eigener Züchtung in einem Zuftande von Maftcultur, wie man fie nur felten in folcher Weife trifft. Aufser diefen genannten Sortimenten von Arten, Varietäten und Formen aus einzelnen Gattungen und Ordnungen fanden fich noch eine Menge anderer intereffanter Arten aus verfchiedenen anderen natürlichen Pflanzenfamilien vor, welche fich durch ihr Anfehen, Schönheit der Blattformen und Seltenheit auszeichneten. Ich erwähne nur beifpielsweife der grofsen Exemplare von 4 Arten von Theophrafta, der Stadtmannia, der 8 von Musa und Coccoloba, der beiden Crefcentien, der fchönen Gomphia Thophrafta, des Cyanophillum magnificum, der Herania palmata, der Jatropha multifida, der Pavetta borbonica und der beiden fchönen Rhophalen, um anzu deuten, welchen Rang deffen ausgeftellte Objecte unter den übrigen einnahmen. An Mannigfaltigkeit und mercantilem Werth der Arten und Exemplare reihte fich die Sammlung der Firma Ludwig Abel an die vorhergehende an. Auch hier fielen wieder fchöne ftark entwickelte Palmen, Pandanen, Cycadeen, Musaceen, Aroideen, Dracaenen und derartige Pflanzen auf. So traf man von den erfteren an 20, von Pandanus 13, von Cycadeen 12 Arten. darunter Le pido zamia Perowskyana und Cycas Armſtrongii in fehr fchönen Exemplaren, von Mufa 6, Aroideen 21 und Dracaenen 12 Arten und unter diefen allen viele ganz neuer Einführung. Von anderen mitausgeftellten Pflanzen will ich nur feines 13 Arten ftarken Sortimentes von Croton, die fchöne Varietät von Echites nutans, der Passiflora fasciata, der Ledenbergia rofea, des Xanthosoma versicolor und der hübfchen Varietäten von Dichorisandra vittata erwähnen, um zu zeigen, welche Fülle von fchönen und werthvollen Gegenftänden deffen Etabliffement enthält. Als eine fehr anerkennungswerthe Leiftung mufs die des Herrn Handels gärtners Eduard Abel bezeichnet werden. Aufser einem grofsen Sortiment bunt. blättriger Caladien, Begonien und den neueften Sorten einfacher und gefüllter Scarlet- Pelargonien, darunter die gefüllte weifsblühende, traf man mehrere fchöne Baumfarren und neuere Palmen, wie Phönix tenuis, Caryota furfuracea, Martinezia Lindenii, Kentia Balmoreana und Forsteriana. Wetteifernd mit Herrn R. Abel, ja in einzelnen Partien ihn felbft überbietend, ftellte Herr Hofgalanterie- Waarenhändler Emil Rodek aus. Auch in diefer 246 Nummern ſtarken Sammlung spielten Farrenkräuter, Palmen, Dracaenen, Maranten und Croton- Arten die Hauptrolle; neben diefen verfchaffte fich aber noch eine lange Reihe der feltenften und werthvollften Pflanzen im beften Culturzuftande volle Geltung. In Farrenkräutern überbot diefer Ausfteller den Genannten fowohl der Zahl, als Neuheit der Arten nach entfchieden. So fanden fich unter denfelben, gleich Adiantum amabile und evectum, Santa Catharinae, Veitchii, Asplenium auftrale, Diplatium plantagineum, Leptopteris superba und Andere, welche in der Abel's fehlten. So befanden fich unter feinen 43 Palmenarten Calamus asperrimus, Calyptrogyne elata, Carludovica incisa, Caryota majestica, Cyclan 24 Dr. Eduard Fenzl. thus bifidus, Cocos Yurumaguas, Daemonorops fiffus, palembanicus und dichrous, Malortia fpeciosa, Oenocarpus dealbatus, Phytelephas macrocarpa und Poeppigiana, Welfia regia und Veitchia Canterburyana, welche man in keiner der ausgeftellten Palmengruppen wiederfand. - Unter feinen 36 Maranta Arten ebenfo viele als Herr R. Abel ausftellte befanden fich 7, welche in jener fehlten, alle im beften Culturftande und zumeist neuer und neuefter Einführung. Der Artenzahl nach fchwächer, nicht aber in Bezug auf Neuheit und Schönheit der Exemplare, verhielten fich deffen Dracaenen und Croton- Arten zu jenen des obengenannten Ausstellers und jedes anderen. Aber felbft unter den erfteren befanden fich einige, wie Dracaena gracilis, lentiginofa und metallica, als Eigenthümlichkeiten diefer Sammlung. Ausnehmend fchöne und feltene Arten traf man unter den übrigen mitausgeftellten Pflanzen aus verfchiedenen Ordnungen. Eine befondere Beachtung von Seite der Männer der Wiffenfchaft erwarben fich unter diefen: Cissus Lindenii, Clusia Melinonii, Dichorisandra mosaica, die drei fchönen Varietäten von Dioscorea versicolor, drei Nepenthes- Arten, Diftiacanthus scarlatinus, Graptophyllum versicolor, Homalonema coerulescens, die prachtvollen Pentagonien, Pisonia longiroftris, Pofo queria multiflora, Sphaerogyne Baumanni, Terminalia nobilis und Tillandsia mosaica. Unter den Gewächfen des k. k. Univerfitätsgartens, welche Herr Obergärtner Friedrich Benfeler auf die Ausftellung brachte, befanden fich nicht blos ältere, fondern auch eine gute Anzahl Arten neuerer Einführung, alle aber in einem fo vortrefflichen Culturzuftande, wie man ihn bei der unzweckmäfsigen Bauart der alten Gewächshäufer nicht erwarten durfte, fo dafs ihm die allgemeinfte Anerkennung dafür zu Theil wurde. Es waren in den von ihm ausgeftellten Gewächfen nicht weniger als 18 Ordnungen vertreten und unter diefen am ftärksten die Aroideen und Palmen, unter den erfteren befonders die Gattungen Anthurium und Philodendron, zumeift in grofsen Exemplaren. Unter den Palmen waren es die Chamaedorea- Arten, Daemonorops melanochaetus aus Amboina, Oreodoxa ventricosa aus Brafilien, Phoenicophorum Sechellarum, Trinax radiata und Trithrinax aculeata aus Trinidatund Centralamerika, welche fich einer befonderen Beachtung erfreuten. Aufser diefen traf man aus anderen Ordnungen noch manche fchöne Pflanze im vorzüglichen Culturftande wie: Paratropia parasitica und Pterospermum acerifolium aus Java, Collea und Brexia madagascariensis, Theophrasta imperialis, Galipea odoratissima, Cyanophyllum magnificum, Sphaerogyne latifolia, Carolinea Ceiba und macrophylla aus dem tropifchen Amerika. Nicht viele, aber fehr gewählte und fchön gezogene tropifche Gewächfe ftellte Herr Hofgärtner Lefemann aus dem herzoglich Braunschweig'fchen Garten in Hietzing aus. Dracaenen, Maranten und Caladien waren die vorwaltenden Repräfentanten der betreffenden Ordnungen, an welche fich Anthurien mit einem fehr hübfchen Exemplare von A. Scherzerianum, Cyanophyllum spectandum und magnificum, Sphaerogyne latifolia, Sanchesia nobilis als Schaupflanzen, und ein 25 Stück ftarkes Sortiment von Lilium lancaefolium im vollen Blüthenfchmucke anfchloffen. Eine an 100 Arten ftarke Sammlung von Gewächshaus- und Decorationspflanzen des freien Grundes der verfchiedenften Art, darunter viele in voller Blüthe nebft einem Sortimente von 30 Stück blühender Begonien und einem zweiten von Gehölzen mit panachirten Blättern ftellte der fürftlich Liechtenftein'fche Garten director Eduard Pohle in Eisgrub aus. Der Gartenbau. 25 Von neuern Arten und grofsen Schaupflanzen befanden fich nur fehr wenige darunter, gleichwohl trug diefe und die beiden folgenden wefentlich zur Verfchönerung der Ausstellung bei. Eine ganz ähnliche, nur etwas kleinere Sammlung von Topfpflanzen brachte Herr Imelin aus dem Garten Seiner Durchlaucht des Herrn Fürften Adolf Schwarzenberg in Wien auf die Ausftellung. Grofse Araliace en wie Aralia Sieboldii mit panachirten Biättern und Sciadophyllum pulchrum, derartig gezogene Dracaenen, Pandanen und Beaucarne en etc. zeichneten fie befonders aus. Den Uebergang von den Sammlungen werthvollerer Topf- zu jener der nach Taufenden cultivirten Marktpflanzen einer- und den fogenannten Specialitäten andererfeits, vermittelte die grofse und fchöne Sammlung des hiefigen Handelsgärtners C. Matzen etter, beftehend aus mehr als 50 Sorten. buntblättriger Caladien in tadellofen üppigen Exemplaren, an die fich ein Sortiment von Colus Varietäten, Dracaenen, Yucca pendula, Pandanus utilis, Aspidiftra und diverfe Palmen anfchloffen. Von Latania borbonica waren Sämlinge ausgeftellt, von welchen, bei einem Vorrath von 40.000 Stücken, das Hundert zu 6 Gulden öfterreicher Währung verkäuflich waren. Reicher noch an Pflanzen diefer Art und blühenden Gewächfen des Blumenmarktes ftellte die hiefige Firma G. Steck& Comp. aus. Sechs verfchiedene Dracaenen, unter diefen bereits Dr. Co operi und marginata, jede in 12 Exemplaren, Dieffenbachia picta, Sanchesia nobilis und Cissus discolor mehrfach vertreten, nebft 34 Begonienforten lieferten einen Mafsftab für den Umfang feines Gefchäftsbetriebes und der wachfenden Vorliebe des Publicums für derartige im Zimmer zu ziehende Gewächfe. Zu diefer Gruppe edlerer und immer häufiger begehrter Topfpflanzen gehörte noch die des Herrn Oscar Liebmann aus Dresden, welche aufser den fchönen Fxemplaren der Dracaena Ehrenbergii und dem Balantium Selowianum von der früheren Ausftellung her, verfchiedene andere Dracaenen, Palmen, Pandanus utilis, Gesneria refulgens, Cyclamen persicum und Epiphyllum truncatum, jede Art zumeift in 12 bis 25 Stücken vertreten, enthielt. Unter den kleineren Sammlungen werthvoller Warmhaus- Pflanzen und Specialitäten gebührte der erfte Rang einer von Herrn Hofgarten Director Franz Antoine in einem Glaskaften ausgeftellten Gruppe blühender Orchideen, Ixoren und Bertolonien, wie man fie fich nicht fchöner wünſchen konnte. Eine weitere, durch befondere Wahl neuerer Arten tropifcher Gewächfe fich fehr vortheilhaft präfentirende Sammlung war die des Herrn Geh. Commerzienrathes Ravené in Berlin, welche fich durch anfehnliche Exemplare von Croton- Arten auszeichnete, deren Culturftand nichts zu wünſchen übrig liefs und in einzelnen Exemplaren felbft die R. Abel's übertraf. Von befonderem Intereffe, zumal für das gröfsere Publicum, war eine kleine Zusammenftellung von 12 Formen der japanifchen Lilie( Lilium japonicum) in Blüthe, 9 Orchideen und 35 Farrenarten, welche Herr J. Tanaka als Botaniker und S. Tsuda als Gärtner, beide Mitglieder der japanefifchen Commiffion, in vierkantigen bemalten Porcellantöpfen nebft einem Modelle eines japanefifchen Hausgärtchens ausgeftellt hatten, in welchem eingefetzte lebende Zwergpflanzen die landesübliche Bildung von Gehölzgruppen verfinnlichten. Von Specialitäten ftellte der hiefige Handelsgärtner Fr. Frelich eine fehr wirkungsvolle Gruppe, aus buntblätterigen Caladien und Alocafien gebildet, eine ähnliche, aus denfelben Pflanzen und Coleus- Sämlingen eigener Zucht und verfchiedenen Gesnerace en zufammengeftellte, der gräflich Schönborn'fche Obergärtner Clemens Stoeger aus. Letztere namentlich erwies fich als eine recht verdienftvolle Leiftung. Aehnlich verhielt es fich mit einer von dem Handelsgärtner Fr. Morawa aus Heiligenftadt bei Wien ausgeftellten 26 Dr. Eduard Fenzl. Gruppe von Aftern aller Art, und einer letztere entfchieden überbietenden Sammlung von blühenden und buntblätterigen Formen von Begonien, welche Herr Leopold Hofer, Gärtner im Knaben- Rettungshaufe zu Unter St. Veit bei Wien, zufammengestellt hatte. Die Krone aller Specialitäten bildete jedoch die Sammlung hybrider Aroideen des Herrn Leopold Kellermann, welche für jeden Fachmann, der fich fpeciell mit der Erzeugung von Hybriden befafst, ungemein viel Belehrendes bot. Sie enthielt 9 Formen von Philodendron, hervorgegangen aus der reciproken Kreuzung von 13 Arten; I Spathiphyllum, 1 Xanthofoma, I Alocofia, I Montera und 2 Anthuriumformen diefer Art. Die Mehrzahl derfelben hatte bereits einen hohen Grad von Entwicklung erreicht, einige fchon wiederholt geblüht und Früchte angefetzt. Sehr lehreich für den Mann der Wiffenfchaft wie für den Gärtner war die Beiftellung der Stammarten zum Vergleiche mit dem erzielten Baftard und die aus dem„ Gartenfreunde"( Zeitfchrift der Wiener Gartenbau- Gefellſchaft) vom 4. Mai 1873 abgedruckte nähere Bezeichnung ihrer Aeltern- Formen. Von Einzelpflanzen ftellte Herr Leopold Miltfchinsky, gräflich Eggerfcher Obergärtner in Lippitzbach aus Kärnten, ein Riefenexemplar von Philodendron pertusum in reifen fehr wohlfchmeckenden Früchten nebft einem ebenfo fchönen von Cycas revoluta aus, und Herr Lagler, fürftlich Claryfcher Hofgärtner in Teplitz, eines von Curculigo recurvata foliis variegatis, ein wahres viel bewundertes Prachtexemplar, endlich Herr Handelsgärtner Lucas Bachraty aus Liefing bei Wien 24 Stücke in voller Blüthe ftehende 4 bis 5 Fufs hohe Exemplare von Campanula pyramidalis. Von abgefchnittenen Blumen lieferten Herr Jofef Hirfch, gräflich B reunerfcher Obergärtner in Gravenegg, 30 Sorten hybrider Formen von Lobelia fulgens in 10 verfchiedenen Farben und 8 Arten von Erythrinen; Herr Handelsgärtner A. Wrede in Lüneburg ein folches Sortiment von Aftern und ein 200 Stücke ftarkes fehr hübfches von Viola tricolor und Herr Ch. Verdier fils aus Paris ein derartiges von Gladiolus- Sorten von ausnehmender Schönheit. - Gemüſe. An der Ausstellung folcher betheiligten fich nur drei Ausfteller aus dem Auslande und 14 aus dem Inlande. Die Perle derfelben blieb jedenfalls das Sortiment, welches die Gartenbau- Gefellfchaft in Frankfurt am Main und Sachfenhaufen eingefendet hatte. Es umfafste nicht blos alle in Deutſchland am häufigften cultivirten Gemüfearten, fondern zugleich auch fämmtliche ausgezeichnete Sorten derfelben in reichlicher Menge und ausgewählten Exemplaren. Nach dem Ausfpruche von Sachverständigen, welche derartige Ausftellungen in anderen Ländern zu fehen Gelegenheit hatten, übertraf fie in jeder Hinficht Alles, was hierin bisher geboten wurde. Sehr intereffant erfchien neben diefer das reiche Sortiment von Gemüfen, welches Herr Franz Skebra, freiherrlich Suttner'fcher Schlofsgärtner aus Harmannsdorf in Niederöfterreich, ausgeftellt hatte, namentlich durch die Menge von aus algierifchen und amerikanifchen Samen gezogenen Hülfenfrüchten. An Mannigfaltigkeit in Arten und Sorten reihte fich an fie die des fchon mehrfach genannten Herrn Schlofsgärtners Jofef Hirfch an. Kleinere Sortimente von Gemüfen ftellte Herr Wolde aus Königsberg, die k. k. Gartenbau Gefellfchaft in Görz und Handelsgärtner A. Auer aus Klagenfurt aus, von welchen letztere mehrfache Anerkennung fand; von Wiener Handelsgärtnern die Herren Joh. Savonith, Hauenzwickl, Heffeter, Heim Franz und Carl Mayer. Die Sammlung des letzteren Ausftellers zeichnete fich durch die Qualität der Kohl, Rüben- und Salatforten ganz befonders aus. Als ausgezeichnete Producte wurden die 4Zwiebelforten des gräflich Schönborn'fchen Obergärtners Stoeger gerühmt. Sehr fchönen Meerrettig ftellte zum dritten Male Herr Joh. Klempf aus Rudolfsheim aus. Der Gartenbau. 27 Von Speiekartoffeln brachte der Pomologe und Gärtner des Stiftes St. Florian in Oberösterreich, Herr Jofef Kienaft, ein fehr fchönes Sortiment von 80 Sorten und Herr Adler fen., Gutsbefitzer in Cöln, ein ebenfo ftarkes, aber weit intereffanteres auf diefe Ausftellung. Dasfelbe enthielt nicht weniger als 30 mitunter ganz neue Sorten chilenifchen, nord- und füdamerikanifchen Urfprunges, und aufser diefen noch eine bedeutende Anzahl der neueften, englifchen, franzöfifchen und deutfchen Sorten. Obft und andere geniefsbare Früchte. - Die Betheiligung an diefem Artikel war im Ganzen eine fchwache und nur theilweife befriedigende. Vom Auslande fanden fich nur fünf Ausfteller ein, unter diefen Herr Alfred Wolde aus Königsberg mit Melonen; Herr Director Lucas aus Reutlingen mit einer für uns noch ganz neuen Netzgurke aus Südrufsland, wo fie als Einmachgurke fehr gefchätzt wird; und Herr Galle aus Ober- Glauche bei Trebnitz in Preufsifch- Schlefien mit 25 Sorten Pflaumen und 4 bis 434 Pfund fchweren, ausnehmend fchönen Ananasfrüchten. Eine fehr intereffante Sammlung überwinterter A epfel aus der Colonie Victoria befand fich nebft guten Nachbildungen aus Wachs in der betreffenden englifchen Colonialabtheilung im Hauptausftellungs- Gebäude, wurde aber von Sachverständigen des Preisgerichtes für Gegenstände des Gartenbaues beurtheilt. Sie zeichneten fich durch fehr gute Confervation aus; auch befanden fich unter ihnen bereits drei auf auftralifchem Boden erzeugte neue und fehr wohlfchmeckende Sorten. Eine fehr hübfche Partie Frühobft ftellte die Giunta fpeciale( die Herren Cavaliere Treyza, Dr. Berti und Conte Cavalli) aus Verona aus und eine nicht mindere der von Nako'fche Obergärtner Janaufchek aus Banat- Komlos in Ungarn. Eine zweite Partie von Frühäpfeln und Pflaumen nebft einem mit 70 Früchten beladenen in Topf gezogenen Aepfelbäumchen lieferte Herr Stiftsgärtner Kienaft aus St. Florian in Oberöfterreich und eine kleinere die k. k. AckerbauGefellfchaft in Görz. Grofsen Beifall fanden die 40 reich mit Früchten befetzten Obftbäumchen aus dem fürftlich Schwarzenberg'fchen Garten. Den erften Rang unter den ausgeftellten Sammlungen von Frühobft nahm aber die der Landwirthfchafts- Gefellfchaft in Trient ein, welche neben anderen Früchten bereits fehr fchöne Pfirfiche und reife Trauben enthielt. Ein fehr fchönes Sortiment von letzteren lieferte noch Herr Holtfig aus Nagy- Maros in Ungarn ein. Sehr fchöne Ananas früchte lieferten die erzherzogliche DomänenDirection zu Chlumetz in Böhmen und Herr Vincenz Hirfch, freiherrlicher Dickmann'fcher Gärtner aus Töfcheldorf in Kärnten; wahre Prachtftücke davon aber Herr Imelin aus dem fürftlich Schwarzenberg'fchen Garten in Wien. Melonen ftellten die Herren P. F. Giro kuti in Peft und H. Kovacs aus Tyrnau in Ungarn aus; viel fchönere noch der Gartenbau- Verein zu Debrezin in Ungarn; das reichfte an diefen und überhaupt an verfchiedenen Cucurbitaceen der gräflich Szecheny'fche Obergärtner P. Schilhan aus Horpacs in demfelben Kronlande. Man traf in diefem Sortimente dreifsig der vorzüglichften Melonenforten in allen Gröfsen, fünf Fufs lange Schlangengurken, reife Früchte von Momordica Charantia und eine ftarke dreijährige Wurzel von Cucurbita perennis. Einen für diefe Jahreszeit in der Wienergegend zu der feltenen Gröfse von mehr als 1 Fufs im Durchmeffer gediehenen Kürbifs lieferte Herr Wolfram aus Döbling. Von Vafen und Handbouquets, Coiffuren, Brautkränzen, befteckten Blumenkörben etc. war diefsmal mehr und Befferes vorhanden als auf beiden früheren Ausftellungen. Bouquets verfchiedener Art lieferten die Handelsgärtner- Firmen Ernft und Bertha Seyderhelm in Peft, Fr. Morawa in Heiligenftadt bei Wien, Leop. Stumpf, Frau Betty Flafchelmeyer und Fräulein Lidwina Alt; eine 28 Dr. Eduard Fenzl. Sammlung kleiner Hand- und Bruftbouquets Frau Jofefine Abel; ein fehr nettes aus frifchen Alpenblumen gebildetes Bouquet Fräulein Julie Unterrainer aus Innsbruck; einen mit vielem Gefchick und Gefchmack ausgeführten Tafelauffatz Herr Tfchernikel, Obergehilfe im k. k. Hofgarten in Schönbrunn; die gefchmackvollften Coiffuren, Brautkränze u. dgl. Frau Haslinger in Wien und Herr J. Schaeme zu Windmühlberg bei Dresden. Aehnliche Gegenftände, aus getrockneten Blumen gebildet, ftellten Frau Betty Flafchelmayer und mehrere aus Edelweifsblüthen verfchiedenartig zufammengeftellte Frau Anna Bermann aus, welche vielen Beifall fanden. Flach geprefste Blüthen alpiner Pflanzen, zu Bouquetbildern verwendet, fah man von Johann und Thomas Pichler aus Linz ausgeftellt und von Ferd. Kragel sen., aus Meran, den öfterreichifchen Reichsadler, fowie das baierifche Landeswappen auf zwei grofsen Tafeln, nach einer colorirten Zeichnung in mühevollft er Weife in getrockneten Alpenblumen ausgeführt. Von Herrn Tfchernikel war auf 330 Folioblättern ein Tableau des Gewächsreiches nach natürlichen Familien, im Sinne des verftorbenen berühmten Botanikers Profeffor Endlicher geordnet, in Herbarium- Exemplaren ausgeftellt. Ein ungleich wichtigeres an 1000 Arten ftarkes Herbar wildwachfender Pflanzen aus Japan hatte Herr J. Tanaka, Mitglied der japanefifchen Commiffion, zur Befichtigung aufgelegt und später dem botanifchen Hofmufeum zum Gefchenke gemacht. Aufgelegt war aufserdem noch von ihm ein felte nes japanefifches Werk über die in den dortigen Gärten cultivirten Lilienarten und Varietäten in colorirten Abbildungen in Folio. Einen nichts weniger als befriedigenden Plan einer Gartenanlage lieferte noch ein Herr Ehrenbaum aus Berlin und eine Probe Baumwachfes zum Kaltpfropfen Herr J. Rölle aus Dresden. Die vierte vom 18. bis 23. September währende temporäre Ausftellung des Gartenbaues. Als Vorläuferin der letzten temporären, mehr landwirthfchaftlichen als ftrenge horticolen, dem Wortlaute des Programmes nach, nur für Obft und Trau ben beftimmten Ausftellung, konnte man bei der vorgerückten Jahreszeit nur wenig mehr auf eine Befchickung mit Topfgewächfen und blühenden Pflan zen, umfomehr aber auf Gemüfe und feinere Obftforten rechnen. Demungeachtet fanden fich immer noch fo viele Ausfteller der erften Kategorie ein, dafs fie an Menge und Werth der ausgeftellten Topfpflanzen der vorhergegangenen nicht viel nachftand. Dafs der Totalcharakter derfelben in diefer Hinficht fich nicht änderte und ändern konnte, liegt auf der Hand. Bunter geftaltete fich die Gefammtausftellung nur durch die ftärkere Vertretung der beiden anderen Kate gorien von Gegenständen. An der Ausftellung von Topfpflanzen oder abgefchnittenen Blüthen betheiligten fich 25 Perfonen, unter diefen 19 In- und 6 Ausländer, von welchen 4 auf Deutfchland und 2 auf Frankreich fielen. Ein befonderes Verdienft um diefe Ausftellung erwarben fich die Herren R. Abel und Emil Rodek dadurch, dafs fie den gröfsten Theil ihrer auf die frühere Ausftellung gebrachten Pflanzen neuerdings zur Schau ftellten und damit eine fonft fehr auffällig gewordene Lücke, unkenntlich für Taufende Uneingeweihter, ausfüllten. Manche feiner Eriken, wie E. colorans, mollisima, Rohani, curviflora lutea, declinata und cruciata ftanden im noch reicheren Blüthenfchmucke als das vorige Mal. Dagegen ftellte der hiefige Univerfitätsgärtner Benfeler eine ganz neue und bisher wenig oder gar nicht Der Gartenbau. 29 vertretene Suite von Pflanzen aus den Ordnungen der Liliace en mit dicken, lederartigen Blättern vom Cap der guten Hoffnung, als 14 Arten Aloen; 6 Arten Dafylirien in mächtigen Exemplaren; 25 Arten Agaven und Furcroyen aus der Ordnung der Amaryllideen; 22 Arten von Crassulace en und Mefembryanthemeen; 10 Arten baumartiger Euphorbien und eine Sammlung von 90 Arten Cacteen, durchgehends in tadellofen Exemplaren aus. Ein fehr fchönes Sortiment von Pflanzen aller Art lieferte Herr Hofgärtner Lefeman, beftehend aus Palmen, Dracaenen, Maranten, blühenden Orchideen, Eriken und anderen eben in Blüthe ftehenden Pflanzen, unter welchen die fchönen Stanhopea- Arten und ein überaus reichblühendes Exemplar von Plumbago capensis auffielen. Zu den artenreichften Sammlungeu von Topfpflanzen zählte unbedingt die des fürftlich Liechtenſtein'fchen Obergärtners A. Czulik. Ausser einer nicht unbedeutenden Anzahl zu Decorationszwecken im freien Lande häufig verwendeter krautartiger Gewächfe enthielt fie eine an 50 Sorten ftarke Sammlung von Begonia- Blendlingen, ein 10 Fufs hohes Exemplar von Bryophyllum proliferum, ein fchönes von Cypripedium venuftum, fehr gut cultivirte Dracaenen, Maranten und ein ausgezeichnetes Sortiment von Celofia criftata. Von werthvollen Topfgewächfen ftellten Herr Nowotny, nunmehriger gräflich Schönborn'fcher Obergärtner, eine 25 Arten ftarke Collection von Proteaceen aus Neuholland, Araliaceen, ein Sortiment von Hibiscus syriacus in verfchiedenen Blüthenfarben und von Gesneriaceeen- Blendlingen, und die Firma Ludwig Abel fehr gut cultivirte Schaupflanzen aus, wie Palmen, Aroideen, Bambufa aurea, Gynerium- Varietäten, Aralia Sachalienfis und einige hübfche aus Kreuzungen von Begonia rosae flora mit bolivienfis und Se denii hervorgegangene Blendlinge. Herr Carl Matzen etter lieferte ein fehr hübfches Sortiment von Naegelia Blendlingen, Camellien mit reichem Anfatz von Blüthenknospen und ein von zur Zimmercultur fich eignenden Palmen. Ein reiches Sortiment von Marktpflanzen in vorzüglich gut gepflegten Exemplaren hatte die Firma G. Steck& Comp. ausgeftellt. Ausnehmend fchön waren deren Gloxinia Sämlinge, die Vermehrungen von Ficus elastica, der Camellien und einer monftröfen Form von Hydrangea hortenfis. Sehr belobt wurden von Kennern die verfchiedenen Formen von Begonia Rex und eine andere Sorte mit mehrfärbigen Blättern. Von derartigen, aber kleineren Sammlungen waren aus der vorhergegangenen Ausftellung noch zu fehen die der Herren Seyderhelm und Janaufchek aus Pest und Banat- Komlos. Dagegen lieferte Herr Hirſch aus Gravenegg aus dem dortigen gräflich Breuner'fchen Garten ein fehr fchönes Sortiment von 24 Stück in Blüthe ſtehender Sämlinge eigener Zucht von BegonienBlendlingen, welche er durch Befruchtung von B. Sedenii mit B. Pearcei und bolivienfis erhielt. Unter den übrigen Zierpflanzen diefer Sammlung erwarben fich eine reichblühende Erythrina Humei, ein prachtvolles Exemplar des Desmodium penduliflorum, eine hochgezogene Lasiandra Fontanesii und die im freien Lande fehr gut ausdauernde Hydrangea paniculata grandiflora aus Japan allgemeine Anerkennung. Von Specialitäten, theils in Töpfen, theils in abgefchnittenen Blüthenexemplaren vertreten, war manches Gute und Vorzügliche zu fehen, fo gefüllte Zinnien von befonderer Gröfse, fehr hübfche Zwerg- Georginen und Aftern von den Handelsgärtnern Firmen Bachraty, Morawa und Franz Dewoty's Witwe aus Wien und Umgebung und von den Herren Oscar Knopf aus Erfurt und Degen aus Köftritz bei Dresden. Ein prachtvolles 455 Nummern ftarkes Sortiment von Viola tricolor maxima hatte Herr H. Wrede aus Lüneburg abermals geliefert, und Herr Handelsgärtner Alégatière aus Lyon 10 Sorten feiner neueften Züchtungen 30 Dr. Eduard Fenzl. gefüllter Pelargonien, darunter eine ganz rein weifsblühende. Leider befanden fich alle Exemplare noch im Knofpenzuftande, fo dafs man über ihren horticolen Werth kein ficheres Urtheil zu fällen im Stande war. Die Krone aller derartigen Specialitäten bildeten die drei GladiolusSortimente von Spielarten des G. Gandavensis, welche die Handelsgärtner Daniel Hooibrenk aus Hietzing bei Wien, Scheideker in München und neuerdings Verdier Charles fils aus Paris ausgeftellt hatten. An Schönheit, Mannigfaltigkeit der Formen und Farben hielten fich alle drei Sortimente vollkommen die Wage. Aller Wahrfcheinlichkeit nach hätte die des Herrn Hooibrenk die beiden anderen noch überboten, wenn der äufserft ungünftige Sommer in unferer Gegend nicht fo nachtheilg auf die Entwicklung der Pflanzen eingewirkt hätte. Einzelne beachtenswerthe Pflanzen ftellten noch aus: Herr Privatgärtner Maraufchek aus Graz ein grofsartiges reichblühendes Exemplar von Abutilon megapotanicum( vexillare Morren); Herr Ludwig Beer ein fehr kräftiges von Yucca fol. variegatis; Graf Somogyi aus Lovas Patona in Ungarn riefige Exemplare von Gynerium argenteum, und Herr Chachkrowski, Schlofsgärtner zu Luboftrom in Pofen, ein koloffales Exemplar der Littaea( Bono. partea) juncea. An Bouquets, Coiffuren und derartigen Decorationsgegenständen aus frifchen Blumen war diefsmal kein Mangel, aber nur weniges, wahrhaft Gefchmackvolles. Aus dem Inlande betheiligten fich daran von Wiener Firmen Fräulein Lidwina Alt und Frau Emilie Haslinger, welche ihre Mitconcurrenten, die Herren Leopold Stumpf, Franz Morawa, Johann Seywald und Anton Maron aus Trieft, hierin entfchieden überflügelten. Sehr gefchmackvolle Coiffuren, Brautkränze und Tafelauffätze lieferten die Handelsgärtner N. Wolinski aus Lemberg und Guftav Zawadski aus Bromberg in Preufsen; mindere Herr J. Schaemesen aus Windmühlenberg bei Dresden. Sehr mannigfaltige aus getrockneten Blüthen und Pflanzentheilen gebildete Decorationsgegenstände hatten die in diefen Artikeln grofse Gefchäfte machenden Handelsgärtner A. Flafchelmayer und Leopold Stumpf ausgeftellt. Befonders Gefchmackvolles unter diefer Maffe von Kränzen, Kreuzen etc. war nicht zu entdecken, die Waare felbft aber untadelhaft und im Ganzen folider als die von Erfurt aus über ganz Europa verbreitete. Dem erfteren diefer beiden Ausfteller gebührt das Verdienft, diefen Induftriezweig in Oefterreich gefchaffen und die Erfurter Waare vom hiefigen Markte nahezu verdrängt zu haben. Aus plaftifch getrockneten und nicht gefärbten Blumen gebildete Bilder und Tableaux hatte die bekannte Meifterin in diefem Genre, Frau Anna Bermann, ausgeftellt und fich damit verdiente Anerkennung erworben. Der bereits früher genannte fürftlich Liechtenſtein'fche Obergärtner Czulik brachte ein 262 Arten und Formen ftarkes Herbar von Farrenkräutern, welches jedoch in keiner Weife den an ein folches zu ftellenden Anforderungen entſprach und eine Menge irriger Beftimmungen und fehlerhaft gefchriebener Namen zeigte. Bei Weitem werthvoller erwiefen fich zwei von dem mehrfach genannten kaiferlichen Gartengehilfen Herrn C. Tfchernikel und den Handelsgärtnern Fratelli Rovelli in Palanza am Lago Maggiore ausgeftellte carpologifche Sammlungen, von welchen die des Erfteren Trockenfrüchte und Samen von 500 einheimifchen und exotifchen Nutzpflanzen aufwies, während die der Letzteren 95erlei Fruchtzweige und Zapfen von den in Palanza und Italien theils wildwachfenden, theils cultivirten Coniferen enthielt. Von Illuftrationen war aufser den 6 von Herrn W. Schwab aus Darmstadt eingefendeten kleinen Photographien feiner pomologifchen Gartenanlage nichts zu fehen. Von Plänen lieferte Herr Prokop I) aubeck, Handelsgärtner und Planzeichner aus Chwallina bei Horic in Böhmen, den einer nichts weniger als Der Gartenbau. 31 empfehlenswerthen Gartenanlage und eines zweiten für eine fogenannte Teppichpflanzung, darftellend das Bild eines menfchlichen Antlitzes, ein wahres Monftrum von Gefchmacklofigkeit. Gemüfe waren, wie zu erwarten ftand, diefsmals quantitativ und qualitativ ebenfo ftark und ebenfo vorzüglich als auf der vorigen Ausstellung vertreten. Hätten unfere kleinen Gemüfegärtner fich zur Bildung einer Collectivausftellung in derfelben Weife vereinigt, wie es die Frankfurter Gärtner das vorige Mal und und jetzt die von Hamburg und Bamberg gethan, fo hätten fie diefelben Erfolge wie diefe erzielt und die Ausftellung zu einer in ihrer Art ganz aufserordentlichen machen können. Dazu fehlte aber unferen Gärtnern der anderweits weit ausgebildetere Gemeinfinn. An Anregung dazu von Seite des Verwaltungsrathes der hiefigen Gartenbau- Gefellfchaft fehlte es wahrlich nicht, aber man verftand von ihrer Seite es nicht, die günftige Gelegenheit für fich auszunützen, und die landläufige Behauptung der Inferiorität der Wiener Gemüſe den in Deutfchland gezogenen gegenüber" thatfächlich zu widerlegen. " Dafs diefs den wenigen von ihnen, welche unabhängig von einander ihre Producte ausftellten, im vollen Mafse gelang, beweift nur, dafs man auch hier Gemüfe zu ziehen verfteht, welche den beften des Auslandes nicht im Geringften nachstehen. Unter den inländifchen Ausftellern diefer Kategorien nahm Herr Franz Skebra, freiherrlich Suttner'fcher Schlofsgärtner zu Harmannsdorf in Niederöfterreich, unbeftritten den erften Rang ein. Seine Sammlung enthielt nicht weniger als 10 Kohl, Kohlrabi- und Carviolforten der feinften Qualität, 16 Sorten von Lycopersicum esculentum( Paradiesäpfeln) und Solanum Melongena( Tomaten), 16 von Zwiebeln, 30 der beften Speife kartoffeln, 13 von Erbfen und 30 von Bohnen, worunter fich fünf aus algierifchen und fechs aus nordamerikanifchen Originalfamen gezogene befanden. Der Werth diefer ausgezeichneten Sammlung erfchien noch dadurch erhöht, dafs fie das Ergebniſs der Bemühung eines einzelnen, vielfach befchäftigen Mannes war, der in einer rauhen Gegend unter den ungünftigften klimatifchen Verhältniffen zu arbeiten genöthigt ift. Quantitativ, nicht aber qualitativ wurde fie nur von der Bamberger Collectivausftellung, von der allfobald die Rede fein foll, übertroffen. Aus Niederöfterreich begegnete man als Ausftellern von Gemüſen noch den Herrn Hirfch aus Grafenegg, Franz Mayer und Kläring aus Wien. Erfterer lieferte ein hübfches Sortiment von Knollen und Wurzelgemüfen und ein 16 Nummern ftarkes von Speife- und Wirthfchafts- Kartoffeln; der zweite eines von Blattgemüfen und der dritte Rothkraut, fowie fpanifche, weisse und dunkelrothe Zwiebeln ganz ausgezeichneter Art. Aus Mähren fendeten die Herrn C. Pohl, Schlofsgärtner zu Blanda, und Joh. Voeth aus Mährifch- Schönberg gemifchte Sortimente von Gemüfen ein, welche fehr beifällig beurtheilt wurden. Diefen nachstehend an Werth erwiefen fich die von Herrn Anton Auer aus Klagenfurt und von Herrn A. Maron aus Trieft. Aehnliche Collectionen ftellten noch das Consortio agrario in Trient und die Ackerbau Gefellfchaft aus Roveredo in Südtirol aus. Beftechend auf viele Laien wirkten manche der von ihnen exponirten Gemüſe durch ihre Gröfse; weniger günftig sprachen fich die Sachver ftändigen über deren Qualität aus. Aus Ungarn brachte nur Herr Janaufchek ein fehr gewähltes und beachtetes Sortiment feinerer Gemüfe. Von Deutichland aus befchickten die beiden Gartenbau- Vereine von Bamberg und Hamburg collectiv, dann die Herren Oscar Knopf( Firma F. W. Wendel) aus Erfurt, R. Riedel aus Löwenberg in PreufsifchSchlefien und G. W. Batz aus Offenheim am Main die Ausftellung mit Gemüfen. 3 ex 32 Dr. Eduard Fenzl. dsign Die beiden genannten Collectivausftellungen wetteiferten mitfammen an Mannigfaltigkeit und Schönheit der ausgeftellten Gegenftände und erwarben fich die unbedingtefte Anerkennung aller Fachleute. Namentlich war es die B amberger Gefellſchaft, welche durch die grofse Mannigfaltigkeit der Sorten den Sieg über alle anderen errang. Von den 290 verzeichneten Nummern entfielen 21 auf Möhren, 16 auf Salate und Rüben, 6 auf diverfe Wurzelgewächfe, 23 auf Kohlforten, 41 auf Zwiebeln, 104 auf Bohnen und 40 auf Erbfen. An Bohnenforten übertraf fie felbft das grofse Frankfurter Sortiment auf der dritten Ausftellung. Aehnlich verhielt es fich mit der Hamburger Collectivausftellung, nur war fie an Sorten numerifch fchwächer, ftand aber qualitativ in ihren Producten der erften nicht nach. Beide Sammlungen im Zufammenhalt mit der aus Frank furt bewiefen auf das Unwiderleglichfte den Vortheil folcher Collectivausftellungen und fordern im Intereffe der Gefellfchaften dringend zur Nachahmung bei derartigen Gelegenheiten heraus. Eine fehr günftige Beurtheilung erfuhren noch die von den Herren Knopf, Riedel und Batz ausgeftellten Sortimente von Kartoffeln. Jede derfelben enthielt eine Menge noch wenig verbreiteter feiner Speifeforten, die des Herrn Riedel wohl das gröfste der in Schlefien zu Maffencultur verwendeten. - Obft. Von Ausftellern diefer Kategorie fanden fich im Ganzen 22, fomit um 3 mehr als auf der dritten ein. Von diefen entfielen 17 auf das In- und 4 auf das Ausland, von welchen Deutfchland, Frankreich, Italien und Rufsland durch je einen Ausfteller vertreten waren. Die Ausstellung felbft, wenn gleich qualitativ eine ganz vorzügliche, litt quantitativ fowohl der Menge an Ausftellern als der der ausgeftellten Gegenstände nach unter der dem Einfluffe zweier fchwer ins Gewicht fallender Umftände: des allgemeinen Mifsrathens des Obftes in ganz Mitteleuropa in Folge des andauernden Unwetters und der Kälte zur Zeit der Blüthe der Obftbäume und der 10 Tage fpäter nachfolgenden für Obft beftimmten Hauptausftellung. Sie konnte daher nur als eine Vorausftellung der letzteren angefehen werden und nur Früchte des Spätfommers enthalten, wie folche zumeift nur der Gärtner, nicht aber der Landwirth zu ziehen pflegt. Die reichften und fchönften Sortimente diefer Art lieferten der landwirthfchaftliche und Gartenbau- Verein in Bozen, die Società agraria di Rovereto und das Confortio agrario in Trient. Das erftere mit vielem Gefchmack ausgeftellte Sortiment enthielt nicht weniger als 69 Aepfel- und IIO Birnenforten aus 13 verfchiedenen Gruppen jeder diefer Obftforten; 36 weifse und rothe Tafeltrauben der ausgefuchteften Art, fo wie 19 weifse und 35 rothe Sorten zur Weingewinnung verwendbarer Wirthfchaftstrauben; 15 Citrusarten, verfchiedenes Stein obft, Quitten und Feigen, endlich 24 Sorten Melonen und diverfe Kürbiffe. Das Rovere danerSortiment wies unter feinen 169 Nummern 27 Birnen-, 16 Aepfel-, 19 Pfirfich- und 48 Traubenforten auf, während fich in dem Refte Beerenobft und Südfrüchte aller Art theilten. Sie beide in jeder Hinsicht weit überragend erwies fich die vom Herrn Infpector Chr. Frank beforgte Ausftellung des Confortio agrario in Trient. Sie repräfentirte am vollſtändigften den Reichthum Südtirols an edlen Obft- und Traubenforten. Man begegnete in derfelben 150 Birnen- und 80 Aepfelforten, 200 folcher von Trauben aller Art, 10 von Pfirfichen und einer hübfchen Partie von Melonen. Mit Ausnahme der Demouilles'fchen Sammlung aus Touloufe vermochte keine fich mit ihr zu meffen. Eine vierte, fehr ansprechende, aber lange nicht fo bedeutende Sammlung von Obftforten aus Südtirol, wie die beiden erfteren fandte Herr Schlechtleitner aus Bozen ein. Aus Oberösterreich ftellten die beiden mehrfach erwähnten Herren Stiftsgärtner Kien aft aus St. Florian und Runkel aus Der Gartenbau. 33 Kremsmünfter, fowie der Handelsgärtner Aug. Keindl aus Braunau fehr verdienftliche Sortimente von Kern und Steinobft aus. Erfterer hatte aufser einer Partie fchön gezogener, mit Früchten beladener Topf- Obftbäumchen, 19 Birnen-, 102 Aepfel- und 6 Pflaumenforten, noch Pfirfiche, Trauben und Melonen in tadel lofen und zahlreichen Exemplaren ausgeftellt; der zweite 113 Aepfel-, 51 Birnen-, 19 Pflaumen- und 13 Pfirfichforten. Letztere Sammlung zeichnete fich noch ganz befonders durch correct wiffenfchaftliche Bezeichnung der Sorten und die den einzelnen beigegebenen belehrenden Bemerkungen über deren Cultur fehr vortheilhaft aus. 139] Nachftehend diefen beiden fchönen Sammlungen nur der Quantität, nicht aber der Qualität der Früchte nach, erwies fich die des Herrn Keindl, welche 40 Aepfel-, 20 Birnen- und ebenfo viele Pflaumenforten aufwies. Eine nicht unanfehnliche Sammlung von Aepfeln, Birnen, Granatäpfeln und Melonen hatte Herr Fr. Maron in Trieft ausgeftellt. Aus Niederöfterreich ftellten Herr Bachraty fruchtbeladene, in Töpfen verpflanzte Reben und Herr Hooibrenk einen nach feiner Methode behandelten riefigen, mit mehr als 100 fchönen Trauben befetzten Rebenftock der Chaffelas Fontainebleau aus, der vielfach bewundert wurde; Herr Julius Kellermann, Stiftsgärtner im Klofter Zwettl, endlich reichlich Früchte tragende Zwergbäumchen von Citrus Limonium, welche er durch gelungenes Auffetzen von Fruchtzweigen auf paffende Mutterftämme erzielte. Aus Ungarn lieferte der gräflich Emerich Hunyady'fche Gärtner Herr Pesca in Keszthely ein Sortiment Obft, unter welchem fich mehrere neue, aus Samen gezogene Aepfelforten befanden. Aus demfelben Kronlande ftellten noch die Herren Janaufchek in Banat- Komlos, Jofef Czokas in Pufsta Balloszeg, Novatarski und Held in Fünfkirchen, fowie Herr Obergartner E. Hejkal in Papa fehr preiswürdige Sortimente von Tafeltrauben aus. Aus Deutfchland befchickte Herr A. Galle aus Oberglauche bei Trebnitz in Schlefien die Ausftellung mit einem von Sachverständigen fehr günftig beurtheilten Sortiment von 115 Aepfel- und 89 Birnenforten; Herr Demouilles aus Touloufe in Frankreich diefelbe mit einer der vorzüglichften und bewundertften Sammlung von feinen Obftforten. Sie dürfte wohl das Meifte und Vorzüglichfte, was in diefem Theile Frankreichs an Obftforten erzeugt wird, enthalten haben. Sie zählte nicht weniger als 169 Sorten der vorzüglichften Birnen, 66 von Aepfeln, 136 Trauben und 28 Pfirfichforten, aufserdem enthielt fie noch eine grofse Menge von Pflaumen, Quitten- und Granatäpfeln, Wall- und Hafelnüffen, Mandeln und Feigen. Sie überbot an Mannigfaltigkeit von Obftforten jedenfalls noch die des Herrn Frank aus Trient und bildete mit diefer den Glanzpunkt der Ausftellung für den Fachmann. Ein fehr hübfches, aber hinter den Ausftellern von Obft aus Südtirol bleibendes Sortiment fendeten die Herren Cavaliere Dr. Scipione Zorzi und Francesco Moftarda aus Verona ein; aus Rufsland endlich Herr Handelsgärtner H. Gögginger in Riga in Weingeift aufbewahrte Johannisbeeren mit birnenförmigen Früchten, welche demfelben aus Samen gefallen waren und noch gar nicht in Handel gefetzt wurden. waren und noch gar nicht doub sid doliTIW lib Die fünfte und letzte vom 3. bis 15. October 1873 währende fidlt 166 Ausstellung. Den Beftimmungen des von der Generaldirection der Weltausftellung ausgegebenen Programmes nach follte fie eine vom Gartenbau im engeren Sinne unabhängige, eigene, nur für Obft und Trauben beftimmte landwirthschaftliche Ausftellung bilden. Viel fpäter, nachdem die Gartenbau- Gefellſchaft ihr Programm 3* 100 to don 34 Dr. Eduard Fenzl. mit feinen Prämienbeftimmungen veröffentlicht hatte, fand fich der Verwaltungsrath derfelben, in Folge eines freundlichen Anfuchens der k. k. LandwirthschaftsGefellſchaft um Ueberlaffung ihrer Localitäten zur Abhaltung des pomologiſchönologifchen Congreffes beftimmt, fich auch an diefer letzten Ausftellung zu betheiligen und eine Anzahl von Medaillen für cisleithanifche Ausfteller dem Preisgerichte zur Verfügung zu ftellen. Mit diefem von allen Seiten freundlichft begrüfsten Schritt hatte die Gartenbau- Gefellfchaft ihr erfteres Programm erweitert und in diefem Sinne auch diefe letzte temporäre Ausftellung für fich gewonnen. Dem einträchtigen Zufammenwirken der beiden Gefellfchaften ift unbeftritten auch ein wefentlicher Theil des Gelingens diefer Ausftellung zu danken. Dafs fie aber trotz der entfchiedenen Ungunft des Frühjahres und des Sommers für den Obft- und Weinbau in ganz Mitteleuropa immer noch glänzender ausfiel, als irgend eine der früheren verfuchten internationalen Ausftellungen diefer Art, das verdankt fie vor Allem dem zum Durchbruch gekommenen Affociationsprincipe, behufs der Bildung von Collectivausftellungen, welches feit Jahren fchon alle landwirthschaftlichen und horticolen Gefellfchaften und Vereine in ganz Europa verfolgen und den Producenten empfehlen. Wie viel hierin geleiftet werden kann, das haben diefsmal Schweden, Dänemark, Belgien, Bremen, Sachfen, Tirol, Steiermark und Ungarn bewiefen. So verdienftlich und hervorragend auch die Leiftungen einzelner Inſtitute und Private fein mögen, wie diefs bei diefer Ausftellung auch der Fall war, können fie doch nie ein fo concretes und belehrendes Bild der Production des betreffenden Staates, einer Provinz oder Gegend in diefem Zweige liefern, als diefs Collectivausftellungen zu geben im Stande find. Wir wollen hoffen, dafs das lauter und eindringlicher als Wort und Schrift zu der Maffe fprechende Refultat diefer Ausftellung zur Nacheiferung anfpornen und zu einer gefchloffenen Vereinigung der Producenten bei den Schauftellungen ihrer Erzeugniffe führen werde. Uebergehend zur näheren Befprechung diefer Ausftellung wollen wir vorläufig bemerken, dafs mehrere Ausfteller fich nicht blos begnügten, Obft und Trauben einzufenden, fondern auch Gemüfe und Decorationsgegenstände, auf welche in der Ausfchreibung nicht weiter mehr reflectirt worden war. Das Preisgericht zog fie jedoch, von der Anfchauung ausgehend, dafs diefe Ausstellung nichts weiter als eine Fortfetzung der vorhergegangenen fei, anftandslos in den Kreis der von ihr zu beurtheilenden Gegenftände und prämiirte fie in derfelben Weife wie das Obft. Als numerifch und qualitativ gegen dasfelbe im Hintergrunde tretend, werden wir diefe Producte getrennt von jenen, am Schluffe unferer Befprechung, jede Landesausftellung für fich, behandeln. Zur leichteren Orientirung werden wir die einzelnen Sammlungen von Obft nach den betreffenden Staaten zufammengeftellt vornehmen und mit jenen beginnen, welche Obft und Trauben zugleich ausftellten und hierauf jene folgen laffen, welche nur aus Obft oder blos Trauben beftanden. Beginnend mit Oefterreich- Ungarn begegneten wir fogleich zwei der intereffanteften beften Collectivausftellungen aus Südtirol, der des Landwirthfchafts- und Gartenbau- Vereines in Bozen und der der Società agraria di Rovereto, beide Ausgezeichnetes bietend. Die Erftere durch die Bemühungen des Herrn Jofef Brucha, Hofgärtner und Curanlagen- Infpector in Meran, des Pomologen Mader und von Fogalari in Bozen zu Stande gebracht, repräfentirte die Leiftung von 40 Theilnehmern, zum gröfsten Theil aus den unmittelbarften Umgebungen der Stadt felbft. Sie umfafste nicht weniger als 855 verfchiedene Obft-, Trauben- und andere Fruchtarten und Sorten in prachtvollen Exemplaren, mit beinahe durchgehends richtigen Beftimmungen verfehen. An Birnen aus 14 Gruppen waren 236, an Aepfeln aus 15 Gruppen 190, von Wein- und Tafeltrauben aller Arten 145 Sorten exponirt. Aufser diefen war noch ein Sortiment von 80 Sorten Aepfel und Birnen ausgeftellt, welche auf den Der Gartenbau. 35 Gebirgslehnen Deutſch- Südtirols in einer Höhe von 3000 bis 4000 Fufs gedeihen An diefe fchlofs fich noch eine Collection von 15 Melonen, 30 Pfirfichen- und 15 Feigenforten an. Befonders intereffant geftaltete fich diefe prachtvolle Collectivfammlung durch die Beigabe einer 174 Nummern ftarken Collection von in diefer Gegend gezogenen Südfrüchten und Coniferen, wie Citrusarten( 15 Species), Opuntien, Diospyros etc. Von den wichtigften Aepfelforten Tirols, dem weifsen und rothen Rosmarinapfel, dem Tiroler Mafchansker, Böhmer etc. waren ganze Körbe voll ausgeftellt; von Kaifer Alexanderapfel, geftreiften Rambur, weifsen und rothen Winter- Calvill, waren wahre Riefenexemplare, prachtvolle Reinetten; von Birnen ausgezeichnete der Virgouleuse, Diel und Hardenpont vorhanden. Die am entgegengefetzten Ende des Ausftellungslocales befindliche Collectivausftellung der Società agraria di Rovereto vervollſtändigte in mancher Hinficht die früheren durch befonders edle Sorten von Aepfeln, Birnen, Pfirfichen, Pflaumen und Trauben, fo dafs man fagen konnte, der Obftbau von ganz Tirol fei in diefen beiden Sammlungen vollſtändig repräfentirt. Die Sammlung zählte 145 Nummern, von welchen 27 auf Birnen, 16 auf Aepfel, 20 auf Pfirfiche, 48 auf Trauben entfielen; während die übrigen Fruchtarten( inclufive Trüffeln) fich in den Reft der Totalfumme theilten. Als eine weitere Vervollſtändigung diefer beiden Sammlungen war die in 30 Trauben, 20 Aepfel- und 10 Birnenforten beftehende Collection des beften Tiroler Obftes des Herrn Gutsbefitzers Alois Mumelter in Bozen anzufehen. Steiermark und Kärnten waren durch 3 Collectivausftellungen der vorzüglichsten Art ebenfo vollkommen als Tirol repräfentirt. An der Spitze desfelben, an taufend Nummern ſtark, ftand die von dem Marburger Ausftellungscomité, unter der Leitung des Herrn Dr. Mullé als Vereinsvorftand, des Directors der dortigen Landes- Obft- und Weinbaufchule Herrn Goethe und des Gutsbefitzers Herrn Fr. Stampfl, unter Mitwirkung von 43 Ausftellern zu Stande gebrachte. Das von ihnen beforgte Verzeichnifs führte nicht weniger als 530 Sorten Aepfel, 120 Birnen-, 285 Trauben- und 90 verfchiedene andere Obftforten auf, welche in faft durchaus vorzüglichen Exemplaren vertreten und auf das Gefchmackvollfte aufgeftellt waren. Befonders beachtenswerth erſchien eine als Steier'fcher Mafchansker bekannte Borsdorfer Sorte. Von den anerkannt beften Sorten traf man die Winter- Goldparmene, den Danziger Kantapfel, die Ananas- und Carmeliter Reinette, fowie die beften Sorten von Butterbirnen. Eine zweite fehr hübfche und reich ausgeftattete Collectivfammlung derfelben Art, welche aus uns unbekannten Urfachen im Ausftellungskataloge gar nicht aufgeführt erfchien, lieferte der Grazer Gartenbauverein. Die Pomona Kärntens wurde durch die Collectivausftellung des kärntnerifchen Gartenbauvereines würdig vertreten. Sie zählte an 100 Aepfel- und über 43 Birnenforten, unter welchen man mehreren füdtiroler Sorten, wie dem weifsen Rosmarinapfel, dem köftlichften und anderen; unter den Birnen der Virgouleuse, Paffa Tutti, Paffa Colmar, François, Beurée Naghin etc. begegnete. Aus Oberösterreich fandte das Stift St. Florian durch feinen Pomologen Jofef Kien aft eine Sammlung von 52 Aepfeln, durchwegs Sorten, welche fich trotz des fchlimmen Obftjahres als fehr tragbar erwiefen. Darunter zwei neue Sorten, die in letzterer Beziehung fich ganz befonders auszeichneten; dann eine zweite Collection von 50 Sorten, welche diefes Jahr nur eine Mittelernte und wenig normal ausgebildete Früchte lieferten; endlich noch eine Partie TopfobftBäume. Von Einzelnausftellern aus Niederöfterreich lieferte das Verwaltungsraths- Mitglied der Gartenbau- Gefellfchaft, Herr Buchhändler Friedr. Gerold, eine ausgezeichnete, aus 12 Sorten Sommer- und Herbftäpfeln, 70 Winteräpfeln, 9 Früh, 28 Spätherbft- und 18 Winterbirnen, 15 Pfirfich- und 17 Traubenforten 36 Dr. Eduard Fenzl. beſtehende Sammlung aus feinem Befitzthum in Neuwaldegg. Sie zeichnete fich vor manchen anderen derartigen Sammlungen durch grofse Correctheit der Beftimmungen, Angabe des Landes, in welchem jede Sorte zum erften Male auf. tauchte, und ihrer Reifezeit auf das vortheilhaftefte aus. Was ihren Werth aufserdem noch erhöhte, ift der fehr ins Gewicht fallende Umftand, dafs Lage und Klima des Erzeugungsortes einer derartigen Cultur nichts weniger als günftig find. Eine Aufzählung der intereffanteften Sorten von Aepfeln und Birnen diefer Collection wäre nicht am Platz. Sie fiele zu grofs aus und genügt einfach die Bemerkung, dafs fie aufser den bekannten beften Sorten noch eine Menge der neueften englifchen, belgifchen und franzöfifchen enthielt. inlerin Als einen weiteren fehr ftrebfamen Züchter von Aepfel- und Birnenforten aus Wien haben wir Herrn Handelsgärtner Alois Hengl jun. zu verzeichnen, welcher eine Sammlung von 44 Aepfel- und 12 Birnenforten ausgeftellt hatte. Ein Gleiches gilt von Herrn Ant. Machaczek( Befitzer der Samenhandlung E. Swoboda's Neffe in Wien), welcher, aufser einer hübfchen Sammlung von feinen Aepfelforten, mehrere reich mit Früchten befetzte Bäumchen ausftellte. Das ausgezeichnetfte und reichfte Sortiment von Trauben aus der Umgebung von Wien, fowie die zweckmäfsigften Weinpreffen und Kellergeräthe lieferte Freiherr von Babo, Director der niederöfterreichifchen Landes- Obftund Weinbaufchule in Klofterneuburg. Diefer Theil der Ausftellung fammelte zu jeder Tageszeit eine grofse Menge von Befchauern und Bewunderern um fich und fand auch von Seite der Fachleute die verdiente Anerkennung. Trauben, in einem Sortimente von 32 Nummern, davon 12 in Töpfen in ausgezeichnetem Culturzuftande, ftellte noch Herr Jof. G. Wieninger, Weingrofshändler und Grundbefitzer in Gumpoldskirchen, aus. Von geringerer Bedeutung erfchienen ein von Baron Liebmann in Wien ausgeftelltes Sortiment Trauben und ein aus 10 Stück Pfirfichen beftehendes des Herrn V. Patzak, Gärtner der Frau Pauline Zinner zu Deutfch Jafsnig in Mähren. лас попр Ungarn hatte von Aepfeln und Birnen vergleichsweife wenig geliefert, um fo bedeutender dagegen in Trauben ausgeftellt, fo dafs man einen vollen Ueberblick über die in Transleithanien zumeift im Grofsen gezogenen Sorten gewinnen konnte. Die an den mannigfaltigen Producten des Feld- und Gartenbaues Ungarns reichfte war unftreitig die durch Herrn Wanderlehrer Alexander Luká czy in Peft- Ofen zu Stande gebrachte Collectivausftellung exportfähiger ungarifcher Gartenproducte, welche aufser den am häufigften gebauten Erzeugniffen der Bodencultur noch Medicinalkräuter, Sämereien und Gartengeräthfchaften enthielt und von 36 namentlich aufgeführten Theilnehmern zu Stande gebracht worden war. Das gröfste und wichtigfte Contingent dazu lieferte der Herr k. k. Kämmerer Ludwig von Bogyay in der 500 Sorten ftarken Sammlung von Trauben aus feinen Weingärten in Badacfony. Ein wefentliches Verdienft um die Beforgung und Aufftellung derfelben erwarb fich dabei Herr Theodor Belke. Profeffor an der landwirthschaftlichen Lehranftalt zu Keszthely und Mitglied der Jury, indem er, abweichend von der gewöhnlichen Expofitionsweife auf Tellern oder in Körbchen nebeneinander gelegt, fie inftructiv geordnet in ihrer natürlichen Stellung hängend auf Cartonblättern befeftigte und die forgfam getrockneten Blätter jeder Sorte zur Veranfchaulichung ihrer charakteriftifchen Unterfchiede mit beiheftete. Einen integrirenden Theil diefer Sammlung bildete das an allen Producten des Gartenbaues reiche Sortiment des Herrn C. A. Kraetfchmar in RimaSzombat, welches zugleich noch Medicinalpflanzen enthielt. Eine intereffante Sammlung diverfer Gartenproducte lieferte noch die Municipalität der Stadt Felegyhaza in Kumanien, der fich die fchöne Der Gartenbau 37 Sammlung von Obft und Trauben des Herrn Ed. J. Hejkal in Papa anfchlofs. Letzterer an Bedeutung naheftehend erwiefen fich die Obft- und Traubenfortimente des Herrn Stefan Nirfchy aus Prefsburg und Ludwig Trsztyansky in Keszthely am Plattensee. Eine 126 Traubenforten ftarke, ausgezeichnet fchöne Collection ftellte Herr Dr. Ignaz Málnay aus Tahi Tótfalu und Herr Jofef Kovács, reformirter Prediger in Bátorkefz, aus. Letztere 182 Nummern ftarke Sammlung der ed elften Trauben, in Töpfen ausgeftellt, enthielt 36 weiſse und rothe Sorten, welche von aus den berühmteren Weingegenden Frankreichs eingeführten Reben ftammten. Sehr preiswürdig waren noch die Traubenfortimente des Prefsburger Weingärtner- Vereines und des Herrn Johann Mathiász aus Kafchau. Das erftere enthielt 88 Sorten mit ihren Localnamen bezeichnet; das letztere nur 27 Nummern ſtark, dagegen durchwegs vorzügliche franzöfifche Sorten. Eine 170 Sorten ftarke, in Töpfen ausgeftellte werthvolle Traubenfammlung lieferte der Director der Ofner Landes- Rebfchule Herr Dr. Franz Entz. Unter den kleineren Sortimenten wäre noch das des Herrn Ferd. Braun aus Oedenburg zu erwähnen. Aus Croatien hatte die Direction der königl. land- und for ftwirthfchaftlichen Lehranftalt in Kreuz eine ausgezeichnete und fehr intereffante 222 Nummern ſtarke Collection von Traubenforten ausgeftellt; aus Agram Herr Handelsgärtner J. Kallina ein Sortiment Obft und Trauben. Noch verfchiedene Sorten des edleren Tafelobftes in höchft ausgebildeten Exemplaren lieferte das k. pomologifche Etabliffement in Pufzta Foedemés unter der Leitung des Herrn Obergärtners Auguft Richon und Herr Orban aus Papa noch ein kleines Sortiment von Birnen. Allgemein bedauerte man die vorherrfchend ungarifche Bezeichnung der Obft- und Traubenforten, wodurch die Vergleichung der einzelnen Sorten mit denen anderer Collectionen geradezu unmöglich wurde. Deutfchland. Eine der gröfsten Collectivausftellungen lieferte Sachfen, vertreten durch Herrn Lämmerhirt, Baumfchulen- Befitzer in OberGorbitz bei Dresden, an der fich 20 Theilnehmer betheiligten, unter welchen wir zwei königliche Gärten und dem Leipziger Gärtner, wie dem Plauen'fchen Obft bau- Verein begegnen. Sie zählte 274 Nummern von Aepfeln und Birnen und zerfiel in 6 nach den Diftricten ihrer Züchtung gruppirte Sortimente, von welchen das erfte Sortiment, aus der guten Obftlage der Bezirke Dresden, Bautzen etc. ftammend, 69 Aepfel- und 54 Birnenforten enthielt; das zweite Sortiment, dem Sandboden von Nieder- Laufitz entſprechend, 22 Aepfel-, 20 Birnenund 2 Pflaumenforten; das dritte Sortiment aus dem Bezirke Zittau und worunter 18 an der„ Zittauer Leipzig, 28 Aepfel- und 4 Birnenforten Chauffée" gebaut; das vierte Sortiment, aus der Gegend von Leipzig, 8 Aepfelund 9 Birnenforten; das fünfte Sortiment, aus der, kalten Lage" von Freiberg und Plauen( 3- bis 500 Meter über Meeresfläche) je 6 Aepfel- und Birnenforten und 10 verfchiedene dafelbft gedeihende Obftgattungen auswies, und das fechfte Sortiment, von ,, fächfifchen Provincialforten" 24 Aepfel- und 10 Birnenforten enthielt. Sie präfentirte fehr gut die Pomona des ganzen Königreiches und erwarb fich durch ihre praktifche Gliederung den Beifall aller Fachmänner. Ihr an reihten fich die Collectivausftellungen der Danziger und Hildesheimer Gartenbau- Vereine, fowie der Gartenbau Gefellſchaft in Cöln. Bremer وو Flora" An der Collectivfammlung des Bremer Gartenbau- Vereines betheiligten fich fieben Ausfteller, am ftärksten darunter Herr Hermann Ortgies. Sie zählte im Ganzen 221 Nummern, von welcher 153 auf Aepfel-, 65 auf Birnen- und 3 auf Weintraubenforten entfielen. Sie enthielt viele neue und gute Sorten, nur liefsen die Früchte an Ausbilduug Manches zu wünſchen übrig. 38 Dr. Eduard Fenzl. Die Collectivausftellung des Danziger Gartenbau- Vereines wies 168 Nummern auf, von welchen fich 100 auf Aepfel-, 54 auf Birnen- und 14 auf vorzügliche Marktforten der erften Obftart vertheilten. Werthvolle und neue Sorten, zumeift richtig beftimmt und in fchönen Exemplaren vertreten, zeichneten fie vortheilhaft aus. Jene des Hildesheimer Gartenbau- Vereines( Ausfteller und Vertreter Infpector Palandt) war 231 Nummern ftark, von welchen 131 auf Aepfel- und 100 auf Birnenforten entfielen. Ein fehr fchönes, viele gute und zum Theil noch feltene Sorten enthaltendes Sortiment. Jenes der Gartenbau- Gefellfchaft" Flora" in Cöln, 30 Sorten Aepfel und eben fo viele von Birnen enthaltend, enthielt meift bekannte Tafel- und Marktfrüchte, aber in fehr fchön ausgebildeten Exemplaren. Alle drei Collectivfammlungen hielten fich, was Schönheit der Exemplare und Wahl der Sorten betrifft, die Wage. Ihnen ftanden in mancher Beziehung die Collectionen nach, mit welchen der Kieler Gartenbau Verein und der für Pomologie und Gartenbau in Meiningen die Ausftellung befchickten. Die letztere von ihnen ftellte ihre Aepfel- und Birnenforten nach dem Diel'fchem Syfteme claffificirt aus, wobei jedoch nach der Meinung mehrerer Jurymitglieder manche irrige Beftimmungen ftattgefunden hätten. Sie zählte 218 Nummern, von welchen 107 auf Aepfel und III auf Birnen fielen. Von landesfürftlichen Inftituten Deutfchlands befchickten die königlich preufsifche Landes- Baumfchule zu Potsdam durch ihren Infpector Herrn Lauche und die Direction des königlich württembergifchen land- und forftwirthschaftlichen Inftitutes zu Hohenheim durch Garteninfpector Schulz diefe Ausftellung. Die Potsdamer Landes- Baumfchule ftellte 87 der beften Tafel- und Marktforten von Aepfeln und 27 Sorten Birnen, nebft einem Teller mit Früchten von Vaccinium macrocarpum( Cransbeere) und einem ftarken Exemplare diefer Art aus, welche dort bereits in gröfserer Ausdehnung mit Erfolg cultivirt wird. Die Hohenheimer Sammlung, circa 200 Sorten, theils Tafel- theils Wirthfchaftsobft nebft Quitten, Pfirfiche und Hafelnüffe enthaltend, zeichnete fich durch fchöne Früchte und correcte Beftimmungen vortheilhaft aus. Auch befanden fich darunter einige Früchte eines intereffanten Baftardes von Pyrus baccata und Malus, von der Gröfse kleiner Borstorfer Aepfel. Zu den gröfsten und beachtungswertheften Ausstellungen von Obft, von Seite Einzelner aus Deutfchland zählte unbedingt jene des Herrn C. Kniep, Weinbau- Auffehers in Duderftadt in Hannover, mit ihrem 300 Nummern ſtarken Sortimente von Aepfel- und Birnenforten. Sie war eine der wenigen pomologifch richtig geordneten und enthielt das werthvollfte Handelsobft in vorzüglich fchönen Exemplaren. Ihr beinahe ganz gleich zu ftellen war die des Herrn Max Touchon aus Hohenau. Sie enthielt viele neue Sorten in fchönften Früchten. Eine bedeutend kleinere nur aus Aepfeln und 19 Birnenforten beftehende Sammlung des Herrn Rittergutsbefitzers P. Mack in Althof- Ragnit war dadurch von Intereffe für die Pomologen weil fie, aus einer rauheren Gegend kommend, nur Früchte von Hochftämmen enthielt. Herr Galle, Kunft- und Landfchaftsgärtner in Ober- Glauche bei Trebnitz, lieferte ein fchönes Sortiment von 84 Aepfel- und 50 Birnenforten, die beften Tafel- und Wirthfchaftsforten enthaltend. Die Früchte felbft waren gut entwickelt, ihre Benennung jedoch nicht immer richtig. Herr Amblard, Baumfchulen- Befitzer zu Lory devant le Pont in Lothringen, ftellte 36 diverfe am meiſten in Elfafs- Lothringen gezogene Obftund 100 Traubenforten aus, welchen noch nach verfchiedenen Methoden gezogene Weintrauben- Setzlinge von Mofeltrauben beigeftellt waren; endlich Herr Bernhard Müllerklein, Baumfchulen- Befitzer zu Carlftadt am Main, eine hübfche Sammlung von Aepfeln, Birnen und Trauben welche aber leider etwas defect angelangt waren. Der Gartenbau. 39 Intereffant fand man die von Herrn R. Riedel, Kunft- und Handelsgärtner in Löwenberg aus Preufsifch- Schlefien auf Riebes aureum hochftämmig veredelten Stachelbeeren, fowie feine aus Samen verfchiedener Jahrgänge von Rosa canina erzogenen Wildftämme. Aus Frankreich fand fich nur die allen Pomologen rühmlichft bekannte Firma Baltet frères aus Troyes mit einer fchönen Sammlung von 210 Sorten Aepfel ein. Einige von ihnen wie der„ Préfident Napoleon" zeichneten fich durch ihre enorme Gröfse aus, andere fchienen nicht vollkommen ausgebildet zu fein. Zu den kleineren Expofitionsgegenständen aus Frankreich gehört noch ein durch Herrn Amblard ausgeftelltes, 84 Nummern ſtarkes Sortiment Trauben aus dem Luxemburger Garten in Paris, welches er vom Minifterium des Ackerbaues zum Gefchenke erhielt; ferner eine nachträglich von Herrn Thomery aus Paris eingefendete Verpackungsprobe von abgelöften Weinbeeren zwifchen Papierfpänen in Kiftchen, welche als fehr vortheilhaft von ihm gerühmt und zur Nachahmung empfohlen wird. Aus Belgien, dem Mufterftaate für Horticultur und Pomologie, konnte man nur Vorzügliches erwarten und in der That leifteten die beiden Gefellſchaften, welche die Ausftellung mit den einfchlägigen Landesproducten befchickten, wahrhaft Aufserordentliches. Diefe Gefellſchaften waren der Cercle d'Arboriculture in Gent und die Société centrale d'Arboriculture zu Brüffel. Die Erftere, vertreten durch Herrn Profeffor Ed. Pynaert, ftellte eine Collection von 389 Sorten Birnen aus; eine zweite ornamentaler Birnen in Prachtexemplaren( Paradebirnen); zwei je 12 Sorten ftarke Sammlungen von Birnen von hochftämmigen Bäumen, anerkannt vom Cercle als die zu diefem Culturzwecke geeignetften, eine dritte derfelben Art, anerkannt durch die Communalfchule in Gent; ferner eine Collection von 170 Sorten der beften Aepfel"; 510 Sorten ,, Tafelobft"; 70 Sorten Tafelobft ,, an dreijährigen Cordons gezogen" und eine Collection der in Belgien zur Bepflanzung der Aecker und Wiefen" bevorzugten Aepfel. " Ebenfo waren von Trauben, die beften Sorten zum Treiben" ausgeftellt und im Anfchluffe kleinere Collectionen von Pfirfichen und Pflaumenforten. Als eine willkommene Beigabe mufs noch einer Sammlung fehr praktifcher gummirter Etiquetten zum Marquiren der Obftforten erwähnt werden, welche Herr Profeffor Eduard Pynaerdt mitgebracht hatte und fpäter der hiesigen Gartenbau Gefellſchaft als Mufter zum Gefchenke machte. Die Société centrale lieferte gleichfalls grofsartige Sammlungen von Aepfeln für Hochftämme und von Birnen nebft einer Sammlung von neuen, noch unbekannten Sorten Birnen, welche Herr Gregoire aus Samen erzogen hatte. Beide Sammlungen waren, was Cultur betrifft, das Vollkommenfte in der Ausftellung. Im Anfchluffe an die Sammlungen von Obft ftellte fie eine Collection von vorzüglich gelungenen Nachbildungen von 600 Birnen-, 100 Aepfel-, 30 Pfirfich-, 15 Aprikofen, 20 Pflaumen- und 8 anderen Fruchtforten aus, welche zur Bewunderung herausforderten. Aus Dänemark erfchien der Gärtnerverein Hortulania in Kopenhagen mit einer ebenfo quantitativ grofsartigen, als qualitativ ausgezeichneten Sammlung von Obftforten. Von Aepfeln waren 126, von Birnen 79, von Pflaumen 15, von Pfirfichen 2, von Weintrauben 5, von Nüffen 7 Sorten ausgeftellt. Von Aepfeln waren 15, von Birnen 3 als echt dänifche Sorten bezeichnet. Die Früchte waren recht gut ausgebildet und zeugten von einem fehr hohen Stande der Obftcultur in Dänemark. Schweden in allen übrigen Gruppen der Weltausftellung glänzend vertreten, leiftete in diefer ganz Aufserordentliches und Ueberrafchendes. 40 Dr. Eduard Fenzl. Niemand gewärtigte in diefem fchon fo bedeutend nördlich liegenden Lande einen folchen Reichthum an Obft und Gemüfen, am allerwenigften aber von folcher Gröfse und Güte zu begegnen, wie felbft noch das unter dem 62. Grade nördlicher Breite gediehene befafs. In nicht geringere Verwunderung wurde man aber noch durch die Art und Weife der Befchaffung diefer weit über 800 Nummern ftarken Collectivfammlungen verfetzt, als man erfuhr, dafs fie das Werk der fchwedifchen Regierung fei, welche den gelehrten Botaniker Dr. N. J. Anderfon in Stockholm beauftragte, die verfchiedenen Provinzen Schwedens zu diefem Zwecke zu bereifen und die fpäteren Einfendungen zu veranlaffen. Auf diefe Weife ift es allein möglich geworden, nicht blos eine genaue Kenntnifs von allen obft- und gemüfe bauenden Provinzen und Localitäten, fondern auch von jenen Sorten zu gewinnen, welche noch in den nördlichen Diftricten bis zum 63. Grad gedeihen und vollſtändig reifen. Ein beigegebenes Kärtchen diente noch zur leichteren Orientirung. Die ganze Sammlung war demgemäfs nach den einzelnen Provinzen, von der füdlichen( Schonen 56. Grad nördlicher Breite) angefangen und mit Medelpad( um 63. Grad nördlicher Breite) fchliefsend, arrangirt, und gewährte auf diefe Art eine ungemein lehrreiche Ueberficht über die Art und Befchaffenheit der dafelbft gebauten Sorten, wie über deren Abnahme an Zahl gegen Norden zu. Eilf Provinzen Schwedens erfchienen als obft und gemüfebauende, durch 34 Ausfteller( Perfonen und theilweife Gefellſchaften) vertreten. Als folche betheiligten fich an diefer merkwürdigen Collectivfammlung: die GartenbauGefellſchaft in Upfala, die Gartenbau Gefellfchaft und der fchwedifche Gartenbau- Verein zu Stockholm( 59 Grad 20 Fufs nördlicher Breite); dann Herr Grofshändler James Dickfon zu Ofverås in Gothenburg( 57 Grad 50 Fufs nördlicher Breite) mit Trauben, Ananas und Kernobft; die Herren Gutsbesitzer K. Dugge zu Latorp und A. Robfon zu Afpa in Nerike( 59 Grad nördlicher Breite); endlich Herr Gottfchalk, Handelsgärtner in Stockholm, Herr Lyth, Vorfteher der landwirthschaftlichen Schule in Nordwik( 62 Grad) mit Obft von aus Samen erzogenen Bäumen. Unter den verfchieden ausgezeichnet wohlfchmeckenden Aepfelforten erwarb fich ein rein hochgelber Grafenfteiner durch feinen Duft, wie er fonft nie fo ftark und fein vorkommt, die Bewunderung aller Pomologen. Italien hatte von frifchem Obft nichts ausgeftellt, dagegen Herr Franz Valetti aus Turin, eine in Form und Colorit unvergleichlich fchöne Collection nachgebildeter Früchte, welche die der Belgier noch übertraf. H Sie umfafst bis jetzt 55 Sorten Aprikofen-, 8 Mandel-, 10 Azarolen-, 79 Kirfchen- und Weichfeln, 8 Quitten. 8 Cornelkirfchen-, 40 Feigen-, 25 Erdbeeren-, II Himbeeren, 4 Granatäpfel-, 35 Johannisbeeren, 187 Pfirfich, 603 Birnen, 332 Aepfel-, 91 Pflaumen und 737 Traubenforten. Gemüfe: Von Ausftellern diefer Art horticoler Erzeugniffe fanden fich aus Cisleithanien nur mehr wenige ein, da die meiſten der Meinung waren, dafs die Ausftellung von Gemüfen mit der vierten temporären gefchloffen worden fei und fie mit ihren Producten nicht weiter zugelaffen würden. Unter den Wenigen, welche es demungeachtet wagten, diefe letzte Ausftellung mit Gemüfen zu befchicken, nahm der gräflich Breuner'fche Obergärtner Jofef Hirfch in Grafenegg den erften Platz ein. Deffen Sammlung enthielt nicht weniger als 160 Gemüfeforten und Küchenkräuter und 53 Sorten der beften Kartoffeln. Sie ftand nur wenig hinter der Mufterfammlung Skebras aus dem freiherrlich Suttner'fchen Garten in Harmannsdorf zurück, welche diefer zur vierten Ausftellung eingefendet hatte. Aufser ihm befchickte die Ausftellung noch aus Hirfchftetten in Niederöfterreich Peter Freiherr v. Pirquet mit einer Partie von Gemüfen, welche Zeugnifs von der Vortheilhaftigkeit feiner im Grofsen angewandten Culturmethode durch Beriefelung gab. 151516 Der Gartenbau. 41 Eine kleine Partie von Gemüfen ftellte noch Herr Andreas FlafchelPartie ausnehmend fchönen meyer, Handelsgärtner in Wien und eine Meerrettiges abermals Herr Handelsgärtner Johann Klem pf aus Rudolfsheim aus. Aus Saaz in Böhmen fendete Herr Adolf Burgftaller fechs Sorten Gurken und aus Eibenfchitz in Mähren Herr Anton Worell, Spargelfamen und Setzlinge von Riefenfpargel in verfchiedenen Altersftufen von überrafchender Stärke ein. Aus Ungarn lieferten die Herren Lukáczi, Kretfchmar und die Municipalität der Stadt Felegyhaza in Kumanien Sortimente von Gemüfen, Küchen- und Medicinalkräutern und Herr Danhofer aus Koka eine Partie Meerrettig ein. Alle diefe Producte konnten gegenüber den betreffenden aus Cisleithanien und Deutfchland früher eingefendeten auch nur entfernt einen Vergleich aushalten. Aus Deutfchland betheiligten fich diefes Mal nur Wenige in Gemüfeforten an diefer Ausftellung und reichten ihre Leiftungen an Bedeutung auch lange nicht an die heran, welche fich andere auf der vorhergegangenen temporären. Ausftellung erworben hatten. Die gröfste Anerkennung fand in diefer Beziehung noch das Sortiment von Kartoffeln, welches Herr Görling in Lindenberg mit Herrn A. Bufch aus Grofs- Maffow in Pommern ausgeftellt hatte. die verdienftlichfte Leiftung unter den deutfchen Ausftellern von Gemüfen war jedenfalls die des Herrn Rudolf Riedel, Kunft- und Handelsgärtwar die des ners in Löwenberg aus Preufsifch- Schlefien zu erklären, welcher ein Sortiment der dafelbft zur Maffencultur verwendeten Kartoffeln, fowie ein anderes der neuen und feinften für die Tafel verwendbaren, ausftellte. Die beiden anderen Ausfteller in Gemüfearten waren die Herren: J. Butterbrodt aus Hildesheim und Guftav Befte horn aus Bebitz. Beide fendeten Sortimente fchön gezogener Runkel- und Zuckerrüben; letzterer eine neue Varietät mit carmoifinrothen Blattftielen von fehr grofsem Zuckergehalte und aufserdem noch ein Sortiment der vorzüglichften Getreideforten in Halmen und Körnern und unter denfelben die neuefte„ Beftehorns Gerfte" benannte Sorte. Mit ihnen fchliefst die Serie der Ausfteller von Gemüfen aus Deutfchland ab und folgen nunmehr jene aus Belgien, Dänemark, Schweden und Rufsland. Eine fehr fchöne und gewählte 117 Sorten ftarke Sammlung ftellte die Société centrale d'Arboricultur in Brüffel neben jener von Obft aus. Carotten, Zwiebeln, Kohl und Kraut nebft Bohnen und Endivien waren ziemlich reich in guten Sorten vertreten. Sie bot aber weder mehr noch Befferes als das Inland bei den früheren Ausftellungen bereits geboten hatte. Ausnehmend reich und qualitativ ganz vorzüglich erwies fich das Gemüfe fortiment, welches der dänifche Gärtnerverein„ Hortulania" in Kopenhagen auf diefe Ausftellung brachte. Es wies 45 Kartoffel, 18 Bohnen-, 13 Möhren-, 26 Zwiebel- und Lauchforten, 14 Kohlarten, 26 Rettig und Rüben, 24 Gurken und Melonenforten und aufserdem noch eine nicht unbedeutende Anzahl von Salatforten und anderen Gemüfearten auf, fo dafs man mit Recht fagen konnte, dafs mit diefer Sammlung allein der Reichthum diefes Landes an Obft- und Gemüfearten vollkommen repräfentirt war. Dasfelbe läfst fich qualitativ auch von diefen Producten des Gartenbaues aus Schweden fagen, während quantitativ das betreffende Sortiment aus Gothenburg, Smaland und Gothland bedeutend hinter dem dänifchen zurückftand. Aus Rufsland, von wo man es am wenigften erwarten durfte, fendete Herr Handels- und Gemüfegärtner E. Gratfcheff in St Petersburg eine fo reichhaltige und qualitativ fo vorzügliche Collection von Gemüfen aller Art ein, dafs fie von allen Sachverständigen als eine der beften unter den bisher ausgeftellten diefer Art erklärt wurde. 42 Dr. Eduard Fenzl. Von Decorations Gegenständen hatte Frau Betti Flafchelmeyer in Wien einen hübfchen Tafelauffatz, aus Obft und Blumen gebildet, eingefendet und Herr Georg Weber in Klagenfurt Gebinde aus getrockneten Blumen geliefert, welche fich jedoch als ziemlich werthlos erwiefen. Damit wären wir mit unferem Bericht über die fünfte und letzte der temporären Ausstellungen zu Ende und es erübrigt uns nur noch zu bemerken, dafs fie es war, welche, verglichen mit den früheren temporären Ausftellungen am meiften dem Charakter einer wahrhaft internationalen entſprach, denn nicht die gröfsere Menge von Ausstellern aus jedem Lande, fondern die Menge und die Natur der aus jedem Lande zur Ausftellung gebrachten Gegenftände find es, welche einer folchen Exhibition den Stempel der Internationalität aufdrücken. Diefer Charakter kann fich übrigens eben fo fehr in der Disparität als in der Homogenität der ausgeftellten Gegenstände ausfprechen und in diefer Beziehung muss man fagen, dafs derfelbe in dem Artikel„ Obft" am auffälligften hervortrat und von keinem anderen auf den vorhergegangenen übertroffen wurde. Was aber ebenfo entfchieden dabei zu Tage trat, ift die Thatfache, dafs hierin Oefterreich Ungarn hinter keinem der übrigen dabei vertretenen Länder zurückftand. Die permanente vom 1. Mai bis Ende October währende Ausftellung von Pflanzen. Sie umfafste alle innerhalb der abgefchloffenen Ausftellungsarea gelegenen für bestimmte Culturzwecke refervirten und dazu adaptirten Grundparcellen mit den darauf unmittelbar angezogenen oder blos für diefe Zeit verfenkten Pflanzen, und damit auch alle zur Verfchönerung des offenen Ausftellungsraumes vor dem Induftriepalafte gefchaffenen Anlagen. So aufgefafst bildete fie ein reich gegliedertes, zufammenhängendes Ganze und in Verbindung mit vielen anderen auf diefem Raume zerftreuten kleineren Bauten und Decorations- Gegenftänden einen Glanzpunkt der ganzen Ausstellung. Ihr Zuftandekommen ist das unbeftreitbarfte Verdienft der Generaldirection und ihrer zur Ausführung verwendeten fachkundigen Organe. Durch eine in jeder Hinficht glückliche Ausnutzung fchöner, alter oder in mancher Hinficht intereffanter Bäume und Gruppen des früheren Waldbeftandes auf dem Ausftellungsplatze, konnte und wurde einer der fchönften Parke im Vordergrunde des grofsen Gebäude complexes hingezaubert und dadurch genügender Raum für grofse Rafenparterre, Bildung von Gruppen decorativer Gewächfe und Auspflanzungen von Zierfträuchen und Obftbäumen gefchaffen. Auch wurden noch offene Räume zwifchen den Hauptgebäuden und einzelnen Nebengebäuden ( Pavillons) in die Culturanlage einbezogen und damit das Innere des ganzen Induftriepalaftes belebt. Alle diefe verfchiedenen, räumlich oft bedeutend von einander entfernten Culturgruppen hingen durch eingefchobene Waldpartien organifch gegliedert unter fich zufammen, und gelangten fo unbeirrt durch andere differenten Charakters zu ihrer vollen Wirkung; fo die grofsen Rafenparterre vor der Rotunde mit der Gruppe decorativer Gewächfe um den Kaiferpavillon; die fchöne, ftilvolle Anlage zwifchen der Oftfronte des Ausftellungsgebäudes und der Kunsthalle um den Brunnen Achmet's und die des Ziergartens im Vordergrunde des für die temporären Ausftellungen beftimmten zeltartigen Exhibitionsraumes am Floraplatze. Ohne eine Schilderung diefer drei Hauptgruppen und aller anderen gröfseren und kleineren Culturparcellen, als nicht ftrenge zu meiner Aufgabe gehörend, zu verfuchen, will ich nur mit wenigen Worten deren Beftimmung andeuten und darnach auf die Art, wie ihr im Einzelnen entſprochen wurde, näher Der Gartenbau. 43 eingehen. Einige derfelben, wie die Rafenparterre und Anlagen um den AchmetBrunnen, fowie jene im Innern des Induſtriepalaftes und zwifchen den dahinter liegenden Gebäuden der zweiten Reihe befindlichen offenen Räume oder einzeln ftehender Bauten dienten zumeift zur Ausfchmückung des Ganzen; einige andere zur Darstellung von Gartenanlagen für Unterrichtszwecke. Sie können fammt und fonders unter der Bezeichnung„ Anlagen" zufammengefasst werden. Eine zweite Gruppe von Culturftätten bildeten die zur Aufnahme von Ausftellungsgegenständen beftimmten, welche abermals in eine für Ziergewächfe und eine die Culturmethoden des Obft- und Weinbaues illuftrirende zerfiel. Für die erftere derfelben war der fchon erwähnte Floraplatz, für die zweite die Böfchungen des diefem nahe liegenden fchmalen Donauarmes adaptirt. Unter den fogenannten Anlagen waren es die grofsen vor der Südfront des Induſtrialpalaftes liegenden, regulär angelegten Rafenparterre mit ihren Wafferrefervoiren und vielbewunderten Fontainen, welche von den Wiener Samenhändlern Rud. A be 1, Baumann's Nachfolger, Bofchan, Markel's Söhne und Soutton und Sohn aus London, der einzigen Firma diefes Reiches, welche fich in horticoler Beziehung zur Verwunderung der ganzen Welt an der Ausftellung betheiligte, befamt worden waren. Zu entfcheiden, welche hierin das Befte geleiftet, gehörte zu den Unmöglichkeiten. Ihre Ausfaaten erwiefen fich, dank der reichlichen Bewäfferung und Pflege als vollkommen rein, gleichmässig und widerftandsfähig gegen den Sonnenbrand die ganze Zeit hindurch bis in den Spätherbft hinein. Die ftilvoll angelegte und forgfältig gepflegte Anlage um den Brunnen Achmet's, ein Werk des im Dienfte der Generaldirection ftehenden Gärtners Ferd. Maly, enthielt nur krautartige Gewächfe in vorzüglicher Auswahl und vollftem Verſtändniffe ihrer Verwendung Namentlich wirkfam erwiefen fich die fchönen Ricinusarten und die Büfche des Pennisetum latifolium. Als eine im beften Gefchmacke ausgeführte gemifchte Anlage aus Zierfträuchern, hohen und niederen annuellen und perennirenden, blühenden oder vielfärbigen Blattpflanzen in Gruppen mufs die den Kaiferpavillon umrahmende er klärt werden. Ausnehmend gefchmackvoll angelegt und vortrefflich erhalten erwiefen fich die vom k. preufsifchen Hofgärtner Walter beforgten Teppichpflanzungen und Strauchpartien um den Pavillon des deutfchen Reiches und feiner Annexe. Einen fehr freundlichen Eindruck machte die Anlage um den Ausftellungspavillon des Fürften von Monaco. Grofse Exemplare von Phormium tenax, Agaven, Bambufen, Ficus, Cacteen und Craffulace en etc. erwiefen fich fehr wirkfam in ihrer Gruppirung. Namentlich zogen zwei grofse, in voller Blüthe ftehende Exemplare von Agave americana die Blicke des Publicums auf fich. Ihre Pflege liefs dagegen Manches zu wünfchen übrig. Unter den kleineren Anlagen diefer Art zeichnete fich der fchmale Vorgarten an der Front des öfterreichifchen Ausftellungspavillons des Ackerbau Minifteriums aus. Derfelbe repräfentirte eine aus Felsftücken des Karftes conftruirte Alpenpartie, welche mit blühenden alpinen und fubalpinen Kräutern und Sträuchen befetzt war und fich überraschend gut über Sommer erhielt. Ein weiteres derartiges Object bildete der kleine, aber gefchmackvoll angelegte Wintergarten am franzöfifchen Commiffionshaufe, welchen Herr A. C. Rofenthal angelegt hatte. Als ein ähnliches, aber durchaus feinem Charakter nach verfchiedenes Object in diefer Reihe von Anlagen mögen noch die im orientalifchen Gefchmack ausgeführten Teppichpflanzungen im Hofraume des Palaftes des Khedive von Egypten gelten. Viel dürftiger als die vorerwähnten kleineren Anlagen nahmen fich aus: das kleine vom Carlsbader Stadtgärtner Hahmann ausgeführte, mit Terracotten gefchmückte Hausgärtchen und das bei dem Brande des Elfaffer Bauernhaufes fpäter mit zu Grunde gegangene Gärtchen in deffen Hofraume. 44 Dr. Eduard Fenzl. Bei dem den Unterrichtsanftalten gewidmeten Annexe des deutfchen Reiches befand fich noch ein Kindergarten", der eine Reihe von Beeten zeigte, welche mit Zier- und Gemüfepflanzen befetzt waren, von welchen jede Art mit dem Vornamen des Kindes bezeichnet wurde, das als deffen Eigenthümer und Pfleger gelten follte. Die Mitte diefes Gartens nahm eine zierliche Blumenteppich- Anlage ein, der zur Seite noch ein gröfseres Gemüfebeet fich befand. Bei dem öfterreichifchen Schulhaufe jenfeits des Heuftadelwaffers, im fogenannten Dörfel, war dem Programm gemäfs auch ein Mufter Schulgarten angelegt worden, welcher zweckmässig eingetheilt Proben von Nutz-, Futter-, Medicinal-, Gift- und Zierpflanzen, eine kleine Baumfchule und Mufter von Obftbaum Sorten u. f. w. enthielt. Diefe Anlage wurde von dem Herrn Gärtner Heinrich ausgeführt und die bezüglichen Gewächfe theils aus dem Subfcriptionsfonde für die Errichtung des Schulhaufes angekauft, theils von der k. k. Gartenbau Gefellfchaft, dem k. k. Univerfitätsgarten und den Herren Rudolf Abel, Friedrich Kläring, A. C. Rofenthal und C. Matznetter gefpendet. An der permanenten Ausftellung von Ziergehölzen und krautartigen Pflanzen aller Art betheiligten fich nicht weniger als 55 Perfonen davon 16 aus dem Auslande, und zwar aus Deutſchland 5, aus Frankreich 4, aus Italien I, aus Belgien 2, aus Niederland 2, aus Japan I und Brafilien I; aus dem Inland 26 zumeift Wiener Handelsgärtner.- An der Spitze der Ausfteller von Gehölzen aller Art ftand unbeftritten der Baumfchulen Befitzer und Handelsgärtner F. J. C. Jürgens aus Ottenfen und Nienftädten in Schleswig- Holftein. Seine grofse Sammlung von exotifchen, im Freien ausdauernden Coniferen in Prachtexemplaren, feine fchönen Allee, Solitär- und Trauerbäume mit hängenden Aeften, feine bunt und fchlitzblättrigen Sträucher und Rhododendrons waren auf einem grofsen, wellenförmig hergerichteten Rafenplatz landfchaftlich mit eminentem Gefchmack gruppirt und vertheilt. An Schönheit der Exemplare von Coniferen( ein Sortiment von 200 Arten und Varietäten von allen Gröfsen) ihm nicht nachstehend hatten Peter Smith& Comp. aus Hamburg, Hermann Ohlendorf aus Ham und Martin Müller aus Strafsburg ausgeftellt; kleinere Sammlungen derfelben, aber in fehr fchönen Exemplaren, die Herren Alexis d'Allière und Jean Verfchaf felt aus Gent; eine 117 Sorten ftarke die Firma Croux& fils in Aulnay les Sceaux in Frankreich. Unter den Ausftellern gemifchter Zierfträucher und Bäume im freien Grunde lieferte Herr Park- und Gartendirector Petzold aus der königl. priv. niederländifchen Baumfchule zu Muskau eine Collection von 602 Ziergehölz- Arten und Spielarten aus 22 Familien. Diefe Sammlung zeichnete fich nicht blos durch die grofse Mannigfaltigkeit der Arten, fondern ebenfo fehr durch den Culturftand der jungen Bäumchen, richtige Nomenclatur und Zufammenftellung aus, und erregte allgemeines Intereffe. Sie lieferte eine lebendige Illuftration zu dem Vortrage des Herrn Profeffor Dr. Koch aus Berlin über die Anlage von dendrologifchen Gärten, welchen derfelbe in dem gleichzeitig mit diefer Ausftellung tagenden Gärtnercongreffe hielt. Wie reich in diefer inftructiven Expofition die einzelnen Arten und Varietäten vertreten waren, möge die Thatfache beweifen, dafs die Gattung Quercus allein durch 129 derfelben vertreten war. Im Vergleiche zu diefer koloffalen Sammlung mufsten jedenfalls die folgenden derartigen, für fich betrachtet ganz verdienftlichen Sammlungen Jacob Juriffens& Sohn aus Naarden, des Pomologifchen Vereines zu Boscoop in Holland, und Rofenthals in Wien zurückftehen. Kleinere Sammlungen von Coniferen und anderen durch Färbung oder Geftalt ihrer Blätter oder Blüthen fich auszeichnende immergrüne Zierfträucher * Infoferne mehrere von ihnen zugleich verfchiedentlich ausftellten: 60. Der Gartenbau. 45 lieferten die Herren Rud. Abel, L. Bachraty, C. Matznetter und Emil Rodek in Wien und Umgebung. Eine der gröfsten an Stückzahl der Arten, Spielarten und Sorten, wohl an 1000 Nummern zählende Sammlung von Obftbäumen, Zierfträuchern und perennen Pflanzen fandte die griechifche Regierung durch den Univerfitätsprofeffor in Athen Herrn Theodor Orphanides. Sie repräfentirte nahezu vollſtändig den Pflanzenbeftand der nationalen Baumfchule dafelbft, aus der um den beiſpiellos billigen Preis von 10 Centimes per Stamm, zur Auspflanzung gezogene und veredelte Obftbäume, Citronenbäumchen, Gehölze und perennirende Gewächfe, darunter A gave americana, Chamaerops humilis und dergleichen zu dem von I bis 3 Francs abgegeben werden. Allerdings liefsen Cultur und Veredlungsweife der ausgeftellten Exemplare Vieles zu wünſchen übrig, aber Befferes zu folchen Spottpreifen herzuftellen ift auch nicht wohl möglich. Man begnügt fich übrigens dort zu Lande mit diefen Producten und kann, wie Profeffor Orphanides mir mittheilte, man nur auf diefe Weife dafelbft der Horticultur Eingang auf dem Lande verfchaffen. Leider theilte diefe in mehrfacher Beziehung intereffante Collection das Schickfal aller übrigen in die Niederung der oben erwähnten Böfchung des Donauarmes verwiefenen pomologifchen Sammlungen, durch den andauernden Austritt des Waffers nämlich erfäuft zu werden. slim Uebergehend zu den Ausftellungen blühender Gewächfe, zumeift Specialitäten, auf dem Floraplatze, mufs noch zweier Teppichanlagen gedacht werden, von welchen die eine von dem damaligen Gärtner der Wiener Gartenbau Gefellſchaft, die andere von dem hiefigen Handelsgärtner Franz Frelich angelegt worden waren. Die erfte, in zwei Gruppen zerfallende gröfsere überbot durch ftilvolle Zeichnung und gewähltere Zufammenftellung der Farben entfchieden die letztere. Diefe in neuerer Zeit in Mode gekommene horticole Spielerei ift bereits zu einem Unfegen für den Gartenbau geworden. Eine Unfumme von Geld, Zeit und Arbeitskraft confumirende, dabei fehr vergängliche und zumeift unäfthetiſche Mofaikarbeit, wirkt diefe Cultur erfahrungsmäfsig durch die damit verknüpfte geifttödtende Arbeit demoralifirend auf das heranwachfende Gefchlecht der Gärtner. Sie gibt nur Zeugnifs von dem fchlechten Gefchmacke der Menge, die an folchen Tändeleien Gefallen findet. Weit intereffanter und belehrender erwies fich die an den japaniſchen Bazar anfchliefsende Culturanlage eines Confortiums japanefifcher Gärtner, welche aufser einer Menge baum- und ftrauchartiger Gewächfe ein grofses Sortiment von auch bei uns theilweife im Freien ausdauernden Lilienforten enthielt. Manche derfelben, wie Lilium lancifolium, Thunbergi aureum, japonicum und auratum waren allerdings uns bekannte Erfcheinungen; dagegen durfte man eine noch gröfsere Anzahl von ihnen, wenn auch nicht immer als Arten, doch als Spielarten der genannten, für uns bisher unbekannte anfehen. Eine bedeutende Menge hübfcher Nutz- und Ziergewächfe, waren auf dem Transporte theils zu Grunde gegangen, theils fo befchädigt angelangt dafs fie nicht ausftellbar waren und anderwärts, um fie noch zu retten, in Pflege genommen werden mufsten. Als fehr praktiſch, ungemein leicht und dauerhaft erwiefen fich noch ihre aus fchmalen Bambuslatten angefertigten Schattendecken, welche im Freien über Pfähle gefpannt, nach Umftänden eben fo gut als Dach wie als Wandfchirm verwendet werden konnten. Rofen Sortimente hatten die Herren Harms aus Wolfenbüttel, der pomologifche Verein zu Boscoop aus Holland, Bachraty und Wolfram aus der Wiener Umgebung im Freien ausgeftellt. So hübfche Sorten auch die Sortimente der drei letztgenannten Ausfteller enthielten, fo ftanden fie doch in jeder andern Hinficht jenem des erfteren weit nach. Namentlich traten bei den Wiener Ausftellern die fchon früher gerügten Mängel der hochftämmig gezogenen Rofen durch Verwendung allzu hoher Unterlagen bei der Veredlung recht augen 46 Dr. Eduard Fenzl. fällig hervor. Um wie viel gefunder, üppiger und reichblühender erwiefen fich nicht die von Harms ausgeftellten Rofenbäumchen gegen unfere bis zu zwei Dritttheilen ihrer Höhe nackten, fchwindfüchtigen Stämme! Nicht das Klima allein, wie hier immer behauptet wird, fondern die falfche Methode, nach der man fie hier zieht und behandelt, bedingt ihr gleich unvortheilhaftes Anfehen in der Jugend wie im vorgerückten Alter. Das auf acht Gruppen vertheilte Sortiment Harms' enthielt hoch- und niederftämmig veredelte Remontant, Bourbonund Theerofen, welche vom Sommer bis in den Spätherbft blühten und einen prachtvollen Anblick gewährten. Eine kleine, wenig bedeutende Gruppe von Yucca- und Agave Arten hatte der hiefige Handelsgärtner Leop. Stumpf; eine Partie blühender Zierpflanzen Herr Obergärtner Jan aufchek; 6 Stück Araucarien von anſehnlicher Gröfse Herr Gartendirector Pohle aus dem fürftl. Liechtenſtein'fchen Park zu Eisgrub und Herr Hirſch aus dem gräfl. Breuner'fchen Garten in Gravenegg ein grofses Exemplar der Mufa Enfete, dem Wind und Wetter hart zufetzten, drei fehr fchöne, über 6 Fufs hohe, reich blühende der Lasiandra Fontanesii und ein prachtvoll gezogenes mit Blüthentrauben beladenes von Desmodium penduliflorum ausgepflanzt. Einzelne Specialitäten hatten noch folgende Handelsgärtner ausgeftellt: aus Palanza in Oberitalien die Brüder Rovelli, 3 ausnehmend fchöne pyramidenartig gezogene Camellienbäume von bedeutender Höhe; Herr Thiel aus Vöslau 4 Stücke alter, überreich blühender Bäume der Erythrina laurifolia, Herr Peter Smith& Comp. aus Hamburg eine Partie gefüllter und einfacher Pelargonien, fowie ein Sortiment von Stockrofen( Althea rofea); Devoty's Witwe ein ausnehmend reiches Sortiment fchöner Georginen, Eugen Verdier aus Paris ein mit Recht viel bewundertes, farbenreiches von Gladiolen, und Herr Toscano ein Beet von Viola cornuta mit fehr grofsen Blüthen. Auf dem fich anfchliefsenden Mozartplatze befand fich ein von Herrn Wagner ausgeftelltes grofses, aber unzweckmäfsig eingerichtetes Palmenhaus aus Eifenconftruction, welches mit fehr anfehnlichen Palmen aus dem k. k. Hofgarten in Schönbrunn und den Gewächshäufern des Herrn R. Abel angefüllt war und zugleich zur Aufnahme von aus den temporären Ausftellungen zurückgeftellten Pflanzen verwendet wurde Auf demfelben Platze befand fich auch der mit enormen Koften aus dem Innern von Brafilien hieher gefchaffte 34 Meter hohe Stamm einer Araucaria brasiliensis, umgeben von mehreren lebenden kleineren Exemplaren. Derfelbe langte in 20, genau aufeinander paffenden Stücken zerlegt, an, welche man durch eiferne Reifen aufeinander fügte und die oberften mittelft im Boden verankerten Drahtfeilen befeftigte. Das unterfte diefer Stücke befafs einen Durchmeffer von nahe 1'41 Meter. Diefer Baumriefe, an deffen Gipfel man die letzten Zweige ftehen liefs und mit den kindskopfgrofsen Zapfenfrüchten behängte, bildete einen der intereffanteften und bewundertften Gegenftände feiner Art. Entfernter von den beiden Plätzen, am oberften Rande der Böfchung des bereits erwähnten Donauarmes befindlich, hatte noch Herr Flatz eine 500 Nummern ſtarke Sammlung von Nutz- und Ziergräfern ausgepflanzt, welche dafelbft vorzüglich gediehen, deren richtige Beftimmung indeffen viel zu wünfchen übrig liefs. An derfelben Stelle, nur tiefer und dem Wafferfpiegel näher gelegen, befanden fich, leider zu ihrem Verderben, die Anlagen von Baumfchulen, formirter Bäume, veredelter Zierfträucher und Rebenforten, nebft der bereits befprochenen Collection der griechifchen Landes- Baumfchule zu Athen. Als erftes Object traf man hier eine grofse Mufteranlage für eine Gemeinde- Baumfchule von dem Director der Obft und Weinbau- Schule zu Klofter Der Gartenbau. 47 neuburg, Freiherrn v. Babo, welche fehr anerkennend beurtheilt wurde; diefer zunächft eine fehr bedeutende derartige Anlage veredelter Obftbäume und Sträucher des hiefigen Baumfchulen Befitzers Rofenthal, welche fich durch Mannigfaltigkeit der Sorten und correcte Behandlung der einzelnen Stämme vortheilhaft auszeichnete. In ihrer Nähe befanden fich die kleineren Collectionen verfchiedener Waldgehölze und hochftämmiger Stachel- und Johannisbeeren- Sträucher aus der Ackerbau- Schule zu Schönberg in Mähren; die fehr gelungenen einjährigen Veredlungen derfelben Beerenfrucht- Arten auf Hochftämmen von Herrn D. Pohl aus Blanda in Mähren; endlich die ein- und zweijährigen Veredlungen von Kirfchen, Pflaumen und Pfirfichen des Herrn Jellinek aus Czimelitz in Böhmen, welche, nach einer veralteten, von ihm aber als neu auspofaunten Methode ausgeführt, nichts weniger als befriedigten. Anerkennenswerthes leiftete in der Partie von Form- Obftbäumen der pomologifche Verein zu Booscoop in Holland; entfchieden Befferes, ja mitunter ganz Vorzügliches die Herren Baltet frères aus Troyes in Frankreich, welche aufserdem noch einige andere, für die Induſtrie wichtige Gehölze, wie Rhamnus utilis aus China ausgeftellt hatten. Entfchieden hinter beiden zurück ftanden die Form- Obftbäumchen des landwirthfchaftlichen Inftitutes zu Kefzthely in Ungarn und die des Herrn Dr. Lekifch aus Zam in Siebenbürgen. Ausnehmend fchön gezogene Obftbäume in Spalier-, Cordon-, Palmettenform etc. hatten die Herren Jürgens Schilhan und der gräflich Franz Zichy'fche Gärtner Richon, beide aus Ungarn, und Hengel junior in Wien geliefert. Es wäre fchwer, zu fagen, welcher von den Genannten Befferes geleiftet. Allgemein von Sachverständigen bewundert und als die Perle unter diefen Sortimenten erklärt wurden die Form- Obftbäume des Herrn Durand aus Paris. Als einen befonderen Vorzug derfelben rühmte man die grofse fyftematifch durchgeführte Gleichförmigkeit in der Wahl der fruchttragenden Aefte und Zweige bei jeder Fruchtart und bei jeder Form, die Eleganz der letzteren, fowie die befondere Stärke der ausgeftellten Exemplare. Es erübrigt am Schluffe diefer Aufzählung von Ausftellern von Formenbäumen noch zweier, der Natur der Objecte nach unter fich ganz verfchiedenen Sammlungen zu gedenken, welche unbedingt zu den vorzüglichften diefer Art zählten jener der fürftlich Schwarzenberg' fchen Domänendirection und des Herrn Amblard in Lorry devant le Pont aus Elfafs. - - Erftere, einen integrirenden Theil der den fchönen landwirthfchaftlichen Ausstellungspavillon des Fürften umgebenden Gartenanlagen bildend, enthielt aufser einer reizenden Partie von Laubhölzern und Coniferen letztere repräfentirt in allen Entwicklungsftadien vom keimenden Sämling bis zum zehnjährigen Bäumchen eine Collection von 205 Aepfel, 95 Birnen-, 24 Pflaumen-, 4 Kirfchen-, 8 Pfirfich, 2 Apricofen-, I Wallnufs-, 2 Stachelbeeren- und 5 Johannisbeeren- Sorten, von welch' erfteren viele theils hochftämmig, theils fpalierartig oder in Cordonform gezogen waren und, im Spätherbfte voller Früchte hangend, einen wundervollen Anblick gewährten. Schnitt und Cultur erwiefen fich untadelhaft und diefen entſprechend auch deren Erträgnifs. Die zweite mit den obengenannten Sammlungen von Form- Obftbäumen an derfelben Stelle ausgepflanzte und ihr Schickfal felbftverſtändlich theilende Collection Amblard's galt allein dem Weinreben- Baue in Elfafs Lothringen. Sie repräfentirte alle dafelbft im Grofsen cultivirten Sorten, demonftrirte zugleich die dort üblichen Culturmethoden und enthielt beigegeben für die Wein- berg- Befitzer im mittleren Europa noch ein ungemein wichtiges Verzeichnifs aller jener Rebenforten, welche in Folge jahrelang von ihm fortgefetzter Verfuche allein fich zur Gewinnung eines guten Weines in diefer Zone eignen, und folcher, welche, nur in füdlicheren Gegenden ein werthvolles Product diefer Art liefernd, in Mitteleuropa vom Anbaue im Grofsen auszufchliefsen find. 4 48 Dr. Eduard Fenzl. Der Gartenbau. Am Schluffe unferes fpeciellen Berichtes über die Ergebniffe der fünf temporären und der permanenten Ausftellung nunmehr angelangt, fei es mir geftattet, mein Urtheil über den Werth der Gefammtleiftung diefer Ausftellung in Kürze abzugeben. Verglichen mit dem, was in landwirthschaftlicher Beziehung vom In- und Auslande gleichzeitig geleiftet wurde und was die letzte Parifer Ausftellung in horticoler Beziehung geleiftet hatte, kann fie im Grofsen und Ganzen keineswegs auf das Prädicat einer ausgezeichneten Anfpruch machen; beiden ftand fie nach in der Zahl der Ausfteller, Menge und Mannigfaltigkeit der Gegenftände, fowie der Grofsartigkeit ihrer äufseren Erfcheinung. Dagegen überbot fie letztere entfchieden an Lieblichkeit und Annehmlichkeit für das im Freien fich bewegende Publicum durch eine ebenfo zweckmäfsige als gefchmackvolle Umftaltung des Vordergrundes wie der geräumigen Lichthöfe des Induftriepalaftes in eine parkähnliche Gartenanlage. Fafst man die drei Haupt- Culturzweige des Gartenbaues und ihre Vertre tung ins Auge, fo, mufs man fagen, dafs nur von Belgien aus die Ziergärtnerei in eminenter Weife, jedoch nur temporär, vertreten war und die Gefammtlaft während der ganzen Dauer der Ausftellung in diefem Zweige nahezu allein von den in und um Wien befindlichen Gärten getragen werden mufste, nachdem fich die grofsen böhmifchen Privatgärten demonftrativ ferne gehalten hatten, dafs aber die erfteren fich diefer fchweren Aufgabe auf das ruhmvollfte entledigten. Es mufs dabei ferner betont werden, dafs felbe in der Behandlung der Culturen der Gewächfe in keiner Weife dem Auslande nachftanden. Dasfelbe läfst fich auch von der Qualität der hier erzeugten Gemüſe fagen: Ueberflügelt wurde in diefem Zweige an Reichhaltigkeit der Sortimente das Inland nur durch die über jedes Lob erhabene Thätigkeit der deutf hen Gartenbau- Gefellſchaften und Vereine. Wahrhaft international vertreten erfchien nur der Obftbau. Eine fchönere und intereffantere Ausftellung von Obftforten dürfte wohl noch nie gefehen worden fein. Dafs Oefterreich auch hierin die Concurrenz mit Deutſchland nicht zu fcheuen hatte, läfst uns hoffen, dafs auch diefer Zweig des Land- und Gartenbaues fich mit der Zeit noch immer mehr bei uns heben werde, obgleich es noch lange währen dürfte, bis derfelbe jene Höhe erreicht, auf der derfelbe in Belgien und Frankreich fteht. Schliefslich mufs ich noch der zur Zeit der dritten und fünften temporären Ausftellungen tagenden Congreffe der deutfchen Gärtner und Gartenfreunde, fowie des pomologifch- önologifchen der Landwirthe als einfacher Thatfachen erwähnen, ohne mich weiter mit den Gegenftänden zu befchäftigen, welche dabei zur Verhandlung und Schlufsfaffung kamen. Als mit der Weltausftellung nicht in directem Zufammenhange ftehend, können fie nicht Gegenftände der mir gewordenen Aufgabe fein. Nähere nach den ftenographifchen Aufzeichnungen verfafste Berichte hierüber möge man nachfehen, und zwar über den vierten Congrefs deutfcher Gärtner und Gartenfreunde in dem Organe der k. k. Wiener Gartenbau- Gefellſchaft:" Der Gartenfreund", Jahrgang VI, Hefte Nr. 8 und 9( 1873); über den pomologifchen Congrefs: die Verhandlungen über denfelben von Dr. Eduard Lucas, Ravensburg 1874( Separatabdruck aus deffen„ Illuftrirten Monatheften für Obft- und Weinbau").